Posts mit dem Label Martin Freeman werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Martin Freeman werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

18.07.2021

CARGO (2017)

Der Bereich des Zombiefilms ist nicht tot zu kriegen, und warum das so ist beweist u.a. "Cargo" mit seinem Einfallsreichtum, welcher zeigt wie viele Möglichkeiten das immer gleich scheinende Thema an Potential bereit legt. Dabei weiß man zunächst einmal gar nicht ob man einen Zombie-Beitrag sichtet, oder ob lediglich ein alternatives Endzeit-Szenario dargeboten wird. Die Geschichte bestätigt erst recht spät das naheliegendste Szenario, gekonnt spielt man in dieser ersten Phase mit den Erwartungen und der Neugierde des Publikums. Bereits hier, in Szenen in denen sich unser Protagonist innerhalb der unangenehmen Umständen relativ wohl fühlt, weht eine Dramaturgie über den Dingen, eben weil man weiß dass tiefe Gefühle und Intimität so wenig von Dauer sein können in dieser Endzeitwelt, wie das Zusammensein mit lieb gewonnenen Menschen ohnehin. Wenn das Drehbuch uns nun nach einem hoffnungsschürenden Erlebnis für die Figuren den entscheidenden Umbruch der Situation über eine völlig unnötige, der Romantik geschulte, Leichtsinnigkeit präsentiert, entsteht eng gebunden an den von Martin Freeman gewohnt brillant verkörperten Andy ein Gefühl von Verlust, Verzweiflung und Traurigkeit. Spätestens hier bekommt man einen ersten Vorgeschmack davon, wie der Hauptdarsteller bereits allein diesen kompletten Film hätte tragen können.

Doch "Cargo" ist trotz geringer Personenanzahl kein Kammerspiel, wie man zunächst erwarten würde. Das Drehbuch entführt einen in den kargen Weiten Australiens in meist kurzfristige Zusammenführungen von Menschen, die sich maximal dann auf wen einlassen, wenn es für beide Parteien von Vorteil ist. Misstrauen und Abhängigkeit gehen Hand in Hand, und Erstgenanntes findet zudem auch gerne mal Bestätigung. Zwar verläuft sich eine Phase von "Cargo" kurzfristig in ein "Wolf Creek"-Szenario, aber selbst diese schaut sich interessant, dramatisch und spannungsgeladen und ist zum Vorteil der stilleren Momente glücklicher Weise auch nur recht kurz geraten. Erneut darf sich hinterher ein tiefer Mantel aus Traurigkeit über die Dinge legen, aufgrund empathischer Vorgehensweise und intelligentem Drehbuchs noch intensiver spürbar als im bereits hervorragenden "Maggie" geschehen. Doch nicht nur hiermit trumpft die Geschichte. Erwähnenswert ist gleichrangig definitiv der Einfallsreichtum von Regisseur Yolanda Ramke, der in seiner Langfilm-Version seines vier Jahre zuvor entstandenen Kurzfilmes "Cargo", ähnlich wie "The Girl With All the Gifts" eine alternatives Zombie-Welt kreiert, welche wenig mit dem seit "Die Nacht der lebenden Toten" von George A. Romero geprägten zu tun hat, an dem sich so ziemlich jeder Zombiefilm üblicher Weise orientiert. Zusammen mit seinem Mit-Regisseur Ben Howling, der ihm schon in besagtem Kurzfilm zur Seite stand, erschafft er nicht nur ein anderes Verhalten der Zombies, der Ursprung der Epidemie, die Mentalität innerhalb der Endzeitwelt und die Gesetzmäßigkeiten von Verwandlung und dem Zombiesein sind ebenfalls andere.

Dank eines intelligenten Drehbuchs werden diese Neuansätze reflektiert angegangen und nicht nur des mit Innovation prahlenden Schauwertes eingesetzt. Die auf gekonnte Beobachtungen und Überlegungen fußenden Veränderungen stehen im Zusammenhang mit allem und brechen gekonnt mit dem Klischeeverhalten von Menschen in cineastischen Endzeitwelten, indem sie ihren vergleichbaren Taten eine nachvollziehbare Motivation und die Möglichkeit zu vielschichtigem, menschlichen Verhalten gewähren, anstatt sie in Stereotype zu zwängen. Die Präsentation von kreierter Welt, Mentalität und der eigentlichen Geschichte ist derart empathisch und ohne direkten Verweis von Außen angegangen, dass nur ein empathisches Publikum die entscheidenden Unterschiede als solche erkennen und intensiv in sich wirken lassen kann. Für alle anderen bleibt "Cargo" lediglich nur eine Variante des ursprünglichen Themas, womit man den Streifen sicherlich trotzdem interessiert gucken kann, vielerorts wird er aufgrund seiner Langsamkeit und vieler subtiler Elemente aber sicherlich von solch einem Publikum eher für langatmig und unaufgeregt empfunden werden. "Cargo" ist nun einmal ein Zombiefilm in welchem Zombies kaum vorkommen, eben weil es zentral um das Drama geht. Und da man innerhalb dieses Bereiches Theatralik und Kitsch umgeht, eben weil ein intellektuelles und gleichzeitig gefühlvolles Drehbuch zugrunde liegt, ist das Ergebnis so hochgradig gekonnt ausgefallen. So erfreut es umso mehr, dass man Martin Freeman als Hauptdarsteller gewinnen konnte, den ich seit meinem Entdecken von "The Office" im Auge behalte, so genial wie er sein Fach beherrscht. An "Cargo" ist wahrlich alles gelungen (inklusive der zuckersüßen Baby-Besetzung), das Szenario kann einen eigentlich nicht kalt lassen, inklusive des hoch emotionalen Schlusses, der auch in dieser spätesten Phase noch Raum für Raffinesse und Kreativität lässt.  OFDb

19.08.2017

SHERLOCK - DAS LETZTE PROBLEM (2017)

Es klang alles so verlockend. Sherlock hat eine Schwester, sie ist die intelligenteste der Geschwister, neigt aber zu bösartigen Taten... Was hätte man mit dieser Ausgangslage alles anstellen können? Und da Staffel 4, zu der „Das letzte Problem“ gehört, mit den ersten beiden Filmen wieder zur alten Stärke zurück fanden, war ich tatsächlich optimistisch was den Abschlussfilm anging. Aber was soll man sagen? Leider ist der dritte Teil besagter Dekade nicht geglückt, schaut sich zwar interessant genug um neugierig dran zu bleiben, aber die Ansätze, auf die sich alles stützt, sind für ein Duell zwischen Bruder und Schwester nicht die besten Voraussetzungen.

Wenn der Plot zu Beginn noch sympathisch an „Das Testament des Dr. Mabuse“ erinnert, verläuft sich das weitere Geschehen immer mehr Richtung „Saw“, und so etwas ist im „Sherlock“-Universum eine zu plumpe Grundlage. Watson, Microft und Sherlock müssen unter übelsten Bedingungen Rätsel lösen um zu überleben, und dass die ganze Sache nicht wirklich glaubhaft erscheint, eben weil die Schwester viel zu klug für solch infantilen Mumpitz wäre, lässt bereits kein hochwertiges Ergebnis zu.

Auf zumindest schlichtem Unterhaltungslevel will das Ganze jedoch auch nicht funktionieren, vielleicht weil uns die Schwester trotzdem zu distanziert präsentiert wird, ohne dabei wenigstens eine gewisse Mystik auszustrahlen. Auch Hintergründe Sherlock betreffend, die in seiner Vergangenheit lauern, sind nur teilweise befriedigend ausgefallen, erklären zwar (zugegeben auf Schulpsychologie-Art) den Charakter zu dem er schließlich wurde, dies aber auf eine konstruierte Weise, die gerne unglaublich clever wäre ohne es tatsächlich zu sein. Zumindest gegen Ende weiß das ein oder andere gelöste Rätsel zu gefallen, die finale Situation scheint mir aber dann auch für eine hochintelligente Person zu plump gestrickt, egal welch emotionales Wrack man als Genie auch sein mag oder nicht.

Der Aufhänger mit dem Mädchen im Flugzeug, welches ein wenig an den Anfang von „Die Langoliers“ erinnert, wirkt zu aufgesetzt, zumindest dieser Part der Geschichte wird aber mit ein wenig Augenzudrücken solide zu Ende geführt. Wenn alles vorbei ist findet die Geschichte schließlich immerhin einen sympathischen Schluss, auch dank der Wiedervereinigung der auseinandergerissenen Streithähne in „Der lügende Detektiv“, dass man gerade jetzt gerne eine fünfte Staffel mit ganz klassischen Detektivgeschichten sehen würde. Stattdessen suggeriert das Ende jedoch auch ein Ende der Serie. Ich habe nichts dergleichen gelesen, aber scheinbar ist jetzt wirklich Schluss. Falls dem so ist: schade dass der letzte Film der Reihe so mittelmäßig ausgefallen ist.  OFDb

13.08.2017

SHERLOCK - DER LÜGENDE DETEKTIV (2017)

Nachdem der Vorgänger „Die sechs Thatchers“ sehr zurückhaltend in der Dosierung seines Soap-Gehaltes war, sprudelt dieser im zweiten Film der vierten Staffel nun regelrecht über. Wut, Frust, Trauer, Ignoranz schwebt über der Beziehung zwischen Holmes und Watson, und dass das weder stört noch die Geschichte hemmt liegt daran, dass die Geschehnisse der Episode 11 nichts anderes zugelassen haben. Die Figuren der Serie müssen nun erst einmal verarbeiten was dort passiert ist, und da ist die Situation mit einmal kurz drüber schlafen nicht gelöst.

Vielleicht hätte der eigentliche Hauptfall deswegen nicht derart an den Rand gedrängt werden müssen. Endlich hat es Sherlock einmal mit einem klassischen Psycho-Serienkiller zu tun, und über diesen hätten wir charakterlich sicher alle gerne mehr erfahren, als uns „Der lügende Detektiv“ bereit ist zu bieten. Dieses Zukurzkommen liegt aber auch an der umständlichen Erzählform, mit welcher die Geschehnisse von Episode 12 ins Rollen gebracht werden. Diese wiederum ist nötig, um das übliche Zuschauertäuschungsspiel, an welchem die Autoren so viel Freude besitzen, aufrecht zu erhalten.

So hegt man zwar keinerlei Zweifel an der Schuld des Psychokillers, auch trotz des verunsichern wollenden Beititels, aber andere Fragen die im Raum stehen, und natürlich der soziale Aspekt zwischen Holmes und Watson, und der Gedanke, dass Holmes eigentlich einen Auftrag im Namen von Watsons Gattin zu erfüllen hat, sorgen für anderweitige Rätsel, welche man als Zuschauer inmitten eines absichtlich wirr erzählten Plotes zu lösen versucht. Ist Sherlock aus emotionalen Gründen, die er scheinbar nie hat, Richtung Drogen gerutscht? Oder gehört diese Selbstzerstörung zu seinem Weg seinen für ihn fast unmöglich auszuführenden Auftrag zu erfüllen?

Das mag für Außenstehende lahm klingen, und wer sich ausgerechnet mit dieser Folge erstmals in die Serie einklinkt, wird wohl kaum angesteckt werden, aber es macht einen ungeheuren Spaß dem manchmal etwas zu gewollten Treiben in „Der lügende Detektiv“ zu folgen, zumal Drama, Thrill und Komik wie gewohnt harmonieren, einander zuspielen, in ihrer jeweiligen Gewichtung die Emotionen des Zuschauers hin und her zu wirbeln wissen. Gerade Watsons Dialoge mit einer imaginären Person berühren mehr, als man es der Serie zugetraut hätte.

Weitaus ernster als lustig schließt die Episode, die nun den Übergang zum längst fälligen Spiel Moriartys bereit stellt. Sicherlich ist der hier besprochene Film in vielerlei Hinsicht nur das Übergangswerk zwischen Episode 11 und 13, eben weil es so viele Dinge zuvor zu klären gab, den Verantwortlichen der Serie ist jedoch ein wirklich gelungener Teil geglückt, der trotz des ein wenig zu kurz kommenden Serienkillers locker mit den besseren Teilen der Reihe mithalten kann. Es ist schade, dass ausgerechnet die lang ersehnte Moriarty-Folge, die der hier besprochenen Episode folgen sollte, das bisherige Niveau der vierten Staffel nicht ebenfalls zu erfüllen wusste.  OFDb

SHERLOCK - DIE SECHS THATCHERS (2017)

Dass ich von der dritten Staffel nicht sonderlich begeistert war, wird mancher Stammleser eventuell noch in Erinnerung haben, zu sehr konzentrierte man sich auf die Agententhematik, zu kurz kamen die klassischen Kriminalgeschichten. „Die Braut des Grauens“, ein Special zwischen Staffel 3 und 4 angesiedelt, welches inhaltlich dazwischen spielend geguckt werden kann aber nicht muss, beschritt wieder bessere Wege und machte somit Hoffnung auf die neuen Episoden, die mit einem Jahr Verspätung nun drei Jahre nach der Vorgängerstaffel erschienen, womit auch genügend Zeit für die Autoren gegeben war, sich wieder auf die guten Seiten der Serie zu besinnen.

Zwar interessiert sich auch die vierte Staffel, und ganz besonders ihr erster Spielfilm „Die sechs Thatchers“, erneut für den großen Agentenwirbel anstatt für einen klassischen Kriminalfall, aber das Ergebnis spricht für sich. Der Einstieg in die Staffel ist gewohnt flott, pointiert und stilsicher umgesetzt, immer zwischen poppig modern und besonnenem Grundton mit der nötigen Würde ausbalanciert und intelligent genug erzählt, so dass der Held der Geschichte glaubwürdig zu funktionieren weiß. Die Figuren stehen wie gehabt im Mittelpunkt, und in diesem ersten Teil der vierten Staffel arbeitet dieser Grundsatz einzig für das im Vordergrund stehende Ereignis, sprich der Soap-Gehalt hält sich in Grenzen.

„Die drei Thatchers“ ist im Vergleich zum Rest der Reihe recht Action-lastig ausgefallen, zumindest suggeriert er dies in seinem flotten Erzähltempo, dabei kommen die gewitzten Dialoge und eine möglichst logische Erzählung nicht zu kurz. Aufgrund der Fixierung Sherlocks auf den toten Moriarty gibt es relativ früh erste Überraschungen zu erleben, weitere folgen, inklusive der Täteraufdeckung am Schluss, die es trotz fehlender Kriminalhandlung diesmal zu erleben gibt. Zwar ergibt die Szene, in welcher die Person gestellt wird und redefreudig alles gesteht, wenig Sinn und bildet damit den Tiefpunkt des ansonsten geglückten Filmes, dennoch weiß die Auflösung zu gefallen, auch wenn sie weit mehr Nebensache dieser Folge ist, als man meinen sollte.

Der Schluss der eigentlichen Handlung wird Freunden der Reihe keine Ruhe lassen. Nicht nur dass die Episode der sechs Thatcher-Skulpturen äußerst dramatisch endet, sie lässt auch viele Fragen und Türchen für den Nachfolger offen, so dass Neugierde für die kommenden Teile geweckt wird. Als Stammzuschauer weiß man allerdings, dass von nun an nichts mehr so sein wird, wie es einmal war, dementsprechend geht man mit etwas Wehmut an die Nachfolger heran, während man sich gleichzeitig als Kenner der Serie fragt, wie Sherlock die Aufgabe, die ihm am Ende gestellt wird, bei seinen sozialen Defiziten lösen kann.  OFDb

25.06.2017

SHERLOCK - DIE BRAUT DES GRAUENS (2016)

Die Serie „Sherlock“ lebt neben ihren wunderbar besetzten, teilweise neuinterpretierten Charakteren, von der Moderne, in welche die Figuren des 19. Jahrhunderts in unsere Zeit hineinkatapultiert wurden, und da weiß die Idee zu gefallen, dass ein TV-Special, welches uns die Wartezeit zwischen der dritten und vierten Staffel versüßen soll, in der Ausnahme einmal zu jener Zeit spielt, in welcher die ursprünglichen Abenteuer von Sherlock Holmes in den Geschichten von Arthur Conan Doyle stattgefunden haben. Da verwundert es zu Beginn umso mehr, dass wir am Anfang eine Zusammenzählung jener Ereignisse vorgesetzt bekommen, die bisher geschahen. Aber im Laufe der Erzählung ergibt auch dies Sinn, entpuppt sich „Die Braut des Grauens“ doch als Film mit direktem Zusammenhang zur Reihe und damit doch nicht als einzig für sich stehendes TV-Special einer erfolgreichen TV-Serie.

Es dauert lange, aber gelegentlich spielt „Sherlock - Die Braut des Grauens“ überraschend plötzlich wieder in unserer Zeit, und da wird, wie typisch für diese Serie, nicht nur wieder alles auf den Kopf gestellt und damit alles anders, als wie von uns vermutet - wie so oft gehen die Autoren der Reihe auch diesmal noch einen Schritt weiter und spielen verschmitzt mit der Idee (zumindest kurz angedeutet), dass alles was wir in den drei Staffeln bisher sahen sich im Gedankenpalast eines im 19. Jahrhundert lebenden Sherlock Holmes abgespielt haben könnte, da Sherlock sich dort eine alternative Welt, die in seiner Zukunft spielt, ausmalt. Das ist freilich nur nebensächliche Spielerei, aber einer jener Faktoren, die das Reinschalten immer wieder lohnt, eben weil die Autoren sich auf Gedankenspiele einlassen, die zur Charakterzeichnung des zutiefiest aufgrund seiner Intelligenz gelangweilten Sherlocks passt.

Umgekehrt: warum sich Sherlock, wie sich erst spät herausstellt, in seinen Gedankenpalast zurückzieht und Überlegungen eines Kriminalfalles im 19. Jahrhundert stattfinden lässt, ergibt im Nachhinein mehr oder weniger tatsächlich Sinn, was aber auch am mittlerweile fast schon üblichen Kniff liegt, dass die eigentliche Geschichte sich gar nicht wie vermutet um den angegangenen Kriminalfall dreht, sondern dieser lediglich das Tor zum eigentlichen Ereignis darstellt.

Die Ablenkungen vom ursprünglichen Kriminalfall sind in Staffel 3 ein wenig zu dominant angegangen worden, so dass „Sherlock“ dort kaum noch Krimi-Serie war. Mir hat sie dementsprechend auch nicht so gut gefallen (was aber noch mehr daran lag, dass clever klingende Ideen nicht so geistreich ausfielen wie intelligente Ideen der Vorgänger). Um so erleichterter war ich, dass der Kriminalfall um „Die Braut des Grauens“ trotz ähnlichem Stellenwertes für die Gesamtgeschichte nicht in den Hintergrund fällt und bis zum Schluss von Bedeutung bleibt und befriedigend aufgelöst wird. Hierfür setzt man in „Sherlock“ erstmals ein politisches Statement, jedoch eines zu einem heutzutage gesellschaftssicheren Themas, so dass man nicht riskierte eine Zuschauergruppe vor den Kopf zu schlagen.

Richtig sinnvoll kann auch ebenfalls erstmals das Spiel mit den Metaebenen beginnen, eben weil „Die Braut des Grauens“ nicht wirklich, wie es zunächst scheint, im 19. Jahrhundert spielt und Sherlock sich mit den Figuren in seinem Gedankenpalast somit darüber unterhalten kann wie reißerisch ein Setting ausgefallen sein kann, oder wie sich der Titel „Die Braut des Grauens“ anhört. Wer genau aufpasst bekommt in einem Nebensatz während eines kleineren, schnell gesprochenen Monologes Sherlocks sogar die Auflösung dessen präsentiert, wie der Meisterdetektiv einst seinen Mord vortäuschen konnte, ein Rätsel das man uns verspielt zankend in Folge 7 auf Teufel komm raus nicht lüften wollte.

Es gibt also viele Gründe sich „Die Braut des Grauens“ anzuschauen, der wichtigste dürfte aber wohl jener sein, dass die Autoren hier zur alten Form zurückgefunden haben, sprich eine interessante Geschichte mit pfiffigen Ideen und intelligenten, wie unterhaltsamen Dialogen präsentieren und sich, im Gegensatz zur mauen dritten Staffel, wieder mehr auf den Kriminalfall konzentrieren und den Bruder Sherlocks wieder etwas reduzierter einsetzen. Die Chemie zwischen Watson und Sherlock stimmt weiterhin und wird als Herzstück des Ganzen zurückentdeckt, und dank der Spielerei zwischen beiden Handlungszeiten wird das TV-Special zur Serie im letzten Drittel noch eine Spur verspielter und interessanter, als man zunächst vermutet hätte.

Dank eines geistreichen Umgangs mit diesem Perspektivwechsel und dem Erkennen der Möglichkeiten von diesem, wird „Die Braut des Grauens“ in dieser Phase noch besser als zuvor. Bereits das Niveau der ersten Stunde hatte mich nach der eher enttäuschenden dritten Staffel zufrieden gestimmt und hätte mir als Wiedergutmachung bereits gereicht. Das Gedankenspiel mit Einweihung ins 21. Jahrhundert hat schließlich zudem wieder das intellektuelle Interesse an der Geschichte endgültig geweckt, so dass „Die Braut des Grauens“ sich damit sogar als besonders wertvoller Beitrag der „Sherlock“-Reihe entpuppte.  OFDb

21.04.2016

THE OFFICE - STAFFEL 2 (2002)

Staffel 2 spielt nur wenige Wochen nach der ersten. Ein Standort der Firma wurde wie geplant geschlossen, und es ist nicht die Filiale, die David leitet. Dennoch geht David Brent nicht als Sieger hervor, denn sein Gegenpart aus dem anderen Büro ist nun nicht mehr mit ihm auf einer Stufe, sondern sein Vorgesetzter.

Mitarbeiter der geschlossenen Filiale werden nun in Slough übernommen. Da sollte man meinen, dass viele neue wichtige Figuren in den Vordergrund treten, aber die meisten bleiben Randerscheinungen. Eine Rollstuhlfahrerin wird gelegentliches Opfer von Davids unsensibler Seite. Ein Schwarzer, von dem man auf anderer Basis das selbe meinen sollte, wird für David zum Vorzeige-Schwarzen, da der über Witze über Dunkelhäutige lachen kann und für David zur Legitimation von Rassismus im Alltag wird. Wichtig sind eigentlich nur zwei neue Figuren:

Rachel ist eine attraktive Frau, die schnell von Tim und Gareth umworben wird. Während Tim mit Charme zu punkten weiß, fällt Gareth lediglich durch seine unsensible und sexistische Art auf. Dawn beobachtet Tims Geplänkel mit Rachel, von der man charakterlich recht wenig erfährt, mit kritischen Augen, obwohl sie Tim den Laufpass gegeben hat, um bei ihrem Freund zu bleiben. Dass Rachel an Tim Gefallen findet, passt ihr jedoch gar nicht. Wie man schon herausliest dient Rachel lediglich als Spielball, um der Geschichte von Tim und Dawn neuen Zunder zu geben. Für mehr ist sie eigentlich nicht vorhanden.

Wichtiger ist da schon Neil, der vor der Schließung seiner Filiale auf gleichem Posten mit David saß und nun zu dessen Vorgesetzten befördert wurde. David sieht sich immer noch als gleichrangig an, macht Neil schlecht wo er nur kann und dies meist auf seine ungeschickte und unsichere Art. Mit solch infantilen Angriffen hat der selbstbewusste und sympathische Neil jedoch so gar kein Problem, hat er doch das Team hinter sich und im Gegensatz zu David Ahnung von der Materie - und dies nicht nur beruflich betrachtet. Dennoch ist David selbstverständlich ein Ärgernis für Neil, da der Mann nicht nur intrigiert und sabotiert, sondern auch seiner eigentlichen Arbeit nicht nachkommt. Mit viel Geduld schaut sich Neil Davids Konzept an, um schlussendlich festzustellen, dass Davids Arbeit lediglich ein Kartenhaus aus Sprüchen ist, das keinerlei Materie besitzt. Neil ist höflich und wie bereits erwähnt geduldig. Doch mit David unter ihm werden diese Pluspunkte seines Charakters häufig auf eine harte Probe gestellt.

Dass ansonsten alles beim Alten bleibt kann man so nicht ganz sagen. Wie so oft in Serien, so wird das Konzept der ersten Staffel nun ein wenig aufgepumpt und wirkt damit übertriebener als Staffel 1. Damit wird z.B. der in Staffel 2 überzogenerer Charakter des ohnehin schon überzogenen Gareth unrealistisch und funktioniert nur noch auf Comic-Niveau. Der Witz ist, dass diese Übertreibungen, die sich auch, wie ich später erwähnen werde, in Davids Charakter verdeutlichen, der Serie an sich nur gering schaden. Staffel 2 ist schwächer als Staffel 1, aber noch immer großes TV. Noch immer bleibt das Original qualitativ besser als sein deutsches Remake „Stromberg“, das ja ebenfalls zu den ganz großen TV-Ereignissen seines Jahrzehnts zählt.

Wunderte man sich in Staffel 1 noch, warum die Geschichten und das Talent der Vorgesetzten im Büro bei „The Office“ und „Stromberg“ so auseinander gingen, so geht einem beim Betrachten der zweiten Staffel des Originals langsam ein Licht auf. „Stromberg“ klaut doch mehr als vermutet, jedoch nicht bei der 1. sondern der 2. Staffel, die nun ebenfalls vom beruflichen Abstieg des Chefs handelt.

Konnte sich David Brent trotz all seiner Schwächen noch immer als nach außen hin wirkende fähige Führungspersönlichkeit verkaufen, und ging David in Staffel 1 noch als Sieger hervor (mit Ausnahme der letzten Folge, in der er lediglich mit einem blauen Auge davon kam), so wird nun auch sein Charakter, ebenso wie der von Gareth, überzogen. Aus dem Sprücheklopfer ohne Rückhalt macht man nun selbiges. Das klingt nach keinerlei Veränderung, ist es aber doch, denn seine Schwächen treten nun so stark nach außen, dass ein Jeder sie mitbekommt und billige Ausreden David vor dem Outen seiner Unfähigkeit und Dummheit nun nicht mehr schützen.

Seine Methoden der Abwehr wirken immer dümmlicher und erbärmlicher, was sich vielleicht auch dadurch erklärt, dass sein Selbstbewusstsein zu schwinden scheint, bei all der Kritik die er sich von seinen Vorgesetzten und Untergebenen gefallen lassen muss, auch wenn er nach Außen weiter den harten Mann spielt. Selbst der Entertaining-Bereich, der in Staffel 1 noch Davids Stärke war (wenn auch dort mit Schwachpunkten gesegnet), wird nun zu einer peinlichen Schwäche, wie bereits Episode 1 zeigt.


Die Folgen im einzelnen (enthält Spoiler):

Episode 1:
Die neuen Mitarbeiter aus der geschlossenen Filiale trudeln ein. Neil, der Vorgesetzte von David, stellt sich dem alten Slough-Team vor und entpuppt sich als netter, selbstbewusster Mensch, der nicht nur schnell die Sympathie der Mitarbeiter erntet, sondern auch deren Lacher. Letzteres ist für David ein fast größerer Skandal, sieht dieser sich doch als großer Entertainer und erntet mit seiner vorbereiteten Willkommensrede keinerlei Lacher. Dies veranlasst ihn auf der anschließenden Willkommens-Feier auf anderen Humor zurückzugreifen, der ihm auch gleich zwei Gespräche mit seinen beiden Vorgesetzten beschert, die von seinem Verhalten sehr empört sind...

Ist Chefin Jennifer von David schon so einiges gewöhnt, so ist dessen Verhalten für Neil noch Neuland. Doch Neil besitzt Geduld und noch Vertrauen darin, dass David sicherlich Stärken besitzen wird in seiner Position. Teil 1 dient der Einführung der neuen Figuren und bildet letztendlich die Manege für Seelen-Tollpatsch David, der auf seine gewohnt egoistische und unsensible Art von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt, so dass dem neuen Teil der Belegschaft schnell klar wird, dass die Arbeit in Slough sehr unangenehm werden wird. Tim ist innerhalb der Firma ein wenig aufgestiegen und lässt diese neue Position, ohne dass er es selbst bemerkt, an Dawn aus, die von seiner kühlen und arbeitsstrebsamen Art enttäuscht ist. Dass Tim nun auch noch mit der neuen, attraktiven Rachel flirtet passt ihr überhaupt nicht. Gareth auch nicht, aber der ist mit seiner asozialen Art ohnehin kein Konkurrent.

Episode 2:
David führt eine Mitarbeiterbefragung durch, die er lediglich dafür nutzt, um selbst besser dazustehen. Ein Meeting mit seinen neuen Angestellten, in dem er eigentlich nur erfahren wollte, wie sich die Neuen eingelebt haben, führt zu Tage, dass Neil beliebter ist als er, und was für David mal wieder fast schlimmer ist: Neil wird als witziger angesehen als er. Das kann David nicht auf sich sitzen lassen und lädt alle zur Mittagszeit ins Pub ein, um zu zeigen wie lustig man in Slough ist. Währenddessen macht Rachel erste direktere Annäherungsversuche bei Tim, was weder Gareth noch Dawn gefällt...

Dass der Pub-Besuch zur Katastrophe wird, dürfte klar sein. Langeweile pur, was David jedoch auf die fehlenden Mitarbeiter schiebt, die nicht mitkommen wollten und welche laut ihm die Unterhaltungs-Elite (neben ihm) darstellen. Mitschuld gibt er jedoch auch den Neuen, die keineswegs versucht hätten die Stimmung zu heben, was David so deutlich sagt, dass selbst der letzte Neue nun weiß, dass er nicht gemocht sondern lediglich geduldet wird. In der Situation mit Tim und Rachel zeigt sich nun Dawns Eifersucht deutlicher als zuvor, was Dawn dazu animiert innerhalb der Arbeitszeit mehr Möglichkeiten zu finden, mit ihm Zeit zu verbringen und zu flirten. Freilich treibt sie es nie zu weit, ist sie doch in einer festen Beziehung und ein Wechsel scheint für sie nicht in Frage zu kommen.

Episode 3:
Eine Mitarbeiterin hat Geburtstag. Es wird gefeiert und geflirtet. David wird von zwei Besuchern angesprochen. Diese würden ihn gerne als Motivationsredner engagieren für Veranstaltungen, in welchem Interessierte erfahren können, wie sie nach Außen richtig auftreten und was man sonst noch benötigt um Karriere zu machen. David willigt ein...

Neben der Neil-Situation wird mit dem neuen Nebenjob nun ein Element mit eingebracht, das für den Verlauf der zweiten Staffel von größter Wichtigkeit ist, auch wenn es oberflächlich betrachtet zunächst wie eine Nebensache wirkt. Dieser Plot zeigt auf ein Neues deutlich die charakterliche Trennung von Neil und David. Neil wurde ein solcher Job ebenfalls angeboten. Sieht der eine solche Tätigkeit jedoch als unnötig an, da diese in ihrer Basis bereits unsinnig ist, so sieht David es als große Herausforderung, wenn auch mehr im Entertainingbereich als im beruflichen Sinne. Auf der Geburtstagsfeier im Büro prahlt David direkt mit diesem Angebot, zeigt aber auch auf ein Neues seine beleidigende Art Mitarbeitern gegenüber, und seinen Neid Neil gegenüber lässt er ebenso offen heraushängen. Dawn muss währenddessen mit ansehen, wie Tim viel lustigere Streiche mit Rachel durchführt, als mit ihr. Also startet sie eine recht magere Gegeninitiative.

Episode 4:
Der große Tag rückt näher, Davids Auftritt als Redner steht kurz bevor, und so engagiert er Dawn als Hilfskraft für diesen Abend. Davids Rede fällt für die Veranstalter des Seminars anders als erwartet aus. Dawn leidet währenddessen unter ihrem Chef, der ihre Hilfe dazu nutzt, sie als Arbeitstier zu degradieren. Dabei geht es Dawn schon ohne diese Schinderei nicht sonderlich gut. Tim ist nun mit Rachel zusammen und geht mit ihr in einen Pub, ein Treffen das Dawn mit ihrer Zusatztätigkeit bei David nicht verhindern kann. Dass ihr Dauerverlobter nebenbei ebenfalls erwähnt wie attraktiv er diese Rachel findet, setzt dem ganzen noch die Krone auf...

Die Fäden um die Tim-Rachel-Dawn-Story verdichtet sich. So langsam wird auch der Zuschauer unsicher, ob Dawn sich Tim nun doch schnappen würde oder ob es weiterhin nur um ihr Territorium geht und sie bei ihrem Verlobten bleiben möchte. Tim ist im siebten Himmel und bekommt von Dawns Annäherungen ohnehin nichts bewusst mit. Rachel bekommt dafür Gareths Enttäuschung um so mehr zu spüren, der sich auf abartige Art als Ersatz anbietet, falls es mit Tim nicht so gut klappen sollte, eventuell sogar für nebenher, wenn es mit Tim doch klappen sollte. Gefühlsmäßig ist man als Zuschauer jedoch viel mehr an die Brent-Situation gebunden, weiß man doch im Vorfeld, dass sein Auftritt nur ein Skandal werden kann und das beunruhigt schon sehr. Bevor es zum Auftritt kommt, zeigt sich welch negativen Einfluss diese Nebentätigkeit auf Davids Hauptberuf hat, was Neil gar nicht gern sieht, so schwach wie Davids Leistungen schon zuvor waren. Den Seminarveranstaltern hingegen wird langsam klar, dass es David viel mehr um Entertaining als um berufliches Fachwissen geht.

Episode 5:
Es ist Red Nose-Day. Jeder Mitarbeiter lässt sich etwas lustiges einfallen um Geld für Hilfsbedürftige zu sammeln. Gareth hüpft den ganzen Tag auf einem Bein, David steht ein lustiger Fototermin bevor, Neil führt mit Rachel einen besonderen Tanz auf, Dawn macht einen Knutsch-Stand auf, nur Tim macht anfangs nicht mit, vermisst er bei dieser Art Veranstaltung doch die Würde. Letztendlich entschließt er sich jedoch doch mitzumachen, nutzt dies allerdings nur, um Gareth mal wieder Streiche zu spielen. Das hüpfende Opfer erwartet währenddessen seine Freunde, die zu diesem lustigen Tag ins Büro kommen wollten...

Was sich in der Inhaltsangabe nach einem gehaltfreien Übergang zur Finalfolge liest, entpuppt sich als eine der entscheidendsten Episoden der zweiten Staffel, denn in dieser verliert David nun seinen Job. Neil und Jennifer haben genug von seiner arroganten Art, und David ist überheblich genug einzuwilligen, sieht er in den bislang nebenberuflichen Seminaren (von denen ja ohnehin erst eines stattgefunden hat) seine neue Karriere und in seinen jetzigen Mitarbeitern eine Horde Kämpfer, die nicht tatenlos zusehen werden, dass David gekündigt wird. Für Brent heißt es jedoch erst einmal den Red Nose Day trotzdem irgendwie hinter sich zu bringen, denn so lässig er sich auch gibt, er ist enttäuscht und frustriert, was er durch ein kleines Schlüsselloch seiner Seele auch seinen Vorgesetzten zeigt.
 
Episode 6:
Davids letzte Tage stehen an. Eine Reporterin kommt ins Büro um mit David ein Interview für ein kleines Blatt zu führen. Die beiden haben sich für dieses Vorhaben jedoch einen ereignisreichen Tag ausgesucht. Tim bekommt das Angebot sein Nachfolger zu werden, verweist aber lieber auf Gareth. Tim ist sich nun sicher, dass er Dawn liebt und macht mit Rachel Schluss. Dawn reicht ihre Kündigung ein, da sie mit ihrem Verlobten nach Amerika ziehen möchte. Da sie nicht mehr lange bleibt, sieht Tim nun seine letzte Chance Dawn dazu zu bewegen, es mit ihm zu versuchen. David steht währenddessen eine herbe Enttäuschung bevor, denn die Veranstalter des Seminars geben ihm zu verstehen, dass ein weiterer Auftritt Davids nicht erwünscht ist...

Wie schon in meiner Lieblingsepisode der ersten Staffel, so kann man in dieser wieder schön beobachten, wie David die Arbeit eines anderen manipuliert, in dem er sie an sich reißt. Mehrfach macht die Reporterin den Mann darauf aufmerksam, dass er nur ihre Fragen beantworten solle, aber Brent bleibt Brent. Er schreibt der Dame vor was sie zu schreiben und zu fragen hat. Wie schon in der Mitarbeiterbefragung, so nutzt er das Meeting auch wieder lediglich dafür, sich als toll darzustellen, was mit Dawns Kündigung noch verstärkt wird, da er glaubt Dawn würde die Firma verlassen, da ihm gekündigt wurde. Als dem nicht so ist, erweist sich der mitarbeiterliebende Mensch schnell wieder als egoistisches Arschloch, was die Journalistin schon recht schockt. Die Subgeschichte um Tim und Dawn findet ihr Ende. Es kommt ebenso wenig überraschend wie erwartet. Letztendlich erwartete man zwei Möglichkeiten, von der eine nun eintritt und Dawns Charakter nun endgültig abrundet, bzw. das bestätigt, was in zwei Staffeln zwischen den Zeilen immer durchschimmerte. Dieses Ergebnis und zukünftig einen Gareth als Vorgesetzten verdeutlichen einmal mehr den tragischen Aspekt von Tim, der an der Serie schon immer viel ausgemacht hat. Dass David seine Karriere als großer Redner nun knicken kann, veranlasst ihn zu einer Verzweiflungstat, die man ihm so nie zugetraut hätte, was zu einem etwas offenen Ende führt, dessen Hintertürchen sich jedoch als eher unwahrscheinlich entpuppt. Dass dem so war und so viele Fragen unbeantwortet blieben, veranlasste die Köpfe hinter der Serie später noch zu einem abschließenden zweiteiligen Weihnachts-Special.

Es passiert wirklich viel in der zweiten Staffel, und man merkt nun auch, warum der Gareth-Charakter so aufgebläht wurde, erlebt er selbst doch keine relevante Geschichte, während für David, Dawn und Tim eine Achterbahnfahrt an Erlebnissen und Gefühlen bevorsteht. Der Schluss der Staffel ist gut und bleibt der Qualität der Gesamtserie treu. Letztendlich trumpft die zweite Staffel mit dem Mut zu Veränderungen, einen Mut, den es in den meisten anderen TV-Serien nicht zu entdecken gibt. Dadurch erfährt auch der Zuschauer gefühlsmäßige Hoch und Tiefs, was die Serie für ihn um so interessanter macht.

Staffel 2 ist schwächer, das schon, aber eben immer noch beste Unterhaltung dank der Grundrezeptur der ersten Staffel und dem Mut der zweiten. Manchem wird der etwas zu offene Schluss vielleicht sauer aufstoßen, aber dafür gibt es ja das eben erwähnte Abschluss-Special, das die Serie zu einem deutlicheren Ende führt ohne ihr zu schaden.  OFDb

09.07.2014

SHERLOCK - SEIN LETZTER SCHWUR (2014)

Die „Sherlock“-Reihe war schon immer gewagt zu nennen, nicht nur im Umgang mit den Inhalten der gedruckten Originalreihe auf welcher die Serie lose basiert, sondern auch aufgrund diverser Ideen, die den Zuschauer immer wieder vor den Kopf stoßen - selbst dann wenn sie darauf schon vorbereitet sind. Die Köpfe hinter der Serie werden nicht müde zu betonen, dass „Sherlock“ eben keine Krimiserie sei, sondern lediglich eine Serie über einen Kriminalisten. Nach zwei Folgen in welcher dann auch jeglicher Kriminalfall weit hinter anderen Aspekten der Geschichte hinten anstehen musste, hätte es mit Teil 9 nun gut getan wenigstens einen Teil der dritten Staffel auf einen solchen zu konzentrieren - ganz egal ob Kriminalistenserie oder Krimiserie.

„Der letzte Schwur“ ist aber nun auch kein zu lösender klassischer Kriminalfall geworden, und das obwohl die Geschichte um Watsons Hochzeit nun abgeschlossen ist. Und ob man bei einer Handlung, die mit dem losgelösten, selbstgerechten Herangehen ausgelöst aus persönlicher Motivation eher an den Bond-Film „Lizenz zum Töten“ erinnert als an eine klassische Sherlock Holmes-Geschichte, überhaupt noch von einer Detektivgeschichte oder einem Kriminalfilm sprechen kann, bleibt eine zu diskutierende offene Frage. Wie auch immer: Hoffnungen und Erwartungen wurden nicht erfüllt, die mutige Herangehensweise der Storyverantwortlichen haut die Folge in Kombination mit dem bewährten Rezept (allen voran die Charakterzeichnung der Helden) jedoch wieder raus. Zwar bleibt auch Teil 9 hinter den Episoden der zweiten Staffel zurück, aber er hat viel zu erzählen.

Vielleicht ein bisschen zu viel, gerade wenn es um die provokativen Bereiche der Geschichte geht. Eine Wahrheit die Watson schlucken muss sprengt alle Serienregeln. Aber selbst wenn man diesen Twist nicht mag, so hilft er doch dabei die Figur Watson stärker zu betonen und die Fragwürdigkeit seines Charakters wieder etwas in den Vordergrund zu rücken - steht sie doch immer im Schatten des fragwürdigen Sherlock-Charakters - und ist die einzig wahre bittere Pille an diesem Subplot doch jene der bedingungslosen Liebe, etwas zu rosarot gezeichnet für eine solch wüste Serie und auch für meinen persönlichen Geschmack.

Wie die Staffeln davor, so lebt auch diese dritte Staffel von der schauspielerischen Stärke des Gegenspielers, der von der Screentime und seinen Möglichkeiten zwar einem Moriarty hinterherhinkt, in der Darstellung jedoch ebenbürtig wirkt. Wie die Geschichte um ihn endet, ist in Bezug auf sein Genie etwas fahrlässig dümmlich von den Autoren inszeniert, aber das sind wir ja gewohnt, so sehr wie sie dem Können ihres Titelhelden hinterherlechzen ohne an sein Genius heran zu reichen. Das hat „Im Zeichen der Drei“ auf erschreckendste Weise mit Plotholes die man gütigst ignorieren musste demonstriert, und das zeigt sich nun in einer Auflösung, die nahe lag, keine Kompromisse zuließ und deswegen nicht überrascht. Die Konsequenzen dieses finalen Tuns wissen zumindest Freude zu bereiten, bevor mit einem neugierig machenden Cliffhanger auf die nächste Staffel verwiesen wird, auf die ich mich ebenso freue wie auf das geplante TV-Special zur Serie.

Mag die Serie „Sherlock“ durch den Einfluss des Bruders des Meisterdetektivs auch immer mehr den Eindruck einer Serie rund um den Geheimdienst machen, anstatt um die Abenteuer eines kleinen Detektivs mit Superhirn, so ist sie doch trotz alledem noch immer überdurchschnittlich erzählt, trumpft neben ihrer Besetzung mit dem Humoranteil einer jeden Episode, so dass Schwächen im an sich lobenswerten Drehbuch tolerant übersehen werden können. Dass die Serie bei gleichem Kurs aber nicht mehr zum Charme des Piloten und der zweiten Staffel zurück finden kann, ist den Autoren hoffentlich bewusst. Etwas mehr Detektivgeschichte und etwas weniger Mycroft wären zumindest für die Zukunft der Serie wünschenswert.  OFDb

19.06.2014

SHERLOCK - IM ZEICHEN DER DREI (2014)

So falsch kann man liegen. Die Versöhnung um Sherlock und Watson ist abgeschlossen. Wie sie einander endgültig näher kamen, muss sich der Zuschauer selbst zusammen reimen, denn wir erleben einen kleinen Zeitsprung zwischen dieser und der letzten Folge. Monate sind vergangen. „Sherlock 8“ setzt nach einer kurzen Einstiegsszene während der Hochzeit von Watson an. Und das bleibt nicht die einzige Überraschung, wird mit „Im Zeichen der Drei“ doch die wohl ungewöhnlichste Episode der Serie präsentiert, die dem Zuschauer bislang vorgesetzt wurde.

Ein vernachlässigter Kriminalfall zum Wohle der Charaktere ist nichts neues im Holmes-Universum, dass aber die komplette Folge eigentlich nur aus der Ansprache Sherlocks besteht ist schon eine Kuriosität für sich. Das schaut sich keineswegs so langweilig wie es sich liest, ist aber definitiv gewagt zu nennen. Interessant ist die Episode allein schon wegen der verstärkten Ich-Perspektive Sherlocks, die sonst eher am Rande angewandt wird. Im letzten Drittel darf Sherlock gar im geistigen Dialog mit seinem Bruder einen Kriminalfall lösen, noch während er nach außen hin die Rede hält. Das weiß zu gefallen, auch wenn Sherlocks Peinlichkeiten nach außen in Bezug auf das Verhalten der Zuhörer nicht gerade glaubwürdig zu nennen ist.

Aber auch Sherlock selbst ist nicht immer glaubwürdig charakterisiert. Soziale Dummheit, das kennen wir alle von ihm. Aber einen solch dümmlichen Dialog über den Morgentee, wie er ihn mit seiner Vermieterin führt, unterschätzt das Genie Sherlock doch auf eine extrem beleidigende Weise. Ohnehin wirkt Sherlock diesmal etwas geistig dröge, was an seiner Figur nagt, die von ihrer Perfektion lebt. Einzig die Leichtfertigkeit mit welcher Egomane Sherlock es immer wieder schafft aus einem unfreundlichen Bereich seiner Rede eine herzenswarme werden zu lassen, obwohl er von Sozialverhalten und Gefühlen keinerlei Ahnung hat, wird versteckt vom Drehbuch her erklärt und geht damit als legitim durch.

Neben dem charakterlichen Wackeln der Figurezeichnung Sherlock stört am Drehbuch zudem die Zufälligkeit zwischen den von Holmes vorgetragenen Anekdoten und dem Zusammenhang dieser mit dem zu lösenden Fall. Das ist schon besonders unglaubwürdig zu nennen, zumal man gleich beide schwerwiegenden Schwächen der Folge mit dem Kniff hätte glattbügeln können, dass der Meisterdetektiv, so unsensibel er nun einmal ist, die Hochzeit absichtlich dafür genutzt hat einen Mörder aufzuspüren, indem er ihn bewusst mit dem Erzählen besagter Mordfälle aus der Reserve lockt. Das hätte Zunder zwischen ihm und Watson gegeben, den Hauptcharakter nicht manipuliert und eine Bösartigkeit besessen, wie wir sie schwarzhumorig von dieser Serie und ihrem Soziopathen ohnehin bereits gewohnt sind. Ein Stilbruch wäre dies freilich nicht gewesen. Es hätte lediglich dem finalen sozialen Fortschritt Holmes im Wege gestanden, der sich im Dialog mit einem ehemaligen Soldaten zeigt, auf den ich aber ohnehin hätte verzichten können.

„Im Zeichen der Drei“, der sich mal wieder augenzwinkernd an einen originalen Sherlock-Titel orientiert und erst am Ende der Folge einen Sinn ergibt, ist seit der ersten Staffel definitiv die schwächste Folge. Aber im Gegensatz zum Tiefpunkt „Der blinde Banker“ hat sie auch einige Vorzüge zu bieten, so z.B. die sehr geglückte Betrunkenen-Perspektive, in welcher Sehgewohnheiten des Zuschauers aus Sherlocks alkoholisiertem Blickwinkel präsentiert werden, glücklicher Weise vom Drehbuch so gestützt, dass es glaubwürdig ist warum Holmes überhaupt betrunken wird.

Positiv sticht auch die Auflösung des Mordfalles heraus. Interessiert die Täterauflösung eigentlich niemanden, zumal man kein Meisterdetektiv sein muss um herauszufinden wer der Verbrecher ist, so ist doch die Methode der Taten, über die Sherlock lange rätseln muss, als pfiffig zu bezeichnen, auch wenn ich mich frage ob die Tat zum begangenen Zeitpunkt nicht doch einen Schmerz hätte verursachen müssen. Letztendlich ist der Kriminalfall aber ohnehin zu sehr Nebensache um über derartige Logiklücken zu rätseln und Episode 8 ohnehin nur als Spielerei gedacht, bevor mit Teil 9 hoffentlich wieder ein echter Mordfall auf die Kriminalisten wartet.

Denn so lustig und gewagt sich „Im Zeichen der Drei“ auch gucken mag, er ist, nicht nur wegen seiner Schwächen, eine wackelige Angelegenheit. Letztendlich wirkt er noch während des Zuschauens unnötig und austauschbar, was das Publikum nur bedingt interessiert dem Geschehen folgen lässt. Wären die Charaktere dieser Serie nicht so charmant ausgefallen, so wäre diese Folge vielleicht sogar komplett gescheitert. Zur kurzweiligen Erheiterung ist sie aber immerhin geeignet.  OFDb

12.06.2014

SHERLOCK - DER LEERE SARG (2014)

War die erste Staffel „Sherlock“ noch ein wenig durchwachsen, so wusste die zweite Staffel mit drei hochkarätigen Episoden zu gefallen, die mit guten Ideen und dem nötigen Charme nur so um sich schmissen. Ein schweres Erbe für eine dritte Staffel, zumal der Cliffhanger zu den Highlights der zweiten Staffel zählte, und die Fans nach Antworten gierten. Die Verantwortlichen der „Sherlock“-Reihe lösten das Problem auf ihre ganz eigene Art. Sie spielen mit den Erwartungen des Publikums, verarschen es auch hin und wieder, so in der allerersten Szene, die auch gleich zu den Höhepunkten zählt, und halten den Zuschauer hin, der ihnen am Ende dankbar dafür ist genau das nicht erhalten zu haben, was er sich zuvor erhofft hatte.

Ähnlich wie die erste Staffel wird der eigentliche Kriminalfall der siebten Folge nie wirklich interessant. Wichtig ist das erneute Zusammenwachsen zwischen Holmes und Watson, da hat der zu lösende Fall hinten an zu stehen. Das Gekabbel der beiden Hauptmimen gehört somit zur wichtigsten Grundausstattung aller Geschehnisse, und das weiß zu unterhalten und zu erfreuen, bedeutet aber auch eine Geschichte unter Wert, wenn man erst einmal miterleben durfte, wie die beiden bei einem richtig guten Kriminalfall agieren und wie TV-anspruchsvoll und gelungen sich ein solcher Fall guckt. Von daher ist Erwartungen zurückschrauben angebracht, um nicht all zu enttäuscht von Sherlocks Rückkehr zu sein.

Aber „Der leere Sarg“ spinnt ohnehin nur erste Fäden alles noch Folgendem. Nicht nur das Zusammenwachsen von Holmes und Watson ist noch nicht wirklich erreicht, auch die Geschichte um Watsons Verlobung beginnt sich gerade erst zu entwickeln, und wer wie ich nur ein paar olle Filme anstatt der Printvorlage kennt, der kann anhand von „Sherlock Holmes - Spiel im Schatten" entfernt ungefähr erahnen was da noch für Hürden zu nehmen sind, auch wenn die Kinoreihe mit Robert Downey, Jr. völlig anders ausgelegt ist, und der britische Stil ohnehin ein völlig anderer ist als die Unarten mit denen die Amerikaner sich seit je her mit dem Meisterdetektiv beschäftigt haben.

Auffällig ist dass die technischen Spielereien mittlerweile sehr in den Hintergrund gerückt sind, gleichzeitig aber die Schrift im Bild zur Hinweis-Weitergabe an den Zuschauer fleißig weiter verwendet wird. Die fast schon übernatürliche Kombinationsgabe des Helden wird gar spielerisch in einem Duell mit Sherlocks Bruder hochgeschaukelt, welches einen kleinen Einblick auf die Kindheit der beiden einsamen Brüder wirft, aber auch zeigt wie viel Hintergrundwissen der Originalarbeiten Arthur Conan Doyles die Autoren hier besitzen.

Also: der Einstieg ist im Vergleich ein wenig schwach geraten, vergleichbar mit der Pilotfolge, die innerhalb der ersten Staffel aber auch gleich die beste war, was nur deutlich macht auf welch hohem Niveau sich die Serie seit dem weiter entwickelt hat. Einen Tiefpunkt wie in „Sherlock - Der blinde Banker“ muss wohl nicht mehr erwartet werden, zumal der Autor dieses Drehbuches in Staffel 3 kein Drehbuch mehr alleine schreiben durfte. Ein Wunder dass er immer noch mit an Bord ist. Seine in Staffel 2 geschriebene Story, jene von Episode 6, ist jedoch gut genug ausgefallen, so dass man vermuten kann, dass man ihn schon dort an der kurzen Leine hielt, sprich andere ein Wörtchen mitzureden hatten. Wie auch immer die genauen Hintergründe aussehen mögen, für „Der leere Sarg“ sind sie ohnehin egal, der ist von einem anderen Autor verfasst, auf Charakterebene gelungen und macht neugierig auf mehr (zumal nach Moriartys Tod ein neuer Hauptgegner angekündigt wird). Er hätte halt nur einen spannenderen Kriminalfall vertragen können. Der wird in Episode 8 aber sicherlich zu erwarten sein. Ich bin gespannt...!  OFDb

29.09.2013

THE WORLD'S END (2013)

Ziemlich zeitgleich zu Seth Rogens Regie-Debüt „This Is The End“ startete ein weiterer humoristischer Film der sich im Titel mit dem Ende der Welt befasst. Es ist der dritte Teil der Cornetto-Trilogie, die auch unter dem Begriff Blood And Icecream-Trilogie bekannt ist, und die mit „Shaun Of The Dead“ und „Hot Fuzz“ ihren Anfang nahm, zwei hochgradig gute Komödien, die albern und geistreich zugleich waren, ein von mir gern gesehener Mix in diesem Genre. Aufgrund der Vorgänger hatte ich an diesen dritten Teil der Reihe wesentlich größere Erwartungen gesetzt als an einen ollen Seth Rogen Film. Da mag er mit „Ananas Express“ und „Shopping-Center King“ noch so köstliche Genrebeiträge abgeliefert haben.

Nachdem sich das Trio bestehend aus Regisseur Edgar Wright und den Hauptdarstellern Nick Frost und Simon Pegg (der mit am Drehbuch beteiligt war) zunächst im Horror-Genre und danach im Bereich des Action-Kinos ausgetobt haben, ist sinnvoller Weise nun die dritte Kategorie des phantastischen Films an der Reihe: der Science Fiction-Bereich. Und der handelt eben nicht wie der Titel vermuten lässt vom Ende der Welt, sondern von einer Alien-Rasse die eine Kleinstadt und manch andere Orte dieses Planeten eingenommen hat, jedoch nicht einer Invasion wegen, sondern um die Menschheit zu erretten.

Mag es als Printmedie „Puppet Masters“ auch vor „Invasion Of The Body Snatchers“ gegeben haben, „The World‘s End“ stützt sich auf die Idee von Letztgenanntem, in welchem Menschen durch außerirdische Doppelgänger ersetzt werden, ein im Science Fiction-Genre häufig aufgegriffenes Thema, so z.B. angewendet in „I Married A Monster From Outer Space“, „Dark Forest“ und „Faculty“, außerhalb der Alienthematik auch in Werken wie "Die Frauen von Stepford" und "Futureworld". Obwohl bereits die dritte Verfilmung von „Die Dämonischen“, mit dem Titel „Body Snatchers“, frisch zur Entstehungszeit der politisch korrekten Mentalität den Stoff hätte nutzen können um diese fragwürdige Art zu Denken anzuprangern, nutzt erst „The World‘s End“ diese Gelegenheit und nimmt gleich noch Kritik an der Globalisierung und dem Zerstören von Individualität durch den Kapitalismus mit an Bord.

Treffsicher stellen die Köpfe dieser Geschichte diese drei real existierenden Bedrohungen der Freiheit des Einzelnen einer Alien-Belehrung gegenüber, um gegen Entmündigung des Bürgers zu protestieren, die nur all zu gerne von sich berufenen Menschen angegangen wird, trauriger Weise immer öfter unterstützt von Menschen, die mit dieser Mentalität groß geworden sind und es nicht besser wissen. Dennoch mögen die meisten Leute keine Bevormundung, und in einem schlichten aber unglaublich gelungenen Schluss-Dialog wird genau dieser Fakt hervorgehoben. Wen kümmert Perfektion? Wir wollen lediglich Mensch sein.

Insgesamt hat jeder der drei Cornetto-Teile den Verlust von Individualität und/oder die Bevormundung durch Dritte zum Thema gehabt, aber der Abschluss der Trilogie bringt es am besten auf dem Punkt, einfach weil das Science Fiction-Genre hierfür auch besonders geeignet ist. Trotzdem! So lobenswert das Gespann Wright, Frost und Pegg ihren Stoff auch angegangen sind, rein vom Unterhaltungswert ist der dritte Teil ihrer Trilogie der schwächste, zwar noch immer ein guter Film, aber im direkten Vergleich einfach nicht mehr ganz so witzig zu gucken wie die Vorgänger.

Das liegt aber auch an der Konsequenz der Verantwortlichen, die auf den Stoff gesehen richtig erkannten, dass es nicht so aberwitzig losgehen darf wie zur Heißphase des Filmes. Doch obwohl diese Methode theoretisch richtig angegangen wurde, stört sie auch, wenn man darauf eingestellt ist ein Gag-Feuerwerk zu erwarten, wie es die beiden Vorgänger boten. Wahrscheinlich dürfte eine Zweitsichtung diesen Kritikpunkt lindern, wenn man „The World‘s End“ erst einmal als Gesamtwerk kennt. Bei der Erstsichtung war das Zurückschrauben des Humoranteils eher ernüchternd zu schauen.

Dieser ist dennoch treffsicher, so wie man es von den anderen Teilen gewohnt ist. Und Gag-Feuerwerk bedeutet keinesfalls, dass hier hirnlos herumgealbert wird. Alle drei Filme bieten unterschiedlichste Arten und Schichten an Komik. Das ist das was diese Reihe so außergewöhnlich macht. Die Kritik bezieht sich also nur auf den direkten Vergleich mit den Vorgängern. Für sich gesehen ist das also alles noch unbedingt sehenswert. Das muss mal deutlich ausgesprochen werden.

Was jedoch wirklich in der Anfangsphase des Streifens stört, ist der zu penetrante Charakter den Pegg darstellen darf. Er passt zur Geschichte, und er ist wieder so hervorragend gespielt wie die beiden anderen völlig unterschiedlichen Charaktere Peggs, aber er nervt. Das soll er auch, zugegeben, aber dennoch: er nervt selbst das Publikum. Da tut es gut zu sehen, dass sich dies irgendwann lindert und die von Pegg gespielte Person irgendwann auch förderlich für den Sehwert des Films wird. Mag sein dass sich diesbezüglich ebenfalls eine Zweitsichtung angenehmer guckt. Möglich wäre das sowieso, ist die tatsächliche Faszination für die beiden Vorgänger bei mir doch auch jedes Mal erst durch die Zweitsichtung ausgebrochen. Keine Ahnung warum, immerhin sprechen wir hier von unglaublich gelungenen Filmen, die einem Respekt vor dem gerne unterschätzten Genre Komödie einflößen.

„The World‘s End“ ist gut, sowohl in seinem Humor als auch in seiner Gesellschaftskritik. Und auch die geradezu schlichte Story wird konsequent erzählt und weiß gerade deshalb zu trumpfen, wird sie bei manch eingefahrenem Filmfreund heutiger Kinokost doch nicht gerade Lob ernten, weil man fälschlicher Weise kritisieren wird, sie müsse abwechslungsreicher oder nachvollziehbarer angegangen werden. Beides ist nicht der Fall. Wie schon die Vorgänger, so stützt sich alles was passiert auf die Charaktere des Films, und deren Psychologie wurde von ihren Schöpfern treffend erkannt, und so darf die Geschichte nur jenen Pfaden folgen, für die sich das Autoren-Team auch entschieden hat.

Dass es an den Darstellern nichts zu maulen gibt, dürfte klar sein. Dennoch ist ein Schauspieler besonders hervorzuheben, und das ist Martin Freeman, der in den anderen beiden Teilen nur sehr kleine Rollen spielen durfte, und nun durch die TV-Serie „Sherlock“ und durch die Hauptrolle in „Der Hobbit“ zu Berühmtheit gelangt ist, und deshalb einen größeren Part beschert bekommen hat. Das wurde auch höchste Zeit, ist dieser Mann doch ein großartiger Schauspieler, und das bewies er schon lange vor seinen publikumswirksamen Auftritten. Wer Freeman in seiner bislang besten Rolle sehen will, der muss zur britischen TV-Serie „The Office“ greifen, in welcher er neben Ricky Gervais zu brillieren weiß.

Auch wenn „The World‘s End“ bei der Erstsichtung den anderen beiden Teilen der Reihe hinterherhinkt, so ist er doch dennoch ein würdiger Abschluss der großartigen Cornetto-Trilogie, die schon immer wusste dass der Stoff eines Filmes das wichtigste ist und nicht die Suche nach einem Zielpublikum. Wrights dritter Streich ist geistreich und witzig, und er ist feinsinnig und grob zugleich - quasi all das was die Vorgänger ausmachte. Frosts Rolle mag ein wenig überraschen, wandelt sich aber mit der Zeit zu dem was der Fan an ihm mag, und die obligatorische Cornetto-Szene lässt zwar lange auf sich warten, bietet dafür aber auch einen großartigen Lacher.

Was mir humoristisch anbei mit am besten gefallen hat, ist die wunderbare Idee die außerirdischen Blaublüter von ihrem körperlichen Aufbau her an den Einzelteilen einer Barbie-Puppe orientiert zu haben. Wenn der erste Kopf abgerissen wird und uns der typische Plastikstumpf anlächelt, auf welchen man den Kopf nun theoretisch wieder dran ploppen müsste, dann ist das so freiwillig trashig wie doppelbödig treffsicher.  OFDb

Nachtrag:

Nach der x-ten Sichtung innerhalb kurzer Zeit kann ich nun behaupten, dass "The World's End" mit seiner erwachsenen Art, seinen ernsten Themen und dem wundervollen Humor in einer sich langsam entwickelnden Geschichte mein Lieblingsteil der Cornetto-Trilogie geworden ist. Peggs Charakter King gefiel mir ab der zweiten Sichtung von Anfang an, und wieder hat es der Schauspieler geschafft sich perfekt in eine Rolle hinein zu fühlen. Auch für Nichtkenner der ersten beiden (völlig unabhängigen) Teile ist "The World's End" absolut empfehlenswert!

13.01.2013

SHERLOCK - DAS GROSSE SPIEL (2010)

Ein Mann hat das Interesse für Sherlock entdeckt und stellt dem Detektiv Aufgaben, die bis zu einem gewissen Zeitpunkt gelöst werden müssen, da ansonsten ein unschuldiger Zivilist in die Luft gesprengt wird...

Sherlock 3 - Jetzt erst recht...
 
Der Tiefpunkt der Reihe war mit „Der blinde Banker“ überwunden, da wurde es mit „Das große Spiel“ zwar wieder besser, aber noch lange nicht so gut wie im Piloten oder gar in der großartigen zweiten Staffel der Kriminalserie um Sherlock Holmes, die pro Season auf drei Teile in Spielfilm-Länge konzipiert war. Sympathisch ist die hier besprochene Episode definitiv, und das liegt fast ausschließlich an der gelungenen Charakterisierung der beiden Hauptrollen Holmes und Watson.

Man muss es den Verantwortlichen dieser Serie einfach hoch anrechnen den Mut aufgebracht zu haben aufgrund der Genialität des Meisterdetektivs die Konsequenz gezogen zu haben ihn derart unsympathisch zu charakterisieren. Das ist so logisch wie das Denken der Hauptfigur und sorgt für das gewisse Etwas womit sich diese britische Produktion von den vielen anderen Verfilmungen um den berühmtesten Detektiv der Literatur unterscheidet.

Wie in den beiden Vorgängern hapert es noch ein wenig an den thematisierten Kriminalfällen selbst. Konnte sich die Pilotfolge mit dem Kennenlernen der beiden Helden über Wasser halten, so war der zweite Fall schon erbärmlich zu nennen. „Das große Spiel“ erreicht ein akzeptables Ergebnis wie erwähnt über seine Figuren, die für den Film wieder mehr in den Vordergrund rücken als in Teil 2 und durch den Verzicht des in „Der blinde Banker“ angewendeten hektischen wie auch reißerischen Stils, der überhaupt nicht zur Reihe passt.

Episode 3 mag schwächer sein als die bisherigen vier geglückten Folgen, aber wenigstens ist sie in ihrer Art ein dazugehöriger Teil der Reihe, etwas das man vom Vorgänger nicht wirklich behaupten kann. Dass „Das große Spiel“ gut genug unterhalten kann, verwundert dennoch ein wenig, ist das erpresserische Spiel mit den Fähigkeiten Holmes doch etwas arg stark angelegt an die Schnitzeljagd aus „Stirb langsam - Jetzt erst recht“, auch wenn diese nicht nur auf logischen Aspekten aufgebaut war. Der Vergleich verstärkt sich um so mehr, wenn außerdem eine Parallele im Sinn der ganzen Aktion gegen Ende deutlich wird.

Etwas das außerdem erst gegen Ende benannt wird, ist etwas das der Zuschauer sich (von den Verantwortlichen allerdings gewollt) seit Beginn der Folge gedacht hat: der Strippenzieher hinter diesem Kriminalfall ist Holmes Erzgegner Moriarty, der zu diesem hier erst wird. Erstmals lernen sie sich kennen, erstmals darf Genie gegen Genie arbeiten, wenn auch noch nicht so ausgeklügelt wie in Teil 6 oder gar so unterhaltsam wie in „Sherlock Holmes - Spiel im Schatten“, der Kinoadaption mit Robert Downey, Jr.

Moriarty ist ohnehin das inhaltliche Zugpferd, das der Geschichte die nötige Mystik beschert um den Zuschauer neugierig bei der Stange zu halten. Kenner der Sherlock-Materie können es nicht erwarten ihn zu Gesicht zu bekommen. Neulinge des Sherlock-Universums werden aus schlichteren Gründen wissen wollen wer hinter all diesen unmenschlichen Aufgaben steckt, die dem Meisterdetektiv gestellt werden zu einem für Sherlock perfekten Zeitpunkt, langweilte der sich doch gerade, da es zu wenig zu tun gibt. Um Mitleid geht es dem Ermittler nicht, und wieder muss Watson feststellen wie sehr Genie und Asozialer in einer Haut stecken.

Der zusätzlich in die Geschichte integrierte Kriminalfall, um einen Auftrag den Holmes‘ Bruder interessiert, gehört in der Art wie er eingebracht wurde zu den Schwachpunkten von „Das große Spiel“. So stark wie er in die Geschichte involviert wird, wird zu schnell klar dass ein direkter Zusammenhang zu beiden Kriminalfällen besteht, auch wenn versucht wird durch das Desinteresse Holmes und der versteckten Beleidigung den Fall lediglich durch seinen Assistenten Watson lösen zu lassen davon abzulenken. Gerade diese beiden Aspekte sind es jedoch auch, die diesem Subzweig der Geschichte den nötigen Bogen geben doch noch für die Geschichte förderlich zu sein, sind sie doch ein weiterer interessanter wie witziger Nährboden dafür Holmes Intelligenz auf ein neues zu beweisen und sorgen sie doch für humoristische Dialoge zwischen den wichtigsten Betroffenen.

Wirklich interessieren tun einen die Ermittlungen des Zweitfalls jedoch nicht. Und parallel dazu lässt auch die Begeisterung für die anfangs willkürlich wirkenden Aufgaben im Laufe der Zeit immer mehr nach, bis sich Regisseur Paul McGuigan endlich erbarmt und für ein Treffen zwischen Moriarty und Holmes sorgt. Und was soll man sagen: so mystisch wie erhofft ist der gute Erzgegner nicht besetzt. Ganz im Gegenteil ist er etwas gewöhnungsbedürftig, hinterlässt hier noch keinen wirklich positiven Eindruck, was sich in der zweiten Staffel jedoch ändern wird, wenn die Serie beweisen darf, dass sie mit dieser ungewöhnlichen Charakterisierung Moriartys voll ins Schwarze trifft und Holmes einen gleichwürdigen Gegner serviert, der in seinem krankhaften Verhalten fast geradezu unheimlich wirkt.

An dieser Stelle sollte man also nicht zu früh meckern. Hier wird lediglich etwas vorbereitet, das gekonnt an anderer Stelle beendet wird. Dennoch darf man sicherlich zu recht etwas enttäuscht sein, wenn diese Vorbereitung nicht bereits hier schon eine gewisse positive Wirkung besitzt. Wenigstens lässt man den Zuschauer in dieser etwas mauen Phase mit einem interessanten Cliffhanger allein, das nenne ich Wiedergutmachung auf die fiese wie positive Art.  OFDb

03.01.2013

SHERLOCK - DER BLINDE BANKER (2010)

Sherlock wird von einem ehemaligen Kommilitonen beauftragt herauszufinden wie ein sprayender Einbrecher in das perfekt geschützte obere Stockwerk einer Bank eindringen konnte. Was der Täter an Graffiti hinterließ war jedoch keineswegs Schmiererei, sondern ein chinesischer Code, der mit Morden an Schmugglern zusammen hängt. Auch die asiatische Antiquitätenhändlerin Soo schwebt in Lebensgefahr...

Ein Zeichen der Zeit...
 
Die britische Sherlock-Reihe hat sich längst den Ruf als Geheim-Tipp erarbeitet, so nah sie an den Werken von Arthur Conan Doyle trotz aller Modernisierungen orientiert ist und damit ganz im Gegensatz zur überschätzten „Sherlock Holmes“-Reihe im Kino mit Robert Downey, Jr. steht. Doch inmitten dieser tatsächlich sehr sehenswerten TV-Produktion hat sich ein Film eingeschlichen, der diesem positiven Ruf nicht gerecht wird, und das ist ausgerechnet der gerade mal zweite Teil der auf Spielfilmlänge konzipierten TV-Serie.

Da sollte niemand zu früh abspringen, immerhin wird die Serie nach „Der blinde Banker“ wieder besser, aber es würde mich nicht wundern, wenn manch einer nach der Sichtung von Teil 2 tatsächlich die Reißleine gezogen hat. Immerhin war es der Trumpf des Pilotfilms „Ein Fall von Pink“, dass er sich so intensiv dem Kennenlernen der beiden Hauptpersonen gewidmet hat und sich somit viel Zeit für eine Charaktervertiefung ließ. Der Kriminalfall selbst war eher mittelmäßiger Natur. Da kann man Teil 2 voreilig als logische Konsequenz betrachten, denn nun wo man die Figuren kennt, bleibt lediglich der Kriminalfall als Hauptaspekt. Und da dieser erneut mäßiger Natur ist, ist das Ergebnis logischer Weise auch nur Durchschnitt.

Als Kenner der bislang erschienenden zwei Staffeln weiß ich aber, dass es besser wird, sehr viel besser sogar. Ist Teil 3 lediglich eine Spur besser als sein Vorgänger, so übertrumpft die zweite Staffel die erste um Längen und toppt sogar den Piloten. Mit ihrem eigenen Tiefpunkt „Der Hund von Baskerville“ trifft sie immer noch das Niveau von „Ein Fall von Pink“.

Dass „Der blinde Banker“ im Vergleich so abstinkt ist mehreren Faktoren zu verdanken. So fällt beispielsweise auf, dass Sherlocks überragende Intelligenz, der wichtigste Aspekt jeder anderen Folge, hier kaum zum Einsatz kommt, da man stattdessen versucht einen Code zu entschlüsseln, eine Aufgabe die jeder x-beliebige Kriminalkommissar einer Krimi-Serie ebenso lösen könnte. Nur selten blitzt Sherlocks Genie auf und ebenso selten kommt es zu den unterhaltsamen Wortgefechten zwischen ihm und Watson, welche der Serie so viel Sympathie einhauchen.

Um die Charaktere geht es hier aber ohnehin nicht, die bleiben auf gleichem Stand wie im Piloten, was etwas schade ist, da so ziemlich in jedem weiteren Beitrag der Reihe eine Entwicklung in der Figurenzeichnung der beiden Helden zu erkennen war, teilweise sogar zusätzlich noch bei wieder auftauchenden Nebenfiguren.

Dass Lestrade als der häufigste Kommissar und Verbündete von Sherlock diesmal nicht auftaucht, ist an sich eine gute Idee, wäre es doch höchst unlogisch wenn im großen London immer der selbe Gesetzeshüter in die Fälle Sherlock Holmes‘ eingebunden wäre. Leider wurde er nicht ebenso gut ersetzt. Sein Lückenfüller hat das Niveau eines eben solchen und bleibt mit keinerlei positivem wie negativem Eindruck im Gedächtnis zurück. Das ist schade, eben wegen des mangelndem Weiterentwickeln der Hauptfiguren.

Schwerwiegender als das bisher genannte wiegt jedoch die Umsetzung der Fortsetzung, ist sie doch wesentlich hektischer inszeniert und geschnitten und musikalisch wie inhaltlich reißerischer präsentiert als ihr Vorgänger. Das hat die Serie weder nötig, noch entspricht es ihrem Niveau, das in der hier besprochenen Folge nur ganz selten um die Ecke linst. Schade!

Dass man außerdem auf den gerade so beliebten Aspekt einer asiatischen Kultur aufbaut, wirkt etwas Publikums-anbiedernd, erfüllt das Arbeiten mit dieser doch eher Klischees als dass es Respekt vermittelt. Letzteres wird ohnehin im völlig überzogenen Finale umgeworfen um alte Vorurteile zu bedienen. Als Spiel mit den Klassikern seines Genres oder den Groschenroman-Regeln hätte ein solches Szenario durchaus interessieren können, stattdessen wird das Geschehen präsentiert wie in einem „James Bond“-Film, freilich ohne dessen Ironie. Und am Schluss darf Watson noch einen Spruch los werden, den so auch ein Actionheld hätte palavern können. Dass dieser so gar nicht zur Psychologie der Figur und der Situation passt, wirkt um so negativer, da auch dies nicht dem Niveau der restlichen Serie entspricht.

Wäre nicht die gute Besetzung und manch sympathischer Moment, sowie relativ kurze Augenblicke in welcher auch der Kriminalfall mal interessant wird, „Der blinde Banker“ wäre eine Totgeburt. So aber ist er lediglich ein schwacher Kriminalfilm, der auf unterster Ebene gerade noch zu unterhalten weiß. Ärgerlich ist das ganze im Hinblick auf den Rest der „Sherlock“-Reihe um so mehr, und ein nur leicht besserer Teil 3 versöhnt da nicht wirklich. Den Schleier des Verzeihens eines solchen Ausrutschers bot erst die zweite Staffel mit drei wirklich gelungenen Kriminalfällen.  OFDb

27.11.2012

THE OFFICE - STAFFEL 1 (2001)

David ist Abteilungsleiter im Büro einer Firma für Papierhandel. Einer von zwei Standorten soll geschlossen werden, deshalb schaut Davids Vorgesetzte dem Chef nun etwas genauer auf die Finger...

Stromberg – Das Original... 
 
Manch einer weiß es noch nicht: "Stromberg" ist das Remake einer britischen Büro-Satire mit dem Namen „The Office“. Im Gegensatz zum amerikanischen Remake hat das Original bisher keine deutsche TV-Veröffentlichung bekommen und führt ein einsames Leben auf dem DVD-Markt, lediglich deutsch untertitelt.
 
Die Serie ist eine Pseudo-Doku. Ein Kamerateam beobachtet das alltägliche Treiben im Büro einer Papiervertriebsfirma, führt Interviews durch und ist manchmal dann zur Stelle, wenn Mitarbeiter sich unbeobachtet fühlen. Man sieht, das Prinzip ist grundlegend das selbe wie unser „Stromberg“-Erfolg, zunächst auch in der Geschichte, die eingeleitet wird mit einer Rationalisierungssituation. Die Firma hat zwei Betriebe in unterschiedlichen Standorten, eine davon soll geschlossen werden.

Im Gegensatz zur deutschen Interpretation der Erfolgsserie konzentriert sich „The Office“ lediglich zwei Folgen lang auf diese Geschichte und greift sie erst wieder deutlich in der Finalfolge auf. Das klingt nach wenig, macht aber immerhin 50% der Serie aus, besteht sie doch gerade mal aus 6 Folgen.

In diese packte man dann auch so viel rein wie geht, so dass der reichhaltige Humor einem Eisberg gleicht. Die Spitze ist der laute, massentaugliche Humor, den größeren Teil macht die eher unauffällige Komik aus: Mimiken, Gesten, Sprechpausen, Angedeutetes, Nebensätze, selbstverräterische Äußerungen, zunächst banal klingende Informationen, Charaktervertiefungen, Reaktionen, ja sogar Bereiche wie Maske und Setting sind Auslöser für Lacher und Schmunzler.

„The Office“ auf den typisch britischen Humor zu reduzieren, würde dem Niveau dieser Satire nicht gerecht werden. Das wäre das selbe, als würde man "Stromberg" auf die „Der böse Boss“-Nummer reduzieren. Nichts könnte falscher sein.

Wichtig für die Geschichte sind folgende Figuren:

David Brent ist der Chef im Büro (gespielt von Ricky Gervais, der mit dieser Rolle die Hauptrolle spielt, zudem aber auch mit das Drehbuch schrieb, mit Regie führte und mitproduzierte). Vom Arbeitsgeschehen hat er eigentlich keinen blassen Schimmer. Seine Aufgabe sieht er eher als Entertainer. Eine humorvolle Atmosphäre unterstützt das wichtigste Gut einer Firma: seine Mitarbeiter. Brent liegt mit seinem selbstüberschätzten Humor jedoch häufig daneben. Er tut Menschen weh, bringt Gags zur falschen Zeit, ist nicht wirklich witzig, und wenn eine Pointe gegen ihn geht, ist der Humor blitzschnell verschwunden. Brent argumentiert meist mittels Ausreden. Diese widersprechen sich hinten und vorne, was sogar soweit geht, dass eigentliche selbstgenannte Grundprinzipien mit extremen Situationswechseln schneller über Bord sind und das Gegenteil regiert, als man piep sagen kann. Brent hat Probleme mit einer Frau als Vorgesetzte, betrachtet sie auch nicht wirklich als Chef, vertritt vor ihr aber seine im Gegensatz zur Chefin stehende Position zu den Aufgaben eines Chefs. Ohnehin besitzt Brent wesentlich mehr Rückrat als der olle "Stromberg" und weiß immerhin einige Situationen nicht nur per Zufall zu lösen, im Gegensatz zu seiner deutschen Version.

Brents Stellvertreter ist Gareth. Das Büro ist klein, eigentlich wird kein Stellvertreter benötigt, und es gibt den Titel weil es ihn halt gibt. Aber Gareth hält an seiner Position stark fest. Er ist der einzige, der dies ernst nimmt, sieht sich als zweiter Chef, glaubt Sachen zu dürfen die er nicht darf, plappert Brent eigentlich nur alles nach und ist seinem Boss gegenüber lediglich ein Mitläufer ohne Rückrat, was weder für Brent noch für die Arbeitskollegen unübersehbar ist. Gareth selbst hält sich jedoch für einen cleveren Taktiker, glaubt seine charakterlichen Mängel überspielen zu können und verweist gerne auf seine Zeit in der Landwehr, von der er nur allzu gern redet und Kollegen ihn ebenso allzu gern damit aufziehen. Gareth ist die Comicfigur der Serie, ist quasi der britische Ernie (Berthold aus „Stromberg“), wenn auch charakterlich völlig anders konzipiert.

Am Nebentisch von Gareth arbeitet Tim, der des Alltags überdrüssig ist. Seine Arbeit langweilt ihn, er will mehr. Er schafft es sich jedoch nie zu treten, er hat keine Motivation. Dass dies tiefer geht als es klingen mag, zeigt sich allein in der Tatsache dass er mit 30 noch bei seinen Eltern wohnt, selbst zum Auszug konnte er sich bisher nicht motivieren. Das Treiben im Büro und in der Welt sieht Tim gar nicht mal unclever. Hin und wieder gibt er bissige Kommentare ab, die aber wieder jede Wirkung verlieren, wenn noch im selben Satz seine dumme Seite zum Vorschein kommt. Etwas vergleichbar wäre er mit der Spence-Rolle aus „King Of Queens“, lediglich der Grad der Bildung trennt die beiden voneinander. Tim hat optisch etwas vom deutschen Ernie, wirkt eher ungepflegt, aber nicht in der Extreme wie Ernie. Tim weiß nicht was er aus seiner Frisur machen soll, zieht sich schluderig an, ihm fehlt fast jede Form von Lebensenergie. Diese lebt nur in einem Verzweiflungspunkt auf: im Kleinkrieg mit Gareth. Tim und Gareth führen ein dauerhaftes infantiles Gefecht, in der mal der eine und mal der andere die besseren Karten hat. Nur durch den end- und sinnlosen Kampf schafft es Tim den Arbeitsalltag zu überstehen, in einer Arbeit, die kein Talent von ihm fordert, in einem Alltag, der jeden Tag das gleiche ist. Einziger Lichtblick neben diesem Krieg ist seine Zuneigung zur Empfangsdame Dawn. Tim kann ihr jedoch nicht ehrlich gegenüber treten. Der Versuch einer Annäherung endet stets im Leugnen der ursprünglichen Absicht und reiht sich in seinem Erfolg somit der Wohn- und Arbeitssituation ein.

Empfangsdame Dawn ist die einzige Figur in der Serie, die von den Stammmitarbeitern von Anfang an einen Hals auf Brent hat. Sie mag ihre Arbeit ebenfalls nicht, ist seit drei Jahren mit einem fragwürdigen, etwas dominanteren, Mann verlobt, der es liebt Tim zu verarschen. Eigentlich mag Dawn Tim auch, aber sie ist auf etwas devote Art an ihren Verlobten gebunden, warum weiß sie wahrscheinlich auch nicht. Dawn bekommt Brents Treiben aus nächster Nähe mit, ist bei Gesprächen mit Brents Chefin dabei, kann ihren Boss bei fragwürdigen Vorbereitungen beobachten, kurzum: sie hat genug Gründe ihren Boss nicht leiden zu können. Eher still und zwischen den Zeilen gibt sie ihm Konter, denn sie weiß ja, wie schnell aus dem Humoristen ein eingeschnapptes Ekel werden kann, das unter fadenscheinigsten Argumenten Frechheiten ihm gegenüber nicht gut heißt.

Finch kommt nur in zwei Episoden vor, ist aber wichtiger als manche Figur, die in jeder Folge zu sehen ist. Finch ist der beste Freund von Brent, arbeitet aber auch unter ihm. Brent sieht sich als Ebenbild von Finch, der immer als sehr lustig, niveauvoll und intelligent beschrieben wird. Brent hat diese Eigenschaften nicht, sonnt sich aber in Finchs Ruf und projiziert ihn damit auch auf sich. Finch ist jedoch alles andere als das, was man über ihn sagt. Finch lacht, wenn die Komik von seiner Seite kommt. Sein Humor ist primitivster Altherren-Humor. Dreht sich eine Situation gegen ihn wird der Himmel schneller dunkel als man glauben sollte. Finch ist gebildeter als Brent, aber nicht gebildet. Was Finch zu dem macht, was er ist, ist sein aufgepuschtes Selbstbewusstsein und sein Talent gut reden zu können. Das blendet nicht seine eigentlich plumpe Art, er weiß sich jedoch auf dem von ihm gewollten Niveau Respekt zu verschaffen. Gebildete oder zivilisierte Leute schmunzeln freilich über einen Typ wie Finch, aber der gibt sich ohnehin nur mit Menschen ab, die ihn toll finden. Der Rest erntet nur Hohn. Um Finch wird von Anfang an ein riesiger Aufruhr gemacht. In Folge 1 wird erwähnt was für eine Humor- und Saufgranate er sei, in Folge 2 wird sein Charakter vertieft, ohne dass er aktiv vorkommt. Man erfährt etwas über seinen abartigen Humor, über seine Position zum Thema Freundschaft und darüber, wie sehr Brent ihn als Freund braucht, sieht sich dieser in Folge 2 doch nicht einmal in der Lage Finch zu kündigen, obwohl es allen Grund gibt und Brents Chefin dies sogar von ihm fordert. Dass ein ekeliger Charakter wie Finch nicht ohne Erfolge bleibt, die ihn in seiner Art bestätigen, ist klar. Schwache Charaktere beten ihn an, lieben seinen Humor, und wie man Frauen aufreißt weiß der werte Herr auch. Typisch für seinen Charakter ist es selbstverständlich, dass Finch seine Bettgeschichten weitererzählt und etwas ausschmückt, um sich auf diese Art erneut vergöttern zu lassen.

Häufigere Auftritte haben Brents Chefin, die immer wieder schockiert über die Respektlosigkeit Brents ist. Dann gibt es eine junge Frau, die unter dem Schutz Brents steht. Er versprach ihren Eltern auf sie aufzupassen und lässt sie bei sich wohnen. Ein Neuer, geschickt von einer Zeitarbeitsfirma, bekommt innerhalb der Serie mehr Bedeutung als es zunächst den Anschein macht und erweist sich immer wieder als Gegenpart zu Finch. Der Rest kommt entweder für eine Folge vor oder gehört zum Inventar, wenn auch meist mit Sprechszenen versehen.

Gecastet wurde hier jede Figur brillant. Finch, Brent und Gareth sind die drei auffälligsten Figuren, die wohl jeder komisch finden wird. Als besonders gute Schauspieler beweisen sich aber auch die Akteure der Rollen Dawn und Tim. Das hebe ich nur hervor, da sie auf dem ersten Blick etwas untergehen. Gute Schauspieler sind sie alle, egal wie groß oder klein eine Rolle ist. Eine derart perfekte Besetzung sah ich bisher noch selten und kann auch hier wieder nur auf „Stromberg“ verweisen, bei dem in den ersten beiden Staffeln gleiches der Fall war. Tims Rolle ist der Haupteckpfeiler, wenn es darum geht den schwarzen Humor, der die Serie wie ein roter Faden begleitet, so weit zu treiben, dass er so bitterböse wird, dass man nicht mehr lachen kann und die Komik in Tragik umschwenkt. Um Tim gibt es einige stille Szenen, die dieser mit seiner Mimik trotz ihrer Übertreibung realistisch rüberzubringen weiß.

Ein Talent, das auch Regie, Drehbuch und der Restcast beherrschen: Trotz seiner Übertreibungen in Story und Figuren, wirkt „The Office“ lebensnah und griffig. Lediglich Gareth ist eine zu Fleisch gewordene Comicfigur, überzogen gespielt, bis hin zu seiner Art ein Handy zu transportieren ins Lächerliche gezogen und so muss es auch sein. Seine unechte Art ist nicht negativ zu sehen, macht es die Figur Gareth doch zu etwas besonderem. Letztendlich erkennt man auch in Gareth jede Menge Eigenarten aus dem wirklichen Leben, sonst würde diese Übertreibung nicht funktionieren. Gareths Charakter beinhaltet allerhand menschliche Klischees in einer Extreme, wie sie zum Klischeedenken nun einmal dazugehört.

Die Folgen im einzelnen (enthält Spoiler):

Episode 1:

Der Alltag des Betriebs wird gezeigt, ein neuer Mitarbeiter aus einer Zeitarbeitsfirma stößt hinzu und Brent erfährt von den Plänen des Vorstandes einen von zwei Standorten zu schließen.

Die Einführung der Figuren wird gekonnt vorgenommen. Das zeigt sich besonders deutlich in zwei Momenten. Der eine ist Brents Unterhaltung mit Dawn ziemlich zu Anfang der Folge, in der man sofort erfährt was Brent von seinen Vorgesetzten hält, wie Brent sich selber sieht, dass Dawn ihn nicht leiden kann, und das sich der humorvolle Chef blitzschnell als völlig humorlos outet. Das ist viel für eine relativ kurze Unterhaltung und hat den Effekt mit der wichtigsten Figur der Reihe schnell warm zu werden. Der zweite Moment ist der, in dem Brent dem neuen Mitarbeiter sein neues Schaffensgebiet zeigt, bei seiner Führung durchs Büro lediglich unwichtige Punkte anspricht, immer wieder auf den Humor im Büroalltag verweist und nie etwas zu berichten hat, das direkt mit der Arbeit zu tun hat. Selbst das Vorstellen der Kollegen wird lediglich genutzt, um über private Erlebnisse, wie gemeinsame Saufabenteuer oder das Reparieren eines Autos, zu tratschen. Brent hat vom eigentlichen Geschehen im Büro wenig Ahnung, wüsste wahrscheinlich gar nicht, was es da zu erzählen gibt und bringt die Führung irgendwie hinter sich. Dass der Weg zum Ziel, nämlich den Humor über Wissen und Fähigkeit zu stellen, bzw. damit zu blenden, bei Brent meist der gleiche ist, wird durch diese Szene deutlich, unterstützt durch die zuvor erlebte mit Empfangsdame Dawn.

Episode 2:

Brents Chefin kommt zu Besuch, um zu schauen was er seit der Vorstandsmitteilung im Büroalltag verändert hat. Just an diesem Tag geht ein pornographisches Bild um, auf dem Brent veräppelt wird. Brent beauftragt Gareth herauszufinden, wer der Übeltäter war.

Dies ist Gareths große Folge, der während seiner Untersuchung sich durch allerlei Klischees wühlen darf und nun noch mehr als in Folge 1 verdeutlicht, was für ein mieser Charakter er eigentlich ist. Brent hingegen tritt seiner Chefin gegenüber in Fettnäpfchen, die man in der Extreme so früh in der Serie nie erwartet hätte. Das liegt allerdings auch daran, dass man als Deutscher „Stromberg“ im Kopf hat und zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht weiß, dass sich die Geschichte selbst völlig anders entwickelt, als das Remake unseres Landes.

Episode 3:

Das große alljährliche Büroquiz steht an Tims Geburtstag an. Brent und Finch sind das seit 6 Jahren ungeschlagene Gewinnerteam. Der Neue von der Zeitarbeitsfirma erweist sich allerdings als ernster Konkurrent.

Folge 3 entfernt sich von der Situation um die Pläne des Vorstands, präsentiert eine eigentlich unnötige Geschichte, die nicht erzählt werden müsste, nutzt diese aber um bisher Gezeigtes und Angedeutetes zu vertiefen. Mit wichtigster Punkt dürfte die Einführung Finchs sein, um den fast 2 ½ Folgen lang eine Erwartungshaltung aufgebaut wurde, die Finch auch zu erfüllen weiß. Eigentlich noch wichtiger als das Erscheinen dieser Randfigur ist die Vertiefung der Rolle Tim, deren Tragik nun immer deutlicher wird, bis hin zur sehr schwarzhumorigen Schlusspointe. Tims Figur wird unter anderem dadurch so griffig, weil er sich von den angeblich humorvoll gemeinten Angriffen nicht nur runterziehen lässt. Tim beweist hin und wieder Humor, zeigt dass er über sich selbst lachen kann, aber auch, dass er dies ab und an zum Selbstschutz anwendet. Deutlich wird auch erneut seine Liebe zu Dawn, ihre Position zu ihrem Verlobten und dessen zu Tim. Das Treiben rund ums Quiz verstärkt Gareths Charakter in Bezug auf Vorurteile, Fragwürdigkeit und seinem Wunsch auf Anerkennung. Es zeigt Finch von seiner humorlosen, aber auch nicht uncleveren Seite und outet Brent schlussendlich als Schaumschläger, der zwar gerne so intelligent wie Finch wäre, aber nie die richtige Lösung weiß. Zuvor wird diese Wahrheit deutlich, in einem Gespräch mit dem Neuen von der Zeitarbeitsfirma, das über einen Informationsaustausch im Büroalltag mit Brent zu einem persönlichen Kampf Finchs gegen „den Studenten“ wird. Dass dieser die Situation nicht als Kampf oder Kräftemessen versteht ist Tunnelblick-Denker Finch dabei ziemlich egal.

Episode 4:

Ein Seminar steht an, zur Auffrischung der Grundlagen im kaufmännischen Alltag. Brents Unwissenheit hält ihn nicht davon ab, sich stets in den Mittelpunkt zu stellen und den Seminarleiter damit zu nerven, zu verärgern und natürlich im gewissen Sinne zu degradieren.

In Episode 4 wird deutlich, dass Brent im Gegensatz zu „Stromberg“ trotz seiner Unfähigkeit nicht auf dem absteigenden Ast sitzt. Brent besitzt das Talent seine Unfähigkeit zu überspielen, teilweise zu tarnen, oder einfach zu ignorieren, in dem er auf seine Art verdeutlicht wer der Chef ist. Die Momente von Blöße sind kurzfristig. Nie steht das Wackeln seiner Position zur Debatte, nie wird es deutlich genug, um fortan der Bürokasperle für die Mitarbeiter zu sein, wie es, von mir nun etwas übertrieben beschrieben, in der deutschen Serie der Fall war. Brent sieht sich als Entertainer, und das kann er in dieser Folge auf herrlich übertriebene Art auch zeigen. Wie er dies macht, möchte ich nicht verraten, das gehört zu den größten Lachern der Folge und zu einem lang anhaltenden. Der Nebensatz „Er hat sie von zu Hause geholt“ wurde für mich zu einem der besten Witze der Serie und ist ein ideales Beispiel für den Humorbereich, der lediglich angedeutet wird und die Phantasie des Zuschauers zu beflügeln weiß. Wichtig ist in dieser Folge auch das Geschehen rund um Tim. Das Seminar gibt dem ohnehin schon desillusionierten Mann nun endgültig den Ruck zu kündigen, um fortan zu studieren. Im Zuge dieses Willens, sein Leben umkrempeln zu wollen, kommt ihm ein Streit zwischen Dawn und ihrem Verlobten auch sehr gelegen, um sie zu einem Rendezvous einzuladen. Der besagte Streit wird jedoch von jedem im Büro falsch interpretiert. Während die Kollegen glauben, es wäre aus zwischen den Verlobten, ist der Vorfall schlichtweg nur ein Streit. Tims blamabler Versuch vor allen Leuten Dawn einzuladen, führt zu einem erneuten Rückzieher, das Gesagte als lediglich freundschaftlich gemeint haben zu wollen. Auch hier wird Tims Charakter noch einmal bestätigt, während er zeitgleich einen kleinen Wandel und eine Weiterführung erlebt. Großartig sind die Momente zwischen dem Seminarleiter und Brent, ein unausgesprochener Kampf der von Brent auf höchst ungewöhnliche Art ausgeführt wird. Ähnlich wie eine Situation aus Folge 3 empfindet Brents „Gegner“ die Situation jedoch gar nicht als Kampf, und versucht einfach sein Programm durchzuziehen, woran er mehr und mehr an Lust verliert. Brents Versuche das Seminar an sich zu reißen, sorgen immer wieder dazu, dass das Thema nicht eingehalten oder falsch verstanden wird, zunächst im fachlichen Bereich, später in einem völlig unabhängigen. Hervorzuheben ist auch noch das Anwenden eines Lehrfilmes, das dazu genutzt wird Lehrfilme, die 80er Jahre, Elemente kaufmännischer Arbeit und Musikuntermalung in Billigproduktionen zu parodieren. Dies läuft Hand in Hand mit der Vorbereitung zu dem, was sich später, wie oben erwähnt, zur thematischen Entgleisung immer weiter hochschaukeln wird. In meinen Augen ist Folge 4 die beste, natürlich nur im direkten Vergleich.

Episode 5:

Anstatt den Stellenabbau anzugehen, wie es die Chefin wünschte, stellt Brent eine neue Sekretärin ein, die er auch direkt in eine Disco einlädt, in die am besagten Abend die ganzen Mitarbeiter gehen. Dort wird gebaggert bis der Arzt kommt mit unterschiedlichen Erfolgen.

Aus der Situation rund um das Bewerbungsgespräch wird allerhand herausgeholt, eben dadurch dass einer der Bewerber ein Mann und der andere eine attraktive Frau ist. Innerhalb dieser Situation wird auch noch einmal deutlich, wie viel mehr Dawn im Vergleich zu ihren Kollegen mitbekommt, was ihre Haltung Brent gegenüber erneut unterstreicht. Im Gegensatz zu "Stromberg" wird Brent im allgemeinen gemocht, in kleinen Situationen gehasst, aber auch schnell wieder gemocht, wenn auch nur oberflächlich. Deswegen ist es wichtig Dawns anhaltende Antipathie zu ihrem Chef immer wieder zu verdeutlichen. Die aufdringliche Art Brents der neuen Sekretärin gegenüber, wird in der Disco verstärkt, was zunächst kaum möglich scheint, und in einer Extreme endet, wie sie frauenfeindlicher kaum sein könnte. Tims passive Art wird in der Disco ebenso wieder verstärkt, ebenso wie Gareths Rückratlosigkeit. Auch der Kampf zwischen Finch und dem Zeitarbeits-Fuzzi klingt noch einmal an, aus einem Grund, der wie ein kleines Rätsel vorher in die Serie eingebracht wurde. Die junge Dame, die Brent zu behüten hat, hat eine private Beziehung zu einem Mitarbeiter aufgebaut. Büroangestellte wie auch Zuschauer stehen vor der Frage, wer es ist. Auf die Auflösung kann man kommen, beim zweiten Gucken bemerkte ich einige Szenen, die bereits viel früher darauf hinarbeiteten. Ein kleiner Subplot am Rande ist die Situation zwischen Tim und Dawn. Beide werden nicht mehr warm miteinander, seit Tim versucht hat, sie für sich zu gewinnen. Tim streitet dies weiterhin ab, beide versuchen miteinander zu kommunizieren, was nicht nur zwischen den Zeilen für allerhand Komik sorgt, ganz besonders der Teil eines Gesprächsversuches der beiden, in dem es darum geht, gemeinsam bald mal einen trinken zu gehen.

Episode 6:

Brent bekommt das Ergebnis des Vorstandes mitgeteilt, das anders ausfällt als allgemein vermutet. Brent soll befördert werden, dementsprechend wird sein Büro aufgelöst und viele Mitarbeiter werden ihren Job verlieren. Genau an dem Tag steht eine Festlichkeit an. Auf der dafür stattfindende Party kommt selbstverständlich keine gute Laune auf, doch Brent weiß dieses Problem auf seine Art zu lösen.

Wer sich nun noch immer an „Stromberg“ orientiert hat, wird nun endgültig überrascht. „The Office“ handelt nicht vom beruflichen Abstieg eines Mannes, sondern schlichtweg davon, wie man es schaffen kann seinen Job zu halten und Karriere zu machen, ohne eigentlich dafür qualifiziert zu sein. Dass dafür andere ihre Probleme bekommen wurde in der Serie mehrfach deutlich, die Finalfolge geht nun einen Schritt weiter. Aus Benachteiligten oder Diskriminierten werden nun echte Opfer, Menschen die ihren Job verlieren. Wie das ganze endet und warum, soll hier nicht verraten werden, passt aber ungemein zu Brents Charakter. Außerdem wichtig für die Folge ist die Auflösung dessen, was nun mit Tims Kündigung ist. Das Ziel dieses kleinen Subplots schweißt Tim und Dawn freundschaftlich wieder aneinander. Gareth sieht seine Existenz gefährdet, wenn er zukünftig kein Stellvertreter des Chefs mehr sein darf. Wenn er dies nicht ist, was ist er dann? Brent erweist sich in einem Gespräch mit dem frustrierten Exsoldaten als einfühlsam und asozial gleichermaßen. Auf der Party zeigt Gareth schlussendlich, dass er auch anders kann.

Was „The Office“ deutlich von „Stromberg“ unterscheidet sind die Charakterisierung der beiden Chefs (Brent hat Talente, wenn auch keine die ihm seine berufliche Existenzberechtigung gäben, Stromberg hat keinerlei Talente außer wie ein Wasserfall reden zu können) und die Weiterführung des gleichen Ausgangspunktes. The Office“ begleitet keinen Mann beim beruflichen Untergang, die Sendung zeigt nur wie man es schaffen kann eine höhere Position zu halten, ohne die Fähigkeit zu haben den Job im eigentlichen Sinne ausführen zu können. Somit wird nicht nur im Kleinen der gesellschaftskritische Spiegel vorgehalten, sondern auch in dem groben Grundproblem an sich: Erfolg hat nicht mehr der, der fähig ist, sondern der, der weiß sich zu verkaufen. Erstaunlich ist daran, dass Brents Rolle keine Mitläufer-Rolle ist, die sich ewig nach oben einschleimt. Mit einer solchen Haltung schafft man es nur zum Stellvertreter Brents. Es ist schön zu beobachten, dass Brent seine Haltung häufig mit Stellungnahmen unterstreicht, die theoretisch vernünftig, ja sogar vorbildlich klingen, aber doch nur zum Blenden verwendet werden und dem Klischee nach nachgeplappert werden. Hinter seinen Äußerungen steht Brent eigentlich nie. Nicht nur dies wurde für „Stromberg“ übernommen. Selbst kleine Eigenarten der Figur, wie beispielsweise das nervöse Spiel mit der Krawatte, finden bereits in „The Office“ Platz.

Diese Büro-Satire ist mit das beste, was Fernsehen jemals hervorgebracht hat und wirklich jedem zu empfehlen. Überraschender Weise ist der Untertitel nicht störend. Das könnte man schließlich meinen, wenn so viele Witze durch Mimik und Gestik entstehen. Die Texte lesen sich glücklicher Weise schnell, sind deutlich zu erkennen und es gibt immer genügend Zeit auf das Spiel der Akteure zu achten. Mit einem Blick auf „Stromberg“ guckt sich „The Office“ zusätzlich interessant. Um vollkommen in der Serie aufgehen zu können, sollte man sich irgendwann aber von dem Vergleich lösen. Die völlige Andersartigkeit beider Versionen macht immerhin neugierig auf die amerikanische, italienische und französische Version. Wenn diese sich auf ähnliche Art unterscheiden wird es spannend. Denn „The Office“ ist sehr britisch und „Stromberg“ sehr deutsch. Wenn die anderen drei Länder auch nicht nur kopieren, sondern ihre eigene Humorkultur zum wichtigsten Aspekt machen, kann man nur erahnen wie deren Versionen wohl aussehen mögen.  OFDb