Posts mit dem Label Siegfried Lowitz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Siegfried Lowitz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

30.12.2019

DIE UNSICHTBAREN KRALLEN DES DR. MABUSE (1962)

Ich weiß nicht ob 1962 zunächst "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse" auf den Mark kam oder "Das Testament des Dr. Mabuse", ein Remake von Fritz Langs legendärem gleichnamigen Film, mit den Stamm-Stars der 60er Jahre-Reihe besetzt. Der Schluss des hier besprochenen Teils lässt vermuten, dass es ihn zuerst gab und Neuverfilmung und Fortsetzung zu eins werden. Das besäße einen skurrilen Reiz inmitten der herrlich wirr dargebotenen Reihe, ein Blick auf die nächsten Teile wird mir diesbezüglich Klarheit bescheren. Unabhängig davon ist in Harald Reinls zweiter Regie-Arbeit der Mabuse-Reihe noch mehr als im Vorgänger zu bemerken, dass die Rialto-Wallace-Reihe als finanziell stärkere Konkurrenz kopiert werden sollte. Nachdem Wallace-Regisseur Harald Reinl einen Teil zuvor Eintritt in die Welt des Mabuses fand, folgt ihm nun auch seine Ehefrau Karin Dor, die in einigen Werken der Konkurrenzreihe zu sehen war. Zudem spielen diverse Szenen in Schloss-artigen Gemäuern, ein weiteres Zugeständnis an das finanziell erfolgreichere Vorbild. Und als wäre dies an anbiedernden Nachahmungs-Versuchen nicht schon genug, stößt noch eine humoristische Nebenrolle, im Stile der Eddi Arent-Figuren aus dem Wallace-Universum, hinzu: der Kriminalbeamte Hase, gespielt von Walo Lüönd.

Es ist dem immer wahnwitziger werdenden, aber auch bekanntem Muster der Mabuse-Filme zu verdanken, dass "The Invisible Claws of Dr. Mabuse" (Alternativtitel) nicht nur eine lächerliche Kopie eines Wallace-Filmes wurde. Bekannte Gesichter aus den Vorgängern kehren wieder (inklusive Werner Peters in einer erneut anderen Schurkenrolle), Elemente, wie die Herrschaft des Verbrechens, werden erneut verarbeitet, und mit der Unsichtbaren-Thematik hatte man einen übernatürlichen Spielraum parat, der in die Konkurrenzreihe thematisch nicht gepasst hätte. Im Mabuse-Universum hingegen war mittlerweile alles möglich, was dem scheinbar unsterblichen Superverbrecher beim Erreichen seiner Ziele half. Wieder erweist sich die Kopie des Original-Genies als Stümper, auch hier bleibt sich die Reihe unfreiwillig treu. Die Fehler, die Mabuse begeht, seine verpassten Chancen, seine Gutmütigkeit an falscher Stelle und sein arg leicht zu durchkreuzender Plan, nachdem er ihn unachtsam ausgeplaudert hat, all das hat nichts mehr mit den Taten eines Genies zu tun, aber das war der selbsternannte zweite Dr. Mabuse (ein sehr früher Fall von unredlicher Aneignung eines Doktortitels), der seit "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" die Filmwelt unsicher machte, ohnehin nie.

Ebenso wenig war Harald Reinl ein Künstler, wie es Fritz Lang, der Regisseur der ersten drei Mabuse-Filme, war. Zwar schaffte er es einen amüsanten, kurzweiligen Kriminalfilm mit Science Fiction-Einfluss umzusetzen, "The Invisible Dr. Mabuse" (Alternativtitel) ist wahrlich kein Langweiler, die Chance ein wenig mehr den Horrorbereich auszukosten, der immerhin cineastisch gesehen der Ursprung der Unsichtbaren-Thematik ist, nutzt er jedoch kaum. Kurz vor dem viel zu simplen Schluss weht ein kurzer Hauch Grusel-Feeling, wenn die Polizei mit ihren urigen Methoden als Konkurrenz zu Mabuses moderner Errungenschaft, auf der Lauer liegt. Ansonsten konzentriert man sich lediglich auf den klassischen Krimi-Stil seiner Zeit mit leichtem Humoreinfluss. Das Drehbuch, das die ersten Taten des Unsichtbaren mit einer überraschenden, arg naiv begründeten, Auflösung erklärt, lässt durch eben solche Einfälle ohnehin kaum Raum für wahre Bedrohlichkeiten. Um Nervenkitzel sollte es hier leider ohnehin nie gehen. Plumpe Schauwerte wurden für einen reißerischen Stoff eingesetzt, eine geradezu typische Geschichte der harten Welle wurde erzählt, und das Unsichtbaren-Thema damit eigentlich verschenkt. Da man in der Regel aber bereits vor der Sichtung weiß, dass hier nur Trivialunterhaltung geboten werden soll, und da Reinl diese auch kurzweilig und sympathisch zu bieten weiß, ist man dem Film um seine vertanen Chancen nicht wirklich bös. Wie könnte ich einen Film auch nicht mögen, in welchen Siegfried Lowitz eine solch große Rolle beschert bekommen hat?  OFDb

19.07.2017

DER SCHINDERHANNES (1958)

Carl Zuckmayers Bühnenstück hatte mit „Schinderhannes“ aus dem Jahr 1957, „Johannes durch den Wald“ und zudem sogar gerade einmal ein Jahr nach Fertigstellung des Theaterstückes ebenfalls unter dem Titel „Schinderhannes“ erschienen bereits diverse Verfilmungen erhalten. Der mit Curd Jürgens und Siegfried Lowitz besetzte Film von Helmut Käutner ist heutzutage jedoch der bekannteste Vertreter von ihnen, und für diesen hat Carl Zuckmayer höchstpersönlich Veränderungen am Buch vorgenommen, sowie am Lied, welches auch bereits in der Theaterversion vorgetragen wird. Die Verwandtschaft zu "Robin Hood" ist unverkennbar, dennoch bildet „Der Schinderhannes“ nicht bloß ein blasses Abbild von diesem, was nicht nur an der herausragenden Leistung des wie immer genial agierenden Curd Jürgens liegt, sondern auch am Stück selbst, dessen erzählerische Stärke mich ohne jegliche Erwartungen an dieses Werk stark überraschte.

Für diese Verfilmung stand Käutner mit Blick auf die Ausstattung und die Anzahl der Statisten scheinbar reichlich finanzielle Unterstützung zur Verfügung, dennoch ist das Werk nicht pompös oder verschwenderisch wirkend ausgefallen. Ganz im Gegenteil guckt sich der 1958 fertiggestellte Film eher bescheiden, was zur Mentalität des Stoffes passt, ist der Schinderhannes doch ein Ehrenmann, dessen Taten einem Zweck unterliegen und nicht auf Hochmut und Eigensucht aufbauen. Zudem ist der Stoff wie sein Held selbst am Volk orientiert, strahlt „Duel in the Forest“ (Alternativtitel) doch eine leider längst verloren gegangene deutsche Kultur aus, atmet sie regelrecht, so dass es eine Wohltat ist dem Treiben der Mannen zuzusehen.

„Der Schinderhannes“ ist nah an seinen Protagonisten orientiert, und gerade die zentrale Figur des Johann Bückler wird uns derart intensiv nah gebracht, dass wir ihn selbst dann verstehen, wenn aus politischen Raubzügen eine Rebellion der Gegenwehr, das Entfachen eines Bürgerkrieges wird, so dass der Held ein Ehrenmann bleibt, einer der seinen Irrtum leider zu verspätet einsieht, und somit eine Figur im Zentrum steht, deren Vorgehen nicht verschönt wird, wie beispielsweise das Agieren des Kriegstreibers in „Braveheart“.

Was wie ein belustigender Abenteuerfilm beginnt, mündet Richtung Finale immer mehr in den Dramabereich. Trickreich verführt einen der Film aufgrund des lockeren Grundtones vergebens zur Hoffnung ein raffiniert eingefädeltes Handeln könne kurzfristig doch noch zu einem Happy End führen. Aber der Stoff bleibt konsequent, und der Zuschauer muss so tapfer sein wie das kürzlich zur Mutter gewordene Julchen. Wenn Hannes und seine Mannen auf dem Weg zur Hinrichtung stolz das Schinderhannes-Lied singen, widerfährt dem Zuschauer ein kurzer Moment des Stolzes und der Trauer, „Der Schinderhannes“ bleibt aber selbst in dieser Phase realistisch genug, stockt der Bande mit Blick auf die Guillotine dann schließlich doch noch der Atem, so dass der Gesang erstickt und verstummt.

Am Ende dieser wunderschön erzählten Rebellion, die einem die Wahrheit, dass die Mächtigen am Ende stets gewinnen, bitter serviert, werden wir aus dem Blickwinkel Julchens aus dem Stoff entlassen und müssen mit wehmütigem Blick zurück der Realität ins Auge sehen. In seinem konsequenten Blick auf die Macht der Herrschenden erinnert „Der Schinderhannes“ stark an den Rühmann-Film „Mein Schulfreund“, in dem ähnliches geäußert wird wie hier: vom Krieg und vom Frieden profitieren am Ende die selben Personen. Die Reichen bleiben reich, die Mächtigen bleiben mächtig, egal was sich politisch ändert. Es ist schön dass dieses poltitische Thema derart volksnah und menschenfreundlich mit Hang zur guten Stimmung erzählt wurde und nicht zu bitter moralisch oder aggressiv ausgefallen ist. Ich weiß jetzt schon, dass ich eines Tages wieder gerne zu diesem unterschätzten Stück Film greifen werde, um ihn mir ein weiteres Mal zu Gemüte zu führen.  OFDb

04.07.2017

DIE PHYSIKER (1964)

Über die Handlung von „Die Physiker“ sollte man nicht zu viel verraten, da in dem Stück von Friedrich Dürrenmatt, der dieses eigens für die Fernsehproduktion umgeschrieben hat, alles anders ist als es zunächst scheint. Aus einem heiteren Plot, der zunächst den Eindruck eines Kriminalstücks macht, wird ein ernstes Thema mit dramatischem und gesellschaftskritischem Kern. Dürrenmatt liegt es dabei fern trotz leicht grotesker Züge sinnlose Wendungen für den Überraschungseffekt zu integrieren. Das Gesamtkonstrukt ist geistvoller Natur, bewusst gelegt wie es ist, vieles im nachhinein mehr Sinn ergebend als zuvor bemerkbar ist.

Allerdings setzt er einer gelungenen Schluss-Pointe, die das perfekte Ende der Erzählung hätte werden können, eine stärker groteske Zusatzwendung an, die eine weitere halbe Stunde Spielzeit ausmacht. Die langweilt trotz des teilweise schweren Stoffes ebenso wenig wie es die vorangegangenen 90 Minuten taten, rein vom Anspruch des Werkes her ist sie jedoch eher eine Last für „Die Physiker“. Aus einer schlauen, durchdachten Geschichte wird zum Schluss eine etwas aufgedrehte Posse, die erst dann wieder zum Restniveau zurückfindet, wenn sich die drei Physiker zum Schluss per Lebenslauf vom Zuschauer verabschieden.

Ignoriert man die schädliche letzte halbe Stunde, was aufgrund der vorherigen gelungenen 90 Minuten tatsächlich funktionieren kann, bleibt eine geistreich erzählte Warnung, ein Appell an die Vernunft, in der richtigen Gewichtung aus humorvoll und ernsthaft erzählt, ohne dem Stoff in seiner jeweiligen Phase zu schaden. Dass man für dieses empfehlenswerte Stück die zwei überdurchschnittlich guten Mimen Wolfgang Kieling und Siegfried Lowitz gewinnen konnte, wertet die ganze Sache zusätzlich auf.

Kielings zurückhaltendes Spiel lässt ihn zunächst nicht so professionell erscheinen, wie seine Rolle in Wirklichkeit tatsächlich angelegt ist. Ihren Höhepunkt hat sie dann, wenn Kieling allein durch Mimik dem Zuschauer zu verstehen gibt, dass sein Möbius so eben beschlossen hat, dass es keinen anderen Ausweg aus seiner Misere gibt, als ebenfalls einen Mord zu begehen. Dieses Schauspiel hat mir ungemein imponiert und für mich um ein weiteres bewiesen, wie brillant dieser Mann in seinem Fach war.

Dass „Die Physiker“ ein Theaterstück ist, lässt sich nicht übersehen. Zwar wird die TV-Version anfangs durch eine Autofahrt, und somit durch Außenaufnahmen, aufgepeppt, um sich ein wenig von der Bühne zu distanzieren (eine Idee, die zwar nicht nötig gewesen wäre, aber allein aufgrund der dort geführten Dialoge sympathisch zu schauen ist), wirklich ablenken wollte man trotzdem nicht von der Theaterherkunft, hört mit Ankunft im Aufenthaltsraum der drei Physiker das Bemühen um Aufpeppung des Stoffes doch auf. Von dort an konzentriert sich das Buch inhaltlich endgültig auf seine Vorlage, versehen mit leichten Kürzungen im Dialogbereich.

„Die Physiker“ schaut sich kurzweiliger als man es dem etwas verkopften Stoff zugetraut hätte, ist mit seiner zwei Stunden Spielzeit aber trotzdem ein Werk, auf das man sich aufgrund seiner trockenen, dialoglastigen Umsetzung konzentriert einlassen muss. Der Stoff ist weder inszenatorisch, noch inhaltlich eine Erzählung zum entspannen nach Feierabend. Er soll zum Nachdenken anregen, und diesen Punkt trifft auch die TV-Version sehr gekonnt, was nicht nur an der gelungenen Vorlage liegt, sondern auch an der Besetzung jeglicher Figur und dem richtigen Verständnis jedes Schauspielers für seine jeweilige Rolle. Neben den beiden eben erwähnten Stars fiel mir insbesondere Kurt Erhardt mit seiner wohlüberlegten Definition seiner Rolle positiv auf, die gerade mit Wandel der Wahrheit sehr glaubwürdig interpretiert und sensibel verkörpert wurde.  OFDb

23.03.2017

DER FROSCH MIT DER MASKE (1959)

Erst 25 Jahre nach der Komödie „Der Doppelgänger“ sollte es wieder eine deutsche Kinoproduktion zu den Vorlagen von Edgar Wallace geben. 1959 startete „Der Frosch mit der Maske“, der gleich als erster einer als Serie anvisierten Kinoreihe produziert wurde und bereits Joachim Fuchsberger und Eddi Arent als spätere Stamm-Stars besagter Filme mit an Bord hatte. Auch unter den Goldmann Taschenbüchern, auf welche sich die Filme beziehen, war der Roman „Der Frosch mit der Maske“ die erste Veröffentlichung, und diese bietet auch gleich einen „Dr. Mabuse“-ähnlichen Täter, der eine große Verbrecherbande auf die Beine stellt, ohne dass je wer die Identität des Anführers wüsste.

Da Harald Reinls Start der Wallace-Reihe noch recht ernst umgesetzt ist, darf ein solcher Schwerverbrecher noch düster und damit wirklich bedrohlich wirken. Nicht einmal sein Kostüm sieht in irgendeiner Weise affig aus, eher zweckdienlich und damit ideal passend zu einem Mann, der seine Verbrechen wohlüberlegt tätigt. Arent, der zum Humorhighlight der Reihe werden sollte und hier bereits in einem Schlusskommentar und in seiner augenzwinkernden, da übertriebenen, Butler-Art erstmals auf diese Rolle hinsteuert, wenn auch noch in keinster Weise klamaukig, tritt hier ungewohnter denn je auf, mehr noch als im Folgefilm „Der rote Kreis“, der ebenfalls noch eine ernste Herangehensweise erfuhr. Neben dem taffen Fuchsberger agierend, darf er Verbrecher vermöbeln, also auf ganz andere Art aktiv werden als in späteren Beiträgen, und das besitzt einen reizvollen Sehwert.

Die an sich noch tief bieder in den 50er Jahre badende Produktion, wird ein wenig aufgebrochen mit der Figur die Joachim Fuchsberger verkörpern darf, ein Millionär, der aus Langeweile Verbrecher fängt. Das erstaunliche an „Der Frosch mit der Maske“ ist jedoch, dass er auch die moderneren Aspekte noch stockbieder präsentiert. Der pseudo-Hauch Erotik, der anonyme Superverbrecher mit seiner großen Gefolgschaft, die Love Story, die Zwielichtigkeit des Millionärs, das alles atmet noch nicht die 60er Jahre-Luft, welche der Wallace-Reihe das gewisse Etwas verschaffte, und dies immerhin zu den Anfängen der 60er Jahre, als die Konkurrenz noch in den 50er Jahren zu Hause war.

Damit schaut sich „Face of the Frog“ (Alternativtitel) wie ein Außenseiter der eigenen Reihe, weiß doch selbst der direkte Nachfolger, trotz seiner großteils nüchternen Erzählmethode, weit weniger bieder zu wirken, als es der hier besprochene Film noch tut. Allerdings verleiht dies Reinls Werk auch einen gewissen Außenseiter-Charme, zumal die Geschichte selbst keineswegs zu langweilen weiß. Wallace hat aufregendere Verfilmungen erlebt, aber bereits der Einstieg in die Reihe kann sich sehen lassen, vorausgesetzt man findet auch Gefallen an einem trocken erzählten, klassischen Kriminalfilm, der ohne irgendwelche Gimmicks auskommt. Das Schrillste was es hier zu erleben gibt sind die Rolle des Butlers, der Millionär und der im Froschkostüm agierende Gegner. Der Rest folgt dem klassischen Muster des Genres.

Es ist schön, dass man Fritz Rasp als ehemaliges Ur-Gestein der 30er Jahre Wallacefilme für diesen Beitrag und einige Folgebeiträge gewinnen konnte, weiß er doch selbst in seiner hier recht klein ausgefallenen Rolle zu überzeugen, mimt Rasp hier doch einen Chef, den man wahrlich nicht zum Vorgesetzten haben möchte. Fast möchte ich von unheimlich sprechen, wenn ich ein Adjektiv für seine Darbietung suche. Siegfried Lowitz darf den ermittelnden Inspektor spielen, was auch nie ein Fehler sein könnte, so sympathisch wie dieser Mensch noch in jeder Rolle wirkte, selbst dann wenn er, wie in „Der Greifer“, auch einmal den Fiesling spielen durfte.

„Der Frosch mit der Maske“ hat auf Seiten der Schauspieler, zumindest bei den männlichen Parts, somit so einiges zu bieten, und dies zusammen mit der Mabuse-ähnlichen Geschichte sorgt für einen Film, den man als Cineast ruhig einmal gesehen haben sollte, auch wenn das Werk aufgrund seiner biederen Ader eigentlich noch nicht von dem Ruhm zehren darf, den sich die Reihe erst im Laufe der Zeit erarbeitet und auch definitiv verdient hat. Aber gerade weil „Fellowship of the Frog“ (Alternativtitel) im Vergleich so anders ausgefallen ist, ist er ein interessanter Blick darauf, was aus solch einem klassischen Start gedeihen kann. Freilich besitzt der Streifen auch ohne die Vergleiche zu den Folgefilmen genügend Unterhaltungswert.  OFDb

12.03.2017

DER FÄLSCHER VON LONDON (1961)

„Der Fälscher von London“ ist ein solide erzählter, ohne großen Hokuspokus auskommender, Kriminalfilm, in welchem nur wenige der großen Stars der Rialto-Wallace-Reihe auftauchen. Begnügen muss man sich mit der stets taff agierenden Karin Dor, und für zwei kurze Momente schaut Eddi Arent um die Ecke, dessen wenige Auftritte leider nicht den Witz geschenkt bekommen, den er sonst zu versprühen vermag. Wenn man dabei zusehen darf wie gewitzt und charmant Siegfried Lowitz agiert, kann man nicht verstehen warum er für die Reihe nicht zur Standardbesetzung in der Kommissarenrolle wurde. Zumindest wurde dieser Fehler 16 Jahre später mit der TV-Serie „Der Alte“ wieder wett gemacht, spielt er dort doch ziemlich genau jenen Typ Mensch, den er auch hier verkörpern durfte - abgesehen von den zwielichtigen Momenten, denn auch die von Lowitz verkörperte Rolle soll lange Zeit ein möglicher Fälscher sein.

Wenn die Identität des Gerissenen am Ende aufgedeckt wird, macht man mittels einer toll inszenierten Fahrstuhlszene einen riesen Wirbel um den Unbekannten, dabei kann es zu diesem Zeitpunkt nach etlichen Toten nur noch eine Person sein. Das ist etwas schade aufgrund der eigentlich wirksamen Inszenierung, ist aber nur ein kleiner Wermutstropfen in einem an sich gut erzählten und zum Mitraten einladenden Kriminalfilm, der trotz der Thematik um Schizophenie, dem Spielort auf einem Schloss und eines im Fall herummanipulierenden Gesetzeshüters ziemlich unaufgeregt, ja geradezu bodenständig daher kommt. Einzig die Methoden, mit welchen die Verschwörer vorgehen, sind typisch fantastischer Wallace-Natur, bilden im Gesamtbild jedoch die schlichte Ausnahme.

Der stimmige Soundtrack von Martin Bötcher weiß das gelungene Gesamtbild zu unterstützen, schmiegt er sich doch sanft in die Ohren des Zuschauers, so schlicht und zurückhaltend wie die gesamte Inszenierung von Regisseur Harald Reinl ausgefallen ist. „The Forger of London“ (Alternativtitel) ist weder einer der schrilleren Wallace-Beiträge der Rialto-Serie, noch einer der großen Hingucker, aber Krimi-Fans wird er definitiv gefallen, ganz unabhängig davon welcher Reihe der Film eigentlich angehört. Zudem ist er stellenweise recht emotional ausgefallen und weiß damit zusätzlich durch seine ungewöhnlich eingefädelte Love Story zu fesseln. Nach „Der Fälscher von London“ wissen wir nun endlich, dass Geisteskrankheiten der Liebe manchmal auf die Sprünge helfen können.  OFDb

13.08.2016

DER HEXER (1964)

Als ich vor etwa 20 Jahren erstmals die Filme der Rialto-Wallace-Reihe sichtete, da behielt ich „Der Hexer“ als angenehm routinierten, aber keinesfalls hervorhebenswerten Beitrag der Serie in Erinnerung. Diese zweite deutsche Verfilmung eines des am meisten verfilmten Stoffe nach Edgar Wallace, entpuppte sich nun bei der Neusichtung als überraschend sehenswerter Beitrag, der nicht nur prächtig zu unterhalten weiß, sondern schon die Weichen für die Buntphase der Reihe stellt, die Alfred Vohrer später als Spielwiese für skurrile Einfälle nutzte und damit endgültig ein groteskes Alternativ-Edgar Wallace-Universum zu dem unseren schuf.

Bereits hier tobt sich Vohrer mit ungewöhnlichen Einfällen wie der Kameraaufnahme hinter der Wählscheibe eines Telefons, reißerischen Mordversuchen wie den Giftschlangen in den Manteltaschen der Ermittler und einer kleinen aber wirksamen Dosis mimischen, körperlichen und redseligem Klamauks und amouröser Anspielungen aus, so dass es ein wenig ironisch klingt dass „Der Hexer“ bis heute als der allgemein beliebteste Teil der Reihe gilt, wohingegen die meisten Zuschauer mit der Buntphase der Rialto-Wallace-Serie aufgrund ihrer Überspitzungen nichts anzufangen wissen.

In „Der Hexer“ bekommen zumindest die Freunde beider Seiten all das geboten was man sich von einem Wallace-Film der 60er Jahre wünscht. Somit bildet der Streifen eine sehr gleichgewogene Schnittstelle zwischen beiden Stilrichtungen und beschenkt den Stammzuschauer zudem damit bis auf Karin Dor und Klaus Kinski alle beliebten Gesichter der Reihe in einem Film zu vereinen, ein Star-Aufgebot welches durch die Spielfreude aller Anwesenden und der augenzwinkernden und flotten Umsetzung bereichert wird.

Higgins mag ein wenig tolpatschig und dümmlich wirken, erstaunlicher Weise hemmt dies die Wirkung des Streifens keineswegs, zumal Fuchsberger seine Stammrolle charmant zu verkörpern weiß und das Denken diesmal seinen vielen Mitermittlern überlässt. Diese sind nötig um darüber hinwegzutäuschen, dass sich „Der Hexer“ wieder einmal der Auflösung von „Der rote Kreis“ bedient, und damit der Zuschauer dies nicht voreilig errät lenkt die Rolle von Heinz Drache gekonnt von diesem Zustand ab.

Somit erzählt „Der Hexer“ nicht nur das was 30 Jahre zuvor „Der Hexer“ erzählte, auch wenn beide Verfilmungen sich eng an die Buchvorlage halten, sondern bereichert das bereits Bekannte durch einen metareflektierten Blick, durch durchdachte psychologische Methoden um mit dem Zuschauer zu spielen und durch seine ironische Distanz zum Ur-Stoff, was nicht verwundern braucht so out die Romane von Wallace zu Beginn der Rialto-Reihe galten und nur über ihren augenzwinkernden Umgang filmisch umgesetzt solche Erfolge feiern konnten. Mein liebster versteckter Meta-Verweis des hier besprochenen Kriminalfilms ist die Bekanntgabe der Vornamen von Inspektor Higgins, welche die selben sind, die auch Edgar Wallaces Sohn trug.

Ein best gelaunter Eddi Arent spielt so skurril komisch wie man ihn am liebsten sieht, Siegfried Schürenberg hat die Lacher auf seiner Seite, und die drei Ermittler sind sowohl in ihren Rollen als auch rein von den Schauspielern her solch sympathische Gestalten, dass dies zu einem guten Teil der angenehmen Chemie des Streifens beisteuert, der bereits ein Jahr später mit „Neues vom Hexer“ fortgesetzt wurde und das einzig direkte Sequel eines Vorgängerstoffes innerhalb der Rialto-Reihe bleiben sollte.  OFDb

14.07.2016

DER UNHEIMLICHE MÖNCH (1965)

„Der unheimliche Mönch“, der in den USA bereits 1938 verfilmt wurde, sollte, vom in Farbe gehaltenem Vorspann einmal abgesehen, der letzte Schwarz/Weiß-Beitrag der Rialto-Wallace-Reihe werden. Passend zu dieser überholten Methode des Bilderablichtens kommt auch die Inszenierung eines Stoffes noch veraltet daher, der Ähnlichkeiten zu dem zwei Jahre zuvor inszenierten „Der schwarze Abt“ besitzt und von Alfred Vohrer gerade einmal zwei Jahre nach seinem Erscheinen in Farbe als „Der Mönch mit der Peitsche“ neuverfilmt wurde.

Das musikalische Hauptthema von Wallace-Stamm-Komponist Peter Thomas kommt so flott daher wie der eigentliche Film, in romantischen Momente klingt die Musikuntermalung jedoch eher parodistisch als herzzerreißend. Und jegliche andere Musikuntermalung fällt durch seine viel zu reißerische Art so überholt aus, wie „Der unheimliche Mönch“ an sich, der sich im Vergleich zu dem ihm folgenden, wesentlich moderner ausgefallenem, „Der Bucklige von Soho“ wie ein Werk aus einer vergangenen Epoche guckt, so als habe man übersehen, dass das Kino sich weiterentwickelt habe.

Das liest sich zwar sehr negativ, ist aber etwas was ich Regisseur Harald Reinl niemals ankreiden würde, der als einer der Stamm-Regisseure mit „Der unheimliche Mönch“ ebenso Abschied von der Reihe nimmt wie es Karin Dor tut. In diesem letzten Beitrag der beiden bieten sie noch einmal all das wofür die Kinoserie so beliebt war. Dor ist die taffe, sich in Lebensgefahr befindende, junge Frau, der eine Menge Menschen im nebligen England nach dem Leben trachten. Ein maskierter Killer, diesmal ein Mönch, der seine Opfer mit einer Peitsche tötet, ist freilich auch wieder mit dabei, ebenso wie der humoristische Sidekick Eddi Arent, der in diesem Film so manchen Stammzuschauer mit einem düsteren Geheimnis überraschen sollte.

„The Sinister Monk“ (Alternativtitel) guckt sich so überholt wie sympathisch, kann dem vergleichbaren „Der schwarze Abt“ mit Leichtigkeit das Wasser reichen, schafft es auf der anderen Seite aber auch nicht zu den Höhepunkten der Reihe zu werden. Dafür bleibt die Ermittlerfigur Inspektor Bratt zu charakterlos, das Thema des Mädchenhandels wird zu verkrampft in die Geschichte eingefügt und erweist sich als völlig unnötiges Element, und der komplette Zusammenhang des Kriminalfalls muss aufgrund seiner zu konstruierten Art arg bemüht vom Inspektor zum Schluss erklärt werden, damit all das Erzählte irgendwie einen Sinn ergibt. Dafür muss u.a. ein unsinnig psychologisches Leiden als Motiv für die Taten herhalten. Aber da dies selbst dem guten alten Hitchcock in seinem Vorzeigewerk „Psycho“ passiert ist, kann man das einem der Trivialunterhaltung verpflichtendem Film, wie dem hier besprochenen Werk, wohl kaum vorwerfen.  OFDb

01.01.2016

DR. M SCHLÄGT ZU (1972)

1964 erlebte die Mabusereihe mit dem Streifen „Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse“ ihr Ende. Produzent Artur Brauner wollte sie in den 70er Jahren wieder aufleben lassen, schrieb hierfür höchst persönlich ein Skript, doch wie geplant kam das Projekt nie zustande. Stattdessen gelangte es irgendwann in die Hände von Viel- und Schundfilmer Jess Franco, der das Drehbuch ordentlich überarbeitete und dem Film somit seinen ganz eigenen Stempel aufdrückte, so wie er es auch in seinen Arbeiten von Vater und Sohn Wallace mit „Der Todesrächer von Soho“ und „Der Teufel kam aus Akasava“ getan hatte.

Der Name Mabuse ging indes flöten. „Dr. M schlägt zu“ ist damit so wenig offizieller Mabuse-Film wie die das gleiche Schicksal tragende deutsch-französische Co-Produktion „Dr. M“ aus dem Jahre 1990. Elemente innerhalb der Story lassen den erfahrenen Zuschauer bemerken dass das Projekt einst ein Mabuse-Film sein sollte, aber dass Francos Werk letztendlich nicht das geworden ist was geplant war ist am Ende ohnehin nicht von Belang, verloren die Mabuse-Filme der 60er Jahre doch von Film zu Film immer mehr an Qualität, und da ist es nicht so schlimm, dass der hier vorliegende Film so gar nicht in das Bild der alten Streifen passen will.

Stattdessen haben wir mit „Der Mann, der sich Mabuse nannte“ (Alternativtitel) einen herrlich verspielten Nonsensfilm vorliegen, der sich nicht wirklich ernst nimmt (und die Deutschvertonung den Streifen erst recht nicht), auch wenn er weit davon entfernt ist als Komödie konzipiert zu sein. So charmant stümperhaft die Art ist mit welcher Franco den Streifen auf die Schnelle abdreht ohne auf Anschlussfehler, einen Hauch von Logik oder eine wahre Geschichte zu achten, so bemüht ist er auf der anderen Seite dem sinnlosen Treiben möglichst viele Klischees aufzudrücken, die ihn zu einem kleinen Liebhaberstück machen.

Da gibt es eine Hypnosemaschine ebenso wie ein Monster, welches für die Gangster arbeitet. Ein Höschen wird zu einem wichtigen Hinweis, ein Leuchtturm dient den Schurken als Geheimversteck, die Szenen im Polizeipräsidium wirken wie aus einem Wildwest-Film entliehen, und immer wieder dürfen hübsche Damen ihre Reize spielen lassen, wobei eine dieser Szenen als ganz besonders interessant heraus ragt, wird doch die legendäre Verhörszene aus „Basic Instinct“ in diesem Franco bereits vorausgegriffen.

Die meist wenig talentierten Darsteller sind mit sichtbarer Freude dabei, improvisieren, baden verspielt in ihren Klischees, und Franco macht Nichtigkeiten zu Wichtigkeiten, zumindest innerhalb der jeweiligen Szene, durchgängig wichtig ist ohnehin nicht viel. Franco nimmt sich Zeit für augenzwinkernden Schabernack, und bis auf Siegfried Lowitz schien auch jeder zu verstehen wie der Film gemeint ist. Lowitz jedoch wirkt als müsse er notgedrungen mitspielen, was aber nicht weiter wild ist, da sein Part ohnehin sehr kurz ausgefallen ist. Da seine Lippenbewegung nie zu seiner eigenen Synchronstimme passte, was ganz schön nervte, war ich schließlich auch gar nicht böse drum dass er nur einen Gastauftritt absolvierte, obwohl der gute Mann zu meinen Lieblingsmimen deutscher Filmklassiker zählt.

Wie die Geschichte ihr Ende nimmt steht niemals zur Debatte, ist einfach scheiß egal. Zum Schluss findet Franco mit dem Tode der meisten Beteiligten einen schlichten Weg die „Geschichte“ zu einem Ende zu führen, freilich nicht ohne erneut verspielt in Klischees zu baden. Und bis es so weit ist darf man einem herrlich naiven und kurzweiligen Treiben beiwohnen, welches uns u.a. die stümperhafteste Verbrecherbande aller Zeiten präsentiert, eine Bande der sich der echte Mabuse längst endledigt hätte.

Dass Franco nicht viel Geld zur Verfügung stand, bemerkt man bereits daran, dass von der großen Verbrecherorganisation eines Mabuse-ähnlichen Anführers nur die handvoll schräger Gestalten übrig ist, welche die meiste Zeit unsinnige Pläne schmiedend in ihrem Leuchtturm festsitzt. Dass Franco auch noch das CIA hinzuzieht ist so unnötig und sinnlos wie typisch für den Film, ist er letzten Endes doch nur ein Mosaik aus vielen liebgewonnenen Kinoklischees, die uns so etwas wie eine Geschichte lediglich vorgaukeln sollen. Bei einem solch unterhaltsamen Ergebnis könnte ich Franco dafür auch niemals böse sein.  OFDb

19.12.2015

TAGEBUCH EINES FRAUENMÖRDERS (1969)

Was sich auf dem DVD-Cover wie ein Kriminalfilm liest entpuppt sich beim Sichten als entspannt inszeniertes Lustspiel, welches weniger Interesse an der Aufdeckung der Verbrechen seiner Täter hat, als viel mehr an der Entlarvung der Sensationsgier der Boulevardpresse. „Tagebuch eines Frauenmörders“ ist augenzwinkernd gedacht, dementsprechend lustig erzählt, immer wieder mit kleinen Seitenhiebe auf andere Themenbereiche versehen und trotz der Medienkritik nie moralisch ausgefallen. Inszeniert ist das ganze fast schon wie ein Theaterstück. Nur wenige Außenaufnahmen brechen das bewusst künstlich gespielte Treiben auf der Bühne auf, ein Stilmittel mit dem man sich anfreunden muss, um Gefallen an Helmut Käutners Satire zu haben.

„Tagebuch eines Frauenmörders“ fühlt sich nie echt an. Grundlage wie Storywendungen kommen höchst brachial daher, bauen auf der Naivität der Figuren auf, die nie zu echten Menschen werden, eingebettet in humoristische Übertreibungen. Das sind keine versehentlichen Fehler. Käutners Lustspiel ist so gedacht und erntet aus dieser Entfremdung seine Wirkung. Die Schauspieler sind gut aufgelegt, an keinem von ihnen gibt es etwas zu meckern, zumal jeder für seine Rolle gut besetzt ist. Und doch will „Tagebuch eines Frauenmörders“ nicht vollends überzeugen, ist er in seiner Aussage doch zu aufdringlich. Eine subtilere Annäherung an das Thema wäre dem Werk besser bekommen als seine Holzhammer-Methode, mit der er die Protagonisten ins Feuer laufen lässt.

Sie ist etwas zu extrem ausgefallen, die Bereitschaft für eine Story ohne jegliches Mitleid für zukünftige Opfer das Gesetz zu brechen. Ebenso häufen sich die Zufälle gegen Ende zu sehr, um eine Pointe zu bieten, die von einem Unterschied lebt, der keiner ist. Auch die Bereitschaft Böhms morden zu wollen, allein aus dem Grund Aufmerksamkeit zu erhaschen, wirkt zu sehr aus dem Nichts gegriffen, auch wenn gerade dieser Punkt noch von der lockeren Grundstimmung aufgefangen werden kann.

Erwartet man weder Richtung Spannungsaufbau noch von der Wirksamkeit der Medienkritik all zu viel weiß „Tagebuch eines Frauenmörders“ als Trivialverzehr für zwischendurch zu gefallen. Siegfried Lowitz trägt mit seinem Mix aus professionellem und absichtlich die Fernsehwand durchbrechendem kalauerndem Spiel das etwas wackelig ausgefallene Werk, während Helmut Qualtiner mit seiner passiven, starren Art genau das an Böhm herauszukitzeln vermag, was diesen Typ Täter ausmacht, ein Pluspunkt der zu einem der wenigen Zutaten zählt, in welchen das Stück psychologisch richtig angegangen wurde.

Für TV-Nostalgiker ist das Sichten dieses Fernsehspiels sicherlich kein Fehler, schaut es sich doch mit Blick von heute so fremd, eben weil solch etwas Unverkrampftes in der heutigen TV-Landschaft gar nicht mehr denkbar wäre. Zu bemüht ist heutzutage alles auf ernst und professionell getrimmt und wenn nicht dann gleich auf komplett trivial und dilettantisch. „Tagebuch eines Frauenmörders“ guckt sich heute so fremd wie er für sein Medium inszeniert ist und ist damit ein interessantes Stück Vergangenes, das zwar nicht einzig von seinem Nostalgie-Faktor lebt, aber zumindest ein gutes Stück davon.  OFDb

15.11.2015

DER GREIFER (1958)

Trotz deutlicher Parallelen zu Fritz Langs „M“ und den im selben Jahr von „Der Greifer“ erschienenen „Es geschah am hellichten Tag“ interessiert sich der Film von Eugen York nur zweitrangig für den zentralen Kriminalfall. Es macht Sinn dass der Ermittler im Titel steht, denn die zwischenmenschliche Tragikomik des Hauptkommissars ist das Hauptaugenmerk des Streifens. Deswegen dauert es auch einige Zeit bis tatsächlich vor den Augen des Zuschauers Ermittlungen angegangen werden. Stattdessen dürfen wir zunächst dabei zusehen wie der alte Mann mit Ganoven feiert, ein Lied wird gesungen, und mit dieser Szene bricht der zuvor gesetzte biedere Blick auf die strenge Trennung Gut und Böse und das charakterlose Gesicht der Pflicht-bewussten Gesetzeshüter, die lediglich dafür gedacht war das starre Denken der Polizei zu kritisieren. Das nenne ich doch mal einen raffinierten Kniff, den ich einem 50er Jahre-Film mit Hans Albers nie zugetraut hätte.

So bieder „The Copper“ (Alternativtitel) aufgrund seiner Zeit manches Mal auch wirken mag, er ist ein moderner Film, frei von Vorurteilen und Klischees. Er gibt das Leben wieder wie es ist, und wirkt damit gerade in heutigen Zeiten, in denen man manche Wahrheit nur hinter vorgehaltener Hand zu äußern wagt, mutig und frisch. Zudem zeigt uns dieses Werk, dass sich die Zeiten letztendlich doch nie wirklich geändert haben. Die Angst vor Arbeitslosigkeit im Alter ist nur eines der Themen, die aktuell wie eh und je scheinen in einem Film, der immerhin fast 60 Jahre auf dem Buckel hat.

York schafft es Witz, Spannung und Dramatik gekonnt unter einen Hut zu bringen in einem Film, der sich viel Zeit und Ruhe für die Charaktere gönnt, in seinen harten Moment andererseits jedoch eine Extreme aufweist, die sogar schon manche Provokation des erst viel später erscheinenden „Dirty Harry“ bereit hält. Wenn der gesuchte Frauenmörder zum Lebensretter eines kleinen Kindes wird, dann darf man sich aufgewühlt und verwirrt fühlen, dann zeigt „Der Greifer“ wie vielschichtig das Leben ist und dass es voller Widersprüche steckt. Wenn aus dem Lebensretter eines Kindes ein Amokläufer wird, der viele Kinderleben in Gefahr bringt, wird das Bild wieder herumgeworfen, jedoch nicht damit der Zuschauer beruhigt in sein altes Weltbild zurück fallen kann, sondern um ihn erneut aufzuwühlen und zu verwirren. Es gibt nichts einfaches im Leben. Das Leben ist komplex. Und diese Wahrheit geht in Zeiten schlichtem politisch korrekten Denkens immer mehr verloren, was solche Werke wie „Der Greifer“ um so wertvoller macht.

Neben einem in der Titelrolle sympathisch agierenden Hans Albers (der trotz Sympathiefigur auch manch unangenehme Charaktereigenschaft zugeschrieben bekommen hat) agiert eine Vielzahl talentierter und liebenswerter Mimen, welche den Sehwert des Streifens zu unterstreichen wissen. Hervorgehoben sei ein fast 20 Jahre vor seiner Paraderolle in „Der Alte“ mitwirkender Siegfried Lowitz, der den hinterhältigen, da Karriere-geilen, Kollegen und Nachfolger Dennerts spielen darf. Und Horst Frank brilliert in der Rolle des Hauptverdächtigen und spielt in seinen besten Momenten so kühl, dass es einem kalt den Rücken herunter läuft.

Überraschend darf die Tätermotivation betreffend schon zu dieser Entstehungszeit psychologische Tiefe aufblitzen, wobei der Autor zu trennen weiß zwischen unausgesprochener Wahrheit und der versimpelten ausgesprochenen Version aus dem Munde des Täters. In diesen alten Zeiten, in denen der Zuschauer noch für mündig gehalten wurde, verzichtet man auf die weitere, korrektere Erklärung, traut man dem Zuschauer doch ein Mitdenken zu. Auch diesbezüglich guckt sich „Der Greifer“ widersprüchlich scheinend überholt modern. Lediglich mancher Kitschmoment kann sich dieses Etikett nicht anheften, aber genau diese Szenen sorgen dafür, dass der sich sonst so modern guckende „Der Greifer“ sich trotzdem eines Retro-Charmes erfreuen darf.  OFDb

29.04.2015

DER ALTE - DIE DIENSTREISE (1977)

„Der Alte“ erschien auf der Bildfläche nachdem „Der Kommissar“ von selbiger verschwand. Damit wurden die Fälle des von Siegfried Lowitz verkörperten Köster zur Konkurrenz für die Krimi-Serie „Derrick“, welche „Der Kommissar“ den Gehilfen Harry Klein abwarb. Trotz des Greisen in der Titelrolle gibt sich „Der Alte“ in seinem Vorspann, der Titelmusik von Peter Thomas und der Extreme in welcher Köster ungewöhnliche Ermittlungswege geht, die gerne auch einmal den Bereich des Illegalen streifen können, moderner als die ohnehin schon moderne Serie mit Horst Tappert. Den auf Spielfilmlänge gedrehten Piloten kann man mitsamt seiner Geschichte als eigenständiges Werk sehen, welches so auch die Geschichte eines Kinofilmes hätte sein können.

Dass ich mich so kurz nach meinen ersten 15 Folgen „Derrick“ der zwei Jahre später gefolgten Serie mit Lowitz zugewendet habe, liegt an meiner „Derrick"-Lieblingsfolge „Stiftungsfest“, in welcher Lowitz schauspielerisch derart zu beeindrucken wusste, dass ich ihn unbedingt als Kommissar erleben wollte. Was nutzten mir schon meine ollen Kindheitserinnerungen, die nur ein grobes, vernebeltes Bild ergaben? Eine Neusichtung musste her, und da hat mich der Pilotfilm in seiner völlig anderen und ungewöhnlichen Art schon sehr überrascht.

Bereits der ironische Titel „Die Dienstreise“ verweist auf einen anderen Ton der hier herrschen soll. Den klassisch zu lösenden Mordfall gibt es hier nicht. Hier gibt es nur einen erfahrenen Polizisten, der sich freiwillig als Geisel für einen Bankräuber hergibt, insgeheim aber eigene Pläne verfolgt, während der Kriminelle glaubt die Fäden in der Hand zu halten. Wohin das Ganze wirklich laufen soll ist dem Zuschauer zunächst ebenfalls unklar, aber freilich wird er in einige Hintergründe mit eingeweiht, von denen der Bankräuber keine Ahnung hat.

In dieser Zwischenposition kann der Zuschauer sowohl die vom Drehbuch so großartig herausgearbeiteten Kniffe genießen, mit welchen Köster es schafft den Geiselnehmer im Glauben zu lassen alles laufe wie er es will, gleichzeitig mangelt es nicht an Überraschungen, ebenfalls von Kösters Seite aus, denn der aalglatte sich an Regeln haltende Kommissar ist der gute Mann nicht. Zumindest in der Erstausstrahlung dürfte das was Köster zum letzten Drittel hin treibt den Zuschauer sehr überrumpelt haben.

Zumindest erklärt dieser Wechsel der Tatsachen zuvor eingebaute Szenen über andere Gangster und Bekannte derer, von denen man zunächst nicht wusste wofür sie gut sein sollen. Zwischendurch eingestreut machten sie immer wieder deutlich, dass „Die Dienstreise“ kein Road Movie bleiben würde, glücklicher Weise aber ohne zu signalisieren wohin das Ganze führen soll. U.a. deswegen bleibt diese ungewöhnliche Kriminalgeschichte bis zum Schluss interessant, auch wenn sie in manchen Momenten an Tempo verliert.

Schauspielerisch stehen sich Lowitz als Kriminalist und Hans Brenner als Bankräuber in nichts nach. Und mag er auch erst spät so richtig in Erscheinung treten, auch Wolfgang Reichmann weiß seinen Part als gnadenloser Fiesling hervorragend auszufüllen. Einzig der Gehilfe Kösters bleibt in der ersten Geschichte noch sehr blass, noch blasser als Harry Klein in „Derrick", aber zumindest weiß es zu belustigen wie pampig Köster mit ihm umgeht. Diesen Drahtseilakt schafft auch nur Lowitz sich derart wie ein Arsch aufzuführen und trotzdem sympathisch zu wirken.

Ich weiß noch nicht wohin mich die Serie weiter führen wird. Neugierig bin ich nach diesem Start nun definitiv. Normalerweise hätte ich wie bei „Derrick“ das Ende der Box abgewartet bevor ich etwas schreibe, wenn ich das denn überhaupt nach kompletter Sichtung tun werde, aber die ungewöhnliche Art des Piloten, in seiner völlig eigenständigen Erscheinung, hat mich dann doch dazu getrieben die Start-Folge gesondert zu besprechen. Zu gefallen weiß sie, auch wenn es ein klein wenig gedauert hat bis der Funke bei mir übergesprungen ist.  OFDb

18.04.2015

DERRICK 1 - 15 (1974)

Neben des interessant, da experimentell handelnd, gehaltenen Charakters Derricks zeichnet sich die frühe Phase der Serie (anbei die einzige über die ich zur Zeit überhaupt nur berichten kann) durch mutige Drehbücher aus, die bemüht sind stets andere Ansätze, Grundlagen und Schwerpunkte zu setzen. Keine Folge ist wie die andere, so dass selbst Episoden, denen ich weniger positiv gegenüber stehe, Respekt verdienen aufgrund der Bemühung neue Bereiche auszuleuchten wie das Aufdecken eines Mordes zu bewerkstelligen ist, bzw. um zu zeigen was in einem Mörder und dessen Umfeld aufgrund der Tat vorgehen kann. Denn Aufgrund des Luxus für eine Folge fast eine ganze Stunde Zeit zu besitzen, kann sich Autor Herbert Reinecker, der bis zum Serienende 1998 für alle 281 Episoden das Drehbuch schrieb, intensiv in die einzelnen Charaktere hineinversetzen, und dies mit einem solch psychologischen Feingefühl, dass man intelektuell geradezu gekitzelt wird.

Episode 1: Waldweg
Dass man mit dieser eher Thriller-artigen Episode begonnen hat, anstatt den zuerst abgedrehten und erst als vierte Folge ausgestrahlten „Mitternachtsbus“ zu senden, erklärt sich neben der prominenten Besetzung mit Wolfgang Kieling vielleicht auch aufgrund dessen, dass die Geschehnisse im Mädcheninternat ein wenig an die späteren Edgar Wallace-Filme erinnern, eine Reihe die zum Zeitpunkt der Pilotfolge von „Derrick“ zwar schon eingestellt war, deren Echo aber sicher immer noch in den Köpfen des Zuschauers vorhanden war. Ein düsterer, nebliger Tatort, zwielichtige Personen (was atmosphärisch wirkt, obwohl man ja, wie in den meisten Folgen, direkt erfährt wer der Mörder ist) und ein unheimlicher Triebtäter sorgen für eine geradezu schmuddelige Atmosphäre, unterstrichen durch die fiese Idee dass die Mutter des Mörders die Taten ihres Sohnes vom Nebenzimmer aus stets mit anhören musste. Auch der eiskalte Eingangsmord unterstreicht die Düsternis der ersten Folge und fiel gar derart hart aus, dass er in Deutschland nach der Erstausstrahlung nur noch gekürzt gezeigt wurde - auch auf DVD - während Länder wie Frankreich Wiederholungen immer in der ungekürzten Fassung zeigen. Mag der Weg zum Ziel auch nicht so gewitzt und schwierig ausfallen wie in späteren Fällen, „Waldweg“ ist ein großartiger Einstieg in die Serie und zeigt bereits wie ungewöhnlich Derrick bei seiner Arbeit vorgeht. Der Monolog eines in Verdacht stehenden Lehrers zeigt uns mit Blick von heute, wie viel unfreier wir in dem geworden sind was wir reden dürfen und was es für ein Luxus war eine aneckende Persönlichkeit besitzen zu dürfen, die sich erst dann rechtfertigen muss, wenn eine extreme Situation wie die hier vorliegende es nicht anders zulässt.

Episode 2: Johanna
Folge 2 ist wie ein Blick in die spätere Phase der ersten 15 Folgen, besitzt sie doch nicht die intensive Atmosphäre der besseren Episoden, wirkt der Weg zum Ziel, auch wenn er wieder einmal Derrick-typisch verspielt und heimtückisch daher kommt, doch aufgrund dessen was der Lockvogel seelisch durchleben muss unglaubwürdig und konstruiert. Das viel zu plötzliche Geständnis ist wahrscheinlich dem Zeitgeist geschult, geschieht es in der Serie doch des öfteren dass Täter relativ schnell schwach werden und gestehen, und so menschlich glaubwürdig das eigentlich auch ist, gerade bei solch wenig gefestigten Persönlichkeiten wie dem Mörder in „Johanna“, es entlässt den Zuschauer eher unbefriedigt, hatte man sich doch mehr erhofft. Immerhin schwächelt „Johanna“ erst im letzten Drittel und bietet bis dahin eine sympathische Episode, die aufgrund des etwas mangelnden Einfühlens in den absichtlich unsympathischen Täter emotional nie so tief geht wie die Höhepunkte der Reihe. Angenehm routiniert zu unterhalten weiß das Ganze dennoch. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Episode 3: Stiftungsfest
„Stiftungsfest“ ist meiner Meinung nach die beste der ersten 15 Folgen, und es fällt mir schwer mir vorzustellen dass irgendwann eine Episode daher kommt, die besser ausfallen soll als diese. Die sehr empathisch erzählte Geschichte besitzt das Kaliber eines Kinofilms, ist sehr dramatisch erzählt und mit dem so großartig agierenden Siegfried Lowitz, der ab 1978 die Hauptrolle in der Konkurrenz-Reihe „Der Alte“ spielte, perfekt besetzt. Der Zuschauer ist mittendrin in der Ratlosigkeit der Ermittler und dem Seelenleben eines Täters, der auch Opfer ist. Die Ermittlungen werden detailgenau vorgetragen. Man erlebt jenen zufälligen Moment mit, der zur Täteraufdeckung führt, nachdem Derrick auf eher verzweifelte Art verschiedene Methoden antestet, von denen sein Kollege Harry nicht sonderlich überzeugt ist. Autor Reinecker versteht es so genial wie niemals wieder die psychologische Entwicklung des Täters aufzuzeigen, die am Höhepunkt angekommen Derrick dazu veranlasst Worte auszusprechen, welche die Situation auf den Punkt bringt, zumindest zu damaligen Zeiten als Anstand, Würde, Ehrgefühl und sozialer Umgang miteinander noch eine Bedeutung in der Gesellschaft hatten und nicht nur durch hohle Phrasen vorgetäuscht wurden. „Stiftungsfest“ ist ein emotionales und intelligent erzähltes Erlebnis für den aufmerksamen und geistreichen Zuschauer-Typ, der die stillen Momente und nebensächlich scheinenden Aspekte zu genießen weiß. Diese Episode ist ein Liebhaberstück wie keine andere.

Episode 4: Mitternachtsbus
„Mitternachtsbus“ lebt davon, dass sich ein Manipulierer in die Ermittlungen einmischt, ein Mensch der selber nicht der Täter ist, den Mörder aber aus persönlichen Gründen beschützen will. Wie so oft in den ersten 15 Folgen, so hält sich auch hier der Mörder für klüger als er ist, scheitert aber nicht wie zwei Folgen später an unüberlegten Handlungen, sondern am mangelnden Feingefühl psychologisch clever vorzugehen. Derricks Alarmglocken läuten sehr früh, wenn ihm immer wieder fieser Weise ein geistig Zurückgebliebener als Täter serviert wird. Damit ist Derrick in seinem Element, fühlt sich herausgefordert und geht wieder einmal ungewöhnliche Wege um ans Ziel zu kommen. In der Charakterzeichnung spielt „Mitternachtsbus“ psychologisch gesehen wieder an vorderster Front mit, unterstützt durch Schauspieler die so echt in ihren Rollen wirken, dass einem echt anders werden kann. Der Alkoholiker und sein Sohn sorgen für den dramatischen Part der Geschichte, deren Schwächen eiskalt ausgenutzt werden von einem asozialen Selfmade-Man, der die kleine Macht die er im Dorf besitzt nutzt um seinem Sohn das Gefängnis zu ersparen.

Episode 5: Tod am Bahngleis
Noch einmal bekommen wir es mit einem Triebtäter zu tun, der diesmal jedoch nicht eiskalt planend vorgeht wie jener in „Waldweg“, sondern der eher auf kindlische Art geistig stehengeblieben ist. Um Gefallen an „Tod am Bahngleis“ zu finden, muss man etwas mit der Figur des Täters anfangen können, die schwer zu greifen ist. Versteht man sie aber genießt man sie auch, verschafft sich Reinecker doch viel Zeit sie ausleuchten zu können, indem der Täter immer wieder unerkannt agieren kann, da die Polizei trotz diverser Hinweise völlig im Dunkeln tappt. Auch hier mag der Schluss etwas holprig inszeniert sein, zumal er aufgrund dessen was am Schluss erzählt wird düsterer hätte umgesetzt werden können, aber der Blick in eine nicht verstandene Seele macht alles wieder wett, kombiniert mit der wundervollen Idee, dass ein Mann, der einem Außenseiter eine Chance geben will, gar nicht mitbekommt dass er einem Mörder seine Tochter auf dem Silbertablett serviert. Eine teuflisch fiese Idee!

Folge 6: Nur Aufregung für Rohn
Jede Folge Derrick ist anders. Aber „Nur Aufregung für Rohn“ sticht noch einmal ganz besonders als ungewöhnlich hervor, ist sie doch derart absichtlich augenzwinkernd erzählt, dass man dies selbst im Titel deutlich macht. Mit unterschwelliger Komik wird ein Duell gezeigt zwischen den logisch denkenden Ermittlern und eines Mannes, der sich für irre logisch denkend hält, aber einen Fehler nach dem anderen begeht. Besonders lustig ist es zu beobachten wie das Selbstbewusstsein des Mörders immer steht und fällt, je nach Stand der Ermittlungen die stets Aufs und Abs erfahren, und damit um ein weiteres gezeigt wird, wie erbärmlich und rückgratlos eigentlich der Charakter des Studenten ist, der sich nicht einmal zu schade ist einem Kommilitonen gegenüber die Frage zu äußern, ob dieser ihn für ungewöhnlich intelligent hält. Es bereitet dem Zuschauer eine große Freude Horst Tappert bei seinem Spiel als Derrick zuzusehen, wie er sarkastisch grinsend und in ihm den Spieltrieb geweckt Rohn in die Mangel nimmt, der geradezu offensichtlich der Täter ist. „Nur Aufregung für Rohn“ kann man als einen der Höhepunkte der ersten 15 Folgen bezeichnen, macht bei einer Zweitsichtung sogar noch mehr Spaß als bei der ersten, da man bei der Wiederholung von Anfang an begreift was die Folge eigentlich will.

Folge 7: Madeira
Ich wusste dass Curd Jürgens ein talentierter Mensch war, aber dass er so genial schauspielern konnte, so genial sogar dass er alle anderen Mitwirkenden der ersten 15 Folgen überschattet, hätte ich nie gedacht. „Madeira“ gehört zu den wenigen Folgen, in denen es um einen eiskalten berechnenden Killer geht, der im Gegensatz zu Folge 1 und 5 nicht einmal in irgend einer Form geistig abgedriftet ist, sondern stattdessen einen eiskalten Intellekt besitzt und damit auch zur fiestesten Art Mörder wird die es wohl gibt. Seine Opfer sind ältere, einsame Damen, denen er ein wundervolles gemeinsames Leben auf Madeira verspricht, um an ihre Ersparnisse zu kommen, bevor er sie schließlich vergiftet. Die hervorragend umgesetzte und sehr ausführliche Eingangsszene mündet in einer Mordsequenz, die so intensiv zu wirken weiß, dass einem wahrlich anders wird. Der optimistisch fröhliche Blick des Opfers, der sich plötzlich verändert, für einen kurzen Moment die Wahrheit begreifend wenn sie nach ersten Anzeichen der Vergiftung in die kalten Augen des Mörders schaut, um daraufhin einen Todeskampf in ihrem Körper zu durchleben bis sie schließlich tot ist. Kein geistig gesunder Mensch ist in den bisherigen Folgen „Derrick“ so eiskalt vorgegangen wie der alte Mann, dem ein Hund zum Verhängnis seiner Pläne werden soll. Jürgens weiß es jede Facette seiner Rolle gekonnt zu verkörpern. Der verspielte, freundliche Blick wenn er sich Derrick gegenüber als Freund des Hundes ausgibt, nur kurz nach dem völlig entsetzten Blick, als der ihm bekannte Köter ihn am Tisch eines Cafés wiedererkennt und belästigt - Jürgens Spiel ist eine Wucht, und man genießt jegliche Szene in der er auftaucht. Einzig seine Nichte ist charakterlich eine Spur zu naiv gezeichnet, bis es schließlich nicht mehr glaubwürdig ist bei solch erdrückender Indizienlage an die Unschuld des eigenen Onkels zu glauben. Von diesem Schwachpunkt einmal abgesehen zählt aber auch „Madeira“ zu den Höhepunkten der frühen Phase der Serie und zeigt auf ein Neues auf völlig andere Art das geradezu verspielte Duell zwischen Täter und Ermittler.

Folge 8: Zeichen der Gewalt
Mit „Zeichen der Gewalt“ wollte Reinecker mal nicht in die Psyche eines Killers blicken, sondern die Aufklärung eines Mordes aus der Sicht des kompletten Polizeiapparats demonstrieren. Leider klingt der Ansatz interessanter als er ist. Eher lustlos darf der Zuschauer dabei zusehen was für eine Arbeit ein Mord für die Mordkommission bedeutet. Dabei werden dramatische Aspekte vernachlässigt, wenn auch absichtlich, und Charaktere nicht genügend vertieft. „Zeichen der Gewalt“ ist technisch professionell umgesetzt und durchaus durchdacht erzählt, ihm fehlt aber die Seele und der Charme anderer „Derrick"-Episoden, macht aufgrund der fehlenden Verspieltheit Derricks sogar den Ermittler austauschbar, so dass diese Folge die Episode einer x-beliebigen Krimireihe hätte sein können und damit weit unter dem Niveau der bis dahin gesendeten „Derrick"-Teile liegt.

Folge 9: Paddenberg
Das Verspielte eines Derricks möchte Reinecker diesmal auf die Frau des Ermordeten projezieren, die von ihrer Phantasie beflügelt fasziniert vom Mörder ihres Mannes ist. Im Gegensatz zu Derrick verfolgt sie damit kein spezielles Ziel, spielt eher intuitiv mit ihrem Täterwissen, während der fast wehrlose Mörder irritiert ist was die Mitwissende eigentlich von ihm will. Liegt eine Erpressung vor? Geht es um Rache? Der Mörder fragt sich etwas, das die Witwe selbst nicht beantworten könnte. Das klingt nach einer interessanten Ausgangslage, schließt aber so verworren und leer wie es beginnt. Eine Antwort gibt es am Ende nicht. Und da dies dem Zuschauer im Laufe der Episode immer bewusster wird, verliert der auch mit der Zeit das Interesse an den ollen Psychospielchen der Gattin des Ermordeten. Immerhin weiß die Rolle des Derrick der Episode etwas mehr Tiefgang zu bescheren, ist dieser während seiner Ermittlungen doch immer faszinierter und angenehm überraschter, je mehr er über den Charakter des Ermordeten erfährt. Er sympathisiert geradezu mit ihm, während der Gattin all das an ihm missfiel was Derrick an dem Mann so bewundert.

Episode 10: Hoffmanns Höllenfahrt
„Hoffmans Höllenfahrt“ gehört von jenen Episoden, die uns tief in die Erlebnisse des Täters blicken lassen, zu den schwächesten. Nicht nur dass Reinecker trotz seiner ansonsten so großen Bemühungen jede Folge möglichst anders zu gestalten, schon wieder die selbe Todesart vorsetzt wie in der Folge „Stiftungsfest“ (was aufgrund der Art der Tat schon arg zufällig ist), auch dieser Mord passiert wieder versehentlich so wie dort, so dass diese zu deutlichen Parallelen zunächst einmal ernüchtern. Erhoffte ich mir zumindest aufgrund der Anwesenheit von Klaus Löwitsch in der zentralen Rolle eine gute Folge, so musste ich feststellen, dass dieser keineswegs so überzeugend wie sonst agiert. Würde ich nicht Werke wie „Welt am Draht“ oder „Was tun wenn‘s brennt“ kennen, ich hätte ihn für ein austauschbares Allerweltsgesicht gehalten. Aber auch der Kriminalfall selbst bietet wenig Potential. Er ist zu bemüht erzählt, erhält aber nie die psychologische Griffigkeit und Glaubwürdigkeit vergleichbarer früherer Episoden. Hoffmann begeht Fehler die nicht nachvollziehbar sind. Und obwohl er stets im Mittelpunkt steht, lernen wir ihn nie richtig kennen. Erklärungsversuche Reineckers sind nicht wirklich überzeugend, und der viel zu plötzliche Schluss erscheint einem wie eine Notlösung, so als habe man selber nicht gewusst worauf man diesmal eigentlich hinaus wollte. Eine schwache Episode, wenn auch mit manch interessanter Idee versehen!

Folge 11: Pfandhaus
In "Pfandhaus" stößt Derrick wieder einmal auf einen Täter der gleichzeitig auch Opfer ist, dies jedoch nicht wie sonst durch unglückliche Umstände, sondern aufgrund eines Fehlers in seiner eiskalten Tat. Der Täter, der aufgrund von Erpressung für den Rest der Folge in eine Opferrolle gedrängt wird, ist ein unmoralischer Mensch, der in einer ethisch so zurechtgerückten eigenen Welt lebt, dass er von sich und seiner Art zu leben absolut überzeugt ist. Eigentlich erzählt „Pfandhaus“ eine recht interessante Geschichte. Nur leider ist das Spiel und die Charakterisierung des Erpressers aufgrund diverser Übertreibungen nicht sonderlich überzeugend, sondern wirkt viel zu überzogen um sein Treiben als Zuschauer für 60 Minuten als wahrhaftig akzeptieren zu können. Würde nicht das Spiel des Pfandhausbesitzers so gekonnt dagegen steuern, hätte auch „Pfandhaus“ zu den enttäuschenden Folgen der frühen Phase gehören können. Nun kann er sich keineswegs mit der Qualität der ersten sieben Folgen messen, als unterhaltsamer Kriminalfall für zwischendurch geht er jedoch in Ordnung.

Folge 12: Ein Koffer aus Salzburg
Ähnlich wie bei „Zeichen der Gewalt“ interessiert sich Reinecker in dieser Episode für den kompletten Polizeiapparat hinter den Ermittlungen. Er zeigt uns Derrick als Teil des Gesamten, aber auch in seiner führenden Rolle dort. Erweitert wird der ursprüngliche Gedanke durch die Ergänzung von Interpol, führt die Spur des Mordes doch in die Schweiz. Zudem geht Reinecker andere Wege indem er den Zeitraum der Ermittlungen über mehrere Monate ansiedelt und den Mord in Kombination zu den Taten eines Drogenkartells stellt. Somit ist auch das Drogendezernat am Mordfall beteiligt, und dass die Episode sich nicht so leer anfühlt wie die Vergleichsfolge liegt an den unterschiedlichen Gimmicks die sie dem Zuschauer serviert. Da gibt es eine rätselhafte Methode mit der Drogen geschmuggelt werden und deren Auflösung wir erst am Ende der Folge beiwohnen dürfen. Da gibt es menschliche Schicksale wie jenes des Sohnes der Verstorbenen, der nicht versteht warum der Mörder seiner Mutter nicht umgehend festgenommen wird. Und da gibt es wie so oft Derricks Spiel mit dem Täter. Wieder einmal will er ihn im Glauben lassen die Polizei hätte ihn nicht in Verdacht. Und dass dies so bleibt ist in manchen Momenten ein spannungsgeladener Drahtseilakt. So viel besser „Ein Koffer aus Salzburg“ auch gegenüber der Vergleichsepisode ausgefallen ist, sympathischer sind mir eher die klassischen Mordfälle. Mir bringt es nicht viel gezeigt zu bekommen wie genau und wie toll das Zusammenspiel der einzelnen Polizeibereiche funktioniert, wird doch der dramatische Aspekt, der die Serie „Derrick“ so besonders macht, damit an den Rand gedrückt. Stellt man sich aber auf eine völlig andere Episode ein, weiß sie durchaus zu gefallen. Lediglich der Schluss ist etwas arg plump in Szene gesetzt und wirkt fast schon wie ein Werbespot der Polizei.

Folge 13: Kamillas junger Freund
Wieder einmal dürfen wir nicht in das Seelenleben des Mörders blicken. Wieder einmal wird er uns lediglich als kalter, fast schon anonymer Täter gezeigt. Der Pluspunkt ehemaliger Folgen wird ignoriert. Aber das macht nichts, denn dafür lernen wir diesmal die Opfer besser kennen. Und eines von diesen lernen wir ungewohnter Weise sogar erst während der Ermittlungen kennen und nicht schon wie sonst während der Vorgerschichte. „Kamillas junger Freund“ mag nicht zu den Highlights der Reihe zählen, aber er orientiert sich endlich wieder an dem was die Serie eingangs so auszeichnete. Wir sind wieder mittendrin in den gedanklichen Ermittlungen Derricks. Wir bekommen ein Opfer präsentiert, dass aus einer nachvollziehbaren Dramatik heraus, nämlich aus Scham, Wissen zurückhält. Und ist dieses Wissen erst einmal offen gelegt, dürfen wir Derrick wieder bei seiner verspielten Art zuschauen, wie er wen offensichtlich Verdächtiges doch noch zu einer Aussage bewegt. „Kamillas junger Freund“ wechselt stets die Schwerpunkte und die Figuren die im Zentrum stehen und wirkt dadurch ein wenig episodenhaft inszeniert. Dank einer interessanten Geschichte und ungewöhnlicher Charaktere stört dies jedoch keinesfalls. Im Gegenteil, damit sorgt Reinecker für Abwechslung. Und Regisseur Alfred Vohrer weiß diese Episode so schwungvoll wie man es von ihm gewohnt ist umzusetzen.

Episode 14: Der Tag nach dem Mord
Wie schon in „Mitternachtsbus“, so manipuliert auch hier der Vater des Mörders die Ermittlungen, um seinen Sohn zu schützen. Dass „Der Tag nach dem Mord“ sich jedoch keineswegs wie ein Ableger dieser Folge guckt, verdankt er den kleinen aber feinen Unterschieden. So ist der aus dem Affekt handelnde Mörder diesmal Opfer, eigentlich zum Geständnis bereit, vom Vater jedoch aufgehalten und gelenkt. Dieser hält sich aufgrund seines Berufes im Versicherungsbereich für unglaublich raffiniert, begeht aber einen Fehler nach dem nächsten. Und da es sich zudem um einen recht unsympathischen, jähzornigen Menschen handelt, geht er Derrick noch bevor dieser ihn in Verdacht hat zu lügen gewaltig gegen den Strich. Der Kern der Folge, der den aufmerksamen Zuschauer immer wieder anweht, wird mit einem Schluss-Satz Derricks noch einmal zusammengefasst und bringt damit das Geschehen, dem wir beiwohnen durften, auf den Punkt. Mag der seltene Spielortwechsel und der Ansatz dass die Charaktere häufig streiten der Folge an mancher Stelle auch die Wirkung einer plumpen Soap bescheren, die Geschichte weiß zu überzeugen und die Schauspieler ebenso.

Episode 15: Alarm auf Revier 12
Diesmal arbeitet die Mordkommission mit dem Dezernat für Einbruchsdelikte zusammen, und im Zentrum der Ermittlungen steht ein Mann aus Derricks Vergangenheit, ein Mann dem Derrick den Mord den er einst verübte nicht nachweisen konnte. Nun bekommt er seine zweite Chance und das Psycho-Duell zwischen den beiden ist eröffnet. Mit Gert Haucke hatte man dann auch einen Schauspieler am Start, der gekonnt das übertriebene Ekel zu verkörpern wusste und das beste ist was dieser Folge geschehen konnte. Er verkörpert seine Rolle mit so viel Energie, dass es eine Freude ist den Kerl zu hassen. Aus Derricks Sicht wird er klüger dargestellt als er auf den Zuschauer wirkt, aber das könnte man auch als menschlichen Aspekt sehen. Vielleicht benötigt Derrick diesen Irrtum um akzeptieren zu können, dass der gute Mann ihm durch die Lappen gegangen ist. Mehr denn je überführt Derrick den Mörder auf ungewöhnliche Art. Diesmal sitzt man als Zuschauer rätselnd daneben was der gute Oberinspektor wohl damit bezweckt, wenn er Ross nach Feierabend auf einen Drink einlädt. „Alarm auf Revier 12„ kommt charakterlich und inhaltlich verspielt daher, und da stört es auch nicht weiter wenn die Geschichte in der TV-Realität spielt anstatt in der unseren. Ganz im Gegenteil, es beweist um ein weiteres wie abwechslungsreich und völlig verschieden die einzelnen „Derrick“-Episoden konzipiert und umgesetzt sind.  OFDb

10.09.2012

DAS SCHWARZE SCHAF (1960)

Ein Mann stirbt, sein Tod wird für einen Unfalltod gehalten. Pater Brown sieht das anders. Er vermutet einen Mord und sucht den Täter, sehr zum Ärger seiner Vorgesetzten...

Ein Pfaffe für jeden Mord...
 
Pater Brown ist ein sehr neugieriger Mensch. Diese Eigenschaft kommt ihm für seine private Leidenschaft sehr gelegen, denn er liebt Kriminalromane, und wenn es etwas herauszufinden gibt, ob Diebstahl oder Mord, dann beweist Brown ein Näschen für das Verfolgen der richtigen Spuren und weiß solche Fälle stets zu lösen. Seinen Vorgesetzten passt dies gar nicht, und eine Strafversetzung soll verhindern, dass der Gottesmann weiterhin Polizeiarbeit verrichtet.

Aber ähnlich wie bei Miss Marple ist es weniger der Hobbydetektiv, der die Kriminalfälle sucht, vielmehr scheint es, dass Verbrechen Pater Brown suchen. Das wäre nicht die einzige Ähnlichkeit, die dieser Film mit der 60er Jahre-Miss Marple-Reihe gemein hat. Auffällig ist beispielsweise das Zusammenspiel mit der Polizei, die zwar ständig auf Fremdhilfe angewiesen ist, es aber dennoch nicht gerne sieht, dass da wer mitmischt, immer anderer Meinung ist und hinterher auch noch Recht behält. Zudem ist Brown nicht auf den Mund gefallen und verschafft sich mit giftigen Sprüchen, einem Schuss Egoismus und jeder Menge Neugierde die nötigen Beweise. Durch seinen Beruf kann er Marple gegenüber einen Vorteil aufweisen, öffnet ihm das Pfarrersein doch auch die ein oder andere Türe.

Die Verfilmung selbst unterscheidet sich vom Stil her ebenso von den Abenteuern der von Margaret Rutherford so wunderbar schrullig gespielten alten Dame, denn wo die vier Filme um Miss Marple Krimikomödien mit Schwerpunkt Krimi waren, sind die Abenteuer um Pater Brown mit dem Schwerpunkt Komödie umgesetzt. Das merkt man allein schon daran, dass die spannenden, fast gruseligen Ermittlungsmomente aus der Seniorenreihe hier komplett fehlen. Wenn Pater Brown in Gefahr gerät, was äußerst selten passiert, dann kann von Spannung nicht die Rede sein. Muss es aber auch nicht. „Das schwarze Schaf“ weiß auf eigene Art zu punkten, lebt einfach durch seine locker flockige Art, und natürlich trumpft auch Heinz Rühmann Darstellung seiner Rolle.

Seinem Spiel und den flotten Dialogen des Drehbuchautors haben wir es zu verdanken, dass aus dem Film kein Krimi mit einem unsympathischen Pfarrer geworden ist. Wo die Unehrlichkeit seines Berufes ab und an aufblitzt, wird sie wieder wett gemacht durch kleine Schmunzler. Obwohl Brown ein Mann der Religion ist, beginnt man sogar ihn zu mögen. Gerade deswegen funktioniert „Das schwarze Schaf“ allerdings auch nur auf naiver Ebene. Man muss sich die Welt schön lügen und für 90 Minuten einmal glauben, einem Pfarrer ginge es nur um das Wohl seiner Gemeinde. Wenn man dies schafft, wird man wunderbar unterhalten, mitunter auch deshalb, weil mit geraten werden darf wer der Täter ist.

„Das schwarze Schaf“ ist flotte Komödienunterhaltung mit einem Kriminalfall zum mit raten. Er ist leichte Kost, und er eignet sich wunderbar zum öfter gucken. Seinerzeit dürfte er genau die richtige Alternative gewesen sein, zu den etwas düsteren Wallace- Krimis und den "Miss Marple"-Filmen, die irgendwo dazwischen anzusiedeln wären. Eines haben alle drei Reihen auf jeden Fall gemein: sie spielen in England, das hat den deutschen Zuschauer von einst damals scheinbar gereizt. Der Film um Pater Brown ist ein kleiner Klassiker, der auf naive Art wunderbar die Zeit vertreibt.  OFDb