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18.04.2020

THE DISASTER ARTIST (2017)

Bei der Kombination Franco und Rogen denkt man zunächst an die Party-Komödien "Ananas Express", "The Interview" und "Das ist das Ende". Wie schon manch andere Regiearbeit von James Franco, so ist "The Disaster Artist" jedoch eine Tragikomödie und somit etwas ganz anderes als die Gemeinschaftsarbeiten der beiden zuvor. Allerdings ist der hier besprochene Film, dem die gemeinsame Tragikomödie "Zeroville" zwei Jahre später folgen sollte, ohnehin kein Seth Rogen-Film, auch wenn dieser an dritter Stelle genannt wird. Der Mit-Produzent spielt eine Nebenrolle, die erst zum zweiten Drittel ins Geschehen tritt und spielt diese angenehm zurückhaltend. Im Zentrum stehen James Franco und sein Bruder Dave, die uns zeigen wie es zu dem Film "The Room" kam, der in den USA aufgrund seines schlechten Ergebnisses zu alternativem Ruhm kam, während er hierzulande nicht einmal den meisten Cineasten ein Begriff ist.

Bis jetzt zumindest, denn durch "The Disaster Artist" könnte sich das ändern, ist er doch interessant genug ausgefallen, um aufzufallen. Zumindest ist er ungewöhnlich genug umgesetzt, um dies zu tun. Zwar folgt Franco dem klassischen Handlungsablauf einer solch biographischen Geschichte und hält sich großteils überraschend stark an die Norm, die im eher konservativen Hollywood herrscht, nicht aber ohne subtil im Unterton bereits jenen alternativ verschmitzten Stil atmen zu lassen, der in gelegentlichen lauteren Szenen schließlich überdeutlich hervor bricht. Franco war nie der angepasste Filmemacher im Stil eines Adam Sandlers, er "provozierte" in seinen eigenen Werken schon immer und ließ sie eine Mündigkeit atmen, die sich gegen verbohrte Standards richtete. Wo es in wilderen Filmen gerne auch mal um körperliche Tabus, Drogenkonsum und lockere Lebensarten ging, da leuchten in "The Disaster Artist" diese Aspekte nur kurz auf, um im erwachsener geratenen Rahmen alternativen Denk- und Lebensweisen einen Appell um Akzeptanz zu gewähren. Diese Botschaft kommt unterschwellig und frei von Moral daher, wird noch weit weniger bedeutungsschwanger integriert als im diesbezüglich bereits wunderbar funktionierendem "Adams Äpfel", und wer Franco kennt, weiß dass auch ein erwachsenes Ergebnis in seinen Händen noch genügend charmant unreife Momente beherbergen wird, aber letztendlich ist der Respekt und die Toleranz vor alternativen Menschen der Kernpunkt des Streifens.

Freilich ist er auch eine Erfolgsgeschichte, zumindest wenn man dem Film glauben kann, dass "The Room" heutzutage tatsächlich derart gefeiert wird. Aber wie eine solche fühlt er sich erst zum Schluss an, wenn aus einem sehenswerten Film für einen kurzen Zeitpunkt ein unglaubwürdiger wird, kann ich mir doch nicht vorstellen, dass der unermüdliche Tommy bei so viel Herzblut so schnell und leicht akzeptieren kann, dass sein Film anders gemocht wird, als er gedacht war. Und kam dieses Party-Feeling tatsächlich bereits während der Premiere auf? Wie unglaubwürdig sich dieses, wahrscheinlich aus dramaturgischen Gründen veränderte, Szenario auch anfühlen mag, der exzentrische Charakter, den der Regisseur hier verkörpern darf, überzeugt umso mehr. Das darf schon verwundern, so grotesk er doch manchmal angelegt ist (überzeugend und mutig dargeboten von einem wie immer überargierenden, aber nicht minder talentierten James Franco), aber der Film lebt hauptsächlich von ihm. Dave Franco mag die Hauptrolle als Identifikationsfigur einnehmen, aber er ist ein Normalo, der die Geschichte nicht in Bewegung bringt, nicht einmal durch sein Empfinden der Ereignisse.

Der sich selbst überschätzende und untalentierte Tommy sorgt für das besondere Etwas, eingebettet in eine psychologisch durchdachte und somit funktionierende Dynamik, versteht das Drehbuch doch den Motor, der die ganzen Ereignisse zum laufen bringt und im weiteren Verlauf die entscheidenden Wendungen beeinflusst. Dass man sich als Zuschauer während der fiktiven Dreharbeiten ebenso wie das Publikum des Originalfilms fragt, worum es in "The Room" eigentlich gehen soll, ist nur ein Beweis dafür, dass "The Masterpiece" (Alternativtitel) erreicht was er will und somit zu funktionieren weiß. Mag sich die Geschichte in der Theorie auch ein wenig wie Burtons "Ed Wood" anhören, er ist völlig anders geartet, allein schon weil er die Figur des Tommy nicht feiert und sie absichtlich nie durchleuchtet oder hinterfragt. Denn Tommy soll ein Rätsel bleiben, das Werk über ihn soll keine Sozialstudie sein, in der wir lernen die Psyche des ungewöhnlichen Mannes zu verstehen. Wir sollen nur kurz jene Luft atmen, die man in seinem Radius abbekommt. Dank eines passiven und dennoch aufdringlichen, sensiblen aber nicht empathischen und reflektierenden aber fehlerhaft selbst-reflektierendem Charakters ist das auch gar nicht anders möglich, wenn man erst einmal in Kontakt zu ihm steht.  OFDb

25.03.2017

BAD NEIGHBORS 2 (2016)

Bereits „Bad Neighbors“, der erste Teil des hier besprochenen Streifens, war lediglich eine nette kleine Routine-Komödie ohne nennenswerte Höhepunkte, solide inszeniert, aber bis auf winzige Elemente überraschungsfrei und vorhersehbar erzählt. Wie zu erwarten ist das Ergebnis in „Bad Neighbors 2“ nicht anders ausgefallen. Dass ich mich trotzdem relativ früh nach Erscheinen der DVD an die Fortsetzung herangewagt habe, liegt am Mitwirken von Chloë Grace Moretz, die ich für eine der talentiertesten Jungdarstellerinnen halte, die Amerika zur Zeit zu bieten hat. Wie gut der Star aus „Kick-Ass“, „Let Me In“ und „Carrie“ schauspielern kann, fällt in Nicholas Stoller Film, an welchem auch Hauptdarsteller Seth Rogen mitgeschrieben hat, jedoch kaum auf.

Das ist sehr schade. Erst kürzlich in „Die Wolken von Sils Maria“ durfte Moretz ihre Vielseitigkeit und ihr Können in einem Art House-Stoff unter Beweis stellen, und unter der Fuchtel von Seth Rogen wusste sich „Harry Potter“-Star Emma Watson in „Das ist das Ende“ mit nur einem kleinen Gastauftritt gekonnt zu emanzipieren. Dass dies in der viel größer angelegten Rolle Moretz‘ in „Bad Neighbors 2 - Sorority Rising“ (Originaltitel) nicht ebenfalls der Fall ist, liegt an der oberflächlich gezeichneten Charakterisierung. Zwar wird ihre Rolle als Kämpferin gegen den Sexismus dargestellt, letztendlich verkörpert sie aber nur das übliche Party-geile Teenie-Mädchen, wie man es in jeder x-beliebigen Teenie-Komödie zu sehen bekommt.

„Bad Neighbors 2“ soll ein kurzweiliger Partyfilm sein, deswegen ist dies nicht wirklich hinderlich für den Unterhaltungswert des Streifens, es verkauft die sympathische Schauspielerin damit lediglich unter Preis. Interessant an der Herangehensweise Stollers ist die Perspektive aus welcher der zweite Teil erzählt ist. Waren trotz diverser Abstecher ins Lager der Studenten Mac und Kelly die Stars des ersten Films, beleuchtet die Fortsetzung das Treiben der Girlies ein wenig intensiver. Einige Zeit lang beschäftigt sich der Streifen intensiver mit ihrer Seite als mit jener der Helden aus Teil 1. Damit bekommt „Bad Neighbors 2“ tatsächlich einen gewissen Teenie-Komödien-Touch.

Da der Film insgesamt nichts Neues zu erzählen hat, hat die Erwachsenenseite, die gerne jünger wäre als sie ist, ihr Alter aber akzeptieren muss, dem wilden Treiben der Mädels nicht viel entgegenzusetzen, wirkt damit gehaltloser, so dass die Teenie-Perspektive dominiert. Erst in der letzten halben Stunde besinnt man sich dessen was man eigentlich mitteilen möchte, und lenkt damit wieder auf die Seite der Erwachsenen, die, wie schon in Teil 1, mit Hilfe eines entgegenkommenden Kompromisses als Sieger vom Platz laufen.

Mit „Bad Neighbors“ verhält es sich ähnlich wie mit der „Ted“-Reihe. Innovativ und böse sieht anders aus, und ich kann jeden verstehen der auf diese Komödien schimpft, die nur das Grundlagenprogramm abarbeiten und keine wirklich großen Lacher, Kreativität und Überraschungen zu bieten haben. Als solide Routine-Kost gehen sie aber beide für mich in Ordnung, die beiden Rogen-Filme sogar mehr als die Vergleichsreihe mit Mark Wahlberg, ist mir der Hauptdarsteller seit meiner ersten Begegnung mit ihm in „Shopping-Center King“ doch einfach ursympathisch. Und dass er auch noch zusammen mit Chloë Grace Moretz in einem Film auftaucht, ist für mich wie ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk und rettet mir somit solch einen durchschnittlichen Stoff, in Kombination mit einer soliden und flotten Inszenierung. Einfallsreich sieht anders aus, aber Langeweile bekämpft der Streifen trotz seinem braven Einhalten gängiger Erzählregeln recht ordentlich.  OFDb

28.07.2016

21 JUMP STREET (2012)

Ich kenne die brühmte Serie „21 Jump Street“ mit Johnny Depp nicht und habe damals nicht einmal zufällig reingeschaltet. Aber das war kein Hinderniss mit der Kinoversion mit Jonah Hill und Channing Tatum seinen Spaß zu haben, ist diese kleine Komödie, die von ihrer Idee her ein klein wenig an „Mord in der Highschool“ erinnert, doch ein kurzweiliges Stück Nonsens, zumindest wenn man keine hohen Erwartungen an einen derartigen Stoff hegt. Ich habe den Film der Regisseure Phil Lord und Christopher Miller nun bereits zum zweiten Mal gesehen, und aufgrund seines Tempos bleibt er auch dann interessant, kann man sich doch wahrlich nicht jeden Kalauer merken, der in dieser flotten Umsetzung abgefeuert wird.

Allerdings spielt da auch die Belanglosigkeit eine Rolle mit. „21 Jump Street“ ist so schnell geguckt wie vergessen. Er ist die angenehme Art des Fast Food-Kinos welches Hollywood einem immer wieder zuwirft. Die Komödie ist wahrlich sympathisch, aber auch nicht sonderlich innovativ. Zu viele Witze sind zu platt, als dass man den Streifen irgendwem wirklich weiter empfehlen könnte, und dass die Geschichte ohnehin ein austauschbarer, nichtssagender Witz ist, ist nun wirklich keine Überraschung. Allerdings stimmt die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern, und die Idee des Rollentauschs weiß, so ausgelutscht sie eigentlich ist, zu wirken.

Gute Laune am Set, der Mut sich für keinen Witz zu schade zu sein und der Versuch Komik auf verschiedenen Ebenen zu verwenden, machen diesen Schnellverzehr interessant genug um ihn sich wirklich einmal gönnen zu können. Im direkten Vergleich hat die Fortsetzung „22 Jump Street“ jedoch die Nase vorn, wird dort die Medien-reflektierende Komik, die hier noch etwas zu bemüht ausfällt, doch pointensicherer eingebaut, und auch kurze Längen, die sich im Original trotz des hohen Tempos finden, werden in der Fortsetzung weggebügelt.

Dennoch weiß auch Teil 1 zu gefallen, allein schon weil er die Öko-Teens von heute aufs Korn nimmt, die Umweltschutz pseudo-ideologisch anstatt aus wirklichem Engagement zelebrieren. Und gerade in diesem Bereich weiß die Besetzung des Oberbösewicht-Schülers zu gefallen, der von James Francos Bruder Dave Franco unglaublich lustig verkörpert wird. Ihn zusammen neben seinem Bruder zu erleben, am besten in einer Seth Rogen-Komödie, stelle ich mir sehr humorfördernd vor. Im hier besprochenen Werk kommt er ein wenig zu kurz, aber die Nebenfiguren haben ohnehin der dominanten Präsenz ihrer beiden Helden zu weichen, und da diese auf simple Art wissen wie sie ihr Publikum belustigen, geht das auch als okay in Ordnung. Erst wenn die Originalbesetzung der Ur-Serie für einen sehr gelungenen Gastauftritt ins Geschehen tritt, müssen auch Hill und Tatum kurzfristig zur Seite treten und die Manege wem anders überlassen.  OFDb

25.05.2015

DARK LEGENDS - NEUGIER KANN TÖDLICH SEIN (2009)

Mit seiner Erfolgsfirma Happy Madison erlebt Adam Sandler einen großen, ungebrochenen Erfolg auf dem Komödienmarkt. Also wollte er es auch mal im Horrorbereich versuchen und produzierte unter der Sub-Firma Scary Madison „The Shortcut“, der bei uns als „Dark Legends - Neugier kann tödlich sein“ auf dem DVD-Markt erschien. Sandlers Komödien sind eher routiniert, teilweise erschreckend überraschungsfrei umgesetzt. Deswegen habe ich mich nach dem Lesen seines Namens im Vorspann auch im Horrorbereich direkt auf Durchschnittsunterhaltung eingestellt. Und das war kein Fehler.

Allerhand Rückblicke verraten uns mehr über kommende Ereignisse als es dem Spannungsbogen der Geschichte gut tut. Trotzdem schafft es Regisseur Nicholaus Goossen, der für Sandler einst die schrecklich debile Komödie „Grandma‘s Boy“ inszeniert hat, sowohl einen angenehmen Spannungsbogen zu kreieren, als auch das zu viele Wissen in die Erwartungshaltung des Zuschauers einfließen zu lassen. Zu wissen was man weiß ist teilweise beunruhigender, als wenn man das Publikum komplett im Dunkeln gelassen hätte. Im Horrorbereich schlägt sich Goossen somit wackerer als in dem der Komödie, auch wenn wir hier lediglich von einem zahmen Teenie-Horror sprechen.

Dieser orientiert sich komplett an das Teeniealter der Protagonisten, was ich nicht nur auf den Inhalt beziehe, sondern auch auf die Art der Inszenierung. Der Spannungsgehalt den Goossen erreicht erschafft er nicht aus Grusel, sondern eher aus abenteuerlichen Situationen, wie man sie selbst aus seiner Jugend kennt. Das heimliche Betreten eines Grundstücks auf das man nicht darf, verbotene Gebäude des Nachts betreten (zu meiner Zeit waren es Baustellen die wir unter Herzklopfen untersuchten), das weiß allein schon durch die Jugendperspektive zu wirken. Dass man noch mehr angespannt ist als einst als Kind liegt freilich daran dass man weiß, dass man gerade einen Horrorfilm sichtet. Trotzdem wäre der Horrorpart der Geschichte fast nicht nötig gewesen.

Die Figuren gewinnen ebenso wenig einen Innovationspreis wie die Geschichte, aber auch hier braucht man nicht all zu kritisch sein, guckt sich „Dark Legends“ (Alternativtitel) allein schon deshalb halbwegs erfrischend, weil die Art wie die stereotype Figurenkonstellation zueinander findet frei von Klischees ist. In einem Meer an Veröffentlichungen gleichem Genres sind es manchmal die Kleinigkeiten die es ausmachen können ob ein Film routiniert langweilig oder routiniert unterhaltsam ist.

Trotz inhaltlicher Einfallslosigkeit ist dieser kleine Film Letzteres geworden. Damit wird er zwar keine Empfehlung, kann von Vielguckern des Genres, die nicht nur die harte Horrorkost benötigen, aber ruhig mal geschaut werden. „Stand By Me“ stößt auf Luessenhops „Texas Chainsaw“ ohne dass „Dark Legends" einem von beiden auch nur ansatzweise das Wasser reichen könnte. Anspruchslose Kurzweile hat Goossens Genre-Beitrag trotzdem bereitet. Lediglich der Schluss enttäuscht, wird aber durch eine finale schwarzhumorige Pointe ein wenig aufgefangen.  OFDb

21.09.2014

BAD NEIGHBORS (2014)

Ob spießige Komödie („Vorsicht Nachbarn“), Filme für das Mainstream-Publikum („Verrückte Weihnachten“) oder schräge Ausnahmewerke („Die verrückten Nachbarn“), der Nachbarschafts-Streit ist ein immer wieder gern praktizierter Inhalt für humoristische Stoffe. Seth Rogen, der „Bad Neighbors“ mit produziert hat, geht das Thema auf die von ihm gewohnte anarchische Art und Weise an, setzt dabei wie in „Das ist das Ende“ die Party in den Mittelpunkt allen Geschehens, und setzt zur typisch bekannten Thematik einen drauf, in dem der Feind des auf Ruhe hoffenden Bürgers kein klassischer Nachbar sondern eine Studentenverbindung ist, eine deren Mitglieder ganz typisch, so wie es uns Hollywood zumindest immer wieder weiß machen will, nichts anderes im Kopf haben als pausenlos zu feiern.

Seth Rogen-Filme, wie der eben erwähnte über den Weltuntergang und die Drogen-Komödie „Ananas Express“ machen aufgrund ihrer Pointen-sicheren Provokationen und aufgrund der skurrilen, meist lang gezogenen Dialoge Laune. Auch „Bad Neighbors“ besitzt diese Vorteile. Da diesbezüglich jedoch bei weitem nicht jeder Gag zündet, und nach der Innovationsblende des Feindes sich das ganze erzählte Konstrukt als viel zu bekannt heraus stellt, bleibt es diesmal jedoch nur bei einem kleinen, sympathischen Film, dem der nötige Touch fehlt um ihn wirklich empfehlen zu können/wollen. Rogen spielt Rogen, alles wie gehabt, deswegen ist das Pärchen im Mittelpunkt auch keinesfalls ein klassisches Spießer-Pärchen. Letztendlich guckt sich der Streifen trotzdem und aus eben diesem Grund jedoch zu angepasst.

Auf der einen Seite hält „Neighbors“ (Originaltitel) sich brav an den klassischen groben Ablauf ähnlich thematisierter Werke, auf der anarchistischen Seite hält er sich brav an jenen Grad Provokation, der den klassischen Rogen-Fan mit an Bord bleiben lässt. Somit bekommt dieser eine immerhin noch amüsant bleibende Lightversion eines Filmes seines Lieblings präsentiert, während der klassische Komödien-Fan von ewigem grenzdebilem Herumgefasel vor den Kopf gestoßen wird, mit dem er nichts anfangen kann, womit „Bad Neighbors“ auch für diese Art Publikum Mauern aufstellt. So wirklich glatt geht für keine Art erwachsenem und Vorurteils-freiem Publikum die Rechnung auf.

Sicherlich werden Teenager kurzweilig und spaßig unterhalten, und die Intelektuellen werden genug zu meckern finden über das was sie von oben herab als zu niveaulos einstufen würden, beide Seiten sind keine Überraschungen. Aber in der Mitte trifft der Film beim Publikum eben auch nicht ins Schwarze, obwohl man „Townies“ (Alternativtitel) durchaus ein paar Überraschungen und verdammt gut gesetzte Pointen zugestehen muss.

Dennoch bleibt am Ende alles für eine Anarcho-Komödie eine Spur zu vorhersehbar und zu versöhnlich und für eine klassische US-Komödie zu skurril und geschwätzig. Ich persönlich mag diesen letzten Punkt, aber auch mir kam er mittlerweile viel gewollter vor als in den großartigen Wortgefechten in „Ananas Express“ und „Das ist das Ende“. Vielleicht hätte „Bad Neighbors“ doch eher die klassische Komödie, fern jeden Kompromisses a la „Shopping-Center King“ werden müssen. Dort wusste Rogen genug Wellen innerhalb der klassischen Kino-Normen zu schlagen. Der Film wusste genau was er wollte, wann er die Normen einreißen und wann er sich an diese halten musste, ohne dabei in irgend einer Art und Weise angepasst zu wirken. Nicholas Stollers neueste Komödie weiß dies nicht. Von daher kann man erleichtert darüber sein, dass „Bad Neighors“ zumindest noch kurzweilig zu konsumieren ist.  OFDb

22.04.2012

FRIGHT NIGHT (2011)

Zunächst glaubt er seinem ehemaligen Nerd-Kumpel kein Wort, dass in der Nachbarschaft ein Vampir hausen würde. Aber als besagter Ex-Kumpel spurlos verschwindet, merkt Charley Brewster schnell dass dieser nicht gesponnen hat. Nun heißt es die Familie und die Freundin beschützen und den Vampir ins Jenseits befördern. Doch der Okkult-Experte Peter Vincent warnt Charley. Der Vampir Dandridge gehört einer besonders hartnäckigen Gattung Blutsauger an...

Uneingeladene Nachbarn sind die unangenehmeren Vampire...
 
Der Original „Fright Night“ aus dem Jahre 1985 gehört meiner Meinung nach zu den besten Vampirfilmen. Da darf es einem schon mulmig werden, wenn von einer Neuverfilmung gesprochen wird. Dem alten Film tat bereits seine drei Jahre später gefolgte Fortsetzung nicht gut, und nun, Jahrzehnte nach dem Erstling, sollte ein Remake erfolgen, ein Remake eines Filmes, das mitten in den 80er Jahren badete, letztendlich aber auch gerade von diesem Punkt lebte. Macht eine neue Herangehensweise dann Sinn?

Keine Ahnung - mit dem Sinn und Unsinn von Remakes sollen sich andere befassen. Ich werde bei Fortsetzungen und Neuverfilmungen meist neugierig und gehe vorurteilsfrei heran. Ich verfluche solche Filme nicht, wie manch anderer Cineast. Das heißt jedoch nicht, dass ich nicht ohne Bedenken an ein solches Werk herangehe, und „Fright Night“ war, wie gerade erwähnt, auch ein individueller Spezialfall. Allerdings machte es nach der ersten Bekanntgabe, dass dieser Horrorfilm produziert werden soll, auch gleich Mut, dass mit Craig Gillespie kein Jungregisseur auf das Projekt losgelassen wurde.

Mehr noch: wo andere Regisseure sich den Horrorfilm als Startfeld ihrer Karriere aussuchten, da kam Gillespie aus einer ganz anderen Filmrichtung und bescherte uns z.B. die wundervolle, klischeearme Tragikomödie „Lars und die Frauen“, die so beispiellos erzählt war, dass der Gedanke geradezu interessant war, dass Gillespie sich an einen Horrorfilm wagt. Nun ist „Fright Night“ nicht so anspruchsvoll ausgefallen wie besagter Film um Lars und seine Puppe. Ein Auge sollte der Cineast jedoch trotzdem darauf werfen, denn das Remake „Fright Night“ ist ein Lehrstück dessen geworden, wie man einen Vorgänger nicht schlicht kopiert, sondern eigene Wege einschlägt, modernisiert und sich gleichzeitig vor dem Original verbeugt.

Auf völlig andere Art waren jegliche Elemente bereits im Original vorhanden. Modernisiert wurde nicht nur mittels aktuellem Erzählstil und diverse technische Errungenschaft der Gegenwart, auch die Figuren und ihre Herangehensweise an diverse Situationen sind im Heute zu Hause. Die Figuren hätten eine Spur mehr Individualität vertragen können, und gerade die Freundin Brewsters wird nicht gerade glaubhaft charakterisiert und wirkt zu klischeelastig. Aber an sich kommt „Fright Night“ frisch daher, ohne irgendeinem Jugendwahn zu verfallen, und das obwohl ein Teenager im Zentrum der Geschehnisse steht. Kenner des Originals werden manches Mal überrascht, z.B. wenn der Part um die Glaubwürdigkeit Brewsters wesentlich verkürzter daher kommt, und die Leute um ihn herum recht schnell erfahren dürfen, dass er kein Spinner ist. So etwas fördert die Erwartungshaltung, da man sich fragt, was für Schwerpunkte von nun an ins Zentrum rücken werden und wie sich diese mit dem Original vergleichen lassen.

Manch einer der alten Fans wird sich sicherlich mit der Neuinterpretation des Peter Vincent schwer tun. Aus einem jammernden, abgehalfterten TV-Star ist ein Bühnenmagier geworden, der geradezu in übertriebener Coolness schwimmt. Diese wird nur bedingt dafür genutzt aus dem angeblichen Guru des Okkulten einen Angsthasen zu machen, was ja letzten Endes der Schwerpunkt von Roddy McDowalls Interpretation dieser Rolle war. Für die Neuverfilmung ist Peter Vincent nicht wichtig genug, um sich mit seiner Modernisierung schwer zu tun. Aber auch er hätte eine Spur lebensnäher konzipiert sein können. Das Fehlen seiner lustigen Seiten sorgt zudem dazu, dass aus einer ehemaligen Horror-Komödie ein reiner Horrorfilm geworden ist. Freilich fehlt es der Neuverfilmung nicht an der notwendigen Ironie, zur Komödie verkommt die 2011er Version deshalb jedoch noch lange nicht.

Was sehr angenehm auffällt, ist das Unterordnen von Blut- und Computereffekten der Geschichte gegenüber. Außerdem ist es interessant, dass sich „Fright Night“ trotz modernem, flotten Stil auf die klassischen Vampire konzentriert, und dies zu einer Zeit, in welcher seit Jahrzehnten versucht wird dem Vampirismus neue Seiten abzugewinnen, was sogar bis zu der Extreme eines „Twilight“ führte, in welchem die Vampire nur noch das Trinken von Blut und die spitzen Zähnchen gemein hatten und zu einer Art Superhelden umgewandelt wurden. Gillespies Werk besinnt sich des Ursprungs filmischer Vampire und arbeitet mit dem klassischen Fehlen eines Spiegelbildes (modernisiert über das fehlende Auftauchen in Videoaufnahmen), der Verletzbarkeit durch Kreuze, Weihwasser und Tageslicht, dem unangenehmen Empfinden vor Knoblauch und dem alten Ritual, dass ein Vampir eine Wohnung erst betreten darf, wenn er eingeladen wird. Es ist gerade letzter Punkt mit dem es Gillespie versteht zu spielen und einen höchst überraschenden Moment mit dem Verwenden dieser alten Regel zu zaubern.

Als Mitte 40jähriger weiß der Regisseur was sich lohnt zu modernisieren und was nur temporär kurz angesagt wäre. In den entscheidenden Elementen seiner Geschichte beruft sich der Geschichtenerzähler auf das Traditionelle, und dieser Mix ist es der „Fright Night“ zu einer solch angenehmen und kurzweiligen Kost macht. Der große Wurf ist Gillespe dabei nicht geglückt. Aber was soll man jammern, wenn das Remake es weiß einem seine Geschichte kurzweilig zu präsentieren? Dann ist er halt "nur" ein Stück gelungenes Unterhaltungskino. Das reicht vollkommen aus.  OFDb