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17.02.2013

POLTERGEIST 3 (1987)

Carol-Anne lebt bei ihrer Tante und ihrem Onkel in der Großstadt und geht auf eine Schule für außergewöhnliche Kinder. Ihr Lehrer glaubt sie könne Massenhypnosen verursachen. Während Carol-Anne glaubt Schweigen könnten die Geister von damals fern halten, bringt der Lehrer sie dazu unter Hypnose zu erzählen was einst geschah. Dies lockt den bösen Reverend Kane erneut auf dem Plan, der von dem jungen, unschuldigen Mädchen ins Licht geführt werden möchte...
 
Hier poltern die Spiegel...
 
Wer „Poltergeist 2“ kennt wird auch von dieser zweiten Fortsetzung nicht zu viel erwartet haben und kann eigentlich nicht enttäuscht werden. Wenn überhaupt müsste es umgekehrt sein, war Teil 2 doch eine ganz müde Nummer, die lediglich einen Spezialeffekt nach dem nächsten verwurstete, ohne auch nur einen Anflug von Spannung bereit zu halten.

Kennt man andere Horrorwerke unter der Regie Gary Shermans kann man dennoch enttäuscht sein, drehte dieser doch so großartige Grusler wie „Tot und begraben“ und „Tunnel der lebenden Leichen“. Ich habe „Poltergeist 3“ vor vielen Jahren gesehen, bevor ich seine weiteren Arbeiten kannte und wusste, dass dieser Film nur Routine ist. Was wäre ich damals enttäuscht gewesen zu wissen, dass das nächste Sequel von ihm stammt, ich voller Erwartung ins Kino gerannt wäre, um dann das nüchterne Ergebnis sichten zu müssen.

Nun war es so aber nicht, und so kam es stattdessen zu einer anderen Situation. Da mir die Qualität der oben erwähnten weiteren Genrebeiträge Shermans gefiel, wagte ich mich erneut an „Poltergeist 3“ heran um zu schauen, ob er nicht ein wenig mehr bietet, als mir in Erinnerung blieb. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass mir Filme aus meiner Jugend völlig anders gefallen als damals. Ein wenig besser als früher war „Poltergeist 3“ dann auch wirklich, trotzdem bietet er nicht mehr als angenehme Routine.

Letztendlich wird auch hier wieder viel zu viel Budenzauber betrieben wie schon im Vorgänger. Im Gegensatz zu diesem arbeitete man aber immerhin wieder mit gruseligen Momenten. Diese reichen jedoch nie an die großen Gruselszenen von Teil 1 heran und sind immer nur von kurzer Dauer, eben weil man hier fast nur auf Spezialeffekte achtete.

Dennoch ist ab und an Shermans Handschrift wiederzuerkennen, beispielsweise in einer der ersten Szenen, in welcher das traurige Mädel Carol-Anne auf dem Bett sitzt, ein Fensterputzer kommt am Fenster vorbei und versucht sie fröhlich zu machen, und als dieser mit seinem Gefährt nach unten gleitet wird die Sicht auf eine amerikanische Großstadt frei. „Poltergeist 3“ spielt nicht mehr in der Kleinstadt, und spätestens jetzt wird es dem letzten klar.

Ein Großteil des Gruselns möchte man diesmal über das Spiel mit Spiegeln erzeugen. Das klappt auch hin und wieder ganz gut, überrascht aber nicht immer, da man jederzeit mit einer erneuten Spiegeltäuschung rechnet. „Poltergeist 3“ leistet hier aber immerhin wesentlich bessere Arbeit als „Mirrors“ mit Kiefer Sutherland, der im Gegensatz zum hier besprochenen Film fast nie unheimlich wirkte.

Schon Teil 2 war widersprüchlich zum ersten, und das Spiegeltheater von Teil 3 will so gar nicht zu den bisherigen Gesetzen der Vorgänger passen. Stilistisch versucht Sherman die beiden sehr unterschiedlichen Vorgänger zu einen, greift dafür aber auf ein Thema zurück, dass weder zu Teil 1 noch zu Teil 2 passt. Kleine Randerscheinungen sind jeweils aus den beiden ersten Teilen übernommen, ansonsten folgt Teil 3 einer eigenen Logik. Mag sein, dass Spuk sich immer an eine unbekannte Logik halten muss, und diese von Spukbeginn zu Spukbeginn wechseln darf/muss. Das wäre zumindest ein Erklärungsansatz für die wirren Welten aus „Poltergeist 2“ und „Poltergeist 3“.

Horrorfilme funktionieren oft auch ohne echten Zusammenhang zu ihren Vorgängern wunderbar, und auf schlichter Ebene trifft dies auch auf die zweite Fortsetzung von „Poltergeist“ zu. Wie erwähnt wird es ab und an gruselig (die böse Carol-Anne weiß zu wirken) und das Spiel mit den Spiegeln wird ausgeweitet in einen Bereich, der mehr Raum verdient hätte und erst in „The Broken“ zu vollem Einsatz kam: Spiegelmenschen treten in unsere Welt als böse Doppelgänger. Da hätte man wesentlich mehr draus machen können. Letztendlich schien man aber ohnehin nicht wirklich zu wissen, was man drehen will.

Es musste für den Markt zwingend eine Fortsetzung her, obwohl eine weitere von „Poltergeist“ das Publikum damals sicherlich nur gering interessiert hat. Ein Grund dafür war sicherlich das eben erwähnte hüpfende Prinzip, das nie einer Linie treu blieb. Vielleicht war das auch der Grund, dass man sich bei Bildern der anderen Seite an Szenen erinnert fühlt, wie sie Freddy Kruegers Alptraum-Welten zeigten. Im Gegensatz zu einer Fortsetzung dieser Reihe wollte das „Nightmare On Elm Street“-Publikum immer weitere Teile ihres Lieblings sehen. Warum also nicht dort klauen?

Hier zeigt sich wieder Shermans Stärke fremde Welten glaubhaft umzusetzen. Sicherlich war er es nicht, der die Settings erschaffen hat, aber er weiß wie er sie bedrohlich und wundersam einfängt. Diesmal wird viel mit Kälte gearbeitet, so dass das Jenseits meist schneebedeckt wirkt, jedoch auf unangenehm und gekünstelt frostige Art. Sherman schafft es, dass weiße Bilder in ihrer Ausstrahlung düster wirken. Und dies kombiniert mit der kompletten Spiegel(un)logik der Geschichte sorgt für einen wirren, aber interessanten und wirkungsvollen Trip durch die Handlung.

In einer der besten Jenseitsszenen wird noch ein wenig von John Carpenters „Christine“ geklaut. Was soll's, dafür klaute man für „Halloween 4“ später die Idee des kleinen Mädchens im Mittelpunkt, lebend bei Stiefeltern mit der großen Stiefschwester als Babysitter. So klaut jeder mal von jedem in der Welt der Fortsetzungen.

Die Darsteller schlagen sich wacker im Meer der Spezialeffekte, und bis auf manche arg 80er Jahre-lastige Frisur, wirkt auch keiner von ihnen lächerlich oder auf andere Art kontraproduktiv. Positiv hervorzuheben ist mancher Spezialeffekt, beispielsweise der Riss in der großen Spiegelwand ziemlich zu Beginn. Hierbei muss man beachten, dass noch nicht mit Computereffekten gearbeitet wurde, und das Entstehen des Risses durch unsichtbare Hand noch echte Handarbeit erforderte. Hut ab!

„Poltergeist 3“ kann man sich als kleinen Horrorfilm für zwischendurch ruhig einmal geben. Darauf gewartet hat sicherlich schon damals niemand, und mit heutigen Augen wirkt er ein wenig antiquiert. Aber er ist nie langweilig, manchmal gruselig und bietet tolle Bilder. Auf der Gegenseite ist er aber auch etwas zu wirr erzählt und scheint nicht immer einer innereigenen Logik zu folgen. Allein das Spiel mit den Spiegeldoppelgängern zeigt deutlich, dass man eher mit Ideen jonglierte, anstatt sie zu Ende zu führen oder wenigstens sinnig einzubringen. Dem Unterhaltungswert schadet das jedoch nur gering.  OFDb

26.01.2013

TUNNEL DER LEBENDEN LEICHEN (1973)

In einer U-Bahnstation gehen immer häufiger Menschen verloren. Ein Studentenpärchen meldet eine Leiche, die bei Ankunft der Polizei bereits verschwunden ist. Die jungen Leute stellen parallel zu Inspektor Calhoun Untersuchungen an...

Der Großvater von Creep...
 
Die Kids von heute würden um „Tunnel der lebenden Leichen“ einen großen Bogen machen, bietet er doch so gar nichts was das Jungpublikum mag: hübsch zurecht gemachte, aalglatte Stars, rasantes Tempo, seelenlose Monster. Dieses Filmchen stammt aus einer Zeit, in der selbst storytechnischer Vollschrott mit viel Mühe, einer ruhigen Hand und dem Versuch logisch zu bleiben, realisiert wurde.

„Tunnel der lebenden Leichen“ erfreut dabei nicht nur im unterhaltungstechnischen Sinne. Dank seiner Auseinandersetzung mit dem „Monster“, ein degenerierter Mensch, erreicht er sogar einen gewissen Anspruch. Immerhin ist der Versuch die Beweggründe und das Gefühlsleben des „Ungeheuers“ aufzuzeigen durchaus gelungen und mit viel Feingefühl realisiert, womit eine ähnliche Dramaturgie möglich ist wie in den 30er Jahren in Filmen wie „Frankenstein“, „Frankensteins Braut“ und „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“.

Man befasste sich in diesem individuellen Werk mit beiden Seiten, hat also zum einen die tragische Geschichte des „Monsters“, die erst nach einiger Laufzeit beginnt, und man hat auf der Gegenseite die Betroffenen, die auf die Existenz dieser „Kreatur“ stoßen. Um das ganze noch interessanter bzw. vielschichtiger zu gestalten, wird der letztgenannte Part ebenfalls wieder gesplittert.

Auf der einen Seite haben wir ein junges Pärchen, das etwas ominöses erlebt hat und anhand der im Film erzählten Umstände auf eigene Faust mit dem Degenerierten zurecht kommen muss, und wir haben auf der anderen Seite die Polizei. Diese wird nicht durch klassische Klischees verkörpert, sondern erfreut mit einer erfrischend gespielten Darstellung von Donald Pleasance als der Hauptschnüffler. Jede Szene mit ihm ist eine Wucht. Er agiert mit so viel Spielfreude und wirkt zum Anfassen echt.

Der Inspektoren-Charakter lässt sich in keine Ecke einsortieren und ist vielleicht etwas vergleichbar mit der Kommissaren-Rolle in „Der Schrecken der Medusa“, nur beschwingter gespielt. Mich würde es nicht wundern, wenn Pleasance hiermit seine Lieblingsrolle gespielt hätte. Und die Art der Darstellung lässt zudem vermuten, dass viel Freiraum für Improvisation vorhanden war. Ein kurzer Gastauftritt Christopher Lees zur Verstärkung wäre nicht nötig gewesen und bleibt blass und uninteressant in Erinnerung.

Die Geschichte selbst folgt eher brav dem typischen Erzählmuster, die praktische Umsetzung lässt das ganze Projekt allerdings sehr eigenständig wirken. Die besagten positiven Punkte allein können schon einiges reißen, interessant wird das Werk von Gary Sherman aber auch durch seinen künstlerisch interessanten Touch. Der komplette Film ist sehr langsam erzählt. Die Kamera hält oft sehr lange drauf. Häufig wird mit ganz langsamen Kamerafahrten gearbeitet. Dies macht Sherman jedoch nie zum strecken der Laufzeit, sondern um eine bewusst gewollte psychische Reaktion beim Zuschauer herauszukitzeln.

Das Spiel mit Licht und Dunkelheit bei einer Kamerafahrt durch einen teilweise beleuchteten Tunnel, dem kein filmisches Zusatzlicht beschert wurde, übt eine hypnotische Wirkung aus, bis die Kamera nach links abgleitet, um dort wiederum etwas Spezielles zu zeigen.

Ebenso interessant ist die fast nicht enden wollende Kamerafahrt im Wohnraum der „Kreatur“, die uns zeigt wie übel es sein muss sein Leben lang dort zu hausen. Allein diese Räumlichkeit lässt den Zuschauer tief in die Seele des „Monsters“ blicken. Und als wäre dies nicht schon effektiv genug endet die lange Orts-Erkundung mit dem Schwenk auf das „Monster“, das um das Leben seiner schwangeren Frau bangt.

Ohne professionell psychologisch bewandert zu sein, erarbeitet Sherman für seine Laienstellung in diesem Bereich ein durchaus glaubhaftes Bild der „Kreatur“. Sie spricht nur einen Satz, den einen, den sie seit je her in ihrem Lebensraum hörte. Sie handelt wie sie es von ihren Vorgängern gelernt hat, gut erkennbar im Verabschieden und Aufbewahren der toten Angehörigen. Die kurz angerissene Hintergrundgeschichte gibt ein glaubhaftes Licht in die Situation des „Monsters“ und die seiner Ahnen, lässt aber auch genug Platz für die eigene Phantasie.

Doch auch die liebevolle Umsetzung kann nicht darüber hinweg täuschen, dass hier lediglich eine durchschnittliche Trash-Geschichte erzählt wird. Bei aller Liebe zu dieser Schaffensart und trotz all seiner künstlerisch erfreulichen Anstrengung, schafft der Film es nicht das selbe Niveau eines „Suspiria“ zu erhaschen oder das eines „Tanz der Teufel“. Dafür fehlt ihm als letzter Schritt die packende Atmosphäre. „Tunnel der lebenden Leichen“ ist sehr interessant, aber auch kaum spannend, schockend oder unheimlich.

Wie die Geschichte aussehen würde, damit sie den zu Beginn der Review erwähnten Teens von heute gefallen könnte, zeigt der sehr themenähnliche „Creep“, der zwar flott zu gucken ist, aber gerade im Bereich der Logik und der Hintergrundgeschichte der Kreatur völlig unakzeptabel ist. „Tunnel der lebenden Leichen“ ist trotz seiner langsamen Umsetzung ebenso flott zu gucken (langweilig wurde es nie), bleibt für einen Horrorfilm sehr logisch, ist künstlerisch interessant umgesetzt, überrascht mit Eigenständigkeit dank frischer Ideen und ist ein typischer Vertreter der damals neu aufkommenden Horrorwelle mit realeren Monstern statt der Klassiker wie Vampire, Werwölfe, irre Wissenschaftler etc, die zuvor die Kinoleinwand bevölkerten. Für Cineasten ist dieser britische Film ein kleiner Geheimtipp.  OFDb

24.12.2012

TOT UND BEGRABEN (1981)

Ein Sheriff muss entdecken, dass das Städtchen, in dem er lebt, ein Geheimnis hat. Ein Unfallopfer wird nach dem Tod wiedergesehen, Bürger verhalten sich merkwürdig, sogar die eigene Frau, und nach und nach wächst in ihm der Verdacht, dass Tote einen Weg zurück ins Leben gefunden haben...

Tot, begraben und dann?... 
 
Acht Jahre nach „Tunnel der lebenden Leichen“ drehte Gary Sherman erst seinen nächsten Film. Es war wieder ein Horrorbeitrag, und dieser ist auf völlig anderer Ebene gleich beeindruckend, wie sein Vorgänger-Werk. In erster Linie glänzte Shermans erster Film durch eine gut durchdachte Psychologie des Monsters und einer sehr individuellen Figur des Helden. Letzteres ist in „Tot und begraben“ nicht der Fall, der Held des zweiten Filmes, ein Sheriff, wird dafür aber immerhin griffig präsentiert. Es ist im Prinzip eine 08-15-Rolle, die als solche aber kaum auffällt, da die Ereignisse um ihn herum den Zuschauer an ihn klammern lassen. Seine Funktion als Identifikationsfigur klappt also wunderbar.

Am Anfang steht der Zuschauer jedoch alleine da. Und nirgendwo wirkt der Film wieder so bedrohlich wie hier. Das Grauen stürzt urplötzlich auf den Zuschauer herab. Abgelenkt durch eine emotional starke, ruhige Szene (diese Art der Inszenierung war bereits Shermans Trumpf im „Tunnel der lebenden Leichen“) wird zu einer Terrorszene in reinster Form, bei der es einem eiskalt den Rücken runter läuft. Ohne Übertreibung kann ich behaupten, nur selten bedrohlichere Szenen in Horrorfilmen gesichtet zu haben, wie hier. Und die erste gehört mit dazu. Und wenn sie später in einem Krankenhaus weitergeführt wird, hat sie ähnliche Wirkung. „Tot und begraben“ rüttelt einen immer wieder wach. Faszinierend was Sherman dem Zuschauer abverlangt, der wählen kann zwischen zugucken und ausschalten.

Was beide Szenen jedoch nicht nötig gehabt hätten, ist die extreme Gewaltdarstellung. In der Eingangssequenz hat sie eine gewisse Faszination, in der Krankenhausszene wirkt die Brutalität jedoch etwas aufgesetzt. Zwar weiß auch dieser Filmmoment zu schocken, mitunter wegen dem sehr abartigem Gezeigten, nötig wäre der Grad der Brutalität jedoch nicht gewesen. Die Situation allein strahlt eine derartige Bedrohung aus, dass Sherman von Glück reden kann, mit der provokativen Gewaltdarstellung nicht alles wieder ruiniert zu haben.

Wie erwähnt fehlt zu Beginn die Identifikationsfigur. Ähnlich wie bei „Psycho“ lernt man wen kennen (in diesem Falle zwei Charaktere), orientiert sich an ihnen, um dann mit einem Schocker allein gelassen zu werden. Im Gegensatz zu „Psycho“, der uns einen halben Film lang an der Nase herumgeführt hat, geschieht der psychologische Effekt hier bereits nach nur einer längeren Szene. Man kann hier jedoch nicht vom üblichen Eingangsmord eines Horrorfilmes sprechen. Dafür ist der Zuschauer zu emotional an den Figuren gebunden.

Die Wirkung der ersten Filmphase wird in „Tot und begraben“ nie wieder so intensiv werden. Und doch bleibt Shermans Streifen hoch interessant. Weitere Opfer werden horrorfilmüblich in die Story integriert. Der Weg zu ihrem Tod ist gut gefilmt, wie alles in diesem Streifen, letztendlich kommen diese Momente über gängige Routine jedoch nicht hinaus. Das ist auch gar nicht schlimm, denn gemeinsam mit dem Sheriff sucht man gefesselt des Rätsels Lösung.

Diese erahnt man nach einiger Zeit, werden doch genug deutliche Hinweise gegeben. Es bleibt dennoch interessant, da nun der genaue Hintergrund Neugierde weckt. Der Schluss bietet eine pfiffige Pointe, so viel kann ich verraten. Der Weg zur Auflösung wird stets von einer dichten Atmosphäre begleitet, die den Film nur selten loslässt. Der Mittelteil mag leicht gestreckt wirken, das mag manchem moderneren Cineasten negativ auffallen. Ich jedoch genieße die langsame Erzählart dieser vergangenen Filmschaffenszeit und suhle mich nur allzu gern in dieser ebenso packenden wie staubtrockenen Atmosphäre. Im direkten Vergleich zu „Tunnel der lebenden Leichen“ kann man allerdings von einer flotteren Umsetzung sprechen, dieser war wesentlich ruhiger inszeniert.

Das Spiel Shermans den Zuschauer gemeinsam mit dem Sheriff herausfinden zu lassen was passiert, und dem Zuschauer gleichzeitig einige Details mehr wissen lassen, als den Gesetzeshüter, ist ebenfalls ein gekonnter Kniff des Regisseurs. Nie erfährt man Unnötiges, Sherman gibt uns nur den Happen mehr als dem Sheriff, der für eine spannende Wirkung von Nutzen ist. Ohnehin wusste der Mann sehr genau, wie er was inszenieren muss. Das Drehbuch bietet ungeheuer gute Wendungen, die bei kleinsten Fehlern in der Umsetzung bereits Wirkung verloren hätten. Mich würde es nicht wundern, wenn ein enger Dialog zwischen dem Regisseur und den zwei Drehbuchautoren (u.a. Dan O’Bannon) stattgefunden hat.

Wie weit bin ich Mensch? Wie weit bin ich von anderen zu abhängig? Lässt diese (gewollte oder ungewollte) Abhängigkeit Individualität zu oder glaube ich nur individuell zu sein? Wie weit bestimmen andere über mich? Was steckt unter der Maske der alltäglich zu sehenden Gesellschaft? All das sind Fragen, die „Tot und begraben“ aufwirft, in einer Zeit, in der man nicht mehr gefragt wird, ob man Teil dieser Gesellschaft sein will. Globalisierung und der Wandel von Demokratien zu gläsernen Staaten, machen die Identifikation mit Filmen wie „Tot und begraben“ auch heute noch möglich. Shermans trockene Umsetzung mag auf manche antiquiert wirken, das Thema bleibt aktuell wie eh und je. Sherman nutzt diesen Hintergrund zum Angst schüren (im positiven Sinne, ist ja schließlich ein Horrorfilm), Antworten gibt er nicht.

„Tot und begraben“ bietet ein wenig von dem, was man eher unter dem Titel „Tunnel der lebenden Leichen“ vermutet hätte. Wie weiter oben erwähnt war Dan O’Bannon an Shermans zweiter Regiearbeit beteiligt. Und dass dieser das grobe Thema auch völlig anders umzusetzen wusste, bewies er mit „The Return Of The Living Dead“, meiner Meinung nach der beste Zombiefilm neben Romeros „Zombie“. Eine Dan O’Bannon-Nennung im Vorspann macht eigentlich immer Mut. „Tot und begraben“ ist hierfür lediglich eine weitere Bestätigung. Ein Geheimtipp ist er schon lange nicht mehr, die meisten Horrorfans haben den Film schon mindest einmal gesichtet. Er ist ebenso Pflichtprogramm wie die anderen in diesem Absatz genannten Filmtitel. Im Vergleich mit diesen steht „Tot und begraben“ weit hinten an. Aber er ist ein sehr gelungener Horrorfilm, der genau das bietet, was von einem Genrebeitrag eigentlich erwartet wird: Schock, Blut, Spannung und eine mysteriöse Geschichte! Was will man eigentlich mehr?  OFDb