Posts mit dem Label John Wayne werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label John Wayne werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

06.08.2022

BRANNIGAN - EIN MANN AUS STAHL (1975)

Nachdem es gleich mit zwei "Dirty Harry"-Filmen bei Clint Eastwood funktioniert hat, dachte man sich wohl, dass man es auch mit John Wayne versuchen könnte ihn vom Western-Genre in jenes des Kriminalfilms umzusatteln. Der zweite Versuch fällt unübersehbar äußerst tolpatschig aus. Es ist nicht so, dass ich "Brannigan - Ein Mann aus Stahl" nicht unterhaltsam gefunden hätte, und dies trotz der vielen Fehler nicht einmal im unfreiwillig komischen Sinne, dennoch fragte ich mich was die Produzenten sich bei diesem Film gedacht haben. Wer sollte sich für die angegangenen Schwerpunkte und für die schwammig eingebrachten verschiedenen, auf diese Art nicht kompatiblen, Zusatzelemente interessieren? Die Hauptgeschichte ist hanebüchener Natur, völlig konstruiert, ohne dabei eine besondere Raffinesse oder einen neugierig machenden Kriminalplot aus dem Ärmel zu zaubern. Und diesem wird ein Kultur Clash zwischen Briten und US-Amerikaner beigefügt, der freilich sanft dargeboten und zum Vorteil des US-Amerikaners, da heimlich in seiner ruppigen Art vom Briten als charmant angesehen, ausfällt. Mit der Action hält man sich stark zurück, was bei der unaufgeregt erzählten Entführungsstory auch kaum anders möglich ist, und wenn man gar nicht mehr damit rechnet wird im letzten Drittel plötzlich noch relativ penetrant mit Humoraspekten herumexperimentiert, bevor ein vorhersehbarer Schlusstwist die vor sich hin plätschernde Sache, um einen Cop der gar nicht so stahlhart ist, wie der deutsche Beititel vermuten lässt, zu einem Ende bringt. 
 
Dass sich dieses nicht befriedigend anfühlt schien man zu bemerken, deswegen folgt noch ein ereignisreicheres Endszenario mit einem Auftragskiller, der auf Brannigan angesetzt ist und zuvor im Laufe des Filmes stets äußerst amateurhaft versuchte den ungeliebten Gesetzeshüter unter die Erde zu bringen. Das besitzt teilweise regelrecht "Road Runner"-Touch, es fehlte lediglich das Element selbst zum Opfer der gesetzten Fallen zu werden. Auch hier zeigt sich der verzweifelt anmutende wilde Mix aus allem zugleich. Kein Element ist konsequent durchgezogen, "Brannigan" (Originaltitel) wird zum Experimentierfeld planloser Geldgeber und Geldscheffler, in der Hoffnung Wayne im Kriminalfilm irgendwie verwerten zu können. Dass ausgerechnet dessen zu spielender Charakter, ebenfalls so orientierungslos wie der eigentliche Plot ausfällt, indem er mal der harte, dann der zahme, mal der störrische, dann der schnell einsichtige und mal der schwer zugängliche und dann doch der schnell von allen gemochte Charmebolzen/harte Hund ist, setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Letztendlich lag es an der verspielten Grundstimmung und der Sympathie zu den Figuren, dass mich dieses orientierungslose Stück Kriminalfilm trotzdem kurzweilig unterhalten hat. Wer mit wenig Erwartungen herangeht und auch gerne Mal einen Film ohne nennenswerte Handlung sichten kann, der kann sich ruhig mal an "Joe Battle" (Alternativtitel) versuchen. Dass das Ergebnis seinerzeit kein Erfolg werden konnte, hätte aber selbst ein Blinder vorhersehen können.  OFDb

14.11.2014

RIO GRANDE (1950)

Ich bin nicht sehr bewandert im Western-Genre und kenne auch nicht die beiden Vorgänger des hier besprochenen Streifens, welcher der Abschluss einer Trilogie von Regisseur John Ford und seinem Star John Wayne ist. Es mag also sein dass es mit meiner Unkenntniss einhergeht, wenn ich von „Rio Grande“ behaupte, dass er ein eher uninteressanter Beitrag seines Genres ist. Sicher, er bietet Liebe, Action, ein wenig Humor und jede Menge Pferde, aber letztendlich steht er doch all zu lang auf der Stelle, als dass das Treiben innerhalb seiner dünnen Geschichte mich wirklich interessieren könnte.

Dabei sind die Charaktere gar nicht mal so eindimensional gezeichnet, wie man aufgrund eines stillstehenden Filmes vermuten könnte. Und die Actionszenen sind gar nicht mal schlecht herausgearbeitet. Mancher Pferdestunt, ob per Kunststück vorgetragen oder während einer Schlacht, ist nicht von schlechten Eltern. Aber das sind alles qualitative Elemente in einem stockenden, bleiernen Sumpf von Story, welche die Protagonisten nur mit Mühe Schritt für Schritt leisten. Mag es auch reizvoll sein die zwischenmenschlichen Situationen einfangen zu wollen, und mag es auch interessant sein einen Western auch mal aus Militärsicht zu erzählen, „Rio Grande“ fehlt es an Tempo, und er kann über dieses Manko auch nicht mit seinem ewig monotonen Gesang hinwegtäuschen.

Klar, John Wayne ist ein Hingucker wie immer, und bis zu einem gewissen Grad hat mich auch die Dramatik zwischen ihm und seiner einstigen Frau interessiert. Aber inmitten ewiger Laufzeit wird doch nur viel zu vieles angedeutet anstatt tatsächlich angepackt, so z.B. die Ausbildung des Sohnes, eines Mannes der endlich einmal etwas bis zum Schluss durchziehen möchte, wenn es sein muss auch gegen den Willen seiner sturen Mutter.

Nach einiger Zeit hat mich diese gesamte Familien-Thematik nur noch angeödet und ich hoffte das militärische Treiben, wenn es denn mal los ginge, würde mein Interesse an den Film zurück gewinnen. Aber als es endlich soweit war, dass den Indianern der Kampf angesagt wurde und Frauen und Kinder in deren Gefangenschaft gerieten, da merkte ich erst wie egal mir „Rio Grande“ mittlerweile geworden war, und dass ein höheres Tempo nun auch nichts mehr auszurichten vermag.

Das finde ich eigentlich schade, meinen Respekt hat der Streifen nämlich sehr wohl gewonnen bei seinen guten Darstellern, seiner professionellen Optik und seinen Schwerpunkten in einer Geschichte, die für den Standard-Western nicht zwingend hätten sein müssen. Die Qualität der Beteiligten vor und hinter der Kamera stimmt also. Die eigentliche Atmosphäre dieses Westerns ist mir jedoch zu monoton. Und ich habe mich in dieses Genre noch nicht weit genug hineingearbeitet, um mich mit einem solch halbgaren Ergebnis zufrieden zu stellen. Dafür fühle ich mich in diesem Genre noch nicht heimisch genug.  OFDb

31.07.2014

RIO BRAVO (1959)

Für mich ist „Rio Bravo“ „Der weiße Hai“ des Western-Genres, dürfte Spielberg sich für seinen Tier-Horror von Howard Hawks Werk doch gut inspiriert haben lassen. Da sitzen sie im Gefängnis, vier unterschiedliche männliche Gestalten, tapfer Wache haltend bis der Gefangene von einem höheren Gesetzeshüter abgeholt wird, um ihn in ein richtiges Gefängnis zu überführen. Zwischen den unterschiedlichen Leuten entsteht eine Freundschaft. Irgendwann singen sie sogar zusammen. Die Gefahr wird kurz bevor sie sich auf ihrem Höhepunkt befindet ausgeblendet. Inmitten der Aufregung zählt kurz das Prinzip der Männerfreundschaft, wer der Chef des Hauses ist bleibt jedem trotzdem stets bewusst.

Wir befinden uns mit dieser Szene kurz vor dem Finale, Chef des Hauses ist freilich der Sheriff, gespielt von einem nie das Gewehr ablegenden John Wayne. Mag in besagter Szene die Bedrohung auch ausgeblendet werden, so richtig im Mittelpunkt stand sie nie. Die Interaktion zwischen den Männern, die sich irgendwann im Gefängnis endgültig zusammenfinden und zu einem funktionierenden Team zusammengeschweißt sind, sind das Hauptaugenmerk der Geschichte, umrandet von Chances Prinzipien des Lebens, er, der Ur-Typ der Gattung Mann, selbstbewusst, mutig, pflichtbewusst, die Frauen nicht verstehend, ob am Whiskyglas oder in der Schießerei jedoch stets ein ganzer Mann und von der Bevölkerung respektiert und verehrt.

Der Besitzer des Hotels der Stadt respektiert ihn dann auch gleich eine Spur zu viel, ist ein ewig Befehle befolgender unterwürfiger Mexikaner und die einzige Figur des Streifens die nervt. Der Rest ist jedoch, in Stereotype badend hin oder her, sympathisch und interessant charakterisiert, was übel wäre wenn nicht, so wichtig die Figuren für die Geschichte durch ihre Art und Weise im Zentrum stehen. Ab und an müssen sie agieren, das Gesetz vertreten, Schurken erschießen oder ihnen zumindest auf die Füße treten. Dann wird der Zuschauer daran erinnert um was es prinzipiell eigentlich geht. Das tut gut, das gibt dem Streifen Schwung.

Aber mit anzusehen wie ein vor kurzem mit dem Trinken aufhörender Alkoholiker Selbstwertgefühl zurückgewinnt, wieder verliert und wieder zurückgewinnt, mitzuerleben wie ein harter Kerl an die Hand genommen wird um das schwache Geschlecht zu verstehen, zu erleben wie ein wilder junger Mann die Tugend der Ruhe erlernt und zuzuschauen wie sich ein alter Recke den Respekt der „jungen“ Leute zurück erobert, das sind die eigentlichen Erlebnisse an „Rio Bravo“.

Und so sehr sie auch in der Traumwelt hochkonservativer Männer feststecken, so sehr wissen sie auf verträumt cineastische Art, in welcher der Wilde Westen historisch manipuliert tatsächlich der Kino-Westen war, zu funktionieren. Hawks schafft es aus einer phallokratischen Klischee-Soße bewegendes Kino zu schaffen. Und bei solch positivem Ergebnis gibt man sich dem nur all zu gerne hin.  OFDb