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22.09.2024

DERANGED (1974)

Ezra Cobb lebt einzig für seine kranke, pflegebedürftige Mutter, die ihn in ihrem religiösen Wahn stets vor fleischlichen Versuchungen warnt. Als sie stirbt, kommt Ezra nicht damit zurecht. Er gräbt sie wieder aus und pflegt sie weiter. Er driftet derart von der Realität ab, dass er auch zum Mörder wird, von den Mitmenschen in der Kleinstadt nicht bemerkt, die ihn für einen harmlosen, schrulligen Kerl halten...

Jung anstatt alt, eigene Mutter anstatt fremder Leichen...

Die Taten des Serienkillers Ed Gein schockierten die Welt, bei all den Abartigkeiten, die im Zuge seiner Festnahme zutage kamen. Während die Filmwelt sich seiner in den populäreren Werken stets stark verändert annahm, was die großen Unterschiede zwischen "Psycho", "Das Schweigen der Lämmer" und "Blutgericht in Texas" sehr deutlich machen, wollten die Verantwortlichen von "Besessen" (Alternativtitel) möglichst nah von den Geschehnissen berichten, die einst tatsächlich geschahen. Wirklich rekonstruiert hat man dies jedoch nur bedingt, denn auch ein Werk wie dieses sollte an den Kinokassen lukrativ ankommen, entsprechend ein Publikum locken, und so veränderte man dann doch genug, als dass man nicht von einem authentischen Bericht sprechen kann. Ein angeblicher Reporter von einst wird als Erzähler gewählt und wird damit bereits zu Beginn zu einer Fiktion des angeblich wahren Stoffes. Selbst Ed Geins Name wurde verändert. 

Ich bin nicht bös drum, tu ich mich doch immer mit jenen cineastischen Ergüssen etwas schwer, die das Thema realer Serienkiller auskosten, angeblich um zu informieren, meist jedoch um dann doch reißerischer Natur ein Publikum zu bedienen, dass sich an derartigen Taten aufgeilt. "Deranged - Geständnisse eines Nekrophilen" ist ein Alternativtitel, der derartiges vermuten lässt, und so ganz kann sich das Werk nicht davon freisprechen etwas derartiges zu sein. Aber er ist nicht ohne Reiz inszeniert, irgendwo pendelnd zwischen dem Willen etwas relativ nah an realen Ereignissen orientiert zu erzählen und dem Unvermögen der Versuchung zu widerstehen, doch nur einen schmuddeligen Horrorfilm abzuliefern, der dem abseitigen Kino angehört. Derartiges Kino meide ich nicht und hat hervorragende Werke hervorgebracht, aber der Mangel an psychologischem Verständnis zur Erörterung von Cobbs geistigem Abdriften jenseits üblich gewordener Filmklischees und die Versuchung mit Gewalt und Attraktivität Schauwerte zu integrieren, verhindern ein meisterliches Ergebnis dieses gar nicht mal schlecht erzählten Films, in welchem auch Bob Clark ("Porky's", "Dead of Night") ungenannt als Produzent und Mit-Regisseur seine Hände im Spiel hatte. 

Als reißerischer Außenseiterfilm ist "Deranged - Confession of a Necrophile" (Alternativtitel) jedoch geglückt genug, wirkt er doch nie lächerlich oder unlogisch, ist er doch in dreckige Bilder gepackt und trifft er doch für diese Art Film stets den richtigen Ton. Und der größte Pluspunkt ist jener der Hauptbesetzung. Roberts Blossom spielt glaubwürdig, rutscht nie zu stark in die Position von Opfer und Täter ab, obwohl er beides verkörpert, was mitunter aber auch an der angenehm emotionslosen Herangehensweise der Erzählung liegt, womit der schmutzig anmutende Stil gekonnt eine Position zur Sachlichkeit vorgaukelt. Ich mag diesen Film, obwohl ich nicht nur Reißer realer Serienkiller verurteile, sondern mich auch allgemein mit jenen Killerfilmen schwer tue, in denen psychologisch schlicht und meist mit viel Geschwätz und Folter angeblich die Psyche des Täters erkundet wird. Ich denke es fiel mir schlichtweg leichter mich in diesem Falle darauf einzulassen, da die Originalereignisse letztendlich doch zu stark entfremdet wurden, und der Film der Welt um Ezra herum genug Einfluss gewährt, um nicht einzig seiner Entgleisung ausgesetzt zu sein. So oder so ist "Deranged" ein Film für Freunde abseitigen Kinos. Dies nicht nur aufgrund seiner abscheulichen Thematik, sondern auch wegen seiner trockenen, emotional distanzierten Erzählweise und seinem Hang zu quantitativen Schauwerten, auch wenn er diese nicht inflationär einsetzt.  OFDb

05.05.2018

PORKY'S 2 - DER TAG DANACH (1983)

"Porky's" mag nichts Großes im Fahrwasser von "Eis am Stiel" und Co gewesen sein, aber er war doch ein unterhaltsamer Abstecher in die alberne Vision wie die amerikanische Jugend der 50er Jahre angeblich drauf war und damit eine provozierende Party im eher biederen Gesamtbild der damaligen Kinokultur des Landes für die Kids des damaligen Heute. Damit war bereits Teil 1, wenn auch versteckt, ein Arschtritt für Moralapostel. Bob Clark, der zuvor Hororfilme wie "Dead of Night" drehte, und bereits dort kritisch mit der amerikanischen Gesellschaft umging, mag eine eher klamaukig geratene Komödie mit dem ersten Teil der auf vier Folgen angewachsenen Kinofilmreihe abgeliefert haben, aber auch eine bissige und vor allen Dingen charmante, so schnell wie man die dort angewandten Figuren liebgewonnen hatte und so schnell wie man ihr grenzüberschreitendes Verhalten tolerierte. 

"Porky's 2" präsentiert uns nun die weniger subtile Variante eines bereits zuvor recht lauten Stoffes, sprich die Moralapostel bekommen diesmal höchst persönlich eins auf den Deckel, und da kann man im tiefstreligiösen Amerika schon staunen wie mutig Clark und seine Mitautoren darin vorgingen Rechtsextremismus und Religionsfanatismus als gleichwertig menschenverachtend auf eine Stufe zu stellen, eine Verbindung die in den Medien aufgrund von Glaubenstoleranz zu selten klargestellt wird. Für einen Film, der dem biederen Amerika etliche Pimmel von Ku-Klux-Klan-Angehörigen vor die Nase hält, ist das aber ohnehin nur eine von vielen Provokationen, so dass das Publikum damals einiges zu schlucken bekam und Clarks Werk bei Konservativen sicherlich zu einem der liebsten Hassobjekte seiner Zeit wurde.

Es ist schön mit anzusehen wie korrupte Politik, religiöser und rechter Fanatismus und mit allen zusammen Moralisten, die es wagen sich über andere zu erheben, ihr Fett weg bekommen, als die drei Ur-Feinde eines liberalen, freiheitsliebenden Miteinanders. Allerdings guckt sich ein solcher Kampf von Schülern geführt schon weit weniger realistisch als der olle Krieg seinerzeit gegen Porky, der bereits nur als Kinovision zu funktionieren wusste. Das etwas zu weltfremde und in seinem Sieg auch arg blauäugig ausgefallene Zusammentreffen pubertierender Schüler und demokratiefeindlicher Moralisten als feindlich gesonnene Lager wirkt wesentlich konstruierter als der sich zumindest auf der Leinwand noch echt anfühlende Konflikt mit dem Stripclubbesitzer, und mag es auch das Herz am rechten Fleck besitzen, wenn er amerikanische Ur-Einwohner als friedliebendes, unterdrücktes Volk in Schutz nimmt und die Doppelmoral von Predigern und Politikern hervorhebt. 

In einer der besten Szenen des Streifens legt sich der Schuldirektor mit dem Referent an, indem schmutzig klingende Passagen als Zitateduell aus den Werken Shakespeares und der Bibel gegeneinander vorgetragen werden. Nicht nur dass diese Szene äußerst lustig gespielt ist, treffsicher ausgefallen ist und aufzeigt wie man Werke, aus dem Kontext gerissen, für seine Zwecke einbinden oder verurteilen kann, besagter Moment lebt zudem stark von der Sympathie der Direktorenfigur, die in ihrer senilen Anlehnung bereits im ersten Teil charmant daher kam, als sie extremistische Moralappelle der Lächerlichkeit preisgab. Es wäre schön gewesen man könnte von einer solchen aufkommenden Sympathie auch bei den jugendlichen Figuren der Fortsetzung sprechen, aber die Kids, die im Vorgänger noch griffige Charaktere waren, wirken nun wie über einen Kamm geschert, keineswegs mehr individuell ausgefallen und bilden nur noch ein solidarisches Gesamtbild, von der jeder nur ein anonymes Stück, ein gesichtsloses Mitglied ist. Die einst menschlich wirkenden Filmfiguren werden fast nur noch für den guten Zweck instrumentalisiert, so dass ihre Schöpfer überhaupt nicht bemerken, dass sie mit dieser Angleichung der Charaktere etwas ähnlich Fragwürdiges erschaffen haben, wie das was sie bekämpfen, ein häufig zu beobachtender Aspekt, wenn Weltenretterer und Freiheitskämpfer extremistische Wege gehen.

Einzig Pee Wee als Zugpferd wirkt durch seine etwas mehr in den Mittelpunkt gerückte Position individueller, was auch erneut an der erkennbaren Spielfreude seines Darstellers liegt, der immer im richtigen Moment die kindliche Ader des kurz vor dem Erwachsenwerden stehenden Jugendlichen aufkommen lässt. Letztendlich ist aber auch er nur Teil der Gesamtclique, so wie es bereits in Teil 1 der Fall war, aber inmitten der zu gesichtslosen Mitspielern verkommenen Figuren ehemalig sympathischer Teeniecharaktere fällt Pee Wee, ohne tatsächlich Zugpferd zu sein, freilich umso mehr auf.

Geht man mit dem Aspekt der etwas fehlgeleiteten Mission der Autoren nicht ganz so streng um, bleibt trotzdem noch der Aspekt im Raum stehen, dass ein krampfhafter wirkendes Szenario die Party nicht noch einmal so rund laufen lässt wie beim ersten Mal. Störend ist meiner Meinung nach aber auch der zu plump ausgefallene Aspekt geraten, dem lügenden Politiker eins auszuwischen. In der sehr lang geratenen Restaurantszene hätte man den Schülern der Angel Beach High doch etwas mehr Raffinesse zugetraut, als die vulgäre Nummer, die da abgezogen wird, aber das vertieft den ohnehin etwas arg bitteren Beigeschmack, den ein Appell an die unreflektierte Spaßgesellschaft ohnehin immer mit sich bringt. Dass der Film nach erfolgreicher Mission viel zu plötzlich endet, ist ärgerlich, beweist aber auf ein Neues, dass die Figuren nur Nebensache eines ideologischen Kampfes waren und für diesen nur gesichtslos instrumentalisiert wurden. Was mit ihnen hinterher passiert, interessiert die Autoren nicht.

Auf simpler Ebene mag das trotzdem noch alles funktionieren, eben weil der Film wunde Punkte trifft, wenn er exakt jene drei Feindbilder ausbuddelt, die einer solidarischen, freiheitsliebenden Gemeinschaft stets die Suppe versalzen wollen. Und auch die neckischen Spielereien der Teenager untereinander wissen das etwas zu verkrampft ausgefallene Gesamtbild aufzulockern, was mit dem "American Pie"-artigen Auslachen eines Einzelnen von einer Gruppe nach der Auflösung eines Streiches oder einer Peinlichkeit stets mehr zu wirken weiß, als durch den auslösenden Streich selbst. Aber selbst in jener Phase, in der es noch einzig um das alltägliche Leben von Schülern geht, verärgert das Drehbuch bereits mit Widersprüchen zu Teil 1 und zu konstruierten Szenarien. Eines davon, der Streich auf dem Friedhof mit dem Zombie, ist zumindest eine Anspielung auf Bob Clarks Erstling "Children Shouldn't Play With Dead Things", geht als Insider also somit in Ordnung, ansonsten hätte man sich vom hier besprochenen Film aber mehr Natürlichkeit, wie im trotzdem realitätsfernen Teil 1 der Reihe, gewünscht, eben weil der im Zentrum stehende Kampf sich bereits so gar nicht mit der Teenagerwelt vereinen lassen will.  OFDb

29.04.2018

PORKY'S (1982)

Bob Clark bescherte uns die wundervollen Horrorfilme "Dead of Night" und "Jessy - Die Treppe in den Tod", bevor er unerwartet das Genre wechselte und im gerade aktuellen Meer der zu dieser Zeit angesagten sexuell angehauchten Teenie-Komödien ("Ich glaub' ich steh' im Wald", "Eis am Stiel", ...) seinen Beitrag beisteuerte und mit "Porky's" einen kleinen Kultfilm schuf, der es im Laufe der Zeit zu einer Filmreihe von vier Teilen bringen sollte. Wie alle besseren Werke dieser Welle verlässt sich Clark nicht einzig auf nackte Schauwerte, schraubt diese sogar stark zurück und konzentriert sich stattdessen auf die heiteren, kleinen Erlebnisse der Vielzahl an Teenie-Charakteren, die wir im Laufe der Zeit kennen lernen dürfen. Zwar steht die männliche Jungfrau Pee Wee im Zentrum, aber eine wirkliche Hauptfigur gibt es eigentlich nicht. Stattdessen lernen wir eine solidarisch verschworene Teenagerclique kennen, die sich zwar auch gerne mal gegenseitig aufs Korn nimmt, dies jedoch nie zu böswillig und immer wieder um schnelle Versöhnung bemüht.

Clark ist nicht daran interessiert wahre Teenagerprobleme aufzugreifen. Sein Film soll eine heitere Nummer werden, schlüpfrig, aber auch menschlich nachvollziehbar, und so werden kleine Randthemen, wie ein unter seinem prügelnden Vater leidendes Mitglied der Clique, recht klein gehalten. Besagtes Beispiel wird gar eingebaut um die Festigung einer Freundschaft aufzuzeigen, anstatt tatsächlich den dramatischen Vater-Sohn-Konflikt abzuarbeiten. Solche Zusatzthemen verleihen dem oberflächlichen Treiben aber zumindest einen Hauch Tiefe, den der Streifen aber eigentlich nicht nötig hat, so sehr wie der Partyspaß der Kids sich auch auf den mitschmunzelnden Zuschauer überträgt. Die Geschichte ist keinesfalls darin bemüht Rechtfertigung für das Treiben der Teenager zu finden. Wer im Streit mit Porky im Recht oder Unrecht ist, interessiert nicht. Wir bekommen lediglich die Perspektive der Teens präsentiert, und die reden nicht nur, sie handeln.

So ergeht es der kompletten Mentalität des Streifens. "Porky's" lebt die Spaßgesellschaft, ohne dabei menschlich abzuflachen. Die hier gezeigten Erlebnisse sind Abenteuer und Lebensgefühl. Und die Moral interessiert dabei überhaupt nicht, eben weil Fehler in diesem Alter legitim sind, Grenzüberschreitungen als Kavaliersdelikte gelten und sexuelle Übergriffe als tolpatschige Versuche mit den Anfängen der Sexualität verstanden werden und nicht engstirnig als eine Übertretung, die man nicht verzeihen kann. Auch wenn die Jungs im Zentrum stehen, so stehen die Mädels mit ihren Aktionen diesen doch in nichts nach, so dass das komplette Flair des Streifens wesentlich entspannter daher kommt als die Mentalität heutiger verbissener Tage. Interessanter Weise zeigt sich "Porky's" auch in seiner schlüpfrigen Art emanzipiert, bekommen doch nicht nur Frauen Nacktszenen beschert. 

"Porky's" schaut sich flott und ohne Hänger, gehört meiner Meinung nach zwar nicht zu den Größen des Genres seiner Zeit, ist aber definitiv eine sehr spaßige Angelegenheit für zwischendurch, wenn man Lust auf leichte Stoffe hat. Die Synchronisation in Deutschland ist geglückt, die Besetzung ist sympathischer Natur, und jedwedes realitätsfernes Ereignis unterstreicht nur den Partyfaktor den der Film entfachen soll und weiß innerhalb der Genreregeln zu funktionieren. Etwas erstaunt darf man über die eigentlich recht bodenständig ausgefallenen Charaktere sein, hätte man sich inmitten einer solchen Story doch eher den Hang zum Comiccharakter vorgestellt. Doch diese Normalität inmitten eines ulkigen Rachefilmes weiß zu funktionieren. So sehr sogar, dass es nicht lange dauern wird bis ich mir die erste Fortsetzung zu Gemüte führe. Leider sind die beiden anderen Sequels in Deutschland nie auf DVD herausgebracht worden, der erst sehr spät nachgereichte vierte Teil ist bislang sogar überhaupt nicht in unserem Land erschienen.  OFDb

21.01.2018

DEAD OF NIGHT (1974)

Mit „Dead of Night“ ist Regisseur Bob Clark eine stimmige Horrorsatire auf den Vietnamkrieg geglückt, deren Symbolik so schlicht daher kommen mag wie die Geschichte an sich, treffsicherer jedoch kaum sein könnte. Clark versieht seinen Genrebeitrag mit einem Hauch grotesker Komik, inszeniert aber ansonsten trocken und düster. Stets liegt die Bedrohung in der Luft, und Andy, dem man optisch das ehemalige Muttersöhnchen ebenso abkauft wie das Monster, das der Tod aus ihm gemacht hat, wirkt auch als schmächtiges Kerlchen unheimlich, lange bevor sich die Verantwortlichen der Maske im Finale an ihm austoben können, wenn aus dem Soldaten auch optisch ein Toter werden darf.

„Deathdream“ (Alternativtitel) ist ein politischer Film. Der Krieg hat aus einem fröhlichen Menschen eine traumatisierte Hülle gemacht. Ein für die eigentliche Geschichte unnötiger Randfakt, dass sich Andy das Blut seiner Opfer spritzt, verweist auf die hohe Quote Drogenabhängiger unter den Kriegsheimkehrern, die ihre schrecklichen Erlebnisse nicht anders verarbeitet bekommen. Der Film schlägt psychologisch aber noch viel weiter aus. Andy fordert die Schuld seiner Opfer ein, von Menschen einer Gesellschaft, die es gut heißen andere in den Tod zu schicken, um selbst ein luxoriöses, sicheres Leben leben zu können. Andy sieht es als gerecht an, dass auch sie nun ihr Leben lassen. Und symbolgeladen wie der Film nun einmal ausgefallen ist, darf in einer entscheidenden Verfolgungsjagd auch gleich das Statussymbol schlechthin, das typische Zeichen für Wohlstand, welches in einer verwöhnten Gesellschaft zur Selbstverständlichkeit geworden ist, brennen: das Auto mit welchem junge Erwachsene kurz zuvor noch zum Vergnügen ins Autokino gefahren sind.

„The Night Andy Came Home“ (Alternativtitel) nutzt solche Psychologie nicht nur, er besteht fast einzig aus dieser, nutzt sie nicht als Zusatzelement sondern als Grundlage für alles. Der komplette Film ist eine zu Fleisch gewordene Metapher. Auch das Familienbild, dem wir beiwohnen, ist nicht zufällig ausgefallen wie geschehen. Die überbehütende Mutter, der zu strenge Vater, und nicht gerade nebensächlich die fast entmündigte, nicht ernst genommene Tochter, die gegen Ende aufgrund dessen dass sie nie selbstständig werden durfte und nie als erwachsener Mensch gesehen wurde, die Katastrophe nicht verhindern kann, obwohl sie in dieser Situation die einzige Chance für ihren Freund ist lebend aus der Situation herauszukommen. Auch im Familienbild greift alles perfekt ineinander, ohne den Eindruck billiger Küchenpsychologie zu erwecken.

So symbolisch „Night Walk“ (Alternativtitel) auch ausgefallen sein mag, im Finale wird er deutlicher denn je, da darf sich der Tote endlich, wie er es verdient hat, in sein Grab legen, in das er längst gehört hätte, nun auch mit Mutters Segen, die für die Erkenntnis ihren Sohn loslassen zu müssen alles verloren hat - alles bis auf ihre Tochter, die ihr nie wichtig war. Auch hier blitzt die stets vorhandene schwarze Komik immer wieder auf, die das Werk jedoch zu keinem Zeitpunkt zur Komödie werden lässt. „The Veteran“ (Alternativtitel) ist ohnehin schwer zu greifen. Er ist ganz klar ein Horrorfilm, aber er ist kein typischer Zombiefilm, keine Satire im Komödiensinne, kein Drama, obwohl er sich sämtlicher Zutaten und Bezüge aus diesem Bereich bedient, er ist nicht einmal wirklich Thrill, so verspielt wie er die Ahnungslosen am introvertierten Andy verzweifeln lässt. Und doch ist der Streifen düster, nüchtern und spannungsgeladen ausgefallen, immer den richtigen Ton treffend, so dass man ihn zu jederzeit ernst nimmt. Bob Clark ist nach seinem missglückten Debut „Children Shouldn‘t Play With Dead Things“ ein großartiger Genrebeitrag geglückt, faszinierender Weise im selben Jahr seines ebenfalls großartigen „Jessy - Die Treppe in den Tod“. „Whispers“ (Alternativtitel) sollte man als Liebhaber intelligenter Film-Klassiker mit leichtem Schundtouch gesehen haben.  OFDb

04.11.2017

DER HARTE UND DER ZARTE (1990)

Deutlich vom Erfolg der „Lethal Weapon“-Welle inspiriert, macht „Der Harte und der Zarte“ von Anfang an deutlich, dass er nicht so gut funktioniert, wie das Rezept des erfolgreichen Vorbildes einst. Wenn zu einer Actionszene erstmals das billige, uninspirierte 80er Jahre-Gedudel beginnt, ist man bereits zum ersten Mal herausgeworfen aus einem Film, der sich viel zu bemüht schaut und einfach nicht funktionieren will. Das beginnt bei der nicht überzeugenden, viel zu lahm ausgefallenen Actionchoreographie, das Integrieren dieser Szenen in eine viel zu verblödete Story und krankt allerspätestens bei der nicht vorhandenen Chemie zwischen Gene Hackman und Dan Aykroyd.

Aber wie hätten selbst zwei Profis wie diese beiden etwas retten können an einem Plot, dessen Motivation man bei dieser Charakterisierung überhaupt nicht versteht? Improvisations-Profi Dan Aykroyd ist ein höchst lustiger Mime, aber seine Grimassenschneiderei will hier einfach nicht funktionieren, verkörpert er doch eine Rolle, die man fünf Jahre später Jim Carrey erfolgreich auf den Leib geschrieben hätte. Mag manch kranker Blick noch funktionieren, so will ich trotzdem nicht begreifen was daran lustig ist, wenn er in gefährlichen Situationen plötzlich zum Road Runner, zur halben „Raumschiff Enterprise“-Besetzung oder zu Woody Woodpecker wird. Nicht einmal sein nächtlicher Streifzug als Dracula, den man nur akustisch aus der Perspektive des verstörten Kollegen mitbekommt, will ins Schwarze treffen, obwohl diese Idee in der Theorie doch recht reizvoll klingt.

Aber auch die Figur Hackmans will nicht überzeugen, versteht man doch nicht was sie ausmachen soll. Auf der einen Seite soll sie die typisch harte, abgefuckte Stereotype sein, die ein Bruce Willis so wunderbar geprägt hat, nur eine Spur asozialer ausgefallen, dafür ist sie nur wenige Momente später allerdings viel zu soft und sozial geprägt. Und selbst noch als Wackelkandidat, dessen Charakterschwerpunktsetzung nie ganz deutlich wird, versteht man auch nicht seinen Beweggrund sich dem Verrückten schließlich freundschaftlich zu nähern. Dies überzeugt erst, wenn es so weit ist und die beiden schließlich in einem zu Action-dominanten letzten Drittel glaubwürdig an einem Strang ziehen.

Dom DeLuise ist als Sidekick a la Joe Pesci aus den Fortsetzungen des Vorbildes gedacht, darf aber einfach nur dick und gelegentlich auch mal nervig sein und weiß nur einmal halbwegs zu belustigen, wenn er sich Sorgen darüber macht, dass nun auch die Hackman-Rolle in den Wahnsinn abrutscht, wenn diese gemeinsam mit der Aykroyd-Rolle den Mond anheult. Und warum man ausgerechnet „Porky's“-Regisseur Bob Clark an einen Actionstoff heran lässt, bleibt wohl ein ewiges Rätsel. „Loose Cannons“ (Originaltitel) bleibt um Weiten hinter der Teenie-Trilogie, dem sympathischen „Karriere mit links“ und erst recht hinter seinen grandiosen Horrorfilmen „Jessy - Die Treppe in den Tod“ und „Dead of Night“ zurück. Was wirklich Gutes sollte nach „Der Harte und der Zarte“ aber ohnehin nicht mehr von ihm kommen. Aykroyd erging es ähnlich, und Hackman glaubt man zumindest anzumerken, dass er sich im hier besprochenen Film fremdschämt.  OFDb

02.10.2013

JESSY - DIE TREPPE IN DEN TOD (1974)

„Jessy - Die Treppe in den Tod“ und der wesentlich berühmtere Horror-Klassiker „Halloween“ von John Carpenter sind zwei Filme, die aufgrund ihrer gleichen Thematik und der Entstehungszeit eine gewisse Verwandtschaft verbindet. Und da kommt es sehr gelegen, dass Erstgenannter vier Jahre vor dem ersten großen Slasher-Erfolg gedreht wurde, wäre er doch sonst sicherlich aufgrund der großen Beliebtheit von ihm inspiriert worden, und dann hätten wir nicht solch unterschiedliche Werke vorliegen, sind die beiden Filme doch stilistisch so weit voneinander entfernt, dass jeder eine eigene Faszination versprüht. Auch wenn ich im direkten Vergleich „Halloween“ vorziehen würde, so ist doch auch „Black Christmas“ (Originaltitel) gelungen und ein Must-See-Movie für Genre-Fans.

„Jessy“ ist einer dieser Filme, die heute so einfach nicht mehr gedreht werden, was man allein schon an der sehr unwürdigen Neuverfilmung „Black Christmas“ aus dem Jahr 2006 sieht, die nur wenig mit dem Original gemein hat. In der 1974-Version stimmen die Dialoge, das Verhalten der unterschiedlichst individuellen Menschen ist nachvollziehbar, der Blick konzentriert sich neben den Hauptanliegen auch immer auf scheinbare Nebensächlichkeiten, die dem Streifen erst das nötige Niveau bescheren, und die Bedrohung ist trotz manch komödiantischen Moments deutlich spürbar, wofür in erster Linie eine unglaublich kranke Psychopathen-Stimme am Telefon sorgt, sofern man sich den Film im Originalton anschaut.

Regisseur Bob Clark ist nach seinem miesen Erstling „Children Shouldn‘t Play With Dead Things“ und dem sehr geglückten Geheimtipp „Dead Of Night“ ein weiterer Genie-Streich geglückt. Ab den 80er Jahren orientierte er sich leider im Bereich des Komödien-Genres um, wo er mal schlechte Werke wie „Der Senkrechtstarter“ mit Sylvester Stallone und „Der Harte und der Zarte“ mit Dan Aykroyd abdrehte, aber auch manch sympathisches Werk wie „Porky's“ und „Karriere mit links“. All diese Filme, Genre-Wechsel hin oder her, sind jedoch viel zu sehr in den Mainstream-Bereich abgerutscht, während Stoffe wie „Jessy“ noch ihre Ecken und Kanten besitzen, die sie zu solch eigenständigen Filmen werden lassen.

Noch vor „Halloween“ liefert „Jessy“ Aufnahmen aus dem Blickwinkel des Psychopathen, freilich ohne Maske. Brutalitäten werden zurückhaltend aber nicht minder schockierend umgesetzt, und unaufmerksame Zuschauer werden außerdem mit einem möglichen Verdächtigen der Taten geködert. Für jeden der aufgepasst hat, ist das Spiel mit dem Verdächtigungen trotzdem keine unnötige Randerscheinung, sondern liefert einen zusätzlichen nüchternen Blick auf das unterschiedliche Treiben verschiedener Menschen während einer Extremsituation. Das ist auf sachliche Art interessant, jedoch nie zu theoretisch um nicht gleichzeitig auch unterhalten zu können.

Die Psychologie steht wie bei jedem guten Film im Mittelpunkt, und die ist nicht nur im eigentlichen Ablauf der Geschichte Trumpf, sondern auch in der Charakterzeichnung, die uns echte Menschen präsentiert und diese zur Wichtigkeit des Streifens macht. Ja, es geht um einen Psychopathen, aber der ist die Bedrohung und nicht das Zentrum der Zuschauerorientierung. Er ist der Fremdkörper innerhalb eines Szenarios, in dem der Zuschauer sich so gut orientiert und zu Hause fühlt, dass er schon fast keine spezielle Identifikationsfigur mehr benötigen müsste. Die bekommt er dennoch mit der Figur der Jessy serviert, die von Hauptdarstellerin Olivia Hussey sehr natürlich interpretiert wurde und nicht gerade, wie später typisch für das Genre, wie die klassische Scream-Queen herüber kommt. Nein, sie darf auf Gefahren und weniger bedrohliche Situationen realitätsorient reagieren, und sie wird weder sonderlich sympathisch noch zu unsympathisch präsentiert. Wie für die 70er Jahre typisch ist sie eine dem Mann gegenüber gleichberechtigte Frau und dies auf ganz selbstverständliche Art, weit entfernt von den verwässerten Emanzipationsklischees der heutigen Zeit.

„Black Christmas“ ist sehr langsam erzählt, aber nur wer lediglich auf plumpe Schauwerte setzt wird sich langweilen, so interessant ist die an sich schlichte Geschichte inszeniert, und so spannend wird es ab und an, obwohl man sagen muss, dass der Film nicht gerade wegen einer hochgedrehten Spannungsschraube trumpft. Der eigentliche Gewinn dieses Filmes, mal abgesehen von all den bereits aufgezählten Vorzügen, ist es, wie oben erwähnt, dass er bereits vor „Halloween“ entstanden ist, der das Genre derart beeinflusst hat, dass vergleichbare Filme sich ständig an ihm und später auch an „Freitag der 13.“ orientiert haben, und wir somit ein unbeeinflusstes Stück Film zu einer Geschichte präsentiert bekommen, die später zum Publikumsliebling werden sollte. Und wie man am noch immer sehr aktiven Horrormarkt bemerken kann, ist dies sogar bis in die heutige Zeit hinein noch der Fall.

Eben weil vielen Menschen heutzutage gar nicht mehr bewusst ist, wie anders man selbst ganz banale Geschichten erzählen kann, ist ein Film wie „Jessy - Die Treppe in den Tod“ ein so wichtiger Beitrag innerhalb des oft so simpel scheinenden Popkorn-Kino-Bereichs. Man muss nicht erst zu solch künstlerisch wertvollen Filmen wie „Valerie - Eine Woche voller Wunder“ greifen, um zu erkennen wie viel mehr Kino sein kann, wenn man es nur lässt. „Black Christmas“ ist im direkten Vergleich kulturell und inhaltlich gesehen näher dran an dem was das Publikum noch heute interessiert. Und deshalb könnte er vielleicht auch manchem Blockbuster-Stammgast gefallen, der sich mal an etwas anderem, etwas Vergangenem, versuchen möchte, ohne komplett Neuland zu betreten.

Vielleicht wird er Gefallen an der Ruhe der Inszenierung und an der Mühe finden, die man sich beim Herausarbeiten von Situationen und Charakteren gab. Vielleicht kann er sein Interesse für Qualitäten entdecken, so dass er Mainstream-Quantitäten zukünftig besser zu erkennen weiß. Vielleicht wird er nach „Black Christmas“ einfach mal mehr über das Medium Kino erfahren wollen, als dass was die Sackgasse der heutigen Lichtspielhaus-Kultur den Kunden in einer Dauerschleife vorsetzt.  OFDb

15.11.2012

KARRIERE MIT LINKS (1987)

Robin Weathers ist ein Frischling unter den Anwälten. Der übliche Weg an die interessanten Fälle zu geraten ist ihm zu langsam, also mogelt er sich in einen mittelklassigen Prozess und schaukelt diesen zum Medienzirkus auf. Er gewinnt den Fall und erlangt durch seine unkonventionellen Methoden Berühmtheit. Zu dumm, dass er sich mit dem Gegenanwalt abgesprochen hatte, denn sein nächster Klient war von dem Jüngling derart beeindruckt, dass er nur von ihm vertreten werden will. Douglas Benoit wird Mord vorgeworfen. Der Fall ist nicht zu gewinnen, denn jeder hält Benoit für den Täter eingeschlossen Weathers. Mit Tricks kommt der diesmal nicht weiter...

Vom Nachsitzen in den Gerichtssaal...
 
Wenn es einer vom "Frühstücksclub" so gar nicht geschafft hat, noch nicht einmal kurzfristig, dann ist dies ausgerechnet der talentierteste und sympathischste der dort spielenden Teendarsteller gewesen: Judd Nelson. Seine Filmauswahl war einfach selten dämlich und in Deutschland meist direkt in den Videothekenregalen zu entdecken. "Karriere mit links" dürfte einer seiner brauchbarsten Folgefilme gewesen sein.

Grob gesehen ist der Film spaßig, erzählt auch eine recht interessante Geschichte und ist auch gut besetzt. Nelsons Arbeitskollegen (ob über oder unter ihm) sind ebenso überzeugend gespielt wie seine Gegner und Klienten. Die Partnerschaft in welcher die Hauptfigur lebt ist nicht einfach die 08-15-Sache aus dem Lehrbuch fürs richtige Drehbuchschreiben, und die Geschichte ist dafür, dass sie gerade in einer Kino-Pro-Yuppie-Zeit entstand auch recht innovativ. Während der direkteste Konkurrent "Das Geheimnis meines Erfolges" heute noch vielen ein Begriff ist, ist der vom Niveau her auf ähnlicher Ebene angesiedelte "Karriere mit links" schon zu seiner Zeit untergegangen.

Richtig publikumswirksam ist sein Konzept auch nicht zu nennen. Was wie eine flotte kleine Komödie anfängt, wird mit der Zeit auf Komödienniveau relativ ernst und bekommt leichte Thrillerzüge (ähnlich wie "Mord in der Highschool"). John Hurt wird nach ca. 30 Minuten als neuer schwieriger Klient in die Story eingebracht, spielt dabei alle an die Wand und hat sichtlich Spaß mit seiner recht anspruchsvollen Rolle. Er verkörpert jemanden dem man nicht traut und von dem man auch sofort weiß, dass man ihm zu recht nicht traut. Daraus wird gar kein Geheimnis gemacht. Wenn er sich am Ende des Films als der Killer entpuppt ist das keine Überraschung.

„Karriere mit links“ spielt damit, dass man sich dieser Tatsache bewusst ist. Anfangs sorgt dieser psychologische Trick für die Hilflosigkeit, die sich vom Protagonisten auf den Zuschauer überträgt und einen somit aus der Leichtigkeit reist, die der Film einen zuvor vorgelebt hat. Erst bestätigt er uns in der Spaßgesellschaft, um uns schließlich den Stinkefinger zu zeigen, dass man ohne den nötigen Ernst und Respekt vor einer Sache doch nicht sehr weit kommt.

Ist diese Phase überwunden, begleitet man Weathers dabei, wie er, ähnlich Tom Cruise in „Eine Frage der Ehre“, die selbstverständliche Wahrheit aus seinem Klienten herauskitzelt. Hurts schauspielerischen Höhepunkt in dieser Rolle erlebt man, wenn er in einer Unterredung mit seinem Anwalt bis ins kleinste Detail veranschaulicht wie der kaltblütige Mord an einer hilflosen Person vollzogen wird, ohne dass Weathers ihn damit überführen könnte. Hilflos lauscht er den Worten des überheblichen Psychopathen.

Ab einem gewissen Punkt in der Geschichte weicht die Komik der ernsten Lage, freilich ohne komplett abzudanken. Allerdings ist das Verarbeiten des Filmthemas mit der Methode von seichtem bis hin zum albernen Humor für die breite Masse sicherlich eine Spur zu geschmacklos. Ich selbst habe keine Probleme damit, sehe den Fehler dieses Filmes eher auf einer anderen Seite: Nelson spielt einen Sympathiecharakter.
 
Man soll ihn mögen, trotz all seiner Schelmereien. Bis zu einem gewissen Grad geht das auch. Mein privates Problem mit seiner Rolle ist die schlichte Tatsache, dass er ein Yuppie ist, eine Gruppe Menschen denen ich nicht gerade wohlgesonnen bin. Aber das ist mein Problem und wäre für einen solchen Kritikpunkt nicht relevant. Gravierender ist da schon, dass die lümmelhafte Figur positiv dargestellt wird, obwohl sie das Paradebeispiel des Verfalls vergangener Werte ist. Die Rolle des Nelson bringt die Spaßgesellschaft in einen Lebensbereich ein, in dem diese nichts zu suchen hat. Und er bringt sie zusätzlich durch illegale Mittel an diesen Ort.

Das ist für den Moment witzig, und dass dies nicht unbewusst so angegangen wird zeigt der oben näher erläuterte psychologische Kniff in der Wende der Geschichte. Man hat jedoch nicht den Eindruck eines „Uhrwerk Orange“, dass man eine unsympathische Figur begleitet, die einem über seine Erlebnisse dennoch ans Herz wächst. Weathers soll von Anfang an Charme versprühen, so dass man sich fragt was Bob Clark oder der Verantwortliche fürs Drehbuch sich bei dieser Herangehensweise gedacht hat.

Sieht man einmal über diesen sehr strengen Kritikpunkt hinweg, bleibt eine Komödie, die zwar bis zum Schluss zu unterhalten weiß, von der man aber nicht so ganz weiß, was sie nun soll. Damit wird sie relativ belanglos und trotz all ihrer Qualität auch schnell wieder vergessen. Um in Erinnerung zu bleiben hätte es entweder einen anderen Umgang mit der Hauptfigur oder schlichtweg mehr Gags geben müssen. Letzterer Vorschlag hätte jedoch den Thriller-Momenten geschadet, die dem Werk eine gewisse Klasse verleihen.

Hurts Spiel macht einiges wieder wett, einige Lacher gibt es auch (gerade in dem Abschnitt mit dem ersten Klienten vor Gericht) und zum öfter schauen ist "Karriere mit links" auch tauglich. Aber er ist Trivialunterhaltung und neben "Zoff in der Hoover Academy" und dem sehr mittelmäßigen "Sunset Killer" ein typischer Grund dafür, warum nur den wenigsten der Name des talentierten Judd Nelson heute noch etwas sagt.  OFDb