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25.08.2019

DIE JUNGFRAU UND DAS UNGEHEUER (1978)

Es gibt unzählige Verfilmungen des Märchens um "Die Schöne und das Biest". Und von all diesen sticht wohl "Die Jungfrau und das Ungeheuer" am deutlichsten heraus, hebt er doch die düstere Seite des Stoffes hervor und schaut sich deshalb nicht wie ein klassisches Märchen. Eher ähnelt er einem Alptraum, konzipiert für ein erwachsenes Publikum, auch wenn man im Zuge der bekannten tschechischen Märchenfilme zunächst einen solchen erwarten würde. Juray Herz' Werk ist somit ein Ausnahmefilm sowohl bezüglich der Vorlage, als auch bezüglich seiner Herkunft, ist aufgrund Letztgenanntem dementsprechend verwandt mit "Valerie - Eine Woche voller Wunder", stilistisch jedoch völlig anders geartet. Es ist nicht so, dass "Panna a netvor" (Originaltitel) nicht auch die kitschigen Elemente beinhalten würde, welche tief in der Vorlage verankert sind. Herz beachtet sie jedoch nur kurz, lässt sie gelegentlich einfließen, zelebriert sie dann sogar unerwartet, legt dann aber wieder den dunklen Schleier über diese, welcher die komplette Atmosphäre des Reststreifens ausmacht. Einzig hochtrabende Liebesbekundungen, nüchtern vorgetragen, zeugen ansonsten noch vom romantischen Urgehalt der Geschichte. Sie klingen theoretisch vorgetragen so unecht wie sich das Komplettszenario schaut, und eben weil der Film sich so realitätsentrückt schaut geht das auch in Ordnung.

Noch bevor das Monstrum ins Geschehen rückt, serviert uns der Regisseur von "Der Autovampir" eine düstere Grundatmosphäre. Neblige Wälder, eine unheimliche Hintergrundmusik, selbst der mit Zeichnungen untermalte Vorspann besitzt etwas beunruhigendes, während er zugleich mit morbide anmutenden Bildern bezaubert. Es ist die Poesie des Düsteren, die Romantik im Morbiden, welches "Die Schöne und das Ungeheuer" (Alternativtitel) sein gewisses Flair beschert. Herz baut einzig auf die Stimmung des Streifens. Sobald es inhaltlich etwas zu hinterfragen gibt, lenkt er ab. Hintergründe werden nicht geklärt, manch eingebrachte Elemente der Vorlage verlieren gelegentlich ihren Sinn, da ihr Bezug zum Rest nicht aufgezeigt wird. Interessanter Weise wird dies nicht zu einem Schwachpunkt des Streifens, denn diese ungeklärten Elemente besitzen ebenfalls ihre unheimliche Wirkung in dieser stimmigen Umsetzung, die zwar nicht wirklich zum Horrorfilm wird, aber in ihrer düsteren Fantasy-Art eine Nähe zu diesem Genre aufbaut. Herz gelingt es einen derart tief in diese oberflächliche Welt einzutauchen, dass man ihm nicht böse ist tiefer zu greifen. Jegliche Abweichung könnte einen Riss ins morbide Gewandt reißen, dementsprechend handelt der Regisseur mit der reduzierten Vorgehensweise richtig.

"Das Ungeheuer" (Alternativtitel) ist ein Liebhaberstück, welches mit viel Herzblut umgesetzt wurde. Die Kamera arbeitet verspielt, die Verantwortlichen der heruntergekommenen Burg dürfen sich ordentlich austoben, wenn es darum geht eine triste, lebensfeindliche Umgebung zu erzielen, dabei hätten selbst die nüchternen Winteraufnahmen gereicht sich an diesem Ort nicht heimisch zu fühlen. Ein interessanter Aspekt, welcher Ebenfalls von den anderen Verfilmungen des berühmten Märchens abweicht, ist die Entscheidung den monströsen Schlossherrn als Vogelkreatur auftreten zu lassen. Der Erfolg gibt den Verantwortlichen recht, das Kostüm wirkt bizarr, funktioniert in seinen unheimlichen Szenen ebenso wie in seinen sinnlichen, so dass es das Kunstwerk abrundet, dem man hier beiwohnen darf. Wer auf Tiefgründigkeit zu Gunsten von Atmosphäre verzichten kann, ohne dass dabei die Charaktere vernachlässigt werden, der sollte als Freund älterer Werke aus uns fremd scheinenden Regionen unbedingt einen Blick riskieren. Juraj Herz ist mit "Die unglaubliche Geschichte" (Alternativtitel) wahrlich ein kleines Meisterwerk geglückt, in welchem selbst die bunteren Kitschmomente einen ungewöhnlichen Reiz besitzen.  OFDb

29.07.2018

KRAKATIT (1948)

Nur wenige Jahre nach dem ersten Einsatz einer Atombombe ist "Krakatit" entstanden, der die Panik seiner Zeit gut wiederspiegelt, aufgrund der Tatsache welch enorme Kraft ein Kriegsgerät mittlerweile besitzen konnte, und welche Macht mit dem Besitz einer solchen Errungenschaft vorhanden ist. Die Zerstörung der Erde schien keine Science Fiction mehr zu sein, und die Frage über die Mitverantwortung von Wissenschaftlern, auch wenn sie neutral forschen, stand kritischer denn je im Raum. In heutigen Zeiten von Gewöhnung, Gleichgültigkeit und dem Ignorieren des eigentlich noch immer unheimlichen Themas Atombombe schaut sich Vávras Film somit höchst aufgewühlt, panisch und hektisch, was verständlich ist. Leider aber auch (ebenso verständlich) arg moralisch, je mehr er sich dem Ende seiner warnenden Geschichte zuwendet, und das schmeckt mir an dem eigentlich so gekonnt umgesetzten Werk so gar nicht.

Ich schätze Otakar Vávra für seinen ebenfall politisch warnenden Film "Hexenjagd", der aufzeigte wie leicht es ist ein System per Manipulation für sich zu gewinnen. Die moralische Keule blieb dort weitestgehend aus, Sachlichkeit stand im Raum, eine Rekonstruktion der Möglichkeiten angewendet auf einem Mikrokosmos. Aufgrund dessen dass alles Erlebte in "Krakatit" die Einbildung während einer sehr schweren Erkrankung ist, spielen auch die Geschehnisse des hier besprochenen Streifens in einem Mikrokosmos. Der verwirrte Zustand des Patienten lässt den im Zentrum stehenden Wissenschaftler fast schon episodenartig durch die Welt stolpern. Zeiten und Entfernungen fühlen sich absichtlich geringer an als sie es tatsächlich sind, Verschlichtung soll auch hier zum Verständnis führen und das Ganze wie eine klassisch erzählte Geschichte, nahe den Eigenschaften eines Märchens, aussehen lassen.

Da man nicht mit Erklärungen an die Hand genommen wird und sich in diesem sich im Kopf eines Kranken abspielenden Kosmos zurecht finden muss, in welchem selbst der Fiebertraum nur Teil der Fantasie ist, wird manch einer mit "Krakatit" nicht warm werden. Dabei macht das Selbstentdecken der Wahrheit und das Zusammenspiel von Rationalität und verwirrten Elementen gerade den Reiz des Streifens aus. Allerdings wäre es schön gewesen, die Odyssee durch den Geist eines Wissenschaftlers, von dem wir nicht einmal wissen ob er tatsächlich den Sprengstoff Krakatit erfunden hat, würde zu mehr führen als zum reinen Gewissens-Trip, zumal am Ende eine Lektion steht, die zu schlicht ausgefallen ist und in ihrer Naivität den Fakt ausblendet, dass auch Erfindungen die Licht und Wärme in die Gesellschaft bringen können, von Interessengemeinschaften zu Machtzwecken missbraucht werden können, wie gerade unsere heutige Zivilisation zeigt. 

Erfindungen in Kategorien wie gut und böse zu trennen ist nun einmal so unsinnig wie überhaupt die Welt in gute und böse Dinge und Eigenschaften einzuteilen. Aber so ist das mit Moralisten, die haben einen zu begrenzten Horizont um in Graustufen denken zu können. Und unter diesem Makel leidet nun einmal schlussendlich auch "Krakatit", der handwerklich gelungen ist, die tolle Arbeit aber lediglich für naive Botschaften nutzt und damit zu oberflächlich bleibt. Da man in dieser Machart auch sicherlich absichtlich auf Kafkas "Der Prozess" schielte, allein schon wegen der inhaltlichen Parallelen, ist ein solch schlichtes Ergebnis um so ärgerlicher zu nennen, so vieldeutig wie doch die Werke dieses Schriftstellers ausgefallen sind, und so simpel wie man sich hier auf der Lektion ausruht, die der Protagonist als Erkenntnis geradezu obligatorisch zu gewinnen hat. Dank der tollen Bilder, die gerne absichtlich künstlich ausfallen, ist der Fiebertraum freilich trotzdem einen Blick wert. Aber das künstlerisch wertvolle Äußere an "Krakatit" besitzt einen Anspruch, den der Inhalt nicht komplett erfüllen kann.  OFDb

28.07.2018

ALS HITLER DEN KRIEG ÜBERLEBTE (1967)

Während alternative Fiktionen zum Thema Hitler wie "Er ist wieder da" und "Vaterland" ihre Thematik nutzen um das Übel von Faschismus und Rassismus näher auszuleuchten, geht der cleverer angegangene "Als Hitler den Krieg überlebte" einen Schritt weiter und zeigt wohin Fanatismus führen kann, wenn man sich auf der richtigen Seite wähnt. Anti-Faschisten spielen ein übles Spiel mit dem noch lebenden Adolf Hitler, um Gerechtigkeit auszuführen und begehen dabei selbst Ungerechtigkeiten. Innerhalb seiner Sekten-ähnlich organisierten kleinen Welt wird der Anführer der Anti-Faschisten selbst Führer eines totalitären Systems, von seinem Auftrag überzeugt und sich keiner Schuld bewusst, über Leichen gehend für die gute Sache. Zbynek Brynych, der auch für die Groteske "Die Weibchen" und diverse "Derrick"-Folgen verantwortlich war, und auch am Drehbuch des hier besprochenen Psycho-Dramas mitschrieb, arbeitet nicht nur subtil mit dieser Thematik, in einer der letzten Einstellungen des Filmes zeigt er die Spiegelung beider Personen unübersehbar mit unbeabsichtlichtem Hitlergruß und übereinstimmender Mimik während einer sich in Rage redenden Ansprache an die Untergebenen.

Hitler wird ebenso als Opfer wie als Täter gezeigt, hier soll nichts von dem schön geredet werden, was schreckliche Ausmaße annahm. Aber Brynych thematisiert etwas, was ich in aktuellen Debatten zum Thema Rassismus immer wieder vermisse: den Fakt dass das Gegenteil des Böse angesehenen nicht automatisch gut ist und dass die Wahrheit aus viel mehr Grautönen besteht, als Idealisten und Extremisten zu erkennen vermögen. Selbst die Identifikationsfigur Dr. Hermann, über dessen Unwissenheit wir das zunächst schwer verständliche groteske Treiben vor Ort mitverstehen lernen, wird keineswegs als vertretenswerte Alternative angeboten. Zwischen den Stühlen sitzend und immer wieder auf den Aggressor einredend man möge Hitler den Nürnberger Prozessen ausliefern, steht er vor einer schwierigen Entscheidung. Die Situation dessen was von ihm erwartet wird kocht hoch, schließlich soll er gar Hitler erblinden lassen. Ein Richtig oder Falsch gibt es als Entscheidung nicht, und somit bleibt auch seine finale Tat diskutabel innerhalb eines Stoffes der allerhand Material zum Diskutieren bietet, sei es die eigentliche Thematik betreffend oder den Weg der gewählt wurde, um diese Fiktion zu erzählen.

"Ich - Die Gerechtigkeit" (Alternativtitel) ist in seiner trockenen, recht distanzierten Orientierung sehr nüchtern ausgefallen, ist eher Drama als Thriller, wie er vielerorts bezeichnet wird, lässt sich aber ohnehin schwer in eine Schublade stecken. So grotesk wie "Die Weibchen" ist er nicht ausgefallen, auch wenn vieles von dem was wir hier erleben zunächst aufgrund von Unwissenheit, teilweise aber auch später im aufgeklärten Zustand diesem Adjektiv entspricht. Wenn Anti-Faschisten fast in Karnevalslaune mit Schauspiel und Gelächter ihre Show abspielen, von der sie denken sie würde der Gerechtigkeit dienen, dann atmet "Já, spravedlnost" (Originaltitel) die Luft des Bizarren und Verdrehten. Dennoch fühlt es sich in diesem nüchternen Erzählton, der trotz Parteiergreifung einem stets sachlich erscheint, weil er in seiner intellektuellen Machart auf Gefühlsmanipulation jeglicher Form verzichtet, nicht so grotesk an wie es sein müsste, vielleicht auch weil zwingend eine Ernsthaftigkeit über allem aufgrund der Grundlage der Thematik schwebt.

"Als Hitler den Krieg überlebte" gefällt als andere Art der Verarbeitung des Themas Hitler und Nazis, drückt nicht die üblichen Knöpfe, ruht sich nicht auf den üblichen aufklärerischen Kern aus, der andernorts immer wieder wiederholt wird, teilweise der Gewöhnung wegen. Brynychs Werk ist eine Auseinandersetzung barrierefreier Gedanken, sich dem Thema mündig und reflektiert nähernd, ist freier als Werke der heutigen Zeit inszeniert, da er sich nicht nur innerhalb der Moral des aktuellen Zeitgeistes bewegen darf. Brynych geht einen Schritt weiter, richtet sich an ein intelligentes Publikum, ohne sein Werk dabei zu verkopft oder überambitioniert zu gestalten, ohne innerhalb eines intelligenten Ansatzes x weitere bieten zu müssen. Der Film ist ein Werk seiner Zeit, darf noch langsam und innovativ erzählt sein, darf sich auf eine einzige Idee ausruhen, die provoziert ohne krampfhaft provozieren zu wollen. "Als Hitler den Krieg überlebte" soll zum Nachdenken anregen, und er spaltet sein Publikum. Zunächst dadurch dass sich manch einer dem hier aufgezeigten Blickwinkel nicht nähern kann, und beim Zielpublikum schließlich mit seiner Methodik, die bei solch schwieriger Thematik sicherlich nicht jeden schmecken wird.  OFDb

31.07.2016

HEXENJAGD (1970)

„Hexenjagd“ thematisiert das düstere Kapitel des Christentums um Hexenverfolgungen und Hexenverbrennungen im Gegensatz vieler anderer sich des Themas aneignender Filme auf die realistische Art. Otakar Vávras Werk ist weder Horrorfilm noch plakative Schwarz/Weiß-Malerei. Ganz im Gegensatz zu dem was man cineastisch von diesem Thema gewohnt ist, hat er ein Drama geschaffen, das gut reflektiert ist und auf intelligente Art nachvollzieht wie es seinerzeit gewesen sein muss, als die Kirche den Aberglauben des Volkes vor den Augen weniger Gelehrter ausnutzen konnte, um Gräueltaten zu vollziehen.

Dass dies nicht das Ziel der Kirche zu dieser Zeit war, thematisiert Vávra dabei ebenso wie die fragwürdige Gesetzgebung, mit der man der Inquisition eine Gerechtigkeit bescheren wollte. An dieser Grundlage orientiert lässt er nun eine Person in den Mittelpunkt treten, die ihre Macht ausspielt um besagte Gesetze zu missbrauchen, umgehen und auszuhebeln, dabei eine unfreie Gesellschaft schafft und somit die absolute Macht erlangt. Ganz unabhängig vom Thema Hexenjagd schaut sich „Kladivo na carodejnice“ (Originaltitel) wie ein Lehrfilm darüber mit welchen Methoden man ein funktionierendes System aushebeln kann und aus einer geordneten Situation Chaos entfachen kann, ein von Angst gesteuertes Chaos, welches nur dem Zweck dient dem Verursacher dieser Situation Macht zu verleihen.

Die Methoden sind auf jedwede andere heimtückische Machtübernahme anzuwenden und Vávra lässt uns am Beispiel der Hexenjagd an jedem einzelnen Schritt teilhaben, während er in Parallelsequenzen die Fesseln der wenigen Gebildeten zeigt, die fassungslos mit ansehen müssen wie die Aufklärung um Jahrzehnte zurückgeworfen wird und Aberglaube auch das letzte Gehirn befällt. „The Witch Hunter“ (Alternativtitel) ist in aller Seelenruhe erzählt, lässt sich Zeit uns jeglichen Blickwinkel zu zeigen, bishin zu dem Versuch den obersten Machthaber über das Treiben des Inquisators zu unterichten. Insgesamt ist er aufgrund seiner Sachlichkeit sehr nüchtern erzählt, aber auch sehr interessant, da gut durchleuchtet. Und wenn die Unwahrheit erst über Foltermethoden erzwungen werden muss, müssen wir auch an diesen brutalen, gar nicht nüchtern umgesetzten, Szenen teilhaben.

Selbst hier verkommt „Witchhammer“ (Alternativtitel) nicht zu einem reißerischen Werk. Gewalt wird nicht der Ausrede wegen eingebaut um äußere Schauwerte zu bieten. Und Vávras Bilder verkommen auch nie zu den blutberauschenden Bildern des Genres welches er immer wieder gekonnt umgeht. Aber anders darf einem schon werden bei all der Unmenschlichkeit und Machtlosigkeit die einem hier vorgesetzt wird. Und sie gräbt sich um so tiefer in den Magen, als dass wir wissen dass das Thema aktuell wie eh und je ist, in einer Zeit in der Menschen sich der Religionen wegen bekriegen und mächtige Länder Kriegsverbrechen begehen dürfen, ohne dass die Außenwelt sich zu wehren weiß.

Mit seinen mal mehr mal weniger intensiv in den Fokus rückenden Themen des Wegguckens, des Mitlaufens und des Verweigerns des Wissens und der Logik, ist „Witches‘ Hammer“ (Alternativtitel) ein Film zu Problemen die nie vergehen, die an jedem Ort und zu jeder Zeit stattfinden. Und Vávra zeigt uns aufs Detail genau recherchiert auf welche Eigenschaften das einfache Volk besitzen muss und welche Methoden der Unterdrücker benötigt um eine fragwürdige Situation derart eskalieren zu lassen. In Zeiten der Betäubung durch Medien, in Zeiten des Verdummens durch den Glauben an Homöopathie, Götter und Esoterik und in Zeiten in denen wir es den Dümmeren und Gierigen überlassen uns zu regieren, tut ein Aufklärungsfilm wie „Hexenjagd“ dringend Not und sollte in allen Schulen dieser Welt gezeigt und intensiv besprochen werden. Allerdings bräuchten wir dafür eine aufgeklärte Gesellschaft, und daran hakt der Plan bereits.  OFDb

12.06.2016

DER GEHEIMNISVOLLE MÖNCH (1987)

„Der geheimnisvolle Mönch“ ist ein tschechischer TV-Film nach Motiven von Edgar Wallace, und diese nicht aus dem Kino stammende Herkunft sieht man dem kostengünstig heruntergedrehten Streifen auch immerfort an. Gespielt, ausgestattet und ausgeleuchtet wie ein Theaterstück, schaut er sich eher wie ein TV-Spiel, wie es in den 50er und 60er Jahren in Deutschland mit Werken wie „Tagebuch eines Frauenmörders“ und „Das Halstuch“ zum Standard des TV-Programms gehörte, in den 80er Jahren aber bereits kaum noch denkbar gewesen wäre. Zumindest entschuldigt diese Herangehensweise die karge Innenkulisse des Schlosses im Vergleich zu den diesbezüglich charmanten Rialto-Wallace-Filmen. Enttäuschend ist die lieblose Ausstattung dennoch, zumal auch die Kostüme zu wünschen übrig lassen.

Gut tut dem von  Zdenek Kubecek inszenierten Streifen sein komödiantischer Anstrich, so dass diverse Unzulänglichkeiten dadurch ein wenig abgeschwächt werden. Leider kommt der Humor manches Mal zu überzogen daher, zwar auch auf typische Theaterart dargeboten durch verspieltes, augenzwinkerndes Überagieren so ziemlich aller Schauspieler, aber doch eine Spur zu albern geraten um „Rùzový Hubert“ (Originaltitel) dem Ganzen einen charmanten Anstrich zu verschaffen.

Verglichen mit all den seit der Stummfilmzeit gedrehten Grusel-Krimis nach Edgar Wallace, bereitet „Der geheimnisvolle Mönch“ zumindest teilweise Interesse, von einer Empfehlung kann man aber leider so gar nicht sprechen. Kubeceks Werk ist kein Geheim-Tipp, kein Liebhaberstück und hat auch nichts Außergewöhnliches zu bieten was seine Verfilmung unter all den vielen ähnlich thematisierten Beiträgen nach Wallace rechtfertigt. Da zumindest der ein oder andere Gag stimmt (ganz besonders die Schlusspointe), und der Film unter 70 Minuten läuft, langweilt er zumindest nicht. Aber aufregend sieht anders aus!  OFDb

24.01.2016

DER PHANTASTISCHE PLANET (1973)

„Der phantastische Planet“ sprudelt nur so voll bizarrer Ideen, wie die Welt auf einem anderen Planeten aussehen könnte. Der Mensch dient als Identifikation, während alles um ihm herum fremdartig erscheint. Ominöse Pflanzen, Technologien und Tiere bereichern die ohnehin schon interessante Geschichte derart, dass ihre etwas trocken vorgetragene Art durch sie aufgelockert wird, so dass der ideenreiche Film nie zu träge daher kommt, obwohl er für das unterhaltungsverwöhnte Publikum von heute relativ kopflastig ausgefallen ist.

Dass der Mensch mit Ameisen gleichgesetzt wird, ist nicht zu übersehen und ist damit die deutlichste Parallele zu Begebenheiten auf der Erde, was der uns gezeigten bizarren Welt jedoch nicht schadet, sondern die humane Botschaft nur um so leichter für den Zuschauer begreifbar macht. Zwar sind auch weitere Parallelen zu Vorkommnissen auf der Erde vorzufinden, so z.B. die menschenfressende Variante eines Ameisenbärs, dennoch wimmelt es in „Der wilde Planet“ (Alternativtitel) zusätzlich nur so vor individuellen, eigenständigen phantastischen Ideen, die eine völlig eigene Kultur und Umwelt erschaffen und uns zeigen wieviel phantasiereicher man sich eine fremde Zivilisation und einen fremdartigen Lebensraum zusammenreimen kann, als es uns in den meisten Science Fiction-Filmen vorgelebt wird.

„Fantastic Planet“ (Alternativtitel) lebt von dieser Fremdartigkeit, besitzt aber innerhalb seiner Geschichte auch genügend Potential im Spannungsbogen und in der Dramaturgie, als dass auch sie zu funktionieren weiß. Dank einer kurzen Laufzeit von unter 70 Minuten wird der Streifen zu keiner Zeit langweilig. Etwas länger hätte er jedoch ausfallen müssen, kommt der Schluss doch sehr plötzlich innerhalb eines Filmes, der ansonsten zu keiner Zeit gehetzt erzählt wirkt. Gerade aufgrund der Schluss-Pointe, die man durchaus erahnen kann, wäre es schön gewesen, wenn man im gleichen Umfang wie die Rest-Story im Detail erfahren hätte wie es zu dieser gekommen ist. Aufgrund dieser Schwachstelle wäre eine Fortsetzung wünschenswert gewesen, mit der man nun 43 Jahre später wohl kaum noch zu rechnen braucht.

Die Animation ist etwas steif gehalten und damit gewöhnungsbedürftig, passt meiner Meinung nach aber hervorragend zum Erzählstil und zum intellektuellen Gehalt der Geschichte, so dass dies nicht wirklich als Minuspunkt betrachtet werden kann, zumal es den Sehwert am Streifen nicht mindert. Die Figurengestaltung, gerade was die fremdartigen Wesen und Pflanzen betrifft, sind trotz schlichtem Zeichenstils einfallsreich ausgefallen, und allein ihretwegen ist es gut, dass zum Erzählen der Geschichte das Medium des Zeichentrickfilmes gewählt wurde. Durch ihn ist es möglich die Ernsthaftigkeit des Stoffes beizubehalten, wohingegen ein trickreicher Realfilm zu verspielt gewirkt hätte.

Wer sich für außergewöhnliche Filme abseits des Mainstreams interessiert, der wird „La planète sauvage“ (Originaltitel) lieben, ein Zeichentrickfilm von René Laloux, der auch für den bekannteren „Herrscher der Zeit“ verantwortlich war, der dem hier besprochenen Film neun Jahre später folgen sollte. „Der phantastische Planet“ ist intelligentes und humanes Science Fiction-Kino, einfallsreich erzählt und Galaxien weit entfernt vom geistfreien Kitschniveau finanziell erfolgreicher Großproduktionen im Zeichentrickbereich.  OFDb

14.01.2016

LIMONADEN JOE (1964)

„Limonaden-Joe“ ist in seiner auf klassische Stummfilm-Komödie gedrehte Art ein fast schon penetrant schriller Film der Komik, der sich die beschleunigten Bilder, die zur Aussagekraftunterstützung eintönige Einfärbung des Schwarz-Weiß-Materials und die schlichte Gut-Böse-Kombination des klassischen Westerns zunutze macht, um mit voller Wucht das Genre der Lächerlichkeit Preis zu geben. Ob da eine bösartige oder freundschaftlich verbeugende Absicht hinter steckt lässt sich nicht erkennen, der Stoff selbst ist jedoch äußerst charmant umgesetzt bei so viel Treffsicherheit und herzerfrischender Übertreibung.

Allerdings schwankt der Klamauk immer zwischen dem sympathisch durchdachten und dem penetrant nervigen. Eine Pause gönnt Regisseur Lipský dem Zuschauer nie. Das erahnt man bereits bei der ersten Szene, die uns eine wüste Barschlägerei in solch flottem Tempo mit so arg vielen gesetzten Schnitten aufzeigt, dass man nur schwer wirklich über die vielen sympathischen humorvollen Ideen schmunzeln kann, so schnell wie diese abgearbeitet und durch das beschleunigte Bild dem Auge vorgesetzt werden.

Damit ist „Limonaden-Joe“ für mich ein zweiseitiges Schwert. Auf der einen Seite weiß er genau was er auf welche Art parodieren möchte, auf der anderen Seite wirkt er wiederum zu unsensibel umgesetzt. Wer die erste halbe Stunde übersteht, der gewöhnt sich so langsam an die anstrengende Sehgewohnheit. Und wenn mit der Zeit deutlich mehr Inhalt in die chaotische Chose bricht, lässt dies „Limonádový Joe aneb Konská opera“ (Originaltitel) auch wesentlich angenehmer gucken. Aber selbst dann bleibt mir persönlich diese Western-Komödie zu anstrengend. Ich kann da beim besten Willen nicht objektiver drüber berichten.

Interessant ist hingegen der Weg mit dem man den klassischen Western parodiert. Das Thema Alkoholverzicht zur völlig weltfremden Gut-Böse-Trennung zu nutzen, erfüllt den Nebeneffekt ebenso über die Werbung und der leichten Beeinflussung des einfachen Bürgers durch diese sich lustig zu machen. Wer streng sein will, der kann Limonaden-Joe und seinen Freunden vorwerfen keinen Deu besser zu sein als seine Gegner. Einzig die Moral unterscheidet sie, und Moral macht noch keinen guten Menschen. Das weiß jeder Freund gepflegter Krimiunterhaltung.

In „Limonaden Joe“ wird viel gesungen. Die Lieder wurden in der deutschen Fassung ebenfalls eingedeutscht, und dies ist so geglückt wie die Rest-Synchronisation, die so einige berühmte Sprecher vorzuweisen hat. Dass der Film nicht erst mit der Übersetzung zum lustigen Ergebnis umfunktioniert wurde, wie es so einigen Spencer/Hill-Werken angetan wurde, erkennt man am völlig überzogenen, albernen Spiel aller Mimen und der herrlich behämmerten Ideen wie man per Übertreibung Gut und Böse im Alltag erkennen kann. Der Bösewicht trinkt Säure und frisst sein Glas danach auf. Der Gute kleidet sich komplett in Weiß, verzichtet auf Alkohol und schießt so perfekt wie Lucky Luke.

Wie bereits erwähnt kann das alles durchaus unterhalten, sofern man vom Inszenierungsstil nicht so erschlagen wird wie ich. Aber da das bei mir nun einmal der Fall war, kann ich das fertige Werk trotz vieler treffsicherer humoristischer Elemente nicht wirklich empfehlen. Wen die Hektik der Erzählung nicht all zu sehr stört, die, wie ich zu erkennen weiß, durchaus bedacht gewählt wurde, der könnte jedoch einen wahren Glückstreffer der Western-Parodie für sich entdeckt haben. Ich würde es dem Film gönnen, wenn er seine Fan-Gemeinde besitzen würde.  OFDb

14.12.2012

KRABAT (1977)

Der Bettlerjunge Krabat erreicht eine Mühle, wo er von dem Meister die Chance bekommt sein neuer Gehilfe zu werden. Der Müllermeister lässt viele Jungs für sich arbeiten und lehrt sie zudem die schwarze Magie und zeigt ihnen, wie man mit Hilfe dieser Leute betrügen kann. Das Leben auf der Mühle hat jedoch auch eine böse Kehrseite für die Gesellen...

Es klappert die Mühle...
 
Um den Vagabunden Krabat ragen sich so manche Erzählungen, beruhend auf einer Legende. Jurij Brezan schrieb über ihn ebenso wie Otfried Preussler. Brezans Version wurde zwei Jahre früher in der DDR verfilmt. Preusslers Vorlage musste zwar bis 2008 auf eine Realverfilmung warten, dafür wurde ihm 1977 eine Zeichentrickversion beschert, die bei echten Anhängern des Kult-Kinderbuches sich größerer Beliebtheit erfreut, als die spätere Verfilmung. „Krabat“ ist in schlichten Bildern gehalten, einfachst animiert, jedoch nicht ohne Charme. Ein wenig Gewöhnungszeit brauchte ich schon, gerade bei der Animation Krabats selbst. Aber mit der Zeit zeigten sich die positiven Aspekte den Film per Scherenschnitt zu animieren, und der von mir zunächst als unangenehm gezeichnet empfundene Bettler Krabat, erwies sich als passende optische Charakterisierung.

Ich wage es gar nicht mir vorzustellen, wie eine Trickfilm-Version heutzutage ausgefallen wäre. 1977 durften Produkte für Familie und Kind noch ebenso hart erzählt werden, wie die Werke der Gebrüder Grimm. Und so ist der Tod ständiger Begleiter der Geschichte. Man sieht Särge, unheimliche Totenköpfe, es darf geblutet und gestorben werden. Das macht den Film heutzutage auch interessant für ein erwachsenes Publikum, trotzdem bleibt diese Verfilmung im Gegensatz zu der 2008-Version in erster Linie ein Kinderfilm. Dieser zeigt, dass Moral nicht in Form von Kitsch präsentiert werden muss, ein häufiger Irrtum aktueller Produkte für das Jungvolk. „Krabat“ ist eine düstere Geschichte, eine die auch eine Aussage tätigen will. Er will keine triviale Ablenkung vom vielen Denken sein.

Die Bilder selbst sind nicht so düster gehalten, wie man passend zur Geschichte meinen sollte. Aber die Geschehnisse ziehen einen rasch in ihren Bann, und man verfolgt interessiert dem Ablauf. Ich bin Nichtkenner des Buches und konnte mich nur an „Krabat“ von 2008 und an die Verfilmung nach Brezan namens „Die schwarze Mühle“ orientieren. Da letzteres Beispiel nur die Basis mit Preusslers Werk gemein hat, blieb mir nur der vergleichende Blick zur Realverfilmung. Und da sind Unterschiede erkennbar, meist in dem was man für wichtig erachtete zu erzählen und was nicht. Die Annäherung an das Mädchen, bzw. das Entdecken der Gefühle zu ihr, bekommen in der Zeichentrickversion einen größeren Rahmen. Liebe wird auf schlichtere Art gezeigt, und die hohe Aufmerksamkeit zu diesem Thema muss sein, da es für das Finale von hoher Bedeutung ist.

Die Auflösung der Gefangenschaft unter einem zauberbegabten Tyrann wird wesentlich rätselhafter ergründet, als in der 2008er-Version. Das wundert, da sie an anderer Stelle dem Zuschauer nicht jede Information vordergründig aufs Brot schmieren musste. Regisseur Zeman erwartet von seinem jungen Publikum nichts, was es nicht leisten könnte. Schön, dass die Geschichte wegen dem Vertrauen an die Fähigkeiten der Zuschauer mit Wendungen und Überraschungen jeweils bis zum entscheidenden Moment wartet, anstatt zu früh mit offenen Karten zu spielen. Inhaltlich haben beide Verfilmungen ihren interessantesten Unterschied in der Schluss-Situation. Um Nichtkennern nichts zu verraten sage ich nur die Stichwörter Raben und verbundene Augen. Bei Brezan war es übrigens ebenso die Rabenvariante, wie in der Realverfilmung „Krabat“. Auf mich wirkt diese Variante auch wesentlich hinterhältiger.
In der Zeichentrickversion gibt es einige Elemente, die mir zu kurz kommen, gerade weil das Zielpublikum ein junges ist. Die überraschende Wendung eines wichtigen Charakters wird trotz ihrer Wichtigkeit für die Geschichte lediglich am Rande erwähnt, ebenso wie die erste Freundschaft, die Krabat auf dem Hof schließt. Auch ein verräterischer Geselle wird nur eingangs als solcher vorgestellt und taucht mit dieser entscheidenden Charakteristik nie wieder auf. Stattdessen wacht der Meister selbst über Ungehorsam. Dass er hierfür verschiedenste Verwandlungen durchmacht, was im Realfilm nur kurz angeschnitten wird, ist trickreich und furchteinflößend eingebracht. Der Meister verwandelt sich in allerhand Tiere, und in einer Winternacht wird dieser Bereich der Zauberkunst in Zemans Film genutzt, um eine ähnliche Situation aufzuzeigen, wie seinerzeit im Zauberduell von Disneys „Die Hexe und der Zauberer“.

Der Meister lehrt seinen Schülern schwarze Magie nicht nur Just For Fun. Er bezweckt damit gaunerisches Treiben, was anhand einiger Betrügereien gezeigt wird. Allerdings wird der Meister auch wesentlich bösartiger dargestellt als im Realfilm, wo der Gauner-Aspekt komplett ausgeblendet wird. Von Anfang an ist seine böse Art offensichtlich. Er bestraft im Gegensatz zu seinem reellen Gegenstück auch gerne mal ohne Grund, ist also ein Fiesling sondergleichen. Hier gehen beide Verfilmungen meiner Meinung nach richtig vor. Der Zeichentrick wählt die simplere und märchentypischere Variante für die Kinder, der Realfilm zeigt die bösen Seiten des Müllers erst mit der Zeit, um mit dem erwachsenen Publikum zu spielen. Dennoch überraschte mich die Zeichentrick-Variante. Ich habe mir von Lesern des Buches nämlich erzählen lassen, dass die Mühle in der Vorlage zunächst als friedlicher Ortdargestellt wird. Da wirkt ein offenes Spiel mit der Bösartigkeit des Müllers widersprüchlich.

Zemans „Krabat“ benötigt nur einen Sprecher, den des Krabat selbst. Als Off-Kommentator erzählt der Bettler von seinen Erlebnissen, die sich im Gegensatz zur anderen Verfilmung übrigens auf ein Jahr länger stützen. Die Musik passt sich der restlichen inszenatorischen Schlichtheit (Sprecher und Zeichenstil) an, spielt sich nie in den Vordergrund, sondern versucht dem Treiben auf der Leinwand möglichst unterstützend zu begegnen. Trotz aller Schlichtheit ist Zeman, der mehrfach Erfahrungen im phantastischen Filmbereich gesammelt hat, eine liebevolle Umsetzung geglückt, die mit ihrer Moral erst zum Schluss hin arbeitet, was ich gut heiße. Ein früheres Einbringen hätte die nüchterne Atmosphäre auf dem Hof zerstört, dessen einziger Ausweg die Ausflüge zur Geliebten darstellten. Psychologisch gesehen ist Zeman also richtig vorgegangen.

Etwas unnötig fand ich die sehr lang gehaltene Prüfung mit einem türkischen Sultan, die der Meister an Krabat stellt. So wichtig sie auch für die Geschichte ist, sie wird zu sehr vertieft und reißt einen ein wenig aus dem hauptsächlichen Geschehen heraus. Nichtsdestotrotz ist „Krabat“ ein schöner Film geworden, den einige Erwachsene aufgrund seiner Härte sicher nicht ihren Kindern zeigen werden. Ich denke gegenteilig, finde es gut, wenn ein Kinderfilm sein Publikum nicht in Watte packt, denke aber auch, dass der Zeichentrick noch eine Spur düsterer hätte umgesetzt werden können. Mag sein dass es an der friedlichen Stimme des Erzählers liegt, oder daran dass die Bilder selber arg hell gehalten wurden. „Krabat“ ist zwar kein schlechter Film, aber ich bin froh, dass er später für ein erwachsenes Publikum umgesetzt wurde, wie es die düstere Geschichte längst verdient hat.  OFDb

24.09.2012

DER KLEINE MAULWURF (1957)

Ein kleiner Maulwurf erlebt mit seinen Freunden dem Hasen und dem Igel allerhand Abenteuer...

Little Tree Friends...
 
Der kleine Maulwurf Pauli gehört zu meinen Kindheitserfahrungen mit dem Medium TV, und ich finde es schön, dass Kinder heute eine ebenso große Freude daran haben, ihn bei seinen simplen Abenteuern zu begleiten, wie ich seiner Zeit. Das liegt daran, dass der kleine Maulwurf kleinen Kindern sehr ähnlich ist. Allein sein Lachen ist dem kindlichen Verhalten besonders nah, aber auch seine anderen Emotionen wurden von den Kleinen richtig abgeguckt und verstanden. Die Geschichten sind sehr banal und gehen meist um Teamwork. Sie sind von der Belehrung her eigentlich nie verkehrt, wenn auch manchmal der erhobene Zeigefinger zu hoch ist. Das kriegen die Kleinen aber eh kaum mit, picken sie sich doch eh ganz andere Sachen aus einer solchen Folge heraus: Gegenstände erkennen, benennen was der Maulwurf macht bzw. warum er es macht.
 
Dass diese sehr lebensnahe Erzählweise den klassischen Erzählstil nach der Pilotfolge "Wie der Maulwurf zu seiner Hose kam" ersetzte, ist eine gute Entscheidung gewesen, vom Maulwurf würde sonst wohl heute keiner mehr reden. Der Pilot war zu routiniert, er hatte nichts eigenes, und die Serie wäre nur eine von vielen gewesen. Die Musik untermalt die kleinen Abenteuer nett. Die Figuren, so wie der Rest sind schlicht animiert, aber sehr liebevoll. Einzig der Hase wirkt im Vergleich zu billig, da er nur eine leicht veränderte Variante des Maulwurfs ist. Wäre nicht immer Zdenek Miler Kopf der Serie, könnte man meinen, dass der Hase erzwungen dem Zeichenstil des Erfinders angeglichen wurde. Scheinbar war es aber seine eigene Entscheidung. „Der kleine Maulwurf“ ist der Gefühlswelt kleiner Kinder so nah, dass er wahrscheinlich noch in 20 Jahren geguckt werden kann. Die Geschichten sind eigentlich zu allgemein gehalten und ohnehin so klassisch präsentiert, dass sie wohl nie derart veraltet wirken könnten, als dass das ganze Geschehen nicht mehr guckbar wäre.  OFDb

16.08.2012

VALERIE - EINE WOCHE VOLLER WUNDER (1970)

Valeries Großmutter schließt mit einem Vampir einen Pakt der ewigen Jugend. Auch die 13jährige Enkelin möchte er in seinen Bann ziehen, doch die wird von magischen Ohrringen und ihrem Freund Orlik beschützt...

Düstere Menstruation...
 
Die Erlebnisse der titelgebenden Valerie gehen weit über das hinaus was in den meisten Inhaltsangaben im Netz zu lesen ist, aber zumindest bildet das dort beschriebene Szenario das Zentrum all des Trubels den das erstmals menstruierende Mädchen sich in seiner Fantasie zusammen reimt. Ja, alles ist der Traum eines Mädchens, dessen Körper zur Frau wird, und das ist auch der Grund warum der komplette Film so surreal erzählt ist und den Zuschauer mit vielen offenen Fragen am Ende allein lässt. „Valerie - Eine Woche voller Wunder“ ist kein unüberlegter Film, aber er verlässt sich mehr auf Wirkung als auf eine abgeschlossene Geschichte, in welcher die einzelnen Fragmente lückenlos ineinander greifen.

Jires' Werk ist reine Fantasie, deswegen geht das auch völlig in Ordnung, zumal sein skurriler Mix aus Horror, Erotik und Märchen sich in seiner Optik und seinem Einfallsreichtum geradezu hypnotisch guckt. „Valerie - Eine Woche voller Wunder“ ist ein faszinierender Film der für sich alleine steht, einer der uns zeigt zu was das Medium außerhalb des Mainstreams in der Lage ist, wenn man es nur richtig zu nutzen weiß. „Valerie“ sprudelt über vor Symbolik, Zauber und Mystik und klingt in seinem Titel viel friedlicher als er eigentlich ist. Wunder, das klingt so positiv. Aber Valeries Welt, in seiner Fantasterei vergleichbar mit jener von Alice und Dorothy, ist düster, voller Verrat, Intrigen und Lügen.

Die Tschechoslowakei ist berühmt für seine tiefsinnigen und liebevoll umgesetzten Märchenfilme. Deswegen braucht es gar nicht wundern, dass ein solcher Bastard, einzig entstanden für das erwachsene Publikum, aus eben diesem Herstellungsland stammt, sieht man „Valerie a týden divu“ (Originaltitel) die Verwandtschaft zu den etwas berühmteren Werken für die ganze Familie doch regelrecht an.

Mag da auch eine stille Verwandtschaft zwischen diesen vergleichsweise häufig konsumierten Märchenfilmen liegen, fremdartiger könnte sich „Valerie“ gar nicht gucken, so anders kommt er daher, schuppst uns in eine verwirrende Welt hinein, in der man vieles selbst erkennen und begreifen muss, und selbst beim Erreichen dieses Zieles noch immer viele Fragezeichen über den Kopf schweben hat. Geschichte wie Inszenierung reißen einen mit und würden sich selbst dann ungewöhnlich gucken, wenn sie aus einem vertrauten Land zu vertrauter Zeit entstanden wären.

Nun bekommen wir Deutschen diese Fantasterei jedoch sogar aus einer uns meist fremd wirkenden Kultur vorgesetzt, aus einer Zeit in welcher es noch andere Werte, Gesetze und Mentalitäten gab. Glücklicher Weise werden diese Faktoren ergänzt durch das Fehlen eines Deutsch-Tons, so dass man, ob nun seltene Fernsehausstrahlung oder DVD, „Valerie“ im Originalton mit Untertiteln schauen muss, so dass die gewagte und provozierende Geschichte um so außergewöhnlicher zu genießen ist.

In einem uns so fremd wirkenden Werk muss man akzeptieren können, dass der hocherotische Streifen eine weibliche Hauptdarstellerin beherbergt, die zur Zeit des Drehs 13 Jahre alt war und nicht mit ihren Reizen geizt. „Valerie“ hält immer seinen Stil und sein Niveau, er rutscht nie ins Obszöne ab, aber doch wird der ein oder andere gerade an der Tatsache von Jaroslava Schallerovás Alter etwas zu schlucken haben. Völlig in den Film eintauchen kann man erst, wenn man es dudelt, denn der erotische Aspekt ist keine unnötige Nebenerscheinung des Werkes, sondern eines seiner Zentren, was es um so ungewöhnlicher macht, dass ich Gefallen an diesem Streifen finde, konnten mich bislang doch nur wenig Werke überzeugen, denen die Erotik so unglaublich wichtig waren.

Vielleicht liegt es an der allgemein morbiden und dramatischen Umsetzung inmitten eines atmosphärischen Horrorszenarios, dass ich die Dominanz nackter Haut und sexueller Provokationen (angedeuteter Inzest, die Suche nach sexueller Orientierung, devote und dominante Rollenverhältnisse, ...) als förderlich für die Geschichte empfinde. Andererseits müssen sie allein wegen des psychologischen Verstehens und der Grundlage, auf welcher die Fantasiewelt der Valerie aufbaut, sogar pflichtmäßig enthalten sein.

Denn wie eingangs erwähnt ist „Valerie - Eine Woche voller Wunder“ kein unüberlegter Film. Nein, er trifft Aussagen, er kritisiert, er beobachtet, und er möchte dass der Zuschauer beim Betrachten dieses Kunstwerkes etwas erlebt. Der Zuschauer soll mitgerissen werden von diesem reichhaltigen und tiefgründigen Bildersog, der mit solch wundervoller, passender Musik untermalt wurde, was ihm das endgültige Pünktchen auf dem I beschert.

Dass mir dieser intensive Streifen teilweise nicht immer nur wegen seines surrealen Schwerpunktes etwas brüchig und lose zusammengeflickt vorkommt, ist aufgrund der abstrakten Art nicht wirklich ein Minuspunkt. Aber ich hatte zumindest den Eindruck, dass der Regisseur Jaromil Jires nicht immer den Überblick behielt und deswegen vielleicht sogar dankbar dafür war, dass sein Werk absichtlich verworren, grotesk und manches Mal etwas zusammenhanglos konzipiert ist. Ansonsten lässt sich über sein Plädoyer über Individualität jedoch nichts Schlechtes sagen.  OFDb