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06.06.2024

WOLF (1994)

Will Randall wird des nachts bei Vollmond von einem Wolf gebissen. Auf der Arbeit als Verleger frisch entlassen, wächst im eher passiven Arbeitnehmer der Kampfgeist um seinen Job. Und auch sämtliche Sinne sind mittlerweile weiter ausgeprägt als üblich. Will geht von einer Besessenheit durch das Tier, das ihn biss, aus und forscht nach...

Die Schöne und der Wolf...

Zur selben Zeit als mit Anthony Hopkins als "Dracula", Julia Roberts als "Mary Reilly", das Dienstmädchen von Dr. Jekyll, und Robert DeNiro als das Monster in "Frankenstein" die Kreaturen der klassischen Horrorliteratur und ihrer Verfilmungen durch Großstudios wiederentdeckt wurden, da kam auch der prominent besetzte "Wolf" in die Kinos, der im Gegensatz zu den Vergleichsfilmen, trotz des Werkes "Der Wolfsmensch", keinen direkten Bezug zu seinem klassischen Ebenbild bekam. Das hat auch seinen Grund, ebenso wie der Name "Wolf", anstatt die Nennung eines Werwolfs im Titel, denn das von Mike Nichols inszenierte Horror-Drama ist eigenständiger, als es zunächst scheint. Lediglich in eine Story um den Kampf um eine Arbeitsstelle integriert, grast "Wolf - Das Tier im Manne" (Alternativtitel) zunächst die klassischen Stationen von Werwolfgeschichten ab, mutet dabei ein wenig wie die Entstehungsgeschichte um einen Superhelden an, wenn Will seine neu gewonnenen Fähigkeiten entdeckt, wirkt aber ansonsten wie die Standardgeschichte seines Sub-Genres, versehen mit den üblichen Zutaten Hollywoods, was dem reinen Genre-Fan meist nicht schmeckt. 

Soll der ruhig meckern, die Figurenzeichnung, das Drama und wohin sich dieses entwickelt, sind hervorragend geschrieben, in geglückten Dialogen dargeboten und inszeniert in einem Mix aus modernem Kino der Großproduktionen und dem klassischen Gruselfilm, so direkt wie die Kameraufnahmen Vergangenes zu zitieren scheinen, wenn auch mehr an das Kino der 60er Jahre erinnernd, anstatt an die Werwolf-Hochzeit der 40er Jahre. Es wird mehr geredet als gegruselt, und das Drama dominiert den Horroranteil, aber genau so ist "Wolf" geglückt wie er ist, weiß in dem persönlichen Fortschritt seiner Identifikationsfigur in der Arbeitswelt ebenso zu gefallen, wie in den bedrohlichen Aspekten des Stoffes, deren Wandel von Gut zu Böse man als erfahrener Zuschauer im Horrorbereich erahnen kann. Aber selbst diese vorausgesehene Überraschung zum Finale hin, zerstört nicht den professionellen, beeindruckenden und atmosphärisch dichten Stil eines Filmes, der genau das geworden ist, was er sein wollte. Der zu erwartenden Überraschung folgt eine wirkliche, die "Wolf" zu etwas Selbstständigen macht und damit zugleich die nicht nur nebenbei abgearbeitete Liebesgeschichte legitimiert, die zurecht zum Zentrum der Geschichte gehört. 

Freilich wird auf dem Weg dorthin auf allerlei Klischees gesetzt, dies nicht nur in Bezug auf die Gruselthematik, auch im Charakterbereich, aber das geht in Ordnung, denn trotz Schwerpunkt Drama ist "Wolf" im Kino zu Hause, anstatt in der unseren Realität, muss also nicht authentisch erscheinen, sondern darf die Luft der Filmwelten atmen. Und da jeder zudem perfekt für seine jeweilige Rolle besetzt wurde, gibt es nichts zu meckern. Ein atmosphärischer Soundtrack sorgt für den Rest. Und so wird der mit einer liebevoll pointierten Schlussszene gesegnete Film zu einem Liebhaberstück zum Immerwiedergucken, zumindest für jene Art Filmfreund, die keinen reinen, geschweige denn harten Horrorstoff benötigen und im erwachsen erzählten Bereich nicht zwingend Arthouse-Niveau benötigen. "Wolf" ist professionell erzählter Mainstream, jedoch cleverer und kreativer geartet, als dieser üblicher Weise ausfällt, langsamer mit Blick auf die wichtigen Nebensächlichkeiten erzählt, als es der Blockbuster von heute tut, und das Innenleben der Charaktere zur größten Wichtigkeit erklärt, wie es jeder bessere Film tut. Damit wird "Wolf" zu einer Wundertüte für Cineasten und Filmkonsumenten gleichermaßen.  Wiki

12.12.2020

PRETTY IN PINK (1986)

Ein Jahr bevor das Duo, bestehend aus Produzent und Drehbuch-Autor John Hughes, sowie Regisseur Howard Deutch, seinen sympathischen "Ist sie nicht wunderbar?" ablieferte, drehten die beiden "Pretty in Pink", der theoretisch gesehen inhaltlich das selbe in Grün erzählt, wenn auch versehen mit anderer Finalentscheidung, letztendlich ansonsten aber die gleiche romantische Tragikomik zwischen Arm und Reich bietet. Die Vorurteile der reichen Schicht gegenüber lassen sich dort leichter ertragen (auch wenn sie dort bereits sauer aufstoßen), was daran liegt, dass der nachgeschobene Film weit besser ausgefallen ist, als der hier besprochene. Zwar ist "Pretty in Pink" mit Molly Ringwald in der Hauptrolle stammbesetzt, spielte sie doch bereits Hauptrollen in John Hughes eigenen Regie-Arbeiten "Das darf man nur als Erwachsener" und "Der Frühstücksclub", und weiß zwar auch sie taff und niedlich zu überzeugen (im Deutschen versehen mit der Synchronstimme von Mary Stuart Masterson aus dem Vergleichsfilm), viel mehr Trümpfe bietet der Film jedoch nicht. Andrew McCarthy besitzt noch einen gewissen Charme, der mimisch jedoch etwas zu aufgesetzt wirkt, und Andys Vater wirkt realistisch als gesellschaftlich abgestürzter Alleinerziehender, doch er schafft es nicht, die nötige Sympathie auf den Zuschauer zu übertragen. 

Damit steht er nicht alleine da. Der Sidekick Duckie, mit dem man mitleiden soll als der langjährige Freund Andys, in die er heimlich verliebt ist, ist derart flippig charakterisiert, dass er einen penetrant nervt und man keineswegs auf ein Happy End mit ihm und Ringwalds Rolle hofft. Das ging dem Testpublikum wohl damals auch so, denn ursprünglich sollten die beiden am Ende des Streifens zusammen kommen, anstatt Blane und Andy, und ausnahmsweise stimme ich einmal mit der Entscheidung eines solchen, eigentlich unsinnigen, Testpublikums überein, welches besagten Schluss verhinderte (war dies der Gund für "Ist sie nicht wunderbar?"?). So schräg und flippig Duckie, gespielt vom "Two and a Half Men"-Alan Jon Cryer, auch in Szene gesetzt wird, dies ist nichts im Vergleich zur älteren Freundin Andys, die selbst inmitten eines Filmes übler 80er Jahre-Moden Frisuren-technisch noch jede angesagte (?) Übertreibung überbietet. Klar, das ist so gewollt, aber ebenso guckt es sich auch: zu gewollt. Und das trifft auf den Komplettfilm zu. Da entsteht kein Schwärmen für die Außenseiter, dafür lernt man sie nicht intensiv genug kennen und mögen, dafür ist der komplette Plot zu verkrampft und gewollt ausgefallen und dafür fehlt das Herz am rechten Fleck.

Es mag sein, dass die deutsche Synchronisation Teilschuld dran hat, ich weiß es nicht, aber viele Dialoge wirken unsinnig, widersprechen vorher Miterlebtes oder hören sich an als rede man aneinander vorbei. Wenn z.B. Duckie enttäuscht die Reißleine zieht, erwähnt er der Hauptfigur gegenüber ganz selbstverständlich wie verliebt er immer in sie war, obwohl er es ihr nie gestanden hat. Verstehe das wer will. Wenn zudem noch der übliche Trumpf von Arschloch-Rollen, James Spader ("Wolf"), ebenfalls aufgrund zu überzogener Charakterisierung, nicht wirken will, dann läuft tatsächlich etwas schief mit einem an sich doch gut besetzten Film in theoretisch nettem Szenario. Howard Deutchs Regie-Debüt kann man somit wohl als nicht sonderlich geglückt bezeichnen, sein "Ist sie nicht wunderbar?", "Ferien zu dritt" und "Keine halben Sachen 2" sind deutlich besser ausgefallen. Es liegt daran, dass man mit dem Herzschmerz Andys mitfühlen kann und an der sympathischen Art, mit der man sie charakterisiert, dass "Pretty in Pink" mit seinen gravierenden Problemen nicht zum Totalausfall wird. Inmitten der sonst so gelungenen Teenie-Filme aus dem Hause Hughes stinkt er jedoch gewaltig ab.  OFDb

01.02.2020

AVENGERS 2 - AGE OF ULTRON (2015)

Nach dem eher mickrigen Ergebnis im aufgeplusterten Gewandt von "The Avengers" ist die ebenfalls von Joss Whedon inszenierte Fortsetzung eine wahre Überraschung. Nicht nur dass lächerliche Momente komplett eliminiert wurden und uninteressantere Hauptfiguren nun mehr Gesicht bekommen, "Avengers 2 - Age of Ultron" bietet im Gegensatz zum Vorgänger eine erzählenswerte Geschichte, die sich für die einzelnen Facetten ihrer Entwicklung genügend Zeit nimmt, ohne an Schauwerten und Tempo für das heran erzogene Zielpublikum zu sparen. Es kracht und bummert immerfort, Spezialeffekte aus dem Computer sind pausenlos zu sichten, aber es ist jene Art aufgeblasenes Popkornkino, das sich diese Mittel als Stärke, anstatt als leere Hülle, zunutze macht und uns das präsentiert, was mit genügend Geld im Gepäck in heutigen Kinozeiten möglich ist, wenn man nicht an fähigen Autoren spart.

Sicherlich ist Teil 2 inhaltlich kein Geniestreich geworden, aber die Geschichte ist verästelt ausgefallen, die Lage wundervoll hoffnungslos, die theatralisch vorgetragene Superhelden-Seifenopern-Philosopie in manchen Momenten treffsicher eingefangen, da tatsächlich eine Überlegung wert, und inmitten der Achterbahnfahrt an sich stetig abwechselnden Actionszenen wird den Figuren genug Raum beschert sich zu entfalten. Das weiß insbesondere in den Szenen der Unstimmigkeiten inmitten der Gruppe zu gefallen, die selbst in solch zerstrittenen Momenten nicht mehr wie eine infantile Affenbande wirkt, wie es noch in Teil 1 der Fall war. Dennoch bleibt das Ergebnis freilich ein Film für große Kinder. Und das in mir fand schon immer Gefallen an Themen wie Killerrobotern und künstlichen Intelligenzen, zwei Faktoren, die das Geschehen von "Age of Ultron" (Alternativtitel) nicht nur nebenbei mitbestimmen. Und dass selbst der olle Hulk zu funktionieren weiß (auch wenn ich mir seiner Gesetzmäßigkeit, wann er völlig außer Kontrolle ist und wann er zum Team-Player wird, immer noch nicht bewusst bin), sowohl für Actionmomente, als auch charakterlich, ist gerade für mich die totale Überraschung, gehörte er für mich doch immer zu den lächerlichsten Figuren des Marvel-Universums. Es ist schön zu sehen, dass mit diesem Mammutprojekt endlich einmal wieder eine Großproduktion entstanden ist, die sich auch zu gucken lohnt. Gerne mehr davon!  OFDb

09.08.2012

DER PREIS DER MACHT (1991)

Die Studenten Peter und Tim sind beste Freunde. Silvester 1980 schließen sie mit Tims Freundin zusammen eine Wette darüber ab, dass Peter in 10 Jahren Senator werden wird. In den folgenden Jahren folgt Peter diesem Ziel ohne moralische Skrupel auf eine Art, in welcher der gesetzestreue Tim vor die Frage gestellt wird, ob dies alles noch die Freundschaft wert ist...

Den Bösen zieht‘s in die Politik...
 
Wie so oft in einem amerikanischen Drama muss man sich von der Wirklichkeit distanzieren, um komplett in der Geschichte aufgehen zu können. So badet sie zum einen im Klischee des korrupten Politikers und zum anderen im Ideal des gesetzestreuen Staatsanwalts. Dass beides in Amerika Alltag ist, ist sicherlich richtig, „Der Preis der Macht“ kennt jedoch keine Graustufen und trennt knallhart nach Gut und Böse. Mag sein dass auch dies nicht verkehrt ist, entstand der Film schließlich an einem Scheidepunkt Amerikas, der, wie wir heute wissen, vorerst mit einem korrupten Wirtschaftssystem endete. Die Frage nach den Grundlagen der Moral war hochaktuell. Und doch stößt mir diese brutale Trennung des Filmes sauer auf. Ich kann nichts dagegen unternehmen.

Durch diese recht unsensible Trennung geht es auch leider nicht um Tims Innenleben, nach der Frage sich zwischen Freundschaft und Moral entscheiden zu müssen, viel mehr ist der Gute der Geschichte lange Zeit viel zu naiv und nachgiebig gewesen, was so weit geht dass er im Finale nur noch vor der Entscheidung steht sich gegen jemanden zu wehren, der ihn jahrelang um jeden Preis ausgenutzt hat. Damit wird der Film zu einer moralischen Rachestory, die sich jedoch viel mehr auf Peter konzentriert, dem wir voyeuristisch genüsslich beim böse sein zusehen dürfen.

Es klingt alles so negativ, irgendwo ist es dies sicherlich auch, aber ich gehöre zu den bekennenden Voyeuren dieses Streifens. Ich fand ihn hoch unterhaltsam und genoss jeden Moment dabei zuzusehen, wie der sonstige Saubermann John Cusack hier in relativ frühen Jahren das Ekel spielen durfte. Schön ist es auch Schurkengesicht Spader dabei zuzusehen den Gesetzestreuen zu mimen. Wären beide Standart-Rollen nicht erst später entstanden, man könnte meinen die Schauspieler wurden absichtlich gegen den Strich besetzt. Dem ist aber nicht so.

Klisches hin oder her, „Der Preis der Macht“ ist interessant erzählt, gerade in der ersten Phase, in welcher man sich selbst die Frage stellen muss bis zu welchem Schritt man über eine Gesetzesübertretung hinwegschauen kann und ab wann nicht mehr. Dabei ergeht es dem passiven Tim ebenso wie dem aktiven Peter. Immer gibt es noch ein Schrittchen und noch ein Schrittchen, bis man sich in einer Position wiederfindet, in der man entweder nicht mehr in den Spiegel gucken kann, oder sich eine Welt vorlügt in der es nun einmal nicht anders geht.

„Der Preis der Macht“ trägt sicherlich dick auf, gerade in der Charakterzeichnung, aber immerhin schließt er nicht reißerisch, sondern eher schlicht, was ich persönlich zu begrüßen weiß. Trotz seiner Fehler wird der Film nicht einzig durch seine talentierten Darsteller gehalten. Dem Drehbuch sei Dank haben wir eine interessante Geschichte mit konstantem Spannungsbogen und kitschfreier Dramatik, und Regisseur Herbert Ross  inszenierte das Ganze souverän. Mit „My Blue Heaven“ hatte er kurz vorher einen Steve Martin-Flop gedreht. Das Thema des hier besprochenen Werks inszenierte er schon einmal auf den Kopf gestellt in der Michael J. Fox-Komödie „Das Geheimnis meines Erfolges“, bei welchem die Schlipsträger ähnlich positiv wegkamen wie im hier besprochenen Film.

Vielleicht funktioniert der Streifen deshalb so gut, weil die Frage nach Schuld und Unschuld nicht nur in der Amerika-Dekade spielt, in welcher dies die Kernfrage des Landes war, sondern auch weil die Erzählung auf die Protagonisten gesehen zu einer unschuldigen Zeit beginnt. Diesen Ruf besitzt die Studentenzeit nun einmal, obwohl wir es mit bereits jungen Erwachsenen und nicht mehr mit Jugendlichen zu tun haben. Wir vergessen nur all zu gerne, dass man auch in dieser Zeit bereits gesetzlich für seine Taten verantwortlich ist und der Grundcharakter einer Person längst davor steht den Prozess der Reife zu erlangen. Auf der Gegenseite könnte man urteilen, der Film male eben deshalb schwarz mit der Aussage „einmal Schurke immer Schurke“. Widersprechen kann ich da eigentlich nicht, bestätigt die Schluss-Szene eine solche Vermutung doch sogar.  OFDb