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06.04.2025

Filmtagebuch - Zuletzt gesichtet (8)

Da mir zur Zeit die Motivation üblicher Besprechungen fehlt, möchte ich die letzten Sichtungen zumindest mal mit Kurzkommentaren versehen:

 

Monsters of Man (2020)

"Terminator" trifft auf "Predator" mit einem Hauch "Nummer 5 lebt" in einer actionreichen Chose, die sich dennoch Zeit für die Entwicklung der Geschichte und der Figuren lässt und mit politischen Aussagen zudem vielschichtiger daher kommt, als das Hauptaugenmerk auf Action und Unterhaltung nötig gehabt hätte. Eine überraschende Figurenentwicklung, tolle Effekte und ein reizvolles Roboterdesign unterstützen die Wirkung dieses treu dem üblichen Handlungsmuster folgenden Sehvergnügen.  Wiki

 

Land of Smiles (2016)

Ich fand die Idee eines Found Footage mit einem Horror-Clown im Vorfeld recht reizvoll, weswegen es direkt zu Beginn enttäuschte, es hier lediglich mit einem öden Folterer zu tun zu haben, der zudem ein unsinniges Spiel treibt, dessen Fehlinterpretation der Spieler so idiotisch ist wie der komplette Plot. Der besteht fast nur aus Hinhalten, ohne nennenswerte Sehwerte versehen. Die schlechte Synchro ruiniert nicht viel in diesem uninteressanten Stück Horrorfilm.  OFDb

 

A Cure for Wellness (2016)

Dem später entstandenen "Cuckoo" nicht unähnlich mixt dieser deutsche Horror Kunstkino mit fast schon trashiger Horrorthematik, liefert dabei tolle Bilder und eine handvoll extremer Szenarien, weiß auch in Sachen Figurenzeichnung und Dramaturgie zu gefallen, ist letztendlich aber zu lange in seiner Vorphase zelebriert für einen Film, der das Genre inhaltlich nicht neu erfindet. Man muss also etwas Geduld mitbringen, um diesen liebevoll umgesetzten Streifen entsprechend genießen zu können.  Wiki   


Vanishing Waves (2012)

Eine Art sinnliche Variante von "Project Brainstorm", der sich zwar stark auf den Erotikaspekt seiner Geschichte konzentriert, aber gerade wegen dieser das Abhängigkeitsgefühl einer Person thematisiert bekommt, und dies innerhalb einer bizarren und dennoch wissenschaftlich interessanten Geschichte. Mit der ersten Hälfte habe ich mich ein wenig schwer getan, da sich die Tiefgründigkeit des Stoffes dort noch nicht offen zeigt. Großartige Bilder gibt es hingegen den kompletten Film über zu sehen, und den Rausch, den er entfacht, ist ein Hingucken definitiv trotzdem wert.  Wiki

 

Cobra Kai - Staffel 6 (2024)

Das erste Drittel bietet zu viele dramaturgische Wiederholungen zum Laufzeitstrecken, arbeitet aber charmant mit den bereits bekannten Figuren. Das zweite Drittel kümmert sich zu sehr um das Kinderpublikum, weiß sich aber halbwegs mit interessanten neuen Gegnern und den Tournierwettkämpfen zu retten. Erst im letzten Drittel gewinnt die Serie wieder das Potential der ersten Staffeln und führt die Serie mit jeder Menge Happy Ends zu einem würdigen Schluss, wenn meist auch auf einem simpel gestrickten Drehbuch beruhend.  Wiki  

03.08.2024

THE MIDNGHT SWIM - SCHWESTERN DER NACHT (2014)

Kurze Zeit nach dem Tod ihrer Mutter reisen drei Schwestern in die Heimat, um am Haus am See, in dem sie groß wurden, einiges zu regeln. Um den See, in dem ihre Mutter ertrank, ohne dass ihre Leiche je geborgen wurde, ranken sich Legenden, und nachdem man gemeinsam mit einem einheimischen Kumpel einen Seegeist ruft, geschehen merkwürdige Dinge...

Die Legende der sieben Schwestern...

"The Midnight Swim" (Originaltitel) ist ein als Found Footage eingefangenes Esoterik-Drama, das entsprechend seiner Mentalität dieses Aufnahmeverfahren, das eher für ruckelige Bilder bekannt ist, so ruhig und sanft nutzt, wie ich es so bislang nicht erlebt habe. Sicherlich wird es kurzfristig hektisch, wenn die Schwester, die sämtliche Begebenheiten aufnimmt, sich mit der Kamera in der Hand bewegt, aber selbst derartige Aufnahmen sind seltener Natur. Regisseurin und Autorin Sarah Adina Smith kommt aus dem Kurzfilmbereich und liefert mit diesem Fantasy-angehauchten Drama ihren Langfilm ab, und ein Werk auf dieser Länge will ihr meiner Meinung nach nicht so recht gelingen. Zu stark harrt die Geschichte in der ersten Hälfte auf der Stelle, soll dafür da sein Personen, Ort und Mythen kennenzulernen und zu verinnerlichen, aber trotz des lobenswert empathischen und dialogstarken Fokus blieb mir alles Gezeigte zu distanziert, vielleicht auch weil es mit esoterischen Reizen spielt, und für die bin ich so gut wie nicht empfänglich. Kurze aufpeppende Momente, wie das gemeinsame Drehen einer Gesangssequenz, tun der Monotonie entsprechend gut, zumal derartige wildere Szenen nur einen winzigen Hauch aufgeregter eingefangen sind, so dass die Adjektive, die ich für sie verwende, eigentlich arg übertrieben sind. 

Mir ist bewusst, dass der Film einen hypnotischen Sog entfachen soll, dass deswegen auf Langsamkeit und Ruhe gesetzt wird, und das geht auch insofern in Ordnung, als dass dies professionell eingefangen wird, dem Arthaus-Niveau entspricht, und die Mimen vor der Kamera keine Laien sind. Auch der Kunstaspekt ist Smith wichtig. Zeitrafferaufnahmen wirken ebenso, wie die fast bewegungslosen Nachtaufnahmen (in welcher die inhaltliche Spiegelung zwischen Himmel und Wasser besonders deutlich wird). Der See in Ruhe und bewegungsfreudig unter Windeinfluss wird ebenso gut eingefangen, wie die Unterwasseraufnahmen, die erst ab dem letzten Drittel wichtig für das Geschehen werden. Dieses lebt von Andeutungen, und das wird sich auch mit der Gewissheit nicht ändern, die eintritt, wenn vereinzelte Rätsel gelüftet werden. Somit bleibt der Schluss Interpretationssache, soll einfach nachwirken nach allem was uns theoretisch, wie praktisch erzählt wurde, und das weiß selbst mir als jene Art Zuschauer zu gefallen, die nicht die erwünschte Sogwirkung des Streifens zu spüren bekam. Das letzte Drittel gefiel mir definitiv am besten, aber selbst hier guckte ich alles zu theoretisch aus einer zu großen Distanz heraus. Verständlich, dass der Film entsprechend nicht auf mich wirken konnte, denn "The Midnight Swim - Schwestern der Nacht" ist ein Werk der Sinne, des Fühlens, Spürens und Erlebens, er bietet kaum echten Inhalt, Klarheiten ohnehin so gut wie keine, man soll das Ergebnis quasi verinnerlichen, und ich freue mich für jede Person, der dies geglückt ist. Ich habe nun einmal meine Probleme mit Esoterik, und kann im Bereich der unaufgeregt erzählten Filme eher etwas mit distanzierten und kühlen Werken wie "Hotel", "Die Ausbildung" oder "Wild" anfangen.  OFDb

15.07.2024

DAS OUIJA EXPERIMENT (2011)

Eine Gruppe Bekannter probiert bei einem Treffen ein Ouija-Brett aus. So ganz hält man sich als Amateur der Sache nicht an die Regel, auch bei einem wiederholten Treffen. Und das hat Folgen...

Mit dem Ouija-Brett spielen..

Stilistisch auf Found Footage getrimmt mit der Selbstdreh-Optik und der Schrifteinblendung zu Beginn, wird im Laufe des Films immer deutlicher, dass es sich um Momentaufnahmen handelt, die so nicht nach einem Fund gezeigt werden können, da ein Sichten der Aufnahmen nicht mehr das ablichtet, was die Person, welche die jeweilige Aufnahme tätigte, durch die Kamera gesehen hat. Auch die Schluss-Pointe baut darauf auf. Zudem bricht Autor und Regisseur Israel Luna dieses Aufnahmeverfahren, wenn er im letzten Drittel Hintergründe der Geschehnisse der thematisierten Verstorbenen in klassischem Drehverfahren zeigt. Das ist eine billige Methode, die stilistisch nicht zum Komplettfilm passt, in seiner plumpen Einfachheit jedoch schon. Ob es nun die Geistererscheinungen sind, die nicht getrickst sind, sondern lediglich Darsteller zeigen, oder ob es das zufällige Entdecken der Hintergründe ist, stets macht man es sich zu einfach, stets geht man den simplen Weg. Dass das Drehbuch zudem fehlerhaft ausfällt, da in entscheidenden Momenten nie auf die eingefangenen Aufnahmen zurückgegriffen wird (lange bevor klar ist, dass auf diesen nichts zu sehen ist), oder sich Leute entgegen ihres Charakters oder entgegen der gerade stattfindenden Situation trotzdem filmen, hilft auch nicht gerade dabei, dass ein Werk, welches um Authentizität bemüht ist, sich auch so anfühlt. Selbiges gilt für eine verwendete Blende, sowie Schnitte, die nicht von den anwesenden Personen im gerade stattfindenden Moment getätigt werden konnten. 

Zugute halten kann man dem Streifen aber immerhin, dass er die meist in Found Footage-Filmen aufkommenden, zwischenmenschlichen Streitereien nicht unnötig nebenbei zum Laufzeitstrecken nutzt, wie so viele Vergleichsfilme, sondern zum Motor des Spuks macht, diese Differenzen also in die Ursachen des Spukgeschehens mit einfließen lässt. Auch einige stimmige Momente sind durchaus vorhanden, wenn auch eher für ein leicht zu ängstigendes Publikum, meist hervorgerufen durch den Originalton der jeweiligen Situation, denn auf Hintergrundmusik wird glücklicher Weise verzichtet. Im letzten Drittel häufen sich jedoch zu viele Schwächen, als dass "The Ouija Experiment" (Originaltitel) in diesem Bereich noch ernsthaft punkten könnte. Und schon zuvor steht alles auf wackeligen Beinen, bei all den Fehlern, welche die Figuren machen, so dümmlich wie sie agieren. Mit viel Augenzudrücken ist das Endergebnis dennoch halbwegs passabel ausgefallen, ernst nehmen kann man den Film jedoch nicht. Ich betrachte ihn eher als putzigen Versuch etwas derartiges auf die Beine zu stellen, ein Werk, dem man nicht wirklich böse sein kann, denn hier waren sicherlich weder vor noch hinter der Kamera filmerfahrene Menschen am Werk. In Deutschland ist aus dem Titel mittlerweile eine Fake-Reihe entstanden, vergleichbar mit "American Poltergeist" und Co. Lediglich "Das Ouija Experiment 2" ist eine tatsächliche Fortsetzung von Israel Luna. Der hatte nämlich das Glück, dass 2014 der Kinofilm "Ouija - Spiel nicht mit dem Teufel" zu einer kleinen Berühmtheit wurde, so dass er 2015 in dessen Erfolgswelle die Fortsetzung seines gern vergessenen Streifens anfertigte. Ob er noch einmal bei einem so großzügigen Publikum, wie ich es bin, mit einem blauen Auge davon kommt, zweifel ich jedoch an. Bereits der von mir großzügig bewertete erste Teil dürfte bei den meisten Zuschauern lediglich für Enttäuschungen sorgen.  OFDb

12.07.2024

LAKE MUNGO (2008)

Eine Teenagerin geht in einem See verloren und wird Tage später als Wasserleiche tot aufgefunden. Von da an häufen sich paranormale Phänomene im Umfeld der Familie...

Verbuddelt nach der Selbstbetrachtung...

Als Fake-Doku inszeniert, wird zunächst eine klassische Geistergeschichte erzählt mit Erscheinungen, die letztendlich auch auf Video und Foto festgehalten/entdeckt werden. Das ist eher nüchtern eingefangen, aufgrund der klassisch plumpen Doku-Vorgehensweise, die hier imitiert wird, guckt es sich entsprechend trocken, zumal die Fake-Variante nie augenzwinkernd den unangenehmen Stil derartiger Sendungen aufbricht. Zumindest die Gestalt auf den Bildern verursacht naiven Grusel. Als sich die Geschehnisse eher Richtung True Crime bewegen, beginnt "Paranormal Lake" (Alternativtitel) etwas interessanter zu werden, aber gesteigert bekommt Regisseur Joel Anderson seinen eher dünnen Möchtegern-Grusler nur kurzfristig, da in dem kleinen Personenkosmos, der hier vorgestellt wird, zu viele Leute auf einmal unehrlich waren, die verstorbene Person zu viele Geheimnisse hatte, und die unangenehmsten Wendungen gleich beide Teile dieser Aufzählung beinhalten. Auch dass sich schließlich doch alles als paranormal zu entpuppen scheint, tut dem Stoff nicht gut, der hierzulande auch als "Paranormal Incident" erschienen ist. Letztendlich holt man weder genug aus der Mockumentary-Chose heraus, noch aus der erzählten Geschichte. Anspruchslos kann man "Lake Mungo" mit halber Backe bis zum Schluss sichten, die Wendungen halten einen zumindest halbwegs auf Trab, unterhaltsam ist dieses australische Produkt meiner Meinung nach jedoch nicht. Als klassisch inszenierter Film wäre das Ganze vielleicht etwas interessanter ausgefallen.  OFDb

10.05.2024

HEILSTÄTTEN (2018)

Diverse Influencer, die sich lose kennen, nehmen an einer 24-Stunden-Challenge teil, in welcher man die Nacht in den verlassenen Heilstätten Berlins verbringen muss, in denen es aufgrund der düsteren Vergangenheit vor Ort spuken soll. Mit verschiedenen Arten Kameras am Start müssen die egoistischen Selbstdarsteller sich bald eingestehen mit der gruseligen Situation überfordert zu sein...

Tuberkulose-Lose in Tuberkuloseklinik...

Ambitionierte Filmer jenseits professioneller Erfahrung, die einen historischen Ort nutzen wollten, um einen Spannung erzeugenden Film abzuliefern, diese Idee ging bei Oliver Hummel und Tobias Ibel gewaltig schief, als sie mit "Marienthal - State of Emergency" dachten mittels des reizvollen Ortes eines kurz vor der Schließung stehenden Bunkers ihren finanziellen Erfolg des ebenfalls erbärmlichen "Dark Area" wiederholen zu können. Nicht so dämlich, weit talentierter und mit einer glaubwürdigeren Geschichte versehen, beweist Michael David Pate, dass es durchaus möglich ist unter solchen Umständen etwas Brauchbares abzuliefern. Angesiedelt an der You Tuber-Szene, der er selbst einst angehörte, und mit dessen Prominenz er die akzeptable Komödie "Kartoffelsalat" (sogar unter Mithilfe des prominenten Otto Waalkes) auf die Beine stellte, steigt er innerhalb einer Mentalität ein, die er versteht, da persönlich kennt, nutzt die Szene der Selbstdarsteller satirisch, wie authentisch, und wahrscheinlich funktioniert deshalb auch der Einstieg von "Heilstätten" so wunderbar, obwohl man eigentlich großteils nervigen Figuren bei ihrem grenzdebil anmutenden Hobby zusieht. 

So ist man überraschender Weise bei dieser Ansammlung von jungen Menschen als Zuschauer mitten drin in deren Miteinander, wenn sie als Konkurrenten den unheilvollen Ort erreichen, der im Gegensatz zum Vergleichsfilm tatsächlich Wirkung besitzt. Kritisch war ich, ob es Pate schafft, den eher lustigen Figuren glaubwürdig den Wandel zu ängstlichen Figuren zu bescheren. Doch es gelingt ihm, und dies nicht einmal durch ein besonders kniffliges Vorgehen, sondern wie vom Ur-Found Footage-Horror "The Blair Witch Project" gelernt über den Umweg der Aggressionen und der Hysterie, bis sich die Figuren geistig, wie vom Ort her, verrennen. Diese Unübersichtlichkeit, u.a. verursacht durch verschiedene, parallele Handlungsorte, verschiedene Arten von Kameraaufzeichnungen, sowie verstärkt durch Aufnahmefehler und Aufzeichnungen in totaler Dunkelheit, nutzt er, um auch den Zuschauer zu verwirren, der bald den Überblick verliert und nicht mehr einschätzen kann, wie glaubwürdig das Verhalten der Figuren zu beurteilen ist. Ob gefangen, verletzt, ermordet, verschreckt, welche Möglichkeiten die einzelnen Teilnehmer der Challenge tatsächlich zur Flucht und gegenseitigen Hilfe in der jeweiligen Situation gehabt hätten, lässt sich ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr erschließen. 

Lautes Getöse, anstatt stimmiger Grusel, lassen diese Phase zwar zum Schwachpunkt des Gesamtwerkes werden, aber auch hier bleibt "Heilstätten" stimmig inszeniert und durchaus interessant erzählt. Eine Wendung gegen Ende hat man hinzunehmen, auch wenn da nichts intensiver von der Motivation her erklärt wird. Aber anstatt zu meckern, nimmt man dies als Zuschauer dankend an, denn nun darf man wieder durchblicken, an die Hand genommen von Regie, Drehbuch und einer Figur des Filmes. Eine augenzwinkernde Schlusspointe, die sich selbst nicht zu ernst nimmt, hält man am Ende angekommen zusätzlich parat, gefolgt von einer schönen Kamerafahrt hinaus auf einem Computerbildschirm, der uns das gerade gesehene, per Found Footage als Dokumentarfilm eingefangene, Stück Horrorfilm optisch als Internetvideo präsentiert, welch schöne Idee. Wirkungsreich ist es auch im Rückblick noch einmal die Ankündigungen der jeweiligen Influencer vor der Challenge zu hören, durchdachte und wirkungsreiche Ideen sind in dieser an sich standardmäßigen Spukgeschichte somit also durchaus vorhanden. 

Schön ist auch der geistreiche Verweis, was Internet kann und wofür es wirklich genutzt wird, durch eine der Figuren des Streifens geäußert, die währenddessen ganz direkt den Zuschauer anblickt, der ebenfalls nur aufgrund seiner voyeuristischen Freude an Horrorfilmen eingeschaltet hat. Technisch und darstellerisch mutet das Ergebnis nicht wie ein Amateur- oder waschechter Undergroundfilm an. Pate ist der Schritt zur professionellen Produktion gelungen, zumindest mithilfe des darüber hinweg täuschen könnenden Found Footage-Verfahrens. In einem regulär abgefilmten Streifen müsste er diesen Eindruck noch einmal bestätigen. Für das Ergebnis von "Heilstätten" soll es aber auch egal sein, der ist unterhaltsam ausgefallen, kein großer Wurf seines Genres, aber der angenehme, kleine Horrorfilm für zwischendurch ist er durchaus geworden, zumindest dann, wenn man mit "selbstgedrehter" Wackelkameraoptik etwas anfangen kann.  Wiki

24.04.2024

PARANORMAL ACTIVITY - NEXT OF KIN (2021)

Als Baby wurde Dokumentarfilmerin Margot von ihrer leiblichen Mutter in einer Klinik ausgesetzt, nun nimmt dank eines DNA-Test einer ihrer Verwandten Kontakt zu ihr auf. Es ist ein Amish, und obwohl Kameras in seinem Dorf nicht gern gesehen sind, gestattet man ihr und ihrem Doku-Team innerhalb der Sekte ihren familiären Ursprung zu erforschen. Geräusche aus dem angeblich leer stehenden Zimmer über ihnen und eine per Drohne entdeckte, versteckte Kirche am anderen Ende des Waldes, lassen die Drei allmählich misstrauisch werden, was es mit den Amish hier vor Ort auf sich hat...

Schneesturm im Paradies...

Als sich das alte Konzept mit "Paranormal Activity - Ghost Dimension", aufgrund dessen Unbeliebtheit, scheinbar nicht mehr finanziell zu genüge ausschöpfen ließ, versuchten sich die Produzenten Jason Blum und Oren Peli an einen Neuansatz, der so gar nichts mehr mit der bisherigen Reihe zu tun hat. Wir haben die Aufnahmen im Found Footage-Stil, und im Laufe der Zeit kristallisiert sich auch hier eine Dämonengeschichte heraus, aber das war es auch schon an Übereinstimmungen. Durch die Waldkulisse gepackt in einige stimmige, an "The Blair Witch Project" erinnernde, Aufnahmen, durchbricht man das bisher hauptsächlich in Innenräumen stattfindende Muster der Vorgänger. Und zwei weitere Werke sind aufgrund ihrer Sektenthematik ebenfalls näher am hier zu erlebenden Geschehen orientiert, anstatt an "Paranormal Activity" und seine Fortsetzungen, und das sind "The Sacrament" und "Apocalyptic - Their World Will End". Dass in Neuansätzen einer beliebten, aber tot gerittenen, cineastischen Marke, alles anders ist und nur der Titel erhalten bleibt, ist nichts Neues, darüber kann man denken wie man will, einmal akzeptiert macht der hier präsentierte Neustart zumindest neugierig. 

Sich merkwürdig benehmende, alternativ lebende Menschen, machen im Horror-Genre grundsätzlich misstrauisch, dennoch war ich in meinem Empfinden für das was richtig oder falsch ist, lange Zeit eher an den Gläubigen gebunden, anstatt am Trio, um dessen Nähe zum Publikum man stark bemüht ist. Das eigentlich sympathische Grundmuster dieser kleinen Gruppe moderner Menschen, wird immer wieder durch penetrante Neugierde und Selbstgerechtigkeit durchbrochen, durch mangelnden Respekt vor den Gastgebern und durch das Missachten von Privatsphäre, Grundstücksrecht und vielem mehr. Sich stets im Recht sehende Menschen, die sich nicht an Vereinbarungen und grundlegende soziale Richtlinien halten, kann man nicht als Sympathiefiguren betrachten, erst recht wenn sie bereits vor dem ersten berechtigten Misstrauen derart agieren. Identifikationsfigur bleiben sie freilich dennoch, und dass ihr stets im Halbwissen voreilig stattfindendes Verhalten zur wichtigsten Eigenschaft der arg vorhersehbaren Schlusspointe führen wird, zeigt dass man sich durchaus dieses zwielichtigen Verhaltens bewusst war. Es macht das Mitfiebern mit den Dreien in mancher Phase jedoch unglaublich schwierig. 

Im Finale ist man dennoch dicht dran am Empfinden der in Panik agierenden Helden, zu einer Zeit wo das gefürchtete Gewackel des Found Footage-Stil nun überhand nehmen darf und uns trotzdem faszinierende Aufnahmen liefert. In der langen Phase zuvor wurde hingegen recht wenig für diese Art Kameraaufnahmen gewackelt. Außerdem lässt sich positiv hervorheben, dass "Paranormal Activity 7" (Alternativtitel) weit unaufgeregter erzählt ist, als der überraschend gut funktionierende, laute, ständig auf Spezialeffekte setzende, Vorgänger. Man geht also wieder einen Schritt zurück, setzt auf subtilen Grusel, auf das Entfalten von Charakteren und Situationen, und dementsprechend viel Geduld muss der Zuschauer aufbringen, bevor etwas Genre-spezifisches passiert. Ich persönlich hatte damit kein Problem, das Geschehen weiß stets zu interessieren, mehr sogar als im eingeweihten Zustand der letzten halben Stunde. Jedoch fiel mir auch in der besseren Phase auf, dass wir viel zu dicht an den Protagonisten dran sind, und der Alltag der Amish viel zu kurz kommt. Da aus einer Grundlage mit viel Potential, trotz wenig innovativer Aufhänger, letztendlich aber doch eine zu austauschbare Geschichte wird und sich in der späten Phase das Angstgefühl des Trios nicht auf den Zuschauer überträgt, ist "Paranormal Activity - Next of Kin", der bislang letzte Beitrag der Reihe, für meinen Geschmack etwas zu unbefriedigend ausgefallen, als dass ich mit Wohlwollen auf ihn zurückblicke. Was bleibt sind zumindest interessante Aufnahmen in ungemütlicher Schneeatmosphäre, einige, wenige Überraschungen im sonst zu erwartenden Plot, und eine Geduld in der ersten Filmhälfte, die ruhig wieder öfter Fuß im Mainstream-Kino heutiger Tage fassen könnte.  OFDb

23.04.2024

PARANORMAL ACTIVITY - GHOST DIMENSION (2015)

Als sein Bruder zu Besuch kommt, entdeckt ein Familienvater im Haus einen Karton mit Videobändern und einer ungewöhnlichen Videokamera, wie sie nicht im Netz zu finden ist. Schnell finden sie heraus, dass damit im Haus merkwürdige Phänomene zu sehen und aufzunehmen sind. Die Ehefrau hält dies für eine der typischen Spielereien, die aufkommen, wenn die beiden erwachsenen Brüder aufeinander treffen. Als die beobachtete Präsenz jedoch immer stärker wird und es scheinbar auf die kleine Tochter abgesehen hat, beginnen alle Erwachsenen sich Sorgen zu machen...

Beobachten und zurück beobachtet werden...

Er ist lauter als alle anderen Teile der Reihe, er baut wesentlich mehr auf Spezialeffekte, anstatt auf subtilen Grusel, und doch ist es Regisseur Gregory Plotkin ("Hell Fest"), zusammen mit den üblichen Produzenten und einer kleinen Gruppe von Autoren und Ideengebern gelungen die meiner Meinung nach bislang beste Fortsetzung des äußerst gruseligen "Paranormal Activity" abzuliefern. Ob es sich hierbei nun um Teil 5 oder 6 handelt, lässt sich schwer sagen, war "Paranormal Activity - Die Gezeichneten" doch eher ein alternativer Ableger der eigentlichen Reihe, und baut die hier besprochene Fortsetzung doch nun wieder auf den Hebammenkult auf, den "Paranormal Activity 4" nach einigen Andeutungen in "Paranormal Activity 3" präzisierte. Interessanter Weise kann man "Paranormal Activity 5" (Alternativtitel) durchaus trotzdem ohne Vorkenntnisse jeglichen anderen Teils gucken, setzt er doch durch das Nichtwissen und Erforschen der Protagonisten so an, dass man gemeinsam entdecken kann, was es zu entdecken gibt, und wird besagter Kult, der in den Vorgängern etwas zu sehr aufgebauscht wurde, doch nur erwähnt und ist nicht zwingend wichtig für die paranormalen Ereignisse in diesem Kapitel. 

Und die haben es in sich, sowohl visuell im CGI-Verfahren umgesetzt, als auch vom Spannungspotential her. Vereinzelt gibt es funktionierende Schockszenen, die Effekte werden Teil der beängstigenden Elemente, ein hoher Spannungsbogen ist somit durchaus gegeben. Wirklich gruselig, so wie einst Teil 1, ist er aber dann doch nicht ausgefallen, zumindest nicht in dieser Konsequenz. Allerdings hängt dies auch stark vom Zuschauer ab, leicht zu beängstigende Menschen werden es natürlich anders sehen. Soll aber auch egal sein, weil das Funktionieren von "Paranormal Activity: Ghost Dimension" nicht zwingend davon abhängt, so interessant wie er seine Geschichte erzählt - und dies freilich erneut im Found Footage-Verfahren, dennoch wesentlich wackelfreier als erwartet abgefilmt, und trotz dem Verwenden von vier Kameras immer mitten im Geschehen drin, anstatt zu distanziert, wie seinerzeit in "Paranormal Activity 2" geschehen. Auch die Figurennähe ist endlich wieder gegeben, da man sich vor der Kamera angenehm menschlich verhält. Der Sinn des Weiterfilmens ist meist gegeben, wird somit auch nicht zur Schwäche wie in manch anderer Werke dieser Art Drehverfahren, und selbiges gilt für den Ton, der nur auf jene Geräusche der tatsächlichen Momente baut, anstatt mit Hintergrundmusik oder ähnlichem verwässert zu werden. Manche Schnitte zur Beschleunigung wären nicht nötig gewesen und sind nur ein Eingeständnis an das unkonzentrierte Publikum, insgesamt lässt man sich jedoch die nötige Zeit zur Entfaltung der Bedrohung, während sich die Gesamtgeschichte zügig erzählt anfühlt.

Ob es nachvollziehbar ist, im besagten Haus wohnen zu bleiben, bzw. das Kind in dem Zimmer zu lassen, nur weil ein herbeigerufener Experte, so wie in Teil 1, noch einmal bestätigt, dass derartige Erscheinungen sich Personen und nicht Orte aussuchen, sei einmal dahingestellt. Und auch die anfängliche Skepsis der Ehefrau, mag nicht zum glaubwürdigen Teil des Szenarios gehören, bei all den Beweisen die aufgenommen wurden und all den Zufällen die aufkommen, wenn die Brüder sich die gefundenen Bänder von einst angucken. Es gibt also Abstriche, die diesen fünften oder sechsten Teil in seiner Wirkung etwas einschränken. Und dass ein Film dieser Art geradezu typisch endet, wie Found Footage meistens endet, kann dem Sichten, je nachdem wie kritisch das Publikum ist, eine Sinnlosigkeit oder Belanglosigkeit attestieren. Ich finde jedoch, dass derart viel dazwischen passiert und packend, da nah am Empfinden der Figuren inszeniert, erzählt ist, dass ich auch dieses übliche Manko gerne in Kauf nehme. Nennt es Wohlwollen, aber wenn ich bedenke auf welch simplen Niveau die tauglichen Fortsetzungen funktioniert haben, und wie schwach und mau die ein oder andere war, hat man es in "Paranormal Activity: Ghost Dimension" endlich mal wieder geschafft, etwas Packendes auf die Beine zu stellen. Die Genialität des ersten habe ich hier ohnehin nicht mehr erwartet.  Wiki

31.12.2023

AMERICAN POLTERGEIST 3 (2015)

Wie arg konstruiert die Mogelpackung-Reihe der "American Poltergeist"-Filme zusammengesetzt wurde, macht ganz besonders ein Blick auf den angeblichen dritten Teil deutlich, der zwar lange Zeit den Eindruck hinterlässt eine Spukgeschichte zu erzählen (wenn auch auf besonders öde und ereignislose Art), sich Richtung Auflösung jedoch eher dem Science Fiction-Bereich zugehörig entpuppt und mit Spuk, wie der Titel suggeriert, somit überhaupt nichts zu tun hat. Sicherlich fragte man sich vor der Auflösung, warum sich das Videoprojekt des Protagonisten um Himmelskörper dreht, die sich seiner Theorie nach als übernatürliches Phänomen entpuppen könnten, wenn er doch nur sich, seine neue Ehefrau, den mies gelaunten Farmer, bei dem man nun wohnt und ansonsten nur den Innenbereich des Hauses mit allerhand installierten Kameras abfilmt. Was hat das mit Himmelskörpern zu tun? Nun, das erfahren wir zwar am Schluss, aber da unser Held völlig ahnungslos war, macht es dennoch keinen Sinn die Kameras dort zu platzieren, wo er es tat. Nun ist aber ohnehin der komplette Streifen unsinniger Natur, damit angefangen im Gegensatz zu den beiden Vorgängern ein Found Footage zu sein, nur um in der ersten Nacht, in der theoretisch nun alles losgehen sollte, von diesem Konzept wieder abzuweichen, dabei zwar oft eine ähnliche Kameraführung wie bei Found Footage zu präsentieren, nur dass da niemand vor Ort ist, der die Kamera innerhalb der Geschichte halten könnte. 

In einem Mix aus Found Footage, klassisch abgefilmtem Horror und Found Footage-Aufnahmen ohne dritter anwesender Figur, muss man sich von nun an mit so hoch gruseligen Momenten wie einem wackelnden Kronleuchter, einem wunderlichen Mitbewohner (aus der Sicht von Tunnelblickdenkern), so wie selbstständig öffnenden und schließenden (Kühlschrank)Türen abfinden, von denen sich Produzentin, Autorin und Regisseurin Susannah O'Brien erhofft, dass allein der Anblick dieser Momente automatisch einen Spannungsmoment erzeugen würde. Nein, auch durch Auslassen einer Hintergrundmusik wird ein in der Stille stillos abgefilmes Ereignis dieser Art noch lange kein Gruselmoment, erst recht innerhalb eines unglaubwürdigen Szenarios. Die Darsteller überzeugen so wenig, wie sämtliche noch so schlichte Alltagssituationen. Ewiges Hinhalten steht bei 80 Minuten auf dem Programm. Und dass man sich bei gerade einmal drei Figuren noch vor der Hälfte der Laufzeit von einer davon verabschiedet, und dies weit weniger mysteriös als gewollt thematisiert, tut einem solch monotonen, ereignislosen Streifen erst recht nicht gut. Ich gehe aufgrund der Kostengünstigkeit dieser "Produktion" mal davon aus, dass die Besucher in der Auflösung aus anderem Filmmaterial entliehen wurden, sehen diese doch ganz okay aus. Und ganz okay ist in der Welt von "Encounter" (Originaltitel) bereits ein Quantensprung vom Rest. Im Gegensatz zu den Regisseuren der ersten beiden Filme dieser konstruierten Reihe, erlaubte es sich O'Brien ein weiteres Mal tätig zu werden und schob ein Jahr später den Science Fiction-Horror "The Doll" nach. Den Weg nach Deutschland hat es dieses Produkt bislang jedoch nicht geschafft. Im Gegensatz zu dem, was im deutschen Vorspann steht, bekam der hier besprochene Streifen bei seiner DVD-Veröffentlichung auf dem Cover anbei noch den Beititel "Sie werden nicht ohne Dich gehen" beschert.  OFDb

29.11.2023

DEADSTREAM (2022)

Den Bereich der Mockumentary und des Found Footage (auch wenn's im Beispiel hier kein gefundenes Material ist) auf einen Influencer anzuwenden, ist gerade im Bereich der Komödie eine hervorragende Idee, so sehr wie dieser Bereich von Selbstdarstellern lebt, die den idealen Antihelden verkörpern können. Gut besetzt übernimmt dies hier Joseph Winter als Shawn, der in der Öffentlichkeit mit einem aneckenden Video negativ aufgefallen ist und nun auf den Sattel des Erfolgs wieder aufspringen möchte. Also untersucht er in Eigenregie und völlig auf sich gestellt ein Spukhaus, obwohl er ein großer Angsthase ist. Allein diese Charakterzeichnung sorgt für jede Menge lauten Humor, der Gefahr laufen könnte auf die Nerven zu gehen - was er jedoch nie tut. Denn "Deadstream" erweist sich als einfallsreich und pointiert erzählt und lässt den Protagonisten auf "Tanz der Teufel 2"-Art, wenn auch schauspielerisch nicht so gut überzeugen könnend wie Bruce Campbell, allein im Waldhaus gegen Spuk kämpfen, lediglich durch das Internet im Chatkontakt mit Fans und Hatern verbunden, die manches Mal auch per Videobotschaft wertvolle Informationen für Shawn bereit halten. 
 
Dass der Streifen nun nicht das Überwerk für mich geworden ist, mag am Alter liegen, keine Ahnung, denn ich war während des Sichtens davon überzeugt, dass das Werk des Regie-Duos Joseph und Vanessa Winter in jüngeren Jahren definitiv ein Kultfilm für mich geworden wäre. Verspielte Härte trifft auf Slapstick (ohne dabei lediglich auf den ollen Splatstick eines "Braindead" zu setzen), handgemachte Effekte wissen zu gefallen, Proletenhumor trifft auf geglückte Situationskomik, handgemachte Effekte und kreativ gefertigte Kreaturen verfeinern den optischen Sehwert, und ein Hauch Mediensatire ist freilich auch mit an Bord. Was an "Deadstream" aber so richtig zu überraschen weiß, ist dass er es trotz des Schwerpunktes Komödie seiner Horror-Komödien-Existenz schafft, zwischendurch immer wieder einen Hauch Grusel-Feeling zu versprühen. Das muss man inmitten des lauten, wilden, auf grobe Situationen setzenden Humors erst einmal schaffen. Es ist aber auch genau jener wilde Ritt, meist frei subtiler Elemente, der heutzutage dafür sorgt, dass ich mich gut unterhalten gefühlt habe, in diesem wundervollen Ergebnis jedoch trotzdem keine große Empfehlung entdecke. Aufgrund seines gelungenen Party-Faktors wird der Film aber definitiv irgendwann noch einmal erneut von mir gesichtet.  OFDb

13.05.2023

THE ENTITY (2015)

Mit dem Found Footage-Verfahren kann man unglaublich gruselige Momente zaubern, wie "[Rec]", "The Blair Witch Project", "Paranormal Activity" und selbst "Das St. Francisville Experiment" bewiesen haben. Auch Eduardo Schuldt, ein Regisseur für Animationsfilme aus Peru, der mit "The Entity" seinen bislang einzigen Realfilm abgeliefert hat, schafft dies, und dies nicht nur dann wenn ein Handlungsort, wie ein Friedhof bei Nacht, ihn dabei als Selbstläufer unterstützt, auch Szenarien die er kreiert weisen diese Wirkung auf. Das zieht einen immer wieder in den Bann einer an sich schlichten Geschichte und macht neugierig auf das was kommt, insbesondere in den gerade stattfindenden Momenten. Wenn man bedenkt wie billig der Streifen synchronisiert ist, ist das schon ein kleines Wunder. Leider beherrscht Schuldt dafür manch andere Zutaten nicht so gut. Als Mitautor neben Sandro Ventura gelingt es ihm weder zu Beginn, noch am Ende, geschweige denn zwischendurch die Motivationen der Figuren für ihre Handlungen sinnvoll, oder zumindest nachvollziehbar erscheinen zu lassen. Das lässt den Plot zu konstruiert ausfallen, womit die Geschichte und die Figuren ihre Natürlichkeit verlieren, ein Element welches für Found Footage unglaublich wichtig ist. Die Fortschritte in den Nachforschungen sind zu sprunghaft, die Zufälle zu groß und der Einfluss einer bestimmten Person ebenso, als dass man das, was Schuldt uns als überraschende Wendung am Schluss präsentieren möchte, nicht längst erwartet hätte. Und auch hier, die Motivation besagter Person bleibt unklar. So wird man immer wieder aus einem stimmungsvollen Film herausgerissen, der es sogar schafft während der effektvollen Momente zu unterhalten. Oftmals leben Werke wie diese vom Ungewissen und schwächeln dann, wenn etwas konkret passiert. So stark mancher Moment auch ist und so wohlig man sich zwischendurch gruselt, die Geschichte fällt konfuser aus, als sie sein müsste, und die Figuren handeln nicht nachvollziehbar, was ebenfalls manchen Wandel im Charakter betrifft. Und so ist "The Entity - Sieh. Nicht. Hin." (Alternativtitel), der im Original "La Entidad" heißt, trotz starker Momente und stimmiger Grundatmosphäre, doch nur unterdurchschnittlich ausgefallen.  OFDb

21.02.2023

AREA 407 (2012)

Die meisten Found Footage-Filme handeln davon wie jemand etwas erforschen möchte, so dass wir wissen mit welchem Phänomen wir es im Laufe der Handlung zu tun bekommen. In "Area 407" rutschen die Figuren versehentlich in ein Abenteuer, und wäre nicht das DVD-Cover, wir wüssten lange Zeit nicht worum es geht. Die Regisseure Dale Fabrigar, welcher die Story mit entwickelte, und Everette Wallin schaffen es tatsächlich Neugierde zu entfachen und lange Zeit dem Zuschauer des Rätsels Lösung vorzuenthalten. Winzige Informationen, schlecht erkennbare Aufnahmen, die Protagonisten und Randfiguren haben keine Ahnung und eigentlich auch anderes im Sinn, sind sie doch schon ohne die Bedrohung in Not, als Überlebende eines Flugzeugabsturzes. Selbst der ist mit simplen Mitteln effektiv eingefangen, nachdem man im netten Smalltalk schon einmal drei der Personen persönlich kennen lernt und manch andere per Beobachtung. Die Identifikation, und damit eines der wichtigsten Elemente eines Found Footage, funktioniert somit, und so kann man mit der Gruppe genügend mitfiebern. 

Etwas mehr Innovation hätte "Tape 407" (Originaltitel) dann aber schon beinhalten können, grast er letztendlich doch den Standard dieser Art Erzählung ab. Hin und wieder überrascht er mit dem Ableben Unerwarteter, und nicht jede Figur ist von Anfang bis Ende in jenem Klischee gefangen, welches sie zunächst verkörpert. Aber die Horrorgeschichte selbst entwickelt sich zu sehr nach Schema F, zwar glücklicher Weise minimalistisch gehalten, gerade was die Kreatur betrifft, aber doch zu bekannt präsentiert, als dass "Area 407" zum kleinen Tipp für zwischendurch wird. Ein angedeutetes Geheimnis, welches die Hintergründe offenbare würde, wird nicht weiter vertieft. Die finale Tat ist hart, aber ebenso wenig überraschend ausgefallen. Weiter geht es thematisch im ein Jahr später erschienen "Area 407: Part Two", in welchem die Darstellerin Abigail Schrader zurück kehrt, inszeniert von einem anderen Regisseur und in Deutschland bislang nicht erschienen. Ob man darin mehr erfährt und ob dies überhaupt nötig ist, kann ich als Nichtkenner des Streifens nicht beurteilen. Teil 1 ist zumindest 08/15-Unterhaltung, nicht ohne Reiz, eben weil die Figuren zu funktionieren wissen, aber eben doch nicht wirklich der Rede wert.  OFDb

12.02.2023

APOCALYPTIC - THEIR WORLD WILL END (2014)

Ein Jahr nach "The Sacrament" widmet sich Australierin Glenn Triggs ebenfalls der Sektenthematik per Horror im Found Footage-Verfahren, zeigt uns aber eine andere Art Sekte. Ebenso wie West setzt Glenn auf das Unbehagen unter der Oberfläche einer glücklich scheinenden Gemeinde. Warum das Reporterteam willkommen ist, wird nicht ganz klar, auch die Abwesenheit der Männer der Gemeinschaft scheint zunächst keinen Sinn zu ergeben, doch das ändert sich, wenn man allmählich erfährt woran die Gemeinde glaubt. Zusätzlich zur ohnehin schon entrückten, sich selbst aufgebenden Gottesgläubigkeit und einiger Rituale, welche das Team als Zeuge beiwohnend an ethische Grenzen bringt, erschüttert der immer stärker angedeutete Pädophilie-Aspekt, der trotzdem nie zum Zentrum der Geschichte wird. Dank der hervorragenden Besetzung des Sektenführers wirkt dieser Themenbereich umso unangenehmer, so väterlich sich dieser unangenehme Mensch gibt. Das Einmischen der Fremdlinge wird zu einem stärkeren Element, als es im Vergleichsfilm der Fall war. Hier bekommen Menschen Chancen der gleichen Finalsituation wie dort zu entgehen, denn "Apocalyptic" setzt auf eine andere Schlussidee als dieser, sogar auf eine sehr geglückte, die aber nur als unglaublich kurz gehaltene Andeutung ihren Platz findet und abrupt vom Abspann unterbrochen wird, schade. "Raw Feed" ging diesbezüglich konsequenter vor. Ohnehin ist "Apocalyptic" in mehreren Punkten nicht konsequent genug umgesetzt und lässt einen, ebenso wie das Konkurrenzprodukt von West, etwas unbefriedigt zurück. Dank eines Einblicks in eine wunderliche Szene und des Unbehagens, welches der Film zu entfachen vermag, ist er dennoch einen Blick wert, sofern man nicht zu viel erwartet.  OFDb

THE SACRAMENT (2013)

Ti West, ein Regisseur der unter manchen Cineasten als Geheimtipp gehandelt wird und meiner Meinung nach mit "TheRoost" seinen bislang besten Beitrag abgeliefert hat, bereichert das Horrorgenre meist auf ruhige Retro-Art. Da darf es schon überraschen, dass er sich für seine Sektenthematik den Bereich des Found Footage ausgesucht hat, ein eher moderner Bereich, der mit seiner Wackeloptik nicht gerade für Ruhe steht. In den Händen Wests ändert dies jedoch nichts am langsamen, bedachten Voranschreiten einer schlichten Geschichte. West setzt auf das unangenehme Unterschwellige, das unter der Fassade glücklicher, scheinbar freiwilliger Außenseiter brodelt, und die Wirkung des Streifens gibt ihm recht. Stets schwebt ein unbehagliches Gefühl über den Dingen, während wir einer entrückten Kultur zusehen, deren selbstverständlicher Alltag auf uns bizarr und wundersam wirkt. Und der Trumpf einer hervorragend wirkenden Besetzung als Sektenführer, sorgt für das gewisse Etwas, gerade in jener Szene, in welcher er sich angeblich ganz offen dem Fernsehteam per Interview stellt. 

Leider gelingt es West in seiner Zweitfunktion als Autor des Projekts nicht, den Wendepunkt psychologisch glaubwürdig vorzubereiten, der das Finale einleitet. Das kommt ruppig daher, fühlt sich unnötig und überhastet auf Seiten der Sekte an. Diese Herangehensweise verstärkt das Überrumpeln der Gläubigen, die von einem Moment auf den anderen etwas umsetzen müssen, für das sie dachten bereit zu sein, ich verstehe warum West das Element der spontanen Entscheidung wählt. Der Auslöser hierfür hätte jedoch ein anderer sein müssen, bzw. der Vorwurf gegen die Dokumentarfilmer hätte ein konsequenterer sein müssen. Trotz dieses Bruchs in der Erzählung schafft es West die Dramatik hinter den Finalgeschehnissen gekonnt aufzufangen. Hier muss man schockierenden Taten beiwohnen, wenn auch nicht in harten Bildern eingetaucht. Der psychologische Schock hat zu reichen, es werden keine auffälligen Spezialeffekte benötigt. Ein zu plötzlicher Schluss und das Mitziehen des Sektenführers lassen die Geschichte leider nicht befriedigend enden. Auch wenn "The Sacrament" von einer entrückten Alternativkultur handelt, die man nicht, bzw. schwer begreifen kann, so wird das Nichtverstehen der Tat des Anführers meiner Meinung nach zu einem Fehler. Zumindest konnte ich seine Motivation weder diesbezüglich verstehen, noch warum er dann überhaupt Sektengründer wurde.  OFDb

27.03.2022

CAMP BLOOD 3 - FIRST SLAUGHTER (2014)

Die ersten zwei "Camp Blood"-Filme sind in Deutschland nicht gerade beliebt, wenn man sich im Internet so umschaut, dabei sind sie bei der richtigen Betrachtungsweise eigentlich sympathische Amateurfilme, die dadurch auffallen, dass sich in diesem Bereich, trotz der "Freitag der 13."-Thematik, einmal nicht extrem auf die Goreeffekte konzentriert wurde, sondern Regisseur Brad Sykes lediglich jeweils einen schlicht heruntergekurbelten Slasher mit Mörderrate-Thematik und mystischem Touch abliefern wollte. Dies freilich in Sachen Inszenierung und Logik sehr fehlerhaft inszeniert, aber eben nicht ohne Charme. Als der hier besprochene Film seinerzeit in den USA als "Camp Blood - First Slaughter" erschien, wunderte ich mich über einen so spät nachgerückten und von jemand anders inszenierten vierten Teil. Wirklich wunderlich wurde die Sache jedoch, als "Camp Blood 4" zwei Jahre später auf der Bildfläche erschien, wurde der Streifen doch somit zu einem Teil 3 der Reihe, und den gab es (in Deutschland nie erschienen) eigentlich schon im Jahr 2005 unter dem Titel "Within the Woods" und zudem noch vom Regisseur der ersten beiden Teile inszeniert. Der Titel-Wirrwarr der mittlerweile zur Endlosreihe umfunktionierten Filme wiederholte sich bei den Titeln "Ghost of Camp Blood", der eigentlich (den Original Teil 3 ignorierend) Teil 8 wäre, zwei Jahre später jedoch einen "Camp Blood 8" an die Seite gestellt bekam. Vielleicht erklärt sich das ganze Chaos aber auch dadurch, dass die zwei Filme, welche die Desorientierung verursachen, vom selben Regisseur inszeniert sind und somit doch nicht offiziell zur Reihe gehören. Lediglich Namensvetter sind sie jedoch auch nicht, da es auch hier wieder um einen Killerclown im Wald geht, und "Camp Blood - First Slaughter" inhaltlich sogar ganz direkt auf den Vorgängern aufbaut (samt Rückblicke). Von fehlenden Lizenzen kann man sicherlich auch nicht reden, war die Reihe doch von Anfang an in Amateur-Händen, und in solche haben sie hier, ebenso wie hinterher, auch gewechselt, als andere anstatt Sykes das Ruder übernahmen. Vom hier besprochenen Film an blieb kein Amateurfilmer der Reihe bislang länger als zwei Filme treu. Ich wüsste mal gerne, ob die ganzen (sich scheinbar nicht richtig absprechenden) Regisseure der Reihe sich Amateurfilmszene-mäßig untereinander kumpelhaft kennen, oder warum sich trotzdem so viele Vieldrehrer im Hobbybereich plötzlich (etliche Jahre nach "Within the Woods") für die Killerclowns Sykes' interessieren. Es ist untypisch für den Amateurfilm-Bereich, dass so vorgegangen wird, zumindest in dieser inflationären Wechselhaftigkeit.

Einen Reiz die Reihe zu verfolgen lag für mich bislang darin zu beobachten, wie Sykes unterhaltsames, fehlerhaftes Selbstgedrehtes ablieferte, ohne je handwerklich dazuzulernen. Dieser Aspekt geht beim Regisseurwechsel nun freilich flöten. Mark Polenia brachte zum damaligen Zeitpunkt 28 Jahre Amateur-Regisseur-Erfahrung mit an Bord und ist verantwortlich für solch spannend klingende Titel wie "Sharkenstein", "Splatter Farm" und "Bigfoot vs. Zombies". Mit Blick auf diese mittlerweile auf mindestens 40 Werke angewachsene Schaffenskraft kann man bezüglich "Camp Blood 3" (Alternativtitel) zumindest, ohne ein weiteres Werk von ihm gesehen zu haben, bemerken, dass sein Können scheinbar ebenso wenig durch Übung gesteigert wurde, wie es beim Gründer der Reihe der Fall war. Der Streifen kommt ebenso stümperhaft (typisch Sinnlos-Amateur-Fan-Film) inszeniert daher wie die Vorgänger, auf die sich der Film bezieht, spult ebenso innovationslos das übliche Programm ab und will diesmal lediglich mit dem Aufhänger reizen, dass es diesmal überraschender Weise dem Killerclown zu Beginn ans Leder geht, weil etwas noch Mächtigeres im Wald umgeht. Dass es sich bei dieser Bedrohung lediglich um wen anders Maskierten handelt, dessen Identität im Finale gelüftet wird und somit lediglich menschlicher Natur ist (nein, kein Spoilder, das ist von Anfang an offensichtlich), wird zumindest nicht zum Widerspruch zum zuvor Erwähnten aufgrund der gewählten Person, die als Mörder entlarvt wird. Aber die Chance eines tatsächlichen Kurswechsels der Reihe wird damit natürlich vertan. Darüber bin ich nicht wirklich enttäuscht, ist es mir doch lieber dass es thematisch in Zukunft so weiter geht wie bisher, mit Blick auf die Ambitionen Polonias hinterlässt diese Vorgehensweise jedoch Verwirrung. Man fragt sich: was will der Mann überhaupt? Das betrifft aber auch die restliche Vorgehensweise, die selbst für einen harmlosen Sinnlos-Film wie diesem ziemlich desorientiert und unüberlegt daher kommt. Da kommt es nach etwa 40 Minuten Laufzeit zu einem ruppigen "Drei Monate später"-Wechsel, nie bekommt man eine wirkliche Identifikationsfigur vorgesetzt, und zudem kann Polonia sich nie entscheiden ob er lieber einen klassischen Amateur-Slasher drehen möchte (inklusive aufdringlicher in den Mittelpunkt gesetzter Morde, als es bei Sykes der Fall war), oder doch lieber auf die Found Footage-Welle aufspringen will. Und so will Polonia alles und nichts zugleich und erreicht damit weniger, als wenn er sich für einen klaren Kurs entschieden hätte.

Dementsprechend kommt das Ergebnis diesmal nicht so charmant, flüssig unterhaltsam daher, wie es Sykes mit seinen ersten drei Beiträgen der Reihe schaffte. Zwar guckt sich "Camp Blood 3" stilistisch tatsächlich kompatibel (ohne Kenntnisse würde man den Regiewechsel nicht bemerken), der Streifen atmet die Mentalität der Vorgänger, Polonia mangelt es aber (zumindest hier) am Gespür Sykes' ohne fremde Hilfsmittel und tatsächliches Können einen sympathischen Hobbyfilm abzuliefern. Ich grübelte schon immer warum dies Sykes drei Mal so gut gelang (und in seinem "Goth" hingegen so gar nicht, das ist ein ganz mieserabler  Film) und komme auch nach dem Scheitern seines Nachfolgers nicht dahinter was den Unterschied tatsächlich ausmacht. Freilich guckt sich "Camp Blood 3 - First Slaughter" für Genre-Freunde, die Amateurfilmen nicht ausweichen, trotzdem noch relativ interessant, gerade wenn man mal selbst mit Freunden in der Freizeit Filme gedreht hat, ist es doch immer spannend zu sehen, was Leute rein aus Hobby-Gründen so auf die Beine stellen, selbst wenn sie nur Fan-Ware imitieren wollen. Die talentlosen Beteiligten vor und hinter der Kamera sind zumindest mit Freude am Spaß motiviert genug dabei. Auf seine schlichten 73 Minuten gesehen geht dem Streifen jedoch zu schnell die Puste aus, so dass er eher ein theoretisch interessantes Stück Film für cineastische Beobachter darstellt, anstatt eines, welches durch einen funktionierenden Unterhaltungswert überzeugt. Im Gegensatz zu manch anderen selbstgedrehten Horrorfilmen besitzt "Camp Blood 3" zumindest die Unschuld seiner Vorgänger, die ihn erträglicher macht als die häufig in Amateurfilm-Kreisen anzutreffenden, viel ernster gemeinten Underground-Massaker, die sich einzig auf (meist wenig überzeugende) Spezialeffekte konzentrieren. Schade, dass es trotz passender Mentalität nicht ganz hingehauen hat den Charme der vorherigen drei Filme zu erreichen. Mit Blick auf die langjährige Schaffenskraft Polonias ist es zudem erschreckend, wie stümperhaft der hier besprochene Film ausgefallen ist - selbst für einen Amateurfilmer.  OFDb

13.11.2021

UFO - ES IST HIER (2016)

Dass man sich bei diesem Found Footage offensichtlich an "The Blair Witch Project" orientiert, macht bereits die Schrifteinblendung zu Beginn deutlich, sowie der Handlungsspielort Wald und eine Dokufilmer-Crew, die sich in einem solchen verläuft. Nun mag "Die Präsenz"-Regisseur Daniele Grieco nicht solch unterirdischen Mumpitz abgeliefert haben wie manch anderer deutscher Filmemacher, ich denke da nur mit Grauen an die unterirdischen "Dark Area" und "RAW - Der Fluch der Grete Müller", aber gut sieht trotzdem anders aus. "Ufo" (Alternativtitel) macht trotz erkennbarer Bemühungen noch einmal den Unterschied deutlich, dass es nicht einfach ausreicht nachts im Wald mit der Kamera herum zu schleichen, fremdartige Geräusche einzustreuen und die Figuren allmählich gegeneinander agieren zu lassen. Das Gefühl für den passenden Zeitpunkt von Suspense fehlt den Verantwortlichen von "UFO - ES ist hier" leider völlig, die eher schwächelnden, wenn auch nicht völlig missglückten, Versuche Emotionen schauspielerisch hinzubekommen fangen freilich das fehlende Gespür des Regisseurs nicht auf. Der dachte es würde reichen nach der halben Laufzeit auf mehr Schauwerte zu setzen und den Handlungsort zu variieren, indem man eine Höhle betritt, und die Eier der Bestie, bzw. das Kreaturendesign kommt dem Produktionsniveau betreffend sogar okay daher, aber das stemmt ein solches Werk nicht wirklich, wenn der Zugang zu den Figuren fehlt und stets imitiert anstatt begriffen wird. Wenn die Hauptfigur im großen Vorbild zentral im Bild davon redet, dass das Team hier sterben werde, dann geht der Gruseleffekt bis ins Mark. Wenn eine der hier agierenden Damen uninspiriert davon faselt, dass alle abgeschlachtet werden, während die Kamera die Botanik filmt, dann entfacht diese reißerische Version einer guten Idee so gar nichts. Wie gesagt: Mühe ist zu erkennen, und das Ergebnis ist nicht so erbärmlich ausgefallen wie die deutschen Vergleichsfilme, interessiert hat mich die Handlung von "UFO - ES ist hier" jedoch so gar nicht. Ich fand ihn, ganz im Gegenteil, ziemlich langweilig und so gar nicht atmosphärisch stimmig umgesetzt. Ich finde es trotzdem schön, dass die hier tätige Crew es zumindest versucht hat ein solches Projekt zu stemmen.  OFDb

30.05.2020

#SCREAMERS (2016)

Der kleine, kostengünstig produzierte Found Footage-Film "#Screamers" ist nicht, wie so oft bei dieser Art Film, das Debüt eines Regisseurs. Dean Matthew Ronalds war mit seinen wenigen Werken schon in diversen Genres unterwegs, mit der Komödie "Büro Vampire" auch bereits den Horror-Sektor streifend. Die ernste Variante liefert er mit diesem seinem fünften und bislang letztem Langfilm ab und präsentiert uns eine Story, die zumindest in bestimmten Zügen an jene aus "Scare Campaign" erinnert, der im selben Jahr heraus kam. "#Screamers" findet einen flotten Einstieg ins Geschehen, man wird schnell warm mit den Figuren der Firma, und die Erstsichtung des entdeckten Videos trifft einen recht unvorbereitet und weiß tatsächlich zu erschrecken. Dessen Pointe wird von nun an des öfteren im Film auftauchen und nie wieder so wirken wie beim ersten Mal, nicht einmal im Ansatz. Dementsprechend wirkt das ewige Ausruhen auf diesen einen Effekt arg bemüht und wird für Horror-Interessierte letztendlich auch die einzige Genre-Bemühung, die Ronalds uns zu bieten hat. Das ist sehr schade, denn bis man dies bemerkt, funktioniert der Film eigentlich lange Zeit recht ordentlich.

Mich störte es nicht, dass die Vorgeschichte sehr viel Zeit in Anspruch nahm. Ich fand das ganz im Gegenteil sogar recht sympathisch, eben weil die Figuren, die Nichtigkeiten und die Situation, in der man sich befindet, bevor der eigentliche Horror-Part losgeht, funktionieren. Man ist eingetaucht ins Geschehen, interessiert sich eigentlich nur zweitrangig dafür, ob nun der Horrorbereich losgeht oder nicht. Mysteriös wirkt die Frau am Telefon, neugierig wird man auf das Rätsel gemacht, lediglich die hohe Motivation sich dieses Video angeln zu wollen, so als würde man damit ein riesiges Publikum für seine Website gewinnen, mutet ein wenig lächerlich an, dominiert aber nicht die positiven Seiten des Geschehens. Wenn es immer deutlicher wird, dass Jack the Ripper zum zentralen Thema der Hintergründe wird, wird das Rätsel uninteressanter, hätte man sich doch lieber anderweitige Auflösungen gewünscht, anstatt diese, mit dem Ursprung der Geschichte kaum in Verbindung stehende, so oft gemelkte Kuh vor die Nase gesetzt zu bekommen. Immerhin weiß die unbehagliche Stimmung am abgelegenen Haus zu gefallen, gepaart mit den nachvollziehbaren Unstimmigkeiten innerhalb der Gruppe, erweist sich der extrovertierte Chef doch als äußerst dreist in seinen Versuchen die Gestalter des Videos zu kontaktieren. So wissen die Streitereien untereinander zu funktionieren, anstatt, wie so oft bei Werken mit Found Footage-Verfahren, zu nerven.

Leider verfolgt Dean Matthew Ronalds ab jenem Zeitpunkt, in welchem die Truppe endlich das scheinbar verlassene Haus betritt, exakt den ausgelatschten Pfad, der bei auf selbst gedreht getrimmten Fake-Dokus stets verwendet wird. Er lässt die Protagonisten auf etwas stoßen, was ihnen, und damit auch dem Streifen, einen raschen Schluss beschert, ohne dass die aufgeworfenen Fragen befriedigt beantwortet werden, oder eine rätselhafte Mystik zurück bleibt, über die man sich als offenes Ende freuen würde. Mit dem üblichen auf den Boden fallenden Kameras wird man abgespeist. Und erneut wird uns als letztes Schlussbild die schon lange nicht mehr funktionierende Grusel-Pointe des begehrten Online-Clips gezeigt, so dass man sich schon verarscht vorkommen darf. Den Horrorpart beherrscht Ronalds somit weit weniger als das menschliche Miteinander der Figuren, wobei man freilich nicht weiß, inwieweit dieses Gelingen eher den vier (!!!) Autoren, oder gar den recht brauchbar besetzten Mimen zu verdanken ist. Wie auch immer, damit rettet sich der Film für mich zumindest vor dem totalen Scheitern, Genre-Freunde, die mehr Horror erleben wollten und mit dem theoretischen Zeitstrecken zuvor nichts anfangen konnten, werden das selbstverständlich aber anders sehen und komplett enttäuscht sein.  OFDb

05.02.2020

THE VISIT (2015)

Ich freue mich immer, wenn das berüchtigte Found Footage-Verfahren in finanzstarken Projekten verwendet wird, so oft wie es von uninspirierten Schnellgeldmachern im Billigverfahren verwendet wird. Und noch mehr freue ich mich, wenn sich an dieses Gebiet, das meist eher von Debütanten zum Einstieg genutzt wird, erfahrene Regisseure heranwagen, so wie es George A. Romero mit "Diary of the Dead" versuchte, oder Renny Harlin mit "Devil's Pass". 2015 wagte sich auch M. Night Shyamalan an dieses pseudo-dokumentarische, pseudo-selbstgedrehte Prinzip, und damit stieß ein Mann hinzu, der ähnlich wie das Found Footage-Verfahren selbst, bei Cineasten sehr umstritten ist. Ich persönlich gucke gerne rein, wenn sein Name drauf steht, war auch nicht über alles erfreut, was er bei allen Aufs und Abs so ablieferte, meist waren die Ergebnisse jedoch positiver Natur, so dass ich erst einmal guter Dinge an "The Visit" heran ging. Immerhin waren Shyamalans maue Werke, wie "The Village - Das Dorf", oder "Das Mädchen aus dem Wasser", schon einige Jahre her und sollte dem mir bis gestern unbekannten "The Visit" doch ein Jahr später eine solch wundervolle Perle wie "Split" folgen, die es fast schaffte an Shyamalans große Werke "The Sixth Sense" und "Unbreakable" heranzukommen.

Leider hat mir das Ergebnis von "The Visit" nicht wirklich gefallen. Die FSK 12 verrät es bereits: der Film ist nicht düster und unheimlich genug ausgefallen, wobei man freilich sagen muss, dass das ein 12jähriger ganz anders sehen wird. Der bekommt wahrscheinlich schlaflose Nächte. Nun ist "The Visit" aber nicht als Jugendfilm konzipiert, sonst ginge das schließlich in Ordnung, der Film soll auch Erwachsene bedienen. Mal ganz davon abgesehen, dass ich aufgrund einiger weniger Szenen keinem Jugendlichen unter 15 Jahren diesen Horrorfilm zeigen würde, ein tolles Erlebnis für Erwachsene ist er nicht, obwohl durchaus Potential vorhanden war. Letztendlich orientiert sich Shyamalan leider mehr an lauten, ungewöhnlichen Verhaltensweisen der Großeltern, anstatt das schwer greifbare Gefühl des Unbehagens länger im Raum stehen zu lassen. Wo Subtilität und Unwissenheit getrumpft hätten, da kommt er mit vielen aufregenden oder schockierenden Entdeckungen daher, so dass der Zuschauer nicht ins Gruseln kommt. Der wird zwar neugierig, was es mit dem Geheimnis der beiden auf sich hat, selbst dann wenn man einen Teil der Auflösung längst erahnt, aber auch das lässt mit fortschreitender Laufzeit allmählich nach, wenn die Geschichte sich lange Zeit nur im Kreis bewegt.

Gerade aus dem Blickwinkel der Kinder heraus weiß es zu gefallen, dass die Kinder recht realistisch aus der Verhaltensposition solcher eingefangen werden. Was sich Becca und Tyler trauen, Schritt für Schritt bei ihren Nachforschungen, ist denkbar und nachvollziehbar. Dass sie unsympathisch und nervig charakterisiert sind, allen voran der stets rappende Über-Ego Tyler (der den Abspann unerträglich macht), nagt jedoch am Mitfiebern mit den beiden, so sehr ich mich auch in anderen Filmen darüber freue, wenn man jemand Unsympathisches als Identifikationsfigur vorgesetzt bekommt. Hier wäre es jedoch von Nöten gewesen, um der ganzen Recherche eine Art Sommerabenteuer a la "Stand By Me" oder "Summer of 84" zu bescheren. Mehr an solche Filme orientiert und bezogen darauf, dass "The Visit" ohnehin auch das Jugendpublikum ansprechen soll, wäre es toll gewesen, Shyamalan hätte den Mut gefunden, alles aus der irritierten Sicht von Kindern zu erzählen, die sich in etwas hinein steigern, das nicht vorhanden ist, einfach weil sie das Verhalten älterer Menschen nicht wirklich gegriffen bekommen. Doch anstatt diese reizvolle Variante zu wählen, wählte man am Schluss die uninteressanteste, von der ich jedoch behaupten muss, dass ich sie nicht habe kommen sehen, obwohl sie geradezu naheliegend ist. Wie man heraus liest: auch wenn ich enttäuscht war, so wurde ich doch trotzdem herzlich zum Mitraten eingeladen. Und dank einer professionellen Großeltern-Besetzung, die einen guten Teil des Filmes gestemmt bekommt, ist der an düsterer Atmosphäre mangelnde Möchtegern-Thriller zumindest kein Totalreinfall. Seine stärksten Momente besitzt "The Visit" immer dann, wenn er in recht kurzen Ansätzen "Paranormal Activity" kopiert.  OFDb

06.10.2019

THE DINOSAUR PROJECT (2012)

Während "Cloverfield" genau wusste, was er wollte, indem er "Godzilla" im Selbstdrehmodus präsentierte, tut sich "The Dinosaur Project" in seiner Orientierung schwieriger. Bereits der Titel und die Einblendung zu Beginn orientiert sich am Vorbild "The Blair Witch Project", deswegen beginnt der Streifen nach dem Absturz im Nirgendwo in seinem Found Footage-Format zunächst auch wie ein Gruselfilm. Autor und Regisseur Sid Bennett möchte aber auch den Abenteueraspekt integrieren, den der Dinofilm in seinen klassischen Zeiten erlebte, und zwischen diesen Zuständen hin und her schwankend ist etwas entstanden, das über kurzweiligen Unterhaltungswert nicht hinaus geht. Das ist zwar auch bereits ein sympathisches Ergebnis, gerade wenn man bedenkt welch schlechte Found Footage-Filme es spätestens seit der losgetretenen Welle von "Paranormal Activity" zu erleben gibt, es wäre jedoch so viel mehr drin gewesen, wenn man andere Schwerpunkte gesetzt hätte.

So ist es Bennett beispielsweise wichtig so viele Dinosaurierszenen wie möglich zu integrieren, anstatt auf das "weniger ist mehr"-Prinzip zu setzen. So stößt unser Forschertrupp somit nicht nur auf Dinosaurier, sondern gleich auch auf verschiedene Spezies. Familienfreundliche und realitätsferne Aspekte finden damit ebenso Einzug in ein Filmformat, das eigentlich auf Authentizität bauen sollte, wie diverse andere Filmkrankheiten, die ein gutes Werk dieser Art höchstens gestreift hätte. Zudem wird aufgrund der Dinothematik jeder weitere Aspekt, der mit der Geschichte einher geht, weg geblendet. Da baut man weder auf die weiteren Gefahren des Dschungels, noch auf Lebensmittelknappheit, die Angst des Verschollengehens, Durst und Hoffnungslosigkeit. Alles schaut sich wie ein Spaziergang durch einen Abenteuerpark und wird lediglich mit dem Zusatzaspekt, dass eines der Mitglieder der Crew eigennützige Pläne verfolgt, aufgewertet. Die parallel dazu laufende Vater-Sohn-Dramaturgie wirkt wie aus einem glatt gebügelten Kinofilm entlaufen, und so darf es verwundern, dass auf simplen Niveau "The Dinosaur Project" doch noch banal zu gefallen weiß. Zwar funktioniert seine erste Hälfte wesentlich besser als seine zweite, frei von Sympathie bin ich aber auch dieser nicht gesonnen. Wer nicht zu viel erwartet bekommt zumindest einen akzeptablen Found Footage-Film serviert.  OFDb

16.03.2019

PARANORMAL ACTIVITY 2 - TOKYO NIGHT (2010)

Im selben Jahr, in welchem "Paranormal Activity 2" einen der gruseligsten Filme den ich kenne enttäuschend fortsetzte, entschied sich jemand in Japan von "Paranormal Activity" inspiriert seine eigene Fortsetzung zu drehen. Was sich zu Beginn als alternatives Szenario zum amerikanischen Original schaut, entpuppt sich im Laufe seiner Geschichte als direkte Fortsetzung, stehen doch die Ereignisse von einst im Zusammenhang mit dem was in Japan geschieht. Dennoch schaut sich der von Toshikazu Nagae inszenierte "Paranormal Activity - Tokyo Night" (Alternativtitel) großteils eher wie eine Neuverfilmung des nervenzerrenden Erstlings. Mag die Rahmensituation auch eine andere sein, die Stationen der Geschichte sind die selben. Das unsichtbare Wesen geht Schritt für Schritt vor wie in Amerika, es wird jemand mit paranormaler Erfahrung kontaktiert, selbst der Schluss gleicht dem des Originals etwas zu sehr, so dass manch einer das hier Gezeigte aufgrund zu vieler Wiederholung als arg nüchternes Ergebnis empfinden mag.

Einfallsreich sieht anders aus, aber gerade mit Blick auf den amerikanischen Teil 2 trumpft das schlichte Ergebnis von "Paranômaru akutibiti: Dai-2-shô - Tokyo night" (Originaltitel) als die bessere Fortsetzung. Vergleichbar in seinem Ergebnis wäre er am ehesten mit "Paranormal Activity 3", auch was das Gruselergebnis betrifft. Schlaflose Nächte wie Oren Pelis Erfolgsfilm bescheren beide Filme nicht, aber gelegentliche Gruselmomente blitzen definitiv auf, so dass keiner von ihnen zum Langeweiler verkommt. Zumindest ist man bemüht Situationen, egal ob schlicht oder gruselig geraten, und die Charaktere die sie erleben interessant zu gestalten, so dass man nicht seelenlosen Hüllen dabei zusehen muss, wie sie sich fürchten und das Treiben sinnlos abfilmen. Sicher ist wie so oft im Found Footage-Bereich nicht jede gefilmte Situation nachvollziehbar, manch einer von uns hätte, selbst mit Blick auf solch ein Videoprojekt, manches mal die Kamera liegen gelassen, gerade dann wenn man panische Schreie in Todesangst von der Schwester hört. Aber das ist ein Makel mit dem der Bereich der selbstgedrehten Optik nun einmal mitunter leben muss, wird also nur die engstirnigsten Zuschauer ernsthaft verärgern.

Seine wahren Negativpunkte beweist "Paranormal Activity 2 - Tokyo Night" eigentlich immer in den vergeigten Möglichkeiten sich von Teil 1 abheben zu können. Den Japanern traut man aufgrund dessen, dass sie ihre Zuschauer nicht zwingend in Watte packen und aufgrund der dort häufig anzutreffenden Filme, die etliche Genres miteinander vereinen, überraschende Wendungen zu. Aber nichts passiert in dieser Richtung, brav folgt man den klassischen Spukgeschehnissen, dicht orientiert an jenem amerikanischen Film, der einen inspirierte. Veränderte Situationen, wie die beiden gebrochenen Beine oder die parallelen Videoaufnahmen aus zwei Räumen gleichzeitig, werden kaum bis gar nicht kreativ genutzt. Hier hätte man nun wirklich die Erwartungen des Publikums sprengen können, um den bislang gewohnten Pfad zu verlassen und Richtung eigenen Terror abbiegen zu können. So bleibt der Streifen jedoch bis zum Schluss eine Blaupause des Originals, nicht ohne Sympathie inszeniert, aber doch nicht mehr als simple Unterhaltung bietend, die dem Gruselgehalt des Erstlings nicht im Ansatz das Wasser reichen kann. Die Tokyo Night-Variante ist definitiv die bessere Alternative zum amerikanischen ersten Sequel, ein nennenswerter Film ist diese Ehrverbeugung von Toshikazu Nagae, der auch die Zeichentrickversion von "Eko eko azaraku" inszenierte, jedoch nicht geworden.  OFDb

11.06.2018

PLAY - TÖDLICHES SPIEL (2014)

Mit "The Strangers" landete Bryan Bertino 2008 einen kleinen Hit, den ich persönlich trotz einiger atmosphärischer Spannungsmomente für überschätzt hielt. Aber zumindest war der Streifen ordentlich und mühevoll inszeniert, so dass man über das Ergebnis streiten konnte, bei "Play - Tödliches Spiel" sind sich die meisten mit Blick aufs Internet scheinbar jedoch einig, mit diesem im Found Footage-Stil gehaltenen Werk hat der gute Mann eine wahre Gurke abgedreht. Wer also glaubt sechs Jahre Pause zwischen einem Werk müssten zwingend für künstlerische Vorbereitungen stehen, der wird mit diesem Horrorbeitrag eines besseren belehrt, guckt sich der Streifen doch wie auf die Schnelle hingerotzt, so als habe man die The Asylum-Studios mal wieder einen Wackelkamerafilm drehen lassen. 

Den Mitarbeitern dort fehlt, ebenso wie Bertino hier, jegliches Gefühl mit Hilfe des Found Footage spannungsgeladene Momente einzufangen, ein Unterfangen das nur bei sehr sensibler Herangehensweise funktionieren kann, um Perlen wie "Die Höhle", "Paranormal Activity" und "The Blair Witch Project" hervorzubringen. Bertino scheitert gar noch viel früher, denn Zugang zu den Protagonisten über die gefaketen Privataufnahmen will der Zuschauer ebenso wenig finden, allein schon weil die Geschehnisse nicht erkennbar eingefangen werden. Man begreift nicht immer was gerade passiert. Man wird nicht Teil des Geschehens, was eigentlich mit der Methode der Handkamera nicht schwer zu erreichen ist, und somit interessiert man sich nicht für das was gerade kaum erkennbar passiert, auch da man mit den Menschen nicht warm wird.

Authentisch wirkt ohnehin nichts, so wie von Beginn an verzweifelt mit bescheuerten Methoden versucht wird die Personen stets im Bild zu halten. Zwar steuert das Drehbuch den Grund des unnötigen Weiterdrehens in eine halbwegs glaubwürdige Richtung, wenn es thematisiert, dass die Kameras nicht zu stoppen sind, seltsamer Weise brüllen sich die Ehepartner trotz dieses Wissens später gegenseitig an, sie mögen die Kamera stoppen und aufhören zu filmen. Bei dem bisschen Information, welche der Film bereit hält, hätte man als Regisseur und Autor diese Ungereimtheit locker korrigieren können. Warum die Figuren selbst in angespannten Situationen noch immer darauf achten, dass sie im Bild zu sehen sind, weiß sicher nur Bertino mit billiger Ausrede zu beantworten.

Allerdings fällt nicht erst hier auf, dass das Drehbuch nur so vor Ungereimtheiten, Unlogiken und anderweitigen Schwächen große Löcher im Plot beinhaltet. Nachvollziehbar ist das Gezeigte ohnehin nur für ein Publikum, das gedankenlos und pausenlos Gewinnspiele mitmacht, Gewinne nicht überprüft, nichts von dem was passiert reflektiert, sich ohnehin keine eigenen Gedanken macht und alles tut was einem gesagt wird. Denn nur so funktioniert "Mockingbird" (Originaltitel), der keinen der drei parallel Ungewöhnliches erlebenden Gewinner auf die Idee kommen lässt die Polizei zu rufen, nicht mit der Kamera zu filmen, sich keine Angst machen zu lassen, oder einfach bei großer Angst das Haus zu verlassen. Zudem glaubt Bryan Bertino, der nicht nur die maue Regie verbrochen hat, sondern auch für das unterirdische Drehbuch zu seiner eigenen miesen Idee verantwortlich ist, Fremde könnten jeden einzelnen Schritt vorausberechnen, damit am Ende alle Fäden so zusammenlaufen, wie es schließlich geschieht. Und warum am Ende jeder mindestens einmal von einer tödlichen Kugel getroffen wird, ein kaum möglicher Zufall, will sich mir ebenfalls nicht logisch erschließen.

"Play - Tödliches Spiel" ist reißerische Scheiße, die auf der Erfolgswelle des Found Footages und des Kinoerfolgs "Saw" aufspringt und dabei ein lustlos abgedrehtes, sich trotz aller Unsinnigkeiten viel zu ernst nehmendes, Filmchen abgeliefert hat, von dem man sich verspricht, dass es sich aufgrund seiner Aufhänger und des Stempels "vom Regisseur von The Strangers" von allein verkaufen wird. Heutzutage greift manch einer aufgrund des Clowns auf dem Cover zu, sind Killerclown-Streifen doch spätestens seit dem Kinofilm "Es" unglaublich angesagt. "Mockingbird" gehört dieser Kategorie jedoch nicht an, der Clown ist lediglich eines der besagten Opfer, aber zumindest eines, das trotz idiotischster Verhaltensweisen, also trotz jeglicher Möglichkeit zur Identifikation mit ihm, mit seinen Monologen halbwegs Schwung in die Bude bringt. Ohne ihn hätte ich wahrscheinlich irgendwann komplett gelangweilt zur Vorspultaste gegriffen.  OFDb