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06.04.2025

Filmtagebuch - Zuletzt gesichtet (8)

Da mir zur Zeit die Motivation üblicher Besprechungen fehlt, möchte ich die letzten Sichtungen zumindest mal mit Kurzkommentaren versehen:

 

Monsters of Man (2020)

"Terminator" trifft auf "Predator" mit einem Hauch "Nummer 5 lebt" in einer actionreichen Chose, die sich dennoch Zeit für die Entwicklung der Geschichte und der Figuren lässt und mit politischen Aussagen zudem vielschichtiger daher kommt, als das Hauptaugenmerk auf Action und Unterhaltung nötig gehabt hätte. Eine überraschende Figurenentwicklung, tolle Effekte und ein reizvolles Roboterdesign unterstützen die Wirkung dieses treu dem üblichen Handlungsmuster folgenden Sehvergnügen.  Wiki

 

Land of Smiles (2016)

Ich fand die Idee eines Found Footage mit einem Horror-Clown im Vorfeld recht reizvoll, weswegen es direkt zu Beginn enttäuschte, es hier lediglich mit einem öden Folterer zu tun zu haben, der zudem ein unsinniges Spiel treibt, dessen Fehlinterpretation der Spieler so idiotisch ist wie der komplette Plot. Der besteht fast nur aus Hinhalten, ohne nennenswerte Sehwerte versehen. Die schlechte Synchro ruiniert nicht viel in diesem uninteressanten Stück Horrorfilm.  OFDb

 

A Cure for Wellness (2016)

Dem später entstandenen "Cuckoo" nicht unähnlich mixt dieser deutsche Horror Kunstkino mit fast schon trashiger Horrorthematik, liefert dabei tolle Bilder und eine handvoll extremer Szenarien, weiß auch in Sachen Figurenzeichnung und Dramaturgie zu gefallen, ist letztendlich aber zu lange in seiner Vorphase zelebriert für einen Film, der das Genre inhaltlich nicht neu erfindet. Man muss also etwas Geduld mitbringen, um diesen liebevoll umgesetzten Streifen entsprechend genießen zu können.  Wiki   


Vanishing Waves (2012)

Eine Art sinnliche Variante von "Project Brainstorm", der sich zwar stark auf den Erotikaspekt seiner Geschichte konzentriert, aber gerade wegen dieser das Abhängigkeitsgefühl einer Person thematisiert bekommt, und dies innerhalb einer bizarren und dennoch wissenschaftlich interessanten Geschichte. Mit der ersten Hälfte habe ich mich ein wenig schwer getan, da sich die Tiefgründigkeit des Stoffes dort noch nicht offen zeigt. Großartige Bilder gibt es hingegen den kompletten Film über zu sehen, und den Rausch, den er entfacht, ist ein Hingucken definitiv trotzdem wert.  Wiki

 

Cobra Kai - Staffel 6 (2024)

Das erste Drittel bietet zu viele dramaturgische Wiederholungen zum Laufzeitstrecken, arbeitet aber charmant mit den bereits bekannten Figuren. Das zweite Drittel kümmert sich zu sehr um das Kinderpublikum, weiß sich aber halbwegs mit interessanten neuen Gegnern und den Tournierwettkämpfen zu retten. Erst im letzten Drittel gewinnt die Serie wieder das Potential der ersten Staffeln und führt die Serie mit jeder Menge Happy Ends zu einem würdigen Schluss, wenn meist auch auf einem simpel gestrickten Drehbuch beruhend.  Wiki  

02.03.2025

MAXXXINE (2024)

Maxine ist in den 80er Jahren eine erfolgreiche Pornodarstellerin, die sich jüngst eine Hauptrolle in einem Horrorfilm ergattern konnte. Mit einem Mal gerät sie ins Visier eines Serienkillers, der schon seit einiger Zeit Hollywood unsicher macht...

Vom Lustschrei zum Angstschrei wechseln...

"MaXXXine" bildet den Abschluss der mit "X" begonnenen und noch im selben Jahr mit "Pearl" fortgesetzten Trilogie, von welchen der dritte Teil den mit Abstand geringsten Unterhaltungswert besitzt, wirkt die Geschichte doch arg austauschbar, in eher belanglosen Punkten verbunden mit dem Rest. Ursprünglich hätte ich gedacht, zu erleben, wie es mit Maxine weiter geht, wäre interessanter als Pearls Vorgeschichte zu erfahren, da man weiß wie die Person endet. Das Gegenteil ist der Fall, und alles was uns als Verbindungspunkt zur Restreihe bleibt sind weiterhin zu direkt gesetzte Parallelen zwischen den beiden von Mia Goth verkörperten Figuren, kurze Erwähnungen der Vergangenheit, die Weiterentwicklung der zur Industrie gewordenen Pornobranche und die Wiederkehr einer Person, von der wir aufgrund der Abschluss-Pointe in "X" wussten, dass sie noch von Wichtigkeit werden wird. Allein deswegen macht die Art, wie sie eingebracht wird, psychologisch wenig Sinn und wird in ihrer zugedachten Position geradezu erwartet, anstatt als Überraschungsmoment zu dienen. 

Dadurch dass Ti West der Spannungsbogen diesmal so gut wie gar nicht interessiert, ist das Spiel mit dieser Figur, ob nun in ihrer Rolle erwartet oder nicht, umso uninteressanter, so dass spätestens im Finale, das keinerlei reizvolle psychologische Spielereien mit der erkannten Situation aufweist, das lose Gerüst, das "MaXXXine" inhaltlich darstellt, erfolglos zusammenstürzt. Schnelle Tode, uninspirierte Rache, idiotische Hintergründe, das alles besitzt nicht mehr die Klasse und das Niveau der beiden Vorgänger, die außerdem im dramaturgischen Bereich weit tiefer gingen. Klar, Maxines Welt soll oberflächlicher Natur sein, und das Kino der 80er Jahre war auch diesbezüglich schlichter gestrickt als jenes der eher um Kunst bemühten 70er Jahre, aber ironisch umgesetzt wirkt der Streifen mit seiner frei gewählten Oberflächlichkeit nur im Ansatz, es hebt sich daraus keine Klasse hervor, weder durch Parodie, Zitat oder Ehrfurcht dieser Filmdekade. Das Spiel mit Szenen, die wie in den 80ern inszeniert scheinen (meist durch die damals beliebten Blau- und Rot-Einsätze), liefern nicht halbwegs solch beeindruckende Bilder ab wie das gekonnte Wiederbeleben der 70er im Erstling, sowie das Spiel mit klassischem Kino in dessen Prequel. Mia Goth, die diesmal nicht nur als Executive Producer unter den Finanzgebern genannt wird, weiß weit weniger zu wirken, als in ihren anderen mir bekannten Filmen, weiß ihre Rolle aber überzeugend auszufüllen. Es ist das von Ti West verfasste Drehbuch, das derart zu enttäuschen weiß und einem hübsch abgefilmte Momente und einzelne Szenen mit mehr Kaliber egal sein lassen. Letztgenannte besitzt "MaXXXine" aber ohnehin kaum.  Wiki

26.01.2025

PEARL (2022)

Pearl lebt 1918 unglücklich auf der Farm ihrer Eltern. Die jung Verheiratete wäre lieber Tänzerin, anstatt Ställe auszumisten und die Tiere zu füttern. Ihr Ehemann ist im Krieg, ihr Vater ein Pflegefall, die Mutter dominant und kontrollsüchtig. Doch sie hat ihre Gründe dafür...

Die beste Vorstellung ihres Lebens...

Nach "X" erfahren wir im Prequel die Vorgeschichte von Pearl noch im selben Entstehungsjahr. Diese mag sich oberflächlich betrachtet nicht von vielen vergleichbaren Stoffen unterscheiden, es ist jedoch die Umsetzung, die "Pearl" alles andere als gewöhnlich erscheinen lässt. Der Mittelteil der Trilogie ist so hervorragend abgefilmt, wie sein Vorgänger, spielt freilich mit anderen Sehgewohnheiten und Anspielungen und verweist eher gelegentlich stilistisch mit seinen eingefangenen Bildern auf vergangene Filmzeiten. Die beziehen sich nicht zwingend auf das Genre Horror, ebenso wie die verwendeten Zitate, die auch mal aus "Das zauberhafte Land" stammen können. Mehr denn je lebt der zweite Teil von der Performance Mia Goths, so sehr wie sie diesmal im Zentrum steht, und erneut liefert sie eine Glanzleistung ab. Bewusst verwenden West und Goth direkte Parallelen zur Protagonistin aus dem Vorgänger, da wäre aufgrund zu extremer Zufälle weniger manchmal mehr gewesen, aber dieses Spiel an sich reizt dennoch. Trotz mancher Ähnlichkeit zu Stephen Kings "Carrie - Des Satans jüngste Tochter" erzählt "Pearl" letztendlich das Gegenteil. Hier ist die Mutter Opfer und die Tochter Täter. Und es erfreut im Laufe der Zeit festzustellen, dass wir keineswegs der Entstehungsgeschichte einer Psychopathin beiwohnen, sondern immer deutlicher bemerken dürfen, dass diese bereits vorhanden ist, und dies keineswegs aufgrund der traurigen Umstände, in denen die junge Frau verweilt. Derart dämliche Klischees bedient der Film nicht, und reflektiert wie er ist streift er die dennoch vorhandenen bewusst. 

Dass mit Pearl etwas nicht stimmt, merken wir früh, wenn Kleinvieh getötet und auf "Lake Placid"-Art ans ortsansässige Krokodil verfüttert wird. Wie weit die Störung jedoch tiefer geht, erfahren wir erst im Laufe der Zeit. Wenn die dunkle Seite aus Pearl auch für Randfiguren erkennbar hervor bricht, erlebt man eine Naturgewalt. Dies nicht nur bei den zu erwartenden Morden, sondern auch bei seelischen Zusammenbrüchen, von denen zwei hervorhebenswert sind, da sie zu den Höhepunkten des Streifens gehören. Neben einer intensiven Heulszene, welche die filmtypischen Mauern in ihrer Extreme durchbricht (vergleichbar mit den hysterischen Schrei-Szenen aus "The Blair Witch Project"), bildet die andere von beiden die erste Hälfte des Finales, das entgegen der üblichen Vorgehensweise einen sehr langen Monolog präsentiert, anstatt uns neue Ereignisse und Erkenntnisse zu präsentieren, die zu den endgültigen Schlussmomenten führen. Für ein Publikum, das nicht nur den Standard bedient bekommen möchte, zahlt sich der Mut von Ti West und Mia Goth, die beide das Drehbuch schrieben, aus. Man klebt regelrecht an Pearls Lippen. Und eine endgültig am Schluss gesetzte, wundervolle Pointe, deren Abblende fast schon verärgert, so gerne wie man davon mehr gesehen hätte, entschuldigt für die offene Frage, wie unsere Pearl wohl den heimgekehrten Ehemann davon überzeugt hat, bei ihr zu bleiben, so wie wir es aus "X" schließlich wissen. Wahrscheinlich wäre auch dies eine erzählenswerte Geschichte. Aber der Schlussteil der Trilogie spielt stattdessen in den 80er Jahren und konzentriert sich auf die andere Rolle, die Goth im Erstling mimte. Leider kann "MaXXXine" an die beiden Vorgänger nicht so gekonnt anknüpfen, wie diese ausgefallen sind. Aber davon erzähle ich ein andermal.  Wiki

22.03.2024

X (2022)

Eine Gruppe von Filmemachern hat die Räumlichkeiten einer Farm angemietet, um dort einen Pornofilm für den frisch aufkommenden Videomarkt zu drehen. Die Farm gehört einem sehr alten Ehepaar, das nichts von den Plänen der Gruppe ahnt. Letztendlich ahnt die Crew aber auch nicht, was ihr an diesem unseligen Ort widerfahren wird...
 
Was man hat, was man hatte und was man will... 
 
Ti West verneigt sich wieder einmal vor vergangenen Horrorzeiten und macht mit seinen Retroaufnahmen, die Stimmung und künstlerisches Vermögen gleichermaßen einzufangen wissen, mit Bildzitaten deutlich welche Vorlagen er ehrt. Zwar geht die Geschichte dabei zu geradeaus auf Slasher-Kurs, aber sie lässt sich hierfür jede Menge Zeit mit einer wundervoll bedrohlichen Atmosphäre in der langen Vorbereitungsphase. Hier steht nicht nur Figurenvertiefung auf dem Plan, sondern auch die Identifikation mit dem Zeitgeist der 70er Jahre, sowie der Branche, für die man produziert, und die Parallele, sowie die Gemeinsamkeiten zweier unterschiedlicher Generationen und Mentalitäten. Ti West nutzt manch anderen inhaltlichen Ansatz, als im Genre üblich, überrascht mit dem Aggressor, der gegen die Sehgewohnheiten ausgesucht ist und recht früh als solcher zu erkennen ist. "X", der Teil 1 einer Trilogie werden soll, die bislang mit "Pearl" eine erste Fortsetzung per Vorgeschichte erfuhr, knüpft an M. Night Shyamalans Idee aus "The Visit" an, alte Menschen zum Bösen eines Horrorfilms zu erklären. Die waren bislang entweder besessen wie in "Mom" und "Evil Date", bekamen Unterstützung von jungen Menschen, wie recht früh im modernen Horror in "Muttertag" geschehen, oder wurden eher humoristisch in grotesker Wirkung a la "Rabid Grannies" eingesetzt. 
 
"Die Nacht des Todes" wäre eventuell noch zu nennen, als Ausnahme von der Regel, aber in Form eines waschechten Slashers dürfte Ti West wohl der erste sein, der sehr alte Menschen in die Position der Mörder setzt. Außerdem erfährt "X" zusätzlichen frischen Wind mit dem Tabubruch von Altersnacktheit und Sexualität im Alter und setzt den freizügigen Szenen in der ersten Hälfte, in welcher es u.a. um einen Pornofilmdreh geht, als eine Art Legitimierung der dort gezeigten Details selbiges mit alten Körpern im letzten Drittel entgegen. Manch einer erfährt es erst im Abspann, aber ebenso wie im 2018er "Suspiria" steckt ein junger Mensch per Doppelrolle im Kostüm eines alten Menschen, und cleverer Weise war dies für besagte Spiegelung der Geschehnisse, der junge Pornostar im Mittelpunkt, der nicht zufällig ebenso wie der Fernsehprediger redet. Beide Rollen werden von Mia Goth hervorragend dargeboten, wenn der alte Part auch von einem überzeugenden Körperkostüm unterstützt wird. Und ihr Mut derart offen mit Reizen und recht hemmungslos vor der Kamera als Porno-Newcomerin zu agieren, gebührt Respekt, eben weil sie professionell spielt, und nicht nur hübsch besetzt wurde. Das guckt sich alles überzeugend, in dieser neuen und gleichzeitig traditionellen Art, die sich nicht einzig mit dem Abliefern von Retro-Atmosphäre ausruht, zumal der Stoff geistreich mit dem Gefühlsleben diverser Figuren umgeht und offen über schwierige Themen debattiert. Manch heftige Tötungsmethode, inklusive zwei Leckerbissenszenen für Tier-Horror-Liebhaber, sind ebenso enthalten. 
 
Man benötigt jedoch die rechte Muße für solch ein langsam angegangenes Werk, um den großen Wurf in ihm zu erkennen, was bei mir erst bei der zweiten Sichtung funktioniert hat, was ich im Nachhinein kaum glauben kann, so sensibel und provokativ dieser faszinierende Film zugleich angegangen ist. Sicherlich fehlt ihm der heftige Nervenkitzel mancher vergleichbarer Werke, "X" funktioniert auf recht nüchterne und intellektuelle Art, während er nach Außen den plumpen Reißer der quantitativen Schauwerte vorgaukelt. Trotz der sehr ruhigen Art schafft es Autor, Produzent, Cutter und Regisseur Ti West trotzdem, dass man mit den Figuren mitfiebert, und dies nicht zufällig, ein gewisser Grad Empathie, trotz gewollter Tabubrüche in so ziemlich jedem Charakter, ist ihm dabei wichtig, egal um welche aktiv agierende Person es gerade geht. Und in einer Art Verstehen der Motivation der Täter, liegt mit dieser Empathie eines der Geheimnisse zum Funktionieren von "X", zumal er trotz einiger Nacktheiten maximal einen Hauch Erotik erntet, da es dem guten Mann um Sex in der Handlung geht, und nicht hauptsächlich um das Einfangen anregender Bilder. Eine Ausnahme bildet Mia Goth, die erste Person in meinem Leben, die es schaffte mich gekleidet in einer Latzhose scharf zu machen. Wer sich durch die Anwesenheit der durch "Wednesday" und "Scream 5" mittlerweile populär gewordenen Jenna Ortega Nacktheit auch von dieser Seite erhofft, wird sich jedoch mit Unterwäscheszenen zufrieden geben müssen, die trotzdem nicht frei von Provokation sind. Viel interessanter finde ich an ihrer Anwesenheit jedoch, dass mich diese junge Schauspielerin, die ich meist nur bedingt überzeugend finde, in "X" eine gute Leistung abliefert.  Wiki

04.04.2019

SUSPIRIA (2018)

"Suspiria" ist ein bildgewaltiger Klassiker, der einen mit seiner Terrormusik, dem Farbenmeer, seiner Intensität und dem zarten Pflänzchen Jessica Harper inmitten gruseliger Ereignisse geradezu in seinen Bann zu ziehen weiß. Die Geschichte ist fast Nebensache, besteht zumindest aus einem ziemlich dünnen Faden, und da kann man schon zurecht kritisch nachfragen, welchen Sinn die Neuverfilmung eines derartigen Werkes machen soll. Er ist ein zugleich geliebter und verkannter Kunstfilm, der eben nicht von seiner Geschichte lebt, sondern von seinem Stil. Entnimmt man ihn, kann doch nichts brauchbares mehr übrig bleiben. Oder doch?

Regisseur Luca Guadagnino und Drehbuchautor David Kajganich haben es unter der Produktion Dario Argentos, dem Regisseur des Originals, dennoch gewagt und nicht einfach nur ein dahingeschludertes Wiederkäuern abgeliefert, sondern ebenso wie die Erstverfilmung einen Kunstfilm abgeliefert. Dieser ist jedoch völlig anders geartet, ist die Neuverfilmung "Suspiria" doch eher dem Arthouse-Kino zuzuordnen anstatt dem klassischen gehobenen Horrorfilm. An intensiven Momenten mangelt es nicht, auch wenn die völlig anders angesetzte Geschichte ziemlich nüchtern erzählt daher kommt. Wie auch immer man zum zweiten Anlauf der Hexe der Seufzer steht, der Film hallt definitiv nach, sowohl stilistisch, als auch inhaltlich, gibt es doch einerseits viel zu verarbeiten, andererseits einiges einzuordnen. Nach bislang nur einer Sichtung weiß ich noch nicht ob ich einzelne Fragmente, die den Schluss betreffen, nicht verstehe, etwas übersehen habe, der Film selbst unlogische Momente bereit hält oder ob er absichtlich von mir entdeckte Lücken bzw. Widersprüche auffährt. Eine solche Provokation würde nicht verwundern, so wie man den Stoff hier verarbeitet hat.

Stummfilm- und Theater-ähnlich offiziell in diverse Akte aufgeteilt, dauert es einige Zeit, bis man sich in die zunächst unübersichtliche Erzählung hinein gefunden hat, mit Kenntnis der Erstverfilmung ebenso wie als Neuling. Erstgenannte werden sich über die Neuorientierung der Geschichte wundern, damit beginnend dass vieles aus der Sicht der Hexen erzählt ist, deren übernatürliche Existenz schnell gelüftet ist und die Zielsetzung wohin die Geschichte führt, eine völlig andere ist, als jene klassisch schlichte, von welcher Argentos wunderbare Regiearbeit erzäht. Nach einiger Zeit hat man sich in den Erzählstil eingefunden, auch wenn man sich noch immer etwas orientierungslos fühlt aufgrund der völlig anderen Positionierung und der Puzzleteile der einzelnen Erzählstränge, nicht etwa weil diese völlig unabhängig voneinander verlaufen würden, sondern weil man nicht weiß wohin das hervorragend geschauspielerte und stilistisch sicher und imponierend inszenierte Szenario hinführen soll. Was schwebt den Köpfen hinter dem Projekt vor, fragt man sich fasziniert, wenn man sich von dem verkopften Sog des Stoffes anstecken lassen kann. Hat man sich erst einmal an den nüchternen Erzählstil gewöhnt, reißen einem zudem provokante Bilder geradezu aus der sicheren Zuschauerposition heraus.

Das beginnt mit verstörenden Traumsequenzen, deren Bilder scheinbar wahllos aneinander gereiht sind, stilistisch jedoch zu erstaunen wissen und Geschmacklosigkeiten und skurril anmutende Aufnahmen in Sekundenschnelle auf den Zuschauer nieder regnen lassen. Und es endet in einem Grenzen sprengenden Finale, wie es italienischer kaum sein könnte. Die Freizügigkeit an nackter Haut und Perversionen, die wir hier vorgesetzt bekommen, zeigt auf wie wenig künstlerischen Einfluss es scheinbar von Seiten der amerikanischen Finanzgeber her gab, und auf die man selbst aufgrund der sehr freizügigen, künstlerisch wertvoll inszenierten Tanzszenen und Tanzübungsszenen, die einem zuvor zuhauf präsentiert wurden, nicht vorbereitet ist. Diese schauten sich trotz fehlender Nacktheit sexuell provozierend und anregend, ein Effekt der regelrecht provoziert wird und immer wieder mit Grausamkeiten vermengt wird. Das Verstörende mixt sich stets mit dem Verkopften, und dieser hemmungslose Cocktail in den Händen von visuellen, inszenatorischen und darstellerischen Profis offenbart ein Werk, wie man es nur selten zu Gesicht bekommt und welches tatsächlich einen eigenen Wert hervor bringt und sich damit vom Original als eigenes Werk emanzipiert.

Wer den Film im Originalton schaut, bekommt neben dem Sehwert noch einen hervorragenden Hörwert beschert, klingt die Rolle des alten Professors mit seiner hellen Stimme doch unglaublich kränklich, und wird überraschend damit erklärt, dass Tilda Swinton neben ihrer Rolle als Madame Blanc in gekonnt täuschender Maskerade auch den Professor verkörpert. Hier wird die weibliche Männerstimme zu einem faszinierenden Vorteil, welcher dem dargestellten Charakter glaubwürdig zugute kommt, so authentisch kränklich und schwächlich wie sich diese Stimme anhört. Dies im Kontrast zu den starken, selbstherrlichen Gegnerinnen weiß zu gefallen, gerade wenn man sie gelegentlich, unabhängig zum Professor, dabei beobachten darf, wie sehr wir Menschen doch nur Spielfiguren für sie sind. Tiefst schwarzer Humor bricht in diesen kurzen Augenblicken in das ernste, dramatische und düstere Treiben des Filmes hinein, besonders provozierend in der Trance-Szene des ermittelnden Kommissars dargeboten. Es ist diese besagte Hemmungslosigkeit und der Schwebezustand zwischen Verstehen und Nichtverstehen des Gezeigten, der "Suspiria" eine besondere Note verleiht. Hier werden nicht sinnlos künstlerische Fragmente vermengt, hier ist alles durchdacht und scheint es in meinen Verständnislücken ebenso zu sein, und dementsprechend werden auch gekonnt die Knöpfe beim Zuschauer gedrückt, so wie Regie und Drehbuch es haben wollen.

Wie ich schon erwähnte hallt "Suspiria" nach dem Gucken auf verschiedenen Ebenen noch weiter nach, wenn man sich während des Zuschauens ernsthaft und intensiv, aber auch frei von Tunnelblick mit ihm beschäftigt hat. Mit einem einzigen Gucken ist es ohnehin nicht getan, bei all der Konzentration die er einem abverlangt und bei all der Detailfreude, mit der man hier vorgegangen ist. Der einzige Wermutstropfen, der sich mir enttäuschend offenbart hat, war die Wahl mit welcher Rolle Jessica Harper, die Hauptdarstellerin der Erstverfilmung, besetzt wurde. Hier wäre auch in Form eines Gastauftritts eine doppeldeutige oder entscheidende Rolle möglich und wünschenswert gewesen. So wie tatsächlich eingebracht, wirkt ihr spätes Erscheinen wie ein Zwang, den man dem Publikum als Wunsch gewähren muss, und das ist nicht nur schade zu nennen aufgrund ihres Talentes was sie im Original oder auch in "Das Phantom im Paradies" bewies, sondern auch aufgrund dessen, dass es sich respektlos guckt die gute Frau so zu verheizen, wenn bei unbefriedigender Darstellung auch ohne sie in einer fiesen Pointe mit dramaturgischem Nachhall angewendet. Chloë Grace Moretz erkennt man in ihrem Gastauftritt zu Beginn anbei nicht, was ich allerdings ganz gut finde.

Kurzum: wer sich als Horror-Fan nicht vor anspruchsvollem Kunstkino scheut und als Cineast nicht den Bereich des Horrorfilms, der bekommt ein erstaunliches Produkt mit winzigen Schönheitsfehlern und intensiver Nachbeschäftigung geboten. "Suspiria" kommt nicht eitel, pseudo-anspruchsvoll oder intellektuell überheblich daher, erlaubt sich aber selbstbewusst erzählt zu sein, was bei einer derart zu Ende gedachten Inszenierung, Erzählung und Psychologie auch legitim ist, ja sogar so sein muss, um das theoretisch Durchdachte auch derart effektiv praktisch umzusetzen. Ebenso wie Argentos Original wird die zweite Variante des Stoffes das Publikum definitiv spalten.  OFDb