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23.09.2018

ABWÄRTS (1984)

Im Fahrstuhl stecken zu bleiben gehört wohl zu den unangenehmsten Vorstellungen dessen was einem passieren kann. Da muss man nicht einmal klaustrophobisch für veranlagt sein: der enge Raum, die ungewisse Wartezeit, sich derart nah unter fremden Menschen zu befinden oder im Gegenteil eventuell ganz allein in dieser Situation zu sein, das klingt alles nicht einladend. Da kommt es sehr gelegen, dass Carl Schenkel auf die Idee kam einen Thriller aus dieser Situation zu machen, was sicherlich kein leichtes Unterfangen auf solch engem Raum ist. Aber sein Verantwortlicher für die Kameraführung löst das Problem wunderbar, stets spürt man die Enge, nie wirkt die Kulisse größer als gewollt, man wird Teil des engen Raumes ohne das Gefühl zu haben die Darsteller würden einem zu penetrant vor die Nase gesetzt. Die Möglichkeit aus dem Ganzen ein Kammerspiel zu machen wird nur teilweise genutzt, da zwischendurch immer wieder andere Bereiche des Hauses durchleuchtet werden und ein überraschend großer Teil der Laufzeit zudem im Fahrstuhlschacht spielt.

Das von Regisseur Schenkel selbst verfasste Drehbuch geht trotz gelegentlichem Abrutschens in reißerische Momente angenehm sachlich vor. Die vier Hauptfiguren reagieren ziemlich normal, angelehnt an ihren Grundcharakteren. Bis aus zu langem Warten Unmut und schließlich auch ein ungutes Gefühl wird dauert und fühlt sich im angegangenen Zeitraum authentisch an, persönliche Probleme drängen sich dem Gefühl der Gefahr vor, bevor den Protagonisten letzteres bewusst wird. Die Frage warum sich auf das abgeschickte Notsignal hin nichts tut ist schnell auf angenehm menschliche Art beantwortet, und auch die Angst der Möglichkeit vor Erstickung ist schnell gelöst, so dass sich das Drehbuch mit den grundlegenden Elementen nicht all zu lang auseinandersetzen muss. Zudem hält es den ein oder anderen Kniff bereit um die Eingesperrten manch naheliegende Handlung erst später als zu Beginn der Situation angehen zu lassen, auch das weiß zu gefallen und die 90 Minuten Laufzeit somit sinnvoll zu füllen. Mancher Thrillmoment dürfte eventuell Dick Maas für seinen nur wenige Jahre später folgenden "Fahrstuhl des Grauens" inspiriert haben, Schenkels Film selbst war ein Erfolg in Deutschland und verhalf dem Mann dazu auch in Amerika tätig zu werden, so z.B. mit dem Thriller "Knight Moves".

Einen guten Teil des Erfolges hat Schenkel Götz George zu verdanken, der trotz der Anwesenheit des stets großartigen Wolfgang Kieling die beste Leistung der hier Anwesenden vollbringt, durchbricht er doch den Stereotyp des erfolgreichen Angestellten-Prolls, der deutlich an seine Schimanski-Rolle aus der "Tatort"-Reihe angelegt ist, und zeigt deren zerbrechliche Seite. Seine Rolle erlebt viele verschiedene Gefühlsmomente, die der gute Mann allesamt hervorragend meistert. Kieling ist da im Vergleich weniger gefordert, darf seine Rolle in der ersten Hälfte doch bewusst nur passiv agieren, aber auch er ist freilich ein Glücksgriff für das Funktionieren eines Filmes, welches auf einem guten Drehbuch fußt. 

Meist ist es der andere männliche Anwesende, ein junger passiver Rebell, toll verkörpert von Hannes Jaenicke, mit dem es in Interaktion mit der George-Rolle geht. Der weibliche Part hingegen funktioniert eher aufgrund des Drehbuchs, auch wenn man Renée Soutendijk keineswegs mangelndes Schauspieltalent vorwerfen kann. Sie wird einfach nicht genügend gefordert um mit der männlichen Konkurrenz mithalten zu können, das ist alles. Aber ihre Figur erfüllt ihren Zweck, auch wenn ich manche Annäherung an den jungen Ranschmeißer nicht immer als realistisch empfand. Aber das ist wenn überhaupt ein Schwachpunkt des Buches und nicht ihrer, und es mag sein dass sich diesbezüglich der Zeitgeist geändert hat und sich dieser Aspekt in den 80er Jahren anders geguckt hat. In einer kleinen Rolle ist zudem noch Ralf Richter mit an Bord, aber der ist kaum der Rede wert.

Es ist die Figurenkonstellation und deren persönliche Probleme auf die Schenkel wesentlich mehr baut als auf die Angst des Eingeschlossenseins. Der Aufhänger des Festsitzens in einem Fahrstuhl und der Versuche sich zu befreien gerät zwar nie in den Hintergrund, ist auf solch engem Raum erzählt und eine derartige Extremsituation schaffend freilich immer präsent, aber doch wundert es, dass Schenkel sich oftmals mehr auf die Dynamik der Gruppe konzentriert als auf den Thrill der eigentlichen Ausgangslage und dabei gern auf den dramatischen Aspekt achtet, aber auch auf den gesellschaftskritischen. Der besteht nicht nur aus den anfänglichen Konstellationen unterschiedlicher Typen und Ansichten (welche immerhin zu interessanten, klassischen Reibungspunkten führen), Schenkel würfelt im Laufe der Zeit den Zusammenhalt einzelner Leute untereinander immer wieder neu. 

Misstrauen, neue Tatsachen, Verdächtigungen, Eifersucht und anderes sorgen immer wieder für eine Neuorientierung der Gruppe, und die Kieling-Rolle brilliert mit ihrem sich so wunderbar menschlich anfühlendem Geheimnis und bildet beim späten Aufdecken von diesem eine der bedeutendsten Wendungen für die Geschichte und ihrer gut gewählten Schlusspointe. Ohnehin endet "Abwärts" einerseits erschreckend, andererseits augenzwinkernd, aber weit weniger spannungsintensiv als man es in einem Thriller zu diesem Thema erwarten würde. Das verstehe ich keinesfalls als Schwachpunkt, der Film ist auf jene Art geglückt, wie er auch angegangen wurde und ist in seiner ganzen Art typisch deutsches Kino, ohne die Anbiederung an amerikanische Sehgewohnheiten. Und das ist etwas das Schenkel manch anderem nach Amerika wechselnden deutschen Filmschaffenden bereits hier im Lande voraus hatte.  OFDb

04.07.2017

DIE PHYSIKER (1964)

Über die Handlung von „Die Physiker“ sollte man nicht zu viel verraten, da in dem Stück von Friedrich Dürrenmatt, der dieses eigens für die Fernsehproduktion umgeschrieben hat, alles anders ist als es zunächst scheint. Aus einem heiteren Plot, der zunächst den Eindruck eines Kriminalstücks macht, wird ein ernstes Thema mit dramatischem und gesellschaftskritischem Kern. Dürrenmatt liegt es dabei fern trotz leicht grotesker Züge sinnlose Wendungen für den Überraschungseffekt zu integrieren. Das Gesamtkonstrukt ist geistvoller Natur, bewusst gelegt wie es ist, vieles im nachhinein mehr Sinn ergebend als zuvor bemerkbar ist.

Allerdings setzt er einer gelungenen Schluss-Pointe, die das perfekte Ende der Erzählung hätte werden können, eine stärker groteske Zusatzwendung an, die eine weitere halbe Stunde Spielzeit ausmacht. Die langweilt trotz des teilweise schweren Stoffes ebenso wenig wie es die vorangegangenen 90 Minuten taten, rein vom Anspruch des Werkes her ist sie jedoch eher eine Last für „Die Physiker“. Aus einer schlauen, durchdachten Geschichte wird zum Schluss eine etwas aufgedrehte Posse, die erst dann wieder zum Restniveau zurückfindet, wenn sich die drei Physiker zum Schluss per Lebenslauf vom Zuschauer verabschieden.

Ignoriert man die schädliche letzte halbe Stunde, was aufgrund der vorherigen gelungenen 90 Minuten tatsächlich funktionieren kann, bleibt eine geistreich erzählte Warnung, ein Appell an die Vernunft, in der richtigen Gewichtung aus humorvoll und ernsthaft erzählt, ohne dem Stoff in seiner jeweiligen Phase zu schaden. Dass man für dieses empfehlenswerte Stück die zwei überdurchschnittlich guten Mimen Wolfgang Kieling und Siegfried Lowitz gewinnen konnte, wertet die ganze Sache zusätzlich auf.

Kielings zurückhaltendes Spiel lässt ihn zunächst nicht so professionell erscheinen, wie seine Rolle in Wirklichkeit tatsächlich angelegt ist. Ihren Höhepunkt hat sie dann, wenn Kieling allein durch Mimik dem Zuschauer zu verstehen gibt, dass sein Möbius so eben beschlossen hat, dass es keinen anderen Ausweg aus seiner Misere gibt, als ebenfalls einen Mord zu begehen. Dieses Schauspiel hat mir ungemein imponiert und für mich um ein weiteres bewiesen, wie brillant dieser Mann in seinem Fach war.

Dass „Die Physiker“ ein Theaterstück ist, lässt sich nicht übersehen. Zwar wird die TV-Version anfangs durch eine Autofahrt, und somit durch Außenaufnahmen, aufgepeppt, um sich ein wenig von der Bühne zu distanzieren (eine Idee, die zwar nicht nötig gewesen wäre, aber allein aufgrund der dort geführten Dialoge sympathisch zu schauen ist), wirklich ablenken wollte man trotzdem nicht von der Theaterherkunft, hört mit Ankunft im Aufenthaltsraum der drei Physiker das Bemühen um Aufpeppung des Stoffes doch auf. Von dort an konzentriert sich das Buch inhaltlich endgültig auf seine Vorlage, versehen mit leichten Kürzungen im Dialogbereich.

„Die Physiker“ schaut sich kurzweiliger als man es dem etwas verkopften Stoff zugetraut hätte, ist mit seiner zwei Stunden Spielzeit aber trotzdem ein Werk, auf das man sich aufgrund seiner trockenen, dialoglastigen Umsetzung konzentriert einlassen muss. Der Stoff ist weder inszenatorisch, noch inhaltlich eine Erzählung zum entspannen nach Feierabend. Er soll zum Nachdenken anregen, und diesen Punkt trifft auch die TV-Version sehr gekonnt, was nicht nur an der gelungenen Vorlage liegt, sondern auch an der Besetzung jeglicher Figur und dem richtigen Verständnis jedes Schauspielers für seine jeweilige Rolle. Neben den beiden eben erwähnten Stars fiel mir insbesondere Kurt Erhardt mit seiner wohlüberlegten Definition seiner Rolle positiv auf, die gerade mit Wandel der Wahrheit sehr glaubwürdig interpretiert und sensibel verkörpert wurde.  OFDb

19.06.2016

IM BANNE DES UNHEIMLICHEN (1968)

Während Sir Arthur ganz offiziell als Nachfolger des pensionierten Sir John eingeführt wird, und dabei bereits mit seinem Humor punkten kann, der noch nicht so zotig ausgefallen ist wie bei seinen zwei weiteren Auftritten in „Der Gorilla von Soho“ und „Der Mann mit dem Glasauge“, ermittelt Inspektor Higgins das letzte Mal für die Rialto-Wallace-Reihe. Zwar kehrte Joachim Fuchsberger im vorletzten Teil der Serie noch einmal für den deutsch-italienischen Giallo „Das Geheimnis der grünen Stecknadel" zurück, dies jedoch in einer anderen Rolle und zu einer Zeit, in welcher die Filme nichts mehr mit der eigentlichen Kriminalfilm-Reihe zu tun hatten.

Alfred Vohrer, der  für alle der letzten klassischen Wallace-Filme verantwortlich war, dreht die Schraube der abgedrehten Elemente erneut ein wenig auf. War der Vorgänger „Der Hund von Blackwood Castle“ noch der Versuch die stimmigen Schwarz/Weiß-Grusel-Krimis der Reihe mit dem schrilleren Stil der Buntphase zu vereinen, so kommt „Im Banne des Unheimlichen“ bereits viel eher wie eine absichtlich alberne Jahrmarktsattraktion daher, zwar noch weit entfernt von der Komödienvariante eines „Der Mann mit dem Glasauge“, aber schon wesentlich irrsinniger inszeniert als sein eigener Nachfolger „Der Gorilla von Soho“.

Higgins selbst wird comichafter dargestellt als üblicher Weise, pustet sinnlos in Trillerpfeifen und hübsche Damen, kann keinem weiblichen Arsch optisch widerstehen und bringt herrlich dämliche Sprüche, z.B. dann wenn er endlich sein Versprechen einhält mit der Sekretärin Sir Arthurs auszugehen, sie ihn im Restaurant bittet er möge nicht ans Telefon gehen, und Higgins flappsig damit kontert es könne sich ja eine attraktivere Frau am anderen Ende der Leitung befinden.

Zum alberneren Grundton gesellt sich zudem eine zentrale Mördermaskerade, die selbst in der Rialto Reihe, welche vor Fröschen, Bogenschützen, Gorillas und Mönchen mit Peitschen nicht Halt machte, ihresgleichen sucht. Das Totenkopfgesicht, welches mit Hut und langen Haaren so aussieht wie es sicherlich auch Udo Lindenberg bald tut, zumindest mit Blick auf das Cover dessen aktuell erschienender CD, wirkt in Nahaufnahmen tatsächlich trotz aller comichafter Verspieltheit noch halbwegs mystisch, selbst dann wenn es schwer ausatmend den Mund weit öffnet. Um so lächerlicher wirkt diese Maskerade wenn der Totenkopfmann reichlich agil hinfort laufen darf, was er öfter macht als es für eine Gruselwirkung gut für ihn wäre.

Erstaunlicher Weise wird dies gar nicht zum Nachteil des Streifens, eben weil der Grundton viel augenzwinkernder ausgefallen ist als ohnehin schon und Vohrer inszenatorisch deutlich macht, dass der Spaßfaktor im Vordergrund steht. Ein ernstzunehmender Grusel-Krimi soll „The Zombie Walks“ (Alternativtitel) gar nicht sein. Er ist als Parodie eines solchen gedacht, wenn auch noch nicht als lupenreine Komödie ausgelegt wie Vohrers letzter Streich der Reihe.

Ein souverän spielender Joachim Fuchsberger und ein wie immer gut agierender, wenn auch etwas unterforderter, Wolfgang Kieling sorgen dafür, dass das Niveau trotz alledem nicht ganz nach unten rutscht. Das Drehbuch hingegen puzzelt zum Finale hin einen scheinbar in der Not geborenen Erklärungsversuch der ganzen Umstände zusammen, die halbwegs erklären sollen was die ganze Geisterbahn-Parade nun eigentlich sollte. Es braucht also nicht verwundern, dass gerade Befürworter der Schwarz/Weiß-Phase mit „Hand of Power“ (Alternativtitel) so gar nichts anfangen können.

Was diese als Schwächen von „Im Banne des Unheimlichen“ ansehen, erkenne ich als Stärke innerhalb eines Streifens, der mir im direkten Vergleich mit seinem affigen Nachfolger besser gefällt, u.a. weil er innovativer und verspielter ausgefallen ist als dieser. Der Gorilla wirkte eher wie der Versuch mit kleinen Spielereien einen solchen Touch vorgaukeln zu wollen, der hier besprochene Film befindet sich jedoch mitten drin im provokativ anarchistischen, augenzwinkerndem Umgang mit sämtlichen Wallace-Elementen.

Was „Der Hund von Blackwood Castle“ mit seinen herrlich skurrilen Gimmicks bereits vorbereitet hat, nimmt „Im Banne des Unheimlichen“ auf und erweitert diesen Stil durch das Entfernen jeglicher ernsthaft stimmigen Gruselszenen. Damit ist er ein ehrlicher und selbstreflektierender Beitrag der Wallace-Reihe, ein Mut der den Anfang vom Ende bedeuten sollte, denn die Kinogänger von einst waren Innovationen gegenüber längst nicht so aufgeschlossen wie es Regisseur Alfred Vohrer war.  OFDb

05.12.2015

DER TODESRÄCHER VON SOHO (1971)

Während die Rialto Wallace-Reihe, die damals die harte Welle in den deutschen Kinos auslöste, in den 70er Jahren damit begann in Zusammenarbeit mit Italien das ursprünglich naive Krimi-Konzept in Giallo-Flair zu tauchen, engagierte man für die Sohnemann-Reihe der Bryan Edgar Wallace-Filme für ein Remake des neun Jahre zuvor erschienenden „Das Geheimnis der schwarzen Koffer“ den Spanier Jess Franco, den fürs Improvisieren bekannten Vielfilmer, der in Deutschland in den 80er Jahren noch einmal mit „Die Säge des Todes“ von sich reden machen sollte, dem Freund des Schundfilms aber bereits 1971 bekannt war.

Wer weiß dass der Spanier auf dem Regiestuhl sitzt, der erwartet keinen Kriminalfilm wie zuvor. Interessanter Weise wird der Unwissende in diesem Fall jedoch nicht so stark verschreckt wie man meinen sollte, fällt „Der Todesrächer von Soho“ doch überraschend konventionell aus. Dies nicht ohne einige Vorzüge des umstrittenen Filmemachers zu besitzen, aber doch überraschend brav einem nachvollziehbaren roten Faden folgend, zumindest bis zum Finale, wo sich die Ereignisse derart überschlagen, dass man nicht mehr wirklich durchblickt - ein Zustand der für die Grusel-Krimis dieser Zeit aber ohnehin üblich war.

Davon abgesehen, dass ich mir zur Zeit so einige Franco-Filme zu Gemüte führe, lockte mich der Reiz Wolfgang Kieling und Horst Tappert drei Jahre vor der ersten Folge „Derrick“ gemeinsam in einem Film agieren zu sehen. Leider muss ich gestehen nicht erkannt zu haben wen Kieling gespielt haben soll. Bis zum Schluss wartete ich auf seinen Auftritt. Scheinbar fand dieser zu sehr im Dunkeln statt. Ich wüsste sonst nicht warum ich ihn ansonsten nicht entdecken sollte. Tappert hingegen weiß in der Spätphase des Streifens mit seinem Drei Tage-Bart zu wirken, wenn sein Charakter sich offiziell wandelt. Zuvor erinnert er optisch stark an seine Rolle in „Sieben Tage Frist“, während das ironische Grinsen in der ersten Filmhälfte Charakterzüge aus seiner berühmten Krimi-Serie vorweg nimmt.

Auch wenn die Schauspieler in einem Franco-Film letztendlich nicht wichtig, da austauschbar sind, so erfreut es doch zu sehen, dass recht anständig gecastet wurde. Ein halbwegs brauchbarer Eddi Arent-Ersatz und ein gar nicht brauchbarer Klaus Kinski-Ersatz zeigen, dass man sich trotz der raueren Umsetzung noch immer stark an den Erfolgsmustern der frühen Wallace-Filme orientierte. Letztendlich kommt „Der Todesrächer von Soho“ jedoch viel düsterer und schmuddeliger daher als „Das Geheimnis der schwarzen Koffer“.

Francos Gespür für spannende optische Perspektiven, für stimmige Drehorte und für skurrile Einfälle stehen wie so oft bei ihm im herrlich dilettantischen Widerspruch zum völligen Verzicht darauf auf Tag und Nacht zu achten und auf Anschlussfehler nach Schnitten (am lustigsten fällt dies in einer Szene auf, in welcher mit jedem Schnitt ein Gesprächspartner entweder vor der Tür oder in der Wohnung steht). Selbstverständlich steht die Logik auch wieder Kopf, auf die hat der gute Mann noch nie geachtet. Aber was wie eine negative Aufzählung klingt, gehört zum Feeling eines Franco-Filmes einfach mit dazu.

„Der Todesrächer von Soho“ mag aufgrund seiner noch recht massentauglichen Umsetzung nicht das sein, wonach der Hardcore-Franco-Fan lechzt. Aber jemand wie ich, der oft genug Probleme mit den Werken dieses Mannes hat, fühlte sich um so besser unterhalten, sympathisiere ich doch trotz vieler unangenehmer Filmerfahrungen mit dem Regisseur, so dass ich mich über jedes seiner unterhaltsam ausgefallenen Werke freue.

„The Corpse Packs His Bags“ (Alternativtitel) ist trashig, düster, stimmig, dreckig, schundig und hin und wieder sogar absichtlich witzig, z.B. wenn der Fotograf bei Fehlgriffen in seiner Tasche immer Nackedeibildchen hervorholt, oder wenn der Vorgesetzte den ermittelnden Detective daran erinnert, dass er in die Themse springen wollte, wenn der Fall am besagten Tag noch immer nicht gelöst sei. Ob es als Running Gag gedacht ist, dass ein bestimmter Polizist im Präsidium nach Gesprächen mit Kollegen immer den Telefonhörer auflegt ohne mit dem Menschen am anderen Ende der Leitung gesprochen zu haben, oder ob dies eine der typischen Franco-Unlogiken ist, lässt sich schwer sagen, eben weil beides typisch für den Kult-Regisseur wäre.  OFDb

18.04.2015

DERRICK 1 - 15 (1974)

Neben des interessant, da experimentell handelnd, gehaltenen Charakters Derricks zeichnet sich die frühe Phase der Serie (anbei die einzige über die ich zur Zeit überhaupt nur berichten kann) durch mutige Drehbücher aus, die bemüht sind stets andere Ansätze, Grundlagen und Schwerpunkte zu setzen. Keine Folge ist wie die andere, so dass selbst Episoden, denen ich weniger positiv gegenüber stehe, Respekt verdienen aufgrund der Bemühung neue Bereiche auszuleuchten wie das Aufdecken eines Mordes zu bewerkstelligen ist, bzw. um zu zeigen was in einem Mörder und dessen Umfeld aufgrund der Tat vorgehen kann. Denn Aufgrund des Luxus für eine Folge fast eine ganze Stunde Zeit zu besitzen, kann sich Autor Herbert Reinecker, der bis zum Serienende 1998 für alle 281 Episoden das Drehbuch schrieb, intensiv in die einzelnen Charaktere hineinversetzen, und dies mit einem solch psychologischen Feingefühl, dass man intelektuell geradezu gekitzelt wird.

Episode 1: Waldweg
Dass man mit dieser eher Thriller-artigen Episode begonnen hat, anstatt den zuerst abgedrehten und erst als vierte Folge ausgestrahlten „Mitternachtsbus“ zu senden, erklärt sich neben der prominenten Besetzung mit Wolfgang Kieling vielleicht auch aufgrund dessen, dass die Geschehnisse im Mädcheninternat ein wenig an die späteren Edgar Wallace-Filme erinnern, eine Reihe die zum Zeitpunkt der Pilotfolge von „Derrick“ zwar schon eingestellt war, deren Echo aber sicher immer noch in den Köpfen des Zuschauers vorhanden war. Ein düsterer, nebliger Tatort, zwielichtige Personen (was atmosphärisch wirkt, obwohl man ja, wie in den meisten Folgen, direkt erfährt wer der Mörder ist) und ein unheimlicher Triebtäter sorgen für eine geradezu schmuddelige Atmosphäre, unterstrichen durch die fiese Idee dass die Mutter des Mörders die Taten ihres Sohnes vom Nebenzimmer aus stets mit anhören musste. Auch der eiskalte Eingangsmord unterstreicht die Düsternis der ersten Folge und fiel gar derart hart aus, dass er in Deutschland nach der Erstausstrahlung nur noch gekürzt gezeigt wurde - auch auf DVD - während Länder wie Frankreich Wiederholungen immer in der ungekürzten Fassung zeigen. Mag der Weg zum Ziel auch nicht so gewitzt und schwierig ausfallen wie in späteren Fällen, „Waldweg“ ist ein großartiger Einstieg in die Serie und zeigt bereits wie ungewöhnlich Derrick bei seiner Arbeit vorgeht. Der Monolog eines in Verdacht stehenden Lehrers zeigt uns mit Blick von heute, wie viel unfreier wir in dem geworden sind was wir reden dürfen und was es für ein Luxus war eine aneckende Persönlichkeit besitzen zu dürfen, die sich erst dann rechtfertigen muss, wenn eine extreme Situation wie die hier vorliegende es nicht anders zulässt.

Episode 2: Johanna
Folge 2 ist wie ein Blick in die spätere Phase der ersten 15 Folgen, besitzt sie doch nicht die intensive Atmosphäre der besseren Episoden, wirkt der Weg zum Ziel, auch wenn er wieder einmal Derrick-typisch verspielt und heimtückisch daher kommt, doch aufgrund dessen was der Lockvogel seelisch durchleben muss unglaubwürdig und konstruiert. Das viel zu plötzliche Geständnis ist wahrscheinlich dem Zeitgeist geschult, geschieht es in der Serie doch des öfteren dass Täter relativ schnell schwach werden und gestehen, und so menschlich glaubwürdig das eigentlich auch ist, gerade bei solch wenig gefestigten Persönlichkeiten wie dem Mörder in „Johanna“, es entlässt den Zuschauer eher unbefriedigt, hatte man sich doch mehr erhofft. Immerhin schwächelt „Johanna“ erst im letzten Drittel und bietet bis dahin eine sympathische Episode, die aufgrund des etwas mangelnden Einfühlens in den absichtlich unsympathischen Täter emotional nie so tief geht wie die Höhepunkte der Reihe. Angenehm routiniert zu unterhalten weiß das Ganze dennoch. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Episode 3: Stiftungsfest
„Stiftungsfest“ ist meiner Meinung nach die beste der ersten 15 Folgen, und es fällt mir schwer mir vorzustellen dass irgendwann eine Episode daher kommt, die besser ausfallen soll als diese. Die sehr empathisch erzählte Geschichte besitzt das Kaliber eines Kinofilms, ist sehr dramatisch erzählt und mit dem so großartig agierenden Siegfried Lowitz, der ab 1978 die Hauptrolle in der Konkurrenz-Reihe „Der Alte“ spielte, perfekt besetzt. Der Zuschauer ist mittendrin in der Ratlosigkeit der Ermittler und dem Seelenleben eines Täters, der auch Opfer ist. Die Ermittlungen werden detailgenau vorgetragen. Man erlebt jenen zufälligen Moment mit, der zur Täteraufdeckung führt, nachdem Derrick auf eher verzweifelte Art verschiedene Methoden antestet, von denen sein Kollege Harry nicht sonderlich überzeugt ist. Autor Reinecker versteht es so genial wie niemals wieder die psychologische Entwicklung des Täters aufzuzeigen, die am Höhepunkt angekommen Derrick dazu veranlasst Worte auszusprechen, welche die Situation auf den Punkt bringt, zumindest zu damaligen Zeiten als Anstand, Würde, Ehrgefühl und sozialer Umgang miteinander noch eine Bedeutung in der Gesellschaft hatten und nicht nur durch hohle Phrasen vorgetäuscht wurden. „Stiftungsfest“ ist ein emotionales und intelligent erzähltes Erlebnis für den aufmerksamen und geistreichen Zuschauer-Typ, der die stillen Momente und nebensächlich scheinenden Aspekte zu genießen weiß. Diese Episode ist ein Liebhaberstück wie keine andere.

Episode 4: Mitternachtsbus
„Mitternachtsbus“ lebt davon, dass sich ein Manipulierer in die Ermittlungen einmischt, ein Mensch der selber nicht der Täter ist, den Mörder aber aus persönlichen Gründen beschützen will. Wie so oft in den ersten 15 Folgen, so hält sich auch hier der Mörder für klüger als er ist, scheitert aber nicht wie zwei Folgen später an unüberlegten Handlungen, sondern am mangelnden Feingefühl psychologisch clever vorzugehen. Derricks Alarmglocken läuten sehr früh, wenn ihm immer wieder fieser Weise ein geistig Zurückgebliebener als Täter serviert wird. Damit ist Derrick in seinem Element, fühlt sich herausgefordert und geht wieder einmal ungewöhnliche Wege um ans Ziel zu kommen. In der Charakterzeichnung spielt „Mitternachtsbus“ psychologisch gesehen wieder an vorderster Front mit, unterstützt durch Schauspieler die so echt in ihren Rollen wirken, dass einem echt anders werden kann. Der Alkoholiker und sein Sohn sorgen für den dramatischen Part der Geschichte, deren Schwächen eiskalt ausgenutzt werden von einem asozialen Selfmade-Man, der die kleine Macht die er im Dorf besitzt nutzt um seinem Sohn das Gefängnis zu ersparen.

Episode 5: Tod am Bahngleis
Noch einmal bekommen wir es mit einem Triebtäter zu tun, der diesmal jedoch nicht eiskalt planend vorgeht wie jener in „Waldweg“, sondern der eher auf kindlische Art geistig stehengeblieben ist. Um Gefallen an „Tod am Bahngleis“ zu finden, muss man etwas mit der Figur des Täters anfangen können, die schwer zu greifen ist. Versteht man sie aber genießt man sie auch, verschafft sich Reinecker doch viel Zeit sie ausleuchten zu können, indem der Täter immer wieder unerkannt agieren kann, da die Polizei trotz diverser Hinweise völlig im Dunkeln tappt. Auch hier mag der Schluss etwas holprig inszeniert sein, zumal er aufgrund dessen was am Schluss erzählt wird düsterer hätte umgesetzt werden können, aber der Blick in eine nicht verstandene Seele macht alles wieder wett, kombiniert mit der wundervollen Idee, dass ein Mann, der einem Außenseiter eine Chance geben will, gar nicht mitbekommt dass er einem Mörder seine Tochter auf dem Silbertablett serviert. Eine teuflisch fiese Idee!

Folge 6: Nur Aufregung für Rohn
Jede Folge Derrick ist anders. Aber „Nur Aufregung für Rohn“ sticht noch einmal ganz besonders als ungewöhnlich hervor, ist sie doch derart absichtlich augenzwinkernd erzählt, dass man dies selbst im Titel deutlich macht. Mit unterschwelliger Komik wird ein Duell gezeigt zwischen den logisch denkenden Ermittlern und eines Mannes, der sich für irre logisch denkend hält, aber einen Fehler nach dem anderen begeht. Besonders lustig ist es zu beobachten wie das Selbstbewusstsein des Mörders immer steht und fällt, je nach Stand der Ermittlungen die stets Aufs und Abs erfahren, und damit um ein weiteres gezeigt wird, wie erbärmlich und rückgratlos eigentlich der Charakter des Studenten ist, der sich nicht einmal zu schade ist einem Kommilitonen gegenüber die Frage zu äußern, ob dieser ihn für ungewöhnlich intelligent hält. Es bereitet dem Zuschauer eine große Freude Horst Tappert bei seinem Spiel als Derrick zuzusehen, wie er sarkastisch grinsend und in ihm den Spieltrieb geweckt Rohn in die Mangel nimmt, der geradezu offensichtlich der Täter ist. „Nur Aufregung für Rohn“ kann man als einen der Höhepunkte der ersten 15 Folgen bezeichnen, macht bei einer Zweitsichtung sogar noch mehr Spaß als bei der ersten, da man bei der Wiederholung von Anfang an begreift was die Folge eigentlich will.

Folge 7: Madeira
Ich wusste dass Curd Jürgens ein talentierter Mensch war, aber dass er so genial schauspielern konnte, so genial sogar dass er alle anderen Mitwirkenden der ersten 15 Folgen überschattet, hätte ich nie gedacht. „Madeira“ gehört zu den wenigen Folgen, in denen es um einen eiskalten berechnenden Killer geht, der im Gegensatz zu Folge 1 und 5 nicht einmal in irgend einer Form geistig abgedriftet ist, sondern stattdessen einen eiskalten Intellekt besitzt und damit auch zur fiestesten Art Mörder wird die es wohl gibt. Seine Opfer sind ältere, einsame Damen, denen er ein wundervolles gemeinsames Leben auf Madeira verspricht, um an ihre Ersparnisse zu kommen, bevor er sie schließlich vergiftet. Die hervorragend umgesetzte und sehr ausführliche Eingangsszene mündet in einer Mordsequenz, die so intensiv zu wirken weiß, dass einem wahrlich anders wird. Der optimistisch fröhliche Blick des Opfers, der sich plötzlich verändert, für einen kurzen Moment die Wahrheit begreifend wenn sie nach ersten Anzeichen der Vergiftung in die kalten Augen des Mörders schaut, um daraufhin einen Todeskampf in ihrem Körper zu durchleben bis sie schließlich tot ist. Kein geistig gesunder Mensch ist in den bisherigen Folgen „Derrick“ so eiskalt vorgegangen wie der alte Mann, dem ein Hund zum Verhängnis seiner Pläne werden soll. Jürgens weiß es jede Facette seiner Rolle gekonnt zu verkörpern. Der verspielte, freundliche Blick wenn er sich Derrick gegenüber als Freund des Hundes ausgibt, nur kurz nach dem völlig entsetzten Blick, als der ihm bekannte Köter ihn am Tisch eines Cafés wiedererkennt und belästigt - Jürgens Spiel ist eine Wucht, und man genießt jegliche Szene in der er auftaucht. Einzig seine Nichte ist charakterlich eine Spur zu naiv gezeichnet, bis es schließlich nicht mehr glaubwürdig ist bei solch erdrückender Indizienlage an die Unschuld des eigenen Onkels zu glauben. Von diesem Schwachpunkt einmal abgesehen zählt aber auch „Madeira“ zu den Höhepunkten der frühen Phase der Serie und zeigt auf ein Neues auf völlig andere Art das geradezu verspielte Duell zwischen Täter und Ermittler.

Folge 8: Zeichen der Gewalt
Mit „Zeichen der Gewalt“ wollte Reinecker mal nicht in die Psyche eines Killers blicken, sondern die Aufklärung eines Mordes aus der Sicht des kompletten Polizeiapparats demonstrieren. Leider klingt der Ansatz interessanter als er ist. Eher lustlos darf der Zuschauer dabei zusehen was für eine Arbeit ein Mord für die Mordkommission bedeutet. Dabei werden dramatische Aspekte vernachlässigt, wenn auch absichtlich, und Charaktere nicht genügend vertieft. „Zeichen der Gewalt“ ist technisch professionell umgesetzt und durchaus durchdacht erzählt, ihm fehlt aber die Seele und der Charme anderer „Derrick"-Episoden, macht aufgrund der fehlenden Verspieltheit Derricks sogar den Ermittler austauschbar, so dass diese Folge die Episode einer x-beliebigen Krimireihe hätte sein können und damit weit unter dem Niveau der bis dahin gesendeten „Derrick"-Teile liegt.

Folge 9: Paddenberg
Das Verspielte eines Derricks möchte Reinecker diesmal auf die Frau des Ermordeten projezieren, die von ihrer Phantasie beflügelt fasziniert vom Mörder ihres Mannes ist. Im Gegensatz zu Derrick verfolgt sie damit kein spezielles Ziel, spielt eher intuitiv mit ihrem Täterwissen, während der fast wehrlose Mörder irritiert ist was die Mitwissende eigentlich von ihm will. Liegt eine Erpressung vor? Geht es um Rache? Der Mörder fragt sich etwas, das die Witwe selbst nicht beantworten könnte. Das klingt nach einer interessanten Ausgangslage, schließt aber so verworren und leer wie es beginnt. Eine Antwort gibt es am Ende nicht. Und da dies dem Zuschauer im Laufe der Episode immer bewusster wird, verliert der auch mit der Zeit das Interesse an den ollen Psychospielchen der Gattin des Ermordeten. Immerhin weiß die Rolle des Derrick der Episode etwas mehr Tiefgang zu bescheren, ist dieser während seiner Ermittlungen doch immer faszinierter und angenehm überraschter, je mehr er über den Charakter des Ermordeten erfährt. Er sympathisiert geradezu mit ihm, während der Gattin all das an ihm missfiel was Derrick an dem Mann so bewundert.

Episode 10: Hoffmanns Höllenfahrt
„Hoffmans Höllenfahrt“ gehört von jenen Episoden, die uns tief in die Erlebnisse des Täters blicken lassen, zu den schwächesten. Nicht nur dass Reinecker trotz seiner ansonsten so großen Bemühungen jede Folge möglichst anders zu gestalten, schon wieder die selbe Todesart vorsetzt wie in der Folge „Stiftungsfest“ (was aufgrund der Art der Tat schon arg zufällig ist), auch dieser Mord passiert wieder versehentlich so wie dort, so dass diese zu deutlichen Parallelen zunächst einmal ernüchtern. Erhoffte ich mir zumindest aufgrund der Anwesenheit von Klaus Löwitsch in der zentralen Rolle eine gute Folge, so musste ich feststellen, dass dieser keineswegs so überzeugend wie sonst agiert. Würde ich nicht Werke wie „Welt am Draht“ oder „Was tun wenn‘s brennt“ kennen, ich hätte ihn für ein austauschbares Allerweltsgesicht gehalten. Aber auch der Kriminalfall selbst bietet wenig Potential. Er ist zu bemüht erzählt, erhält aber nie die psychologische Griffigkeit und Glaubwürdigkeit vergleichbarer früherer Episoden. Hoffmann begeht Fehler die nicht nachvollziehbar sind. Und obwohl er stets im Mittelpunkt steht, lernen wir ihn nie richtig kennen. Erklärungsversuche Reineckers sind nicht wirklich überzeugend, und der viel zu plötzliche Schluss erscheint einem wie eine Notlösung, so als habe man selber nicht gewusst worauf man diesmal eigentlich hinaus wollte. Eine schwache Episode, wenn auch mit manch interessanter Idee versehen!

Folge 11: Pfandhaus
In "Pfandhaus" stößt Derrick wieder einmal auf einen Täter der gleichzeitig auch Opfer ist, dies jedoch nicht wie sonst durch unglückliche Umstände, sondern aufgrund eines Fehlers in seiner eiskalten Tat. Der Täter, der aufgrund von Erpressung für den Rest der Folge in eine Opferrolle gedrängt wird, ist ein unmoralischer Mensch, der in einer ethisch so zurechtgerückten eigenen Welt lebt, dass er von sich und seiner Art zu leben absolut überzeugt ist. Eigentlich erzählt „Pfandhaus“ eine recht interessante Geschichte. Nur leider ist das Spiel und die Charakterisierung des Erpressers aufgrund diverser Übertreibungen nicht sonderlich überzeugend, sondern wirkt viel zu überzogen um sein Treiben als Zuschauer für 60 Minuten als wahrhaftig akzeptieren zu können. Würde nicht das Spiel des Pfandhausbesitzers so gekonnt dagegen steuern, hätte auch „Pfandhaus“ zu den enttäuschenden Folgen der frühen Phase gehören können. Nun kann er sich keineswegs mit der Qualität der ersten sieben Folgen messen, als unterhaltsamer Kriminalfall für zwischendurch geht er jedoch in Ordnung.

Folge 12: Ein Koffer aus Salzburg
Ähnlich wie bei „Zeichen der Gewalt“ interessiert sich Reinecker in dieser Episode für den kompletten Polizeiapparat hinter den Ermittlungen. Er zeigt uns Derrick als Teil des Gesamten, aber auch in seiner führenden Rolle dort. Erweitert wird der ursprüngliche Gedanke durch die Ergänzung von Interpol, führt die Spur des Mordes doch in die Schweiz. Zudem geht Reinecker andere Wege indem er den Zeitraum der Ermittlungen über mehrere Monate ansiedelt und den Mord in Kombination zu den Taten eines Drogenkartells stellt. Somit ist auch das Drogendezernat am Mordfall beteiligt, und dass die Episode sich nicht so leer anfühlt wie die Vergleichsfolge liegt an den unterschiedlichen Gimmicks die sie dem Zuschauer serviert. Da gibt es eine rätselhafte Methode mit der Drogen geschmuggelt werden und deren Auflösung wir erst am Ende der Folge beiwohnen dürfen. Da gibt es menschliche Schicksale wie jenes des Sohnes der Verstorbenen, der nicht versteht warum der Mörder seiner Mutter nicht umgehend festgenommen wird. Und da gibt es wie so oft Derricks Spiel mit dem Täter. Wieder einmal will er ihn im Glauben lassen die Polizei hätte ihn nicht in Verdacht. Und dass dies so bleibt ist in manchen Momenten ein spannungsgeladener Drahtseilakt. So viel besser „Ein Koffer aus Salzburg“ auch gegenüber der Vergleichsepisode ausgefallen ist, sympathischer sind mir eher die klassischen Mordfälle. Mir bringt es nicht viel gezeigt zu bekommen wie genau und wie toll das Zusammenspiel der einzelnen Polizeibereiche funktioniert, wird doch der dramatische Aspekt, der die Serie „Derrick“ so besonders macht, damit an den Rand gedrückt. Stellt man sich aber auf eine völlig andere Episode ein, weiß sie durchaus zu gefallen. Lediglich der Schluss ist etwas arg plump in Szene gesetzt und wirkt fast schon wie ein Werbespot der Polizei.

Folge 13: Kamillas junger Freund
Wieder einmal dürfen wir nicht in das Seelenleben des Mörders blicken. Wieder einmal wird er uns lediglich als kalter, fast schon anonymer Täter gezeigt. Der Pluspunkt ehemaliger Folgen wird ignoriert. Aber das macht nichts, denn dafür lernen wir diesmal die Opfer besser kennen. Und eines von diesen lernen wir ungewohnter Weise sogar erst während der Ermittlungen kennen und nicht schon wie sonst während der Vorgerschichte. „Kamillas junger Freund“ mag nicht zu den Highlights der Reihe zählen, aber er orientiert sich endlich wieder an dem was die Serie eingangs so auszeichnete. Wir sind wieder mittendrin in den gedanklichen Ermittlungen Derricks. Wir bekommen ein Opfer präsentiert, dass aus einer nachvollziehbaren Dramatik heraus, nämlich aus Scham, Wissen zurückhält. Und ist dieses Wissen erst einmal offen gelegt, dürfen wir Derrick wieder bei seiner verspielten Art zuschauen, wie er wen offensichtlich Verdächtiges doch noch zu einer Aussage bewegt. „Kamillas junger Freund“ wechselt stets die Schwerpunkte und die Figuren die im Zentrum stehen und wirkt dadurch ein wenig episodenhaft inszeniert. Dank einer interessanten Geschichte und ungewöhnlicher Charaktere stört dies jedoch keinesfalls. Im Gegenteil, damit sorgt Reinecker für Abwechslung. Und Regisseur Alfred Vohrer weiß diese Episode so schwungvoll wie man es von ihm gewohnt ist umzusetzen.

Episode 14: Der Tag nach dem Mord
Wie schon in „Mitternachtsbus“, so manipuliert auch hier der Vater des Mörders die Ermittlungen, um seinen Sohn zu schützen. Dass „Der Tag nach dem Mord“ sich jedoch keineswegs wie ein Ableger dieser Folge guckt, verdankt er den kleinen aber feinen Unterschieden. So ist der aus dem Affekt handelnde Mörder diesmal Opfer, eigentlich zum Geständnis bereit, vom Vater jedoch aufgehalten und gelenkt. Dieser hält sich aufgrund seines Berufes im Versicherungsbereich für unglaublich raffiniert, begeht aber einen Fehler nach dem nächsten. Und da es sich zudem um einen recht unsympathischen, jähzornigen Menschen handelt, geht er Derrick noch bevor dieser ihn in Verdacht hat zu lügen gewaltig gegen den Strich. Der Kern der Folge, der den aufmerksamen Zuschauer immer wieder anweht, wird mit einem Schluss-Satz Derricks noch einmal zusammengefasst und bringt damit das Geschehen, dem wir beiwohnen durften, auf den Punkt. Mag der seltene Spielortwechsel und der Ansatz dass die Charaktere häufig streiten der Folge an mancher Stelle auch die Wirkung einer plumpen Soap bescheren, die Geschichte weiß zu überzeugen und die Schauspieler ebenso.

Episode 15: Alarm auf Revier 12
Diesmal arbeitet die Mordkommission mit dem Dezernat für Einbruchsdelikte zusammen, und im Zentrum der Ermittlungen steht ein Mann aus Derricks Vergangenheit, ein Mann dem Derrick den Mord den er einst verübte nicht nachweisen konnte. Nun bekommt er seine zweite Chance und das Psycho-Duell zwischen den beiden ist eröffnet. Mit Gert Haucke hatte man dann auch einen Schauspieler am Start, der gekonnt das übertriebene Ekel zu verkörpern wusste und das beste ist was dieser Folge geschehen konnte. Er verkörpert seine Rolle mit so viel Energie, dass es eine Freude ist den Kerl zu hassen. Aus Derricks Sicht wird er klüger dargestellt als er auf den Zuschauer wirkt, aber das könnte man auch als menschlichen Aspekt sehen. Vielleicht benötigt Derrick diesen Irrtum um akzeptieren zu können, dass der gute Mann ihm durch die Lappen gegangen ist. Mehr denn je überführt Derrick den Mörder auf ungewöhnliche Art. Diesmal sitzt man als Zuschauer rätselnd daneben was der gute Oberinspektor wohl damit bezweckt, wenn er Ross nach Feierabend auf einen Drink einlädt. „Alarm auf Revier 12„ kommt charakterlich und inhaltlich verspielt daher, und da stört es auch nicht weiter wenn die Geschichte in der TV-Realität spielt anstatt in der unseren. Ganz im Gegenteil, es beweist um ein weiteres wie abwechslungsreich und völlig verschieden die einzelnen „Derrick“-Episoden konzipiert und umgesetzt sind.  OFDb

15.07.2014

DIDI UND DIE RACHE DER ENTERBTEN (1985)

Nachdem Dieter Hallervorden im Vorgänger „Didi - Der Doppelgänger“ in einer Doppelrolle zu sehen war, wollte er gerne einmal eine ganze Familie allein verkörpern, so wie sein Vorbild Alec Guinness 34 Jahre zuvor in „Adel verpflichtet“.  Sieben Rollen sind es geworden die Hallervorden in „Didi und die Rache der Enterbten“ meistert, im Gegensatz zum Vorgänger verstärkter unterstützt durch die Maske, was humoristisch jedoch so treffsicher ist, dass man dies keinesfalls als negativen Aspekt des Streifens werten sollte, zumal die Maske ergänzend wirkt und nicht das Talent des Hauptdarstellers ersetzt, das noch in so ziemlich jeder Szene durchschimmert.

Schön ist jedoch, dass die Mimen an Hallervordens Seite dabei keinesfalls zu kurz kommen. So lustig die Charakterzeichnung des jeweiligen Mitgliedes der Sippschaft geworden ist, so treffsicher sind auch die anderen Figuren gezeichnet, allen voran der Assistent des Kommissars, Sohn des Bürgermeisters, jedes Klischee des Berufes lebend ohne etwas von diesem zu verstehen und fast passend zu den langen Haaren Langenhagen genannt. Interessanter Weise wird dieser in der Regel weder in Besprechung gesondert erwähnt, noch wird auf ihn im Audiokommentar eingegangen, dabei sind seine Witze stets ein Volltreffer, sein Spiel ungemein sympathisch trottelig und seine ihm zugeschriebenen Eigenarten, wie die Körperpflege in den unmöglichsten Situationen, geradezu Kult.

Wenn ein erschossener Toter im Spiegelkabinett aufgefunden wird, fragt er seinen Vorgesetzten allen ernstes ob das Opfer an den Spiegelscherben gestorben sein mag, während der Kommissar genervt sachlich antwortet, dass ihn wohl eher die Kugeln getötet haben. „Didi und die Rache der Enterbten“ ist sich für keinen noch so flachen Gag zu schade, und dies gepaart mit der Spielfreude aller Beteiligten und der Leichtigkeit die Drehbuch und Inszenierung umwehen, macht das Werk selbst innerhalb der für diese Eigenarten bekannten Didi-Filme in der hier angewendeten Konsequenz einmalig.

Mag der gewisse Anspruch den „Didi - Der Doppelgänger“ für sich noch verzeichnet hatte und der mit „Der Experte“ auch wieder in die Kinoarbeiten Hallervordens zurückkehren sollte hier auch dem hemmungslosem Klamauk weichen, so ist „Didi und die Rache der Enterbten“ doch zumindest bis 1985 der beste Hallervorden-Film geworden, gibt es hier im Gegensatz zu seinem Vorgänger doch keinen Einbruch im Unterhaltungsbereich. „Didi und die Rache der Enterbten“ ist durchweg gelungen, von Anfang bis Ende ohne jeglichen Durchhänger.

Dass der eigentliche Held erst nach 30 Minuten Film eingeführt wird, ist ein Kuriosität für sich, wird auch im Audiokommentar besprochen, wo die Drehbuchautoren gestehen das nie so bewusst bemerkt zu haben, ebenso wie es dem Zuschauer kaum auffällt, wird dem doch von Anfang an Didi geboten. Dieter Dödel, wenn unter anderem Namen auch die typische klassische Didi-Rolle Hallervordens, wirkt fast schon normal unter all den ausgeflippten Charakteren und schrägen Situationen, bekommt aber dennoch genügend Rahmen um trotzdem selbst für viele Lacher zu sorgen. Und das ist gar nicht so leicht, wenn um ihn herum so herrlich kranke Ideen fruchten, wie der naive Nachbar, der die morbiden Vorkommnisse für einen Film hält und deswegen von Kongo-Otto (allein der Name) dazu verdonnert wird einen guten Teil der Geschichte in einer Mülltonne abzusitzen.

Herrlich auch die Arbeiten der Zuständigen für die Deko. Da wurde eine Abbruchbude so wunderbar herzlos und absichtlich sichtbar heruntergekommen in Dödels „Wohnung“ verwandelt, dass nicht einmal die ärmliche türkische Familie, welcher der Vermieter die Wohnung präsentiert um Dödel endlich loszuwerden, auch nur Ansatzweise in Versuchung kommt einzuziehen. Da fallen so herrlich übertriebene, großkotzig großzügige Sätze des Vermieters, er würde auch sein Einverständnis geben, dass die Familie hier eine Heizung einbauen dürfe, kurz nachdem er ein Waschbecken mit Brausekopf als Dusche angepriesen hat, mit warmen und kaltem Wasser - je nach Jahreszeit, wie Dödel hinzufügt. Und wenn man denkt nach der türkischen Familie ginge es gesellschaftskritisch nicht weiter, äußert der unangenehme Zeitgenosse vor seinem Verschwinden, er würde im Notfall aus der Bude ein Studentenwohnheim machen. Aua! Tiefschlag! Wunderbar!

An Witzen, skurrilen Situationen und einfallsreicher Charaktere mangelt es hier wahrlich nicht. Autoren wie Schauspieler toben sich hier munter aus in einem Plot, der so heute nicht mehr ins Kino kommen würde, so anarchistisch anders wie er heute wirkt im Gegenzug zu herkömmlichen Drehbüchern der Gegenwart. „Didi und die Rache der Enterbten“ sieht seine Anwesenheit im Kino nicht so streng, als dass er aufgrund seiner Größe irgendwelche Normen einhalten müsse. Der Film ist ein Liebhaberstück, ein zum Lachen einladendes Original und keinesfalls der krampfhaft verfehlte Versuch eine Kopie des Vorbildes mit Guinness sein zu wollen.

Dass es das Finale schafft inmitten von so viel Irrsinn ganz leicht den Bereich eines Thrillers zu streifen, verdankt der Film nicht nur dem hervorragenden Spiel Wolfgang Kielings, den man als Glücksgriff für seine Rolle bezeichnen kann, auch der Soundtrack weiß hier enorm zu wirken, aber der ist ohnehin sympathisch ausgefallen und weiß in seiner ziemlich simplen Komposition jeden Winkel des Streifens bestens zu unterstützen. Wer die richtige DVD-Edition ergattert, hat auch gleich eine Soundtrack-CD zusätzlich zum Film erworben, und die lohnt sich meiner Meinung nach - ebenso wie der Film, den jeder der es auch gerne einmal albern mag unbedingt gesehen haben sollte.  OFDb

18.12.2012

HOTEL DER TOTEN GÄSTE (1965)

Der Reporter Barney Blair und Kriminalinspektor Forbesa untersuchen unabhängig voneinander eine Mordreihe in einem Hotel. Dort nächtigen allerhand zwielichtiger Personen inklusive Schlagersängerinnen, die wegen eines Musikevents vor Ort sind...

Tausche vier Häuser gegen ein Hotel...
 
Mitte der 60er Jahre war die sogenannte harte Welle im deutschen Kino noch hoch im Kurs. Ins Leben gerufen durch die Edgar Wallace-Filme kamen weitere Kriminalfilme im selben Stil hinzu. Bücher nach Bryan Edgar Wallace wurden verfilmt, Fritz Langs Mabusereihe verwandelte sich unter anderen Regisseuren zu einem Wallace-Abklatsch, G.I. Man Jerry Cotton bekam eine Filmreihe beschert und manch heutzutage eher unbekannter Krimi-Autor wurde gleich mit ins Rennen geschickt. Originelle Titel wie „Wartezimmer zum Jenseits“, „Der Würger von Schloss Blackmoor“ und „Der Frosch mit der Maske“ gab es genug, bis hin zu skurrilen Namen wie „Teppich des Grauens“.

„Hotel der toten Gäste“ kann sich zu den originellen, meist reißerischen, Titeln hinzuzählen, wird seiner Konkurrenz inhaltlich jedoch nicht gerecht. Die harte Welle bot Trivialunterhaltung, da muss man nichts schön reden, aber die meisten Veröffentlichungen machten Spaß. Der Großteil der weniger gelungenen Filme war mäßiger Natur. Nur wenige Krimis waren wirklich schlecht zu nennen. Itzenplitz’ Werk (was ein Name) gehört zu den lahmen Enten.

Worin sich „Hotel der toten Gäste“ von anderen Vertretern seiner Art unterscheidet, ist der Spielort in San Remo statt London. Dafür sind viele Rollen Engländer, das macht den Unterschied also nicht gewaltig. Da der Großteil in Hotelräumen und –fluren spielt, mag die Londoner Location fehlen. Trotzdem wüssten auch Hotelräume Atmosphäre entstehen zu lassen. Doch Itzenplitz dreht seinen Streifen zu oberflächlich runter.

Mit der Umgebung wird man ebenso wenig warm wie mit den Filmfiguren, die immerhin von namhaften Personen gespielt wurden. Als Frontmann konnte man Wallace-Star Joachim Fuchsberger gewinnen, als weibliche Hauptrolle Karin Dor, die ebenfalls in vielen Wallace-Filmen mitspielte. Über deren Schauspielkönnen mag man streiten können, aber spätestens an Wolfgang Kieling gibt es mimisch nichts zu meckern. Als Eddie Arent-Ersatz, der humorvolle Randfiguren-Part, angelte man sich den Sänger Gus Backus, der mit seinem englischem Akzent den Liftboy des Hotels mimen darf.

Ein toller Titel, interessante Beteiligte, meine Neugierde war geweckt und ließ sich auch nicht davon abschrecken, dass bei einer Geschichte rund um ein Schlagerfestival auch mit musikalischen Schnulzen gerechnet werden musste. Und wahrlich, gute Schlager hören sich anders an, einen Film mag so etwas jedoch nicht ruinieren.

Das gelangweilte Herunterleiern einer mittelmäßigen Geschichte jedoch schon. Krampfhafte Verästelungen der Situationen (keine Seltenheit in der harten Welle) wissen nicht zu interessieren, verwirren nicht auf mysteriöse sondern auf übersichtliche Art, während man selbst mit den wichtigsten Figuren nicht warm wird. „Hotel der toten Gäste“ wirkt lustlos umgesetzt, selbst den Darstellern scheint es an Motivation zu fehlen. Dem Krimiplot fehlt jeglicher Pfiff, die Mörderaufdeckung ist einem bereits nach 30 Minuten herzlichst egal. Zu packen weiß hier nichts.

Es ist schwer zu erklären woran der Streifen nun wirklich scheitert, denn die Konkurrenz war auch nur in Ausnahmefällen wie „Das indische Tuch“ wirklich großes Kino. Vielleicht fehlt einfach das Grusel-Feeling der Vergleichsfilme, denn Itenplitz’ Werk ist schlichtweg ein Krimi, kein Grusel-Krimi. Andererseits schafften Werke wie „Wartezimmer zum Jenseits“ und „Das Rätsel der roten Orchidee“ ebenfalls als reine Kriminalfilme zu unterhalten. Diese waren jedoch atmosphärisch dichter umgesetzt. „Hotel der toten Gäste“ guckt sich eher wie ein hölzernes Theaterstück.

Schade, was habe ich mich gefreut, als ich von diesem Film in der TV-Zeitschrift las. Solche selten gezeigten Genrevertreter zaubern mir meist ein Leuchten in die Augen, „Hotel der toten Gäste“ war jedoch ein Blender. Er war ein Langeweiler in einem Meer sympathischer Schundfilme. Itzenplitz' Werk kann man sich auch als Fan dieser Art Film getrost sparen.  OFDb