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19.05.2020

BATMAN BEGINS (2005)

Nach Burtons Fetisch-Versionen und Schumachers kunterbuntem Rückschritt in die 60er Jahre Version der Thematik war das Medium Kino 8 Jahre später soweit Batman endlich eine ernsthafte Umsetzung zu bescheren. Gewöhnungsbedürftig muten die ersten 30 Minuten an, wenn Bruce Wayne erst durch Ninja-ähnliche Geheimbündler in dem trainiert wird, was er als Fledermaus schließlich in Gotham City anwenden wird. Aber selbst in diesem so gar nicht traditionellen Part der Comicverfilmung stimmen Stimmung und Erzählwert, und eine Fortführung der dort angegangenen Ereignisse bishin zum Trilogie-Ende "The Dark Knight Rises" machen diesen Part sogar wichtig für Nolans Vision aller drei Filme, bei denen er auch jeweils am Drehbuch mitgewirkt hat. Ob der realistische Touch fern einer tatsächlichen Comic-Welt nun besser oder schlechter ist als die übliche Herangehensweise, sei einmal dahin gestellt, er ist aber auf jeden Fall eine interessante Alternative zu den üblichen "Batman"-Filmen und passt zum erwachsenen Grundton des Streifens, der sich auch tiefgründigerer Betrachtungen und politischer Thematiken nicht scheut. Mit diesem weniger verspielten Blick guckt sich "Batman Begins" vielleicht ein wenig zu starr auf ernst getrimmt, aber dieser Grundton ist letztendlich nichts ungewöhnliches im Gesamtwerk Nolans und braucht somit nicht überraschen.

Interessant ist die fast konsequente Verweigerung Batman gegen einen klassischen Gegner aus den Comics kämpfen zu lassen. Mit der Vogelscheuche wird nicht nur ein relativ unbekanntes Gesicht eingebaut, durch seine in der Realität verorteten Charakterisierung und seiner nur am Rande wichtigen Positionierung innerhalb einer vielschichtigen Gesamtgeschichte, fällt kaum auf dass überhaupt einer vorhanden ist. Derartiges verzeiht man Nolan jedoch all zu gerne, denn sein detaillierter Blick auf die Anfänge Batmans, der ohne zu entmystifizieren spannende Hintergrundfragen im Perfektionieren der Verbrecherjagd-Idee Waynes beantwortet, weiß in technisch makelloser Umsetzung bei rundum guter Besetzung zu überzeugen - zumal Nolan sein für Comic-Verhältnisse verkopftes Werk nicht in Sachen Action, Spannungsbogen und Schauwerte vernachlässigt. Ihm ist ein rundum sehenswerter Film gelungen, den man kaum noch dem Fantasy-Genre zuordnen kann, der aber nicht nur durch seine Andersartigkeit innerhalb des Batman-Universums fasziniert, sondern auch die Ur-Tragik der Figur gekonnt zu greifen und zu vertiefen weiß und in eine spannende Geschichte steckt, die inhaltliche Überraschungen ebenso bietet, wie kleine verschmitzte Momente und stille Anspielungen an die reichhaltige Comic-Welt Batmans. Mit "The Dark Knight" gelang es Nolan hinterher sogar, den bereits recht ausgereiften hier angewendeten Ansatz noch einmal zu perfektionieren.  OFDb

06.02.2020

LIEBER DIKTATOR (2018)

Oh, was klingt "Lieber Diktator" nach einem politischen Plot, der als bissige Satire a la "Election", voll schwarzem Humor wie "Heathers", oder zur Rebellion aufrufend wie "Hart auf Sendung" ausfallen könnte. Da werden einige sicher enttäuscht gewesen sein, dass das vom Regie-Duo Lisa Addario und Joe Syracuse, welches seit 1997 einige wenige Filme gemeinsam inszeniert hat, umgesetzte Werk eines dieser anspruchslosen Kurzweiler mit Wohlfühl-Faktor geworden ist. Klar rebelliert Tatiana, lernt vom kommunistischen Diktator diverse Methoden, aber es ist alles recht zahm thematisiert, selbst dann wenn mit Milk-Boarding auch mal ein Lehrer in der Garage gefoltert wird. Solchen Werken, die sich der vorhandenen Möglichkeiten verweigern und alles harmloser aussehen lassen, als es tatsächlich ist, kann man kritisch gegenüber stehen, man kann eine rebellische Idee mit theoretisch mehr Potential aber auch einfach mal als provozierenden Gedanken eines ansonsten nett anzusehenden Unterhaltungsfilm akzeptieren, ohne das Ganze gleich als politischen Verrat oder Produkt der Verdummung anzusehen.

"Dear Dictator" (Originaltitel) fängt das Szenario aus dem Blickwinkel einer Teenagerin ohne Orientierung ein, verfällt nicht dem Drang daraus einen an ein Jugend-Drama grenzenden tragischen Stoff zu machen, sondern sieht sich als lockerleichte Komödie, die einer irren Idee nachgeht, umgesetzt mit Herz. Wer glaubt ein Diktator könne nicht die Rolle einer väterlichen Figur einnehmen, der sollte sein Schwarz/Weiß-Bild von Gut und Böse einmal dringend überdenken. "Lieber Diktator" lebt von beiden Seiten des im Titel genannten Mannes, dessen Vergleiche nicht ohne Grund Richtung Kuba schielen, verharmlost sicherlich durch seinen etwas arg weich gespülten Plot, aber nicht durch einen unkritischen Blick auf die Person, die Tatiana da beherbergt. Außerhalb engen, strengen politischen Ansichten, kommt der Streifen verschmitzt daher. Damit mögen die Kriegsverbrechen als eine Art schelmische Schattenseite des ehemaligen Machtinhabers etwas zu sehr verharmlost werden, als oberflächlich gestaltetes Gedankenspiel zu Unterhaltungszwecken geht das jedoch deswegen in Ordnung, weil der Film nicht versucht politisch zu manipulieren, egal in welche Richtung. Er legt die Schattenseiten beider hier thematisierten Systeme ebenso nahe, wie die positiven, zumal es letztendlich um die Kraft zur Rebellion geht, orientiert an einer naiven, da lebensunerfahrenen, Teenagerin, die vom Drehbuch jedoch nicht unterschätzt wird.

Überschreitungen von Grenzen werden schnell wieder eingedämmt, "Lieber Diktator" geht nie zu weit, zeigt keine Härte in irgend einer Art von Haltung, und auch echte Konsequenzen sind rar gesät. Vordergründig ist der Film eine Teenagergeschichte, mit überraschend treffsicherer Wiedergabe tatsächlicher Teenagerrollenbilder und einem Diktator als eine Art fragwürdigen Miyagi, der gute wie schlechte Tipps bereit hält und ein lieber Onkel ebenso sein kann, wie ein intoleranter Idealist. Diese Rolle wird gelungen von Michael Caine dargestellt, dessen deutsche Synchronstimme mehr denn je zur verkörperten Rolle des berühmten Schauspielers passt. Ebenfalls mit an Bord sind (endlich mal wieder) Seth Green, Katie Holmes und Jason Biggs. Das Herzstück bildet inhaltlich, wie emotional Hauptdarstellerin Odeya Rush, die nicht nur so bezaubernd süß aussieht wie Mila Kunis, sondern zudem noch schauspielerisch zu überzeugen weiß. Eine fast schon unnötige Love Story am Rande schenkt dem rebellischen Geist im Zentrum eine verletzliche Seite, so dass ihr Charakter greifbar genug ist, um mitzuempfinden, anstatt den Streifen lediglich aufgrund der gewagten Idee als unterhaltsam zu betrachten. Der ist, wie erwähnt, ohnehin glatt gebügelt, ins typische Muster eines familientauglichen Unterhaltungsfilmes gepresst, dank entspannter Atmosphäre, sympathischen Mimen und moralfreier und kitschreduzierter Herangehensweise geht "Lieber Diktator" als netter Zwischendurchverzehr jedoch trotzdem in Ordnung. Er gibt nicht vor etwas anderes zu sein, darin ist er ehrlich. In dieser Art ist er mir auch lieber als in Form einer starren, verkopften Satire, die den Blickwinkel anderer Seiten nicht zulassen würde. So oder so ist "Lieber Diktator" jedoch kein großes Erlebnis, sondern lediglich "nur" ein netter Film.  OFDb

07.08.2018

DIE WONDER BOYS (2000)

In seiner empathisch erzählten, meist ruhigen Art könnte "Die Wonder Boys" eine ganz typische Arthouse-Komödie sein, so sehr wie Charaktere vertieft werden, ja geradezu im Mittelpunkt stehen, während sich eine Geschichte erst über die Entwicklung dieser erkennbar macht. Geistreich ist Hansons Film erzählt, mit dem Bereich des Dramas parodistisch spielend, anstatt tatsächlich zur Tragikomödie zu werden, die Sorgen und Probleme der Protagonisten aber trotzdem ernst nehmend, wie die Figuren selbst und dies auch Randfiguren betreffend. Es ist der kleine Gehalt schrägen Humors, der das Klischee der typischen Arthouse-Komödie zu durchbrechen weiß, zunächst gelegentlich auftauchend, dann immer häufiger, bis sich das Finale des Streifens gar lauter und ereignisreicher guckt, als man zuvor vermutet hätte. Freilich wird "Wonder Boys" (Originaltitel) trotzdem nie wirklich laut und wild, aber die Geschehnisse sprudeln hoch für einen sensiblen, empathischen Film, und Curtis besitzt zusammen mit den Autoren das Geschick, dass die bis dahin gelebten Adjektive auch dann noch greifen.

Verglichen mit seinen Filmen "L.A. Confidential" und "In den Schuhen meiner Schwester" ist es ohnehin erstaunlich wie abwechslungsreich die Filmographie des relativ selten tätigen Regisseurs ausfällt, und wie gekonnt all diese andersartigen Ausflüge in die Filmwelt ausgefallen sind. Die schlichte Geschichte von "Die WonderBoys" (Alternativtitel) ist ergreifend erzählt, man badet mitten in den Seelen der zwei Hauptfiguren, während ein aberwitziges Treiben die beiden umweht, eines das man mit seinen innovativen Einfällen nur als kreativ bezeichnen kann. Oftmals sind es für die eigentliche Geschichte völlig unnötige Nebensächlichkeiten, die einen zum Lachen oder zum Schmunzeln bringen, wobei das freilich schwer einzuordnen ist, wenn ein Film wie dieser den Gehalt seiner Story derart intensiv aus der Charakterentwicklung zieht. Wann ist ein Erlebnis wichtig für diese Entwicklung gewesen und wann nicht? Wie auch immer, der Gesamteindruck dieser verrückten Tage, die jedoch nie schrill ausfallen, verändert Grady und den jungen James, der sich ohnehin noch sucht, sowieso.

"Die WonderBoys - Lauter Wunderknaben" (Alternativtitel) wäre schon aufgrund des geglückten Drehbuchs und der Details beachtenden Inszenierung ein wahrer Hingucker, aber die gekonnte, überraschend prominent ausgefallene, Besetzung rundet das Seherlebnis zusätzlich ab. Michael Douglas darf nach "Falling Down" endlich mal wieder völlig anders spielen, was ihm derart gut gelingt, dass man sich mehr solcher feinfühligen Ausflüge von ihm gewünscht hätte (der Versuch es mit "Das grenzt an Liebe" erneut sensibel anzugehen, scheiterte aufgrund einer müden Geschichte). Tobey Maguire weiß sein Lächeln gekonnt einzusetzen. Mal bestätigt es die Reaktion und die entstehenden Gefühle des Publikums, mal wirkt er damit skurril und sonderlich. Seine Mimik ist gekonnt gesetzt, und so beweist er sich früh neben Stars mit langjähriger Berufserfahrung. Katie Holmes hingegen darf nur süß aussehen, wird nicht wirklich herausgefordert, gefällt aber freilich in dieser niedlichen Art. Und Robert Downey, Jr. darf wieder einmal einen ungewöhnlichen Charakter spielen und macht aus der in anderen Filmen so typischen Rolle des Lektors, der Schriftstellern ein neues Buch entlocken möchte, zusammen mit den Autoren des Stoffes einen ungewöhnlichen Charakter, der nicht wirklich in irgendeine Schublade zu stecken ist.

Klischeefiguren darf man in den wichtigen Rollen ohnehin verzweifelt suchen, die tauchen nur im Randbereich auf, und dies nicht aufgrund müder, einfallsloser Autorengeister, sondern um die ansonsten tief gehenden, individuellen Charaktere mit diesen zu konfrontieren. Und selbst dann wird eine Klischeefigur nie zum reinen Stereotyp, selbst dann besitzt sie noch derart viel Realismus durch Eigenständigkeit, dass der von mir gewählte Begriff eigentlich viel zu hart gewählt ist. Es würde schließlich auch nicht zu einem Film passen, den ich aufgrund seiner sensiblen Blickweise und dem Interesse an seinen Charakteren derart zu loben weiß. Und wer Filme solcher Eigenschaften zu schätzen weiß, gerade dann wenn die Charakterentwicklung die eigentliche Handlung der Geschichte bedeutet, der sollte sich "Die Wonder Boys" unbedingt einmal ansehen. Stammzuschauer dieser Gattung Film werden sich sicherlich über den lockeren Umgang mit dem Dramabereich wundern, und wie erwähnt bricht manch wilde Idee manchmal durch den ruhig erzählten Stoff durch, aber das macht Curtis Hansons wundervollen Film nur um so einzigartiger.  OFDb

23.12.2013

DON'T BE AFRAID OF THE DARK (2010)

Ich muss zu diesem Film einfach etwas schreiben, gehöre ich doch zu den wenigen, die den TV-Film „Gates Of Darkness“ gesehen haben, der als Vorlage für das hier besprochene Remake diente und der in Deutschland, so viel ich weiß, nur auf VHS erschienen ist. Zumindest habe ich nie etwas von einer TV-Ausstrahlung mitbekommen. „Gate Of Darkness“ war ein putziger, kleiner, naiver Film, der es schaffte schlichte Gemüter zu gruseln. Es war ein charmanter Film, dessen Geschichte es aufgrund der auf kindlichen Ängste bauenden Spannungsmomente verdient hatte neu verfilmt zu werden. Mit Produzent Guillermo del Torro war ein Mann mit an Bord, dem man zutraut mit dem vorhandenen Material ein stimmiges Filmchen zu zaubern.

Schade dass er die Regie Neuling Troy Nixey übergab und ihm scheinbar nur ins Set-Design reinplapperte. Dies weiß nämlich zu wirken und schreit geradezu danach einen atmosphärischen Film unterstützen zu dürfen. Und Guy Pearce mit an Bord zu haben, der in den Filmen „Memento“, „L.A. Confidential“ und selbst in simplen Stoffen wie „Iron Man 3“ zur schauspielerischen Hochform auffährt, lässt Erwartungen ebenfalls steigen. Würde man ihn nur durch seine Darstellung in „Don‘t Be Afraid Of The Dark“ kennen, man würde ihn für einen 08/15-Schauspieler halten, so lustlos spielt er seine Rolle runter. Und das braucht nicht verwundern, ist der Film doch ebenso uninspiriert herunter gekurbelt.

Schade! Neben der bereits erwähnten Pluspunkte sind die computeranimierten Wesen gut ins Restbild eingearbeitet. Die Erwartungshaltung, die um sie herum aufgebaut wird, ist auch nicht von schlechten Eltern. Aber der Grundton des Films will einfach nicht stimmen. Figuren sind einem egal, der Soundtrack dudelt routiniert vor sich hin, und mit der einseitigen, aber stimmigen Location weiß Nixey und sein Kameramann nicht wirklich etwas anzufangen. Gruselig wird es nie, und selbst simpelster Spannungsaufbau ist kaum gegeben, spätestens wenn wir die Wesen endlich zu Gesicht bekommen und damit das einzige Geheimnis des Streifens gelüftet ist.

„Gate Of Darkness“ war weder raffiniert, noch innovativ. Aber er war zumindest klug genug nicht gleich die Hintergründe aller Geschehnisse in einer unnötigen Vorgeschichte auszuplappern, so wie es das Drehbuch zur Neuverfilmung vorschrieb. Die häufigste Krankheit moderner Horrorfilme schadet mal wieder dem Sehwert: anstatt ruhig in den Film einzutauchen, muss vor Beginn der eigentlichen Geschichte ein Paukenschlag her. Scheinbar langweilt sich der moderne Kinogänger sonst zu sehr, müsste er in der Regel doch sonst 30 Minuten warten bis in einem Horrorfilm erstmals wirklich etwas passiert.

Also: überraschen kann da gar nichts mehr, und da bis zur Hälfte der Laufzeit alles dem typischen Ablauf einer typischen Horrorgeschichte folgt, weiß man dass dies auch beim Rest des Streifens so bleiben wird, der in seiner überraschungsfreien Art nur ganz knapp an der Langeweile vorbei schrammt. Das war wirklich nichts tolles. Nixeys Regie-Einstand ist uninspirierte Routine mit den Möglichkeiten zu mehr. Da greife ich in einigen Jahren lieber noch mal zum ebenfalls routinierten, dafür aber auch naiv-unterhaltsamen Original. An dies hielt man sich zwar vom Ablauf her, inklusive der tollen Idee mit dem Blitzlicht eines Fotoapparates, doch trotz vieler Lücken in der Geschichte und einiger Ungereimtheiten ist die 1973er Version die bessere Alternative zum glattpolierten Aufguss von 2010.  OFDb