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01.11.2022

SPIDER-MAN 3 - NO WAY HOME (2021)

Nein, was haben viele damals geschimpft, als "The Amazing Spider-Man" nur 10 Jahre nach "Spider-Man" und 5 Jahre nach dessen letzter Fortsetzung die Entstehungsgeschichte des Spinnenmenschen noch einmal erzählte. "Fällt Hollywood nichts Neues mehr ein?", schimpften all jene, die nicht bemerkten dass Hollywood seit dem Aufkommen des Tonfilmes stets neu verfilmte, fortsetzte, Erfolge kopierte, und Kritiker sich mit ihrem Schimpfen unfreiwillig nur selbst als uninformiert und unreflektiert outeten in dem Glauben dies sei ein neues Verhalten innerhalb der mächtigen Filmindustrie der USA. Da war das Klagen freilich besonders groß, als Marvel sich mit dem bisherigen Rechteinhaber Sony vereinte, und es mit "Spider-Man - Homecoming" eine erneute neue Version der Anfänge rund um Peter Parker gab. Ich habe sie alle genossen, so unterschiedlich wie sie interpretiert und erzählt waren, ich habe nie geklagt. Und nun, wo mit "Doctor Strange" die Multiversen Einzug ins Marvel-Universum halten, da konnte mit einem raffinierten Schachzug das Drama der Klagenden zu einem kreativen Event umgemünzt werden. 

Ich weiß nicht wie man es geschafft hat (wahrscheinlich mit Geld), aber aus den anderen Spider-Man-Filmen wurden Helden und Gegner in gleicher Besetzung für "Spider-Man - No Way Home" zurück gewonnen, um sie als Figuren alternativer Universen vorzustellen. Das ist großartig, bereitet es doch Freude (ge)alte(rte) Gesichter wieder zu sichten, während sich die einzelnen Filme zu einem großen Ganzen vereinen können, was im letzten langen Drittel eines immerhin 142 Minuten laufenden Streifens zum Höhepunkt der ganzen Chose wird. Denn erst ab hier kämpfen die drei Spider-Man gemeinsam Seite an Seite, versehen mit allerhand Seitenhiebe auf Besonderheiten und Schwächen der jeweiligen Interpretationen (am besten ist jene zum Thema mangelndes Teamwork), und das macht so viel Spaß wie erhofft. Lediglich dass der aktuelle Spider-Man wie der einzig wahre herüber kommt, ernüchtert ein wenig, aber ansonsten gibt es nichts zu meckern, zumal die Gefühlsebene aller drei Parkers nicht zu kurz kommt. 

Was die lange Phase zuvor angeht, so ist der Film zwar auch hier ein unterhaltsames Werk, aber bei weitem nicht so geglückt, wie die beiden hervorragenden Vorgänger. Letztendlich liegt das Hauptmanko am selben Schwachpunkt, den seinerzeit auch Raimis "Spider-Man 3" hemmte: das Bekämpfen zu vieler Gegner. Klar, das ist hier aufgrund der Zusammenführung der Universen gewollt und wie erwähnt aufgrund der bekannten Schurkengesichter gern gesehen, aber es besitzt einfach nicht die Energie, die ein Film mit einem, maximal zwei Gegnern entfachen kann. Nun ist der Beginn trotzdem ein Hingucker, immerhin schloss "Spider-Man 2 - Far from Home" mit einem sehr geglückten Cliffhanger. Daraus weiß man einiges herauszuholen, wenn auch nicht in voller Konsequenz, was wohl auch den Rahmen gesprengt hätte. Etwas zu einfach macht man es sich dann doch, so dass erst mit dem Hinzustoßen von Doctor Strange die Geschichte so richtig ins Laufen kommt. Zwar ignoriert man von hier an plötzlich den Aufruhr gegen Parker, aber die Pluspunkte der Geschichte, insbesondere der schon in den Vorgängern zelebrierte Humor, lassen einen gütigst drüber hinweg schauen. Nur war dies bei den ersten beiden Teilen erst gar nicht nötig. 

Wie auch immer, erzählenswert ist das hier Gezeigte trotzdem, auch wenn es nicht alle Erwartungen erfüllen kann. Und was mich stark überrascht und bewegt hat, ist die finale Entscheidung des Helden, die den Beititel der zweiten Fortsetzung zur Wahrheit werden lässt. Sollten die Schöpfer zukünftiger Abenteuer der Spinne nichts Vorangegangenes im Schwanzvergleich überbieten wollen, sondern lediglich solide und gute Arbeit leisten, kann es von nun an so weiter gehen, wie es ursprünglich schon immer sein sollte, bevor die Avengers dazu stießen und aus Spider-Man etwas machten, das engstirnige Fans nie gewollt haben. Diese Schlussentscheidung ist einfach großartig - solange sie auch konsequent eingehalten wird.  OFDb

17.09.2022

DOCTOR STRANGE IN THE MULTIVERSE OF MADNESS (2022)

Obwohl der Doktor für die derzeitige Marvel-Welle unglaublich wichtig ist und quasi in die Fußstapfen von "Iron Man" tritt, hat es sechs Jahre gedauert, bis eine Fortsetzung von "Doctor Strange" gedreht wurde. Zwischenzeitlich war er als Sidekick in anderen Werken der Marvel-Schmiede tätig und trumpfte insbesondere in "Spider-Man 3 - No Way Home". Sein zweiter eigener Film war für viele Fans also eine lang erwarteter Traum, und nun wo er erschienen ist, ist er leider nicht so gut ausgefallen wie sein Vorgänger, auch wenn man den Verantwortlichen des Streifens nun wirklich keine mangelnde Kreativität vorwerfen kann. Was hier oftmals nur für Augenblicke für Welten und Kreaturen erschaffen werden, um den wilden Ritt dem wir beiwohnen gekonnt zu thematisieren, bereitet jede Menge Vergnügen. Und eine wendungsreiche Geschichte, in der es für Stammies im Marveluniversum auch zu manch überraschendem Gastauftritt kommen kann oder zu verdrehten Spielereien mit liebgewonnenen Figuren, sorgt dafür dass die Geschichte selbst zu interessieren weiß. 

Leider setzt diese eine Person als Hauptaggressor ins Zentrum, die weder optisch oder mystisch zu überzeugen weiß, noch von ihrer Motivation her. So baden viele Momente kurzfristig in Familienkitsch, dargeboten anhand schrecklicher Kinder, die ich so nie haben wollen würde. Und mag der Kitsch auch nur phasenweise aufkeimen, der dem zugrunde liegende Antrieb des Bösewichts zielt derart penetrant auf ein Frauenpublikum, dass es sich wie eine Anbiederung der derzeitigen unangenehmen Entwicklung in Hollywood anfühlt. Das würde es nicht einmal, wenn der Kampf um eine Familie, die man nicht besitzt, etwas erwachsener angegangen würde, aber wir befinden uns nun einmal in einem Marvelfilm, und die Eigenschaft alles in ein trivial naives Erlebnis zu tauchen, die manch andere Elemente überhaupt erst reizvoll macht, lässt die Gefühlswelt des Antagonisten der Chose scheitern. Und das betrifft somit einen großen Teil des Films und nicht nur eine Randerscheinung. Glücklicher Weise hält Cumberbatch in seiner herrlich arroganten Art wunderbar dagegen, ebenso Regisseur Sam Raimi, der freilich wieder manchen Horrormoment innerhalb eigentlich anderer anvisierter Genres zaubert. An abgedrehten Szenarien mangelt es nicht, Humor, Action und kreative Sehwerte gibt es zu genüge. Das Ganze läuft nur nicht mehr so kompromisslos rund wie im Erstling. Dies einmal akzeptiert wird man aber dennoch kurzweilig unterhalten innerhalb eines Streifens, dem es nicht an Ideen mangelt, auch wenn der grobe rote Hauptfaden dem üblichen Ereignismuster folgt.  OFDb

AVENGERS 4 - ENDGAME (2019)

Thanos mag in meinen Augen nach wie vor nicht der mächtige Gegner sein, der eine derart gewichtige Position zu füllen weiß, aber zumindest sind es die Ereignisse im letzten Drittel, welche die Zusammenkunft der fast kompletten Marvel-Superheldenschar nötig macht, ein Zustand der für mich in Teil 3, an welchem Teil 4 direkt anknüpft, nicht gegeben war. Ohnehin ist der zweite Teil um die Infinity-Steine interessanter ausgefallen, ist für mich aber trotzdem nicht das hochgradige Kinoereignis, das er in seiner prachtvollen Art gerne sein würde. Tut mir leid, aber wenn tragische Momente im Dialog mit einem CGI-Waschbären vorgetragen werden, stößt es meinem bei solchen Sichtungen ansonsten gut verdrängtem Erwachsenen-Ich geradezu lächerlich auf. Derartiges funktioniert einfach nicht. Ein unangenehmer Hulk, der quasi durch einen dauerhaften Mittelzustand nun gezähmt ist und eine oberste Zauberin aus dem "Doctor Strange"-Universum, die sich über die Zukunft des Doktors mehr im Klaren ist als zum späteren Zeitpunkt in besagtem Film, sind Schwächen inmitten eines Werkes das nicht kleckert sondern klotzt, sich bei dem Staraufgebot und der Anzahl vieler Figuren derartiges ruhig auch leisten kann, aber eben stets hauptsächlich Quantitäten anstatt Qualitäten serviert. Zumindest sind viele gute Schauspieler mit am Start. Von einem muss man sich aus dem Marvel-Universum endgültig verabschieden, was im Gegensatz zu dem Waschbärenbeispiel auch überraschend emotional zu wirken weiß, selbst wenn man, wie ich, vor dem Sichten bereits davon wusste, dass es passiert. Ansonsten bietet "Avengers - Infinity War - Part 2" (Alternativtitel) solide Actionunterhaltung mit allerhand humorvoller Momente, spannenden Ereignissen, interessanter Wendungen, aber auch vielen zu gewollt erscheinenden Momenten (der bequem gewordene Thor zum Beispiel) und jeder Menge Oberflächlichkeiten. Da ich mit meiner Kenntnis der drei Vorgänger genau auf ein derartiges Ergebnis eingestellt war, konnte ich mich mit diesem meist anspruchslosen Effektgewitter jedoch gut arrangieren und wurde dementsprechend kurzweilig unterhalten.  OFDb

19.08.2022

DOCTOR STRANGE (2016)

Da soll mal einer sagen Marvel kann nicht auch anders. Okay, vieles ist wie gehabt, so der mangelnde Tiefgang aller zwischenmenschlichen Bereiche, der Zerrissenheit und anderweitiger grob angeschnittener Charaktereigenschaften. Wie so oft wird alles nur so weit wie nötig angeschnitten, um im Fantasybereich in die Vollen gehen zu können. Aber bei "Doctor Strange" geht das meiner Meinung nach in Ordnung. Nicht nur weil man sich für eine derart komplexe Story, wie hier dargeboten, trotz klassischer Laufzeiteinhaltung dennoch genügend Zeit für die Vorgeschichte lässt und dann noch einmal für die Entstehung des Helden, sondern auch weil das obligatorische Effektgewitter diesmal lediglich maximal zur Hälfte zur Zerstörungsorgie verkommt. Vieles andere was mit dem Computer gezaubert wurde reicht eher an die (später entstandene) kreative Zwischensequenz über Realität und Täuschung aus "Spider-Man 2 - Far from Home" heran, sprich man nutzt die Unsummen an Geld und technischen Möglichkeiten die zur Verfügung standen, um tatsächlich beeindruckende Bilder zu zaubern, die unser Denken und unsere Vorstellungskraft auf den Kopf stellen. 

Auch da wäre manchmal weniger mehr gewesen, z.B. zu Beginn wenn das Umformen eines Stadtteils mehr beeindruckt hätte, wenn nicht ganz so krass in die Kacke gehauen worden wäre, aber wenn es um die Geheimnisse von Zeit, Paralleluniversen und anderem mal auf Fantasy, mal auf Science Fiction fußenden Hokuspokus geht, dann darf man staunen bei einer Bilderflut an Ideen, die etliche Filme mit eigenen Geschichten hätte stemmen können. Zugegeben, das kann man positiv wie negativ sehen, wenn derart inflationär mit phantasiefördernden Mitteln gearbeitet wird und gefühlte 98% davon schneller vorüber sind, als man innerlich konsequent verarbeiten konnte, aber das macht die Sache nicht weniger geistreich und kreativ. "Doctor Strange" hat nichts davon als Innovation gepachtet, das sind keine neuen Ideen aus den Medien Buch und Film, die hier aufgegriffen werden, aber sie werden in eine interessante Geschichte gepackt, aufregend präsentiert und fördern die Phantasie und das Staunen, was will Popkorn-Kino mehr? Da das Ganze mit Benedict Cumberbatch und Tilda Swinton zudem hochgradig professionell besetzt ist (Erstgenannten beschert man zudem einen Insider-Gag außerhalb des Marvel-Universums), kann man wahrlich nicht meckern. 

Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt und kann nur hoffen, dass man es bei der Fortsetzung "Doctor Strange in the Multiverse of Madness" erneut so erzählfreudig angeht. Dass die Fortsetzung sechs Jahre auf sich warten ließ, lässt zumindest kein Schnellschuss-Produkt vermuten. Aber bei Marvel-Filmen bin ich immer im Vorfeld vorsichtig und kritisch, die hauen trotz vieler sympathischer Beiträge halt auch immer wieder gleichermaßen daneben.  OFDb

04.02.2020

AVENGERS 3 - INFINITY WAR (2018)

Ich bin nur gelegentlicher Gast im Kino des Marveluniversums, habe zwar nicht wenige dieser Filme gesehen, aber längst nicht alles. Zwischen "Avengers 2" und diesem Film hier, also innerhalb von drei Jahren, hat sich viel getan. Von mancher Veränderung/Weiterentwicklung wusste ich durch andere Werke, manche haben mich überrascht, andere konnte ich nicht einordnen. Marvel fährt diesmal fast alles auf, was an Superhelden ihrer Comicheftchen bislang die große Leinwand erobert hat, und diese Überfrachtung weiß den Gastzuschauer zunächst zu überfordern, kennt der doch nicht einmal alle Helden, die hier eingebaut werden. Es mag daran liegen, dass das Marveluniversum eher groß anstatt komplex ist, aber die Regisseure Russo, sowie die Drehbuchautoren schaffen es die vielen Spielorte, mit ihren vielen Figuren, sowie den ganzen Anspielungen auf Erlebnisse anderer Werke, dem nicht eingeweihten Publikum mit der Zeit verständlich genug zu machen, um mit dem wilden Treiben, welches der wuchtigste Teil der Reihe präsentiert, etwas anfangen zu können. Die wichtigsten Zusammenhänge versteht man mit der Zeit, die zentralsten Figuren bekommt man gegriffen, man kann sich somit der knalligen Action mit all ihren interessant choreographierten Kampfsituationen geistlos interessiert hingeben.

Die Welt ist im Arsch, das rechtfertigt zumindest die Zusammenkunft dieser Vielzahl an Wesen mit übernatürlichen Kräften. Thanos als der Anführer allem Bösen hier kam mir jedoch immer eine Spur zu mickrig vor, da hätte meiner Meinung nach etwas Mächtigeres die Fäden ziehen müssen, um die große Bedrohung tatsächlich spürbar zu machen. Was er nicht schafft, erledigen die angehäuften aussichtslosen Situationen, also was soll's, aber so wird aus "Avengers 3 - Infinity War", dem ersten Teil eines Zweiteilers innerhalb der "Avengers"-Reihe, nie der beeindruckende Film, den sein wuchtiges Szenario uns am liebsten bieten möchte. Nicht falsch verstehen, wer mit Marvel-Filmen etwas anfangen kann, wird kurzweilig unterhalten und aufgrund der Anzahl der Ereignisse auch nicht unterfordert. Aber da wäre mehr drin gewesen, damit auch tatsächlich die Ehrfurcht vor der Macht spürbar würde, welche die Infinty-Steine beherbergen.

Dass man ihre Möglichkeiten im Besitz dieser nie komplett und komplex auskostet, wie es möglich wäre, mag daran liegen, dass die Autoren sich gedanklich der Tragweite ihrer Möglichkeiten nicht bewusst sind. Zumindest kann man das simple Anwenden dieser Steine und das nur bruchteilhafte Verstehen der vorhandenen Möglichkeiten mit dem simplen Denken Thanos entschuldigen, der nicht gerade der hellste Kopf im Universum ist. Offensiv tut dies der Film jedoch nicht, wahrscheinlich ist es nicht einmal so gewollt. Was soll man auch von Autoren erwarten, die nur derart gering mit Zeit, Raum und Seelenkenntnis spielen, und im Bereich des Eliminierens der Hälfte aller Lebewesen die Pflanzenwelt komplett außen vor lassen? Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau für eine Filmreihe, die lediglich schlicht unterhalten will und ihre wahre Kraft nur in der Masse findet, egal ob bezogen auf Geld, Zuschauer, Helden oder Spezialeffekte. Und für ein derartig quantitatives Produkt ist das Ergebnis doch recht kurzweilig und verästelt ausgefallen. So gut wie der im direkten Vergleich schlichter ausgefallene "Avengers 2" ist er meiner Meinung nach jedoch nicht. Der hat mir definitiv besser gefallen.  OFDb

19.08.2017

SHERLOCK - DAS LETZTE PROBLEM (2017)

Es klang alles so verlockend. Sherlock hat eine Schwester, sie ist die intelligenteste der Geschwister, neigt aber zu bösartigen Taten... Was hätte man mit dieser Ausgangslage alles anstellen können? Und da Staffel 4, zu der „Das letzte Problem“ gehört, mit den ersten beiden Filmen wieder zur alten Stärke zurück fanden, war ich tatsächlich optimistisch was den Abschlussfilm anging. Aber was soll man sagen? Leider ist der dritte Teil besagter Dekade nicht geglückt, schaut sich zwar interessant genug um neugierig dran zu bleiben, aber die Ansätze, auf die sich alles stützt, sind für ein Duell zwischen Bruder und Schwester nicht die besten Voraussetzungen.

Wenn der Plot zu Beginn noch sympathisch an „Das Testament des Dr. Mabuse“ erinnert, verläuft sich das weitere Geschehen immer mehr Richtung „Saw“, und so etwas ist im „Sherlock“-Universum eine zu plumpe Grundlage. Watson, Microft und Sherlock müssen unter übelsten Bedingungen Rätsel lösen um zu überleben, und dass die ganze Sache nicht wirklich glaubhaft erscheint, eben weil die Schwester viel zu klug für solch infantilen Mumpitz wäre, lässt bereits kein hochwertiges Ergebnis zu.

Auf zumindest schlichtem Unterhaltungslevel will das Ganze jedoch auch nicht funktionieren, vielleicht weil uns die Schwester trotzdem zu distanziert präsentiert wird, ohne dabei wenigstens eine gewisse Mystik auszustrahlen. Auch Hintergründe Sherlock betreffend, die in seiner Vergangenheit lauern, sind nur teilweise befriedigend ausgefallen, erklären zwar (zugegeben auf Schulpsychologie-Art) den Charakter zu dem er schließlich wurde, dies aber auf eine konstruierte Weise, die gerne unglaublich clever wäre ohne es tatsächlich zu sein. Zumindest gegen Ende weiß das ein oder andere gelöste Rätsel zu gefallen, die finale Situation scheint mir aber dann auch für eine hochintelligente Person zu plump gestrickt, egal welch emotionales Wrack man als Genie auch sein mag oder nicht.

Der Aufhänger mit dem Mädchen im Flugzeug, welches ein wenig an den Anfang von „Die Langoliers“ erinnert, wirkt zu aufgesetzt, zumindest dieser Part der Geschichte wird aber mit ein wenig Augenzudrücken solide zu Ende geführt. Wenn alles vorbei ist findet die Geschichte schließlich immerhin einen sympathischen Schluss, auch dank der Wiedervereinigung der auseinandergerissenen Streithähne in „Der lügende Detektiv“, dass man gerade jetzt gerne eine fünfte Staffel mit ganz klassischen Detektivgeschichten sehen würde. Stattdessen suggeriert das Ende jedoch auch ein Ende der Serie. Ich habe nichts dergleichen gelesen, aber scheinbar ist jetzt wirklich Schluss. Falls dem so ist: schade dass der letzte Film der Reihe so mittelmäßig ausgefallen ist.  OFDb

13.08.2017

SHERLOCK - DER LÜGENDE DETEKTIV (2017)

Nachdem der Vorgänger „Die sechs Thatchers“ sehr zurückhaltend in der Dosierung seines Soap-Gehaltes war, sprudelt dieser im zweiten Film der vierten Staffel nun regelrecht über. Wut, Frust, Trauer, Ignoranz schwebt über der Beziehung zwischen Holmes und Watson, und dass das weder stört noch die Geschichte hemmt liegt daran, dass die Geschehnisse der Episode 11 nichts anderes zugelassen haben. Die Figuren der Serie müssen nun erst einmal verarbeiten was dort passiert ist, und da ist die Situation mit einmal kurz drüber schlafen nicht gelöst.

Vielleicht hätte der eigentliche Hauptfall deswegen nicht derart an den Rand gedrängt werden müssen. Endlich hat es Sherlock einmal mit einem klassischen Psycho-Serienkiller zu tun, und über diesen hätten wir charakterlich sicher alle gerne mehr erfahren, als uns „Der lügende Detektiv“ bereit ist zu bieten. Dieses Zukurzkommen liegt aber auch an der umständlichen Erzählform, mit welcher die Geschehnisse von Episode 12 ins Rollen gebracht werden. Diese wiederum ist nötig, um das übliche Zuschauertäuschungsspiel, an welchem die Autoren so viel Freude besitzen, aufrecht zu erhalten.

So hegt man zwar keinerlei Zweifel an der Schuld des Psychokillers, auch trotz des verunsichern wollenden Beititels, aber andere Fragen die im Raum stehen, und natürlich der soziale Aspekt zwischen Holmes und Watson, und der Gedanke, dass Holmes eigentlich einen Auftrag im Namen von Watsons Gattin zu erfüllen hat, sorgen für anderweitige Rätsel, welche man als Zuschauer inmitten eines absichtlich wirr erzählten Plotes zu lösen versucht. Ist Sherlock aus emotionalen Gründen, die er scheinbar nie hat, Richtung Drogen gerutscht? Oder gehört diese Selbstzerstörung zu seinem Weg seinen für ihn fast unmöglich auszuführenden Auftrag zu erfüllen?

Das mag für Außenstehende lahm klingen, und wer sich ausgerechnet mit dieser Folge erstmals in die Serie einklinkt, wird wohl kaum angesteckt werden, aber es macht einen ungeheuren Spaß dem manchmal etwas zu gewollten Treiben in „Der lügende Detektiv“ zu folgen, zumal Drama, Thrill und Komik wie gewohnt harmonieren, einander zuspielen, in ihrer jeweiligen Gewichtung die Emotionen des Zuschauers hin und her zu wirbeln wissen. Gerade Watsons Dialoge mit einer imaginären Person berühren mehr, als man es der Serie zugetraut hätte.

Weitaus ernster als lustig schließt die Episode, die nun den Übergang zum längst fälligen Spiel Moriartys bereit stellt. Sicherlich ist der hier besprochene Film in vielerlei Hinsicht nur das Übergangswerk zwischen Episode 11 und 13, eben weil es so viele Dinge zuvor zu klären gab, den Verantwortlichen der Serie ist jedoch ein wirklich gelungener Teil geglückt, der trotz des ein wenig zu kurz kommenden Serienkillers locker mit den besseren Teilen der Reihe mithalten kann. Es ist schade, dass ausgerechnet die lang ersehnte Moriarty-Folge, die der hier besprochenen Episode folgen sollte, das bisherige Niveau der vierten Staffel nicht ebenfalls zu erfüllen wusste.  OFDb

SHERLOCK - DIE SECHS THATCHERS (2017)

Dass ich von der dritten Staffel nicht sonderlich begeistert war, wird mancher Stammleser eventuell noch in Erinnerung haben, zu sehr konzentrierte man sich auf die Agententhematik, zu kurz kamen die klassischen Kriminalgeschichten. „Die Braut des Grauens“, ein Special zwischen Staffel 3 und 4 angesiedelt, welches inhaltlich dazwischen spielend geguckt werden kann aber nicht muss, beschritt wieder bessere Wege und machte somit Hoffnung auf die neuen Episoden, die mit einem Jahr Verspätung nun drei Jahre nach der Vorgängerstaffel erschienen, womit auch genügend Zeit für die Autoren gegeben war, sich wieder auf die guten Seiten der Serie zu besinnen.

Zwar interessiert sich auch die vierte Staffel, und ganz besonders ihr erster Spielfilm „Die sechs Thatchers“, erneut für den großen Agentenwirbel anstatt für einen klassischen Kriminalfall, aber das Ergebnis spricht für sich. Der Einstieg in die Staffel ist gewohnt flott, pointiert und stilsicher umgesetzt, immer zwischen poppig modern und besonnenem Grundton mit der nötigen Würde ausbalanciert und intelligent genug erzählt, so dass der Held der Geschichte glaubwürdig zu funktionieren weiß. Die Figuren stehen wie gehabt im Mittelpunkt, und in diesem ersten Teil der vierten Staffel arbeitet dieser Grundsatz einzig für das im Vordergrund stehende Ereignis, sprich der Soap-Gehalt hält sich in Grenzen.

„Die drei Thatchers“ ist im Vergleich zum Rest der Reihe recht Action-lastig ausgefallen, zumindest suggeriert er dies in seinem flotten Erzähltempo, dabei kommen die gewitzten Dialoge und eine möglichst logische Erzählung nicht zu kurz. Aufgrund der Fixierung Sherlocks auf den toten Moriarty gibt es relativ früh erste Überraschungen zu erleben, weitere folgen, inklusive der Täteraufdeckung am Schluss, die es trotz fehlender Kriminalhandlung diesmal zu erleben gibt. Zwar ergibt die Szene, in welcher die Person gestellt wird und redefreudig alles gesteht, wenig Sinn und bildet damit den Tiefpunkt des ansonsten geglückten Filmes, dennoch weiß die Auflösung zu gefallen, auch wenn sie weit mehr Nebensache dieser Folge ist, als man meinen sollte.

Der Schluss der eigentlichen Handlung wird Freunden der Reihe keine Ruhe lassen. Nicht nur dass die Episode der sechs Thatcher-Skulpturen äußerst dramatisch endet, sie lässt auch viele Fragen und Türchen für den Nachfolger offen, so dass Neugierde für die kommenden Teile geweckt wird. Als Stammzuschauer weiß man allerdings, dass von nun an nichts mehr so sein wird, wie es einmal war, dementsprechend geht man mit etwas Wehmut an die Nachfolger heran, während man sich gleichzeitig als Kenner der Serie fragt, wie Sherlock die Aufgabe, die ihm am Ende gestellt wird, bei seinen sozialen Defiziten lösen kann.  OFDb

25.06.2017

SHERLOCK - DIE BRAUT DES GRAUENS (2016)

Die Serie „Sherlock“ lebt neben ihren wunderbar besetzten, teilweise neuinterpretierten Charakteren, von der Moderne, in welche die Figuren des 19. Jahrhunderts in unsere Zeit hineinkatapultiert wurden, und da weiß die Idee zu gefallen, dass ein TV-Special, welches uns die Wartezeit zwischen der dritten und vierten Staffel versüßen soll, in der Ausnahme einmal zu jener Zeit spielt, in welcher die ursprünglichen Abenteuer von Sherlock Holmes in den Geschichten von Arthur Conan Doyle stattgefunden haben. Da verwundert es zu Beginn umso mehr, dass wir am Anfang eine Zusammenzählung jener Ereignisse vorgesetzt bekommen, die bisher geschahen. Aber im Laufe der Erzählung ergibt auch dies Sinn, entpuppt sich „Die Braut des Grauens“ doch als Film mit direktem Zusammenhang zur Reihe und damit doch nicht als einzig für sich stehendes TV-Special einer erfolgreichen TV-Serie.

Es dauert lange, aber gelegentlich spielt „Sherlock - Die Braut des Grauens“ überraschend plötzlich wieder in unserer Zeit, und da wird, wie typisch für diese Serie, nicht nur wieder alles auf den Kopf gestellt und damit alles anders, als wie von uns vermutet - wie so oft gehen die Autoren der Reihe auch diesmal noch einen Schritt weiter und spielen verschmitzt mit der Idee (zumindest kurz angedeutet), dass alles was wir in den drei Staffeln bisher sahen sich im Gedankenpalast eines im 19. Jahrhundert lebenden Sherlock Holmes abgespielt haben könnte, da Sherlock sich dort eine alternative Welt, die in seiner Zukunft spielt, ausmalt. Das ist freilich nur nebensächliche Spielerei, aber einer jener Faktoren, die das Reinschalten immer wieder lohnt, eben weil die Autoren sich auf Gedankenspiele einlassen, die zur Charakterzeichnung des zutiefiest aufgrund seiner Intelligenz gelangweilten Sherlocks passt.

Umgekehrt: warum sich Sherlock, wie sich erst spät herausstellt, in seinen Gedankenpalast zurückzieht und Überlegungen eines Kriminalfalles im 19. Jahrhundert stattfinden lässt, ergibt im Nachhinein mehr oder weniger tatsächlich Sinn, was aber auch am mittlerweile fast schon üblichen Kniff liegt, dass die eigentliche Geschichte sich gar nicht wie vermutet um den angegangenen Kriminalfall dreht, sondern dieser lediglich das Tor zum eigentlichen Ereignis darstellt.

Die Ablenkungen vom ursprünglichen Kriminalfall sind in Staffel 3 ein wenig zu dominant angegangen worden, so dass „Sherlock“ dort kaum noch Krimi-Serie war. Mir hat sie dementsprechend auch nicht so gut gefallen (was aber noch mehr daran lag, dass clever klingende Ideen nicht so geistreich ausfielen wie intelligente Ideen der Vorgänger). Um so erleichterter war ich, dass der Kriminalfall um „Die Braut des Grauens“ trotz ähnlichem Stellenwertes für die Gesamtgeschichte nicht in den Hintergrund fällt und bis zum Schluss von Bedeutung bleibt und befriedigend aufgelöst wird. Hierfür setzt man in „Sherlock“ erstmals ein politisches Statement, jedoch eines zu einem heutzutage gesellschaftssicheren Themas, so dass man nicht riskierte eine Zuschauergruppe vor den Kopf zu schlagen.

Richtig sinnvoll kann auch ebenfalls erstmals das Spiel mit den Metaebenen beginnen, eben weil „Die Braut des Grauens“ nicht wirklich, wie es zunächst scheint, im 19. Jahrhundert spielt und Sherlock sich mit den Figuren in seinem Gedankenpalast somit darüber unterhalten kann wie reißerisch ein Setting ausgefallen sein kann, oder wie sich der Titel „Die Braut des Grauens“ anhört. Wer genau aufpasst bekommt in einem Nebensatz während eines kleineren, schnell gesprochenen Monologes Sherlocks sogar die Auflösung dessen präsentiert, wie der Meisterdetektiv einst seinen Mord vortäuschen konnte, ein Rätsel das man uns verspielt zankend in Folge 7 auf Teufel komm raus nicht lüften wollte.

Es gibt also viele Gründe sich „Die Braut des Grauens“ anzuschauen, der wichtigste dürfte aber wohl jener sein, dass die Autoren hier zur alten Form zurückgefunden haben, sprich eine interessante Geschichte mit pfiffigen Ideen und intelligenten, wie unterhaltsamen Dialogen präsentieren und sich, im Gegensatz zur mauen dritten Staffel, wieder mehr auf den Kriminalfall konzentrieren und den Bruder Sherlocks wieder etwas reduzierter einsetzen. Die Chemie zwischen Watson und Sherlock stimmt weiterhin und wird als Herzstück des Ganzen zurückentdeckt, und dank der Spielerei zwischen beiden Handlungszeiten wird das TV-Special zur Serie im letzten Drittel noch eine Spur verspielter und interessanter, als man zunächst vermutet hätte.

Dank eines geistreichen Umgangs mit diesem Perspektivwechsel und dem Erkennen der Möglichkeiten von diesem, wird „Die Braut des Grauens“ in dieser Phase noch besser als zuvor. Bereits das Niveau der ersten Stunde hatte mich nach der eher enttäuschenden dritten Staffel zufrieden gestimmt und hätte mir als Wiedergutmachung bereits gereicht. Das Gedankenspiel mit Einweihung ins 21. Jahrhundert hat schließlich zudem wieder das intellektuelle Interesse an der Geschichte endgültig geweckt, so dass „Die Braut des Grauens“ sich damit sogar als besonders wertvoller Beitrag der „Sherlock“-Reihe entpuppte.  OFDb

03.01.2017

STAR TREK 2 - INTO DARKNESS (2013)

Nachdem J.J. Abrams der alten Mannschaft vom „Raumschiff Enterprise“ neu besetzt erfolgreich einen frischen Anstrich verlieh, wurde er auch für die Fortsetzung „Star Trek 2 - Into Darkness“ verpflichtet, der sich, ebenso wie der damalige zweite Kinofilm, mit der unter Fans legendären Geschichte von Khan beschäftigt. Ich, der sich trotz Freude der klassischen Enterprise-Stoffe nicht als Trekkie oder Fan bezeichnen würde, konnte weder mit der TV-Episode, noch mit ihrer Kinofortsetzung viel anfangen, empfand ich doch gerade den Film als schwächsten Beitrag der sechs Kinofilme, wohingegen die Fan-Gemeinde ihn zu einem der besten schlechthin erklärte. Dementsprechend lag ein erneuter Druck auf Abrams, aber auch diesmal gelang ihm die Modernisierung, so dass auch ich diesmal zur Khan-Thematik bestens unterhalten wurde.

Ebenso wie die neuen Gesichter der alten Mannschaft, so ist auch Khan hervorragend besetzt. Allerdings ging man bei ihm auch auf Nummer Sicher, gilt Benedict Cumberbatch seit der britischen Neuauflage des „Sherlock“-Themas doch als Star, und dass er einen Bösewicht mimen kann, hätte ich nie angezweifelt. So steht der eher charismatisch gelungenen Besetzung nun ein wahrer Schauspieler gegenüber, und der spielt gleich auch jeden an die Wand, egal wer mit ihm die Szenen teilen muss. Letztendlich ist es egal, Stoffe dieser Art leben ohnehin weit mehr von ihren Gegnern oder dem zu behebenden Problem als vom Heldentum der Stammmanschaft, dennoch wird einem beim Sichten des Filmes noch einmal bewusst wie sehr sich europäisch ausgebildete Schauspieler vom Star-Ruhm der amerikanischen Schauspielerei qualitativ unterscheiden.

Kirk, Spock und Pille wissen dennoch zu wirken, sind meiner Meinung nach wahrlich toll besetzt, Simon Pegg in der Rolle des Scotty spielt okay, drängt sich weder in den Vordergrund wie man es eigentlich von ihm gewohnt ist, noch spielt er mit vollem Elan. Einzig Chekov hat mich genervt, das kann aber auch an der Synchronstimme gelegen haben, habe ich mir die Fortsetzung vom 2009er „Star Trek“ doch in der deutschen Version angeschaut.

So oder so, „Star Trek - Into Darkness“ ist ein erstaunlich kurzweiliger Film geworden, dem man seine zwei Stunden Laufzeit nicht ansieht. 45 Minuten vor Schluss dachte ich, dass die Vorgeschichte nun beendet sei, dabei folgte dem nur noch ein längeres Finale, so flott guckte sich der Film für mich. Zwar muss man gerade im letzten Drittel einiges an Unsinnigkeiten erdulden, die Autoren dachten wohl wenn ordentlich die Post abgeht muss man nicht mehr auf Logik achten, aber zumindest verdanken wir einer ihrer Unsinnigkeiten auch eine faszinierende Idee, die dementsprechend im Fantasy- anstatt im Science Fiction-Bereich angesiedelt ist. Es handelt sich um jene Szene, in der sich zwei Raumschiffe bei Warp-Geschwindigkeit eine Verfolgungsjagd liefern. Zwar vermisst man bei dieser das naheliegend logisch leichte Entkommen aus einer solchen Situation, aber das Unterhaltungshoch gibt Abrams Recht, also was soll man da auf hohem Niveau meckern.

Von daher freue ich mich schon auf die bereits erschienene Fortsetzung „Star Trek 3 - Beyond“, hat der hier besprochene Film doch bewiesen, dass der Anspruch und die Qualität des ersten Teils keine Eintagsfliege war. Aufgrund der Verjüngung der Mannschaft hatte ich tatsächlich meine Zweifel, was auch erklärt warum ich mich so lange nicht an Teil 2 herangetraut habe. Erst Abrams ebenfalls gelungene Wiedererweckung des Konkurrenzproduktes mit „Star Wars 7 - Das Erwachen der Macht“ machte mir Mut einzuschalten, und nach der längeren Pause zu Teil 1 merkte ich auch erst, wie sehr ich vergessen hatte wie gut die neue Mannschaft besetzt ist, gerade mit Zachari Quinto als Spock, in dem man immer einen Hauch Jesse Eisenberg zu sehen glaubt. Also von meiner Seite aus gibt es für den höchst kurzweiligen „Star Trek 2 - Into Darkness“ ganz klar einen Daumen nach oben. Hier könnten sogar Fremde des Star Trek-Universums einen glücklichen Einstieg finden.  OFDb

09.07.2014

SHERLOCK - SEIN LETZTER SCHWUR (2014)

Die „Sherlock“-Reihe war schon immer gewagt zu nennen, nicht nur im Umgang mit den Inhalten der gedruckten Originalreihe auf welcher die Serie lose basiert, sondern auch aufgrund diverser Ideen, die den Zuschauer immer wieder vor den Kopf stoßen - selbst dann wenn sie darauf schon vorbereitet sind. Die Köpfe hinter der Serie werden nicht müde zu betonen, dass „Sherlock“ eben keine Krimiserie sei, sondern lediglich eine Serie über einen Kriminalisten. Nach zwei Folgen in welcher dann auch jeglicher Kriminalfall weit hinter anderen Aspekten der Geschichte hinten anstehen musste, hätte es mit Teil 9 nun gut getan wenigstens einen Teil der dritten Staffel auf einen solchen zu konzentrieren - ganz egal ob Kriminalistenserie oder Krimiserie.

„Der letzte Schwur“ ist aber nun auch kein zu lösender klassischer Kriminalfall geworden, und das obwohl die Geschichte um Watsons Hochzeit nun abgeschlossen ist. Und ob man bei einer Handlung, die mit dem losgelösten, selbstgerechten Herangehen ausgelöst aus persönlicher Motivation eher an den Bond-Film „Lizenz zum Töten“ erinnert als an eine klassische Sherlock Holmes-Geschichte, überhaupt noch von einer Detektivgeschichte oder einem Kriminalfilm sprechen kann, bleibt eine zu diskutierende offene Frage. Wie auch immer: Hoffnungen und Erwartungen wurden nicht erfüllt, die mutige Herangehensweise der Storyverantwortlichen haut die Folge in Kombination mit dem bewährten Rezept (allen voran die Charakterzeichnung der Helden) jedoch wieder raus. Zwar bleibt auch Teil 9 hinter den Episoden der zweiten Staffel zurück, aber er hat viel zu erzählen.

Vielleicht ein bisschen zu viel, gerade wenn es um die provokativen Bereiche der Geschichte geht. Eine Wahrheit die Watson schlucken muss sprengt alle Serienregeln. Aber selbst wenn man diesen Twist nicht mag, so hilft er doch dabei die Figur Watson stärker zu betonen und die Fragwürdigkeit seines Charakters wieder etwas in den Vordergrund zu rücken - steht sie doch immer im Schatten des fragwürdigen Sherlock-Charakters - und ist die einzig wahre bittere Pille an diesem Subplot doch jene der bedingungslosen Liebe, etwas zu rosarot gezeichnet für eine solch wüste Serie und auch für meinen persönlichen Geschmack.

Wie die Staffeln davor, so lebt auch diese dritte Staffel von der schauspielerischen Stärke des Gegenspielers, der von der Screentime und seinen Möglichkeiten zwar einem Moriarty hinterherhinkt, in der Darstellung jedoch ebenbürtig wirkt. Wie die Geschichte um ihn endet, ist in Bezug auf sein Genie etwas fahrlässig dümmlich von den Autoren inszeniert, aber das sind wir ja gewohnt, so sehr wie sie dem Können ihres Titelhelden hinterherlechzen ohne an sein Genius heran zu reichen. Das hat „Im Zeichen der Drei“ auf erschreckendste Weise mit Plotholes die man gütigst ignorieren musste demonstriert, und das zeigt sich nun in einer Auflösung, die nahe lag, keine Kompromisse zuließ und deswegen nicht überrascht. Die Konsequenzen dieses finalen Tuns wissen zumindest Freude zu bereiten, bevor mit einem neugierig machenden Cliffhanger auf die nächste Staffel verwiesen wird, auf die ich mich ebenso freue wie auf das geplante TV-Special zur Serie.

Mag die Serie „Sherlock“ durch den Einfluss des Bruders des Meisterdetektivs auch immer mehr den Eindruck einer Serie rund um den Geheimdienst machen, anstatt um die Abenteuer eines kleinen Detektivs mit Superhirn, so ist sie doch trotz alledem noch immer überdurchschnittlich erzählt, trumpft neben ihrer Besetzung mit dem Humoranteil einer jeden Episode, so dass Schwächen im an sich lobenswerten Drehbuch tolerant übersehen werden können. Dass die Serie bei gleichem Kurs aber nicht mehr zum Charme des Piloten und der zweiten Staffel zurück finden kann, ist den Autoren hoffentlich bewusst. Etwas mehr Detektivgeschichte und etwas weniger Mycroft wären zumindest für die Zukunft der Serie wünschenswert.  OFDb

19.06.2014

SHERLOCK - IM ZEICHEN DER DREI (2014)

So falsch kann man liegen. Die Versöhnung um Sherlock und Watson ist abgeschlossen. Wie sie einander endgültig näher kamen, muss sich der Zuschauer selbst zusammen reimen, denn wir erleben einen kleinen Zeitsprung zwischen dieser und der letzten Folge. Monate sind vergangen. „Sherlock 8“ setzt nach einer kurzen Einstiegsszene während der Hochzeit von Watson an. Und das bleibt nicht die einzige Überraschung, wird mit „Im Zeichen der Drei“ doch die wohl ungewöhnlichste Episode der Serie präsentiert, die dem Zuschauer bislang vorgesetzt wurde.

Ein vernachlässigter Kriminalfall zum Wohle der Charaktere ist nichts neues im Holmes-Universum, dass aber die komplette Folge eigentlich nur aus der Ansprache Sherlocks besteht ist schon eine Kuriosität für sich. Das schaut sich keineswegs so langweilig wie es sich liest, ist aber definitiv gewagt zu nennen. Interessant ist die Episode allein schon wegen der verstärkten Ich-Perspektive Sherlocks, die sonst eher am Rande angewandt wird. Im letzten Drittel darf Sherlock gar im geistigen Dialog mit seinem Bruder einen Kriminalfall lösen, noch während er nach außen hin die Rede hält. Das weiß zu gefallen, auch wenn Sherlocks Peinlichkeiten nach außen in Bezug auf das Verhalten der Zuhörer nicht gerade glaubwürdig zu nennen ist.

Aber auch Sherlock selbst ist nicht immer glaubwürdig charakterisiert. Soziale Dummheit, das kennen wir alle von ihm. Aber einen solch dümmlichen Dialog über den Morgentee, wie er ihn mit seiner Vermieterin führt, unterschätzt das Genie Sherlock doch auf eine extrem beleidigende Weise. Ohnehin wirkt Sherlock diesmal etwas geistig dröge, was an seiner Figur nagt, die von ihrer Perfektion lebt. Einzig die Leichtfertigkeit mit welcher Egomane Sherlock es immer wieder schafft aus einem unfreundlichen Bereich seiner Rede eine herzenswarme werden zu lassen, obwohl er von Sozialverhalten und Gefühlen keinerlei Ahnung hat, wird versteckt vom Drehbuch her erklärt und geht damit als legitim durch.

Neben dem charakterlichen Wackeln der Figurezeichnung Sherlock stört am Drehbuch zudem die Zufälligkeit zwischen den von Holmes vorgetragenen Anekdoten und dem Zusammenhang dieser mit dem zu lösenden Fall. Das ist schon besonders unglaubwürdig zu nennen, zumal man gleich beide schwerwiegenden Schwächen der Folge mit dem Kniff hätte glattbügeln können, dass der Meisterdetektiv, so unsensibel er nun einmal ist, die Hochzeit absichtlich dafür genutzt hat einen Mörder aufzuspüren, indem er ihn bewusst mit dem Erzählen besagter Mordfälle aus der Reserve lockt. Das hätte Zunder zwischen ihm und Watson gegeben, den Hauptcharakter nicht manipuliert und eine Bösartigkeit besessen, wie wir sie schwarzhumorig von dieser Serie und ihrem Soziopathen ohnehin bereits gewohnt sind. Ein Stilbruch wäre dies freilich nicht gewesen. Es hätte lediglich dem finalen sozialen Fortschritt Holmes im Wege gestanden, der sich im Dialog mit einem ehemaligen Soldaten zeigt, auf den ich aber ohnehin hätte verzichten können.

„Im Zeichen der Drei“, der sich mal wieder augenzwinkernd an einen originalen Sherlock-Titel orientiert und erst am Ende der Folge einen Sinn ergibt, ist seit der ersten Staffel definitiv die schwächste Folge. Aber im Gegensatz zum Tiefpunkt „Der blinde Banker“ hat sie auch einige Vorzüge zu bieten, so z.B. die sehr geglückte Betrunkenen-Perspektive, in welcher Sehgewohnheiten des Zuschauers aus Sherlocks alkoholisiertem Blickwinkel präsentiert werden, glücklicher Weise vom Drehbuch so gestützt, dass es glaubwürdig ist warum Holmes überhaupt betrunken wird.

Positiv sticht auch die Auflösung des Mordfalles heraus. Interessiert die Täterauflösung eigentlich niemanden, zumal man kein Meisterdetektiv sein muss um herauszufinden wer der Verbrecher ist, so ist doch die Methode der Taten, über die Sherlock lange rätseln muss, als pfiffig zu bezeichnen, auch wenn ich mich frage ob die Tat zum begangenen Zeitpunkt nicht doch einen Schmerz hätte verursachen müssen. Letztendlich ist der Kriminalfall aber ohnehin zu sehr Nebensache um über derartige Logiklücken zu rätseln und Episode 8 ohnehin nur als Spielerei gedacht, bevor mit Teil 9 hoffentlich wieder ein echter Mordfall auf die Kriminalisten wartet.

Denn so lustig und gewagt sich „Im Zeichen der Drei“ auch gucken mag, er ist, nicht nur wegen seiner Schwächen, eine wackelige Angelegenheit. Letztendlich wirkt er noch während des Zuschauens unnötig und austauschbar, was das Publikum nur bedingt interessiert dem Geschehen folgen lässt. Wären die Charaktere dieser Serie nicht so charmant ausgefallen, so wäre diese Folge vielleicht sogar komplett gescheitert. Zur kurzweiligen Erheiterung ist sie aber immerhin geeignet.  OFDb

12.06.2014

SHERLOCK - DER LEERE SARG (2014)

War die erste Staffel „Sherlock“ noch ein wenig durchwachsen, so wusste die zweite Staffel mit drei hochkarätigen Episoden zu gefallen, die mit guten Ideen und dem nötigen Charme nur so um sich schmissen. Ein schweres Erbe für eine dritte Staffel, zumal der Cliffhanger zu den Highlights der zweiten Staffel zählte, und die Fans nach Antworten gierten. Die Verantwortlichen der „Sherlock“-Reihe lösten das Problem auf ihre ganz eigene Art. Sie spielen mit den Erwartungen des Publikums, verarschen es auch hin und wieder, so in der allerersten Szene, die auch gleich zu den Höhepunkten zählt, und halten den Zuschauer hin, der ihnen am Ende dankbar dafür ist genau das nicht erhalten zu haben, was er sich zuvor erhofft hatte.

Ähnlich wie die erste Staffel wird der eigentliche Kriminalfall der siebten Folge nie wirklich interessant. Wichtig ist das erneute Zusammenwachsen zwischen Holmes und Watson, da hat der zu lösende Fall hinten an zu stehen. Das Gekabbel der beiden Hauptmimen gehört somit zur wichtigsten Grundausstattung aller Geschehnisse, und das weiß zu unterhalten und zu erfreuen, bedeutet aber auch eine Geschichte unter Wert, wenn man erst einmal miterleben durfte, wie die beiden bei einem richtig guten Kriminalfall agieren und wie TV-anspruchsvoll und gelungen sich ein solcher Fall guckt. Von daher ist Erwartungen zurückschrauben angebracht, um nicht all zu enttäuscht von Sherlocks Rückkehr zu sein.

Aber „Der leere Sarg“ spinnt ohnehin nur erste Fäden alles noch Folgendem. Nicht nur das Zusammenwachsen von Holmes und Watson ist noch nicht wirklich erreicht, auch die Geschichte um Watsons Verlobung beginnt sich gerade erst zu entwickeln, und wer wie ich nur ein paar olle Filme anstatt der Printvorlage kennt, der kann anhand von „Sherlock Holmes - Spiel im Schatten" entfernt ungefähr erahnen was da noch für Hürden zu nehmen sind, auch wenn die Kinoreihe mit Robert Downey, Jr. völlig anders ausgelegt ist, und der britische Stil ohnehin ein völlig anderer ist als die Unarten mit denen die Amerikaner sich seit je her mit dem Meisterdetektiv beschäftigt haben.

Auffällig ist dass die technischen Spielereien mittlerweile sehr in den Hintergrund gerückt sind, gleichzeitig aber die Schrift im Bild zur Hinweis-Weitergabe an den Zuschauer fleißig weiter verwendet wird. Die fast schon übernatürliche Kombinationsgabe des Helden wird gar spielerisch in einem Duell mit Sherlocks Bruder hochgeschaukelt, welches einen kleinen Einblick auf die Kindheit der beiden einsamen Brüder wirft, aber auch zeigt wie viel Hintergrundwissen der Originalarbeiten Arthur Conan Doyles die Autoren hier besitzen.

Also: der Einstieg ist im Vergleich ein wenig schwach geraten, vergleichbar mit der Pilotfolge, die innerhalb der ersten Staffel aber auch gleich die beste war, was nur deutlich macht auf welch hohem Niveau sich die Serie seit dem weiter entwickelt hat. Einen Tiefpunkt wie in „Sherlock - Der blinde Banker“ muss wohl nicht mehr erwartet werden, zumal der Autor dieses Drehbuches in Staffel 3 kein Drehbuch mehr alleine schreiben durfte. Ein Wunder dass er immer noch mit an Bord ist. Seine in Staffel 2 geschriebene Story, jene von Episode 6, ist jedoch gut genug ausgefallen, so dass man vermuten kann, dass man ihn schon dort an der kurzen Leine hielt, sprich andere ein Wörtchen mitzureden hatten. Wie auch immer die genauen Hintergründe aussehen mögen, für „Der leere Sarg“ sind sie ohnehin egal, der ist von einem anderen Autor verfasst, auf Charakterebene gelungen und macht neugierig auf mehr (zumal nach Moriartys Tod ein neuer Hauptgegner angekündigt wird). Er hätte halt nur einen spannenderen Kriminalfall vertragen können. Der wird in Episode 8 aber sicherlich zu erwarten sein. Ich bin gespannt...!  OFDb

13.01.2013

SHERLOCK - DAS GROSSE SPIEL (2010)

Ein Mann hat das Interesse für Sherlock entdeckt und stellt dem Detektiv Aufgaben, die bis zu einem gewissen Zeitpunkt gelöst werden müssen, da ansonsten ein unschuldiger Zivilist in die Luft gesprengt wird...

Sherlock 3 - Jetzt erst recht...
 
Der Tiefpunkt der Reihe war mit „Der blinde Banker“ überwunden, da wurde es mit „Das große Spiel“ zwar wieder besser, aber noch lange nicht so gut wie im Piloten oder gar in der großartigen zweiten Staffel der Kriminalserie um Sherlock Holmes, die pro Season auf drei Teile in Spielfilm-Länge konzipiert war. Sympathisch ist die hier besprochene Episode definitiv, und das liegt fast ausschließlich an der gelungenen Charakterisierung der beiden Hauptrollen Holmes und Watson.

Man muss es den Verantwortlichen dieser Serie einfach hoch anrechnen den Mut aufgebracht zu haben aufgrund der Genialität des Meisterdetektivs die Konsequenz gezogen zu haben ihn derart unsympathisch zu charakterisieren. Das ist so logisch wie das Denken der Hauptfigur und sorgt für das gewisse Etwas womit sich diese britische Produktion von den vielen anderen Verfilmungen um den berühmtesten Detektiv der Literatur unterscheidet.

Wie in den beiden Vorgängern hapert es noch ein wenig an den thematisierten Kriminalfällen selbst. Konnte sich die Pilotfolge mit dem Kennenlernen der beiden Helden über Wasser halten, so war der zweite Fall schon erbärmlich zu nennen. „Das große Spiel“ erreicht ein akzeptables Ergebnis wie erwähnt über seine Figuren, die für den Film wieder mehr in den Vordergrund rücken als in Teil 2 und durch den Verzicht des in „Der blinde Banker“ angewendeten hektischen wie auch reißerischen Stils, der überhaupt nicht zur Reihe passt.

Episode 3 mag schwächer sein als die bisherigen vier geglückten Folgen, aber wenigstens ist sie in ihrer Art ein dazugehöriger Teil der Reihe, etwas das man vom Vorgänger nicht wirklich behaupten kann. Dass „Das große Spiel“ gut genug unterhalten kann, verwundert dennoch ein wenig, ist das erpresserische Spiel mit den Fähigkeiten Holmes doch etwas arg stark angelegt an die Schnitzeljagd aus „Stirb langsam - Jetzt erst recht“, auch wenn diese nicht nur auf logischen Aspekten aufgebaut war. Der Vergleich verstärkt sich um so mehr, wenn außerdem eine Parallele im Sinn der ganzen Aktion gegen Ende deutlich wird.

Etwas das außerdem erst gegen Ende benannt wird, ist etwas das der Zuschauer sich (von den Verantwortlichen allerdings gewollt) seit Beginn der Folge gedacht hat: der Strippenzieher hinter diesem Kriminalfall ist Holmes Erzgegner Moriarty, der zu diesem hier erst wird. Erstmals lernen sie sich kennen, erstmals darf Genie gegen Genie arbeiten, wenn auch noch nicht so ausgeklügelt wie in Teil 6 oder gar so unterhaltsam wie in „Sherlock Holmes - Spiel im Schatten“, der Kinoadaption mit Robert Downey, Jr.

Moriarty ist ohnehin das inhaltliche Zugpferd, das der Geschichte die nötige Mystik beschert um den Zuschauer neugierig bei der Stange zu halten. Kenner der Sherlock-Materie können es nicht erwarten ihn zu Gesicht zu bekommen. Neulinge des Sherlock-Universums werden aus schlichteren Gründen wissen wollen wer hinter all diesen unmenschlichen Aufgaben steckt, die dem Meisterdetektiv gestellt werden zu einem für Sherlock perfekten Zeitpunkt, langweilte der sich doch gerade, da es zu wenig zu tun gibt. Um Mitleid geht es dem Ermittler nicht, und wieder muss Watson feststellen wie sehr Genie und Asozialer in einer Haut stecken.

Der zusätzlich in die Geschichte integrierte Kriminalfall, um einen Auftrag den Holmes‘ Bruder interessiert, gehört in der Art wie er eingebracht wurde zu den Schwachpunkten von „Das große Spiel“. So stark wie er in die Geschichte involviert wird, wird zu schnell klar dass ein direkter Zusammenhang zu beiden Kriminalfällen besteht, auch wenn versucht wird durch das Desinteresse Holmes und der versteckten Beleidigung den Fall lediglich durch seinen Assistenten Watson lösen zu lassen davon abzulenken. Gerade diese beiden Aspekte sind es jedoch auch, die diesem Subzweig der Geschichte den nötigen Bogen geben doch noch für die Geschichte förderlich zu sein, sind sie doch ein weiterer interessanter wie witziger Nährboden dafür Holmes Intelligenz auf ein neues zu beweisen und sorgen sie doch für humoristische Dialoge zwischen den wichtigsten Betroffenen.

Wirklich interessieren tun einen die Ermittlungen des Zweitfalls jedoch nicht. Und parallel dazu lässt auch die Begeisterung für die anfangs willkürlich wirkenden Aufgaben im Laufe der Zeit immer mehr nach, bis sich Regisseur Paul McGuigan endlich erbarmt und für ein Treffen zwischen Moriarty und Holmes sorgt. Und was soll man sagen: so mystisch wie erhofft ist der gute Erzgegner nicht besetzt. Ganz im Gegenteil ist er etwas gewöhnungsbedürftig, hinterlässt hier noch keinen wirklich positiven Eindruck, was sich in der zweiten Staffel jedoch ändern wird, wenn die Serie beweisen darf, dass sie mit dieser ungewöhnlichen Charakterisierung Moriartys voll ins Schwarze trifft und Holmes einen gleichwürdigen Gegner serviert, der in seinem krankhaften Verhalten fast geradezu unheimlich wirkt.

An dieser Stelle sollte man also nicht zu früh meckern. Hier wird lediglich etwas vorbereitet, das gekonnt an anderer Stelle beendet wird. Dennoch darf man sicherlich zu recht etwas enttäuscht sein, wenn diese Vorbereitung nicht bereits hier schon eine gewisse positive Wirkung besitzt. Wenigstens lässt man den Zuschauer in dieser etwas mauen Phase mit einem interessanten Cliffhanger allein, das nenne ich Wiedergutmachung auf die fiese wie positive Art.  OFDb

03.01.2013

SHERLOCK - DER BLINDE BANKER (2010)

Sherlock wird von einem ehemaligen Kommilitonen beauftragt herauszufinden wie ein sprayender Einbrecher in das perfekt geschützte obere Stockwerk einer Bank eindringen konnte. Was der Täter an Graffiti hinterließ war jedoch keineswegs Schmiererei, sondern ein chinesischer Code, der mit Morden an Schmugglern zusammen hängt. Auch die asiatische Antiquitätenhändlerin Soo schwebt in Lebensgefahr...

Ein Zeichen der Zeit...
 
Die britische Sherlock-Reihe hat sich längst den Ruf als Geheim-Tipp erarbeitet, so nah sie an den Werken von Arthur Conan Doyle trotz aller Modernisierungen orientiert ist und damit ganz im Gegensatz zur überschätzten „Sherlock Holmes“-Reihe im Kino mit Robert Downey, Jr. steht. Doch inmitten dieser tatsächlich sehr sehenswerten TV-Produktion hat sich ein Film eingeschlichen, der diesem positiven Ruf nicht gerecht wird, und das ist ausgerechnet der gerade mal zweite Teil der auf Spielfilmlänge konzipierten TV-Serie.

Da sollte niemand zu früh abspringen, immerhin wird die Serie nach „Der blinde Banker“ wieder besser, aber es würde mich nicht wundern, wenn manch einer nach der Sichtung von Teil 2 tatsächlich die Reißleine gezogen hat. Immerhin war es der Trumpf des Pilotfilms „Ein Fall von Pink“, dass er sich so intensiv dem Kennenlernen der beiden Hauptpersonen gewidmet hat und sich somit viel Zeit für eine Charaktervertiefung ließ. Der Kriminalfall selbst war eher mittelmäßiger Natur. Da kann man Teil 2 voreilig als logische Konsequenz betrachten, denn nun wo man die Figuren kennt, bleibt lediglich der Kriminalfall als Hauptaspekt. Und da dieser erneut mäßiger Natur ist, ist das Ergebnis logischer Weise auch nur Durchschnitt.

Als Kenner der bislang erschienenden zwei Staffeln weiß ich aber, dass es besser wird, sehr viel besser sogar. Ist Teil 3 lediglich eine Spur besser als sein Vorgänger, so übertrumpft die zweite Staffel die erste um Längen und toppt sogar den Piloten. Mit ihrem eigenen Tiefpunkt „Der Hund von Baskerville“ trifft sie immer noch das Niveau von „Ein Fall von Pink“.

Dass „Der blinde Banker“ im Vergleich so abstinkt ist mehreren Faktoren zu verdanken. So fällt beispielsweise auf, dass Sherlocks überragende Intelligenz, der wichtigste Aspekt jeder anderen Folge, hier kaum zum Einsatz kommt, da man stattdessen versucht einen Code zu entschlüsseln, eine Aufgabe die jeder x-beliebige Kriminalkommissar einer Krimi-Serie ebenso lösen könnte. Nur selten blitzt Sherlocks Genie auf und ebenso selten kommt es zu den unterhaltsamen Wortgefechten zwischen ihm und Watson, welche der Serie so viel Sympathie einhauchen.

Um die Charaktere geht es hier aber ohnehin nicht, die bleiben auf gleichem Stand wie im Piloten, was etwas schade ist, da so ziemlich in jedem weiteren Beitrag der Reihe eine Entwicklung in der Figurenzeichnung der beiden Helden zu erkennen war, teilweise sogar zusätzlich noch bei wieder auftauchenden Nebenfiguren.

Dass Lestrade als der häufigste Kommissar und Verbündete von Sherlock diesmal nicht auftaucht, ist an sich eine gute Idee, wäre es doch höchst unlogisch wenn im großen London immer der selbe Gesetzeshüter in die Fälle Sherlock Holmes‘ eingebunden wäre. Leider wurde er nicht ebenso gut ersetzt. Sein Lückenfüller hat das Niveau eines eben solchen und bleibt mit keinerlei positivem wie negativem Eindruck im Gedächtnis zurück. Das ist schade, eben wegen des mangelndem Weiterentwickeln der Hauptfiguren.

Schwerwiegender als das bisher genannte wiegt jedoch die Umsetzung der Fortsetzung, ist sie doch wesentlich hektischer inszeniert und geschnitten und musikalisch wie inhaltlich reißerischer präsentiert als ihr Vorgänger. Das hat die Serie weder nötig, noch entspricht es ihrem Niveau, das in der hier besprochenen Folge nur ganz selten um die Ecke linst. Schade!

Dass man außerdem auf den gerade so beliebten Aspekt einer asiatischen Kultur aufbaut, wirkt etwas Publikums-anbiedernd, erfüllt das Arbeiten mit dieser doch eher Klischees als dass es Respekt vermittelt. Letzteres wird ohnehin im völlig überzogenen Finale umgeworfen um alte Vorurteile zu bedienen. Als Spiel mit den Klassikern seines Genres oder den Groschenroman-Regeln hätte ein solches Szenario durchaus interessieren können, stattdessen wird das Geschehen präsentiert wie in einem „James Bond“-Film, freilich ohne dessen Ironie. Und am Schluss darf Watson noch einen Spruch los werden, den so auch ein Actionheld hätte palavern können. Dass dieser so gar nicht zur Psychologie der Figur und der Situation passt, wirkt um so negativer, da auch dies nicht dem Niveau der restlichen Serie entspricht.

Wäre nicht die gute Besetzung und manch sympathischer Moment, sowie relativ kurze Augenblicke in welcher auch der Kriminalfall mal interessant wird, „Der blinde Banker“ wäre eine Totgeburt. So aber ist er lediglich ein schwacher Kriminalfilm, der auf unterster Ebene gerade noch zu unterhalten weiß. Ärgerlich ist das ganze im Hinblick auf den Rest der „Sherlock“-Reihe um so mehr, und ein nur leicht besserer Teil 3 versöhnt da nicht wirklich. Den Schleier des Verzeihens eines solchen Ausrutschers bot erst die zweite Staffel mit drei wirklich gelungenen Kriminalfällen.  OFDb

15.08.2012

SHERLOCK - EIN FALL VON PINK (2010)

Der gelangweilte Militärarzt Watson beginnt eine WG mit dem ihm noch unbekannten analytischen Genie Sherlock, der hin und wieder der Polizei mit Rat und Tat zur Seite steht. Gemeinsam untersuchen sie eine mögliche Mordserie, bei welcher jedes Opfer scheinbar Selbstmord begangen hat...

Sherlock trifft Watson...
 
Wenn man von einer Modernisierung der Sherlock Holmes-Thematik liest, darf man zurecht erst einmal höflich gähnen. Sei es der um sich schießende Rathbone-Holmes der 40er Jahre oder der Handkantenkampf-erprobte „Sherlock Holmes“ der 00er Jahre, modernisiert und/oder in die Zeit des Erscheinens verfrachtet wurde der Stoff schon des öfteren umgesetzt. Auch der Titel „A Study In Pink“ verheißt da nicht zwingend mehr Hoffnung, gab es doch schon 6 Jahre bevor Rathbone erstmals den berühmten Detektiv mimte einen Film, der den Titel des ersten Romans trug, „A Study In Scarlet“, und der wollte mit der Vorlage, von welcher er den Namen klaute, so gar nichts gemein haben. Bedenkt man nun, dass auch dieser von mysteriösen Selbstmorden handelte, die Niederschrift „A Study In Scarlet“ aber überhaupt nicht, geht man erst einmal negativ an ein TV-Produkt heran, welches sich mehr an filmischen Umsetzungen zu orientieren scheint, als an den Büchern von Arthur Conan Doyle.

Aber so leicht kann man sich irren. Was man von Regisseur Paul McGuigan zu sichten bekommt, ist eine ehrfürchtige Verbeugung vor den frühen Werken Doyles, in welchen sich Sherlock und Watson kennen und schätzen lernen, während sie ominöse Kriminalfälle lösen. Der hier thematisierte Fall ist nicht jener aus „A Study In Scarlet“, er orientiert sich jedoch an mehreren literarischen Einsätzen des Detektivs gleichzeitig und schafft es immer wieder die alten Methoden und Erkenntnisse des Meisterschnüfflers gewitzt zu modernisieren. Aus dem Beweis einer kaputten, neuen Uhr wird ein kaputtes, kaum gebrauchtes Handy. Dass der Besitzer ein Alkoholiker war, konnte Holmes anhand der Verbrauchsspuren am Aufziehmechanismus der Uhr erkennen, im Pilotfilm der modernen „Sherlock“-Serie anhand gleicher Verbrauchsspuren an der Anschlussstelle zum Aufladen.

Ob Watson nun zwingend hätte einen Blog im Internet schreiben müssen, sprich ob alles was modernisiert wurde, auch zwingend hätte so deutlich modernisiert werden müssen, sei einmal dahin gestellt. Aber die Nähe zur literarischen Vorlage lassen einen über manche Übertreibung hinwegsehen, zumal die wichtigsten Übereinstimmungen gar nicht erst im Mordfall zu suchen sind, sondern in der Charakterzeichnung der beiden Hauptfiguren.

Watson, der immer ein wenig mehr im Zentrum steht als die titelgebende Figur, ist zum Zeitpunkt des Kennenlernens gelangweilt, da unterfordert. Da kommt es ihm sehr gelegen den sozialfeindlichen Holmes kennen zu lernen, den jeder als Spinner und unsympathisch abstempelt, da dieser sich der Logik verschrieben hat und mit den Durchschnitts-Intelligenten ohnehin nichts anzufangen weiß. Da beide aufgrund ihres Außenseitertums keinen Mitbewohner finden, tun sie sich zusammen. Man darf es als gekonnt ansehen, zwei unsympathische Gestalten zu Identifikationsfiguren zu machen, indem man den erträglicheren von beiden inhaltlich am nächsten am Zuschauer orientiert, damit dieser mit Watson zusammen die Schrulligkeit, aber auch die Genialität, von Sherlock kennen lernen darf.

Während man beide auf der einen Seite für ihre Art ohrfeigen könnte, bewundert man sie doch auf der anderen und ist fasziniert solch interessante Charaktere kennen zu lernen, solche wie man sie in Kino und TV in Werken für die Masse heute eigentlich kaum noch erleben darf. Das gibt der TV-Serie in Spielfilmformat den nötigen Schmackes, freilich unterstützt durch die genialen Denkwege von Holmes, denen man immer wieder fasziniert lauscht und die auch gerne mal durch (teilweise witzig gemeinte) Schriftzügen im Bild unterstützt werden. So macht Krimi Spaß, so soll es sein.

Allerdings zieht der Pilotfilm sein positives Ergebnis mehr durch das Kennenlernen der Hauptcharaktere, als durch das Lösen eines ominösen Kriminalfalles. Zum Mitraten wird hier niemand animiert, und der Fall um mysteriöse Selbstmorde wird ohnehin fast zur Nebensache. Da braucht es einen auch nicht wundern, dass die beiden Nachfolger, welche das Trio der ersten Staffel bilden, nicht ganz so stark ausgefallen sind wie Teil 1, denn von da an kommt es auf die Ermittlungen an, und die starken Charaktere dürfen diese nur noch stützen.

„A Study In Pink“, oder wie er in Deutschland heißt „Ein Fall von Pink“, braucht sich mit diesen erzähltechnischen Krankheiten jedoch noch nicht herumschlagen. Der präsentiert uns hauptsächlich die beiden tragenden Charaktere, die in ihrer jeweiligen Besetzung auch kaum besser hätten ausgefüllt werden können. Benedict Cumberbatch als der Geige spielende Detektiv ist ebenso genial besetzt, wie „Watson" Martin Freeman, der auch die emotional wichtigste Rolle in der britischen Serie „The Office“ gekonnt spielte. Den Schauspieler des Moriarty, Sherlocks Gegenspieler, darf man erst im dritten Teil kennen lernen, auch wenn der Mythos um diese Figur bereits im Piloten geschürt wird.

„Sherlock - Ein Fall von Pink“ ist ein gelungener Kriminalfilm mit kleinen Schönheitsfehlern. So lässt sich beispielsweise nicht alles Erzählte glaubhaft modernisieren. Die Spuren eines Flüchtenden im eher kleinen London des 19. Jahrhunderts auf jene Art zu verfolgen, wie es Holmes tut, ist nachvollziehbar. Ähnliches auf das große London unserer Zeit anzuwenden, wirkt so unglaubwürdig und konstruiert wie das Weiterdenken angespielter Lieder in „Der Rasenmähermann“. Aber das ist Schimpfen auf hohem Niveau, und deswegen lasse ich es an dieser Stelle nun bleiben. Denn dass uns hier eine so würdevolle Modernisierung in toller Besetzung präsentiert wurde, ist schon ein kleines Dankeschön wert und entschuldigt für kleine Ausrutscher.   OFDb