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23.03.2025

Filmtagebuch - Zuletzt gesichtet (1)

Da mir zur Zeit die Motivation üblicher Besprechungen fehlt, möchte ich die letzten Sichtungen zumindest mal mit Kurzkommentaren versehen:


Come to Daddy (2019)

Ein sympathischer Elijah Wood hin oder her, "Come to Daddy" ist um zu viele Wendungen und Coolness bemüht, als dass seine teilweise gar nicht reizlosen Ideen tatsächlich für ein erwachsenes Publikum funktionieren könnten. Verspielt, brutal und locker, okay, verkrampft auf locker und cool getrimmt, nicht okay.  Wiki


Dread (2009)

Ein dreckiger Film, der sich in die verstörenden Seiten der menschlichen Psyche austobt, es mit Blick auf den hier tätigen Psychopathen zwar ein wenig übertreibt (nicht frei von Augenzwinkern), recht spannend erzählt aber mit Abartigkeiten zu schocken und zu provozieren weiß, inklusive sympathischer Schlussidee.  OFDb


Klute (1971)

Trotz seiner Themen bezüglich abseitiger Sexualtechniken wirkte "Klute" auf mich zu verkrampft erzählt. Die ruhige 70er Jahre-Art, die ich andernorts schätze, wirkte auf mich nicht aufgrund der Unnahbarkeit der Figuren und dem Gefühl, dass mir alles doch etwas arg gewollt auf intellektuell getrimmt vorkam.  Wiki

 

Wrecker - Death Truck (2015)

Plumpe Teenie-Variante von Spielbergs großartigem "Duell", der tatsächlich Schritt für Schritt dessen Szenario wiederkäuert, ohne die psychologischen Hintergründe und Zusammenhänge des Originals zu verstehen. So wird aus der Nacherzählung ein unreflektiertes Stück Idioten-Kino der peinlichen Art.  Wiki  


Dave Made a Maze (2017)

Herrlich durchgeknallter Fantasyfilm voll von kreativen Ideen, innovativ wirkenden Spezialeffekten, eingefangen in tollen Bildern und konsequent in seiner Erzählung. Ein gelungener Mix aus "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" und "Die Reise ins Labyrinth", pointenstark geschrieben, und absichtlich mit der Sinnlosigkeit der Ausgangsidee und den fehlenden Hintergrundinformationen arbeitend.  Wiki

10.06.2018

DAS FLIEGENDE AUGE (1983)

Bereits vor dem hohe Wellen schlagenden "Der Staatsfeind Nr. 1" gab es Filme über die Perversitäten von Überwachungssystemen und die zwangsläufig damit einhergehende Ausnutzung dieser Gerätschaften. Einer dieser Filme ist "Das fliegende Auge", der einem noch einmal bewusst macht wie lange bereits das aktueller denn je geratene Thema für Kopfzerbrechen sorgt und wie schon damals die heutige Lügenpropaganda der Terror- und Verbrechensbekämpfung als Vorwand vorgebracht wurde, um die Bürger eines angeblich freien Staates hemmungslos ausspionieren zu können. Die Selbstverständlichkeit mit der diese Gefahr ohne direkte Benennung in Dialogen im hier besprochenen Werk wahrgenommen wird, zeigt wie sensibler man einst auf das Verbrechen reagierte, zu versuchen die Privatsphäre eines jeden Mitmenschen zu durchbrechen. Heute, in Zeiten in denen Menschen zum Erhalt von Schutz regelrecht um jedes Verbot und jede Überwachung betteln, schaut sich ein solcher Film wesentlich subtiler, so dass man sich automatisch die kritische Grundhaltung der Mitbürger von einst zurückwünscht.

Das mag ein bitterer Beigeschmack sein, aber da "Blue Thunder" (Originaltitel) trotz seines Hauptaugenmerks auf Spannung und Action nicht einzig des Unterhaltungswertes wegen gedreht wurde, sondern auch zur Warnung (was die Texteinblendung zu Beginn des Streifens belegt) tut es gut dass es Werke wie ihn gibt, auch wenn sie einem die schrecklichen Zustände heutiger Tage ungewollt bewusst machen. John Badham, der mittlerweile nur noch für TV-Serien wie "12 Monkeys", "Nikita", "Psych" und "Heroes" arbeitet, inszeniert den Film mit einer Ernsthaftigkeit, die in diesem Genre irgendwann Ende der 80er Jahre fast endgültig verloren ging, zumindest in dieser mündigen Ausfertigung, die aus "Das fliegende Auge" weit mehr macht als eine olle geistfreie Rächerstory oder einen simplen Kampf um Verrat. Der in verschiedenen Genres tätige Regisseur ("Dracula '79", "Nummer 5 lebt", "Codename: Nina", ...) entfacht einen Spannungsbogen, der wahrhaft zu packen weiß. Wenn der Film in seinem mindestens über 20 Minuten laufenden Finale actionlastiger wird, dann steht doch stets trotzdem noch der Nervenkitzel im Zentrum, so gekonnt weiß Badham die endlos scheinende Verfolgungsjagd in der Luft und auf der Straße in Szene zu setzen. Hirnloses Herumgeballer findet hier nicht statt.

Ebenfalls zugute kommt dem Film sein langsamer Einstieg ins Geschehen, dauert es doch überraschend lange bis der Testhubschrauber überhaupt in die Story integriert wird, einfach weil man zuvor intensiv die Figuren und den seltenen Job, welchen der Protagonist leistet, beleuchtet. Und dies wird derart interessant erzählt, dass der Film auch wunderbar als simpler Polizeifilm ohne High Tech-Hubschrauber und Überwachungsthematik funktioniert hätte. Dieser Schritt erlaubt es der Geschichte in der zweiten Hälfte um so flotter erzählt werden zu können, so dass das Geschehen nicht nur ohne Umschweife erzählt wird, sondern auch zu erwartende Standardphasen überraschend über Bord geworfen werden, so dass man sich schneller im entscheidenden Prozess des Ganzen befindet, als man zuvor vermutet hätte. Dies beschert dem angenehm ruhig erzählten, aber stets spannungsgeladenen Film eine Energie, die man in dieser Art weder im ruhigen 70er Jahre-Kino, noch im oberflächlich flotten 80er Jahre-Kino all zu oft zu sichten bekam. Die leicht mit trockenem Humor angereicherte Perspektive aus einer unverfälschten Männermentalität beschert dem Streifen zudem seinen zweiten Sehwert, der einen die Gesellschaft von einst zurückwünschen lässt, so dass man es als Gewinn des Streifens erachten kann, dass er nicht zeitlos wirkt, sondern in seiner Entstehungszeit verankert ist.  OFDb

2010 - DAS JAHR, IN DEM WIR KONTAKT AUFNEHMEN (1984)

Stanley Kubricks "2001 - Odyssee im Weltraum" war ein weitblickendes, durchdachtes und philosophisches Werk mit der Eigenschaft zur Demut, zur Reflexion und dem Mut inszenatorische Schritte zu gehen, die einem finanziellen Erfolg eventuell im Weg hätten stehen können, so sehr wie sich der 1968 veröffentlichte Film den massentauglichen Sehgewohnheiten verweigerte. Eine Fortsetzung hätte er nie nötig gehabt, so wundervoll wie offene Fragen nach der Sichtung im Raum schwebten, tiefgründigere Individuen dazu veranlassend über das Gesehene nachzugrübeln und der Fantasie freien Lauf zu lassen. Für derartige Interpretationen ist in Peter Hyams eigens verfasstem Teil 2 kein Platz. Er wurde gedreht um Fragen zu beantworten. Und besaß der Vorgänger noch den Mut zur Langsamkeit, bzw. war sich Kubrick dessen zwingender Notwendigkeit bewusst, um Ehrfurcht vor möglichen Errungenschaften zu erlangen und auch vor dem was die Geschichte über unseren Ursprung offenbart, die Fortsetzung pfeift drauf und beschleunigt ihre Geschichte wo es nur geht.

Hyams geht es in "2010 - Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen" aber auch nicht um wirklich tiefgründige, philosophische Dinge, er möchte in Zeiten des kalten Krieges einen Friedensappell an die Menschheit richten, ein ehrenwertes Vorhaben. Warum man dafür jedoch einen Film fortsetzt, der die heute scheinbar verloren gegangene Eigenschaft besaß losgelöst vom Entstehungszeitpunkt einen Blick in eine fremde Zukunft zu werfen, und dabei eine Welt präsentierte, in der so etwas wie der kalte Krieg kein Thema mehr war, darf zurecht als Frage im Raum stehen, zumal der Streifen eine komplett andere Mentalität ausstrahlt als sein Vorgänger. Schließlich ist Hyams als Mittel zum Zweck auch der Griff zur Esoterik als Ersatz für mangelndes Wissenschaftsverständnis recht, einen größeren Unterschied zum Vorgänger kann man wohl kaum ausmachen. Das passt zwar zum geistig schlichteren Zustand des 80er Jahre-US-Kinos, das im Gegensatz zu den 70er Jahren  in der Regel weit weniger durchdachte Filme zu großen Events hochschaukelte, verärgert aber insofern, als dass man den Respekt zu Kubricks Werk dadurch vermisst.

Gewöhnt man sich erst einmal an den Gedanken ein weit weniger geistreiches Werk in anderer Mentalität und Zielsetzung zu sichten, weiß "2010" (Originaltitel) zumindest zu unterhalten, gibt es technisch von der Inszenierung her doch nichts zu beklagen und sind doch professionelle Mimen mit an Bord, die das komplette Treiben so glaubwürdig wie möglich umgesetzt bekommen. Zwar setzt die Geschichte des Streifens stets auf eine penetrante Neugierde, die mir in diesem plumpen Zustand nicht innewohnte, so dass ich in dem reißerischen Versuch stets eine enorme Erwartungshaltung aufzubauen nicht vollends einsteigen konnte, aber spätestens am Schluss war auch ich neugierig was da Wundervolles auf die Menschheit zukommen sollte, prophezeit vom Geist des einstigen Kommandanten der Discovery. 

Wenn der für seine schlichten Stoffe berühmte Hyams, der sich mit "Unternehmen Capricorn" sieben Jahre zuvor bereits schon einmal mit kritischem Blick auf die Regierenden mit dem Denken von Astronauten auseinandersetzen durfte, seine Geschichte zu Ende erzählt hat, begeht er mittels eines schließenden Off-Kommentars die letzten Fehler der Geschichte, deutet der eigentlich für rationales Denken ausgebildete Wissenschaftler doch Dinge ins Geschehen hinein, die weder bewiesen noch naheliegend sind, was erneut beweist, dass der Film sich an ein Publikum orientiert, das aufnehmen soll anstatt mitzudenken. Da "2010" nicht vollends naiv umgesetzt ist, sondern einige interessante clevere Ansätze zu bieten hat, ist dieser Zustand etwas schade zu nennen, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Hyams weit weniger visionäre Vision wundervoll zu unterhalten weiß - dank der Beantwortung der wichtigsten Fragen aber kein nachdenkliches Echo hinterlässt, wie das großartige Science Fiction-Werk auf dem er aufbaut.  OFDb

13.07.2015

FRENCH CONNECTION (1971)

Doyle ist ein aggressiver Trinker mit rassistischen Tendenzen und damit alles andere als ein Vorzeige-Bulle. Sein Partner Russo ist einfach da, ist charakterlos und bekommt lediglich ein Gesicht durch Roy Scheider, der grundsätzlich eine gewisse Ausstrahlung besitzt. Er ist so flach wie man die hier erzählte Geschichte vermuten könnte, so ereignislos sie zunächst erzählt ist. Und ich muss zugeben, dass ich mich bei dieser ersten Sichtung zunächst schwer mit „French Connection“ getan habe. Er ist rau und unbequem, bringt uns die Helden nicht näher und seine Handlung wird aufs Wesentliche zurückgeschraubt: die Alltagsarbeit der Drogenfahnder, bis sie auf den großen Deal aufmerksam werden und das große Observieren losgeht, das kein Ende zu nehmen scheint.

Aber „Brennpunkt Brooklyn“ (Alternativtitel) zählt nicht zu Unrecht zu den prägendsten Action-Thrillern des 70er Jahre Kinos. Sympathisiert man zunächst eher theoretisch mit dem rohen, dreckigen und ehrlichen Flair des Streifens, so wird er mit der Zeit doch richtig interessant und weiß geradezu mitzureißen, wenn das Tempo urplötzlich auf ein Hoch gedrosselt wird, das seine Wirkung aufgrund der restlichen ruhigen Inszenierung nicht verfehlen kann. Die legendäre Autoverfolgungsjagd (bzw. „Auto jagt Bahn hinterher"-Sequenz) weiß noch heute aufzuwühlen, so gnadenlos geht man mit Auto und Fahrer um, und dank einer guten Kameraarbeit hat man das Gefühl mit am Steuer zu sitzen.

„French Connection“ auf seine wilden Momente zu reduzieren wäre jedoch unfair, ist das komplette Werk doch hoch atmosphärisch abgefilmt. Meine Lieblingsaufnahme ist jene, in welcher Doyle der Bahn hinterher läuft, die Kamera die Rückenposition besagter Bahn einnimmt und Doyle erst kurz vor dem Tunnel den Wettlauf aufgibt. Und solch nennenswerten Aufnahmen gibt es zuhauf, und ich will nicht wissen wieviele ich davon übersehen habe, weil ich auf andere Dinge geachtet habe.

Nur selten verlässt Regisseur William Friedkin („Der Exorzist“) den Pfad des Realismus, z.B. dann wenn er den eigentlich unsportlichen Alkoholiker Doyle höchst fit einen Attentäter hinterher laufen lässt, so als würden wir gerade Gibsons Rolle in der comic-haften „Lethal Weapon“-Reihe wieder einmal dabei zusehen wie er zu Fuß ein Auto verfolgt. Zum ernsten und bitteren Ton von „French Connection“ passt das gar nicht. Allerdings ist solch ein Ausrutscher auch kaum der Rede wert in einem sonst so konsequenten Film wie diesem.

Die Stadt ist dreckig, Einschüsse werden ungeschönt blutig gezeigt, und die Korruption ist überall zu spüren (spätestens dann provozierend gezeigt, wenn die unterschiedlichen Mahlzeiten von Gut und Böse direkt gegenüber gestellt werden). Verbrechen lohnt sich, und auch der Schluss des Streifens macht aus den Anti-Helden dieses Kriminalfilmes keine strahlenden Helden. Letztendlich bleibt alles wie es ist. Und wo in „Dirty Harry" ein desillusionierter Harry seine Marke ins Wasser schmiss, da erfahren wir von Doyle und Russo nur durch eine Texteinblendung, dass sie das Drogendezernat kurz nach diesen Ereignissen verlassen haben und woanders hin versetzt wurden.

Was sich zu Beginn zäh wie Kaugummi guckt, entpuppt sich als gekonnter Stil, der „French Connection“ ein Gesicht beschert, wie es individueller kaum sein könnte. Zu seiner Zeit muss sich der Streifen sehr modern geguckt haben, allein schon weil er nicht das sonst so gewünschte positive Bild der Polizei und der Stadt vermittelt. „Brennpunkt Brooklyn“ muss sich zur Entstehungszeit ganz besonders unbequem geguckt haben. Dass dies heute kaum noch auffällt, da man das mittlerweile von dieser Art Film gewohnt ist, zeigt nur um so mehr wie wegweisend Friedkins fünfter Film war. Und ich weiß jetzt schon, dass ich mich bei einer Zweitsichtung gerade auf die erste halbe Stunde freuen werde, die mir bei der Erstsichtung noch nicht so ganz geheuer war. Nun wo ich weiß wie der Film gemeint ist und wo seine Stärken liegen, wird sich die erste Phase der Geschichte sicherlich wesentlich interessanter gucken.  OFDb