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01.04.2023

THE ROCK - FELS DER ENTSCHEIDUNG (1996)

"The Rock - Fels der Entscheidung" ist ein kurzweiliger Actionfilm, der alle guten und schlechten Seiten einer Action-Großproduktion aus den 90er Jahren besitzt. Das schaut sich kurzweilig, relativ anspruchslos, aber imposant in Szene gesetzt, und das weiß trotz der Überlänge von über 130 Minuten zu funktionieren. Wenn man bedenkt, dass ich diesen Film zu seiner Veröffentlichungszeit richtig großartig fand und x Mal gesehen habe, erkennt man jedoch wie sehr sich meine Sehgewohnheiten verändert haben. So naiv kann ich dann doch keinen Film mehr schauen, der derart auf gängige Standards setzt, sich selbstverliebt einen Schwanzvergleich nach dem nächsten liefert und einfach viel zu reißerisch eingefangen ist. Selbst die Action wirkt für einen Actionfilm überladen, ist aber freilich noch bekömmlich umgesetzt, wenn man bedenkt, dass man es hier mit Michael Bay zu tun hat, der später nur noch klotzte anstatt zu reizen. Letztendlich ist aber alles dem Kind im Manne-Genre zuzuschreiben, ist in einem Actionfilm also freilich verziehen, manche sehen derartiges gar als obligatorisch an, kann in dieser Art den Größen wie "Stirb langsam" aber nicht das Wasser reichen. 

Einzig nicht zu verzeihender Minuspunkt ist der sehr dürftig ausgefallene Soundtrack, der derart schlicht dahin dudelt, dass er fast vergleichbar mit den monotonen Hintergrundsounds heutiger Asylum-Produktionen ist. Ansonsten liefert "The Rock" (Originaltitel) ein flottes Szenario in netter Kulisse, welches meiner Meinung nach zwar etwas weniger Ausschweifungen vor dem Einsatz auf Alcatraz hätte vertragen können, aber auch mit diesen Unnötigkeiten zu unterhalten weiß. Die Starbesetzung ist diesmal Teil des Funktionierens. Connery und Cage wissen als Team zu gefallen, die beste Leistung liefert jedoch Ed Harris ab, dessen Figur zudem am interessantesten gezeichnet ist. Alle anderen entsprechen dem gradlinigen Stereotyp. Sprüche und humoristische Einlagen wissen mal zu funktionieren, sich aber auch hin und wieder als zu sehr dem Publikum angebiedert anzufühlen, was inmitten des heftigen Karachos, das Bay zu entfalten vermag, jedoch kaum auffällt. Hingucker sind gerade mit Blick von heute die noch handgemachten Spezialeffekte. Wenn es hier rummst, wird sich richtig Mühe gegeben, tatsächlich allerhand Aufwand betrieben, und rummsen tuts eigentlich die ganze Zeit. Kurze emotionale Momente und eine Schluss-Pointe, die Kinomagie zu versprühen weiß, bescheren dem sonst eher oberflächlich ausgefallenen Gute Laune-Film das gewisse Etwas. Dass "Candyman" Tony Todd in einer kleineren Rolle mit an Bord ist, war mir nicht bekannt.  OFDb

18.12.2021

THE FOREVER PURGE (2021)

"The Forever Purge" ist als Teil 5 der erste Beitrag des beliebten Projekts von James DeMonaco seit "The Purge 3 - Election Year", der dessen Ereignisse fortsetzt. Erzählte der Vorgänger "The First Purge" von den ersten Testläufen der Säuberungsnacht, und machte sich die Serie "The Purge - Die Säuberung" in ihrer lang gestreckten Nacht, die somit ebenfalls vor den Ereignissen des vierten Teils spielen muss, nicht gerade so gut wie die Filme, auf welcher sie basierte, so spielt der hier besprochene Film nun wieder nach den Geschehnissen des dritten Kinofilms der Reihe. Warum es nach den abgewählten neuen Gründungsvätern nun doch weiter geht, wird zu Beginn nur kurz in einem Off-Kommentar angeschnitten. Einige Jahre später wurden sie halt wieder gewählt und führten sogleich die abgesetzte Purge wieder ein. Ebenso kurz angeschnitten wird die Organisation des reizvollen Aufhängers, begnügen sich die Mörder und Randalierer doch diesmal nicht mit einer Nacht, sondern setzen ihren fanatischen Streifzug einfach weiter fort. Wie das alles geplant werden konnte, ohne dass die Gegenseite, die Regierung oder sonst wer davon erfahren konnte, wird nicht erläutert, schaut sich dennoch nicht all zu stark in Erklärungsnot getunkt, denn wieder einmal ist das Tempo recht hoch, so dass weder viel Zeit zum Denken bleibt, noch viel Raum für Tiefsinn. 

"The Purge" ist seit Teil 1 nun einmal lediglich Mainstream, wenn auch jener der angenehmen Art, und da kommt das Ergebnis stets schlichter daher, als das was mit dem Stoff reflektiert einzufangen wäre. Dementsprechend wenig subtil kommt auch "Borderline" (Alternativtitel), inszeniert vom bisherigen TV-Serien-Regisseur Everardo Gout, daher. Gut und Böse sind klar getrennt, Ausnahmen gibt es lediglich in Graustufen, die sich im Laufe der Geschichte vorhersehbar aufheben, so dass man nie ernsthaft um Identifikationsfiguren bangen muss. Dass der aufkommende, gesetzlose Wilde Westen in Texas spielen muss, US-Amerikaner nach Mexiko fliehen müssen, viele Anspielungen an Trump und dessen Anhänger gehen, und die Regierung von ihrem eigenen System eingeholt und vernichtet wird, ist in deutlich angegangenen Botschaften nicht zu übersehen. Etwas wunderlich mutet es an, dass die Rassisten Amerikas ihren Putsch per Anarchie durchführen, andererseits zeigt es nur auf ein neues wie ähnlich sich Linksradikale und Rechtsradikale in ihrem Denken und ihrer Methodik sind, auch wenn sie es nicht wahr haben wollen. Von den Verantwortlichen des Streifens ist diese Botschaft jedoch nicht gewollt, das würde ohnehin zu tief gehen innerhalb eines Streifens, bzw. einer kompletten Filmreihe, die nie zu weit über den Tellerrand hinaus schaut. 

Aber wer sich auf schlichter Ebene zufrieden geben kann, der wird erneut kurzweilig unterhalten, stets mitgerissen von Mitleid und Rachegefühlen. Aufgrund der veränderten Thematik weht ein Hauch Endzeit-Zombiefilm-Flair mit (freilich ohne Zombies), und für kurze Atemzüge kommt auch etwas "Mad Max"-Stimmung auf. Dass der Rest sich arg nach Wild West anfühlt, erwähnte ich bereits weiter oben. Freunde der Reihe bekommen dennoch weiterhin das geboten, was ihnen gefällt, wenn diesmal auch mit weit weniger ausgeflippter Kostümierung angereichert als zuvor. In diesem Punkt geht "The Forever Purge" einen Schritt zurück, während er ansonsten stets einen weiteren nach vorne wagt. Wer aufgrund der überraschend zahm ausgefallenen FSK 16-Bewertung glaubt, dass auch der Film selbst zahm ausfällt, der irrt. Der stark auf Action setzende Film spart nicht gerade mit blutigen Momenten. Ausgefallene Gewalttaten gibt es aufgrund der Kriegsthematik diesmal jedoch weniger zu sichten, auch wenn es im ersten Drittel einen Moment gibt, der eher an "Saw" anstatt an "The Purge" erinnert. Aber das zeigt ebenfalls lediglich, wie sehr die Reihe doch eher den Voyeurismus im Zuschauer befriedigt, anstatt tatsächlich eine zum Nachdenken anregende Geschichte erzählen zu wollen. Ob ein Film wie dieser dementsprechend negativ auf Menschen mit fragwürdiger Mentalität wirken kann, lässt sich sicher nicht völlig ausschließen.  OFDb

23.07.2017

A NIGHTMARE ON ELM STREET (2010)

Neuverfilmungen sind ohnehin schon stets umstritten. Wagt man sich dann noch an einen allseits beliebten Kultfilm, dann wird bereits im Vorfeld viel gemault. Bei einer Neuverfilmung von „Nightmare - Mörderische Träume“ geht das Schimpfen freilich bereits bei der Neubesetzung Freddy Kruegers los, glauben die Fans der Originalreihe doch dass nur Robert Englund in der Lage wäre den Traumdämon zu verkörpern. Interessanter Weise ist die Neubesetzung des Monsters mitunter das Beste was Samuel Bayers „A Nightmare on Elm Street“ vorzuweisen hat. Und ich persönlich konnte mit Englunds Interpretation der Rolle ohnehin schon immer wenig anfangen.

An sich ist der von Michael Bay produzierte Horrorfilm eine glattere Version des Originals, in welcher mehr erklärt wird als dort und Inhaltsänderungen zur Vereinfachung der Sachlage vorgenommen werden. Zudem wird aus einem Kindermörder ein Kinderschänder und aus einer fehlerhaften Festnahme ein Schutz der Eltern, damit die Missbrauchten nicht auszusagen brauchten. Warum Fred bei seinen Taten einen Klingenhandschuh benötigt hat, wird immer sein Geheimnis bleiben, wirklich Sinn macht das freilich nicht, aber was wäre schon ein Freddy Krueger ohne seine kultig verehrte Tatwaffe?

Hinterfragt wird ohnehin wenig, Mainstreamwaren dieser Zeit kümmern sich nicht um ein innereigenes psychologisches Verständnis, dementsprechend schnell erkennen und akzeptieren die Teens die unheimliche Sachlage, und die Hintergründe des damals Geschehenen werden den uninformierten Jugendlichen von Krueger höchst persönlich im Traum geliefert. Es wird zwar eine Vermutung ausgesprochen warum er dies tut, aber die ist nicht nur hauchdünn ausgefallen, sie erweist sich im Laufe der Handlung auch als falsch, so dass auch dieser Faktor für immer ungeklärt bleiben wird.

Ärgerlich ist die zu Model-hafte Besetzung ausgefallen. Die schlimmsten Exemplare unechter Menschen werden zwar als erstes getötet, aber auch die gerade noch akzeptablen Hauptmimen sehen nicht gerade wie die Kids von der Straße aus. Zumindest schlagen sie sich schauspielerisch wacker, das hätte ich ihnen zunächst nicht zugetraut, und letztendlich betrifft das auch den kompletten Film, der eigentlich recht ordentlich ausgefallen ist. Mehr sogar, er schaut sich richtig kurzweilig und angenehm verändert mit Blick aufs Original, bei gelegentlicher Verwendung kultiger Szenen aus dem Vorbild (z.B. die Kralle in der Wanne).

Freddy mag zwar düsterer ausgefallen sein und wesentlich besser besetzt, der Umsetzung selbst fehlt es jedoch am Spannungsbogen des 1984er Nightmare, so dass „A Nightmare on Elm Street“ eigentlich nur ein flotter Zwischendurchverzehr ist, aber diesbezüglich ist er gelungener als beispielsweise das „Stepfather“-Remake. An die Neuverfilmungen „Halloween“, „The Hills Have Eyes“ und „My Bloody Valentine“ kommt er jedoch nicht heran, dafür ist er dann doch zu routiniert und aalglatt ausgefallen. Zudem stört mancher Computereffekt. Richtig schlecht ist jedoch eigentlich nur das Erscheinen Kruegers aus der Wand des Kinderzimmers heraus ausgefallen, in welcher der Traumdämon eher wie eine Trickfigur als wie ein Schreckgespenst wirkt. Ansonsten war ich jedoch positiv vom Unterhaltungswert des Streifens überrascht, so dass man nicht all zu streng mit diesem umstrittenen Stück Wiedererzählung umgehen sollte.  OFDb

13.11.2012

TRANSFORMERS (2007)

Zwei verschiedene Roboter-Arten aus dem Weltall bekämpfen sich auf der Erde...

Mein Auto ist ein Roboter...
 
Man sollte meinen, dass "Transformers" niemanden über 16 begeistern kann. Bis auf die Spezialeffekte gibt es nichts, was man nicht schon 1000 mal gesehen hätte. Und da diese ohnehin vom nächsten Mainstream-Film getoppt werden, kann man sich „Transformers“ eigentlich auch gleich sparen.

Das ist schon schade, etwas düsterer erzählt und mit weniger Rücksicht auf das junge Publikum hätte da ein bitterböser Film draus werden können. Gegen eine familiengerechte Umsetzung an sich hätte ich auch nichts gehabt. Aber das Drehbuch glänzt an Einfallslosigkeit. Unlogiken beginnen nicht erst mit der tieferen Handlung, sondern bereits in einer frühen Szene, in welcher ein Roboter in aller Öffentlichkeit umherhüpft und dennoch unerkannt bleibt. Die Hauptdarsteller sind alles keine Schauspieler, sondern Selbstdarsteller, die einmal mehr zeigen wollen wie hübsch und toll sie sind. Eine derart selbstverliebte Leistung finde ich im Filmbereich noch nerviger als im Musikgeschäft.

Trotz der guten Optik enttäuscht auch das Verwandeln und Zurückverwandeln der titelgebenden Roboter. Wenn alles irre schnell geht und an allen Ecken und Enden des metallenen Körpers die Verwandlung gleichzeitig losgeht, dann kann man das mit den Augen auch nicht mehr richtig mitverfolgen. Als Kind war es toll zu sehen, wie die Spielzeugroboter Schritt für Schritt zu dem wurden was sie wurden. Im Film geht es zackzackzack und das Auto ist ein Robot oder umgekehrt. Der Weg dahin bleibt durch die Schnelligkeit fast unsichtbar.

Es sind nur wenig Elemente vorhanden, die dem Werk Schauwert bescheren. Da wäre z.B. eine Skorpionroboter-Szene in zwar übertriebenste Action und nur mit ausgeschaltetem Kopf erträglich, aber zumindest ein Augenschmaus. Zugute kommt dem arg dümmlichen und einfallslosen Film auch, dass sein Hauptaugenmerk auf den Bereich Actionkomödie gelegt wurde. Gerade zum Finale hin wird der Komödienbereich allerdings kaum noch bedacht, so dass ihn seine Komik, die einen wenigstens hin und wieder zum Schmunzeln brachte, auch nicht mehr retten kann. Außerdem hat man humorvolle Situationen aus dem ersten Drittel ohnehin schon aus anderen Filmen besser erlebt. Als bestes Beispiel wäre hierfür "Ein toller Käfer" zu nennen.
 
Die Musik ist 08/15, die Schauspieler sind zu selbstverliebt, die Effekte sind auf dem Hoch der Technik, doch auch das ist schnell vorbei und außerdem sind die Verwandlungstricks zu flott umgesetzt. Das Buch kann man in seinem Klammern an ständig Widergekautem schon kaum noch Durchschnitt nennen. "Small Soldiers" ging ebenso ausgelatschte Pfade mit familiengerechten Ärgernissen, krankte also an ähnlichem, hatte aber zumindest noch einige eigene Ideen zu bieten. Diese fehlen dem uncharmant umgesetzten „Transformers“ leider total. Gerade nach Sichtung von "Die Insel" bin ich an dieses Michael Bay-Werk eine Spur erwartungsvoller herangegangen.

Jedem dürfte klar sein hiermit nur hirnlose Action präsentiert zu bekommen, das kann immerhin auch mal Spaß machen. Aber in Punkto Einfallslosigkeit wurde ein neuer Rekord im Blockbuster-Bereich erzielt. Es ist sinnlos sich einzig an Effekte zu krallen. Damit bekommt man keine schöne Geschichte erzählt.  OFDb

FREITAG DER 13. (2009)

Ein junger Mann sucht seine verschollene Schwester und stößt auf eine Gruppe Jugendlicher, die im Haus eines Freundes Party machen wollen. Niemand ahnt, dass hier am Crystal Lake ein Menschenjäger sein Unwesen treibt und den Teens nach dem Leben trachtet...

Blaupausen sind immer blasser... 
 
Von einem Remake zur „Freitag der 13.“-Reihe erwartet man sicherlich nicht viel. Zwar waren diese Filme neben den „Halloween“-Streifen mit die wichtigste, da genreprägendste Horrorslasher-Serie, aber sie waren schon immer lediglich für die schnelle Mark gedreht. Das zeigte sich allein schon am wirren, ewig wechselnden Konzept. Man war sich scheinbar nie sicher, wie es weiter gehen sollte. Da wechselten die Mörder, ab Teil 8 wurden die Enden der Vorgänger nicht mehr aufgegriffen, manche Filme wurden humorangereichert, andere wieder nicht, Haupttäter Jason wechselte sein Revier-Verhalten, machte in seiner Metamorphose Vor- und Rückschritte, und ab wann er nun wirklich als wandelnder Untoter galt, interpretiert jeder Fan für sich anders. Das einzig zu erkennende gleichbleibende Muster war die Erhöhung der Opferzahl und die Extreme, in welcher diese sterben durften.

Klingt so, als ob ein Remake zu dieser Reihe gar nicht schwierig wäre. Und allein dieser Satz beinhaltet schon, dass man auch auf den richtigen Spuren war: Kaum einer wollte ein Remake zu Teil 1. Jason war Kult, er ist es noch immer. Und wer würde es wagen ihn in einer Neuverfilmung auszulassen, erst recht wenn man sieht, wie sehr Filmemacher geschunden wurden, die des Fans liebsten Killer in Fortsetzungen wegließen („Freitag der 13. 5“, „Halloween 3“)? Da zudem ein Jason ohne Eishockeymaske nicht sein durfte, konnte man auch nicht einfach ein Remake der Teile 1 und 2 machen. Erst ab Teil 3 sah Jason aus, wie man ihn heute kennt (selbst wenn man nie einen der Filme gesehen hat) und so sollte er schließlich auch in der Neuverfilmung aussehen.

Das waren ziemlich viele Fanvorgaben, die einen in filmischer Kreativität extremst einschränken. Und deswegen muss man genau hier die Kernfrage stellen: Macht es Sinn eine Neuverfilmung nach den Wünschen der Fans zu drehen? Wenn man ganz ehrlich ist, war so ziemlich jeder Teil der „Freitag der 13.“-Reihe so eine Art Remake. Da gab es schlichte Zusammenhänge, wenn überhaupt waren die Teile 4 – 6 durch die Jarvis-Figur richtige Fortsetzungen. Aber eigentlich waren die Filme schon immer so arg plump, und auch durch all ihre leichten Veränderungen lediglich nur ein Aufguss des ewig gleichen Konzeptes, dass man nicht wirklich von Fortsetzungen sprechen könnte. Was wäre also sinnloser als eine offizielle Neuverfilmung nach gleichem Muster? So kurz nach „Freddy vs. Jason“ wäre eine Fortsetzung viel sinniger gewesen, zumindest dann, wenn man sich am Fan orientieren will, der immer das gleiche sehen möchte.

Ich selber bin Fan der Reihe und hätte wahrscheinlich gemotzt, wenn man zu viel geändert hätte. Eine völlige Neuinterpretation der Story hätte mir wahrscheinlich gestunken, auch wenn ich nicht uninteressiert an die Sache herangegangen wäre. Nun bekomme ich als Freund der Original-Reihe ein Remake präsentiert, das versucht sich direkt mit den Vorgängern zu identifizieren, und ich bin immer noch nicht zufrieden. Was habe ich denn eigentlich nun wirklich erwartet?

Um ehrlich zu sein nichts, konnte ich schon mit dem Remake zu „Blutgericht in Texas“ nur bedingt etwas anfangen, so dass mich die Nennung des Regisseurs in meiner Vorfreude bereits bremste. Aber um auf die Einleitung dieses Textes einzugehen: Was hätte ich denn eigentlich erwartet, wenn es theoretisch gesehen gar nicht so schwer ist ein Remake (nach Fangeschmack) der Originalreihe zu drehen?

Ich hätte erwartet, dass man relativ wenig am Konzept ändert, dass nervige Teens auf fiese Art ermordet werden, dass eine stimmige Waldkulisse und ein nicht näher erklärter Jason für eine dichte, wenn auch spannungsarme Atmosphäre sorgten (das war immer so, wenn überhaupt gab es mal in Teil 3 einen Anflug von Spannung) und dass es eine Heldin gibt mit der man sich identifizieren kann. Das sind nicht viele Erwartungen, schließlich ist wie bereits erwähnt die Originalreihe schon keine Fundgrube individueller Ideen gewesen. Diese wusste aber immerhin meist zu überzeugen.

Der „Freitag der 13.“ von 2009 macht in der Theorie so einiges richtig, er hinterlässt aber den Eindruck, dass wer am Werk war, der mit den Originalfilmen wenig anfangen konnte. Der Film guckt sich zu theoretisch. Ich könnte sicherlich mit viel Mühe auf primitive Art das Buch „Christine“ von Stephen King neu schreiben. Und auch wenn ich noch so versuchen würde den Stil des Buches zu treffen, würde ich doch nur eine Kopie ohne Seele hinterlassen. Dies tat Marcus Nispel mit „Freitag der 13.“.

Und es fällt mir schwer genau herauszuarbeiten, was denn da nicht richtig funktioniert hat. Sicherlich kann man zunächst einmal von den offensichtlichen Fehlern ausgehen:

- Figuren, die nur kurz auftauchen, erinnern an die typischen Hinterwäldler der beiden letzten Beiträge zum „Texas Chainsaw Massacre“. Das passt nicht wirklich zur Atmosphäre eines „Freitag der 13.“
- Jason ist ein richtiger Jäger mit Fallen, professioneller Nutzung von Jagdwaffen, ja sogar elektrisches Licht nutzt dieser Mann. Das könnte man zwar alles als etwas positives sehen, immerhin kann man sich das Leben des aktuellen Jason im Wald vorstellen (jene Momente, die in den Filmen nie gezeigt werden). Das konnte man beim alten Jason nicht. Andererseits umwehte den Original-Vorhees-Sohn schon immer eine Mystik, wenn auch nicht so stark wie die eines Michael Myers. Das Geheimnisvolle, ja selbst das Ungeklärte an seinem lebendigen Zustand, musste eigentlich immer unangetastet bleiben, damit die Figur des Jason richtig funktionieren konnte. Unser 2009-Eishockeymasken-Killer ist ein mutierter Hinterwäldler, so wie wir ähnlich angelegte Figuren in „Wrong Turn“ erleben durften. Das war ein schöner Film, die Idee war nett, aber zu Jason passt das einfach nicht. Ganz oder gar nicht hätte die Devise heißen sollen. Ein Mix aus denkendem Jäger und debilem Original-Jason wird nun mal kein Ganzes. Irgendetwas will da nicht zusammenpassen. Ärgerlich ist in diesem Punkt auch, dass es fast parallele Szenen zum erwähnten „Wrong Turn“ gibt, wohl am auffälligsten in jener Einstellung, in der die Helden sich wo verstecken und der Killer vor ihrer Nase ein Opfer auf die Erde plumpsen lässt.
- Dass eine Frau Ähnlichkeit mit der wichtigsten Frau im Leben der Horrorfigur hat, ist ein alter Hut, den man allerspätestens aus Mumien-Horrors kennt. Zum klassischen Gruselfilm passt das wunderbar. Aber was hat dieser Bereich in einem Slasher zu suchen? Klar, es war die einzige halbwegs sinnvolle Erklärung dafür, warum Jason wen am Leben lassen sollte, aber musste dieser Bruch überhaupt hinein? Wozu Gefangene?
- Jason jagt in einem festen Revier. Das lässt die Frage aufblitzen, warum er nach all den Jahren urplötzlich, nur weil es Nispel zur Erhöhung der Opferzahl gerade in den Kram passt, die Behausungen der Bewohner aufsucht, die man zuvor kurzfristig kennen lernen durfte. Was hat ihn bewegt diesmal angrenzende Bewohner zu töten? Was hat ihn gehindert dies nicht schon vor Jahren gemacht zu haben?
- Wenn man schon unbedingt Teil 2 ehren will mit einer improvisierten Geschichtsbekleidung und unbedingt den Moment einfangen will, in dem Jason seine klassische Eishockeymaske bekommt, warum wurde dann dort nicht eine gewisse Mystik aufgebaut? Jason killt, Jason findet zufällig die Maske, na prima, zieh ich sie mir mal auf. Das ist wirklich peinlich zu nennen und dürfte wohl ein passendes Beispiel für die oben erwähnte „blasse Kopie“-Behauptung sein. Hier zeigt sich, dass „Freitag der 13.“ 2009 lediglich Auftragsarbeit war und nicht mit Kennerschweiß- und blut entstand.

Aber mit Neuerungen und Änderungen musste man wohl rechnen. Das erklärt allerdings trotzdem nicht, warum die Teenager so extrem unsympathisch gewählt wurden. Auch mit denen der Original-Reihe hat man nur selten mitgefiebert. Die Teenager der Neuverfilmung sind alles Sprücheklopfer, nicht einmal Teenager in ihrer Persönlichkeit, sondern kleine Erwachsene, die nicht einmal Partyspiele spielen können ohne bieder herumzukeifen. Zudem sind sie strohdumm, sprich im Vergleich einfach noch dümmer als die Teens, die man sonst immer sichten durfte. Teenager sind leichtsinnig, denken nicht alles zu Ende und ihren Lebensabschnitt nennt man nicht umsonst die Flegeljahre. Die Jugendlichen des Remakes sind nur noch Freaks, nur noch Außenseiter der Gesellschaft. Jene die es nicht sind, sind Abziehbilder schleimiger Vorzeige-Teenager, wie man sie auch in der Werbung zum Mc Donald-Scout oder zum Lidl-Azubi sichten darf, so wie sie auf dem Becks-Schiff sitzen oder in Musikvideos und Modeheften auftreten. Politisch korrekte Schleimscheißer ohne Seele und ohne eigenen Charakter. Diese verärgern beim Zuschauen noch mehr als die Freaks. „Freitag der 13.“ muss kein realitätsnahes Werk sein, aber es wäre zu wünschen gewesen wenigstens greifbare Menschen aus dem Leben zu verwenden und nicht irgendwelche seelenlose Produktklone aus dem breitgefächerten Bereich der Werbeindustrie.

Die beiden weiblichen Hauptcharaktere sind leider auch nicht sonderlich überzeugend. Die Gefangene sieht aus wie Franka Potente, spielt nur wesentlich plumper (mag auch nur den Anschein erwecken, da das Drehbuch ihr auch nicht allzu viele Chancen ließ) und die andere wirkt wie die blasse Jennifer Love Hewitt in „Ich kann's kaum erwarten“. Sie soll lediglich niedlich sein, aber sie wirkt zu mauerblümchenhaft, in ihr steckt nicht das Zeug einer Heldin. Gut, das hat Nispel begriffen und die eigentliche Heldin ist der Potente-Klon, da dieser aber fast auf der Gesamtlänge des Films nur eingesperrt ist, dient der Hewitt-Klon als Lückenfüller. Und nicht einmal das haut hin. Dass die seit Wochen Eingesperrte nach all der Zeit noch immer ausschaut, als sei sie aus einem Modeheft entlaufen, verärgert in der hier gezeigten Extreme auch in einem Film für Teenager.

Jason selber wirkt nur bedingt. Ich kann nicht genau ausmachen was es ist, aber er wirkt nicht wie Jason. Mit der Eishockeymaske stimmt etwas nicht, die Gangart ist nicht richtig und er ist eine viel zu ernsthafte Bedrohung und wirkt dadurch paradoxer Weise weniger bedrohlich. Ich kann es jedoch nicht wirklich erklären. Zudem bevorzuge ich das Jason-Outfit ohne Haare, hier haben wir wieder einen Struwel-Killer a la „Freddy vs. Jason“.

Etwas schade fand ich, dass man die Erzählung zu Teil 1 so kurz gehalten hat. Erst recht wenn man bedenkt, dass man in den ersten 20 Minuten eine Kurzvariante dessen zu sehen bekommt, was im Rest des Filmes langgestreckt noch einmal passiert. Hätte man diesen ersten kurzen Part weggelassen und gegen eine längere Vorgeschichte der Geschehnisse um Jasons Mutter ausgetauscht, wäre der Wiederholungsaspekt nicht so groß gewesen, und die Laufzeit würde nicht so gestreckt wirken. Allerdings wäre auch der Bodycount geringer. Und das wollte man wohl verhindern, wenigstens etwas, das vom Urkonzept unverfälscht bleiben sollte.

Haltet mich für jemandem, dem man es nie recht machen kann, aber in meinen Augen wäre dies der entscheidende Punkt gewesen, Veränderungen vorzunehmen. Hier werden die Morde und die Art derer von den Originalen kopiert, sicherlich auch stellenweise ehrfürchtig gemeint. Aber das Horrorgenre ist härter geworden. Und ob man das nun gutheißt oder nicht, zum Slasherbereich gehörte seit je her die wachsende Härte. Und da reicht es über 20 Jahre nach dem Original einfach nicht, die selbe Gangart wie einst einzuschlagen. Gerade Filme wie „Hatchet“ haben doch gezeigt, wie abartig und grotesk man die Morde eines Jason, Freddy und Michael in der Moderne weiterspinnen kann. Da braucht man zwar einen harten Magen, aber diese Extreme findet auch nicht ohne Augenzwinkern statt.

Der klassische geistfreie Slasher ist kein Genre mehr, das man ernst nehmen kann. „Freitag der 13.“ 2009 hätte keine Horrorkomödie werden müssen wie „Hatchet“, aber ein ironischer Umgang mit dem Thema wäre schon wünschenswert gewesen. Auch wenn man versucht hat den Jason-Charakter griffiger zu gestalten, und er somit nicht mehr das Hohlbrot der Originale ist, so hat man ansonsten doch viel zu sehr das klassische Slasherrezept aufgegriffen, als dass es nicht leicht zu parodieren gehört hätte. Selbst die ursprüngliche Reihe um Jason erkannte dies und ließ Humor nicht außen vor. Im Remake blitzt dieser nur in Teenagersprüchen auf. Dort erntet er sicherlich genug Schmunzler, hier war aber nicht die entscheidende Stelle um Komik zu setzen.

„Freitag der 13.“ bietet sicherlich vieles was man von einem Slasher erwartet, er guckt sich aber nicht wie ein „Freitag der 13.“

Da könnte ich auf dem zweiten Blick mit leben, aber selbst als Slasherbeitrag für sich finde ich ihn zu müde umgesetzt. Alles wirkt etwas zu steril, alles etwas zu glattpoliert, einfach wie ein Produkt. Wahrscheinlich wäre man mit einem völlig eigenem Slasherbeitrag wesentlich besser gefahren. Ums Leben rennende Teenager zu sehen, die vor Mördern mit Maske flüchten, macht, warum auch immer, einfach fast jedes Mal Spaß, so auch hier. Letztendlich ist Nispels Film aber einfach zu gewöhnlich ausgefallen und zeigt rein gar nichts, was den Streifen hervorgehoben hätte. Vielleicht hätte auch hier wieder eine entscheidende Veränderung im Hinblick auf die Originale stattfinden müssen: Vielleicht hätte Nispels Film einfach der erste „Freitag der 13.“ sein müssen, der Nervenkitzel erzeugt.  OFDb

25.10.2012

DIE INSEL (2005)

Lincoln fristet sein Dasein wie alle Menschen in einem Komplex unter der Erde. Die Oberfläche des Planeten ist unbenutzbar. Es gibt jedoch eine Insel, auf der man leben kann, ein jeder möchte hin, und ein Gewinnspiel entscheidet darüber wer darf. In dieser unterirdischen Welt, in der alles von oben kontrolliert wird, scheint alles zum höheren Zweck perfekt geregelt. Doch Lincoln kommt hinter eine Lüge. Das Gewinnspiel steht für etwas schockierend anderes...

Das Entdecken einer Wahrheit...
 
"Die Insel" schafft es philosophische und gesellschaftskritische Elemente mit dem Bereich des Actionfilms zu vereinen. Dies wirkt nicht, wie in anderen Besprechungen oft erwähnt, unausgegoren, läuft aber auch nicht wirklich parallel nebeneinander her. Die eine Hälfte des Films setzt verstärkt auf das eine, die andere Hälfte auf das andere. Dies funktioniert, bedeutet aber auch, dass von beidem bedingt weniger vorhanden ist, als in üblichen Filmen jeweiliger Art. Fans von Action und Freunde vom Anspruchsvollem könnten also enttäuscht werden. Zu letzterem muss man aber ohnehin erwähnen, dass „Die Insel“ in erster Linie Popkornunterhaltung sein soll. Und für einen solchen Film ist der Gehalt an tiefsinnigen Themen stark vorhanden. Erst recht wenn man bedenkt wer hier Regie führte.

Die Besetzung kann man als gelungen bezeichnen, höchstens der Quotenschwarze in Form des Jägers ist mittelprächtig besetzt, ist aber ohnehin die eher uninteressanteste, da zu aufgesetzteste Rolle. Der Film selbst ist Kurzweile pur und hält einem, ähnlich wie „Gladiator“, stets den Spiegel unserer Zeit vor, obwohl es in der Geschichte selbst ja um eine andere Zeit geht. In "Die Insel" wird diese Erzählform recht deutlich, wenn z.B. der Firmenchef erwähnt, dass die Ahnungslosen ihre Videospiele und Comics vorgesetzt bekommen, damit sie abgelenkt sind und nicht wissen wofür sie wirklich da sind. Mit Hirn aus guckt man über derartige Sätze hinweg, wer weiß wo heutzutage der Hase lang läuft, erkennt deutliche Kritik an der heutigen Spaßgesellschaft.

"Die Insel" erfindet das Genre nicht nur nicht neu, er bedient sich auch freudig an vielen Filmen seines und verwandter Genres. Ähnlich wie "Matrix" klaut er aber recht gut, so dass er dennoch ein gewisses Niveau halten kann. Ganz klar erkennbar sind Anlehnungen an "Blade Runner" und "Ghost In The Shell" wenn es um die Rechte eines Nichtmenschen geht. Durch das Thema Klonen sind Cyborgs für den Filmbereich relativ uninteressant geworden, und so wechselt nur der Klient, nicht aber das philosophische Thema: Wo fängt Menschsein an, und wo hört es auf?

Die brav gehaltene Gesellschaft in einem eingeschlossenen Komplex, die von den Obrigen angelogen wird ist bei "Flucht ins 23. Jahrhundert" abgeguckt. Die persönlichen Einschränkungen, die unsere Protagonisten erleben dürfen, erinnern stark an "1984", die Bravheit an der das ganze sittlich angelegt ist an "Demolition Man" und die Genetik als Überwachungsinstrument des Volkes an "Gattaca".

Wenn zur 2. Hälfte hin die Action losgeht, erinnert die Art der Verfolgung und der Verfolgten stark an "Der Staatsfeind Nummer 1". Das Simulationsspiel in der scheinbar heilen Welt erinnert an ähnliche Spiele aus "Futureworld", zudem erkennt man hier auch klare Parallelen, wenn das Double sein Original trifft, im Vergleich mit "Futureworld" werden die gute und die böse Seite hierbei allerdings vertauscht. Ähnliches sah man zudem in "The 6th Day" und in den "Body Snatchers"-Verfilmungen, die wiederum ein Plagiat von "Puppet Masters" waren.

Der Hintergrund der Lüge erinnert an "Coma", die Art der Lagerung an einen Mix aus "Coma" und "Matrix". Dass reiche Menschen in der Zukunft auf Kosten anderer Menschen länger Leben wollen, wurde schon im eher mäßigen "Freejack" thematisiert. Sprüche a la "Ich habe Dich geschaffen" erinnern sicherlich nicht zufällig an "Frankenstein".

Da kommen schon viele Filme zusammen von denen man sich wie ein Kind im Süßigkeitenladen fleißig bedient hat. Aber auch wenn hier gut geklaut wird, so kann ein Film mit so wenig eigenem Einfluss auch nie zum wahren Cineasten-Tipp werden. Zudem stoßen gerade gewisse Dinge gegen Ende sauer auf. Aus unerfindlichen Gründen bekommt eine Figur Gewissensbisse, was nicht zur Charakterisierung und zur Situation passt, sondern lediglich Hollywood-typische Klischees wiederholt. Die Überprüfung ob man es am Ende mit einem Klon oder dem Original zu tun hat, findet am Armband statt und nicht mit der wesentlich sicheren Methode den Code am Arm zu überprüfen. Auch dass zur Verdeutlichung des Bösen mit Elementen aus der traurigen deutschen Vergangenheit gespielt wird, stößt in einem US-Film sauer auf, da man auch mit Elementen der ebenso bitteren Vergangenheit Amerikas hätte spielen können, anstatt selbstgerecht aufs Ausland zu verweisen.

Außerdem ist der Actiongehalt der zweiten Hälfte eine Spur zu wuchtig ausgefallen, wenn man das Niveau der ersten Hälfte beachtet. Das wirkt nicht wirklich uneins, dafür aber arg unnötig und bremst somit leicht das Sehvergnügen.

Inhaltlich gibt es nicht erst gegen Ende anfechtbare Inhalte:
- Ein Konzern mit seinem unschätzbaren Wissen will nur Geld auf die ehrliche Weise verdienen, trotz seiner gesetzlosen Art? Was ist mit den Möglichkeiten Klone als Sklaven oder Sexobjekte an das Ausland zu verkaufen? Was ist mit der Idee aus "Futureworld" hohe Tiere der Gesellschaft durch Double auszutauschen, um noch mehr Macht zu erlangen? Es ist kaum zu glauben dass ein derartiger Konzern nicht zumindest über derartige Themengebiete nachdenken würde

- Die Klone kommen sehr schnell mit der Wahrheit zurecht. Sie können trotz der eigentlich umwerfenden und verzweifelten Situation mit freiem Kopf denken und handeln und bleiben auch Emotional im grünen Bereich. Eine Verwirrung der Sinne und des Gemüts hätten für zusätzliche Schwierigkeiten und somit für reizvollere Komplikationen in der Geschichte führen können.

- Mal wissen die Klone über etwas Bescheid, was sie eigentlich nicht wissen dürften, und manchmal wieder nicht. Dies wird immer so angewendet, wie es Bay gerade passt.

- Dass der Posten des überwachenden Psychiaters auch gleichzeitig der des obersten Firmenchefs ist, ist ebenfalls unglaubwürdig. Ebenso die Idee, dass der Wohnkomplex der Produkte direkt neben den wissenschaftlichen und produktiven Anlagen angesiedelt wurde und dabei noch nicht einmal räumlich richtig abgegrenzt wurde, sprich in verschiedenen Gebäuden getrennt. Außerdem wissen selbst die kleinsten Mitarbeiter über zu viel Bescheid. Das ist auch nicht wirklich glaubhaft

- Wie es der Durchschnitts-Ami gerne mag sind Gut und Böse sehr überzeichnet und schwarzweiß gehalten. Entweder ist eine Rolle das eine oder das andere. Und der Versuch mit dem Jäger beides in eine Figur zu integrieren, ist nur billigster Pathos und geheuchelte politische Korrektheit, die ohnehin immer sehr fragwürdig ist

- Wenn Sex verboten ist bzw. verhindert wird und auch Frauen als lebender Organhandel fungieren, wie zum Teufel konnte der Klon einer Kundin dann schwanger werden, damit sie selbst nicht die Schmerzen der Geburt durchleben muss? Möglichkeiten wären gegeben, genannt wird keine.

Dass nicht nur der Konzern fragwürdig ist, sondern auch die Regierung, wird leider kaum ins Auge gefasst. Wenn es ein Gesetz gibt, welches erlaubt geklonte Körper im Koma zu halten um diese auszuschlachten, so ist da doch etwas ethisch unkorrektes erkennbar. Da dieses besagte Gesetz gleichzeitig aber auch verbietet jene Klone richtig leben zu lassen, hat man leider die Möglichkeit eines bösen Endes verschenkt. Man hätte die Klone befreien können, sie hätten in die Freiheit hinauslaufen können, und nun hätte man z.B. Hubschrauber auftauchen lassen können, die diese vernichten. Denn das Gesetz besagt, dass die nun befreiten Menschen illegale Produkte sind, und diese müssen sicher vernichtet werden. Für eine derartige Regierung sind dies keine lebenswerten Objekte, und mit Sicherheit hat man auch bereits in der nahen Zukunft mit Problemen der Überbevölkerung und der damit verbundenen Ernährungs- und Ansiedlungsproblemen zu kämpfen. Die Vernichtung der Befreiten wäre ein hervorragender, schwarzhumoriger und zum denken anregender Schlussgag gewesen.

Im Endeffekt ist „Die Insel“ trotz solcher Mankos und für einen so ungewöhnlichen Mix recht gut ausgefallen, so dass man großzügig über die Kritikpunkte hinweg gucken kann. Wenn ich aber bedenke wie sehr hier die Gesellschaft von heute kritisiert wird und wie oft dies auch in anderen Filmen versteckt getan wird („Gladiator“, „Matrix“, „Donnie Darko“, und endlos könnte die Liste weiter gehen), frage ich mich wann endlich ein Filmschaffender den Mut besitzen mag nicht mehr um den heißen Brei herumzureden und mal ganz offen wagt vom Faschismus heutiger Zeiten zu berichten, ohne dabei in Fiktionen abzudriften.

Aber was soll's! Michael Bays „Die Insel" ist ein unterhaltsamer Film mit mehr Tiefe als man vermuten würde und (etwas zu) viel Action. Das Reinschalten unvoreingenommener Cineasten lohnt in jedem Fall.  OFDb