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02.05.2020

DIE ABSERVIERER (1993)

Den Charme des Vorgängers "Die Nacht hat viele Augen" kann John Badham in der Fortsetzung "Die Abservierer" nicht ganz aufleben lassen, dafür wirkt dann doch alles zu sehr im Lehrlauf befindlich, ohne intensive Schwerpunkte spüren zu lassen. Da sich aber bereits der Vorgänger mehr dem Bereich der Komödie, anstatt der Action, zugewendet hat, kann das lockerleichte Rezept, welches "Another Stakeout" (Originaltitel) vorzuweisen hat, dennoch für simple Unterhaltungszwecke funktionieren. So wird in bereits bekannter Hauptbesetzung hemmungslos herumgealbert, was deswegen brauchbar funktioniert, da man einerseits nicht zu zotig vorgeht und andererseits die scheinbar gute Stimmung am Set, und somit auch die Spielfreude von Emilio Estevez und Richard Dreyfuss, spürbar zu erkennen ist. Unterstützt werden sie von der eigentlich meist eher unangenehm agierenden Rosie O'Donnell, die hier jedoch passend besetzt ist und das bisherige Duo tatsächlich auf ein funktionierendes Trio erweitert. Damit hätte ich nicht ernsthaft gerechnet.

Um als wahrlich gelungen gelten zu können, macht "Die Observierer" (Alternativtitel) leider nicht ansatzweise deutlich, dass er sich für seinen eigentlichen Kriminalfall interessiert. Er ist lediglich Vorwand, um die Figuren in unangenehme Situationen zu bringen und sich gegenseitig kabbeln zu lassen. Letztendlich benimmt sich hier jeder entweder kindisch, oder peinlich berührt, was dank der dazu passenden Charakterzeichnungen und der Grundstimmung des Streifens tatsächlich funktioniert, wenn auch nur oberflächlich und simpel angegangen. Kleine Spielereien, wie das Schmollen der Rolle Estevez' um den für den Fall zum Opfer gefallenen Schnurrbart, werden derart zelebriert, dass derartige Nichtigkeiten zu einer Freude inmitten eines Programms werden, das sich ohnehin nur der simplen, leicht verdaulichen Unterhaltungskost zuwendet. Wenn die Nachbarn, mit denen man gegen alle Polizei-Regeln viel zu schnell und viel zu intensiven Kontakt aufnimmt, übereilt den Nachtisch aufessen, da sie ihre neuen Nachbarn für vollkommen Banane halten, die Rolle Dreyfuss' auf sein Alter angesprochen einen auf tapsiger Opa macht, oder die Rolle O'Donnells aus einer Verzweiflung heraus so tut, als ob sie übersinnlich wäre, befindet sich der Streifen stets auf einem Hoch.

Ob es für eine derartige Story wirklich nötig war einen anderen Film fortzusetzen, anstatt etwas Eigenes daraus zu machen, sei einmal dahingestellt. Und an große Werke Badhams, wie "Das fliegende Auge" und "Nummer 5 lebt", erinnert das viel zu belanglose Treiben nicht ansatzweise. Verglichen damit und mit dem ersten Teil von "Stakeout 2" (Alternativtitel) arbeitet der Regisseur weit unter seinem bisherigen Niveau. Letztendlich muss man den Streifen aber so annehmen, wie er gemeint ist. Und da hat keiner der Beteiligten weder Herzblut gezeigt, noch in ihm einen großen Schritt innerhalb der eigenen Karriere gesehen. Er ist aus einer verspielten Laune heraus entstanden, die den Gewinnaspekt basierend auf einem vorangegangenen finanziellen Erfolg kaum bemerken lässt, und aus dieser lockeren, entspannten Sicht heraus, soll man ihn auch konsumieren. Dass "Stakeout 2 - Die Nacht hat noch mehr Augen" (Alternativtitel) deswegen auch schnell wieder vergessen ist, ist ebenso wenig zu übersehen, wie die Tatsache, dass er auf seine Laufzeit gesehen bei wenig Erwartung tatsächlich seicht, trivial und auf handwerklicher Ebene professionell angegangen auf schlichter Ebene funktionieren kann.  OFDb

21.11.2015

WAS IST MIT BOB? (1991)

Frank Oz in der Regie, Bill Murray und Richard Dreyfuss in den Hauptrollen und Julie Hagerty, die bereits in „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ bewiesen hat wie augenzwinkernd sie die naive (Ehe)Frau darzustellen weiß, in einer Nebenrolle, allein das sind vier Argumente die bereits für den großartigen „Was ist mit Bob?“ sprechen, einem Film der noch die Komödienluft der 80er Jahre atmet, meiner Lieblingszeit US-amerikanischer Komödien. Die Geschichte selbst wird mit den beiden Stars im Zentrum gar zum Selbstläufer, so dass es überhaupt nicht stört dass vieles vom eigentlichen Handlungsablauf vorhersehbar ist. Denn hier kommt es auf das wie an, und das ist treffsicher eingefangen mit gezielter Pointensetzung.

Wie gut „What About Bob?“ (Originaltitel) ist, lässt sich allein daran erkennen wie gekonnt Oz sich dem geistigen Abdriften des Psychiaters nähert, das keinesfalls zu ruckartig daher kommt und recht clever vorbereitet wird. Ohnehin ist diese Komödie keine gedankenlose unüberlegte Klamauk-Chose. Spielfreudige Stars unterstützen hier ein cleveres Drehbuch, welches genau weiß warum es welchen Bereich des Lebens wie parodiert. Die Schwächen von Psychiatern und die Vorurteilen über sie werden genauso auf die Spitze getrieben wie jeder weitere gesellschaftliche Aspekt den der Streifen aufgreift. Dabei geht kein Witz auf Kosten der Charaktere, die für das Gelingen des Humorbereichs im Mittelpunkt stehen und tiefgründig genug ausgefallen sind, so dass das ganze so funktioniert, dass man weder zu verkopft noch zu dümmlich unterhalten wird.

Privat sollen sich die beiden Hauptdarsteller nicht verstanden haben. Das wird ihnen sicher dabei geholfen haben sich in ihren Rollen zurecht zu finden. Aber wir reden hier von zwei wahrlich großen Leuten ihres Fachs, die bis auf die kleinste Mimik genau wissen wie die Figur und die jeweilige Situation zu verstehen ist. Es ist, wie so oft im Kino bis in die 80er Jahre hinein, in Kombination mit taltentierten Mimen das psychologische Verständnis des Autors, der das tatsächliche Funktionieren des Streifens ausmacht. Das Verständnis wie Charaktere funktionieren, wie sie zu dem wurden was sie sind, und warum sie zu dem werden was sie am Schluss sind, aufgrund eines Verstehens darüber welche Situation und Tat welchen Einfluss auf den jeweiligen Charakter und zukünftige Situationen hat. Das ist eine Stärke die im modernen Kino immer mehr verloren geht und damit solch stumpfe Werke wie „Die Wutprobe“ hervorbringt.

„Was ist mit Bob?“ guckt sich trotz seiner humoristischen Intelligenz locker leicht, bzw. gerade deswegen, eben weil man sich nicht krampfartig in eine Situation hinein schreibt, die man psychologisch nicht versteht. „Was ist mit Bob?“ ist gut beobachtetes Kino, welches einer herrlich übertriebenen Comic-artigen Idee nachgeht und in jedem Moment weiß was es gerade erzählen möchte, frei von Publikums-Anbiederung, Kitschmomenten, sowie idealistischem und moralischem Getue. Unterstützt wird das clevere Drehbuch dabei von einem hervorragenden Cast in den Händen eines begnadeten Regisseurs, der bereits einige Jahre zuvor mit „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ bewies wie geistreiche Komik aussehen kann.  OFDb

23.07.2013

PIRANHA (2010)

Ausgerechnet während des Spring-Breaks geraten versehentlich freigesetzte, todgeglaubte Urzeit-Piranhas in den Lake Victoria und greifen die Party feiernden Badegäste an...
 
Uralt und doch mit festen Zähnen gesegnet...
 
Wer für diesen Sommer noch einen feucht-fröhlichen Video-Tipp passend zum Wetter benötigt, und so wie ich Neuerscheinungen meist erst Jahre später entdeckt, dem rate ich zu „Piranha“, der freilich kein Geheim-Tipp mehr ist, so gut wie er von der Horror-Fan-Gemeinde angenommen wurde, aber das hat Qualitäts-technisch ja leider nicht immer etwas zu bedeuten. Im Falle von Ajas Remake von Joe Dantes „Piranhas“ aus den 70er Jahren kann ich jedoch grünes Licht geben. Der Hype ist berechtigt. Der Film macht ordentlich Laune.

Freilich erfindet Aja das Rad nicht neu, und so kann man zu Recht kritisch sein wenn es darum geht sich einen Film anschauen zu sollen, dessen Thema auf Video (meist mit Haien) todgeritten wird. Aber Ajas weiß mit welcher Inszenierung er der ausgelutschten Story begegnen muss, und die orientiert sich an den so quantitativen Punkten flotter Sound, viel nackte Haut und ordentlich Blut. So plump das klingt: es funktioniert nicht nur, es rockt.

Schön selbstironisch, dabei aber ehrlich zu sich selbst, kommt die Nebenstory um einen Pornofilmer daher, der spielfreudig von Jerry O‘Connell verkörpert wird. Seinem Sub-Plot verdanken wir jede Menge weibliche Freizügigkeiten, die ebenso wie die Szene eines abgebissenen Pimmels zeigt, wie losgelöst die Amis mittlerweile von ihrer einstigen Prüderie sind. Die Verantwortlichen dieser traurigen Vergangenheit Hollywoods, die Verfechter des Christentums, werden am Rande gleich mit verarscht, zwar kurz, aber dafür treffsicher als Demonstranten gegen den viel zu freizügigen Spring-Break.

Ohnehin ist der Grundton von „Piranha“ lustiger Natur, und das lebt man nicht nur in wunderbar ekligen und fiesen Goreszenen aus (die dank kranker Ideen nicht immer nur den Piranhas zuzuschreiben sind), was ein Glück ist, zeigten doch Filme wie „Dead Snow“ wie unbefriedigend eine Horror-Komödie ist, die einzig darauf achtet. Nein, auch die Figuren und die kleinen Situationen die diese erleben wissen humoristisch zu wirken, auch wenn große Lacher meist den kleinen Schmunzlern weichen müssen.

Die Piranhas sind dank des hohen Produktionsniveaus ein Augenschmaus, und Ajas liebt es mit Ideen zu jonglieren wie er sie optisch eingefangen kriegt und was er sie alles anstellen lassen kann, damit der Film nicht zu monoton ausfällt. Und da kommt einiges an fiesen Momenten zusammen. An Zeigefreudigkeit mangelt es dem Film in keiner Nische, und so wird der Freund anspruchsloser Popkorn-Unterhaltung bestens bedient.

Die Schauspieler schlagen sich alle wacker, die obligatorische Love Story kommt süß und nicht all zu wichtig daher, und kleine Gastauftritte absolvieren Richard Dreyfuss (der als „weiße Hai“-Veteran bereits vor dem Vorspann ableben darf) und „Doc Brown“ Christopher Lloyd, den es auch in die Fortsetzung gezogen hat, die gerade mal zwei Jahre später erscheinen sollte.

Viel zu sagen gibt es ansonsten nicht. Ajas, ein Regisseur dessen Filme meiner Meinung nach qualitativ immer sehr unterschiedlich ausfallen, macht das beste aus einem längst ausgeschöpften Thema und holt dabei ein Ergebnis heraus, das ich der Story gar nicht mehr zugetraut hätte. Dass er sich hierfür stark von Joe Dantes Original distanziert war wohl eine gute Entscheidung. Vielleicht hätte dies das erste Remake namens „Die Rückkehr der Piranhas“ ebenso machen sollen, um nicht in Vergessenheit zu geraten. Andererseits, warum wird ein Werk wie Ajas Tier-Horror dann als Remake angekündigt? Man stelle sich mal vor jeder auf Video erschienende Hai-Film würde als Remake von Spielbergs großem Blockbuster beworben werden. „Piranha“ sollte man also als eigenständiges Werk einer nicht eigenständigen Idee ansehen. Filme wie diese machen den heißen Sommer erträglicher.  OFDb

08.08.2012

STAND BY ME (1986)

Vier Jungs ziehen los um die Leiche eines vermissten Jungen suchen zu gehen...

Der Nochfrüherstücksclub...
 
„Indiana Jones“ und Co zogen in die weite Welt, und manch einer flog gar ins All um seine Abenteuer zu erleben. Stephen King aber schickte einst vier Kinder in ihrem Miniuniversum los, um sie nah an den Alltagsgrenzen in ihr(e) Abenteuer zu stoßen. Sei es das Ausweichen eines heranrasenden Zuges, die Gefahr eines in die Eier beißenden Hundes oder der Angriff von Blutegeln, zahm nimmt er die Gruppe Halbwüchsiger nicht heran, und was das Abenteuer auslässt wird über persönliche Probleme nachgeholt.

Es ist typisch Stephen King seine Helden und weiteren Figuren in Form von Stereotype vorzulegen. Und es ist ebenso typisch dass Regisseur Rob Reiner („Harry und Sally“, „Misery“, „Eine Frage der Ehre“) solchen Klischeefiguren einen individuellen Touch beschert. In „Stand By Me“ kann er hier hilfreich auf vier talentierte Jungs zurückgreifen, die alle mal für kürzer und mal für länger berühmt waren. Das kleinste Licht erreichte ausgerechnet Wil Wheaton, der hier die Hauptrolle Gordon spielt und dabei selbst neben River Phoenix glänzt. Erfolge konnte er später nur als Serienstar in „Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert“ verbuchen. Ganz anders als der eben erwähnte River Phoenix, der einen jungen Drogentod erlebte und heute wohl zu den engsten Konkurrenten DiCaprios gehört hätte, wenn er noch leben würde.

Außerdem mit dabei sind Jerry O‘Connell, der hier noch überraschend pummelig auftritt und Corey Feldman, der dank „Freitag der 13. 4“, „Lost Boys“ und „Meine teuflischen Nachbarn“ dem ein oder anderen ein Begriff sein dürfte, spätestens aber als Filmpartner von Corey Haim, mit dem er so einige Teenie-Komödien verwirklichte. Weitere wichtige Rollen werden außerdem von Richard Dreyfuß, John Cusack und Kiefer Sutherland verkörpert, so dass man über Mangel an Prominenz wahrlich nicht meckern kann.

Schön dass diese schlichte Geschichte so viel Unterstützung bekam, ist sie doch, so uninteressant sie auch klingen mag, eine besonders schöne Geschichte, ein in Nostalgie getauchtes Abenteuer-Drama, in welchem es weniger um die tatsächlichen Geschehnisse geht, sondern um das Seelenleben der zwei Hauptfiguren. Das ist im King-Universum aufgrund der oben erwähnten Tatsache schon etwas gewagt, aber es haut hin. Die Jungs wälzen Probleme durch, freilich nicht immer kindgerecht sondern typisch Kino eher wie junge Erwachsene, aber trotz dieses Mankos werden die Figuren und ihre Probleme ernst genommen. Mit einem Hauch Komödieneinfluss erinnert der Streifen gar an „Der Frühstücksclub“, der ebenfalls innerhalb eines Miniuniversums die Hochs und Tiefs der Gefühlswelt seiner Protagonisten zum Zentrum seiner Erzählung machte. Letztendlich wird „Stand By Me“ zu einer präpubertären Version von diesem, wenn auch im Abenteuerbereich angesiedelt.

So erwachsen die Jungs reden, so nah sind ihre Probleme, Interessen und Abenteuer doch an der kindlichen Welt orientiert, so dass tatsächlich ein Nostalgiebonus an die eigene Kindheit entsteht, ergänzt durch den Nostalgiebonus der vergangenen 50er Jahre und dem Blick auf eigene vergangene Freundschaften. Gerade Letzteres betreffend weiß „Stand By Me“ sehr emotional zu schließen, so dass man beim titelgebenden Abspannlied gegen die Tränen kämpfen muss, wenn man das denn will.

„Stand By Me“ kommt in einer Leichtigkeit daher, teilweise mit bitterbösem Humor (z.B. der Alptraum von Gordon) und manchmal gar so verspielt, das selbst eine kleine Geschichte des Jungautors Gordons in dem wundervollen Film Platz findet. Man könnte es als Laufzeitstrecken bezeichnen, aber diese eher unwichtige Randerscheinung des Streifens macht Spaß und unterstreicht zudem das Talent des kleinen Schriftstellers, was einem dabei hilft besser zu verstehen in welch ignorantem Elternhaus er groß wird.

Parallelen zu dem Kinderbereich aus „Es“ sind gegeben, das wird sicher jeder erkennen der beide Filme kennt. Und da „Es“ in diesem Bereich wesentlich besser ausgefallen ist als in der Erzählphase der erwachsenen Helden, verwundert es auch nicht sonderlich, dass ausgerechnet „Stand By Me“, ein Film der sich einzig der kindlichen Perspektive widmet und so gar nichts von einem Horrorfilm besitzt, zu den besten Verfilmungen nach Stephen King gehört. Rob Reiner schaffte es kurz darauf mit „Misery“ noch einmal einen King-Film gleichen Niveaus abzuliefern, einen mit völlig anderem Schwerpunkt und anderen Stärken.

Man muss nicht in den 50er Jahren gelebt haben, um die Schwermut und die Sehnsucht nach dieser Zeit erleben zu können. „Stand By Me“ lässt sie auferstehen durch die Augen zweier unschuldiger Helden, die langsam erkennen, dass es so etwas wie Unschuld in der Erwachsenenwelt nicht mehr gibt. Das Idealbild der Erwachsenen erhält Risse. Eltern zeigen emotionale Schwächen und Fehler, Lehrer entpuppen sich als Menschen hinter ihrer offiziellen Rolle, und aus dem abenteuerlichen Wunsch einmal eine Leiche zu sehen wird etwas, das unsere beiden Helden erst durch ihre Reise und die Auseinandersetzung mit ihren Problemen als etwas anderes erkennen, als es zunächst schien.

Es ist dem Film als großes Plus anzurechnen, dass er diesen Prozess des Reiferwerdens nicht alle 4 Helden erleben lässt, sondern nur den zwei wichtigsten Hauptfiguren, die damit noch mehr miteinander verbunden werden als ohnehin schon. In solchen Momenten ist der an anderer Stelle vor Klischees nur so triefende Streifen sehr realitätsorientiert. Davon hätte er zwar gerne mehr vertragen können, aber letztendlich guckt man „Stand By Me“ sowieso eher wegen seines Nostalgie-Touches und weniger um ein authentisches Drama zu erleben. Dass er Momente besitzt, in denen man selbst dies ernten kann, ist Rob Reiner hoch anzurechnen, letztendlich ist dieser kleine Abenteuerfilm in meinen Augen aber ohnehin eher ein Märchenfilm für Erwachsene, einer der keine Fantasyelemente benötigt, sondern einzig dazu da ist einen träumen und reflektieren zu lassen. Und was dies betrifft gehört „Stand By Me“ in meinen Augen zu den gelungensten Werken dieser Art.  OFDb

06.05.2012

W. - EIN MISSVERSTANDENES LEBEN (2008)

Für den politisch erfolgreichen Papa war George Bush. Jr. mit seinem orientierungslosem Lebensstil immer wieder eine Enttäuschung. Doch er hat es dennoch bis zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika geschafft...

Wie die Mutter, so der Sohn...
 
Es stimmt schon etwas nachdenklich wie gut man in Deutschland über amerikanische Präsidenten und die Wahlen diesbezüglich informiert ist und wird. Andere ausländische Politiker sind uns in der Regel nie so bekannt wie die Obersten der USA. Manch einer kennt sich mit ihnen besser aus als mit deutschen Politikern. Wenn in meiner Generation (Jahrgang 1975) ein amerikanischer Präsident von Bedeutung war, dann war es definitiv George Bush, Jr.

Seine Taten waren uns Warnungen in welch fragwürdige Richtungen Demokratie pervertieren kann, gerade in Hinblick der deutschen Nazi-Vergangenheit. Die Sympathie oder Distanz zu diesem Mann war ein wichtiger Entscheidungsfaktor der Wahlen im eigenen Land. Und obwohl man in Deutschland Parteien und nicht Bundeskanzler wählt, wurden die bekannten Rededuelle aus den USA mit einem Mal auch wichtig in Deutschland, eben weil man, so verschieden unsere Kulturen auch waren, von nun an immer wieder beide Länder verglich, u.a. aus Sorge auch Deutschland könne irgendwann auf dem sozial ungerechten Level der Vereinigten Staaten ankommen.

Die Einführung der Kosten beim Hausarzt, der Beginn von Hartz 4 und die Kürzung der Gehälter auf etwa die Hälfte des eigentlichen Wertes durch die Euroeinführung hatten die Menschen diesbezüglich sensibilisiert, die Angst war somit nicht unberechtigt. Und so schaffte es Michael Moore mit Buch und Film auch in Deutschland erfolgreich seine Medien an den Mann zu bringen. Neben der Welt der Nachrichten war er es der einem George Bush, Jr. näher brachte als jeden anderen amerikanischen Präsidenten zuvor. Wir lernten seine Vergangenheit kennen, die Widersprüche in seinem politischen Vorgehen und seine Leichtfüßigkeit, die in starkem Kontrast zu seiner eigentlich harten Politik stand.

Michael Moore brachte uns mit all den Hintergründen die er lieferte entweder dazu Bush zu hassen, oder Moore selbst. Ein Verständnis für die Taten des Sohnes George Bushs kam dabei niemals auf. Zu theoretisch war die Vergangenheit angerissen, zu bewusst erlebten wir die Veränderungen des selbstgepriesenen freien Landes auf dem anderen Kontinent.

Oliver Stone schafft es diese Lücke aufzuholen. Seine Biographie über George Bush, Jr., die nicht völlig satirefrei erzählt ist, schafft es den Privatmann hinter dem Amt zum Leben zu erwecken. Wir beginnen den Mann und seine Art der Politik zu verstehen. Das verändert nicht die mögliche Antipathie zu dieser Person, doch darf man nun im Falle dieser einen Mann nicht mögen anstatt eines unmenschlichen Präsidenten. Letzten Endes macht Stone aus Bush das was Hirschbiegel aus Hitler mit „Der Untergang" machte: er zeigt uns den Mensch hinter dem Monster, welches uns die Medien immer wieder präsentiert haben.

Stone erzielt diese Wirkung aus recht simplen Methoden. Er orientiert sich am Gefühlsleben George Bush Juniors und zieht diesen roten Faden durch bis hin zu seiner Position im theoretisch höchstem Amt Amerikas. Er legitimiert dieses Vorgehen durch den Grundcharakter Bushs und unterstreicht es mit der Ähnlichkeit des Charakters dessen Mutters. Stone lässt Vater Bush nicht zu einer kleinen Nebenrolle verkommen und verstärkt durch dessen völlig andere Charaktereigenschaften noch einmal die der Hauptfigur des Films.

Eine Wertung ergibt sich dabei erst in zweiter Reihe, geht es eigentlich doch schlichtweg dabei um den Unterschied, dass der eine Prinzipien folgt und wohlüberlegt handelt und der andere nie wahre Werte entwickelt hat und aus dem Bauch heraus handelt. Dass letztere Eigenschaften nicht gerade positiv für ein politisches Amt sind, ist nicht von der Hand zu weisen. Zumindest entsprechen sie nicht dem Bild eines Politikers in den Köpfen der meisten Menschen. Hier kann nun die Wertung Fuß fassen, etwas dass in einer Biographie eigentlich nichts zu suchen hat.

Allein deswegen ist die Ironisierung so wichtig, in welche Oliver Stone seinen Film packt. Das gibt der ganzen Problematik ein wenig Rückendeckung. So kann man trotz der fehlenden Neutralität Gefallen an „W.“ finden. Trotzdem ist qualitativ ein Unterschied zu erkennen zu dem faktenreichen „Nixon“, ein weiterer Film Stones über einen Präsidenten der USA.

War dieser ein komplexer Film, dem man nur hochkonzentriert folgen konnte, so ist „W.“ trotz nicht chronologischer Erzählung ein leichtfüßiger Unterhaltungsfilm geworden, dem man zwar seinen Hang zur faktenreichen Recherche nicht abstreiten kann, aber aufgrund des Familiendramas im Mittelpunkt nicht so anspruchsvoll daher kommt wie „Nixon“, ja nicht einmal wie „JFK“, der eher Kriminal-Drama anstatt Biographie war und der ebenfalls trotz faktenreicher Erzählung keine Neutralität aufwies. Als Film über eine Morduntersuchung musste er dies auch nicht.

Vielleicht liegt es daran, dass man Bush Junior bereits durch Moore viel zu gut kannte. Wo viele Fakten bereits bekannt sind, da rückt die triviale Familiendramatik der Bushs und der hinein interpretierte Teil Stones in den Vordergrund des Bewusstseins des Zuschauers. Dadurch kann ein ungerechtes Bild entstehen. Andererseits lässt es sich nicht von der Hand weisen, dass man „W.“ nicht gerade konzentriert folgen muss, und dass er in seiner Erzählung ebenso leichtfüßig daher kommt wie der Präsident von dem er berichtet.

Es ist psychologisch betrachtet somit eigentlich richtig den Film so zu erzählen, wie er erzählt wurde. Leichtfüßig, Hintergründe über das Gefühlsleben des Präsidenten erklärend - was der Film richtig macht, lässt ihn ungerecht betrachtend plumper daher kommen. Dabei besitzt das Werk nur einen wahren Tiefpunkt, und das ist eine (logischer Weise) erfundene Alptraumsequenz Bushs, die nun gar nichts mehr mit Fakten zu tun hat.

Über das Ergebnis kann man dennoch nicht jammern. „W.“ ist hochkarätig besetzt, faktennah und baut immer wieder eine Brücke zur Politik des Herrn Papa, was allein wegen der Anwesenheit gleicher Mitarbeiter bei beiden Präsidenten auch absolut sinnvoll ist. Stone lässt sich viel Zeit für die Vergangenheit Juniors. Dennoch wäre so manche fehlende Vertiefung sinnvoll gewesen, die er Richard Nixon gegönnt hätte. Die verschiedenen Berufe werden nur angeschnitten, über die Freundschaft des Vaters und des Sohnes zu den Bin Ladens wird überhaupt nichts berichtet, vieles wird schlichtweg nur erwähnt anstatt es auch wirklich zu thematisieren.

Scheinbar wollte Stone nicht schon wieder eine Biographie mit der Laufzeit von 3 Stunden abliefern. Der lockerflockigen Inszenierung hätte das sicherlich auch nicht gut getan. Und solch wichtige Elemente wie Bushs Religionsleben und seine politische Passivität, die ihn zum Spielball anderer Menschen machte, werden um so deutlicher eingebaut, so dass man unterm Strich trotz mancher Lücke und fehlender Distanz durchaus von einem interessanten Film sprechen kann. Wie oben bereits erwähnt hat Stone uns den Menschen Bush zumindest näher gebracht als es Moore je konnte und wollte. Dabei hätte Moore davor gar keine Angst haben müssen. Den Menschen den man nicht mag zu verstehen hilft dabei ihn nicht völlig aus dem Affekt heraus unsympathisch zu finden.

Hat man durch beide Filme beide Präsidenten kennen gelernt, zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen Richard Nixon und George Bush, Jr., die immerhin beides unbeliebte ehemalige Präsidenten der USA waren. Der eine handelte aus Überzeugung heraus (so wie Papa Bush). Man lernte ihn zu verstehen und konnte Taten, zu denen man kritisch steht, zumindest aufgrund seiner Sichtweise respektieren. Bush Junior war lediglich ein unreifer Egomane, der nie wirklich wusste was er tat. Ihn verstehen zu lernen ist nicht gleich zu setzen damit, dass man einen gewissen Respekt zu seiner Sichtweise bekäme. Der Blick hinter die Kulissen hilft lediglich dabei ihn weiterhin nicht zu mögen, wenn man dies bereits vorher tat.  OFDb