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28.07.2022

DIE KLUGE KLEINE HENNE (1934)

Wilfried Jackson durfte den ersten Zeichentrick-Kurzfilm für die Disney-Studios inszenieren, in welchem Donald Duck eine größere Rolle beschert bekam, ohne dabei der Sidekick von Micky Maus zu sein. "The Wise Little Hen" (Originaltitel) lässt ihn (harmonischer als zuvor gezeichnet) dennoch lediglich gleichrangig an der Seite mit einem bösen Schwein als Duo agieren. Beide drücken sich auf der Farm vor der Arbeit. Beim Mais sähen bekommen sie angeblich Bauchschmerzen, bei der Ernte ebenso, und drei Mal darf man raten was deswegen die Pointe ist, wenn der zum Essen verarbeitete Mais verspeist werden soll, und Donald und das Schwein gierig sabbernd mitessen möchten... Man muss kein Genie sein, um diese spießige Pointe zu erraten, und sie passt zu der viel zu biederen Umsetzung, die noch nicht die lockere Herangehensweise hat, die einem an einem Donald-Duck-Cartoon später so oft zu gefallen weiß. "Der kluge kleine Gockel" (Alternativtitel) schaut sich mehr wie ein Belehrungsvideo für kleine Kinder, als wie ein Unterhaltungsfilm im komödiantischen Animationsbereich. Zugegeben, es handelt sich um einen frühen Streifen mit besagter Ente im Zentrum, aber den Bereich der belustigenden Kurzfilme gab es schon seit der Stummfilmzeit, das magere Ergebnis lässt sich also nicht durch die Entstehungszeit entschuldigen. Da das ganze zudem noch fast komplett musikalisch ausgefallen ist, was mir in zu braven Stoffen meist sauer aufstößt, war "Die kluge kleine Henne" definitiv der falsche Stoff für mich. Neben diverser anderer Kurzfilme vor und nach dem hier besprochenen, war Wilfried Jackson auch an der Inszenierung von solch großen Disney-Kinofilmen wie "Peter Pan", "Susi und Strolch" und "Alice im Wunderland" beteiligt.  OFDb

18.10.2015

KÜSS DEN FROSCH (2009)

Was durfte man aufatmen, dass die Disney-Studios doch wieder neben den computeranimierten Trickfilmen zu der klassisch gezeichneten Variante zurückkehrten, nachdem die Pforten dieser für einige Jahre verschlossen war. Zwar hatte man mit „Die Kühe sind los“ und „Der Schatzplanet“ Werke geschaffen die weit unter dem Niveau üblicher Disney-Zeichentrickfilme angesiedelt waren, aber dennoch machte sich bei vielen Hoffnung breit mit der Rückkehr ins klassische Zeichentrickgeschäft Qualitäten vergangener Tage zu erleben.

In gewisser Weise ist das auch passiert, nur leider besann man sich auf späte Erfolgszeiten zurück, auf Zeiten von „Arielle, die Meerjungfrau“, „König der Löwen“ und Co, die sich zwar heutzutage großer Beliebtheit erfreuen, denen aber aus diversen Gründen der Charme der großen Klassiker wie „Aristocats“, „Bernard und Bianca“, „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ und Co fehlt. „Küss den Frosch“ beginnt mit ähnlichen Schwächen selbiger Zeit. Zwar ist der Streifen animationstechnisch auf höchstem Niveau angesiedelt, ständig selbstverliebter Gesang raubt einem jedoch schnell den Nerv. Wenn das ganze dann noch durch einen charakterlich viel zu braven und arg kitschigen Figurentyp präsentiert wird, zumindest in der Vorgeschichte während der Kindheit unserer Heldin, dann ist das zwar der typische Zeitgeschmack wie die Masse heutzutage einen Familienfilm sichten möchte, aber längst nicht mehr innovativ, vorrausschauend und mutig wie die großen Disney-Filme - ganz zu schweigen vom fehlenden Charme einer zu berechnenden und anbiedernden Umsetzung.

Nach einer schwer zu ertragenden Einleitung kommt plötzlich ein Hoffnungsschimmer auf, darf mit Auftauchen des Frosches doch endlich die nötige Dosis Komik ihren Einzug in die Geschichte halten, die einige Zeit später noch Verstärkung durch ein Musik-begabtes Krokodil erhält. Doch diese Lichtblicke funktionieren nur kurze Momente, sind ohnehin nur Schatten vergangener Sympathieträger wie es einst z.B. Libellchen war, und selbst starke Figuren alter Disney-Klassiker bekämen das zu berechnende Konstrukt von „The Princess and the Frog“ (Originaltitel) nicht gestemmt.

Schon Jahre vor dem Schließen der klassischen Animationsstudios kamen in Amerika, auch von anderen Firmen, nur noch familienfreundliche Zeichentrickfilme außerhalb der reinen Computeranimation auf dem Markt, deren Drehbücher sich nicht zu verfilmen lohnten, so als wolle man geradezu absichtlich das bisherige Animationsverfahren aus dem Weg räumen. „Küss den Frosch“ kann sich hier nahtlos einreihen in seiner Einfallslosigkeit, nicht einmal den Partyfaktor liefernd, der zumindest die weniger innovativen CGI-Filme heutiger Zeiten zu retten weiß. Schön und gut dass man relativ klassisch wieder einsteigen wollte, aber dann darf man nicht nur formelhaft auf Märchengrundlagen und leicht modernisiertem biederen Stil zurück greifen, dann muss man gerade an den Punkten ansetzen, welche die Erfolge der frühen Werke damals ausgemacht haben: sympathische Charaktere, situationsorientierter sowie herzlicher Gesang jenseits eines Musical-Stils und Mut zu Innovationen. All das fehlt „The Frog Princess“ (Alternativtitel).  OFDb

04.02.2013

DAS DSCHUNGELBUCH 2 (2003)

Mogli gefällt es im Menschendorf eigentlich recht gut, aber in seinem Inneren ruft der Dschungel. Eines Tages folgt Mogli dem Bär Balu, der sich ins Dorf geschlichen hat, zurück in den Urwald. Zwei Kinder folgen ihrem Freund, da sie denken Mogli würde sich in Gefahr befinden. Das ist auch gar nicht so verkehrt, denn der Tiger Shirkan sinnt auf Rache...

Aus dem Dschungel in den Dschungel...
 
Die Walt Disney Studios haben schon lange den finanziellen Reiz von Fortsetzungen großer Disneywerke und solcher die es gerne wären entdeckt. Meist kommen sie direkt auf Video heraus, Ausnahmen wie „Bernard und Bianca im Känguruland“ und „Peter Pan 2“ bekommen gar ihre Chance im Kino. Auch das Sequel zum sehr beliebten „Das Dschungelbuch“ (in Deutschland angeblich der beliebteste Trickfilm überhaupt) erlebte seinen Einstieg auf der großen Leinwand. Ich habe „Peter Pan 2“ nicht gesehen, aber im Hinblick auf den zweiten Teil von „Bernard und Bianca“ ist ein Unterschied sofort erkennbar: „Das Dschungelbuch 2“ hat keine erzählenswerte Geschichte.

Auch das zweite Abenteuer um zwei Mäusedetektive klaute einiges beim Vorgänger und erzählte eine ähnliche Geschichte. Aber er erzählte sie auf andere Art und präsentierte viele neue Figuren. „Das Dschungelbuch 2“ erzählt hingegen von Moglis Rückkehr in den Dschungel und wie er von seinen Menschenfreunden zurück ins Dorf geholt wird. Dazwischen findet lediglich Wiederholung bzw. ein Best Of des ersten Teiles statt, leider derart verkrampft, dass die Chemie missglückt.

Das liegt aber auch an der unterschiedlichen Zeit, die hier vereint wird. 1967 waren Charaktere und Geschichten noch das wichtigste. 2003 befand man sich schon lange Zeit im Würgegriff der Political Correctness und diese Unfreiheit in Form von Angleichung (übrigens durchaus vergleichbar mit Faschismus) sieht man an allen Ecken und Enden.

Zu Beginn fällt auf, dass man sich optisch zwar in einem indischen Dorf am Rande des Dschungels befindet, die Einwohner sich jedoch wie Amerikaner benehmen. Kinder in Moglis Alter sind wieder Kinder und am anderen Geschlecht doch noch nicht interessiert. Gleichberechtigung findet statt und Wasser holen ist keine Tätigkeit mehr einzig für die Frauenwelt. Das Gefühlsleben der Kinder ist angeglichen, ebenso die Erziehungsmethoden der Eltern und selbst das Verhalten der Tiere im Dschungel.

Da kann man zu recht entgegensetzen, dass die Vermenschlichung aktueller Lebensumstände damals den Witz am Original ausmachte. Aber in den 60er Jahren war die Gesellschaft auch noch lebendig. Heute, in Zeiten des Stillstands, werden Charaktere blass aus Teil 1 kopiert, ohne deren Sinn verstanden zu haben.

Aus Bagira, dem Panther, der in den Augen Moglis zum Verräter der Freundschaft wurde, ist eine Randfigur geworden, die den Eindruck macht nie großer Freund und Vertrauter von Mogli gewesen zu sein. Stattdessen darf er sich mit der Elefantenparade herumschlagen, die nun nicht mehr der Sinnlosigkeit einer Armee irgendeinen winzigen Sinn abgewinnen will, sondern Aufträge erledigt, wie das Suchen des Menschenkindes. Man erinnere sich an Teil 1, als der Chef überhaupt erst von seinem Sohn überredet werden musste, das hirnlose Marschieren zu unterbrechen, um etwas nützliches zu machen. Shirkan wirkt böse und unheimlich wie zuvor, verschont jedoch selbst jene Lebewesen, die ihn bis aufs Blut piesacken, obwohl sie weit unter ihm in der Nahrungskette stehen.

Komplett umgedreht wurde der Charakter von Balu, der vom sympathischen Faulpelz zum Vorzeigecharakter der Spaßgesellschaft degradiert wurde. Immer Party im Sinn, noch immer den Rhythmus im Blut, aber auch zivilisiert, wenn er sich selbst als Schmusebär statt als Raubtier definiert. Mogli muss ihn gar zurückerinnern, dass er es seinerzeit war, der dem Menschenjungen zeigte wie man gefährlich brüllt.

Neue Figuren gibt es kaum, aber immerhin eine recht lustige. Die eher zurückhaltenden Geyer bekamen Verstärkung, einen Geyer der völlig anders ist als sie. Er ist ein Spaßvogel, reißt Witze, geht für einen Vogel, der nur vom Aas lebt, gerne Risiken ein und kichert nonstop vor sich hin. Sein liebstes Spott-Opfer ist Shirkan. Aber politische Korrektheit sei Dank, deren Ziel es ist Kindern alles aus dem Blick zu stoßen was heiler Welt im Weg steht, überlebt der Vogel seine bösen Worte, obwohl er sich Gegen Ende in den Krallen des Tigers befindet.

In den fast 35 Jahren seit Teil 1 hat sich noch etwas im Disney-Universum geändert: die Musik. Während damals meist einzelne Personen sangen oder mit wem Zweites ein Duo bildeten, da findet heutzutage meist Massengesang mit einstudierter Tanz-Choreographie statt, die der Gesangssituation noch mehr Realität raubt, als es das plötzliche Singen im Alltag ohnehin schon tut. Wo im altmodischen Gesang die Figur und/oder der Inhalt des Textes im Vordergrund steht, da steht heutzutage die Selbstpräsentation an erster Stelle in pompöser Melodie. Die Musik bekommt Musical-Stil und verliert gänzlich jeden Charme vergangener Disneylieder.

Zwar versucht man im „Dschungelbuch 2“ beide Musik-Stile zu vereinen, aber auch das geht nach hinten los. Die Huldigung des Top-Songs „Probiers mal mit Gemütlichkeit“ fruchtet zunächst, entpuppt sich aber mit andauernder Wiederholung eher zum Verzweiflungsakt der Produzenten sich an etwas Beliebtem zu klammern, anstatt sich vor dem Song zu verbeugen.  

Peinlich wird ein Song, der versucht auf „Probiers mal mit Gemütlichkleit“ anzusetzen. Balu geht in die Dschungeldisko, man geht die selbe Musikrichtung wie das große Vorbild an, und auf routinierter Ebene funktioniert der Song gar halbwegs, bis sich wieder jede weitere Figur des Szenarios in den Song einmischt und den eigentlich musicalfremden Song wieder in ein Musical verwandelt.

Leider ist die Aufzählung meiner negativen Beobachtungen damit noch nicht am Ende. Es gibt nämlich noch etwas, das die Macher nicht verstanden haben. Mogli konnte die Tiere verstehen, weil er mit ihnen aufwuchs. „Das Dschungelbuch 2“ greift hingegen die Logik eines „Bernard und Bianca“ auf, dass die lieben Kinder allgemein Tiere verstehen können. Umgekehrt natürlich auch. Balu darf verstehen was Shanti, Moglis Freundin, erzählt.

Das passt jedoch zum Kinderspielplatz, welcher der Dschungel geworden ist. Einst ein bedrohlicher Ort, können heutzutage zivilisierte Dorfkinder durch den Urwald stapfen, ohne sich ein Leid einzufangen.

Man sieht an all diesen Beispielen sowohl wie naiv die Fortsetzung geworden ist, als auch wie anders die Sehgewohnheiten geworden sind. Ich will niemanden seinen „Aladdin“ und Co absprechen. Manche Disney-Musicals wissen wirklich zu gefallen. Aber eine Fortsetzung von „Das Dschungelbuch“ war der falsche Ort für aufgeblasene Musicalsequenzen. Und das Bemühen zweier Stile in einem Film hat nicht funktioniert.

Für Kinder ist das Ergebnis dieses Sequels jedoch nette Kurzweile geworden. Die freuen sich über das Wiedersehen alter Gesichter, stören sich nicht an meinen oben aufgezählten Punkten und genießen die schönen Bilder. „Das Dschungelbuch 2“ ist kein Zusammenschnitt einer TV-Serie, und das sieht man seiner Optik an. Mögen die Hintergründe auch schlichter sein, die Figuren wissen zeichnerisch zu begeistern. Und in der deutschen Version bekommen sie hilfreiche Unterstützung einer guten Synchronisation.

Shirkan bekam die beste Stimme, die Schlange Kaa und Balu klingen fast wie ihre deutschen Stimmen aus Teil 1. Der verstorbene Edgar Ott wurde durch jenen Sprecher ersetzt, der auch seinen „Benjamin Blümchen“-Part übernahm. Die Stimme des Mogli nervt zwar beim Gesang, in den Sprechszenen ist aber auch sie eine sehr passende. Einzig negativ fiel mir auf, dass Bagira die deutsche Stimme von Tom Hanks beschert bekommen hat, die leider so gar nicht passte. Ansonsten gibt es über die Vertonung nichts zu meckern.

Und um beim Positiven zu bleiben: so sehr die obigen Negativpunkte auch stören, sie machen nicht den kompletten Charme der liebgewonnenen Sippschaft kaputt. So sehr diese Fortsetzung einen auch die Augen verdrehen lässt, hin und wieder kommt sie auf, die Sympathie der Fortsetzung, das Freuen nun erfahren zu dürfen, dass es den Figuren des Originals noch immer gut geht.

Aber das sind kurze Gefühlsausbrüche, die schnell wieder in ihre Schranken gewiesen werden, wenn ein neues Ärgernis auf der Bildfläche erscheint. Handwerklich ist „Das Dschungelbuch 2“ jedoch geglückt, und ein junges Publikum wird Gefallen am oberflächlichen Treiben der Dschungelbande finden. Einen großen Bogen sollten die erst vor den „Dschungelbuch Kids“ machen. Die waren noch viel weiter unter Niveau.  OFDb

28.11.2012

DER FUEHRER'S FACE (1942)

Donald Duck muss in Nazi-Deutschland in einer Fabrik arbeiten. Das ewige Führer-Grüßen, der Mangel an Privatsphäre und die schwere und monotone Arbeit zerren an seinen Nerven...

Donald macht Propaganda...
 
Donald Duck stolpert durch einen Propaganda-Film der Amis und man muss sagen: Donald schlägt sich gut. Er darf mit seiner üblichen, aufbrausenden Art schimpfen, er darf dank seines gewohnten Pechs leiden und kreischt, hüpft und duckt sich durch den Gesang böser und strenger Nazis.

In unserer Sprache nie herausgekommen, belustigt das Werk unter anderem durch die Verwendung einiger deutscher Wörter. Einen großen Teil davon werden die Amis ohne Nachschlagen gewiss nicht verstehen. Auch das „Sieg heil“ findet ununterbrochene Anwendung, pflichtgemäß auch häufig vom leidenden Donald ausgesprochen, der diesen Ausruf mit der dazu passenden Handbewegung kaum noch hinbekommt, parallel zu den Pflichten, die ihm sonst noch aufgebürdet werden. Das findet seinen herrlich grotesken Höhepunkt in seiner Überforderung während seiner sinnlos monotonen Arbeit am Fließband zur Fertigstellung von Bomben. Schrauben, grüßen, schrauben, grüßen, wenn die Hand nicht frei ist muss zum Hitlergruß auch mal der Entenschwanz dienen.

Das ist sicherlich Szenenweise lustig, aufgrund seiner Absicht aber auch nur bedingt unterhaltsam. Das üble Pro-Amerika-Getue, das schon seiner Zeit lediglich das kleinere Übel zum großen Kotzbrocken Nazideutschland war, lässt sich natürlich nicht vermeiden. Besonders übel fällt dies im einfallslosen Finale auf, in dem Donald nach einem Traum eine kleine Freiheitsstatue umarmt. Sicherlich muss man mit so etwas rechnen, man weiß ja, dass der Kurzfilm lediglich billige Propaganda sein soll, das war der Grund warum dieses Werk überhaupt gedreht wurde. Etwas mehr Einfallsreichtum wäre allerdings zu wünschen gewesen. Vielleicht eine Flucht nach Amerika, mit freudigem Herzen die Statue erblickend oder so was in der Art. Dass am Ende aber alles nur ein Traum war, ist etwas arg plump, und der Liebesbeweis Amerikas gegenüber noch mehr.

Für sein Entstehungsjahr wäre ein härterer Umgang mit den Nazis wünschenswert gewesen. Was macht Donald in einer Fabrik? Hätte er als Soldat im Krieg nicht wesentlich mehr Aktionsfreiraum gehabt? Hätte es ihn dort nicht noch übler treffen können? 1942 tobte der Krieg schon viele Jahre, wenn auch nicht unter Ami-Beteiligung. Und dass ewiges Führergrüßen Donalds größtes Übel ist, kann eine gewisse Ideenarmut somit nicht verschweigen.

Immerhin erfährt der Kurzfilm kurz vor Schluss noch eine kleine Zusatz-Tricksequenz, ähnlich der Alkoholszene in „Dumbo“, wenn auch aufgrund seiner Schlichtheit wesentlich simpler und plumper, wie kaum anders möglich bei derartigen Produktionsbedingungen. Disney soll ja nicht einmal freiwillig diese Propagandafilmchen produziert haben, wie man hört. Um so erstaunlicher wie gut „Führers Face“ funktioniert.

Geschichtlich gesehen ist das Werk einen Blick wert, überraschend unterhaltsam ist es auch. Aus heutiger Sicht bekommt es dank der Propaganda aber einen doppelten üblen Nachgeschmack: Der Missbrauch berühmter Figuren zu Anti-Nazi-Propaganda ist ohnehin schon eine Beleidigung von Kunst und Zuschauer (das selbe mussten diverse Sherlock Holmes-Filme auch erleben), und das was an Deutschland im Film so böse ist, findet man mittlerweile in Amerika wieder: Arbeiten unter miesesten Bedingungen und Freiheitsentzug. Ja, ja, so ändern sich die Zeiten!  OFDb

20.11.2012

DIE ABENTEUER VON WINNIE PUUH (1977)

Winnie Puuh sucht für Eule ein neues Haus, da sein altes von einem Unwetter zerstört wurde. In einer weiteren Geschichte bleibt Puuh mit seinem dicken Bauch im Eingang von Rabbits Behausung hängen, und in noch einer Geschichte tarnt Puuh sich als schwarze Regenwolke um Bienen auszutricksen. Ziel der Aktion ist der Diebstahl deren Honigs...

Winnie Puuh und eine Review dazu...
 
In Zeiten bevor der Disneykonzern die Figuren rund um Winnie Puuh für den großen Kommerz verwurstete, gestaltete Wolfgang Reitherman mit seinem Team drei wundervolle Kurzfilme, basierend auf dem bekannten Kinderbuch und zeigt uns den Charme einer kindlichen Welt, von dem die späteren seelenlosen Puuh-Beiträge nur träumen können. Die Geschichten finden innerhalb eines Buches statt, was den Animatoren jede Menge Möglichkeiten gab, optisch mit dieser Idee zu spielen. Die Puppen des Jungen Christopher Robin bleiben sichtbar Puppen mit Nähten, abfallenden Körperteilen und anderen Eigenschaften. Die Geschichten selbst sind in der Grundstruktur sehr banal, zielen ja immerhin auf ein besonders junges Publikum. Die Fülle an wundervollen Ideen, mit welchen die zunächst plumpen Storys bereichert wurden, lassen den Film aber zu einem echten Ereignis werden, der auch für ein erwachsenes Publikum ein Heidenspaß ist. Der gewohnte Zeichenstil, wie typisch bei Reithermans Beteiligung, hat ebenso Einfluss auf die Sympathie dieser Kurzfilmzusammenführung, wie das kindgerechte und pointenreiche Drehbuch, das Charakterdesign und die Musik. Einziger Wermutstropfen ist die Neusynchronisation, welche den alten Geschichten die Stimmen der späten Filme beschert. Diese sind zu stereotypisch und einfach nicht so warmherzig, wie die alten deutschen Stimmen der damals jeweils einzelnen Kurzfilme.  OFDb