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07.08.2025

Größenwahn, Rivalitäten, Geiz und Eitelkeit - Kurzkommentare (6)

 

Hitler - Aufstieg des Bösen (2003)

Man bekommt in diesem Zweiteiler aus je 90 Minuten zwar den Eindruck, dass die Privatperson Hitler etwas arg dämonisch interpretiert wird, gerade zu Anfang, wenn man eine Art Damien aus den "Das Omen"-Filmen vorgesetzt bekommt, das schleichende Erobern der Macht, die Intrigen, der Werdegang, das Zusteuern Deutschlands auf eine Katastrophe, die Redegewandtheit des Verführers, die kranke Weltsicht, all das wirkt derart bedrohlich, warnend (auch für heutige Probleme) und frustrierend, dass man dem chronologisch korrekt recherchierten Werk diese Schwäche verzeiht, zumal "Der Untergang" diesbezüglich Korrekturarbeit leistete und die hier aufgezeigten, oftmals selbstverschuldeten Schicksale während Hitlers Aufstieg, einen wahrlich nicht kalt lassen.  Wiki

 

Was geschah wirklich mit Baby Jane? (1962)

Die geniale Bette Davis überzeugt mit ihrem Mut zur Hässlichkeit ebenso wie durch ihr reflektiertes Spiel einer komplexen Rolle. Das Drehbuch geht schleichende, nicht immer subtile Wege, überrascht ab und an mit einem Hauch Komik inmitten einer ohnehin grotesken Darbietung der Ereignisse und hält sich die größte Überraschung in diesem nicht an Dramatik mangelnden Thriller für den Schluss auf, so dass alles einen anderen Blickwinkel erhält. "Was geschah wirklich mit Baby Jane?" ist große Kinokunst zum immer wieder neu Entdecken und gehört für Cineasten meiner Meinung nach zum Pflichtprogramm.  Wiki  

 

Vater der Braut (1991)

Die Erstverfilmung ist mir unbekannt, unabhängig von dieser funktioniert die Steve Martin-Version trotz frontal angesteuertem Kitsch jedoch erstaunlich gut, vielleicht weil dieser so süß das Vatersein widerspiegelt/persifliert, vielleicht weil er nicht zu penetrant aufbauschend unter die andere Rezeptur gemischt wurde, die Familienkomik und Albernheiten wunderbar vereint und Steve Martin innerhalb eines Mainstreamproduktes genügend Freiraum für seine Kunst lässt. Der heimliche Star ist jedoch Martin Short, so dass es nicht verwundern darf, dass dessen Rolle für die ebenfalls gelungene Fortsetzung vergrößert wurde. Ein herrlicher Gastauftritt von Eugene Levy rundet das Ganze als Revue talentierter US-Komiker wunderbar ab. Von Kieran Culkins Talent bemerkt man hier hingegen noch nichts.  Wiki  

 

Death Proof - Todsicher (2007)

Er ist dafür bekannt und ich mag sie eigentlich auch, die langen Dialogszenen in Tarantino-Filmen. Diesmal wirkt diese Pflichtzutat jedoch nicht immer, wird sie in der ersten Hälfte doch schlichtweg zu penetrant zum Zeitvertrödeln eingesetzt, wenn auch nicht frei von Charaktervermittlung und Pointenstärke. Die Actionmomente funktionieren hingegen umso mehr, zumal sie auf kranken Ideen fußen. Ob ins wahre Antlitz des Schurken und seiner perversen Neigung blickend, oder sich psychologisch simpel am Racheakt vergnügend, der überraschend ausgeflippt inszeniert wurde, hier besitzt "Death Proof" seine Stärke und beweist mit einer schnellen Beendigung des Films nach erfolgreichem Durchziehen von Punkt 2, dass er sich seines eher oberflächlichen Stoffes definitiv bewusst ist. Wie soll es auch anders sein, bei einer Liebeserklärung an die schnell abgedrehten Autokino-Reißer?  Wiki

 

FCK 2020 - Zweieinhalb Jahre mit Scooter (2022)

Man muss kein Scooter-Fan sein, um Gefallen an einer Doku zu finden, die sich im späteren Verlauf zwar etwas arg auf eine Konzert-Tour konzentriert, vorher aber authentisch ungeschönte Einblicke ins Privatleben des Frontmannes H.P. Baxxter wagt, den Werdegang der Band aufzeigt, sowie Einblicke in die Studioarbeit gewährt und außerdem zum Corona-Zeitzeugnis wird. Zwischen arrogant und lustig pendelt das Ganze hin und her, mal herrlich menschlich subjektiv reflektiert, mal eine Szene voll von Selbstüberschätzung und falscher Schwerpunkte präsentierend. Ob gewollt oder nicht, dieser Mix sorgt für die nötige Unterhaltung und bildet damit eine Brücke zur Musik der Band, die auf ähnliche Art funktioniert, sofern man sich ihr nähern kann.  Wiki  

03.10.2023

DIE ADDAMS FAMILY (2019)

Wer hätte gedacht, dass ein farbenfroh gezeichneter Computeranimationfilm in gewöhnungsbedürftiger Optik das Seelenleben der Addams Family besser einzufangen weiß, als die Real-Serien-Vision eines Tim Burton? Aber so ist es geschehen. Hier dürfen die Addams wieder alternativ morbide neben der üblichen Gesellschaft co-existieren, bestreiten wie gehabt den üblichen passiven Kampf gegen diese mit Leichtigkeit und Selbsttreue und beweisen sich als autonom und lebenswert, so wie sie als "Freaks" sind, während "Wednesday" in seiner ersten Staffel davon berichtete, wie jemand Andersartiges der Norm angeglichen werden musste. Manche Figur mag zu niedlich und, typisch CGI-Stil, zu steril ausgefallen sein, das Herz der Zeichentrickversion sitzt aber an der rechten Stelle, was sich auch durch überraschend kompatible Neuerungen beweist. Dem Haus ein eigenes Leben zu bescheren und dem Sohn Selbstbewusstsein im Umgang mit Sprengstoff bereichert das Grundkonzept. 

Nur selten gibt es Fehlentscheidungen zu sichten, wie etwa jene, dass das eiskalte Händchen ein Auge beschert bekam und damit optische Nähe zu den dämlich aussehenden Minions erhält (glücklicher Weise bleibt das Auge meist zu). Völlig daneben ist Onkel Fester geraten, der eher an die fröhlich-dämliche Disneyversion aus "Die Addams Family und die lieben Verwandten" erinnert, anstatt an den ungehobelten Schelm, dem der Stil seines Bruders fehlt. Der wiederum ist der typische Verweis auf die Rückbesinnung auf die Addams-Historie, ist er doch weder an Raul Julia, noch an John Astin angelehnt, sondern an den Comics, mit denen in den 30er Jahren alles seinen Anfang nahm. Auch verweist man andernorts in vielerlei Hinsicht auf die 60er Jahre-Serie, manches Mal auch auf die Kinofilme der 90er Jahre, so z.B. in der Bewegungsform des eiskalten Händchens geschehen. Die Besetzungen mit Chloë Grace Moretz als Wednesday und Snoop Dog als Vetter It sind ein kleiner Geniestreich für sich, und die Handlung wirkt wie ein chaotisch, typisch auf Cartoon-Stil, aufgeblasener Klassiker eines ansonsten typischen Addams-Abenteuers. 

Freilich bekommt der Mainstream mit seinem Hang zur Angleichung sein Fett weg (so gar nicht subtil), der Wandel Richtung Addams-Mentalität wird treffsicher durch einen klassischen Look der Gothic-Szene dargestellt, und am etwas zu fröhlichen Ende akzeptieren beide Seiten ihre Andersartigkeit - ja, auch die Addams den Mainstream, und dies gar nicht so moralinsauer und anbiedernd verpackt wie man meinen sollte und wie leider in Burtons Netflix-Produktion geschehen. Dennoch wirkt das Ganze am Schluss eine Spur zu verwässert, während typische Mainstreameinflüsse heutiger US-Trickfilme sich im Rest des Streifens gerade eben noch passend kompatibel als wackeliger Drahtseilakt mit der Addams-Kultur arrangiert bekommen. Viele eigenständige Ideen, klassische Verweise, recycelte Gags, allerhand Hintergrundideen, Schelmereien, Insiders und manch überraschend morbide Randerscheinungen sorgen für kurzweilige Unterhaltung, weit über dem Niveau welches ich pessimistisch im Vorfeld erwartet hatte. 

Zwar ist "The Addams Family" (Originaltitel) kein großes Kino geworden, wie die beiden Werke aus den Lichtspielhäusern der 90er Jahre, aber nach den ganzen Fehlversuchen der Wiederbelebung seit den zwei Realfilmen, tat es gut mal wieder eine positiv ausgefallene Version über die Addams zu sichten, welche sich mit dem Franchise auch tatsächlich auskennt, anstatt es lediglich zu plündern ohne dessen Mentalität zu teilen oder gar zu verstehen. Dass das Abspannlied so überhaupt nicht zum Flair der Addams passen will, kann man wiederum schon fast als Verweis auf den schrecklichen Abspann des 90er Jahre "Addams Family"-Films verstehen.  Wiki

04.09.2022

ONLY MURDERS IN THE BUILDING - STAFFEL 1 (2021)

Es ist schön, dass sich in der Steve Martin-Richtung endlich wieder etwas Positives tut, gehört er doch zu den talentiertesten humoristischen Mimen der USA. "Only Murder in the Building" ist eine Webserie, in welcher er auch inhaltlich kreativ tätig war, sprich er schrieb wieder am Drehbuch mit. Außerdem produzierte er die Krimi-Komödien-Reihe mit, ebenso wie seine Mit-Hauptdarsteller Martin Short (mit dem er schon erfolgreich in den beiden "Vater der Braut"-Filmen, sowie in "Drei Amigos!" zusammen gearbeitet hat) und dem ehemaligen Disney-Star Selena Gomez. Alle drei leisten vor der Kamera gute Arbeit, an die gealterten Alt-Stars muss man sich jedoch erst einmal gewöhnen, wenn man ihren Werdegang nicht verfolgt hat, da sind wahrlich viele Jahre vergangen. Von ihrer Energie und ihrem Humorpotential haben sie glücklicher Weise nichts verloren, und so agieren sie gerne auch mal albern, wie gehabt, und das möchte man bei ihnen auch so sichten. 

Das Ergebnis selbst ist solide Komödienkost, nicht der große Überflieger, aber definitiv unterhaltsamer Natur. Und die Geschichte um drei Hobby-Kriminalisten, die über ihre Recherche im eigenen Wohnkomplex einen Podcast veröffentlichen, gibt dem Drehbuch genügend Potential auf Krimi-Ebene, mit Medien- und Gesellschaftskritik, sowie mit Generationenkonflikten und im Alter veränderten Ansichten und Lebensplänen zu arbeiten. Das gibt auch den Figuren mehr Tiefe und Vielschichtigkeit, und das tut der ansonsten klassisch ausgefallenen Mördersuche insgesamt gut. Ich persönlich habe drei Folgen vor Schluss herausgefunden wer der Mörder ist, man kann es also erraten, aber das schmälert nicht den Unterhaltungswert, den "OMITB" (Alternativtitel) auch mit diesem Wissen zu erfüllen weiß. Ein spezieller Gaststar aus der Musikbranche wird gekonnt eingesetzt, anstatt lediglich einen Promi für zwischendurch an der Angel zu haben, es gibt genügend Wendungen und Hindernisse um die Protagonisten auf Trab zu halten, und so darf man eine handvoll Folgen lang dem Trio beiwohnen einen kniffeligen Fall zu lösen. 

Leider ist eine der Folgen etwas arg anstrengend ausgefallen. Sie hat ihr Herz am rechten Fleck, wenn sie uns die kompletten 20 Minuten lang die Welt aus der Wahrnehmung eines Tauben präsentiert. Mir persönlich hätten diesbezüglich 5 Minuten gereicht. Handwerklich betrachtet ist diese Episode in ihrer Konsequenz großartig ausgefallen, und es beeindruckt an sich selbst zu erfahren wie viel man dennoch von der Handlung begreift, bzw. auf welche Art die Beteiligten der Folge dies gefördert bekommen, aber das ändert leider nichts am mangelnden Unterhaltungswert dort. Das ist aber auch das einzige Hindernis durch das man durch muss. Und da besagte Episode erst spät auftaucht, ist man ohnehin inhaltlich angefixt genug herausfinden zu wollen, was als nächstes passiert, so dass sie einen nicht dazu animiert vorzeitig auszusteigen.  OFDb

25.03.2017

DIE REISE INS ICH (1987)

Ich war 12 Jahre alt, als ich „Die Reise ins Ich“ seinerzeit im Kino sah. Ich kannte den Quasi-Vorgänger „Die phantastische Reise“ noch nicht, wusste zuvor auch nicht in welchen Film mich meine Familie mitgenommen hatte, war aber schnell begeistert von der abenteuerlichen Geschichte, welche die Phantasie eines Jungen nicht nur mit der Miniaturisierungsidee anzuregen wusste, sondern auch mit manch anderem verspielten Gimmick. Wie süß Meg Ryan in ihrer Rolle wirkt, habe ich erst Jahre später entdeckt, als Ryan durch ihre Dauerpräsenz in romantischen Komödien zu einer Berühmtheit wurde. Schon zuvor gab es etliche weitere Sichtungen des Stoffes auf VHS. Und wie das so ist, wenn man sich lange Zeit mit dem Medium Film beschäftigt, so werden die Pausen auch bei viel gesehenen Liebhaberstücken aus der Jugend zwischen den einzelnen Sichtungen immer größer.

Vor zwei bis drei Jahren packte ich ihn nach einer Sehpause von etwa 10 Jahren wieder aus, und ich war überglücklich dass mich Joe Dantes zu Unrecht etwas untergegangenes Werk noch zu unterhalten wusste. „Die Reise ins Ich“ ist nicht nur ein familientaugliches, abenteuerliches Erlebnis mit allerhand Schauwerten, er ist zudem noch jene Kunstform massentauglicher Familienunterhaltung, die Anfang der 90er Jahre irgendwann in Hollywood verloren gegangen ist. „Innerspace“ (Originaltitel) ist solch ein unverkrampftes Stück Popkorn-Kino, frei von Zuschaueranbiederungen und mit Blick auf interessante, wie liebenswürdige Charaktere, sowie auf eine intelligente, abwechslungsreiche Geschichte, dass das Sichten für Erwachsene nicht nur zum müde lächelnden Kompromiss wird, wenn man den Kindern zuliebe einen Familienfilm guckt, sondern für Alt wie Jung zu einem wahrhaften Seherlebnis wird. Das war Grund genug für mich ihn zwei Jahre später erneut zu sichten, um ihn ein paar Freunden zu zeigen.

Der Humor ist reichhaltig, aber nicht übermäßig vorhanden, gesund auf die Gesamtlänge verteilt und die Gags hierfür sicher und gekonnt gesetzt. Der Spannungsbogen kann sich für einen familienfreundlichen Film sehen lassen, die Action wird recht weit zurückgeschraubt und konzentriert sich eher auf Verfolgungsjagden oder kleinere Kämpfe. Gut aufgelegte Schauspieler sorgen innerhalb einer Geschichte, die stets mehr als das nötige Grundprogramm liefert, mit ihrer spürbaren Spielfreude für den nötigen Schliff, und fertig ist ein Filmerlebnis, das sich vor den bekannteren Namen seiner Zeit, wie „Zurück in die Zukunft“ und „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ kaum verstecken braucht. „Die Reise ins Ich“ mag nicht ganz an diese Vergleichsfilme heranreichen, aber er ist sehr nah dran und damit weitaus besser als viele andere Konkurrenzprodukte, ob nun aus den 80er Jahren oder von heute.

Freilich sieht man Dantes Werk die 80er Jahre an, aber sie kommen sympathisch anstatt lächerlich daher, und auch der Soundtrack greift auf angenehme Vertreter der Musik dieser Zeit zurück, und nicht auf die unangenehmen, geschmacklichen Entgleisungen. Zudem ist die Musik nicht nur aus besagtem Jahrzehnt gewählt, und die eigens für den Film komponierte Hintergrundmusik plätschert eher beiläufig, wenig aufregend komponiert im Hintergrund vor sich hin. Mir ist es lieber wenn eine solche mittelmäßig und unauffällig ausfällt, als wenn sie imposant und aufdringlich komponiert ist, so als müsse der Zuschauer erst darauf aufmerksam gemacht werden, etwas Aufregendem beizuwohnen.

Solche Manipulationen hat „Die Reise ins Ich“ nicht nötig, der, wie typisch für seine Zeit, mit handgemachten Spezialeffekten zu begeistern weiß. Die Innenaufnahmen von Jacks Körper sind mit viel Liebe zum Detail umgesetzt, und Dante beherrscht die gekonnte Mixtur diese effektvoll, zum Staunen einladend einzuführen, ohne aus seinem Werk gleich ein reines Effektspektakel zu zaubern. Ebenso wie der Humor- und Abenteuergehalt, so stimmt hier auch bei den Effekten die Gewichtung. In dieser von Steven Spielberg produzierten Science Fiction-Komödie wird jeglicher Bereich durchdacht und mit Respekt angegangen, unterhaltsam umgesetzt ohne verkopft daher zu kommen, aber schlau genug geschrieben, Zusammenhänge, die Psychologie von Charakteren und die Auswirkungen von kleinen wie großen Situationen begreifend.

Alles hat sich der Geschichte und den Charakteren unterzuordnen, während sich die Verantwortlichen des Streifens gleichzeitig den Spaß gönnen, immer wieder verspielte Nebensächlichkeiten einzubauen, welche die Geschichte nicht nötig gehabt hätte. Dies schafft man ohne Längen hervorzubringen, ganz im Gegenteil fühlen sich diese Entgleisungen als Teil der Handlung an und sind somit fast schon unauffällig in den flotten Sehspaß integriert.

„Die Reise ins Ich“ ist noch kein Formelkino der großen Studios, wie wir es von den heutigen Blockbustern kennen, auch wenn er auf die Erfolgserkenntnisse seiner Zeiten gezielt setzt. Peinlichkeiten werden stets umschifft, moralische und kitschige Aspekte treten nicht einmal kurz angedeutet auf, und die Love Story wird unterstützend integriert, klein gehalten, aber wirkungsreich. Kurzum ist „Die Reise ins Ich“ ein idealer abenteuerlicher, mit Spezialeffekten angereicherter Unterhaltungsfilm, wie er in dieser entspannten, den Zuschauer nicht erziehen wollenden, Art auch nur in den 80er Jahren entstehen konnte. Vor den Größen seiner Zeit braucht er sich nicht verstecken.  OFDb

24.09.2014

DREI AMIGOS! (1986)

Steve Martin war gerade mit „Solo für Zwei“ international berühmt geworden, da sollte sein nächstes Werk nach dem Kino-Erfolg aus der Feder eines Fremdautors diesmal wieder aus seiner eigenen stammen. Manch einem wird der Stummfilm-Verweis der Figur des Navin aus „Reichtum ist keine Schande“, Steve Martins Erstling, aufgefallen sein, und diese Film-Dekade scheint ihm gut zu gefallen, denn nun werden andere Aspekte aus der Zeit, bevor Kino Ton beschert bekam, verarbeitet, wenn zum Großteil auch nur zu Beginn des Streifens.

Aber selbst der ist bereits ur-komisch, wenn die Top-Komiker Chevy Chase, Martin Short und Steve Martin geradezu tuntig ihren Mann vor ihrem mächtigen Boss stehen, aufgrund des Star-Ruhms glaubend selbst einen Hauch Macht zu besitzen, um kurz darauf auf der Straße zu sitzen. Von nun an darf herzlich gelacht werden in einer Western-Komödie, die anspruchsvolleren Humor mit gnademlosen Nonsens mixt, und damit ein geradezu typisches Martin-Produkt ist. Sei es der singende Busch, der endlose Abschiedskuss eines eigentlich keuschen Mannes, der Abbruch einer romantischen Abschieds-Szene, um zu erleutern was man mit den Worten „Ich komme wieder“ meint, an tollen Ideen mangelt es hier nicht.

Auch die in „Galaxy Quest“ und „My Name is Bruce“ noch einmal auftauchende Idee von Schauspielern, die für echt gehalten werden und damit in Gefahr geraten, war seinerzeit innovativ und ein großartiger Ausgangspunkt sprudelnder Situations-Komik. Am meisten punkten freilich die drei talentierten Komiker, wobei jeder seine eigene Humor-Richtung mit einbringt und sicher auch hier und da improvisieren durfte. Aber selbst berechnende Gags, wie der Ritt durch die Wüste, wobei es zweien der drei Amigos an Wasser mangelt, während der Dritte fleißig trinkt, gurgelt und den Rest weg wirft, um den zwei Kumpels nur kurz darauf großzügig etwas von seinem Lippen-Balsam anzubieten, sind grandios pointiert und auf den jeweiligen Komiker perfekt zugeschnitten.

Während auf der einen Seite die Arroganz, Naivität und Überheblichkeit der eigentlich über wenig Talent besitzenden Schauspieler durch den Kakao gezogen wird, spart „Drei Amigos!“ auch nicht gerade an Western-Klischees auf der anderen Seite, die trotz des Schwerpunktes Komik treffsicher eingebracht sind und sicherlich auch Freunden des ernsten Western-Genres gefallen werden, so liebevoll sich hier vor dieser Filmgattung verbeugt wird. Der Ober-Bösewicht weiß dann auch gleich am meisten zu gefallen, gerade dann wenn er in absurden Situationen eingesetzt wird, z.B. wenn er sich auf prollige Männer-Art über einen Pullover als Geburtstagsgeschenk freut, so als sei dies ein richtig cooles Geschenk unter harten Kerlen.

Interessanter Weise ist „Three Amigos!“ (Originaltitel) trotz dieser Extrem-Komik keineswegs ein pausenlos Witze abfeuerndes Gag-Feuerwerk. Oftmals liegt Ruhe über den Situationen, die Komik schaltet einen Gang zurück und subtiler Humor verschmilzt mit den niemals pausierenden Albernheiten. Nie ruht Autor Martin sich auf der grundlegenden Idee aus und nimmt der Story die Zügel aus der Hand. Die Vielzahl der lauten und ruhigen Witze ordnen sich stets der Geschichte unter, weshalb die Komik trotz ihres hin und wieder anwesenden Klamauk-Gehaltes nie an Niveau verliert und nie zur Nummern-Revue verkommt wie in den meisten Schnellschuss-Werke eines Leslie Nielsen, der trauriger Weise oft mit dem Genie Steve Martin verwechselt wird.

Geht „Drei Amigos!“ einmal ruhiger vonstatten bremst der Streifen sich nie aus, hat er doch immer etwas zu erzählen, auch wenn er im Mittelteil hin und wieder wirkt als würde er sich von einem Sketch zum nächsten hangeln. Dem Film ist seine Geschichte ebenso wichtig wie seine Charaktere und die Pointensetzung der unterschiedlichsten Humorgattungen. Und an dieser liebevollen Herangehensweise erkennt man die Professionalität eines Werkes talentierter Komiker, das weit entfernt vom unteren Niveau eines zu berechnenden Studio-Projektes ist.

Schön dass Anarcho John Landis als Regisseur mit an Bord geholt werden konnte, kurz bevor er endgültig in den Mainstream-Bereich abrutschte. „Drei Amigos!“ mag nicht mehr so kaputt und wild wie seine Frühwerke sein, ebenso wie „Drei Amigos!“ mehr Normen befolgt als Steve Martins Frühwerke wie „Der Mann mit zwei Gehirnen“, aber ihre Western-Komödie ist noch Grenzen einreißend genug und besitzt genug Charakter um sich vom Massengeschmack deutlich genug zu distanzieren.  OFDb

18.03.2013

RAN AN DIE BRAUT (2001)

Für einen Teenager zerbricht die große Liebe. Um die Holde zurück zu erobern bekommt er Hilfe von einer hübschen Mitschülerin, die heimlich selbst in ihn verliebt ist...
 
Singen und tanzen fördert nicht die Romantik...
 
Ganz lose beruht der hier besprochene Film auf Shakespeare, allerdings so lose, dass es der Erwähnung kaum wert ist. So lose, dass der bescheuerte deutsche Titel verziehen bzw. ignoriert ist und so lose, dass sich der gute alte Schriftsteller nicht im Grabe umdrehen muss.

Nach Erfolgen wie „Romeo und Julia“ und „Eiskalte Engel“ glauben einige Produktionen halt immer noch, es verkaufe sich besser, einen Teenie-Film auf klassischer Grundlage aufzubauen. „Ran an die Braut“ folgt seinem Vorbild nur extremst grob und hält sich eher an die Regeln des Filmgenres als an irgend ein Buch.

Ein besonders toller Film seiner Art ist „Ran an die Braut“ nicht geworden, dafür ist er zu gewöhnlich. Maue Routine bekommen wir allerdings auch nicht vorgesetzt, dafür gibt es zu viele Stärken. Eine davon ist Kirsten Dunst, die wieder einmal bezaubernd spielen darf. Um so erstaunlicher, da der romantische Part des Streifens, der eigentlich Schwerpunkt ist, überhaupt nicht zündet. Die Enttäuschungsszenen der Rolle der Dunst sind das einzige, das in dieser Richtung funktioniert.

Das romantische Hineinträumen in die hier gezeigte junge Liebe will einfach nicht passieren. Dabei geht auch Dunsts Partner in Ordnung, die Chemie würde stimmen. Trotz alledem bleibt auch die Hauptrolle recht blass. Das liegt weniger an Foster, der eigentlich recht brauchbar spielt, es ist sein Gegenspieler West, der einfach wesentlich mehr Persönlichkeit ausstrahlt als der olle Held. Dass Foster zu Beginn blasser wirken muss ist für die Story typisch und richtig, aber er gewinnt im Laufe des Streifens nicht an Profil und bleibt einfach so wie er zuvor war. Storytechnisch auch nicht verkehrt, für einen Alltags-Filmhelden aber einfach doch zu wenig.

Während die Jungstars sich wacker schlagen und schlicht auch zu begeistern wissen, darf man am Rande auch zwei Altstars bewundern. Der eine ist Ed Begley, Jr., der leider nur eine sehr kleine Rolle abgekriegt hat, sich in den paar wenigen Auftritten die er hat aber auch nicht in den Mittelpunkt spielt. Er schafft gekonnt den Spagat aus Zurückhaltung und Wirkung.

Der andere Oldie hat da schon wesentlich mehr Screentime. Es ist Martin Short, der nicht nur als bekanntes Gesicht auf die schnelle für einen Teeniefilm verheizt wird, so wie beispielsweise Chevy Chase für „Nix wie raus aus Orange County“ oder Eugene Levy für „Dumm und dümmerer“. Short hat eine wichtige Rolle, in der er sich zudem noch ordentlich austoben darf. Seit „Die Reise ins Ich“ habe ich mich schon oft gefragt, warum sein Erfolg ausblieb und er so wenige Hauptrollen ergattern konnte. Hier darf er nun völlig in Fahrt kommen, inklusive Traum/Rückblickssequenzen, in denen er auch verkleidet rumblödeln darf. Short ist ein großer Trumpf des Streifens.

Der Parodiegehalt auf Starruhm und Boygroups ist nett, hätte aber auch weiter vertieft werden können. Dies hätte allerdings vielleicht das Zielpublikum irritiert, so kann ich mir zumindest das Produzentendenken vorstellen. Dass man mit dem richtigen Angehen der Thematik ein anderes Publikum gefunden hätte (vielleicht so Richtung „Election“) ist den Geldgebern sicherlich gar nicht erst in den Sinn gekommen. Stattdessen geht die Orientierung in „Ran an die Braut“ eher in die entgegengesetzte Richtung, denn die Boygroup-typische Musik wird auch hier angewandt.

Im musikalischen Bereich fallen dann auch die Jungstars besonders positiv auf, sie tanzen und singen (letzteres hatte ich von Dunst zuvor nicht erwartet) und haben sichtlich Spaß dabei. Hervorzuheben wäre hier der Vorspann, der auf kurzweilige und lustige Art zeigt, wie man ihn einbringen kann ohne mit blöden Landschaftsfahrten zu langweilen. Im Abspann wurde ebenfalls getanzt, ich habe aber leider eine Tele 5-Version gesehen. Der selbsternannte kinoliebende Fernsehsender war dreist genug das Bild während dieser Sequenz klitzeklein zu machen, so dass nichts mehr zu erkennen war. Dass diese Szene dann auch voreilig beendet wurde ist somit auch nicht mehr sonderlich gravierend.

Zwischendurch gibt es kleine Fantasysequenzen zu sichten, nichts besonderes und auch immer zu kurz um wichtig zu sein, aber nicht uninteressant. Einige Handlungsabläufe werden zu kurz angeschnitten, z.B. das Problem dass sich der beste Freund in die Schwester verliebt (wesentlich besser in „Eis am Stiel 5“ herausgearbeitet) oder der schwierige Spagat der Hauptrolle zwischen Sport und Kunst (in „Die Liebenden von Notre-Dame“ und "American Pie" besser herausgearbeitet).

An sich ist der Film aber auch zu routiniert um sich über derartiges zu ärgern. Er ist schlicht, weiß aber auf seine belanglose Art zu unterhalten. Das ist schon mehr als manch andere Produktion schaffte. Um in Erinnerung zu bleiben reicht es allerdings nicht, sympathische Gesichter schafften es immerhin den Einheitsbrei etwas aufzuwerten.  OFDb