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02.06.2016

DOLLS (1987)

Wer sich wundern mag warum ein von Charles Band produzierter Film mit so viel Sorgfalt umgesetzt ist, gerade was die Puppenanimationen und die Spezialeffekte betrifft: der Billigfilmer war im Falle von „Dolls“ nicht allein verantwortlich für die Produktionsbedingungen. Ihm stand Brian Yuzna zur Seite, der mit dem hier Regie führenden Stuart Gordon bereits „Re-Animator“ und „From Beyond - Aliens des Grauens" gezaubert hatte, zwei Filme wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, die aber beide ihren Reiz besaßen. Mit „Dolls - Killerpuppen spielen nachts absolut tödlich“ (Alternativtitel) setzten sie ihre Arbeit fort, und erneut ist ihnen ein Genre-Beitrag geglückt, der sich mit den Vorgängern nicht vergleichen lässt.

Nach dem schwarzhumorigen Zombiefilm und dem hart und ernst umgesetzten Monsterfilm mit Sadomaso-Touch haben sie mit „Dolls“ einen märchenhaften Horrorfilm umgesetzt, der sich an die Träumer und Nostalgiker wendet. Das bedeutet keinesfalls dass das hier besprochene Werk nicht ebenfalls düster ausgefallen wäre, es ist morbide und brutal, aber in seiner Aussage eben an die Fantasie und Träumerei appelierend und ähnlich wie Hoopers „Poltergeist“ stets zwischen funktionierendem Horror und Märchen für Erwachsene hin und her pendelnd.

Die reichhaltige Puppenausstattung, das unheimlich wirkende Haus und eine kleine Gruppe überraschend gut agierender Schauspieler machen in Kombination mit der düster-verträumten Grundstimmung das tolle Ergebnis von „Dolls“ aus, der völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist. Mit dem berühmtesten Vertreter zum Thema Puppen-Horror, „Chucky - Die Mörderpuppe“, kann er es locker aufnehmen, beide Werke stehen sich in nichts nach. Und Charles Bands aus eigenem Haus kreierte Konkurrenz „Puppet Master“ und „Demonic Toys“, beides Filme die immer wieder unter seiner Aufsicht fortgesetzt werden, lässt er locker hinter sich.

„Dolls“ ist ein Liebhaberstück aus den verspielten 80er Jahren, in seinem Herzen stets Popkornkino, und doch düster genug umgesetzt um Horror-Fans das Herz höher schlagen zu lassen. Von verspielten Ideen wie der Tagtraumsequenz Judys, in welcher ihr Teddy zur mörderischen Riesenbestie mutiert, bis hin zu solch beeindruckenden Szenen wie die Verwandlung einer jungen Frau in eine Puppe und dem Todestribunal einer Gruppe Soldatenpuppen bietet Stuart Gordon, der einige Zeit später mit „Castle Freak“ schon wieder einen sehenswerten Genre-Beitrag schuf der mit den Vorgängern stilistisch nichts gemein hat, jede Menge Abwechslung in einem dicht erzählten Film, der dank interessanter Charaktere und seiner charmanten Geschichte das Publikum an sich zu binden weiß. Und gerade dann wenn man denkt der Film würde ewig harmlos verspielt auf zugegebener Maßen angenehme Art vor sich hinplätschern, geht der Streifen unerwartet hart zur Sache und präsentiert uns eine Flut wirkungsreich umgesetzter, handgemachter Spezialeffekte, die man gerade in einer Charles Band-Produktion nie erwarten würde - auch nicht in den 80er Jahren.  OFDb

28.05.2016

SPACE TRUCKERS (1996)

Filmfreunde die alternativ zum Mainstream-Programm nichts konsumieren und für die Spezialeffekte nah an der Perfektion umgesetzt sein müssen, ist der ungewöhnlich erzählte „Space Truckers“ so gar keine Überlegung wert. Solche Menschen werden nicht glücklich mit dem von Stuart Gordon inszenierten Stoff, welcher auf den ersten Blick erkennbar kostengünstig ausgefallen ist und sich wie ein kunterbuntes Comicbuch schaut bei all seinen schrägen, bizarren und provokativen Elementen, die jedoch nie für eine harte, erwachsene Verfilmung genutzt werden, sondern für eine vor Charme sprühende verschmitzte Variante des Erwachsenenfilms.

Wer die Filme der „Lexx“ und ihre nachfolgende Serie kennt, der kann in etwa erahnen was einem bei „Space Truckers“ erwartet, der sich gekonnt mit unsinnigen Ideen, absichtlich schlechten Spezialeffekten und Übertreibungen der Lächerlichkeit preisgibt. Dabei ist er jedoch nicht vergleichbar mit Produktionen der Firma The Asylum, die so lange experimentell freiwilligen Schrott produzieren bis zufällig auch mal ein brauchbares Produkt bei herum kommt. Gordons Werk geht seine billige Ader gezielt an, weiß genau was er parodieren oder anderweitig erreichen will und trifft damit meist ins Schwarze.

Ungewöhnlich ist es schon gerade Stuart Gordon in einem solchen Werk auf dem Regiestuhl sitzen zu lassen. Zu Hause ist er im Horror-Genre, und auch wenn er solch unterschiedliche Werke wie den märchenhaften „Dolls“, den schwarzhumorigen „Re-Animator“, den harten Erwachsenenfilm „From Beyond“ und den dramatischen „Castle Freak“ fertigestellt hat, inmitten eines verspielt fröhlichen Science Fiction-Popkornfilms kann man ihn sich nur schwer vorstellen, so dass man um so überraschter sein darf wie kurzweilig der Streifen ausgefallen ist.

Es ist schade, dass ihm gegen Ende ein wenig die Luft ausgeht, schreitet „Star Truckers“ (Alternativtitel) ansonsten doch ohne große Umschweife flott voran. Aber selbst das etwas zurückgeschraubte Tempo im letzten Drittel, welches „Space Truckers“ den Weg zur wahren Genre-Empfehlung verwehrt, ist immer noch gut genug umgesetzt als dass man über ein nur halbgeglückten Werk klagen könnte, immerhin geht es gerade in der letzten halben Stunde konzentriert um die cool designten Killerroboter, und so etwas weiß dem Kind im Manne grundsätzlich zu gefallen.

Gordon zeigt uns die Arbeiterwelt der Zukunft, die nicht viel anders aussieht als die heutige auf Erden. Und genau mit dem Parallelblick aufs Heute wissen so viele versteckte Anspielungen zu gefallen. Am besten gefällt mir diesbezüglich der Running Gag, dass sich die Crew-Mitglieder beim Starten stets mit einer Art Achterbahnbügel anschnallen müssen, hoch futuristisch oder gewitzt elektronisch fällt die Zukunft somit nicht aus, erst recht nicht für die Unterschicht, die sich moderneren Schnickschnack nicht leisten kann.

Die nur selten zu sehende Oberschicht hingegen behängt sich mit albernen und blinkenden Schnickschnack, was erneut ein Tiefschlag heutiger Beobachtungen ist. Dieses hemmungslose Herumalbern findet jedoch glücklicher Weise immer nur in Rahmengimmicks statt, während die Hauptgeschichte routiniert humoristisch umgesetzt ist, als Komödie also zu funktionieren weiß, ohne das Niveau gleich auf unterirdischen Klamauk zu reduzieren.

Dank der Kenntnisse der Comic- und Science Fiction-Materie werden Klischees von Bösewichtern, Zukunftserrungenschaften und einem Zweiklassensystem charmant und treffsicher eingefangen. Und der Mut zu bizarren Ideen rundet das Rezept gekonnt ab und dürfte seinen Höhepunkt diesbezüglich wohl in der Figur des Piratenanführers erhalten, gerade in jener Sequenz in welcher er Sex mit Johns Wegbegleiterin haben möchte. Spätestens hier sollte der „Lexx“-Kenner endgültig Parallelen zur Serie erkennen, die Verwandschaft zwischen beiden Produkten ist enorm.

Dies dürfte auch der Grund dafür sein warum sich so viele Menschen mit „Space Truckers“ schwer tun, sind doch beide Werke nicht sehr beliebt beim Massenpublikum. Da dies aber nicht an einer schlechten Umsetzung liegt sondern daran dass manche Menschen sich in völlig andere Ansätze nicht hineinfühlen können, spricht diese Abneigung gegen das Publikum anstatt gegen den Film. Der mit Dennis Hopper so gelungen in der Hauptrolle besetzte Film mag nicht alles richtig machen, für den großen Wurf fehlt ihm die wahre Größe, aber ein sympathischer Abstecher in eine unsinnige Zukunft einer unsinnigen Gesellschaft von heute ist er in seiner gewagten und verspielten Art definitiv.  OFDb

02.04.2014

CASTLE FREAK (1995)

„Castle Freak“ ist für die Mitte der 90er Jahre nicht gerade das typische Produkt aus der Full Moon-Schmiede von Charles Band. Normalerweise auf einer Idee Bands beruhend, nicht weit über 70 Minuten laufend und Effekte meist in Puppen und Kostüme steckend, wird billig in Ost-Europa gedreht und der Film mit viel Dialog versehen, der über Leerlauf in der Handlung hinwegtäuschen soll. Gerne wird die Laufzeit mit dem Vor- und dem Abspann gestreckt und Szenen vergangener Filme noch einmal verwendet. Diese kostengünstige Art einen Film fertigzustellen hat sogar hin und wieder kleine, sympathische Ergebnisse hervorgebracht, ein so gelungenes Werk wie „Castle Freak“ wäre damit jedoch nicht entstanden.

Band arbeitete bereits bei „Dolls“ mit Stuart Gordon zusammen. Damals dachte ich noch es wäre der Einfluss von Mit-Produzent Brian Yuzna gewesen, der den Puppen-Horror so viel interessanter wirken lässt als übliche Band-Produktionen. An „Castle Freak“ ist Yuzna jedoch nicht beteiligt gewesen, er kann auf dessen Klasse also keinen Einfluss gehabt haben. Stattdessen war Charles Papa Albert Band als weiterer Produzent mit an Bord, der mit Werken wie „Zoltan - Draculas Bluthund“ aber nicht wirklich viel besseres ablieferte als sein Sohnemann. Wahrscheinlich hatte Gordon durch seine Erfolge mit „Re-Animator“ und „From Beyond“ einfach etwas mehr Atemluft gewährt bekommen als andere von Band beauftragte Regisseure. Viel Geld stand ihm zwar nicht zur Verfügung, aber er hat etwas daraus gemacht.

So wurde vor Ort in Italien gedreht, die Laufzeit bekam klassische Spielfilmlänge beschert, Spezialeffekte wurden professionell angegangen, und das Drehbuch war auch weit über Full Moon-Durchschnitt, lebt es doch nicht nur von einer tollen Dramatik und dem Verständnis für seine Charaktere, es lässt sich auch Zeit für seine Geschichte und hat dabei immer etwas zu erzählen. Den Soundtrack steuerte Charles Bruder Richard bei, der im Titellied zwar alles andere als einen positiven Eindruck hinterlässt, innerhalb des Streifens jedoch passend komponierte, so dass auch er einen Teil der gelungenen Atmosphäre beisteuerte.

Letztendlich liegt es aber am Händchen Stuart Gordons und seinem talentierten Darsteller Jeffrey Combs, dass „Castle Freak“ eine kleine Perle geworden ist. Während Combs die Dramatik seiner Figur in den verschiedenen Phasen glaubwürdig herüberzubringen weiß, überrascht Gordon mit einer Inszenierung, die an alte italienische Horrorfilme der 70er und 80er Jahre erinnert. Auch wenn aus der Schloss-Location nicht genügend Potential herausgeholt wurde, Gordons Film ist stimmig, arbeitet mit allerhand klassischen Gruselelementen und erzählt eine Geschichte in der es nur Opfer gibt.

Die Tochter ist blind (was in ihren besten Szenen an „Geisterstadt der Zombies“ erinnert), die Mutter trauert um den verlorenen Sohn, der Vater leidet an Selbstvorwürfen, selbst eine am Rand auftauchende Prostituierte und ein Polizist baden in ihrer persönlichen Tragik, und der Film ist sensibel genug auch die Tragik des misshandelten, weggesperrten Sohnes in facettenreicher Ausschweifung auszuleuchten, so dass auch, wie für den klassischen Gruselfilm typisch, das Monster lediglich ein Opfer ist.

Geblutet wird in „Castle Freak“ nicht viel, aber wenn dann sind die Szenen nicht ohne. Toll ist, dass sie für die Geschichte nützlich eingebracht werden, da auch die Gore-Momente etwas zu erzählen wissen, uns Informationen liefern. Zur Story passend sind sie nicht nur schockierend und provozierend, auch sie baden in Tragik. Die Art wie das Monster seine Taten begeht, die Gründe für diese Taten, das Leid der Opfer, dies wird alles so empathisch eingefangen, dass man von dem Film, dem es eigentlich an einem brauchbaren Spannungsbogen fehlt (allein weil man von Anfang an in alles eingeweiht wird), geradezu gefesselt wird.

„Castle Freak“ ist für seine wackelige Geschichte recht glaubwürdig erzählt, zumindest was die Psychologie der Figuren betrifft und die verschiedenen Einflüsse der verschiedenen Leute auf das weitere Geschehen. Somit muss nur selten mit Ausreden gearbeitet werden wenn es darum geht warum man sich trennt. Sogar die Flucht aus einer Polizeigewahrsam wird plausibel begründet und geschildert. In solchen Momenten ist der Film sehr realistisch, während er an anderer Stelle, meist den Pflichten des Genres geschult, an den Haaren herbeigezogen wirkt.

Am effektivsten ist neben den Taten und der Tragik der Kreatur, die anbei bemerkt optisch prima zu wirken weiß, wohl die Tragik des Helden herausgearbeitet, eine Tragik aus dem Blickwinkel eines Mannes, wie nur er sich als Opfer sehen kann, missverstanden vom Empfinden einer Frau, die in anderen Maßstäben nach anderer Moral und anderen Prinzipien denkt.

Außerhalb von Filmen, die sich dies zum Schwerpunkt machen, so wie in „Up In The Air“ oder in der letzten Folge der fünften Staffel „Dexter“ geschehen, gibt es das so intensiv und korrekt herausgearbeitet nur selten zu sehen. Wahrscheinlich weil Männer nur ungern den Spiegel vorgehalten bekommen, ohnehin den Ruf besitzen nur selten dramatische Filme sehen zu wollen und Frauen diese Art Dramatik als lächerlich oder verlogen empfinden würden. Was auch immer es ist: schön dass „Castle Freak“, für ein Genre das damit nichts am Hut haben muss, in diesem Punkt ein Ausnahmefilm geworden ist.

In diesem und in einem anderen: für Ami-Verhältnisse wird hier nicht mit Nacktheit und sexuellen Aspekten gespart. Oralsex, eine Goreszene oben ohne, und der verstümmelte Pillemann der Kreatur als ein weiteres tragisches Element des Misshandelten, Gordon spart nicht an extremen Bildern, zumindest gesehen auf seine Entstehungszeit und in Anbetracht der Produktionsbedingungen. Da sich „Castle Freak“ wie erwähnt in seinem Stil sehr italienisch guckt, ist dies auch die richtige Entscheidung.

„Castle Freak“ ist ein Horror-Drama mit Wirkung, die Herkunft der Schundfilm-Ecke nicht komplett leugnen könnend, aber innerhalb seiner Nische gehobenere Unterhaltung als üblich bietend und nicht nur den Hirnlos-“WobleibtdennnurdasBlut“-Horror-Freak bedienend. Selten hat eine Kleinproduktion mich so überrascht wie dieses relativ unbekannte Produkt. Zumal ich in jüngeren Jahren, als ich nur auf reißerische Horrorfilme stand, mit dem hier vorliegenden Film so gar nichts anfangen konnte und ihn unglaublich langweilig fand. Da schämt man sich für sein altes, ignorantes Ich.  OFDb