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22.02.2025

PANDORUM (2009)

Da ein Leben auf der Erde bald nicht mehr möglich ist, startet die Elysium, um einen weit entfernten, erdähnlichen Planeten anzusteuern, um diesen zu besiedeln. Als Bower aus dem Kälteschlaf mit nur wenig Erinnerungen erwacht, ist nichts wie geplant. Die Schicht, die er ersetzen soll, taucht nicht auf, das Raumschiff ist fast leer, und die einzig weitere Person namens Payton erinnert sich ebenfalls nur bedingt. Schnell stellt sich heraus, dass man an Bord nicht alleine ist. Eine gefährliche Spezies hat fast alles Leben ausgelöscht...

Bitteres Erwachen...

Eine fehlgeschlagene Mission, Menschenfresser und eine über allem schwebende, mögliche Erkrankung, genannt Pandorum, die den Geist von Weltraumreisenden verwirren kann, bilden die Grundlagen der Geschichte. Welcher Wahrnehmung kann man also vertrauen? Und welchem Menschen? Ist überhaupt wer betroffen? Das ist nicht die größte Sorge, geht es doch allein wegen der gefährlichen Aggressoren ums nackte Überleben. Und spätestens in der Phase, in der man erfährt, wie lange die Zustände auf der Elysium bereits herrschen, befindet man sich in einem faszinierende Szenario, das vielleicht nicht die innovativste Geschichte präsentiert, aber einen wunderbaren Mix verschiedener Ideen aus Film und Literatur des Genres Science Fiction. Überraschungen liefert "Pandorum" bis zum Schluss, seine packende, temporeiche Geschichte (nach einem ruhigen Beginn) wird von passend besetzten Darstellern getragen, und auch das Setting kann sich sehen lassen. Zum Geheim-Tipp wird der sich nett anschauende Mix aus Horror, Thriller und besagter Science Fiction jedoch nicht, da er sich phasenweise doch etwas zu gewöhnlich guckt, bzw. mit zu reißerischen Elementen etwas arg versucht das Massenpublikum zu begeistern. Was an psychologischen Spielereien mit Täuschung und der besagten Weltraumkrankheit zu funktionieren weiß, ist im zwischenmenschlichen Sinne nicht immer überzeugend ausgefallen. Besonders schwach fällt die Annäherung von Bower mit jener Frau aus, die schon einige Zeit unter den üblen Bedingungen überlebt hat und selbstverständlich niemandem vertraut. Bis die beiden zueinander finden und wie dies vonstatten geht, gehört zu den unglaubwürdigen Momenten des an sich professionell umgesetzten Filmes, dem genügend Geld zur Verfügung stand, um uns optisch gekonnt zu unterhalten. Die Wahrheiten, die sich am Ende offenbaren, der Pessimismus der innerhalb der düsteren Umsetzung lange Zeit dominiert, und die "jeder ist sich selbst überlassen"-Nummer, die an einem Ort herrscht, der für Fortschritt stand, während sich die Menschheit stattdessen zurück entwickelt hat, machen aus "Pandorum" trotz seiner Schönheitsfehler die angenehme und interessant erzählte Art Mainstream-Kino. Christian Alvarts Regiearbeit wird damit zum idealen Mix, der beide Arten Kinogänger glücklich machen kann.  Wiki

30.12.2024

INBRED (2011)

Es sollte in der Einöde ein Sozialprojekt für straffällig gewordene Jugendliche werden. Doch die zwei Sozialarbeiter und ihre vier Schützlinge sind auf dem Land nicht gern gesehen. Und als es durch ein Versehen zu Reibereien mit den Einheimischen kommt, beweisen die zu welch üblen Schandtaten sie fähig sind...

Scheiße begeistert das Publikum...

Städter, von der Außenwelt abgeschottet allein unter Rednecks, von denen selbst der gastfreundliche und am meisten zivilisiert wirkende einen unangenehmen Eindruck hinterlässt, so fangen allerhand Backwood-Horrorfilme und Slasher an, und "Inbred" ist lange Zeit nicht anders. Interessiert folgt man der kleinen Truppe "Eindringlinge", von denen man weiß, dass weder der schmalschultrige Besserwisser, noch die taffe Schlagfertige als einzige Erwachsene etwas ausrichten könnten, gegen die herrlich schräg anzusehenden, kräftigen und debilen Hinterwäldler, und das hinterlässt ein ungutes Gefühl. Und während viele andere Genre-Beiträge mir auf den Senkel gehen, wenn es lauter, brutaler und bizarr zugleich zugeht, so hat mir Alex Chandons Werk nach einem angenehmen Einstieg doch auch in dieser wilderen Phase gefallen, die nach bedrohlichen Zwischenspielen durch eine schockierend plötzliche Bluttat ins rollen gebracht wird. 

Obwohl manches zu gewollt wirkt, wie der nackte Klavierspieler, und manches zu vulgär, wie die mit Kot ausgeführte Attraktion inmitten eines grotesken Zirkus von und für Einheimische, liegt eine gewisse Sympathie in der Handschrift, die der Film, trotz Einhalt gerade beliebter Elemente im alternativen, radikaleren Horror-Genre, an den Tag legt. Mit fortschreitender Laufzeit verlagert sich die Perspektive mehr auf die Hinterwäldler, ohne jedoch die Überlebenden der einst sechsköpfigen Truppe lediglich an den Rand zu schieben. Dieser Blickwinkel ist interessant gewählt, suggeriert er doch einerseits die Möglichkeit, dass die Fremden, trotz ihrer Unterlegenheit in jedem Bezug, außer der Intelligenz, eine Möglichkeit auf ein Happy End haben, eben wegen der Intelligenz, die überraschend organisierte Truppe vor Ort aber ebenso als Sieger in Frage kommen könnte. Deren Anteil wird zwar auch dezimiert, aber das macht die Kopf an Kopf-Möglichkeit beider Parteien umso gleichwertiger. 

Zudem gefällt es, dass man uns die Sozialstruktur dieser eingeschworenen Gemeinschaft nicht vorenthält, obwohl sie theoretisch gesehen nicht nötig gewesen wäre. Es gibt Anführer, Ausgestoßene, und auf Idioten-Niveau auch Künstler und Gewinner, und jeder für sich ist Abschaum, da wird nichts schön geredet, "Inbred" ist diesbezüglich in seiner Comic-Art konsequent unkorrekt. Entsprechend gefällt das Ende, das uns nach einem Finale voller Überraschungen ein lustiges Schlussbild zum Beginn des Abspanns, untermalt mit Hillbilly-Musik, als letzten Eindruck vor die Nase setzt. Der Film beweist: auch schlechter Geschmack kann Spaß bereiten, ganz ohne versteckten Intellekt, aber auch ohne penetrante Verwendung von Albernheiten. Der mit Gewalttaten und Provokationen angereicherte Streifen ist humoristisch untermalt, verkommt aber nie zur reinen Komödie. Die Komik wird aus dem Absurden und der Übertreibung geerntet, manches Mal mittels Ironie und dem Spiel von Vorurteilen, ebenso mit dem Vortäuschen von Filmklischees, geistlos sieht anders aus. 

Und doch will "Inbred" nichts weiter, als die fröhliche Schlachtplatte für den Splatter-Fan sein. Und auch wenn ich für mich feststelle, dass ich eigentlich aus dem Alter raus bin, in dem mich derartiges noch so richtig begeistert hätte, ich fand "Inbred" kurzweilig und interessant erzählt.  Wiki

29.12.2024

BUTTERFLY (1974)

Eine junge Frau entflieht dem öden Dorfleben, reist nach München und glaubt an einen tollen Typ geraten zu sein. Doch der Clubgänger hurt mit allerhand jungen Frauen rum...

Die Unterwäschekollektion im Wald...

Schon der gewöhnliche Erotikfilm entpuppt sich für meinen Geschmack meist als lahme Nummer, wenn die Welt sich nur um das Eine dreht, ohne dabei eine bewegende Geschichte zu erzählen. Bei zum Softcorefilm geschnittenen Pornofilmen kann man die Hoffnung auf ein Ausnahmewerk eigentlich von Beginn an aufgeben, selbst wenn er, wie "Butterfly" aus einer Zeit stammt, in der einem Hardcore-Werk noch Handlungsstränge beigefügt wurden. Aber auch für einen solchen ist der Inhalt äußerst dünn gehalten. Mag das Spiel mit dem angegeilten und gleichzeitig eher biederen Vertreter im Wald noch wie die Erotik-Variante der Streiche um "Die Lümmel von der ersten Bank" anmuten, einer der wenigen Szenen, die nicht zum Sex führen, wird in München angekommen eine Nummer nach der nächsten durchgezogen, immer recht ähnlich gestrickt, immer wieder zwischendurch mit anderen Darstellerinnen, und die sind zwar, ebenso wie die Hauptrolle, nett anzuschauen, das Gepoppe jedoch nicht, nicht in dieser entschärften Variante. Diese kommt recht ruppig daher. Während manches zum ehrbaren (räusper) Spielfilm zurechtgestutzte Schmuddelfilmchen alternativ aus anderen Perspektiven gefilmt ist, welche Intimdetails umgehen, handelt es sich bei "Baby Tramp" (Alternativtitel) um ein geschnittenes Werk, entsprechend ruppig und so gar nicht atmosphärisch findet der Beischlaf statt, schließlich soll man ja nichts sehen dürfen. Übrig blieb einzig ein sich durch die Jeans abzeichnender Ständer zu Beginn, die erste Szene, in der mir klar wurde, statt einem Erotikfilm einen zensierten Porno zu schauen. Wenn das Bild ständig ruppig abbricht, anstatt gekonnt zu schnibbeln, und wenn das Ganze nichts weiter zu erzählen hat, als von der Enttäuschung eines notgeilen Mädels, das in der Stadt nicht fand, was sie finden wollte, dann gibt es wahrlich nichts schön zu reden an solch einem Werk. Und dass der tolle Großstadt-Typ alles andere als nett anzuschauen ist, macht ohnehin jede Szene kaputt. Dass der weibliche Part hübsch aussieht reicht einfach nicht, wenn der männliche zu unangenehm auffällt, auch bei mir als Kerl. Wie auch immer, es wird gebumst, bis das Mädel im Zentrum dem Macker den Rücken kehrt, was ihn zwar verwundert, den Zuschauer jedoch nicht.  OFDb

18.11.2024

CLUB ZERO (2023)

Auf einer Privatschule wird eine Ernährungsexpertin als Lehrerin für den Kurs bewussten Essens eingesetzt. Ihrer handvoll Schüler bringt sie nach und nach den Verzicht auf Nahrung bei, für einen gesünderen Körper und Geist, zum Kampf gegen den Konsum und zur Rettung der Umwelt...

Politischer Sprengstoff...

Wenn man als Student der Universität zu Köln im Bereich der Pädagogik in seinen schriftlichen Arbeiten nicht gendert, gibt dies Punkteabzug. Die Position von Lehrämtern zu nutzen, um eigene Ideologien zu verbreiten, ist nicht selten, wie fragwürdige Jugendbewegungen zeigen, und längst nicht mehr nur im religiösen und politischen Bereich zu beobachten. Regisseurin und Mitautorin Jessica Hausner wählte den Bereich der Ernährung, der in Zeiten, in welchen die eigene charakterliche Idealisierung zur Mode geworden ist, gerne für den Bereich Gesundheit und Umweltschutz thematisiert wird und zeigt in ihrer ungeschönten Satire, wie leicht es ist an lernwilligen, noch formbaren Schülern eine Gehirnwäsche vorzunehmen, freilich indem man die Allgemeinheit als gehirngewaschen von Konzernen, Politik und Medien bezeichnet. Diese bitterböse und wundervoll zu schauende Kritik an ganz viele Bereiche unserer Gesellschaft ist flüssiger erzählt als ihr ungewöhnlicher "Hotel" und funktioniert umso besser durch Verzicht phantastischer Elemente, wie hauchzart noch dort und in "Little Joe" eingebaut. 

Das Gleichnis einer Sekte bleibt nicht nur Metapher, mit tieferem Einblick in die Motivation der Lehrerin handelt es sich definitiv um eine Sektenbildung, was auch den entscheidenden Unterschied zum populäreren "Die Welle" ausmacht. Außerdem ist "Club Zero", typisch Hausner, völlig unaufgeregt erzählt, punktet durch Sachlichkeit, perfekte Optik und hervorragender Mimen und setzt, gut reflektiert, nicht erst beim Problem des Unterrichts an, sondern bei den Mentalitäten von Elternhaus und Schule, teilweise als unbewusste Vorstufe der charakterlichen Bildung zur Sektenabhängigkeit, aber auch als von den Schülern bewusst wahrgenommene Fragwürdigkeit, so dass sie die neue, die sie erlernen, automatisch als richtige Alternative annehmen. Bereits Erwachsene glauben die Gegenbewegung etwas erkannt Fragwürdigen würde die richtige Lösung sein, dass nutzen blaue, wie grüne Parteien ebenso für sich aus, wie extremistische Mentalitäten in solch anfänglich gerechtfertigten Bereichen wie Emanzipation, Umweltschutz, Ernährung, Unterstützung von Minderheiten, Bekämpfung von Rassismus und dem Erhalt von gesellschaftlichen Freiheiten. 

Im Zentrum steht eigentlich immer die Idealisierung von sich selbst, ein Punkt den Vereinigungen wie Scientology lukrativ für sich einzunehmen wissen. Und obwohl wir in Deutschland mit unserer Geschichte brutalste Erfahrungen mit Extremismus gemacht haben, fallen viele von uns noch immer auf ihn herein, wenn er aus einer anderen Richtung kommt. Wie das funktioniert entlarvt "Club Zero" in seinem Mikrokosmos wunderbar und zeigt uns ab einem gewissen Zeitpunkt, an dem bereits alles zu weit gegangen ist, die Wehrlosigkeit bei den Eltern, eine Ohnmacht, da die bisherigen, eher amateurhaften Methoden nichts bringen. Dass es dazu nur kommen konnte, weil man Fremde die Erziehung übernehmen ließ, und speziell die besagte Lehrerin viel persönlicher auf die Kinder einging, als es die Eltern je taten, die zu sehr mit ihrer eigenen Lebenswelt, ihren Idealen und ihren Problemen beschäftigt waren und lediglich auf Leistung und Erfolg achteten, bringt Hauner auf den Punkt. Ebenso die fragwürdige Mentalität vieler Bildungsstätten, wo die Schüler angeblich frei von Druck, wie die Rektorin betont, motiviert werden, während unterschwellig tatsächlich stetig Druck ausgeübt wird, selbst vom menschlich sympathisch anmutenden Tanzlehrer, der ehrlich um seinen Schüler besorgt ist. 

Die Ernährungsexpertin ist nur die Spitze des satirischen Eisbergs dieses Ansatzes, kann man doch gar nicht wissen, wem genau man seine Kinder anvertraut, und doch geschieht dies stets recht blind. Der Gruppendruck tut sein restliches, wie die Figur des Ben zeigt, der aus einem Elternhaus ohne großen Leistungsdruck stammt. Das Spiel mit dem Bereich der Esoterik weiß ebenfalls zu gefallen, eben weil die Lehrerin in anderen Extremen Esoterik wahrnimmt, ihre eigene Methode jedoch nicht als derartiges betrachtet. Und eben weil das Einbringen dieses Aspekts kritisch einhergeht, ist das Anwenden dieser Mitthematik so unentbehrlich für den Film, eben weil wir in Zeiten leben, in welchem Homöopathie und andere Zaubereien unsere Schulweisheiten mittlerweile wieder bei großen Teilen der Gesellschaft ersetzen. Es geht um den Glauben, wie es uns final auch noch einmal deutlich zum Schluss des Streifens mitgeteilt wird. Dass das Ende entsprechend rätselhaft ausfällt und von uns erwartet uns selbst vorzustellen, worin die finale Konsequenz der Kurs-Teilnehmer liegt, aber auch dessen was die Eltern von nun an tun, weiß zu gefallen, wird aber nicht jedem Zuschauer schmecken. Angesprochen werden aber ohnehin nur die, die auch etwas mit geistreichen Werken anfangen können, welche den Zuschauer mündig behandeln und ihm nicht jede Information überdeutlich vor die Nase setzen. Meiner Meinung nach weht gegen Ende gar ein kleiner Hauch "Picknick am Valentinstag" mit.  Wiki

02.10.2024

ALPHA ALPHA (1972)

Der Lehrer Dahlen gerät ins Visier einer weltweiten Geheimorganisation, die rätselhafte Phänomene zum Schutz der Menschheit untersucht. Er ist für sie der geeignete Kandidat ein Alpha ihrer Vereinigung zu werden, dies ist jener Typ Agent, der sich an die gefährlichsten Jobs wagen muss. Nach einigen Prüfungen ist er aktiv dabei und löst von nun an, unter Mithilfe eines sprechenden Supercomputers, von ihm liebevoll Klapperkasten genannt, mysteriöse Fälle... 

Wahrscheinlichkeit der Vernichtung der Menschheit in Prozentangaben...

Lange bevor Mulder und Scully in "Akte X" unheimliche Fälle des FBI lösten, startete in Deutschland eine TV-Serie, die theoretisch ähnliche Wege geht, aber noch simpler gestrickt ist als das US-Produkt. Zwar beinhaltet sie einige interessante Denkansätze und gibt sich damit nicht vollends der Trivialität hin, wie es zeitgleich die SF-Krimi-Phase der "Doctor Who"-Serie mit dem dritten Doktor tat, dennoch bleibt alles zu oberflächlich angerissen. Das betrifft leider nicht nur die philosophische Reflexion, sondern auch die jeweiligen Abenteuer an sich, besitzt jede der 13 Folgen doch lediglich eine Laufzeit von 25 Minuten, und da immer erst gerätselt werden muss, was los ist, und zudem Platz für das meist humorvolle Schluss-Szenario zwischen Computer und Dahlen stattfinden muss, bleibt dem eigentlichen Schauwert eines jeweiligen Falles wenig Zeit. Das ist aufgrund der abwechslungsreichen Themenwahl bedauerlich, nicht bezüglich der wortwörtlichen Schauwerte, sind die Effekte doch auch für ihre Zeit arg simpel gestrickt und ohnehin kaum vorhanden. 

Aber das Feld der phantastischen Stoffe grast man abwechslungsreich ab. Ob es um Unsterblichkeit, Zeitreise, Gedankenkontrolle, Menschentests von Außerirdischen, oder einer Maschine geht, mit welcher man seine Bewegungen auf "Clockstoppers"-Art derart beschleunigen kann, dass die Zeit stillzustehen scheint, "Alpha Alpha" sorgt von Folge zu Folge stets für Abwechslung. Auf simpler Ebene funktioniert das Konzept ganz gut, so charmant wie hier das 70er Jahre-Feeling durchschimmert. Statt verkrampfter Agenten gibt es einen Helden im Joachim-Fuchsberger-Stil gleicher Dekade, so wie man ihn aus den Wallace-Krimis oder aus "Das Mädchen von Hongkong" kennt (nur ohne die sexuellen Anzüglichkeiten von dort). Unterkühlt wirkt der taffe Mann trotzdem manchmal, was wohl die Natur seiner Verantwortung mit sich bringt, die manchmal auch gegen die Regel der Organisation Anwendung findet. Sein Gekabbel mit der Maschine wirkt nicht halb so sympathisch wie das zwischen Pille und Spock, oder zwischen dem Gummimann und dem Roboter aus "Captain Future", dafür kommt es zu gewollt, unempathisch und stets zu schnell abgefrühstückt daher. Die Dialoge sind oft trockener Natur, die Choreographie von kurzen Kampfsequenzen starr und verkrampft, "Alpha Alpha" strahlt trotz liberalem Vorzeigehelden auch insgesamt eine Unterkühlung auf, provoziert freilich durch die maskierten Köpfe jener Abteilung der weltweiten Organisation, die wir hauptsächlich mitbekommen. 

Was dort bewusst intellektuell unterkühlt präsentiert wird, ebenso wie die Computeranalysen, fällt nur bedingt menschlicher und abenteuerlicher in der eigentlichen, jeweiligen Hauptgeschichte aus, die doch eigentlich Abenteuerflair und Gefahr ausstrahlen soll. Erwartet man nicht zu viel, kann "Alpha Alpha" weit unter seinen Möglichkeiten charmant, aber auch etwas arg banal, unterhalten. Serien wie "Raumpatrouille Orion" oder "Twilight Zone", die vor der hier besprochenen Reihe entstanden, wussten trotz des Zweckes der Unterhaltung mehr Substanz und Reflexion zu bieten. Das schlichte Ergebnis ist somit nicht dem Zustand von TV-Produkten seiner Zeit zuzuschreiben. Umso schöner erscheint ein, eher zufällig in die Schlussepisode gerutschtes, Plädoyer Dahlens über Eigenverantwortung und der Gefahr durch die Führung von Organisationen und Computern. Dort wird zwar letztendlich auch die Macht jener Gruppierung kritisiert, für die der ehemalige Lehrer tätig ist, er wendet ihr aber nicht den Rücken zu, äußert sich dazu aus einem anderen Grund, so dass die Serie dennoch offen endet, ohne einen Schlussstrich zu ziehen, und das Plädoyer somit auch in jeder anderen Folge hätte auftauchen können. Erkennbar bleibt dennoch der häufige Blick direkt in die Kamera währenddessen, so wie später stilistisch auch von Oliver Stone in einem entscheidenden Satz in "JFK" inszeniert.  Wiki

01.10.2024

BANANA JOE (1982)

Bislang konnte Banana Joe die Bananen, von deren Ertrag sein Dorf abseits der Zivilisation lebt, einfach so verkaufen. Doch weil er einem Mafiosi, der in Joes Dorf eine Fabrik bauen möchte, im Weg steht, hetzt dieser die Polizei auf ihn, die ihn darauf aufmerksam macht einen Gewerbeschein besitzen zu müssen. Ungebildet und stets auf die Hilfe anderer angewiesen, stolpert der mit der Zivilisation überforderte Joe durch diverse Situationen und bekommt die Mühlen der Bürokratie zu spüren...

Günstige Bananenpreise nach Autorennen... 

Die Solofilme von Bud Spencer erreichen nie die Qualität der Gemeinschaftsfilme mit Terence Hill, erst recht in der noch billiger produzierten Fließband-Zeit der 80er Jahre, und doch bleibt stets ein Unterhaltungswert vorhanden und ein gewisser Charme, den wir dem Hauptdarsteller selbst zu verdanken haben. In "Bud, der Ganovenschreck" schrieb ich, dass er seine Filme stets gestemmt bekommt. Diese Aussage ist auch in "Banana Joe" nicht wirklich falsch zu nennen, immerhin spielt er den ungebildeten Naivling, der auf die Moderne der Gesellschaft trifft, mit einer unübersehbaren Spielfreude. Auch die dick aufgetragene Botschaft um Freiheit fern der Bürokratie, die ihre Abreibung in dieser albern geratenen Gesellschaftskritik am deutlichsten zu spüren bekommt, stellt der Komödie kein Beinchen, ebenso wenig die zwischenzeitlich immer wieder kurz aufkeimenden Kinderszenen, welche das Herz Buds für die Kleinen verdeutlichen soll, so wie es andere Werke zu extrem taten. Dass "Banana Joe" nicht so wirklich funktionieren will, liegt an seiner Zerfahrenheit, wenn er sämtliche Themengebiete abgrasen will, für die andere Werke jeweils einen Film für sich in Anspruch nehmen würden. Damit kommt der Streifen, dessen Drehbuch Bud Spencer höchst persönlich geschrieben hat, zu episodenhaft daher, weiß zwar in jeder seine Phasen zu unterhalten, so dass sein Makel erst mit der Zeit in Erscheinung tritt, aber das Ergebnis wirkt schlichtweg zusammengeflickt, so als würde man dem Zusammenschnitt einer Fernsehserie beiwohnen. 

Der Running Gag um den Mafiosi, der stets denkt Spencer wäre seinetwegen dort, wo die Geschehnisse gerade stattfinden, ist wunderbar, besser funktionieren würde das Gesamtkonzept jedoch dann, wenn es der Plan dieses Mannes wäre, Joe die Bürokratie-Safari für den Gewerbeschein durchleben zu lassen, um genügend Zeit zu besitzen, dessen Heimatdorf für den Bau der Fabrik einzunehmen. So wie tatsächlich erzählt wirkt alles zu zufällig, und der Verlust der Freiheit von einst, um Teil der so hoch gelobten, modernen Gesellschaft zu werden (von der die Einheimischen nicht profitieren), kann nur oberflächlich greifen. Das macht es dem Drehbuch zwar einfach, Joe diese Vereinnahmung seines Dorfes final auch mit schlichten Prügeleien und anderweitig einfach gestrickten, zerstörerischen Aktionen wieder rückgängig zu machen, der zu oberflächliche Blick auf jegliche Phase, nur um die jeweilige einzig für kleine, durchaus sympathische Kalauer zu nutzen, hinterlässt jedoch eine Austauschbarkeit des jeweiligen Kapitels. Da darf Spencer mal kurzfristig als Soldat die Militärausbildung veralbern, dann ist er plötzlich Rauswerfer eines Clubs, in welchem sich die Mächtigen am meisten daneben benehmen, die Zerfahrenheit des Stoffes wird am deutlichsten, wenn Joe urplötzlich nach einer Gefängnissequenz ohne Ausbruch wieder im Freien aktiv ist, und man glaubt das Ganze mit einem Nebensatz gerade biegen zu können, warum er grob erklärt wieder frei ist. An Sprüchen mangelt es nicht, Spaß bereiten die einzelnen Phasen auch, insbesondere durch das herrlich naive und kindische Mimenspiel des Hauptdarstellers, aber ein befriedigendes, durchgehendes Ergebnis wird mit "Banana Joe" leider nicht abgeliefert.  Wiki

14.09.2024

RAUMPATROUILLE ORION (1966)

Da Raumfahrer McLane wiederholt gegen seine Befehle gehandelt hat, werden er und seine Crew zum Patrouillendienst im Weltraum degradiert. Es ist ein ungünstiger Zeitpunkt dafür, denn kurz darauf stößt man auf eine feindlich gesonnene, bislang unbekannte Alienart, den Frogs. Aber ob nun mit oder ohne Frogs, irgendwie schafft es McLane auch im Patrouillendienst mit seinem geschulten Riecher, seinen Extratouren und statt einer staatlich eingesetzten Aufpasserin an Bord stets in Schwierigkeiten zu geraten und dabei Menschenleben, wenn nicht gar die ganze Menschheit zu retten...

Rücksturz zur Erde...

Hört man etwas über die Serie "Raumpatrouille - Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion" (ursprünglicher Titel), dann geht es meist um seine trashigen Spezialeffekte, bestehend aus Alltagsmaterialien, wie manches Badezimmerinventar, oder allen voran das legendäre Bügeleisen, das nicht einmal optisch verändert nach etwas anderem aussieht. In vielen Köpfen ist die Serie, die im selben Jahr startete wie die sehr themenähnliche US-Serie "Raumschiff Enterprise", lediglich unfreiwillig komisch geartet, gerettet durch seinen Retro-Charme. Ich finde es traurig, dass diese Ausflüge ins All, die gekonnt das Kind im Manne zu wecken wissen, so stiefmütterlich betrachtet werden, denn hinter der ganzen Sache steckt ein weit erwachsenerer Stoff, als es die US-Konkurrenz mit ihrer an Scientology erinnernden Idealisierung der Gesellschaft und des Individuums der Zukunft, verkauft als Fortschritt der Menschheit, erreicht. Die Autoren der hier besprochenen Serie machen gar kein Geheimnis daraus, wie fragwürdig noch vieles in der Zukunft ist, und dass je höher der Rang und die Verschwiegenheit, Entscheidungen immer unmenschlicher, angeblich zum Zwecke der gesamten Menschheit, werden. Ob ganz oben in der Weltregierung nicht doch ein Elektronenhirn entscheidet, bleibt ungenannt, würde aber zu der Vision passen, die hier für die Zukunft kreiert wird, und die ist durchdachter als sie auf manch einen zu Beginn wirken mag, sowie treffsicherer, als z.B. die zunächst albern anmutenden Modetänze der Zukunft glauben lassen. McLane und seine Mannschaft sind Kumpanen, pflegen einen sozialen Umgang, handeln so wie sie es für richtig halten, anstatt stur Befehle zu befolgen, sind jedoch alles Profis ihres Fachs und sehen sich stets in der Verantwortung ihres Auftrages und darüber hinaus. Sie bilden das soziale Gegenbild zum sturen Staatsapparat, gemeinsam mit manchem Vorgesetzten, der nur wenige Ränge über ihnen steht. Sie haben die eigene Mündigkeit und ihre Lebensfreude parallel zur Pflichterfüllung nicht vergessen. 

Die aus sieben, jeweils plus/minus 60 Minuten laufenden, Episoden bestehende Reihe erzählt zwar einzelne, abgeschlossene Abenteuer je Folge, am Ende ergibt sich jedoch ein Ganzes aus der Erzählung. Berichtetes wird nicht wieder vergessen, rote Fäden im Vorder- wie im Hintergrund werden konsequent beibehalten, die Geschichte erfährt einen Abschluss, das Weltbild der Zukunft wird mit jeder Phase der Serie exakter und erwachsener, während die Geschichten selbst verspielt bleiben, wenn z.B. gegen rebellierende Roboter gekämpft wird, Überlebende eines interstellaren Krieges das Geschlecht der Männer belächeln, oder ein an Dr. Mabuse oder Bond-Bösewichte erinnerndes, selbsternanntes Genie, die Flucht von einem Gefängnisplaneten plant. "Space Patrol" (Alternativtitel) bleibt den Trivialstoffen aus Comics und Romanen der Science Fiction stets treu, vermischt diese aber mit politischer, sowie gesellschaftskritischer Satire. Und während diese nur entscheidend am Rande wirkt, spielt Dietmar Schönherr als Hauptdarsteller im Zentrum gekonnt jedes noch so irrsinnige Szenario, begleitet von professionellen, jeweils perfekt besetzten, Kollegen (lediglich Wolfgang Völz überzeugt nicht so wirklich, trotz humoristisch angelegter Rolle), und zollt dem Stoff somit jenen Respekt, den er verdient, so durchdacht und unterhaltsam er geschrieben ist. Trotz manch improvisierter Vorgehensweise in Sachen Deko und Spezialeffekte, ist "Raumpatrouille Orion" auch aus technischer Sicht professionell zu nennen, gerade wenn man den Zeitgeist betrachtet, in welchem derartige, leichte Stoffe noch nicht in eine Ernsthaftigkeit und einen optischen Realismus gepackt werden mussten, wie es heute in Großproduktionen zwanghaft üblich ist. Nein, da bevorzuge ich lieber den Realismus im Miteinander der Geschichte und im kreierten Weltbild, den Mut im Kreativen und den Appell an die Menschlichkeit, eben weil viele Werke von heute gerade genanntes Hauptaugenmerk besitzen, während Drehbücher wie geklont wirken und fremde Welten wie eine leicht veränderte Mentalität der Menschheit der Gegenwart daher kommen. Dass auch die Sprachneuerungen der Zukunft amüsant, wie glaubwürdig in "Raumpatrouille Orion" eingebracht wurden (und dies nicht ganz so inflationär, wie in der, in diesem Punkt ebenfalls überzeugenden, "Uhrwerk Orange"-Verfilmung), soll beim Benennen der vielen Pluspunkte der Serie nicht ungenannt bleiben.  Wiki

09.08.2024

DARF ICH SIE ZUR MUTTER MACHEN? (1969)

Da er als Alleinerziehender und durch seine ungewöhnliche Art das Jugendamt auf sich aufmerksam macht, muss Student Ulrich binnen sechs Wochen eine Frau finden, die ihn heiratet, damit er seinen Sohn nicht ans Heim verliert...

Königsberger Klopse...

Der erste Spielfilm Hallervordens ist zudem der Beginn einer längeren gemeinsamen cineastischen Reise mit Ralf Gregan, mit dem er u.a. auch "Eine Nervensäge gegen alle", "Mein Gott, Willie" und "Alles im Eimer" drehte. Obwohl es von der Charakterzeichnung her gepasst hätte, steht ihm nicht, im Gegensatz zu den beiden letztgenannten Filmen, Synchronlegende Rainer Brandt zur Seite, wäre die Rolle des besten Freundes, der Ulrich mit schlechten Tipps und Tricks nur noch mehr in die Misere reißt, doch geradezu typisch für ihn in dieser Konstellation gewesen. Zur Unterstützung der Authentizität inmitten einer Komödie, die auch auf Klamauk und surreale Momente nicht verzichtet, steht Dieter Hallervorden sein eigener Sohn als das Kind des Studenten beiseite. Die Harmonie zwischen beiden stimmt, sie wirkt nicht sozialromantisch aufgesetzt wie das Erwachsene/Kind-Gespann später in "Der Experte". Und da die Geschichte trotz der Problematik mit dem Jugendamt eher locker und unverkrampft, manchmal sogar provokativ, daher kommt, schwingt der dramatische und moralische Aspekt, der in einem Rühmann-Film wie "Der Lügner" auch in einer Komödie dominanter im Raum stünde, hier stattdessen als Störelement mit, welches der freien Entfaltung des Individuums Ulrich und der Partnerschaft mit seinem Sohn im Weg steht. 

Und dies passt zur grundsätzlichen liberalen Haltung des Schauspielers, so dass die hier gelebte Alltäglichkeit, mittlerweile leider antiquiert wirkt. Damals modern, heute aufgrund von Fehlentwicklungen in der Gesellschaft eher verpönt, oder zumindest kritisch betrachtet (auch bezüglich der Kindernacktheit), ist "Mehrmals täglich" (Alternativtitel) ein Plädoyer für Eigenständigkeit, Selbstverantwortung und Individualität, sowie, ähnlich wie "Pippi Langstrumpf", ein Lehrstück gegen das zu extreme Eingreifen staatlicher Institutionen, und dies ohne die Verwahrlosung von Kindern zu blauäugig zu sehen oder den Freiheitsaspekt auf anarchische Art zu übertreiben. Ulrich ist tatsächlich nur ein Opfer blöder Umstände und übler Vorurteile. Ein phantasievoller Mensch lebt inmitten von Tunnelblickdenkern. Und dann gibt es da noch die freundliche, jüngere Mitarbeiterin im Amt, die (nicht schwer zu erkennen) zur Love Interest nach all der Suche wird. Gespielt wird sie von Rotraud Schindler, die privat, wie im Fernsehen, zu einer langjährigen Partnerin für Hallervorden werden sollte. Dementsprechend stimmt auch hier die Chemie. 

Dennoch ist der in Schwarz/Weiß gehaltene Film manchmal etwas sperrig inszeniert, schafft es aber immer wieder aus einer beinah erreichten Eintönigkeit heraus mit Besonderheiten, die den Routinestoff aufrütteln. Wenn Hallervorden echte Passantinnen, anstatt Schauspielerinnen, auf der Straße anspricht, ob sie einen Mann suchen, wirkt dies durch die plötzliche Konfrontation mit Unvorbereiteten wie die Vorlage für Wigald Bonings Interviews in seinen "RTL Samstag Nacht"-News-Scherzen. Ein völlig verblödetes Gesichtsfoto Hallervordens inmitten einer eigentlich ernsten Situation, die groteske Traumsequenz im Finale (die sich erst innerhalb ihres zuspitzenden Verlaufs als eine solche entpuppt und in ihrer Machart an die Fortsetzungs-Filmchen der erst später entstandenen TV-Show "Nonstop Nonsens" erinnert), sowie manch schräger Dialog in Verabredungen mit möglichen Kandidatinnen, heben sich neben der gewagten Charakterzeichnung Hallervordens deutlich von themenähnlichen Stoffen, wie jene aus dem Hause Rühmann, ab und verleihen dem Werk, das schlichtweg nur unterhalten möchte, den nötigen Pepp. 

Allerdings zeigt sich im zu ereignisreichen Finale bereits hier der sich wiederholende Fehler sämtlicher, auch mir liebgewonnener, Hallervorden-Filme: gegen Ende wird zu viel auf Aktionskomik gesetzt, Stunts, wilde Situationen werden gegen das ausgetauscht, was den Charme und die Komik der Filme ansonsten ausmacht. Dabei haben diese Werke diese Sehwerte alle nicht nötig, so gut wie sie zuvor funktionieren. "Darf ich Sie zur Mutter machen?" besitzt die enorme Stärke späterer Filme des talentierten Mimen aber ohnehin noch nicht. Er plätschert eher sanft vor sich hin, nicht uncharmant, nicht ohne kreative Elemente und Wege der Eigenständigkeit, aber eben doch noch eher Übungsfeld auf der Suche nach einem eigenen Stil. Zumindest ist das Ergebnis nicht nur theoretisch interessant, sondern weiß außerdem zu unterhalten und neugierig für den Fortlauf seiner Geschichte zu machen.  Wiki

13.07.2024

VERHÖR AM NACHMITTAG (1965)

Ein Lungenkranker wird im Bett erschossen. Im durchwühlten Kleiderschrank fehlt ein höherer Geldbetrag. Im Gegensatz zu seinen Leuten glaubt der leitende Kriminalbeamte nicht an Raubmord. Vor Ort werden die Ermittlungen eingeleitet und sämtliche Bekannte aus dem nahen Umfeld des Toten verhört...

Kalter Kaffee für Kriminalbeamte, die zu wenig Fragen stellen...

"Verhör am Nachmittag" ist ein Fernsehspiel, das sich wie ein Theaterstück guckt, vielleicht auch auf einem basiert (der Vor- und Abspann gibt diesbezüglich keine Informationen preis) und dementsprechend in nur wenigen Räumen bei überschaubarer Personenzahl spielt. Die wächst im Laufe der Ermittlungen, da Befragungen nicht nur zu neuen Erkenntnissen, sondern auch zu weiteren Personen im nahen Umfeld des Verstorbenen führen, nichtsdestotrotz spielt alles weiterhin in besagter Wohnung. Das mag sich für manch einen nüchtern gucken, so ganz ohne Actionszenen, bedrohlichen Spannungsmomenten oder anderweitigen Schauwerten, für Freunde von "Der Alte" und "Derrick" guckt es sich jedoch wie eine der besseren Folgen dieser Art Serie, und das funktioniert auch auf Spielfilmlänge. 

Interessante, manchmal augenzwinkernde Dialoge, reflektierende Beamte, Menschen mitten aus dem Leben mit Macken, Ecken und Kanten und ein Drehbuch, das sich der Psychologie seiner Figuren bewusst ist (ein besonderer Moment bildet jener des nicht trauernden Bruders), all das bietet das in Schwarz/Weiß schlicht abgefilmte Kriminalstück, welches in jeglicher Rolle passend besetzt ist, auf seine nüchterne Art flotter umgesetzt ist, als man meinen sollte, und zum Mörderraten animiert, inklusive einer überzeugenden Auflösung. Ich habe mir diesen kleinen Geheim-Tipp bereits kurz hintereinander zwei Mal angesehen, und er hat mich auch beim zweiten Sichten, eingeweiht in die Hintergründe der Tat, noch immer für sich gewinnen können, eben weil sich alles so unverkrampft und menschlich schaut, so lebensnah wie heutige Produktionen nur selten sind, und so vorbildlich Kraft aus der Ruhe erntend, wie es ebenso kaum noch in diesem Genre heutiger Tage stattfindet. Sicherlich spielt beim Gelingen des Ganzen auch der Retroaspekt aus heutiger Sicht eine Rolle, früher formulierte man ganz andere Dialoge. Aber dieses Gefühl des Vergangenen ist nicht der Motor eines Stücks, das ansonsten nicht wirklich funktionieren würde, es ist das Sahnehäubchen eines interessant erzählten Kriminalfalls.  Wiki

18.06.2024

ES WAR EINMAL... DER GRUSELPETER (2003)

Eine Gruppe Teenager gerät in die Fänge eines reimenden Folterers...

Struwwel ist gruseliger...

Amateurfilmer, ihre Werke bewertet man stets anders, gibt ihnen mehr Chancen bei schwächerem Spiel, schlichter Story, mauer Optik. Aber so lobenswert das Hobby auch sein mag sich selbst an die Umsetzung eines Films heranzuwagen, etwas zu plump wird auch eine solche Privatunternehmung immer dann, wenn man unkreativ imitiert, anstatt zu versuchen sich in das, was man erzählt, hineinzuversetzen. So nervt am deutschen Hobbyfilm "Der Gruselpeter" (Alternativtitel) bereits die im Zentrum stehende Clique, die alles Irgendwers sind, unsympathische Irgendwers, die sich ständig streiten, Streits so klischeehaft vorgetragen wie die leblosen, verkrampft dargebotenen Figuren, die diese ausüben. Ebenso bemüht wirkt der Peter, aber bei ihm entdeckt man zumindest noch einen Hauch Spielfreude, wenn auch innerhalb einer ideenlosen Interpretation. Die meiste Mühe gab man sich mit seiner Optik, und schon die ist nicht der Rede wert. 

Anstatt nun aus der Masse anderer deutscher Amateurfilme herauszuragen, indem man sich, Horrorfilm hin oder her, verspielt und ein wenig lustig an die reichhaltige Märchenwelt bindet, welche die deutsche Kultur zu bieten hat, präsentiert man uns stattdessen lediglich lahme Folter in der Gewalt eines Irren, der an Märchen erinnern will ("Die unendliche Geschichte" lässt in seiner Botschaft des Vergessens grüßen) und bei dem es egal ist, ob er nun Mensch ist oder nicht. Hobby-Regisseur René Rausch ist wahrlich nichts Interessantes gelungen, in keinerlei Hinsicht, auch nicht für Stammzuschauer des Gebiets des selbstgedrehten Filmes. Den Darsteller Lars Kelich kenne ich aus seiner eigenen Regiearbeit "Abschied" und weiß bereits von dieser, dass er vor wie hinter der Kamera selbiges Untalent besitzt wie Rausch uns mit dem hier besprochenen Werk beweist. Meine Besprechung besagten Kurzfilmes habe ich damals jedoch wieder gelöscht, da er sich mutiger Weise an ein Drama wagte, dem wohl schwersten Gebiet des Amateurfilms, und ich dies trotz aufgesagt klingender Theatralik doch irgendwie respektierte, so missglückt es auch war. Nun wo ich erleben darf, dass er auch im Gebiet des Horrorfilms versagt, muss die Kritik, so vernichtend sie für einen harmlosen Hobby-Akteur auch sein mag, aber doch an die Öffentlichkeit. Es tut mir leid, aber Menschen zahlen für die DVD nun einmal Geld, da ist es nur gerecht mögliche Käufer vorzuwarnen.  OFDb

16.06.2024

HUBERT UND STALLER - STAFFEL 12 (2024)

Gegeneinander, mit Einigkeit und mit Reibereien löst das Polizei-Team rund um Griesgram Hubert sämtliche Kriminalfälle in der ländlichen Gegend...

Alpakas, überteuertes Wasser und ein Fuß...

Nach dem eher bescheiden ausgefallenen vierten Spielfilm-Special "Dem Himmel ganz nah" geht es mit der gewohnten flotten, etwas banalen (seit dem Ausstieg von Lüttichaus), aber dennoch sympathischen Art der Serie weiter. Mehr erwarte ich nicht, und ich bin noch jedes Mal erleichtert, kritisch wie ich den Werdegang der Reihe beobachte, wenn ich dies noch immer geboten bekomme. Tatsächlich jede Folge besitzt ihren Reiz, weiterhin wird jegliche Figur, inklusive Yazid, in interessante Situationen gesteckt, hin und wieder überrascht gar die Auflösung eines Falls, aber der Weg dorthin war schon immer viel wichtiger, als dieses Ziel. Mit Girwitz einen egoistischen Alleinspieler im eigenen Team zu haben, erweist sich als fruchtsam wie immer, diesmal zentral thematisiert in einem Kampf um eine Wohnung, von welchem der "Mitkämpfer" nicht weiß, dass es einen gibt. Erstmals gönnt man dem ehemaligen Chef der Truppe außerdem einen menschlich sympathischen Aspekt ohne Hintergedanken, wenn dieser seine Liebe zu Alpakas entdeckt. Derartige Versuche bei Hubert werden leider weiterhin unter den Teppich gekehrt. Es ist schade, dass noch immer nicht seine Scheintochter aus dem Weihnachtsspecial, mit welchem man Staller verabschiedete, zurückkehrt, nicht einmal für einen Gastauftritt, selbiges gilt für die Ex-Frau oder gar Staller höchstpersönlich. 

Sie alle täten dem zu eingefahrenen Miesepeter Hubert gut, um mal wieder ein Fünkchen Herz in ihm zu suggerieren, gerade jetzt, wo der einst heimlich Gebildete auch intellektuell in seinen Interessen nur noch dröge, altersmüde und desinteressiert von den Autoren gezeichnet wird. Aber auch er funktioniert trotzdem noch gut genug (Tramitz ist schließlich Tramitz), so wie der Rest, um den Zuschauer nach Feierabend angenehm zu unterhalten. Einen Anfängerfehler, wie in der letzten Folge geschehen, wenn man das Kamera-Team in einem langsam anfahrenden Auto gespiegelt sieht, habe ich in der sonst technisch professionellen Serie jedoch noch nicht erlebt. Ich hoffe dies stellt lediglich eine sympathische Ausnahme dar, anstatt der erste Schritt zum endgültigen Desinteresse der Verantwortlichen einer einst großartigen Serie zu sein. Ja, das liest sich pessimistisch, gerade bei einem solch kurzweiligem Ergebnis, wie im 12. Jahr serviert, aber das Misstrauen ist einfach da seit dem Niveauabstieg und dem ständigen Besetzungswechsel zur Halbzeit der Reihe. Was Letztgenanntes betrifft, so freut es mich jedoch zu berichten, dass die Beständigkeit der letzten beiden Staffeln beibehalten wurde. Leider jedoch auch was die Folgenzahl des Vorgängerjahres betrifft: auch Staffel 12 begnügt sich lediglich mit 12 Folgen.  Wiki

08.06.2024

UNHEIMLICH PERFEKTE FREUNDE (2019)

Mittels eines Zauberspiegels, auf den er zufällig stößt, kann sich ein Junge einen strebsamen Doppelgänger schaffen, der in der Schule wesentlich motivierter und erfolgreicher ist, als er selbst. Doch diese so vorteilhaft scheinende Magie fordert auch ihre Konsequenzen ein...

Unterforderte Streber...

Ich persönlich mag die natürliche Art, mit welcher Kinder in Kinderfilmen vor den 90er Jahren präsentiert wurden, lieber, als von da an, wo meist auf die Coolness der jungen Protagonisten gesetzt wird. Diese Mentalität ist leider auch in "Unheimlich perfekte Freunde" vertreten, es ist jedoch trotzdem ein sympathisches Fantasyabenteuer mit humoristischem Grundton geworden, denn was Regisseur Marcus H. Rosenmüller hier abliefert, ist eine schwungvoll und liebevoll inszenierte Umsetzung eines einerseits kreativen Drehbuchs, aber auch einer wundervollen Abrechnung der heutigen Elterngeneration, mit all ihren verschiedenen, den Kindern belastenden, Erwartungen an ihre Brut. Ein erwachsenes Publikum bekommt somit ebenfalls genug zu lachen, jedoch nicht nur im besagten Satirebereich. Denn gerade das finale Drittel sprudelt nur so vor Humor und Energie, wenn das Drehbuch mit einer kaum aufzuhaltenden, eskalierenden Situation daher kommt und damit dort noch einmal so richtig ausholt, wo vergleichbare Stoffe geendet hätten. Während zu Beginn die Art, wie der Junge überhaupt auslöst, was zur Geschichte des Films führt, an den Kirmeszauber aus "big" erinnert, weckt die Konfrontation mit dem anders gearteten Doppelgänger zunächst Erinnerungen an den eher unbekannten "Bodo" aus den 80er Jahren. Der biegt jedoch in eine völlig andere Richtung ab, nicht ohne die ein oder andere Parallele zu bieten, letztendlich aber eine Versöhnung ansteuernd, wohingegen die Spiegelbilder, die hier nach und nach sämtliche Schüler ersetzen, zu einer wahren Gefahr werden. Sie sind bösartig genug, um dem kunterbunten Film eine Bedrohung zu liefern, andererseits kindgerecht genug, um nicht düster anzumuten. Stattdessen wirken sie abenteuerlich übertrieben, versehen mit einem Comic-Touch, so rein wie sie das Strebersein zelebrieren. Wenn eine überforderte Lehrerin schließlich eine Klasse voll von wissbegierigen Lernwilligen hat, denen die immer schwerer gestellten Aufgaben noch immer zu leicht sind, bleibt kein Auge trocken, weder bei Groß, noch bei Klein. Und auch die Auflösung weiß zu gefallen, mit einer Botschaft versehen, die in heute so streng moralischen Zeiten nach genau jener Entspannung verlangt, welche man bei den letzten Generation so schmerzlich vermisst.  Wiki

03.06.2024

TRAGÖDIE IN EINER WOHNWAGENSTADT (1967)

Als ein junger Mann aus Jux eine Teenagerin im Wald auf dem Heimweg in die Wohnwagenstadt erschreckt, kommt diese dort derart verstört an, dass man von einem sexuellen Übergriff ausgeht. Anstatt die Polizei zu rufen, will eine handvoll Selbstgerechter das Verbrechen persönlich rächen und geht mit dem Opfer von Tür zu Tür, da man davon ausgeht, dass es sich um einen der Bewohner des Trailer Parks handelt...

Zivilcourage...

Die ausländische Herkunft der Romanvorlage dieser deutschen Produktion ist unverkennbar, ist eine Wohnwagenstadt in Ländern wie den USA doch üblicher als hierzulande. Abgesehen davon lässt sich die Erzählung jedoch auf sämtliche Orte übertragen, so neutral Zeit und Raum in diesem für sich stehenden, eigenständigen Radius der Alternativkultur doch scheinen. Es ist die Produktion selbst, beginnend beim Schwarz/Weiß-Bild, welche das Geschehen dennoch den Anschein gibt, in der Vergangenheit zu spielen, die Erzählung selbst bleibt zeitlos und lebt von dem üblichen Konflikt von Machtausübung und Ehrbarkeit. Selbsternannte Verantwortliche, bildungsarm und entsprechend dümmlich, unterdrücken und führen auf fragwürdige Weise eine Untersuchung durch, unter welche das Opfer mehr leidet, als unter dem Vergehen, das geahndet werden soll. Menschen stellen sich selbst über das Gesetz, setzen ihre frisch erlangte Macht mit Drohungen und Gewalt durch, und dementsprechend ist klar, was dem Täter droht, wenn er gefasst wird. Nur kurz bei der Tat kennen gelernt, kehrt er für die Geschichte erst recht spät zurück, als Sohn der zunächst nebenbei eingeführten Identifikationsfigur, jenem Menschen, der Zivilcourage spät, aber besser als nie beweist, obwohl das Leben seines Sohnes auf dem Spiel steht. Das erschöpfte Opfer hat zuvor zu Beginn des letzten Drittels einfach einen Außenseiter zum Täter erklärt, einen Unschuldigen, einen Ausländer. In seiner moralischen, selbstgerechten Art kommt "Tragödie einer Wohnwagenstadt" zu gewollt und belehrend daher. Und nun, in dieser Phase des Dramas angekommen, in welcher der einzige und ehrbare Ausländer der Siedlung mit Vorurteilen konfrontiert, gedemütigt und misshandelt wird, atmet Günter Gräwerts Werk noch mehr linksgerichtete Luft, als ohnehin schon. Ein Werk mit ehrbarer Absicht wird immer mehr zum Propagandaprojekt, zur Erziehung des Zuschauers mittels einseitiger Blickwinkel in schlichter Gut- und Böseaufteilung. 

Das Bedrohliche der Situation hält den Film dennoch am Leben. Was hier geschieht, und die Entscheidung, welcher sich der Familienvater ausgesetzt fühlt, schnürt dem Zuschauer tatsächlich den Hals zu. Was wird die Konsequenz seines Tuns sein? Soviel sei verraten: eine weit weniger erschreckende, als angenommen. Denn nun im Finale lässt sich ein ganzes Dorf Rachsüchtiger von den moralischen Worten jenes Mannes einlullen, der Recht hat. Das hat er, keine Frage, aber unglaubwürdig wirkt das Szenario dennoch, auch wenn den Leuten urplötzlich in ihrer hochgepuschten Rachsucht der Spiegel vorgehalten wird. Aber gut, darüber kann man diskutieren, also auch anderer Meinung sein, ob das nun realistisch ist oder nicht, und schlecht ist es nicht, was da an Vorwürfen und berechtigten Beschuldigungen in die Menge gerufen wird, man ist ganz Ohr, lässt sich an diesem Punkt angekommen gern manipulieren, eben weil das hier propagierte Weltbild in dieser speziellen Situation Recht behält. Und eben auch weil der Spannungsbogen zuvor so hoch war. Das war er aber auch nur kurz zuvor, denn mehr als die Hälfte der Laufzeit beschäftigt sich das Werk mit der Monotonie der Vorgehensweise der Aggressoren. Dies immer wieder unterbrochen durch die Dialoge der Bewohner, die erst nach und nach begreifen, was gerade stattfindet, aber doch ständig die üblichen Methoden und Rechtfertigungen zeigend, die auch durch hervorragende Mimen dargestellt in dieser Wiederholungsschleife lange Zeit kein wahres Interesse an der Geschichte entstehen lassen. Verschlimmert wird dies durch die nervige Charakterisierung des Opfers, die selbst für naivere Filmzeiten etwas arg schwach und schlicht gestrickt gezeichnet ist, und fortwährend jammert und weint, noch bevor die Motivation ihrer Rächer sie immer mehr und mehr schwächt. Die wie immer stark spielende Ruth-Maria Kubitschek kommt in ihrer Nebenrolle zu kurz, um diesen Schwachpunkten etwas entgegenhalten zu können. So bleibt die TV-Produktion "Tragödie in einer Wohnwagenstadt" eine eher wackelige Angelegenheit, die durchaus ihre starken Momente besitzt, insgesamt aber, trotz guter Absichten, zu fragwürdig anmutet und zu schwach umgesetzt wurde.  OFDb

12.05.2024

OTTO - DER LIEBESFILM (1992)

Amor erhält den Auftrag von Gott endlich mal wieder ein Pärchen zu vereinen. Die beiden verliebt ineinander zu machen, war schon nicht die leichteste Aufgabe, aber sie endlich vereint eine gemeinsame Wohnung finden lassen, erweist sich als schwierigere Übung als erwartet...

Der Rächer mit dem Becher...

So extrem peinlich wie "Otto - Der neue Film" wird es nicht schon wieder, und so langweilig wie "Otto - Der Außerfriesische" glücklicher Weise auch nicht mehr, aber das sympathische Überraschungsbonbon von "Otto - Der Film" bleibt nach wie vor ein Einzelfall. Denn auch wenn der vierte Otto-Film wieder in die richtige Richtung tendiert, samt weiblicher Hauptrolle aus dem Erstling zurückholend (in anderer Rolle), so ist doch einfach Otto der eigentliche Störfaktor. Immer wieder bin ich überrascht, wenn ich ihn in einem seiner Werke beobachte, wieviel Freude er anderen mit seinen Kalauern bereitet, die für mich nicht über Schulhofniveau hinaus ragen und mir stets ein Gefühl des Fremdschämens bescheren. Es ist nicht so, dass alles um ihn herum rund läuft, aber die anderen Teilnehmer vor der Kamera wissen stets mehr zu wirken, als der Star selbst, obwohl auch aus ihnen weit mehr herauszuholen wäre. Der Antagonist ist passend besetzt, verfehlt aber manchmal durch simple Betonungen die Treffsicherheit des ihm zugedachten Humors. Die Nase des Vaters der Angebeteten ist ein wundervoller Gag für sich, wird unterstützt durch die herrlich amüsante Stimme des Schauspielers, durch zu wenig Beachtung vom Drehbuch und zu banaler Szenen kann aber auch er nicht vollends wirken. 

Otto selbst aber wirkt wieder einmal blass, entwickelt keinen Charakter mit dem man mitfühlen kann, schafft es aber zumindest nicht völlig peinlich neben der souverän agierenden Jessika Cardinahl zu wirken, das darf schon verwundern, bei ihrem zurückhaltenden Stil. Stilvoll besetzt ist zudem die immer mit Niveau agierende Ruth-Maria Kubitschek, die einige herrliche Szenen beschert bekommen hat. Während der Starauftritt vom Frontmann der Scorpions eher zu den Momenten gehört, die man besser schnell vergessen sollte, gibt es auch bei Otto selbst kleine Lichtblicke, die einen leicht daran erinnern, was er im ersten Kinofilm zu leisten wusste. Ein Romantik vortäuschender Song, der das Beschmutzen der Bettwäsche durch Körperflüssigkeiten zum zentralen Thema macht, weiß zu gefallen, und wenn die Finalattraktion der Volksmusiksendung durch den Komiker torpediert wird, dann weiß auch dies zu funktionieren, wenn auch in keiner solch ausgeklügelten Vorbereitung, wie sie die besseren Momente in "Otto - Der Film" benötigten. Selbst die simple Choreographie der Blumenmädchen weist mehr Übung und Vorbereitung, und letztendlich auch ein besseres Ergebnis auf, als Ottos, wie erwähnt durchaus amüsantes, Brachialgeblödel in diesem Moment. Ohnehin fällt auf, dass "Otto - Der Liebesfilm" sich im letzten Drittel besser schaut, als in der Stunde zuvor. Auch diese weiß auf belanglose Art unter Niveau zu unterhalten, was den vierten Kinostreich des Ostfriesen zumindest zu einer annehmbaren Angelegenheit, anstatt zu einer missglückten macht. Da ich aber keine 9 Jahre mehr alt bin, kann mich der Otto-Humor auch diesmal nicht wirklich abholen.  Wiki

10.05.2024

HEILSTÄTTEN (2018)

Diverse Influencer, die sich lose kennen, nehmen an einer 24-Stunden-Challenge teil, in welcher man die Nacht in den verlassenen Heilstätten Berlins verbringen muss, in denen es aufgrund der düsteren Vergangenheit vor Ort spuken soll. Mit verschiedenen Arten Kameras am Start müssen die egoistischen Selbstdarsteller sich bald eingestehen mit der gruseligen Situation überfordert zu sein...

Tuberkulose-Lose in Tuberkuloseklinik...

Ambitionierte Filmer jenseits professioneller Erfahrung, die einen historischen Ort nutzen wollten, um einen Spannung erzeugenden Film abzuliefern, diese Idee ging bei Oliver Hummel und Tobias Ibel gewaltig schief, als sie mit "Marienthal - State of Emergency" dachten mittels des reizvollen Ortes eines kurz vor der Schließung stehenden Bunkers ihren finanziellen Erfolg des ebenfalls erbärmlichen "Dark Area" wiederholen zu können. Nicht so dämlich, weit talentierter und mit einer glaubwürdigeren Geschichte versehen, beweist Michael David Pate, dass es durchaus möglich ist unter solchen Umständen etwas Brauchbares abzuliefern. Angesiedelt an der You Tuber-Szene, der er selbst einst angehörte, und mit dessen Prominenz er die akzeptable Komödie "Kartoffelsalat" (sogar unter Mithilfe des prominenten Otto Waalkes) auf die Beine stellte, steigt er innerhalb einer Mentalität ein, die er versteht, da persönlich kennt, nutzt die Szene der Selbstdarsteller satirisch, wie authentisch, und wahrscheinlich funktioniert deshalb auch der Einstieg von "Heilstätten" so wunderbar, obwohl man eigentlich großteils nervigen Figuren bei ihrem grenzdebil anmutenden Hobby zusieht. 

So ist man überraschender Weise bei dieser Ansammlung von jungen Menschen als Zuschauer mitten drin in deren Miteinander, wenn sie als Konkurrenten den unheilvollen Ort erreichen, der im Gegensatz zum Vergleichsfilm tatsächlich Wirkung besitzt. Kritisch war ich, ob es Pate schafft, den eher lustigen Figuren glaubwürdig den Wandel zu ängstlichen Figuren zu bescheren. Doch es gelingt ihm, und dies nicht einmal durch ein besonders kniffliges Vorgehen, sondern wie vom Ur-Found Footage-Horror "The Blair Witch Project" gelernt über den Umweg der Aggressionen und der Hysterie, bis sich die Figuren geistig, wie vom Ort her, verrennen. Diese Unübersichtlichkeit, u.a. verursacht durch verschiedene, parallele Handlungsorte, verschiedene Arten von Kameraaufzeichnungen, sowie verstärkt durch Aufnahmefehler und Aufzeichnungen in totaler Dunkelheit, nutzt er, um auch den Zuschauer zu verwirren, der bald den Überblick verliert und nicht mehr einschätzen kann, wie glaubwürdig das Verhalten der Figuren zu beurteilen ist. Ob gefangen, verletzt, ermordet, verschreckt, welche Möglichkeiten die einzelnen Teilnehmer der Challenge tatsächlich zur Flucht und gegenseitigen Hilfe in der jeweiligen Situation gehabt hätten, lässt sich ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr erschließen. 

Lautes Getöse, anstatt stimmiger Grusel, lassen diese Phase zwar zum Schwachpunkt des Gesamtwerkes werden, aber auch hier bleibt "Heilstätten" stimmig inszeniert und durchaus interessant erzählt. Eine Wendung gegen Ende hat man hinzunehmen, auch wenn da nichts intensiver von der Motivation her erklärt wird. Aber anstatt zu meckern, nimmt man dies als Zuschauer dankend an, denn nun darf man wieder durchblicken, an die Hand genommen von Regie, Drehbuch und einer Figur des Filmes. Eine augenzwinkernde Schlusspointe, die sich selbst nicht zu ernst nimmt, hält man am Ende angekommen zusätzlich parat, gefolgt von einer schönen Kamerafahrt hinaus auf einem Computerbildschirm, der uns das gerade gesehene, per Found Footage als Dokumentarfilm eingefangene, Stück Horrorfilm optisch als Internetvideo präsentiert, welch schöne Idee. Wirkungsreich ist es auch im Rückblick noch einmal die Ankündigungen der jeweiligen Influencer vor der Challenge zu hören, durchdachte und wirkungsreiche Ideen sind in dieser an sich standardmäßigen Spukgeschichte somit also durchaus vorhanden. 

Schön ist auch der geistreiche Verweis, was Internet kann und wofür es wirklich genutzt wird, durch eine der Figuren des Streifens geäußert, die währenddessen ganz direkt den Zuschauer anblickt, der ebenfalls nur aufgrund seiner voyeuristischen Freude an Horrorfilmen eingeschaltet hat. Technisch und darstellerisch mutet das Ergebnis nicht wie ein Amateur- oder waschechter Undergroundfilm an. Pate ist der Schritt zur professionellen Produktion gelungen, zumindest mithilfe des darüber hinweg täuschen könnenden Found Footage-Verfahrens. In einem regulär abgefilmten Streifen müsste er diesen Eindruck noch einmal bestätigen. Für das Ergebnis von "Heilstätten" soll es aber auch egal sein, der ist unterhaltsam ausgefallen, kein großer Wurf seines Genres, aber der angenehme, kleine Horrorfilm für zwischendurch ist er durchaus geworden, zumindest dann, wenn man mit "selbstgedrehter" Wackelkameraoptik etwas anfangen kann.  Wiki

04.05.2024

SPUK IM MORGENGRAUEN (1969)

Ein Ehepaar erwacht um 5 Uhr morgens, eingesperrt im Schlafzimmer. Das Telefon funktioniert nicht, und vom Fenster aus sehen sie unten im Garten einen maskierten Mann graben. Was hat das alles zu bedeuten?...

Täuschungen...

Der unter eine Stunde laufende TV-Film ist ein Kammerspiel in Echtzeit. Alles spielt im Schlafzimmer, den Garten bekommen wir über den Blickwinkel aus dem Fenster präsentiert. Einzig kurze Aufnahmen auf die Kommode, auf der sich das zweite Telefon im Haus befindet, lässt man uns ansonsten erhaschen. Erst zum Schluss bekommen wir tiefere Einblicke vom unteren Stockwerk beschert. Bis dahin ist Rätselraten angesagt. Die Dialoge zwischen dem Ehepaar sind möglichst natürlich angegangen, die Spürnase des Ehemannes ist nicht von schlechten Eltern, lediglich kurze Widersprüche in zu wechselhaftem Verhalten lassen sich nicht immer durch die überfordernde Situation erklären. Wirre oder widersprüchliche Äußerungen hingegen erhalten meist Sinn. Trotz allem Bemühen um Glaubwürdigkeit klingt alles eher aufgesagt, dies nicht im unprofessionellen Sinne, sondern orientiert an der Art des Schauspiels im Theater. Aber dieser zunächst gewöhnungsbedürftige Stil weiß zu gefallen und hilft der zu erahnenden Pointe dabei auch mit der letzten Auflösung, zumindest für die Bühne inszeniert, glaubwürdig zu erscheinen. Dafür dass die beiden im Zentrum stehenden Figuren relativ normale Menschen sind, erweisen sie sich im richtigen Moment stets als überraschend wandlungsfähig, ob per erzählten Rückblick (der nie visuell stattfindet) oder im jeweils aktuell gerade stattfinden Moment. Dass nie tatsächlich ein Spuk, wie der Titel vermuten lassen könnte, zur Debatte steht, tut der Geschichte gut, die ähnlich pointiert schließt, wie man es aus Kurz- oder Episodenfilmen kennt. Nach 5 Jahren Regietätigkeit für das laufende Bild war "Spuk im Morgengrauen" das letzte Werk in diesem Bereich für Dieter Munck. Ihm mag kein bahnbrechender Beitrag geglückt sein, aber ein unterhaltsamer, der mit wenig optischer Abwechslung dank interessanter Dialoge und guter Darsteller dennoch flott genug inszeniert ist, um dran zu bleiben, schließlich will man die Auflösung des Ganzen erfahren, nachdem man von Anfang an so gekonnt mitten ins Geschehen geschubst wurde.  OFDb

DER MANN AUS DEM BOOTSHAUS (1967)

Erst sieht ihn der Sohn, dann die Mutter: ein Fremder, der im Bootshaus der Familie übernachtet hat. Einen Abend zuvor gab es auf einem Hausboot in der Nähe eine Tote. Die Mutter und der Fremde verbringen Zeit miteinander, schließlich verhilft sie den mittlerweile von der Polizei gesuchten zur Flucht. Denn sie hat in der Zeit des Beisammenseins etwas erkannt, was die Polizei nicht weiß...

Die Besetzungscouch als selbstverständlicher Nebensatz...

"Der Mann aus dem Bootshaus", basierend auf einem Kriminalroman, ist nüchtern umgesetzt und fast ausschließlich per Dialoge vorgetragen. Sachlich spricht man miteinander, egal wer mit wem, unaufgeregt, selbst als Fremde zueinander, selbst als Eindringling. Die Nüchternheit zeigt sich besonders deutlich in der von Rosemarie Fendel hervorragend dargebotenen Rolle der Ehefrau und Mutter, die sich Realitäten bewusst ist und wird, ein Stil der weit wichtiger für die Geschichte ist, als man vermuten würde. Man weiß ohnehin nicht wohin die Geschichte steuern will, um was es tatsächlich gehen soll. Doch das erklärt sich alles mit der Zeit, und die trockene Art, die zunächst für den Zuschauer (gerade von heute) herausfordernd ist, wird zum psychologischen Spiegelbild allem Erzählten. Selbst die Auflösung wird nüchtern vorgetragen, sie weiß aufgrund dessen zu interessieren, während sie in alternativen Geschichten fast schon belanglos zu nennen wäre. Letztendlich spiegelt sich trotz der ungewöhnlichen Situation in allem der Alltag wieder, deswegen ist auch die Schlusssetzung des Films gekonnt zu nennen. 

Im Vorspann als Fernsehspiel betitelt, macht "Der Mann im Bootshaus" trotz seiner Dialoglastigkeit und einem kleinen, überschaubaren Rahmen an Figuren und Spielorten nicht den Eindruck eines abgefilmten Theaterstücks, wie es bei dieser Bezeichnung zu dieser Schaffenszeit häufig anzufinden war, so z.B. bei "Tagebuch eines Frauenmörders" oder der deutschen "Sherlock Holmes"-Serie von 1967. Stattdessen guckt sich das Drama mit Kriminalfilmeinfluss klassisch abgefilmt, ohne optische Besonderheiten versehen, abgesehen von einigen eingestreuten Standbildern, die uns Bilder der Verstorbenen zeigen, ein Stilmittel das gerade zu Beginn zunächst verwirrt. Sachlich und zielgenau steuert der Film seinem Ergebnis entgegen, während er oft den Eindruck macht auf der Stelle zu treten. Doch das täuscht. Das häufige Einbringen der Kinderfiguren im ersten Drittel, lässt kurz darauf nach. Es ist eine ungewöhnliche Entscheidung, die vielleicht der Buchvorlage geschuldet ist, für einen tieferen Blick ins Familienleben der Mutter spielen diese Momente zu häufig außerhalb ihres Blickwinkels. Wichtig werden die Kinder schlussendlich nicht. Da der Film jedoch seine Kraft aus dem Alltag nimmt, aus der Sachlichkeit, und daraus, dass man gar nicht so genau weiß worauf die Geschichte hinaus will, ist auch dies kein Schwachpunkt des Streifens, sondern ein Spiel mit ungenannten, subtil eingestreuten Möglichkeiten, ebenso wie stets eine verharmloste Bedrohung im Raum schwebt, wenn die Frau ihren Kontakt zum Gesuchten hält.  OFDb

20.04.2024

ATTACK OF THE ZOMBIE KNIGHTS (2004)

Eine Gruppe junger Menschen fährt zum Zelten in den Wald und stößt auf eine weitere Gruppe junger Menschen, die dort ein Überlebenstraining abhalten möchten. Die Differenzen beider Zusammenkünfte werden zum kleinsten Problem, als man versehentlich tote Tempelritter erweckt...

Der letzte Auserwählte...

Der ursprünglich als "Evil Knights" erschienene "Attack of the Zombie Knights" ist eine deutsche Amateurproduktion, die das dort so beliebte Zombiethema einmal anders angeht als üblich. Nicht nur dass man klassische lebende Tote gegen Tempelritter ausgetauscht hat, ebenso wie man auf übertriebene Goreszenen verzichtet hat, die sonst gerne inflationär über mangelnde Kreativität hinweg täuschen sollen, auch wagt man den Schritt in den humoristischen Bereich, der meiner Meinung nach das Produkt von Laien meist eher unterstützt, anstatt schadet, eben weil in einem Hobbyprojekt vieles eher bemüht anstatt gekonnt wirkt. Die Verantwortlichen gingen somit entspannt, anstatt verbissen an ihr Projekt heran, und herausgekommen ist ein charmanter No Budget-Film, der vielleicht eine Spur kürzer hätte ausfallen können, insgesamt aber eher überzeugt, anstatt zu enttäuschen. Vorausgesetzt wird freilich der Zugang zu einem Amateurfilm, manch einer kann sich in derartiges nicht einfinden. Aber Gerd Richters einziges an die Öffentlichkeit gelangtes Werk gehört zu jener entspannten und gleichzeitig engagierten Variante, in welcher man sich Schwächen und Stärken gleichermaßen bewusst war. Der anfänglich monotone Spielort des Waldes wird abwechslungsreich genug eingefangen, schließlich auch durch eine Hütte, unterirdische Gänge und einer Burgruine erweitert, das Schauspiel ist für ein Werk dieser Art gut genug ausgefallen, wurde doch so ziemlich jeder in seine zu ihm passenden Rolle gesteckt, und weiß das absichtlich comichaft übertriebene Spiel des jugendlichen Aggressors doch ganz besonders zu gefallen. 

Ebenso umgeht man nicht den schwierigen Bereich der Dramatik, die auch gerne mal, wie in einer gerade aufblühenden Liebschaft geschehen, eine morbide Wende erhalten kann, was zeigt, dass der Zuschauer mit allem rechnen muss. Klassisches Zombiefilm-Flair tritt weder durch den Inhalt, noch durch die Optik in Erscheinung. Viel machen die bösen Ritter nicht her, klassische Karnevalskostüme dienen als Grundlage der Illusion, aber ihr rarer Einsatz, ihre plötzliche Präsenz und der Versuch einer atmosphärischen Stimmung trotz Humor und Amateurhaftigkeit, lässt großzügig darüber hinweg sehen, zumal die menschlichen Figuren umso wirksamer eingesetzt sind. Dass die Geschichte ziemlich hanebüchen ist, insbesondere je mehr Hintergrund man ihr zu verschaffen versucht, ist bei einem derartigen Titel ohnehin zu erwarten gewesen, es fällt aber auch auf, dass man dennoch bemüht ist das Ganze nicht völlig schwachsinnig erscheinen zu lassen. Das zeigt auch die Orientierung der Figuren, die passend zu ihrem jeweiligen Charakter agieren und begreifen. Wer im Bereich des Amateurfilms nicht zwingend die große Schlachtplatte benötigt und es stattdessen gerne sieht, wie Hobbyfilmer darin bemüht sind etwas Erzählenswertes auf die Beine zu stellen, der kann durchaus einen Blick auf "Attack of the Zombie Knights" werfen. "Die Nacht der reitenden Leichen", samt der drei Fortsetzungen, wird überraschender Weise jedoch weder zitiert, noch anderweitig geehrt.  OFDb

MAMA, PAPA, ZOMBIE - HORROR FÜR DEN HAUSGEBRAUCH (1984)

Kinder und Jugendliche kennen mittlerweile brutalste Horrorfilme, und so geht man der Thematik eines möglichen Jugendschutzes für das neue Medium Video auf den Grund...

Elternabend der anderen Art...

Als die Videotheken sich im damals noch immer verrufenen Zustand dem Massenpublikum zuwandten und von den Rotlichtgebieten auf die Hauptstraßen zogen, beauftragte man für das ZDF eine Dokumentation zur dringlichen Frage des Jugendschutzes. Entgegen dem was häufig von Horror-Fans im Netz zu lesen ist, ist dabei ein sachliches Ergebnis herausgekommen, welches das Thema aus verschiedensten Blickwinkeln heraus beleuchtet und auch Extreme beider Seiten (jene, die den Horrorfilm dämonisieren, ebenso wie jene, die den Jugendschutz für völlig unnötig halten) zu Wort kommen lässt. Das überholte Bild dieser Thematik mag belustigen, viel mehr jedoch lässt einen "Mama, Papa, Zombie", der diesen Titel aufgrund einer traurigen Anekdote einer Videothekenmitarbeiterin erhielt, erstaunen, so kultiviert wie damals noch gesprochen wurde und so sachlich wie sich die Öffentlich Rechtlichen damals noch mit einem kontroversen Thema befassen konnten. Zwar sind leider angebliche Spontaninterviews im Vorfeld einstudiert und klingen, ebenso wie mancher Monolog, abgelesen, das Herz der Doku schlägt jedoch am rechten Fleck und informiert uns, meist an den Beispielen "Muttertag" und "Ein Zombie hing am Glockenseil", über den Ist-Zustand, die Risiken und die Möglichkeiten. 

Mit Blick von heute ist der von Claus Bienfalt inszenierte Kurzfilm von etwa 45 Minuten Laufzeit sogar noch interessanter ausgefallen, fällt den Verantwortlichen der Doku doch die Fragwürdigkeit der Politik dieser Zeit zu diesem Thema auf, die letztendlich später über den Jugendschutz hinaus schoss und auch manch mündigem Bürger das Sichten eines Horrorfilms verbieten sollte. Noch immer sind Wunden dieser Stigmatisierung des Genres in unserer Gesellschaft nicht komplett ausgeheilt, sei es auf der Liste beschlagnahmter Filme, wo einige noch immer auf ihre Rehabilitierung warten, oder in den Köpfen der Bürger, die das Genre Horror noch immer speziell mit Argusaugen betrachten, obwohl jedes Genre Sehenswertes und Fragwürdiges hervor bringt. Mag sich manches heute auch freier anfühlen, der Tunnelblick und die Moral haben sich verstärkt, und das macht einen Ausflug in die Welt verschiedenster Bürgerschichten von 1984 umso interessanter, ist "Mama, Papa, Zombie - Horror für den Hausgebrauch" doch liberal thematisiert, zu einer Zeit als gebildete Bürger diese Mentalität noch nicht in einen Topf mit Neoliberalismus warfen. Einzig der kurze Blick auf damalige Brennpunkte spiegelt wieder, was auch heute noch in sozialen Unterschichten an Ignoranz und mangelnder Aufklärung zu beobachten ist. 

Ob die Bedenken zur Verrohung der Gesellschaft gerechtfertigt waren, lässt sich schwer beurteilen, die Antwort findet sich aber wahrscheinlich eher im inflationären Umgang mit den elektronischen Medien allgemein, anstatt in der speziellen Kategorie der Gewalt thematisierenden. Dass nicht jeder gleichermaßen anfällig und beeinflussbar für Gewalt ist, und das Video nur ein Einfluss unter vielen ist, gehört mit zum Fazit der Verantwortlichen des hier besprochenen Dokumentarfilmes. Dass die Gesetze des hier debattierten Themas längst vorhanden waren und die Diskussion, insbesondere von Politikern und Moralisten, nur der Propaganda wegen geführt wurde, lässt einen ebenfalls erstaunt zurück, so oft wie sich dieser Zustand zu anderen Themen auch heute noch entdecken lässt. Und da wir wieder einer arg moralischen Zeit entgegen steuern, kann "Mama, Papa, Zombie" ein Lehrstück in den Einblick anderer Mentalitäten sein, ebenso wie im Umgang diese alle demokratisch in einen Sachfilm einfließen zu lassen. Denn die errungene Freiheit der Vorgenerationen kann sich, gerade auch für den Filmfreund und sein liebstes Hobby, wieder derart verdüstern, wie kurz nach diesem Dokumentarfilm geschehen.  OFDb

18.02.2024

HUBERT OHNE STALLER - DEM HIMMEL GANZ NAH (2023)

Zum ersten Mal seit Stallers Abschied erhält die Serie "Hubert und Staller" ein Spielfilm-Special. Dieses erinnert aufgrund der Idee, mit Kollegen aus einem anderen Bezirk kooperieren zu müssen, ein wenig an das zweiten Film der Reihe namens "Hubert und Staller - Unter Wölfen", verdreht die anfängliche Disharmonie beider Fronten jedoch zu einer friedlichen Zusammenarbeit, die hauptsächlich dafür genutzt wird Hubert nach etlichen Jahren doch noch mal ein Liebesleben zu bescheren. Viel holt man da nicht heraus, nutzt es für das kurzfristige Ausstrahlen von Lebensenergie und dem obligatorischen Schlussstrich eines wieder im Alltag angekommenen Hubert. Aber ohnehin holt man im kompletten Streifen wenig aus den vorhandenen Möglichkeiten heraus, am deutlichsten wohl in jenem Moment zu erkennen, in welchem die beiden Hauptfiguren an einem Seil baumelnd am Abhang hängen, den Tod ins Auge blickend, nur um sie auf arg plumpe Art dann doch gerettet zu bekommen, ohne dass die Geschichte durch diese Situation einen Mehrwert erhalten hätte. Girwidz und Hubert duzen sich kurzfristig, das war es auch schon. 

Seit Staffel 8 ist die ehemals so kreative Serie aber ohnehin nur noch eine Lightversion ihrer selbst, und das macht der Spielfilm dieser Phase auf ein weiteres deutlich. Seicht plätschert die Komik vor sich hin, humorvoll genug ausgefallen, um zu amüsieren und angenehm auf simple Art zu unterhalten, zu mehr ist man aber nicht mehr bereit, warum auch immer. Die neuen Figuren werden nicht intensiver eingebracht, als nötig, sie erfüllen ihren Part, ragen aber durch nichts heraus, Stammfiguren der Randbesetzung bekommen genügend Raum beschert, und mit der Zusammenarbeit mit Österreich und dem Einbringen eines Hubschrauberfluges wird noch mancher Schauwert beschert, der für den ein oder anderen Gag genutzt wird. Auf 90 Minuten zeigt sich noch einmal mehr, wie viel weniger die Reihe mittlerweile zu bieten hat, auf 45 Minuten kann man dies besser tarnen. Gerade Girwidz als Sidekick füllt die Spielfilmlänge nicht aus, Staller hätte die Luft zwischen den einzelnen Szenen bei ebenso guter Besetzung wegen reflektierterer und pointensicherer Charakterzeichnung locker gestemmt bekommen. Brandner kann man da keinen Vorwurf machen. Die Stammbesetzung überzeugt nach wie vor, es sind die Drehbücher, die dünner werden. Da "Hubert und Staller" auch in diesem Zustand genug Quote erhält, besitzen die Verantwortlichen der Reihe aber auch keine Motivation zur alten Qualität zurückzukehren. Ihnen ist ihr Produkt egal geworden, es soll nur noch funktionieren.  OFDb