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28.04.2024

JOHN WICK (2014)

Der Sohn eines Mafiachefs bricht bei jemandem ein, der kürzlich Witwer wurde, stiehlt ihm dessen wertvollestes Fahrzeug und tötet seinen Hund, welcher das letzte Geschenk der Verstorbenen an ihren Gatten war. Dass der Mann, bei dem eingebrochen wurde, der legendäre Auftragsmörder John Wick ist, ist dem jungen Mann nicht bewusst, seinem Vater aber sehr wohl. Der hatte Wick seinerzeit des öfteren für besonders knifflige Mordaufträge engagiert, denn der Mann war der Beste seines Fachs, bevor er der Ehe wegen ausstieg. Da er weiß, dass Wick an seinem Sohn Rache nehmen will und eine Versöhnung nicht möglich ist, ist die Jagd auf den Rächer eröffnet. Sämtliche Auftragskiller und Clanmitglieder sind beauftragt Wick aufzuhalten. Doch das ist so gut wie unmöglich, das Genie seines mörderischen Fachs hat nichts verlernt...

Aus der Frührente zurückgekehrt...

Er kann alles, er legt sich mit jedermann an, er ist eine unaufhaltsame Kampfmaschine, obwohl er theoretisch nur ein Mensch ist. Okay, er ist nicht unverwundbar, aber so gut wie, so wenig wie ihm zustößt, während alle anderen reihenweise über die Klinge springen. John Wick ist wie der Held aus "Phantom Kommando", auf persönlichem Rachefeldzug aus, ursprünglich das Kriegsbeil begraben, dennoch in unmittelbarer Nähe des friedlichen, neu begonnenen Alternativlebens für alle Fälle ein Waffenarsenal parat haltend, das nun genutzt werden kann. Dieser Punkt mag in "John Wick" sinnvoller anmuten, als im Vergleichsfilm mit Schwarzenegger, ein geistreicher Film sieht freilich dennoch anders aus. Während das 80er Jahre Werk eher ein Haudrauf-Film war, ist der mit Keanu Reeves in der titelgebenden Rolle besetzte Actioner ein optisch edel durchgestyltes Kinoerlebnis in glanzvollen Bildern und aufgepeppter Coolness. 

Hier wie dort herrscht Nonstop-Action, geredet wird auf Seiten der Bösewichter mehr, während der Rächer selbst fast nur handelt und schießt und schießt. Wick besitzt allerlei ehemalige Kontakte. Die helfen ihm und werden dabei kaum zur Bedrohung, obwohl derartigen Leuten nicht zu trauen ist, erst recht bei der Summe, die jenem blüht, der Wick erledigt. Doch eine Bedrohung kommt nie auf, nicht für Wick, denn der ist auf vollkommen selbstgerechte Kinoart der Gute, an ihn ist nicht heranzukommen, er durchschaut jeden Schritt seiner Gegner und weiß stets was zu tun ist. So sinnlos sein Agieren auch scheinen mag, es ist stets durchdacht, jedoch nicht anhand eines gewitzten Drehbuchs, das sämtliches Gelingen eher wie Zufall erscheinen lässt. Man baut inmitten der genial anzuschauenden Optik und der Nonstop-Action darauf, dass der Zuschauer wie hypnotisiert ist und nicht merken wird, dass Wick eigentlich schon etliche Male hätte tot sein müssen, dass Schnitte über mangelnde Deckung, Unterlegenheit und etlichen anderen Elementen, die dem Helden nicht zum Vorteil dienen, hinwegtäuschen sollen, denn die mittlerweile auf drei Fortsetzungen und ein Spin-off angewachsene Marke ist die Dumpfbackenversion des optisch aufgebretzelten, starbesetzten Blockbuster-Kinos. 

Und obwohl ich durchaus kurzweilig unterhalten wurde, schockte es mich schon erneut nach "The Fast and the Furious" feststellen zu müssen, wie extrem plump eine derart erfolgreiche Filmreihe heutzutage ausfallen kann, um dennoch voller Begeisterung bei der Masse an Filmkonsumenten gefeiert zu werden. Im Gegensatz zur Vergleichsreihe hat der Dummfug mir zumindest diesmal ebenfalls Freude bereitet, jedoch nicht in einer Extreme, die den Erfolg, das Budget und die Begeisterung jener nachvollziehen lässt, die den Streifen für ein kleines oder großes Meisterwerk halten. Auch aus Cineastensicht lässt sich nichts schön reden, "John Wick" ist kein versteckter B-Movie in edler Verkleidung, keine Verbeugung vor derartigen Stoffen. Aber er ist zumindest geradeaus erzählt, verwendet keine Metaebenen-Elemente, um sich als geistreicher zu verkaufen, als er ist, während er gleichzeitig die Kinoluft seiner eigenen Zeit atmet, anstatt auf den "The Expendables"-Zug des spät nachgereichten 80er Jahre-Action-Retro-Welle aufzuspringen. Stumpf ist diese Action-Granate, die dem Zuschauer kaum Luft zum Atmen lässt, dennoch ausgefallen.  Wiki

14.04.2024

BEGIERDE (1983)

Miriam ist eine Vampirin und gönnt sich mittels ihres ungewöhnlichen Blutes Wegbegleiter, bis bei diesen nach langer Zeit ein plötzlicher Alterungsprozess auftritt, der sich nicht verhindern lässt. Als erste Anzeichen dieses Prozesses bei ihrem aktuellen Begleiter John auftreten, kontaktiert dieser die Biologin Dr. Roberts, die auf die Untersuchung des Alterns spezialisiert ist. Zunächst hält sie ihn für einen Verrückten, und als sie ihm doch noch glaubt, ist er längst verärgert aus dem Krankenhaus verschwunden. Deswegen kontaktiert sie schließlich Miriam, ohne zu wissen dass John inzwischen verstorben ist. Dr. Roberts soll die nächste Wegbegleiterin des Blutsaugers werden...

Das ägyptische Kreuz...

"Begierde" mixt die Regeln des Vampirismus neu. Als moderne Variante berichtet er bei den typischen Halbvampiren, welche Vampiren als Begleiter dienen, von einem dominanten Blut, welches das ursprüngliche Blut der Menschen nach und nach erobert, bis ohne Drittblut ein Leben nicht mehr möglich ist. Tageslicht und Spiegelbild gönnt man den phantastischen Wesen des Streifens entgegen der bisherigen Regeln, und Blut wird nicht mittels Fangzähnen getrunken, stattdessen sticht man mit einem als Kette getarnten Messer zu, um sich dann an der offenen Wunde zu nähren. Der fieseste Fakt in der neu kreierten Vampirmythologie: Begleiter altern zwar, aber sterben nie und vegetieren endlos in ihren Särgen vor sich hin, in die sie von der Obervampirin, unbrauchbar für ihre Zwecke geworden, abgeschoben werden. "The Hunger" (Originaltitel) lebt von der Lüge der Liebe und des Begehrens der Vampirin. Ob sie in ihrer unmenschlichen, oberflächlichen Art selbst glaubt zu lieben, wird nicht ganz deutlich, aber letztendlich sind ihre Begleiter, denen sie das ewige Leben anders verspricht, als es sich nach Jahrhunderten schließlich auf diese schreckliche Art wendet, nur ein Spielzeug, ein Zeitvertreib, um mit dem Fluch des ewigen Lebens besser umgehen zu können.

"Begierde" nimmt sich für diese und seine anderen Themenbereiche viel Zeit, führt uns meist erst mit subtilen Andeutungen heran, bis er uns die Bestätigung, oder auch manche nicht erwartete Erkenntnis schließlich per Paukenschlag präsentiert. Der komplette auf Kunstfilm getrimmte Film lebt von diesen beiden Extremen. Sie spiegeln sich in der Sinnlichkeit im Kontrast zum morbiden Grauen wieder, in der Gegenüberstellung von moderner Gothic-Musik und dem Zelebrieren klassischer Stücke, sie zeigt sich in Schönheit und Modrigkeit. Für Tony Scott ist "Begierde" rückblickend ein ungewöhnliches Werk, war er doch eher der Haudrauf-Typ des Action-Genres und zeichnete sich, nicht immer unempathisch, durch lautes Kino wie "Top Gun", "True Romance" und "The Last Boy Scout" aus, während er hier eher eine ruhige Vampir-Oper präsentiert, die europäischer wirkt als der weniger auf kultiviert getrimmte "Interview mit einem Vampir", der etwa ein Jahrzehnt später das Publikum begeistern sollte. Manche Stelle wirkt zu gewollt, um dem Ergebnis wirklich die Qualität eines europäischen Werkes zu attestieren, z.B. dann wenn die feinsinnige Musikuntermalung einer gerade stattfindenden Liebschaft nur darüber hinwegtäuschen soll, dass man lediglich eine erotische Szene, des lüsternen Aspekts wegen, unnötig in die Länge zieht. Auch dieser Moment ist atmosphärisch geraten, wie die meisten im Film, keine Frage, die Ausrutscher sind somit zumindest welche mit Stil. 

In seinen optisch härteren Momenten bleibt "Begierde" ebenso qualitativ, wie in den restlichen Aspekten. Dem Zerfall eines Affen zuzuschauen, der grandiose Alterungsprozess des von David Bowie verkörperten John, die mumifizierten, ehemaligen Begleiter der Vampirin im Finale, an professionell getricksten Schauwerten mangelt es auch in der auf sinnlich und künstlerisch wertvoll gehaltenen, meist subtilen Herangehensweise nicht. Wer einzig auf derartiges aus ist, muss jedoch eine unglaubliche Geduld besitzen, denn es geht im Film mehr um das Drama, anstatt vordergründig um Horror und Gewalt. Und auch das Zielpublikum muss Geduld besitzen, so langsam wie manche Sequenz inszeniert ist, mal brillant anmutend, wie in der Wartezimmerszene mit John, mal doch an den Nerven zerrend, wenn eine Musiksequenz rein des Stückes wegen in die Länge gezogen scheint. Insgesamt reden wir dennoch von einem überdurchschnittlichen Film der sensiblen Art, vielleicht nicht wirklich empathisch erzählt und dadurch eine Distanz zum Zuschauer aufbauend, dennoch aber beeindruckend inszeniert, eingefangen und vorgetragen. Während das Drehbuch uns durchweg eine nachvollziehbare Geschichte präsentiert, auf mündige Art zum selbst entdecken serviert, anstatt per Fakten vorgekaut, bleibt "Begierde" uns mit der Schlussszene Antworten schuldig, zwar jener Art, welche die Fantasie anregt, letztendlich aber doch auch welche der aufklärenden Art, so willkürlich wie die Schlusspointe bei den bisherigen Informationen, in die man eingeweiht war, anmutet. 

Als kleine Information am Rande sei noch augenzwinkernd erwähnt, dass als Pärchen die Janet von "Die Rocky Horror Picture Show" (Susan Sarandon), auf den Brad der Fortsetzung "Shock Treatment" (Cliff De Young) trifft.  Wiki

25.02.2024

DER LEUCHTTURM (2019)

Was ist da nur passiert? "Der Leuchtturm" ist ein mutiges Filmprojekt, so wenig wie er sich trotz prominenter Besetzung dem Massenpublikum anbiedert und so künstlerisch wertvoll wie er ausgefallen ist. Das beginnt mit den sehr hübsch in Schwarz/Weiß eingefangenen Fotografien, dem Aspekt einem Kammerspiel beizuwohnen und der sehr lobenswerten Idee die beiden Protagonisten aus einer uns fremden Zeit meist so reden zu lassen, wie damals üblich. Und da achtete man nicht nur auf die Zeit, auch auf Herkunft und Position. Das komplette Miteinander orientiert sich an besagten Umständen, dementsprechend angenehm befremdlich wirken bereits die alltäglichen Interaktionen der beiden im Zentrum stehenden Figuren. Dass nicht alles Alltag ist und bleibt, wird über ein ungutes Gefühl, das über Allem schwebt, recht gut eingefangen. Dies einzufangen schafft man ohne zusätzliche Schauwerte. Diese findet man stattdessen in den Fantasien, in welche der einfache Arbeiter sich an diesem isolierten Ort flüchtet, und die entpuppen sich nicht nur durch das wunderhübsche Aussehen der dort agierenden Schauspielerin als äußerst sehenswert. 

Das könnte an sich auch der komplette Film sein, doch so angenehm reflektiert er Minimalismus, Kunst und Authentizität in seinem "Shining" auf dem Leuchtturm auch angeht, er verliert einige dieser Stärken, wenn es um den Wahnsinn geht, in welche mindestens eine der beiden Figuren immer mehr abrutscht. Zwar gibt es keine Regeln für Wahnsinn, deswegen nennt man es ja auch Wahnsinn, aber was das Drehbuch uns im letzten Drittel an weit weniger subtilem Geschehen zumutet, als erfreulicher Weise zuvor präsentiert, ist dann doch zu dick aufgetragen, um glaubwürdig zu erscheinen, das bisher gelebte Niveau fortzusetzen und weiterhin so gut zu unterhalten wie bisher. Was dem nun leider, trotz erkennbarer Inspiration durch namhafte Künstler diverser Epochen, zu schwach werdenden Film nur noch hilft, ist seine wunderhübsche Fotografie, die auch in gewaltsamen Bildern, bei zwischenmenschlichen, sich hoch kochenden Unruhen so künstlerisch feinsinnig eingefangen bleiben, wie es in der ruhigeren Phase bereits bei Unwetter erfreute, also bei einer anderen Art Unruhe. 

Das Buch von "The Lighthouse" (Originaltitel) setzt im irren letzten Drittel zu sehr auf extreme Ausraster, einem zu plötzlichen kompletten Abdriften in den Wahn, auf das leicht angedeutete Hintertürchen eines dennoch möglichen übernatürlichen Elements, so wie auf eine diskutable Wahrnehmungsverzerrung, so dass es bis zu einem gewissen Grad Interpretation bleibt wer eigentlich der Wahnsinnige von beiden zentralen Figuren ist, und ob die uns präsentierte Person lediglich durch den Wahn des anderen die auf uns irrational scheinenden Taten begeht. Subtiler ausgerastet und ein wahres Konzept der Auflösung im Hinterkopf gehabt, hätte diese Idee sogar positiv aufgehen können. Aber das Buch setzt zu sehr auf Verwirrung und der Versuchung auf ein mit hinein interpretierenden Publikums zu setzen, um sich selbst auf den offenen Alternativlösungen, dessen was geschah, ausruhen zu können. Schade, aber all diese Entscheidungen lassen "Der Leuchtturm" gegen Ende stärker schwächeln, als man es dem zuvor starken Film in seiner guten Phase jemals zugetraut hätte. Damit bleibt Robert Eggers Werk leider nur ein inhaltlich theoretisch gelungenes, wenn im künstlerischen Sinne auch bis zum Schluss, zumindest im optischen und schauspielerischen Bereich, beeindruckend umgesetzt.  Wiki

01.11.2022

SPIDER-MAN 3 - NO WAY HOME (2021)

Nein, was haben viele damals geschimpft, als "The Amazing Spider-Man" nur 10 Jahre nach "Spider-Man" und 5 Jahre nach dessen letzter Fortsetzung die Entstehungsgeschichte des Spinnenmenschen noch einmal erzählte. "Fällt Hollywood nichts Neues mehr ein?", schimpften all jene, die nicht bemerkten dass Hollywood seit dem Aufkommen des Tonfilmes stets neu verfilmte, fortsetzte, Erfolge kopierte, und Kritiker sich mit ihrem Schimpfen unfreiwillig nur selbst als uninformiert und unreflektiert outeten in dem Glauben dies sei ein neues Verhalten innerhalb der mächtigen Filmindustrie der USA. Da war das Klagen freilich besonders groß, als Marvel sich mit dem bisherigen Rechteinhaber Sony vereinte, und es mit "Spider-Man - Homecoming" eine erneute neue Version der Anfänge rund um Peter Parker gab. Ich habe sie alle genossen, so unterschiedlich wie sie interpretiert und erzählt waren, ich habe nie geklagt. Und nun, wo mit "Doctor Strange" die Multiversen Einzug ins Marvel-Universum halten, da konnte mit einem raffinierten Schachzug das Drama der Klagenden zu einem kreativen Event umgemünzt werden. 

Ich weiß nicht wie man es geschafft hat (wahrscheinlich mit Geld), aber aus den anderen Spider-Man-Filmen wurden Helden und Gegner in gleicher Besetzung für "Spider-Man - No Way Home" zurück gewonnen, um sie als Figuren alternativer Universen vorzustellen. Das ist großartig, bereitet es doch Freude (ge)alte(rte) Gesichter wieder zu sichten, während sich die einzelnen Filme zu einem großen Ganzen vereinen können, was im letzten langen Drittel eines immerhin 142 Minuten laufenden Streifens zum Höhepunkt der ganzen Chose wird. Denn erst ab hier kämpfen die drei Spider-Man gemeinsam Seite an Seite, versehen mit allerhand Seitenhiebe auf Besonderheiten und Schwächen der jeweiligen Interpretationen (am besten ist jene zum Thema mangelndes Teamwork), und das macht so viel Spaß wie erhofft. Lediglich dass der aktuelle Spider-Man wie der einzig wahre herüber kommt, ernüchtert ein wenig, aber ansonsten gibt es nichts zu meckern, zumal die Gefühlsebene aller drei Parkers nicht zu kurz kommt. 

Was die lange Phase zuvor angeht, so ist der Film zwar auch hier ein unterhaltsames Werk, aber bei weitem nicht so geglückt, wie die beiden hervorragenden Vorgänger. Letztendlich liegt das Hauptmanko am selben Schwachpunkt, den seinerzeit auch Raimis "Spider-Man 3" hemmte: das Bekämpfen zu vieler Gegner. Klar, das ist hier aufgrund der Zusammenführung der Universen gewollt und wie erwähnt aufgrund der bekannten Schurkengesichter gern gesehen, aber es besitzt einfach nicht die Energie, die ein Film mit einem, maximal zwei Gegnern entfachen kann. Nun ist der Beginn trotzdem ein Hingucker, immerhin schloss "Spider-Man 2 - Far from Home" mit einem sehr geglückten Cliffhanger. Daraus weiß man einiges herauszuholen, wenn auch nicht in voller Konsequenz, was wohl auch den Rahmen gesprengt hätte. Etwas zu einfach macht man es sich dann doch, so dass erst mit dem Hinzustoßen von Doctor Strange die Geschichte so richtig ins Laufen kommt. Zwar ignoriert man von hier an plötzlich den Aufruhr gegen Parker, aber die Pluspunkte der Geschichte, insbesondere der schon in den Vorgängern zelebrierte Humor, lassen einen gütigst drüber hinweg schauen. Nur war dies bei den ersten beiden Teilen erst gar nicht nötig. 

Wie auch immer, erzählenswert ist das hier Gezeigte trotzdem, auch wenn es nicht alle Erwartungen erfüllen kann. Und was mich stark überrascht und bewegt hat, ist die finale Entscheidung des Helden, die den Beititel der zweiten Fortsetzung zur Wahrheit werden lässt. Sollten die Schöpfer zukünftiger Abenteuer der Spinne nichts Vorangegangenes im Schwanzvergleich überbieten wollen, sondern lediglich solide und gute Arbeit leisten, kann es von nun an so weiter gehen, wie es ursprünglich schon immer sein sollte, bevor die Avengers dazu stießen und aus Spider-Man etwas machten, das engstirnige Fans nie gewollt haben. Diese Schlussentscheidung ist einfach großartig - solange sie auch konsequent eingehalten wird.  OFDb

08.08.2020

WHAT HAPPENED TO MONDAY? (2017)

Die absichtlich übersprungenen Schwierigkeiten in der Glaubwürdigkeit der Geschichte und die stets anwesenden Unlogiken sind ebenso wenig zu übersehen, wie manch nicht konsequent zu Ende gedachte Idee. "What Happened to Monday?" funktioniert aufgrund seiner lediglich als Popkornfilm konzipierten Eigenschaft dennoch, zumal er auf einer Idee aufbaut, die geradezu ein Selbstläufer ist. Die siebenfach agierende Hauptdarstellerin beeindruckt in ihrem von sehenswerten Spezialeffekten unterstützten Zusammenspiel mit sich selbst, dies trotz klischee-beladener Maskerade, und entwickelt zusammen mit den Autoren im Laufe der Zeit aus den Stereotypen funktionierende Individuen, zumindest auf jenem Niveau, welches ein actionreiches Szenario in einer Großproduktion zulässt. Egal ob man die Auflösung nun ahnt oder nicht, der Weg zu ihr ist schmerzvoll für die Heldinnen, bietet allerhand Kurzweile, Überraschungen und neue Erkenntnisse, und am Schluss angekommen bietet besagte Auflösung eine Zusatzerklärung, die ebenfalls trotz des Makels nicht konsequent zu Ende gedacht zu sein gut funktioniert.

Interessante Rückblicke, die für die Hauptgeschichte von wichtiger Bedeutung sind, werden gekonnt gesetzt eingestreut, ohne zu ausschweifend auszufallen. Das kurze Anreißen dessen, was diese Art Leben, bevor das Hauptszenario über die Siebenlinge herein bricht, für Herausforderungen und schmerzliche Entbehrungen mit sich bringt, hätte in seinen reichhaltigen Möglichkeiten einen eigenen Film füllen können, wird aber aus Rücksicht vor dem Action-Schwerpunkt nicht zu bedeutungsschwanger zelebriert. Das Gewicht aus minimalen Anflügen von Tiefsinn und dem Hauptaspekt der leichten, aber ereignisreichen Kost stimmt dementsprechend, zumindest dann, wenn man zuvor kein Kopfkino erwartet hat. Die Rolle von Glenn Close ist mir ein wenig zu klein ausgefallen, aber sie holt viel aus ihr heraus. Dass sowohl die Ausgangslage, die zu dem neuen Gesetz führt, als auch die schockierende, gesellschaftskritische Auflösung dessen, wie das Gesetz umgesetzt wurde, stark an "Jahr 2022... die überleben wollen" erinnert, stört nicht weiter, zumal man nicht wie dort auf Intellekt und Tiefgründigkeit setzt, sondern auf einen simpel zu konsumierenden Unterhaltungsfilm.  OFDb

26.01.2020

SPIDER-MAN 3 (2007)

Die symbiotisch wundervoll zusammen passenden Filme "Spider-Man" und "Spider-Man 2" erhalten im Abschluss der Trilogie leider nicht selbigen Zusammenhalt vom letzten Teil der Gesamtgeschichte, kommt dieser trotz gleicher Besetzung und Crew doch recht anders daher. Interessierten sich die Vorgänger überraschend eindringlich für die Psychologie der Figuren und deren Leiden, so wird bei "Spider-Man 3" hauptsächlich auf den Kampf gegen Superschurken geachtet, von denen es gleich drei an der Zahl gibt. Das überfrachtet den Film leider, da er stets darum bemüht ist, jeglichen Hintergrund der jeweiligen Figuren gerecht zu werden. In einem 3-Stunden-Film hätte das vielleicht sogar funktioniert, aber auf 130 Minuten kommen durch diese Hintergrund-Hatz der Tiefgang der eigentlichen Hauptfiguren zu kurz, die man, im Versuch die Situation zu retten, charakterlich zu sehr veränderte. Peter ist ein vom Erfolg geblendeter Egomane geworden, noch bevor er vom Alienparasit befallen wird, was aufgrund mangelnder Heranführung an diesen Charakterstatus unglaubwürdig wirkt. Und so selbstbezogen Mary Jane auch immer charakterisiert war, die Egonummer, die sie hier in der Vorgeschichte zum Besten gibt, ist kaum zu ertragen.

Freilich kommen trotz gegenteiliger Bemühung auch die Superschurken zu kurz. Die meiste Laufzeit nimmt dabei ausgerechnet der Sandmann ein, dem man einen tragischen Hintergrund wie einst Doktor Oktopus beschert, leider, wie bei den Hauptfiguren, jedoch ohne psychologische Stimmigkeit zu beachten. Das Leiden des Sandmanns ist plakativer, oberflächlicher Art, gebadet in den Klischees die zum Spider-Man-Universum dazu gehören. Der krampfhafte Versuch einer CGI-Kreatur eine tragische Mimik untermalt von theatralischem Hintergrund-Sound zu bescheren, wird zu einer der unangenehmsten Szenen in einem Film, der nur noch mit dem Holzhammer daher kommt, anstatt so sanft und leichtfüßig wie die beiden Vorgänger. Es ist das Glück des Streifens, dass er sich in seinen Actionszenen gelungen guckt, womit genau das zum rettenden Element wird, was in den Vorgängern fast schon Nebensache war. Das macht das Ergebnis nicht gleichwertig gelungen, da vieles zu gewollt daher kommt, inklusive der Phase, in welcher Peter billig frisiert zum Egomanen wird, macht aus dem Film aber zumindest eine unterhaltsame Sache, weit unter dem Niveau der Vorgänger.

Erst gegen Ende bekommt "Spider-Man 3" jene Chemie zurück, welche auch die Teile 1 und 2 trotz aller Klischees und Stereotype zu solch wundervollem Popkorn-Kino machte. Hier dürfen nun wieder die Gefühle überbrodeln, und Schicksale ereilen die Hauptfiguren, die durch diese geprägt nun endgültig ins Erwachsenenleben wechseln. Das toll anzusehende Action-Szenario des Finales macht nun verspätet deutlich, warum es wichtig war Spider-Man derartig viele Gegner um die Ohren zu hauen, was ein weiterer Bestandteil dafür ist, dass man aufgrund der letzten halben Stunde so versöhnlich mit einem Film abschließt, der eigentlich viel zu vieles falsch macht. Aber auch diese bessere Phase des Streifens lässt nicht über den Fehler hinweg sehen, dass die Figur des Venom, die zu den interessantesten der Comicvorlage zählt, eine derart geringe Beachtung erhielt, ausgerechnet jene Figur, über deren Präsenz in Filmform sich jeder Fan im Vorfeld gefreut hat. Es sollte 11 Jahre dauern, bis dem Comicfreund mit "Venom" ein würdiger Film vorgesetzt wurde, jedoch frei von der Figur des Spider-Man erzählt.

Dessen Teil 3 ist eine wackelige Angelegenheit, die wie ein Fremdkörper in der eigenen Trilogie wirkt. Ob man trotz aller Schwächen aufgrund der funktionierenden Elemente wohlgesonnen wie ich auf das Werk blickt, oder komplett enttäuscht, hängt wahrscheinlich von den Erwartungen ab und davon, ob man sich für das oberflächliche Tamtam interessieren kann, welches hauptsächlich von funktionierender Action und guten Spezialeffekten lebt. Interessanter Weise ist "Spider-Man 3" genau wegen dieser Haupteckpfeiler eher dem heutigen Marvel-Fan zu empfehlen, der sich lieber an Schauwerten ergötzt, anstatt an einer erzählenswerten Geschichte, als den Bewunderern der ersten beiden "Spider-Man"-Teile. Es ist schon schade, dass man diesen außen vor ließ, um sich einem anderen Publikum anzubiedern.  OFDb

SPIDER-MAN 2 (2004)

Die Figuren sind vorgestellt und vertieft, das Gefühlsdilemma Peters gestreut und am wirken, nun kann Teil 2 auf all dem bauen, was "Spider-Man" vorbereitet und gesät hat. Da bleibt mehr Zeit für den Gegner, der ausführlicher beleuchtet wird, zwar nicht besser besetzt ist als der olle Kobold im Vorgänger, aber die interessantere Figur verkörpert. Dass mir der Dramen-, Komik- und Abenteuerbereich der Geschichten um Spider-Man mehr zusagt als die Kämpfe gegen Superschurken, wurde in meinem Text zum Erstling sicherlich deutlich. Deswegen freut es mich auch so sehr, dass in einem Film, in welchem der Superschurke mehr in den Vordergrund rückt, der Gegner kein reiner Fiesling ist, sondern eine Figur mit dramatischem Hintergrund. Er ist nicht nur eine leidende Figur, sein an Schizophrenie erinnerndes Verhalten, bei dem man nie weiß wie viel Einfluss von den künstlichen Intelligenzen ausgeht und wie weit eine selbstständige psychische Erkrankung mitspielt, ausgelöst durch das Selbstverschulden des Todes der geliebten Ehefrau, macht die Figur ebenfalls zu einem interessanten Gegner.

Parallel zu dieser Geschichte mag Peters Entscheidung nicht mehr Spider-Man sein zu wollen etwas aufgesetzt wirken, (und sein Grund zurückzukehren, nach einer billig manipulierenden Ansprache seiner Tante, wirkt ebenso wenig überzeugend), der Comicstil, in welchen Sam Raimi das Geschehen wieder einmal badet, fängt dieses Klischee jedoch gut ein, ist doch auch die Fortsetzung leichtfüßig und augenzwinkernd erzählt, sich auch nicht zu schade für manche Albernheiten in seinem erhöhten Humoranteil, und so leidet die Stimmung und Qualität des Streifens nicht an solchen Pseudo-Dramaturgien. Zudem punktet die Fortsetzung mit den selben Stärken des Vorgängers, funktioniert die restliche Dramaturgie doch um so besser, sei es die verzweifelte Liebe zu Mary Jane, das Schuldgefühl am Tode Bens, oder Harrys Rachegelüste an Spider-Man, den er für den Mörder seines Vaters hält. Inmitten dieser wundervollen Gefühls-Auf und -Abs zwischen Abenteuer, Traurigkeit und Fröhlichkeit, gesellen sich kompatibel düstere Momente mit ein, die einen daran erinnern, dass der Regisseur einst mit "Tanz der Teufel" und manch anderem Werk, aus der Ecke des Horrorfilms kommt. Fast unauffällig sind solche Momente integriert, beispielsweise wenn wer Unbekanntes auf ein unheimliches Geräusch reagiert, welches sich als Doktor Oktopus entpuppen wird, aber sie sind da, meist um das Grauen um den Bösewicht als Gegenpol zu seiner tragischen Figur stärker zu gewichten.

Somit wurde auch in "Spider-Man 2" alles richtig gemacht, damit er sich gemeinsam mit Teil 1 funktionierend wie eine große Geschichte guckt, so dass Freunde des Vorgängers nichts an der Fortsetzung zu beklagen haben dürften. Eine Ausnahme bietet lediglich manche Ungereimtheit zeitlicher Natur, was aber auch eventuell an der deutschen Synchronisation liegen kann. Laut dieser jammert Mary Jane ihr langjähriger Freund würde nie ihr Stück besuchen, obwohl die beiden erst seit zwei Jahren befreundet sind (zuvor ignorierte sie ihn). Und dass Mary Jane in diesen zwei Jahren gleich ein derartiger Theaterstar geworden ist, der Peter von großen Plakaten aus anguckt, ist auch nicht gerade glaubwürdig. Glücklicher Weise betreffen derartige Fehler lediglich nur Randgebiete der Geschichte, während alles andere durchdacht genug ist, um innerhalb eines kurzweiligen Unterhaltungsfilmes glaubwürdig für gute Laune zu sorgen. Manch einem mag das Ende sauer aufstoßen, meiner Meinung nach atmet diese Schlusssequenz jedoch genau jene Kinomagie, für welche das Popkorn-Kino existiert, vergleichbar mit dem wundervollen Schluss des ersten "Fluch der Karibik", dem "König der Welt"-Moment aus "Titanic" oder dem finalen Off-Kommentar aus "Matrix". "Spider-Man 2" ist eine runde Sache, gerade auch in Zusammenarbeit mit Teil 1, und es wäre, gerade auch aufgrund der Schlusssituation, schön gewesen Teil 3 hätte daran ebenso kompatibel angeknüpft. Leider ist dies nicht passiert.  OFDb

25.01.2020

SPIDER-MAN (2002)

Hätte man mich gefragt, aus dem Kopf heraus hätte ich das Erscheinen des ersten für das Kino produzierten "Spider-Man" auf zwei Jahre zuvor geschätzt. Kein Wunder dass es einem länger vorkommt, folgten ihm doch nach zwei Fortsetzung bereits zwei weitere Neuansätze der Reihe mit bislang vier weiteren Filmen. Ich mag sie fast alle, und auch Sam Raimis Erstling halte ich für eine sehenswerte Angelegenheit. Man mag dem Film vielleicht vorwerfen, dass er nicht gerade mit einer ausgetüftelten Geschichte daher kommt, sondern stattdessen sehr klassisch strukturiert erzählt ist. Das ist meiner Meinung nach jedoch kein Schwachpunkt des Filmes, sondern ganz im Gegenteil die richtige Entscheidung, lebt dieser erste Teil der Trilogie doch u.a. davon überhaupt erstmals ausgereift zeigen zu können, wofür die Kraft Spider-Mans steht. Wie er sich über die Hochhausschluchten schwungvoll hinweg bewegt, gefolgt von einer ebensolch schwungvoll scheinenden Kameraführung, war seinerzeit eine wahre Wucht und weiß noch heute zu gefallen, trotz manch offensichtlicher Computeranimation. Die Schnelligkeit, mit welcher der Held loslegen kann, ist revolutionär genug als Innovation, ordnet sie sich doch nicht den Sehgewohnheiten des Zuschauers unter, stattdessen muss dieser mit dem Tempo und der Fortbewegungsart Spider-Mans optisch mithalten können. Da dient eine inhaltliche klassische Erzählung als eine Art angenehmer Ruhepol und als Möglichkeit trotz aufwändiger neuer Technik klassische Kino-Magie auszustrahlen.

Dass "Spider-Man" auch dies einzufangen vermag, liegt mitunter an einer sympathischen Besetzung in den wichtigsten Rollen und daran, dass es das Drehbuch schafft die vielen Ansätze innerer Zerissenheit des Protagonisten für den Zuschauer mitempfindbar einzubauen, zumal dieser an der Entstehung dieser Gefühlsdilemmas teilnimmt. Peter Parker ist kein hohles Gefäß, wie uns die klassische Strukturierung der Figuren innerhalb der Durchschnitts-Geschichte zunächst vermuten lässt. Sein Doppelleben findet innen, wie außen statt. Freunden und Familie kann er nicht die Wahrheit sagen, Schuld und Verrat lassen ihn leiden. Und seine große Liebe zur Mitschülerin Mary Jane kann er nicht ausleben, da er sein Geheimnis hüten muss, um sie zu schützen. Klassisches Helden-Ehrempfinden trifft auf jugendliche Flappsigkeit, in einer Inszenierung, die Raimi ohnehin nicht frei von Humor umsetzt. So werden Leichtfüßigkeit, nachvollziehbare Emotionen und tolle Spezialeffekte zu einem gut funktionierenden Motor üblicher Geschichtenerzählung, so dass ein aufregender und aufwühlender Wohlfühlfilm entstanden ist, der gerade deshalb so gut ist, weil er Kino nicht neu erfindet, sondern klassisch lebt.

Aufgrund einer recht ausführlichen Durchleuchtung der neuen Fähigkeiten und der damit einhergehenden neuen Lebenssituation Parkers, tut es zudem gut, dass dem Bösewicht nicht übermäßig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Verglichen mit anderen Gegnern Spider-Mans und seiner Konkurrenz, ist der grüne Kobold gar ein richtiger Waschlappen, ein weinerlicher Rächer mit geisteskranker Neigung für Gewaltmomente. Er ist somit ein perfekter Gegner für den Anfang, als Übung für kommende Superschurken. Wirksam ist er jedoch, als einzig nennenswerter Schwachpunkt des Streifens, nicht eingesetzt. Sein Herumgehampel im blöde ausschauenden Anzug erinnert eher an die ollen "Power Rangers" und ihre japanischen Vorbilder, und Willem Dafoes Overacting fand ich auch eher lästig, anstatt den Comic-Charakter des Filmes unterstützend. Zumindest sind die Kampfsequenzen zwischen beiden recht ordentlich umgesetzt, und die soziale Dynamik, die ihre Feindschaft in die Gänge bringt, unterstützt "Spider-Man" wieder an der richtigen Stelle, nämlich im Herzen des Streifens, in der Gefühlswelt der Figuren. So darf der Film auch in den schwächeren Momenten von dieser zehren. Der Herzschmerzbereich und die Komik des Entdeckens der neuen Fähigkeiten, sowie das abenteuerliche Verbrecherjagen, gehören ohnehin zu den wahren Höhepunkten und Wichtigkeiten der Geschichte, nicht der Konflikt mit dem Gegner. Der wird eingebaut, weil sich das so gehört und weil er uns aufregende Momente beschert. Am Ende bleiben jedoch eher Momente, wie der legendäre Kopfüber-Kuss, in Erinnerung, oder die unglaublich traurige und mitreißende Schluss-Szene am Friedhof - eben die großen Gefühle, anstatt die Action - im besten Fall bei genügend kindlichem Gemüt aber auch beides.  OFDb

31.07.2017

DAYBREAKERS (2009)

„Daybreakers“ versteht sich in Bezug auf die in der Zukunft entstandenen Vampirgesellschaft als Satire auf das gegenwärtige Leben der US-Amerikaner. Das weiß mit einigen Seitenhieben auch zu funktionieren, dennoch ist es schade, dass man sich aufgrund dessen nicht die Mühe gemacht hat sich in die Struktur einer zukünftigen Vampirwelt hineinzudenken, anstatt lediglich das wirkliche Leben leicht abzuändern. Vieles erscheint sinnlos, weil Vampire es nicht für ihre Zivilisation benötigen würden, zudem wirkt der fehlende Versuch einfallslos, eben weil die Wünsche, Bedürfnisse und das Regelempfinden, bzw. ohnehin die Psyche eines Vampirs nicht bedacht wurde. Man hat sich nicht in die Blutsauger hineinversetzt und stattdessen Vampireigenschaften in das Alltagsleben der Amerikaner integriert.

Aufgrund der mangelnden Empathie ist es dementsprechend gar nicht schlecht, dass uns als Identifikationsfigur ein Vampir präsentiert wird, der ungern ein solcher geworden ist und Sympathie zu den letzten Menschen hegt. Das erinnert zwar stark an die Hauptfigur aus „Interview mit einem Vampir“, da „Daybreakers“ aber ohnehin ein munterer Ideendieb ist, der Versatzstücke anderer Filme auf sympathische Art neu zusammensetzt, ist das der Erwähnung jedoch kaum wert.

Etwas dominanter wird hingegen bei „Matrix“ abgekupfert. Auch wenn die Lagerhalle der gehaltenen Stoffwechsel-heruntergefahrenen Menschen eher an jene aus „V - Die außerirdischen Besucher kommen“ erinnert, anstatt an die Kabinen, in denen Menschen als Batterien gehalten wurden, so werden doch hier wie im Wachowski-Film Menschen zur Energiegewinnung gehalten (Blut ist Energie für den Vampirkörper). Zudem gibt es einen weisen Außenseiter, der Anführer einer Rebellengruppe ist und über ein mächtiges Geheimnis verfügt, welches die bisherige Gesellschaftsstruktur auflösen kann und die Menschheit aus ihrer Gefangenschaft befreien kann. Um Teil dessen Bewegung zu werden, muss man sich zwingend einer unangenehmen Prozedur unterwerfen. Nach dieser wird der Kunstblutforscher ebenso wie der Auserwählte Neo zum Erretter der Menschheit, der sich ebenso wie dieser mit einem Off-Kommentar am Ende des Films vom Zuschauer verabschiedet, um von einer kommenden Befreiung zu sprechen - was in „Matrix“ freilich mehr Sinn ergibt als hier, da der Zuschauer weiß kein Vampir zu sein.

Das zeigt deutlich, dass man nicht immer kapiert was man kopiert und sich dementsprechend ein wenig zu sehr einem Zielpublikum anbiedert, anstatt einfach kreativ sein eigenes Ding durchzuziehen. Deswegen hagelt es an allen Ecken und Enden auch an etwas zu bemühten, wenn durch die Verwendung von Pflockharpunen auch alternativ ausgefallenen, Actionszenen. Und freilich darf der für das Mainstreampublikum so obligatorische Soap-Gehalt ebenso wenig fehlen, z.B. im völlig unnötigen Sub-Plot um die rebellische Tochter des mächtigsten Vampirs.

Was sich im vorangegangenem Absatz jedoch extremst negativ liest, wird glücklicher Weise unterhaltsam in den besseren Teil der Geschichte eingefügt, so dass mein Meckern eines auf hohem Niveau ist, weiß das Werk der Regisseure Michael und Peter Spierig an sich doch zu gefallen. Es ist lediglich etwas zu aalglatt ausgefallen, um in ihm mehr zu sehen als die leichte Unterhaltung für zwischendurch. Für diese bietet er jedoch genügend Ideen, Tempo und Sympathie um dran zu bleiben. Ich hätte mir sogar noch eine Fortsetzung gewünscht, schreit der Schluss doch geradezu nach einer. Aber scheinbar war „Daybreakers“ für eine solche nicht erfolgreich genug an den Kinokassen. Zumindest ist es kein solch populärer Film, als dass ihn jeder vom Titel her kennen würde.

Technisch weiß „Daybreakers“ zu überzeugen. In diesem Punkt ist er professionell umgesetzt, ohne all zu teure Tricks verwenden zu müssen. Auch die Besetzung ist geglückt. Gerade Sam Neill in einer ähnlichen Rolle wie seinerzeit in „Jagd auf einen Unsichtbaren“ weiß zu gefallen, spielt der B-Star doch herrlich schurkisch. Und da zudem die Dramaturgie innerhalb eines erzählenswerten Plots stimmt, der einige Storywendungen zu bieten hat, gibt es rein oberflächlich nichts zu meckern. Eine Spur innovativer und durchdachter hätte der Film trotz funktionierendem Unterhaltungswertes und überzeugender Arbeit vor und hinter der Kamera aber zwingend ausfallen müssen, um mehr zu werden als die professionelle Fast Food-Kost zur kurzfristigen Ablenkung vom grauen Alltag.  OFDb

02.08.2016

SHADOW OF THE VAMPIRE (2000)

Vielleicht spricht es nicht unbedingt für die Qualität von „Shadow of the Vampire“, dass er immer dann am beeindruckendsten ausgefallen ist, wenn er in Schwarz/Weiß gehalten sehr exakt den Original „Nosferatu“ zitiert. Aber genau das macht sehr deutlich welchen Meilenstein Murnau in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts geschaffen hat, zählt das stumme Frühwerk doch noch immer zu Recht zu den besten Filmarbeiten die es je zum Thema Vampirismus gegeben hat. Dementsprechend ist der hier besprochene Film von E. Elias Merhige als Verehrung und Verbeugung vor dem Klassiker gedacht, und auch wenn der Regisseur vielleicht manches Mal etwas zu anbetend aus dem Original ein optisches Zitat nach dem nächsten setzt und dabei fast sein eigenes Werk aus den Augen verliert, so weiß seine augenzwinkernde Hommage doch trotzdem zu gefallen.

Interessante Weise wurde das Thema trotz der dazu einladenden Grundlage nicht als Komödie umgesetzt. Verschmitzt ist „Burned to Light“ (Originaltitel) durchaus erzählt, ein unterschwelliger Humor schleicht sich immer wieder fast unsichtbar ein, aber an sich verfolgt der Autor Steven Katz die Idee ernsthaft. Er stellt Murnau als fanatistischen Künstler dar, der bereit ist wirklich alles für eine authentische Umsetzung zu tun, was gerade im Finale deutlich wird, wenn er unbeeindruckt von der Tragödie um ihn herum weiter dreht, auch wenn ein Plan sich vor Schreck abzusichern scheitert, was ihm bei Gelingen eine Art ethische Rückversicherung beim Publikum beschert hätte. Aber hier wird nun endgültig klar dass tatsächlich kein Gewissen und kein Mitgefühl vorhanden ist, eine Gefühlskälte die auch inszenatorisch auffällt, so dass sich das theoretisch vorhandene Genre Drama keineswegs beim Sichten so anfühlt.

Es mag sein dass dies ein eben solcher Inszenierungsfehler ist wie der Eingangs erwähnte, er bringt „Shadow of the Vampire“ jedoch nicht zum scheitern. Vielleicht liegt es daran, dass der von Nicolas Cage produzierte Film von der Spielfreude seiner Darsteller lebt, die es sichtbar mögen übertreiben zu dürfen, an der Dramaturgie des Stoffes liegt es jedenfalls nicht, darf sich doch so ziemlich jede Figur der Geschichte überhaupt nicht weiterentwickeln. Der Film schließt wenn Nosferatu zu Ende gedreht ist. Dafür ob da nun jemand auf das Geheimnis von Schreck stößt oder nicht interessiert sich die Geschichte kein bischen. Und über diese Gleichgültigkeit wird man automatisch an das Spiel Malkovichs und Dafoes gefesselt, die zwei Egomanen spielen, von Trieb, Gier, Visionen und Selbstverliebtheit getrieben, die sich ständig duellieren, so als dürfte man Klaus Kinski und Werner Herzog bei einer ihrer ständigen Kabbeleien zusehen, bis es schließlich zu einem Moment kommen muss, in welchem der eine über den anderen dominiert.

Daraus ergibt sich eine eigene Dynamik, die jeden theoretischen Schwachpunkt des Streifens irrelevant werden lässt, da dieser Motor, gestützt von der Detailtreue zum Originalwerk, dem authentischen Wiedererwecken einer vergangenen Zeit und der charmanten Idee Max Schreck wäre tatsächlich ein Vampir gewesen, „Shadow of the Vampire“ das besondere Etwas beschert. Von einem Meilenstein würde sicherlich niemand sprechen, aber Merhige ist, ob nun durch Zufall oder mit voller Absicht, ein interessanter Film geglückt, der auf ganz andere Art funktioniert als man es erwarten würde. Selbiges gilt für den Handlungsablauf und das tatsächlich vorgelegte Genre.

Denn wie bereits erwähnt hätte man eigentlich eine Komödie erwartet, zumal es die Verantwortlichen des Streifens lieben diverse Szenen des Originals dem Umstand zuzuschreiben, dass ein Vampir beim Dreh unkontrollierbar ist und die besten Momente aus „Nosferatu“ improvisiert abgefilmt wurden, da sich der Blutsauger nicht an Vereinbarungen hielt. Humorlose Menschen würden dies sicherlich nicht als Verbeugung vor Murnaus Talent betrachten, gerade in Anbetracht dessen dass er zudem charakterlich völlig negativ gezeichnet wird. Aber „Shadow of the Vampire“ will lediglich ein schelmisches Gedankenspiel sein, und da schließt das eine das andere nicht aus.  OFDb