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15.04.2017

BARON BLOOD (1972)

Im selben Jahr, in dem Mario Bava beim Film „Lisa und der Teufel“ künstlerische Narrenfreiheit genießen durfte, entstand der ebenfalls mit Elke Sommer besetzte „Baron Blood“, der weit unter dem Niveau von Bavas üblichen Arbeiten im Horror-Genre liegt. Ob das am finanziellen Misserfolg besagtem Herzensprojekt lag, oder daran, dass er in den Vorbereitungen für diesen zu stark involviert war, um sich besser auf die Realisierung des hier besprochenen Projektes zu konzentrieren (ich habe keine Ahnung in welcher Reihenfolge 1972 beide Werke erschienen sind), beides wäre ein Erklärungsansatz für den lustlos abgefilmten „Baron Vampire“ (Alternativtitel).

Vielleicht war besagter Film auch nur eine vertraglich gebundene Auftragsarbeit, denn ein Blick auf das Drehbuch hätte bereits verraten müssen, dass die Samuel Z. Arkoff-Produktion nicht viel Potential hergibt. Allein die Charakterzeichnung der drei Helden arbeitet gegen eine funktionierende Geschichte, kann man sich bei deren Leergeschwätz doch keinesfalls mit einem von ihnen identifizieren. Da werden hanebüchenste Theorien aufgestellt, da wird ohne jeglichen Beweis gegen Menschen gehetzt, und das Drehbuch gibt ihren Mutmaßungen am Ende auch noch Recht, ohne den Zufall dahinter hervorzuheben. Zudem ziehen sie im Finale in den Kampf gegen Baron Blood, ohne auch nur den Hauch eines Planes zu besitzen.

Dass aus einer Klischees erfüllenden, routiniert klassischen Gruselgeschichte schon manch sympathischer Film entstanden ist, liegt an der Art der Umsetzung, die in liebevoller Herangehensweise genügend Charme entstehen lassen kann, um eine belanglose oder zu oft wiedergekäuerte Geschichte positiv wirken lassen zu können. Mit Blick auf „The Blood Baron“ (Alternativtitel) scheint Bava dies jedoch gar nicht erst versucht zu haben. Sein monströser Baron hüpft durchs Bild wie ein Rumpelstilzchen, kann also weder Grusel noch Schrecken einjagen, geschweige denn zumindest charmant morbide wirken, und auch dass sein Auftauchen meist in Dunkelheit gehalten wird, wertet die Sache nicht auf. Da ärgert es um so mehr, dass auch die menschlich verkleidete Variante des Bösewichts, nicht zu wirken weiß.

Nicht nur, dass der gute Mann fehlbesetzt wirkt, er wird zudem nicht dämonisch genug eingesetzt. Zum einen ist er in zu wenigen Szenen zu sehen, zum anderen besitzt er keine Ausstrahlung, wie sie beispielsweise Boris Karloff in seiner ähnlich angelegten Rolle in „Der Rabe - Duell der Zauberer“ besaß. Das Handeln des im Rollstuhl sitzenden Scheinheiligen ist zu willkürlich geraten, gerade gegen Ende, wenn er seine Gäste zunächst verabschiedet, um sie sich im nächsten Moment schließlich doch noch zu schnappen. Dies nicht um sie aus sadistischem Antrieb in Sicherheit zu wiegen, sondern einfach weil das Drehbuch dies jetzt so will. Wie der Bösewicht sein Ende erfährt, ist ebenfalls einfallslos wie lustlos inszeniert, dabei hätte gerade der Überfall der ehemaligen Opfer auf den Baron ein tolles Bild abgeben können unter besserer Maske.

Die versagt aber bereits mit Blick auf die weiblichen Rollen. Wer auch immer fürs Make Up verantwortlich war, hat gestümpert oder hatte zu wenig Zeit bessere Arbeit zu leisten. Ohnehin scheint „Chambers of Torture“ (Alternativtitel) auf die Schnelle abgedreht zu sein, wie die Außenaufnahmen zeigen. Es ist das Glück von „The Thirst of Baron Blood“ (Alternativtitel), dass er in einem solch schön gewähltem Schloss spielt und dass manches Horrorklischee für ihn arbeitet. Auch manche wenige Aufnahmen zeigen zumindest einen Hauch dessen, welches Talent Bava üblicher Weise besitzt, z.B. die Sequenz, in welcher der Nagelsarg mit Blick auf das darin liegende Opfer geöffnet wird. Damit wird aus „The Torture Chambers of Baron Blood“ (Alternativtitel) trotz all der Negativpunkte zumindest ein mittelmäßiger Horrorfilm für geduldige Stammzuschauer. Leider überwiegen im Gesamtbild dennoch die negativen Elemente.  OFDb

PS: Anbei ist der deutsche Untertitel, der von mir erstandenen DVD des Labels e-m-s, angehäuft mit übelsten Rechtschreibfehlern.

20.11.2016

LISA UND DER TEUFEL (1972)

Die im 70er Jahre-Look gekleidete Elke Sommer trifft in ihrer Rolle als Lisa auf altmodisch gekleidete Menschen, die sich sonderbar benehmen. Während sie sich noch über so manch schräge Marotte jener zwielichtigen Helfer wundert, immer noch daran glaubend sich lediglich verlaufen zu haben, so ist dem Zuschauer mit Blick auf das alte Anwesen, die Kleidung und das alte Auto bewusst, dass sich die Heldin der Geschichte in einer Art Parallelwelt befinden muss. Interessanter Weise wird dies im Laufe des Filmes nie wirklich festgestellt oder bewusst benannt. Bava nutzt dieses Treffen der zeitlich versetzten Kulturen, um sein Werk „Lisa und der Teufel“ bizarrer wirken zu lassen. Letztendlich ist es ihm egal dass Lisa durch eine Phantomwelt zu schreiten scheint.

Dass man sie dort als wen anders kennt, könnte für die Geschichte fast schon egal sein, wird erst dann wichtig wenn „Der Teuflische“ (Alternativtitel) auf den Pfaden von „Psycho“ wandelt, was kurz vor Schluss keine Überraschung ist, ahnte man als Zuschauer doch längst woher der Hase läuft, zumal die eigentliche Geschichte sich kaum vorwärts bewegt, so schlicht wie sie ausgefallen ist. Letztendlich beobachten wir zum einen Lisa dabei wie sie von einer Absonderlichkeit in die nächste stolpert, während wir ansonsten eine Gruppe wundersamer Menschen kennen lernen, die auf schlichte Art sonderbare Dinge tun und reden.

Einen morbiden Touch bekommt die Geschichte dann, wenn nach und nach die Figuren des Films ihr Leben lassen müssen. Ein wirkliches Täterraten findet dabei nicht statt. Auf Giallo-Pfaden wandert Bavas ungewöhnliches Werk dabei ebenso wenig. Stattdessen genießt es der Regisseur und Mitautor den Zuschauer mit skurrilen Gimmicks zu verwirren, so z.B. mit der Idee dass es für jeden Toten eine lebensgroße Puppe gibt, um das Gedenken an den jeweiligen Verstorbenen zu bewahren. Was an der Geschichte nun wichtig oder unwichtig ist lässt sich schwer erklären, wahrscheinlich kann man darüber sogar unterschiedlicher Meinung sein, letztendlich ist es aber auch egal, denn „The Devil and the Dead“ (Alternativtitel) ist ein Film des Eintauchens, des Miterlebens, des Mitfühlens und keiner den man schaut wenn man eine Geschichte erzählt bekommen haben möchte.

Während Bava auf der einen Seite eine dichte, düstere Atmosphäre mit der grotesken Seite der Geschichte mixt, entwirft er auf der anderen Seite ein optisches Fest für Cineasten, welches seinem Ruf gerecht wird als ehemaliger Kameramann gekonnte Bilder einfangen zu können. Über dieses Talent ragt die optische Fertigstellung des hier besprochenen Streifens gar weit hinaus. Wo ein „Die toten Augen des Dr. Dracula“ sich meist damit begnügte großartig fotografierte Standbilder zu präsentieren, da spielt Bava in „Lisa e il diavolo“ (Originaltitel) regelrecht mit optischen Reizen. Da wird das Szenario nicht nur hübsch fotografiert eingefangen, da spielt der gute Mann mit dem Wechsel von Schärfe des Hintergrundes eines Bildes mit dem Vordergrund, kreiert Kamerafahrten, die an ihrem Ende auf ein großartiges Schlussbild stoßen, experimentiert Bava mit Zoom, Licht und Schatten, sprich er sorgt dafür dass der Film stets aufregend eingefangen wird, was im Widerspruch zur höchst langsamen Erzählmethode zu stehen scheint.

Das könnte jedoch nur wer so empfinden, der lediglich im flotten Kino heutiger Tage zu Hause ist. Bava hingegen versteht noch die Kunst der langsamen Erzählung, nutzt sie nicht zum Zeitstrecken, sondern erzäglt in dieser Langsamkeit auf subtile Art mehr, als die an sich dünne Geschichte vermuten lässt. Da „Lisa und der Teufel“ diese künstlerichen, wie intelleltuellen Aspekte nicht nur in einer kühlen Hülle serviert, sondern mit dem grotesken Touch und der unheimlichen Grundatmosphäre zu bereichern weiß, ist der Film somit kein rein theoretisches Werk geworden, sondern ein aufregendes Stück unaufgeregtes Horrorkino für Liebhaber alter Filmdekaden. Und bei all dem Farbenmeer, welches uns Bava hier präsentiert, würde es mich gar nicht wundern, wenn es der hier besprochene Film war, der Argento zur optischen Umsetzung seines „Suspiria“ inspiriert hat.  OFDb

17.04.2016

DAS NETZ (1975)

Der fast komplett in Italien gedrehte, hauptsächlich deutsch produzierte, Film „Das Netz“ versucht gar nicht erst ein Geheimnis daraus zu machen dass Morelli der Mörder ist. Da man die Tat selbst nicht sieht hätte Bossi auch Opfer seiner eigenen Sensationsgier werden können. Die Gesellschaftskritik diesbezüglich mündet jedoch in einem andersartigen finalen Kniff, der zwar recht reizvoll ausgefallen ist, der Weg dorthin jedoch leider nicht. Zwar weiß Regisseur Manfred Purzer die auf einem Roman basierende Geschichte zunächst recht interessant zu inszenieren, im Laufe der Zeit bemerkt man als Zuschauer jedoch, dass sich hinter dem intellektuellen Blickwinkel der Erzählung eine wesentlich dünnere Geschichte befindet, als es das Ego des Autors zulässt.

So gerne wäre „Das Netz“ hintergründig vielschichtig, mag sein dass es der Roman auch ist, wenn wird dies jedoch kaum in die Verfilmung transferiert, die zwar gekonnt die Zwielichtigkeit aufdeckt die sich so gerne hinter Moral verbirgt, sich jedoch nie wirklich entscheiden kann ob man einen modernen Kriminalfilm dreht oder ein sensibles Psycho-Drama. Am intensivsten schaut sich „Das Netz“ immer dann, wenn wir Morellis Rückblicke während des Schreibens begleitet von Off-Kommentaren erzählt bekommen. Die Parallelen im Jetzt hingegen plätschern zu sanft, vorhersehbar und uninteressant dahin, als dass sie den Stoff bereichern oder die Rückblicke wertvoll ergänzen könnten.

Zumindest Kinski spielt den agilen Fatzke von Reporter angenehm lässig. Mag er auch nicht sein volles Potential in die Rolle investieren, was nachvollziehbar ist bei einem solch selbstverliebten Stoff, so liebt die Kamera doch trotzdem sein Gesicht und seine ruppige Art, die auch Co-Star Elke Sommer rückblickend beklagte, als Kinski ihr in einer Szene einen Büschel Haare ausgerissen haben soll.

„Das Netz“ versteht sich als anspruchsvolle poetische Kost, streift aufgrund der nüchternen und verkopften Herangehensweise auch sicherlich dieses Ziel, letztendlich ist die Geschichte aber nicht gehaltvoll, intelligent und subtil genug um die Ansprüche an sich selbst zu erreichen. Ein wenig zu langweilig ist Purzers Werk ausgefallen, als dass er zumindest als unterhaltsame Zwischendurchkost bezeichnet werden könnte. Bei genügend Gehalt kann eine nüchterne Umsetzung Wunder bewirken. Es ist jedoch fatal einen Film mit so viel Leerlauf wie hier in einem solch unaufgeregten Stil zu kleiden.  OFDb