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10.02.2019

INDEPENDENCE DAY 2 - WIEDERKEHR (2016)

Dass man von Roland Emmerich keinen Geniestreich erwarten würde, dürfte wohl klar sein. Und dass man wieder sein patriotisches Weltbild ertragen muss, gekleidet in Stereotype, Klischees und Pathos, müsste ebenso jedem klar sein. Mehr Kawumm würde man ebenfalls von dem Meister des plumpen Mainstreams erwarten, das ist in gewisser Weise auch gegeben, schließlich schenkt uns "Independence Day - Wiederkehr" wenig Atempausen, es fühlt sich jedoch gar nicht so an. Das interessanteste und überraschendste Merkmal der Fortsetzung des recht tauglichen Vorgängers ist die, dass Emmerich aufgeregendes erzählt, aber unaufgeregt umsetzt. Vor dem Abspann hätte man noch eine große Actionsequenz erwartet, so zahm wie sich das Sequel guckt, aber nein, das war es tatsächlich, den Sieg leichter errungen als man meinen sollte.

Eine wirkliche Gefahr scheinen die Außerirdischen nicht mehr zu sein. Sie zerstören zwar wieder allerhand, etliche Menschenleben werden eingefordert, und doch ist "Independence Day: Resurgences" (Originaltitel) in eine Gleichgültigkeit getaucht, die den Angriff der Invasoren wie ein sich wöchentlich wiederholendes Ärgernis anfühlen lässt, aber nicht gerade, wie es trotz aller Schwächen selbst das Original schaffte, wie das Womögliche Auslöschen der kompletten menschlichen Rasse auf diesem Planeten. Emmerich interessiert sich mehr für Selbstzitate, das Erschaffen von Ritualen für mögliche kommende Fortsetzung irgendwann und für das Wiedererkennen von Figuren. Die Rolle Bill Pullmans ist zumindest halbwegs interessant ausgefallen, aber auch er spielt in diesem unaufgeregten Werk nur mit halber Backe, bis sein Charakter endlich ableben darf. Der Rest, ob bekannt oder nur an bekannten Figuren des Erstlings orientiert, interessiert so wenig die Bohne wie der komplette Stoff.

Zwar ist das Ganze irgendwie trotzdem so kurzweilige inszeniert, dass man bis zum Schluss dran bleibt, aber gerade in Zeiten sich stets überbietender Blockbuster ist am Ende diese Ernüchterung da. Aha, das war es also. Hätte man mir vorher vom Zustand der Fortsetzung erzählt, ich hätte mich gefreut, klingt doch in Zeiten von zu viel Schauwerten im Popkornfilm ein Zurückfahren nach dem typischen weniger ist mehr. Aber in einer Figuren- und Klischeewelt Emmerichs braucht man scheinbar diese Schauwerte, um die eigentliche Leere zu überschatten. Und die offenbart sich in "IDR" (Alternativtitel) geradezu erschreckend.

Glücklicher Weise mag ein gewisser Grad unfreiwilliger Komik zusätzlichen Sehwert bescheren. So konzentriert sich zwar das erschaffene alternative Weltbild nach dem Alienkrieg auf den technischen Fortschritten die aufgrund außerirdischer Technik seit dem gemacht wurden, aber trotz aller herben Verluste und Zerstörungen der ersten Invasion ist man gesellschaftlich so dekadent geraten wie heute üblich in den USA, und die Bevölkerungsdichte entspricht auch nicht gerade dem, was sich nach Teil 1 hätte fortpflanzen können. Kurzum ist das Amerika hier im Film das glattgebügelte, aber technisch weiterentwickelte Amerika von heute, zumindest aus der Sicht naiver Menschen. Selbst bei geringer Erwartungshaltung habe ich tatsächlich mehr erwartet. Mit seinem mickrigen, fast gleichgültig bekämpften zweiten Invasionsversuch hat mich der Schwabe überraschend negativ überrumpelt.  OFDb

19.03.2016

LAKE PLACID (1999)

Steve Miner, ich mag seine Filme, gerade jene aus dem Horror-Bereich. Deswegen wollte ich nach vielen Jahren der Vernachlässigung noch einmal den semi-bekannten „Lake Placid“ sichten, der ebenso wie Miners „House“ das Genre humoristisch nutzt. Interessanter Weise ist dem guten Mann das theoretische Hauptaugenmerk, das Krokodil, ziemlich egal. Hauptsächlich geht es in dem Streifen um die Wortgefechte innerhalb der aus unterschiedlichsten Menschen zusammengewürfelten Gruppe, und glücklicher Weise sind auch genau sie der Motor der den Film zum Laufen bringt. Die Kabbeleien untereinander sind sympathischer Natur. Wer keift wird nicht zum Nervfaktor des Zuschauers wie in anderen Filmen. Und mögen die meisten Figuren auch egoistisch gezeichnet sein, so wachsen sie einem doch alle ans Herz, auch wenn mit keinem von ihnen eine intensive Charakterstudie durchgeführt wird.

Humor hin oder her, Miner hat von Spielberg scheinbar etwas gelernt, denn er lässt uns das Krokodil nur sehr selten sehen, und wenn ist es auch schnell wieder verschwunden. Damit kann man zwar auch über technische Schwächen hinweg täuschen, für sein Erscheinungsjahr ist das Krokodil jedoch glaubwürdig animiert, so dass der Grund der raren Erscheinung entweder in der Kostenfrage zu suchen ist, oder das spärliche Einsetzen des Aggressors atmosphärisch gewollt war, um Szenen möglichst effektiv einfangen zu können und im Zuschauer eine Erwartungshaltung aufzubauen. Was auch immer tatsächlich der Grund war: die Krokoszenen sind geglückt, in ihrer Population gut über den Film verteilt ohne all zu lange Durststrecken vom ungeduldigen Part der Zuschauer abzuverlangen, und sie lassen der Gruppe Menschen in ihren Pausen genügend Raum sich entfalten zu können.

Dabei wird der Schlagabtausch untereinander nie zur Königsübung der Komödienkunst. Man verlässt sich einfach darauf dass die Figuren auf den Zuschauer zu wirken wissen, und bei jenem Teil bei dem das der Fall ist ist dies für das Endergebnis auch die halbe Miete. Wer keine Freude mit den Charakteren hat wird sicherlich auch dem kompletten Film wenig abgewinnen können, folgt die Geschichte doch bis auf wenige Ausnahmen eher überraschungsarm dem typischen Verlauf einer solchen Geschichte, inklusive der obligatorischen Love Story, die sich mit der Zeit langsam aufbaut.

Wer einzig auf Kroko-Action steht, dem werden nicht nur die Auftritte des Reptils zu selten sein und zu harmlos erscheinen, der wird auch mit dem Finale nicht viel anfangen können, das darauf verzichtet noch einmal für einen letzten Paukenschlag auszuholen, wenn alles zu Ende erzählt scheint. Bei „Lake Placid - Der Schrecken aus der Tiefe“ (Alternativtitel) ist mit der Gefangennahme des Krokodils die Geschichte tatsächlich zu Ende erzählt, und das ist in diesem Falle auch gut so, da diese Entscheidung konsequent zu nennen ist. Ein unnötiges, aber sympathisches Schlussgeplänkel zwischen den Liebenden gibt es noch kurz zu erleben, und dann folgt auch schon der Abspann, der ein Schlussbild präsentiert, welches manchen sicher staunen und/oder schmunzeln lässt.

„Lake Placid“ spielt nicht in der ersten Liga der gelungenen Reptilien-Horrorfilme mit. Da gefallen mir Werke wie „Black Water“, „Der Horror-Alligator“ und „Rogue - Im falschen Revier“ doch wesentlich besser. Aber einen Blick kann man durchaus riskieren, wenn man mit humoristisch untermalten Horrorbeiträgen etwas anfangen kann. Sympathische Darsteller bereiten in einem Nichts an Story genügend Freude um das Ende des Streifens nett unterhalten zu erreichen. Und auch die gelungene deutsche Synchronisation hilft dabei.  OFDb

03.12.2015

SPACEBALLS (1987)

Im Vergleich zur eher stimmig erzählten Mel Brooks-Parodie „Frankenstein Junior“ kommt „Spaceballs“ laut und übertrieben albern daher. In seiner Gag-Konzeption ist er aufgrund des Wunsches auf Wiedererkennung der zu parodierenden Filme eher vergleichbar mit „Scary Movie“ anstatt mit „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“, zumal man hier wie dort nicht die Mechanismen des Genres nutzt um zu parodieren und nur selten einen intelligenten Hintergedanken zu seinen Witzeleien hatte. Es wird einfach hemmungslos albern herumgeblödelt, auf allem herumgeritten was halbwegs mit dem Thema Weltraum zu tun hat, und man kann es Mel Brooks hoch anrechnen, dass er im Gegensatz zu „Robin Hood - Helden in Strumpfhosen“ und zu „Dracula - Tot aber glücklich“ den richtigen Ton und die richtige Trefferquote gefunden hat, so dass sich „Spaceballs“ rein vom Blödelniveau her trotzdem deutlich vom wesentlich unterirdischeren „Scary Movie“ abhebt.

Das Konzept der geistfreien Filmparodie an sich schafft nicht automatisch einen schlechten oder zumindest minderwertigen Film, wie „Spaceballs“ beweist, der es vom Unterhaltungswert her locker mit den geistreicheren Filmparodien dieser Welt aufnehmen kann. Mel Brooks ist ein kleines Wunder geglückt, so perfekt pointiert hier hemmungslos herumgeblödelt wird. Das Spiel mit den Stunt Doubles und die Kritik am Marketingwahn der damaligen „Star Wars“-Filme sind Beispiele höchst seltener Momente in denen ein tieferer Gedanke, bzw. eine Idee aus dem Hintergrund des Filmschaffens Pate für einen Gag stand. Der Rest kommt so angenehm sinnlos daher wie die eigentliche Geschichte des Streifens, die keines der Vorbilder Szene für Szene nachäfft wie es „Scary Movie“ tat, sondern trotz ganz direkt parodierter Filme eine eigenständige Geschichte erzählt, die so selbstständig daher kommt, dass kein dünner roter Faden sie mühsam beisammen halten muss.

Da wird Chewbacca zum Weltraumhund, genannt Möter, degradiert, Prinzessin Leas Frisur entpuppt sich bei Prinzessin Vespa als Kopfhörer, das endlos große Raumschiff wird zum Transformer, der wiederum an einer berühmten „Planet der Affen“-Szene mehr beteiligt ist als man vermuten darf. Und aus dem furchteinflößenden Herrscher Jabba wird der Mafiosie Pizzamampf, von dessen Haut auch seine rechte Hand ruhig einmal kosten darf. Wenn die einleitende „Krieg der Sterne“-Schrift damit parodiert wird, dass darauf hingewiesen wird dass man keine Brille benötigt, wenn man den Text lesen kann, dann weiß man in etwa welches Witzeniveau einen weiterhin erwarten wird. Feingeistigen Humor kann hier suchen wer will, man wird ihn nicht finden. „Spaceballs“ ist ein Film der lauten Lacher, und die bekommt er aus dem Zuschauer auch gekonnt herausgekitzelt.

Hierfür werden hauptsächlich Szenerien aus "Krieg der Sterne", aber auch aus „Raumschiff Enterprise“, „Alien“, „Der Zauberer von Oz“ und vielen anderen Filmen parodiert, und der Geräuschemacher Michael Winslow, den die meisten wohl aus den „Police Academy“-Filmen kennen werden, darf in einem kurzen Auftritt ausnahmsweise einmal witzig wirken kurz bevor geistfrei über Marmelade gewitzelt werden darf, so wie später an anderer Stelle über Joghurt. Der Möter und das Durchkämmen der Wüste haben es bei der damaligen „Spaceballs“-Generation zu geflügelten Worten geschafft, Witzbeispiele die mit als erstes genannt werden, wenn man sich über diesen recht berühmten Film unterhält.

Die Besetzung ist mit kindlisch verspielter Freude dabei, allen vorran der gern unterschätzte Rick Moranis, der die Darth Vader-Antwort Lord Helmchen aufgrund seiner Brille nicht nur optisch äußerst komisch verkörpern darf, sondern auch durch seine völlig infantile und verwöhnte Art, die zu solch großartigen Witzeklassikern wie der wahnsinnigen Geschwindigkeit führten und dem romantischen Puppenspiel mit Merchandising-Puppen. Meine liebste Helmchen-Szene ist das völlig kindische Verhalten während des Betrachtens des Mr. Radars nach einem Kaffee aus dem Mr. Coffee.

„Spaceballs“ wurde dank Witze wie der Szene im Jetzt, dem Beamen in den Nebenraum und dem schwulsten Lichtschwerterkampf der Filmgeschichte zum Kultfilm, und selten durfte so hemmungslos unter Niveau gelacht werden ohne sich hinterher dafür schämen zu müssen wie hier. Brooks Weltraum-Parodie ist ein pointensicheres Fest für die Lachmuskeln, wie es dies auf diesem unterirdischen Niveau nur selten so perfekt umgesetzt vorzufinden gibt und ist damit Werken seiner Zeit wie „Die nackte Kanone“ und „Kentucky Fried Movie“ ebenbürtig. „Spaceballs“ geht trotz hohem Gag-Tempo nie die Puste aus, die Story wird trotz der Hauptbemühung bekannte Vorbilder zu parodieren niemals langweilig, und somit kann man den König der Flachköpper als rundum gelungen bezeichnen, zumal man ihn alle paar Jahre immer wieder schauen kann, um erneut herzhaft zu lachen.  OFDb

18.06.2015

SCARY MOVIE 4 (2006)

Bereits mit „Scary Movie 3“ lieferte Regisseur David Zucker nicht mehr das Niveau jener Film-Parodien ab, mit denen er im Trio mit Jerry Zucker und Jim Abrahams einst berühmt wurde. Und mit „Scary Movie 4“ geht es noch eine Nummer weiter nach unten, wird die Reihe nun doch noch mehr zur reinen Zoten reißenden, Filme zitierenden Nummern-Revue als ohnehin schon, der man aufgrund einer Vielzahl unnötiger Fäkal-Gags und billiger Hau drauf-Komik zu Recht kritisch gegenüber stehen mag. Tiefsinn blitzt nicht einmal mehr leicht auf, der Kern der zu parodierenden Genres wird nicht einmal mehr erörtert. Bekanntes soll lediglich erkannt werden und durch einen schlichten Gag humoristisch verarbeitet.

Trotzdem muss man den Autoren zugestehen, dass es gar nicht so einfach ist die völlig unterschiedlichen Filme „Saw“, „The Village - Das Dorf“, „Krieg der Welten“ und „The Grudge - Der Fluch“, welche neben einer Vielzahl anderer Werke hauptsächlich verarscht werden, unter einen Hut zu bringen. Der rote Faden, der eine erzählte Geschichte vortäuscht, ist hauchdünn zu nennen, und doch ist es faszinierend wie alles zu einem pseudo-sinnvollen Cocktail vermischt wird. Kunst ist das nicht, aber herrlich schräg mit anzuschauen durchaus.

Dank einer wie immer gut aufgelegten, verspielten und mutigen Anna Faris weiß dieses plumpe Rezept gerade noch auf schlichter Ebene aufzugehen. Trotz allerhand Rohrkrepierer kann man über viele Gags noch herzhaft lachen, wenn man bereit ist sich auch einmal unter Niveau zu amüsieren. Wenn ein Vater sich mit vorgeheuchelter Art als Nichtkenner seiner Kinder entpuppt, gebranntmarkte Flüchtlinge für Zombies gehalten werden, hinter einer Schweinemaske ein Mann namens Pigface steckt oder ein in Ketten Gefangener sich das falsche Bein beim Befreiungsversuch absägt, dann ist das durchaus lustig. Im Gegensatz zum ersten „Scary Movie“ kann man die Fehltritte jedoch nicht mehr ignorieren, sie verwässern sehr deutlich den Unterhaltungswert des Streifens in ihrer arg vulgären Art.

Selbstverständlich bleibt ein Extrem-Werk wie „Scary Movie 4“ reine Geschmackssache, so provokativ wie er sich absichtlich in schlechtem Geschmack suhlt. Aber man darf auch nicht zu engstirnig an einen Film herangehen, der lediglich simpel unterhalten will während er die erfolgreiche Geldkuh melkt. Besser funktionierend als jeglicher seelenlose Blockbuster a la „Terminator 4“, "Man of Steel" oder „Transformers“ ist diese Horror-Komödie noch immer. Wie weit es Niveau-mäßig hierfür bergab gehen darf bleibt Ansichtssache, viele rümpften bereits beim anspruchsvolleren Teil 1 die Nase oder bei der Rezeptveränderung Zuckers durch Teil 3.

Spätestens an der letzten Szene werden sich die Geister endgültig scheiden, muss man zum Verstehen der Szene doch zur Ausnahme einmal tatsächlich das Original gesehen haben, in diesem Falle den Liveauftritt von Tom Cruise in einer populären Talkshow, und selbst dann bleibt die hauptsächlich improvisierte Szene aufgrund grenzdebilem Humors reine Geschmackssache. Brilliant, wie es Regisseur Zucker formulierte, ist die Performance des Cruise-Parodisten, der mit dieser Rolle die zweite Hauptrolle des Streifens spielte, keineswegs zu nennen, dafür fehlt der Nummer die Tiefe. Aber so sehr sich der werte Herr auch zum Affen macht, immer wieder gelingen ihm kurze Momente, welche das Herumgealber zu jener Groteske macht, welche die Szene im Gesamten hätte werden müssen um als gelungen betrachtet werden zu können.

Ich konnte mich damals erst beim zweiten Sichten mit „Scary Movie 4“ anfreunden, war ich nach erster Sichtung doch wie erschlagen von der Plumpheit des Dargebotenen. Gibt man dem etwas zu bemühtem Herumgealber jedoch eine faire Chance, sich wissentlich gerade unter Niveau unterhaltend, wissen die positiven Momente das Gesamtwerk doch noch zu stemmen. Sicherlich nicht mit so kräftigen Armen gehalten wie es ein Schwarzenegger oder Hercules könnte, aber als Wackelkandidat sich gerade noch im Bereich des angenehmen Durchschnitts haltend. Allein die stark ans Original angelehnten Örtlichkeiten verdienen einen Sympathie-Bonus.  OFDb

24.05.2015

DIE SCHLANGE IM REGENBOGEN (1988)

Als die erste Zombiewelle Mitte der 80er Jahre endete und sich nur noch einige wenige parodistisch angelegte Werke mit den lebenden Toten beschäftigten, da stieß Wes Craven auf ein Projekt welches sich mit der durch Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“ ersetzten Ur-Thematik auseinandersetzte: den Untoten in Bezug auf die Voodoo-Kultur. Im Gegensatz zu den Klassikern „White Zombie“ und „Ich folgte einem Zombie“ sollte der Zauber der ganzen Sache aus der Sicht eines rational denkenden Menschen entdeckt werden, einem Wissenschaftler. Der Aufhänger war, dass man der Rezeptur mit welcher das Todsein vorgetäuscht wird, auf die Spur kommen wollte.

Die Fragwürdigkeit der Pharmaindustrie, in deren Auftrag Allen unterwegs ist, wird nicht angerissen, weder beim Aufhänger der Geschichte, noch in Form einer schwarzhumorigen Pointe. Das beweist in Kombination mit der Behauptung einer angeblich wahren Begebenheit wie blauäugig der Film daher kommt, dem der „The Last House on the Left“-Regisseur Wes Craven, wie man es aus seinen Werken „Shocker“ und ganz besonders aus „Nightmare - Mörderische Träume“ von ihm gewohnt ist, einige wirksame alptraumhafte Bilder zu bescheren weiß. Diese und manch fiese Idee, wie das Wandern einer großen Spinne auf dem Gesicht eines durchs Voodoo-Pulver Gelähmten, wissen dem Film einen gewissen Reiz zu bescheren und niemanden kalt zu lassen. Insgesamt kann man „Die Schlange im Regenbogen“ mit all seinem Hokuspokus allerdings nicht wirklich ernst nehmen.

Bereits die Besetzung des eigentlich so sympathischen Bill Pullman („Spaceballs“, „Während du schliefst“, „The Grudge - Der Fluch“, ...) erweist sich als wenig geglückt, ist er mimisch doch viel zu zurückhaltend und wirkt seine Fön-Frisur, die ihn sonst gerne mal smart wirken lässt, doch eher deplaziert. Und wenn diese selbst nach einer Nacht des Sex noch perfekt sitzt, wirkt das schon sehr belustigend, ebenso wie der Einsatz eines sichtbar gezähmten Jaguars, der bedrohlich wirken soll.

Es ist schade dass die letzten 20 Minuten der Geschichte die Möglichkeit berauben Interpretationssache des Zuschauers zu sein. Bis dahin ließe sich vieles mit Halluzinogenen erklären, ein Gedankenansatz der auch ganz direkt im Film geäußert wird. Aber das Drehbuch, für welches Craven ausnahmsweise einmal nicht selbst verantwortlich war, kann der Versuchung nicht widerstehen dem Hokuspokus schließlich Recht zu geben.

Zudem setzt er nach einem, selbst für das Zugeständnis des Zaubers akzeptablen, Schluss eine Erweiterung ein, welche die Rolle des Allen zur unnötigen Rachefigur werden lässt und uns damit wieder deutlich macht, dass wir es mit einem amerikanischen Film zu tun haben, deren Kultur eine völlig andere ist als die unsere, auch wenn das Kino uns immer wieder weiß machen möchte dem wäre nicht so. Mental lässt sich da gerade gegen Ende vieles nicht mit unserem Denken vereinbaren, was in einem amerikanischen Film auch gar nicht schlimm wäre, wenn der Schluss eine Konsequenz des zuvor Erzählten wäre. Aber das ist ja leider nicht der Fall.

Technisch gesehen ist „Die Schlange im Regenbogen“ professionell abgefilmt, und auch die Regie Cravens sorgt dafür, dass sich der Streifen in seinem Unterhaltungsgehalt wacker schlägt. Aber letztendlich fehlt dem Film die intensive Wirkung, die allein schon durch das amerikanische Bild wie sich die Filmindustrie einen Wissenschaftler und dessen Denken vorstellt nicht ernsthaft entfalten kann. Zwar gibt der Streifen den Voodoo-Kult nie wirklich der Lächerlichkeit preis und weiß ihm eine gewisse Mystik zu bescheren, und Allens Weg zum Pulver ist nicht ohne Hürden und Täuschungen versehen, und auch der Mut einen erwachsenen Horror in Zeiten von Teenfilmen ins Kino zu bringen ist lobenswert anzumerken, aber letztendlich ist „The Serpent and the Rainbow“ (Originaltitel) eine halbgare Angelegenheit, die sich nur Komplettisten des Regisseurs Wes Craven zu Gemüte führen sollten.

Der hat mal bessere und mal schlechtere Filme als diesen abgedreht, „Die Schlange und der Regenbogen“ (Alternativtitel) befindet sich also im Mittelfeld seines Schaffens, aber die ernstzunehmende Auseinandersetzung mit dem Zombie-Thema, wie mancherorts gern behauptet wird, ist der Streifen definitiv nicht geworden. Aufgrund ihrer politischen Aussagen sind da viele Werke der Romero-Welle wesentlich ernster zu nehmen, als der pseudo-realitätsorientierte Ansatz im hier besprochenen Film.  OFDb

23.11.2012

ALIEN AUTOPSY - DAS ALL ZU GAST BEI FREUNDEN (2006)

Ein Reporter interviewt einen jungen Mann, der einige Jahre zuvor die Welt mit einem gefälschten Video verarschte, auf dem zu sehen war, wie das US-Militär eine Autopsie an einem Außerirdischen tätigt...

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht...
 
„Alien Autopsy“ war ein Video, welches, wie der Titel bereits verrät, die Autopsie an einem Außerirdischen zeigt, angeblich aufgenommen in den 40ern in Roswell. Experten stritten sich um die Echtheit dieser Aufnahmen, und 10 Jahre später entpuppte sich alles als Fake. Wie es zu dem Video kam und was dies so nach sich zog, davon berichtet diese Komödie, zumindest teilweise.

Und das macht sie auch sehr unterhaltsam. Nach einem neugierig machenden Anfang in der Gegenwart steigt der Film mit flotter Musik dort in die Geschichte ein, wo es 10 Jahre zuvor los ging. Dank der Interviewsequenzen kennt man die Hauptfiguren bereits, so dass man zu Beginn der Story auch gleich mit ihnen warm geworden ist. Sie haben zwar hollywoodtypische Charaktere (zu einseitige Darstellung eines Peppigen und eines Verkrampften), aber dank einer flotten Inszenierung hat man diesen Wermutstropfen schnell verarbeitet, und außerdem ist die Geschichte ja nun auch nicht von schlechten Eltern.

Die tollsten Storys schreibt immer noch das Leben, und im Falle von „Alien Autopsy“ fällt es auch wirklich schwer zu glauben, was man da sieht. Glauben sollte man aber ohnehin nicht alles, immerhin gibt es auf der einen Seite spekulative Bereiche (z.B. die Reaktion des US-Militärs auf das Fake-Video) und auf der anderen Seite kommerziell wichtige Bereiche. Ähnlich dem „Blair Witch Project“ wollen die Video-Betrüger, die auch die Produzenten der Komödie sind, einen Hauch Restlüge erhalten, und so wird steif und fest behauptet, das besagte Video wäre der Nachdreh einer echten Doku, von der das Filmmaterial zerstört ist. Auch der Zeitpunkt, zu dem dieser Film herauskam ist theoretisch sicherlich kommerziell clever gewählt zu nennen.

Auch in den Punkten, die man sicherlich auf der Seite der Wahrheit nennen kann, gibt es immer wieder Übertreibungen zur Steigerung des Unterhaltungswertes. So ist beispielsweise die Art und Weise, wie ein freakiger Filmprofi gerettetes Material übergibt, arg Kino-typisch eingebaut zu nennen.

Mit all diesen Punkten sollte man aber nicht zu streng sein. Immerhin behauptet der Film nicht, er sei ein Tatsachenbericht. Zu Beginn darf man lediglich den altbekannten Spruch lesen, der besagt, dass der Streifen auf wahren Tatsachen beruht. Von daher ist es schon gut, dass man den Weg der Komödie wählte, so kann man mit dem hier Gezeigten besser, da weniger kritisch, umgehen.

Leider bekommt man von dem was wirklich interessiert nur einen kleinen Teil gezeigt. Man sichtet die Hintergründe wie es zum Dreh kam, wie die Vorbereitungen waren, wie der Dreh selber vonstatten ging (eine sehr lustige, aber auch viel zu lang geratende Szene). Wir dürfen daran teilnehmen, wie einem der beiden Amateurfilmer der Erfolg zu Kopf steigt und wie es überhaupt zum Erfolg und dem Medienrummel kam.

Leider fehlen mir hier wirklich interessante Aspekte: Wie war das Leben in der Öffentlichkeit, belagert von Medien, Alienfreaks und, wenn man sich an die Kinogeschichte hält, Geheimdienst? Dies wird viel zu kurz angeschnitten. Man bekommt erzählt, irgendwelche Menschen wären nachts auf dem Dach gewesen. Leider erfährt man dies als Zuschauer nur über Worte. Das wären eigentlich spannende, lustige und vor allen Dingen interessante Momente gewesen, die es wert gewesen wären sie zu zeigen.

Auch der angeblich echte Kameramann kommt etwas zu kurz. Einmal flüchtet er vor einer Journalistin, hin und wieder wird er mit Einzeilern eingeblendet. Wieso wird er in diesem Punkt wie ein Actionheld behandelt?

Und der wohl wichtigste Punkt: Wie war denn nun das Mediengeschehen, und wie waren die privaten Situationen der Protagonisten, als sich Experten um die Echtheit des Dokumentes stritten? Und wieso muss man Theorien, welche eine Lüge nahe legten, erst bei Wikipedia nachlesen? Es ist doch interessant zu hören, was Experten am Video für Ungereimtheiten aufgefallen sind. Eben weil man eine Komödie und keinen Tatsachenreport sichtet, wäre es doch vollkommen o.k. gewesen, solche Punkte in die Geschichte zu integrieren.

Zudem kommt der Schluss viel zu plötzlich, zu einem Zeitpunkt, wo man gerne mehr sehen will. Der Plan einer Fortsetzung? Vielleicht, aber mittlerweile unnötig! Der Film spielte nicht einmal seine Kosten ein. Damit wären wir wieder beim Thema von oben angelangt: In der Theorie ist der Zeitpunkt der Kinoveröffentlichung kommerziell sicherlich clever gewählt zu nennen, aber die Praxis sieht nun einmal häufig anders aus.

„Alien Autopsy“ ist sicherlich nicht der große Wurf geworden, aber ein unterhaltsamer Film, bei dem die Laufzeit wie im Fluge vergeht, ist er auf jeden Fall. Man darf seine Ansprüche nicht zu hoch schrauben, und was in seiner Nichtigkeit nerven oder verärgern könnte, wird ohnehin durch die sehr interessante Geschichte wieder wett gemacht.

Anbei finde ich es sehr interessant, dass der flotte und passende Soundtrack viele Coverversionen enthält. Ist es Zufall, weil die ganze Welt nun einmal Lieder aller Art covert, oder ist es Augenzwinkerei, eben weil die Amateurfilmer behaupten ihr Video sei auch nur ein Remake, eine Coverversion, des Originals? Die Antwort dazu kennen wohl nur die Verantwortlichen des Filmes, und wer die sind weiß man ja: Die Lügner vom Dienst. Könnte man ihnen glauben, wenn sie behaupten dieser Musikkniff wäre Absicht?  OFDb