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22.02.2022

DER LETZTE ANGESTELLTE (2010)

Nüchtern und intellektuell erzählt, wie für den deutschen Film üblich, aber ohne rein zum Kunstfilm ohne Unterhaltungsanspruch zu verkommen, kommt "Der letzte Angestellte" als stimmungsvoller Mix aus Drama und Horror, sowie aus Kopfkino und Genrefilm daher. Das passt zur mentalen Orientierung, die ihr Unwohlsein sowohl mittels Grusel-Feeling, als auch per Arbeitsplatzkritik a la "Die Ausbildung" auf den Zuschauer überträgt, was zum klassischen Verwirrspiel zwischen Wahn und Wirklichkeit führt, so dass auf symbolischer und anderweitig analytisch gekonnter Ebene mit dem Publikum bezüglich möglicher Wahrheiten gespielt wird. Wie geradezu für den deutschen Autorenfilm untypisch, bekommt man am Schluss eine klare Antwort, die zwar dennoch genügend Freiraum der eigenen Interpretation zulässt, aber zumindest die Frage zwischen Spuk und Wahn klar beantwortet. 

Dass das inhaltlich und methodisch nicht alles neu ist, schadet nur bedingt. "The Last Employee" (Alternativtitel) beeindruckt eher handwerklich anstatt inhaltlich, aber er ist stimmig umgesetzt, psychologisch durchdacht und funktioniert nicht nur in der Theorie. Er ist hervorragend besetzt und kann beim aufgeschlossenen Teil des Horrorstammpublikums ebenso punkten, wie bei einem dem Horror-Genre eher selten heimsuchenden Cineasten. Letztendlich nutzt er aber lediglich deutlicher das Stalking-Motiv des Spukelements typischer Geistergeschichten als üblich. Zwar erntet Regisseur und Autor Alexander Adolph manch unheimliche Momente, insgesamt hätte der Streifen für meinen Geschmack aber etwas gruseliger ausfallen dürfen, eben weil er sich stärker dem Unterhaltungswert zuwendet, als es beispielsweise ein "Wolfzeit" oder "Hotel" tut. Dementsprechend bremst die meist sympathisch genutzte nüchterne Umsetzung "Der letzte Angestellte" manches mal ein wenig aus, so dass er zwar ein engagiertes und gekonntes Stück modernes Horror-Drama bleibt, den Unterhaltungswert per Gruselstimmung aber nicht vollends genug ausfüllt, um ihn gleichermaßen zu nutzen wie den treffend durchdachten intellektuellen Part. Ich denke es liegt an der Spukthematik, dass ich ihm das nicht ebenso positiv ankreide, wie ich es bei Hanekes "Caché" bei vergleichbarer Gewichtung beider Elemente tat.  OFDb

27.12.2018

HUBERT UND STALLER 3 - EINE SCHÖNE BESCHERUNG (2018)

Nach sieben Jahren "Hubert und Staller" sagt Staller-Darsteller Helmfried von Lüttichau Adieu und gibt seinen Abschied im dritten Spielfilm der Reihe. Das geht alles flotter als vermutet, seine Anwesenheit in "Eine schöne Bescherung" ist überraschend gering ausgefallen, allerdings beweist das Weihnachtsspecial mit dieser Herangehensweise bereits vor dem Fortführen der Serie unter dem neuen Titel "Hubert ohne Staller", dass die Serie auch unglaublich gut ohne die grandiose Figur des Staller funktionieren kann. Nach der etwas schwächelnden siebten Staffel gleicht das einem Weihnachtswunder, zumal viel vom Personal im Laufe der Zeit ausgetauscht wurde, und dies in allen Fällen nicht gerade von Vorteil. Zumindest Lena Winter, als weibliche Verstärkung im Polizei-Team, erhält, ebenso wie gegen Ende der letzten Staffel, mehr Profil und wird zu einer angenehmen Begleitung der Restbesetzung. Dennoch verblasst ihre Darstellerin Klara Deutschmann unfairer Weise neben dem grandiosen Spiel von Tramitz und Brandner, aber dieses Schicksal teilt mit ihr der von Anfang an dabei gewesene und immer besser agierende Paul Sedlmeier. Die Figur des Yazid fällt diesmal aus, was schade zu nennen ist, nach seinen tollen Auftritten im Spielfilm "Hubert und Staller 2 - Unter Wölfen".

"Hubert und Staller 3 - Eine schöne Bescherung" beweist neben dem guten Funktionieren ohne Staller zudem, dass die wundervolle Nebenfigur des Girwidz sich auch hervorragend als Hauptfigur eignet. Als ich erfuhr, dass er es ist, der demnächst mit Hubert zur Fallaufklärung im Auto unterwegs ist, war ich zunächst kritisch, aber es scheint zu funktionieren, vorausgesetzt die Autoren arbeiten so beispielhaft wie in diesem Film und nicht so fehlerhaft wie in der etwas schwächeren siebten Staffel. Die Fehler, die dort mit der Hubert-Figur begangen wurden, sind hier im Weihnachtsspecial glücklicher Weise nicht mehr zu entdecken, stimmt doch die Psychologie der Figur wieder. Zudem scheint man zu begreifen dass nach dem Ausscheiden der Ex-Frau des mürrischen Ermittlers aus der Serie der Charakter Hubert dringend einen emotionalen Nebenpol benötigt, um nicht einzig ein maulender Miesepeter zu sein. Dementsprechend gut tut der Figur und dem Film das eher plump klingende Einbringen einer Tochter Huberts, von der man nach dem offenen Schluss im Film nur hoffen kann, dass sie als wichtige Person für "Hubert ohne Staller" bestehen bleibt.

Durch sie für einige Momente aus der Gefühlslethargie gerissen, ist es schön mit anzusehen, dass es Hubert ist, der dem arbeitstreuen Staller nahe legt dem Herzen zu folgen und sein Leben in Rom weiter zu führen. Ein wortloser Abschied beider, in einem wunderschönem symbolischen Trennen beider Lebenswege, rundet den Abschied Stallers ab, so dass man definitiv von "Eine schöne Bescherung" behaupten darf, dass er in seinem etwas größer als sonst ausgefallenem Bereich der Seifenoper treffsicher emotional zu funktionieren weiß. Das liegt aber freilich auch am stets trotzdem rational bleibendem Drehbuch, schließlich wird es nie kitschig oder geistlos. Analytisch stimmt weiterhin alles, und da auch der trockene Humor stets geglückt und in häufiger Präsenz mit von der Partie ist, kann der gefühlvolle Part überhaupt nicht zu einer unangenehmen Entgleisung der Erzählung werden. Zudem funktioniert der Kriminalpart selbst, der nicht nur äußerst mysteriös ausgefallen ist, sondern auch zum Mörderraten einlädt, so dass man den dritten Spielfilm wahrlich als gelungen bezeichnen kann. Jetzt sind meine hohen Erwartungen von einst zurück, so dass ich nun ernsthaft hoffen kann, dass "Hubert ohne Staller" so gut funktionieren wird wie der hier besprochene Vorgänger. Trotzdem wäre es der Idealfall für die Serie, wenn Staller nach nicht all zu langer Pause wieder zurück käme. Diese Figur machte stets viel am Gelingen der Reihe aus.  OFDb

26.05.2018

HUBERT UND STALLER - STAFFEL 7 (2017)

Mag es auch einige zu bereinigende Fehler in den ersten zwei Staffeln gegeben haben, "Hubert und Staller" war von Beginn an eine überdurchschnittliche TV-Serie, gerade mit Blick auf ihre Entstehungszeit, und konnte sich bis Staffel 5 von ihrer Klasse her stetig steigen. Staffel 6 wiederholte das hohe Niveau ihrer Vorgängerstaffel, obwohl man auf eine Figur der Anfänge der Serie zurückgriff, die der Krimi-Reihe einst nicht gut tat. Dank einer Neupositionierung dieser Person und dem richtigen Einsetzen dieser, wurde sie zwar nicht zum Gewinn des Gesamtkonzeptes, aber zu einer tolerierenden Nebensächlichkeit, die gelegentlich den zu erzählenden Geschichten gar Mehrwert bescheren konnte. Glücklicher Weise kann man dies auch über ihr Wirken in Staffel 7 berichten, Barbara Hansen wirkt erneut nie wieder so grausig wie zu ihren Zeiten als Journalistin.

Leider haben sich stattdessen einige andere Ärgernisse in die Serie eingeschlichen, die nicht nur erstmals zu einem Rückschritt im Unterhaltungswert führen, sondern in ihrer Gesamtheit "Hubert und Staller" zu einer etwas zu routinierten Krimiserie degradieren - eine die zwar noch immer auf sympathische Art und Weise zu gefallen weiß, aber die Raffinesse der vergangenen Jahre und das gewisse Fingerspitzengefühl für den besonderen Moment verloren hat. Erneute Wechsel in der Besetzung sind einer der Gründe für diesen Qualitätsverlust. Sonja Wirth und Anja Licht werden ersetzt, dies zwar mit angenehmen Mimen und durch Figuren mit sympathischen Touch, aber ohne die Besetzung tatsächlich durch Besonderheiten zu bereichern. Ärgerlich kommt hinzu, dass durch das Fehlen von Frau Dr. Licht der Figur des Hubert der Gegenpol zu seiner Ignoranz genommen wird, jene Seite, die ihm unterschwellig Menschlichkeit und Tiefe bescherte, und die dafür sorgte, dass seine unsensible Art in ihren unbegrenzten Momenten um so mehr wirken konnte.

Aber ohnehin scheint man die Figur des Hubert nicht mehr zu begreifen. Nicht nur dass seine Ignoranz nun keinen Gegenpol mehr beschert bekommt (mit Ausnahme eines kurzen Momentes, in welchem sich der Polizist Sorgen um seinen Partner macht), in kleinen, versteckten Nebensächlichkeiten wird aus dem ehemals belesenen und weit weniger oberflächlichen Menschen als es nach außen schien nun auch innerlich ein Ignorant. Hubert ist bei weitem nicht mehr so belesen und prinzipienkorrekt eingestellt wie stets subtil in Unauffälligkeiten angedeutet wurde. Nun redet er selber häufig dummes Zeug, lügt auch mal um zu imponieren, oder setzt auf Unsinnigkeiten, die ihm früher nichts bedeutet hätten. Dies alles ebenfalls nur in Nebensächlichkeiten auftauchend, so dass es nur den Stammzuschauer, der es sehr genau nimmt, verärgern kann, aber doch gravierend genug, dass der gut beobachtende Zuschauer sich über eine solche Charakterveränderung ärgern kann, zumal Hubert damit zum Meckerzausel mit weit weniger ausgleichenden Sympathien wird.

Aber nicht nur auf dieser Ebene funktionieren die Drehbücher nicht mehr so gut wie früher. Manche Sprüche wirken aufgedrückter und weniger realistisch in den stets menschlich gehaltenen Polizeialltag integriert, Staller bekommt weit weniger Macken zugeschrieben als es üblich war und insgesamt dümpeln die meisten Episoden eher seicht vor sich hin, anstatt wahres Interesse zu entfachen. "Hubert und Staller" war noch nie die Art Krimi-Serie, die mit außergewöhnlichen Kriminalfällen zu faszinieren wusste, es war gerade die Stärke der Reihe die Ermittlungen fast wie Nebensächlichkeiten anfühlen zu lassen, eben weil die Charaktere und ihre Mimen so hervorragend zu funktionieren wussten. Da es an dieser Seite nun bröckelt, wird die Banalität der zu durchschnittlich angegangenen Kriminalhandlungen aber nun zu einer Schwäche der Reihe, eine die noch nicht all zu schwer schadet, aber doch mehr denn je ins Auge fällt. Als stärkste Ideen der 7. Staffel darf Girwidz' Wandel ins Coole gelten, wenn er in der letzten Episode einem Schriftsteller imponieren möchte, und auch der Abschied von Frau Dr. Licht ist großes Kino und beschert Hubert ein letztes Mal wahre Tiefe.

Es erfreut, dass auch inmitten der angegangenen Defizite "Hubert und Staller" routinierter umgesetzt noch immer so gut zu unterhalten weiß, aber dass es in so kurzer Zeit einen solch rapiden Qualitätsverlust gab, darf den Stammzuschauer schon zu recht enttäuschen. Und scheinbar wird es nicht besser, kündigte Helmfried von Lüttichau kürzlich doch seinen Abschied von der Reihe an, die künftig als "Hubert ohne Staller" fortgesetzt wird, mit Girwidz an der Seite Huberts bei den Ermittlungen. Bis es so weit ist beschert uns die ARD aber zunächst noch ein Weihnachtsspecial auf Spielfilmlänge mit Staller, und dessen Ausstieg soll wohl nicht ohne die Möglichkeit zur Rückkehr angelegt sein. Mit Blick auf diese Informationen macht es nicht Mut zu hoffen, dass die hier besprochene Staffel ein Ausrutscher bleibt. Ganz im Gegenteil scheint dies der Anfang vom Ende zu sein. Ich stelle mich zumindest innerlich erst einmal auf einen weiteren Qualitätsverlust in der 8. Staffel ein, lasse mich aber gerne positiv überraschen.  OFDb

27.12.2017

HUBERT UND STALLER - STAFFEL 6 (2017)

Zwar gibt es diesmal nicht mehr, wie bislang, eine Qualitätssteigerung von Staffel zu Staffel zu vermelden, aber das sechste Jahr „Hubert und Staller“ kann locker mit dem fünften mithalten, zumal sich stilistisch ohnehin so gut wie nichts verändert hat. Wie gehabt stehen lustige Situationen über dem zu ermittelnden Mordfall, was nur dann stört, wenn gerne Mal gegen Ende ein Fall zu schnell beendet ist, ohne dass man die Reaktionen von Hinterbliebenen und anderen Gastfiguren miterleben darf. Das geht aufgrund des hohen Unterhaltungswertes und des hoch anvisierten Niveaus der Reihe aber vollkommen in Ordnung, wann darf man schließlich im deutschen TV eine derartige Qualität in unseren heutigen Zeiten entdecken, wie sie hier serviert wird?

Von daher will ich auch gar nicht groß klagen, auch nicht darüber, dass Monika Gruber als Barbara Hansen zurückkehrt, jene Figur, mit der man bei ihrer damaligen ungenannten Verabschiedung den wichtigsten Störbalast der Reihe über Bord geworfen hatte. Nun ist ihre Rolle kleiner gehalten, und in einer Bäckerei tätig, anstatt als Reporterin (wenn der Wandel auch nicht glaubwürdig eingefangen wird) nervt sie weit weniger als in ihrer selbstüberschätzten Art als Schnüfflerin für die Presse. Teilweise darf sie gar positiven Einfluss auf die Handlung nehmen. Sympathisch sieht anders aus, aber zumindest findet die Figur sich endlich im Hubert und Staller-Universum ein. Damals wirkten ihre Auftritte wie ein Stilbruch in einem ansonsten gut geölten Laufwerk.

Positiv ist hervorzuheben, dass die Autoren es erneut geschafft haben sich beim Einbringen der festen Randfiguren zu verbessern. Noch nie fügten sich die Kollegen und Wegbegleiter der beiden Ermittler derart gut in die zu erzählte Geschichte ein wie es mittlerweile der Fall ist. Sonja darf mehr denn je mitermitteln, Yazid nervt immer weniger mit illegalen Taten, so dass der interessante Restcharakter der Figur wieder mehr in den Vordergrund treten kann, und Riedel wird endlich zur brauchbaren Randfigur, zumal die Schauspielleistung seines Darstellers gestiegen ist, so dass er vom Talent her nicht mehr so auffällig neben den professionellen Mimen abfällt. Girwidz ist nach wie vor die lustigste und am besten verkörperte Figur neben den Titelhelden und wird nach wie vor in wundervolle Situationen katapultiert.

Viel mehr gibt es aus Wolfratshausen nicht zu berichten. Die Autoren toben sich weiterhin gekonnt aus, beachten nach wie vor die Psychologie ihrer Figuren und bleiben sich somit ihrem hohen Niveau treu. Immer wieder schaffen sie es Staller neue Spinnereien anzudichten (so darf er diesmal beispielsweise eine Folge im Rollstuhl verbringen), mit angedeuteten Annäherungen zwischen Hubert und Anja ist auch für das nötige Kribbeln im Soap-Bereich gesorgt (was glücklicher Weise fast im Stillstand-Modus abläuft), und als kreativer Höhepunkt der Staffel darf wohl die letzte Folge gelten, in welcher man sich den Spaß erlaubte Hubert nach einem Unfall fünf Jahre in der Zukunft aus dem Koma erwachen zu lassen, wo ihn ein furchterregender neuer Alltag erwartet. Egal wieviel von dieser Serie gedreht wird, es ist immer zu wenig und stillt nicht meinen nimmersatten Hunger nach mehr. Somit freue ich mich jetzt schon auf die siebte Staffel, wissendlich dass ich wieder einmal ein Jahr ungeduldig auf ihre DVD-Veröffentlichung warten muss.  OFDb

13.11.2016

HUBERT UND STALLER - UNTER WÖLFEN (2016)

Der zweite als TV-Special zur Serie „Hubert und Staller“ erschienene Spielfilm des lustigen bayrischen Ermittler-Duos schaut sich im Gegensatz zu „Hubert und Staller - Die ins Gras beißen“, dem ersten Fall auf Spielfilmlänge, nicht mehr wie eine Doppelfolge, sondern tatsächlich wie ein Spielfilm, was daran liegt dass der Fall gar nicht erst dem üblichen Musteraufbau eines Serienfalles folgt, sondern bereits in seiner Anfangssequenz ganz anders ansetzt. Somit ist „Hubert und Staller 2 - Unter Wölfen“ nicht nur ein oller Ermittlungs-Ausflug zweier Dorfpolizisten in die große Stadt, sondern hat zudem auch einiges mehr zu bieten.

Der Kriminalfall selbst ist nicht gerade kniffeliger Natur, stehen die Schurken doch eigentlich früh fest. Aber der Weg zum Ziel wird zum Hingucker, nicht nur aufgrund der herablassenden Augen städtischer Kollegen, die sich bei jedem Patzer bestätigt fühlen, sondern auch weil der so bescheiden klingende Kriminalfall doch über ungewöhnliche Zusatzsituationen gelöst wird. Eines der Highlights ist dann schließlich der Abstecher von Hubsi und Hansi in ein Strip-Lokal, wo Staller nach einer Dosis Kokain ordentlich abdreht, was sich lediglich als Alibihaltung sich endlich einmal wie Sau benehmen zu dürfen entpuppt, hat der gute Mann doch lediglich Traubenzucker geschnupft. Das sind die Stallermomente, die man als Fan der Reihe sehen möchte.

Kleine Randideen wie der Ausschluss Riedels vom Geheimaspekt des Falles und der neue Zuschuss zum Fuhrpark lockern die ganze Chose nebenbei ein wenig auf. Die wirklich große Überraschung am zweiten Spielfilm ist jedoch das Einbringen der sich seit Staffel 2 so schlecht entwickelten Rolle Yazids, die endlich wieder zu wirken weiß, vielleicht noch fragwürdiger charakterisiert wird als üblicher Weise, aber in Sachen Humor und Einfluss auf den Kriminalfall deutlich zu punkten weiß, so dass es eine überraschend erfreuliche Idee ist den bayrischstammigen Türken einmal etwas mehr hervorzuheben als üblich.

„Hubert und Staller - Unter Wölfen“ spart nicht gerade an Besonderheiten. So darf ein Nebenplot schließlich sogar dazu führen, dass Hubert ins Gefängnis muss. Überfrachtet guckt sich der Spielfilm dadurch keineswegs, vielmehr wusste man mit diesen Mitteln die Laufzeit von 90 Minuten besser zu nutzen als im ersten Spielfilm, zumal derartige Zusatzideen stets vom Drehbuch nachvollziehbar eingearbeitet werden.

Das Verständnis für Situationen und Charaktere bleibt somit auch im zweiten Spielfilm der Pluspunkt der „Hubert und Staller“-Reihe, sitzen hier doch Autoren am Werk die psychologische Zusammenhänge verstehen, tiefere Charaktere schaffen und das Ganze trotzdem lockerleicht aufbereiten, ohne dem Zuschauer auch nur im Ansatz mühsame Kopfarbeit zu bescheren. Die Tiefe der Reihe entdeckt ohnehin nur der aufgeweckte Zuschauer, und dies ist beim hier besprochenen Kriminalfall glücklicher Weise nicht anders. Eventuell hätte man die städtischen Kollegen etwas weniger schurkisch darstellen können, andererseits unterstützt deren offensichtliche Zwielichtigkeit den Comic-Charakter der Serie.  OFDb

12.11.2016

HUBERT UND STALLER - STAFFEL 4 + 5 (2015)

„Hubert und Staller“ gehört nicht nur zu den wenig sehenswerten, da geistreich ausgefallenen, deutschen Fernsehserien des laufenden Jahrtausends, sie wird auch von Staffel zu Staffel besser. Hatte man sich in den Vorgängerstaffeln so nach und nach von lästigen Randfiguren befreit, die dem lockeren Ablauf der Ermittlungen zu viele pflichtmäßge Zwischenstopps bescherte oder der Serie kurzfristig ihre Sympathie raubte, so darf man in Staffel 4 angekommen bemerken, dass nun der Drang der Vorgängerstaffel, sich reißerischeren Themen zuzuwenden, immer mehr abgebaut wird, so dass sich die beiden Ermittler meist wieder auf klassische Mordfälle konzentrieren können.

Die Nebenfiguren haben die Autoren nun völlig für sich entdeckt. Sonja wird mehr in die Kriminalfälle involviert und hat sich auch charakterlich nun interessant eingependelt, und der etwas mager spielende Paul Sedlmeir wird mehr gefordert, da seine Figur nun in interessantere Situationen gesetzt wird. Die Kabbeleien mit Anja Licht verlieren nicht ihren Reiz, womit die Rolle so charmant bleibt wie gehabt, mit Plappermaul Sabine wurde ich endlich warm, ich habe aber auch das Gefühl dass sie von der Kamera mittlerweile niedlicher eingefangen wird als zuvor. Einzig mit „Ich kann alles“ Yazid kann ich nach wie vor wenig anfangen, den hätte man zurück an den Dönerspieß setzen sollen, wo er als Mitgrübler für mich wertvoller eingesetzt war. Glücklicher Weise wurden seine Auftritte halbewegs reduziert, womit er nicht mehr ganz so Störfaktor wie bisher ist.

Interessant ist auch, dass sich der Einblick auf die Hauptcharaktere immer mehr detailiert. Gerade Huberts Hintergründe werden immer weiter offen gelegt, die aus dem menschenscheuen Asozialen einen gebildeten Verdrossenen mit Hang zum Sarkasmus macht, womit er ein Gegenstück zum stets optimistischen, ungebildeten Staller setzt, der mehr redet und im Gegensatz zu Huberts durch Wissen fundierte Aussagen lediglich Behauptungen in den Raum wirft und auch noch pampig wird, wenn diese widerlegt werden.

Stallers Hang zu besonders dämlichen Situationen wird immer mehr ausgekostet. Von solch herrlich albernen Ideen, wie mit halber Stimme krächzen, über solch bizarrer Ideen wie ständig Frauen zwicken zu wollen, um zu testen wie glatt die Haut ist, ist allerhand Einfallsreiches dabei, was Staller immer wieder zum Freak degradiert, was durchaus passt, so oberflächlich wie seine stets nur kurzfristig laufenden Interessen für alles sind, wohingegen Hubert ganz feste Interessengebiete hat und Stallers Anbiedern an aktuelle Themengebiete und auch Frauen für ziemlich primitiv hält.

Somit funktioniert die Identifizierung mit Hubert immer besser, den man als sozial verdossen, da von der Welt enttäuscht, bezeichnen könnte, was aber auch daran liegt, dass Hubert seit Jung an immer den Weg des geringsten Widerstandes geht. Trotz seiner negativen Eigenschaften versteht man jedoch immer mehr sein genervtes Reagieren auf den arg anstrengenden Partner Staller, dessen Bauchgefühl jedoch oft beim Lösen der Fälle hilft und dessen Freundlichkeit und Geduld gegenüber Hubert ihn trotzdem zu einer Art Freund macht, sollte es für Hubert so etwas überhaupt geben. Zumindest bekommen wir immer öfter seine herzlichen Facetten zu spüren, z.B. im Umgang mit Kindern.

Girwidz bleibt was er war, der egoistische Chef, dem es stets mehr um Politik als um gute Arbeit geht, ein Mann der es liebt Chef zu sein und dabei möglichst wenig zu tun hat, ein Mann der lieber privaten Vorteilen nachgeht anstatt Teamplayer zu sein. Wie gehabt leidet er an jeder Chefkrankheit die man in höherer Position haben kann, aber es ist zu erkennen dass er sich mehr und mehr mit seinem Team identifiziert, und so langsam wächst auch der Respekt vor Hubert und Staller, was bei deren erfolgreicher Aufdeckungsquote auch Not tut. Dementsprechend ergreifend ist tatsächlich ein Moment, in welchem nach einem sehr dramatisch Fall den beiden mit den Worten „gute Arbeit“ erstmals ohne Wenn und Aber zum Abschluss von Ermittlungen gratuliert wird, was freilich nur der Stammzuschauer emotional nachempfinden kann.

Die Fälle bleiben interessant wie gehabt, die Humorquote bleibt konstant treffsicher und glücklicher Weise vernachlässigt man es trotz näherem Beleuchten der Charaktere weiterhin in so etwas wie Seifenopermomente abzurutschen, die gibt es nach wie vor nicht, da Privates ohnehin nur gestreift wird, und selbst dies ist nur selten der Fall. Die Charaktervertiefungen geschehen weiterhin über unauffällige Momente, dank unaufdringlicher Drehbücher, die vom Zuschauer erwarten selbst zu beobachten. Etwas schade finde ich es, dass mit Staffel 5 der Running Gag um das gute Wetter in Wolfratshausen über Bord geworfen wurde. Diese Staffel spielt erstmals im Winter (abgesehen vom Film „Hubert und Staller - Die ins Gras beißen“, der den Winter noch als Insider Gag nutzte). Glücklicher Weise geht ansonsten vom Comic-Charakter der Serie nichts verloren, ganz im Gegenteil sogar, wie die immer extremeren Besonderheiten um Staller zeigen.  OFDb

HUBERT UND STALLER - DIE INS GRAS BEISSEN (2013)

„Hubert und Staller - Die ins Gras beißen“ ist ein TV-Special zur Fernsehserie „Hubert und Staller“, angesiedelt zwischen der dritten und der vierten Staffel, gilt laut DVD offiziell jedoch als Doppelfolge, ist aber als Spielfilm umgesetzt. Zwar schaut sich dieser erste Spielfilm des bayrischen Ermittlerduos tatsächlich wie eine Doppelfolge, sprich das wahre Gefühl eines Spielfilms weiß dieses Special nicht einzufangen, aber zumindest ist es dem Stammregisseur der Reihe Wilhelm Engelhardt gelungen das Ergebnis nicht wie eine zu lang gestreckte Folge wirken zu lassen. Zugegeben, gegen Ende lässt die Humorquote aufgrund der Täteraufdeckung immer mehr nach, aber „Die ins Gras beißen“ guckt sich in seinen kompletten 90 Minuten trotzdem flott und entspannt, also genau so wie man es von der überraschend positiven Serie gewohnt ist.

Stammzuschauer dürfen schmunzeln, dass das TV-Special im Winter spielt, spielte die Serie bislang geradezu comicartig immer bei gutem Wetter. Dem Film schadet dies nicht, „Hubert und Staller - Die ins Gras beißen“ will nichts eigenständiges sein und fängt das Herz der Serie gekonnt ein. Die Ausnahme ist als Insider-Gag gedacht, und der Fan weiß dies zu würdigen. Wer Außenstehendes wird dies nicht bemerken, womit sich für Neulinge der Reihe keine Lücke auftut. Wirklich kennen muss man die Serie nicht um Spaß mit dem Spielfilm zu haben. Schnell ist man in die Rahmensituation eingeweiht, während Running Gags unauffällig am Rande plätschern.

Glücklicher Weise ruht sich das erste TV-Special nicht darauf aus aus einem Kriminalfall zwei zu machen. Die Verwicklungen der einzelnen Fälle in Kombination mit der Girwidz-Situation sind vom Drehbuch gekonnt interessant aufbereitet. Erst gegen Ende erweist sich alles Geschehene selbst für einen kleinen Ort wie Wolfratshausen als in zu engem Rahmen zusammengehörend, ein paar weniger Zufälle hätten der Geschichte gut getan. Allerdings erkrankt der Film damit an einer unangenehmen Entwicklung, die sich bei „Hubert und Staller“ bereits in der dritten Staffel abgezeichnet hat, ein Ärgernis über das man dort aufgrund eines schwerwiegerenden anderen Drehbuchproblems hinwegsehen konnte, wohingegen besagte Schwäche im Film um so gravierender wirkt.

Da ist es gut dass „Hubert und Staller - Die ins Gras beißen“ ebenso wie die dazugehörende Serie lediglich leichte Unterhaltung für nach den Feierabend sein soll, so dass man aus solchen Fehlern keine Affäre machen muss, zumal die Humorquote stimmt, der Kriminalfall recht interessante Wege geht und Story wie Charaktere nach wie vor wesentlich mehr Tiefe besitzen als man auf dem ersten Blick vermuten würde. Und allein die wunderbare Besetzung von Girwidz Vorgesetztem reißt einiges wieder heraus. Oliver Nägele spielt wundervoll hassenswert, und die Autoren schaffen es herrlich verschmitzt um das wahre Anliegen des baldigen Rentners ein Neugierde weckendes Geheimnis zu machen.  OFDb

22.10.2016

HUBERT UND STALLER - STAFFEL 1 - 3 (2011)

Ermittelten „Derrick“ und „Der Alte“ noch auf hochdeutsch, da erlebt man in der humoristischen Krimi-Serie „Hubert und Staller“ die Ermittler und ihr Umfeld auf bayrisch, was den ein oder anderen davon abhalten könnte einzuschalten. Dann verpasst man jedoch eine der charmantesten deutschen Fernsehserien der letzten Jahre, die nicht nur mit einer ungewöhnlichen und intelligenten Charakterzeichnung daher kommt, sondern auch den Mix aus interessantem Kriminalfall, sowie lautem und subtilen Humor gekonnt beherrscht und trotz, bzw. mittels comichafter Übertreibung stets aus menschlicher Perspektive erzählt ist.

Das bedeutet, dass die Ermittler keine überkorrekten und lebensfremden Beamten sind, sondern Menschen wie Du und ich, die ebenso über die Tücken des Alltags stolpern wie jeder andere auch. Der Mix aus Ahnungslosigkeit, Naivität und Professionalität verhindert in der Charakterisierung der Hauptfiguren jede Form von Stereotyp, zumal die Figuren analytisch tief greifen und auch von ihren Widersprüchlichkeiten profitieren. Dass ein Phantast auch ein festgefahrener Spießer sein kann, beweist die Figur des clowneresken Staller, wohingegen der menschenscheue Hubert ein verschlossener Typ ist, außer wenn es darum geht andere zu kritisieren, zu beleidigen oder zynische Sätze loszulassen. Unsensibel sind sie beide, und zwischen ihnen herrscht so eine Art Hassliebe, eher von der Pflicht aneinander gebunden als vom menschlichen Faktor her, aber doch meist zusammenhaltend und als Team agierend.

Lebte die erste Staffel charakterlich fast ausschließlich von ihnen und dem von Michael Brandner so gekonnt verkörperten Chef Girwidz, der wahrlich unter allen Chefrankheiten leidet, welche Arbeitnehmer so gar nicht mögen, so entfalten sich die Nebenfiguren in den kommenden zwei Staffeln schließlich auch noch, bis man schließlich ein komplett charmantes Team beisammen hat, welches selbst in schächer ausgefallenen Folgen, die aber nur sehr rar gesät sind, dafür sorgen, dass die 45 Minuten trotzdem noch genügend Spaß bereiten um das Einschalten nicht zu bereuen.

Einige unnötige Regelmäßigkeiten in Staffel 1 verhinderten, dass dieser Idealzustand zuvor auftreten konnte. So gab es serielle Pflichten, die es pro Folge abzuarbeiten gab, die den flüssigen Verlauf der Erzählung unangenehm unterbrachen. Allen voran wäre der merkwürdige Angelpartner Huberts zu nennen, der stets pseudo-intelluktelle philosophische Denkansätze zu den Kriminalfällen äußerte und nach Staffel 1 glücklicher Weise nie mehr gesehen war. Das zweitgrößte Hindernis guter Unterhaltung, die äußerst unsympathische Reporterin Hansen, wird man erst in Staffel 3 komplett los, allerdings kommt sie bereits in Staffel 2 nicht mehr so dominant vor wie in der etwas ruckelig ausgefallenen, aber trotzdem schon stark sympatrhischen Staffel 1.

Selbst der Polizeichef wird in dieser ersten Season noch relativ monoton eingebracht, was den von mir so gern gesichteten Michael Brandner sichtlich unterfordert. Und auch die Kabbeleien zwischen Hubert und seiner Ex-Frau, der Pathologin Licht, fallen zunächst arg flach und vordergründig aus, bevor sie später verspielt, subtil und doch nur halbehrlich umgesetzt werden, was gerade durch letztgenannten Punkt zu einer interessant emotionalen Spannung zwischen beiden führt. Einzig der Türke Yazid hat es in Staffel 1 mit seiner Dönerbude in der Einöde besser erwischt als später als selbstständiger, halblegaler und semi-professioneller Unternehmer, so dass er später eher nervt anstatt, wie zuvor, die Ermittlungen mit trockenen Kommentaren zu bereichern.

Die Fälle selbst schwanken zwischen sehr interessant und mittelmäßig, ein uninteressanter war bislang nicht dabei, und selbst die mittelmäßigen werden aufgrund der Ermittlungshemmnisse, bzw. dem Beheben dieser durch neue Erkenntnisse, meist aufgefrischt und damit interessanter gestaltet als sie eigentlich sind. In Staffel 3 neigt man leider etwas zu sehr dazu reißerische Themen aufzugreifen, was sich aufgrund des relativ kleinen Radius, in welchem sich die Polizisten bewegen, arg unglaubwürdig guckt. Zwar hat man nicht das Problem eines „Mord mit Aussicht“, dass die Quote der Verbrechen nicht zur Umgebung passt, das verhindert allein schon der comichafte Grundton, aber dass ab Staffel 3 immer wieder Hintergründe wie Geldfälscherei, mafiosische Machenschaften oder illegaler Wildhandel, um nur ein paar zu nennen, aufgedeckt werden, überspannt den Bogen dann doch.

So schaut sich die Serie immer dann am wirksamsten, wenn es einen ganz normalen Mord aufzuklären gibt, und da dies in der Regel der Fall ist und die ohnehin interessant geschriebenen Charaktere sich zudem im Laufe der Zeit weiterentwickeln dürfen, steht dem Sehspaß über dem gelegentlichen Gucken hinaus nichts im Weg. Allein die gute Besetzung ist einen Blick wert, in welcher lediglich Paul Sedlmeier etwas zu monoton wirkt, im immergleichen Spiel, was aber sicherlich mehr am Drehbuch liegen dürfte, welches ihm zu wenige Chancen einräumt sich beweisen zu dürfen, als an Sedlmeier selbst.

Wer kein Problem mit dem bayrischen Dialekt hat, sollte also ruhig einmal in diese humoristische Krimiserie hineinschauen, bietet sie doch sowohl den kurzweiligen Entspannungsfaktor, den man nach der Arbeit geplagt von einer Vorabendserie erwartet, im Gegensatz zu vielen Konkurrenzproduktionen aber trotzdem nicht auf den kleinen intellektuellen Gehalt verzichtet, der dafür sorgt dass man geistig nicht völlig unterfordert wird.  OFDb