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30.12.2024

LEVIATHAN (1989)

Wenige Tage vor Beendigung einer mehrwöchigen Schicht stößt eine Crew von Tiefseearbeitern auf ein russisches U-Boot-Wrack. Die komplette Mannschaft ist tot, gestorben an einer unbekannten Seuche. Und nach einer Erkundungstour auf dem fremden Schiff, zurückgekehrt in die eigene Zentrale, beginnt diese sich auch dort auszubreiten...

Der Wodka war schuld...

Vereinfacht kann man "Leviathan" als "Alien"-Version der Tiefsee betrachten, doch letztendlich geht er dann doch etwas arg andere Wege, inklusive Aggressor, der kein Fremdwesen im eigentlichen Sinne ist, sondern eher eine veränderte Gen-Struktur der jeweils Befallenen. Vom fröhlichen und gleichzeitig genervten Miteinander der Crew, bishin zur Panik, eingeschlossen in den Tiefen des Meeres, klaustrophobisch anmutend eingefangen für den zartbesaiteten Zuschauer, gelingt es Regisseur George P. Cosmatos, der auch für "Rambo 2" und "Die City Cobra" verantwortlich war, die einzelnen Stadien nach und nach flüssig abzuarbeiten und für den Zuschauer zu verinnerlichen, so wie er es, auf ganz andere Phasen betrachtet, auch in seinem "Unheimliche Begegnung" bei gleicher Hauptrollenbesetzung schaffte, der in meinen Augen ein kleiner, vergessener Geheim-Tipp ist. Auch "Leviathan" ist nicht von schlechten Eltern, zumal er uns die rätselhafte Variante einer Monstergeschichte präsentiert und uns außerdem bei mancher Figur im Unklaren lässt, was man von ihr halten soll und wohin sie sich entwickelt.

Fast keiner ist so, wie es anfangs scheint, dennoch widersteht das Drehbuch der Versuchung einen Verschwörer mit im Team zu haben. Hier ist niemand eingeweiht, wenn überhaupt die da oben, mit denen man funkt, repräsentiert durch die stets unterkühlt besetzte Meg Foster, die auch in "Sie leben!" entsprechend wirkte. Doch dort scheint eher der Egoismus um den Wert der Aktie das Handeln zu bestimmen, und kein Wissen dessen, was die Crew befällt, Verschwörungstheoretiker werden hier somit kaum bedient. Der Kampf ums Überleben ist spannend umgesetzt, das Drehbuch macht es weder dem Aggressor, noch den Helden leicht und nutzt hier, ebenso wie im Restfilm, den Spielort Tiefsee gekonnt und vielschichtig, der sich als interessante Alternative zum sonst so gern genutzten Weltraum entpuppt. Dass "Leviathan"  so einige Jahre auf dem Buckel hat, merkt man eher an einem Kinnhaken, den ein Vorarbeiter seiner Vorgesetzten versetzt, ohne eine Klage zu befürchten, als an den Spezialeffekten, die handgemacht zu überzeugen wissen, egal ob es um eklige Veränderungen der Körper geht, oder um Miniaturbauten zur Erschaffung der Arbeitswelt unter Wasser. Eine gewisse Routine hat sich in einer so oft variierten Geschichte freilich dennoch breit gemacht, alles guckt sich auch beim ersten Sichten zu bekannt, trotz jeglichem Versuch an jeder Ecke und jedem Ende am Klischee herumzufeilen, "Leviathan" ist kein vergessener Meilenstein, aber für einen angenehmen Videoabend ist er jene Art unterhaltsamer Mix aus Horror und Science Fiction, der einen nicht unterfordert.  Wiki

26.02.2024

ROBOCOP 2 (1990)

In der Fortsetzung rund um den unfreiwillig zum Roboterpolizisten umoperierten Murphy, bekommt alles einen größeren Comic-artigen Anstrich. Der Superheld, der gar nicht auf einem Comic beruht, geht zu Beginn den klassisch tragischen Schritt seine große Liebe per Lüge zu beschützen, und genau damit endet auch der tragische Aspekt einer Geschichte, die sich von da an nur noch dem harten Kriminalfilm und der Action widmet und dabei alberner daher kommt, ohne deswegen gleich zur Komödie zu werden. Aber sie sind da, die bizarren Übertreibungen, die den Nonsens streifen. So werden die Nachrichten und Werbungen in den aus Teil 1 bekannten Zwischensequenzen dicker aufgetragen, so dass auch der Letzte versteht, was aufs Korn genommen werden soll. Diese Szenen dienen zwar noch immer der Satire einer fragwürdigen Gesellschaft, aber noch viel stärker der schwarzhumorigen Komik. Albern darf die maschinelle RoboCop-Alternative aus dem Vorgänger slaptsikartig billig zusammensacken, nachdem sie ein Massaker als Verkehrspolizist anrichtet, und verstört darf das optisch an "Der Rasenmähermann" erinnernde Computeranimationsgesicht der neuen RoboCop-Generation gucken, wenn es seiner eigenen Tötung zusehen muss, was im völlig übertriebenen, an die Looney Tunes erinnernden, Comicrumgekasper damaliger Animationsmöglichkeiten mündet. 

Diese verspielten Übertreibungen zeigen sich auch in den Charakterisierungen der Schurken an sich. Der eine ist ein sich gottesgleich fühlender Drogendealer, der seiner eigenen Droge verfallen ist, und der andere ein sadistischer Junge (gespielt vom Mama-Kind aus der ersten "Es"-Verfilmung), welcher seinen einzigen stillen Moment kurz vor seinem Ableben erfährt, ein ohnehin gewagtes Szenario, wenn man bedenkt wie Amis zu dem Tod von Kindern stehen, auch in härteren Stoffen. So oder so, die Gegner stehen weit mehr im Vordergrund als die eigentlichen Helden. Die Partnerin des Roboters wird noch mehr zur Nebensache als es schon im Original der Fall war, und RoboCop selbst wird bereits in seinem zweiten Abenteuer als arg routiniert, ja geradezu alltäglich eingebaut, mit der einzigen Ausnahme einiger Szenen mit einer Neuprogrammierung, die ihn zum zahmen Lamm im Umgang mit der Gesellschaft, insbesondere mit Kindern, macht. Auch hier wird lieber auf laute, anstatt auf subtile Komik gesetzt, treffsicher ist sie dennoch. Letztendlich ist die Situation leider schneller bereinigt, als nötig, bei all dem Potential, welche diese Umprogrammierung, gerade bei der aktuell in den USA aufkommenden politischen Korrektheit, an Möglichkeiten bereit hielt. 

Aber so direkt einem erkennbaren Weg folgend, wie in Teil 1 geschehen, ist der Handlungsstrang in der Fortsetzung ohnehin nicht angegangen. Er wirkt manchmal etwas orientierungslos, sucht seinen Stil, weswegen die harte Mentalität, das böse Zukunftsbild und die manchmal an Slapstick grenzenden Albernheiten nie so ganz zusammen passen wollen, zumal die Optik, in der alles eingefangen wird, weiterhin eher streng steril anmutet und nicht in bunterem Comic-Touch daher kommt, wie beispielsweise bei "Batman Forever" geschehen. Dank der ebenso übertriebenen Grundgeschichte um eine Droge, welche eine Stadt in den Alarmzustand befördert und der Idee den neuen Robocop durch einen drogensüchtigen Psychopathen verkörpern zu lassen, passt der schräge Grundton trotzdem recht gut zum eigentlich noch immer düsteren und actionreichen Hauptanliegen des Films. Wer etwas Vergleichbares wie den ersten "RoboCop" erwartet, wird teils enttäuscht und teils mit dem was er sehen will bedient. Einen geradezu komödiantisch agierenden Bürgermeister, der sich in völliger Verzweiflung den Kriminellen zuwendet, da die ebenfalls kriminellen, mächtigen OCPs ihn fertig machen, wollte aber sicher nicht jeder sehen. Aber wer sich auf den neuen Grundton einstellen kann, während der ursprüngliche parallel noch immer vorhanden ist, wird auf weniger anspruchsvolle Art dennoch kurzweilig unterhalten, u.a. auch durch solche klamaukigen Elemente, wie besagtem Bürgermeister. 

Die veralteten Spezialeffekte schaden der Fortsetzung schon eher und dies weit mehr als dem Erstling, denn der Finalkampf zwischen zwei Maschinen sieht letztendlich zu künstlich aus, wenn RoboCop all zu oft von einer deutlich erkennbaren Puppe gedoubelt wird. Auch viele der Realszenen im kompletten Film hätten von einem menschlichen Doppelgänger verkörpert werden können, Wellers Charisma wird nur selten getroffen, der eigentliche Held bleibt zu sehr Nebensache in seiner eigenen Fortsetzung und mit ihm die Wirkung seines Darstellers. Das wilde Treiben innerhalb einer herrlich bizarren Geschichte macht die Sache jedoch wieder wett - wenn auch nur für Leute, die es gern etwas derber mögen. Zumindest ist der Schritt Richtung Komik, zahmerer Härte und dem Einbringen eines Kindes ins Zentrum, noch nicht jener Schritt zur familienfreundlichen Action, der das 90er Jahre Actionkino etwas verwässern sollte und schließlich in Werken wie "Last Action Hero" pervertierte. 1990 erschienen, ist "RoboCop 2" noch immer ein pures 80er Jahre-Werk. Dass es ausgerechnet Irvin Kershner war, der die albernere Variante des Cyborgthemas inszenierte, wo er doch gerade für seine besonders ernste Arbeit "Das Imperium schlägt zurück" im sonst eher verträumt ausgefallenem "Krieg der Sterne"-Universums berühmt ist und von Fans der Reihe für diesen verehrt wird, erstaunt schon ein wenig, auch wenn andere für das Drehbuch verantwortlich waren.   Wiki

25.02.2024

ROBOCOP (1987)

Der nicht auf einem Comic basierende Superheldenfilm "RoboCop" aus der Feder Edward Neumeiers ist trotz dessen Einflusses ein geradezu typischer Paul Verhoeven-Film geworden. Er spart somit nicht an Nacktheit und Gewalt (die Vision des Regisseurs wäre sogar noch härter ausgefallen) und ruht sich glücklicherweise nicht auf diesen reißerischen Eckpfeilern aus. Im Zentrum steht schließlich eine schwarzhumorige Satire, die ein zeitnahes, übles Weltbild präsentiert, in welchem nicht nur in Detroit einiges falsch läuft, wie uns die realistisch gehaltenen Nachrichten zeigen, die Verhoeven immer wieder zwischendurch einblendet. Dieses Stilmittel wiederholte er im ähnlich gearteten Science Fiction "Starship Troopers", so roh und ungeschliffen wie hier kommt es dort jedoch nicht herüber. Dennoch sind beides fantastische Filme, und dies obwohl der hier besprochene eigentlich nur das üblich zu Erzählende einer solchen Geschichte abarbeitet. Vielleicht liegt darin aber auch das Geheimnis des Funktionierens dieses Streifens, denn er will nie zu viel und ist überzeugend in dem was er angeht. Freilich sind einige Spezialeffekte mittlerweile überholt, aber auch sie bereiten heute noch genügend Freude mit ihrem sympathischen, handgemachten Retro-Touch, den ich CGI meist vorziehe. 

Mit Kurtwood Smith hat man einen überzeugenden Antagonisten an Bord, und ich war erleichtert, dass ich bei seinem Anblick nicht stets an seine mittlerweile populärere Rolle aus "Die wilden Siebziger" denken musste, so anders wie er sich hier gibt. Auch Peter Weller stemmt seine Rolle gekonnt, und dies obwohl er die meiste Zeit nur steif agieren darf und sein Gesicht zur Hälfte verdeckt ist. Das Weltbild mit dem Konzern, welcher die Polizei lenkt, und mit dem Verwenden eines Toten sämtliche Gesetze bricht, weiß zu beunruhigen, funktioniert als Motor einer solch bitteren Zukunft also wunderbar, und auch die Idee mit Direktive 4, die wahrlich nicht unrealistisch ist, weiß zu gefallen. Wie schon im Film erwähnt: warum sollte eine Firma wollen, dass eines ihrer Produkte sich gegen sie stellt? Dementsprechend legendär schaut sich das Finale, wenn dem elektronischen Polizisten hierbei die Fesseln gelöst werden. Erstaunt war ich nach meiner Sichtung nach etlichen Jahren, dass die Familie Murphys lediglich in Erinnerungen auftaucht. Das Element, dass Ex-Frau und Sohn nichts erfahren dürfen, findet sich erst in weiteren Verfilmungen des Stoffes. Mit der stattdessen an der Seite Robocops agierenden, rauen, aber damit nicht zu übertrieben maskulinen Partnerin Murphys, zeigt Verhoeven uns, dass er nicht jeden Aspekt derart dick aufträgt, wie im Härtegrad geschehen, oder in der grenzwertigen Charakterisierung der Verbrecher dieser Zukunft. Ihm ist insgesamt ein sehenswerter Science Fiction-Actioner gelungen, der nach wie vor zu gefallen weiß.  Wiki

17.02.2021

BATMAN - THE DARK KNIGHT RETURNS (2013)

Was habe ich mir immer gewünscht, dass das großartige Comicbuch "Batman - Die Rückkehr des dunklen Ritters", das aus der Feder Frank Millers stammt, endlich einmal verfilmt wird (selbstverständlich als Zeichentrick). Und als es dann endlich so weit war, habe ich nichts davon mitbekommen. Erst vor einigen Monaten erfuhr ich per Zufall von der Existenz des Zweiteilers "Batman - The Dark Knight Returns", der sich, zumindest auf der Komplett-Bluray, mit seinen 140 Minuten Laufzeit wie ein durchgehender Film guckt. Entstanden in den Jahren 2012 und 2013 modernisiert er die Geschichte glücklicher Weise nicht, so dass sie noch immer in einer 80er Jahre, von Ronald Reagan regierten, Alternativwelt zu der unseren spielt. Ohnehin hält man sich erfreulich nah an die Print-Vorlage, auch wenn die Geschichte an mancher Stelle gekürzt wurde und der Text, zumindest in der deutschen Version, nicht immer dem des Buches entspricht. Aber allein schon das Einhalten des Zeichenstils ist ein großer Trumpf der cineastischen Realisierung dieses anspruchsvollen Stoffes, welcher den Vorurteilen über Superhelden-Comics mit Komplexität, Düsternis, politischer Raffinesse, sowie Medien- und Gesellschafts-Reflexion entgegen tritt, um zu zeigen was Comic tatsächlich kann. Dass sich diese Trümpfe so gut auf das Medium der laufenden Bilder übertragen lassen, liegt an Millers Stil, dessen Buch sich beim Lesen bereits wie ein Film schaut.

Neulinge sollten sich zunächst mit anderen Werken des DC-Universums beschäftigen, denn Miller setzt nicht nur Aufmerksamkeit und Mündigkeit beim Publikum voraus, sondern auch das nötige Hintergrundwissen. Personen wie Cat-Woman, Robin und Co, werden teilweise nur über ihre bürgerlichen Namen erwähnt, andere Superhelden kreuzen den Weg des düsteren Rächers, und auch mit den Schurken der Batman-Comics muss man sich auskennen, um ihre Beweggründe zurückzukehren verstehen zu können - was anbei auch auf die Motivation Batmans zutrifft. Der ist endgültig in jener fragwürdigen Position zwischen Gesetzeshüter und Gesetzesbrecher gefangen, diesen Schwebestand für sich wirken lassend, ohne moralisch zu werden oder eine Seite zu bestätigen. Ob schwere Zeiten harte Methoden benötigen, wird stets thematisiert, teilweise auch durch satirische Diskussionen, in denen nebenbei der blinde Glaube an Psychologie, Politik und Medien schwarzhumorig und treffsicher persifliert wird. Vieles davon mag sich heute nicht mehr so innovativ anfühlen, allein Nolans "The Dark Knight" bot 2008 schon viel von dem, was uns der hier besprochene Zeichentrickfilm beschert. Beachten muss man aber, dass  die Vorlage aus den frühen 80er Jahren stammt und sich Nolan und Co an den damals neuen und erwachsenen Ideen Millers bedienten. Nicht umsonst war das Werk Millers stilbildend für zukünftige Comic- und Filmprojekte, und dies nicht nur auf die Figur des Batman bezogen.

"Batman - The Dark Knight Returns Teil 1 + 2" ist glücklicher Weise nicht nur in der Theorie, aufgrund der Ehrfurcht vor der Vorlage, solch ein gelungenes Projekt geworden, auch praktisch weiß der Streifen zu gefallen. Er ist actionreich ausgefallen, mit rarem, trockenem, aber stilsicherem, schwarzen Humor versehen, optisch, wie inhaltlich ein Leckerbissen und trotz seiner gewaltigen Laufzeit angenehm flott zu schauen. Das meiste davon verdankt er zwar der Vorlage, dennoch besitzt er als bewegter Klon des starren Comicheft-Mediums eine Daseinsberechtigung, funktioniert er doch nicht nur einzig im ersten Effekt als Vergleich zwischen Standbild und flüssiger Animation für den Bewunderer des Originals, sondern auch als packend inszenierte Geschichte, die trotz gelegentlicher Episodenhaftigkeit ein Ganzes bildet und einem großen, durchdachten Finale entgegen schreitet - samt beeindruckender Pointe. Die Hintergrundmusik funktioniert, auch wenn sie nicht nennenswert hervor sticht, die Kürzungen des Stoffes sind akzeptabel und die Synchronisation geglückt (im Original sogar mit Peter Weller besetzt). Die Arbeit von Regisseur Jay Oliva stieß scheinbar auch auf Zustimmung in den Kreisen der Warner Brothers, denn es folgten noch weitere Batman-Animationsfilme unter seiner Regie, so z.B. "Batman vs. Robin" und "Batman - Bad Blood". Von den wenigen bisher von mir gesichteten Trickfilmen um den Fledermausmann, hebt sich die Realisierung von Millers Kultcomic gewaltig ab, allein schon weil kein Kompromiss an ein jüngeres Publikum stattfindet, geschweige denn eine Vereinfachung zum leichteren Verständnis. Was derartige Entscheidungen betrifft waren glücklicher Weise die richtigen Leute an diesem lang erwarteten Projekt beteiligt.  OFDb  OFDb

02.06.2019

UNHEIMLICHE BEGEGNUNG (1983)

Irgendwo zwischen Horrorfilm, Thriller und Satire angesiedelt, weiß der auf einem Roman basierende "Unheimliche Begegnung" sein Minimum an Story interessant erzählt und gewitzt inszeniert zu präsentieren. Hier geht es wahrlich nicht um viel mehr. Ein Geschäftsmann möchte eine Ratte aus seinem Heim vertreiben, und die fühlt sich viel zu wohl, als dass sie sich vertreiben lassen würde. Durch Hintergrundinformationen über Ratten wird dieses Ungeziefer zu Supertieren erklärt, hartnäckig zu bekämpfen, schlauer als es zunächst scheint. Was die angebliche Sachlage an Übertreibungen vorweist, lässt das eigentliche Gezeigte hingegen Interpretierung sein. Ob die Ratte aus intelligenten Gründen tut was sie tut, oder ob sie zufällig zum richtigen Zeitpunkt manches tut, was ihr zum Vorteil gereicht, liegt im Auge des Betrachters und gehört gleichzeitig zur verspielten Umgangsform des Films. Auch wenn sich "Of Unknown Origin" (Originaltitel) nie lustig schaut, so kommt er doch augenzwinkernd verspielt daher. Hughes scheint immer wahnsinniger zu werden (was jedoch ebenfalls Interpretationssache bleibt), es herrscht ein Katz- und Mausspiel zwischen den beiden, und da der Protagonist gegen ein Weibchen kämpft, eine Mutter, spielt der Gegner nicht nur Verstecken mit ihm, er attackiert auch, wenn sich ihm die Möglichkeit ergibt.

"Unheimliche Begegnung" steckt in seinem ausführlich erzählten, mit Liebe zum Detail zelebrierten Plot, voll von Ironie. Im Fernsehen läuft "Der alte Mann und das Meer", zur Ablenkung versucht Hughes "Moby Dick" zu lesen, und doch zieht "Rambo 2"-Regisseur George P. Cosmatos das Geschehen nie ins Lächerliche. Er inszeniert einen Nervenkitzel in düsteren Bildern, spart nicht mit ekeligen Nahaufnahmen, in welchem selbst ein Rattenfuß zu einem unangenehmen Anblick wird, gleichzeitig liebt er es die Rattenperspektive einzunehmen, Hughes durch sie stets unter Beobachtung haltend, denn das ist der Hauptjob der Ratte, wie ein Helfer Hughes so schön zu betonen weiß. Die Geschichte ist nicht auf den üblichen Aufreißer reduziert, dass der zivilisierte Mensch nicht mehr in der Lage ist sich natürlichen Problemen zu stellen, aber das spielt freilich auch mit. Dank damals noch psychologisch nachvollziehender Drehbücher wird die Hauptfigur zudem nicht auf den Kaufmann reduziert, der er im Idealformat des zivilisierten Menschen darstellt. Wir erfahren zudem recht früh, dass er sich nicht vor schmutziger Arbeit scheut, hat er das Haus doch selbst renoviert, was ihm zudem einen zusätzlichen Ansporn gibt um sein Heim zu kämpfen, während er im rot sehenden Finale immer weniger um den Erhalt des Hauses gibt.

Hier angekommen herrscht der Wunsch zu siegen. Auch die Arbeit, die zuvor von ihm forderte wie eine Maschine zu agieren, anstatt wie ein menschliches Wesen, steht für ihn nicht mehr zur Debatte, wenn das eigene Heim gefährdet ist. Frau und Kind sind in Sicherheit. Doch es ist eine trügerische Sicherheit, wie der Film in einer Traumsequenz verdeutlicht. Autor und Regie wissen bestens, dass der Zuschauer im Hinterkopf an eine mögliche Rückkehr der beiden denkt. Was ist dann mit all dem Gift? Weiß man am Ende des Krieges noch wo all die Fallen stecken, so gekonnt wie sie zum Austricksen des Eindringlings versteckt wurden? Im hinein gesteigerten Kampf zählt jedoch nur noch der Sieg, das blanke Überleben, denn Hughes wird durch die Attacken der fiesen Bestie immer ramponierter. Hier geht es um Haut und Haar. Hughes ist nur noch fixiert auf das eine, bekommt nicht einmal mehr mit, dass sein zeitliches Arbeitslimit per Zufall erweitert wurde, ihn also nicht mehr unter Druck setzt, und verliert keinen Gedanken daran, dass er seine Familie oder anderweitige Besucher mit seinem Verhalten im Heim gefährden könnte. Ähnlich thematisiert wie die Katzenjagden in "Geschichten aus der Schattenwelt" und "Der Makler", beweist "Unheimliche Begegnung" Jahre vorher, dass sich eine solche Geschichte sehr wohl auf Spielfilmlänge erzählen lässt. Und den Aggressor beider Vergleichsfilme, lässt er nur einen Gastauftritt absolvieren. Lange vor dem Tod der Katze ahnen wir bereits, dass sie dem recht groß gearteten Gegner nicht gewachsen ist.

Ich habe keine Ahnung, warum der mit "RoboCop" Peter Weller besetzte Thriller dermaßen unbekannt ist, weiß er doch auf intelligente und gewitzte Art hervorragend zu unterhalten, irgendwo zwischen subtil und laut pendelnd, wie gerade die Entwicklung Hughes zeigt. Mag er sich auch in den Kampf hinein steigern und nicht mehr der kontrollierte Mensch wie zuvor sein, Weller verzichtet aufs Grimassenschneiden, wird kein vollkommener Psycho, überrascht am Ende sogar mit einer schnellen Rückkehr in die Normalität, ein entspannterer Mensch geworden, dem längst nicht mehr das wichtig ist, was er zuvor erhalten wollte. Glücklicher Weise erhält er aber auch keine übertriebene Kitschläuterung, wie es ab den 90er Jahren im US-Kino üblich gewesen wäre. Ein wundervoller Schlussspruch weiß den erheiternden Grundton des Gesamtfilms zum Schluss noch einmal bewusst hervorzuheben, ebenso wie das Schicksal einer verschont gebliebenen Vase. Erst jetzt wird aus einem verspielten Plot unverfälschte Komik heraus geholt, vorher wäre es einfach unpassend gewesen. Schließlich soll "Unheimliche Begegnung" kein "Mäusejagd" sein, sondern ein ernst zu nehmender Genre-Beitrag, der seine verspielte Art jedoch nicht zum Selbstschutz nutzt, sondern von erwachsenen Zuschauern erwartet zu verstehen, dass ein derartiger Plot einen ironischen Umgang erhalten muss. Es ist schließlich ein Film der ein schlichtes Szenario auf die Spitze treibt. Und man darf Cosmatos dankbar sein, dass er den Drahtseilakt zwischen verspielter Darstellung und höllisch dreckigem Flair beherrscht, düster inszeniert, spannend dargeboten, mit dichter Atmosphäre versehen, auf einem Drehbuch fußend welches sich stets auf das Wesentliche versteift, ohne aalglatt daher zu kommen.  OFDb

03.01.2017

STAR TREK 2 - INTO DARKNESS (2013)

Nachdem J.J. Abrams der alten Mannschaft vom „Raumschiff Enterprise“ neu besetzt erfolgreich einen frischen Anstrich verlieh, wurde er auch für die Fortsetzung „Star Trek 2 - Into Darkness“ verpflichtet, der sich, ebenso wie der damalige zweite Kinofilm, mit der unter Fans legendären Geschichte von Khan beschäftigt. Ich, der sich trotz Freude der klassischen Enterprise-Stoffe nicht als Trekkie oder Fan bezeichnen würde, konnte weder mit der TV-Episode, noch mit ihrer Kinofortsetzung viel anfangen, empfand ich doch gerade den Film als schwächsten Beitrag der sechs Kinofilme, wohingegen die Fan-Gemeinde ihn zu einem der besten schlechthin erklärte. Dementsprechend lag ein erneuter Druck auf Abrams, aber auch diesmal gelang ihm die Modernisierung, so dass auch ich diesmal zur Khan-Thematik bestens unterhalten wurde.

Ebenso wie die neuen Gesichter der alten Mannschaft, so ist auch Khan hervorragend besetzt. Allerdings ging man bei ihm auch auf Nummer Sicher, gilt Benedict Cumberbatch seit der britischen Neuauflage des „Sherlock“-Themas doch als Star, und dass er einen Bösewicht mimen kann, hätte ich nie angezweifelt. So steht der eher charismatisch gelungenen Besetzung nun ein wahrer Schauspieler gegenüber, und der spielt gleich auch jeden an die Wand, egal wer mit ihm die Szenen teilen muss. Letztendlich ist es egal, Stoffe dieser Art leben ohnehin weit mehr von ihren Gegnern oder dem zu behebenden Problem als vom Heldentum der Stammmanschaft, dennoch wird einem beim Sichten des Filmes noch einmal bewusst wie sehr sich europäisch ausgebildete Schauspieler vom Star-Ruhm der amerikanischen Schauspielerei qualitativ unterscheiden.

Kirk, Spock und Pille wissen dennoch zu wirken, sind meiner Meinung nach wahrlich toll besetzt, Simon Pegg in der Rolle des Scotty spielt okay, drängt sich weder in den Vordergrund wie man es eigentlich von ihm gewohnt ist, noch spielt er mit vollem Elan. Einzig Chekov hat mich genervt, das kann aber auch an der Synchronstimme gelegen haben, habe ich mir die Fortsetzung vom 2009er „Star Trek“ doch in der deutschen Version angeschaut.

So oder so, „Star Trek - Into Darkness“ ist ein erstaunlich kurzweiliger Film geworden, dem man seine zwei Stunden Laufzeit nicht ansieht. 45 Minuten vor Schluss dachte ich, dass die Vorgeschichte nun beendet sei, dabei folgte dem nur noch ein längeres Finale, so flott guckte sich der Film für mich. Zwar muss man gerade im letzten Drittel einiges an Unsinnigkeiten erdulden, die Autoren dachten wohl wenn ordentlich die Post abgeht muss man nicht mehr auf Logik achten, aber zumindest verdanken wir einer ihrer Unsinnigkeiten auch eine faszinierende Idee, die dementsprechend im Fantasy- anstatt im Science Fiction-Bereich angesiedelt ist. Es handelt sich um jene Szene, in der sich zwei Raumschiffe bei Warp-Geschwindigkeit eine Verfolgungsjagd liefern. Zwar vermisst man bei dieser das naheliegend logisch leichte Entkommen aus einer solchen Situation, aber das Unterhaltungshoch gibt Abrams Recht, also was soll man da auf hohem Niveau meckern.

Von daher freue ich mich schon auf die bereits erschienene Fortsetzung „Star Trek 3 - Beyond“, hat der hier besprochene Film doch bewiesen, dass der Anspruch und die Qualität des ersten Teils keine Eintagsfliege war. Aufgrund der Verjüngung der Mannschaft hatte ich tatsächlich meine Zweifel, was auch erklärt warum ich mich so lange nicht an Teil 2 herangetraut habe. Erst Abrams ebenfalls gelungene Wiedererweckung des Konkurrenzproduktes mit „Star Wars 7 - Das Erwachen der Macht“ machte mir Mut einzuschalten, und nach der längeren Pause zu Teil 1 merkte ich auch erst, wie sehr ich vergessen hatte wie gut die neue Mannschaft besetzt ist, gerade mit Zachari Quinto als Spock, in dem man immer einen Hauch Jesse Eisenberg zu sehen glaubt. Also von meiner Seite aus gibt es für den höchst kurzweiligen „Star Trek 2 - Into Darkness“ ganz klar einen Daumen nach oben. Hier könnten sogar Fremde des Star Trek-Universums einen glücklichen Einstieg finden.  OFDb