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01.12.2024

THE LOVED ONES - PRETTY IN BLOOD (2009)

Am Tag des Abschlussballs wird ein Teenager von einer Mitschülerin entführt, deren Frage auf ein Date für besagte Feier er ablehnte. Bei ihr zu Hause erwachend, muss er erfahren, wie geisteskrank die von Papa unterstützte und verwöhnte Jugendliche ist, die ihren persönlichen Abschlussball auf höchst morbide Art zelebriert. Und das Opfer muss erkennen, dass es schon Jungs vor ihm gab, die durch diese Hölle gehen mussten...

Ehemaligentreff unter dem Fußboden...

"The Loved Ones" (Originaltitel) besitzt eine überzeugend agierende Aggressorin, der man das verwöhnte Ich ebenso abkauft, wie das völlig verstörte. Und was uns die Verantwortlichen des Inhalts an Grausamkeiten vorlegen, durch welche die Hauptfigur durch muss, ist nicht von schlechten Eltern, gleichzeitig aber auch nicht mit Grausamkeiten überfrachtet. Nichtsdestotrotz handelt es sich um einen Folterfilm, zwar einer der satirischen Art, der augenzwinkernd thematisiert ist, dennoch aber auf nichts weiter aufbaut. Glaubwürdigkeit oder nicht mögen damit aufgrund des übertriebenen Comiccharakters aufgefangen sein, als vollkommen ausgefüllter Film schaut sich das Ergebnis jedoch für mich nicht an. Die Chose guckt sich eher wie eine Kurzgeschichte, und entsprechend lang ist sie ausgedehnt, mit allerhand streckenden Dialogen, meist durch die selbstgerechten Beweggründe und Beobachtungen der Psychopathin angewendet. Das Gesamtergebnis ist nicht ohne manch charmante Idee erzählt und technisch gut umgesetzt, es handelt sich um keinen billig hingeschluderten Film, aber mir reicht es einfach nicht aus einem Psychopathen dabei zuzusehen, wie er anderen Leid antut. 

Die sympathischen Ideen, die daraus etwas halbwegs Eigenständiges zaubern, sind in meinen Augen Pluspunkte und Negativpunkte zugleich. So ist es durchaus humoristisch wertvoll, wie herrlich unterwürfig Papa das ganze begleitet, der seine Tochter schon immer verzogen hat. Doch selbst obwohl er mit ansehen musste, wie sogar seine Frau Opfer der Brut wurde, so ist sein Agieren doch eben nur Comicübertreibung und nichts, was psychologisch reflektiert als tiefer gehende Satire funktionieren würde. Selbiges gilt für die Psycho-Tochter. All das grotesk Gezeigte bleibt oberflächlich, die Übertreibung hat auszureichen. Und so begnügt man sich es beim schwarzen Humor zu belassen, viel mehr hat "The Loved Ones" nicht zu bieten. Der wahre Spannungsgehalt findet sich in den Fragen, ob Außenstehenden klar wird, wo sich der vermisste Schüler befindet, und ob er gerettet werden kann, oder gar sich selbst gerettet bekommt. Doch dieser Aspekt steht zu weit hinten an, selbst wenn man Szenen außerhalb des Elternhauses der Psychopathin beiwohnt, immerhin bekommen selbst diese (gar nicht unwitzige) Humormomente beschert, die den Verantwortlichen wichtiger waren, als das Vorankommen der eigentlichen dünnen Geschichte. 

Das Werk von Sean Byrne, der 6 Jahre später "Devil's Candy" folgen ließ, besitzt durchaus seine Momente mit denen ich sympathisiere, so z.B. der Fluchtversuch der Hauptfigur, oder die Idee die zukünftige Psychopathin zunächst niedlich selbstbewusst darin zu zeigen, wie sie sich überwindet ihren heimlich Angebeteten nach dem begehrten Ball-Date zu fragen. Aber Filme wie dieser hinterlassen bei mir den Eindruck, ich sei allmählich zu alt für sie, während andere Beiträge meine Liebe zum Genre weiterhin bestätigen. Deswegen betrachte ich ihn eher als wackelig geraten, anstatt die Ursache seines Misslingens bei mir zu suchen.  Wiki

03.11.2024

LITTLE MONSTERS (2019)

Weil er die Lehrerin seines Neffen scharf findet, bietet sich der Taugenichts Dave als Aufsichtsperson für einen Ausflug an. Als es zu einem Zombieausbruch in der Nähe des Ausflugsziels kommt, müssen er und die Lehrerin die Kleinen beschützen, ohne dass diese etwas vom Horror mitbekommen...

Bist Du glücklich, klatsch' doch einfach in die Hand...

Das Erziehungssystem, das uns hier gezeigt wird und mittlerweile auch bedingt bei uns in Deutschland Fuß gefasst hat, ist mit seiner "in Zuckerwatte packen"-Mentalität äußerst fragwürdig, wenn man Kinder so gar nicht mit unschönen Realitäten konfrontiert. Anstatt diesen Ansatz zu veralbern, wird er in satirischer Form umso unangenehmer, auch wenn man aufgrund der Extreme den Schutzbefohlenen diesmal Recht gibt. Und so ist man um unendliche Fröhlichkeit bemüht, ohne dass dieses Verhalten hinterfragt wird, und damit reduziert sich der Film nicht nur seiner Möglichkeiten, sondern auch seiner Wirkung. Er mutet bitter an, obwohl er eine Komödie sein möchte, und der nicht rare Anteil gelungener Gags macht dieses Ergebnis umso trauriger. Sicherlich erreicht die so herrliche Parodie auf Berufsmusiker der ach so lukrativen Kinderbranche nie das Niveau eines "Tötet Smoochy", aber die dafür verwendete Nebenrolle gehört dennoch zu den Highlights dessen, was uns hier humoristisch serviert wird. Der Versager im Zentrum hingegen ist auch für die belustigende Art Film zu übertrieben egoistisch ausgefallen. Es ist nicht so, dass seine Art nicht lustig wäre, aber der für den Plot so wichtigen Wandel zum verantwortungsvollen Erwachsenen, der endlich seine Rolle in der Welt gefunden hat, wird dadurch unglaubwürdig. Soviel Empathie kann man durch die Erfahrungen, die er hier macht, bei einer derart penetranten und unsensiblen Art nicht gewinnen. Ich weiß, das klingt alles nach Maulen auf hohem Niveau, klingt nach Bereichen, die für eine Zombie-Komödie nicht wichtig sein müssten, aber sie sind es. Was nutzt der lockerleicht inszenierte Film, besetzt mit gut aufgelegten Darstellern, wenn die Mentalität derart fragwürdig daher kommt, ohne dies absichtlich für das Szenario zu nutzen? Doch auch wenn hier vieles nicht zu gefallen weiß, so stimmt doch zumindest der Ansatz dieses in den Sand gesetzten Werkes, das so viel mehr hätte sein können. Die Grenzerfahrungen, die gemacht werden, immer haarscharf daran vorbei, dass den Kindern die Illusion einer friedlichen Situation genommen werden könnte, die Nerverei ewiger Fröhlichkeit bevor ihr recht gegeben wird, all das sind Bereiche, die zu gefallen wissen, durch die hier gelebte Mentalität jedoch verwässert werden.  Wiki

02.11.2024

RIPPY (2024)

Ein Zombiekänguru treibt in der Nähe einer Kleinstadt in Australien sein Unwesen...

Matilda hätte es k.o. geboxt...

Es ist schön, dass wir in einer Zeit leben, in welcher schräge Ideen im Horror-Genre eine Chance auf Realisierung bekommen. Die Geschichte um ein Zombie-Känguru wäre lange Zeit nicht möglich gewesen, mittlerweile überrascht ein derartiger Stoff nur noch bedingt. Er klingt jedoch noch immer derart nach Innovation, dass man sich als Freund ungewöhnlicher Stoffe neugierig heranwagt. Es ist wie ein Restinstinkt, der noch immer aus alten, cineastischen Zeiten vorhanden geblieben ist, und dies obwohl derartige Stoffe spätestens durch die Fließbandproduktionen des TV-Senders SyFy zu müden Standardprozeduren, frei jeglicher Kreativität jenseits des meist bereits im Titel benannten Aufhängers, wurden. Auch Produktionen für den Kino- und Videomarkt, wie "Zombiber" und "Killer Sofa" kamen eher mau daher, mit etwas Glück flott genug inszeniert, um irgendwie die Ziellinie Richtung Abspann zu erreichen. Tiefpunkte wie "The Killing Tree", der die wunderbare Idee eines Tannenbaums mit mörderischem Eigenleben in den Sand setzte, unterboten gar die zum Mainstream gewordenen Fernsehproduktionen. "Rippy - Das Killerkänguru" (Alternativtitel) gehört zu den Kandidaten im mauen Mittelfeld, und der schaut sich wie eine Art leicht bessere Asylum-Produktion. 

Hier wie dort besetzt man einen ehemaligen Semi-Star in einer großen Rolle (diesmal den immerhin spielfreudigen Michael Biehn), die Musik dudelt gelangweilt, aber einen winzigen Hauch besser komponiert als bei The Asylum, im Hintergrund vor sich hin, die Computereffekte sind etwas teurer, sehen aber noch immer stark nach CGI aus und bilden keine glaubwürdige Vereinigung mit den Realaufnahmen, insbesondere mit den Figuren, von welchen der Hauptcharakter des Streifens ein Daddy-Trauma zugeschrieben bekommen hat, weil man dachte, dies könne die ansonsten oberflächlich gehaltene Figur etwas interessanter wirken lassen. Das tut es nicht, so dass jede Figur so austauschbar bleibt, wie der komplette Film, der den Fehler begeht den Zuschauer zu schnell einzuweihen, das Killerkänguru zu früh zu zeigen und seine Story in einer Endloswiederholungsschleife zu präsentieren, zumindest was den zentralen Aggressor betrifft, der sich weder steigert, noch sein Verhalten variiert. Gerade diesbezüglich wäre "Cocaine Bear" ein Lehrstück für Autor und Regisseur Ryan Coonan gewesen. Dieser Film zeigte zudem wie gut es einem derartigen Stoff tut, Humor zu besitzen. Ich mag zwar den Mut es dennoch mit einer ernsten Umsetzung zu versuchen, oftmals zeigt die Ironisierung eines solchen Stoffes, dass man der angegangenen, gewagten Idee nicht zutraut für sich allein zu funktionieren, oder dass der Zuschauer sich ihr ohne sie nicht vorurteilsfrei nähern kann. Einem Werk wie "The Red" (Originaltitel) hätte es hingegen gut getan sich augenzwinkernd der Thematik zu nähern, würde er sich damit doch entspannter schauen, so verkrampft wie er inspirationslos die so wundervoll klingende Idee völlig unnötig ins übliche Muster zwängt. 

Man wünscht dem Aufhänger des Stoffes die Muskelkraft seines Monsters, damit es diesem Erzählkäfig, den die faulen zwei Autoren meinen ihm anzutun, entkommen kann, gefangen im Routineplot, den Filmemacher immer dann nutzen, wenn es rein um Geld geht, anstatt um eine nett erzählte Geschichte. Und obwohl sich "Rippy" dem reinsten Standard der Tier-Horror-Thematik zuwendet und damit über allerhand Leerlauf verfügt, die er leider nur mit Leergeschwätz und überraschungsfrei inszenierten Tierattacken zu füllen weiß, nutzt man besagte Zeit nicht einmal, um die Herkunft des Zombiebefalls besagten Kängurus zu lüften. Nicht einmal die Protagonisten rätseln darüber, oder wundern sich generell über den Zustand des Tieres. Wenn die letzte Szene aus der Erklärungsarmut etwas sympathisches zaubert, indem es die Frage verdreht, weil das Tier, zumindest für den Menschen, selbst zur Ursache einer Zombieepidemie wird, vergeigt man diesen Gedankengang dann auch noch im nachgereichten Vorspann vor dem Abspann, der uns per Zeichnungen die Vorgeschichte des Aggressors erzählt. Dass auch die Animation dieser charmanten Idee lediglich im Mittelfeld angesiedelt ist, brauche ich eigentlich nicht mehr erwähnen, so sehr wie alles in diesem Film aus diesem Bereich stammt. Es bedeutet für das Gesamtwerk aber immerhin, dass man es mit viel Geduld zu Ende sichten kann und alles zumindest gegen Ende einen Hauch interessanter wird. Allerdings fällt auch der Finalkampf, bzw. der Sieg gegen die Bestie, viel zu banal aus. Und eigentlich, wenn man auf das müde, aber guckbare Produkt zurückblickt, war es ziemlich egal, dass das Känguru ein lebender Toter war, so wie sich der "Zombie Shark", abgesehen von seinen Augen, auch nie von seinen Artgenossen der etlichen anderen Hai-Horror-Filme unterschieden hat.  OFDb

29.09.2024

STING (2024)

Ein Mädchen entdeckt beim Herumlungern in einer fremden Wohnung eine kleine Spinne und nimmt diese mit heim, nichts ahnend, dass sie gerade erst unauffällig aus dem Weltall auf die Erde gekracht ist. Das Mädel füttert den außerirdischen Arachniden, und nachts wenn sie schläft beschafft er sich weitere Nahrung im Mehrfamilienhaus, indem er per Lüftungsschacht in die verschiedenen Wohnungen gelangt. Zwar wundert sich die Kleine über den schnellen Wachstum ihres neuen, geheimgehaltenen Haustiers, ansonsten hat sie jedoch keine Ahnung, welches Monster sie da heranzüchtet. Einzig der seltsame Biologiestudent, der einige Stockwerke über ihr haust, und dem sie ihr Geheimnis anvertraut, wird misstrauisch beim Anblick dieser ihm völlig unbekannten Spinnenart...

Liebe nie etwas, das mehr als vier Beine hat...

Im Internet und selbst in meinem Bekanntenkreis habe ich meist Negatives, maximal Mittelmäßiges über "Sting" gehört, der das Thema Riesenspinne endlich einmal wieder auf Kino-Produktionsniveau präsentiert, anstatt per Billig-CGI im SyFy-Stil. Mit entsprechend wenig Erwartungen bin ich an den Film herangegangen, dabei wären diese zum Erreichen eines positiven Eindrucks gar nicht nötig gewesen, denn der australische Genre-Beitrag kommt von Anfang an äußerst sympathisch daher, damit beginnend, dass der Vorspann kreativ und verspielt umgesetzt ist. Ähnlich wie "M3gan" erfindet man das Genre nicht neu, baut zwar auf allseits Bekanntes, ohne den üblichen Verlauf einer solchen Geschichte großartig zu verändern, beweist aber mit Tempo, Charme und Reflexion das richtige Gespür, um den Zuschauer sowohl bei Laune zu halten, als auch für den bereits bekannten Stoff neu zu begeistern. Gute Spezialeffekte, eine interessante Charakterzeichnung des Mädels, sowie die schwierige soziale Lage einer modernen Durchschnittsfamilie, trotz ungewöhnlicher Berufswahl, bescheren der Geschichte Mehrwert, Andersartigkeit und den Figuren mehr Tiefe. 

Nichtsdestotrotz konzentriert man sich hauptsächlich auf den Arachniden, "Sting" soll kein Sozial-Drama werden, und glücklicher Weise rutscht er weder in besagter Familiendramatik, noch bezüglich der scheinbaren Freundschaft zwischen Kind und Babyspinne in den Bereich des Kitschs ab. Zudem gibt sich der Streifen nicht moralisch, stattdessen verspielt, pointiert und äußerst flott im Voranschreiten seiner Horrorgeschichte. Schließlich spielt diese, wie uns die Überblende nach der toll inszenierten Eingangssequenz zeigt, nur innerhalb von vier Tagen, lässt dabei kein Klischee aus, hebelt solche aber nicht nur ironisch aus, sondern nutzt manch andere klassisch, so dass man sich als Vielseher wie zu Hause fühlt, ohne dass sich "Sting" stets etwas beweisen muss. Regisseur Kiah Roache-Turner, der auch das Drehbuch schrieb, ließ schon mit seinen beiden "Wyrmwood"-Filmen in Horrorkreisen von sich reden. Der hier besprochene Genre-Beitrag ist seine vierte Regie-Arbeit, und die gefällt mir ausgesprochen gut, ebenso wie die Kameraarbeit, die sich passend zum Restfilm ebenfalls verspielt gibt, ohne gleich ein Kunstwerk wie "Bis das Blut gefriert" zu schaffen. Dieses unverkrampfte Stück Spinnen-Horror, das mit der Arachnophobie arbeitet, ohne es mit Ekelsequenzen zu übertreiben, wird zeitnah ein weiteres Mal von mir gesichtet. Von meiner Seite aus gibt es also ganz klar eine Empfehlung, auch wenn es meist an Innovationen mangelt.  OFDb

01.09.2024

DAS PHANTOM (1996)

Der Verbrecher Quill ist mit jedem noch so nötigen Mittel gemeinsam mit seiner Verbrecherbande auf der Suche nach mehreren mystischen Schädeln, mit deren Hilfe er die legendäre Singh-Bruderschaft kontaktieren kann, um mit deren Hilfe unglaubliche Macht zu erlangen. Einer der Schädel wird jedoch von einem Dschungelgeist beschützt, von dem es heißt er sei unsterblich. Diese Gerüchte hält er für Mumpitz, doch schon bald muss er erkennen, dass das Phantom durchaus real ist...

Violett im Dschungel...

Die dritte filmische Umsetzung (nach einem Serial und einer türkischen Verfilmung) sollte für mich die erste Begegnung mit dem Phantom werden, obwohl es zu den klassischen Superhelden schlechthin gehört. Entsprechend überrascht war ich, dass diese Figur nichts magisches umgibt, dass sie lediglich von dem Ruf der Unsterblichkeit lebt, und das finde ich inmitten phantastischer Stoffe im Superhelden-Bereich eine reizvolle Idee. So wirklich will es Simon Wincer (Regie) und Jeffrey Boam (Drehbuch) jedoch nicht gelingen, der Figur jene Mystik zu bescheren, die sie auf die Außenwelt ausstrahlen soll. Zu sehr sind wir in ihre Erlebnisse und schließlich auch in ihren Alltag und ihre Gefühlswelt involviert, zu früh um vorher die Luft der Faszination zu atmen, die ein solcher "Geist" im Bewusstsein jener atmen muss, die von ihm als Legende gehört haben und ihm schließlich als Gegner oder Helfer gegenüber stehen. "The Phantom" (Originaltitel) ist mit einer derartigen Leichtigkeit erzählt, dass das aber auch nicht wirklich schlimm ist, guckt sich das kurzweilige Treiben doch ohnehin eher wie ein jugendfreundlicher Abenteuerfilm , als wie ein typischer Superheldenstreifen. 

Und in diesem bereitet es Freude, dass die Geschehnisse in den 30er Jahren angesiedelt sind, anstatt den Stoff in die Gegenwart zu verfrachten, Billy Zane einmal nicht als Bösewicht, sondern stattdessen als der titelgebende Held zu sichten ist, die bezaubernde Kristy Swanson einmal mehr zu erleben und die von Catherine Zeta-Jones verkörperte Figur nicht rein bösartig vorgesetzt zu bekommen, der Stoff erlaubt ihr einen für Superheldenverhältnisse unüblichen Charakter einer Gegnerin, für die Hoffnung besteht. Inwieweit das alles bereits in den Comics der 30er Jahre oder deren Fortführung vorhanden ist, weiß ich freilich als völliger Neuling in diesem Bereich nicht. Sehr wohl aber erkenne ich, an welchen Filmen man sich bei dieser ersten (und bislang einzigen) großen US-Verfilmung bediente. Ich erkenne hier Elemente aus Tarzan und Indiana Jones ebenso wieder, wie aus "Pippi in Taka-Tuka-Land" und "House 2". Das alles zusammen ergibt einen spaßigen, unschuldig anmutenden Mix, den man sich als Freund leichter Popkorn-Kost gerne einmal zu Gemüte führen kann. Ob der Film im Gedächtnis hängen bleibt, bleibt jedoch anzuzweifeln, dafür fehlt es ihm dann doch an Innovation und besonderen Momenten. Für einen anvisierten Kassenerfolg fällt zudem die schlichte Tricktechnik auf, die insgeheim schon unterschwellig suggeriert, dass "Das Phantom - Vernichte das Böse!" (Alternativtitel) eigentlich keine Chance hatte ein großer Kino-Erfolg zu werden. Auf schlichte Art hat er mir jedoch gefallen. Er ist der typische Kandidat eines Sonntagnachmittagsfilmchens.  Wiki

21.08.2024

GREAT WHITE (2021)

Halb pleite nimmt ein Pärchen, das mit seinem Wasserflugzeug Charterflüge anbietet, den Auftrag eines japanischen Ehepaares an, sie an eine bestimmte Küste zu fliegen. Hier stößt man zufällig auf die Leiche eines Mannes, der von einem Hai attackiert wurde. Da dieser, wie Handyfotos zeigen, mit einer Frau unterwegs war, fliegt man die Gegend ab, um nach dem umher treibenden Schiff zu suchen, in der Hoffnung die weibliche Begleitung des Toten noch lebendig vorzufinden. Als man fündig wird, ist die Frau bereits tot, ebenfalls vom Hai attackiert. Dieser kehrt zurück, bringt mit seinen fünf Metern Länge das Wasserflugzeug zum Sinken, und die beiden Pärchen, samt einem weiteren Mitarbeiter, treiben von nun an auf einer Rettungsinsel aus Plastik die Strömung entlang. Der große, weiße Hai ist ihnen geduldig auf den Fersen...

Die Asche eines Überlebenden...

"Great White" gehört glücklicher Weise nicht zu den billigen Fließbandproduktionen, wie sie z.B. der TV-Sender SyFy immer wieder im Bereich des Tier-Horrors auf den nimmersatten Genre-Fan loslässt. Die australische Produktion ist professionell besetzt und optisch gut eingefangen. Die Geschichte erfindet das Rad nicht neu, ist aber stets am Gefühlsleben der handvoll Figuren orientiert, so dass es an dramatischen Momenten und erst recht an spannenden nicht mangelt. Hinhaltemomente fühlen sich nicht als solche an, so dass es über 45 Minuten dauern darf, bis der erste der Fünf sein Leben lassen darf. Der Weg bis dahin ist keinesfalls uninteressant erzählt, obwohl er theoretisch gesehen recht monoton verläuft. Das ändert sich auch einige Zeit nach dieser Attacke nicht. Letztendlich passiert, was zu erwarten ist, jedoch in einer gut inszenierten Umsetzung, in der weder Standard-Geschichte stören, noch die im Klischee badenden Figuren, die glücklicher Weise über ihre Darsteller genug Innovation beschert bekommen, um sich trotzdem wie atmende Figuren anzufühlen. 

Die Haiaufnahmen sehen echt genug aus, auch dann wenn die Menschen attackiert werden, was teilweise Horrorfilm-typisch unglaubwürdig passiert, während der Großteil der Geschichte realistisch anmutet. Im Finale, wenn es heißt Mensch gegen Hai, siegt das Kino-Feeling. Hier muss keine Authentizität mehr eingehalten werden, wobei der Grundton, verglichen mit vielen anderen Werken dieser Art, noch ziemlich bodenständig ausgefallen ist, falls man das in einem Unterwasserszenario überhaupt so nennen kann. Einige Angriffe kommen plötzlich, gerne werden wir auch mal hereingelegt, zwischenmenschliche Differenzen kochen nie zu extrem hoch, so dass es weder nerviges Herumgekeife zu erleben gibt, noch irgendwelche engstirnigen Rachegefühle. Die Figuren sind alles Menschen mit Angst, Überlebenswillen, Kraft und Schwäche. Der übliche Unsinn stets noch genug Kraft zu besitzen, trotz Wasserknappheit, Übermüdung und Verwundungen, ist gütig zu entschuldigen, da er in einer typischen Horrorfilm-Dosierung enthalten ist, es damit also nicht völlig übertreibt. Die meisten Unlogiken werden durch Ignorieren klein gehalten, das packende Szenario sorgt aber ohnehin dafür, sich mit derartigen Kleinigkeiten nicht all zu sehr zu beschäftigen. "Great White" gefällt von der ersten bis zur letzten Minute und bietet einen passenden, packenden Song zum Abschluss im Abspann.  Wiki

12.07.2024

LAKE MUNGO (2008)

Eine Teenagerin geht in einem See verloren und wird Tage später als Wasserleiche tot aufgefunden. Von da an häufen sich paranormale Phänomene im Umfeld der Familie...

Verbuddelt nach der Selbstbetrachtung...

Als Fake-Doku inszeniert, wird zunächst eine klassische Geistergeschichte erzählt mit Erscheinungen, die letztendlich auch auf Video und Foto festgehalten/entdeckt werden. Das ist eher nüchtern eingefangen, aufgrund der klassisch plumpen Doku-Vorgehensweise, die hier imitiert wird, guckt es sich entsprechend trocken, zumal die Fake-Variante nie augenzwinkernd den unangenehmen Stil derartiger Sendungen aufbricht. Zumindest die Gestalt auf den Bildern verursacht naiven Grusel. Als sich die Geschehnisse eher Richtung True Crime bewegen, beginnt "Paranormal Lake" (Alternativtitel) etwas interessanter zu werden, aber gesteigert bekommt Regisseur Joel Anderson seinen eher dünnen Möchtegern-Grusler nur kurzfristig, da in dem kleinen Personenkosmos, der hier vorgestellt wird, zu viele Leute auf einmal unehrlich waren, die verstorbene Person zu viele Geheimnisse hatte, und die unangenehmsten Wendungen gleich beide Teile dieser Aufzählung beinhalten. Auch dass sich schließlich doch alles als paranormal zu entpuppen scheint, tut dem Stoff nicht gut, der hierzulande auch als "Paranormal Incident" erschienen ist. Letztendlich holt man weder genug aus der Mockumentary-Chose heraus, noch aus der erzählten Geschichte. Anspruchslos kann man "Lake Mungo" mit halber Backe bis zum Schluss sichten, die Wendungen halten einen zumindest halbwegs auf Trab, unterhaltsam ist dieses australische Produkt meiner Meinung nach jedoch nicht. Als klassisch inszenierter Film wäre das Ganze vielleicht etwas interessanter ausgefallen.  OFDb

08.06.2024

UPGRADE (2018)

Grey verliert nach einem Überfall seine Frau und sitzt querschnittsgelähmt im Rollstuhl. Von einem seiner Kunden, der ein Wissenschaftsgenie ist, bekommt er die Chance mittels eines modernen Computerchips wieder zu laufen. Doch das Implantat kann weit mehr. Grey nutzt seine neuen Fähigkeiten, die er daraus gewinnt, um die Mörder seiner Frau aufzuspüren. Eigentlich soll er sich so unauffällig wie möglich verhalten, ist er aufgrund der Innovation, die der Chip darstellt, doch an eine Schweigeklausel gebunden. Auch dass das Implantat immer öfter eigene Entscheidungen trifft, bringt die Situation gehörig durcheinander...

Technikkritiker wird zum Menschen 2.0...

Ein wenig "Der Rasenmähermann" hier, eine gute Dosis "Venom" dort, noch ein paar Elemente "Repo Men" mit hinein und sicher noch so einige andere Science Fiction-Vorbilder, und fertig ist die Wundertüte "Upgrade", die gekonnt all dies vereint, und dank einer cleveren, aber hauptsächlich dem Unterhaltungszweck dienenden, Geschichte dem Freund actionreicher Großproduktionen, mit all seinen bombastischen Ideen in guten Spezialeffekten gekleidet, ebenso schmecken wird, wie dem Freund des Genres Science Fiction, der üblicher Weise mehr erleben möchte als das laute Kawumm. Nicht nur, dass "Stern" (Alternativtitel) die verschiedenen Einflüsse seiner unterschiedlich qualitativen Vorbilder gekonnt vereint, die Geschichte wird zu einer eigenständigen Sache, da sie ihre Grundprämisse an kleinen, wie großen Eckpunkten weiter denkt, und sich somit nicht an der Grundlage, die alles Entscheidende auslöst, ausruht, sondern damit einen geistreichen Film schafft. Verkopft mutet die Regiearbeit des ursprünglichen Schauspielers Leigh Whannell, der mit dem dritten Teil von "Insidious" sein Debut gab und dem hier besprochenen Film die Neuverfilmung "Der Unsichtbare" folgen ließ, nie an. Ganz entspannt werden die geistreichen Ideen ins Actiongeschehen integriert, in einer Inszenierung, die sich auch Humor erlaubt und dank einer erwachsenen Mentalität innerhalb einer, das Kind im Manne weckenden und an Superhelden erinnernde, Geschichte dennoch niemals infantil anmutet. 

Man mag die ein oder andere Wendung erwarten, aber ähnlich wie jener von "Ex Machina", so weiß auch der Autor von "Upgrade", der in diesem Falle mit dem Regisseur identisch ist, dass der Zuschauer mitdenkt und ist ihm entsprechend immer mindestens einen Gedankengang voraus, um auch den aufgeweckten Part des Publikums auf Trab zu halten. Während ihm dies durch Wendungen in der Geschichte gelingt, zeigen die mit sehenswerter Optik umgesetzten Fähigkeiten des Protagonisten beiden Zuschauertypen manch clevere Aspekte per Aktion. Was es bedeutet die Fähigkeiten zu besitzen, die unser trauriger Held in "Upgrade" besitzt, zeigt der Film in einer unglaublichen Geschwindigkeit geradezu selbstverständlich umgesetzt, mit nicht gerade automatisch aufkommenden, ersten Gedanken zu den vorausgehenden Informationen, was einen immer wieder in Erstaunen versetzt. Zeit zum Nachdenken bleibt so gut wie keine, denn flott schreitet die ereignisreiche Geschichte voran, dies im positiven Sinne, denn nie wirkt "Upgrade" gehetzt erzählt. Ereignisse, Gefühle und Charaktervertiefungen kommen nicht zu kurz. Das in Australien und in USA gleichermaßen produzierte Werk ist ein Film mit Herz und Hirn und funktioniert im lauten, wie im versteckten Bereich gleichermaßen. Die gute Stimmung, die er zu erzeugen weiß, ohne dabei auf bittere und düstere Ideen zu verzichten, macht aus ihm einen Unterhaltungsfilm, der sich auch bei wiederholten Sichtungen immer wieder lohnt.  Wiki

22.10.2023

BLACK WATER - ABYSS (2020)

Bevor Andrew Traucki seinen Hai-Horror "The Reef" mittels einer alternativen Geschichte mit "The Reef - Stalked" über ein Jahrzehnt später fortsetzte, machte er selbiges mit seinem Spielfilm-Debüt "Black Water", welches ich bislang für seine beste Arbeit halte und in meinen Augen zu den besten Kroko-Horrors überhaupt gehört. Konzentrierte man sich dort auf die Höhe, mit von Krokodilen bedrohten Protagonisten auf Bäumen festsitzend, so widmet sich die 13 Jahre später erschienene Fortsetzung, ihrem Titel "Black Water - Abyss" gerecht werdend, der Tiefe. Hierfür mixt der Australier, der im Gegensatz zu seinen anderen Filmen für das hier besprochene Werk ausnahmsweise einmal nicht das Drehbuch schrieb, das Szenario des typischen Tier-Horrors mit dem der Höhlenfilme a la "The Descent" und "The Cave". Ähnlich wie in "Die Höhle" erkundet man eine bislang unentdeckte Höhle, wird dort eingesperrt, ohne dass ein Rückweg möglich wäre, oder irgendwer wüsste, dass man am besagten Ort ist. Dort stößt man hier auf ein hungriges Krokodil, dem ein Mensch bei seinem großen Appetit nicht reicht. 

Im Gegensatz zum Vergleichsfilm setzt man nicht auf Found Footage, sehr wohl aber, wie im Erstling von 2007, auf den Minimalismus einer Survivalgeschichte mit aussichtsloser Situation. Da gibt es die Abenteuerlustigen ebenso wie die, die lediglich mitgekommen sind, eine Heldin und eine Schwangere in getrennten Rollen verraten jedoch schon, wer überleben darf, da unterscheiden sich die Australier nicht von den US-Amerikaners, visieren sie doch das selbe Publikum an, das zwar eine spannende Geschichte erleben möchte, aber nicht damit geschockt werden darf, dass es in der Natur jeden erwischen dürfte, nicht nur die typisch fürs Kino Auserkorenen. Davon einmal abgesehen ist "Black Water: Abyss" gut erzählt. Auch wenn man ungefähr weiß wer in welcher Reihenfolge dem gefräßigen Ungetüm zum Opfer fällt, so spielt Traucki doch gekonnt mit den Momenten, in welchen das Krokodil zuschlägt oder eben nicht. Das Gespür für Spannung hat er nicht verlernt, und hin und wieder greift er auf den alten Trick von "The Reef" zurück, wenn er die zwangsweise im Wasser Befindenden unter Wasser Ausschau nach dem Aggressor halten lässt. Das war im Vergleichsfilm ein intensiveres Spannungserlebnis und benötigt im dunklen Wasser des hier besprochenen Streifens zusätzlich das Licht einer Taschenlampe, aber es funktioniert auch hier, sowohl von der Szenenhäufigkeit, als auch vom Spannungspotential in reduzierter Form. 

Ob es Sinn macht, dass ein Krokodil lediglich auf Bewegungen achtet und wirklich so überhaupt nicht auf Licht reagiert, kann ich als Laie dieser Tiergattung nicht beantworten. Sehr wohl macht es sich Traucki jedoch zu einfach, wenn er glaubt das Vieh würde nur im Wasser leben. Aber auch das verzeiht man, bei solch packender, ruhiger und konzentrierter Umsetzung, die uns nie zu viel Aufregung und Aktionen beschert, aber genug davon, um die Figuren und den Zuschauer auf Trab zu halten. Neben dem Eingesperrtsein und dem hungrigen Reptil, fördert man die Spannung zusätzlich durch ansteigendes Wasser, so dass die Figuren stets eine Möglichkeit finden müssen, sich höher in der Höhle zu positionieren, was die Anwesenheit von Verletzten erschwert. Und selbst dann sitzt man nur seine Zeit ab, bis der nächste Hoffnungsschimmer auf Flucht und einem Ausgang das angenehm monotone Geschehen erweitert. So intensiv wie seinerzeit im Erstling, kommt der Nervenkitzel zwar nicht mehr herüber, aber mittlerweile habe ich auch einige Werke dieser Art gesichtet, es mag also sein, dass Teil 1 heutzutage auch nicht mehr so extrem zu wirken weiß, ich weiß es nicht. 

Aber so oder so gehört "Black Water - Abyss" zu der angenehmen Art Kroko- und Survival-Horror, vorausgesetzt man kann mit langsam erzählten Stoffen etwas anfangen. Zudem weiß das Krokodil optisch zu wirken, bei seiner spärlichen Einsetzung bei wenig Licht, da bedarf es nicht einmal einer ausgefeilten Animationstechnik. Und nicht nur deswegen sind beide spät nachgereichten Fortsetzungen unterschiedlicher Erstlinge glücklicher Weise keine SyFy-Produkte, wie in den Fortführungen von "Anaconda" und "Lake Placid" geschehen. TV-Niveau atmen beide Werke nicht.  Wiki

21.10.2023

THE REEF - STALKED (2022)

Die spät nachgereichte Fortführung zu "The Reef" aus dem Jahr 2010 ist ein unabhängiger Film, der ein alternatives Szenario zum Thema Hai-Horror abliefert und erneut von Regisseur Andrew Traucki umgesetzt wurde. Auch hier beweist er wieder ein Händchen für einen gekonnten Spannungsaufbau. Das erste Drittel lässt vermuten, es gar mit einem Geheimtipp dieses überschwemmten Horrorfilm-Gebietes zu tun zu haben, da herrscht Nervenkitzel pur mit einem rar und gut eingesetztem Hai (mal in Form von Naturaufnahmen, mal mit einem künstlichen). Aber zum zweiten Drittel hin, wenn die Geschichte absichtlich zwei Schritte zurück geht, wird im Zentrum der Ruhe und Besinnung die Oberflächlichkeit der Charaktere doch all zu deutlich. Und deren Entscheidung zu tun, was sie tun, bleibt äußerst diskutabel, zumal nicht zu genüge nach Informationen gefragt wird, die zu alternativen Lösungen hätten führen können. Das letzte Drittel setzt wieder auf das Verlorensein im Meer, einem Hai ausgeliefert, der (wie der Titel es bereits verrät) diesmal stalked, warum auch immer (das wird nie geklärt). Und in dieser Phase fällt auf, dass die Haiattacken weit weniger effektiv umgesetzt sind als zuvor. Wo im ersten Drittel das Unbehagen siegte, der Spannungsaufbau gerade dann funktionierte, wenn man noch nicht wusste, ob es nun los geht, und Traucki in den entscheidenden Momenten den Hai packend einzufangen wusste, da setzt er hier oft auf plötzliche Attacken aus dem Nichts, die durch ihre optische Umsetzung jedoch gar nicht so nervenkitzelnd anmuten, wie die Vergleichsszenen aus der ersten Phase. Das ist schade, aber immerhin noch interessant genug eingefangen, um mit den Figuren mitzufiebern, denen es an Mut und Ideen nicht fehlt. Somit ist auch Teil 2 ein angenehmer Hai-Horror mit Spannungspotential, auch wenn er seine Möglichkeiten nicht zu genüge ausschöpft. Als Film für zwischendurch geht er in Ordnung, den Vorgänger mag ich jedoch etwas mehr, da er durchgängig ein Gefühl des angenehmen Unwohlseins bescherte.  Wiki

17.09.2023

PETER HASE (2018)

Basierend auf einem Kinderbuch-Klassiker springt Sony-Pictures mit einem Mix aus Animation und Realkomödie auf den Zug der Erfolgswelle von "Die Schlümpfe", "Yogi Bär" und all den vergleichbaren familienfreundlichen Stoffen auf, modernisiert die Vorlage hierfür ebenfalls wie bei den Vergleichsfilmen, um inmitten der Konfliktgeschichte zwischen Mensch und Tier einen Sprüche klopfenden Coolnessfaktor zu integrieren. Das fällt in vielen Werken infantil aus, was auch ansatzweise bei "Peter Hase" der Fall ist, bewegt sich aber hier im akzeptablen Zwischenraum aus Anbiederung an das Jungpublikum und funktionierenden Witzen und Sprüchen. Als Beispiel sei nur einmal der Hahn erwähnt, der voller Aufregung jeden Sonnenaufgang per Krähen dokumentiert, weil er mit diesem nach Sonnenuntergang am Tag zuvor nicht mehr gerechnet hat. Das Werk von "Einfach zu haben"-Regisseur Will Gluck ist einfaches Formelkino, nicht wirklich kreativ zu nennen, eher Produkt als Herzensangelegenheit, aber es funktioniert auf simpler Unterhaltungsebene, hat das Herz am rechten Fleck, überzeugt technisch mit glaubwürdiger Interaktion zwischen Mensch und animierter Tiere, die für meinen Geschmack etwas individueller im Look hätten ausfallen können. Ohne ihre verschiedenen Jacken wären sie kaum zu unterscheiden. 

Hier wurde nur so unterschiedlich und so charmant wie nötig animiert, innovativ sieht das nicht aus, es geht nur soweit in diese Richtung, wie es förderlich zum Funktionieren des Stoffes ist, so wie alles in diesem für den Markt konzipierten Konstrukt. Die Gradwanderung aus Gelingen und lahmer Routine wankt in Sachen Slapstick und Gefühlsebene mal in die ein, mal in die andere Richtung. Trotz mancher Ausrutscher und einer arg gewöhnlichen Story hat mir "Peter Rabbit" (Originaltitel) vom Unterhaltungswert jedoch recht ordentlich gefallen. Wer nicht zu viel erwartet und gern auch mal einer vorhersehbaren Geschichte beiwohnt, so lange diese genug Aktionskomik und kleine Albernheiten am Rande beinhaltet, der kann mit dem hier besprochenen Werk schlichte Kurzweile erleben. All zu moralinsauer ist der Streifen für einen Familienfilm mit US-Einfluss nicht ausgefallen. Einen Kreativpreis gewinnt man mit derartigem Konzept-Kino freilich aber auch nicht. Selbst die Parodie auf den Disney-Gesang, mit welchem "Peter Hase" u.a. startet, ist spätestens seit "Shrek" nichts neues mehr. Was soll ich sagen? Ich habe nichts erwartet und habe mich 90 Minuten lang amüsiert. Ich bin halt manchmal leicht zufrieden zu stellen. Und wenn ich bedenke welch weit plumperen Werke gerade im Bereich der Animationsfilme im letzten Jahrzehnt auf den Zuschauer lauerten, bin ich bereits erleichtert völlig ungenervt ein Werk wie dieses hier amüsiert überstanden zu haben.  Wiki

RED CHRISTMAS - BLUTIGE WEIHNACHTEN (2016)

Dass "Cujo"-Darstellerin Dee Wallace mittlerweile selbst in derart billigen Horrorfilmen auftaucht, die auf Amateurfilmbasis gedreht wurden, zeigte der missglückte "13 Fanboy". Etwas professioneller ist "Red Christmas" (Originaltitel) dann doch ausgefallen, produziert von Dee Wallace u.a. höchstpersönlich, viel Geld ist dennoch nicht geflossen. Und ob einem das fertige Produkt gefällt oder nicht, hängt vom Wohlwollen des Publikums ab. Meine Mitsichter waren wenig angetan von diesem Werk, in welchem es um ein vergangenes Unrecht geht, das eine Familie einholt, deren Idylle zu Weihnachten ohnehin nur Schein ist, so schnell wie die unterschiedlichen Mitglieder sich selbst zum Feste in die Haare geraten. Letztendlich geht es um eine Abtreibung und darum, dass das überlebte Kind nicht bereits im "The Suckling"-Alter Rache nimmt, sondern erst erwachsen geworden. Und von Rache nehmen kann man trotz der blutigen Taten nur bedingt sprechen. Das geistig verwirrte und Mitleid hervorrufende Wesen wird missverstanden, ausgegrenzt und selbst mit dem Verstehen der tatsächlichen Hintergründe von den Anti-Helden der Geschichte bekämpft und verachtet. Schön dass der Pfaffe der Familie keine Ausnahme bleibt, und schön dass es ein Werk wie "Red Chrismas" wagt Gut und Böse in einem Slasher zu vertauschen, so dass man einmal zurecht auf der Seite des Killers mitfühlen darf. Die deutsche Synchronstimme des Fremden brach mir fast das Herz, sie war der nötige Zugang zum Stoff, der mich weichherziger mit dem eigentlich routiniertem Ergebnis dieser Billigproduktion umgehen ließ, als es meine cineastischen Begleiter an diesem Abend taten. Auf simpler Ebene bietet Regisseur Craig Anderson, der eigentlich Schauspieler ist, einen sympathischen kleinen Mix aus Blut, Scham und plumper Gesellschaftssatire mit Moraltouch, zwar banal anzuschauen, aber irgendwie das Herz am rechten Fleck habend. Ich konnte dem schlichten Werk einfach nicht böse sein, trotz unübersehbarer Schwächen. Ich bin nun mal ein Cine-Softie.  OFDb

23.07.2023

MAN THING (2004)

Da man bei der Erwähnung der Marke Marvel aus Gewohnheit zunächst an Superhelden denkt, habe ich eher eine Geschichte a la "Swamp Thing" erwartet, anstatt die eines Horrorfilms um einen Dämonen aus einer Indianerlegende, so wie z.B. in "Anthony 2" geschehen. Warum mir Letztgenannter besser gefällt, als der sich ebenfalls in Klischees wälzende, Standardphasen einer typischen Horrorgeschichte abarbeitende "Man-Thing" (Originaltitel), kann ich mir beim besten Willen nicht erklären, kranken beide Werke doch an ähnlichen, gerade erwähnten Schwachpunkten. Vielleicht hängt es mit der Tagesform zusammen, vielleicht sympathisiere ich einfach mehr mit dem Erscheinungsjahrzehnt des Vergleichsfilms, vielleicht liegt es aber auch am Anflug einer mystischen Atmosphäre dort, die man in Marvels Horrorfilm gänzlich vermisst. Lieblos ist er nicht inszeniert. Das zeigen der wirkungsreiche Handlungsort und die Kreatureneffekte, die für einen kostengünstigen Streifen nicht von schlechten Eltern sind. Vielleicht gebe ich dem Film ein andermal tatsächlich noch mal eine Chance, besitzt er doch Pluspunkte, bezogen auf sein Produktionsniveau, die ich in vergleichbaren Werken ansonsten mehr zu schätzen weiß. 

Wie auch immer, bei der jetzigen, ersten Sichtung kam mir der Handlungsverlauf etwas arg routiniert vor, badend in Indianer- und Weißen-Klischees, wieder einmal die Anti-Industrie-Keule schwenkend, erlebt über eine Hauptfigur, von der man nicht begreift, warum sie vor Ort ist (so sehr das Drehbuch auch darin bemüht ist, uns dies begreifen zu lassen). Der grünliche Grundton im Bild, sobald die Geschichte tiefer in den Sümpfen spielt, weiß zu gefallen. Ohnehin ist der Dschungel ein unübersichtlicher Ort, in dem man bereits als Zuschauer meint verloren zu gehen. Das weiß zu gefallen. Ebenso wie das erst im letzten Drittel deutlicher gezeigte Monstrum, das gern eine Fortsetzung hätte erfahren dürfen, wenn es nach mir ginge. Im Gegensatz zu vergleichbaren Produktionen rächt sich der Dämon anbei nicht nur an den Bösewichtern, sondern tötet so lange wahllos wen auch immer es in die Fangarme bekommt, bis es vorübergehend gestoppt wird, um irgendwann einmal wieder aufzutauchen. Leider überzeugt der Schluss, bezogen auf das Aus seiner Taten, nicht. Da "Man Thing" jedoch ohnehin nicht versucht in irgendeinem Punkt psychologisch glaubwürdig zu sein, sondern sich ganz seiner düsteren Horror-Comic-Abstammung verpflichtet fühlt, ist das auch ziemlich egal.  Wiki

25.06.2023

IN THE AFTERMATH (1988)

Es klingt unglaublich reizvoll, dass sich die drei Länder USA, Japan und Australien zusammengetan haben, um einen Endzeit-Science Fiction für Erwachsene zu drehen, der den Bereich des Realfilmes und jenen des Zeichentricks kombiniert. Dies um so mehr, als dass Mamoru Oshii als Animateur und Mit-Regisseur genannt wird, der später mit seinen "Patlabor"-Filmen und den "Ghost in the Shell"-Werken von sich reden machen sollte. Allerdings hat dieser lediglich drei Jahre zuvor den Anime "Angel's Egg" geschaffen, an dessen Material man sich bediente, um es im hier besprochenen "After Rabbit" (Alternativtitel) zweitzuverwerten. Drumherum entwickelte man eine sehr kostengünstig inszenierte Science Fiction-Geschichte, gedreht mit wenig Beteiligten in der Einöde und in schlichten Strahlenschutz-Kostümen, und fertig war der Produzententraum auf derart lieblose Art einen weit reizloseren Film zu schaffen, als es zunächst klang. Zeichentrick und Realsequenzen treffen nie direkt aufeinander, wie es bei "Falsches Spiel mit Roger Rabbit" im selben Jahr perfektioniert werden sollte, und die neu inszenierten Realfilm-Sequenzen glänzen auch nicht gerade mit Innovation oder zumindest einer erzählenswerten Geschichte. Die dümpelt mit einem hauchdünnen Alibi-roten Faden lahm vor sich hin, so dass man als Zuschauer recht schnell merkt, dass hier nichts zu holen ist, zumal sich die Darsteller in ihren oberflächlich gehaltenen Rollen auch nicht gerade ein Bein ausreißen, warum sollten sie auch? Kurzum wird aus einem in der Theorie aufregend klingenden Filmexperiment eine billig zusammengeschusterte Geldmaschine, von der ich nicht weiß, ob sich ihr minimaler Aufwand finanziell tatsächlich gelohnt hat oder nicht. Wäre er tatsächlich ein großer Erfolg geworden, wäre "In the Aftermath" aber sicherlich heutzutage bekannter. Andererseits ist er schon immer für ein Randpublikum konzipiert gewesen, also wer weiß... Regisseur Carl Colpaert hat sich nach diesem Erstling eher dem Bereich des Thrillers und Dramas zugewendet, inszenierte u.a. den Fantasyfilm "G.I. Jesus" und hat mit seinem achten Werk "The Land of the Astronauts" 2010 schließlich seine Regiekarriere an den Nagel gehängt. In Deutschland wurde kaum einer seiner weiteren Beiträge veröffentlicht. "In the Aftermath" kann man sich getrost sparen, so lieb- und respektlos wie er mit Oshiis Material umgeht.  OFDb

12.02.2023

APOCALYPTIC - THEIR WORLD WILL END (2014)

Ein Jahr nach "The Sacrament" widmet sich Australierin Glenn Triggs ebenfalls der Sektenthematik per Horror im Found Footage-Verfahren, zeigt uns aber eine andere Art Sekte. Ebenso wie West setzt Glenn auf das Unbehagen unter der Oberfläche einer glücklich scheinenden Gemeinde. Warum das Reporterteam willkommen ist, wird nicht ganz klar, auch die Abwesenheit der Männer der Gemeinschaft scheint zunächst keinen Sinn zu ergeben, doch das ändert sich, wenn man allmählich erfährt woran die Gemeinde glaubt. Zusätzlich zur ohnehin schon entrückten, sich selbst aufgebenden Gottesgläubigkeit und einiger Rituale, welche das Team als Zeuge beiwohnend an ethische Grenzen bringt, erschüttert der immer stärker angedeutete Pädophilie-Aspekt, der trotzdem nie zum Zentrum der Geschichte wird. Dank der hervorragenden Besetzung des Sektenführers wirkt dieser Themenbereich umso unangenehmer, so väterlich sich dieser unangenehme Mensch gibt. Das Einmischen der Fremdlinge wird zu einem stärkeren Element, als es im Vergleichsfilm der Fall war. Hier bekommen Menschen Chancen der gleichen Finalsituation wie dort zu entgehen, denn "Apocalyptic" setzt auf eine andere Schlussidee als dieser, sogar auf eine sehr geglückte, die aber nur als unglaublich kurz gehaltene Andeutung ihren Platz findet und abrupt vom Abspann unterbrochen wird, schade. "Raw Feed" ging diesbezüglich konsequenter vor. Ohnehin ist "Apocalyptic" in mehreren Punkten nicht konsequent genug umgesetzt und lässt einen, ebenso wie das Konkurrenzprodukt von West, etwas unbefriedigt zurück. Dank eines Einblicks in eine wunderliche Szene und des Unbehagens, welches der Film zu entfachen vermag, ist er dennoch einen Blick wert, sofern man nicht zu viel erwartet.  OFDb

04.07.2022

GREEN CARD (1990)

Im Gegensatz zu vielen anderen romantischen Komödien, manch gelungene eingeschlossen, besitzt der von Peter Weir inszenierte "Green Card" eine erzählenswerte Geschichte, die auf einer ungewöhnlichen Idee aufbaut. Das ist keine Ausnahme bei dem guten Mann, der mit "Picknick am Valentinstag", "Die Truman Show" und "Die Autos, die Paris auffraßen" (um nur ein paar zu nennen) stets für das jeweilige Genre alles andere als Standard ablieferte. Die mit Gérard Depardieu und Andie MacDowell ideal besetzte Komödie ist dem Mainstream wahrscheinlich näher als alle anderen mir bekannten Werke des Ausnahme-Regisseurs, und doch unterscheidet er sich gewaltig von der Konkurrenz. Das beginnt mit einer komplett Kitsch-befreiten, geradezu erwachsenen Atmosphäre, ist ebenso zu bemerken in den reflektierenden, oft sachlich agierenden Hauptfiguren und zudem in einem psychologisch durchdachtem Entstehen einer Liebe unter ungewöhnlichen Umständen. 

Der Romantikgehalt ist arg zurück geschraubt und plätschert meist nur leise im Hintergrund vor sich hin. "Green Card - Scheinehe mit Hindernissen" (Alternativtitel) ist eine gekonnt gespielte Komposition, die in den richtigen Momenten und in der richtigen Dosis Gefühle aufkommen lässt, passend zum inhaltlichen Komponistenaspekt, der für einen großen Lacher, gefolgt von einem der intensivsten Gefühlsmomente des Films sorgt. Ohnehin hat Weir als Autor und Regisseur das Spiel beider Elemente im richtigen Mix im Griff, lässt einen eher schmunzeln als laut lachen, lässt aber auch Letztgenanntes gelegentlich zu, dies aber, ebenso wie die Romantik, nie unter Missachtung der Charaktere. Diese könnten unterschiedlicher nicht sein und beweisen auf gekonnte, anstatt auf blauäugige Art, das allgemeine Sprichwort der Gegensätze, die sich anziehen. Da zudem auch beide Landesmentalitäten glaubwürdig, aber nicht aufdringlich, als wichtiger Bestandteil in die Geschichte eingebunden sind, was man wohl der gemeinsamen Beteiligung beider Länder zu verdanken hat, atmet "Green Card" genau jenen Realismus, der das Ganze echt erscheinen lässt, ohne einem den für das Genre der Liebeskomödie so wichtigen Bereich des Träumens schuldig zu bleiben. Weir betäubt den Zuschauer diesbezüglich jedoch nicht, sondern lässt ihn sinnlich, verschmitzt und reflektiert das Erlebte mitempfinden. Dementsprechend erwachsen und konsequent darf auch der Schluss ausfallen.  OFDb

12.06.2022

ICH WEISS MAL WIEDER, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST (2008)

Der Film des bisher nur einmal tätigen Regie-Duos Stacey Edmonds und Doug Turner (Letztgenannter steuerte auch das Drehbuch bei) klingt wie eine weitere Komödie im Fahrwasser von "Scary Movie", ist es aber nicht. Und auch wenn der deutsche Titel dies suggeriert, so ist er nicht einmal eine Parodie auf "Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast". Zwar orientiert sich der Originaltitel "I Know How Many Runs You Scored Last Summer" ebenfalls direkt an besagtem Kinoerfolg, geht inhaltlich mit dem Verweis auf den Sport aber zumindest schon einmal in die richtige Richtung, geht es in dieser Horror-Komödie doch um einen Rächer, der Jahre nach Mobbing-Quälereien, die auch körperlicher Natur waren, seine Peiniger von einst ermordet, allesamt Cricketspieler. Auch im Versteck unter Polizeischutz schlägt er zu. Nun darf man fleißig Mörderraten spielen, sofern einen das Szenario zu packen weiß. Es fällt weit weniger witzig aus als vermutet, was zum einen an den nie wirklich funktionierenden Gags liegt, aber auch daran dass die beiden Regisseure trotz des albern klingenden Titels beide Genres gleichrangig einfließen lassen. 

So lobenswert das klingt, so sehr ist es dann auch in die Hose gegangen, schaut sich der gar nicht mal so übel gespielte Undergroundfilm doch rein handwerklich schon ziemlich plump. Uninteressante Kamerawinkel, ein Farbfilter der einen das billige Digitalbild geradezu aufs Auge drückt und ein Ton (Synchro wie Originalton) mit einem Störgeräusch im Hintergrund machen es einem nicht gerade leicht dem Streifen eine echte Chance zu geben. Freilich habe ich dies trotzdem versucht, man wird aber nicht wie bei "Bis das Blut kocht", "Zombie Driller Killer", "Day X" oder "Spaghettiman" mit einer netten Entdeckung belohnt. Der sich eher wie ein Amateurfilm anfühlende Streifen kommt einfach zu einfallslos daher. Zwar bietet er in Sachen Mord und nackte Haut so manchen Schauwert, und er kommt durch den Mangel an bierernster Umsetzung auch nie so verkrampft daher wie manch deutsche Hobby-Produktion, aber die an "Die Todesparty" und "Monster im Nachtexpress" angelehnte Geschichte wird letztendlich uninspiriert heruntergekurbelt, ohne dem Ganzen einen besonderen Sehwert, eine neue Idee oder wenigstens einen gekonnten Spannungsbogen zu bescheren. So bleibt das enttäuschende Fazit, dass der deutsche Titel das lustigste am kompletten Werk ist und die Duschszene (die es anbei auch unter den Extras der deutschen DVD-Veröffentlichung noch einmal gesondert zu sehen gibt) mit ihren recht detailreichen Aufnahmen eines glatt rasierten und natürlich geformten Frauenkörpers der interessanteste Moment des kompletten Streifens ist. Schade!  OFDb

06.08.2021

THE FURIES (2019)

Es ist nicht zu übersehen, dass der Australier Tony D'Aquino mit seinem eigens geschriebenen Spielfilm-Debüt "The Furies" am liebsten eine neue Filmreihe ins Leben rufen würde, so spät wie er uns, zuvor nur angedeutet, konkretere Blicke hinter den Ereignissen im Wald gewährt, freilich ohne das Geheimnis im vollen Ausmaß auszuleuchten. Das was man da erfährt ist so wenig neu, wie die Ereignisse im Hauptgeschehen mitten im Wald. Aber der Mix aus "Freitag der 13.", "Hostel", "Slashers" und "Cabin in the Woods" weiß genügend zu gefallen, so dass die angedeuteten Ereignisse eines möglichen Teil 2 neugierig machen, so verspielt wie sich das Erstling guckte. Dem mangelt es nicht an drastischen Augenblicken, die harten Gore-Momente haben es wahrlich in sich. Aber ein Hauch schwarzer Humor weht oft mit, auch wenn er meist eher bitter anmutet als so fröhlich wie in jener Szene auszufallen, in welcher einer der maskierten Killer der Heldin fröhlich zuwinkt. 

Meist steht Flucht und Jagd auf dem Programm, und da darf man sich schon wundern, dass "The Furies" in seiner doch eher monotonen Erzählung nicht zu lahm ausgefallen ist. Dass man auch bei der x-ten ähnlichen Situation, eines seit 20 Jahren in diversen Horrorfilmen widergekäuerten Szenarios, nicht gelangweilt auf die Uhr blickt, liegt aber auch an den passend besetzten Frauen, welche ihren eher flach gezeichneten Klischee-Figuren mit der nötigen Mimik genug Leben einhauchen, um sie als individuelle Menschen wahrzunehmen. Deren recht echtes Wirken steht zwar im Widerspruch zu einem völlig unrealistischem Geschehen, in welchen harte Verwundungen weggesteckt werden wie kleine Kratzer am Körper (was soll schon an einer vom Messer durchbohrten Hand oder einer Axt im Rücken schmerzvoll sein?), aber es ist eben hauptsächlich der menschliche Faktor, welcher Interesse für die Teenager und ihr Schicksal verursacht. Die Dialoge bleiben hingegen so eintönig wie der Großteil der Handlung. 

Ich persönlich fand es positiv, ob von D'Aquino so gewollt oder nicht, dass die zentrale Heldin keine Sympathiefigur ist, was bereits in der Eingangssequenz vor der Entführung spürbar ist. Doch sie ist taff, handelt überlegt, und auch ihr epileptisches Leiden, das stets zu übelsten Zeitpunkten stattfindet, bereichert das Treiben in "The Furies" ein wenig. Das Rätselraten des großen Warums, gerade mit erstem kurzen Blick hinter die Kulissen zur Mitte des Films, sorgt für den Rest, so dass für den anspruchslosen Vielseher mit brauchbaren Figuren, einem reizvollen Rätsel und sehr blutigen Bildern (freilich nur in der Unrated-Fassung) ein überraschend kurzweiliges Happening entstanden ist, das meiner Meinung nach gern in Serie gehen kann. Die Fortsetzung könnte dann so eine Art "Resident Evil" trifft auf "I Spit on Your Grave" werden. Da man im Netz eher auf negative Meinungen zu diesem gar nicht mal so üblen Trivialprodukt trifft, bleibt es jedoch fraglich, ob es tatsächlich zu einer Fortsetzung kommen wird.  OFDb

18.07.2021

CARGO (2017)

Der Bereich des Zombiefilms ist nicht tot zu kriegen, und warum das so ist beweist u.a. "Cargo" mit seinem Einfallsreichtum, welcher zeigt wie viele Möglichkeiten das immer gleich scheinende Thema an Potential bereit legt. Dabei weiß man zunächst einmal gar nicht ob man einen Zombie-Beitrag sichtet, oder ob lediglich ein alternatives Endzeit-Szenario dargeboten wird. Die Geschichte bestätigt erst recht spät das naheliegendste Szenario, gekonnt spielt man in dieser ersten Phase mit den Erwartungen und der Neugierde des Publikums. Bereits hier, in Szenen in denen sich unser Protagonist innerhalb der unangenehmen Umständen relativ wohl fühlt, weht eine Dramaturgie über den Dingen, eben weil man weiß dass tiefe Gefühle und Intimität so wenig von Dauer sein können in dieser Endzeitwelt, wie das Zusammensein mit lieb gewonnenen Menschen ohnehin. Wenn das Drehbuch uns nun nach einem hoffnungsschürenden Erlebnis für die Figuren den entscheidenden Umbruch der Situation über eine völlig unnötige, der Romantik geschulte, Leichtsinnigkeit präsentiert, entsteht eng gebunden an den von Martin Freeman gewohnt brillant verkörperten Andy ein Gefühl von Verlust, Verzweiflung und Traurigkeit. Spätestens hier bekommt man einen ersten Vorgeschmack davon, wie der Hauptdarsteller bereits allein diesen kompletten Film hätte tragen können.

Doch "Cargo" ist trotz geringer Personenanzahl kein Kammerspiel, wie man zunächst erwarten würde. Das Drehbuch entführt einen in den kargen Weiten Australiens in meist kurzfristige Zusammenführungen von Menschen, die sich maximal dann auf wen einlassen, wenn es für beide Parteien von Vorteil ist. Misstrauen und Abhängigkeit gehen Hand in Hand, und Erstgenanntes findet zudem auch gerne mal Bestätigung. Zwar verläuft sich eine Phase von "Cargo" kurzfristig in ein "Wolf Creek"-Szenario, aber selbst diese schaut sich interessant, dramatisch und spannungsgeladen und ist zum Vorteil der stilleren Momente glücklicher Weise auch nur recht kurz geraten. Erneut darf sich hinterher ein tiefer Mantel aus Traurigkeit über die Dinge legen, aufgrund empathischer Vorgehensweise und intelligentem Drehbuchs noch intensiver spürbar als im bereits hervorragenden "Maggie" geschehen. Doch nicht nur hiermit trumpft die Geschichte. Erwähnenswert ist gleichrangig definitiv der Einfallsreichtum von Regisseur Yolanda Ramke, der in seiner Langfilm-Version seines vier Jahre zuvor entstandenen Kurzfilmes "Cargo", ähnlich wie "The Girl With All the Gifts" eine alternatives Zombie-Welt kreiert, welche wenig mit dem seit "Die Nacht der lebenden Toten" von George A. Romero geprägten zu tun hat, an dem sich so ziemlich jeder Zombiefilm üblicher Weise orientiert. Zusammen mit seinem Mit-Regisseur Ben Howling, der ihm schon in besagtem Kurzfilm zur Seite stand, erschafft er nicht nur ein anderes Verhalten der Zombies, der Ursprung der Epidemie, die Mentalität innerhalb der Endzeitwelt und die Gesetzmäßigkeiten von Verwandlung und dem Zombiesein sind ebenfalls andere.

Dank eines intelligenten Drehbuchs werden diese Neuansätze reflektiert angegangen und nicht nur des mit Innovation prahlenden Schauwertes eingesetzt. Die auf gekonnte Beobachtungen und Überlegungen fußenden Veränderungen stehen im Zusammenhang mit allem und brechen gekonnt mit dem Klischeeverhalten von Menschen in cineastischen Endzeitwelten, indem sie ihren vergleichbaren Taten eine nachvollziehbare Motivation und die Möglichkeit zu vielschichtigem, menschlichen Verhalten gewähren, anstatt sie in Stereotype zu zwängen. Die Präsentation von kreierter Welt, Mentalität und der eigentlichen Geschichte ist derart empathisch und ohne direkten Verweis von Außen angegangen, dass nur ein empathisches Publikum die entscheidenden Unterschiede als solche erkennen und intensiv in sich wirken lassen kann. Für alle anderen bleibt "Cargo" lediglich nur eine Variante des ursprünglichen Themas, womit man den Streifen sicherlich trotzdem interessiert gucken kann, vielerorts wird er aufgrund seiner Langsamkeit und vieler subtiler Elemente aber sicherlich von solch einem Publikum eher für langatmig und unaufgeregt empfunden werden. "Cargo" ist nun einmal ein Zombiefilm in welchem Zombies kaum vorkommen, eben weil es zentral um das Drama geht. Und da man innerhalb dieses Bereiches Theatralik und Kitsch umgeht, eben weil ein intellektuelles und gleichzeitig gefühlvolles Drehbuch zugrunde liegt, ist das Ergebnis so hochgradig gekonnt ausgefallen. So erfreut es umso mehr, dass man Martin Freeman als Hauptdarsteller gewinnen konnte, den ich seit meinem Entdecken von "The Office" im Auge behalte, so genial wie er sein Fach beherrscht. An "Cargo" ist wahrlich alles gelungen (inklusive der zuckersüßen Baby-Besetzung), das Szenario kann einen eigentlich nicht kalt lassen, inklusive des hoch emotionalen Schlusses, der auch in dieser spätesten Phase noch Raum für Raffinesse und Kreativität lässt.  OFDb

18.04.2021

RESIDENT EVIL 6 - THE FINAL CHAPTER (2016)

Vier Jahre liegen zwischen dem letzten Kapitel von W.S. Andersons "Resident Evil"-Variante und dem Vorgänger "Resident Evil 5 - Retribution", was wohl vermuten lässt, dass dieser keineswegs so gut ankam wie erhofft, so schnell wie man nach dessen Cliffhanger doch mit der Fortsetzung gerechnet hätte. Kein Wunder, nervte bereits der vierte Teil mit übertrieben stylischem Getue im Leerlauf, so wurde das künstlisch gehaltene Action-Affentheater des Nachfolgers zum kompletten Disaster. Umso schöner ist es mit "Resident Evil 6" einen Abschluss vorgesetzt zu bekommen, der tatsächlich noch einmal zu unterhalten weiß. Das gab es zuletzt in "Resident Evil 3" und dies auch nur im total trashigen Kopfaus-Modus. Solch ein geglückter Genre-Beitrag, wie er seinerzeit mit dem Erstling abgeliefert wurde, sollte sich leider nicht wiederholen. Aber immerhin auf jenem angenehm niedrigen Niveau der zweiten Fortsetzung siedelt sich auch die fünfte an, für welche der Regisseur erneut selbst das Drehbuch schrieb. 

Zwar geht noch immer alles in einem sehr flotten Tempo vorwärts, so dass man weder echte Gefahren gegriffen bekommt, noch im hektisch abgefilmten Stil irgendeine Kampfchoreographie bewundern kann, und auch im Superkraft-entwendeten Zustand ist Alice noch derart unbesiegbar, dass man nie um eine Niederlage bangen muss, und sei sie auch nur kurzfristiger Natur. Aber der Hirnlos-Schmonsens, der uns vorgesetzt wird, weiß zu unterhalten anstatt zu nerven und bietet auch so manchen Sehwert. Zwar wird die Menschheit wieder nur von Proll-Schönlingen und heißen Tussis beherrscht, der Overstyle der letzten Filme wird jedoch nicht mehr gelebt. Die Figuren dürfen sich halbwegs natürlich durch ein actionreiches Szenario bewegen, ohne dabei in Nuttenfummel gesteckt zu sein oder verkrampfte Kampfpositionen einzunehmen. "Resident Evil - The Final" (Alternativtitel) lässt die Reihe dort beenden, wo sie begann, kann mit einer reizvollen Erklärung aufwarten warum überhaupt einst geschehen ist, was geschah und wirft wieder einmal alte Feinde und Verbündete durcheinander für eine erneute Neuanordnung. Glaubwürdig und durchdacht ist hier das wenigste, das zeigt allein mein Lieblingsbeispiel in der Sequenz, in welcher ein gigantischer Belüftungsventilator zur tödlichen Bedrohung wird, und dieser nach seinem ersten Opfer, warum auch immer, aufhört zu rotieren, damit die Figuren, so wie man es aus Computerspielen wie der Filmvorlage gewohnt ist, zur nächsten Sequenz übergehen können. 

Zum Glück sind die Szenarien meist sympathischer Natur, in toll getrickste Bilder gepackt und fühlen sich trotz Mangel einer echten Geschichte nicht nach Leerlauf an, wie dies bei den beiden lahmen Vorgängern leider der Fall war. Der im Titel angekündigte Abschluss wird nicht vorgegaukelt, mit Teil 6 ist diese Version der Spieleverfilmung nun tatsächlich vorbei, und freilich fällt die Lösung so naiv aus, wie alles was wir seit "Resident Evil 2" sichten durften. Von Filmkunst ist das alles weit entfernt. Der Film ist Hohlbrot-Unterhaltung pur. Aber er weiß auf schlichte Art zu funktionieren und bietet mit Ideen, wie der Elite-Arche in den Tiefen des Hives, manch herrlich kranke Idee. Dass so ziemlich alles Erzählte bei näherer Betrachtung keinen Sinn macht, wird durch den Comic-Charakter der Inszenierung halbwegs aufgefangen, die nie suggeriert einen ernsthaften Stoff abliefern zu wollen. Damit wird das Ergebnis vor der vollkommenen unfreiwilligen Komik gerettet und kann sogar innerhalb der plumpen Zielsetzung dieser Reihe als gelungen betrachtet werden. Nun bin ich mal auf den Neuanfang gespannt, der demnächst folgen soll, ohne dass die Zombies diesmal im Zentrum stehen. Scheinbar will man diesmal nicht wieder die Gunst der Gamer aufs Spiel setzen. Dennoch hoffe ich, dass man sich von den Vorstellungen derartiger Fanatiker nicht all zu stark beeinflussen lässt.  OFDb