Posts mit dem Label Ungarn werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ungarn werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

14.08.2022

LAURIN (1989)

Der hier angewandte trockene, zunächst emotionslos scheinende, Erzählstil (dem typisch deutschen Autorenfilm nicht unähnlich) entfacht einen ungeheuren Sog. Schnell ist man gebannt von den oft Banalitäten vortäuschenden Geschehnissen eines Filmes, der sich wie ein wahr gewordener Alptraum schaut. Und damit meine ich sowohl die realistischen, die einen im dramatischen Sinne fertig machen, als auch die übernatürlichen, die einem das Gruseln lehren. Immer auf die Tragik des Stoffes setzend, ob Zusammenhänge betreffend, tragische Zufälle thematisierend, die Lebenswelt von damals einfangend, oder aus der kindlichen Sichtweise der Protagonistin präsentiert, kommt "Laurin" stets tiefgründig anmutend anstatt Betroffenheit heuchelnd daher, stets den ehrlichen Ton treffend, die richtige Balance aus Distanz und Mitgefühl, aus Ereignis und Schlichtheit, aus Kunst und Unterhaltung. Das zeigen bereits die Bilder, die einen in ihren Bann ziehen, obwohl sie meist eher schlicht anmuten, alles andere als schlecht fotografiert sind, aber auch nicht unübersehbar demonstrieren große Kunst schaffen zu wollen. 

Vor und hinter der Kamera weht genau dieser faszinierende Wind des Gefühls zwischen den Stühlen zu sitzen und spiegelt damit genau jene wunderbar funktionierende Psychologie wieder, mit welcher der Stoff auch inhaltlich immer wieder mit den Genres Horror und Drama trumpft, während er um kein direktes zwanghaft bemüht ist. Es geht dem Autor und Regisseur Robert Sigl, der auch "Lexx - The Dark Zone 4 - Gigaschatten" inszenierte und später die beiden "School's Out"-Horrorfilme fürs TV drehte, einfach um die Geschichte an sich, die zwar dünn anmuten mag, aber dank der atmosphärisch dichten Inszenierung intensiv zu wirken weiß. Fasziniert hat mich das offene Spiel mit der Identifizierung des Täters, ebenso seine seltenen Taten zugunsten einer Vertiefung des Umfeldes Laurins. Sigl lässt uns eigene Beobachtungen machen, erklärt und bestätigt nicht viel und lässt dem Zuschauer somit die Möglichkeit "Laurin" auf sich wirken zu lassen. Das wird bei jedem ein individuell anderes Ergebnis verursachen, ohne dass der Regisseur damit einen eigenen Stil einbüßen würde. Sigl weiß was er tut, hält den Zuschauer aber schlichtweg für mündig genug mit dem Gezeigten eigene Erfahrungen zu machen. 

Aufgrund dieser Herangehensweise und der damit entfachten Wirkung ist es auch nicht weiter schlimm, dass der Schluss rein von der Erzählung her arg banal anmutet, geht es in "Laurin" doch nicht vordergründig um einen auf ein Ziel hinaus laufenden Erzählstrang, geschweige denn rein um den Unterhaltungswert und um Schauwerte. Das soll nicht heißen, dass die Geschichte ins Leere läuft bzw. die ganze Zeit über orientierungslos vor sich hin plätschert. "Laurin" arbeitet bewusst auf eine Entscheidung der Titelheldin hin, freilich mit Blick auf das Erwachsenwerden, wenn die arme, die ohnehin eine bittere Kindheit hatte, sich selbst beschützen muss - und ihre Oma noch dazu. Hier gibt es keinen Jäger, der den Wolf erschießt. Laurin muss sich ihm selber stellen, und der Vergleich passt, so oft wie Sigl mit Elementen aus Rotkäppchen spielt, einmal sogar in der Gegenüberstellung Kind und Hund, ein fesselnder Moment. Auf das Thema Märchen zurückzugreifen ist ohnehin keine falsche Idee, wenn man einen zu Film gewordenen Alptraum inszenieren möchte. Ebenso die Entscheidung surreal und psychologisch durchdacht zugleich zu arbeiten, so wie es ein Traum tut, was nur ein weiteres Beispiel des zwischen den Stühlen sitzen ist, welches ich vorhin ansprach. 

So schwer das Funktionieren und Wirken von "Laurin" auch in Worte zu fassen ist, so klar sind zumindest manche Mittel, mit denen der Film ein solch positives Ergebnis erzielt. So ist die Hintergrundmusik stets gut gewählt für das anvisierte Spannungspotential, und Laurin ist mit Dóra Szinetár zuckersüß besetzt. Die Tiefe ihrer Augen wird des öfteren zum funktionierenden Motor einer von Sigl anvisierten Stimmung. Diesem jedes Herz erwärmenden Wesen setzt er den nicht minder gut besetzten Károly Eperjes als Bösewicht entgegen, dessen Spiel wahrlich zu verstören weiß. Er legt seine Rolle leidend an, jedoch ohne zu bereuen. Das verleiht ihm eine teuflische Wirkung, gerade weil er sonst oft so menschlich und freundlich wirkt. "Laurin" ist ein Liebhaberstück, ein Werk für Cineasten anstatt für engstirnige Genre-Freunde. Er ist nie zu direkt erzählt, aber auch nie zu subtil, strahlt eine bescheidene anstatt eine bemühte Mentalität aus, lässt solch leise Töne anklingen, dass die Geschehnisse eine Banalität vorgaukeln und bestätigt Vermutetes immer nur dann, wenn es für die Geschichte notwendig ist. So bleibt es z.B. Interpretationssache ob Laurin all die Zusammenhänge von dem begreift, was sie in ihren Visionen sieht. Und auch die Hintergründe aus der Kindheit des Schänders werden lediglich angedeutet.  OFDb

04.10.2021

SOHN DER WEISSEN STUTE (1981)

Basierend auf mehreren ungarischen Märchen kreierte der Animationsfilmer Marcell Jankovics zusammen mit seinem Mitautor László György einen Zeichentrickfilm der künstlerisch wertvollen Art, an dessen Optik man sich zunächst einmal gewöhnen muss. Die Herausforderung angenommen entdeckt man Hintergründe die zu Vordergründen werden, in Umrisse gehaltene Personen und Gegenstände, sich wandelnde Objekte und Gegenden, Figuren die ihre Beständigkeit zu wechseln scheinen, Farbspiele und vieles mehr. Die psychedelische Art erinnert nicht von ungefähr an "Yellow Submarine" und "Belladonna", das Werk selbst ist überraschender Weise im Gegensatz zu diesen jedoch erst Anfang der 80er Jahre entstanden, obwohl man ihn intuitiv in diesem Gewandt eher in den 70er oder 60er Jahren vermutet hätte. Während ich den Beatles-Film bislang nicht gesehen habe, kann "Son of the White Mare" (Alternativtitel) mit dem japanischen Vergleichsfilm nicht mithalten. Zwar beeindruckt die Optik definitiv, und inhaltliche Überraschungen, gerade mit Unkenntnis ungarischer Sagen, wie die Geburt menschlich ausschauender Wesen einer Pferdemutter (ich musste unweigerlich an die schockierende Entdeckung in "Das Omen" denken, wohingegen das tierische Elternteil hier geradezu selbstverständlich vor die Nase gesetzt wird), halten den Zuschauer ebenso auf Trab, wie die ungewöhnliche und durchdachte Optik. Auf eine Dauer von fast 90 Minuten ist der Streifen jedoch definitiv zu lang ausgefallen.

Jankovics hatte zuvor fast nur Kurzfilme angefertigt und war an TV-Serien wie "Adolar" beteiligt, das könnte erklären warum er es nicht schafft sein an sich beeindruckendes Projekt auf Spielfilmlänge interessant zu halten. Der Erschöpfungszustand entsteht leider nicht nur einzig über die zu banale Erzählung, die mit ihrem einfachen Muster und den Wiederholungen den Zuschauer weit weniger intellektuell fordert, als es der Zeichenstil tut. Auch dieser sättigt sich irgendwann, wenn sich das, was die Animation so besonders macht, ebenfalls zu sehr wiederholt. Sorgten verschiedene Kunstrichtungen und ein sich stets im Wandel befindender Plot im japanischen Vergleichsfilm für ein nicht nachlassendes intellektuelles, wie auch psychedelisches Feeling, so verursacht "Fehérlófia" (Originaltitel) in seiner zu anstrengenden und monotonen Art Ermüdungserscheinungen, so lobenswert anders er auch beweist zu was Kino alternativ in der Lage sein kann. Auch ein wesentlich besserer, abwechslungsreicher Soundtrack tat "Belladonna" gut, während im hier besprochenen Animationsfilm auch hier eine Unterforderung stattfindet, die ebenso wie der Plot dem optischen Kunstanspruch nicht gerecht wird. "Sohn der weißen Stute" ist definitiv völlig anders ausgefallen, als jeglicher anderer Zeichentrick und damit nicht nur einen Blick wert, sondern auch ein Stück Innovation mit Existenzberechtigung, er richtet sich trotz künstlerisch hohem Anspruch jedoch eher an ein Publikum, das sich gerne in einen surrealen Rausch versetzen lässt, anstatt es auch bis zur letzten Konsequenz intellektuell zu fordern. 

Tapfer bis zum Schluss dran geblieben war mein Hirn hinterher freilich ordentlich weggebretzelt, und es dauerte bis ich wieder in der Lage war halbwegs vernünftige und sortierte Gedankengänge zu vollbringen. "Sohn der weißen Stute" ist einer jener sehenswerten Filme, die ich gern mehr mögen würde, als ich es tue, und dessen bleierne Schwere leider nichts mit meiner Tagesform zu tun hatte. Die war gut, ebenso wie die meiner vielseitig cineastisch interessierten Mitsichter, denen es allen ebenso erging wie mir. Erleben sollte man diesen Film als Entdecker des ungewöhnlichen Kinos aber durchaus einmal, zumal es einige positiver ausgefallene Stimmen im Netz zu diesem Streifen gibt, also nur Mut liebe Leser!  OFDb

06.09.2020

TERMINATOR 6 - DARK FATE (2019)

Nun wird nach dem unbeliebten "Terminator 5" wieder einmal alles zurück gespult auf das Ende von "Terminator 2", dem letzten richtig anerkannten Teil der Reihe, um diesen fortzusetzen. Diesmal schrieb der Regisseur der ersten Teile am Drehbuch mit, um seine Vision einer Fortführung seiner Kinoerfolge umzusetzen, und er produzierte "Terminator - Dark Fate" zudem gleich mit, mit Ruhm hat sich James Cameron damit allerdings nicht bekleckert. Letztendlich ist dieser erneute Teil 3 nicht besser oder schlechter ausgefallen als Teil 5 und "Terminator 3". Er bezieht sich sogar auf die Idee von Letztgenanntem, dass es einfach deswegen weiter geht, weil die Entwicklung nun einmal zu einem späteren Zeitpunkt so weit ist, lässt dafür konsequenter Weise Skynet nie geschehene Zukunft sein und eine andere künstliche Intelligenz auf die Menschheit los, lässt diese aber weit weniger konsequent ebenfalls Terminatoren bauen und durch die Zeit schicken, inklusive dem flüssigen Modell aus dem ersten Sequel. Das macht keinen Sinn, allerdings legt es das Drehbuch ohnehin nicht darauf an eine geistreiche Geschichte zu servieren. 

Der Zuschauer soll möglichst nonstop wuchtige Action erleben. Ruht sich die Geschichte einmal für dramatische oder gar philosophische Momente aus, so werden diese für den geistlosen Schnellzweck dümmlich verbretzelt, anstatt aus den durchaus interessanten Ansätzen tatsächlichen Tiefsinn am Rande zu zaubern. Da kann man mit leben, erwarten tut man ohnehin nichts geistreiches mehr von einem Großprodukt dieser Art. Dass man sich jedoch keine Mühe gibt dem Zuschauer die Figuren näher zu bringen, verärgert tatsächlich, bleibt "Terminator 6 - Dark Fate" damit doch ein zu oberflächliches Produkt, zumal er ohnehin nur die Geschichten der Vorgänger variiert neu abspult, anstatt eigene Ansätze zu erfinden und einen neuen Verlauf darauf aufbauend zu konstruieren. Einziger Lichtblick ist der schnell verpuffende Aufhänger Sarah Connors ihren Sohn nach der Errettung der Menschheit ironischer Weise durch eine Macht verloren zu haben, die in Zukunft nicht mehr existieren wird, und selbst dieser sympathische Aspekt wird zu schnell und lieblos abgespult, als dass sich die Geschichte damit gehaltvoller und die Figur damit tiefsinniger anfühlt. 

Nach dem x-ten Scheitern einer gescheiten Fortsetzung hat man immer noch nichts dazu gelernt. Der Film ist für den schnellen Dollar gedreht, die drei entscheidenden Namen James Cameron, Arnold Schwarzenegger und Linda Hamilton haben als Zuschauermagnet zu reichen, anstatt endlich mal wieder mutig voran zu preschen, um sich einen Erfolg auch zu verdienen, was sehr schade ist, da es vielleicht die letzte Möglichkeit war alle drei für eine Fortsetzung zu vereinen. Was hätte dies zusammen mit einem intelligenten Projekt, welches den Schöpfern tatsächlich am Herzen liegt, für Potential geboten im sonst so feigen Blockbuster-Kino von heute? Nun ja, nun ist es nun mal, wie es ist, wie zu erwarten ist die fünfte Fortsetzung keine Offenbarung. Als geistloser Science Fiction-Action ist er aber immerhin zügig und flott genug erzählt, um nicht zu langweilen. Er unterfordert höchstens durch die immergleiche Geschichte, nicht durch zu extreme Dümmlichkeit und lässt sich somit angenehm geistlos konsumieren. 

Angenehmer wäre aber auch diese simple Art des Schnellverzehrs ausgefallen, wenn sich das Ganze nicht immer wieder derart penetrant beim Publikum mit Verweisen auf Kultszenen aus den beliebten Vorgängern anbiedern würde. Zumal man das Herz der beiden Kultfilme mit der mechanischen Mentalität lediglich eine Auftragsarbeit abzuliefern ohnehin mit Füßen tritt und sich mit dem hier vorliegenden Projekt lediglich damit absichern möchte mittels eines Generationenwechsels weiterhin fleißig Fortsetzungen drehen zu können, wenn die ehemaligen Stars längst ins Gras gebissen haben. Das klappte bei "Star Wars - Das Erwachen der Macht" und seinen Fortsetzungen etwas besser, während die beiden "Creed"-Filme zeigten wie man es richtig macht, indem man den neuen Figuren auch wahre Charaktere beschert, anstatt sie nur als hohles Gefäß durch den Film stampfen zu lassen. Und wenn man schon dies nicht schafft, sollte man sich zumindest Mimen ins Boot holen, die ein gewisses Charisma versprühen. Das mag auf der Seite der Guten ja noch recht ordentlich, zumindest aber akzeptabel, funktioniert haben, der böse Terminator ist von der Besetzung her jedoch ein schlechter Scherz.  OFDb

13.10.2017

DIE ABENTEUER DER MAUS AUF DEM MARS (1975)

Mit simplen aber liebevoll gestalteten Zeichnungen versehen erzählt „Die Abenteuer der Maus auf dem Mars“ kindgerechte Geschichten in Form von 5-Minütern. Die Figuren selbst brabbeln auf verspielte Comic-Art vor sich hin, um Sprache zu simulieren, eine Sprecherin mit sanfter Stimme erzählt was passiert, so dass sich das Anschauen der Serie wie das Vorlesen aus einem Bilderbuch schaut. Rein pädagogisch gibt es da nichts zu maulen, selbst jüngsten Kindern kann man die in Budapest fertiggestellte, mitunter deutschfinanzierte, Serie bedenkenlos vorführen.

Zunächst wird der Mars als trostloser Planet eingeführt, auf dem die Maus sehr einsam ist. Durch ihre Übergröße verursachen ihre Tränen eine Überflutung, welche den Planeten fruchtbar macht, und so wird der Mars ein angenehmerer Lebensort als zunächst vermutet. Anfangs muss die Maus trotzdem mit sich selbst zurecht kommen, was sie langweilig und traurig stimmt, aber bereits nach wenigen Episoden werden ohne Erklärungen weitere Figuren eingebracht, man merkte wohl, dass sich ansonsten nicht viel erzählen lässt, selbst dann wenn die Maus so allerhand der Geschichten lediglich träumt. Woher mit einem Mal ihr Freund, der Maulwurf, auftaucht, erfährt man leider nicht. Auch wenn jede Geschichte für sich steht, so wäre es doch schön gewesen einer Episode beizuwohnen, in welcher sich die beiden kennenlernen.

Kindgerecht werden phantasievolle Geschichten erzählt, in denen mal bewusst Selbstverständlichkeiten aus der Erde zum Alltag gehören, andere Faktoren jedoch entfremdet oder komplett neu erfunden werden, um den geheimnisvollen Spielort hervorzuheben, bzw. die Maus vor Probleme zu stellen, die es zu lösen gibt. Hin und wieder gibt es kleine gesellschaftspolitische Aussagen. Oftmals muss die Maus um ihre Freiheit bangen, z.B. in jener der wenigen Episoden, die eine längere Laufzeit hätten vertragen können, landet dort doch die Maus in der Gefangenschaft eines Wissenschaftlers, der Sternenputzer in Käfigen hält, um mit deren Leistung eines strahlenden Nachthimmels vor der Welt zu prahlen.

Gelegentlich bekommt die Maus auch unerwartet Besuch von der Erde. Dem Mars entkommen kann sie trotzdem nicht. So gemütlich wie sie es sich auch auf der neuen Heimat einrichtet, am liebsten würde sie nach Hause zurückkehren. Mit diesen und vielen anderen Bedürfnissen sind die Geschichten stets nah am Empfinden ihres Zielpublikums angelegt. Dass sich stets Widersprüchlichkeiten zwischen den Episoden auftun und auch im Regelwerk der innereigenen Logik, verzeiht sich von selbst aufgrund des liebevoll erreichten Selbstzwecks und aufgrund dessen, dass dieser wackelige Zustand zwischen erfundener Welt und Bodenständigkeit grundsätzlich Bestandteil in Kinderfilmen und der Kinderliteratur ist, die derartiges in Kauf nehmen, um sich den Wichtigkeiten des Stoffes zu stellen: der Aussage, die man mit der Erzählung tätigen will.

Man müsste schon ein Miesepeter sein, um aufgrund dessen „Die Abenteuer der Maus auf dem Mars“ nicht mögen zu können, ist die TV-Serie doch höchst liebevoll und einfallsreich ausgefallen. Ihre Geschichten sind kindgerecht und gleichzeitig interessant erzählt und dies auf eine Laufzeit gebracht, die auch jüngere Kinder nicht überfordert. Ob mit Robotern und Marsmenschen, ob gegen Reporter oder Zoowärter, ob mithilfe des Maulwurfs oder eines Traumballonherstellers, stets erlebt die Maus allerhand für Kinder verständnisvolle und begreifbare Geschichten, welche die eigene Phantasie anregen, anstatt es darauf anzulegen übertrieben lehrreichen Stoff anzubieten. Gerade in heutigen Zeiten der Leistungsgesellschaft hebt sich eine solche Serie lobenswert vom überpädagogischen Handeln vieler Eltern erfreulich ab. „Die Abenteuer der Maus auf dem Mars“ fördert die Muße der Kinder und ihre Kreativität, auf der natürlich vorhandenen Wissbegierde der Kinder aufbauend.  OFDb

12.10.2017

GINGERCLOWN (2011)

Während andere Horror-Begeisterte zur Zeit der Killerclown-Welle fleißig in die kürzlich erschienene Kino-Version von Stephen Kings “Es” stürmen, machte ich einen Ausflug in den lediglich auf DVD erschienenen “Gingerclown”, der uns Tim Curry in der Rolle eines Clowns verspricht, jenen Mann, den man zwar immer als erstes mit der “Rocky Horror Picture Show” in Verbindung bringen wird, daneben aber eben auch mit Pennywise aus der damaligen TV-Verfilmung “Es”. Zwar wunderte ich mich, dass er sich erneut auf eine ähnliche Rolle einließ, nach Sichten von “Gingerclown” kann man diese Frage jedoch erweitern auf die grundlegende Frage warum Curry überhaupt an solch einem schrottigen Film beteiligt war.

Selbiges gilt für den stets im Genre auftauchenden Lance Henriksen und der sehr merkwürdigen Besetzung des damaligen Geräuschemachers Michael Winslow aus der “Police Academy”-Reihe. Logisch dass mit diesen mal mehr, mal weniger berühmten Namen geworben wurde, wer sich den Streifen von Regisseur Balázs Hatvani jedoch angeschaut hat, darf enttäuscht feststellen, dass sie lediglich Monstern ihre Stimme liehen, persönlich jedoch nie vorbei schauen. Wahrscheinlich hätten sie ansonsten am Set bemerkt an welcher Gurke sie beteiligt sind und hätten das Weite gesucht.

“Gingerclown” lockt zunächst nicht nur aufgrund der beliebten KillerclownThematik und durch Tim Curry in dieser angeblichen Rolle, es reizte auch die ungarische Herkunft des Streifens und das Versprechen man wäre darin bemüht das 80er Jahre Horrorkino wiederzubeleben, welches in den Videotheken bis Anfang der 90er Jahre eine ganz eigene Nische Genre-Beiträge füllte. Der ungarische Touch war durch das Einbringen sämtlicher US-Klischees von Beginn an über Bord geworfen, und wo bitte 80er Jahre-Feeling wehen soll, wie nicht nur der Coveraufdruck der DVD verspricht, sondern auch Autoren von Filmbesprechungen, die alles Gelesene hirnlos nachplappern müssen, ist mir nicht klar geworden.

Sicherlich: die im Film auftauchenden Monster sind handgemacht. Optisch erinnern diese jedoch eher an einen Puppenfilm a la “Die Reise ins Labyrinth”, freilich ohne wirklich geglückt zu sein, während der Film bereits aufgrund seiner Harmlosigkeit, der Geschichte und dem Verhalten der Monster eher wie eine leicht erwachsenere Version von “Alice im Wunderland” daherkommt. “Gingerclown” hat weder mental etwas von den Videotheken-Horrors der zweitschönsten B-Filmzeit des Genres zu bieten, noch von deren Äußerlichkeiten und Zutaten. “Gingerclown” spielt lediglich selbst in den 80er Jahren, so dass die ein oder andere Mode von einst kurz aufblitzt. Da der Film großteils aber an einem neutralen Ort zwischen den Zeiten spielt, ist auch dies ziemlich egal.

Bereits die erste Szene nervt gewaltig, die ellenlang innerhalb nur eines Spielortes und Zeitpunktes alles abarbeitet, was eine ausführlichere und liebevoller angegangene Einleitung durch mehrere Handlungsorte interessanter und feinfühliger hätte vertiefen können. Erschwerend kommt dieser mies gespielten und übel beleuchteten, sowie erbärmlich abgefilmten Szene hinzu, dass jene Person, die hier am meisten plappern darf, auch gleich die schlechteste Synchronstimme beschert bekommen hat, innerhalb einer Deutschvertonung, die über Mittelmaß ohnehin nicht hinaus kommt.

Das Makel der schlechten Optik und des ebenso schlechten Schauspiels bleibt auch nach der Einleitung bestehen, nur dass nun noch weitere Negativpunkte hinzukommen, ergibt doch nicht nur der komplette Plot keinen Sinn (ein Jahrmarkt, der seit Jahrzehnten nie betreten wurde, ist klar), sondern auch das übernatürliche Treiben, was den eigentlichen Reiz der Geschichte ausmachen sollte. Warum hier spukt, was hier lebt, wird nie geklärt, warum die Teenies nicht einfach wieder über den Zaun klettern, sondern sich stattdessen dem übernatürlichem Treiben stellen, ebenso wenig. Andererseits: bedrohlich erscheint in diesem zahmen Streifen ohnehin nichts, sind die Monster doch gerne mit sich selbst beschäftigt anstatt mit den menschlichen Protagonisten, und selbst wenn sie ein Auge auf diese geworfen haben, wird das Geschehen im Film doch niemals unheimlich.

Eher episodenartig stolpern die beiden Hauptfiguren durch das dunkle, unatmosphärische Jahrmarkt-Set, angetrieben durch die düstere Stimme des kaum zu sehenden Clowns (im Original weiß zumindest diese ein wenig zu wirken), von einem uninteressantem Geschehen zum nächsten hüpfend, was der ohnehin schon drögen, wie hirnlosen Chose endgültig den Reiz nimmt, da jeder Augenblick für sich zu stehen scheint, ohne einen echten roten Faden abzuliefern. “Gingerclown” guckt sich derart langweilig, dass es einer großen Leistung gleicht, diesen Scheißdreck bis zum Schluss sichten zu können. Mir war meine Lebenszeit dafür zu schade. Ich habe irgendwann aufgegeben.  OFDb