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06.06.2024

WOLF (1994)

Will Randall wird des nachts bei Vollmond von einem Wolf gebissen. Auf der Arbeit als Verleger frisch entlassen, wächst im eher passiven Arbeitnehmer der Kampfgeist um seinen Job. Und auch sämtliche Sinne sind mittlerweile weiter ausgeprägt als üblich. Will geht von einer Besessenheit durch das Tier, das ihn biss, aus und forscht nach...

Die Schöne und der Wolf...

Zur selben Zeit als mit Anthony Hopkins als "Dracula", Julia Roberts als "Mary Reilly", das Dienstmädchen von Dr. Jekyll, und Robert DeNiro als das Monster in "Frankenstein" die Kreaturen der klassischen Horrorliteratur und ihrer Verfilmungen durch Großstudios wiederentdeckt wurden, da kam auch der prominent besetzte "Wolf" in die Kinos, der im Gegensatz zu den Vergleichsfilmen, trotz des Werkes "Der Wolfsmensch", keinen direkten Bezug zu seinem klassischen Ebenbild bekam. Das hat auch seinen Grund, ebenso wie der Name "Wolf", anstatt die Nennung eines Werwolfs im Titel, denn das von Mike Nichols inszenierte Horror-Drama ist eigenständiger, als es zunächst scheint. Lediglich in eine Story um den Kampf um eine Arbeitsstelle integriert, grast "Wolf - Das Tier im Manne" (Alternativtitel) zunächst die klassischen Stationen von Werwolfgeschichten ab, mutet dabei ein wenig wie die Entstehungsgeschichte um einen Superhelden an, wenn Will seine neu gewonnenen Fähigkeiten entdeckt, wirkt aber ansonsten wie die Standardgeschichte seines Sub-Genres, versehen mit den üblichen Zutaten Hollywoods, was dem reinen Genre-Fan meist nicht schmeckt. 

Soll der ruhig meckern, die Figurenzeichnung, das Drama und wohin sich dieses entwickelt, sind hervorragend geschrieben, in geglückten Dialogen dargeboten und inszeniert in einem Mix aus modernem Kino der Großproduktionen und dem klassischen Gruselfilm, so direkt wie die Kameraufnahmen Vergangenes zu zitieren scheinen, wenn auch mehr an das Kino der 60er Jahre erinnernd, anstatt an die Werwolf-Hochzeit der 40er Jahre. Es wird mehr geredet als gegruselt, und das Drama dominiert den Horroranteil, aber genau so ist "Wolf" geglückt wie er ist, weiß in dem persönlichen Fortschritt seiner Identifikationsfigur in der Arbeitswelt ebenso zu gefallen, wie in den bedrohlichen Aspekten des Stoffes, deren Wandel von Gut zu Böse man als erfahrener Zuschauer im Horrorbereich erahnen kann. Aber selbst diese vorausgesehene Überraschung zum Finale hin, zerstört nicht den professionellen, beeindruckenden und atmosphärisch dichten Stil eines Filmes, der genau das geworden ist, was er sein wollte. Der zu erwartenden Überraschung folgt eine wirkliche, die "Wolf" zu etwas Selbstständigen macht und damit zugleich die nicht nur nebenbei abgearbeitete Liebesgeschichte legitimiert, die zurecht zum Zentrum der Geschichte gehört. 

Freilich wird auf dem Weg dorthin auf allerlei Klischees gesetzt, dies nicht nur in Bezug auf die Gruselthematik, auch im Charakterbereich, aber das geht in Ordnung, denn trotz Schwerpunkt Drama ist "Wolf" im Kino zu Hause, anstatt in der unseren Realität, muss also nicht authentisch erscheinen, sondern darf die Luft der Filmwelten atmen. Und da jeder zudem perfekt für seine jeweilige Rolle besetzt wurde, gibt es nichts zu meckern. Ein atmosphärischer Soundtrack sorgt für den Rest. Und so wird der mit einer liebevoll pointierten Schlussszene gesegnete Film zu einem Liebhaberstück zum Immerwiedergucken, zumindest für jene Art Filmfreund, die keinen reinen, geschweige denn harten Horrorstoff benötigen und im erwachsen erzählten Bereich nicht zwingend Arthouse-Niveau benötigen. "Wolf" ist professionell erzählter Mainstream, jedoch cleverer und kreativer geartet, als dieser üblicher Weise ausfällt, langsamer mit Blick auf die wichtigen Nebensächlichkeiten erzählt, als es der Blockbuster von heute tut, und das Innenleben der Charaktere zur größten Wichtigkeit erklärt, wie es jeder bessere Film tut. Damit wird "Wolf" zu einer Wundertüte für Cineasten und Filmkonsumenten gleichermaßen.  Wiki

17.05.2023

DOLORES (1995)

Das Leben ist ungerecht, und wenn man eine Frau verheiratet mit einem alkoholkranken Mann ist, erst recht. Wir blicken ins Leben einer unter ärmlichen Bedingungen kämpfenden Frau, die für ihre Tochter alles gab, schuftete und Demütigungen erduldete, stets hart arbeitete und sich den Widrigkeiten der Gesellschaft stellte. Haben die Umstände sie zur Mörderin gemacht, oder ist dieser Vorwurf nur ein weiteres ungerechtes Leid in einem Leben voller Hürden? Die Tochter weiß es nicht einzuschätzen, verdrängte was einst geschah. Denn die Frage stand schon einmal im Raum. Ist ihre Mutter eine Mörderin? Kann der Vorwurf zweimal innerhalb von 18 Jahren Zufall sein? Trickreich werden wir zu Beginn des Films Zeuge der angeblichen Tat aus einem Blickwinkel, der Schuld suggeriert. Das soll kein Mordversuch sein? Zurecht beginnen wir trotzdem mit der Zeit zu zweifeln, in einem Szenario, das glücklicher Weise trotz allerhand Klischees nicht rein zum Betroffenheitsdrama wird, sondern dank guter Mimen, toller Fotografien und gekonnter Inszenierung zu einem sehenswerten Psycho-Drama wird, durch die Vorlage Stephen Kings in mancherlei Punkten freilich vorhersehbar ausgefallen (seinetwegen auch das Meer an Klischees). Nichtsdestotrotz ist das fertige Produkt ein interessanter Film, und er bleibt dies bei immerhin über 120 Minuten Laufzeit. Neben der Frage nach Täterin oder nicht, geht es mitunter auch um die persönlich empfundene Rechtfertigung. Hat man unter bestimmten Lebensumständen das Recht zu morden? Leider bekommt man in "Dolores Claiborne" (Originaltitel) stets das Gefühl, die Frage unterschwellig beantwortet zu bekommen. Ein Schweben dieser Frage unbeantwortet über den Geschehnissen hätte mir besser gefallen. Ebenso der Aspekt, dass der Verdacht des sich an der Tochter vergreifenden Vaters ungelüftet bliebe, Interpretation für den Zuschauer quasi. Doch "Dolores" ist kein europäisches Drama, in den USA muss alles beantwortet werden und am Schluss Gerechtigkeit erhalten. Das mag nicht konsequent sein, ändert aber auch im Bereich des sich zur Unterhaltung verpflichtenden US-Dramas nichts daran, einen bewegenden Stoff mitzuerleben, der erst nach und nach seine Wahrheiten lüftet.  Wiki

15.12.2019

12 MONKEYS (1995)

Am Anfang war der französische Kurzfilm "Am Rande des Rollfelds" aus dem Jahr 1962, der die Verantwortlichen von "12 Monkeys" dazu inspirierte das dort noch relativ simple Szenario zu einem großen Kinostoff aufzublasen. Was daraus wurde ist ein Konstrukt, das in seiner zunächst etwas wirr scheinenden Art komplexer ausgefallen ist, als es ein Kurzfilm auffangen könnte. Zwar kam mir das Ergebnis von "12 Monkeys" seinerzeit verstrickter vor, als nun nach einer Neusichtung, es reichte aber bereits aus um damals meine Arbeitskollegen zu verwirren, die mit dem Film nichts anfangen konnten, da sie ihn nicht verstanden und somit frühzeitig beendeten. Das erschreckt in gewisser Weise schon sehr, muss man doch nur lang genug dran bleiben, um den mit Bruce Willis so toll besetzten Science Fiction zu verstehen, der am Ende jedes Rätsel löst. Er gibt sogar aufmerksamen Zuschauern zusätzlich inmitten eines frustrierenden Finales einen kleinen Hoffnungsschimmer mit auf den Weg, bevor der Song "What a Wonderful World" von Louis Armstrong vom lebensbejahenden Song zum todtraurigen mutiert, wenn er den Abspann begleitet.

Auf den Weg dorthin gibt es allerhand interessante Wendungen innerhalb eines durchdachten Stoffes, der in all seinen Phasen zu gefallen weiß. Freilich ist auch er nicht frei von Denkfehlern von Zeitreisestoffen, aber auf diese stößt man erst bei näherem Nachdenken und nicht bereits offensichtlich bloß gestellt beim schwer zu durchschauenden ersten Sichten. Zunächst wird man ins kalte Wasser geschubst, mit den Fakten der Zukunft konfrontiert, dann sorgen fehlerhafte Zeitreiseziele für weitere Verwirrungen. Sie dienen im weiteren Verlauf aber auch späten Erkenntnissen und einflussreichen Missverständnissen, was zu den hervorragenden Eigenschaften gehört, die einen als Zuschauer spätestens dann mit den Protagonisten emotional mit leiden lassen, wenn man endlich durchblickt. Kniffe wie der Glaubenswechsel zwischen Ärztin und Patient sind dramaturgisch hervorragend gesetzt, ohnehin ist man emotional mittendrin im Stoff, sowohl personen- als auch situationsgebunden. Allein der Blick auf eine sich selbstverständlich sehende Gesellschaft, deren Existenz durch den Tod von abermillionen Menschen bald endet und nicht verhindert werden kann, setzt eine Traurigkeit über alle Ereignisse und beeinflusst uns in unserer Haltung der Geschichte zu folgen. Fast schon bösartig kann man es von den Verantwortlichen der Geschichte nennen, uns kurzfristig einen Hoffnungsschimmer mitzugeben, dass das Unglück doch noch verhindert werden könnte.

Gilliam zeichnet ein düsteres Zukunftsbild, in welches Fanatiker, wie man sie heutzutage oft in Kommentarspalten sozialer Medien zu Umweltthemen wahrnehmen kann, aus Hass zum Menschen und seiner Taten unser Leben zerstört haben, um die Erde zu retten. Die herrschenden Wissenschaftler sind ebenso Opfer ihrer Zeit und in ihrer Art somit keine leuchtenden Vorbilder. Sie sind verzweifelt wie alle, haben längst selbst keinen wirklichen Durchblick der Ereignisse mehr, so dass man, auch aufgrund ihrer menschenfeindlichen Art der Regierung, an ihrer Rationalität zweifelt, was nur eine vieler Fallen ist, mit welcher "12 Monkeys" unsere Wahrnehmung manipuliert. Ein hervorragendes Drehbuch, tolle Set Designs und eine gut gewählte Besetzung zaubern für den Zuschauer aus einem depressiven Stoff ein emotional großartiges Auf und Ab und somit ein aufregendes Erlebnis, das keinen kalt lassen dürfte. Einzig der von vielen gefeierte Brad Pitt weiß mir in seiner Rolle nicht zu gefallen, die hätte man meiner Meinung nach leicht weniger überzogen spielen sollen. Ansonsten gibt es aber nichts zu meckern. Gilliam hat den vielseitig durchdachten Plot stets gut im Griff, täuscht immer wieder Positives inmitten einer düsteren Geschichte vor, und spielt damit derart gekonnt mit unseren Gefühlen und Hoffnungen, dass man es geradezu liebt unter seinem Fädenziehen zu leiden. Mag mir "12 Monkeys" auch nicht mehr so verästelt erscheinen, wie damals mit weniger Sehgewohnheiten, er ist noch immer ein großes Kinoerlebnis, welches Intellekt und Gefühl nicht gegenseitig ausschließt, sondern ganz im Gegenteil gepaart miteinander intensiv wirken lässt.  OFDb

27.04.2015

FRAU MIT HUND SUCHT... MANN MIT HERZ (2005)

Sicherlich besitzen die meisten romantischen Komödien keine großartig tiefgehenden Geschichten. Sie leben meist von ihrem Witz und der prickelnden Romantik. Aber selten kamen mir Ereignisse in diesem leichten Genre so belanglos vor wie die aus „Frau mit Hund... sucht Mann mit Herz“, der lediglich die Frage nach Mr. Richtig stellt und erst mithilfe eines Buhmanns unter den beiden Favouriten zu einer Lösung kommt. Das wäre sicherlich nicht nötig gewesen, im Prinzip sogar interessanter und raffinierter ausgefallen, wenn dies nicht der Fall gewesen wäre, insgesamt ist einem die ewig jammernde Hauptfigur aber dann doch zu egal um wirklich wissen zu wollen für wen sie sich entscheidet.

Es ist nicht so, dass „Must Love Dogs“ (Originaltitel) teilweise nicht luftig leicht daher kommen würde und hin und wieder Sympathie versprühen würde, aber das sind Phasen in einem Film, der von seinen großartigen Darstellern zwar getragen aber nicht gerettet wird. Erstaunlich wie viel Mühe sich alle geben, wie angenehm Cusack daher kommt, wie kitschig aber nachvollziehbar die Beweggründe des Vaters dargestellt werden und wie dessen neue zwielichtige Freundin eine positive Wirkung im Laufe der Zeit beim Publikum erzielt. Letztendlich kommt der Streifen aber einfach eine Spur zu soft daher und suggeriert dem Zuschauer pausenlos dass ein Mensch ohne Partner nicht komplett wäre.

Wenn sich das finale Paar gegen Ende schwer damit tut endlich zueinander zu finden, dann ergibt das endlich einmal so starke Momente wie jene aus Cusacks geglückter Romantik-Komödie „Weil es Dich gibt“. Erfrischende Szenen, wie die verzweifelte Suche nach einer geöffneten Apotheke in der Nacht, oder solch frustrierende wie der von John mitbekommene Kuss eines nächtlichen Besuchers, sind einsame Höhepunkte in einer Geschichte die zwar nicht wirklich langweilt, aber doch im Laufe der Spielzeit immer wieder die Frage aufwirft: wen interessiert das nun wirklich?

Sicherlich würde es einigen Love Storys wie dieser hier ergehen, wenn sie sich nicht in irgendeinem unglaublich toll geschrieben Punkt hervorheben würden. In „Während Du schliefst“ wird die Sehnsucht von Pullmans Rolle hervorgehoben und auf den Zuschauer übertragen. „French Kiss" lebt von der frechen Art eines Kevin Klines. „So was wie Liebe" von den komplizierten Umständen der Moderne. Wo es an wahrem Wortwitz fehlt oder an intensiven Gefühlen, da schleicht sich eben einach ein gewisses Desinteresse ein, zumindest wenn die Figur im Blickpunkt zu austauschbar ist.

Sarah lernen wir eigentlich nur als jemand Einsames kennen, der gerne einen Freund hätte. Ihre Persönlichkeit, und damit die Antwort darauf ob ihre Probleme mit dem Finden von Mr. Richtig auch wirklich gelöst sind, lernen wir nicht wirklich kennen. Nur den bangenden, hoffenden und winselnden Part - überschattet von einer Familie, die zwingend möchte, dass Sarah endlich in einer Partnerschaft lebt. Fast schon will man die Heldin als Single erleben, um diesem hier vorgelebten Weltbild zuzurufen: es ist nicht schlimm allein lebend zu sein. Du bist auch etwas wert ohne einen Partner zu besitzen. Leider gibt sich der von Gary David Goldberg inszenierte Film im Abspann diesbezüglich lieber selber Recht, während er viel zu dreist von „Harry und Sally“ klaut, der durch seine Raffinesse und tiefgehenden Charaktere das exakte Gegenteil zum zu routinierten und oberflächlich ausgefallenen „Frau mit Hund... sucht Mann mit Herz“ ist.  OFDb

09.01.2015

SCHLAPPE BULLEN BEISSEN NICHT (1987)

Allein anhand des Vorspanns kann man sehen wie sehr sich die Zeiten geändert haben. 1987 wurde Dan Aykroyd, gerade auf dem Hoch seiner Karriere, noch vor Tom Hanks genannt, der erst sechs Jahre später mit „Philadelphia“ in den Olymp der erste Klasse-Schauspieler aufgestiegen ist. Bis es soweit war machte er durch leichte Rollen wie die des Streebek in Komödien von sich reden. So spielte er z.B. die (im Vergleich anspruchsvollere) Hauptrolle in „big“, „Scott und Huutsch“ und „Splash - Jungfrau am Haken“. Sein großes Können sieht man ihm in „Schlappe Bullen beißen nicht“ nur in den wenigsten Szenen an. Seine Rolle ist plump gezeichnet, soll lediglich die eines Sprücheklopfers sein, wie sie auch der mäßig begabte James Belushi hätte ausfüllen können.

Aber um hoch geistige Komik geht es hier ohnehin nicht. „Dragnet“ (Originaltitel), der sich im Titel und mit manchem Seitenhieb auf die Krimiserie „Polizeibericht“ bezieht, was die deutschen Titelgeber nicht begriffen haben oder begreifen wollten und dem Streifen deshalb den hirnverbrannten Namen gaben, den er bis heute in Deutschland trägt, ist eine simple Action-Komödie, mit Schwerpunkt auf Komödie gesetzt, versehen mit einer hanebüchenen Story, der es nicht wirklich um einen sinnvollen Ablauf geht. Man hüpft lieber von einer schrägen Idee zur nächsten, ohne dabei die tatsächliche Schräge eines „Die nackte Kanone“ zu erreichen. Manchmal hüpft man auch nur von Spruch zu Spruch. In solchen Momenten wirkt der Streifen etwas übel geschnitten, sind viele der Sprüche doch von vorgestern und werden durch den voreilig gesetzten Schnitt zur finalen Pointe einer Szene und geraten damit zu sehr in den Mittelpunkt, eine Last die sie nicht tragen können. Das schadet den fertigen Film an mancher Stelle.

„Schlappe Bullen beißen nicht“ ist aber immerhin amüsant genug erzählt um trotzdem Spaß mit ihm zu haben. Drei Autoren haben das Drehbuch verfasst, u.a. auch Regisseur Tom Mankiewicz, der in seiner Karriere recht wenig Filme und Serien gedreht hat und der auch für das kleine John Candy-Juwel „Jack allein im Serienwahn“ verantwortlich war. Auch Dan Aykroyd war am Schreiben des Drehbuchs beteiligt, hatte u.a. mit „Ghostbusters“ und „Blues Brothers“ auch Erfahrung in diesem Bereich, doch wie erwähnt: das Buch zu „Dragnet“ ist nicht wirklich der Renner. Stolz kann die Truppe nicht auf ihr Geschreibsel sein.

Dass „Schlappe Bullen beißen nicht“ trotzdem funktioniert, liegt hauptsächlich an den gut aufgelegten Stars. Gerade Christopher Plummer in der Rolle des Bösewichts spielt sich mit seiner sanften Art in den Mittelpunkt, wobei ihm seine deutsche Synchronstimme sehr zur Hilfe kommt. Köstlich wie unmännlich und gleichzeitig verlogen dieser Mann daher kommt. Das ist für einige Lacher gut. Auch Aykroyd hat sichtlich Spaß mit der Rolle des zugeknöpften Gesetzeshüters und weiß in seiner völlig übertriebenen Art zu belustigen. Tom Hanks ist wie erwähnt eher der Sprücheklopfer und kommt unfairer Weise am schwächesten weg.

Ein paar schräge Ideen wie eine Riesenschlange unter Drogeneinfluss, eine vor sich hin fluchende Hausverwalterin im Verhör und ein lispelnder Hugh Hefner für Arme wissen die ganze Chose humoristisch ein wenig aufzupeppen, meist dann wenn die Geschichte stillzustehen scheint. Vom übernommenen Titellied der Vorbild-Serie einmal abgesehen weiß die Musik weniger zu überzeugen. Auch hier hat Aykroyd fleißig mit komponiert, was jedoch stark an den im selben Jahr erschienenen „Police Academy 4“ erinnert. Immer wieder hatte ich deren „Citizens on Patrol“ im Kopf, wenn das aufgepeppte Hauptthema von „Schlappe Bullen beißen nicht“ anlief.

Der Verweis auf „Police Academy“ zeigt übrigens, dass man mit der Thematik die Serie „Polizeibericht“ und damit die Polizei parodieren zu wollen, nicht gerade auf ein mutiges Projekt setzte, sondern im Gegenteil auf ein sehr sicheres. Gesetzeshüter zu veralbern war gerade modern, womit man „Dragnet“ als Mitläufer dieser Welle bezeichnen kann, was erklären könnte, warum man sich mit dem Drehbuch auch nicht wirklich Mühe gab. Das sind harte Worte für einen Film der auf so leichte Art zu funktionieren weiß, aber wenn man bedenkt dass „Schlappe Bullen beißen nicht“ zu seiner Zeit eine Kinoproduktion mit namhaften Stars war, wird ein wenig Maulen diesbezüglich wohl kaum verboten sein.  OFDb

21.12.2012

DAS HAUS AM SEE (2006)

Eine Frau zieht in ein Haus am See, und kann sich über den Briefkasten mit dem Vorbesitzer unterhalten, der zwei Jahre zuvor dort lebte. Über diese fantastische Zeitreise-Briefpost verlieben sich beide ineinander...

Zwei Jahre sind eine Ewigkeit...
 
„Das Haus am See“ ist eine süßliche Romanze, die dank der außergewöhnlichen Idee (deren Ursprung wieder einmal in Asien zu suchen ist) und der zwei harmonisch zueinander passenden Hauptdarsteller zu den gelungenen Werken seines Genres zählen darf. Die Geschichte wird verträumt erzählt und erfährt kleine, kaum zu erwähnende, Wendungen. Ganz ohne Kitsch geht das nicht vonstatten, aber die Hauptfiguren werden nicht einfach nur niedlich dargestellt, es sind ausgebaute Charaktere, die nicht nur erleben sondern auch handeln. Ein Punkt den viele Drehbuchautoren in Liebesfilmen nicht beachten. Früh erfährt man, dass beide Figuren prima zueinander passen, müssen doch beide die Hürde nehmen, totales Realitätsversagen an den Tag zu legen, um den Test mit dem Briefkasten durchzuführen.

Der Film ist romantisch, und er schafft es einen damit einzulullen. Man freut sich mit den Protagonisten mit, in den etwas dramatischeren Szenen teilt man jedoch nicht ihr Leid. Die dramatischen Wendungen der Geschichte sind harmlos, lassen ohnehin kleine Fragen offen, und sind so nah an kleinen Alltagsproblemchen orientiert, dass sie weit davon entfernt sind auf die Tränendrüse zu drücken, oder einen immerhin traurig werden zu lassen. Lediglich der Gang zum Finale hin lässt einen betroffen werden, deutet doch alles auf einen bösen Schluss a la „Stadt der Engel“ hin. Ob es nun am Testpublikum oder am guten Herzen des Drehbuchschreibers lag weiß ich nicht, aber es kommt anders als eingeleitet, was zwar etwas enttäuscht, aber dennoch als akzeptable Alternative dienen kann.

Erfreulich ist, dass der Film trotz seines Optimismus, seiner Herzensnähe und seiner verträumten Geschichte sehr auf die filmeigene Logik achtet. Der Hintergrund der zwei Zeitebenen wird nie erklärt, was wohl so auch besser ist. Aber die Abläufe innerhalb dieses nicht erklärten Phänomens passen zusammen, sind meist logisch nachvollziehbar, wanken an gewissen Stellen jedoch. So stellt sich z.B. die Frage, warum der Rolle Bullocks (Kate) nicht klar war, wen sie am Valentinstag im Arm hielt. Laut der Geschichte hat sie den Mann in der Vergangenheit sehr intensiv auf einer Party kennen gelernt, ja sogar geküsst.

Dies ließe sich allerdings mit der Baumpflanzszene erklären, in welcher Alex (Reeves) vor 2 Jahren einen Baum pflanzt, und dieser im Jahr 2006 urplötzlich erscheint. Er ist nicht zwei Jahre gewachsen, Alex' Tat wird zur urplötzlichen Tatsache in der Zukunft. Das müsste bedeuten, dass am besagten Valentinstag das Gesicht in den Armen noch unbekannt war, und erst zum parallelen Zukunftszeitpunkt zur Party 2004 bekommt das Gesicht in Kates Kopf eine Erinnerung. Eine filmeigene Logik, die man weiterspinnen könnte. Das bedeutet nämlich, dass die Kate aus der Zukunft die Erinnerung an einen Kuss nur durch die Zeitveränderung implantiert bekommen hat. Lediglich die Kate in der Vergangenheit hätte diesen dann auch aktiv erlebt. Bleibt die interessante Frage, wie und ob der Bruder von Alex die Zeitmetamorphose erlebt hat, in der aus einem Trauerfall ein nicht vorhandener wurde. In nachvollziehbaren Dingen ist der Film logisch, in den hier aufgezählten befindet er sich in einem Graubereich, der zum Grübeln anregt, sich aber, wie man sieht, erklären ließe.

Die wirklich offenen Fragen liegen jedoch nicht in der Thematik des Zeitunterschiedes, sondern in den unklaren Verhaltensweisen, die ab und an dem Zuschauer vorgelebt werden. Mal von manchem gesprochenem Dialog abgesehen, der auf diese Art so garantiert nicht zu Papier gebracht wurde, gibt es ein paar wesentlichere offene Fragen.

So sind zwei Jahre z.B. kein enormer Zeitunterschied. Warum geht Kate Alex nicht einfach suchen? Spätestens zum Zeitpunkt des Nichterscheinens im Lokal, müsste sie sich doch immerhin Sorgen machen, ob ihm etwas zugestoßen ist. Stattdessen schmollt sie nur und bricht den Kontakt ab. Die Frau ist Ärztin, erlebt den ganzen Tag Menschenschicksale und kommt nie auf die Idee nachzuforschen, was in der Vergangenheit geschah? Unglaubwürdig!

Ebenso wie die Tatsache, dass beide trotz intensiver Brieffreundschaft und trotz der aufkeimenden Gefühle nie ein Foto in den Briefkasten legen. Zunächst dachte ich, dass dies vielleicht ein innerfilmisches Gesetz ist, das noch angesprochen wird, dass z.B. nur die Briefe die andere Zeitzone erreichen, andere Gegenstände jedoch nicht. Aber zu dem Zeitpunkt, als Kate das Buch in die Vergangenheit schickt, wird dieser Denkansatz aufgehoben und das Nichtverschicken von Fotos zu einer unangesprochenen Lücke. Zumindest halten sich beide lange Zeit an das natürliche Geschehen (Alex bekommt ja nicht mit, dass er mit seinen Taten das Zeitgeschehen manipuliert, er denkt seine Taten wären ein natürlicher Vergangenheitsaspekt). Erst mit dem tröstenden Buch wird bewusst das Zeitgeschehen manipuliert und zwar von Kates Seite aus. Mit der finalen Manipulation wiederholt sie eine solche Tat. Soll man einer solchen Frau glauben, sie hätte nie ein Foto abgegeben oder gefordert? Möglich aber unglaubwürdig!

Das sind sicherlich Kleinigkeiten, bis auf den Punkt, dass Kate nach dem Sitzengelassensein nie nach Alex forschte. Das ist ein Bruch, den man erst einmal akzeptieren muss. Er passt nicht in einen so träumerischen Film. Wo so viel Romantik herrscht, da muss auch das Herz das Handeln entscheiden. Und das hätte nach Alex gesucht, oder zumindest nach seiner Vergangenheit.

Da sich solche kleinen Schnitzer im Rahmen halten, wird damit zum Glück nicht der Film kaputt gemacht. Verträumt darf man weitergucken, bis es zum Schluss kommt, und man sich langsam wieder der Realität stellen muss. Zumindest ist „Das Haus am See“ ein sympathischer Entführer in die Traumwelt, von dem ich mich ein andermal sicherlich gerne noch einmal verschleppen lasse. Für Freunde solcher Filme ist das Werk ganz klar zu empfehlen. Ich muss allerdings einräumen, dass ich das südkoreanische Original (noch) nicht kenne. Mag sein, dass die US-Version dagegen ein Witz ist, wird für den Ami-Markt doch gerne vieles vereinfacht. Wie mag wohl der Schluss des Originals sein? Diese Frage macht mich neugierig.  OFDb

17.11.2012

DAS VERMÄCHTNIS DER TEMPELRITTER (2004)

In der amerikanischen Verfassung soll sich ein Code befinden, der verrät wo die Gründungsväter eine Schatztruhe vergraben haben. Archäologe Gates ist dem Schatz auf der Spur. Aber auch finstere Bösewichter sind hinter der Truhe her...

Jäger des verlorenen Schatzes...
 
Jon Turteltaub zeigt was mit einem Hauch Realität und einer Menge Phantasie möglich ist. "Das Vermächtnis der Tempelritter" ist dank netter kleiner Rätsel kurzweilig erzählt, dem System eines Computerspiels a la "Tomb Raider" und "Resident Evil" somit nicht unähnlich. Dass das Ganze nicht ganz so abgedroschen wirkt und im Sumpf der Masse von Abenteuerfilmen nicht untergeht, liegt mitunter an zwei Dingen: das sind die liebenswürdigen Charaktere die von guten Schauspielern verkörpert werden (auch wenn es nach "Staatsfeind Nummer 1" etwas komisch war den Schauspieler des Bösewichts hier als braven Papa hier zu erleben) und an der wunderbaren Idee eine Schatzsuche nicht an exotischen Orten stattfinden zu lassen, sondern mitten in der Großstadt.

Dadurch wirkt der Film zwar manchmal mehr wie ein Action- als wie ein Abenteuerfilm, aber daran erkennt man auch die enge Verwandtschaft beider Genres. Leider lässt man dieses Grundkonzept im Finale fallen, um dort dann doch eine ungewohnte Kulisse präsentieren zu können, dadurch möglich, da sie sich unter der Stadt befindet. Das sorgt jedoch nicht für einen Abfall in Stil und Tempo, sondern zeigt nur die mangelnde Konsequenz sich von der Konkurrenz etwas distanzieren zu wollen.

Für Spannung ist dank der Verfolger gesorgt, das Verbünden der (halb) entführten Frau mit den Schatzsuchern ist für das flotte Tempo nicht so hinderlich wie es Vergleichsfilme gerne tun. Der Schluss ist zwar nicht wirklich gut zu nennen (in Anbetracht des Reichtums den der Schatz beherbergt sollte man meinen, dass die linken Nummern vieler Beteiligter und zukünftiger Schatz-in-Anspruchnehmer erst losgehen sollte), hält aber ein kleines Augenzwinkern parat was den Finderlohn betrifft.

"Das Vermächtnis der Tempelritter" ist kein nächster "Indiana Jones" geworden, aber er weiß seine Laufzeit lang zu unterhalten und einem eine Verschwörungstheorie schmackhaft zu machen, die durch tausende andere fast schon in Vergessenheit geraten ist. Etwas mehr Inhalt als die beiden "Tomb Raider"-Filme kann dieser Abenteuerfilm auch vorweisen und im Gegensatz zum etwas themenähnlichen "Die Goonies" bleibt nur zu sagen, dass der Tempelritter-Streifen zumindest kein Kinderfilm wurde. Er ist der richtige Mix die größeren Kleinen und die Großen gemeinsam zu unterhalten, ohne zu sehr auf die Wünsche der Erstgenannten einzugehen. Im Gegensatz zu vielen ähnlichen Abenteuerfilmen (auch große wie die vier „Indiana Jones“-Teile) ist "Das Vermächtnis der Tempelritter" ein Paradebeispiel dafür, einen solchen Film auch mal ohne Fantasy-Elemente interessant und mystisch zu gestalten.  OFDb