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01.05.2021

THE GUEST (2014)

Stimmig und zunächst auf klassische Art erzählt, geht "The Guest" anfangs den typischen Weg der Thriller um einen Fremden, dem man Vertrauen schenkt, um es hinterher zu bereuen. Es verwundert ein wenig, dass uns David sehr früh bereits klar als Täuscher offenbart wird. Die Geschichte, würde sie so verlaufen wie man es vermutet, hätte es auch zugelassen dass der Soldat im Laufe der Zeit zu Unrecht verdächtigt wird. Stattdessen präsentiert man uns nach viel freundlichem Miteinander bei seiner ersten Soloszene einen psychopathisch dreinblickenden, fast unmenschlichen Mann. Ein Hauch Horror weht in diesem sehr kurzen Moment innerhalb eines Thrillers, der nicht zur unheimlichen Filmrichtung gehört, auch wenn diese Sequenz diesbezüglich nicht die einzige Verwandtschaft zum übernatürlichen Genre bleiben soll. Dennoch bleibt das Werk vom "You're Next"-Regisseur Adam Wingard, der dem hier besprochenen Film den müden "Blair Witch 3" nachgeschoben hat, ein waschechter Thriller. 

Glaubt man lange Zeit lediglich den Bereich der Home Invasion serviert zu bekommen, erlebt die Geschichte mit dem Telefonat von Tochter Anna (erneut überzeugend gespielt vom "It Follows"-Frontgirl Maika Monroe) eine Wende, die dem Werk zusätzliche Möglichkeiten bietet, die er aber lediglich mit ein paar Actionszenen zu bereichern weiß und mit Andeutungen, die den Film, bestätigt durch seine Schluss-Sequenz, auch in den Bereich der Science Fiction deuten lässt. Klare Antworten diesbezüglich bekommt man jedoch nicht, was aber in der gewagten Art und Weise wie damit umgegangen wird zum Pluspunkt eines Streifens wird, der ansonsten trotz überraschender Wendungen und solider Umsetzung etwas zu gewöhnlich ausgefallen ist. Dabei ist dies beileibe nicht sein einziger Pluspunkt. Da ist eine sexy Hauptfigur inmitten einer gut agierenden Besetzungsriege, da haben wir eine spannend erzählte und hübsch fotografierte Geschichte, die Unsinnigkeiten gut genug umgeht um auf Kinobasis glaubwürdig zu bleiben, wir haben einen ungewöhnliches und atmosphärisches Set im Finalgeschehen, eine Direktheit in grafischer, wie auch in emotionaler Härte, untermalt wird der teilweise wendungsreiche Film mit einem wirklich guten Soundtrack, und ungeklärte Rätsel wissen den damit allein gelassenen Zuschauer zu faszinieren. 

Und doch fühlt sich "The Guest" etwas eindimensional, zu oberflächlich abgehandelt an, als dass er mehr als die kurzweilige Ablenkung vom Alltag wird. Die Geschichte greift nicht tief, obwohl sie die Möglichkeit gehabt hätte das Bürgertum, die Klassengesellschaft, die Karrierewelt und das Militär gesellschaftskritisch zu hinterfragen. Stets unternimmt das Drehbuch inhaltliche Ansätze, die man aus vergleichbaren Werken kennt, um sie nicht konsequent genug weiter zu verfolgen. Es wird im Rückblick betrachtet zudem nicht ersichtlich, warum sich David derart großzügig bemüht helfend gibt. Es gibt nicht einmal eine Antwort darauf, wer der Mann, der sich als David ausgibt, überhaupt tatsächlich ist und warum er gerade, eine Gesichts-OP mehr als andeutend, diese Identität und den Weg zur Familie des verstorbenen Freundes der Identität auserwählt hat. Von einem erkennbaren Ziel, welches er anvisiert hat, bevor er vom Militär gestört wird, ist ebenfalls nichts zu bemerken, obwohl es da so einige reizvolle Gemeinheiten hätte geben können, gerade mit Blick auf die attraktive Tochter und dem naiven, gelehrigen Sohn.

Manches abgebrochene Szenario scheint der Täuschung zu dienen, manches dem strategisch ausgeklügelten Manöver des Soldaten, vieles bleibt jedoch nicht zu Ende erzählt im Raum stehen, gerade was die Bereiche betrifft, mit denen David den einzelnen Familienmitgliedern hilft. Diese Phasen schauen sich alle während sie passieren interessant, und die Geschichte weiß einen auch dann mitzureißen, wenn man bemerkt wie viel Erzähltes ins Offene läuft, um sich schon wieder anderen Dingen zuzuwenden. Das ist inmitten dieses Schwachpunktes zumindest ein Pluspunkt, welchen wir der dichten Erzählung durch "Godzilla vs. Kong"-Regisseur Adam Wingard zu verdanken haben. Aber derartige Lücken, welche über die faszinierenden, offenen Rätsel, die ich vorhin lobend erwähnte, weit hinaus gehen, wirken in dieser Schlagzahl zu inkonsequent, um das eigentlich gelungene, da tadellos unterhaltsame Werk, in einem wahrlich sehenswerten Licht erstrahlen zu lassen. In seiner Inkonsequenz, gepaart mit dem fehlenden Tiefgang, ist er einfach kein qualitativer Film geworden, sondern tatsächlich nur ein handwerklich hervorragend ausschauender, nicht unsympathischer Routine-Film für zwischendurch. Zumindest hinterlässt "The Guest" nie den Eindruck, dass er etwas Größeres als dies sein möchte. Deswegen verzeiht man dem Film derartiges.  OFDb

26.05.2019

ICH KANN'S KAUM ERWARTEN! (1998)

"Ich kanns kaum erwarten - Can't Hardly Wait" (Alternativtitel) ist meiner Meinung nach das für die Kids der 90er und 00er Jahre, was die Werke John Hughes für jene der 80er Jahre waren. Hier entdeckt man gleiches Verständnis für die Gefühlswelt der Teenager, eingepackt in ebensolche schrulligen Figuren, mit dem nötigen Touch comicartiger Übertreibung. Am ehesten ist die wilde und gleichzeitig zarte Komödie des Regie-Duos Harry Elfont und Deborah Kaplan mit "Das darf man nur als Erwachsener" zu vergleichen. In beiden spielt eine Party eine zentrale Rolle, ebenso wie Liebe und Nerds, und in beiden ist eine vordergründige und parallel dazu eine beiläufige Liebesgeschichte vorhanden, welche beide jeweils das Herz des Zuschauers zu erobern wissen. Eine Nachahmung des Vergleichsfilmes ist "Big Party" (Alternativtitel) jedoch trotzdem nicht geworden, schlägt er inhaltlich doch andere Töne an, was nicht einzig dem aktuellen Zeitgeist von einst geschult ist, diesem jedoch auch sehr deutlich. Er sorgt für eine Entfremdung zu den Werken der 80er Jahre, so dass manche dadurch den Vergleich nicht bemerken. Aber Hughes Einfluss ist vorhanden, sehr stark sogar. Und da das Werk trotzdem innovative Luft atmet und hochgradig unterhaltsam ist, frage ich mich warum so wenig Leute den Streifen kennen und kaum über ihn berichten.

Ich habe ihn seit seinem Erscheinen nun schon etliche Male gesehen und bin bei jeder Sichtung wieder aufs Neue überrascht wie gut er funktioniert, einerseits von Klischees und Stereotype lebend, andererseits diese aushebelnd oder comicartig hochpuschend. "Party Zone" (Alternativtitel) ist der ideale Mix aus partytauglichem Teenagerfilm und herzlichem Jugendverstehen. Sein wilder Ritt weiß ebenso zu berühren, wie auch zu herrlichen Lachanfällen zu führen. Ein bunter Mix mal mehr, mal weniger im Zentrum stehender Figuren bildet den Mikrokosmos, fast einzig aufgezeigt auf einer einzigen Party, insgesamt an einem Tag spielend, Hintergründe nachholend über zeitliche Rückblicke. Auf diese wird jedoch nur selten zurückgegriffen, so dass der eigentliche Kniff der Chose darin besteht, die einzelnen Handlungsfäden stets zeitgerecht und in ihrer passenden Größenordnung in die Party einzuarbeiten, und dies möglichst mit flüssigem Übergang zum zuvor erlebten, anderen Parallelstrang. Während Seth Green, der damals wohl prominenteste Mime, der eine große Rolle in diesem Streifen ergattert hat, treffsicher wie immer herum albert und Jerry O'Connell in einem saukomischen Gastauftritt einen besonderen Moment herbei zaubert, ist es gerade Ethan Embry in der Hauptrolle zu verdanken, dass der eigentliche Motor des Films, die Liebesgeschichte rund um Preston und Amanda, derart zu Herzen geht. Sein Hundeblick verleitet zum Mitleiden, sein optimistisches Lächeln steckt an, sein milder Blick unterstützt die Gutmütigkeit und die Solidarität, die sein Charakter beinhalten soll, wie man hauptsächlich über Fremdaussagen erfährt. Einzig den finalen Kuss vergeigt er, ein übler Wermutstropfen, der ein hochgradig emotional inszeniertes Happy End ein wenig ausbremst, was man jedoch verzeiht, so genial wie der Rest der Szene und des Films inszeniert ist.

Während kleine Nebensächlichkeiten mit allerhand Running Gags und Ausnahmepassagen zu belustigen wissen, wie z.B. die nie spielende Partyband, der ewig zugreifende Kleptomane (besetzt mit dem Sherminator), die leidende Veranstalterin des Events, das hohle Püppchen, das von jedem eine Unterschrift ins Jahrbuch erhalten möchte, um nur einige wenige im Meer an lustigen Randfiguren aufzuzählen, findet der zweitgrößte Schwerpunkt des Streifens eingesperrt in einem Badezimmer statt. Dort versteckt entsteht eine nicht minder ansteckende Liebesgeschichte, dargeboten mit den vielschichtigsten Charakteren die "The Party" (Alternativtitel) zu bieten hat. Dass wir die Vielseitigkeit dieser Figuren, bzw. deren Täuschungen und Ängste und ihr wahres Ich vorgezeigt bekommen, liegt daran dass sie sich hier alleine in diesem einen Raum nicht lange verstellen brauchen, isoliert vom Rest, eine Ausnahme in einem gerade von Geltungssucht, Täuschung, Alkohol und Idealen getriebenen Selbstdarstellungsrausch, von welchem sich lediglich Preston und Amanda (mittlerweile) distanzieren. Ein weiterer Blick hinter die zerbrechlichen Fassaden von Teenagerseelen wird hingegen für einen bösen Schluss-Gag vorbereitet, nicht aber ohne authentisch, wie empathisch die Wahrheit eines alkoholisierten Gefühlslebens derartiger Partys widerzuspiegeln. Trotz aller Übertreibung atmet "Ich kann's kaum erwarten!" nun einmal lebensechte Luft. Das macht ihn gerade so besonders.

Inmitten von wahr gewordenen Kinoträumen in Sachen Romantik und Partygeschehen existieren gleichzeitig gut beobachtete Tragödien, Macken und Charaktere aus der echten Welt. Die Vielseitigkeit an Figuren und Situationen, die das Gesamtergebnis nie überfrachten, sondern stets bereichern, sorgt dafür dass Kino und Echtheit, dass Comic und Realismus, dass Partytauglichkeit und emotionale Ruhe nebeneinander co-existieren können, ohne stets das eine gegen das andere austauschen zu müssen. "Can't Hardly Wait" (Originaltitel) vermittelt ein Lebensgefühl, erinnert an alte Zeiten, gefällt als Comic, lässt einen mitfühlen und beschert uns dies alles mit einem Meer an gut aufgelegten Darstellern in verschiedenen Geschichten zur selben Zeit am selben Ort. Sie, ebenso wie Regie, Schnitt, Drehbuch, Kamera, sorgen für das Chaos und den Überblick innerhalb eines wildzahmen Szenarios. Sie schaffen es uns schnell an Begebenheiten und Personen zu binden, uns deren Anliegen verstehen zu lassen, einen anderen Moment an den vorherigen flüssig und verständlich anzuknüpfen und gleichzeitig wild losgelassen uns ein Partychaos zu offenbaren, das anzustecken weiß. Man muss kein Teenager sein, um sich hier auf verschiedensten Gefühlsebenen mitreißen zu lassen. Der satirisch und ironisch distanzierte Stil lässt auch den erwachsenen Blickwinkel zu, ebenso wie Wehmut, Retro-Charme und Nostalgie mitwirken können. "Ich kann's kaum erwarten!" ist ein emotionales Feuerwerk an Komik und Gefühlen, pointensicher umgesetzt, zum Schmunzeln ebenso animierend, wie zum großen Lacher und geistreicher ausgefallen, als uns sein wildes Daherkommen weiß machen möchte.  OFDb

10.09.2017

LATE PHASES (2014)

„Late Phases“ ist der Beweis dafür, dass eine nah an den Figuren orientierte Geschichte zu einer starken Erzählung führen kann, auch dann wenn nur wenig Neues erzählt wird und auch dann wenn die Mittel knapp sind. Der Werwolffilm, der von Beginn an kein Geheimnis aus seiner Bestie macht, ist leider zu schlicht abgefilmt. In seinen magersten Momenten wirkt er diesbezüglich gar wie ein Amateurfilm. Gute Verwandlungsmomente und rar eingestreute härtere Szenen wissen hingegen überraschend zu überzeugen, was man von den Kreaturen, wie typisch für dieses Sub-Genre, nur bedingt sagen kann. Für einen Film dieser Preisstufe sind die Werwölfe ansehnlich ausgefallen, aber ich tue mich allgemein schwer mit Wolfsmenschen, wirken sie doch meist zu unecht oder zu putzig und beides wird auch hier gestreift, wenn auch nicht ansatzweise in einer Lächerlichkeit badend.

Hilfreich kommt den meist späten Auftritten der Kreaturen jedoch die Stimmung zugute, in die „Night of the Wolf - Late Phases“ (Alternativtitel) getaucht ist. Die Geschichte ist sehr langsam erzählt, orientiert sich fast einzig an Ambrose, einem blinden Rentner, dessen Charakter tief gezeichnet ist und der den eigentlich interessantesten Part der Geschichte ausmacht. Er ist ein harter Hund, ein Einzelgänger, verbittert aber nicht dumm, oder zu trotzig um Schlechtes zu bereuen. Sein Alter und seine Sehbehinderung werden zu Schwerpunkten seines Charakters und dementsprechend auch zu einem Nachteil sich der Bestie zu Wehr zu setzen. Sein Geruchssinn und sein Gehörsinn, den er mittels eines Hörgerätes zudem noch zu verstärken weiß, halten dagegen.

„Late Phases - Night of the Lone Wolf“ (Alternativtitel) gönnt sich den Luxus von der Vorbereitung auf den kommenden Vollmond zu handeln. Man erwartet vom Publikum die Regeln des Werwolf-Horrors zu kennen, die Pläne, die Ambrose schmiedet, werden nicht zusätzlich benannt. Man hat sie zu erkennen oder zu erahnen, zusätzliche Hilfe vom Autor wird einem nicht gegeben. Ich kann mir vorstellen, dass viele blutgeile Horror-Fans sich tierisch gelangweilt haben, eben jene Art Genre-Freund, denen es stets nur um Härte und Effekte geht. Aber allein Nick Damicis Darstellung des Hauptcharakters ist derart überzeugend ausgefallen, dass man dem oftmals nüchternem Treiben der Vorbereitungen auf die kommende Vollmondnacht nur all zu gerne beiwohnt.

Zudem gönnt sich das Drehbuch mittels Nebenfiguren die ein oder andere kritische und philosophisch angehauchte Vertiefung, was dem hauptsächlich dramatisch anstatt spannungsgeladen ausgefallenen Horrorfilm einen kleinen Mehrwert beschert, zumal besagte Zusätze nicht zu gewollt wirken oder gar geheuchelt. Da wir es in der gesamten Geschichte fast ausschließlich nur mit netten Charakteren zu tun bekommen (auch Ambrose zählt dazu, da wir ihn im Laufe der Geschichte zu verstehen lernen), wirken die Geschehnisse um so dramatischer. Selbst der Tod einer Nachbarin, die man nur kurz kennenlernen durfte, schmerzt aufgrund ihrer sympathischen Charakterzeichnung und dem Talent der Erzähler eine starke Figurennähe auch zu Randfiguren aufzubauen.

Dem Finale kommt die zu schlicht ausgefallene Optik etwas zu sehr in die Quere, um einen wahrhaftigen Spannungsbogen aufbauen zu können, aber aufgrund der anderen Stärken bereitet das lautere Treiben am Ende auch in der Theorie genügend Sehvergnügen, bevor ein trauriger Monolog einen Richtung Abspann entführt. Ethan Embry kommt in seiner Rolle als Sohn ein wenig zu kurz, dafür darf man sich über die um so größere Präsenz von Nick Damici freuen, der seine Rolle wirklich gelungen ausfüllt. Gern hätte ich mehr Szenen, bzw. längere Dialoge mit dem Pfarrer verfolgt, der die interessanteste Nebenfigur des Streifens darstellt, andererseits wollte man wohl die Filmlänge nicht überstrapazieren bei einem theoretisch dünnem Plot, so dass der Verzicht wohl Sinn ergibt um auf 90 Minuten keinen Leerlauf zu erzeugen.

Mir hat „Late Phases“ überraschend gut gefallen. Erwartet habe ich nichts, und neugierig wurde ich eigentlich nur auf ihn, da er von OFDb-Filmworks auf DVD herausgebracht wurde. Mit dem vorliegenden Ergebnis bin ich sehr zufrieden, eben weil „Late Phases“ erzählt was es zu erzählen gibt und was zu erzählen wert ist, ohne darauf zu schielen was das Publikum wollen würde. Solch ein Selbstbewusstsein würde ich mir von Billigproduktionen in diesem Genre öfters wünschen.  OFDb

27.08.2017

DER GIFTZWERG (1991)

Zwei Menschen, die sich nicht ausstehen können, reisen zur Erntedankfestfeier gemeinsam quer durch Amerika. Als das Auto mit dem man unterwegs ist kaputt geht, greift man in der Not auf allerlei Alternativen zurück um vorwärts zu kommen. Auch wenn diese Alternativen ebenfalls lediglich die Straßen benutzen, so erinnert das Szenario doch stark an John Hughes brillanten „Ein Ticket für zwei“, der mit Steve Martin und John Candy besetzt war. Auch „Der Giftzwerg“ ist ein John Hughes-Film. Der übernahm zwar nicht die Regie, aber als Autor und Produzent trägt das Werk dennoch ganz deutlich seine Handschrift.

Der Kampf zwischen Arbeiterklasse und den bösen Reichen wird ebenfalls nicht zum ersten Mal in einer Hughes-Produktion thematisiert. Ob eher zweitrangig in „Allein mit Onkel Buck“, versöhnlich in „Pretty in Pink“ und „Der Frühstücksclub“, oder angreifend in „Ist sie nicht wunderbar?“, Hughes benötigt dieses Thema ähnlich stark wie das Arbeiten mit jungen Menschen, in „Dutch“ (Originaltitel) wird das Thema gar aggressiv wie in letztgenanntem Vergleichsfilm betrieben. Die Reichen sind die Bösen, die körperlich Arbeitenden die Guten. Das ist etwas klischeeüberladen, aber das ist „Driving Me Crazy“ (Alternativtitel) ohnehin, darf doch auch der Festtagsschmalz ebenso wenig fehlen, wie das Hineinschnuppern in die Armut zur obligatorischen charakterlichen Läuterung am Schluss.

Wer jedoch die Bücher von John Hughes kennt, der weiß, dass seine Filme stets trotzdem gourtierbar sind, und so ist es freilich auch mit „Der Giftzwerg“, der sicherlich nicht zu den Höhepunkten von Hughes Schaffen gehört, allein schon weil er sich ständig an seinen eigenen Werken bedient, aber ein gut aufgelegter Ed O‘Neill, der sowohl gegen sein Al Bundy-Image anspielt, als auch diverse Zutaten aus dieser Rolle für seinen Dutch verwendet, und ein wie immer sympathischer, wenn auch diesmal auf unausstehliche Art, agierender Ethan Embry (der sich hier noch Ethan Randall nennt) machen aus dem motralinsauren Stück ein routiniert nettes Unterhaltungsfilmchen, das man sich durchaus mal geben kann, wenn man denn nichts Besonderes erwartet.

Hughes tendiert diesmal überraschend stärker zur Tragik anstatt zur Komik, bietet in beiden Bereichen jedoch simple Routine, im Tragikbereich leider auch allzuoft Kitsch, was aufgrund der ohnehin schon starken Tendenz zu Stereotypen und Vorurteilen gegenüber Besserverdienenden dem ein oder anderen nicht schmecken wird. Wahre Höhepunkte hat „Der Giftzwerg“ nicht zu bieten. Ein zweiter „Kevin - Allein zu Haus“ ist mit diesem Werk nicht entstanden. Dass dies die Idee hinter dem Projekt war, erkennt man sofort. Aber wer die Nachteile des Stücks übersehen kann, wird ohnehin nicht all zu streng mit einem Werk umgehen, dass, typisch Hughes, das Herz am rechten Fleck hat. Damit ergeht es dem weniger kritischen Publikum ähnlich wie Doyle mit Dutch: am Ende sympathisiert man mit dem was (angeblich) fehlerhaft war.  OFDb

30.12.2013

EVOLVER (1995)

Die Geschichte könnte konstruierter und unsinniger nicht sein. Und innerhalb der Story häufen sich noch mehr Unlogiken und schundige Ideen. Auf seine komplett naive Art weiß „Evolver" aber trotzdem zu unterhalten in einem ominösem Mix aus freiwilligem Trash und unfreiwilliger Komik. Die Darsteller spielen nett, haben mit Ethan Embry ohnehin einen Sympathisanten an Bord, auch wenn das Drehbuch diesbezüglich unbewusst gegensteuert. Der Spannungsbogen ist für diese Art Film nicht ohne, der Actionbereich schließt sich diesem an. Der Roboter besitzt ein tolles Design, welches sich pro erreichtem Level immer wieder ändert. „Evolver“ erzählt freilich nichts, was man als erfahrener Dauergast in diesem Genre nicht ohnehin schon erwartet oder woanders ähnlich bereits gesichtet hätte, und der Grund warum Evolver so gefährlich ist taucht auch nicht erstmals in einem Horrorfilmen auf. Dennoch bietet er flotte Unterhaltung für Leute mit simplem Gemüt, die sich damit begnügen können in Sachen Logik mindestens 1 Auge zudrücken zu können und die auch gerne mal ausgelatschte Pfade betreten. Da das Subgenre Roboter-Horror jenseits der Cyborg-Thematik auf dem Videomarkt ohnehin so rar vertreten ist, schlage ich diesen Pfad gerne ein.  OFDb

02.01.2013

MOTEL (2007)

Ein zerstrittenes Noch-Ehepaar kommt nach einer Autopanne in einem schäbigen Motel unter und muss feststellen, dass viele ehemalige Gäste Opfer für Snuff-Movies wurden. Zur Flucht ist es bereits zu spät...

Die Softversion von Hostel...
 
Eine solche Geschichte kombiniert mit Hauptdarsteller Luke Wilson, das lockte mich und hob meine Erwartungen. Doch genau diese sollte man senken, um an „Motel“ Gefallen zu finden. Was hier an Unsinnigkeiten lauern ist schon ein wenig ärgerlich, dank einer ansonsten guten Inszenierung jedoch nicht katastrophal.

Dennoch hat das Drehbuch Schnitzer, die nicht sein müssten. David, der männliche Part des Paares, entdeckt die Kameras recht früh, zerstört sie jedoch nicht. Ein Sichten ehemaliger Folter- und Mordsequenzen zeigt glasklar, dass mit Ton gefilmt wird. Dennoch plant man Fluchtversuche und Täuschungen, wissendlich gefilmt zu werden. Ein Trick? Leider nein! Eine Unlogik der Protagonisten? Jain, denn auch Regie und Drehbuch nehmen im weiteren Verlauf der Geschichte diesen Bruch in der Logik nicht wahr.

So braucht man sich nicht wundern, dass jede Figur ihre unsinnigen Momente hat und somit gerade das Finale ein wenig enttäuscht, wenn sich der Kampf gegen die Mörder als relativ einfach entpuppt. Und trotz alledem: mir hat „Motel“ gefallen.

„Motel“ ist Teil des zur Zeit sehr angesagten Folterfilms a la „Saw“ und „Hostel“, bleibt jedoch ziemlich blutleer und schließt voyeuristische Momente aus. Regisseur Antal setzt auf eine stimmungsvolle Umsetzung, arbeitet mit düsteren Bildern und weiß, wie er beim Zuschauer ein unwohliges Mitfiebern verursacht. Stilistisch und auch inhaltlich kann man sein Werk mit dem B-Film „Zero Boys“ vergleichen, der zwar handwerklich wesentlich banaler umgesetzt war, aber auch zu gefallen wusste. „Motel“ bleibt bis kurz vor Schluss sehr spannend und hat von Beginn an eine dichte, mitreißende Atmosphäre.

Das beginnt bei dem sehr schönen Vorspann, der uns eine flotte Melodie vor die Ohren schmeißt, die, wie sollte es anders sein, aufgrund der Motel-Thematik unauffällig „Psycho“ zitiert. Dazu sichten wir die Namen der Beteiligten in einer graphischen Tricksequenz, die zwar recht simpel ist, aber eine hohe Wirkung besitzt, erst recht wenn sie sich am Ende als Labyrinth zu erkennen gibt.

Was man danach sichten darf ist eine lange Autofahr-Szene, in welcher das zerstrittene Pärchen seinen Charakter vorstellen darf und Hintergrundinformationen der persönlichen Situation preisgibt. Im Bereich der Tragik ist nicht alles gelungen, manches wirkt schlichtweg aufgesetzt (z.B. findet die Frau ein Bild des verstorbenen Kindes), aber man lauscht interessiert den Dialogen, die nie langweilig werden oder aufgrund des Ehezwists nervig.

Kaum im Motel angekommen kommt die Geschichte auch schnell in Fahrt und hält konstant ein hohes Tempo, was sich auch an der kurzen Lauflänge von etwa 80 Minuten zeigt. Es gibt ein Katz- und Mausspiel zum Mitfiebern, das, wie erwähnt, zum Finale hin leider zu banal wird. Gerade hier hätte man mit Überraschungen arbeiten müssen und, wenn schon harte Bilder einsparend, wenigstens mit fiesen Ideen arbeiten müssen. Aber echte Zuschauerschocks gibt es nicht mehr. Im Finale wird nur noch Richtung Happy End gearbeitet, und der Zuschauer wird dabei auch noch mit Samthandschuhen angefasst.

Über die Besetzung kann man nicht meckern. Der unterschätzte Luke Wilson spielt routiniert gekonnt wie eh und je. Seine weibliche Partnerin Kate Beckinsale weiß auch zu gefallen, und mittendrin findet sich auch der eher unbekannte Ethan Embry, den ich persönlich gerne sichte, so dass ich es sehr schade fand, dass er nur solch einen kurzen Part beschert bekam. Gut auch die Darstellung von Frank Whaley, der den Motelmanager spielen darf.

Gekonnte Spannungsmomente gibt es genug, so dass das mangelnde Spiel mit dem Zuschauer und eigentliche Unsinnigkeiten verziehen sein könnten. Ich zumindest gebe mich da recht gnädig, auch wenn ich in anderen Filmbesprechungen da strenger sein mag. Was am Ende zählt ist der Unterhaltungswert, und der war dank der dichten Atmosphäre und der guten schauspielerischen Leistungen sehr hoch, so dass ich „Motel“ trotz aller Schwächen weiterempfehle. Man sollte jedoch vorgewarnt sein.  OFDb