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23.08.2025

Aliens, Geister, Psychopathen, Killerhaie und dämonisches Spielzeug - Kurzkommentare (10)

 

Demonic Toys - Jack-Attack (2023)

Jetzt sind sie scheinbar einzeln dran, die Demonic Toys aus der Charles Band-Schmiede, von denen man im Gegensatz zur hauseigenen "Puppet Master"-Konkurrenz viel zu selten etwas hört. Im Gegensatz zum zweiten Teil dieser Reihe erschien dieser Einstünder dank Wicked Vision in Deutschland, selbst finanziert synchronisiert, und da kann man die Firma nur loben, ist die Deutschvertonung doch so liebevoll und professionell ausgefallen wie die Veröffentlichungen des Labels an sich. Etwas mehr Liebe hätte man sich auch von William Butler gewünscht, der das Ding fast im Alleingang fertiggestellt hat. Zwar hochauflösend aufgenommen und überraschend überzeugend besetzt, besteht die Geschichte fast nur aus Hinhalten, um uns am Ende eine Pointe zu servieren, die in "Texas Chainsaw 3D" glaubwürdiger Verwendung fand. Der neue Zusatzclown tut dem oftmals zu penetrant wirkenden Jack hingegen gut. Stammzuschauer können einen Blick riskieren.  OFDb  

 

Science Fiction - Sind Eltern Aliens? (2002)

Auf ähnlichen Pfanden wandernd wie "Alien Teacher" ist "Science Fiction" (Originaltitel) ein Kinderfilm zu einem Thema aus dem phantastischen Kinobereich, der auch für Erwachsene erstaunlich gut zu konsumieren geeignet ist. Die Geschichte bietet ein interessantes Rätsel (sofern man nicht zufällig im Innencover die Kapitelüberschriften liest, die bereits alles im Vorfeld verraten), eine ordentliche Ohrfeige an bestimmte Eltern-Typen und einen relativ natürlichen Umgang mit der Kinderwelt. Die Jungdarsteller wirken echt, besitzen Charaktere anstatt nur im Klischee zu baden, und entsprechend anfreunden kann man sich mit ihnen, um erfahren zu wollen, wohin alles steuert. Ein unverkrampftes Drehbuch sorgt für den Rest.  OFDb  

 

Shakka - Bestie aus der Tiefe (1990)

In seiner kompletten Erscheinung hätte ich "Deep Blood" (Originaltitel) als typischen Nachahmer von Spielbergs "Der weiße Hai" Ende der 70er Jahre oder Anfang der 80er vermutet. Für sein Jahrzehnt wirkt er besonders altbacken, aber eben auch derart routiniert, dass man als Kenner solcher Werke nichts anderes erwartet und somit nicht so negativ vom Ergebnis überrascht wird wie der Laie, der sich zufällig in solch einen Film verlaufen hat. Ein echter Hai ist immer uninteressanter als ein getrickster, eine innovative Handlung bekommt man höchstens im an "Es" erinnernden übernatürlichen Teil serviert, die "Gefahr aus der Tiefe" (Alternativtitel) dabei hilft zumindest den Beginn halbwegs interessant zu gestalten. Die Co-Produktion aus den USA und Italien guckt sich typisch Billigfilm-italienisch und ist nur für das Stammpublikum dieser Niesche konsumierbar.  OFDb  

 

Mein Freund Dahmer (2017)

Einiges ist an der Vorgeschichte des berüchtigten nekrophilen und kannibalistischen Massenmörders Dahmer kaum zu glauben. Aber was man hier gezeigt bekommt, hat sich tatsächlich so zugetragen, niedergeschrieben per Comicbuch von einem ehemaligen Schulkammeraden des homosexuellen Irren. "My Friend Dahmer" (Originaltitel) schließt kurz vor dem ersten Mord, wir wohnen lediglich der Kontaktaufnahme des Opfers bei, dann entlässt uns ein Schriftzug kommender Ereignisse aus dem Film. Ein entsprechend zurückhaltendes Jugend-Drama erwartet den Zuschauer zuvor, der selbst bei belustigenden Szenen bitter schluckt mit dem Wissen um die Zukunft des Sonderlings. Wer glaubt Ross Lynch spiele unnatürlich, dem sei gesagt, dass Dahmer sich zur Schulzeit tatsächlich so verkrampft bewegt haben soll, was die Rolle des jungen Mimen um so undankbarer macht. Frei jedweder reißerischen Ader fehlt es dem nüchternen Werk manchmal an tatsächlich erzählenswerten Besonderheiten, aber um dieses scheinbar Normale geht es eigentlich, das ist so gewollt, womit der Film im Gesamten im Unterhaltungsbereich zum zweischneidigen Schwert wird.  OFDb  

 

The Resort (2021)

"The Resort" liefert uns schöne Naturaufnahmen in glasklaren Bildern, toll getrickste Flugmomente mit einem Hubschrauber und generell eine brauchbare Kulisse. Die Figuren sind oberflächlich, aber zugänglich. Und solange sie umher stolzieren stimmt auch die Stimmung (wobei es belustigend ist sich vorzustellen, wie der Polizist sich all das anhören muss, was zuvor geschah, ist der Film doch per Rückblick im Verhör aufgebaut). Beginnt der Horror, vergeht auch die seicht positive Stimmung des sich bis dahin nach Standard anfühlenden Werkes. Mit Beginn der paranormalen Ereignisse rutscht das Ergebnis in den Keller, weil man glaubt ein umher huschendes Mädchen würde bereits ausreichen, um den Gruselgehalt der dafür bekannten Horrorfilme aus Japan zu erreichen. Selbst fürs Genre übertrieben dämliche Verhaltensweisen lassen auch die Sympathie für die Charaktere verschwinden, und so ist man froh, wenn dieser gerade einmal 76 Minuten lang laufende Streifen sein Ende gefunden hat. Bitte nicht verwechseln mit dem charmanten "The Rezort"!  OFDb  

22.08.2025

5 völlig unterschiedliche Filme - Kurzkommentare (9)

 

Witches in the Woods (2019)

Eine brauchbare Schneekulisse, ein Mythos ominöser Hexenprozesse als aufregendes Urlaubsziel, das Ganze ruhig abgefilmt ohne Found Footage anzuwenden, das klingt doch soweit nach einem brauchbaren Horrorfilm. Aber wer schon die Keifereien der Protagonisten in "The Blair Witch Project" nervig fand, der bekommt hier die Königsübung dieser unangenehmen Unart serviert. Egoistische Menschen streiten miteinander, wirken vorher nicht als glaubwürdige Clique samt Außenseiter, und die selbstgefällige Heldin, deren Ansichten und Handlungen am fragwürdigsten sind, bekommt mit ihrer Art vom Drehbuch auch noch Recht und Verständnis zugeschrieben, so dass eine Identifikation mit ihr unmöglich wird. Ein ewiges Hinhalten bis tatsächlich mal etwas passiert in Kontrast mit heftigsten Streitereien, selbst dann noch wenn es endlich soweit ist, lassen den kanadischen Horrorbeitrag spätestens zur zweiten Hälfte hin unerträglich schauen.  OFDb 

 

Slave Dolls (2023)

Ach, was gibt man im Booklet für tolle Hintergrundinformationen über Cyberkriminalität, Menschenhandel im Darknet u.ä., so als ob den Machern des dazugehörigen Films eine Aufklärung wichtig wäre und das Drama der Betroffenen empathisch nachvollziehbar. Frei von Moral erzählt, das mag ein guter Ansatz sein, um ein derartiges Thema ernst zu nehmen, aber wie scheinbar schon verpflichtend für den Bereich des Undergroundfilms, geht es in "Slave Dolls" außerdem nur um ein dreckiges Flair, das Zeigen von Quälereien und dies alles in möglichst entfremdeter, fast unverdaulicher Optik. Zur Provokation noch viele detailreiche Bilder der Vagina einer misshandelten Frau in Großaufnahme gezeigt, und fertig ist für Minderbemittelte das Gefühl gerade Kunst zu schauen. Freilich ist das in seiner voyeuristischen, unreflektierten und rein der Provokation wegen abgelichteten Art stattdessen lediglich Schund. Schade um die wirklich schöne Mediabook-Aufmachung!  OFDb 

 

Vertraute Fremde (2010) 

Man stelle sich "Peggy Sue hat geheiratet" als Arthouse-Drama mit leichter Dosis Humor vor, dann hat man zur selben Idee einen völlig andersartigen, meiner Meinung nach noch besseren Film. In die Heimat nach etlichen Jahren zurückkehren, das was im Kopf vergangen ist nun in der Gegenwart zu erleben, allein dieser Einstieg wird nur wenigen Menschen keinen Zugang gewähren. Wenn dann noch im Bewusstsein des Erwachsenen entscheidend tragische Tage der Kindheit wiederholt werden, ist der Film in seiner unaufgeregten Art unbezahlbar. Sich seines Alters bewusst um keine Teenie-Romanze mit einer 15jährigen bemüht, die man einst aus der Ferne bewunderte, sein Wissen der Zukunft nicht ausnutzend: der Protagonist bleibt persönlich, geht keiner fixen Kino-Idee nach, erlebt die Dinge im Kleinen, die einem als Kind nicht bewusst waren oder durch die vielen Jahre vergessen und verdrängt wurden. Und so gnadenlos und verletzend die Methode der finalen Entscheidung des Vaters auch sein mag, am Ende geht es um das Verstehen fremder Entscheidungen und Empfindungen, und darum dass jeder Erwachsene seinen eigenen Weg geht. Der Weg zu diesem Bewusstsein ist äußerst berührend und empathischer, wie sachlicher Natur. Ein großartiges, sich authentisch anfühlendes Werk!  OFDb 

 

Timer (2009)

Man versucht gar nicht erst einen sachlichen Bezug herzustellen, wie das Messen des Idealpartners funktionieren soll. Zwar bleibt die im Mittelpunkt der Geschichte stehende Erfindung damit unglaubwürdig, für einen naiven Romantikfilm ist es aber wahrscheinlich besser, dass man darauf verzichtete, um sich voll und ganz jenem seichten Stoff hinzugeben, nach dem das Stammpublikum derartiger Thematik lechzt. Und da gab es schon plumpere und banalere Ergebnisse. "Timer" guckt sich eigentlich recht nett mit den beiden unterschiedlichen Frauenrollen und ihren tatsächlichen Gefühlswirrungen, zumal er gegen Ende erwachsenere Wege als erwartet geht. Dass das Tabuthema um einen jüngeren Freund einer Frau nie aufgesetzt oder moralisch als übertrieben korrekt eingebaut wird, sondern stattdessen als Selbstverständlichkeit, tut dem trivialen Werk zusätzlich gut.  OFDb  

 

Ausnahmezustand (1998)

Die muslemische Gemeinschaft interessiert in den USA und ihren Filmen kaum wen, da leistete "Ausnahmezustand" bereits drei Jahre vor dem Anschlag auf das World Trade Center fast schon Pioniersarbeit. Umso schöner ist es, dass der Respekt dieser unbeachteten Bevölkerung in Form von Popkornkino stattfindet, anstatt in einem schwermütig verkopften Drama. Der Titel bezieht sich lediglich auf die letzte halbe Stunde der Handlung. Eigentlich geht es jedoch um Terrorbekämpfung, den Wandel von Terror, und was es bedeuten würde, wenn die Angst das Handeln bestimmt und man schwer erkämpfte Freiheiten opfert um angebliche Freiheit zu erhalten. Wenige Jahre darauf zeigte die Wirklichkeit dass es dafür keines Militärs bedarf, sondern einer Regierung, die den Patriot Act durchwinkt. So oder so ist "The Siege" (Originaltitel) ein engagierter Action-Thriller, der im Gesamtergebnis allerdings doch "nur" unterhaltsam, anstatt bedeutend ausfällt.  Wiki  

21.08.2025

Querbeet im phantastischen Kino unterwegs - Kurzkommentare (8)

 

Das Geisterschloss (1999)

Wer einen der besten Horrorfilme neu verfilmt, der tut gut daran völlig andere Wege zu gehen. Doch auch wenn Suspense gegen einen Haufen Spezialeffekte ersetzt wurden, so konnten die bereits zur Entstehungszeit keinen Grusel atmosphärisch ersetzen. Mittlerweile sind sie zudem schlecht gealtert. Warum man das Ganze inhaltlich umgeschrieben hat, indem man aus Spukforschung eine Schein-Schlaftherapie machte, obwohl kaum wer der Anwesenden ein passender Patient dafür wäre, und warum aus dem Unerklärlichen eine moralinsaure Story um einen Kinderschänder wurde, weiß sicher nur der, der auf die Idee kam für einen Horrorfilm Owen Wilson zu besetzen. Komischer Weise funktioniert "The Haunting" (Originaltitel) lange Zeit auf plumpe Art dennoch. Erst in den ungefähr letzten 20 Minuten baute man nur noch Mist.  OFDb  

 

Creep Van (2012)

Aufgrund einer leichten humoristischen Anwesenheit, welche die Steifheit der Hauptfigur in diesem nur semi-professionell besetzten Film gekonnt aufbricht, dachte ich zunächst es mit einem sympathischen Vertreter der Gattung Billig-Horror zu tun zu haben. Nun, die Hauptfigur blieb überraschend zugänglich, der Rest jedoch nicht. Mal davon abgesehen, dass man es hier nicht mit einer Kopie von "Christine" zu tun bekommt, wie uns der Covertext der deutschen DVD einreden möchte, der menschliche Psychopath hinter allen Taten ist zu nervig und freakig ausgefallen, wirkt bereits am Telefon wie ein vulgärer Prolet, und das macht als Aggressor nix her, auch nicht im augenzwinkernden Sinne. Der Plot ist konfuser Natur, zwischenmenschliche Annäherungen wirken nicht glaubwürdig. Zwar ist man in "Creep Van" bemüht einen eigenen Stempel aufzudrücken, aber das Ergebnis weiß so gar nicht zu gefallen. Schade! Aber über ein böses Auto hätte ich mich ohnehin mehr gefreut.  OFDb  

 

Joker - Folie à deux (2024)

Ich war im Vorfeld so misstrauisch wie damals beim genialen ersten Teil. An den kommt die Fortsetzung trotz erneuter Glanzleistung der Hauptrolle und einer überraschend gut wirkenden Lady Gaga zwar nicht heran, aber meinen Respekt haben die Erschaffer eines mutigen Werkes inmitten des ansonsten eher auf Standard setzenden Superheldenbereiches, zumal wir es hier mit einem der beiden großen Studios diesbezüglich zu tun haben. Der Gesang, der überraschender Weise erst nach 20 Minuten einsetzt und so viele Zuschauer vergraulte, weiß nicht nur zu wirken, sondern setzt psychologische Botschaften, bzw. spiegelt den psychologischen Wandel des Schurken wider. Die Geschichte setzt sowohl anders an, als nach Teil 1 vermutet, und geht außerdem immer wieder andere Wege, als man ihr schlaumeierisch prophezeit. Gerade der Schluss wird manch einen verdutzt zurücklassen, passt aber gekonnt ins Batman-Universum, eben weil die beiden Filme sonst nur bedingt an die bekannte Marke erinnern. Insgesamt bleibt die Geschichte jedoch zu austauschbar und lebt letztendlich nur davon anders sein zu wollen.  Wiki   

 

Shin Ultraman (2022)

Im Original Ultraman, in der deutschen Version ein Shin davor gemogelt, könnte man meinen, dass nur die Deutschen auf den Erfolg von "Shin Godzilla" aufspringen wollten, aber es herrscht tatsächlich Verwandtschaft zwischen den Werken, z.B. bei der Musik und bewussten Benennungen des Vorbildes. Nun hatte es die Marke Ultraman hierzulande nie leicht, wenig ist erschienen, umso schöner war es einen Blick zu riskieren. Nicht ganz so schlimm auf Kinderfilm getrimmt, wie die Reihe rund um Gamera, aber eben mehr als in den meisten Fällen der japanischen Godzilla-Filme, funktioniert das Rezept ein wenig wackelig. Hinzu kommt, dass uns mit drei Geschichten nacheinander, getarnt als kompletter Plot, als Konzept eher die Kinoversion einer Serie vorgesetzt wird. Und da von dieser die erste Geschichte am besten funktioniert, ist der Höhepunkt des Streifens bereits nach dem ersten Drittel geliefert. Es folgt ein etwas magerer Mittelteil und ein ganz nettes letztes Drittel. Neueinsteiger ins Franchise bekommen glücklicher Weise alles erklärt.  OFDb  

 

House of the Creeping Death (1983)

Der von George A. Romero produzierte "House of the Creeping Death" ist lediglich ein Zusammenschnitt diverser Episoden aus der TV-Serie "Tales from the Darkside" und damit kein eigenständiger Film. Und sollten die Geschichten wirklich Pate für die Serie stehen, quasi als Vorzeigeepisoden, dann kann man diese wohl vergessen, bietet man uns doch nicht gerade gut funktionierende Kurzgeschichten an, zumal sie veraltet anmuten, anstatt nettes Retro-Flair zu versprühen. Die beste Geschichte findet sich am Schluss, aber selbst bei ihr muss man durch allerhand langgezogene Dialoge hindurch, bevor man sich an ihrer gelungenen Pointe ergötzen darf. Der Rest ist Standard von der Stange, u.a. von einer Mumie, Käfern und teuflischem Gebäck handelnd. Eine Konkurrenz für "Twilight Zone" oder Spielbergs "Unheimliche Geschichten" ist das nicht.  OFDb  

07.08.2025

Größenwahn, Rivalitäten, Geiz und Eitelkeit - Kurzkommentare (6)

 

Hitler - Aufstieg des Bösen (2003)

Man bekommt in diesem Zweiteiler aus je 90 Minuten zwar den Eindruck, dass die Privatperson Hitler etwas arg dämonisch interpretiert wird, gerade zu Anfang, wenn man eine Art Damien aus den "Das Omen"-Filmen vorgesetzt bekommt, das schleichende Erobern der Macht, die Intrigen, der Werdegang, das Zusteuern Deutschlands auf eine Katastrophe, die Redegewandtheit des Verführers, die kranke Weltsicht, all das wirkt derart bedrohlich, warnend (auch für heutige Probleme) und frustrierend, dass man dem chronologisch korrekt recherchierten Werk diese Schwäche verzeiht, zumal "Der Untergang" diesbezüglich Korrekturarbeit leistete und die hier aufgezeigten, oftmals selbstverschuldeten Schicksale während Hitlers Aufstieg, einen wahrlich nicht kalt lassen.  Wiki

 

Was geschah wirklich mit Baby Jane? (1962)

Die geniale Bette Davis überzeugt mit ihrem Mut zur Hässlichkeit ebenso wie durch ihr reflektiertes Spiel einer komplexen Rolle. Das Drehbuch geht schleichende, nicht immer subtile Wege, überrascht ab und an mit einem Hauch Komik inmitten einer ohnehin grotesken Darbietung der Ereignisse und hält sich die größte Überraschung in diesem nicht an Dramatik mangelnden Thriller für den Schluss auf, so dass alles einen anderen Blickwinkel erhält. "Was geschah wirklich mit Baby Jane?" ist große Kinokunst zum immer wieder neu Entdecken und gehört für Cineasten meiner Meinung nach zum Pflichtprogramm.  Wiki  

 

Vater der Braut (1991)

Die Erstverfilmung ist mir unbekannt, unabhängig von dieser funktioniert die Steve Martin-Version trotz frontal angesteuertem Kitsch jedoch erstaunlich gut, vielleicht weil dieser so süß das Vatersein widerspiegelt/persifliert, vielleicht weil er nicht zu penetrant aufbauschend unter die andere Rezeptur gemischt wurde, die Familienkomik und Albernheiten wunderbar vereint und Steve Martin innerhalb eines Mainstreamproduktes genügend Freiraum für seine Kunst lässt. Der heimliche Star ist jedoch Martin Short, so dass es nicht verwundern darf, dass dessen Rolle für die ebenfalls gelungene Fortsetzung vergrößert wurde. Ein herrlicher Gastauftritt von Eugene Levy rundet das Ganze als Revue talentierter US-Komiker wunderbar ab. Von Kieran Culkins Talent bemerkt man hier hingegen noch nichts.  Wiki  

 

Death Proof - Todsicher (2007)

Er ist dafür bekannt und ich mag sie eigentlich auch, die langen Dialogszenen in Tarantino-Filmen. Diesmal wirkt diese Pflichtzutat jedoch nicht immer, wird sie in der ersten Hälfte doch schlichtweg zu penetrant zum Zeitvertrödeln eingesetzt, wenn auch nicht frei von Charaktervermittlung und Pointenstärke. Die Actionmomente funktionieren hingegen umso mehr, zumal sie auf kranken Ideen fußen. Ob ins wahre Antlitz des Schurken und seiner perversen Neigung blickend, oder sich psychologisch simpel am Racheakt vergnügend, der überraschend ausgeflippt inszeniert wurde, hier besitzt "Death Proof" seine Stärke und beweist mit einer schnellen Beendigung des Films nach erfolgreichem Durchziehen von Punkt 2, dass er sich seines eher oberflächlichen Stoffes definitiv bewusst ist. Wie soll es auch anders sein, bei einer Liebeserklärung an die schnell abgedrehten Autokino-Reißer?  Wiki

 

FCK 2020 - Zweieinhalb Jahre mit Scooter (2022)

Man muss kein Scooter-Fan sein, um Gefallen an einer Doku zu finden, die sich im späteren Verlauf zwar etwas arg auf eine Konzert-Tour konzentriert, vorher aber authentisch ungeschönte Einblicke ins Privatleben des Frontmannes H.P. Baxxter wagt, den Werdegang der Band aufzeigt, sowie Einblicke in die Studioarbeit gewährt und außerdem zum Corona-Zeitzeugnis wird. Zwischen arrogant und lustig pendelt das Ganze hin und her, mal herrlich menschlich subjektiv reflektiert, mal eine Szene voll von Selbstüberschätzung und falscher Schwerpunkte präsentierend. Ob gewollt oder nicht, dieser Mix sorgt für die nötige Unterhaltung und bildet damit eine Brücke zur Musik der Band, die auf ähnliche Art funktioniert, sofern man sich ihr nähern kann.  Wiki  

04.08.2025

Ein böser Affe, Gefühle in Dorf, Stadt und Weltall - Kurzkommentare (5)

 

The Monkey (2025)

Die zweite Hälfte ist pointiert schwarzhumorig, mit herrlich skurrilen und toll getricksten Splattermomenten versehen. Leider kommt die erste Hälfte dank Drehbuchschwächen umso weniger überzeugend daher, am schlimmsten wohl in seiner Art, wie es die Hauptperson das Geheimnis des Affen entdecken lässt. Auch der Zugang zu den Figuren ist zunächst äußerst sperriger Natur. Zumindest könnte eine mögliche Fortsetzung überzeugen, so rund wie sich die letzte Hälfte dieser Verfilmung einer Stephen King-Kurzgeschichte guckt. Da gab es weit zäheres in der Vergangenheit.  Wiki

 

Doc Hollywood (1991)

Klar handelt es sich um eine direkte Manipulierung den Zuschauer von der Romantik und den sympathischen Tücken des Dorflebens zu überzeugen, aber wenn das Erzählen einer gar nicht so neuen Geschichte derart sympathisch ausfällt wie hier, angehäuft mit charmanten Charakteren, gespielt von gut aufgelegten Profis, dann herzlich Willkommen, lieber Doc Hollywood! Fox als unreifer Erwachsener wurde nicht ohne Grund seine persönliche Marke, die Romantik springt auf den Zuschauer über, die Pointierung funktioniert, lediglich das Titellied ist völlig fehl am Platz und spiegelt nicht die Stimmung des Streifens wieder. Dass sich Disneys "Cars"etliche Jahre später so dreist am Stoff bedient hat, ist zwar traurig, aber deren mageres Ergebnis spricht für sich.  Wiki 

 

Pretty Woman (1990)

Manch einer mag nörgeln, dass das Bild der Frau hier als ziemlich oberflächlich dargestellt wird, also von heutigen Wahrnehmungen überholt ist. Letztendlich handelt diese Komödie jedoch von der Romantik zwischen zwei oberflächlichen Menschen, die charakterlich keine Vorzeigemenschen sind, sowohl der Mann, als auch die Frau. Und dass man mit diesen Zwei dennoch so wunderbar mitfiebert und ihre Gesellschaft bei Nichtigkeiten genießt, spricht schlichtweg für Drehbuch, Regie und die treffende Besetzung in großen und kleinen Rollen, so gekonnt wie hier alles ineinander greift. Der Soundtrack, ob mittels eingekaufter Hits oder Film-eigener Hintergrundkomposition, sorgt für den Rest in einem Film, der einen bei jedem Sichten immer wieder zu verzaubern weiß.  Wiki  

 

Star Trek Beyond (2016)

Ein letztes Mal die vollständige Besetzung der neuen Crew aufgrund eines Trauerfalls zu sichten, ein bewegender Verweis auf Spock und die alte Mannschaft aufgrund eines weiteren Trauerfalls, das lässt einen durch kurze, bewegende Momente nicht zu streng mit einer Fortsetzung ins Gericht gehen, die definitiv schwächer ausgefallen ist als die zwei Filme, denen sie folgt. Dennoch ist unübersehbar wie sehr das von Simon Pegg mitgeschriebene Drehbuch seine arg actiongeladene Geschichte zu geradeaus erzählt, was umso mehr auffällt, da es sich keineswegs um eine innovative handelt. Was hätte man mit dem mystischen Nebel für ein Abenteuer ins Unbekannte schaffen können. Was hätte man echte Gefahren, die ungewohnt gemeistert werden müssen, einbringen können durch die ungewollte Trennung der Mannschaft. In seiner zu ideenlosen und blauäugigen Art schafft es der Streifen durch das Grundrezept der Marke und der mittlerweile ins Herz geschlossenen neuen Mannschaft, dennoch zu unterhalten. Aber eben nur schlicht, kein großes Abenteuer zum Mitfiebern bietend wie die Teile 1 und 2.  Wiki  

 

Synecdoche, New York (2008)

Ich bin ja jedes Mal fasziniert von dem Einfallsreichtum eines Charlie Kaufman, und auch die Idee, die mit "Synecdoche, New York" erzählt wird, ist nicht von schlechten Eltern. Mit der Umsetzung wurde ich jedoch nicht warm. Nicht nur dass die eigentliche Idee einer Stadt in der Stadt erst viel zu spät Fuß im Hauptplot fasst, auch der Hauptcharakter blieb mir unnahbar, soll ein selbstverschuldeter Versager sein, dem böse mitgespielt wird und der sich aufgrund mangelnder Reflexion nicht zum Sympathiecharakter wandelt, das hab ich verstanden, aber er wird nicht zur Identifikationsfigur. Es gibt keine emotionale oder intellektuelle Motivation sich für sein Schicksal zu interessieren. Kurzum: ich bekam keinen Zugang zu einem einfallsreichen Film, der handwerklich professionell umgesetzt war - wieder mal. Liegt wahrscheinlich an mir...  Wiki

26.06.2025

Kurzkommentare (3)

 

Reine Nervensache (1999)

DeNiro parodiert seine Paraderolle comicmäßig herrlich übertrieben und könnte dies wahrscheinlich im Schlaf, und das Drehbuch liefert wundervolle, alberne Pointen und Dialoge dazu ab. Es ist die Verspieltheit, die kindliche Freude die Sichtweise eines Kriminellen, eines Gewalttäters auf die Welt eines Analysten stoßen zu lassen, was den Film zum funktionierenden Selbstläufer werden lässt. DeNiros Gegenpol ist zu brav und steif gespielt von Billy Crystal, wie man ihn kennt, aber umringt von spielfreudigen weiteren Akteuren. Lediglich den Frauenrollen wurde keine Bemerkung geschenkt, deswegen sind sie wohl auch so austauschbar besetzt.  Wiki

 

Doctor Who - Die Heimsuchung (1982)

Böse Reptilien in der Vergangenheit der Erde, der Doktor inmitten des letzten Pestausbruchs, ferngesteuerte Einwohner und ein schelmischer Helfer aus der dort gerade stattfindenden Gegenwart, das alles ergibt im Mix einen unterhaltsamen Vierteiler, der nicht wirklich aus der Masse herausragt, aber keinerlei Längen besitzt. Der fünfte Doktor beweist sich ein weiteres Mal als sympathische Neubesetzung, lediglich die hohe Anzahl an Begleitern schadet den Abenteuern in dieser Phase ein wenig, ähnlich wie in den Anfängen des 13. Doktors, in dem sich selbige Fehlentscheidung einschlich.  Wiki

 

We Are Zombies (2023)

"We Are Zombies" ist durchaus eine amüsante Angelegenheit und kurzweilig zu konsumieren. Die Treffsicherheit eines "Turbo Kid" und die Brillanz eines "Summer of 84" ist in der erneuten Zusammenarbeit des Regie- und Drehbuch-Teams Simard und der beiden Whissells jedoch nicht zu bemerken, dafür fällt das Ergebnis trotz einiger weniger Besonderheiten dann doch zu austauschbar aus. Die Verspieltheit mit den Vorbildern und ihren Klischees wirkt aufgesetzter als üblicher Weise von diesem Trio zu erwarten war. Aber interessant genug ist die Horror-Komödie durchaus ausgefallen, es fehlt lediglich am Charme der Vorgänger.  Wiki

 

Saturday Night Fever (1977)

Es ist erstaunlich, wie neutral der Film über eine Figur berichtet, die sich für unglaublich toll und talentiert hält, während um sie herum die Tristheit des restlichen Alltags außerhalb der Disco trotz allerhand Klischees recht realistisch anmutend beleuchtet wird. Travoltas Rolle soll nur Identifikationsfigur sein, niemand mit Sympathie. Meiner Meinung nach hätte die Geschichte jedoch jemanden mit diesem Attribut benötigt, so arrogant und selbstverliebt der Held hier eine plumpe Modewelle zelebriert. Soziale Fragwürdigkeiten, wie eine Vergewaltigungsszene, die als zu verzeihende Selbstverständlichkeit eingebaut wurde, machen den Zugang für Menschen, denen die Tanzmaterie fremd ist, nicht gerade leichter.  Wiki  

 

Perfide (2014)

Müder Horrorfilm, der trotz des reizvollen Herkunftlandes Chile keinerlei fremdartige Atmosphäre aufweisen kann, geschweige denn eine dem Horrorfilm geschulte düstere. Uninteressant plätschert das sich auf wenige Figuren konzentrierende Geschehen dahin, welches durch das Auftauchen bedrohlicher Fremder nicht an Fahrt oder wohligem Unbehagen gewinnt. Ich konnte diesem dünnen Plot immer uninteressanter und unsympathischer werdender Figuren tatsächlich so gar nichts abgewinnen.  OFDb  

24.03.2025

Filmtagebuch - Zuletzt gesichtet (3)

Da mir zur Zeit die Motivation üblicher Besprechungen fehlt, möchte ich die letzten Sichtungen zumindest mal mit Kurzkommentaren versehen:

 

No Man of God (2021)

Zum Thema Ted Bundy trotz True Crime nichts reißerisches und geschmacksloses, sondern stattdessen tatsachennah anhand der alten Dokumente und Erinnerungen des Ermittlers erzählt. Wir blicken ein in die Gespräche zweier intelligenter Menschen als eine Art Anti-"Der Totmacher", was sich aufgrund sämtlicher Ereignisse nach der Verurteilung als großartige Kombination zum ebenfalls bemerkenswerten "Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile" herausstellt, der sämtliche Bereiche zuvor thematisiert. Beide zusammen ergeben ein interessantes Rundumwissen, in welcher versucht wird die Natur des Verbrechens zu verstehen, anstatt uns lediglich ein Monster vorzusetzen.  Wiki

 

Rush Hour (1998)

Das übliche Actionrezept zweier unterschiedlicher Cops, die erst zueinanderfinden müssen, verwässert durch Chris Tucker, der stets eine billige Kopie von Eddie Murphy abliefert und dem ohnehin dünnen Konstrukt der wiederholten Anwendung entsprechend oft peinliche Momente beschert. Meiner Meinung nach stimmt die Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren ohnehin nicht, und Jackie Chan wirkt, abgesehen von seinen eigens durchgeführten Stunts, auch nicht grad überzeugt vom Stoff, so routiniert, wie er seine Rolle herunterspielt. Ich fand das Ergebnis trotz (?) pausenloser Action arg ernüchternd.  Wiki   


Schizofrantic (1996)

Wieder einmal ein Blick in die psychopathische Serienkillerseele in einem Werk aus der Undergroundszene, von der man eher Härte anstatt psychologischen Feinsinn erwartet. Dass dies auch in einem Produkt aus dem liberalen Dänemark bei höherem Bildungsstand der Fall ist, überrascht wenig, aber zumindest ist man nicht einzig nur um brutale Bilder bemüht, sondern baut tatsächlich manch interessante Zusatzidee ins Krankenbild und den Taten des Massenmörders mit ein. Das füllt zwar keinen Langfilm, eine Kurzvariante wäre reizvoller ausgefallen, lässt einen Blick auf das Werk aber zumindest nicht verschwendete Lebenszeit sein. Auf Amateurbasis solide gespielt!  OFDb

 

Sonic the Hedgehog (2020)

Die Titelfigur ist so lahm und unkreativ animiert, wie sie im Deutschen viel zu brav synchronisiert ist, und so richtig interessant ist auch sein menschlicher Begleiter nicht ausgefallen, aber ob man es glaubt oder nicht, der von Jim Carrey als zum Leben erwachte Comicfigur gespielte Antagonist reißt das meiste wieder raus. Durch den Aspekt Geschwindigkeit gegen Technologie erinnert das zwar alles stark an Road Runner, aber es macht schlichtweg Spaß den Komiker in seiner völlig überzogenen Rolle aus Genie, Wahnsinn und Überheblichkeit beim Scheitern zuzusehen, ohne dass das Drehbuch dabei besondere Raffinesse vorweisen müsste. Glücklicher Weise pausiert Carrey immer nur in kurzen Phasen und zu Beginn der Geschichte, ansonsten ist er pausenlos zu bestaunen, so dass es stets was zu lachen gibt.  Wiki 

 

Das Geheimnis der ewigen Nacht (1956)

Dachte ich zunächst aufgrund einiger Parallelen zu Beginn hier die sowjetische Variante der Triffids zu sichten, so wie es zur Unsichtbarenthematik selten gelistete Werke aus dieser Region gibt, so entpuppt sich alles als doch in eine völlig andere Richtung gehend, leider eine die viel auf Dialog und persönliches Drama setzt, anstatt uns so wundervolle Science Fiction-Momente zu bescheren, so wie jenen während eines unheimlichen Nebels. Gegen Ende startet endlich jene Mission in die Meerestiefe, von der ansonsten nur geschwätzt wird, so dass das Gesamtergebnis mehr vom Hinhalten lebt, als von einer tatsächlich aufregend erzählten Geschichte.  Wiki 

24.11.2024

HE'S MY GIRL 2 (1993)

Chris wechselt auf eine andere Schule, da er eine Musikkarriere anstrebt. Aber weil dort auch der aggressive Kurt Schüler ist, und dieser es aktuell auf Chris abgesehen hat, schlüpft der Teenager in Frauenfummel samt Perücke, um ungeschoren davonzukommen. Was als kurzfristige Ablenkung geplant war, wird zur neuen Rolle dort vor Ort. Chris baut als Mädchen eine Freundschaft zu einer Mitschülerin auf, welche ihm sehr am Herzen liegt. Aber die entpuppt sich als Schwester von Kurt...

Großmutter und der Sandsack...

Geistreich sieht anders aus, zugegeben, aber diese späte Teenie-Komödie mit Teenie-Star Corey Haim, der 1993 längst kein Teenager mehr war, macht einfach Laune, schert er sich doch nicht um Botschaften und Moral, sondern erzählt seine schlichte Geschichte schlichtweg pointiert und flott. Wirklich tief greifen selbst die Charaktere nicht, die eher oberflächliche Comicfiguren bleiben, inklusive Chris, aber es funktioniert - und dies auf der Schläger/Opfer-Basis mehr, als es die integrierte Liebesgeschichte mit der recht süßen Nicole Eggert als Love Interest je könnte. Während sie als zweite Hauptfigur in den Credits ihre Position einnimmt, ist es eigentlich Cameron Bancroft, der hauptsächlich in TV-Serien spielte und hier die Rolle des Kurt verkörpert, dem die Ehre der zweiten Hauptrolle zuteil wird. Lustige Geschichte sei Dank ist er nicht nur der Aggressor von Chris und der Bruder dessen Angebeteter, er ist zudem in die Mädchenversion von Chris verliebt, was nicht nur im Ur-Kurt-Charakter für allerhand lustiger Momente sorgt, sondern auch in dessen Wandel zum sensiblen Teenager, denn Chris nutzt dessen Interesse an ihm aus, um ihn umzuerziehen. 

Dass die Hauptfigur in ihrer weiblichen Präsenz keinesfalls glaubwürdig ausfällt und nie die Illusion des anderen Geschlechts entfachen kann, stärkt den Comiccharakter des Films, der sich nicht um dieses "Makel" kümmert. Abgesehen von einer kleinen Nebenrolle sind alle diesbezüglich blind, egal wie gut man Chris kennt, wie nah man ihm ist und wie viel Zeit man mit ihm verbringt. Das Einbauen einer Lehrerin, welche die Wahrheit erfährt, bzw. eine gelogene Version der Wahrheit, sorgt für zusätzliche Momente der Komik. Und dieser Randbereich zusammen mit dem Drahtseilakt mit Kurt und dessen Schwester, sowie dem wachsenden Misstrauen von Chris' Vater, sorgen sogar für Spannungsmomente, gerade im letzten Drittel, welches aber freilich dem obligatorischen Happy End zusteuert. Da der Film letztendlich nur ein Gute-Laune-Film um Lügen, Irrungen und Verwirrungen sein soll, geht das auch in Ordnung. "He's My Girl 2" ist eben nur ein leichter Stoff und hat anbei nichts mit "He's My Girl" aus dem Jahr 1987 zu tun. Sein Alternativtitel "Just One of the Girls" verweist eher auf "Just One of the Guys", der bei uns u.a. als "Als Junge ist sie spitze" erschien. Letztendlich ist der Originaltitel des hier besprochenen Streifens jedoch "Anything for Love", so dass er also eigentlich ohnehin für sich alleine steht, innerhalb einer seit Jahrzehnten geplünderten Idee. Es ist schön dass er den oft unangenehmen Bereich der Belustigung des Geschlechterwechsels unverkrampft und flott zu thematisieren weiß, ohne dass der Einsatz der Schauspieler peinlich erscheint. Nicole Eggert und Corey Haim waren anbei schon ein Jahr zuvor in "The Double 0'Kid" ein Filmpaar.  OFDb

01.10.2024

MAKELLOS (1999)

Nach einem Schlaganfall ist der harte Sicherheitsbeamte Walt einseitig gelähmt, isoliert sich und verliert die Motivation am Leben. Um sein Sprachvermögen zurückzuerlangen, soll er Gesangsunterricht nehmen. Und da er die Öffentlichkeit meidet, überwindet sich Walt den bislang aufgrund seiner Homosexualität verachteten Nachbarn Rusty um Gesangsunterricht zu bitten, der den verfeindeten Macho nur deswegen nicht abweist, da er gerade Geldprobleme hat. Die Drag Queen und der Konservative lernen sich dabei besser kennen und mögen...

Ein Randaspekt, der zur Wichtigkeit wird: die Berufskriminellen... 

Der Prozess von Gegensätzen, die ihre Vorurteile ablegen können, um über ungewöhnliche Umstände doch mental zueinander zu finden, findet in der verträumten Hollywood-Welt oftmals überraschend gut funktionierend statt. Bei "Makellos" kommt das alles jedoch, auch trotz humoristischer Herangehensweise, zu sehr mit der Brechstange erzwungen, also zu gewollt daher und wirkt somit unglaubwürdig. Das ist insofern schade, als dass die beiden Hauptdarsteller im Gegensatz zur Geschichte in ihrem Spiel zu überzeugen wissen. Robert DeNiro legt sogar eine ähnlich beeindruckende Leistung ab, wie bereits in "Zeit des Erwachens" geschehen. Aber letztendlich sind die Fronten zu stark, der Homosexuelle selbst in emotionalen Situationen zu schrill und oberflächlich, so dass man das einander Nähern, geschweige denn die Probleme, die zusammenschweißen sollen (abgesehen von der Behinderung durch einen Schlaganfall), entweder als zu banal und dekadent, oder, wie im Falle der sozialen Verachtung der Drag Queen, als zu oberflächlich thematisiert empfindet. "Flawless" (Originaltitel) besitzt immer wieder seine Momente, die zeigen, was aus ihm im Gesamten hätte werden können, wenn er kurzfristig zu bewegen weiß, oder winzige Phasen einer tatsächlich glaubwürdigen Annäherung der beiden Protagonisten besitzt. Aber das sind immer nur kurze Momente inmitten von Fehlentscheidungen, die es einem schwer machen zu glauben, was der Film erzählen möchte, manchmal sogar verhindern, dass man sich eine Annäherung der beiden überhaupt wünscht.  Wiki

01.09.2024

DAS PHANTOM (1996)

Der Verbrecher Quill ist mit jedem noch so nötigen Mittel gemeinsam mit seiner Verbrecherbande auf der Suche nach mehreren mystischen Schädeln, mit deren Hilfe er die legendäre Singh-Bruderschaft kontaktieren kann, um mit deren Hilfe unglaubliche Macht zu erlangen. Einer der Schädel wird jedoch von einem Dschungelgeist beschützt, von dem es heißt er sei unsterblich. Diese Gerüchte hält er für Mumpitz, doch schon bald muss er erkennen, dass das Phantom durchaus real ist...

Violett im Dschungel...

Die dritte filmische Umsetzung (nach einem Serial und einer türkischen Verfilmung) sollte für mich die erste Begegnung mit dem Phantom werden, obwohl es zu den klassischen Superhelden schlechthin gehört. Entsprechend überrascht war ich, dass diese Figur nichts magisches umgibt, dass sie lediglich von dem Ruf der Unsterblichkeit lebt, und das finde ich inmitten phantastischer Stoffe im Superhelden-Bereich eine reizvolle Idee. So wirklich will es Simon Wincer (Regie) und Jeffrey Boam (Drehbuch) jedoch nicht gelingen, der Figur jene Mystik zu bescheren, die sie auf die Außenwelt ausstrahlen soll. Zu sehr sind wir in ihre Erlebnisse und schließlich auch in ihren Alltag und ihre Gefühlswelt involviert, zu früh um vorher die Luft der Faszination zu atmen, die ein solcher "Geist" im Bewusstsein jener atmen muss, die von ihm als Legende gehört haben und ihm schließlich als Gegner oder Helfer gegenüber stehen. "The Phantom" (Originaltitel) ist mit einer derartigen Leichtigkeit erzählt, dass das aber auch nicht wirklich schlimm ist, guckt sich das kurzweilige Treiben doch ohnehin eher wie ein jugendfreundlicher Abenteuerfilm , als wie ein typischer Superheldenstreifen. 

Und in diesem bereitet es Freude, dass die Geschehnisse in den 30er Jahren angesiedelt sind, anstatt den Stoff in die Gegenwart zu verfrachten, Billy Zane einmal nicht als Bösewicht, sondern stattdessen als der titelgebende Held zu sichten ist, die bezaubernde Kristy Swanson einmal mehr zu erleben und die von Catherine Zeta-Jones verkörperte Figur nicht rein bösartig vorgesetzt zu bekommen, der Stoff erlaubt ihr einen für Superheldenverhältnisse unüblichen Charakter einer Gegnerin, für die Hoffnung besteht. Inwieweit das alles bereits in den Comics der 30er Jahre oder deren Fortführung vorhanden ist, weiß ich freilich als völliger Neuling in diesem Bereich nicht. Sehr wohl aber erkenne ich, an welchen Filmen man sich bei dieser ersten (und bislang einzigen) großen US-Verfilmung bediente. Ich erkenne hier Elemente aus Tarzan und Indiana Jones ebenso wieder, wie aus "Pippi in Taka-Tuka-Land" und "House 2". Das alles zusammen ergibt einen spaßigen, unschuldig anmutenden Mix, den man sich als Freund leichter Popkorn-Kost gerne einmal zu Gemüte führen kann. Ob der Film im Gedächtnis hängen bleibt, bleibt jedoch anzuzweifeln, dafür fehlt es ihm dann doch an Innovation und besonderen Momenten. Für einen anvisierten Kassenerfolg fällt zudem die schlichte Tricktechnik auf, die insgeheim schon unterschwellig suggeriert, dass "Das Phantom - Vernichte das Böse!" (Alternativtitel) eigentlich keine Chance hatte ein großer Kino-Erfolg zu werden. Auf schlichte Art hat er mir jedoch gefallen. Er ist der typische Kandidat eines Sonntagnachmittagsfilmchens.  Wiki

21.08.2024

THE FLASH - DER ROTE BLITZ (1990)

Barry Allen ist Spurenanalytiker bei der Polizei. Als er während eines Blitzschlags mit einigen Chemikalien in Berührung kommt, verändert sich sein Körper, und er kann sich von nun an blitzschnell bewegen. Zusammen mit der Forscherin Tina untersucht er das Phänomen, das ihn zwischendurch extremst schwächeln lässt. Als sein Bruder, ein Polizist, von einer Straßengang getötet wird, welche die ganze Stadt terrorisiert, sagt er ihr den Kampf an...

Ein Hund schließt sich ein...

Während mir die Teenie-Serien-Version "The Flash", die im Jahr 2014 startete und es auf neun Staffeln schaffte, mit ihrer aalglatten Art weniger zugesagt hat, kommt der Pilotfilm aus dem Jahre 1990, einer Serie, die nach 22 Folgen ihr Ende nahm, weit besser erzählt daher, obwohl er sich eigentlich nur der üblichen Entstehungsgeschichte eines Superhelden bedient. Aber für ein TV-Produkt kommt diese Geschichte dreckig und düster konzipiert daher. Sie ist kompromisslos angegangen, mit nur wenig Humor, meist den Hund des Flashs betreffend, aufgelockert, insgesamt aber nicht ironisch aufgebrochen, sondern geradeaus erzählt, seinen Stoff ernst nehmend und den Zuschauer auch. Zwar besitzt die Grundlage der Geschichte das Manko, dass nicht so ganz klar ist woher Gegner Pike die Mittel nimmt und warum seine Bande eine derartige Macht über die Stadt besitzt, dass die Polizei völlig machtlos ist, immerhin terrorisiert seine Gang "nur" mit ein paar Bomben auf Motorrädern, schlägt immer wieder in der selben Stadt zu und haust versteckt in der Nähe. Aber der Comic-Charakter des kompletten Filmes macht dies wieder wett, indem er die Macht der Bande als selbstverständlichen Fakt darstellt, auf den alles weitere baut. Und von dieser Position an, wird alles recht erwachsen erzählt. 

Trotz aufkommender Freundschaft, einer Wiedervereinigung mit der Ex, dem Schoß der übrig gebliebenen Familie und dem Sieg über besagte Bande, wirkt "The Flash" immer eher pessimistisch, als optimistisch, zwar immer mit einem Hauch Hoffnung versehen, sich aber doch nicht nach Happy End anfühlend und nicht heldenhaft geartet, wie es im Superheldenbereich zu dieser Zeit üblich war. Auch die Gebrechlichkeit des Helden, die im weiteren Verlauf noch untersucht wird (und von der ich, aufgrund von Unkenntnis der Komplettserie, nicht weiß ob und wann das Problem gelöst wird), gehört zu den Elementen, die diesen Zustand hervorbringen. Und freilich der, zumindest im Pilot, von Rache gelenkte Held, der somit keiner ehrbaren Motivation nachgeht, zumindest im klassischen Superheldensinne. Sein Bruder hingegen wäre stolz auf ihn. Und ein emotionaler Schluss entlässt trotz Klischeegefühle bewegt aus einem sympathisch erzählten Film. 

Nett ist anbei die Idee, dass der Anzug Flashs nicht neu entwickelt werden musste, weil er ursprünglich ein russisches Produkt ist, das für andere Zwecke entwickelt wurde. Ob das jedem Freund der Vorlage geschmeckt hat, darf angezweifelt werden. Mit seiner kurzen Laufzeit von nur einer Staffel kam die grimmige, erwachsene Variante aber scheinbar generell nicht sonderlich gut an. Das finde ich sehr schade, vorausgesetzt die Serie ist so überzeugend ausgefallen, wie das auf Spielfilmlänge konzipierte erste Abenteuer. Aber immerhin bekam Hauptdarsteller John Wesley Shipp eine feste Rolle in der 2014er Serie beschert. Es ist schön, dass man sich an ihn erinnerte, als man die Comicvorlage ein zweites Mal filmisch anging. Aufgrund des Bekanntheitsgrades dieses Helden wundert es ohnehin, dass er es bislang nur auf drei Realisierungen außerhalb der Printmedien geschafft hat, 2023 als "The Flash" sogar erstmals erst für die Kinoleinwand. Im Zeichentrickbereich gibt es bislang überhaupt nichts von ihm zu sichten, nicht einmal die klassische Cartoonserie, die fast jeder berühmtere Comicheld in den USA beschert bekommen hat.  Wiki

18.08.2024

STRANGE DAYS (1995)

Aufgezeichnete Bewusstseinsmomente sind auf dem Schwarzmarkt das neue Video-Highlight, um Situationen wie Sex, Tod oder Gefahrenmomente wie am eigenen Leib zu erleben. Der Ex-Cop Lenny handelt mit derartigen Aufnahmen und kommt in Schwierigkeiten, als er ohne es zu bemerken an eine Aufzeichnung gerät, die Informationen enthält, für die jemand über Leichen geht...

Die Welt am Abgrund...

Man kann darüber diskutieren, ob es mutig oder dämlich ist, einen Film aus der nahen Zukunft (das Jahr 1999) zu wählen, um von einer Gesellschaft zu erzählen, die für den aufgezeigten Niedergang und den technischen Errungenschaften wesentlich mehr Zeit benötigen würde. Das macht den Stoff unglaubwürdig. Und Sinn macht das Spiel mit dem Millenium, dem einzigen Grund warum man das nahe Zeitfenster wählte, für die Geschichte sowieso nicht. "Strange Days" ist ansonsten jedoch gut und  durchdacht erzählt. Somit hinterlässt er eher den Eindruck einer alternativen Welt, die unserer ähnlich ist. Dem Gelingen steht besagter Kritikpunkt also nicht im Weg. Die Geschichte ist weit banaler geprägt, als all das Brimborium, mit welcher sie aufgepeppt wird, einen wahrnehmen lässt. Der u.a. aus der Feder von Erfolgs-Regisseur James Cameron stammende Science Fiction-Film zeigt uns eine dreckige, hoffnungslose und asoziale Zukunft, in der sich fast jeder selbst überlassen ist und in der es nur noch wenige Menschen mit Idealen gibt. Unser Held zählt nicht dazu, auch wenn es gewisse Anflüge von Restmoral bei ihm zu entdecken gibt. Mit seinen mal selbst-, mal fremdverursachten Problemen steckt er mit dem Kopf zu sehr im Arsch, um klar zu sehen. Dass er mitten in einer Verschwörung steckt, bemerkt er erst spät. Bei einer Laufzeit von 140 Minuten ist dies ein reizvoller Weg der Erzählung.

"Strange Days - Die Zukunft ist jetzt" (Alternativtitel) lässt uns Zuschauer aber ebenfalls über vieles im Unklaren. Da gibt es Einflüsse auf die Hauptereignisse womöglich über die heruntergekommene Ex des Helden und deren neuem, mächtigen Lover, es gibt wie erwähnt das Spiel mit dem kommenden Jahrtausendwechsel, es gibt Gerüchte Lenny habe Beweise von einem Geheimnis über das niemand etwas weiß, und es geht ein Psychopath um, der die neue Aufzeichnungstechnik so umfunktioniert, dass seine Opfer sich selbst beim Folter- und Sterbeprozess sehen können. An Abscheulichkeiten mangelt es in diesem Sumpf an Gesellschaft nicht, aber dies ist selbst für die Leute der hier gezeichneten Welt mehr als sie ertragen können. Aber was hat mit all den ominösen Geschehnissen, welche die Hauptfigur und ihr Umfeld in Lebensgefahr bringt, konkret zu tun, und was ist Ablenkung und Täuschung? Die Auflösung ist interessant, bedient sich aber einer Person, die aufgrund ihrer zu schurkisch anmutenden Besetzung dem erfahrenen Cineasten längst als Bösewicht klar war. Aber dieser bestätigte Verdacht betrifft glücklicher Weise nur die Person, nicht die Beweggründe warum was passiert, wir schweben diesbezüglich ebenso im Unklaren wie Larry. Und obwohl es für einen Science Fiction so gut wie keine tatsächlichen Schauwerte gibt (die hohe Anzahl an Actionszenen einmal ausgeschlossen), funktioniert der futuristische Krimi-Plot auf seine Überlänge überraschend gut.

Es erstaunt regelrecht, dass auf die Cyberpunk-Elemente verzichtet wird, die im Genre-Kino der Entstehungszeit gerade so beliebt waren (als Beispiele sei nur einmal "Johnny Mnemonic", "Tank Girl" und "Flucht aus L.A." genannt). Denn rein mental atmet "Strange Days" deren Luft, es wird nur auf übermäßig schräge Figuren und Technikschnickschnack verzichtet. Das gelebte Illegale im Alltag, das Verrottete der Gesellschaft, soll reichen, und das tut es auch. Hervorragend unterstützt wird dieser Blick auf eine erbärmlich gewordene Zukunft durch die Figur der Ex-Freundin des Ex-Cops. Sie ist nicht nur abgefuckt und heruntergekommen charakterisiert, sie wird zudem geradezu provokativ von Juliette Lewis sexy dargestellt. Für eine derartige Prominenz ist es geradezu untypisch, wie gewagt nackt sie sich hier präsentiert, doppelt moralisch reingewürgt, weil sie schon immer, auch in diesem Film, wie eine Minderjährige wirkt, mit ihrer jüngeren Ausstrahlung. Das provoziert, reizt, verunsichert und verabscheut, wird aber nicht übertrieben, sondern lediglich zu einem funktionierenden Element in der kompletten Maschine. "Strange Days" wird durch derartiges nicht zum reinen Provo-Film, er soll trotz seines Hangs zu reißerischen Schauwerten dennoch reflektiertes Kino sein. Dieser Punkt ist es auch, der Kathryn Bigelows Werk von "8mm" unterscheidet, der ebenfalls den Abschaum der Gesellschaft nahm, um tief im Sumpf der menschlichen Abgründe zu wühlen, dabei aber zu theatralisch und moralisch vorging.

"Strange Days" hingegen funktioniert, und er tut es bewusst durch das Einsetzen von Mainstream-Hebeln. Er ist deutlich für den Massengeschmack ausgelegt, allein schon weil er nie einen empathischen Versuch unternimmt die für den Stoff so wichtige Gefühlswelt des Helden mehr als Klischee sein zu lassen. Ob er auch entsprechend beim Zielpublikum ankam, bei all dem Pessimismus, den er entgegen deren üblichem Wohlfühlanliegen atmet, weiß ich nicht. Abgesehen von der zu früh zu erkennenden Täteraufdeckung geht dieser Mix aus sicher Erzähltem und gewagt dreckigem Stil in Ordnung. Dass "Strange Days" viel banaler ist, als er uns die ganze Zeit vormacht, wird gewitzter Weise als bewusste Pointe genutzt, anstatt als unaufgedeckte Methode, die möglichst niemand bemerken soll. Auch diese Herangehensweise finde ich äußerst reizvoll. "Strange Days" hätte noch etwas mehr Kult-Potential benötigt, um zu einer Größe des Genres zu werden, aber überdurchschnittlich ist er in seiner packenden Art und dem Kreieren seiner der unseren Gesellschaft nahen Zukunftswelt dennoch ausgefallen. Die Chance mittels der neuen Technik intelligente Kritik am Konsumverhalten der Gegenwart zu vertiefen, verschenkt er für sein Action-Hauptaugenwerk, geht also in Ordnung, da er weiß was er will. Und zu viel Tiefgang gehörte bewusst nicht dazu. "Matrix" zeigte jedoch nur wenige Jahre später, dass Intellekt und Action zugleich definitiv möglich gewesen wären, auch im Mainstream.  Wiki

17.06.2024

MÖRDERISCHER TAUSCH (1996)

Der ehemalige Soldat John erschleicht sich an einer Problemschule die Stelle eines Vertretungslehrers. Seine gute Freundin Jane ist dort Lehrerin und nach einem Überfall vorübergehend arbeitsunfähig. Sie legte sich mit einem jugendlichen Dealer an, der ihr drohte. John will sie rächen und den besagten Schüler, samt der Organisation hinter ihm, zur Strecke bringen...

Krieg an der Highschool...

Wer Werke wie "Die Klasse von 1984" und "Der Prinzipal" mit James Belushi mochte, der kann auch mit "Mörderischer Tausch" glücklich werden, der es schafft ansatzweise die 80er Jahre-Luft zu atmen, welche besagten Filmen das gewisse Etwas zu der Thematik um zurückschlagende Lehrer bescherte. Hier wie dort erwartet man keinen Kitsch wie "Dangerous Minds", oder eine ernste Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Gewalt an Schulen, wie in "Der knallharte Prinzipal" und "Heute trage ich Rock" geschehen. Hier geht es um die Action, um Rache, um oberflächliches Quantitäts-Kino, das sich keinen blauäugigen, sozialen Verbesserungsmöglichkeiten hingibt, und das muss auch mal sein. "The Substitute" (Originaltitel), dem drei Fortsetzungen beschert wurden (jeweils mit Treat Williams, anstatt mit Tom Berenger in der Hauptrolle), bietet die Kurzweile und Härte, die man sich von derartigen Stoffen erhofft, wirkt aber comicartig übertriebener als die noch halbwegs bodenständigen Vergleichsfilme zu Beginn der Besprechung. So schräg und pulpig wie in "Die Klasse von 1999" wird es dann aber auch nicht, der Film soll schon halbwegs in der unseren Realität spielen, und dass er dies nur bedingt tut, liegt an der Berufung und Mentalität der Hauptfigur, einem Kriegsveteran, der nun mal als Killer ausgebildet wurde. 

Dass John sich illegal die Stelle als Vertretungslehrer aneignete, ist nicht die erste ungesetzliche Tat, denn er ist schon länger als Söldner tätig. Zur Zeit bekommt er keinen Einsatz, deswegen kann er sich der Problematik seiner Freundin annehmen, die von gewalttätigen Schülern überfallen wurde. Der Unterschied zu den eingangs erwähnten Vergleichsfilmen liegt nicht nur in der Professionalität der Gegenwehr, aufgrund der mörderischen Fachausbildung, von Lehrerseite aus, sondern auch darin, dass er nicht alleine arbeitet. Sein ihm stets solidarisch zugewandtes Söldner-Team agiert unauffällig im Hintergrund mit. Außerdem geht es ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr zentral um den Kampf gegen asoziale Schüler, die Verbrecherorganisation hinter dem Drogenhandel rückt mehr in den Fokus, was "Mörderischer Tausch" glücklicher Weise aber nicht schadet. Vielleicht hätte es bei der Freundschaftsrache bleiben sollen, anstatt nun noch eine Verbindung zu jener Gruppierung herzustellen, für die der Söldner in der Vorgeschichte nicht tätig werden wollte, letztendlich ist der von Robert Mandel ("FX - Tödliche Tricks") inszenierte Actioner jedoch eine kurzweilige Angelegenheit, mit all den Stärken und Schwächen eines Films für das Kind im Manne, inklusive klassischer Liebesgeschichte, wenn harmlose Persönchen auf "Phantom Kommando"-Art auf den schmutzigen, gewalttätigen Proleten heiß werden. "Mörderischer Tausch" ist eben ein waschechter, kompromissloser Männerfilm, mit allem was dazu gehört. Empathie oder psychologische Reflexion sind es nicht.  Wiki

09.06.2024

PRINZESSIN MONONOKE (1997)

Ashitaka kämpft zum Schutz des Dorfes mit einem merkwürdig veränderten, äußerst starken Wildschwein. Er kann es zwar besiegen, aber er trägt eine Wunde davon, mit welcher das Tier sein Leiden übertragen hat. Da es unheilbar ist und zum Tod führen wird, macht sich Ashitaka in die Fremde auf, um den Ursprung des Mysteriums zu ergründen und mit ein bisschen Glück doch noch einen Weg aus seiner Misere zu finden... 

Wie es zum Tod eines Gottes kam...

"Prinzessin Mononoke" genießt nicht nur in Anime-Fan-Kreisen einen hohen Ruf und dies meiner Meinung nach zurecht. Hayao Miyazaki, dem wir so wunderbare Werke wie "Kikis kleiner Lieferservice" und "Das wandelnde Schloss" ebenso zu verdanken haben, wie seinen wohl berühmtesten Anime "Chihiros Reise ins Zauberland", ist ein beeindruckender Film gelungen, der einen mit seiner optischen und erzählerischen Kreativität schnell in seinen Bann zieht, sich für die kindlich gewitzten Dinge im Leben ebenso interessiert, wie für Härte, Konsequenzen und Verantwortung und uns all dies mit einer weitreichenden Empathie präsentiert, so sehr wie das Buch verschiedenste Mentalitäten versteht und uns verstehen lässt. Erzählt ist dies mit einer Geduld, die Respekt vor der eigenen Geschichte zeigt, keine Schauwerte meidet, aber auch genügend Raum für Mysterien, Charakterentwicklungen und (scheinbare) Nebensächlichkeiten lässt. "Mononoke-hime" (Originaltitel) ist Kunstwerk und Unterhaltungsfilm in einem, will inhaltlich nicht nur berieseln, sondern erwartet ein Mitdenken und Konzentration vom Publikum, hat er doch oberflächlich und tiefsinnig gleichermaßen viel zu berichten, bei all seinen Anliegen. Auch Moral steht im Raum bei manchem Appell, so z.B. an die Menschlichkeit und an den Respekt vor der Umwelt, aber typisch Japan gelingt dies ohne moralinsauer zu wirken, ohne den Zuschauer zu belehren oder gar zu entmündigen, reif wie er ausgefallen ist, so steht er auch seinem Publikum gegenüber, das dies dankend annimmt, bei all dem was man durch das Sichten von "Prinzessin Mononoke" gewinnt. 

Den einzigen Schwachpunkt, den ich bei all der Thematik um Ehre und wahre Gefühle, entdeckt habe, liegt im Versprechen der Geliebten in der Heimat, die schneller vergessen ist, als von Ashitaka gesagt und deren Erinnerungsstück eiskalt an die nächste Gewonnene weiter überreicht wird. Mag sein, dass ich da eine asiatische Mentalität nicht richtig einordnen kann, aber für mich als Europäer wirkt das alles andere als ehrbar und empathisch. Auffallen tut es nur dem, der daran denkt. Vielleicht hat Miyazaki hier innerhalb seiner Geschichte schlichtweg einen blinden Fleck gehabt, eben weil der Rest so feinfühlig und tiefsinnig ausgefallen ist. Das ist auch der Grund warum man über diese eine Schwäche hinwegsehen kann, innerhalb eines Filmes, der trotz seiner vielen erwachsenen Anliegen angenehm verspielt daher kommt, sei es im Humor, den Charakterzeichnungen, im Erschaffen übernatürlicher Gesetzmäßigkeiten oder in manch anderen kreativen Bereichen, wie der Natur der Waldgeister zum Beispiel. "Prinzessin Mononoke" hat nach all den lobenden Worten, die ich überall von ihm vernahm, auch mich bei dieser ersten Sichtung beeindruckt und für sich gewinnen können und wird somit meiner Meinung nach seinem hohen Ruf gerecht. Ich hatte das Glück ihn im Kino bei einer Wiederaufführung sichten zu dürfen, und habe noch selten ein solch respektvolles Kinopublikum erlebt, wie dort, so ruhig wie es im Saal bei diesem Kulturerlebnis war.  Wiki