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13.03.2019

GROSSANGRIFF DER ZOMBIES (1980)

Sie können rennen, sie benutzen Werkzeug und sind in der Lage gewollt zu handeln. Die Wesen aus "Großangriff der Zombies" verhalten sich alles andere als üblich für die erste Zombie-Welle, die damals mit "Zombie" und "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies" ausgelöst wurde. Lenzi betonte noch Jahre nach Erscheinen seines Filmes immer wieder er habe keinen Zombie-Film gedreht, sondern einen Seuchenfilm. Ganz verkehrt ist das nicht, aber da die Verstrahlten nicht sterben, es sei denn man schießt ihnen in den Kopf, und da ihre Opfer ebenfalls zu mordenden Bestien werden und man jeden Menschen attackiert, ohne auf die eigene Gattung loszugehen, ist die Übereinstimmung mit dem Gebiet des Zombie-Films ähnlich stark ausgefallen wie beim Infizierten-Horror "28 Days Later". Und da macht es keinen Sinn zu streiten ob ein solcher Film dazu gehört oder nicht. Ein "Outbreak - Lautloser Killer" oder "Cazies", die sich deutlich vom Zombiefilm distanzieren, sind beide Werke nicht geworden, von daher ist es doch recht legitim Filme wie den hier besprochenen dazu zu zählen.

Aber dass es sich bei den hier präsentierten Aggressoren definitiv um Mischwesen handelt, ist nicht abzustreiten, sind sie doch nicht nur wahnsinnige Infizierte und Zombies in einem, wenn sie das Blut ihrer Opfer meist aus dem Hals trinken erinnern sie zudem ganz klar an Vampire, ebenso wie die Untoten aus "Die Nacht der reitenden Leichen". In ihrer Beschreibung als zu einer Art Supermännern mutierte Angreifer erinnern die Wesen aus "Zombies in der Stadt des Todes" (Alternativtitel) noch am ehesten an die untoten Soldaten aus "Die Schreckensmacht der Zombies", die sich allerdings als gar nicht so super erwiesen, wie stets im Film von ihnen behauptet wird. Im hier vorliegenden Film ist das anders, die Wesen sind tatsächlich schwer aufzuhalten, und ihr Handeln geht definitiv von einem Bewusstsein aus, nur dass jegliche Menschlichkeit verloren gegangen ist auf der Suche nach menschlichem Blut zum Überleben. Der Film berichtet Schritt für Schritt von der Landung bis hin zu einer nicht mehr aufzuhaltenden Epidemie, besitzt jedoch nicht den Anspruch an sich ein logisches und intelligentes Szenario zu kreieren, sondern setzt hauptsächlich auf reißerische, besonders auf blutige Elemente und will schlichtweg ein Unterhaltungsfilm sein.

Dank der gekonnten Inszenierung des mir meist nur als Routinier bekannten Umberto Lenzi guckt sich "Nightmare City" (Alternativtitel) trotzdem nicht nur wie ein strunzdummer No Brainer. Sicher ist die Besetzung mit Hugo Stiglitz nicht gerade förderlich für ein besseres Ergebnis (wobei er wirksam eingesetzt wird, ich bin überrascht), aber Lenzis spannungsfördernde und apokalyptische Umsetzung steuert gekonnt gegen Schwachpunkte der Schnellproduktion. Das Grauen das über die Menschen hier hereinbricht ist spannungsgeladen und schockierend erzählt. Gern nutzt der Regisseur auch Momente der Dunkelheit, um kurze Gruselsequenzen einfließen zu lassen. Da die Mutanten nicht gerade toll aussehen, auch wenn das Sub-Genre schon plumpere Kreaturen auf die Menschheit losgelassen hat, ist der Einsatz von Szenen im Dunkeln, auch außerhalb der Gruselmomente, nicht von Nachteil. Das merkt man gerade in der lang andauernden Krankenhausszene während eines Stromausfalls, wo der Massenangriff der Kreaturen im Schatten agierend weit mehr zu wirken weiß als jener zu Beginn auf dem Flughafen bei strahlendem Sonnenschein. Dass auch in dunklen Momenten die Goreszenen gut genug zu erkennen sind, dafür sorgt Lenzi freilich, so dass gerade der Gore-Hound bekommt wonach er lechzt.

Dass aufgrund der verschiedenen Blickwinkel verschiedener Beteiligter die Schlussauflösung eher an unfreiwilliger Komik gewinnt, anstatt sich so bedrohlich zu schauen wie Lenzi es gerne hätte, lässt sich nicht verhindern. Zu detailgetreu wurde hier geträumt, da hätte man den Film lediglich aus einer Perspektive erzählen müssen. Aber das ist ein schlichter, kleiner Wermutstropfen in einem für sein Produktionsniveau gelungen ausgefallenen Infizierten/Zombie-Horror, den ich bei meiner letzten Sichtung vor einigen Jahren weit weniger gut fand als nun, wo ich mich ihm scheinbar besser nähern konnte. "Zombies - Der Großangriff" (Alternativtitel) ist von Anfang an in typischer, trockener 70er Jahre-Atmosphäre stimmig umgesetzt und schafft gekonnt den Mix aus Langsamkeit und flottem Tempo. Zwar setzt Lenzi nie auf die Dramaturgie des Szenarios einer untergehenden Zivilisation und dem womöglichen Untergang der Menschheit, stattdessen wird geistlos reißerisch über den Mensch und sein selbst herbei geschworenes Ende debattiert, aber der düstere und bedrohliche Faktor, auf den Lenzi setzt, bricht definitiv durch und weiß aus dem quantitativen Streifen das beste was möglich ist zu schaffen. Freilich sollte man Freund harter italienischer Horrorfilme dieser Dekade sein, sonst wird man mit dem Ergebnis in der Regel nicht warm. Aber dem Zielpublikum wird gefallen was Lenzi uns beschert hat.  OFDb

09.03.2019

FRIEDHOF DER ZOMBIES (1985)

Während in Amerika die großartigen Filme "Re-Animator" und "The Return of the Living Dead" eine Welle mäßig ausgefallener Zombie-Komödien ins Leben riefen, versuchte man in Mexiko anderweitig dem aus der Mode gekommenen Zombiefilm neuen Zunder zu bescheren. Die Lösung zwei nicht mehr auf dem Hoch befindliche Horrorgattungen zu vereinen klingt nicht gerade clever, Regisseur Rubén Galindo Jr. versuchte es mit seinem Team trotzdem und vereinte "Halloween - Die Nacht des Grauens" mit "Die Nacht der lebenden Toten", freilich ohne das Talent derer Autoren und Regisseure zu besitzen. Und dass ein Hugo Stiglitz als Frontmann selbiges nicht unter den Schauspielern besitzt, dürfte klar sein, ist dieser Mann doch einer der lächerlichsten Filmstars seiner Zeit und sorgt stets nur für unfreiwillige Komik. Hatte er in seiner damaligen Rolle den "Großangriff der Zombies" fünf Jahre zuvor nur geträumt, so passt es eigentlich ganz gut, dass "Friedhof der Zombies" damit beginnt ihn uns schlafend und träumend zu zeigen.

Sein weiteres Agieren in diesem Streifen kann man fast als Mogelpackung bezeichnen, wäre man ernsthaft daran interessiert ihn in einer echten Hauptrolle sichten zu wollen. In seinen wenigen Auftritten darf er zunächst wenig überzeugend als eine Art mieser Dr. Loomis Leute vor Devlon warnen, der unbedingt verbrannt werden muss. Und wenn er schließlich allein unterwegs ist, weil er penetrant einem Helfer seinen Polizeiwagen entwendet hat, gurkt er mit diesem per Blaulicht immer wieder zwischen den tatsächlich mit Handlung gefüllten Szenen durch die Gegend, bis er kurz vor Schluss schließlich auf die von Zombies bedrohten Kinder stoßen darf, von denen er eher gerettet wird, als diese von ihm. Sagen wir mal es steht diesbezüglich 1 zu 1, ständig wechselt man sich mit gegenseitigem Retten ab, innerhalb eines gar nicht so gefährlich wirkenden Szenarios. Denn seit die Kinder den Friedhof betreten haben, schon vorher stets unnatürlich als Gruppe agierend wie in einem Kinder-Abenteuerfilm, wird "Friedhof des Satans" (Alternativtitel) zu einem zahmen Filmchen, welches einer Geisterbahn gleicht. Da erwachen zwar allerhand Zombies, aber sie schnappen stets erfolglos nach den Kids, wie Angestellte einer aufwendiger ausgefallenen Geisterbahn. Blutig vonstatten geht da nichts, bedrohlich wirken die Untoten ebenso wenig, "Cemetery of Terror" (Alternativtitel) ist zum Kinderfilm verkommen.

Ganz anders verhält es sich da mit der ersten Filmhälfte, in welcher es einzig um den entwendeten Devlon geht, der, wenn er nach einer halben Ewigkeit endlich einmal erwacht ist, Michael Myers-artig heim kehrt, um sein schwarzes Buch zu erhaschen. Dabei trifft er auf jene Jugendliche, die ihn erweckten. Mit Soundeffekten und manchen Perspektiven wie aus Carpenters Film, aber nie so spannend wie dieser oder auch nur im Ansatz treffsicher umgesetzt, zieht man das Slasher-Konzept bis zum Ableben des letzten Teenagers durch, ergänzt durch übernatürliche Elemente, da Devlon nicht nur ein Untoter ist, sondern auch noch außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt. Von Satan ist da immer wieder die Rede, und dieses Versprechen löst der Streifen auf traurige Art schließlich auch in jener Phase ein, in welcher die nervige Gruppe Kinder die nervigen, mittlerweile toten, Teenager ersetzen, denn hier dürfen die Zombies nun mit einem Kreuz im Bann gehalten werden, wie dies sonst in klassischen Vampirfilmen der Fall ist. Das lässt die ohnehin schon wenig bedrohlichen Untoten nur noch lächerlicher wirken.

Lustig ist das alles trotzdem nicht, "Friedhof des Teufels" (Alternativtitel) will trotz allem nicht als unfreiwillig komische Kost funktionieren, da er mit seiner zähen und penetranten Art ziemlich auf die Nerven geht. Das fängt mit Synchronsprecherinnen an, die Kinder sprechen (eine erneute Übereinstimmung mit "Halloween"), besitzt seine größte Penetranz jedoch mit dem Langziehen von Szenen und Situationen. Nervt das Füllmaterial besonders in der ersten Hälfte, den Geduldsfaden in stimmungsloser Atmosphäre malträtierend bis endlich was geschieht, so reizt die zweite Hälfte negativ mit zu lang gezogenen Momenten. Sei es das Schlussszenario, in welchem die Kinder stets einem anderen Kind zurufen es möge das magische Buch verbrennen, bis es dies eine gefühlte Ewigkeit später auch endlich einmal tut, oder seien es die unsinnigen Pausen, z.B. während einer Verfolgungsjagd, in denen den Kindern plötzlich völlig sinnfrei eine Atempause gegönnt wird, obwohl Devlin gerade noch hinter ihnen war - das Erzähltempo ist schlecht, entlarvt den Regisseur in seiner Überforderung die Übersicht zu behalten und nervt wie erwähnt den Zuschauer gewaltig.

Am Ende hat man nichts Halbes und nichts Ganzes gesichtet. Während die Versuche einen Slasher zu integrieren noch kurze stimmige Momente inmitten von Untalent aufkommen lassen, will der kinderzahme zweite Part so gar nicht funktionieren, zumal er die Teenieleichen der ersten Hälfte dort nicht ausblendet und von Minderjährigen somit nicht geguckt werden kann. Dem erwachsenen Zuschauer hingegen kommt das Ganze wie ein Kasperletheater vor, so dass dieser auch nichts von "Cementerio del terror" (Originaltitel) hat. Da das alles auch noch unglaublich stümperhaft umgesetzt und schlecht geschauspielert dargeboten wird, lohnt sich auch nicht der Versuch sich in den an "Die Nacht des Jägers" erinnernden Stil-Mix heran zu wagen. "Friedhof der Zombies" ist Schrott und dies noch weit mehr als "Black Zombies", der später ebenfalls keineswegs eine Rückkehr in urig schöne Zombiefilmzeiten bescherte.  OFDb

09.07.2017

TINTORERA! - MEERESUNGEHEUER GREIFEN AN (1977)

Wer zusehen will wie ein mürrischer Egomane trotz seiner unsympathischen Art reihenweise Frauen abschleppt, der ist bei „Tintorera! - Meeresungeheuer greifen an“ im richtigen Film. Wer hingegen einen billig im Fahrwasser von „Der weiße Hai“ abgedrehten Ableger erhofft, der wird den Großteil des Streifens mit der Fernbedienung vorspulen müssen oder noch besser einen weiten Bogen um René Cardonar Jr.‘s Film machen, gibt es doch außer echter Unterwasseraufnahmen von friedlich vor sich hin schwimmender Haie lange Zeit nichts anderes zu diesem Thema zu sehen. Freilich gibt es dies auch nicht, wenn der Hai doch mal hin und wieder einen Menschen ins Jenseits befördert, werden Realaufnahmen der Bestie und des Opfers doch so schlecht aneinandergepappt, dass da nie Stimmung, geschweige denn eine glaubwürdige Attacke, stattfindet.

Meist baggert Stephen, gespielt vom nicht spielen könnenden Hugo Stiglitz, aber ohnehin nur allerhand Weibchen an. Zunächst per Fernglas aufgelauert für sich allein (ein wenig an seine Rolle in „Die Rache der 1000 Katzen“ erinnernd), schließlich vereint mit seinem Kumpel Miguel, dem er drei Szenen zuvor noch aus Eifersucht die Fresse polieren wollte. Mexikaner sind halt wahre Männer, die auch gerne mal wetten wer als erstes ein auserkorenes Mädel ins Bett bekommt. Auf solche Asozialen steht das schwache Geschlecht an diesem Strand, ach was, eigentlich auf alles was baggert, denn selbst zwei Mexikaner, die gerade zwei Urlauberinnen auf ihrem LKW vergewaltigen wollen, werden überrascht, indem die beiden jungen Frauen, die ihr Opfer werden sollten, bereitwillig ihre Höschen ausziehen.

Um dies mitzuerleben muss man jedoch die auf DVD erhältliche Zwei-Stunden-Fassung sichten, wurde „Tintorera! Tigerhaie greifen an“ (Alternativtitel) seinerzeit in Deutschland doch auf unter 80 Minuten geschnitten, was in diesem Falle ein Segen gewesen sein dürfte. Bei all dem lahmen Getue wette ich darauf, dass selbst diese Fassung ihre Längen aufgrund inhaltlichen Leerlaufs haben dürfte. Die Langfassung im Deutschton wird zudem zu einer nervigen Angelegenheit, weil wirklich ständig die Schere angesetzt wurde und das Verwenden des Originaltons somit nicht nur zur Ausnahme stattfindet, sondern in ähnlicher Gewichtung zu den Synchronszenen. Wenn dann noch der Untertitel fehlt, wie auf der unglaublichen Sharkbox, nervt das Ganze geradezu penetrant, zumal es erst ab der 10. Minute die erste deutsch gesprochene Szene zu erleben gibt.

Wer aufgrund des Titels glaubt neben Haie würden auch Meeresungeheuer ihr Unwesen treiben, der hat sich von einem reißerischen Titel in die Irre führen lassen. „Tintorera“ ist lediglich ein Hai-Horror, und dies auch nur in wenigen seiner Szenen und ein lahmer noch dazu. Zudem geht es aufgrund des Haijagd-Themas den Viechern mehr ans Leder als den Menschen, was aufgrund echter Tötungsszenen einen bitteren Beigeschmack hinterlässt. Die Helden sind nun einmal wahre Männer, und diese gehen nicht nur auf Hasenjagd, sondern suchen auch den Schwanzvergleich zu den Tigern der Meere. Freilich ist der komplette Film so blödsinnig ausgefallen wie der vorangegangene Satz, allerdings ohne dabei ein unfreiwilliger Trash-Tipp zu werden. „Tintorera“ ist ein tolles Schlafmittel und sollte in Apotheken als solches verkauft werden, anstatt in DVD-Geschäften als Hai-Horror.  OFDb

26.06.2017

TORNADO (1978)

Oh man, wenn man „Tornado“ erst einmal gesichtet hat, versteht man warum er Teil der Trash-Collection von CMV wurde. Es ist nicht so, dass er vor unfreiwilliger Komik nur so sprudeln würde, ganz im Gegenteil ist „Sea Twister“ (Alternativtitel) über weite Strecken gar ziemlich zäh ausgefallen. Aber die fast ereignislose Erzählung ist derart angereichert mit reißerischen Elementen, dass man davon ausgehen kann dass man beim Durchforsten des hauchdünnen Drehbuchs sicher nach Lücken gesucht hat, in welche man weitere reißerische Elemente hinein quetschen konnte. Der böse Großunternehmer, die leidenden Hinterbliebenen, der Kannibalismus in der Not, ob in großen Ereignissen oder kleinen Nebensächlichkeiten, stets wird ein quantitativer Schauwert hervorgezaubert, der schon irgendein Zielpublikum locken wird.

Wahrscheinlich würde sich heute kaum wer an „Terror Storm“ (Alternativtitel) erinnern, wenn der mit Hugo Stiglitz in einer eher kleinen Rolle besetzte Film inmitten der langen Schlange reißerischer Elemente nicht auch hungrige Haie mit an Bord gehabt hätte (nicht wörtlich zu nehmen, sie schwimmen freilich im Wasser), ein Element das so kurz nach dem Erfolg von „Der weiße Hai“ von Geldmachern gern als Hauptattraktion hervorgehoben wurde. So ziemlich jeder Film in dem sich ein Hai befand, wurde zu dieser Zeit für den deutschen Markt aufgekauft um ihn als neuen Hai-Horror zu präsentieren. Dieser Hype bescherte dem im Erscheinungsjahr von „Der weiße Hai 2“ entstandenen „Cyclone“ (Originaltitel) die Alternativtitel „Killer Shark“ und „Tornado und Haie“.

In der Trash Collection ist er schlicht als „Tornado“ erschienen, und auch dieser Titel täuscht eher, anstatt dass er der Wahrheit entspricht, ist der titelgebende Tornado doch lediglich der Auslöser des darauf folgenden Abenteuerfilmes. Zur Kategorie Katastrophenfilm gehört der Streifen damit nur bedingt, und wer erst einmal jene Effekte gesichtet hat, die uns einen tosenden Tornado vorgaukeln sollen, kommt ohnehin nicht mehr aus dem Lachen heraus. Da wird an Bäumen geruckelt, Gegenstände werden ins Bild geschmissen, und selbstverständlich darf, zur Erweiterung der reißerischen Elemente, eine flüchtende Mutter mit ihrem Kleinkind mitten im Unwetter gezeigt werden. Beim minder gebildeten Publikum kommt das Klischee Kinder wären die tragischsten Opfer bei Katastrophen, stets an.

Dementsprechend darf es in der eigentlichen Hauptgeschichte, in welcher diverse Überlebende auf einem Schiff zusammenkommen, einen Hund und eine schwangere Frau, bzw. nach der Geburt einen Säugling geben. Schwache Geschöpfe kurbeln das Leid aller Beteiligten beim stumpfen Publikum an, und genau das soll hier bedient werden. Wirklich glaubwürdig will die Chose auf dem Schiff, trotz des Einbringens jedes möglichen Elends, nicht wirken. Zu friedfertig geht die Ansammlung unterschiedlichster Charaktere miteinander um, selbst dann wenn der letzte Tropfen Wasser verteilt ist. Zusammenhalt ist am Ende das wichtigste. Und eine feuchte Haut und gut sitzende Frisuren stehen einem realistischem Eindruck ebenfalls stark im Weg.

Genau daraus zieht die Co-Produktion aus Italien, Mexiko und Amerika aber ihren wahren Schauwert. Der Mangel sich in die Situation hineinzufühlen, von welcher der Hauptteil der Geschichte leben soll, dominiert als unfreiwillige Komik noch weit vor den reißerischen Elementen, die jedoch, das muss man anerkennen, gerade deshalb noch bescheuerter wirken als ohnehin schon. Müde Dialoge sollen einen Hauch Gesellschaftskritik vortäuschen, z.B. wenn ohne wahre Argumente darüber diskutiert wird, ob man nun einen Hund, oder später auch einen Menschen, essen darf, wenn die Alternative dazu doch das Verhungern ist. Freilich wirkt das aufgesetzt, zumal der Autor deutlich Position bezieht, aber noch bevor es Grund zu klagen gibt, geht es mit anderen Dümmlichkeiten bereits weiter.

Der einzige Schauwert der neben tatsächlich guten Spezialeffekten fehlt, ist die nackte Haut diverser hübscher Frauen. Warum gerade dieser Aspekt in einem Film dieser Entstehungszeit fehlt, ist mir ein Rätsel - zumal man wie erwähnt ansonsten nicht an Quantitäten spart. „Tornado“ ist kein Highlight für Freunde schlechter Filme geworden, dafür wird er zwischenzeitlich immer wieder zu langweilig. Akzeptabel genug um als Freund schlechter Filme einmal einen Blick zu riskieren, ist er aber dann doch.  OFDb

30.01.2015

DIE RACHE DER 1000 KATZEN (1972)

Ich gucke sie ja unglaublich gern, diese europäischen Schund-Horrorfilmchen aus den 70er Jahren. Dementsprechend habe ich mich gefreut als mich die DVD zu „Die Rache der 1000 Katzen“, im Titel mittlerweile unnötig erweitert als „Killing Cats - Die Rache der 1000 Katzen“, im DVD-Laden angelächelt hat. Mir war der Streifen vollkommen unbekannt, die Story klang nett und mit Hugo Stiglitz ("Friedhof der Zombies", "Großangriff der Zombies") gab es gleich noch eine prominentere, wenn auch schauspielerisch untalentierte Person mit an Bord. Herrlich!

Der Covertext ließ schon vermuten, dass man sich hier wohl eher nicht auf Tier-Horror einstellen sollte. Und so war es dann auch. Wer aufgrund des Titels auf eine Menschenfleisch-hungrige Meute an Katzen hofft wird leider erst in der Finalszene fündig, womit man den deutschen Titel ohne zu lügen als Spoiler bezeichnen kann. Immerhin ist besagte Szene aber auch die einzige in welcher zumindest ein Hauch von Spannung aufkommt. Aber der Mangel diesbezüglich im Restfilm verärgerte oder enttäuschte mich nicht. Wer Filme dieser Dekade aus dieser Region kennt, der weiß dass da diesbezüglich eigentlich nie etwas zu holen ist. Horror-Werke dieser Art sind schmuddelig, reißerisch, billig, und genau das macht sie aus.

Ihre grobe Art kann auf gelungener Basis funktionieren (z.B. bei „Man-Eater“ und „Das Blutgericht der reitenden Leichen“), oftmals geht die Rechnung aber nur in Form von unfreiwilliger Komik auf (z.B. „Torso“, „Die Rückkehr der reitenden Leichen“). So oder so, meist wird man gut unterhalten, und wenn doch mal eine Gurke wie „Die Grotte der vergessenen Leichen“ oder „Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies“ dabei ist, so funktionieren diese Filme doch zumindest trotzdem noch aufgrund ihrer grobkörnigen Optik, der damaligen Musik und der trockenen Atmosphäre - letzteres zumindest bis man merkt dass der Streifen nichts taugt.

„Die Rache der 1000 Katzen“, in welchem in Wirklichkeit etwa nur 50 Katzen vorkommen, ist nicht wirklich gelungen. Wer sich einen ernstzunehmenden Beitrag seines Lieblings-Genres erhofft wird sogar stark enttäuscht werden. „La noche de los mil gatos“ (Originaltitel) ist für Gore-Hounds zu zahm ausgefallen, Horror-Freunden zu unaufgeregt und inhaltslos erzählt und manch anderem sicher auch aufgrund endloser Wiederholungen zu langgezogen trotz der unter 80 Minuten laufenden Kürze.

Hier siegt deutlich der Trash. Stiglitz spielt wie gewohnt hölzern, während seine Synchronstimme so ruppig und egoistisch ist, dass man seine Beliebtheit bei den Frauen kaum glauben kann. Sein Butler kann nicht sprechen, liebt es aber fröhlich vor sich hin zu grunzen, und den halben Film über fliegt die Hauptfigur mit einem Hubschrauber durch die Gegend, Ausschau nach neuen Opfern haltend. Der Hubschrauber war wahrscheinlich das teuerste am ganzen Film. Idiotische Dialoge unterbrechen häufig den trockenen Grundton des Films. Meine persönliche Perle diesbezüglich ist folgender kurzer Monolog: „Wir kennen uns erst wenige Tage, aber mir kommt es vor wie eine kleine Ewigkeit. Warum verfliegt die Zeit so schnell wenn man glücklich ist?“ Was sich hier arg sarkastisch liest ist ein ernst gemeintes Liebesgeplänkel von einem der zukünftigen Opfer.

Mit diesen vertreibt sich der Bösewicht des Films, der auch die Identifikationsfigur für den Zuschauer ist, seine Zeit, bevor er sie zu Katzenfutter verarbeitet. Seine Herangehensweise ist immer anders. Der Zeitpunkt bis zur Wahrheit unterschiedlich lang. A-Sexuell ist der Geisteskranke nicht, immerhin benötigt ein Film ohne Handlung Schmuddel-Potential, und den hat man sich in Streifen wie diesen ja schon immer gerne bei Nackedei-Aufnahmen geholt. Davon gibt es nicht so viele wie in manch italienischem oder französischen Beitrag, aber immerhin mehr als es an Gewalttaten zu sehen gibt. Die Morde geschehen stehts im Off oder man verlässt sich durch einen Szenenwechsel auf das Kopfkino des Zuschauers.

Die Schnitte wirken oft willkürlich, bieten aber auch ihre interessanten Momente, z.B. wenn Zeiten parallel nebeneinander herlaufen oder (zu deutliche) Symbolik als Spielerei dienen soll. Neben der herrlich trockenen Grundatmosphäre und der teilweise sehr schön anzusehenden Locations ist das einer der wenigen Pluspunkte von „Blood Feast“ (Alternativtitel), der nicht auf unfreiwilliger Komik fußt. Auch die Kameraaufnahmen haben mir trotz all ihrer Schlichtheit gut gefallen. Für die wenigen Zuschauer, die den Film zumindest ab und an als stimmig empfunden haben, wird hauptsächlich die Optik der Grund dafür sein.

Deswegen habe ich mich auch gar nicht wie so viele andere über die Monotonie der Geschichte aufgeregt. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde es würde viel erzählt, oder das wenige was passiert würde im Minimalismus seinen Inhalt oder seinen Sinn finden. Aber das ewige Spiel mit den Opfern, die Phase bevor sie wissen dass sie welche sind und die Suche nach der nächsten Kandidatin sind genau jene Momente, in welchen die Schmuddel-Atmosphäre in netten Bildern am höchsten ist. Was andere verscheuchte war für mich der angenehmste Bereich des Streifens - mal abgesehen von den Trash-Momenten, z.B. jenen, in welchem der ohnehin schon völlig überzogene Ego-Charakter den Stiglitz verkörpert seinen Diener an die Katzen verfüttert, weil der ihn erstmals im Schachspiel besiegt hat. Freiwillige Komik? Keineswegs! Ich konnte nicht mal ein Augenzwinkern erkennen.

Genau das macht den Reiz an „Die Rache der tausend Katzen“ aber aus. Er ist todernst erzählt, stolpert immer wieder über die Unzulänglichkeiten der Beteiligten, was für unfreiwillige Lustigkeit sorgt, und bietet inmitten einer unmotiviert erzählten Nicht-Geschichte zumindest hübsche Bilder in angenehmer Atmosphäre. Dass das nicht reicht um wirklich zu gefallen (allein der viel zu plötzliche Schluss und das viel zu ereignislose Finale verärgern dafür viel zu sehr), dürfte klar sein. Der Streifen ist weder ein Tipp noch auf seine komplette Lauflänge unterhaltsam.

Aber die Pluspunkte lassen jemanden wie mich zumindest nicht verärgert zurück. Zeitvergeudung? Definitiv! Aber mir wurde nicht langweilig, und das ist ja auch schon mal was wert. Klar ist „The Night of 1000 Cats“ (Alternativtitel) eigentlich eine Frechheit. Es ist eigentlich dreist für diese Unterhaltungs-Täuschung auch noch Geld verlangen zu dürfen. Es ist aber mein persönliches Glück, dass mir der Schmuddel-Stil dieser vergangenen Filmepoche so gut gefällt. Damit beschert mir selbst der dreisteste Scheiß noch immer einen gewissen Reiz.  OFDb