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30.09.2024

GOOD BOY (2022)

Die spontane Sigrid lernt per Tinder-Date den attraktiven Christian kennen, lässt sich nach einem überraschend angenehmen Tag auf eine sexuelle Übernachtung bei ihm ein, und wird morgens von dessen Hund Frank geweckt, der sich als Mann im Hundekostüm entpuppt. Zunächst wendet sie sich von diesem ungewöhnlichen Gespann ab. Als sie im Nachhinein jedoch erfährt, dass Christian ein Multimillionär ist, möchte sie sich die Geschichte der beiden anhören und versucht Toleranz für diese alternative Art zu leben aufzubringen. Das funktioniert auch ganz gut. Sie freundet sich mit Frank an, beginnt eine Beziehung mit Christian, und alles ist gut - zumindest bis man gemeinsam in den Urlaub fährt...

Wenn man alles toleriert... 

"Good Boy" bietet einen ungewöhnlichen Aufhänger und weiß diesen authentisch, anstatt reißerisch einzusetzen, einfach weil sich hier alles echt anfühlt. Passend besetzte, professionelle Mimen, die Art des Hundeanzugs, Kamerastil, Regie, Musikuntermalung, hier passt alles zusammen um einen entrückten Film auf Arthouse-Art zu präsentieren, der im norwegischen Original umso mehr wirkt, was die deutsche Veröffentlichung mit dem Beifügen eines deutschen Untertitels (leider längst nicht mehr selbstverständlich) bei Unkenntnis der Sprache ermöglicht. Trotz gemütlicher Erzählweise, die sich ganz auf die Figuren konzentriert, kommt die Geschichte schnell zum Hauptaspekt: der Begegnung Sigrids mit Frank. Diesen Moment kitzelt der Handlungsablauf regelrecht herauf, denn wir lernen erst die Zweisamkeit zwischen Christian und Frank kennen, bevor mit dem Tinder-Date Sigrid in die Handlung bricht. Dieses bedrohliche Knistern in scheinbar heiler Umgebung bleibt nach der naiven, aber glaubwürdigen Annäherung Sigrids mit den ungewöhnlichen Begebenheiten bestehen, schließlich weiß der Zuschauer, dass er gerade einen Horrorfilm guckt, aber nicht auf welche Art sich dieser Bereich als solcher offenbaren wird. 

Dies geschieht bei einem angenehm unter 80 Minuten laufenden Werk etwa nach 45 Minuten weit nach der halben Laufzeit, was man als Freund des anderen Kinos ebenfalls gerne annimmt. Die Vorbereitung einer solchen Situation ist meist ohnehin die beste Phase in diesem Genre, und bei relativ kurzer aber konsequenter Konzentration auf den Horroraspekt bleiben einem zumindest die mittlerweile üblich gewordenen, etlichen aufeinander stapelnden Showdowns erspart. "Me, You & Frank" (Alternativtitel) kann authentisch bleiben, egal wie fies sein Szenario ausfällt und rutscht damit nie ins Phantastische ab. Der Horror löst das Genre des romantischen Filmes ab, der stets im Zentrum stehende Drama-Aspekt bleibt selbst in harten Szenen, die sich nie durch blutige Bilder entfalten, enthalten. "Good Boy" ist jene Art Horror, in welchem man meint den Schmerz des anderen, ob seelisch oder körperlich, mit zu empfinden. Und obwohl er all diese bislang aufgezählten Vorzüge besitzt, gehört er nicht zu den großen Werken seines Genres, wie es im Bereich des künstlerisch wertvollen Horrors mit Niveau kürzlich erst der aus ähnlicher Region stammende "Hatching" war. Das liegt daran, dass Regisseur und Autor Viljar Bøe es in seinem Erstling vernachlässigt mit der Offenbarung des Aggressors der Story weiterhin ungewöhnliche Wege zu gehen. 

Von hier an erleben wir die klassische Struktur einer Geschichte, in welcher sich eine Frau in den Fängen eines Psychopathen aus diesen befreien muss. Da mag es aufgrund des Aufhängers alternative Varianten der Bestrafung geben, und auch die eher unnötig und unglaubwürdig anmutende Schlusspointe profitiert vom andersartigen Aufhänger der Gesamtgeschichte, aber auch sie sind lediglich variierte Momente des Standards inmitten des austauschbaren letzten Drittels an Psychopathen-Horror-Routine. Ich verstehe nicht, warum Bøe diese angenehme Art des alternativen Erzählens nicht weiterhin nutze, anstatt sie lediglich als Sprungbrett ins Gewöhnliche zu verwenden. Warum konnte der Horror nicht im Kopf Sigrids entstehen, lediglich durch Vorurteile gelenkt, während sich das Gespann Christian und Frank als eben doch harmlos entpuppt? Oder noch besser meine zweite Idee, in welcher Frank der Psychopath gewesen wäre, dann hätte man die entscheidende, schockende Wendung, in welcher Frank erstmals aus der Hunderolle heraus bricht, dafür nutzen können, dass er Christian als Psychopath darstellt, damit Sigrid Angst vor ihm bekommt, weil er sein Herrchen für sich alleine haben will. 

Wieso meinen Autoren solcher Werke, es wäre damit getan einem handwerklich hervorragenden Genre-Beitrag einen reizvollen Aufhänger zu bescheren und konsequent weiter zu verfolgen, nur um von der Wende in den Horror dann doch nur alles schon oftmals Erzählte lediglich zu variieren? Schade, "Meg, deg & Frank" (Alternativtitel) hätte solch ein besonderes Stück Kino werden können, und ist auf diese Art doch "nur" das nette Psycho-Drama mit Anspruch für zwischendurch geworden. Allein schon weil er auf Satire-Art augenzwinkernd Kritik an der mittlerweile alles tolerierenden Gesellschaft nimmt, ist es schade, dass er gegen Ende derart abbaut, u.a. weil dieser Aspekt nicht mehr wichtig für die Geschichte ist und sich rein auf die Dekadenz des Entrückten und die Fluchtversuche der beiden Unterdrückten konzentriert.  OFDb

24.04.2021

MANHUNT BACKWOODS MASSACRE (2008)

Seit "Graf Zaroff" wird der Bereich der Menschenjagd des öfteren filmisch thematisiert. Besagter Klassiker ist meiner Meinung nach bislang unerreicht, und was dem folgte ist in der Regel mittelmäßiger Natur, so auch der norwegische Beitrag "Rovdyr" (Originaltitel), der es aber immerhin schafft dem Stammzuschauer des Horror-Genres angenehme Routine zu liefern. Denn Regisseur Patrik Syversen, der mit seiner Regie-Beteiligung an "Hellfjord" bewies, dass er auch lustige Stoffe beherrscht, umgeht viele Fehler, welche vergleichbare Beiträge uninteressant machen. Das beginnt mit überzeugend besetzten, greifbaren Figuren, deren soziales Miteinander auch vor dem Einstieg in die Hauptgeschichte zu funktionieren weiß und die trotz deutlicher Charakterpositionierung nie zu sehr in Stereotype abrutschen und somit immer einen Rest individuell bleiben. Vertieft werden die Figuren nicht, wir lernen sie nur so weit kennen, wie es für die Geschichte wichtig ist. Diese Herangehensweise weiß auch im Bereich der Täter zu gefallen, die weitestgehendst anonym bleiben. Über ihre Motivation erfahren wir ebenfalls nichts. Das lässt das Szenario sich sogleich bedrohlicher und einen Funken echter anfühlen. Syversens Gespür für Spannungsmomente besorgt diesbezüglich den Rest. 

Zwar fehlt das tiefe Greifen in den Bereich des Nervenkitzels, doch für eine derart übersichtliche Handlung ist der Spannungsbogen effektiv genug gesetzt, um keine Längen oder Desinteresse zu erzeugen. Hilfreich stehen dem Film auch seine 75 Minuten Laufzeit zur Seite, die man jedoch nur in der Österreichischen Uncut-Fassung zu Gesicht bekommt. Trotz Spio/JK-Siegel sind die deutschen Veröffentlichungen geschnitten, und dies so schlecht, dass man die fehlenden Stellen auch leider all zu gut bemerkt. Zwar geht es in "Backwoods" (Alternativtitel) ordentlich zur Sache, aber die Gore-Effekte werden nie zu seinem Hauptanliegen, sondern sollen lediglich, ebenso wie andere Schauwerte, das Ergebnis bereichern, eine Herangehensweise, die ich mir öfters im Bereich des Horrorfilms wünschen würde. Zudem weiß der Schluss von "Manhunt" (Alternativtitel) zu gefallen, der zwar so kommt, wie man es nach dem Verlassen des Waldes vermutet, dies aber derart augenzwinkernd subtil angegangen, rein durch das mimische Schauspiel der beiden Figuren im Auto eingefangen, dass der Streifen damit angenehm anders schließt. Inmitten einer 08/15-Geschichte, mit deutlichen Anleihen auf Hoopers "Blutgericht in Texas" ("Manhunt Backwood Massacre" spielt ebenfalls in den 70er Jahren), sind es derartige Momente, mit welchen sich der europäische Stil vom einheitlichen der US-Amerikaner unterscheidet. Dort drehte Syversen sein Folgewerk "Prowl", was vermuten lässt, dass der hier besprochene Film wohl halbwegs erfolgreich gelaufen sein muss.  OFDb

25.10.2020

DOGVILLE (2003)

Welch bitterböse Idee: eine verfolgte Frau darf sich über längere Zeit mit Einverständnis der Bewohner in einem kleinen Dorf verstecken und hilft als Gegenleistung jedem vor Ort bei diversen Tätigkeiten. Als nach einigen Wochen klar wird, dass sie von der Polizei gesucht wird, reichen die bisherigen Dienstleistungen nicht aus. Die Forderungen an die Versteckte werden immer größer und unerträglicher, sodass sie nach und nach in die Position einer Gefangenen rückt. Diese Geschichte ist äußerst reizvoller Natur und lässt einen vermuten, dass die Abrechnung mit den ach so braven Spießbürgern in einer düsteren, spannungsgeladenen Thriller-Variante daher kommt. Doch letztendlich lässt sich diese Satire gar nicht so leicht in ein Genre stecken. Die oftmals sehr dramatisch dargebotene Geschichte kommt schwarzhumorig, verspielt und bitter gleichermaßen daher, besitzt definitiv einen Spannungsbogen, der jedoch keineswegs auf Thrillerbasis daher kommt, sondern aufgrund der sich zuspitzenden Geschichte für Anspannung sorgt. Mit Nervenkitzel hat diese Art der Spannungserzeugnis im üblichen Sinne nichts zu tun. Zudem weht ein gewisser Märchen-Touch über den Dingen, ein Gefühl das stark dadurch beeinflusst wird, dass "Dogville" im Stile eines "Die fabelhafte Welt der Amelie" über die komplette Laufzeit von der sanften Stimme eines Geschichtenerzählers im Off begleitet wird, dessen ruhige, friedliche Stimme und Betonung selbst dann keinen Wandel erhält, wenn die Zustände, unter denen die Hauptfigur leidet, immer düsterer und leidender Natur werden. 

Zu diesem ungewöhnlichen Umgangston der Erzählung gesellt sich nun noch die experimentelle Optik des Streifens, spielt "Dogville" über seine kompletten 170 Minuten doch in einer großen Halle, auf deren Boden die Straßen(namen), die Häuser und die Namen ihrer Bewohner auf den Boden ge(kenn)zeichnet sind und die professionellen Schauspieler innerhalb dieser Markierungen agieren. Dieser Minimalismus funktioniert überraschend gut und kommt keineswegs so pseudo-intellektuell daher, wie diese ungewöhnliche Herangehensweise zunächst anmuten mag. Das liegt aber auch daran, dass man dieses Set als selbstverständlich einsetzt und ganz für sich, ohne Zusatzeinfluss, wirken lässt. Zudem ist "Dogville" geistreich, reflektiert, kritisch und kompromisslos erzählt. Lars von Trier, der auch für das Drehbuch verantwortlich ist, präsentiert einen Film für mündige Cineasten und konfrontiert sie mit der Natur des Menschen. Der Blick auf diese mag pessimistischer Natur sein, doch ganz so falsch wird der gute Mann nicht liegen, wenn es darum geht wie Menschen, frei von Kontrolle, immer hemmungsloser Macht ausüben. Dabei geht es der Geschichte nicht einzig um den dramatischen Aspekt der im Zentrum stehenden Frau und den Taten ihrer Peiniger, sowie nicht nur um den Wandel der braven Bürger zu unterdrückenden Wesen, es geht auch um die Rechtfertigung der Täter, um ihren Blickwinkel, aus dem sie sich noch immer für normale Bürger halten, und bei dem seltenen Fall der Einsicht einer Fehltat maximal Schuldzuweisungen auf Seiten des Opfers suchen, anstatt Reue zu zeigen. 

Unter Einfluss all dieser Faktoren schaukelt sich das Geschehen immer weiter hoch, während sich am äußeren und inneren Stil des Streifens nichts ändert. Das weiß den Zuschauer gekonnt zu verstören. Ob man den Kniff wie alles endet ebenfalls als derart gekonnt wie den Rest ansieht, liegt sicher im Auge des Betrachters. So gewitzt auch hier auf anderer Ebene die Natur des Menschen und seine Rechtfertigungen thematisiert werden, ich wurde den Eindruck nicht los, dass der Film diese Rechtfertigung als Gerechtigkeit gut heißt, und das hinterlässt einen recht fragwürdigen Eindruck. Es ist aber eben nur ein solcher, wer anders mag das anders interpretieren und sagen, dass von Trier keineswegs Stellung bezieht und hier ebenso objektiv lediglich berichtet, wie er es zuvor tat. Der Wandel der in den letzten Szenen des Films in der Luft liegt, ist jedoch bemerkbar. Eine andere Tonart bricht an, eine Debatte über Recht und Unrecht wird offiziell geführt, anstatt wie bisher mal mehr, mal weniger subtil im Hintergrund mitzuschwingen. Generationenkonflikte werden zu einem wichtigen Element, ebenso das Überprüfen der eigenen Persönlichkeit, die Korrektur daran, der Einfluss von Familie und eigenem Willen wird als wichtiger Fakt mit herangezogen, und inmitten all dieser Methodik empfand ich das dort gezeigte Bereinigen der Ereignisse durchaus als vom Film gerechtfertigte Revanche, während ich selbst hingegen dachte, dass sich hier keiner in irgendetwas nachsteht. 

Mit Gerechtigkeit hat das nichts zu tun, nicht einmal mit der klassischen Entladung nach einer Extremsituation. Ich kann aber wie gesagt nicht wirklich einschätzen, wie sehr der Autor und Regisseur hinter den finalen Taten steht, sprich wie sehr es ein Zugeständnis an die eigene Natur ist, derartiges Handeln als Gerechtigkeit zu empfinden, quasi als angewandte Reflexion dessen was zuvor über Fremdpersonen analysiert würde an sich selbst, sowie als Spiegel für den Zuschauer, um sich ebenfalls als Mittäter zu fühlen, als jemand der mit im Boot sitzt, eben weil in ihm ebenso die Natur des Menschen schlummert. Im umgekehrten Fall wäre es zumindest ernüchternd, dass dieser Schluss auch stumpf gemeint sein kann. Wie auch immer man zu diesem ungewöhnlichen Stilwechsel steht und ihn definiert, auch hier weiß "Dogville" so oder so definitiv zu beeindrucken, mitunter weil er wie erwähnt seinem ruhigen, märchenhaften Erzählstil treu bleibt, selbst wenn über Dogville gerade die Hölle hereinbricht. Aus dem ruhigen Geschehen wird frei von Spezialeffekten ein lautes, ereignisreiches Szenario, das ebenfalls von Taten, deren Drang bislang unterdrückt wurde, handelt. Selbst in dieser Phase bleibt von Triers Darstellung der Ereignisse, des Umfelds und der Akteure stets symbolisch. 

Kalt dürfte "Dogville" nur jene lassen, die sich nicht auf die Entfremdung, durch welche die Symbolik zum Zentrum des Filmstils wird, einlassen können. Dialoge, Schauspiel und Handlungsverlauf sind derart packend dargeboten, dass man sich eigentlich wunderbar auf "Dogville" einlassen und von dessen Ereignissen mitgerissen werden kann. Einem Publikum mit vielseitigem Filminteresse und Anspruch müsste das Ergebnis eigentlich schmecken. Hier maulen lediglich die Gewohnheitszuschauer, die nur ungern aus ihrer Wohlfühlzone geholt werden und das Hobby des Filmeschauens schlichtweg auf das Filmeschauen reduzieren.  OFDb

09.01.2016

TURN ME ON! (2011)

So schlicht wie die Geschichte klingt, so schlicht ist sie auch ausgefallen. Denn der sehr sensibel erzählte „Turn Me On!“ bläht seine Geschichte nicht auf. Er bleibt bodenständig und realitätsorientiert, und ist dabei immer nah am Empfinden seiner Figuren dran, nicht nur an der im Mittelpunkt stehenden Alma, die selbstverständlich am intensivsten beleuchtet wird. Wir sind stets Teil ihrer Gedanken, manchmal Erlebnisse wiedergebend die wir zuvor mit angesehen haben. Und wir erleben ihre Phantasien, die trotz ihrer altersbedingten Naivität ernst genommen werden, so wie Alma an sich, die mit der hübschen, aber nicht Kino-typisch hübschen, Helene Bergsholm besetzt wurde.

Sie ist ein glaubwürdiger Durchschnitts-Teen, und ihre Schulkameraden sind es ebenso. Dank der europäischen Herkunft des Streifens wird die Geschichte angenehm unverkrampft erzählt, scheut sich auch nicht vor intimeren Aufnahmen, lässt diese aber nie aus dem Ruder laufen. Solche Momente verkommen nie zum quantitativen Schaueffekt, sondern unterstützen stets das authentische Flair des Streifens und die emotionale Nähe zur Hauptfigur. Der Film wird nie albern oder zotig, wie der Alternativtitel „Mach‘ mich an, verdammt nochmal!“ einen glauben lassen könnte. Schließlich ist „Turn Me On!“ lediglich eine sanfte Charakterstudie, eine die nie zu tief ginge als dass sie zu kopflastig ausfallen würde, sondern eine die sich rein auf die Gefühlswelt ihrer Figuren konzentriert auf eine Art, die niemals auch nur im Ansatz in den Kitschbereich abrutscht.

Da sich die Erzählung zwar auf Alma konzentriert, die anderen Figuren aber niemals vernachlässigt werden, entsteht somit ein Mikrokosmos eines angenehmen Wohlfühlstreifens, der zwar nichts erzählt was es in diesem Gebiet nicht bereits das ein oder andere Mal ebenso empathisch gegeben hätte, aber da solche Filme von ihren Charakteren leben, die alle kleine individuelle Unterschiede aufweisen, macht es auch immer wieder Spaß auf solche Filme zu stoßen. Die Figuren und ihre Realitätsnähe sind für die Regiearbeit von Jannicke Systad Jacobsen das wichtigste, und deswegen begleitet man den schlichten Erlebnissen auch dementsprechend interessiert. Eine zum Schmunzeln einladende Schlusspointe, die einzig aus dem Wort „Nein!“ besteht, rundet das gekonnt fotografierte Sehvergnügen ab, so dass man die tragikomische Story mit einem Lächeln verlässt.  OFDb

01.01.2016

KILL BULJO - THE MOVIE (2007)

„Kill Bill“ war ein großer Erfolg an den Kinokassen. Und an diesen orientierte sich Regisseur Wirkola lose für seinen ersten Langfilm. Mit Tarantinos populärem Film im Rücken vermarktet sich ein Streifen nun einmal besser, und „Dead Snow“, der auch Wirkola halbwegs berühmt machen sollte, war zur Entstehungszeit von „Kill Buljo“ noch Zukunftsmusik. Wer Wirkolas Film um Nazi-Zombies im tiefsten Schnee kennt, der weiß allerdings bereits, dass der Regisseur gerne mit Holzhammer-Komik arbeitet, und das ist dementsprechend auch im hier vorliegenden Film der Fall, innerhalb einer Produktion die nah am Amateurfilm-Niveau orientiert ist.

Scheinbar hoffte Wirkola dass genau diese Kostengünstigkeit sein Werk in Schutz nimmt, also dass der amateurhafte Charme einen die präsentierten Geschmackslosigkeiten besser munden lässt. Mit einer überzeugenderen Besetzung hätte das vielleicht sogar geklappt, zeigte doch die Mini-Serie „Hellfjord“, die aus der Feder Wirkolas stammt ohne dessen Regie-Beteiligung, dass sein Humor durchaus funktionieren kann. Allerdings kam diesem Projekt nicht nur die professioneller Schauspielerei zu Gute, sondern auch der richtige Gehalt und das richtige Timing für Extremkomik.

„Kill Buljo“ fehlt jegliches Feingefühl. Da fliegen einem Provokationen auf Proletenniveau alle Nase lang um die Ohren, dass man den Streifen als Komödie einfach nicht ernst nehmen kann. Nicht nur dass der Großteil der Komik vom Anspruch her tiefster Bodensatz ist in einem Bemühen irre cool sein zu wollen und ständig nur provozieren zu wollen, was den Streifen arg infantil daher kommen lässt, auch zeichnen sich in der Ausnahme immer wieder tolle Ideen ab, die nur in der Theorie funktionieren wollen, eben weil Wirkola nicht weiß diese richtig einzufangen. So weiß man immer was der gute Mann gewollt hat und ist enttäuscht darüber dass die Wirkung leider nur verpufft.

Das liegt hauptsächlich daran, dass Wirkola nicht verstanden hat, dass auch reinster Provohumor sensibel angegangen werden muss, damit er zu wirken weiß. Filme von Seth Rogen machen es vor wie man auf scheinbar niveauloser Ebene humoristisch niveauvolles Kino schaffen kann. Wirkola platziert seine dümmlichen Witzchen so oft und überall wie es ihm gerade passt, hat sicherlich auch immer mal ein paar funktionierende Gags mit dabei, aber zu einer funktionierenden Komödie wird das nur für genügsame Leutchen, die auch über Brösels Werner oder Otto-Filme lachen können. Wirkolas Komik kommt ebenso schlicht, plump und ausgeleiert daher, nur dass sich der Schwerpunkt im Gegensatz zu meinen Vergleichen auf sexuelle und gewaltverherrlichende Themen bezieht.

Schon „Dead Snow“ war keine Sternstunde geistreicher Komik, wollte es ebenso wie der hier besprochene Film auch gar nicht sein. Die Splatstick-Komik hat bei mir jedoch kaum auf schlichter Ebene funktioniert. Aber sein Erfolg zeigt, dass es dafür ein Publikum gibt. „Kill Buljo“ hingegen ist jedoch mindestens einen Grad flacher ausgefallen. Und dies zusammen mit seinem Amateurfilm-Flair macht es schwer Freunde der Nazi-Zombie-Komödie für den hier besprochen Streifen gewinnen zu können, egal wie sehr man die anderen Werke Wirkolas oder Tarantinos Original auch mögen mag.  OFDb

29.11.2014

HELLFJORD (2012)

„Hellfjord“ gewinnt von Anfang an Sympathie durch seine grotesken Figuren, die in skurrilen Situationen Schwarzhumoriges hervorbringen, während das ganze in einem ganz nüchternen und trockenem Stil erzählt ist, vielleicht ein wenig mit dem Kult-Film „Fargo“ vergleichbar. Inhaltlich erinnert das ganze ein wenig an „Hot Fuzz“, ein Film mit dem man sich aufgrund dessen Bekanntheitsgrades auch auf der deutschen DVD-Veröffentlichung identifiziert. Eine Zeit lang scheint dieser Vergleich nicht zu hoch gegriffen zu sein, ist das Feingefühl für treffsichere Pointen in einer belustigenden Grundatmosphäre doch wirklich nicht von schlechten Eltern, wenn den Humorschwerpunkt auch ganz anders setzend als der Vergleichsfilm, eben weil alles sehr viel trocker, grotesker und ruhiger präsentiert wird.

Ein wenig verärgert das inflationäre Einbringen von Kotz- und anderweitiger Würgkomik, allerdings wird sie meist belustigend und psychologisch sinnvoll eingebracht, z.B. zur Verstärkung wichtiger Charaktereigenschaften. Ein Pluspunkt ist die Deutschvertonung, welche den grotesken Gestalten glaubwürdige Stimmen beschert, und welche es schafft die Kultfigur des Kobba um einige Lacher zu bereichern, eben weil dessen Synchronstimme so großartig zu seiner rätselhaften Natur passt.

Drei Folgen von gerade einmal sieben geht dies in der Mini-Serie „Hellfjord“ gut, doch schon in der vierten bröckelt langsam die Treffsicherheit der Komik, wenn die senile Gastgeberin Salmanders zu viele Auftritte beschert bekommt. Kommende Folgen weisen andere Mängel auf, z.B. das Zurückschrauben der Humorquote zur Aufstockung des Erzählpotentials. Aber auch dies wäre aufgrund funktionierender Komik in angenehm trockener Umsetzung kein Problem gewesen, zumal die Groteske der Figuren weiterhin, trotz einer gewissen Gewöhnung, zu funktionieren weiß. Viel mehr ist es die Überraschungsarmut Richtung Finale, die viel am Potential von „Hellfjord“ kaputt macht.

Dass die Serie nicht 1-A funktioniert braucht bei genauem Hinsehen der Hintergrundverantwortlichen auch gar nicht wundern, ist Hauptautor der Chose doch Regisseur Tommy Wirkola, der in seinem Erfolg „Dead Snow“ auf massentaugliche Komik unter Niveau setzte und mit seinem „Hänsel und Gretel - Hexenjäger“ auch alles andere als eine einfallsreiche Geschichte ablieferte. Gemessen an diesen Ergebnissen liegt die Qualität von „Hellfjord“ weit vorne, und man darf sich gar wundern, dass der Humor derart geglückt ist. Wahrscheinlich war es einfach eine weise Entscheidung, dass Wirkola die Regie anderen überließ, z.B. Roar Uthaug, der den ersten, so großartig ausgefallenen, „Cold Prey“ inszenierte.

Es ist schade mit anzusehen, dass die rätselhafte und groteske Geschichte zum Ende hin nicht eine ebenso rätselhafte und groteske Auflösung erhält. Je mehr man sich der Ziellinie nähert, um so gewöhnlicher werden die Umstände in und um die Fischfabrik herum. Und viel zu schnell will man die zunächst ominösen Ereignisse  zu einem Abschluss führen. Das sorgt dafür, dass neue Einfälle, die überraschend und skurril wirken sollen, nicht mehr die Qualität derer zu Beginn der Serie besitzen. Da schmunzelt man mal kurz über eine Parodie auf das urplötzlich auftauchende Frauenbild von Action-Comic-Nerds, das war es dann aber auch schon.

Freilich weiß die Serie auch in ihrer zweiten Hälfte noch zu amüsieren, und man bleibt auch mit Interesse dran. Es ist nicht so, als ob das „Hellfjord“-Konzept nicht auch auf simplerem Niveau zu unterhalten wüsste. Aber man ist als Zuschauer freilich enttäuscht, dass das vorhandene Potential nicht bei gleichbleibendem Niveau ausgeschöpft wurde, immerhin reden wir hier nicht von sieben Staffeln, wo ein Qualitätsverlust unausweichlich ist, sondern von gerade einmal sieben Folgen.

„Hellfjord“ guckt sich so angenehm anders, weit entfernt vom Massengeschmack, und die Sinne von Freunden grotesker Unterhaltung derart stimulierend, dass eine gewisse Enttäuschung beim Qualitätsverlust der zweiten Hälfte unausweichlich ist. Aus einem absoluten Geheim-Tipp wird ein Werk welches sich Freunde des anderen Geschmacks ruhig einmal geben können, aber aufgrund der schwächeren zweiten Hälfte ohne dabei all zu viel zu erwarten. Schade!  OFDb

Nachtrag:

Nach zwei nochmaliger Sichtungen stört mich an der nach der ersten Sichtung als schwächer bezeichneten zweiten Hälfte eigentlich nur noch der etwas zu Action-lastige Schluss der letzten Folge, der glücklicher Weise aber auch für einige gelungene Gags gut ist. Was mir besonders gut gefallen hat und mir bei der ersten Sichtung merkwürdiger Weise gar nicht richtig auffiel, ist die Verlagerung der Groteske ab Folge 4 auf den dramatischen und den romantischen Aspekt, eine wirklich gelungene Idee, welche "Hellfjord" davor bewahrt sich zu schnell auf Bewährtes einzupendeln. Warum mich dies beim ersten Gucken nicht angesprochen hat ist mir ein Rätsel, sorgt es doch dafür dass die Serie so gelungen und einzigartig bleibt wie in ihrer ersten Hälfte. Mittlerweile ist dieser 7-Teiler ein wahrer Geheim-Tipp für mich, den ich nicht mehr missen möchte und auf dessen nächste Sichtung ich mich jetzt schon wieder freue, obwohl ich ihn innerhalb so kurzer Zeit nun schon drei Mal hintereinander gesehen habe. Zugegeben: zu wissen dass die Auflösung der Geheimnisse um Hellfish und dem Ort Hellfjord eher banaler Natur sind, machen es einfacher die positiven Aspekte der späten Phase zu entdecken. Ich bleibe dabei, dass des Rätsels Auflösung ruhig skurriler hätte ausfallen können. Aber gestört hat das dank der vielen Pluspunkte bei meinen Folgesichtungen überhaupt nicht mehr.

02.04.2014

ZOMBIE DRILLER KILLER (2010)

Man kann es wohl keinem übel nehmen hinter einem Titel wie „Zombie Driller Killer“ Schund zu vermuten, wer würde das nicht? Ich bin zumindest von Trash ausgegangen, habe mich aus diesem Grund nicht einmal alleine an dieses norwegische Werk mit französischer Mitbeteiligung heran gewagt und den Streifen stattdessen zusammen mit einem Trash-liebhabenden Freund zusammen geguckt. Dass wir Schund erwartet haben kann man uns nicht übel nehmen.

Dass die Verantwortlichen der deutschen DVD-Veröffentlichung ihn wie Schund behandelt haben, kann man jedoch sehr wohl übel nehmen. „Mørke sjeler“ (Originaltitel) verzweifelt auf diese Art anzupreisen und zu verkaufen, so hart wie der Markt umkämpft ist, da kann ich noch mit leben, ihn aber mit einer schlechten Synchronisation wie Dreck behandeln, das finde ich schon sehr enttäuschend, zumal ein deutscher Untertitel fehlt, um in den Originalton flüchten zu können.

„Zombie Driller Killer“ ist kostengünstiges Independent-Kino, keine Frage, aber er ist ein emotional verstörendes Stück anstrengendere Horrorkost, der mit einer Aussage versehen ist, Köpfchen vom Zuschauer fordert und der für einen Film seines Themas sogar recht anspruchsvoll daher kommt. Da kann man nur aufatmen, dass trotz Geldknappheit die Darsteller zu schauspielern wissen, was ganz besonders wichtig für die Vaterrolle ist, und dass die Spezialeffekte zu wirken wissen.

Geblutet wird recht wenig, schwarzer, öliger Schleim fließt dafür um so mehr, jedoch nicht um eine Zensur zu umgehen, wie es manches Computerspiel meinte mit umgefärbten Blut machen zu müssen, sondern basierend auf den Hintergrund aller Geschehnisse, ein Hintergrund der nie komplett gelüftet wird und jene Art Information auslässt, die den Zuschauer zum rätseln bringen soll was das ganze wohl soll, wie es weitergehen mag und ob man alles richtig verstanden habe.

Klar kommt „Drill Murders“ (Alternativtitel) allein durch seine Thematik auch manches Mal recht grobklotzig daher, er ist kein Arthouse-Film, aber er hält ein Niveau welches ich ihm nie zugetraut hätte, zumal die Zombie-Thematik im klassischen Sinne, wie vom Titel suggeriert, erst gegen Ende aufkommt. Zuvor sind die „Untoten“, trotz der Gefahr die von ihnen ausgeht, eher bemitleidenswerte Wesen, Opfer statt Täter, und auf ihre Art aufgrund ihrer durch Passivität im Hintergrund lauernde Bedrohung interessante Geschöpfe.

Dem ersten Opfer Johanna bei ihrem Zerfall zuzusehen ist keine neue Idee im Genre, im modernen Horrorfilm erst recht nicht, gerade wenn Werke zur Zombiethematik von der Verwandlung der Liebsten erzählen, so geschehen in „Return Of The Living Dead 3“ oder auch in „Zombie Honeymoon“, der im Vergleich zum hier besprochenen Film das passendere Beispiel wäre, öffnet der sich der Thematik doch ebenfalls recht sensibel und spucken die Zombies dort doch ebenfalls schwarzen ansteckenden Schleim. In Sachen Stil und Anspruch geht er jedoch in eine völlig andere Richtung. „Zombie Driller“ (Alternativtitel) ist aufgrund seiner ungewöhnlichen Erzählweise eher vergleichbar mit „Deadgirl“, der ebenfalls ein überraschend guter Ausnahmefilm war.

„Dark Souls“ (Alternativtitel) guckt sich in seinem Mix aus Horror, Drama und Kriminalfilm ungewöhnlich, an einigen kurzen Stellen auch recht anstrengend, immer dann wenn die Story den Eindruck macht nicht vorwärts zu kommen. Aber das tut sie durchaus, sie hat etwas zu erzählen, und damit hat sie vielen anderen Zombiefilmen, die bei uns direkt auf DVD erscheinen, einiges voraus. Aufgrund der Kostengünstigkeit verzeiht man bei solch lobenswertem Ergebnis so einiges, aufgrund des europäischen Erzählstils sowieso, den liebe ich, den mag ich in seiner Sachlichkeit und Kopflastigkeit. Selbst entdecken macht mir mehr Spaß als alles vorgekaut zu kriegen. Und mag „Zombie Driller Killer“ auch nicht Goethe sein, eine kleine Überraschung im Horrorregal ist er definitiv.  OFDb

13.05.2013

TROLL HUNTER (2010)

Studenten begleiten mit ihrer Doku-Ausrüstung einen Wilderer, der von sich behauptet ein Troll-Jäger zu sein. Recht schnell müssen sie einsehen, dass der Mann keineswegs lügt...
 
Strom im Kreis...
 
Trolle, werden viele denken, die jagen einem doch heutzutage keine Angst mehr ein. Und wer so denkt soll recht behalten, deshalb ist es auch gut, dass Regie-Debutant André Ovredal seinen Found Footage-Streifen zu Beginn zwar wie eine norwegische „Blair Witch Project“-Variante ohne Hexen einleitet, so richtig mit Spannungsaufbau und vielen dunklen Momenten im Wald, nach der ersten Trollbegegnung aber von diesem Weg abweicht, um eine Art Fantasy-Abenteuergeschichte zu erzählen. Der Horror funkelt nur noch in zweiter oder dritter Reihe durch, und der Ablauf der Geschichte geht dementsprechend anders vonstatten als in Konkurrenzprodukten.

Ein wenig zeigt Ovredal uns damit den Stinkefinger, hatte wohl jeder trotz (?) der Troll-Thematik bei dieser Art Film mit einem Beitrag des Horror-Genres gerechnet. Zumindest kann man diesen Eindruck bekommen, ist doch gerade der erste Troll das am wenigsten unheimliche Viech des Streifens, weswegen man zunächst nicht weiß, ob man es hier mit einem arg naiven Filmemacher zu tun hat, dessen Werk zum unfreiwillig komischen Trash wird oder eben nicht. Kurz darauf ist man schlauer.

Die für einen Found Footage-Film ungewöhnliche Laufzeit von über 100 Minuten wird keinesfalls langweilig, wenn der Nervenkitzel eines „Paranormal Activity“ oder wenigstens der Actiongehalt eines „Cloverfield“ fehlt. Denn nachdem das Doku-Team, bestehend aus drei Studenten, in die Existenz von Trollen eingeweiht ist, stellen sich für sie vielerlei Fragen, die sie je nach Filmphase in der Theorie oder in der Praxis beantwortet bekommen sollen. Ovredal möchte seine völlig unrealistische Geschichte nun möglichst glaubwürdig präsentieren, eröffnet uns eine Geheimhaltungs-Verschwörung der norwegischen Regierung, und simsalabim, der ganze Humbug weiß zu funktionieren, wenn der gute Trolljäger auf alles eine Antwort hat und gesehen mit seinen erfahrenen Augen vieles anders ist, als es für den Laien nach außen scheint.

Das ist schon ein Kunststück für sich, orientiert sich der Film schließlich nicht nur an Trolle die mehrere Meter hoch sind, sondern auch noch an Regeln aus den Märchen, in welchen sich das Viechzeug bei Licht in Stein verwandelt oder gar explodiert. Auch hierauf hat „Troll Hunter“ immer eine Pseudo-wissenschaftliche Antwort parat, die für den kurzen Augenblick in Kombination mit anderen gelüfteten Geheimnissen halbwegs glaubwürdig klingen. Hut ab!

Eine für Norwegenverhältnisse recht gute Computeranimation versucht ihr bestes diese Glaubwürdigkeit auch optisch zu unterstützen, aber so gut die Viecher auch animiert sind, zu oft sehen sie dann doch zu niedlich aus um uns wirklich täuschen zu können. In einem Massenauftritt in einer Höhle hat man gar den Eindruck, Jim Henson würde nun ein paar Monster-Muppets Einlass gewähren, so putzig sieht das ganze aus. Den einzig wirksamen Horror-Troll hebt sich Ovredal jedoch sowieso für das Finale auf, also ist das ganze auch irgendwie Absicht.

An sich sind die Trolle aber professionell animiert. Einzig wirklich negativ, da von den Bewegungen her unrealistisch, wirkt die Animation des Trolljägers, wenn er von dem von ihm aufgelauerten Vieh in seinem Schutzanzug durch die Luft geschleudert wird. Wo schnelle Bewegungen der Trolle stets an echten Bewegungen orientiert sind, wirkt der durch die Luft fliegende Körper, als ob er physikalischen Gesetzen ein wenig trotzen würde.

An solchen Kleinigkeiten braucht man sich jedoch nicht aufhängen, zumal „Trollhunter“ (Alternativtitel) kein reiner Special Effect-Movie geworden ist, sondern durchaus eine Geschichte erzählen will. Diese mag für den nimmersatten Action-Freak etwas geschwätzig ausgefallen sein, aber gerade das ständige Reden über die Gesetzmäßigkeiten der Trolle, über die Versuche der Regierung sie unter Kontrolle zu halten und die Gesellschaft zu täuschen, gehören meiner Meinung nach zu den Stärken des Filmes, dessen Geschichte man trotz großer Bemühungen Ovredals nie vollständig ernst nehmen kann.

Dessen ist sich der Regie-Neuling jedoch bewusst, beschert seinem Werk deshalb aber keineswegs einen ironischen Touch, sondern will uns viel mehr darin entführen sich einfach mal wieder der kindlichen Phantasie hinzugeben, jedoch auf erwachsene Art, die für alles irgendwelche Antworten benötigt. Auf alles gibt es diese aber nun doch nicht, aber das betrifft die Troll-Thematik nur gestreift und trifft auf Bereiche zu, die meiner Meinung nach auch ruhig Geheimnisse sein dürfen. So wird z.B. nie geklärt warum Trolle besonders stark auf Christen reagieren und ob das eine Bestätigung des Christenglaubens ist oder anderer Natur ist. Auch die Frage ob Moslems ähnlich gefährdet sind als Christen wird keineswegs zwischen den Zeilen in aller Stille beantwortet.

Viel wichtiger ist jedoch die Frage, die recht schnell im Raum steht und die Geschichte bis zu einem gewissen Teil beeinflusst: weshalb weiht der Trolljäger das Doku-Team in etwas ein, das seit Ewigkeiten geheimgehalten wird? Seine kurze Antwort zu Beginn, er wolle etwas gegen die klägliche Bezahlung und fragwürdige Behandlung seiner Berufsgattung unternehmen, wirkt nicht nur lückenhaft, sondern auch eher wie eine Ausrede, zumal sich im Laufe der Zeit herausstellt, dass er der einzige Trolljäger Norwegens ist. Schweben die Doku-Filmer auch außerhalb der Trollattacken in Gefahr? Ist der erst auf dem dritten Blick sozial wirkende Trolljäger überhaupt so nett und selbstlos wie es scheint? Oder liefert er die Crew irgendwann seinem Arbeitgeber aus, der wie verrückt hinter den Aufnahmen her ist und keinesfalls gut heißt, was der Trolljäger da zulässt?

Zwar ist schnell klar, dass auch dieser Film seine Geschichte auf typischen Found Footage-Spuren schließt, aber diese Fragen im Hinterkopf lassen einen dennoch neugierig dran bleiben, wenn das an sich vorhersehbare Finale naht. Je näher dies rückt, desto unwahrscheinlicher wird ein bösartiger Hintergedanke des Jägers jedoch, offenbaren sich im Laufe der Spielzeit doch immer mehr die Schattenseiten seines Berufes, auch wenn der Interviewer irgendwann idealisiert von einer Art Superhelden spricht. Sich selbst betrachtet der gute Mann eher als Müllentsorger. Ein kleiner Restzweifel über seine Beweggründe bleibt dennoch, was das Finale ein wenig schmackhafter macht.

Das ist auch ganz gut so, denn a) weiß ein übergroßer Troll zwar zu begeistern, einen Abenteuerfilm aber nicht einzig durch seine übermäßige Präsenz aufzufangen, und b) führt die Art der kompletten Erzählung nicht zwangsweise zu einer finalen Situation hin. Dafür wurde eigentlich zu viel geredet und könnte man eigentlich noch viel länger dem Jäger auf seiner Tour begleiten um immer wieder erstaunliche Tatsachen hinter dem Vorhang der Verschwörung aufzudecken. Irgendwann muss jedoch mal Schluss sein, aber eben nicht wegen einem abgerundeten roten Faden, sondern einfach damit der Film einmal endet.

Spätestens dies dürfte manchem Freund des Genres nicht schmecken. Erst wird einem kein Grusel beschert, ja nicht einmal ein fortlaufender Spannungsbogen, und dann plätschert die Geschichte auch noch nur vor sich hin, ohne einem wahrhaftigen Ende entgegen zu fließen!

Aber so wird nur jener Teil Zuschauer denken, für den „Trolljegeren“ (Originaltitel) gar nicht gedacht ist. Denn Ovredals Werk zieht seine Pluspunkte gar nicht aus dem Vordergründigen, sondern aus dem Spaß der Erfahrung, der Forschung und des Abenteuers, aus dem fantastischen Bereich ebenso wie aus dem natürlichen! Der bizarre Mix macht das Sehvergnügen aus. Und um hier möglichst glaubwürdig und authentisch zu sein, werden oben angerissene Kritikpunkte gar zu den Stärken des Streifens. Das ist einfach so. Mag „Troll Hunter“ auch der letzte Pfiff zum wirklich guten Werk fehlen, ich kann neugierigen und aufgeschlossenen Filmfreunden mit Hang sich auch mal einer naiven Geschichte hinzugeben durchaus eine Empfehlung aussprechen. Aber Vorsicht! Mir hat auch „The Happening“ gefallen.  OFDb

05.02.2013

COLD PREY - EISKALTER TOD (2006)

Eine Gruppe junger Leute fährt zum Skifahren auf einen einsamen Berg. Während der rasanten Tour nach unten bricht sich einer von ihnen das Bein. Kein Handyempfang, keine Menschenseele, die nächste Stadt und das Auto sind zu weit entfernt um den Verletzten zu transportieren. Da entdeckt die Gruppe ein verlassenes, abgelegenes Hotel. Man beschließt die Nacht über dort zu bleiben und am nächsten Tag Hilfe zu holen. Was die Truppe nicht weiß: hier wohnt schon lange Zeit ein Psychopath der Touristen killt...

Bitte nicht stören – Gestörter am Werk...
 
Ein einsames Hotel in einer zugeschneiten Gegend und mittendrin ein Psychopath, wer denkt bei dieser Rezeptur nicht zuerst an „Shining“, Stanley Kubricks stark abgewandeltes Werk nach einem Roman von Stephen King? Dennoch, mit „Shining“ lässt sich „Cold Prey“ so gar nicht vergleichen, gehört er doch zu einer Gattung Film, die sich über mangelnde Beiträge nicht beklagen kann. Die Rede ist vom Slasher-Film, übernatürlich gestartet mit „Halloween“ und irgendwann zu einer Gattung des Horrorfilms geworden, in welcher die Killer meist menschlich sind. Braucht es da wirklich einen weiteren Beitrag zu diesem Sub-Genre? Natürlich nein, dennoch ist ein weiterer Vertreter in meinen Augen immer wieder gerne gesehen, erst recht wenn er sich so schön guckt wie „Cold Prey“.

Dass der Film norwegischer Herkunft ist, weckt bereits Interesse, zumal man dort auch tolle Örtlichkeiten im tiefen Schnee einfangen kann. Dass beides nicht zwingend zu einem guten Film führen muss, bewies die Zombie-Komödie „Dead Snow“. Diese war nur bedingt lustig, keine Spur spannend und mit öden Figuren bestückt. „Cold Prey“ ist auch nicht die Königsübung der Charaktervertiefung, aber zumindest wirken die Personen echt und griffig und nicht wie aus einem Werbevideo entlaufen.

In Punkto Spannung braucht man sich ebenfalls keine Sorgen machen. Da Regisseur Roar Uthaug jeden Funken Humor über Bord schmeißt und konsequent einen ernsten Film erzählen möchte, gibt es eine gute Grundlage für einen hohen Spannungsgehalt. Und Uthaug schafft es genau den zu erzeugen. Da mag die Hintergrundsituation zu dem Hotel noch so unsinnig und lückenhaft sein, dieses Meer an Unlogiken kann nicht verhindern, dass man einen der spannendsten Slasher der letzten Jahre serviert bekommt. Und das liegt an der eher klassischen Herangehensweise des Stoffes, die sich Neuerungen seit „Scream“ großteils verweigert.

Wir haben eine eher längere Einführungszeit, in der die Grundstimmung entstehen darf und somit einen späten ersten Psychokiller-Auftritt. Wir haben relativ wenig blutige Szenen, da man sich auf den Thrill der Story konzentrierte. Es gibt weder Sex- noch Erotikszenen, und das beste: auch der Spannungsaufbau kommt häufig unmodern daher. Da kommen keine möchtegernschockenden Hände von hinten, allgemein arbeitet man mit wenig Schocks.

Uthaug arbeitet zunächst viel mit dem unguten Gefühl, mit der Erwartung des Zuschauers und lässt diesen dabei auch öfter in Fallen tappen, in dem sich Gefahr als Irrtum entpuppt. In der Phase, in welcher der Zuschauer die ersten Opfer erleben darf, während die Protagonisten selbst noch ahnungslos sind, bleibt er erfrischend logisch im Handeln und Denken der Figuren. Unsinniges Verhalten kommt von realistischer Seite, und nicht erst die finale Heldin darf klug reagieren.
Die realistisch wirkende Clique macht viel daran aus, dass man sich gut in die unangenehme Situation hinein fühlen kann, die im Horrorfilm nun wirklich nicht neu zu nennen ist. Die Identifikation ist stark. Der simple Mörder wird in den Augen des Zuschauers zu einer starken Bedrohung. Der braucht diesmal auch keine ausgefallene Maske, läuft er durch den Schneegehalt in der Gegend doch ohnehin vermummt rum, und wirkt zusätzlich bedrohlich, da er ein Klotz von Kerl a la Jason ist.

In der sehr langen Schluss-Phase, in welcher nun wirklich jede Figur in die lebensbedrohliche Situation eingeweiht ist, bekommt der Film sein Spannungshoch. Und auch hier ist es schön den Stil des Regisseurs zu beobachten. Endlich wagt es mal wieder wer viel mit Stille zu arbeiten und die Musik erst im richtigen Augenblick einzuspielen. Außerdem ist es toll mitzuerleben, wie gesponnene Pläne sich zu retten aus guten Gründen wieder umgeworfen werden oder Veränderungen erfahren.
 
In diesem Punkt muss man den Drehbuchautor loben, der an anderer, bereits oben erwähnter Stelle, so großen Bockmist gebaut hat. Den baut er glücklicherweise nur im theoretischen Hintergrund. Alles was aktiv vor der Kamera passiert bleibt glaubwürdig, weswegen man das Manko so großzügig verzeihen kann. Warum sollte man auch nicht? Man bekommt einen packenden Film geboten, der einen endlich mal wieder mit den Opfern ehrlich mitfiebern lässt. Es herrscht wahrer Nervenkitzel, und der bleibt auch in der schön ungewöhnlichen Schlussphase bestehen, die einem das Ende zwar schon früh zuflüstert, aber dennoch als gelungen betrachtet werden kann.

Nicht nur in dieser Szene, auch in jeder anderen ist die Identifikation mit der Umgebung wichtiger Teil von Uthaugs Rezept. Die Schneelandschaft sieht nicht nur gut aus, sie wird in ihren verschiedenen Formen (den Gefahren, der Schönheit, der mit sich bringenden Probleme, dem Unwetter und der Kälte) inhaltlich ausgenutzt, ebenso wie es mit dem verlassenen Hotel geschieht, dessen Größe, Leere und sein ehemaliger Zweck phasenweise ebenso wichtig werden, wie der vergangene Luxus, seine Energieversorgung, Schäden und Tücken des langen Leerstehens. Man agiert nicht nur vor hübscher Kulisse, die Geschichte spielt regelrecht in ihr.

Was hier herrscht ist einfach Respekt vor den Zutaten. Hier wurde kein Film für die schnelle Mark gedreht, sondern ein Werk, dass gerne Teil der Gattung Slasher sein möchte, ein Produkt das zeigen möchte was Slasher noch kann, und das man diesen eher belächelten Zweig des Horrorfilms durchaus ernst nehmen kann, ja sogar muss, wenn man auf ein gutes Ergebnis aus ist. Eine solche Haltung erfreut den Fan ebenso wie den allgemeinen Filmfreund, dem nun nach langer Zeit auch mal wieder zu einem Psychokiller-Horror zu raten ist. Lediglich die Unsinnigkeiten um den Hintergrund des Hotels muss man ignorieren. Eigentlich schade, dass dieses letzte Manko enthalten ist.  OFDb

26.01.2013

DEAD SNOW (2009)

In den Bergen Norwegens macht eine Gruppe Medizin-Studenten mitten im Winter Urlaub in einer kleinen Hütte am Wald. Sie entdecken eine kleine Schatzkiste, die SS-Soldaten aus ihrem Tod erweckt. Die Nazizombies wollen ihr Gold zurück...

Schnee hat keinen Puls...
 
Vergammelte Zombies in SS-Uniform, die durch die Schneelandschaft Norwegens geistern, das klingt nach einer Optik, die hilfreich für eine dichte Atmosphäre wäre. Das in „Schreckensmacht der Zombies“, „Oase der Zombies“ und „Die Nacht der Zombies“ so ernst angegangene Thema mit wiedererweckten Nazis wurde diesmal humorvoll angereichert, auch dieser Gedanke weiß zu gefallen. Dass nun noch die Zuschauerreaktionen meist positiver Natur sind, weckt die Erwartungshaltung ungemein. Ein solcher Film musste auf dem Beamer geguckt werden, gemeinsam mit einem gleichgesinnten Cineast mit Hang zum Trash.

Auch das Bild im DVD-Menü weiß zu gefallen, sieht man dort doch die besagten Soldaten im Schnee stehen, ein optisches Highlight wie erhofft. Genau diese Sequenz weiß auch im eigentlichen Film zu gefallen, sie ist aber nur eine von wenig positiven Momenten.

Warum das Ergebnis von „Dead Snow“ so nüchtern ausgefallen ist, verstehe ich nicht. Eine Holzhütte an einem Wald wie bei „Tanz der Teufel“ (der eine Erwähnung bekommt) gemixt mit dem eisigen Weiß von Schnee, allein das sollte reichen um zu gefallen. Die Studenten trudeln ein, machen zunächst den Eindruck unterschiedlichster Charaktere, doch diese Fehleinschätzung wird schnell erkannt, wenn man trockenen Dialogen und Situationen in der Hütte folgt, bei denen man ständig auf den angekündigten Witz wartet. Der schielt jedoch nur ab und an um die Ecke, und so bleibt das erste Drittel in Ermangelung an Geschehnissen recht uninteressant.

Ein Mann kommt daher, warnt das Jungvolk vor den Gefahren dieser Gegend, gibt der Bande Nachhilfeunterricht in Geschichte, was zugegebenermaßen auch sehr angenehm auf den weiteren Verlauf des Films einstimmt. Am Ende legt die Geschichte jedoch nicht nahe, warum man dieses Gebiet meiden sollte. Das hat wahrscheinlich auch der Erzähler eingesehen, der sich wieder von dannen macht, um alleine in jener Gegend zu campen, vor der er die jüngere Generation gerade noch gewarnt hat. Horrorgesetz sei dank war dies sein letzter Fehler.

Die Atmosphäre der Location zu vergeigen ist eine Sache. Den Fund eines geheimen Schatzes so larifari umzusetzen wie in „Dead Snow“ geschehen, ist schon mangelndes Talent hoch zehn. Da fehlt jede Mystik, jedes Gefühl von Abenteuer, das Kistchen befindet sich im Keller, und nicht einmal den muss man durchforsten. Ein Griff durch die Luke und einer von den Helden hat das Kästchen in der Hand.

Nun können die Zombies endlich auf der Bildfläche erscheinen. Das machen sie auch direkt nach einer Sexszene, die auf einem Klo nach erfolgreichem Stuhlgang stattfindet. Da kann man nur der Wissenschaft danken, dass sie bisher nicht dazu fähig war, Fernsehen mit Geruch zu erfinden. Die Zombies sehen immerhin sehr nett aus, auch wenn ihre Darsteller lediglich Gummimasken tragen müssen. Negativ fällt das erst bei Oberst Herzog auf, der eine Wunde am Mund hat, die zu steif und gummiartig wirkt.

Wie im modernen Untoten-Film üblich, dürfen die Zombies flink laufen, wie seinerzeit beim bisher unerreichten „Return Of The Living Dead“. Anfangs verbarrikadiert man sich in der Hütte in alter „Nacht der lebenden Toten“-Art, doch das ist nur von kurzer Dauer.

Aus nachvollziehbaren Gründen trennt sich die Gruppe. Wer Held und wer schnelles Opfer wird kommt unerwartet. Das wäre ein deutlicher Pluspunkt für das immer gleich ablaufende Subgenre Zombiefilm. Aber leider setzt die Regie nun auf den Humor, der bisher zu kurz kam. Und so kämpfen die Überlebenden nun mit den Untoten. Letztere stellen sich dämlicher an als erwartet. Da wird gesplattert und in „Braindead“-Art gewitzelt, Spannung oder Grusel-Feeling kommt da nie auf. Als Party-Film mag dies bei einem bierseligen Publikum funktionieren, aber nur ein bisschen Goregelächter in sonst routinierter bis langweiliger Umsetzung reicht mir nicht.

Der Humor wird völlig falsch dosiert. Zwar wissen einige brutale Gimmicks in der zweiten Hälfte zu gefallen, dennoch ist es erbärmlich, wenn der wahre Witz nur in Gewalttaten Gestalt annimmt. In der ersten Hälfte, da hätte es Gags regnen können. Da hätte man mit subtilerer Komik, vielleicht sogar mit groteskem Humor arbeiten können. Was man in der zweiten Hälfte erlebt ist schwarzer Klamauk in übertriebenen Situationen. Bei „Versus“ hat mir das gefallen, der wusste aber auch was er erzählen wollte. Den Eindruck hatte ich bei „Dead Snow“ nie.

Immerhin weiß der Schluss-Gag zu gefallen, und man kann den Streifen halb amüsiert bis zum Schluss schauen. Aber dass in einem europäischen Film die Charaktere so eindimensional herausgearbeitet wurde und es die Regie nicht schaffte die vielen positiven Elemente zu nutzen, das macht den Film ebenso kaputt wie die falsche Anwendung von Humor. Selbst als geistlose Unterhaltung hätte es ruhig eine Spur pfiffiger zugehen können. Gerade „Return Of The Living Dead“ bewies dass eine Horror-Komödie auch intelligent erzählt sein kann. Er bewies ebenso, dass Albernheiten wunderbar neben echter Gruselatmosphäre bestehen können. „Dead Snow“ versucht gar nicht erst Horror zu sein. Eigentlich ist er lediglich eine Komödie, die auf das gerade angesagte Zombie-Thema aufspringt und es dabei belässt, dass Nazizombies die Aufhänger sind. Weiterer Ideen verweigerte man sich trotzig.

Was bleibt ist zum Thema untote Nazis weiterhin das Sichten des schundigen aber nett anzusehenden „Schreckensmacht der Zombies“ und den überraschend sympathischen "Outpost - Zum Kämpfen geboren". Ich warte allerdings noch immer auf eine wirklich gute Umsetzung dieses oft missglückt angegangenen Themas.  OFDb

20.01.2013

STRINGS (2004)

König Kahro nimmt sich das Leben. Sein Bruder Nezo lässt den Suizid jedoch wie einen Mord aussehen, begangen vom Führer eines verfeindeten Volkes. Damit beschwört er einen Krieg herauf. Hal, der Sohn des Königs, zieht hinaus den Tod seines Vaters zu rächen und muss entdecken, dass weit mehr als der Hintergrund des Königs-Todes eine Lüge war...

Ewig an der Strippe hängen...
 
Schaut man sich den Bereich des Animationsfilmes in seiner weitreichenden Deutung an, so sticht neben dem Zeichentrick und der Computeranimation heutzutage fast nur noch die Knetanimation hervor, ein faszinierender Bereich, der solch gelungene Filme wie „Der Sinn des Lebens für 9,99 $“ und „Mary und Max“ hervorbrachte. Was den Puppentrick betrifft, so gibt es neben diverser Muppets-Filme fast nichts mehr zu entdecken, und der Sub-Bereich des Marionettenfilms ist außerhalb der Augsburger Puppenkiste ein fast unangetasteter Bereich. Mit „Strings“ wagt man sich aber nicht nur an dieses vernachlässigte Genre, man wollte zudem eine reife Geschichte präsentieren. „Strings“ sollte keineswegs ein Kinderfilm werden, aber zumindest schloss man Jugendliche mit ins Zielpublikum ein.

Das macht das fertige Werk für den erwachsenen Zuschauer aber keineswegs zu kindlich, denn die Geschichte ist eng an der Basis klassischer Erzählungen und Sagen orientiert. Der Tod eines Königs, Hochverrat, Krieg, Liebe und Intrigen. Bös betrachtet gibt es da zunächst nichts was man zuvor nicht schon einmal erzählt bekommen hat. Aber die altbekannte Geschichte um die eben aufgezählten Faktoren ist abenteuerlich und gefühlvoll umgesetzt, teilweise ein wenig kitschig zu schauen, aber das dürfte gerade dem Publikum, dem es eigentlich zu japanischen Zeichentrickfilmen zieht, gerade recht kommen. „Strings“ guckt sich trotz der bewährten Rezeptur nie uninteressant und hat einen schnell in den Bann seiner schlichten Geschichte gezogen.

Allerdings hat Regisseur Anders Ronnow Klarlund, der keineswegs nur im Animations-Genre unterwegs ist, einen Kniff parat, der aus dem Film mehr macht als eine klassische Geschichte, die man in der Ausnahme mal mit Marionetten verfilmt hat. So wie erzählt könnte die Story nicht als Kostüm-Film mit echten Darstellern gedreht werden, denn die Fäden der Puppen kleiden nicht umsonst den Titel des Films, sie sind einer der entscheidenden roten Fäden (herrliches Wortspiel) des fertigen Streifens und setzen viele Regeln in einer Art Paralleluniversum fest, das von Marionetten bevölkert wird.

Wer sich zunächst also gewundert hat, warum die Fäden an denen die Puppen hängen nicht wenigstens ein bisschen retuschiert wurden, der wird sehr bald feststellen, dass die Schnüre mit zur Handlung gehören. Da darf augenzwinkernd auch mal innerhalb des Filmes das Sprichwort um den seidenen Faden fallen und sich manche Unlogik einschleichen wie Marionetten, die sich unter Wasser verstecken und trotz der Fäden in der Luft von ihren Feinden nicht entdeckt werden, aber das Rezept geht auf, entsteht um die Marionettenfäden doch eine eigene Mystik, die aus vielen verschiedenen Blickwinkeln weitergesponnen wird.

Wir erfahren wie Marionetten sterben, erleben aber auch das Gegenteil, die Geburt. Wo die Fäden enden erfahren wir nicht, auch über eine Gottheit, die das Schicksal der Figuren lenkt, wird nicht gesprochen. Vielleicht ganz gut so, dann kann der Zuschauer sich ein bisschen mit diesen offenen Fragen beschäftigen. Aber dass Schicksale oben nicht mehr sichtbar im Himmel miteinander verwoben sind, wird sehr wohl thematisiert. Schön sind auch die kleinen Gimmicks zu betrachten, wie beispielsweise ein Kinderspiel, in welchem sich zwei Kinder verheddern und die Mutter sie wieder entknoten muss. Schön auch die Idee, dass Figuren sich an ihren eigenen Fäden hochziehen oder gar die Verbundenheit mit anderen Personen dafür ausnutzen können, den uns bekannten physikalischen Gesetzen, denen wir als Menschen unterlegen sind, zu trotzen.

Da ging man insgesamt also recht einfallsreich zur Sache, was das Bekannte der Geschichte auszugleichen weiß. Schön wäre es dennoch gewesen diese Idee in einer innovativen Geschichte zu erleben, aber was will man da meckern, wenn das Ergebnis sich so angenehm guckt wie hier.

Die Puppen selbst sind schlichte Marionetten. Ihre Augen können auf und zu gehen, der Mund macht selbiges nicht. „Strings“ soll ein Marionettenfilm sein und entfremdet dafür nicht all zu sehr das was wir auch darunter verstehen. Die Figuren sind recht liebevoll geschnitzt, aber nun einmal steif wie eine Marionette sein muss. Das mag manchem Schwierigkeiten bei der Konzentration des Zuschauens bescheren, zumal sich manche Stimmen ähneln und sich bei Gruppenaufnahmen wie eben erwähnt nie Münder bewegen. Namen und Gesichter merken ist also wichtiger denn je, und aus anfänglicher Konzentration aufgrund des fremd wirkenden Materials wird ziemlich schnell ein unterhaltsamer Film, dem man die Länge eines Spielfilms kaum mehr anmerkt.

Wer klassisches Marionetten-Theater in einer klassischen Geschichte mit einer modernen Grundidee sichten will, ist bei „Strings“ auf jeden Fall an der richtigen Adresse. Selbst der Himmel darf in jeder traurigen Szene weinen, so nah baut man am bewährten Rezept einer emotionalen wie abenteuerlichen Geschichte für die ganze Familie (ab 12 Jahren) auf. Die Kulissen sind schlicht aber überzeugend, die Musik passend klassisch gewählt, Schnitt und Inszenierung förderlich für den Sehwert. Dass Szenen wie die Schlachten im Krieg im Marionetten-Stil nie ganz so imposant umgesetzt werden können wie mit manch anderer Animationsmethode, dürfte aber klar sein. Klarlund arbeitet lediglich innerhalb der Grenzen des von ihm gewählten Stilmittels. Fremd getrickst wird hier nur für die seltenen Aufnahmen aus der Ferne.  OFDb

29.09.2012

COLD PREY 2 RESURRECTION - KÄLTER ALS DER TOD (2008)

Jannicke landet als einzige Überlebende im örtlichen Hospital, in das sich mit etwas Verzögerung auch ihre toten Freunde und die Leiche des Mörders einfinden. Als die Ärzte herausfinden, dass der Killer doch noch Lebenszeichen von sich gibt, wird er reanimiert. Und so dauert es nicht lang, bis er mordend durchs Krankenhaus geistert und Jannicke erneut um ihr Leben bangen muss...

Kälter als Teil 1...
 
Es ist schön zu sehen, dass man die Darstellerin der Jannicke aus Teil 1 dazu bewegen konnte erneut die Hauptrolle zu übernehmen. Wenn ein Film jedoch aufgrund seines hohen Spannungsbogens, lebensnaher Charaktere und glaubwürdigem Verhalten dieser trumpft, schielt man eher Richtung Drehbuchautor und Regie, um zu überprüfen ob eine Fortsetzung dem Vorgänger gerecht werden kann. Darf man nun zumindest beruhigt feststellen, dass der Drehbuchautor ebenfalls der selbe ist wie in Teil 1, macht lediglich der Regisseurwechsel misstrauisch. Zumindest schraubt man seine Erwartungen jedoch nicht völlig zurück.

Und was soll man sagen, in der Theorie ist die Geschichte der Fortsetzung gar nicht so verkehrt angegangen. „Cold Prey“ war ein kleiner Überraschungserfolg und einer der wenigen Horrorfilme seit John Carpenters „Halloween“ die mit einem teenagermordenden Psychopaten hohe Spannungsmomente erzeugen konnten. So denke ich mir ist es durchaus legitim sich auch an „Halloween 2“ zu orientieren, wenn es gerade mal einen Tag später im Krankenhaus weitergeht, in welchem sich die Heldin des ersten Teils aufhält.

Der Beginn zeigt auch gleich, dass man den grundlegenden Fehler von Teil 1 nicht wiederholen wollte. Der war nämlich erst dann glaubwürdig, wenn man einmal die Unlogik in der Hotel-Location geschluckt hat. Und so achtete man darauf, dass das Hospital der Fortsetzung zu recht rar besetzt war, dass der Killer aus glaubwürdigen Gründen ebenfalls im Krankenhaus landet und aus ärztlicher Sicht auch zu recht wieder zum Leben erweckt wird. Man achtete darauf dass Jannickes Erzählung nicht zu schnell Glaubwürdigkeit erntet, überrascht damit dass der Rest der Figuren dank Beweise von der Wahrheit dennoch schnell überzeugt sind und sorgte aus guten Gründen dafür, dass die Heldin am Spielort von Teil 2 gebunden ist.

In Anlehnung an das Vorbild „Halloween“ entschied man sich außerdem dafür den Weg des realen Slashers zu verlassen und aus dem Geisteskranken ein Monster a la Michael Myers zu machen. Hierfür wird sein Hintergrund ein wenig beleuchtet, und seine übernatürliche Fähigkeit lässt im Nachhinein auch die einzig theoretische Unlogik der Grundgeschichte sinnvoll erscheinen, dass besagter Mörder doch noch nicht tot war. Da ich die Killer-Horrorfilme persönlich lieber sichte, in denen dem Mörder etwas Übernatürliches umweht, war ich gar nicht böse um diese sicherlich die Geister trennende Entscheidung.

Doch was sich alles recht positiv liest und sich auch im ersten Dialog bestätigt, der mit einer wunderbaren Pointe mit dem Zuschauer spielt, erwies sich bei Sichtung als nüchternes Stück Fortsetzung, das die selben Fehler begeht wie so manch anderes Film-Sequel. Auf dem Cover wird „Cold Prey 2“ in Bezug auf seinen Teil 1 mit Camerons „Aliens“ in Bezug auf dessen Teil 1 verglichen. Und das ist nicht einmal verkehrt. Zwar wird auf dem Cover damit geblendet, dass man die Qualität dieser Fortsetzung als Vergleich nehmen würde, viel eher geht es jedoch um inhaltliche Elemente, die Parallelen aufweisen.

Aus einer spannenden Geschichte wird eine actionlastigere mit mehr eingeweihten Personen als bisher und zu einem späten Zeitpunkt gar mit einer Horde Polizisten, die dem Killer das Lebenslicht ausblasen wollen. Das passt zum Szenario in „Aliens“, wenn ein Trupp Soldaten gegen die Außerirdischen kämpft und das mit gleichem Ergebnis. Und so wird das Final Girl von Teil 1 zum Final Girl in Teil 2. Und damit wären die Übereinstimmungen im groben auch schon beendet.

„Aliens“ war trotz oder vielleicht sogar wegen seiner pompösen Art schlechter als das Original. Aber er war nichts desto Trotz eine gelungene Fortsetzung. Das kann man von „Cold Prey 2“ leider nicht behaupten. Denn in einem Horrorfilm um einen irren, wenn auch übernatürlichen, Killer, kann man nicht mal eben den Nervenkitzel-Bereich durch Actionmomente ersetzen. Und so sehr sich Regisseur Stenberg auch bemüht, er schafft es nicht beides zu vereinen. Was strampelt er sich einen ab Spannung zu erzeugen, aber das will einfach nicht hinhauen.

Die Figuren sind einem viel zu egal, sind sie doch nicht nur oberflächlich sondern auch unglaubwürdig, da lächerlich handelnd. Das zeigt sich am deutlichsten in der Rolle der Krankenschwester, die keinerlei Feingefühl im Umgang mit Patienten entwickelt hat und Jannicke Psychoschocks versetzt, die selbst ein Laie zumindest intuitiv verhindert hätte.

Die natürliche Lustigkeit des Erstlings wird ausgetauscht durch bewusst gesetzte Humorszenen, die zwar das ein oder andere Mal für Lacher sorgen und an einem Punkt der Story eine Zuschauerüberraschung einleiten, aber dennoch mit dem Restfilm nicht eins werden wollen.

Schade auch, dass man sich auf der einen Seite so viel Mühe gab das Szenario des zweiten Teils glaubwürdiger inszenieren zu wollen als das im Vorgänger, man nach Grundlagenabarbeitung dafür im Detail um so unsinniger arbeitete. Die Art wie die Polizisten wann welcher Aufgabe nachgehen ist schon besonders albern zu nennen. Verglichen mit der eben erwähnten Krankenschwester-Situation kann man scheinbar dem Autor unterstellen sich zwar in die Gefühlswelt von Teenagern hineinversetzen zu können (siehe Teil 1), aber keinerlei Ahnung von irgendwelchen Berufen zu haben, die man selbst nicht ausfüllt. Teenager war jeder einmal selbst, aber um andere Berufsgruppen zu verstehen, muss man schon ein wenig in fremder Materie tauchen, und das scheint der Schreiber der beiden Filme wohl nicht für nötig gehalten zu haben.

Mit dieser Rezeptur ist Spannung kaum möglich. Und dass diese selbst im Finalkampf nicht auftaucht, der unsinniger Weise wieder im Hotel statt im Krankenhaus stattfindet, ist auch kaum der Erwähnung nötig, ist im Vorfeld doch schon klar wie der Film sein Ende finden wird, dadurch dass eine weitere Figur neben Jannecke die üblichen Klischeewandlungen und -erfahrungen durchmachen musste, wie sie im Medium Film häufig zu sichten ist.

Trotzdem, nun mit dem Hintergrund auf den nicht ganz menschlichen Killer und den noch ungeklärten Bereichen seiner Person betreffend, kann es trotz des mageren Ergebnisses von meiner Seite aus trotzdem weiter gehen. Allerdings sollte man sich zum Aussehen des Killers dann seine Gedanken machen. Denn war sein Look in Teil 1 eine passende, da logische Alternative zu den Maskenträgern der Konkurrenzprodukte, so war seine Kleidung in Teil 2 nur noch dadurch glaubhaft, dass er sie nun einmal anhatte, als er ins Krankenhaus kam. Sollte Teil 3 also nicht im tiefsten Schnee spielen, wäre eine Änderung angebracht. Andererseits: warum sollte Teil 3 nicht im tiefsten Schnee spielen? Zumindest Teil 1 bekam allein durch dieses Element einen atmosphärischen Pluspunkt. In Teil 2 wurde durch mangelndes Talent selbst der verschenkt.  OFDb

06.09.2012

FREE JIMMY (2005)

Eine Gruppe fanatischer Tierschützer möchte den drogenabhängigen Elefanten Jimmy aus seinem Zirkusgefängnis befreien. Da in seinem Hintern Stoff im Wert von einer Millionen Euro eingenäht ist, hat eine Gruppe Gangster ein ganz eigenes Interesse an dem Tier, und die Mafia, denen die Drogen entwendet wurden, erst recht...

Jimmy, der auf Speed fliegende Elefant...
 
„Free Jimmy“ mag zu Recht an den 70er Jahre Zeichentrickfilm „Fritz The Cat“ erinnern, dennoch wirkt Bakshis berühmter Kater gegen die Abenteuer um Jimmy zahm und seicht, was nicht nur an den vielen Jahren zwischen beiden Werken liegen mag, sondern auch daran, dass Nielsens Film europäischer Herkunft ist. Für Amerikaverhältnisse riss auch „Fritz The Cat“ allerhand Grenzen ein, dank seiner Underground-Herkunft auch nicht so verkrampft wie der spätere Kommerz-Konkurrent „Beavis und Butt-Head machen's in Amerika“. Dennoch kommt „Free Jimmy“ viel unverkrampfter daher, und das nicht nur in seiner sehr direkten Sexszene, sondern auch im Umgang mit der zentralen Drogenthematik und dem Ausarbeiten der vielschichtigen Charaktere.

Zu Letzterem lässt sich nur sagen, dass hierauf Hauptaugenmerk gelegt wurde. Die Geschichte ist Nebensache, bzw. sie entsteht erst durch das Zusammentreffen der vielen schrägen Figuren, die alle ihren eigenen Witz besitzen, absichtlich keinerlei Sympathiebonus in sich tragen und alle ihre kleine Geschichte mitbringen, so dass es je nach Figur dauern kann, bis sich der Bogen zum Hauptgeschehen wendet. Vielleicht hätte man ein größeres Pingpong-Spiel der Einflüsse der einzelnen Nebenstränge veranstalten können, sprich mehr Handlungen verschiedener Gruppierungen hätten die der anderen beeinflussen können. Aber in der übersichtlichen Dosierung geht das Rezept trotzdem in Ordnung, und dass der Film hin und wieder kurz auf der Stelle tritt, ist nicht dieser Tatsache zuzuordnen, sondern eher der fehlenden echten Geschichte und der Tatsache, dass man zur Hälfte des Streifens die verschiedenen Figuren nun ausführlich kennt.

Das macht nach einem lockeren Einstieg und einer angenehmen ersten Phase den guten Laune-Film ein wenig anstrengend zu gucken. Doch der Witz und die Mühe an dem Projekt, lassen einen dennoch tapfer dran bleiben. Zumal man ernsthaft an dem Ausgang der Geschichte interessiert ist, allein da einem das Schicksal des drogensüchtigen Elefanten Jimmy, der fast zur Nebenfigur verkommt, sehr nahe geht.

Es gibt, auch wenn man das erst einmal nicht meinen sollte, einige Parallelen zu Jimmy und „Dumbo, der fliegende Elefant“. Beide zentrale Figuren sprechen kein Wort und wachsen dem Zuschauer allein durch Mimik ans Herz. Beide erleben schwere Schicksale in einem Zirkus, beide werden von den Personen ihrer nahen Umgebung ausgenutzt, und beide finden einen treuen Begleiter, der ihnen wieder auf die Beine hilft.

Jimmy ist neben diesem Helfer die einzige Sympathiefigur. Es ist schön ihn nicht auf „Meet the Feebles“-Art drogensüchtig zu erleben. Jimmy ist ein Mitleid erregendes Opfer, und er ist eines durch Menschenhand. Das passt zum Gesamtkonzept, denn ausschließlich die zwei Tierrollen sorgen für Sympathie. Die kunterbunte Truppe Menschen steht für das Asoziale unserer Gattung, für den typischen Egoismus, selbst wenn er sich hinter scheinbarer Selbstlosigkeit zu verstecken scheint.
 
Während „Meet the Feebles“ eher cool sein will, und damit ein Haltbarkeitsdatum für den älter werdenden Cineasten besitzt, scheint „Free Jimmy“ nur auf dem ersten Blick ein Film dieser Art zu sein. Kämpft man sich erst einmal durch die erste Hälfte, in welcher die Hauptfiguren fast ausschließlich selbst Drogen konsumieren, merkt man im Laufe der Zeit, dass das Thema Abhängigkeit einen recht ernsten Hintergrund erhält. Der Satiregehalt des Streifens spielt sich damit nicht nur, wie zunächst von mir vermutet, in einigen Charaktereigenschaften wieder, sondern auch im Zentrum der Geschichte. Ohne seinen schwarzen Humor zu verlieren, wird uns der freie Elefant als heruntergekommenes Subjekt präsentiert, das den kalten Entzug erlebt und dabei glücklicher Weise auf Hilfe trifft. „Free Jimmy“ entkommt damit dem Klischee des typischen Films für ein kifffreudiges Publikum, wird aber auch nicht zum Moralfilm, so dass auch diese Kundschaft Freude mit dem Werk haben kann.

Für die englischsprachige Ausarbeitung des Projekts zeigte sich Simon Pegg verantwortlich, der Star aus „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz“. Selbstverständlich übernahm er auch eine Sprechrolle und ist damit nur einer von einigen berühmten Namen, die den toll gezeichneten Figuren ihre Stimme leihen.

Der Zeichenstil ist an dem erwachsener Comics orientiert. Teilweise wirkt er recht realistisch, es ist aber dennoch deutlich ein Comicstil, was sich spätestens in der Mimik Jimmys nicht ignorieren lässt. Auch die lustigsten Figuren haben eckige und kantige Gesichter, unreine Haut, ihre eigene Art zu gehen und ihre eigenen übertriebenen optischen Merkmale, die sie zu dem werden lassen, was sie sind, oder zumindest das verdeutlichen, was sie auch charakterlich ausmacht.

Es ist schon schade, dass „Free Jimmy“ bereits nach flotten 30 Minuten an Tempo verliert und etwas anstrengender zu gucken wird. Aber dank frechem Witz, nicht aus den Augen verlorenem Tiefgang, einer guten Optik und einem nicht massenkompatiblen Handlungsablauf bleibt man dennoch interessiert genug dran und weiß, dass man aufgrund dieser positiven Eigenschaften das Weitergucken auch nicht bereuen wird.  OFDb

18.05.2012

COLD PREY 3 - THE BEGINNING (2010)

In den 80er Jahren reisen ein paar Teenager in ein verlassenes Hotel in den Bergen, in dem etwa 12 Jahre zuvor zunächst ein Kind und später dessen Eltern verschollen sind. Es dauert nicht lange, da müssen die Kids um ihr Leben rennen, da sie von zwei Psychopathen verfolgt werden...

Aus einem Wichtel wird ein Hobbit...
 
2006 überraschten die Norweger mit etwas, das es seit John Carpenters legendärem „Halloween“ nicht mehr gegeben hatte: einem Slasher-Horror mit hohem Spannungsgehalt. Das gute Ergebnis sprach sich in Insiderkreisen herum, und so dauerte es nicht lange bis die obligatorische Fortsetzung folgte. Bereits die war nur noch maues Mittelmaß. Eine hohe Erwartungshaltung an Teil 3 war somit nicht gegeben, und so überrascht es kaum, dass die zweite Fortsetzung ebenfalls nicht halbwegs an das Original heranreicht. Zumindest geht es qualitativ nicht weiter bergab. „Cold Prey 3“ ist in etwa auf dem Niveau seines Vorgängers und damit immerhin guckbar.

Teil 3 spielt diesmal nicht zur verschneiten Jahreszeit. Dank eines guten Kameramannes weiß die Kulisse dennoch zu wirken, auch wenn mit dem Farbfilter etwas zu übertrieben gearbeitet wurde. Trotzdem wissen die Bilder zu gefallen, zumindest bis zu jenen Zeitpunkten, in welchen optische Schnelligkeit vermittelt wird. Dann gibt es wie so oft hektische Schnitte in leicht wackeligen Bildern zu sehen, die zwar nicht wie manches Konkurrenzprodukt einen Blick auf das was gerade geschieht komplett vernichten, einen Old School-Filmfreund dennoch fragen lässt warum nicht einfach in ruhigen Bildern gearbeitet wird, selbst wenn vor der Kamera die Post abgeht.

Unweigerlich kommen mir kleine, verwandte Perlen in den Sinn, wie der sehr unbekannte „The Creeper“, der in vergleichbarer Kulisse ein ähnliches Szenario präsentierte und es u.a. durch seine ruhige Art schaffte ein Hoch an Atmosphäre einzufangen. Mit dem Vergleich dieses Filmes kommen wir auch direkt zu einer kleinen Veränderung gegenüber den Vorgängern: orientierten diese sich nah an „Halloween“ und vergleichbaren Produktionen, so wird durch die Zusammenarbeit des Killers mit einem anderen zurückgezogen Lebenden die Chose zu einem Backwood-Horror a la „Wrong Turn“ und „Blutgericht in Texas“. Was das soll weiß keiner, zumal mit dieser Veränderung nichts verbessert wird.

Gerade inhaltlich beweist „Cold Prey 3“ dass er sich nur am üblichen Geschehen seiner Vorbilder orientiert, und somit fehlen jegliche Innovationen. Dass diese nicht zwingend vorhanden sein müssen, bewies der geglückte Teil 1. Der bot im Gegenzug jedoch realistisch wirkende Personen, nachvollziehbares Verhalten der Protagonisten und einen hohen Spannungsbogen. Das sucht man in Teil 3 vergebens, in welchem mittlerweile auch der Trumpf der talentierten Hauptdarstellerin aus Teil 1 und 2 fehlt, schließlich spielt der hier besprochene Film, warum auch immer, in den 80er Jahren und somit vor den Geschehnissen der Vorgänger.

Das ist Mode, macht nur leider in den wenigstens Fällen wirklich Sinn. Gerade nachdem in „Cold Prey 2“ aus dem Killer durch die Möglichkeit der Selbstheilung ein mystischer Gegner a la Michael Myers und Jason wurde, hätte eine Fortsetzung in der Gegenwart wesentlich mehr Reiz geboten. Merkwürdiger Weise greift man auf besagte Magie des Killers in Teil 3 nun gar nicht mehr zurück. Vielleicht kam es den Produzenten doch zu albern vor dem Bösewicht übernatürliche Eigenschaften zuzuschreiben. Ich persönlich empfinde das Ignorieren dieser neuen Fakten aus Teil 2 als sehr schade.

„Cold Prey 3“ funktioniert auf ganz schlichte Weise, zumindest für Denkverweigerer, die pausenlos über solche Idiotien hinwegsehen können wie Teenager, die auf einen Tierköder hereinfallen, Gegenstände, die es in den 80er Jahren nicht geben dürfte, und leider gibt es auch Widersprüche zu den Vorgängern. So darf es zu Recht verärgern, dass der Rückblick zu Beginn des Streifens völlig andere Tatsachen präsentiert als die kurzen Rückblicke in Teil 1, die gegen Ende immerhin zeigten, dass es die Eltern des Jungen selbst waren, die ihn im Schnee verbuddelt haben. In der neuen Version wird der Herr Papa als recht böse dargestellt, die Mutter jedoch nimmt ihren vermissten Sohnemann erleichtert in die Arme, als dieser doch noch heimkehrt, um kurz darauf vom Knaben erstochen zu werden. Die Morde sind härter inszeniert als im Original, das wird manch einen freuen. Andererseits sind es genau diese quantitativen Highlights, die von den Defiziten in der Qualität ablenken sollen.

Schaut man „Cold Prey 3“ in Bezug auf seine psychologische Richtigkeit, die Teil 1 als schlichter Unterhaltungsfilm immerhin besaß, schaut sich die zweite Fortsetzung noch schlechter als ohnehin schon. Nun hat der Killer also einen Partner, eine Unsinnigkeit hoch zehn, wenn man bedenkt zu was der Waise in der Zukunft werden soll, aber immerhin eine Unsinnigkeit, die zu einem gut eingefädelten Schluss führt. Es ist nicht so, dass man den Schlusstwist nicht bereits erahnen könnte, aber in solchen Momenten beweist das Drehbuch immerhin genug Talent, so dass ein solcher Moment zu überzeugen weiß und glaubwürdig erzählt wurde.

Man sieht also: es ist nicht aller Tage Abend. Und einen solchen Meilenstein wie Teil 1 habe ich ohnehin nicht mehr so schnell erwartet, schon beim Sichten von Teil 2 nicht. Aber ein kurzweiliger Slasher für zwischendurch sieht anders aus als die beiden Fortsetzungen von „Cold Prey“. Letztendlich fehlt es Teil 3 am gewissen Etwas, das einen bei manch anderem Durchschnittsprodukt dazu verleitet dran zu bleiben. Man fiebert weder mit den Helden noch mit den Bösewichtern mit. Für ein blutiges Happening passiert zu wenig. Und spannend ist das ganze auch nicht umgesetzt. Lediglich dass der Film über seine komplette Laufzeit nie langweilig wird, rettet „Cold Prey 3“ unterhaltungstechnisch vor dem Totalabsturz.  OFDb