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29.12.2024

PARASYTE 2 (2015)

Shinichi ist auf Rachefeldzug gegen die Parasiten und will einen nach dem anderen auslöschen. Dank seiner Erfolgsrate gerät er ins Visier der Polizei, und auch ein Reporter ist ihm auf den Versen. Die Anführerin der Parasiten sucht mittels ihrer Experimente noch immer einen Weg der gemeinsamen Existenz, was einigen ihrer Untergebenen nicht gefällt. Besonders gefährlich wird es für Shinichi selbst als mittlerweile erfahrenen Jäger, als ein besonders hartnäckiges Experiment der Anführerin den Kampf mit ihm sucht, denn es ist Träger mehrerer Parasiten zugleich...

Das Baby und das Lachen...

"Parasyte 2" steht "Parasyte" in dem was er erzählt in nichts nach. Hier wird nicht unnötig wiederholt, die von Anfang an eingeplante Fortsetzung der Realverfilmung des gleichnamigen Mangas sprudelt nur so vor vielen weiteren Ideen und Denkansätzen, eingebettet in eine actiongeladene und zugleich emotionale Geschichte, auf jene brutale, wie friedliche Art, jenen Mix aus kindlichem Gemüt und erwachsenem Intellekt vereinend, wie es eben auch nur die Japaner in dieser gekonnten Art beherrschen. Nach wie vor bleibt die zu kindlich gezeichnete Hand des Protagonisten der Schwachpunkt, aber selbst auf den Parasit dort bezogen hört es an weiteren Ideen nicht auf, es besteht kein Stillstand innerhalb der Erzählung, der Charakterentwicklung, der Erkenntnisse und der philosophischen Ansätze, die "Kiseijû Kanketsu-hen" (Originaltitel) durchaus besitzt. Verschiedene Wahrnehmungen, Interessen und Ziele, sowie Wissensstände beeinflussen das geistreiche Geschehen, das Gut und Böse immer wieder gekonnt vermischt, so dass dem Werk lediglich der letzte Schliff fehlt, um von einem rundum geglückten Film zu sprechen. Humor und Action führen Hand in Hand ohne Durststrecken zum Ziel. Ein etwas intensiverer Blick ins Innenleben des Helden hätte dem Ergebnis jedoch gut getan, auch wenn Ansätze diesbezüglich vorhanden sind. Etwas zweideutig, aber keinesfalls so gemeint, mutet anbei der tragische Abschied eines Teenagers von seiner rechten Hand an, kurz nachdem er eine ernsthafte Beziehung mit einer Gleichaltrigen begonnen hat. Ich finde es fast schon schade, dass dieses Gleichnis vom Abschied der Masturbation lediglich Zufall ist.  Wiki

10.11.2024

SUICIDE CIRCLE (2001)

54 Teenagerinnen springen vor die U-Bahn. Solche kollektiven Selbstmorde häufen sich in Japan, und die Polizei sucht verzweifelt nach einem Muster...

Ganz ohne Teenage-Selbstmord-Rap...

Der Vergleich zu "Battle Royal" ist lediglich ein werbewirksamer Versuch, ein Jahr nach dessen Erfolg, gibt es doch keinen tatsächlichen Zusammenhang zwischen beiden Werken. Mag das gelegentliche Massaker im Suizidgewandt auch blutrünstig umgesetzt sein, solch quantitative, reißerische Schauwerte besitzt "Jisatsu sâkuru" (Originaltitel) nur selten, und selbst dann muten sie nicht so an. Sie sind die aufgeregteren Momente inmitten eines eher nüchtern umgesetzten Ermittlungsfilms, in welchem wir zusehen dürfen, wie die Beamten, die für Sicherheit sorgen müssen, im Dunkeln tappen. Wer oder was löst die Selbstmordwelle aus? Wir werden als Zuschauer Zeugen plötzlicher Entscheidungen zum Suizid, geplant sieht anders aus. Also sind die Schüler fremdgelenkt? "Suicide Circle" lebt viel von dem Mysterium, das seine Ereignisse umgibt und gefällt in der unaufgeregten Art, in welcher er auf der einen Seite sachlich anmutend seiner Geschichte nachgeht, auf der anderen die Polizei aber auch nie sinnvoll kombinieren lässt, soviel Köpfe da auch rauchen mögen. 

Dieser ominös thematisierte Mix aus Horror und Kriminalfilm hätte in dieser Art ein sehenswertes Stück besonderes Kino werden können, wenn man sich nicht plötzlich entschieden hätte das Ganze doch noch wesentlich schriller ausfallen zu lassen, als nötig. Mit dem Einbringen einer provokanten Neo-Punk-Band, wird eine verdächtige Vereinigung ins Spiel geworfen, die den Film aus seiner bisherigen Spur wirft. Dass es unsinnig wäre, wenn sich der Verdachtsfall als wahr entpuppt, hinterlässt ein ungutes Gefühl, ansonsten könnte man den Stilwechsel blauäugig schön reden, als ein Element, welches den Zuschauer aus seiner Sehgewohnheit reißt. So aber betrachtet man das Geschehen desorientiert und kritisch zugleich. Mag sich auch Erleichterung einstellen, wenn das Drehbuch der Versuchung widersteht eine derart dämliche Auflösung tatsächlich Auflösung sein zu lassen, so wird "Suicide Club" (Alternativtitel). trotz Rückkehr in eine sachlicher angegangene Spur, nie wieder so gut wie zuvor, eben auch weil der trockene Umgang mit dem Stoff nie wieder so konsequent angegangen wird wie zuvor und die schrille Unterbrechung mehr Laufzeit einnimmt, als gut für das Ergebnis gewesen wäre. 

Wenn uns das Drehbuch schlussendlich mit einem ungeklärten Geschehen zurücklässt, dann bildet dies eine erneute Ernüchterung. Ich wüsste aber auch nicht, wie man all das Gezeigte zu einer sinnvollen Auflösung hätte hinsteuern können, somit bleibt es Ansichtssache ob es gut oder schlecht ist diesbezüglich gar nichts erst versucht zu haben. Verarscht kam ich mir schon vor, so sehr wie man auf das Mysterium baute, nach dessen Auflösung man als Zuschauer regelrecht geschmachtet hat. Und eine Art "Picknick am Valentinstag" ist "Suicide Circle" auch nicht geworden, da die Widersprüche in möglichen Erklärungsansätzen nicht wie dort zu faszinieren wissen, um als genial ungeklärtes Phänomen über das Filmende hinaus zu triumphieren. Nichtsdestotrotz ist Regisseur und Autor Shion Sono, der auch den plump geratenen "Tag" inszenierte, ein Film gelungen, der zu faszinieren und zu gefallen weiß, so sehr zumindest, dass man trotz der Fehlentscheidungen zufrieden auf ihn zurück blickt, so intensiv wie einige Momente hier zu wirken wissen, und so hoffnungslos, wie die Ermittlungen hier auf "Zodiac"-Art, in trockenem Erzählstil ausgefallen sind.  Wiki

21.07.2024

PARASYTE (2014)

Eine neue Rasse von Parasiten nistet sich über das Ohr hinein in seinen menschlichen Wirt ein und verändert ihn zum Fleisch fressenden Monster. Shinichi hört jedoch Musik über den Kopfhörer, als auch er befallen werden soll, also nistet sich der Parasit alternativ in seiner Hand ein und kann sich dort nicht vollends entfalten, so dass das Bewusstsein des Wirts, im Gegensatz zu den anderen, erhalten bleibt und beide eine Koexistenz führen müssen...

Das ausgerissene Haar...

Wie so oft mittlerweile bei Manga-Verfilmungen ist der Realfilm "Parasyte" zur selben Zeit erschienen wie die Anime-Reihe "Parasyte - The Maxim", die selbiges erzählt. In der sogenannten Live-Action wird die Geschichte auf zwei Filme verteilt, die im Abstand von einem Jahr gedreht wurden. Das Ende des hier besprochenen Erstlings ist somit offen, der Schlusspunkt jedoch an einer entscheidenden Stelle gesetzt, welche die Vorphase zum Kommenden beendet. Wieder einmal schaffen es die Japaner kindliche Themen mit erwachsenen zu vereinen, sowie Kitsch Hand in Hand mit harten Brutalitäten zu zeigen. Und da die Spezialeffekte als überzeugend bezeichnet werden können, guckt sich Letztgenanntes um so schockierender inmitten einer an sich fröhlich gestalteten Geschichte. Etwas schwer tat ich mich bei diesem zu "Upgrade", "Venom" und Co themenverwandten Science Fiction mit dem Mutant in der Hand, der mir eine Spur zu fröhlich und lieb anmutend animiert und charakterisiert wurde. Wenn die beiden unfreiwilligen Partner nach einem Lebensrettungsversuch Eigenschaften des jeweils anderen annehmen, harmoniert dies jedoch besser mit dem düsterer werdenden Wirt, als zuvor. 

Dass derartiges überhaupt eine Begründung erhält, zeigt wieder einmal, dass man in Japan auch bei einer wilden, humoristischen Action-Chose nicht auf geistloses Programm setzt. Die Geschichte ist reflektiert, auch wenn sie (wahrscheinlich noch) nicht die Hintergründe der neuen Parasitenart verrät (aber zu Beginn des Streifens eine interessante Andeutung macht) und diese in nur wenigen Minuten nach Befall den Körper des Wirts radikal verändern kann. Aber auch dies passt zur eben getätigten Aufzählung der vereinten, unterschiedlichen Extremen: realitätsferne Fantasien treffen auf einen durchdachten Plot. Die Figuren sind charakterlich interessant gestaltet, erfahren, wie bereits erwähnt, Veränderungen, und dies über nicht vorhersehbare Überraschungen, anstatt über typische Herausforderungen aus der Klischeekiste. Immer wieder schafft es die Geschichte einen im Glauben zu lassen, zu wissen wohin sie sich nun entwickelt, und reißt einen dann mit einer plötzlichen Wende aus diesem sicheren Zustand heraus, so dass der Zuschauer stets neu herausgefordert wird. Ob es nun die Entwicklung der anderen Parasiten ist, oder ein völlig überraschend stattfindendes Massaker an Schulmädchen, derartige neu eingeschlagene Wege finden sich im Stillen, wie im Lauten, mögen in einem Film der Effekte und der Action auch hin und wieder reißerisch anmuten, aber eben nie geistlos. Dennoch ist "Kiseijû" (Originaltitel) hauptsächlich ein Werk der kurzweiligen Unterhaltung ohne intellektuellen Anspruch.  Wiki

09.06.2024

PRINZESSIN MONONOKE (1997)

Ashitaka kämpft zum Schutz des Dorfes mit einem merkwürdig veränderten, äußerst starken Wildschwein. Er kann es zwar besiegen, aber er trägt eine Wunde davon, mit welcher das Tier sein Leiden übertragen hat. Da es unheilbar ist und zum Tod führen wird, macht sich Ashitaka in die Fremde auf, um den Ursprung des Mysteriums zu ergründen und mit ein bisschen Glück doch noch einen Weg aus seiner Misere zu finden... 

Wie es zum Tod eines Gottes kam...

"Prinzessin Mononoke" genießt nicht nur in Anime-Fan-Kreisen einen hohen Ruf und dies meiner Meinung nach zurecht. Hayao Miyazaki, dem wir so wunderbare Werke wie "Kikis kleiner Lieferservice" und "Das wandelnde Schloss" ebenso zu verdanken haben, wie seinen wohl berühmtesten Anime "Chihiros Reise ins Zauberland", ist ein beeindruckender Film gelungen, der einen mit seiner optischen und erzählerischen Kreativität schnell in seinen Bann zieht, sich für die kindlich gewitzten Dinge im Leben ebenso interessiert, wie für Härte, Konsequenzen und Verantwortung und uns all dies mit einer weitreichenden Empathie präsentiert, so sehr wie das Buch verschiedenste Mentalitäten versteht und uns verstehen lässt. Erzählt ist dies mit einer Geduld, die Respekt vor der eigenen Geschichte zeigt, keine Schauwerte meidet, aber auch genügend Raum für Mysterien, Charakterentwicklungen und (scheinbare) Nebensächlichkeiten lässt. "Mononoke-hime" (Originaltitel) ist Kunstwerk und Unterhaltungsfilm in einem, will inhaltlich nicht nur berieseln, sondern erwartet ein Mitdenken und Konzentration vom Publikum, hat er doch oberflächlich und tiefsinnig gleichermaßen viel zu berichten, bei all seinen Anliegen. Auch Moral steht im Raum bei manchem Appell, so z.B. an die Menschlichkeit und an den Respekt vor der Umwelt, aber typisch Japan gelingt dies ohne moralinsauer zu wirken, ohne den Zuschauer zu belehren oder gar zu entmündigen, reif wie er ausgefallen ist, so steht er auch seinem Publikum gegenüber, das dies dankend annimmt, bei all dem was man durch das Sichten von "Prinzessin Mononoke" gewinnt. 

Den einzigen Schwachpunkt, den ich bei all der Thematik um Ehre und wahre Gefühle, entdeckt habe, liegt im Versprechen der Geliebten in der Heimat, die schneller vergessen ist, als von Ashitaka gesagt und deren Erinnerungsstück eiskalt an die nächste Gewonnene weiter überreicht wird. Mag sein, dass ich da eine asiatische Mentalität nicht richtig einordnen kann, aber für mich als Europäer wirkt das alles andere als ehrbar und empathisch. Auffallen tut es nur dem, der daran denkt. Vielleicht hat Miyazaki hier innerhalb seiner Geschichte schlichtweg einen blinden Fleck gehabt, eben weil der Rest so feinfühlig und tiefsinnig ausgefallen ist. Das ist auch der Grund warum man über diese eine Schwäche hinwegsehen kann, innerhalb eines Filmes, der trotz seiner vielen erwachsenen Anliegen angenehm verspielt daher kommt, sei es im Humor, den Charakterzeichnungen, im Erschaffen übernatürlicher Gesetzmäßigkeiten oder in manch anderen kreativen Bereichen, wie der Natur der Waldgeister zum Beispiel. "Prinzessin Mononoke" hat nach all den lobenden Worten, die ich überall von ihm vernahm, auch mich bei dieser ersten Sichtung beeindruckt und für sich gewinnen können und wird somit meiner Meinung nach seinem hohen Ruf gerecht. Ich hatte das Glück ihn im Kino bei einer Wiederaufführung sichten zu dürfen, und habe noch selten ein solch respektvolles Kinopublikum erlebt, wie dort, so ruhig wie es im Saal bei diesem Kulturerlebnis war.  Wiki

23.02.2024

ATTACK OF THE SUPER MONSTERS (1983)

Die ersten vier Folgen der TV-Serie "Angriff der Dino Monster" wurden aneinander geschnitten, um ihn als angeblichen Film zu veröffentlichen (so wie auch mit "Goldorak" geschehen), und das VHS-Produkt kam schließlich auf DVD dann als "Attack of the Super Monsters" heraus. Hierbei handelt es sich um ein japanisches Produkt, das von den Amis irgendwie ummodelliert wurde. Aus wieviel verschiedenen Werken das Ganze zu etwas Neuem zusammengebastelt wurde, und welches Land nun welchen Einfluss darauf hatte, ist mir nicht bekannt. Ich kenne aus keinem anderen Werk die Realaufnahmen, in denen Kampfsequenzen mit Spielzeugminiaturen vollzogen werden, ohne dass diese durch die Kameraperspektive verfremdet werden, so dass sich alles wie ein Kampf im Kinderzimmer anguckt, also vergleichbar mit dem berüchtigen "Roboter der Sterne". Ebenso wenig kenne ich aus irgendeinem Anime die Zeichentricksequenzen, welche der Film ebenfalls als Mix aus Real, Zeichentrick und Kaiju-Action beherbergt, stammen sollen sie aber aus der 70er Jahre Anime-Serie "Kyôryû sensô Aizenbôgu". 
 
Selbiges gilt für die Aufnahmen des aggressiven Oberdino, der die Menschheit vernichten will und dafür in jeder Folge eine neue Plage über die Menschheit bringt. Die jeweiligen Gast-Aggressoren müssen nicht zwingend wie er aus der Urwelt stammen, da dürfen auch mal Fledermäuse und verfärbte Hunde über die Menschheit herfallen. Zu sehen gibt es aber auch Flugsaurier, stampfende Riesenreptilien, wie es für den Bereich der Kaijufilme geradezu Pflicht ist, und ohnehin besteht das komplette Produkt eigentlich nur aus Schauwerten, aneinandergereiht und zusammengehalten mit einem Minimum an Handlung. Unterforderung ist da bei jedem über 10 Jahren vorausprogrammiert, immerhin reden wir hier von 83 Minuten Laufzeit, egal ob man nun von der VHS-Kassette oder der DVD-Veröffentlichung spricht. Im Gegensatz zum eben erwähnten Vergleichsfilm, der ohne Trickfilmmomente auskam, lässt sich "Dinosaur Wars Eisenborg" (Alternativtitel) aber bei wenig Erwartung durchaus gucken, wissentlich dass einem ein derartiger Stoff als Erwachsener ohnehin nicht mehr für sich gewinnen kann. Ich zumindest kenne das Produkt nicht aus meiner Kindheit und verbinde entsprechend nichts persönlich-nostalgisches mit dem billig zusammengeschusterten, eher lieblosen Action-No-Brainer für Kinder mit sehr geringer Aufmerksamkeitsspanne. Völlig uncharmant ist diese trashige Puzzlearbeit aus verschiedenen Stoffen jedoch auch nicht ausgefallen.  OFDb

26.12.2023

MEINE NACHBARN DIE YAMADAS (1999)

In seinem Versuch mittels Kurzgeschichten in simplen Zeichnungen typische Familienkrankheiten zu persiflieren, erinnert "Die Familie Yamada - Meine verrückten Nachbarn" (Alternativtitel) an "Die Simpsons"-Anfangsphase um den Pilotfilm herum. Während die US-amerikanische Vergleichsfamilie verstärkt auf lauten Provokationshumor setzt, kommt Isao Takahatas Werk eher feinsinnig daher, geht es ihm doch zu einem guten Teil um die Schrulligkeiten im Alltag, um negative Seiten, die auch charmant sein können und uns als Mensch im Gesamten aus machen. Zu brav ist "Hôhokekyo tonari no Yamada-kun" (Originaltitel) dennoch nicht ausgefallen, treffsicher wie er pointiert seine kleinen Geschichten erzählt, wie sie, versehen mit satirischen Übertreibungen, auch im Alltag aussehen könnten, wenn sämtliche Schrulligkeiten sich nebeneinander versammeln würden. Der simpel anmutende Zeichenstil fängt treffsicher jegliche Mimik und Reaktion der Figuren gekonnt ein, künstlerisch wertvoll angegangen, liebevoll im Detail ausgearbeitet (wenn man das bei dieser Art Animation so nennen kann). "My Neighbors the Yamadas" (Alternativtitel) ist also eigentlich eine kleine Wundertüte des Animationsfilmes, wenn er mit seiner Laufzeit von fast 100 Minuten in seiner Eigenschaft als Episodenfilm nicht so unglaublich viele, oft arg kurze, Geschichten aneinander reihen würde. Als TV-Serie, mit einer Länge von jeweils 10 bis 20 Minuten pro Folge, könnte ich diese kleine Perle weit besser gucken, als in dem gewählten Format eines Langfilmes, eben weil man die Yamadas konzentriert im Detail verfolgen will und nicht als Massenerlebnis auf die Schnelle konsumieren möchte. Zwar kann jeder für sich selbst einen Langfilm stoppen und sich merken, wo er dran war, bei einer Serie ist das Fortführen einer Sichtung bei mir persönlich jedoch wesentlich wahrscheinlicher, als in selbst gesetzten Kapiteln, an deren Unterbrechungspunkt man sich bei eventuell unbeabsichtigt längerer Pause zwischen den Sichtungen vielleicht nicht mehr richtig erinnert. Von daher freut es zu wissen, dass das Projekt 2001 in Serienform fortgesetzt wurde, anstatt einen erneuten Film abgeliefert zu haben.  Wiki

21.12.2023

ZEBRAMAN (2004)

An schrägen Ideen mangelt es in japanischen Filmen nicht, so braucht es nicht verwundern, dass im Veralbern des Superheldenbereichs ein grotesk klingender "Zebraman" ausgerechnet von dort kommt. Regisseur Takashi Miike ist für besonders schrille Werke bekannt. Oft mag ich sie nicht, wie im Falle von "The Happiness of the Katakuris", der völlig überzogen alles Sympathische seines Vorbildes "The Quiet Family" neuverfilmt in den Sand setzte. Dementsprechend überrascht war ich, wie bescheiden im Vergleich "Zeburâman" (Originaltitel) ausgefallen ist. Es ist nicht so, dass er hiermit eine völlig normale Geschichte abgeliefert hätte, aber viele Handlungselemente überraschen dann doch mit einer Standardentwicklung, wie es sie auch im US-Kino hätte geben können. Wahrscheinlich wirken die so gar nicht zu erwartenden Elemente deshalb umso heftiger, so dass man einem Plot beiwohnt, der einen recht wild durchschüttelt, gerade immer dann, wenn man eben erst wieder zur Ruhe gekommen ist. 

"Zebraman" veralbert das kunterbunte, kindlich geprägte Superhelden-Getue der 60er Jahre im TV ebenso wie neuere Produkte dieser Art, gibt sich bei der Entstehung des Superhelden manchmal aber auch überraschend bodenständig, mit Dramaturgie inmitten von gern alberner Komik gesegnet. Nicht immer scheint alles Sinn zu machen, insbesondere dann wenn Zebraman aus dem Nichts plötzlich doch noch überraschend Superkräfte erhält. Aber die Lücken, welche die Geschichte damit erschafft, werden später gefüllt, wenn man gar nicht mehr damit rechnet. Dann erhält die für Japanverhältnisse typisch verworrene Handlung doch noch innerhalb ihres eigenen Universums Sinn, zumindest genug um das Erlebte nötig genug erklärt zu bekommen. Ob Kostüme, Spezialeffekte, Humor oder der gewollte echte Superheldenanteil, Miike ist stets darum bemüht dem Ganzen einen Pulp-Look zu bescheren, alles muss eine Spur billig und bescheuert wirken, und doch ist nichts im Film schlicht hingerotzt. "Zebraman" fällt liebevoll gemeint aus, mag seine Figuren und die Geschichte, die er erzählt, mag das was parodiert und das was hier neu geschaffen wird und schafft es immer wieder den Zuschauer zu überraschen - auch damit dass der Komödienanteil gar nicht so dominant ausfällt, wie man bei der Titelgebung meinen sollte. 

Der letzte Pfiff mag fehlen, aber wer sich von einem grotesken Namen wie "Zebraman" locken lässt und mit Asiakino etwas anfangen kann, der ist eigentlich schon automatisch im richtigen Film. In Deutschland schien der Streifen nicht all zu viele Verehrer zu gewinnen, denn die 2010 nachgerückte Fortsetzung "Zebraman 2 - Attack on Zebra City" hat es nie hierher geschafft. Schade!  Wiki

19.11.2023

NIGHT ON THE GALACTIC RAILROAD (1985)

Der langweiligste Junge, der je die Hauptrolle einer Kindergeschichte bekleiden durfte, steigt ohne ersichtlichen Grund in einen aus dem Nichts auftauchenden Zug, obwohl er dem Milchhändler gerade mitgeteilt hat, er bräuchte dringend Milch für die kranke Mutter, noch heute. Okay, der Händler sagte, er möge später wieder kommen, aber wer weiß schon wie lang eine fliegende Eisenbahn, von der man nichts weiß, unterwegs ist? Aber die Sorge des Katzenjungen gilt ohnehin einzig nur der sich Sorgen machenden Mutter und nicht der Frage, ob sie krank im Bett liegend (tief im Dunkeln, wo der Zuschauer sie nicht sichten darf, um ein paar Kröten mehr an der ohnehin schon mauen Animation zu sparen) nun mehr denn je leiden muss, so ganz ohne Milch. Wie verabredet trifft Giovanni einen seiner wenigen Freunde im Zug, obwohl er gerade eben noch zufällig eingestiegen ist. Bei solch einer komplexen Geschichte, die immerhin auf einer Buchvorlage aus den 20er Jahren beruht, kann man aber auch wirklich mal den Überblick verlieren, also wirklich! 
 
"Night on the Galactic Railroad" hat Preise bekommen, und dies sicherlich dafür, dass er Kinder in seiner sanften, zahmen Art nicht weh tut und Wissen über die Welt, sowie Fantasie vermittelt, aus dem Blickwinkel einer alternativen Katzenkultur. Dass der Streifen aber derart ruhig erzählt ist, dass dies nichts mehr mit einer angenehmen Vorgehensweise zu tun hat, sondern stattdessen den Eindruck hinterlässt, dass der Film selbst bei doppeltem Abspieltempo noch lahm wie ein Greis voran schreiten dürfte, schien der Jury ebenso egal zu sein, wie den Verantwortlichen des Streifens. Dass die Animation auch für einen 80er Jahre-Anime und auch für den Bereich des Kinderfilms alles andere als gelungen ist, in dieser fantasielosen, plumpen Art, die selbst die öde Animation von "Die Abenteuer des Sherlock Holmes" unterbietet, kann auch nur wer schön reden, der Kindern keine schönen Zeichnungen gönnt und dem es reicht, wenn die Kleinen gefahrenlos vor den Fernseher gesetzt werden können. Dass die Hauptfigur, wie eingangs erwähnt wurde, ein sehr langweiliges Wesen ist, hat keineswegs mit der Außenseiterposition zu tun, die ihm das Drehbuch zuschreibt. Es ist eigentlich schön, dass er sich für Wissenschaft interessiert und sich um seine Mutter kümmert. Aber er lebt in dieser ereignislosen Welt, in welcher jeder wie unter Betäubung kommuniziert. 
 
Er ist also nur ein konsequenter Part seines unangenehmen Umfelds und hat somit gar nicht erst die Möglichkeit auf irgendeine Art interessant zu wirken. Passend dazu ist der aufregendste Moment des Helden, innerhalb dieses billig produzierten, einschläfernden Streifens, dann erreicht, wenn er begeistert aus dem Fenster des fliegenden Zuges blickt und dort Blumen am Himmel sichten darf. Zu diesem Zeitpunkt darf auch der Soundtrack endgültig damit anfangen zu nerven. Und es war der Zeitpunkt, der meine stets Anime-interessierten Freunde und mich aus "Ginga tetsudô no yoru" (Originaltitel) hinaus schmiss, so dass wir es hier mit einer dreisten Besprechung einer halben Sichtung zu tun haben. Schon auf 70 Minuten wäre "Night on the Milky Way Railroad" (Alternativtitel) ein Schlafmittel ersten Grades gewesen, das Produkt läuft jedoch über 100 Minuten, und dafür ist mir mittlerweile meine begrenzte Lebenszeit dann doch zu schade, und das will schon was heißen, bei all dem möglichen Schund, an den ich mich stets mutig und unfähig zu lernen heranwage. Mag das Besprechen einer halben Sichtung auch dreist erscheinen, der Film in seiner absichtlich plumpen, lustlosen und selbst für naive Kinderstoffe widersprüchlichen Art, war ebenso dreist. Gleiches mit Gleichem, heißt es doch so schön. Andererseits... warum rechtfertige ich mich hier überhaupt?  Wiki

YAKUZA GRAVEYARD (1976)

Nicht unbedingt was den ehrenhaften Ansatz des Charakters betrifft, sehr wohl aber was die Härte der Vorgehensweise und der Alleingang trotz Ansage der Vorgesetzten betrifft, wandert Kuroiwa auf den Pfaden von "Dirty Harry". "Yakuza Graveyard" ist 5 Jahre nach dem Vergleichsfilm definitiv von diesem beeinflusst, seine Klasse erreicht er jedoch nicht. Die Korruption wird auch von der Hauptfigur gelebt, die zwar ebenfalls ehrenhaft vorgehen möchte, z.B. in dem sie die Schuld an einer Frau versucht zu begleichen, die sie einst zur Witwe machte, aber auch der Held der Geschichte steht im Dienst eines der vielen Kartelle, die ihr Unwesen treiben. Interessant ist der Ansatz, dass die hohen Tiere der Kriminalistik ebenfalls korrupt sind. Ihr Kampf gegen ein spezielles Kartell wird lediglich geführt, um ein anderes absichtlich stärker zu machen. Und diesbezüglich lässt sich der Polizist Kuroiwa nicht als Marionette einspannen und geht seinen eigenen Weg. 20 Minuten vor Schluss wirft er gar seine Marke weg, so wie es Harry einst zum Filmende hin tat. Dass der japanische Gesetzeshüter jedoch suspendiert so leicht an seine Dienstwaffe kommt, um die Angelegenheit final endgültig zu lösen, inklusive vorhersehbarer, dramaturgischer Konsequenz, wirkt in der Art, wie hier gezeigt, eher unfreiwillig komisch, ein Zustand dem man dem restlichen Werk allerdings nicht unterstellen kann. 

In trockenem Ton gehalten und mit viel Action versehen wird vielleicht nicht eine sonderlich intelligente Geschichte erzählt, aber durchaus eine annehmbare, die ihr Ziel bewusst verfolgt und dem anspruchslosen Teil des Zielpublikums bietet, was es sehen möchte. Das Genre Kriminalfilm finde ich etwas hoch gegriffen, geht es Regisseur Kinji Fukasaku doch lediglich um die Action. Dementsprechend stumpfer als möglich kommt das Gezeigte daher. Und wenn man jetzt noch bedenkt, dass "Yakuza no hakaba: Kuchinashi no hana" (Originaltitel) oftmals einen Wackelkamerastil anwendet, wie er im Westen eher ab den 00er Jahren nerven durfte, und die Kampfsequenzen eher an Bud Spencer erinnern, anstatt an einen wohl choreographierten Handkantenfilm, dann geht viel Niveau auf dem Weg harte Unterhaltung bieten zu wollen verloren. Da auch nicht jeder Darsteller zu überzeugen vermag und die Dramaturgie ebenso reißerisch anmutet, wie die Action und der Thrill, haben wir es meiner Meinung nach eher mit einem schlichten Trivialfilm seines Genres zu tun, anstatt mit einem nennenswerten Klassiker. Mein Freundeskreis und ich waren zumindest keineswegs vom Ergebnis dieses Streifens angetan. Die Prügeleien in Dauerschleife in der ersten Hälfte bescherten "Yakuza Burial: Jasmine Flower" (Alternativtitel) eher einen drögen Touch, anstatt ihn flott erzählt wahrzunehmen, die definitiv bessere zweite Hälfte bot letztendlich aber auch nur den typischen Standard einer solchen Geschichte.  Wiki

21.10.2023

ASTRO BOY - DER FILM (2009)

Da ich noch nie etwas vom klassischen, asiatischen Franchise rund um Astro Boy gesehen habe, war ich neugierig auf den 2009 entstandenen Zeichentrickfilm, der per Computeranimation die Moderne von Heute und den Retroaspekt des Ursprungsstoffes zu vereinen versuchte. Leider vereint er aber auch den Erzählstil der US-Amerikaner im Trickfilmbereich mit jenem der Japaner. Darauf war ich nicht vorbereitet, erwartete ich doch einen Anime zu sehen, und da der asiatische Stil im besagten Werk dem US-Stil weit unterlegen ist, bot "Astro Boy - Der Film" nicht gerade das, was ich erhoffte. Ich bin durchaus in der Lage mich während einer solchen Sichtung nach Erkennen der tatsächlichen Orientierung auf eine solche umzustellen. Dass ich mit "Astro Boy" (Originaltitel) nicht warm wurde, liegt somit nicht an einer unflexiblen Art meinerseits. Schließlich ist es nicht so, dass ich mich Animationsfilmen aus dem Westen verweigern würde, hier gibt es große Schätze zu entdecken. 

Leider gehört "Astroboy" (Alternativtitel) zu jener Art CGI-Film, die zu verstärkt auf den Kitschaspekt und auf das Zielpublikum Kind schielt. Das wirkt erzieherisch, aufgesetzt, belehrend und verkrampft auf Emotionen getrimmt, anstatt sie einen tatsächlich spüren zu lassen. Schwierig wird eine solche Herangehensweise insbesondere dann, wenn man mit Figuren mitfühlen soll, die keineswegs so sympathisch herüber kommen, wie scheinbar von den Produzenten gewollt. Der Vater des ursprünglichen Jungen und Schöpfer des Astro Boy handelt derart gefühlskalt, egoistisch und systemorientiert, dass man ihm einen Wandel zu einem Mann, der seine Fehler einsieht, nicht abkaufen kann, zumal er nicht erst mit Beginn der Trauer begann fragwürdig zu handeln. Im Finale des hier besprochenen Streifens setzt man jedoch verstärkter auf sein Gefühlsleben, anstatt auf das der im Zentrum stehenden, erkämpften Freundschaft des Roboters mit menschlichem Empfinden zu den Menschenkindern. Leider sind auch diese arg stereotypisch ausgefallen und lassen eine Annäherung an ihren Charakter kaum zu. Lebensnähe und Identifikation mit den Figuren, gehören nicht gerade zu den Stärken der Verantwortlichen dieses Science Fiction-Trickfilmes. 

Das ist sehr schade, zumal einige Aspekte im fertigen Werk durchaus zu gefallen wissen, so z.B. der väterliche Freund der Erdenkinder, der das Zielpublikum gekonnt zu täuschen weiß, bis seine wahre Motivation thematisiert wird. Auch die verschrotteten Roboter (insbesondere der wichtige Riese) wissen zu gefallen, sind in dieser Art aber sicher nicht zufällig lediglich ein Jahr nach dem Erfolg von Pixars "Wall-E" auf diese Art stark in die Geschichte integriert. Spannender als die, ist ihre Herkunft mit Blick auf die Wegwerfgesellschaft der Elite oben in der Wolkenstadt und der Umgang mit der Robotertechnologie überhaupt. Hier findet gekonnt Konsum- und weitere Gesellschaftskritik auf amüsante Art statt, oberflächlich betrachtet auch manch politische, dies allerdings derart grotesk überzogen, dass es in der Comicwelt mehr fußt (was durchaus zu begrüßen ist), als in einer überzeugenden Politwarnung. Unterhaltung und Erziehung steht auf dem Programm, da ist das nicht wichtig. Aber beide Schwerpunkte der Geschichte, die Kurzweile und die Manipulation des Publikums, stehen sich zu sehr im Weg, als dass aus "Atom" (Alternativtitel) ein kompromisslos unterhaltsamer Spaß werden könnte. 

"Astro Boy - Der Film" hat definitiv seine Momente, starke Ideen, sympathischen Standard und gelegentlich treffsichere Komik zu bieten. Und optisch weiß er technisch zu überzeugen, bei Fantasiefiguren im Design mehr, als bei den zu glatt gebügelten, fürs US-Kino aber typischen, menschlichen Trickfilmfiguren. Aber der moralische Touch und die aufgesetzte Gefühlsduselei machen viel vom vorhandenen Potential kaputt. Und das sind genau die Gebiete, die es unter stärkerem japanischen Einfluss so nicht gegeben hätte.  Wiki

15.10.2023

CUBE (2021)

Dass die Amis gerne japanische Horrorfilme komplett neu drehen, anstatt das Original in ihre Kinokultur zu integrieren, ist bekannt. Da ist es nur gerecht, dass in der Ausnahme auch einmal die Japaner sich im englischsprachigen Raum umsehen, um neu zu verfilmen. Die haben sich zwar ein Werk aus Kanada, anstatt aus den USA zum neu Erzählen gewählt, aber sie besaßen zumindest den Anstand einen Streifen aus den 90er Jahren zu wählen, anstatt, wie in den USA so oft geschehen, etwas neu zu verfilmen, das erst wenige Jahre zuvor als Original erschien. Warum es gerade ein aufgrund des Spielortes so zeitloser Film wie Natalis "Cube" sein musste, verstehe ich jedoch nicht, war dieser doch, von ein paar Kleinigkeiten abgesehen, rundum gelungen, durchdacht erzählt und spannend umgesetzt. Ob er selbst ein Remake war, weiß ich nicht, es gibt einen Jim Henson-Film aus den 60er Jahren mit dem Titel "Cube". Aber wie auch immer dieser ausfiel und zum Werk aus dem Jahr 1997 steht, Natalis Streifen ist ein sehenswerter Science Fiction mit absichtlich offen gelassenen Fragen. Was wollen die Japaner da mehr herausholen?

Nach Sichten des Remakes lautet die Antwort: kaum etwas. Lange Zeit orientiert man sich lediglich an der kanadischen Version, inklusive der Art der Fallen und der Schutzmethode des Schuhwerfens. Hin und wieder variiert eine Falle und manche Figur ist, der Kultur entsprechend, anders angelehnt. Aber das Prinzip ist das selbe, und die Rätsel die es zu lösen gilt leider auch. Was soll da groß motivieren interessiert dran zu bleiben wenn man die Erkenntnisse bereits kennt? Zur zweiten Hälfte hin gibt es erste tatsächliche Unterschiede im Plot zu erkennen, und zum Ende hin gewährt man, ähnlich wie im Original, einen Einblick hinter die Kulissen, ohne etwas zu verraten. Man soll sich selbst damit beschäftigen, was es bedeuten könnte. Vielleicht auch nicht, macht doch Shimizus "Cube" eher den Eindruck auf eine Fortsetzung zu schielen. Ob diese nun kommt oder nicht, die eigenen Ideen gegen Ende wissen mehr zu gefallen, als alles was uns da zuvor an Veränderungen präsentiert wurde. Und diese Veränderungen wiederum wussten mehr zu gefallen, als der bereits bekannte Plot zuvor, der lediglich plump vom Original übernommen wurde. Da hatte ich den Japanern mehr zugetraut. Zumindest machen die Darsteller ihre Sache gut, die Eindeutschung in unserer DVD-Fassung ist geglückt, das Raum-Design okay, die Spezialeffekte auch. Das Problem des Films ist, dass er einfach schon einmal da war, und er als Kopie der kanadischen Variante daran krankt die selben Rätsel lüften zu wollen, was ihm des möglichen Spannungspotentials beraubt. Schade, aber auch verzeihlich.  Wiki

26.08.2023

AKUMA NO RIDDLE (2014)

Der 13-teilige Mix aus "Assassination Classroom" und "Battle Royale" gehört, soweit ich weiß, einmal nicht zu jener Art Animeserie, die sich zu einem breit gefächerten Franchise entwickelt hat, durch das man nur mit Hilfe des Internets durchblicken kann. Außer diesem in sich geschlossenen 13-Teiler ist mir unter "Akuma no Riddle" nichts bekannt, und das tut einfach mal gut. Die Geschichte um eine Klasse, in die nur jugendliche Auftragskiller gehen und die Mission zugeschrieben bekommen, die einzige Nichtauftragskillerin der Klasse zu töten, ist meiner Meinung nach ein Selbstläufer für sich. Die reizvolle Idee wurde in keine außergewöhnliche Optik gepackt, sie kommt geradezu klassisch animiert daher, und selbiges betrifft Charakterzeichnung und Ablauf der Serie, alles Elemente, die nur wen Neues in diesem Feld ungewöhnlich erscheinen wird. Die Grundlage, auf der alles aufbaut, ist überraschend schlicht gehalten. Vorher ausgemachte Regeln und das überraschende Mitwissen des Opfers machen es den Autoren leicht, ihre Geschichte zu erzählen. Und abgesehen von den beiden Hauptfiguren lernt man jede weitere Mitschülerin eigentlich erst dann richtig kennen, wenn sie ihre eigene Angriffs-Episode erhält. Man muss also keinen Figurenüberblick behalten, wie beispielsweise in "Girls und Panzer" geschehen. 

Das Prinzip ist somit so schlicht, wie die optische Umsetzung. Aber das Ergebnis gibt den Verantwortlichen recht: für die kleine unterhaltsame Zeichentrickserie für zwischendurch benötigt man nicht zu viel Blut, Schweiß und Tränen. Die werden im hier dargebotenen Mix aus Gewalt und Kitsch stattdessen auf dem Bildschirm geboten, so wie es der Anime-Freund gewohnt ist. Eine sympathische deutsche Synchronisation und der tolle Aufhänger der Geschichte sorgen dafür, dass man schnell mit der Serie warm wird, und überraschende Wendungen im letzten Drittel halten den Zuschauer auf Trab, so dass er bei solch trivialem Stoff nicht unterfordert wird. Die Auflösung hat mir nicht wirklich gefallen, gerade wegen einer plötzlichen Wendung kurz zuvor habe ich meine Erwartungen doch noch hochgeschraubt, aber da "Riddle Story of Devil" (Alternativtitel) ohnehin nur charmant vor sich hin plätschert, sorgt das für keinen Absturz, der den positiven Gesamteindruck zerstört. Kritischer zu betrachten ist da die angehangene Episode 13, die für sich steht und in anderen Veröffentlichungen als eigenständige OVA erschienen wäre. Die ist ziemlich zotig und unnötig ausgefallen, so dass ich sie mir hätte sparen können. Nach dem Abschluss in Folge 12 war ich als Unwissender ohnehin verwundert, dass es noch weiter gehen soll. Ich hatte mir lediglich die Beantwortung manch offener Frage gewünscht, da war dieses Zusatzabenteuer auf einer Insel, bei welchem niemand tatsächlich in Gefahr gerät, schon eine gewaltige Ohrfeige ins Gesicht. In Erinnerung bleibt mir aber freilich der eigentliche 12-Teiler, der mich angenehm unterhalten hat, ohne durch irgendetwas innovativ aufzufallen.  Wiki

23.08.2023

STEAMBOY (2004)

Ein Superheld mit Dampfantrieb, das klingt so gewagt, wie interessant, bietet Möglichkeiten auch in einer modernen Umsetzung Retro-Touch zu versprühen, und ist dadurch möglich, dass "Steamboy" ähnlich wie "Wings of Honneamise" in einer alternativen Vergangenheit spielt. Als japanischer Zeichentrickfilm umgesetzt hat man freilich keinen üblichen Superhelden-Stoff zu erwarten und einen geistlosen schon mal gar nicht. Sehr politisch und gesellschaftskritisch kommt der Film daher, der zwar nicht auf Stereotype verzichtet, Gut und Böse jedoch nicht simpel trennt. Es sind zwei Seiten Idealismus zwischen denen der kleine Junge steht, der erst recht spät zu der Figur wird, für die man ursprünglich eingeschaltet hat. Aber in solch technischer, wie erzählenswert anspruchsvoller Umsetzung wartet man gerne bis zu jenem Moment, den man verspätet umso mehr feiert, denn das nie wirklich Partei ergreifende Szenario rund um Extremismus und der Verantwortung für Forschung und Wissenschaft kommt nie falsch daher, täuscht den Zuschauer gerne mal so sehr wie den Protagonisten selbst und lehrt dem kleinen Helden niemandem zu trauen, außer sich selbst. Es ist schön zu erleben, dass eine verwöhnte, keifende Zicke zu den Helfern der zentralen Figur gehören darf (nicht ohne sie innerhalb eines Blickes in die Zukunft als jene unangenehme Erwachsene zu zeigen, zu der sie werden muss), ebenso wie halt eine veraltete Form des Fortschritts hier einem Helden Antrieb gibt und Wissenschaftler zu herrlich anzuschauenden Kriegsmaschinen inspiriert. Wenn diese Richtung Finale zum Einsatz kommen, geht in dem durchdachten Stoff die Post ab. Der Krieg tobt, Gewinner wird es nicht geben. Inmitten von Idealisten, Kapitalisten und Kriegstreibern liegt es am Steamboy das Gleichgewicht wieder herzustellen, das Schlimmste zu verhindern, und erwachsen wie sich der Stoff gibt, wird all dies freilich auf Kosten vieler Opfer erreicht. Blauäugig ist "Suchimubôi" (Originaltitel) von "Akira"-Regisseur Katsuhiro Ôtomo nun wirklich nicht ausgefallen. Inmitten von Extremismus und Krieg hält er jedoch stets ein Herz für den Helden und für die dumme Menschheit bereit, frei von Kitsch und erhobenem Zeigefinger.  Wiki

17.07.2023

DIRTY PAIR - PROJEKT E.D.E.N. (1987)

Neben zwei von fünf OVAs hat es von der in Deutschland bislang nicht erschienenen Zeichentrickserie "Dirty Pair" lediglich noch der Kinofilm in unser Land geschafft, der 15 bis 20 Minuten längere Laufzeit besitzt, als "Affäre Nolandia" und "Verschwörung um Flug 005". Zwischen diesen erschienen, besitzt er auch als Produkt für die große Leinwand noch den schlichteren, dafür aber auch komplett handgemachten Stil der Animes dieser Zeit. Zwar bemerkt man im Vergleich schon ein wenig die längere Laufzeit, dennoch guckt sich "Dirty Pair" auch in dieser Form sehr angenehm, kommt er doch ebenso verspielt und fantasiereich daher, wie die zwei mir bekannten Produkte dieser Reihe. Ob es Nebensächlichkeiten wie die rosa Unterhose eines harten Kerles ist, der fast den kompletten Film mit dieser herumläuft, oder ein wildes Chaos, das dazu führen wird, dass eine der Heldinnen für einen Mensch-Tier-Mutanten gehalten wird, auch in "Dirty Pair - Project Eden" (Alternativtitel) geht es schräg und amüsant zur Sache. 

An Kreativität mangelte es dem Autorenteam wahrlich nicht. Das sieht man an den interessanten Raumschiffen ebenso wie am Plot selbst, der nicht, wie zunächst vermutet, Parallelen zu "Verschwörung um Flug 005" vorweg nimmt, wenn er zwei verfeindete Planeten für politisch satirische Seitenhiebe einbringt. Im Gegensatz zum Vergleichswerk bildet dies lediglich den Beginn des Abenteuers, das sich diesmal mit einem irren Wissenschaftler beschäftigt, der auf jenem Planeten bizarre Kreaturen erschafft, um den sich besagte zwei Planeten aufgrund eines wertvollen Bodenvorkommens streiten. Sich irre rechtfertigende Forscher mit Hang zum Redeschwall hat man als Cineast schon des öfteren sichten dürfen, das hier präsentierte, wahnsinnige Genie dürfte zu den oberen Plätzen an Geschwätzigkeit gehören, hat man doch manchmal das Gefühl, dieses Werk hätte erst durch das Langziehen seiner Monologe die Spielfilmlänge erreicht. Was er von sich gibt ist in dieser Dosierung ein klein wenig zu viel des Guten, was man aber gerne verzeiht, so irrsinnig wie seine ständig wiederholenden Bestätigungen sind, was für ein Genie er doch sei, und wie wichtig, ja geradezu evolutionär vorbestimmt, das Ergebnis seiner Forschungen doch ist. 

Auch zeichnerisch wundervoll charakterisiert und begleitet von einem nüchtern agierenden Diener, der stets in den falschen Augenblicken Essen vorbereitet (und die Synchronstimme des Butlers aus "Graf Duckula" erhielt), vergisst man gern das Manko des zu weit getriebenen Scherzes seiner Monologe, bereichert er den Film doch ungemein. Wilde Mutanten, der Spielort einer Industrieanlage auf einem traurig drein blickenden Planeten und natürlich die empathielosen, für Zerstörung berüchtigten Heldinnen (die glücklicher Weise wieder nur wenige Erotikmomente beschert bekamen) sorgen für den Rest, so dass sich "Dirty Pair - The Movie" (Alternativtitel) ähnlich angenehm guckt wie die beiden OVAs. Gegen Ende lässt "Dâti pea: Gekijô-ban" (Originaltitel) für meinen Geschmack ein wenig nach, wenn allerhand Action den Humorgehalt ein klein wenig drückt, aber die tolle Animation von einst, ein passender Soundtrack und das Gespür für Tempo, sowie das Verhindern von Monotonie durch wenig wiederholende Ereignisse, lassen auch diesen zurückgeschraubten Part eines sympathischen Streifens unterhaltsam genug ausfallen. Mag die Reihe auch nicht zu den großen Werken des Anime-Bereichs zählen, ich wünschte mir irgendwer würde mal die Serie und die fehlenden drei OVAs nach Deutschland holen, charmant genug fallen die filmischen Abenteuer des Erfolgs-Mangas definitiv aus.  OFDb

01.07.2023

INTERSTELLA 5555 (2003)

Als die französische Musikband Daft Punk an ihrem Album Discovery arbeitete, kamen ihre Mitglieder auf die Idee, die Stücke des Albums mit Videoclips einer durchgehenden Geschichte zu untermalen. Sie schrieben ein Drehbuch und konnten den Mangazeichner und Anime-Regisseur Leiji Matsumoto für diese Idee gewinnen, der das Drehbuch der Band schließlich per Zeichentrick umsetzte. Während 2000 und 2001 erste Aufnahmen in den Musikvideos der Band bereits bewundert werden konnten, kam die komplette Geschichte erst 2003 in Form des hier besprochenen "Interstella 5555" in die Kinos, der von einem Bösewicht erzählt, der mittels dunkler Kräfte Musiker diverser Universen entführt und ihre Erinnerungen löscht, um mit ihnen als Marionetten unter seiner Fuchtel eine goldene Schallplatte nach der nächsten zu gewinnen. 

Was sich während des ersten Liedes zunächst wie eine relativ simple Zeichentrickübertragung der Band, die gerade ihr Lied vorträgt, anfühlt, eben weil man dort zunächst fast nur eine gezeichnete Band auf der Bühne erlebt, die synchron zum Gesang die Lippen bewegt, wird zu einem abenteuerlichen Trip quer durch mehrere Dimensionen. Hier darf gelitten und gestorben werden, während sich dennoch alles nach und nach dem klassischen Happy End samt Heldentum nähert. Positiv fällt neben der ohnehin beeindruckenden Gesamtidee auf, dass sich nicht Daft Punk selbst als Helden profilieren. Die Combo im Clip ist eine fiktive, versehen mit Figuren, die unverkennbar Matsumotos Stil entspringen, erinnern sie und viele weitere Figuren aus "5555: 5tory of the 5ecret 5tar 5ystem" (Alternativtitel) doch an jene aus "Die Königin der 1000 Jahre", "Captain Harlock" und Co. Daft Punk selbst haben lediglich, typisch für sie mit Helmen bekleidet, einen kurzen, sogar inhaltlich bedeutungslosen Gastauftritt. 

Die Geschichte mixt nicht nur Musikfilm mit Science Fiction, aufgrund einer Seele, die ins Jenseits fährt, und okkulter Rituale wird auch der Bereich der Fantasy integriert, sowie durch eine Episode, die in einem unheimlichen Schloss spielt, auch das Gebiet des Horrorfilms gestreift. Das Ergebnis guckt sich interessant, kommt ohne jegliche Dialoge aus, erfordert deswegen trotz relativ simpler Ereignisse aber auch eine gewisse Konzentration und funktioniert freilich am besten, wenn man Zugang zur Musik von Daft Punk besitzt. Mir persönlich hat dieses japanisch-französische Experiment gefallen, das stilistisch und inhaltlich auf der einen Seite sämtliche Klischees abgrast, passend zu einer gerade in Europa aufkommenden Modewelle (die keine blieb, so beliebt wie Mangas und Animes auch heute noch als fester kultureller Bestandteil Europas sind), andererseits im wilden Mix dieser Elemente trotzdem eigene Luft atmet, mit Blick auf das von der Band selbst finanzierte Gesamtprojekt sogar individuelle. Mit einer Laufzeit von 65 Minuten, besagtem Szenarienmix und einer ebenso abwechslungsreichen Musik wird man weder unter- noch überfordert und bekommt als Freund des alternativen Kinos etwas Besonderes geboten. 

Mit Blick auf die deutsche DVD-Veröffentlichung muss mir nur noch wer erklären, warum ein englischer Untertitel vorhanden ist in einem Film ohne Dialoge. Dass dies keinen Sinn ergibt, schien auch der Erschaffer besagtem Untertitels zu bemerkten und hat wahrscheinlich deswegen (abgesehen vom Prolog) immer nur in verschiedenen Zeitabständen ein und den selben Satz einblenden lassen, der sich auf Blitzlichter im Gehirn bezieht. Ein Insider für treue Daft Punk-Fans? Lediglich ein Produktionsfehler auf der DVD? Ich habe keine Ahnung.  Wiki

25.06.2023

IN THE AFTERMATH (1988)

Es klingt unglaublich reizvoll, dass sich die drei Länder USA, Japan und Australien zusammengetan haben, um einen Endzeit-Science Fiction für Erwachsene zu drehen, der den Bereich des Realfilmes und jenen des Zeichentricks kombiniert. Dies um so mehr, als dass Mamoru Oshii als Animateur und Mit-Regisseur genannt wird, der später mit seinen "Patlabor"-Filmen und den "Ghost in the Shell"-Werken von sich reden machen sollte. Allerdings hat dieser lediglich drei Jahre zuvor den Anime "Angel's Egg" geschaffen, an dessen Material man sich bediente, um es im hier besprochenen "After Rabbit" (Alternativtitel) zweitzuverwerten. Drumherum entwickelte man eine sehr kostengünstig inszenierte Science Fiction-Geschichte, gedreht mit wenig Beteiligten in der Einöde und in schlichten Strahlenschutz-Kostümen, und fertig war der Produzententraum auf derart lieblose Art einen weit reizloseren Film zu schaffen, als es zunächst klang. Zeichentrick und Realsequenzen treffen nie direkt aufeinander, wie es bei "Falsches Spiel mit Roger Rabbit" im selben Jahr perfektioniert werden sollte, und die neu inszenierten Realfilm-Sequenzen glänzen auch nicht gerade mit Innovation oder zumindest einer erzählenswerten Geschichte. Die dümpelt mit einem hauchdünnen Alibi-roten Faden lahm vor sich hin, so dass man als Zuschauer recht schnell merkt, dass hier nichts zu holen ist, zumal sich die Darsteller in ihren oberflächlich gehaltenen Rollen auch nicht gerade ein Bein ausreißen, warum sollten sie auch? Kurzum wird aus einem in der Theorie aufregend klingenden Filmexperiment eine billig zusammengeschusterte Geldmaschine, von der ich nicht weiß, ob sich ihr minimaler Aufwand finanziell tatsächlich gelohnt hat oder nicht. Wäre er tatsächlich ein großer Erfolg geworden, wäre "In the Aftermath" aber sicherlich heutzutage bekannter. Andererseits ist er schon immer für ein Randpublikum konzipiert gewesen, also wer weiß... Regisseur Carl Colpaert hat sich nach diesem Erstling eher dem Bereich des Thrillers und Dramas zugewendet, inszenierte u.a. den Fantasyfilm "G.I. Jesus" und hat mit seinem achten Werk "The Land of the Astronauts" 2010 schließlich seine Regiekarriere an den Nagel gehängt. In Deutschland wurde kaum einer seiner weiteren Beiträge veröffentlicht. "In the Aftermath" kann man sich getrost sparen, so lieb- und respektlos wie er mit Oshiis Material umgeht.  OFDb

01.06.2023

THE PERFECT INSIDER (2015)

Ein rätselhafter Mord, der den gegebenen Umständen entsprechend nicht hätte stattfinden können, begangen an einer rätselhaften Person, die Genie und Wahnsinn in einem verkörpert, ermittelt durch eine junge Frau und dem Professor, den sie begehrt, und der in seiner ständigen Art zu philosophieren das tote Genie mehr versteht als den Rest der Menschheit. Das ist die Rezeptur zu einem wahrlich reizvollen Stoff. Verzweifelt schaut man zu, im Versuch einen Sinn hinter den offenen Fragen und bisherigen Hinweisen zu bekommen, und auch wenn man nicht allein auf die Lösung kommen kann, "The Perfect Insider" arbeitet zum Erreichen seines Ziels nicht mit linken Tricks, welche die Wirklichkeit aushebeln, oder eine der Figuren im Irrsinn eine vorgetäuschte Alternativwelt erleben lässt. Die Antwort befindet sich tatsächlich in der uns vorgelebten Erzählung, die uns insgesamt über 11 Folgen vorgesetzt wird, den eigentlichen Kriminalfall erstaunlicher Weise jedoch nur über 9 Folgen auf die ursprünglich erwartete Art verfolgt. So beginnt der Mord z.B. erst in Folge 2, die Auflösung erfahren wir bereits in Folge 10, dennoch sind die jeweilige vorherige und darauffolgende Episode essenziell für die Geschichte, da es auch um das Zwischenmenschliche der Protagonisten geht und ihre intellektuelle Weiterentwicklung. 

Hierfür und zur Mörderauflösung und Argumentation der Taten schwankt "Subete ga ni naru: The Perfect Insider" (Originaltitel) etwas arg zwischen intelligent philosophisch und bedeutungsschwanger pseudo-philosophisch, zumal manche Folgen den Plot in ihren arg gewollten Gedankengängen um Sein und Ursprünglichkeit nicht wirklich vorwärts bringen. Insgesamt kann man aber von einer gelungenen Serie sprechen, interessieren Figuren doch gleicher Maßen wie die rätselhafte Geschichte, die nicht immer in klassischer Zeitreihenfolge erzählt ist. Allerdings fängt diese bisher für sich stehende Anime-Serie (es gibt ausnahmsweise mal keine hundert Fortsetzungen, Verfilmungen, Realfilmversionen oder Ableger) meiner Meinung nach weit stärker an, als sie sich zur zweiten Hälfte hin entwickelt. Da wäre mehr Potential gewesen, gerade aus intellektueller Sicht gesehen. Andererseits streift die Erzählung stets Zwischenbereiche, so z.B. zwischen Gefühl und Intellekt, zwischen klassischem Mord und konstruiertem Aufhänger/Auflösung, zwischen zwischenmenschlicher Annäherung und dem Vermeiden einer zu Ende erzählten, ja nicht einmal zu Ende offenbarten Liebesgeschichte. 

"The Perfect Insider" schwebt zwischen den Fakten, dies ohne esoterisch oder verträumt zu werden, und das verleiht ihm, einmal akzeptiert nicht so verkopft wie vermutet zu sein, seinen eigenen Reiz. Die Schlusssequenz unterstreicht eines der nicht gelösten Rätsel der Serie, der Frage ob ein bestimmter Aspekt des Wahns, entgegen sonst jedwedem Fehlen phantastischer Zutaten der Geschichte, nicht auch eine übermenschliche Fähigkeit sein könnte, philosophisch betrachtet je nach Blickwinkel vielleicht sogar beides zugleich sein könnte.  OFDb

18.03.2023

TARO - DER DRACHENJUNGE (1979)

"Taro, der Drachenboy" (Alternativtitel) ist ein relativ früher Vertreter japanischer Zeichentrickfilme, allerdings gab es schon zu seiner Zeit bessere Animationen, als hier geboten wird. Doch ich persönlich würde da nicht schimpfen, da die Zeichnungen liebevoll genug ausgefallen sind, und Kiriro Urayama, der auch im Realfilmsektor als Regisseur tätig war, ohnehin einen Familienfilm mit Hauptaugenmerk für das jüngere Publikum abgeliefert hat. Das zeigen die schlichten Handlungspunkte, die nie wirklich vertieft werden (nicht einmal dass Taro zunächst als faules Kind bezeichnet wird) und den um die Welt ziehenden, nach seiner Drachenmutter suchenden Jungen immer kurzfristige Erlebnisse, meist mit Personen denen er begegnet, durchleben lässt. Doch die Figuren haben Charakter (wenn auch so simpel eingefangen wie die Geschichte und ihre Botschaften), die liebevolle deutsche Synchronisation unterstützt diese, und manche sind aus Kindersicht richtige Hingucker, so z.B. der trottelige Dämon, der Taro zunächst mächtiger erscheint, als er eigentlich ist und ein Wegbegleiter über den Wolken wird. 

Dass der Junge bei guten Taten stärker wird und warum, warum die Mama zum Drachen wurde, das interessiert das Drehbuch, das sicherlich eine ausführlichere Vorlage lediglich zusammenkürzte, nicht wirklich. Alles wird simpel, aber kindgerecht zur nötigsten Befriedigung erklärt. Dem Charme eines Streifens, den ich in längst vergessener Kindheit hin und wieder gesehen habe und mich kaum noch daran erinnere, konnte ich mich nicht entziehen. Kindlicher Instinkt? Ich denke nicht, mich hat der schlichte Streifen einfach kurzweilig unterhalten. Und immer wieder brachte mich "Tatsu no ko Tarô" (Originaltitel) zum schmunzeln, sei es im Kapitel mit der geizigen Reisanbauerin, die nicht ahnt wieviel der kräftige Taro davon tragen kann, oder sei es der Blick auf einen plötzlich freigelegten Penis, wenn Taro durch sein Herumturnen einem Mädchen imponieren möchte und sich beide bei diesem Anblick genieren. Die Pointe: in späteren ähnlichen Situation trägt er eine Unterhose, er ist nun mal ein wahrer Gentleman. Auf den Drachen darf man freilich bis zum Schluss warten, der ist für seine Zeit imposant in Szene gesetzt, lässt Fluten erheben und Berge sprengen. Und wenn es gegen Ende trotz Happy End zu einem Verlust kommt, weiß das für einen solch trivial gehaltenen Film doch trotzdem zu bewegen. 

Wer frühen Vertretern des Anime, und einem auf Kinderfilm konzipierten Beitrag noch dazu, nicht abgeneigt ist, erlebt mit "Taro, der kleine Drachenjunge" (Alternativtitel) sowohl aus cineastischem Interesse heraus einen schönen Film, als auch im Sinne des Unterhaltungswertes.  OFDb

14.11.2022

MIDORI - THE CAMELLIA GIRL (2016)

"Midori - The Camellia Girl" beruht auf einem Manga, der 1992 bereits als Anime verfilmt wurde und in der Printvariante verstärkt mit Nacktheiten arbeitet. Die einzige Regie-Arbeit von Torico blendet diese zwar nicht völlig aus, verringert sie aber. Das tut dem Film sichtlich gut, so störend wie sich die übrig gebliebenen Sexszenen hier anfühlen inmitten eines ziemlich bizarren Filmes. Interessanter Weise folgt er einem simplen roten Faden, ist also kein undurchschaubares Etwas, dessen groteske Rezeptur man nicht/kaum begreift, wie z.B. in "Tamala 2010" geschehen. Aber an skurrilen Elementen fehlt es nicht, angefangen bei den beiden menschlichen Haustieren, den phantastischen Eigenschaften des Magiers, bis hin zu solch simplen Ideen, wie jener dass Midori stets Zügen zuwinkt. Besagter Magier ist jene Figur,  die am nettesten zur Protagonistin ist, er ist in seiner egoistischen Art zu lieben aber trotzdem alles andere als eine nette Begleitperson einer Frau, die (ähnlich wie später die Hauptfigur aus "Beauty Water") auch kein Sympathiecharakter ist. Einen solchen gibt es in der hier gezeigten Welt nicht, die geradezu Japan-typisch knallbunt daher kommt und gekonnt Kitsch mit anderen unschönen Dingen des Lebens paart. 

"Shôjo tsubaki" (Originaltitel) wird mit dieser Rezeptur, die dafür sorgt dass man nie weiß wie die Geschichte weiter geht, bzw. was sie überhaupt möchte, kein Meisterwerk. Aber seiner Faszination konnte ich mich nicht entziehen, so gekonnt wie hier mit wenig Geld bizarre Ideen umgesetzt wurden, inklusive einer kurzen Anime-Sequenz. Letztendlich lebt der Film aber auch fast einzig von seinem skurrilen Touch und den optischen Werten. Man taucht weder in die Gefühlswelt der gehänselten Dame auf, noch entwickelt sich ein Spannungsbogen aufgrund der mitzuerlebenden Ereignisse. Selbst wenn "Midori - The Camellia Girl" gegen Ende eine überraschende Wendung im Verhalten des Magiers nimmt, ist es doch die bizarre Auswirkung dieser Idee, welche besagte Phase interessant macht, nicht der gängige Motor üblicher Filme. Ein solcher ist er nicht, er ist selbst inmitten der ungewöhnlichen cineastischen Welt der Japaner ein ziemlich eigenständiges Stück. Inmitten seines Wahnsinns bleibt der Streifen emotional stets nüchtern, da distanziert. Umso schöner ist es, dass humoristische Elemente oft zu wirken wissen, so z.B. die Reaktion eines Zirkusartisten auf die Aussage, Midori hätte auf der Bühne Außergewöhnliches geleistet. Freilich gibt es auch einige morbide Momente zu erleben, schließlich ist "Midori" eine Achterbahnfahrt der Elemente, wo man jederzeit mit allem rechnen muss, ein Vergleich der nicht komplett überzeugt, da der Streifen an sich recht ruhig vorwärts schreitet, also kein bisschen gehetzt wirkt. Die unaufgeregte Art, in welcher Ungewöhnliches eingefangen wird, macht u.a. den Reiz an diesem Werk aus und unterstreicht seine skurrile Wirkung.  OFDb

19.10.2022

HOMUNCULUS (2021)

"Ju-on"-Regisseur Takashi Shimizu hätte das Thema um einen Mann, der nach einem operativem Eingriff Dinge sieht, die andere nicht sehen, locker auf seinen Erfolgszug gefeierter Horrorfilme aufsteigen können, entscheidet sich den Plot jedoch eher für ein Fantasy-Drama zu nutzen. Unheimlich wird es nie, mysteriös aber sehr wohl, bei den bizarren Dingen, die der Protagonist erblickt. Hier durften sich sowohl die Verantwortlichen der Geschichte, als auch die Trickspezialisten ordentlich austoben. Wenn sich das Szenario unerwartet in jene Richtung wendet, in welche auch viele Geisterfilme tendieren - dem Aspekt dass der Sehende helfen kann - dann dürfen sich die CGI-Leute umso mehr austoben, vollbringt der 7 Tage am Experiment teilnehmende Obdachlose doch ähnliche Leistungen, wie ein Priester während eines Exorzismus. Und wenn er sich aufgrund der einen Gehirnhälfte, auf die er sich konzentrieren muss um "Sehen" zu können, dabei stets ein Auge zu hält, dann schwebt sogar ein gewisser Humor über dem skurrilen Szenario, sieht es zum einen doch witzig aus, zum anderen wird der gute Mann von den nichts Ahnenden, denen er hilft, für extrem schräg, oftmals gar für bedrohlich wahrgenommen. 

Typisch Japanfilm darf sich bei diesem Plot nicht nur Genre-bedingt einiges mixen, auch der Wechsel vom harmlosen Spaß, zu extremer Gewalt, zu Kinderphantasien bis hin zu sexuell übergriffig scheinenden Momenten ist alles mit an Bord. Und aufgrund der Entdeckung, welche die Hauptperson zusammen mit ihrem Medizinstudenten macht, der die Operation am Kopf vornahm, fühlt man sich zunächst irgendwo zwischen David Lynch, David Cronenberg, "Die fabelhafte Welt der Amelie" und "Sie leben" angekommen. Leider bestätigt sich im Laufe der Zeit recht schnell das, was ein zu schnelles Fortschreiten der Ereignisse zu Beginn bereits vermuten ließ: das alles findet insgesamt sehr geistlos statt. Der medizinische Aspekt ist Unsinn, darf er bei dieser verspielten Art phantastischem Kinos auch ruhig sein, der psychologische Aspekt ist der eines Laien, kann man im Notfall jedoch auch verzeihen, aber das die Geschichte innerhalb ihres eigen kreierten Kosmos nicht intelligent, oder zumindest durchdacht genug ausgefallen ist, enttäuscht dann doch. "Homunkurusu" (Originaltitel) entpuppt sich schnell als dümmlicher Film der Effekte. So wunderbar sie sich gucken, sie sind für den banalen Haudrauf-Effekt integriert, weder für eine tatsächlich analytische Geschichte gedacht, noch für eine emotional empathische. 

Der Zuschauer soll das alles nur sehr krass finden, der geistlose wird das Gezeigte vielleicht auch schlau finden, die ein oder andere gar nicht subtile Gesellschaftskritik ist da durchaus vertreten, aber in der hier präsentierten Holzhammermethodik weiß das schon eher zu enttäuschen, anstatt angenehm geistlos zu unterhalten. "Homunculus" besitzt zwar durchaus packende Momente und definitiv auch Sequenzen, die einen in ihrer Extreme nicht kalt lassen, aber das alles mutet dann insgesamt in dieser oberflächlichen und reißerischen Art zu infantil an, als dass man sich angenehm in eine schräge Alternativwahrnehmung entführen lassen könnte. Hierfür wird man als Zuschauer nicht ernst genug genommen. So trifft Japankino auf das, was man sehr häufig im US-amerikanischen Sektor erlebt: geistfreies Effektkino, kreativ im Groben, unsensibel in den Zwischentönen, nur jene begeistern könnend denen tolle Bilder reichen. Der Unterschied liegt lediglich darin, dass der hier besprochene Film so gar kein Mainstream ist. Ganz im Gegenteil orientiert er sich an Cineasten, die gerne abseitige Filme sichten. Die härtere Variante eines "Die fabelhafte Welt der Amelie" darf man im asiatischen Bereich wesentlich geglückter mit "I'm a Cyborg, But That's Okay" erleben. Greift also lieber zu diesem, um Euch hart und sanft zugleich in eine verträumte Alternativwelt entführen zu lassen.  OFDb