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21.08.2025

Querbeet im phantastischen Kino unterwegs - Kurzkommentare (8)

 

Das Geisterschloss (1999)

Wer einen der besten Horrorfilme neu verfilmt, der tut gut daran völlig andere Wege zu gehen. Doch auch wenn Suspense gegen einen Haufen Spezialeffekte ersetzt wurden, so konnten die bereits zur Entstehungszeit keinen Grusel atmosphärisch ersetzen. Mittlerweile sind sie zudem schlecht gealtert. Warum man das Ganze inhaltlich umgeschrieben hat, indem man aus Spukforschung eine Schein-Schlaftherapie machte, obwohl kaum wer der Anwesenden ein passender Patient dafür wäre, und warum aus dem Unerklärlichen eine moralinsaure Story um einen Kinderschänder wurde, weiß sicher nur der, der auf die Idee kam für einen Horrorfilm Owen Wilson zu besetzen. Komischer Weise funktioniert "The Haunting" (Originaltitel) lange Zeit auf plumpe Art dennoch. Erst in den ungefähr letzten 20 Minuten baute man nur noch Mist.  OFDb  

 

Creep Van (2012)

Aufgrund einer leichten humoristischen Anwesenheit, welche die Steifheit der Hauptfigur in diesem nur semi-professionell besetzten Film gekonnt aufbricht, dachte ich zunächst es mit einem sympathischen Vertreter der Gattung Billig-Horror zu tun zu haben. Nun, die Hauptfigur blieb überraschend zugänglich, der Rest jedoch nicht. Mal davon abgesehen, dass man es hier nicht mit einer Kopie von "Christine" zu tun bekommt, wie uns der Covertext der deutschen DVD einreden möchte, der menschliche Psychopath hinter allen Taten ist zu nervig und freakig ausgefallen, wirkt bereits am Telefon wie ein vulgärer Prolet, und das macht als Aggressor nix her, auch nicht im augenzwinkernden Sinne. Der Plot ist konfuser Natur, zwischenmenschliche Annäherungen wirken nicht glaubwürdig. Zwar ist man in "Creep Van" bemüht einen eigenen Stempel aufzudrücken, aber das Ergebnis weiß so gar nicht zu gefallen. Schade! Aber über ein böses Auto hätte ich mich ohnehin mehr gefreut.  OFDb  

 

Joker - Folie à deux (2024)

Ich war im Vorfeld so misstrauisch wie damals beim genialen ersten Teil. An den kommt die Fortsetzung trotz erneuter Glanzleistung der Hauptrolle und einer überraschend gut wirkenden Lady Gaga zwar nicht heran, aber meinen Respekt haben die Erschaffer eines mutigen Werkes inmitten des ansonsten eher auf Standard setzenden Superheldenbereiches, zumal wir es hier mit einem der beiden großen Studios diesbezüglich zu tun haben. Der Gesang, der überraschender Weise erst nach 20 Minuten einsetzt und so viele Zuschauer vergraulte, weiß nicht nur zu wirken, sondern setzt psychologische Botschaften, bzw. spiegelt den psychologischen Wandel des Schurken wider. Die Geschichte setzt sowohl anders an, als nach Teil 1 vermutet, und geht außerdem immer wieder andere Wege, als man ihr schlaumeierisch prophezeit. Gerade der Schluss wird manch einen verdutzt zurücklassen, passt aber gekonnt ins Batman-Universum, eben weil die beiden Filme sonst nur bedingt an die bekannte Marke erinnern. Insgesamt bleibt die Geschichte jedoch zu austauschbar und lebt letztendlich nur davon anders sein zu wollen.  Wiki   

 

Shin Ultraman (2022)

Im Original Ultraman, in der deutschen Version ein Shin davor gemogelt, könnte man meinen, dass nur die Deutschen auf den Erfolg von "Shin Godzilla" aufspringen wollten, aber es herrscht tatsächlich Verwandtschaft zwischen den Werken, z.B. bei der Musik und bewussten Benennungen des Vorbildes. Nun hatte es die Marke Ultraman hierzulande nie leicht, wenig ist erschienen, umso schöner war es einen Blick zu riskieren. Nicht ganz so schlimm auf Kinderfilm getrimmt, wie die Reihe rund um Gamera, aber eben mehr als in den meisten Fällen der japanischen Godzilla-Filme, funktioniert das Rezept ein wenig wackelig. Hinzu kommt, dass uns mit drei Geschichten nacheinander, getarnt als kompletter Plot, als Konzept eher die Kinoversion einer Serie vorgesetzt wird. Und da von dieser die erste Geschichte am besten funktioniert, ist der Höhepunkt des Streifens bereits nach dem ersten Drittel geliefert. Es folgt ein etwas magerer Mittelteil und ein ganz nettes letztes Drittel. Neueinsteiger ins Franchise bekommen glücklicher Weise alles erklärt.  OFDb  

 

House of the Creeping Death (1983)

Der von George A. Romero produzierte "House of the Creeping Death" ist lediglich ein Zusammenschnitt diverser Episoden aus der TV-Serie "Tales from the Darkside" und damit kein eigenständiger Film. Und sollten die Geschichten wirklich Pate für die Serie stehen, quasi als Vorzeigeepisoden, dann kann man diese wohl vergessen, bietet man uns doch nicht gerade gut funktionierende Kurzgeschichten an, zumal sie veraltet anmuten, anstatt nettes Retro-Flair zu versprühen. Die beste Geschichte findet sich am Schluss, aber selbst bei ihr muss man durch allerhand langgezogene Dialoge hindurch, bevor man sich an ihrer gelungenen Pointe ergötzen darf. Der Rest ist Standard von der Stange, u.a. von einer Mumie, Käfern und teuflischem Gebäck handelnd. Eine Konkurrenz für "Twilight Zone" oder Spielbergs "Unheimliche Geschichten" ist das nicht.  OFDb  

19.05.2020

BATMAN BEGINS (2005)

Nach Burtons Fetisch-Versionen und Schumachers kunterbuntem Rückschritt in die 60er Jahre Version der Thematik war das Medium Kino 8 Jahre später soweit Batman endlich eine ernsthafte Umsetzung zu bescheren. Gewöhnungsbedürftig muten die ersten 30 Minuten an, wenn Bruce Wayne erst durch Ninja-ähnliche Geheimbündler in dem trainiert wird, was er als Fledermaus schließlich in Gotham City anwenden wird. Aber selbst in diesem so gar nicht traditionellen Part der Comicverfilmung stimmen Stimmung und Erzählwert, und eine Fortführung der dort angegangenen Ereignisse bishin zum Trilogie-Ende "The Dark Knight Rises" machen diesen Part sogar wichtig für Nolans Vision aller drei Filme, bei denen er auch jeweils am Drehbuch mitgewirkt hat. Ob der realistische Touch fern einer tatsächlichen Comic-Welt nun besser oder schlechter ist als die übliche Herangehensweise, sei einmal dahin gestellt, er ist aber auf jeden Fall eine interessante Alternative zu den üblichen "Batman"-Filmen und passt zum erwachsenen Grundton des Streifens, der sich auch tiefgründigerer Betrachtungen und politischer Thematiken nicht scheut. Mit diesem weniger verspielten Blick guckt sich "Batman Begins" vielleicht ein wenig zu starr auf ernst getrimmt, aber dieser Grundton ist letztendlich nichts ungewöhnliches im Gesamtwerk Nolans und braucht somit nicht überraschen.

Interessant ist die fast konsequente Verweigerung Batman gegen einen klassischen Gegner aus den Comics kämpfen zu lassen. Mit der Vogelscheuche wird nicht nur ein relativ unbekanntes Gesicht eingebaut, durch seine in der Realität verorteten Charakterisierung und seiner nur am Rande wichtigen Positionierung innerhalb einer vielschichtigen Gesamtgeschichte, fällt kaum auf dass überhaupt einer vorhanden ist. Derartiges verzeiht man Nolan jedoch all zu gerne, denn sein detaillierter Blick auf die Anfänge Batmans, der ohne zu entmystifizieren spannende Hintergrundfragen im Perfektionieren der Verbrecherjagd-Idee Waynes beantwortet, weiß in technisch makelloser Umsetzung bei rundum guter Besetzung zu überzeugen - zumal Nolan sein für Comic-Verhältnisse verkopftes Werk nicht in Sachen Action, Spannungsbogen und Schauwerte vernachlässigt. Ihm ist ein rundum sehenswerter Film gelungen, den man kaum noch dem Fantasy-Genre zuordnen kann, der aber nicht nur durch seine Andersartigkeit innerhalb des Batman-Universums fasziniert, sondern auch die Ur-Tragik der Figur gekonnt zu greifen und zu vertiefen weiß und in eine spannende Geschichte steckt, die inhaltliche Überraschungen ebenso bietet, wie kleine verschmitzte Momente und stille Anspielungen an die reichhaltige Comic-Welt Batmans. Mit "The Dark Knight" gelang es Nolan hinterher sogar, den bereits recht ausgereiften hier angewendeten Ansatz noch einmal zu perfektionieren.  OFDb

09.05.2020

DIRTY HARRY 5 - DAS TODESSPIEL (1988)

"Dirty Harry in Das Todesspiel" (Alternativtitel) interessiert sich nicht mehr wirklich für das politische Umfeld des Polizeialltags. Die Differenzen zwischen Harry und seinen Vorgesetzten finden eher über den Generationenunterschied statt, und selbst die bilden nur noch eine obligatorische Nebensächlichkeit. Krimi-klassischer denn je wird innerhalb der Reihe ermittelt, was jedoch nur die halbe Wahrheit ist, da sich, nicht nur aufgrund des Spielorts an einem Horrorfilm-Set, auch das Horror-Genre ein wenig einschleicht. Während augenzwinkernde Plakate angeblicher Horrorfilme die Mainstream-lastigen Alternativ-Vertreter dieser Filmgattung herzlich persiflieren, wird der zu jagende Mörder ein wenig wie der Killer eines Slashers eingesetzt, in welchem üblicher Weise ebenfalls nach den 10 kleinen-Negerlein-Prinzip die Figuren ihr Leben lassen müssen. Seine Motivation und sein Sadismus, die wohl ein wenig auf den weit intensiver zu wirkenden Scorpio schielen, lassen ihn, lange Zeit anonymisiert tätig sein, ebenfalls wie der Psychopath eines Horrorfilms wirken.

Buddy Van Horn drehte lediglich drei Filme, alle zusammen mit Clint Eastwood, und ist dementsprechend im Horror-Genre nicht zu Haus, was man auch erkennen kann, so wenig wie der die dunkle Seite der Geschichte nutzt und so wenig wie er auf eine düstere Atmosphäre setzt. Das hätte dem eigentlichen Kriminalfilm einen intensiveren Touch beschert, ohne dem eigentlich anvisiertem Ziel zu schaden. Dieses ist ohnehin schlichter Natur, besitzt es doch kaum noch hintergründige Aspekte und dient lediglich dem schlichten Unterhaltungswert. Wahre Gesellschaftskritik wird gegen Meinungsmache ausgetauscht, mit Medienkritik wird zahm umgegangen. Das ist, wenn einmal akzeptiert, als Trivialverzehr auch vollkommen in Ordnung, ist "Das Todesspiel" (Alternativtitel) doch zumindest unterhaltsam ausgefallen. Und den nur halb motiviert agierenden Liam Neeson vor seinem großen Durchbruch in einer für ihn untypischen Rolle zu sehen, passend zu dieser klischeehaft mit Zöpfchen versehen, bietet inmitten der Jagd auf einen Psychopathen seinen eigenen kleinen Schauwert. Das Einbinden der wichtigsten weiblichen Rolle des Streifens funktioniert zudem diesmal wesentlich besser als in "Dirty Harry 3", und seit diesem erwartet man ohnehin nicht mehr all zu viel von einer "Dirty Harry"-Fortsetzung.  OFDb

09.03.2018

DARKMAN (1990)

Mit „Darkman“ erschuf Regisseur Sam Raimi seinen eigenen Superhelden, der typisch für den „Tanz der Teufel“-Regisseur ein wenig im Bereich des Horrors beheimatet ist, von seiner Geschichte her letztendlich aber irgendwo zwischen „Batman“, „RoboCop“ und dem später entstandenen „Blankman“ angesiedelt ist. Das Ganze wird mit der hervorragenden Zusatzidee versehen, dass Dr. Westlake aufgrund künstlicher Haut für 99 Minuten fremde Identitäten annehmen kann, was Möglichkeiten und Risiken gleichermaßen beinhaltet. Raimis „Darkman“ besitzt die typischen Eigenschaften und das typische Schicksal einer tragischen Superheldenfigur, so dass es aufgrund dessen und dem gelungenen Aussehen des gar nicht so strahlenden Helden a la „Phantom der Oper“ von der Hauptfigur her nichts zu klagen gibt, zumal sie mit Liam Neeson gut besetzt ist. Der weiß nicht nur mimisch zu überzeugen, gerade der Einsatz seiner Stimme macht viel am Gelingen seiner Figur aus, so wie es einst bei Claude Rains als „Der Unsichtbare“ der Fall war, denn beide laufen verhüllt umher und sind meist nicht zu sehen. Ist es Westlake doch gelegentlich, dann ist dies mit einer faszinierenden Rahmenstory um Selbstlüge und Träumerei verbunden, die den Wissenschaftler glauben lässt, er könne irgendwann in sein altes Leben zurückkehren.

Auch der Gegenpart ist mit dem späteren „Dr. Giggles“-Darsteller Larry Drake toll besetzt, besitzt er doch ein Schurkengesicht, wie man es in dieser comicübertriebenen Art nur selten findet, und auch er weiß hervorragend seine Stimme zum Einsatz zu bringen. Drake weiß als Durant allein durch seine Präsenz sich in jeglicher Szene in den Vordergrund zu spielen, was gerade die wuchtige Eingangssequenz beweist, in welcher wir die Gnadenlosigkeit dieses skrupellosen Verbrechers mittels wuchtiger Action, tollen Stunts und mit recht vielen Statisten für eine derartige Szene versehen kennen lernen dürfen. Scheinbar ging ein großer Teil des Budgets für diese und manch andere Actionszene drauf (allein die angenehm lange Hubschrauberszene im Finale ist eine wahre Wucht), denn an anderer Stelle wird das restliche, scheinbar magere Budget all zu deutlich, ganz erbärmlich in jenen visuellen Effekten zu erkennen, die uns den inneren, psychischen Prozess Westlakes verdeutlichen sollen, da er aufgrund dessen, dass er kein Schmerzempfinden mehr besitzt unter starken Gefühlsausbrüchen leidet, die ihn nahe an den Rand zum Wahnsinn bringen - wahrscheinlich sogar bereits über diesen hinaus.

Das ist etwas schade, da gerade dieser Bereich professioneller umgesetzt die Mystik der Hauptfigur perfekt hätte abrunden können, der eigentliche fatale Fehler, der „Darkman - Der Mann mit der Gesichtsmaske“ (Alternativtitel) jedoch nicht in die Kategorie des wahrlich gelungenen Films katapultiert ist sein Einsparen der Laufzeit in Szenen, die an der Glaubwürdigkeit der Geschichte nagen. Selbstverständlich passieren alle Geschehnisse in einer parallelen Comicwelt, in welcher alles Kriminelle auf ein groteskes Niveau hochgeschaukelt wird, und das ist auch gut so. Der Schwachpunkt findet sich an anderer Stelle, und dies ist eine weitere die an der funktionierenden Mystik des Helden nagt. Der Aufbau des geheimen, neuen Lebens Westlakes weiß nicht zu überzeugen. Seine Gaderobe hat er sich schnell aus der Mülltonne gefischt, über diesen zu schlicht gehaltenen Aspekt kann man noch diskutieren, aber wie der gute Mann bitte in einem angeblich völlig abgelegenen Gebäude seine zerstörten Apparaturen wieder zum Laufen bekommt, um erneut mit der Herstellung künstlicher Haut beginnen zu können, ist völlig an den Haaren herbeigezogen, was mit einer zusätzlichen Laufzeit von etwa 5 Minuten hätte inhaltlich bereinigt werden können, um auch diesem Aspekt wenigstens einen Hauch Comicglaubwürdigkeit zu bescheren.

Da dieser Aspekt so extremst unglaubwürdig ausfällt, geht viel von dem Feeling zukünftiger Aktionen des Darkmans verloren, da nun der düstere Look des Films, der noch die Naivität des Stoffes recht gut verschleiern konnte, nun noch gegen Unsinn kämpfen muss, und da kann der irgendwo zwischen Action und Horror schwankende Fantasyfilm nur verlieren und wird nie dem Mythos gerecht, den die Figur des Darkman theoretisch besaß. Zu welch besserer Leistung Raimi bei mehr Budget im Superheldenbereich in der Lage ist, beweist ausgerechnet der weit mehr im Mainstream angekommene „Spider-Man“, was aber auch zeigt, dass der alternative Film nicht immer die bessere Wahl zum Kommerzfilm ist. Nicht falsch verstehen, „Darkman“ weiß durchaus zu unterhalten, zumal er keine Durchhänger in seiner flotten Inszenierung besitzt, er erreicht lediglich nicht sein volles Potential und weiß inhaltlich nicht vollkommen zu überzeugen, gerade in einem so wichtigen Bereich wie dem Aufbau des neuen Lebens Darkmans im Untergrund. Zumindest im dramatischen Bereich macht Raimi vieles richtig, und die Action ist auch nicht von schlechten Eltern. „Darkman“ ist ein schlichter Superheldenfilm der düsteren Sorte, der gerne mehr wäre als er ist, aber definitiv unterhaltsamer ausgefallen ist als manch anderes Experiment ähnlicher Art, man denke nur einmal an die „Spawn“-Verfilmung oder Millers „The Spirit“.  OFDb

07.09.2017

THE GREY - UNTER WÖLFEN (2011)

Ein zu melodramatisch abgefilmter Suizid-Versuch, ein reißerisch inszenierter Flugzeugabsturz, eine Anhäufung von Stereotypen und eine Kamera, welche den Protagonisten stets zu dicht an der Nase hängt, all dies ließ mich zunächst glauben einen typischen Film für das einfach gestrickte Kinopublikum heutiger cineastischer Tage beizuwohnen. Aber kurz nach der Notlandung wurde ich eines besseren belehrt. Urplötzlich durfte ich an einer empathischen Sterbeszene teilnehmen, die alles andere als typisch in den bisherigen Handlungsverlauf eingebunden war.

Aus Stereotypen wurden mit der Zeit glaubwürdige Figuren, auch der „Bösewicht“ des Streifens bekommt, wenn auch erst recht spät, eine sympathische Seite beschert. Die Dramatik der Figuren ist der Geschichte stets wichtiger als die ebenfalls nicht vernachlässigte Bedrohung, der man ausgesetzt ist, und diese wiederum ist derart dicht inszeniert, das ein Spannungshoch herrscht. Man befindet sich mental mittendrin in einem fiesen Szenario, menschliche Wärme ebenso spürend wie den peitschenden Frost der Umgebung, in der alles spielt.

Warum bei solch einem wunderschönen Film zunächst derart viele Eingeständnisse für ein Massenpublikum anvisiert wurden, welches gar nicht zum Zielpublikum des Streifens gehört, wissen sicherlich nur die Produzenten zu beantworten. Auch später noch finden sich immer wieder typische Ignoranzen von Großproduktionen im fertigen Film wieder, so z.B. in der Fähigkeit der Überlebenden bei Eiseskälte noch ihre Hände fingerfertig benutzen zu können, aber solche kleinen Ausrutscher in eine Kinorealität sind zu verzeihen inmitten eines menschlich erzählten Plots, in welchem sich Drama und Thrill hochgradig funktionierend die Hand geben.

Dass die Optik des Films im weiteren Verlauf nur leicht besser ausfiel und lediglich mit lebensfeindlichen Bildern vom ewig andauernd scheinenden Schneesturm zu trumpfen weiß, enttäuscht ein wenig. Wie viel besser hätte die lobenswerte Arbeit von Autor und Regie und somit der komplette Film ausfallen können, bei künstlerisch wertvollen Kameraaufnahmen? Aber auch daran erkennt man die große Kino-Mentalität von „The Grey“, der scheinbar doch eher als Möchtegern-Blockbuster anvisiert wurde, aufgrund mangelnder Action und Entgegensteuerungen zu erwartender Handlungsabläufe das denkfaule Mainstreampublikum aber sicherlich zu überfordern, oder zumindest zu enttäuschen weiß. Man kann unter diesen Bedingungen von Glück reden, dass der hier besprochene Abenteuerfilm überhaupt so wirkungsreich ausgefallen ist.

Es ist lange her, dass ich Liam Neeson zuletzt in einer nennenswerten Rolle erlebt habe. Oft kreuzt er meinen cineastischen Weg nicht, obwohl sein Talent wahrlich nicht gering zu nennen ist. Umso mehr habe ich mich gefreut ihn durch diese Geschichte zu begleiten, und Originalton sei Dank konnte ich auch seine effektive, dunkle Stimme genießen, die ihn glaubwürdig zwischen Kämpfer, rationalem Denker und Empath pendeln ließ, erkennbar machend, dass kein Widerspruch in dieser charakterlichen Vereinigung steckt. Aber das wichtigste Lob gilt wohl dem abwechslungsreichen Drehbuch, welches die Überlebenden wahrlich durch die Hölle gehen lässt, durch immer neue lebensgefährlichen Situationen den Figuren nach und nach den Mut nehmend in einem hoffnungslosen Kampf ums Überleben, und die Wölfe dabei immer nur dann auftauchen lassend, wie es auch förderlich für die Stimmung des Streifens ist. Gegen den Gegner Kälte wirken sie zahm und zweitrangig, aber wer sie unterschätzt hat bereits verloren.

Ich weiß nicht wer für das Ende zuständig war, aber ich habe fast einen Kniefall vor Dankbarkeit vollzogen, nachdem die Hoffnung bestätigt wurde, dass nach besagter letzter Aufnahme auch tatsächlich der Abspann folgte. Gern werde ich mit dem ungeklärten Restszenario gedanklich zurückgelassen, zumal auch andere denkwürdige Szenen in Erinnerung bleiben, über deren Folgen es sich (auch bei alternativer Fortführung der Geschehnisse) zu senieren lohnt. Ich kann nicht abstreiten, dass viele Wolfsattacken und emotionale Momente ein wenig zu dick aufgetragen sind, und manche Schneeaufnahme will wahrlich nicht authentisch wirken, aber „The Grey - Unter Wölfen“ hatte mich trotz solcher kleinen Abstriche definitiv in seinem Sog, und bei der handvoll Mentalitäten, die er durch seine unterschiedlichen Figuren aufweist, ist auch eine dabei gewesen, die meine eigene halbwegs wiederspiegelte.

Eine Art Wutgebets-Szene dürfte viele kalt gelassen haben, mich hat sie gepackt mit ihrer Provokation gegen Gott, Gott müsse es sich erst einmal verdienen, dass man auch an ihn glauben möge. Es waren oftmals scheinende Nebensächlichkeiten wie diese, die mich beeindruckt und überzeugt haben. Aber eigentlich halte ich die Ansammlung dieser Hinterfragung von menschlichen Existenzen, Gottesglaube und Wichtigkeiten im Leben, auf die man nach dem Überleben hofft, für den wahrhaftigen Schwerpunkt dieser Geschichte, die vordergründig lediglich vom Überleben in Extremsituationen zu handeln scheint.  OFDb

30.12.2012

THE DARK KNIGHT RISES (2012)

Seit seiner dramatischen Entscheidung vor acht Jahren lebt Bruce Wayne zurückgezogen und hat sich auch als Batman nicht mehr blicken lassen. Als ein gewisser Bane Gotham City terrorisiert und dort schließlich für Anarchie sorgt, kehrt er gegen den Willen von Alfred zurück...

Willkommen in der Matrix...
 
Als großer Freund von „The Dark Knight“ habe ich mich sehr auf die Fortsetzung gefreut, darauf vorbereitet dass diese mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht so genial ausgefallen ist wie sein Vorgänger. Mir hätte es schon gereicht, wenn „The Dark Knight Rises“ das Niveau eines „Batman Begins“ erreicht hätte, aber mit einem derart mauen Ergebnis wie vorliegend habe ich so gar nicht gerechnet, waren doch alle wichtigen Beteiligten von Teil 2 auch in diesem Teil 3 wieder mit dabei, ausschließlich Heath Ledger, der leider nicht mehr unter uns weilt.

Schade, dass das Thema Joker gar nicht mehr angesprochen wird, es hätte mich interessiert was genau aus ihm geworden ist. Aber das ist inhaltlich die einzige Vernachlässigung, die man Nolan vorwerfen kann, denn eins muss man ihm lassen: er macht aus seinem Teil 3 tatsächlich eine Trilogie, so dass Handlungsfäden aus den Vorgängern zusammengefügt werden, neue Perspektiven eröffnet werden und am Ende des hier besprochenen Filmes alle drei Teile zu einem Ganzen werden. Allerdings bezieht sich die Vereinigung der drei Filme lediglich auf den Inhalt. Von seiner Wirkung her stellt sich Nolan mit dieser Fortsetzung selbst ein Bein, denn die will intellektuell so gar nicht zu den beiden Vorgängern passen, was schon schade ist, da „The Dark Knight Rises“ neben toller Actionszenen, gutem Design und toller Darsteller auch eine interessante Geschichte erzählt, in der es wie im Vorgänger hoch politisch her geht, die aktuellen Zustände Amerikas beachtet werden und mal wieder vor dem falschen Erlöser in Zeiten von Betrug am Volk gewarnt wird.

Cleverer Weise ist „The Dark Knight Rises“ nicht der Anwalt des bestehenden Systems, wie man in mancher Besprechung lesen durfte, sondern lediglich die Warnung vor einer Alternative, die ebenso fragwürdig ist. Die Alternative zu schlecht ist nun einmal nicht zwingend ihr Gegenteil und kann im übelsten Fall sogar ebenso schlecht sein. Ein solcher Fall ist Bane. Leider ist Bane alles andere als ein würdiger Gegner Batmans. Was uns hier als Bösewicht vorgesetzt wird ist schon sehr enttäuschend, ist Bane doch lediglich ein kleiner Prolet mit Minderwertigkeitskomplexen, und da seine Gesichtsbekleidung nichts anderes zulässt, kann auch sein Darsteller mimisch nichts aus dieser Figur herausholen. In der deutschen Fassung redet er gar wie der letzte Vollproll, womit man Freunden billigster Schundfilm-Unterhaltung im Action-Bereich eine Freude gemacht hat, nicht aber dem Cineasten, der nun voller Erschrecken feststellen muss, dass die in den Vorgängern verwendete deutsche Batman-Stimme, die so albern und kindisch das Gesamtbild seiner Auftritte schädigte, in „The Dark Knight Rises“ nun erweitert zu Hause angekommen ist inmitten von Kindergarten-würdigen Elementen, die der erwachsenen Thematik des Filmes nicht gerecht werden.

Da haben wir also zwei Proleten in den wichtigsten Rollen, die nicht nur durch ihre Stimmen und ihr Tun infantil wirken, sondern auch noch durch die ihnen zugeschriebene Dramatik, die es diesmal nicht, im Gegensatz zu den Vorgängern, schafft als Comic-artige Mystik zu wirken, sondern schlichtweg als überzogenes Getue ohne emotional beim Zuschauer anzukommen. Damit teilt sich „The Dark Knight“ nun das selbe Schicksal wie seinerzeit „Matrix“. Beiden großen Filmen wurde in der Fortsetzung die Seele geraubt, um Gefühle und Intelligenz zu heucheln, anstatt tatsächlich an die Inhalte der Geschichte und ihrer Figuren zu glauben. Zumindest sind die Spezialeffekte in „The Dark Knight Rises“ besser umgesetzt als in „Matrix 2“. Ansonsten sind beide Werke jedoch wunderbar zu vergleichen, wenn statt Denkansätze Leergeschwätz um die Ohren weht, das gerne tiefsinnig wäre und Schicksale präsentiert werden, die in ihrer Dramatik so dick aufgetragen werden, dass sie nur noch lächerlich wirken (schönes Beispiel hierfür ist Waynes Rückzug in den abgelegensten Winkel seiner Villa).

Im Gegensatz zu „Matrix 2“ ändert „The Dark Knight Rises“ zumindest nichts an den Nebenfiguren des Vorgängers, die mit ihrer Stärke aber leider gegen Windmühlen ankämpfen. Der stets sympathisch besetzte Michael Caine kommt zu kurz vor um etwas retten zu können und wird, ganz im Gegenteil, gegen Ende in eine Szene eingebaut, die es im Vorgänger erstens so nie gegeben hätte und die zweitens, wenn es sie denn gegeben hätte, nicht so mit den Holzhammer vorbereitet worden wäre, wie hier geschehen - ein weiteres Beispiel dafür, dass man lieber den denkfaulen Kinogänger unserer Zeit glücklich machen wollte, als den mündigen Cineasten, der noch mit zum Zielpublikum von Teil 2 gehörte. Morgan Freeman und Gary Oldman spielen souverän wie immer, und von Oldmans Rolle kann man zumindest behaupten, dass diese in ihrer Dramatik zumindest meist zu funktionieren weiß. Interessant da nicht zu dominant eingebracht wird Catwoman, und auch die Vorbereitung auf eine weitere bekannte Figur des Batman-Universums kann sich sehen lassen. Sie ist ein weiteres Beispiel dafür, wie gut die Geschichte in ihrer Theorie ist und in der Praxis hätte funktionieren können.

Also, wer schon immer dachte eine gute Geschichte, eine tolle Optik und rasante Action machen in dieser Kombination automatisch einen guten Film, der wird von „The Dark Knight Rises“ eines besseren belehrt, zumindest dann wenn er sich ein wenig mit Psychologie auskennt und gefühlsmäßig noch nicht auf plumpe Kino-Klischees hereinfällt. Wer Kino mit Köpfchen sehen will, ist im falschen Film. „The Dark Knight Rises“ unterscheidet sich in diesem Punkt nicht von den meisten anderen Blockbuster-Kollegen. Er ist in diesem und den anderen im Text erläuterten Defiziten sogar so stark betroffen, dass er sogar kaum als eigenständiger Film punkten kann. „The Dark Knight Rises“ ist nicht nur eine enttäuschende Fortsetzung, er ist somit auch ein mauer Film, selbst ohne Blick auf „The Dark Knight“.  OFDb