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11.01.2025

MORD IST IHR HOBBY - STAFFEL 1 (1984)

Verwitwet und seit einiger Zeit in Rente lebend, beginnt Jessica Fletcher Kriminalromane zu schreiben, die zum Publikumsrenner werden. Zurückzuführen ist dies auf ihr Kombinationsvermögen, weswegen sie bei den meisten Kriminalisten bei echten Mordfällen eine gern gesehene Helferin ist. Aber auch wenn sie von deren Seite nicht willkommen ist, mischt sich die neugierige, aber stets freundliche Dame in Ermittlungen ein und beweist, dass sie mit ihrer geschulten Beobachtungsgabe und ihrem scharfen Verstand stets den richtigen Riecher besitzt...

Bestsellerautorin mit Bescheidenheit...

Früher zappte ich immer weiter, wenn die Serie im Fernsehen lief, kam mir Jessica Fletcher doch stets wie ein plumper Abklatsch von Miss Marple vor, unter der ich nicht Agatha Christies Variante verstand, sondern Margaret Rutherford aus den vier klassischen-Filmen der 60er Jahre. Doch auch wenn der Originaltitel "Murder, She Wrote..." absichtlich als Verweis an das Vorbild an "Murder She Said" angelehnt ist, so hören die Übereinstimmungen doch mit Alter und Kombinationstalent der Protagonistinnen auf, ist "Immer wenn sie Krimis schrieb..." (Alternativtitel) doch eine eigenständige und wundervoll erzählte Krimiserie, die leichtfüßig und sanft humoristisch gehalten ihren Trumpf darin besitzt, nicht immer das gleiche Muster abzuarbeiten. Wie bei jeder Serie mag es Wiederholungen geben, aber die Autoren sind sichtlich bemüht für Abwechslung zu sorgen, und gelegentlich schaffen sie es sogar einen mit einer Mörderauflösung zu überraschen. Freilich gibt es, wie bei vielen Serien aus den USA, die klassisch schurkisch besetzten Rollen, so dass man oft vorher weiß, wer der Täter ist, aber wie mein Satz zuvor andeutete, ist dies nicht immer so, und selbst wenn, sind die Geschichten stets kurzweilig und interessant erzählt, oftmals trivial, zugegeben, aber nie komplett geistlos gehalten. 

Schlicht genug erzählt, um nach einem anstrengenden Arbeitstag bei "Mord ist ihr Hobby" abzuschalten, kreativ und unterhaltsam genug inszeniert, um dabei nicht zu unterfordern, das schien das Motto zu sein. Und Gaststars wie Leslie Nielsen und Martin Kove versüßen das Ganze, stets sind bekannte Gesichter mit an Bord, ob man deren Namen nun kennt oder nicht. Der Pilotfilm "Der Mord an Sherlock Holmes" geht verspielt mit seinem Titel um, weiß allein schon deswegen zu gefallen, und besitzt sogar entgegen aller Erwartungen manch düsteren Moment. Während Fletcher sich in diesem Werk auf Spielfilmlänge am Start ihrer Schriftstellerkarriere befindet, bzw. an den Weichen zu dieser zuvor, ist sie ab Folge 2, wenn die Abenteuer als 45-Minüter konzipiert sind, bereits landesweit für ihre Bücher bekannt. Wie sie auf die jeweiligen Mordfälle stößt, ist unterschiedlicher Natur, meist ist sie aber zufällig vor Ort. Somit spielt die Serie nicht immer in der Kleinstadt, in der Jessica lebt, das Gegenteil ist der Fall, dieser Wechsel weiß zu gefallen. Und er erlaubt den Autoren nur ab und an auf bewährte Figuren zurückzugreifen, Jessica selbst ist die einzige Person, die in allen Episoden auftaucht. Die Idee den Gesetzeshüter im Heimatort zu einem Freund zu machen, der aufgrund seiner schlichten Auffassungsgabe bei Ermittlungen trotzdem stets im Clinch mit der Schriftstellerin ist, zeigt dass hier nicht alles nur schwarz und weiß gehalten ist. 

Zudem gefällt der abwechslungsreiche Umgang mit den Möglichkeiten, die das Genre des Kriminalfilms bereit hält. Da darf es dramatische Fälle ebenso wie humoristische geben, verzweifelte Täter ebenso wie eiskalte, und am besten ist die Serie eigentlich immer dann, wenn sie verspielter Natur ist, so geschehen in jener Folge, in welcher auf Agatha Christie-Art eine kleine Gruppe Busreisende, abgeschnitten von der Außenwelt, einen Mordfall untereinander selbst lösen muss, bei dem kein Zweifel besteht, dass einer der Anwesenden der Mörder sein muss, aber auch zu bewundern in jener Episode, in welcher Fletcher die Mühlen Hollywoods kennenlernen muss, wenn einer ihrer Romane für einen reißerischen Billigfilm komplett verhunzt wird. Letztendlich weiß man nie, was einem in der nächsten Folge erwartet, in Staffel 1 ist alles möglich, außer Langeweile. Von den 22 Geschichten, welche das erste Serienjahr erzählt, hat mir jede gefallen, von schlichter Routine bis hin zu raffinierten Irreführungen war alles vorhanden. Und Jared Martin, den unbekannten Star aus der 80er Jahre-Serie "Krieg der Welten", passend besetzt als verwöhnten, erwachsenen Sohn eines reichen Vaters zu erleben, war eins meiner persönlichen Highlights.  Wiki

29.10.2023

VON ALLEN GEISTERN BESESSEN (1990)

Da hat man zur Hochzeit der Filmparodien die Chance mit der Original Linda Blair "Der Exorzist" zu parodieren und hat als Zusatzplus auch noch Leslie Nielsen am Start, der gerade durch diese Parodiewelle auf einem erneuten prominenten Hoch schwebte, und dann fällt den Verantwortlichen von "Repossessed" (Originaltitel) nichts besseres ein als einen plumpen Kalauer der eher minderwertigen Art an den nächsten zu reihen. Gags, die theoretisch Potential besitzen, werden oftmals durch fehlerhaftes Vortragen und falsch gesetztes Timing, oder durch Fehler in der Optik, sowie dem Schnitt an die Wand gefahren, meist bietet "Von allen Geistern besessen" jedoch derart flache Witzchen, dass sie auch im hier abgelieferten Dauerfeuer der Blödelei kaum fruchten wollen. Der von Bob Logan inszenierte Streifen hat durchaus seine Momente. So weiß der ewige Sturz des alten Pfarrers auf einer kleinen Treppe zu Beginn zu gefallen, und mit dem jungen Pfarrer wurde glücklicher Weise Anthony Starke besetzt, der so wundervoll albern in "Die Rückkehr der Killertomaten" agierte. Der kann seine Leistung von dort hier zwar nicht ebenso wirksam wiederholen, das liegt aber weniger an ihm, als an der Regie, seine Spiellaune sieht man ihm auch in dieser halbherzigen Produktion an. 

Für Leslie Nielsen ist das Ganze offensichtlich eine Auftragsarbeit, auch Linda Blair wirkt nicht wirklich vom Projekt überzeugt. Das braucht auch nicht verwundern, so wenig wie das Drehbuch mit der Vorlage aus den 70er Jahren anzufangen weiß, bildet Friedkins Werk doch nur grobe Grundlage für Kalauer, anstatt ihn im Kern respektvoll zu parodieren, so wie es Mel Brooks einst in "Frankenstein Junior" mit einem anderen Horrorklassiker tat. Viel zu oft wird rumgekotzt, um "Der Exorzist" zu veralbern, Momente wie das sich bewegende Bett, weil Nancy versehentlich die Vibrierfunktion des Bettes eingeschaltet hat, sind leider rar gesät und gehören zur Ausnahme der funktionierenden Witzigkeiten, die sich auf Momente der Vorlage direkt beziehen. Die Idee das Ganze als Medienparodie aufzuziehen, weiß eigentlich zu gefallen. Zwar wurde gerade der Bereich der Geld schnorrenden Fernsehprediger-Heuchler schon häufig in Film und Fernsehen satirisch kritisiert, aber auch hier gehört diese altbackene Art in zu sanfter Form noch halbwegs zu den funktionierenden Elementen, dies aber auch weil die beiden Moderatoren so wundervoll unsympathisch agieren dürfen. Dass aber selbst die kleinen Witzchen um den unbeliebten Hund des nur nach Außen hin harmonischen Paares nicht völlig zur Geltung kommen, trotz eines eigentlich todsicheren Konzeptes, zeigt nur erneut wie wenig Fingerspitzengefühl Logan besaß vorhandenes Witzepotential, und mag es noch so banaler Natur sein, auf die Leinwand als funktionierendes Lachelement übertragen zu können.  Wiki

29.12.2022

BRADBURYS GRUSELKABINETT - DIE BRADBURY TRILOGIE (1985)

1985 erschien die Serie "The Ray Bradbury Theatre", in der es um unheimliche Geschichten aus der Feder des im Titel genannten Autors ging. In Deutschland sind nur drei Folgen als sogenannte "Bradbury Trilogie" erschienen, und dank reizvoller Aufhänger der jeweiligen Geschichte, bin ich neugierig an die Sache herangegangen, im Wissen dass sich das wie ein Episoden-Horror gucken wird, ein Bereich mit dem ich immer wieder meine Probleme habe. Ein Leslie Nielsen in einer Nebenrolle und ein Jeff Goldblum in einer Hauptrolle gaben zusätzlichen Anreiz, und was soll ich sagen? Wieder einmal wurde mein mangelnder Zugang zu Grusel-Kurzgeschichten bestätigt. So reizvoll die einzelnen Geschichten auch klingen, verschmitzt erzählt sind und brauchbar gespielt, der Drang zur überschnellen Schluss-Pointe lässt eine jede Geschichte sich zu banal anfühlen, zu unaufgeregt und letztendlich auch meist zu vorhersehbar. Letztgenanntes gilt nicht für die Geschichte, in welcher Goldblum als Intellektueller der Herausforderung wegen mitten im Nirgendwo eine Kleinstadt besucht, um zu gucken wie das Leben im vertrauten Miteinander so ist. Die ist nicht mehr oder weniger gut als der Rest erzählt, wohin die Geschichte steuert ist aber selbst dann noch nicht klar, wenn man endlich erfährt um was es dort überhaupt gehen soll. 

Ebenso reizvoll wie der Auslöser des Ungewissen hier, trumpfen von der Idee her die beiden anderen Geschichte. Von der einen ist die Idee nicht wirklich neu, da bekommt ein genervter Ehemann die Chance einen Roboterdoppelgänger die Frau bespaßen zu lassen, während er endlich all das tun kann, was er außerhalb der gelebten Routine schon immer wollte. Wirklich großartig ist die Idee der dritten Geschichte, in welcher ein Verunglückter eines Autounfalls auf das unheimliche Rätsel stößt, dass die Menschentraube bei Unfällen dieser Art immer wieder aus den selben aus dem Nichts auftauchenden Menschen besteht. Wer Kurzfilme dieser Art kennt, Serien a la "Twilight Zone" oder eben Episodenfilme, kann sich denken wohin das führt, wenn relativ schnell eine Auflösung her muss, hier hätte man der Geschichte doppelte Laufzeit gewünscht. Aber so funktionieren Produktionen dieser Art nun einmal nicht, also was soll's. Wer derartiges mag, und dies gerade auch mit 80er Jahre Retro-Feeling, kann jedoch ruhig einen Blick riskieren. Das Grundlagenprogramm wird schließlich geboten, langweilig wird es nie, ganz im Gegenteil wissen die Geschichten Neugierde zu wecken. Außerhalb ihrer Schlusspointen und Aufhänger besitzen sie jedoch zu wenig Zusatzpotential, um mehr als die kleine, banale Geschichte für zwischendurch zu sein. Aber sie unterhalten, und mit einem kleinen versöhnlich Blick zurück kann ich das großzügig auch für meine Wenigkeit behaupten, auch ich wurde amüsant und nicht frei von Sympathie unterhalten.  OFDb

14.03.2021

COLUMBO - SCHRITT AUS DEM SCHATTEN (1971)

Mit "Columbo: Lady in Waiting" (Originaltitel) bekommt es der Kriminalist endlich einmal mit einem weiblichen Täter zu tun. Sie mag bezüglich der Raffinesse nicht der Gegner auf gleicher Augenhöhe sein, wie ich es in dieser Spielfilm-Reihe am liebsten sehe, ihr interessant gezeichneter Charakter gleicht das jedoch wieder aus. Beth wurde ihr Leben lang dominiert, ist aber dennoch kein Mitleid erregender Charakter, weil innerhalb der Unterdrückung eine egoistische, verwöhnte Person heranreifte, die nun unabhängig geworden einen Nachholbedarf nach Freiheit auf der Überholspur lebt, und dies in einer Extreme, dass dies selbst den von der Familie fehl eingeschätzten Lebensgefährten Peter verschreckt, den Leslie Nielsen angenehm zurückhaltend verkörpern darf. Der wird nun, im Gegensatz zu früher, von Beth dominiert, was Columbo die Sache gegen Ende etwas zu einfach macht, zumal der Schlussbeweis ohnehin nicht zu gefallen weiß, so offen wie in der interessant erzählten Vorgeschichte damit umgegangen wurde und man sich ohnehin die ganze Zeit fragte, warum darauf bislang kein Bezug genommen wurde. Außerdem würde mit der finalen Überführung Aussage gegen Aussage stehen, und ob dies reicht jemand bereits Freigesprochenen dieses Mordes doch noch hinter Gittern zu bringen, darf wohl angezweifelt werden. Wie auch immer, "Columbo - Schritte aus dem Schatten" (Alternativtitel) weiß zu gefallen, und das liegt diesmal weit weniger an den Methoden Columbos, die unglaubwürdiger in Naivität getarnt sind als üblich, sondern hauptsächlich an der so überzeugend biestig agierenden Susan Clark und ihrer Rolle, die das Drehbuch so wunderbar selbstgerecht anlegt. Über die Figur der Mutter des Verstorbenen und der Täterin bekommt sie sogar noch etwas mehr Gehalt und zeigt auf, dass die Schattenseiten ihres Charakters nicht erst durch den goldenen Käfig, in dem sie lebte, geformt wurde. Somit weht an völlig anderer Stelle, als man zunächst vermuten würde, ein dramatischer Aspekt mit.  OFDb

06.07.2020

CREEPSHOW - DIE UNHEIMLICH VERRÜCKTE GEISTERSTUNDE (1982)

In den 50er und 60er Jahren waren die von Erwachsenen verpönten Monster-Hefte und Grusel-Comics erfolgreiche Trivialware. "Creepshow" (Originaltitel) widmet sich in seiner Rahmenhandlung nicht nur dieser und dem umstrittenen Umgang mit derartigen Publikationen, er kommt komplett im Gewandt einer solchen daher. Die Kurzgeschichten beginnen und enden mit Zeichnungen, einige Bilder werden nebeneinander in Comicbild-Umrahmung präsentiert, die heute nostalgisch anmutenden Werbeseiten mit skurrilen Artikeln, zum Verschleudern des Taschengeldes, werden eingebaut, und auch die präsentierten Geschichten an sich baden in genau jenem charmant verschmitzten, schwarzhumorigen Ton, wie er typisch für diese Art Produkt war. Ernstzunehmender Horror wird hier nicht präsentiert, eher Schelmereien geschmückt in Horrorthematiken. Umso schöner ist es, dass diese kindliche Herangehensweise getaucht ist in oftmals blutrünstige Bilder. Die US-Amerikaner hatten noch nie Probleme damit beides zu vereinen. Für die Effekte verantwortlich zeichnet sich Tom Savini, der Genre-Künstler seiner Zeit schlechthin, das Drehbuch steuerte der gerade besonders beliebte Stephen King bei (der in der zweiten Geschichte auch sympathisch dümmlich spielend die Hauptrolle besetzt), und mit George A. Romero hatte man einen professionellen Veteran des modernen Horrorfilms auf dem Regie-Stuhl sitzen.

So braucht es gar nicht verwundern, dass direkt zu Beginn eine Zombiegeschichte auf den Zuschauer wartet. Allerdings ist sie ganz anders als Romeros "Die Nacht der lebenden Toten" und "Zombie" ausgefallen. Im zum verspielten Grundton verpflichtenden Look erinnert sie mit ihrem charmanten Monster, das dem Grabe entsteigt, und der mündlich dargebotenen Aufforderung auf einen längst fälligen Geburtstagskuchen eher an den erst später erschienen "The Return of the Living Dead". Romero beweist, dass er die Thematik auch auf völlig andere Art beherrscht. Die darauf folgende Geschichte, um einen dümmlichen Farmer, der nach dem Berühren eines frisch herunter gestürzten Meteors zum Pflanzenwesen mutiert, schlägt einen ähnlichen Ton an. "Creepshow" (Originaltitel) liefert jedoch selbst in verschmitzter Form auch ernstere, nicht ganz so extrem auf Comic getrimmte, Gangarten. So z.B. in der meiner Meinung nach besten Geschichte, in welcher Leslie Nielsen einen rachsüchtigen, besitzergreifenden Ehemann spielt, der den Betrug seiner Frau auf besonders scheußliche Art rächt. Während die meisten Episoden auf sehr direkte Art erzählt sind, kommt eine Geschichte, um ein affenähnliches Monster mit unnötigen Ausschweifungen daher, welche die Geschichte eher lang ziehen, anstatt ihr dienlich zu sein. Eine professionelle Besetzung macht einiges wieder wett, meiner Meinung nach wird diese nett getrickste Chose jedoch zum Tiefpunkt des Streifens. Eine Abschluss-Story um ein Kakerlakenproblem entlässt wieder verschmitzt sympathisch aus dem Film.

So nett das alles klingt, "Die unheimlich verrückte Geisterstunde" (Alternativtitel) macht genau jenes Problem deutlich, welches ich meistens mit Episodenfilmen, gerade aus dem Horrorbereich, habe. Die Episoden greifen nie tiefer, als ihr eigentlicher Aufhänger und enden mit einem augenzwinkernden Schluss dann, wenn es am interessantesten wird. Die liebevolle Comicgestaltung und die professionelle Umsetzung machen zwar einiges wieder wett, aber über eine Laufzeit von zwei Stunden schießt "Creepshow - Die unheimlich verrückte Geisterstunde", der bislang zwei Fortsetzungen beschert wurden, dann doch über sein Ziel hinaus. Am Stück konnte ich mir den damit viel zu lang ausgefallenen Streifen nicht angucken. Und so charmant ich auch vieles an ihm finde, letztendlich hängen mir die sympathischen Geschichten zu sehr an ihrem Aufhänger fest. Das reicht um eine Art morbid kindliche Freude zu entfachen, überfordert in seiner Überlänge jedoch. Filmfreunde, die weit weniger skeptisch mit Episodenfilmen umgehen als ich, werden mit genügend Geduld jedoch ein feines, verspieltes, wie blutrünstiges Happening erleben, wie es eben nur Freunde dieses Genres mögen, vorausgesetzt man steht nicht nur auf die bierernsten Varianten des übernatürlichen Films.  OFDb

25.06.2019

DIE NACKTE KANONE (1988)

Wenn man einmal "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" gesehen hat, kann man kaum glauben, dass es den Autoren und Regisseuren dieses Streifens 8 Jahre später gelingen sollte eine noch bessere Komödie auf die Beine zu stellen. Aber was soll man sagen? Gagquote allein ist nun einmal nicht alles, und "Die nackte Kanone" schafft das, woran es der Flugzeugkatastrophen-Parodie fehlte: sie läuft wesentlich runder, ist nicht so episodenhaft ausgefallen und fühlt sich somit mehr wie ein gut geöltes Ganzes an. Als Zugeständnis hierfür ist man glücklicher Weise nicht in den Mainstream eingetaucht, "The Naked Gun" (Originaltitel) ist ein sich echt anfühlendes Werk des Zucker/Abraham/Zucker-Teams, ohne Eingeständnisse, diesmal allerdings jedoch David Zucker die Regie allein überlassend. Verglichen mit ihren anderen Werken dieser Art ("Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone" sollte sich komödiantisch anders orientieren) fällt auf, dass man weitestgehendst darauf verzichtete Filme direkt zu parodieren. Von ein paar Ausnahmen abgesehen, parodiert "Die nackte Kanone" das Genre des Polizeifilms ganz allgemein. Der Grund dafür könnte in der Vorlage liegen, setzt der Film doch die Abenteuer von Frank Drebbin fort, der als Polizist in der TV-Serie "Police Squad" für allerhand Chaos sorgte.

Die Serie wurde nach nur sechs Folgen schnell eingestellt. Und der Kinofilm kommt sechs Jahre später mit stark veränderter Besetzung daher. Stars hatte man sich eingekauft. George Kennedy übernahm die Rolle des Captains, O.J. Simpson wurde der neue Nordberg, und in einer neu eingebrachten Rolle konnte man Priscilla Presley als Darstellerin der Jane gewinnen, an namhaften Gesichtern mangelt es nicht. Weitere, wie Sexualexpertin Dr. Joyce Brothers, tauchen in kurzen Gastauftritten auf. Meiner Meinung nach wurde "Police Squad" seinerzeit zu recht abgesetzt. Nicht nur dass mit dem Konzept kein Massenpublikum zu gewinnen war (was schließlich kein Grund für ein Beenden wäre), trotz vieler guter Gags, von denen auch einige ihre Wege in die drei Kinofilme Drebbins gefunden haben, kam die Serie sehr trocken und ungelenk daher, zu sehr im drögen 70er Jahre-Stil badend, als dass es gut für jene Art Komik gewesen wäre. "Die nackte Kanone" lässt davon nichts mehr erkennen. Der Film läuft wie erwähnt rund, gönnt sich nie eine Atempause, schaut sich umwerfend komisch und flott zugleich und wird dabei trotz unglaublich flacher Witze nie plump oder zu oberflächlich. Der Film ist mit viel Herzblut umgesetzt, und das sieht man nicht nur den hervorragend wirkenden Mimen an, bereits das Drehbuch ist ein Fest brillanter Einfälle, und kaum ein Moment ruht sich auf einer einzigen Humoridee aus.

Komik wird hier zelebriert. Verschiedene Humorrichtungen, meist gern die alberne Variante, beherrschen den Bildschirm. Eine jede Mimik fließt mit ein, versteckte Hintergrund-Gags, Set-Designs, Masken, und so ziemlich jeder Witz bekommt einen erweiterten angehangen, oder besteht von Anfang an aus gleich mehreren Lachern. Auch die Regie erweist sich hier als äußerst gekonnt. Man mag es kaum glauben, aber man kann sich hier tatsächlich darüber halb tot lachen, dabei zuzusehen wie jemand die Treppe herunter fällt. Die Umsetzung macht es aus, bestehend aus kleinsten Faktoren, die am Ende eine solch simple Idee so unglaublich komisch werden lassen. Zumal der Humor die oberste Liga an Albernheiten darstellt, z.B. dann wenn ein Mordanschlag als solcher nicht begriffen wird, und man stattdessen den Gegenüber korrigiert, er möge nicht schießen während er redet. Oder wenn eine Taschenkontrolle in die falsche Tasche greift und es zu einer persönlichen Reaktion eines der Beamten kommt.

Es sind oft die kleinen Witzchen, die unglaublich zu ziehen wissen, aber auch groß geplante Szenarien, wie das endlose, angebliche Ableben Nordbergs, oder die Autoverfolgungsjagd mit einer Fahrschülerin am Steuer. Off-Kommentare, Running Gags und das unsensible Verhalten der Hauptfigur tun ihr übriges, um aus "The Naked Gun: Fom the Files of Police Squad" (Alternativtitel) jene genial funktionierende Komödie zumachen, die sie geworden ist. Misslungene Witzchen gibt es kaum, alles greift gekonnt ineinander über, genau so muss eine Komödie aussehen, die immer wieder zum laut Loslachen animiert, selbst bei der x-ten Sichtung. Und es vergeht kaum ein Moment, indem nicht erneut ein weiterer Witz mit seiner Attacke auf die Lachmuskeln wartet. Etwas Besseres hat es in diesem speziellen Komödienbereich bislang nicht gegeben, zumal man es geschafft hat, die Gagparade nicht zu unterkühlt stattfinden zu lassen. Die Figuren fühlen sich trotz ihrer Comicpräsenz relativ echt an, die Dramaturgie verleiht ihnen Seele, obwohl sie tief im Klischee badet, um herzhaft über tragische Kino-Standards herzuziehen. Und der trockene Grundton des Hauptcharakters verleiht der Figur des versteiften Drebbins ein Humorpotential, das seinesgleichen sucht und ihr somit hilft einen großen Teil des Films zu stemmen.  OFDb

17.12.2017

SOULMAN (1986)

Steve Miner schafft es dank eines guten Drehbuches eine gekonnte Balance zu halten um „Soulman“ niemals würdelos, anbiedernd, zu klamaukig oder zu schwermütig erscheinen zu lassen. Der Unterhaltungsfaktor steht im Vordergrund, wird aber mit der nötigen Ernsthaftigkeit, die das Thema zwingend mit sich bringt, gestützt. Man will für das anvisierte Ziel weder all zu gesellschaftskritisch werden, noch soll die Schwere einer solchen Thematik in den Mittelpunkt rücken. Mark ist ein Teenager der Mist gebaut hat. Es geht im Film um seine persönlichen Erfahrungswerte, um seine eigenen Lektionen, nicht um die Erziehung des Publikums, nicht um mahnende Worte an den Zuschauer, nicht um eine Kurskorrektur der amerikanischen Realität der 80er Jahre.

Dies lässt den amüsant zu schauenden Film unverkrampft wirken, ohne dabei gedankenlos zu erscheinen. Wenn der Film gegen Ende aufgrund seiner Rassenthematik und der parallel laufenden Lovestory ernste Töne anschlägt, dann tut dies dem Film nicht nur  gut weil er sich eben in einer solchen umgeschwungenen Thematik befindet, das Verhindern eines Gagfeuerwerks zuvor, wie es manche Teenie-Komödien zu ihrem Funktionieren benötigen, stützt zukünftige Schwerpunkte bereits zuvor, so dass der humorvollere Part kompatibel mit dem ernsteren ist.

„Soulman“ guckt sich lustig,  jedoch nie albern oder humoristisch überfrachtet. Er erntet seinen eher stillen Humor aus Situationen und Personen, ohne übertriebene Begebenheiten herbeizuzwingen. Nur gelegentlich erlaubt man sich klamaukige Ausrutscher, was durchaus legitim ist, wenn man sich in einem solchen Film in die Psyche eines Teenagers hineinversetzen möchte. Herumzualbern gehört zu dieser Lebensphase nun einmal zwingend mit dazu, so dass auch der Film hin und wieder darauf zurückgreifen muss, um das Lebensgefühl seiner Hauptfigur glaubwürdig wiedergeben zu können.

Wie erwähnt machen an dem sympathischen Ergebnis dieses damaligen Kinoerfolges in vielen Punkten auch die Figuren etwas aus, die auch in ihren absichtlich unsympathischen Phasen doch stets menschlich erscheinen. „Soulman“ springt zwischen greifbaren Charakteren und Comicfiguren ebenso hin und her, wie er es im emotionalen Bereich thematisch tut. Dass Rassisten dabei oftmals lediglich zu Witzfiguren werden, tut der entspannten Atmosphäre gut, und die mögliche Einseitigkeit einer solchen Vorgehensweise verhindert man, indem prinzipielle Weltenretter zusätzlich ihr Fett abbekommen.

„Soulman“ ist diesbezüglich ein Kind der 80er Jahre. Das heuchlerische Getue heutiger Tage liegt ihm fern. Wer sich den Minderheiten zu sehr anbiedert, wird ebenso veralbert, wie der Rassist selbst. Und da „Soulman“ ohnehin auf alles schießt, was überhaupt erst aufgrund einer zu starken Extreme entsteht, so z.B. auch das Vorortleben reicher Spießer und die Gedankenlosigkeit verwöhnter Teenager, dreht sich der Mikrokosmos des Films auch nie nur um das eine Thema, ein weiterer Punkt der am fertigen Produkt so zu gefallen weiß. Dass „Soulman“ am Ende nur der nette kleine Film für zwischendurch ist und keinesfalls ein Geheim-Tipp, stört wenig. Miners Film weiß in seiner schlichten Art zu gefallen, steckt mit seiner Romantik gar mehr an als mit seiner seichten Komik und schafft es einfach stets den richtigen Ton zu treffen, fern jener Theatralik zum zentralen Thema, wie sie in heutigen irrationalen Tagen oft legitim in Diskussionen eingebunden wird.  OFDb

22.01.2017

THE KENTUCKY FRIED MOVIE (1977)

John Landis war damals noch ein junger Filmemacher, der einige Jahre zuvor mit „Schlock - Das Bananenmonster“ das Kino seiner Zeit parodierte und dem bekannteren „Angriff der Killertomaten“ von John DeBello damit den Weg ebnete. Kino und Fernsehen kann mit all seiner unfreiwilligen Komik nicht oft genug parodiert werden, und so kann man es als glückliche Fügung bezeichnen, dass Landis für sein darauffolgendes Projekt auf Jim Abrahams und die beiden Zucker-Brüder stieß, die uns später, selbst Regie führend, so wundervolle Komödien wie „Die nackte Kanone“ oder „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ bescheren sollten. In „The Kentucky Fried Movie“ sind sie lediglich noch „nur“ die Autoren, und ebenso wie Landis schlüpfen sie in die ein oder andere Rolle des auf Sketche ausgelegten Filmes.

Ob es um den (heute noch immer vorhandenen) Hang geht Filme nicht mehr rein als Filme zu sehen, sondern mit Events wie 3D zu verwursten (parodiert als gefühlsechtes Kino), ob es um reißerische und theatralische Umgänge mit emotionalen Themen geht (Filmvorschau zum fiktiven „That‘s Armageddon“) oder einfach nur um die sinnlose Geschwätzigkeit der Medien (Abenteuer heute), die scheinbare Anonymität vor dem Fernseher (der Sketch um das Liebespaar vor den Nachrichten) oder die Schwächen von Werbungen (die Kopfschmerzklinik) und Lehr-Filmen (Leben ohne Zinkoxyd), „The Kentucky Fried Movie“ holt pointensicher aus, weiß exakt wie der Humor zur besten Entfaltung gesetzt werden muss und hält sich nie zu lange an einem Sketch auf, nicht einmal in dem einzig größer ausgefallenem, 35 minütigen Kurzfilm „Für eine handvoll Yen“, in welchem sich ausgiebig über die Schwächen des asiatischen Kampfkunst-Kinos lustig gemacht wird, freilich nicht ohne den Amerikaner und sein Medium ebenfalls der Lächerlichkeit preiszugeben.

Der Mix aus einem raffiniertem, analtytischem Blick auf die elektronische Medienlandschaft der 70er Jahre und dem Hang zum hemmungslosem Herumalbern, geben „The Kentucky Fried Movie“ das gewisse Etwas, wird doch nie stillos herumgealbert, aber doch recht gewagt. Wenn die Alarmsirene in einem großen Gebäude nach Ausbruch einer Katastrophe daraus besteht dass ein Mann mit Flüstertüte für das Geräusch besagtem Alarms verantwortlich ist, anstatt ein elektronischer Ton, dann mag mancher Humormuffel die Augen verdrehen und dies als infantil bezeichnen, der Mensch mit Humor im Herzen muss über solchen Nonsens jedoch laut lachen, und dies selbst noch bei der x-ten Sichtung.

„The Kentucky Fried Movie“ hüpft von einem Höhepunkt zum nächsten, bietet keine missglückte Episode, schaut sich mit Augen von heute aber freilich medial überholt, was ihm aber Retrocharme beschert anstatt Desinteresse. Wer das Fernsehen und das Kino einst so miterlebte wird ebenso viel Freude an Landis Episodenfilm haben wie es junge Generationen haben. Ob es die Rohölgewinnung per Abzapfung des Fettes von Teenagergesichtern ist, der herrlich absurde Trailer des fiktiven „Katholische Schulmädchen in Not“ oder der Running Gag um durch ein Horoskop hervorgesagte Überraschung für Zwillinge, „The Kentucky Fried Movie“ sprüht nur so vor Witz im Zeitgeist, hemmungslos albern, aber auch genau wissend was wieso parodiert gehört.  OFDb

07.09.2016

PANIK IN DER SIERRA NOVA (1977)

Mit „Grizzly“ schien William Girdler ein kleiner finanzieller Erfolg relativ zu Beginn der großen Tier-Horror-Welle der 70er Jahre gelungen zu sein, denn bereits ein Jahr später reichte er „Panik in der Sierra Nova“ nach und ließ mit diesem gleich mehrere Tiergattungen auf die Menschheit los. Passend zur Entstehungszeit wurde das Thema mit ökologischer Botschaft versehen. Heutzutage, wo jegliche Epidemie stets mit irgendwelchen Viren zu tun hat, tut es richtig gut hier die zunächst etwas lächerlich klingende Ursache der zerstörten Ozonschicht als Auslöser vorgesetzt zu bekommen.

Wo andere Filme sich nun in Öko-Botschaften wälzen würden, da reicht es Girdler den zum Umweltschutz mahnenden Bereich lediglich als Grundlage zu nutzen, um nun im weiteren Verlauf einen abenteuerlichen Horrorfilm zu präsentieren, einer der zwar relativ altbacken, wie geradezu typisch für seine Zeit, daher kommt, bei näherem Hinschauen aber nicht uninteressant ausgefallen ist. So zahm sich „Tierterror in der Sierra Nova“ (Alternativtitel) im Gore-Bereich auch geben mag, inhaltlich geht er nach einer langen Zeit der eher massentauglichen, harmlosen Art dann doch recht unsanft, manchmal geradezu hart, mit seinen Figuren um.

Wenn ein Kind mit ansehen muss wie sein Retter von Hunden zerfleischt wird, wenn der Film über das Survival-Erlebnis hinaus blickt und die Geschehnisse zu einer Epidemie erweitert, dessen man sich auch in der Zivilisation bewusst wird, wenn der Einfluss der Ozonschicht unerwartet auch das menschliche Gehirn zerbretzelt, dann ist das Werk des so früh verstorbenen Regisseurs auf einem Hoch und längst nicht so blauäugig erzählt wie es zunächst den Eindruck macht. Wenn letztgenannter Punkt sich im Größenwahn durch einen sinnlosen Kampf Mensch gegen Tier von selbst erledigt, ohne dass Mann gegen Mann kämpfen muss, dann sieht man dass das eigene Thema verstanden wurde und nicht nur Material einer neuen Modewelle unreflektiert wiedergekäuert wird.

Da sich der Handlungsort durch das Trennen der Gruppe auf mehrere Orte verlagert und neben dem Tier-Horror mit seiner Wald-Location auch ein Hauch Endzeitfilm aufkommt, wenn Flüchtende auf eine menschenleere Kleinstadt stoßen, bleibt der eigentlich recht konservativ erzählte „Something Is Out There“ (Alternativtitel) immer interessant erzählt und kann sogar seinen Spannungsbogen konsequent halten. Inhaltlich nimmt man bereits viele Faktoren des ein Jahr später erschienenden und zum Kultfilm erklärten „Long Weekend“ vorweg, der 2008 eine Neuverfilmung beschert bekam.

Da „Day of the Animals“ (Originaltitel) zudem einige Jahre vor „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ entstanden ist, darf man den seit dem gerne auf Komödien abonnierten Leslie Nielsen hier noch in einer ernsten Rolle sichten und in einer interessanten noch dazu. Ansonsten gibt es auf der Darstellerseite weder etwas hervorzuheben noch zu meckern, erledigt doch jeder seinen Job gut genug. Einzig manche Tierattacke reißt einen gelegentlich aus der Illusion Film heraus. Wenn eine Frau einen Vogel festhält, damit dieser nicht wegfliegt, nur damit es so aussieht als würde er die Frau attackieren, oder Ratten an Fäden hochgezogen werden, damit es so aussieht als würden sie im Sprung angreifen, dann sieht das leider nicht wirklich bedrohlich aus. Dank einer ansonsten ereignisreichen, abenteuerlichen und spannenden Geschichte machen solche Momente den unerwartet unterhaltsamen Film aber auch nicht kaputt.  OFDb

04.10.2015

DIE UNGLAUBLICHE REISE IN EINEM VERRÜCKTEN FLUGZEUG (1980)

„Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ gehört für mich neben „Die nackte Kanone“ u.a. zu den besten Komödien die je gedreht wurden. Dieser wunderbare Mix aus flachen Witzen und intelligentem Humor ist eine Wucht für sich. Ich liebe den Film für beides, und bin den Verantwortlichen des Drehbuchs dankbar dafür, dass trotz der hohen, fast schon sekündlichen Gag-Dichte die Charakterzeichnung der einzelnen Figuren nicht vernachlässigt wurde.

Ich kenne keinen der direkt parodierten Werke, und habe trotzdem meine Freude mit „Airplane“ (Originaltitel), der hauptsächlich Filme über Flugzeugkatastrophen veräppelt und dabei auf allen Ebenen arbeitet. Die Schrift im Vorspann ist in totaler Übertreibung extrem groß ins Bild gesetzt. Die Musikuntermalung ist stets völlig überzogen. Entweder ist sie hochgradig reißerisch, extremst kitschig oder im Finale gar unübersehbar bescheuert, wenn ein Frauenchor sich derart hochschaukelt, dass die letzten Töne nur noch gekrächzt werden.

Die beiden Zucker-Brüder und Abrahams, die alle drei auch für das Buch von „Kentucky Fried Movie“ und später auch für „Die nackte Kanone“ und „Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone“ verantwortlich waren, stürzen sich auf jegliches Klischee, enttarnen die Schwächen solcher Filme durch völlige Übertreibung, wissen aber auch die Stärken der Vorbilder lächerlich aussehen zu lassen, stets den Respekt vor dem was man verarscht im Blick, verkörpert von vielen guten Schauspielern, denen man die Freude daran dass sie hier komplett überagieren dürfen, regelrecht ansieht.

Leslie Nielsen, der erst zur zweiten Hälfte wichtig wird, sticht hierbei ganz besonders hervor, muss er in jeglicher Situation doch mit komplett ernster Mimik auftreten und selbst in den unsinnigsten Dialogen mit unerschütterlichem Selbstbewustsein und einer Sachlichkeit in der Stimmlage agieren, dass man sich vor Lachen kaum noch halten kann. Ich habe einmal gehört, dass Nielsen während des Drehs nicht verstanden haben soll, warum er in einer Komödie so spielen soll. Als er den fertigen Film sah verstand er was an seiner Rolle so witzig war. Und mich würde es nicht wundern, wenn diese Anekdote der Wahrheit entspricht.

Das Regie-Dreiergespann ist sich keiner Witzchen zu schade, seltenst rutscht man auch mal knapp an Peinlichkeiten vorbei, aber das verzeiht man einem Film, der an fast jeder anderen Stelle beste Komik serviert, die punktgenau da eingesetzt wird, wo sie am besten zu wirken weiß. In „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ wird das Spiel mit der Komik zur Kunst, wobei flache Witzchen einem direkt vor die Nase gesetzt werden, wohingegen man den nicht minder vertretenen intelligenen Humor meist selbst entdecken muss.

So ist das nun einmal bei Filmen mit Köpfchen. Man muss sein eigenes ebenfalls einschalten, sonst funktioniert solch ein Werk nur auf der plumpen Ebene. Und das wäre trotz wunderbarer Flachköpper doch viel zu schade drum, steckt doch viel Herzblut in der hier dargebotenen Komik und könnte der Vorwurf billigem Klamauks, wie er z.B. für die „Police Academy“-Reihe oder spätere Leslie Nielsen-Filme typisch war, doch nicht ferner der Wahrheit liegen, so analytisch gut beobachtet wie der Streifen ausgefallen ist in seiner geradezu pingeligen Perfektion was Pointensetzung betrifft.

Ich mag es immer sehr wenn niveaulos und niveauvoll Hand in Hand gehen. In einem solchen Mix verliert sich das Handicap eines Tunnelblicks der Vorurteile meist von selbst, so dass ein ehrlicher Grundton entsteht. Die Macher reißen Witze über die sie selber lachen. Hier wird nichts vorgetäuscht, hier wird nicht für schnelles Geld geheuschelt oder auf gut Glück ein Witzversuch gestartet. Und das sieht man diesem Meisterwerk der Komödie in jeder Minute an.  OFDb

20.09.2015

SCARY MOVIE 3 (2003)

Als die Erfinder der „Scary Movie“-Reihe mit ihrem zweiten Teil eine besonders flache Komödie ablieferten, übernahm David Zucker das Ruder für die nächste Fortsetzung. Heute weiß man dass der Mann längst nicht mehr so anspruchsvolle Parodien abliefert wie zu Zucker/Abrahams/Zucker-Zeiten. Aber damals hoffte man tatsächlich auf einen geistigen Aufstieg der eher auf Flachköpper orientierten Reihe, die es sich zur Aufgabe machte hauptsächlich berühmte, meist aktuelle Horrorfilme zu verarschen.

Von einem „Die nackte Kanone“ und „Kentucky Fried Movie“ ist „Scary Movie 3“ dann auch weit entfernt, aber mit seinem Mix aus „The Ring“ und „Signs“ beweist er welch unterschiedliche Filme er mit pseudo-rotem Faden vereinen kann, angereichert mit Anspielungen auf „Matrix“ und dessen Fortsetzung, manch anderen Werken kürzlich vergangener Zeit und sogar einer Anspielung auf „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“, wenn Leslie Nielsen hier wie dort zu einem ungüstigen Zeitpunkt den Hauptfiguren im Finale nur schnell viel Glück wünschen möchte.

Das ist alles wesentlich besser ausgefallen als der olle „Scary Movie 2“ (und auch besser als Zuckers „Scary Movie 4“, vom erbärmlichen Teil 5 einmal ganz zu schweigen), aber über das Niveau von Teil 1 ragt der dritte Film der Reihe nicht hinaus, sprich es bleibt beim fröhlichen Zitieren bereits Bekanntem und meist bei hohler Hau drauf-Komik anstatt bei analytisch beobachtendem Humor der zu parodierenden Filme. Erfreulicher Weise ist jedoch trotz des flachen Humors die Trefferquote der enormen Humordichte recht hoch, so dass nur relativ wenige Witze nicht zu ziehen wissen, vorausgesetzt man sucht keinen Anspruch und ist sich nicht zu schade auch mal unter Niveau zu lachen.

Anna Faris ist sich in ihrer erneuten Hauptrolle jedenfalls nicht zu schade für jeden Gag und weiß erneut mit ihrer Spielfreude und dem Spaß am hemmungslosen Herumalbern den Großteil des Streifens zu stemmen. Ihr zur Seite steht diesmal der mimisch starke Charlie Sheen, der allein durch das pseudo dramatische Getue um seinen verlorenen Glauben als ehemaliger Pfarrer unglaublich witzig daher kommt und zudem eine kleine Szene mit seiner damaligen Lebensgefährtin Denise Richards beschert bekommen hat.

Schön ist es zu sehen, dass trotz eines Weißen auf dem Regiestuhl die schwarze Mentalität noch fast ebenso stark enthalten ist wie in den Vorgängern. Sie wird ebenso veräppelt wie die Verkrampftheit der Weißen, ohnehin schießt „Scary Movie 3“ überall hin wo es weh tut, und politisch völlig unkorrekt darf hier auch auf Behinderte, Kinder und Leichen eingeprügelt werden. Der Humor kommt recht derbe und infantil daher. Um so erstaunter darf man sein, wie sehr es die meist talentierten Schauspieler schaffen, das ganze so umgesetzt zu bekommen, dass man nicht ständig peinlich berührt die Augen verdreht wie bei einem „Ghost Movie“, „Disaster Movie“ oder „Scary Movie 5“. Auch die Pointensetzung weiß zum richtigen Zeitpunkt zu stimmen, und Zucker behält selbst im größten Chaos immer den Überblick, so dass man fast tatsächlich glaubt so etwas wie eine Geschichte erzählt zu bekommen.

In Wahrheit stürzt sich „Scary Movie 3“ von einer bekloppten Szene zur nächsten, manchmal fast im Sketch-Stil gehalten. Aber man ist ihm nicht böse drum bei solch hemmungslosem und spielfreudigem Herumgealber. Der Film ist alles andere als eine ernstzunehmende Filmparodie wie „Spaceballs“ oder „Frankenstein Junior“, aber als Hirn aus-Nonsens für zwischendurch weiß er bestens zu funktionieren, und dies selbst bei einem Publikum über dem zielgerichteten Teen-Alter, vorausgesetzt es hat seinen Humor mit spätestens 30 nicht schon an den Nagel gehängt um von nun an ein rein intellektuelles Leben zu frönen.  OFDb

18.06.2015

SCARY MOVIE 4 (2006)

Bereits mit „Scary Movie 3“ lieferte Regisseur David Zucker nicht mehr das Niveau jener Film-Parodien ab, mit denen er im Trio mit Jerry Zucker und Jim Abrahams einst berühmt wurde. Und mit „Scary Movie 4“ geht es noch eine Nummer weiter nach unten, wird die Reihe nun doch noch mehr zur reinen Zoten reißenden, Filme zitierenden Nummern-Revue als ohnehin schon, der man aufgrund einer Vielzahl unnötiger Fäkal-Gags und billiger Hau drauf-Komik zu Recht kritisch gegenüber stehen mag. Tiefsinn blitzt nicht einmal mehr leicht auf, der Kern der zu parodierenden Genres wird nicht einmal mehr erörtert. Bekanntes soll lediglich erkannt werden und durch einen schlichten Gag humoristisch verarbeitet.

Trotzdem muss man den Autoren zugestehen, dass es gar nicht so einfach ist die völlig unterschiedlichen Filme „Saw“, „The Village - Das Dorf“, „Krieg der Welten“ und „The Grudge - Der Fluch“, welche neben einer Vielzahl anderer Werke hauptsächlich verarscht werden, unter einen Hut zu bringen. Der rote Faden, der eine erzählte Geschichte vortäuscht, ist hauchdünn zu nennen, und doch ist es faszinierend wie alles zu einem pseudo-sinnvollen Cocktail vermischt wird. Kunst ist das nicht, aber herrlich schräg mit anzuschauen durchaus.

Dank einer wie immer gut aufgelegten, verspielten und mutigen Anna Faris weiß dieses plumpe Rezept gerade noch auf schlichter Ebene aufzugehen. Trotz allerhand Rohrkrepierer kann man über viele Gags noch herzhaft lachen, wenn man bereit ist sich auch einmal unter Niveau zu amüsieren. Wenn ein Vater sich mit vorgeheuchelter Art als Nichtkenner seiner Kinder entpuppt, gebranntmarkte Flüchtlinge für Zombies gehalten werden, hinter einer Schweinemaske ein Mann namens Pigface steckt oder ein in Ketten Gefangener sich das falsche Bein beim Befreiungsversuch absägt, dann ist das durchaus lustig. Im Gegensatz zum ersten „Scary Movie“ kann man die Fehltritte jedoch nicht mehr ignorieren, sie verwässern sehr deutlich den Unterhaltungswert des Streifens in ihrer arg vulgären Art.

Selbstverständlich bleibt ein Extrem-Werk wie „Scary Movie 4“ reine Geschmackssache, so provokativ wie er sich absichtlich in schlechtem Geschmack suhlt. Aber man darf auch nicht zu engstirnig an einen Film herangehen, der lediglich simpel unterhalten will während er die erfolgreiche Geldkuh melkt. Besser funktionierend als jeglicher seelenlose Blockbuster a la „Terminator 4“, "Man of Steel" oder „Transformers“ ist diese Horror-Komödie noch immer. Wie weit es Niveau-mäßig hierfür bergab gehen darf bleibt Ansichtssache, viele rümpften bereits beim anspruchsvolleren Teil 1 die Nase oder bei der Rezeptveränderung Zuckers durch Teil 3.

Spätestens an der letzten Szene werden sich die Geister endgültig scheiden, muss man zum Verstehen der Szene doch zur Ausnahme einmal tatsächlich das Original gesehen haben, in diesem Falle den Liveauftritt von Tom Cruise in einer populären Talkshow, und selbst dann bleibt die hauptsächlich improvisierte Szene aufgrund grenzdebilem Humors reine Geschmackssache. Brilliant, wie es Regisseur Zucker formulierte, ist die Performance des Cruise-Parodisten, der mit dieser Rolle die zweite Hauptrolle des Streifens spielte, keineswegs zu nennen, dafür fehlt der Nummer die Tiefe. Aber so sehr sich der werte Herr auch zum Affen macht, immer wieder gelingen ihm kurze Momente, welche das Herumgealber zu jener Groteske macht, welche die Szene im Gesamten hätte werden müssen um als gelungen betrachtet werden zu können.

Ich konnte mich damals erst beim zweiten Sichten mit „Scary Movie 4“ anfreunden, war ich nach erster Sichtung doch wie erschlagen von der Plumpheit des Dargebotenen. Gibt man dem etwas zu bemühtem Herumgealber jedoch eine faire Chance, sich wissentlich gerade unter Niveau unterhaltend, wissen die positiven Momente das Gesamtwerk doch noch zu stemmen. Sicherlich nicht mit so kräftigen Armen gehalten wie es ein Schwarzenegger oder Hercules könnte, aber als Wackelkandidat sich gerade noch im Bereich des angenehmen Durchschnitts haltend. Allein die stark ans Original angelehnten Örtlichkeiten verdienen einen Sympathie-Bonus.  OFDb

06.04.2013

MEGA MONSTER MOVIE (2009)

Eigentlich soll der egomanische Loser Stan nur ein paar Videos bei einem Verwandten seines Chefs abliefern, aber der Trip zur Erfüllung dieser Aufgabe wird zur reinen Horror-Tour, da er gemeinsam mit seinen Freunden immer wieder von diversen Monstern und Erscheinungen terrorisiert wird. Diese wissen, dass Stan Helsing ein Nachfahre des berühmten Monsterjägers Van Helsing ist. Stan weiß dies jedoch nicht...
 
Horror(fan)-Verarsche...
 
Die berühmtesten Vertreter des modernen aber doch mittlerweile klassischen Horrorbereichs leben alle von einer gewissen Mystik. Das fremde Reich eines Pinhead, bei dessen Strafen Schmerz und Lust bizarr verschmelzen, die dunkle Aura eines Michael Myers, der irgendeinem stillen Signal folgt und von dem keiner weiß warum er ist was er ist, der in Traumwelten so mächtige Freddy Krueger, der seine Opfer spielerisch ängstigt, bevor er sie dort tötet, wo sie am hilflosesten sind, und der eher stumpfe, dumme Jason, der durch seine gewaltige Erscheinung bereits bedrohlich wirkt und auf rätselhafte Art nicht totzukriegen ist. Lediglich Chucky mag in diese Aufzählung nicht wirklich hineingehören. Selbst zu Zeiten ernsterer Horrorbeiträge mit der Mörderpuppe konnte man nicht wirklich von einer vorhandenen Mystik sprechen.

Aber Chucky ist in „Mega Monster Movie“ ohnehin nur des Bekanntheitsgrades wegen mit dabei, und dass er etwas aus der Reihe tanzen mag inmitten dieser Aufzählung, und er dennoch Seite an Seite mit eben erwähnten Horrorfiguren kämpfen darf, hat einen bestimmten Grund: Die Macher dieses Filmes interessierten sich überhaupt nicht für die Mystik besagter Figuren. Ihnen geht es lediglich um deren Prominenz. Und das ist schon schade, werden sie zwar nie Zentrum des Films, so wie es einem das deutsche Cover weiß machen will, aber sie nehmen dennoch über das komplette Werk verteilt einen Schwerpunkt ein.

Den „parodierten" Figuren ergeht es damit ähnlich wie dem kompletten Genre, denn so wirklich verarscht wird das Genre Horrorfilm nicht. Hier will man nur einen stumpfen Gag an den nächsten reihen und interessiert sich dabei gar nicht für den Aufbau, die Regeln und alles andere eines Horrorfilms. Zu Pinhead fiel den Verantwortlichen lediglich ein, ihm Dartpfeile anstatt Nadeln in den Kopf zu pieksen (was trauriger Weise noch zu den lustigsten Ideen des Streifens zählt). Ein Michael Myers darf ähnlich dem Ghostface in „Scary Movie" seine Maskenmimik verändern, und für ähnliche Banalitäten wird auch die restliche Prominenz aus dem unheimlichen cineastischen Bereich geplündert.

Der deutsche Titel verrät schon, warum man sich diesbezüglich nicht mehr Mühe gab, er wird als einer dieser berühmten Movie-Movies verkauft. Da gab es mal die wirksameren Teile 1 und 3 der „Scary Movie“-Reihe, die halbwegs amüsanten Teile 2 und 4, sowie „Fantastic Movie“ und „Superhero Movie“, aber auch die unerträglichen „Date Movie“ und „Disaster Movie“. Selbst die besseren Beiträge dieser Art Film funktionierten nur auf ganz plumpen und anspruchslosem Niveau. Dementsprechend kann man sich vorstellen wie extrem sich schon ein solches Werk mit nur mittelmäßiger Wirkung guckte. Doch „Mega Monster Movie“, obwohl zu den schlechten Beiträgen gehörend, guckt sich wesentlich erträglicher als der restliche Bodensatz.

Der Grund dafür liegt jedoch nicht darin, dass „Mega Monster Movie“ nur im deutschen Titel ein Film dieser Fast-Reihe ist. Denn Mitverantwortliche dieses Werkes hatten auch ihre Finger in dem ein oder anderen oben genannten Film mit drin. Der Unterschied liegt darin, dass man sich diesmal an so etwas wie einem roten Faden versuchte und nicht Gag an Gag an Gag reihte. Ersteres funktioniert nicht wirklich, da die Geschichte immer noch der Sprung von einer Art Sketch zum nächsten ist, letzteres ist jedoch ein Segen für einen schlechten Film wie diesen, guckt er sich doch wesentlich erträglicher. Endlich kann man sich zwischen den grenzdebilen Witzchen ausruhen, gegen welche jene der „Police Academy“-Reihe hochgradig anspruchsvoll und einfallsreich wirken.

Zwar haben wir für ein Werk dieser Art recht anständige Mimen am Start und eine Inszenierung, welche Zoten und Ideenarmut einige Zeit verzeihen lässt, aber „Mega Monster Movie“ möchte auch mit diesen Pluspunkten einfach nicht dauerhaft wirken. Wenn erst einmal klar wird, dass sich die Geschichte nirgendwo hinbewegt (dem letzten Gehirnamputierten allerspätestens auffallend in der Art der Vernichtung der Kreaturen), wird auch die zunächst angenehme Routine zu banal, fällt einem doch immer mehr auf, dass die kreativen Geister hinter diesem Werk keinerlei Ahnung hatten, was sie mit der angewendeten Thematik anzufangen wüssten.

Und wenn man dann noch beobachten darf welch verkrampfte Witzchen eingefangen werden, ohne zwischenzeitlich mal einen wirklich wirksamen zu präsentieren, dann fragt man sich schon zurecht warum ein solches Werk im Gegensatz zu so vielen gescheiterten Filmprojekten, die Ziellinie durchschreiten durfte und schlussendlich fertiggestellt und bis ins Ausland vertrieben wurde.

Der im Original-Titel wesentlich sinnigere „Stan Helsing“ ist schon keine Magerkost mehr, er ist eine Art Verzweiflungstat der Verantwortlichen. Was sind sie bemüht ihr Werk trotz fehlenden Humors auf witzig zu trimmen, was strampeln sie sich dafür einen ab. Aber aus einer ausgetrockneten Orange lässt sich nun mal kein Glas Saft gewinnen. Und wenn man dann noch, wie im Falle von „Mega Monster Movie“ zu einer Zitrone greift um etwas Süßliches gewinnen zu wollen, dann kann man nur endgültig scheitern.

Wie kann man nur ausgerechnet so eine Gurke wie „Van Helsing“ parodieren wollen, ein Film der 5 Jahre zuvor gedreht wurde, sich ebenfalls auf berühmte Horrorfiguren stürzte ohne deren Mystik verstanden zu haben, weswegen man sich zur Rettung des Ergebnisses eher an den Fantasy- als an den Horrorbereich klammerte und nebenbei sein Werk in Computereffekten ertränkte. Der Witz: „Van Helsing“ wurde ein kleiner Erfolg, wer will es da den Verantwortlichen von „Stan Helsing“ verübeln, es mal auf ähnlichem Niveau im Komödienbereich versucht zu haben? Vielleicht findet er zumindest beim anspruchslosen Zielpublikum des Originals ein wenig Anerkennung. Ob ich ihm das wirklich wünsche weiß ich jedoch nicht.  OFDb

20.03.2013

PROM NIGHT - DIE NACHT DES SCHLÄCHTERS (1980)

Bei einem Kinderspiel kommt es zu einem Todesfall. Die Kinder schweigen. Jahre später sind aus den Tätern Teenager geworden. Der Abschluss-Ball steht bevor. Doch ein Mörder trübt die Stimmung. Ist es ein ehemalig unschuldig Verurteilter? Oder gab es damals einen Zeugen?...
 
Der Möchtegern-Klassiker...
 
Bei "Prom Night" ist es kaum noch nachvollziehbar, warum er seinerzeit so erfolgreich war. Routinierter kann dieses Billigprodukt kaum sein. Künstlerisch wertvolle Kniffe findet man gar nicht, und selbst die Stars Leslie Nielsen (der für eine im Vorspann erste Nennung kaum auftaucht) und Jamie Lee Curtis agieren maximal auf Durchschnittsniveau.

Für einen Film mit einem solchen Bekanntheitsgrad in der Horrorszene fällt vor allen Dingen die sehr unprofessionelle Umsetzung auf. In der ersten Filmhälfte habe ich 6 mal das Mikrofon im Bild gesehen. Und wenn der Killer 30 Minuten vor Schluss doch endlich einmal zu morden beginnt, bewegt er sich allen ernstes so flott, trottelig und selbst verletzbar, wie man es danach erst wieder in der parodistisch angehauchten „Scream“-Reihe erleben durfte. "Prom Night" ist hingegen bierernst umgesetzt, was abseits des von mir kritisierten Punktes positiv auffällt. Dem Film umweht eine trockene 70er Jahre-Atmosphäre (für ein 80er Jahre Feeling war es 1980 noch zu früh). Nach der recht netten Eingangssequenz ist es gerade dieser trockenen Atmosphäre zu verdanken, dass die darauf folgenden ereignislosen 50 Minuten guckbar bleiben, trotz Nichtigkeiten in der Story streckenweise sogar recht interessant.

Das klappt allerdings nicht die kompletten 50 Minuten, denn kurz bevor der Film im letzten Drittel endlich etwas Schwung bekommt, wird noch endlos zu schlechter Disco-Musik im arroganten und überheblichen damaligen Stil getanzt. Das ging nach einiger Zeit ziemlich auf den Wecker.

In der letzten halben Stunde legt der Killer endlich los, der dank seiner jugendhaften Bewegungsmöglichkeit trotz Maske längst vom aufmerksamen Zuschauer enttarnen wird. Nun erleben wir ein paar spannende, wenn auch routinierte, Verfolgungsjagden. Wenn die Opfer sich verstecken oder fliehen sind das die Höhepunkte des ansonsten so mageren Streifens. Solche Momente sind nur leider von kurzer Dauer. Mal mehr mal weniger hart werden die Opfer ins Jenseits befördert von einem Mörder, der im Gegensatz zu seiner Konkurrenz aus selbiger Kinozeit eine wirkungslose Gesichtsbekleidung beschert bekam.

Das Finale kommt dann relativ unspektakulär daher, was durch die Vorhersehbarkeit der Mörderaufdeckung noch lahmer als ohnehin ausfällt. Toll war das nicht. Seinem Bekanntheitsgrad wird das Werk nicht gerecht, und nach Sichtung bin ich sehr zuversichtlich, dass die Neuverfilmung besser sein dürfte als dieser uninspirierte Murks.  OFDb

30.11.2012

ALARM IM WELTALL (1956)

Eine Weltraum-Crew macht einen Kontrollflug zu einem Planeten, der vor einigen Jahren von einer Gruppe Menschen besiedelt wurde. Sie treffen lediglich auf einen Wissenschaftler und seine Tochter, den einzig überlebenden Siedlern. Der Forscher zeigt der Mannschaft deutlich, dass Besuch nicht erwünscht ist. Er möchte bei seiner Arbeit nicht gestört werden, die sich mit den Ureinwohnern des Planeten und ihrem Untergang befasst...

Die nackte Rakete...
 
Während Europa und Asien Spukhorror geprägt sind, zog es den Amerikaner seit je her eher zum Bereich des Monsterfilms. Gerade in den 50er Jahren war das US-Kino auf einem ersten Hoch dieses Subgenres des Horrorfilms. Um so erstaunlicher, dass die Verantwortlichen von „Alarm im Weltall“ es wagten, sich an ein Science Fiction-Projekt zu wagen, in welchem zwar ein Monster enthalten ist, jedoch ein unsichtbares. Dieses unsichtbare Monster wird zwar zum Mittelpunkt der Geschehnisse, kommt jedoch arg selten vor. Das Abenteuer Forschung steht im Mittelpunkt, nicht ganz so enorm wie im großartigen „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“, aber doch sehr zentriert. Für Abwechslung sorgt ein charmanter Roboter, der in „The Invisible Boy“ eine Art Fortsetzung beschert bekam. Neben einer kleinen, aber nicht zu dominanten, Liebesgeschichte, gibt es das Treiben der Weltraum-Crew zu sichten, das ähnlich der späteren „Raumschiff Enterprise“-Mannschaft um Captain Kirk für leichte Belustigung sorgt, ebenso wie der eben erwähnte Roboter. Aus heutiger Sicht sorgt Leslie Nielsen als taffer, gutaussehender Weltraumheld in einer gar nicht witzig gemeinten Rolle für leichte Belustigung. Dies und die oben genannten Zutaten sorgen jedoch nie dafür, dass „Alarm im Weltall“ zum unfreiwillig komischen Trash verkommt. Dafür ist die Geschichte viel zu geheimnisvoll, clever und gewagt. Es beflügelt die Phantasie die philosophisch geprägten Hintergründe einer untergegangenen Zivilisation zu lauschen. Und somit ist „Alarm im Weltall“ für ein Produkt seiner Zeit anspruchsvolle Unterhaltung, wie sie auch in späteren Jahren in diesem Genre aus diesem Land nur gelegentlich zu sichten war.  OFDb