Derartige Lücken machen es mir schwer, mehr als den trivialen Unterhaltungsfilm in "Gremlins" zu sehen. Ja, die Kulisse weiß zu gefallen, das moderne Märchen-Flair ebenso, das Kreaturendesign, auch in den kurzen gezeichneten Sequenzen, sowieso. Aber wieso befinden sich plötzlich alle Gremlins im Kino? Natürlich nur um es dem Drehbuch leichter zu machen, ein halbwegs glimpfliches, simpel zu erzählendes Ende anzuvisieren. Das Drehbuch ist voll von derartigen Vereinfachungen, die nicht hinterfragt werden, weil die ganze Action drumherum von derartigen Schwächen ablenken soll. Nun, das tut es scheinbar auch, so begeistert wie die Filmwelt auf Joe Dantes Werk reagiert. Zumindest sind den Verantwortlichen allerhand verschmitzte Ideen gekommen. Neben der offensichtlichen, meist per großen Schauwert inszenierten, sind auch kleine Insider-Gags zu bemerken, wie z.B. das Versteck unter Stofftieren. Hier darf ein Gremlin sich wie einst E.T. unter Spielzeuggesellen tarnen, von denen eines eine E.T.-Puppe darstellt. "Gremlins - Kleine Monster" ist eine Spielberg-Produktion, das macht dieses Augenzwinkern rund um ein Merchandising-Produkt umso amüsanter. In seiner Leichtigkeit und der schwarzhumorigen Treffsicherheit, kann man nie zu böse mit dem Ergebnis sein. Aber die Schwächen sind mir dann doch eine Spur zu hoch, um den Erfolgsfilm als großes Event zu betrachten. Zumindest ebnete "Gremlins" den "Critters" den Weg, die fand ich etwas amüsanter. Sie sind aber auch etwas düsterer angelegt, wohingegen es Dante, so wie später auch in "Small Soldiers", schafft den Mix zwischen buntem Popkorn-Spaß und Horror in familienfreundlicher Balance hinzubekommen. Interessant fand ich anbei die Nennung Michael Winslows im Abspann, im Bereich der Verantwortlichen für die Soundeffekte. Noch im selben Jahr erlangte er Berühmtheit durch seine Rolle in "Police Academy" aufgrund seiner Begabung ungewöhnliche Geräusche ohne technische Hilfsmittel zu entfachen. Wiki
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
30.12.2023
GREMLINS - KLEINE MONSTER (1984)
17.12.2023
DER MANN, DER FRANKENSTEIN WEINEN SAH (2010)
Gerade zu Beginn macht "Der Mann, der Frankenstein weinen sah" dadurch einen unangenehmen Eindruck, ist das doch sehr unprofessionell für den Bereich des Dokumentarfilms und lächerlich noch anbei, wenn man schon einige Werke Naschys gesichtet hat. Ich mag ihn, seine Filme besitzen einen eigenen Reiz, der auch für mich nicht einzig von unfreiwilliger Komik lebt. Und Naschy schien ein sympathischer Kerl zu sein. Aber in einer dokumentatorischen Biographie erwarte ich Fakten, und die muss man hier inmitten von Fan-Getue heraus picken. Nach der ersten viertel Stunde kommt der Film von Ángel Agudo auch gleich interessanter und sachlicher daher. Wir erfahren einiges über Leben und Werk Naschys, und erst in den letzten 20 Minuten wandelt sich der 80-Minüter erneut der zu schlechten Herangehensweise der ersten Phase zu und feiert erneut fast nur noch seinen Star. Viele sympathische Filmszenen bereichern den Streifen, da sie sinngemäß zum jeweiligen Thema eingesetzt werden, und der Großteil der Doku bietet genug Informationen und Anekdoten, so dass man nicht verstimmt auf dieses etwas ungar ausgefallene Projekt zurück blickt.
Die beiden Söhne Naschys, sowie die Witwe kommentieren viel persönlich, der politische und wirtschaftliche Zeitgeist einzelner Dekaden wird beachtet, und auch die Spätwerke und öffentlichen Auftritte eines Mimen, der im Alter überrascht darüber war, wie bekannt er auch im Ausland im Laufe der Zeit wurde, bekommen genügend Aufmerksamkeit beschert. Ein Blick auf Naschys Einfluss in "Der Totenchor der Knochenmänner", in welchem er nur eine Nebenrolle besetzte, hätte mich noch interessiert, zumal er in ähnlicher Form agierend in "Dracula jagt Frankenstein" Erwähnung erhält. Beim Blick auf sein spätes Schaffen, wird leider "School Killer" nicht thematisiert, da hätte mich auch noch mancher Hintergrundblick drauf gereizt. Aber die bedeutenden Werke seiner Karriere finden freilich alle, wie es sich gehört, ihren Platz in dieser Liebeserklärung, die der Fanatiker unter den Horrorzuschauern besser finden wird als ich. Die am Schluss genannte Anekdote, die auch zur Titelgebung der Dokumentation führte, gefiel mir anbei wirklich gut. OFDb
05.11.2017
MEINE TEUFLISCHEN NACHBARN (1989)
Das liegt an einem stilsicheren, pointenreichen Drehbuch, an der detailverliebten Umsetzung Dantes und seinem Team (allein die Vorortsiedlung im Kontrast zum Haus der Klopeks ist eine Wucht) und selbstverständlich auch an der wundervollen Besetzung. Tom Hanks macht sich sichtbar spielfreudig zum Kasper, ohne dabei an Würde zu verlieren. Ernste wie schräge Töne beherrscht er gleicher Maßen, immer passend zur jeweiligen Phase der Geschichte. Corey Feldman ist für einen sprücheklopfenden Teenie-Sidekick, also eigentlich für etwas Minderwertiges, überraschend spaßig eingesetzt (zumal seine Figur von den erwachsenen Erwachsenen ohnehin nie ernst genommen wird). Und Rick Docummun ist als dümmlicher, gefräßiger Nachbar, welcher der Hauptfigur stehts Flausen in den Kopf setzt, der heimliche Star des Films. Seine Rolle könnte die eines Dan Aykroyd sein, um so passender ist es, dass er in der Deutschfassung dessen Synchronstimme erwischt hat.
Joe Dante pendelt stets zwischen harmloser Horrorparodie und treffsicherer Kritik am Spießertum innerhalb eines verspielten Filmes, der es weiß mit verschiedensten Komikelementen, vom subtilen Ton bis hin zum hemmungslosen Slapstick, zu jonglieren und dabei stets Figuren und Entwicklungsprozess der Geschichte das wichtigste Element sein zu lassen.
So ergibt sich ein niveauvoller, unverkrampfter Komödienspaß, der die grundlegende Situation immer weiter eskalieren lässt, was auch in größter Übertreibung nicht schlimm ist, da „The Burbs“ (Originaltitel) selbst in seiner ruhigeren Anfangsphase bereits überdeutlich die Charakterzüge eines Comicstrips in sich trägt. „Life in the Burbs“ (Alternativtitel) spielt in einer eigenen Kinowelt, der unseren nicht unähnlich, aber dicker aufgetragen. Da passt es um so mehr, dass diese Welt auch von manch schräger Randfigur bevölkert wird, wie beispielsweise dem möchtegernschlauen Müllmann, der von pseudowissenschaftlichen Dingen wie dem Pendeln zu begeistern ist.
Das Sahnehäubchen auf dieser großartigen Rezeptur bildet aber freilich die Besetzung der Klopeks, die wir erst nach und nach zu Gesicht bekommen. Dante ist es wichtig einen hohen Spannungsbogen und Erwartungsgehalt über deren Existenz zu schaffen. Und bekommt man sie erst einmal zu Gesicht, bildet jeder eine andere Art wundervollen Außenseiter, der Täter wie Opfer zugleich sein kann. Dante beherrscht es wie kaum ein anderer eine kleine Gruppe Menschen allein durch ihre Eigenarten zur Hauptattraktion, bzw. zum funktionierenden Motor einer urkomischen Geschichte zu machen. In Sachen harmlose Horror-Parodie steht er mit diesem großartigen Ergebnis Steve Martins „Der Mann mit zwei Gehirnen“ in kaum etwas nach. OFDb
10.06.2017
MATINEE (1993)
Diese Momente gehören in der mit John Goodman in der Rolle des Woolsey besetzten Komödie zu den Höhepunkten des Streifens. Ob man parodistische Filmplakate nicht existierender Monsterfilme sichten darf, deren Trailer oder den Film „Mant“ immer wieder Richtung Finale eingeblendet in gar nicht mal so knapper Spielzeit, diese Elemente weisen nicht nur eine gekonnte Pointensetzung auf, sondern beweisen sich auch als gut beobachtete Verarbeitung der tatsächlichen Monsterfilmstoffe der 50er Jahre.
Wer sich mit der Materie auskennt erkennt deutliche Verweise auf „Die Fliege“ und Co, und in der Rolle des Woolsey spiegeln sich zum einen Regielegende Alfred Hitchcock wieder, als auch B-Filmer William Castle, dessen Spielereien während der Vorführung von „Schrei, wenn der Tingler kommt“ deutlich Pate für jenen Heckmeck standen, den Woolsey bei seiner Premiere zu „Mant“ im Kinosaal veranstaltet, einem Film über einen Mann, der zur Ameise mutiert.
Der Mut zu Albernheiten weiß „Matinee“ mitunter seine besten Momente zu bescheren. Ob man bei der Figur eines Gedichte schreibenden, durchgeknallten Rebellen zum Lachen angeregt wird, oder bei den wundervoll dämlichen Dialogen in Woolseys Film, in diesen Momenten befindet sich Dantes Komödie auf einem Hoch. Und auch wenn man meinen sollte dass die im Hintergrund ablaufende Kubakrise ein gekonntes Beispiel dafür ist, warum Monsterfilme in den 50er Jahren so gut ankamen und der Film sich damit auch an anderer Stelle als gut beobachtend beweist, so durchdacht angegangen wie sie sich phasenweise immer wieder schaut, kann sich die Hauptgeschichte nicht wirklich von dem Problem lösen, eine Spur zu gleichgültig ausgefallen zu sein.
Der Film wird aus der Perspektive des blass besetzten Gene erzählt, dessen kleine Teenie-Problemchen inmitten des aberwitzigen Szenarios um Woolsey und seine Filme herum weder interessieren, geschweige denn anzustecken vermögen. Ein romantisches Techtelmechtel im Luftschutzbunker, ein Moment der höchst emotional hätte ausfallen können, zumal das junge Paar denkt die letzten Menschen auf Erden zu sein, verkommt zu einer fast gleichgültig wirkenden, austauschbaren Szene, wie so vieles was dem voraus ging. Während die Nebenfiguren dem Film Leben einhauchen (u.a. auch Genes Freund und dessen Love Interest), bremsen die Abenteuer und die Gefühlswelt Genes „Matinee“ immer wieder aus.
Dieses Manko kann dessen Unterhaltungswert zwar nicht zerstören, eben weil genügend positive Faktoren dagegen steuern, allerdings lassen es diese mauen Momente nie zu, dass sich „Matinee - Die Horrorpremiere“ (Alternativtitel) zu dem großen Komödienereignis entfalten könnte, welches eigentlich in ihm steckt. Immer wieder erkennt man das Potential einer grandiosen Horrorfilm-Parodie. Aber im Bereich der alltäglichen Komödie und dem Hauch Jugend-Drama, welches durch die Geschichte weht, verlassen Dante seine erzählerischen Talente, so dass man sich wünscht, er hätte wie einst einfach einen augenzwinkernden Horrorfilm oder eine Komödie besagten Genres abgeliefert, anstatt in der Realität angesiedelt mit Metaebenen zu arbeiten.
Unerklärlich für mich ist, dass Dante es nicht einmal schafft die Monsterfilmbegeisterung Genes auf den Zuschauer zu übertragen, der zu einem guten Teil sicherlich selbst zu dieser Gattung Publikum gehört. Wenn Gene für kurze Augenblicke sein Idol Woolsey privat und während der Arbeit begleiten darf, fehlt das Gefühl der Erfurcht, das Gene empfindet ebenso wie das Gefühl der Enttäuschung, wenn der Regisseur sich mit seinen billigen Tricks als viel zu menschlich erweist, als dass er dem Idolbild eines Teenagers gerecht werden könnte. Lediglich wenn es darum geht Amerika im Belügen seiner Mitbürger im Umgang mit Strahlenschutz zu entlarven, ist „Matinee“ auf dem selben Hoch wie in seiner Monsterfilm-Parodie. Der mittelmäßigen Hauptgeschichte tut es gut solche treffsicheren Nebeneinflüsse zu besitzen, lohnt es sich doch somit trotzdem zum Film zu greifen. OFDb
25.03.2017
DIE REISE INS ICH (1987)
Vor zwei bis drei Jahren packte ich ihn nach einer Sehpause von etwa 10 Jahren wieder aus, und ich war überglücklich dass mich Joe Dantes zu Unrecht etwas untergegangenes Werk noch zu unterhalten wusste. „Die Reise ins Ich“ ist nicht nur ein familientaugliches, abenteuerliches Erlebnis mit allerhand Schauwerten, er ist zudem noch jene Kunstform massentauglicher Familienunterhaltung, die Anfang der 90er Jahre irgendwann in Hollywood verloren gegangen ist. „Innerspace“ (Originaltitel) ist solch ein unverkrampftes Stück Popkorn-Kino, frei von Zuschaueranbiederungen und mit Blick auf interessante, wie liebenswürdige Charaktere, sowie auf eine intelligente, abwechslungsreiche Geschichte, dass das Sichten für Erwachsene nicht nur zum müde lächelnden Kompromiss wird, wenn man den Kindern zuliebe einen Familienfilm guckt, sondern für Alt wie Jung zu einem wahrhaften Seherlebnis wird. Das war Grund genug für mich ihn zwei Jahre später erneut zu sichten, um ihn ein paar Freunden zu zeigen.
Der Humor ist reichhaltig, aber nicht übermäßig vorhanden, gesund auf die Gesamtlänge verteilt und die Gags hierfür sicher und gekonnt gesetzt. Der Spannungsbogen kann sich für einen familienfreundlichen Film sehen lassen, die Action wird recht weit zurückgeschraubt und konzentriert sich eher auf Verfolgungsjagden oder kleinere Kämpfe. Gut aufgelegte Schauspieler sorgen innerhalb einer Geschichte, die stets mehr als das nötige Grundprogramm liefert, mit ihrer spürbaren Spielfreude für den nötigen Schliff, und fertig ist ein Filmerlebnis, das sich vor den bekannteren Namen seiner Zeit, wie „Zurück in die Zukunft“ und „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ kaum verstecken braucht. „Die Reise ins Ich“ mag nicht ganz an diese Vergleichsfilme heranreichen, aber er ist sehr nah dran und damit weitaus besser als viele andere Konkurrenzprodukte, ob nun aus den 80er Jahren oder von heute.
Freilich sieht man Dantes Werk die 80er Jahre an, aber sie kommen sympathisch anstatt lächerlich daher, und auch der Soundtrack greift auf angenehme Vertreter der Musik dieser Zeit zurück, und nicht auf die unangenehmen, geschmacklichen Entgleisungen. Zudem ist die Musik nicht nur aus besagtem Jahrzehnt gewählt, und die eigens für den Film komponierte Hintergrundmusik plätschert eher beiläufig, wenig aufregend komponiert im Hintergrund vor sich hin. Mir ist es lieber wenn eine solche mittelmäßig und unauffällig ausfällt, als wenn sie imposant und aufdringlich komponiert ist, so als müsse der Zuschauer erst darauf aufmerksam gemacht werden, etwas Aufregendem beizuwohnen.
Solche Manipulationen hat „Die Reise ins Ich“ nicht nötig, der, wie typisch für seine Zeit, mit handgemachten Spezialeffekten zu begeistern weiß. Die Innenaufnahmen von Jacks Körper sind mit viel Liebe zum Detail umgesetzt, und Dante beherrscht die gekonnte Mixtur diese effektvoll, zum Staunen einladend einzuführen, ohne aus seinem Werk gleich ein reines Effektspektakel zu zaubern. Ebenso wie der Humor- und Abenteuergehalt, so stimmt hier auch bei den Effekten die Gewichtung. In dieser von Steven Spielberg produzierten Science Fiction-Komödie wird jeglicher Bereich durchdacht und mit Respekt angegangen, unterhaltsam umgesetzt ohne verkopft daher zu kommen, aber schlau genug geschrieben, Zusammenhänge, die Psychologie von Charakteren und die Auswirkungen von kleinen wie großen Situationen begreifend.
Alles hat sich der Geschichte und den Charakteren unterzuordnen, während sich die Verantwortlichen des Streifens gleichzeitig den Spaß gönnen, immer wieder verspielte Nebensächlichkeiten einzubauen, welche die Geschichte nicht nötig gehabt hätte. Dies schafft man ohne Längen hervorzubringen, ganz im Gegenteil fühlen sich diese Entgleisungen als Teil der Handlung an und sind somit fast schon unauffällig in den flotten Sehspaß integriert.
„Die Reise ins Ich“ ist noch kein Formelkino der großen Studios, wie wir es von den heutigen Blockbustern kennen, auch wenn er auf die Erfolgserkenntnisse seiner Zeiten gezielt setzt. Peinlichkeiten werden stets umschifft, moralische und kitschige Aspekte treten nicht einmal kurz angedeutet auf, und die Love Story wird unterstützend integriert, klein gehalten, aber wirkungsreich. Kurzum ist „Die Reise ins Ich“ ein idealer abenteuerlicher, mit Spezialeffekten angereicherter Unterhaltungsfilm, wie er in dieser entspannten, den Zuschauer nicht erziehen wollenden, Art auch nur in den 80er Jahren entstehen konnte. Vor den Größen seiner Zeit braucht er sich nicht verstecken. OFDb
28.01.2017
AMAZONEN AUF DEM MOND ODER WARUM DIE AMIS DEN KANAL VOLL HABEN (1987)
Sicher, der Humor ist ebenfalls ähnlich angesiedelt. Aber man merkt grundsätzlich ob das Zucker/Abrahams/Zucker-Team für den Humor eines Filmes verantwortlich ist, oder nicht. Die arbeiteten treffsicherer in „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ im Vergleich zur von anderen Autoren verfassten Fortsetzung „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Raumschiff“, und so ist es auch mit „Amazonen auf dem Mond“, der bei weitem nicht mehr so pointensicher daher kommt wie sein Vorgänger.
Aber auch er kann sich sehen lassen. Mehr sogar! Denn rein stilistisch ist er flotter umgesetzt als das an mancher Stelle leicht sperrige Original. Mag auch nicht jeder Sketch gleichermaßen zünden, der Großteil des Gezeigten ist eine Lachgarantrie. Und da sich das Medienleben der Amerikaner weiterentwickelt hat, wenn auch nicht im qualitativen Bereich, gibt es auch in einem Teil 2 noch genügend zu parodieren. Unschwer erkennbar ist der Einzug der Videokassetten in das Leben der Amerikaner. Ob als Nebensache zu Beginn im ersten Sketch mit dem unglaublich komisch agierenden Arsenio Hall, oder im Sexvideo-Sketch mit Gaststar Russ Meyer, welchen man als einen Mix der „Kentucky Fried Movie“-Sketche mit dem gefühlsechten Kino und dem Liebespaar vor der Nachrichtensendung bezeichnen könnte, sie ist dem Amerikaner wichtig geworden und stellte die Revolution ihrer Tage da. Kino für zu Hause, welch faszinierende Idee.
Mag man sich auch hauptsächlich an Medien des damaligen Zeitgeistes orientieren (sogar mit einem überraschenden und sehr witzigen Ausnahmeverweis auf das Medium Buch), mit dem Hauptfilm „Amazonen auf dem Mond“ dürfen auch Film-Klassiker wieder dran glauben. Im speziellen Fall diente in erster Linie „Cat-Women of the Moon“ als Vorbild. Was hier parodiert wird lässt sich aber auch auf viele weitere Science Fiction- und Monsterfilme der 50er Jahre anwenden. Auch wenn der über 30minütige Hauptfilm in „The Kentucky Fried Movie“ nicht gestreckt wirkte, so schaut es sich doch angenehmer, dass der „Hauptfilm“ diesmal auf die 90 Minuten Laufzeit verteilt wurde, was außerdem dem Thema Zapping zugute kommt, das in den 70er Jahren sicherlich noch nicht so extrem verbreitet war wie in den 80er Jahren.
Die Höhepunkte der Fortsetzung liegen zum einen in der Darbietung schwarzer Amerikaner ohne Seele (allen voran der grinsende Schlagersänger, der im fertigen Film immer wieder auftaucht) und der Parodie zu „Der Unsichtbare“ namens „Der Sohn des Unsichtbaren“, in welchem Ed Begley Jr., selbstverständlich in Schwarz/Weiß, einen Wissenschaftler spielen darf, der lediglich glaubt unsichtbar zu sein. Doch auch neben dieser beiden Highlights gibt es viele andere großartige Ideen zu erleben, so z.B. eine Beerdigung die zur Comedyshow umfunktioniert wurde, eine hanebüchene Erklärung um das Geheimnis Jack the Rippers, die Peinlichkeit eines Kondomkaufs und seine Folgen, ein mahnender Lehrfilm gegen unsittliches Verhalten (Vorsicht! Läuft erst nach dem ersten Abspann!), eine Doku über das Pethouse-Girl des Monats und einiges mehr.
Stilistisch unterscheiden sich die einzelnen Kurzfilme manchmal stark. So setzt die Parodie einer live übertragenen Gerichtsverhandlung z.B. absichtlich auf unterirdischen Humor (meiner Meinung nach auf sehr gelungene Art), der Sketch um einen Aufreißer, der Probleme mit der modernen Technik bekommt, fällt hingegen recht bieder aus. Und was der Sketch um einen Arzt, der das neu geborene Baby eines Öko-Paares nicht finden kann, im Film zu suchen hat, weiß ich aufgrund des fehlenden inhaltlichen Anschlusses nicht, beschert uns aber immerhin die aberwitzige Konfrontation zwischen einem ahnungslosem Paar und einem schäbigen Wurzelsepp.
Der Großteil folgt inszenatorisch und humoristisch jedoch dem Vorbild des ersten Teiles, für welchen John Landis für die Regie verantwortlich war. Der hat sich diesmal einige geschätzte Kollegen mit an Bord genommen, so z.B. „Gremlins“-Regisseur Joe Dante, was auch erklärt warum die Sketche so unterschiedlich ausgefallen sind. Dem Film bietet dies stilistische Abwechslung und könnte damit auch eine Erklärung dafür sein, warum sich Teil 2 trotz schwächerer Pointensetzung flotter guckt. Glücklicher Weise hat man aber auch die lahmsten Sketche entfernt, wie ein Blick auf die entfallenen Szenen auf der DVD zeigt. Die hätte ich an deren Stelle allesamt ebenfalls nicht mit reingenommen. Es ist vielleicht etwas schade um den Sketch um eine fremdsprachige Bauchrednerpuppe, aber auch dieses Highlight der entfallenen Szenen schaute sich zu langgezogen und hätte den flotten Verlauf von „Cheeseburger Film Sandwich“ (Alternativtitel) geschadet. OFDb
15.09.2016
PIRANHAS (1978)
Nach einer stimmigen Einführung der Bedrohung folgt zunächst das Kennenlernen der Figuren und deren Nachforschungen nach vermissten Personen, die sie recht schnell auf das verlassene Militärgelände der ersten Sequenz stoßen lässt. Von nun an lässt der Film den Helden kaum Atempausen, werden sie doch ganz im Gegensatz zu „Der weiße Hai“ fast zu Statisten im eigenen Film, die von einem Ort zum nächsten hetzen und in der Regel dort zu spät erscheinen. Dante beschert den zwei zentralen Figuren genügend Grundcharakter, damit einem die beiden Hauptfiguren nicht völlig egal sind. Und der abwechslungsreiche Rest sorgt dafür, dass dies „Piranhas“ in seinem Ergebnis nicht schadet.
Zwar wissen kleine Fische optisch nicht so toll zu wirken wie ein großer Haifisch, Dante gibt sich jedoch größte Mühe aus den Attacken mehr zu machen als ein sich rot färbendes Wassergeblubber, wie man es aus manch anderem Tier-Horrorfilm, der im Wasser spielt, kennt. Immer wieder unterbricht der Regisseure das hektisch gefilmte Kameragewackel bei Piranha-Attacken, um uns für kurze Momente deutliche Bilder von Wunden oder gefräßigen Zähnen zu zeigen. Das weiß zu wirken. Der herrliche Sound, wenn die hungrigen Biester ihrer liebsten Tätigkeit, dem Fressen, nachgehen, sorgt für den Rest.
Sicherlich ist „Piranhas“ nicht so stimmig ausgefallen wie sein großes Vorbild, aber zumindest versuchte Dante mehr als diesen lediglich zu kopieren. Der Satire-Touch verleiht dem Streifen einen anderen Anstrich, der Humor bleibt so subtil, dass der Film nie zur Horror-Komödie verkommt, und ansonsten lebt „Piranhas“ viel von dem Effekt dass man immer vorher weiß wo die Viecher das nächste Mal zuschlagen werden, so dass das fröhliche Treiben der Ahnungslosen im Wasser um so fieser wirkt.
Dante macht durch seinen Zwischenstop im Sommercamp zwar auch nicht vor Kindern Halt (ein Ort der sich zudem toll als Ort der finalen Geschehnisse geeignet hätte), belässt es aber bei angefressenen Opfern, wohingegen Erwachsene auch des öfteren ihr Leben lassen müssen. Dante lässt uns des reißerischen Effekts wegen hin und wieder kurze Blicke auf angekaute Menschen erhaschen, gerade gegen Ende wenn Sanitäter zur Rettung eilen, im Vergleich zu heute ist das Treiben jedoch nicht all zu blutig ausgefallen, allerdings schon mehr als die eher spießigen Mitläufer von Spielbergs Hai-Film wie „Panik in der Sierra Nova“ oder „Taranteln - Sie kommen um zu töten“.
Interessant ist, dass „Piranhas“ trotz seiner augenzwinkernden Erzählweise wesentlich pessimistischer daher kommt als Spielbergs Werk. Nicht nur dass das Teiben des Militärs düster gezeichnet wird, was noch geradezu typisch für die Erscheinungszeit des Streifens ist, gerade gegen Ende bemerkt man wie wenig es Dante darum geht seine Hauptfiguren als Helden zu feiern. Ob es für die wichtigste Person des Streifens positiv ausgeht, lässt Dante offen, ist er doch schwer angeschlagen von der finalen Piranha-Attacke und scheint noch unter Schock zu stehen.
So blauäugig zu glauben dass eine derart raffinierte Züchtung mit den finalen Erlebnissen tatsächlich ausgerottet ist, ist Dante freilich nicht und lässt seinen Film auch diesbezüglich pessimistisch enden, während er zu dem Fressgeräusch der Piranhas das Meer zeigt, dass symbolisch wenig subtil mittels eines Farbfilters in ein blutiges Rot getaucht wird, bevor der Abspann ins Bild tritt. Dass die Nachuntersuchungen jemandem in die Hände fallen, der den ganzen Film über das Militärprojekt vertuschen wollte, zeigt ebenso den Hang der Autoren zum Pessimismus. Naiv ist „Piranha“ (Originaltitel) somit wahrlich nicht ausgefallen, womit ihm die Haupteigenschaft der meisten anderen Mitläufer der Tier-Horror-Welle fehlt. OFDb