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25.07.2022

RESIDENT EVIL (2002)

Im selben Jahr, in dem "28 Days Later" den Startschuss für die überraschend lang laufende zweite Zombiefilm-Welle gab, erschien die Videospiel-Verfilmung "Resident Evil", bei der es zwar nicht zentral um Zombies ging, dieser Aspekt aber ein wichtiger Bestandteil der Rezeptur war, so dass man auch ihn zu den Auslösern der erfolgreichen Rückkehr der Untoten auf der Leinwand bezeichnen kann. Die Genialität des britischen Konkurrenzproduktes erreicht der Streifen freilich nicht, aber gerade mit Blick auf das, was mit fünf Fortsetzungen aus der "Resident Evil"-Reihe werden sollte, kann man das Ergebnis doch als überraschend geglückt bezeichnen. Und schon damals hat mir der von Paul W.S. Anderson gedrehte und produzierte Film äußerst gut gefallen. Dabei muss man es nicht einmal schön reden: "Biohazard" (Alternativtitel) ist ein Proletenfilm. Er haut mit extrem auf cool getrimmten Schönlingen männlichen und weiblichen Geschlechts in die Kacke, ist flott inszeniertes, auf Tiefgründigkeit scheißendes Action-Kino, das von einem Schauwert zum nächsten schreitet. 

Aber selten hat ein derartiger Streifen so kompromisslos auch außerhalb des dafür anvisierten Zielpublikums funktioniert wie hier, was nicht nur daran liegt, dass die rätselhafte Geschichte tatsächlich interessant erzählt ist, die oberflächlich gehaltenen Stereotype, die hier heldenhaft und selbstgerecht durchs Bild wetzen, sind zudem sympathisch genug aufgebrochen, um ihnen einen Hauch Individualität zu bescheren und um mit ihnen mitfiebern zu können. Auch das ein oder andere Ableben lässt einen nicht kalt, so ausreichend ist man emotional an die Figuren gebunden. Somit bilden Film und Figuren genügend Charme, um dem Treiben nicht nur semi-interessiert beizuwohnen, und der Comic-Charkter völliger Übertreibung lässt einen über manch sinnlose Spielerei hinwegsehen, wie z.B. jener, dass die künstliche Intelligenz viel zu menschlich agieren darf. Ganz im Gegenteil gehören auch derartige Bereiche zu den Zutaten, die aus "Resident Evil - Genesis" (Alternativtitel) das Liebhaberstück Hirnlos-Kino machen, das er geworden ist - zumindest für jene Freunde von Popkorn-Kino, die keine Werk-getreue Version des zugrunde liegenden Computerspieles benötigen. 

Zudem mangelt es nicht an Nervenkitzel. Im Gegensatz zu den Fortsetzungen darf man hier tatsächlich noch mitfiebern und mitleiden. Ob es das fiese Verteidigungssystem der Red Queen ist, all die Situationen, bei denen es immer um Sekunden geht, oder auch zu Beginn die Szene im Fahrstuhl, hier wird man als Zuschauer auf Trab gehalten, der Film bedient nicht einfach nur desinteressiert heruntergespult die Schauwerte. Das ist auch gut so, denn die Computeranimation, ob in manch missglücktem Zombiedesign oder mehr noch bezüglich des komplett per CGI entstandenen Endgegners, sind mit Augen von heute derart schwach ausgefallen, dass sie tatsächlich den Sehwert hemmen, und das sage ich als jemand, der mit "Lexx" und "Der Rasenmähermann" keine Probleme hatte. Hier ist es etwas anderes, da der Blick auf diese unschönen Animationen einen wahrlich aus dem pompösen, sonst professionell umgesetzten Geschehen reißt, was nur umso mehr klar stellt, wie sehr man in der rasanten Geschichte dieses Erstlings aufgehen kann. Für das (nicht zwingend notwendige) Endszenario lässt man sich ähnlich viel Zeit wie für den (ebenfalls nicht zwingend notwendigen) Anfangsbereich. Im Gegensatz zu den meisten Storys der Fortsetzungen ist der Handlungsablauf hier nicht billig dahingeschludert, das Ergebnis ist flott, aber nicht gehetzt, umgesetzt. 

"Resident Evil the Movie" (Alternativtitel) kann man als Film für sich gucken, die Fortsetzungen braucht man nicht nachholen. Mit Kenntnis dieser schaut sich aber gerade der Beginn recht erschreckend, der einen die letzten normalen Momente der Menschheit zeigt, bevor die Ereignisse in Gang gesetzt werden, die das Endzeit-Szenario über alles hereinbrechen lassen. Dafür sorgt zwar auch das apokalyptische Finale, die genauen Konsequenzen erst einmal durch die Teile 2 bis 6 kennen gelernt, lassen das alles jedoch noch etwas bitterer anmuten. Es ist nur ein Nebeneffekt, wahrscheinlich von den Verantwortlichen nicht einmal gewollt, aber es reicht um einer zweite Sichtung einen fiesen Zusatzaspekt zu bescheren. Seinerzeit habe ich "Resident Evil" ein paar Mal gesehen, so begeistert war ich von ihm, nun habe ich ihn nach etlichen Jahren erstmals wieder gesehen, hatte tatsächlich viel vergessen, und freue mich erneut positiv überrascht worden zu sein. Aber mit Kenntnis der extrem auf austauschbares Proletenkino getrimmten späten Fortsetzungen guckt man "Resident Evil - Ground Zero" (Alternativtitel) sicherlich auch etwas gönnerhaft. Es mag also sein, dass man ihn seinerzeit für sich entdeckt haben muss und Neueinsteiger darin heutzutage keinen kompromisslosen Leckerbissen mehr entdecken.  OFDb

20.12.2014

A SOUND OF THUNDER (2005)

Es gibt Filme bei denen man über Unlogiken, gerne auch mal über echte Blödheit, hinwegsehen kann. Wenn diese Eigenschaften jedoch dominant auf den Zuschauer hinabregnen, dann kann man Augen und Ohren noch so schließen, das Werk bleibt dumm, dies auf so penetrante Weise, dass es geradezu unverschämt ist vom Zuschauer überhaupt erst zu erwarten all das zu akzeptieren, was einem da erzählt wird - fiktiver Film hin oder her.

Die Grundidee von „A Sound of Thunder“ ist eigentlich gar nicht mal so übel. Und ähnlich wie bei der Science Fiction-Serie "Lexx" könnte man sicher auch über die mauen Computeranimationen hinwegsehen. Peter Hyams Werk krankt jedoch an allem. Die (noch eher harmlosen) Schwächen beginnen damit, dass uns eine völlig kritiklose Zukunft gezeigt wird. Der Film spielt etwa 50 Jahre nach seinem Entstehen. Eine Reise in die Vergangenheit wird für ganz Reiche angeboten, jene die es sich als einzige leisten können. Da hätte man, und wäre es nur in einer kurzen Erwähnung nebenbei gewesen, kritisch auf eine Zweiklassengesellschaft Amerikas hinweisen können, die schließlich jetzt schon vorhanden ist, in 50 Jahren aber sicher noch extremere Formen annehmen wird. Aber nein, das wird nicht getan.

Auch weitere Beispiele einer kritischen Betrachtung der Gesellschaft der Zukunft, in Hinblick auf das Treiben der Gesellschaft von heute finden nicht statt. Dass dies aufgrund der Thematik eigentlich förderlich für die Geschichte gewesen wäre, ist nicht von der Hand zu weisen. Ein solches Vorgehen wäre klug gewesen, um damit auf die Frage aufzubauen: Lohnt es sich überhaupt diese Art Gesellschaft zu retten? Ist es gut was der Mensch erreicht hat, oder wäre es gar besser, wenn man einfach die neue Evolution akzeptiert, die immerhin keine Umweltzerstörung beinhaltet und den Mensch, wenn auch genetisch stark verändert, sogar noch mit im neuen Konzept enthalten hat.

Trotz des Fehlens dieser kritischen Beäugung könnte die Logik des Streifens zumindest noch auf etwas naive, blauäugige Art funktionieren. Könnte, tut sie jedoch nicht, da das was die Verantwortlichen für das Drehbuch niedergeschrieben haben hinten und vorne nicht zusammen passen will. Widersprüche, Unlogiken und oftmals auch Szenen in denen es sich die Erzähler der Geschichte zu einfach machten, bis hin zu lächerlichsten Ideen was aus den Menschen in der letzten Evolutionsstufe des Zeitirrtums geworden wäre, lassen den an sich doch recht flott erzählten und manchmal gar spannenden Film einfach nicht gut werden.

Das erwähnte Beispiel mit der veränderten Menschenevolution ist auch eines der besten Beispiele für die extreme Naivitäten der Erzählung. Ginge man davon aus dass der Schmetterling alles zukünftige verändern würde, so müsste man doch ernsthaft bezweifeln, dass selbst wenn es den Menschen in irgend einer Art und Weise noch geben würde, ausgerechnet dieser eine uns hier präsentierte Mensch noch existiert. Und selbst wenn man diesen vollkommenen Blödsinn noch akzeptieren würde, so ist es doch sehr fraglich, dass dieser eine Mensch sich noch genau am selben Ort befindet, wie sein Parallelkörper der zuvor existierenden Evolutionsgeschichte. Das ist schon völlig unmöglich, wenn das Leben ganz andere Wege geht, könnte mit viel Augenzudrücken aber noch akzeptiert werden, wenn diese Denkweise nur in der Ausnahme vorkäme. Leider ist dies nur eins von unglaublich vielen Beispielen.

Die Darsteller sind okay zu nennen, auch wenn wahre Größen nicht auffallen. Heike Makatsch hat eine zu kleine Rolle ergattert, was ihrer Kariere aber zumindest somit nicht schaden konnte. Die Computeranimation, in manchen Werken der Ersatz für mangelnde Schauspielgrößen, ist hier meist schlecht ausgefallen, hat hin und wieder aber auch ansprechende Kreaturen zu bieten. Leider werden in dieser ohnehin schon wackeligen Geschichte viele Ideen nicht konsequent genug umgesetzt, so z.B. die Attacke größerer Ameisen, die nur in einer einzigen Wohnung stattfindet. Der Rest der Welt weiß nichts von ihrer Existenz.

Wäre „A Sound of Thunder“ nicht so flott und auf wunderliche Weise nicht doch noch halbwegs nett erzählt, er hätte nie die Chance gehabt einen Rest Wohlwollen auf ihn fallen zu lassen. Aber ich mag allein schon die Grundidee, auch wenn ich sie mir einfallsreicher vorstellen könnte. Allein das Fehlen der nach und nach einsetzenden Zeitphasen hätte das Niveau der Geschichte schon ordentlich heben können. Die Erzählweise der selben Idee in einer der „Simpsons"-Halloween-Folgen fand ich wesentlich besser. Dort wurde der Rückkehrer direkt mit fertigen Konsequenzen einer veränderten Zukunft konfrontriert.

Zumindest ist "A Sound of Thunder" aber allein schon dadurch halbwegs spannend erzählt, dass man nie weiß was als nächstes passieren wird. Dies verdankt er ironischer Weise mitunter seiner Fehler. Wenn selten etwas zu Ende gedacht wird, wenn Unlogiken und Widersprüche zum Alltag werden, dann weiß auch der letzte Zuschauer nicht was ihn als nächstes erwarten wird. Zu dumm nur dass dies nur auf Zuschauer zutrifft, die sich trotz der Mängel naiv auf die Geschichte einlassen können.  OFDb

16.11.2014

SEIN LETZTES RENNEN (2013)

Ich konnte es kaum glauben, als ich vor einem Jahr das Plakat zu diesem Film in einem Kino hängen sah. Nicht nur dass Dieter Hallervorden noch einmal eine Hauptrolle in einer Kinoproduktion gewährt wurde, auch dass in seinem Comeback Heike Makatsch eine große Nebenrolle spielt, faszinierte mich. Da spielen zwei meiner liebsten Gesichter des deutschen Films vereint in einem Projekt, von dem ich nie zu träumen gewagt hätte. Im Prinzip hätte nur noch Thomas Heinze in irgendeiner Rolle gefehlt, um die Sache für mich persönlich zu perfektionieren.

Dieter Hallervorden ist bereits im Komödienfach heutzutage ein unterschätztes Talent. Dass darüber hinaus sein Schauspieltalent von vielen noch weniger bemerkt wird, verärgerte mich schon immer, war aber nur Realität im Filmalltag. Im Theater auf der Bühne war er glücklicher Weise immer aktiv und wurde dort auch geschätzt - im übrigen neben seiner Schauspielerei auch für die Förderung junger Talente. Als er in einem Audiokommentar darauf angesprochen wurde, warum er in einem Film nie wieder eine ernste Rolle wie seinerzeit in „Das Millionenspiel“ gespielt hat, antwortete er, er hätte nach den Komödienerfolgen nie wieder ein Angebot in diese Richtung erhalten. Interessiert hätte es ihn schon.

Bis zum Jahr 2013 hat es gedauert, bis man Hallervorden außerhalb des Komödienfachs eine Hauptrolle zugetraut hat, und ich habe mich von Herzen gefreut, dass der gute Mann dafür mittlerweile auch die Anerkennung erhalten hat, die er längst verdient hat. Alle sind begeistert von seiner Darbietung. Teilweise spricht man von seiner größten Rolle. Das wurde auch höchste Zeit. Mit Blick auf das Plakat schien man der Sache aber ursprünglich nicht ganz zu trauen, schmunzelt der gute Mann doch etwas arg humoresk auf den Betrachter nieder, ein Hauch gewollte Didi-Komik blitzt auf, die freilich in „Sein letztes Rennen“ nicht vorhanden ist.

Gerne als Tragikomödie betitelt ist „Sein letztes Rennen“ in meinen Augen eher ein Drama, ist der Humorgehalt doch viel zu zurückgeschraubt, um ihn als Teil des Genres anerkennen zu können. Aber das ist auch ganz gut so, denn Kilian Riedhofs Film ist ein zu Tränen rührendes Werk, das nicht emotionslos an einem vorüber gehen kann. Der Mann, der erst vor einigen Jahren mit „Homevideo“ auf sich aufmerksam machte, serviert uns hier eine Geschichte über das Altern, das Alleinsein, die Hoffnung und den Widerstand gegen ein eingefahrenes System. Dabei rutscht Riedhof nur hin und wieder ein wenig in klassische Filmklischees ab, ansonsten ist ihm ein realitätsnahes und gefühlsoffenes Drama geglückt, das wesentlich mehr Facetten seiner schlicht klingenden Geschichte einfängt, als man vermuten würde.

Trotz seiner Themenvielfalt übernimmt sich Riedhoff, der auch am Drehbuch beteiligt war, nie, lenkt in letzter Konsequenz den Fokus immer wieder auf den Hauptstrang, aber so dass die einzelnen Rahmen-Themen Einfluss auf diesen nehmen. Nichts wird unnötig eingebunden, umgekehrt hechtet das Drehbuch nie angeblichen Pflichten hinterher. Locker erzählt und auch so inszeniert legt erst das Seelenleben Pauls eine bleiernde Schwere über das Geschehen, eine Schwere die mich tief berührt hat und mich so manches Mal Tränen vergießen ließ.

„Sein letztes Rennen“ zeigt Hallervorden in Hochform, unterstützt von einem großartigen Drehbuch und umgeben von allerlei talentierten und sympathischen alten wie jungen Mimen, die alle ihre Charaktere glaubhaft auszufüllen wissen. In „Sein letztes Rennen“ ist nicht alles schwarz und weiß. Es gibt kein klar getrenntes Gut und Böse, gesund und ungesund, bei Verstand und irritiert. Und das ist eine der menschlichen Botschaften des Films für uns Schubladendenker. Zuhören und sich Zeit für den einzelnen nehmen lautet die Devise, und am deutlichsten wird dies immer wieder in jenen Momenten, in welchem das Altenheim-Personal versucht Paul in ein System zu zwängen, in welches er nicht hineingehört.

Kritiklos geht der Film aber auch mit Pauls Verhalten nicht um, ein Benehmen das keineswegs sonderlich rücksichtsvoll ist. Auch Probleme mit der Filmtochter, gespielt von Makatsch, werden nicht per Entschuldigung, wie es durchaus möglich wäre, aus dem Leben geschafft. Paul ist ein stolzer Charakter. Aber von all den guten und schlechten Seiten der Menschlichkeit zieht „Sein letztes Rennen“ seine Kraft und seine Glaubwürdigkeit. Und so todtraurig die ganze Geschichte schlussendlich auch ist, eine gewisse Herzenswärme kommt auf, ein Spalt Hoffnung öffnet sich, selbst dann wenn alles verloren scheint.  OFDb

06.05.2013

SECHZEHNEICHEN (2012)

Nils und Laura ziehen in die ruhige und gut bewachte Siedlung Sechzehneichen, in welcher Laura beginnt sich nicht richtig wohl zu fühlen, Nils hingegen schnell Anschluss in einer Art Männerclub findet. Die Frauen wirken auf Laura zu oberflächlich, und das Verhalten ihres Mannes empfindet sie als immer merkwürdiger. Als ihre Schwester zu Besuch kommt, glaubt Laura langsam sich in etwas Unsinniges verrannt zu haben, doch dann verschwindet ihre Schwester Hals über Kopf ohne Abschied zu nehmen...
 
Die Frauen von Sechzehneichen...
 
Man kennt es von Sat 1 zu genüge, dass Stoffe bekannter Kino-Hits wie „Was Frauen wollen“ und „Ein Ticket für zwei“ leicht variiert als kostengünstiges TV-Filmchen noch einmal unter anderem Titel neu gedreht werden, ohne offiziellen Bezug zu den Originalen zu nehmen. Wie es sich in diesen Fällen mit dem Copyright verhält ist mir unklar, aber scheinbar darf man das, sonst käme eine solche Produktion dem Sender wohl teurer zu stehen als einen Drehbuchautoren zu bezahlen, der eigene Ideen hat und damit Quoten-unsichere Gefilde abgrasen müsste.

Die ARD wollte wohl nicht länger tatenlos zusehen und dachte sich: was Sat 1 kann, das können wir auf Kosten der Gebührenzahler auch, und so durfte der talentierte Regisseur Hendrik Handloegten, dessen Langfilm-Debut „Paul Is Dead“ ich für einen absoluten Geheim-Tipp halte, für das öffentlich rechtliche Fernsehen „Die Frauen von Stepford“ von 1975 neu auflegen, der 2004 bereits eine amerikanische Neuverfilmung erfahren hat. Nun hat Handloegten den Stoff nicht eins zu eins geklaut, sondern recht europäisch und eigenhändig ummodelliert, aber trotz alledem sind die Parallelen zu dominant um darüber hinwegsehen zu können.

Mit Robotern hat „Sechzehneichen“ nichts mehr am Hut, mit dem Bereich des Horrorfilms ebenso wenig. Handloegten verwandelt die Geschichte in einen Mix aus Drama und Thriller, bleibt also wesentlich realitätsorientierter als das geglückte Original, allerdings auch rätselhafter und ungeklärter. Scheinbar werden die Frauen durch Pillen unter Kontrolle gehalten, das wird zwischen den Zeilen zumindest ziemlich laut angedeutet. Und mit dieser Idee bedient man sich schon wieder bei den Amerikanern, denn in „Terror in New York“, der Fortsetzung des ersten Stepford-Filmes, tauschte man die Roboter ebenfalls gegen Frauen aus, die Medikamente schluckten. Das klingt schon irgendwie ironisch, wenn man bedenkt, dass das Original davon gehandelt hat Ehefrauen gegen Roboter auszutauschen.

Sicher ist in „Sechzehneichen“ für den Zuschauer ohnehin recht wenig. Als kleiner Leitfaden kann man jedoch benennen, dass je kultivierter der Zuschauer ist, desto intensiver kann er den Film erleben, lebt das Werk doch von recht stillen Tönen, welche die Bestätigungen für Lauras Unbehagen in Bereichen liefert, die bei unkultivierten Menschen entweder schon oft zum unreflektierten Alltag gehören, oder aufgrund ereignisreicher Vergleichskost im Kino und in Fernsehen so unaufgeregt einfach nicht wahrgenommen werden.

Das liest sich vielleicht etwas unfair, ist aber genau der Kniff der „Sechzehneichen“ halbwegs funktionieren lässt. Zudem sind mit Heike Makatsch, Mark Waschke und einigen Nebendarstellern wirklich talentierte Mimen mit an Bord, was das Ergebnis des Streifens ungemein aufwertet. Als Fan erster Stunde hat es mich ohnehin gefreut, dass die unglaublich niedliche Heike Makatsch damals ihren Weg aufgrund ihres Talentes gefunden hat und nicht wie manch andere aufgrund ihres Aussehens oder ihrer zuvor aus einem anderen Bereich gewonnener Prominenz. Nach langer Zeit habe ich nun mal wieder einen Film gesichtet, in welchem sie mitwirkt, und noch immer zeigt sie was sie kann, so dass ihre Zeit der Viva-Moderatorin mittlerweile wie ein schlechter Traum scheint. Aber jeder fängt halt klein an.

Psychologisch gesehen geht „Sechzehneichen“ recht clever vor, spielt das Stück doch in einer Art elitärer Siedlung, die gut bewacht ist und in welche Pärchen ziehen, die der Großstadt den Rücken kehren und die ihre Kinder und ihr Hab und Gut in Sicherheit wiegen wollen. Der Wunsch nach Kontrolle ist groß, und wenn er der Hauptauslöser für einen Umzug nach Sechzehneichen ist, dann liegt der Gedanke nicht fern, dass eine pervertierte Vereinigung von Männern sich dort sammelt, die gerne auch ihre Frauen kontrollieren möchten. Der etwas unausgegorene Schlumpfendorf-Faktor des Originals kommt somit nicht auf, und so wirkt das Gegenstück zum konstruierten Szenario der Stepford-Frauen im deutschen Fast-Remake wesentlich glaubwürdiger.

„Sechzehneichen“ ist sympathisch ausgefallen, kann aber nicht wirklich überzeugen, da zu vieles im Unklaren bleibt. Wo bleibt die Kämpfermentalität Lauras im Finale? Soll eine reine „Nicht ohne meine Tochter“-Chose ausreichen um kampflos sein Leben aufzugeben? Umgekehrt ist der Übergang vom großen Beschützer zum Kämpfer gegen das Wohl der eigenen Frau bei Nils nicht wirklich gut herausgearbeitet. Ein Video über einen Gangbang mit einer der Nachbarsfrauen reicht aus, um ihn nicht nur für den Moment mit dem Schwanz denken zu lassen, sondern gleich für den Rest des Filmes.

Einzig der psychologische Hintergedanke, der über allem schwebt, weiß hier zu gefallen, geht es doch längst nicht mehr, wie im Original, um das Zurückerobern der patriarchalischen Herrschaft und somit dem Verhindern der Emanzipation. Die Beweggründe sind in Zeiten oberflächlicher Lebensweisen viel banaler ausgefallen, will man doch nur noch kontrollieren und besitzen, weil man es seit klein auf so gelernt hat. Das ist eine wirklich geglückte Gesellschaftskritik, die aber scheinbar glaubte den Sub-Plot um eine vor Ort gefundene Freundin, die sich erst im Laufe der Zeit verwandelt, gar nicht mehr zu benötigen. Der Ersatz der Schwester der Heldin macht jedoch relativ wenig Sinn und gehört zu den unglaubwürdigen Ideen, zumindest in Anbetracht der dem Zuschauer vorenthaltenden Hintergrundinformationen.

Mit zu den besten Szenen des Filmes darf sich jene überraschende zählen, in welcher Nils sich auf einer Bürgerversammlung als wesentlich kontroll-fanatischer outet, als man es ihm je zugetraut hätte. Freilich versucht er mit diesem Schachzug den Männerclub des Ortes auf sich aufmerksam zu machen, nachdem er glaubt der Gangbang auf dem heimischen Bildschirm sei ihm von seinen neuen Freunden geschickt worden, aber das neue Machtgefühl noch vor Aufnahme in diesem Club, beflügelt Nils schon zuvor und lässt deswegen von da an eine dunkle Wolke über ihn schweben, die auch nicht mehr verschwinden wird.

Makatschs Mimenspiel von der taffen Selbstständigen zur immer ängstlicher und unsicher werdenden Ehefrau ist hervorragend ausgearbeitet, wirkt Schritt für Schritt, bis hin zur enttäuschten und traurigen Mimik in einer Fahrstuhlszene kurz vor Schluss, die noch einmal alle Register ihres Könnens zieht, bis wir eine Alternativvariante der Schluss-Szene aus Stepford serviert bekommen, die ohne das Wissen alles vorher Gezeigtem wie eine Happy End-Szene aussieht, allerdings genau für das Gegenteil steht.

Schade dass „Sechzehneichen“ nur als leichtes Filmchen für zwischendurch wirkt. Das Zeug für mehr hätte er mit diesem Regisseur und diesen tollen Darstellern so wie einer solch gekonnten Vorlage locker gehabt. Etwas mehr Richtung Mainstream hätte nicht geschadet, wenn das Drehbuch schon nicht so schlau ausgefallen ist wie das eines „Requiem“, „Blueprint“, „Das Mädchen, das die Seiten umblättert“ und „Heute trage ich Rock“, um nur mal ein paar anspruchsvollere Werke die auf Psychologie aufbauen genannt zu haben.  OFDb