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05.04.2018

DANCE OF THE DEMONS 2 (1986)

Sehgewohnheiten verändern sich, angebliche Erinnerungen verwundern. So hätte ich darauf schwören können, dass sich Teil 1 und 2 von Lamberto Bavas Dämonenfilmen ziemlich ähnlich schauen, bei leicht variierten Plot. In Wirklichkeit offenbart der hier besprochene Film, der in Deutschland zunächst als "Dämonen" erschien und der Teil 1 auf Video merkwürdiger Weise mit dem Titel "Dämonen 2" nachgeschoben bekam, recht deutlich, warum es der Horrorfilm Ende der 80er Jahre so schwer hatte, an welchen Krankheiten er oftmals zu dieser Zeit litt und warum Werke wie diese nicht mehr ernst genommen werden konnten.

Dabei fängt alles zunächst einmal ursympathisch an, wenn "Dance of the Demons 2" seinen Vorgänger augenzwinkernd, aber nicht humoristisch angereichert, mit dem im Fernsehen laufenden Horrorfilm fortsetzt, anstatt die Geschehnisse von dort der Realität der Fortsetzung zuzuschreiben. Die Epidemie der Fortsetzung wird quasi durch ein fiktives im TV ausgestrahltes Sequel von "Dance of the Demons" ausgelöst. Wer daran und am Zerstören diverser Fernsehmonitore im Finale eine Kritik an der ollen Flimmerkiste sieht, müsste Bava selbiges bezüglich Teil 1 zum Thema Kino vorwerfen, und dies wird wohl kaum der Fall sein, zumal sich "Dance of the Demons 2" an keiner weiteren Stelle irgendeine Form von Gesellschaftskritik erlaubt.

Das soll er auch gar nicht. Wer "Dance of Demons" sah und mochte, der möchte dort Gesehenes verändert noch einmal sichten. Doch auch wenn der Plot und allerlei Parallelen dieses Versprechen einzuhalten scheinen, so finden sich in den Details doch die entscheidenden Unterschiede, die Teil 2 nicht zu solch einer Party werden lassen, die Teil 1 mit ein wenig Wohlwollen im Erwachsenenalter noch fähig war zu entfachen. Das beginnt bei dem weit weniger wirksamen Hauptscore, der wesentlich hektischer ausgefallen ist, das zeigt sich weiter in den Verwandlungen der Menschen in Dämonen, die nicht mehr so eitrig, glibberig und glitschig ausgefallen sind, das zeigt sich im zurückgeschraubten, nicht mehr so detailverliebten, Härtegrad dank weniger Goreeffekte, und dass die Horde Amok laufender Dämonen nun eher wie die belustigende Zombievariante aus "The Return of the Living Dead" wirkt, steht Argentos produziertem zweiten Streich auch nicht gerade gut. Hier fehlt es im Gegensatz zum Vergleichsfilm sowohl am humoristischen Grundton, als auch an den düsteren Stellen, die Humoreinfluss stützen können ohne damit den Spannungsgehalt eines Horrorfilms komplett zu zerstören. Das Verhalten der dort wirksamen Kreaturen hier angewendet wirkt lächerlich und kratzt gewaltig am Vorhandensein einer spürbaren Gefahr.

"Dance of the Demons" war alles andere als ein durchdachter Film. Auch dort schleuderte man sinnlos diverse Ideen durch die Gegend, Logiklücken in Kauf nehmend, aber im Gegenzug dafür für gute Stimmung sorgend. In Teil 2 ist man um Selbiges bemüht. Das Treiben schaut sich gar weniger monoton als im Vorgänger. Trotzdem hat dieser als Gesamtes besser funktioniert, zumal er sich flotter schaut. "Dance of the Demons 2" mangelt es noch mehr an Sympathiecharakteren als in Teil 1, und seine Idiotien kratzen mehr am Unterhaltungswert als all der Unsinn des vorangegangenen Filmes. Die Todesfalle Hochhaus ist in all ihren Extremen (Panzerglas, nicht per Hand zu öffnende Fenster, komplette Elektroniksteuerung) alles andere als glaubwürdig, ein nostalgischer Ort wurde in der Fortsetzung gegen einen kalten, modernen ausgetauscht, mit dem man nicht warm wird. In der Tiefgarage entzündet man ein großes Feuer, um sich die Dämonen vom Hals zu halten, ohne dass der Rauch sich ausbreitet und somit auch für den Menschen gefährlich wird. Es breitet sich zu viel Blauäugigkeit aus, um dem viel zu fehlerhaften Film Wohlwollen entgegen bringen zu können, zumal andere Gymmicks, wie das dämonenbesessene Kind, der mutierte Hund und der Mini-Dämon, der aus dem Kinderdämon herausbricht, ebenfalls nicht wirken wollen. Letztgenannter biedert sich der "Gremlins"-Welle an und schaut aus wie einer von Bands Ghoulies.

Ebenso wie Teil 1 schaut sich Teil 2 vor dem Ausbruch der Dämonenseuche besser als danach, nur dass diesmal nach einem sympathischen Einstieg nicht mehr viel funktionieren möchte. Sicherlich bietet auch die Fortsetzung genügend Tempo und einige sympathische Ausnahmeszenen, aber wenn die wichtigsten Faktoren nicht mehr funktionieren wollen, bleibt das Ergebnis dennoch recht dünn. Nicht einmal die leuchtenden Augen der Dämonen wissen diesmal zu wirken. Wie auch, wenn eine Horde unfreiwillig lächerlich dargestellter Mutanten in einem so gar nicht atmosphärisch düsterem Szenario immer wieder wirkt wie aus einem Cartoon entlaufen? Auch wenn der im TV ausgestrahlte Horrorfilm zu Beginn eher augenzwinkernd gemeint ist, so hätte ich doch lieber ihn weiter geguckt als das eigentliche Werk, schaut er sich doch trashig und atmosphärisch zugleich. Sowohl die Erweckungssequenz des Dämonen dort, als auch die Idee in den Ruinen einer damals dämonenbehausten Stadt unterwegs zu sein, ließ sich trotz naiver Erzählung weitaus stimmiger gucken als die Monsterhatz im Hauptplot, welcher der Partytouch des Erstlings fehlt. In der deutschen Synchronisation gefällt sogar der Off-Kommentar der fiktiven Fortsetzung des Originals innerhalb der Fortsetzung, wird die Stimme doch manch einer meiner Generation von damaligen Kinderhörspielplatten und -kassetten her wiedererkennen.  OFDb

02.04.2018

DANCE OF THE DEMONS (1985)

In meiner Jugend gehörten die beiden Lamberto Bava-Dämonenfilme, die mit ihrer Betitelung "Dämonen" und "Dämonen 2" in der falschen Reihenfolge nummeriert wurden, zu den effektivsten Horrorfilmen, die wir seinerzeit gesehen haben. Zu einer Zeit des völlig anderen Filmgeschmacks beeindruckten uns die harten Effekte, das Dämonen-Make Up, die Endzeitstimmung und das Tempo, welches der Film trotz monotoner Handlung zu entfachen vermag - alles Faktoren die auch heute noch zu den Pluspunkten des Streifens gehören. Heutzutage lobe ich den Streifen nicht mehr so in den Himmel wie damals, aber ich muss zugeben, dass er mich für sein an sich eher stumpfes Treiben recht gut unterhalten hat. Wahrscheinlich hat Lamberto Bava nie wieder derart gute Arbeit geleistet wie unter seinem Produzenten Dario Argento. Bereits die beunruhigende Eingangssequenz nach einer irritierenden Bahnfahrt weiß zu gefallen, baut sie doch eine Suspense auf, die "Demoni" (Originaltitel) in seiner Hauptphase aufgrund endloser Verfolgungsjagden und Metzeleien durch Dämonen nicht mehr möglich macht.

Dank einer wahrlich gut funktionierenden Film-im-Film-Methode darf es trotzdem kurzzeitig auch nach dieser Szene noch unheimlich hergehen, bevor der pure Wahnsinn das Steuer übernimmt und dem Zuschauer ein abgefahrenes Szenario aus Mutationen, Bluteffekten, Verfolgungsjagden, Abwehrversuchen und dem Verbarrikadieren vor den Aggressoren präsentiert wird. Vom Auslöser der Epidemie einmal abgesehen unterscheidet sich das Treiben hier nicht von einem Zombie- oder Infizierten-Horror, mit Ausnahme der leuchtenden Augen, welche die Dämonen in einigen Szenen beschert bekommen haben. Und man mag es kaum glauben: selbst dieser simple Effekt vermag zu funktionieren.

Seltsamer Weise trifft dies auch auf das Drehbuch zu, welches sich herzlich wenig für Charaktere oder gar Sinn oder Unsinn seines Szenarios interessiert. Wann Ruhe zum Dialog herrscht und wann Dämonen wüten entscheidet der Regisseur und nicht die Geschichte. Und bereits das scheinbar unendlich große, Labyrinth-artige Kino verwischt jegliche Spur eines rationalen Grundtons. Während der Restfilm sich aufgrund der Ereignisse und der gerade aktuellen Modebewegungen wie ein herrlich abgedrehter Mix aus "Zombie" und "The Return of the Living Dead" schaut (der im selben Jahr entstand), erinnert der Ort an dem alles spielt in seiner Verfremdung eher an Argentos Geniestreich "Suspiria". Da es sich bei "Dance of the Demons" ohnehin nur um einen Horrorfilm für Fans handelt, mangelt es freilich nicht an Verweisen und Verbeugungen vor Vorbildern. Weitere Filme werden im Hintergrund per Kinoaushangplakat gehuldigt, so z.B. Murnaus "Nosferatu", dessen Schreckensfigur man sich für die erste Dämonenmutation die zwei vorderen Beißerchen entlieh.

Aufgrund des Erscheinungsjahres gibt es auch einen Aushang zu "Der Terminator" zu erblicken, dessen Kritik am Fortschreiten der Technik kurzfristig im Vorführraum aufgegriffen wird, wenn unsere Protagonisten dort feststellen müssen, dass in diesem Kino alles elektronisch verläuft. Dass das für den weiteren Verlauf nicht wirklich wichtig ist, stört nicht die Bohne, eben weil Bava, Argento und ihre zwei Mitautoren sich herzlich wenig um ein komplettes Ganzes bemühen, als vielmehr allerlei Ideen wild durcheinander würfeln. Warum aus dem Körper eines Befallenen plötzlich ein Dämon platzt und bei den anderen nicht, weiß keine Sau. Warum erst der Blinde aus dem Kino entweichen muss, um im Finale für jene Überraschung zu sorgen, für welche auch der übernatürliche Freikartenverteiler hätte sorgen können, wird nicht hinterfragt. Wer solche Fragen stellt ist bereits im falschen Film. "Demons" (Aternativtitel) muss man möglichst gedankenfrei auf sich wirken lassen, wahrscheinlich ist er auch deswegen einer der wenigen Horrorfilme, in denen meiner Meinung nach Hardrockmusik als Untermalung tatsächlich einmal eine gute Idee ist, während ich bei Werken wie "Terror in der Oper" und Co dieses Geschraddel als völlig Fehl am Platz empfinde.

Für Pubertierende ist "Dance of the Demons" ein Schlachtfest das Party bereitet, mit erwachsenen Augen beeindruckt das wirre Etwas nicht mehr ganz so gut. Spätestens das apokalyptische Finale wird mit Übertreibungen wie dem Hubschrauber und dem muskulösen Schwertschwinger als Erwachsener nicht mehr so ernst genommen wie mit Jugendaugen, was dem düsteren Schluss einen guten Teil seiner Faszination stiehlt. Rein theoretisch gefällt mir die Schlussidee aber noch immer. Man merkt an solchen Momenten jedoch, genauso wie an vielen anderen des Films, dass Lamberto Bava nicht ansatzweise das Talent seines Vaters vererbt bekommen hat und ein guter Regisseur manches weitaus professioneller und atmosphärischer umgesetzt hätte.

Als Party-Horror funktioniert "Dance of the Demons" aber zumindest weitaus besser als der überschätzte "Braindead" und manch ähnlicher Splatstick. Die Ernsthaftigkeit, die Mitte der 80er Jahre in diesem Genre fast kaum noch derart konsequent eingesetzt wurde, erweist sich als nostalgisch scheinender Pluspunkt dieser Art Film in dieser Dekade. Wer nicht all zu streng mit diesem Stück Jugendjuwel umgeht, kann auch als Erwachsener noch definitiv seinen Spaß mit Bavas Dämonenzombies haben. Den angeblichen "Dämonen 3" sollte man meiden. Hinter diesem Titel verbirgt sich lediglich der unglaublich schlecht ausgefallene "Black Zombies" von Umberto Lenzi und somit keine echte Fortsetzung.  OFDb

12.11.2016

GHOSTHOUSE 2 (1988)

Ähnlich wie die Filmreihen „Anthony“, „Jurassic Shark“ und „Paranormal Investigations“ stehen besagte Teile der jeweiligen Reihe nur für sich und wurden von deutschen Titelgebern zu einer fortlaufenden Serie erfunden. Zusammenhänge gibt es nur von der oberflächlichen Thematik her, hin und wieder sind angebliche Fortsetzungen solcher gefälschten Filmreihen gar vor Teil 1 erschienen, was die Täuschung um so lächerlicher macht. Der erste „Ghosthouse“ ist eigentlich der Beginn einer Film-Reihe, die mit „Witchcraft - Das Böse lebt“ und „Horror House 2“ fortgesetzt wurde. „Ghosthouse 2 - Das Ungeheuer lebt“ (Alternativtitel) wiederum gehört zu einem Projekt Lamberto Bavas vier Horrorfilme für das italienische Fernsehen fertig zu stellen.

„Dinner with the Vampire“, „Die Gruft“, „Back from Hell“ und „Ghost House 2“ (Alternativtitel) haben inhaltlich wie stilistisch nichts miteinander zu tun, sie sind lediglich ein Gesamtprojekt. Jeder setzt von der Geschichte her einen anderen Schwerpunkt. Der des hier besprochenen „Demons 3 - The Ogre“ (Alternativtitel), der keine Fortsetzung von Bavas „Dance of the Demons 2“ ist, setzt ein Monster in Kombination mit Visionen in den Mittelpunkt, was bedeutet dass sich so ziemlich jede sehenswerte Horror-Szene der ersten Stunde als Traum entpuppt, eine Eigenschaft die ich in den meisten Horrorfilmen nicht mag, in diesem kleinen TV-Filmchen jedoch sehr wohl.

Das liegt aber auch daran, dass es Bava recht gekonnt beherrscht eine grundlegende düstere Stimmung über das Geschehen zu setzen. Ein guter Soundtrack, wie ihn auch Argento verwendet hätte, ist der Hauptgrund für diesen Pluspunkt. Aber auch die Drehorte sind gut gewählt. Das Dorf am absteigenden Berg weiß zu gefallen, das Schloss ist riesig, nicht gerade glaubwürdig zur Anmietung für einen Familienurlaub, aber definitiv stimmig eingefangen. Nach Logik darf ohnehin niemand fragen, „The Ogre“ (Alternativtitel) ist ein esoterischer Film, der folgt seinen eigenen Gesetzen, und die muss man als Zuschauer nicht kapieren, zumal es Bava bei den übernatürlichen Szenarien meist um den Effekt einzelner Situationen geht ohne einen Zusammenhang zur nächsten übernatürlichen Szene zu setzen. Und da dies funktioniert, ist ihm dies auch verziehen.

Auch die Kreatureneffekte wissen zu gefallen. Der grünlich pulsierende Kokon aus welchem eine glibberige Kreatur schlüpft, die naiv schlichten Unterwasserskelette, die wie aus einer Geisterbahn entlaufen scheinen, das monströse Wesen, welches anstelle des Sohnes im Bett des Kinderzimmers hockt, sie alle wissen zu gefallen. Leider trifft dies nicht auf die Hauptkreatur zu, was schade ist, ist sie doch ein so selten in Horrorfilmen auftauchender Oger, und der ist nach dem Schlüpfen nun gar nicht mehr glibberig. Stattdessen steht da ein Schauspieler, der eine behaarte Monstermaske im Gesicht trägt, und der gar nicht erst versucht sich wie eine fremde Kreatur zu bewegen.

Somit fehlt dem eigentlichen Monster genau jene Mystik, mit welcher der komplette Restfilm lockt, indem er in stimmiger Atmosphäre die Neugierde des Zuschauers weckt und lange Zeit hoch hält, was es denn nun mit all den ominösen Geschehnissen auf sich hat. Nicht nur dass der Großteil der Ereignisse im Nachhinein unbeantwortet bleibt, das Monster als finale Bedrohung ist schlichtweg eine Beleidigung, optisch unglaubwürdig, da wie ein Mann mit Maske aussehend und in seiner Bewegung vergleichbar mit jedem psychopathischen Mittezwanziger diverser Horrorfilme.

Trotz des enttäuschenden Finales betrachte ich „La casa dell‘orco“ (Originaltitel) rückblickend eher als sympathisches Filmerlebnis, lebt in ihm doch die typische 80er Jahre Schmuddelfilm-Atmosphäre weiter, und ist es Bava doch für einen ollen TV-Film gelungen die Stimmung über eine Stunde lang, trotz ewigem Hinhaltens, hochzuhalten. Dass die meisten sich im Internet eher reserviert zu „L‘orco“ (Alternativtitel) äußern, verwundert trotzdem nicht, ist das Ergebnis doch recht schlicht ausgefallen. Und wen die Musik in Kombination mit den stimmigen Bildern nicht packt, der erlebt tatsächlich nur Leerlauf mit esoterischem Blabla. Gut dass ich von diesem negativen Eindruck verschont blieb.  OFDb

04.09.2016

MONSTER SHARK (1984)

Bereits drei Jahre bevor das Kinopublikum „Der weiße Hai 4“ desinteressiert die kalte Schulter zeigte, merkte man in Italien dass es nicht mehr reicht auf klassische Art einen ollen Hai auf die Menschheit losgelassen. Also griffen die Autoren von „Monster Shark“ schon lange vor „Megalodon“, „Shark Attack 3“, „Jurassic Shark“ und Co auf den Kniff zurück dem Publikum einen Urzeit-Hai für ihre nimmersatten Horrorgelüste vorzuwerfen. Doch damit nicht genug, da auch mancher Tentakelfilm Erfolge feierte kreuzte man die ausgestorbene Kreatur auch gleich mit einem Oktopus, und fertig war die reißerische Sensation, mit welcher man sich von den Konkurrenzprodukten zweier Monstergattungen abheben wollte.

Übernommen hat man sich mit dieser Übertreibung glücklicher Weise nicht. Die Kreatur weiß tatsächlich zu wirken, wahrscheinlich weil Lamberto Bava, den man für die Regie gewinnen konnte, und der seine Arbeit unter dem lächerlichen Pseudoym John Old Jr. ablieferte, die Kreatur wohl dosiert in Szene setzte und es lange Zeit schafft eine hohe Erwartungshaltung, ja geradezu eine mystische Atmosphäre, um die Existenz des Monsters zu schaffen. Es dauert bis der Zuschauer einen Blick auf die Kreatur erhaschen darf. Auch erste Sichtungen bleiben zaghaft und halten das Mysterium der Kreatur lange Zeit hoch. Informationen werden uns nur Häppchen-weise zugespielt. Verschwommene Bilder und einzelne Teile des Monsters wissen optisch zu wirken, allein schon weil „Der Monsterhai“ (Alternativtitel) lange Zeit vor der Computeranimation gedreht wurde, so dass selbst die meist langweilig ausgefallenen Fangarme in ihrer glibbrigen Gummiart zu gefallen wissen.

Sicherlich kann man diese Vorgehensweise auch als Zeitstrecken und Kostenminimierung bezeichnen, was sicherlich beides kein Fehlurteil wäre. Aber Bava schafft es dies anzugehen ohne zu langweilen und, ganz im Gegenteil, den Zuschauer trotzdem für die Kreatur zu interessieren. Deshalb bedarf es hier auch noch nicht des Tricks von Roger Cormans Quasi-Remake „Sharktopus“ das Tier an Land agieren zu lassen. Unser „Devil Fish“ (Alternativtitel) ist lediglich im Wasser aktiv, was ihn aufgrund der kostengünstigen Produktion so auch besser aussehen lässt.

Während Bava inszenatorisch ordentliche Arbeit leistet, wenn auch nicht mehr als angenehme Routine, angereichert mit kleinen blutigen Einlagen, weiß das Drehbuch die immergleiche Geschichte ereignisreich genug zu gestalten, was bei den hier agierenden eindimensionalen Charakteren auch dringend nötig ist. Für einen Italienfilm typisch müssen sie alle Nase lang miteinander Sex haben, selbst dann wenn es gerade so gar nicht in die Geschichte passt. Und freilich folgen die Figuren den üblichen Stereotypen des von „Der weiße Hai“ vordiktierten Storyablauf, inklusive des üblichen Tier-Horror-Konflikts darüber ob die Kreatur nun lebend oder tot gefangen werden soll.

Zumindest verzichtete man diesmal auf einen Bürgermeister, der Panik um das Einkommen der Bevölkerung hat. Stattdessen erleben wir unsere nichtssagenden Figuren dabei, wie sie solidarisch zusammenarbeiten, was sie ähnlich wie in „Taranteln - Sie kommen um zu töten“ sympathischer macht als es das biedere Weltbild des Streifens eigentlich zulassen dürfte. Bava schafft somit in Zusammenarbeit mit den Autoren, dass man zumindest mit den Charakteren mitfiebern kann, so dünn sie auch gezeichnet sind. Da es zudem einige Überrschungen darüber gibt wer auf menschlicher Seite nun Überltäter ist und wer nicht, und besagte Übeltäter das Projekt nicht nur vertuschen wollen, sondern auch mörderisch tätig werden, ist auch eine zusätzliche Bedrohlichkeit mit an Bord, die es versteht zwischen den Monsterattacken ebenfalls für Spannungsmomente zu sorgen.

Auch mancher Tod kommt überraschend, so dass der Zuschauer für solch ein olles Routineprodukt einer oft erzählten Geschichte relativ gut auf Trab gehalten wird. Kleinere Längen haben sich dennoch eingeschlichen. Die sind aber nicht so gravierend, als dass sie „Red Ocean“ (Alternativtitel) wirklich auszubremsen wissen. Allein der herrlich schundige Elektrosound, den es in dieser billigen Art auch nur in 80er Jahre-Produkten zu hören gab, peppt die Chose ordentlich auf, selbst dann wenn gerade nichts aufregenderes passiert, als dass irgendwer eilig eine Leiter hinauf steigt. „Der Monster-Hai“ (Alternativtitel) ist somit eine der konsumierbaren und sogar unterhaltsamen Beiträge im Meer der vielen Hai-Horror-Produktionen, von denen so unglaublich viele zu langweilen wissen - ansatzweise auch Cormans Quasi-Remake vom hier besprochenen Film.  OFDb

11.07.2016

DINNER WITH THE VAMPIRE (1988)

Nach diversen Erfolgen im Kino drehte Lamberto Bava 1987 und 1988 insgesamt vier Horrorfilme für das italienische Fernsehen, die, wie sich nach dem Gucken des Großteils dieser zeigt, alle recht unterschiedlicher Qualität sind. Während mir „Ghosthouse 2“ bislang entgangen ist, wusste „Back from Hell“ recht gut zu unterhalten. Selbiges konnte man von dem penetrant nervigen „Die Gruft“ leider nicht behaupten. Nun habe ich „Dinner with the Vampire“ gesichtet, und der ordnet sich irgendwo dazwischen ein, schlechte Momente ebenso bietend wie annehmbare.

Mehr als Mittelmaß wäre durchaus drin gewesen, weiß die Grundidee des gelangweilten Vampirs, der seinen Gästen eine Chance geben will zu überleben indem diese ihn töten sollen, doch zu gefallen. Diese hätte aber sicherlich mehr Potential mit ehrwürdigen Gegnern gehabt. Warum sich Yurek nicht ein paar Gelehrte ins Haus holt anstatt Ruhm-besessene, oberflächliche Fast-Teenager ohne Lebenserfahrung bleibt ebenso ein Rätsel, wie die Frage warum gerade diese vier Nervensägen ein weltweites Casting für dieses Anliegen gewonnen haben. Einzig der dämlich aussehende bucklige Butler weiß diese austauschbaren Figuren zu unterbieten, besitzt er doch weder Mystik noch Witz, auch wenn Marty Feldman im passenden optischen Vergleich augenzwinkernd erwähnt wird.

Ohnehin spielt „Dinner with a Vampire“ (Alternativtitel) mit prominenten Vorbildern und spricht manches davon auch offen aus. Neben dem Klassiker „Dracula“ gibt es zudem einen Verweis auf „Das Bildnis des Dorian Gray“ zu erleben, die Sequenz des Blutstillens an einem weiblichen Opfer ist direkt von einer der berühmtesten Einstellungen aus dem Stummfilm „Nosferatu“ übernommen, und die Einstiegssequenz weist gar Parallelen zu Bavas eigenem Kinohit „Dance of the Demons“ auf. Der Vampir selbst sieht in den klassischen Sequenzen wie Max Schrecks Nosferatu aus, wenn auch mit vier Vampirzähnen gesegnet anstatt mit den gewöhnungsbedürftigen Vampir-Hasenzähnchen des Originals. In anderen Momenten präsentiert uns Lamberto Bava, der auch am Drehbuch mitschrieb, den Gentleman-Vampir, wie man ihn aus vielen „Dracula“-Verfilmungen kennt, in seiner Verführerrolle auch aus „Fright Night“ und Co.

Das klingt alles schön und gut, wird aber in einer zu unsinnig ausgefallenen Inszenierung eingebaut, die zum einen recht umständlich beginnt und aufgrund der uninteressant ausgefallenen Figuren auch nur schwer in die Gänge kommt. Bis zum titelgebenden Dinner vergeht mindestens eine halbe Stunde, und erst nachdem Yurek die Spielregeln erklärt kommt der Streifen langsam in die Pötte, der bis hier hin einzig durch seine auf klassisch getrimmte Eingangssequenz und die Innenaufnahmen von Yureks Schloss punkten konnte. Eine mittelmäßige Deutschvertonung lässt es zudem nicht zu, dass man Sympathie zu den gesichtslosen Protagonisten aufbauen darf, allerdings bezweifel ich, dass der Originalton diesbezüglich erfolgreicher ist.

Manch drastisch ausgefallener, wenn auch durchschaubar umgesetzter Spezialeffekt weiß zu gefallen, mancher Knetgummi-Effekt sorgt für nostalgische Momente, wie es heutzutage auch ein „Tanz der Teufel“ tut. Aber ein wahrer Hingucker, geschweige denn eine stimmige Atmosphäre will sich in dem unsinnig erzählten Streifen nie auftun. Yurek pendelt immer zwischen bösartig und frustriert hin und her, was zumindest der ungewöhnlich ausgefallene Schluss-Gag halbwegs zu erklären weiß, und dadurch fühlt sich die tödliche Situation, in welcher sich die vier Gefangenen befinden, nie lebensbedrohlich an. Erschwerend kommt hinzu dass Yurek leicht zu verletzen ist und schnell beginnt herumzujammern.

Spannend wird es nie. Die Vier geben sich nie Mühe hinter das Tötungsgeheimnis des Vampirs zu kommen und halten sich stattdessen nervig an die klassische Geschlechterrollenteilung, indem der Mann jegliche Entscheidung trifft, als einziges mitdenken darf und den Anführer mimt, während die Damen sich mit dem weiblichen Vampir über Mode unterhalten dürfen und ansonsten nur keifen und meckern, der Mann in ihren Reihen möge doch nun endlich etwas tun. Die Lösung ist dem erfahrenen Filmfreund indes von Anfang an klar und bietet somit keine finale Überraschung. Als Besitzer der Astro-DVD braucht man jedoch ohnehin nur ins Kapitelmenue zu schauen. Dort wird die Art wie man Yurek getötet bekommt in der Überschrift des letzten Kapitels bereits verraten - was 'ne Verarsche.

Bava besitzt so vieles mit dem er positiv arbeiten könnte (allein die stimmige Location) und setzt alles für einen 08/15-Film in den Sand. Warum er Monster im Keller a la „Das Haus der Vergessenen“ hausen lässt und diese Richtung Finale frei lässt, ohne die Wesen zu Yureks Verstärkung auch wirklich antreten zu lassen, will sich mir nicht erschließen. Ging das Geld vorzeitig aus? Und hätte man die Befreiung der gefangenen Wesen dann nicht im Nachhinein herausschneiden können?

„A cena col vampiro“ (Originaltitel) ist eine löchrige Angelegenheit, die nach einer nervigen halben Stunde einfach das Glück hatte mit seinem naiven 80er Jahre Charme die sich ankündigende Langeweile doch nicht zu enthalten und stattdessen noch ein halbwegs akzeptables, wenn auch völlig unsinnig und einfallsloses, Ergebnis abzuliefern - freilich nur für den Vielseher des Genres. Und auch für den wird „Dinner with the Vampire“ kein Leibgericht.  OFDb

25.04.2015

MONDO CANNIBALE 2 - DER VOGELMENSCH (1977)

Drei Jahre bevor Ruggero Deodato den sehr harten aber auch überraschend sensiblen „Nackt und zerfleischt“ drehte, beschäftigte er sich schon einmal mit der Thematik von Zivilisten die auf ein wildes Volk im Dschungel stoßen. Ebenso wie dort geht er im Gegensatz zu Kollege Umberto Lenzi und dessen Werken wie „Lebendig gefressen“ und „Die Rache der Kannibalen“ mit Respekt gegenüber den Wilden um, eigentlich sogar mit Respekt des gesamten Urwalds gegenüber, zeigt er ihn doch ebenso in seiner wunderschönen Pracht wie auch in seiner unbarmherzigen Art, denn der Dschungel ist nicht wie in vielen anderen Filmproduktionen ein Spielplatz mit wilden Tieren, sondern ein Ort vieler Gefahren.

Dass „Mondo Cannibale 2 - Der Vogelmensch“ ein solch angenehmer Streifen ist mag man zu Beginn kaum glauben, ist die erste viertel Stunde doch recht stümperhaft inszeniert. Hier überschlagen sich Ereignisse in schneller, liebloser Abfertigung, bei denen nicht nur der Zuschauer nicht an die Hand genommen wird um sich in irgendein Szenario einzufühlen, auch das Filmmaterial schien nicht das beste zu sein, wenn man bedenkt wie gerne ein Schnitt gesetzt wird um etwas vereinfacht ohne großen Aufwand zu zeigen. Mancher Moment erfährt innerhalb ein und der selben Szene einen sprunghaften Übergang. Bei dem schnellen Wechsel von Tag und Nacht ist es aufgrund der hektischen Erzählung nicht auszumachen ob Deodato keine Lust hatte auf die Tageszeit zu achten, oder ob Harper tatsächlich schon so viele Tage im Urwald unterwegs ist.

Kennt man den Rest des Filmes kann man davon ausgehen dass Deodato einen 120 Minuten-Streifen vermeiden wollte, ist der Rest doch in einer Ruhe und Detail-Liebe gedreht, welche die Geschichte dringend benötigt um zu funktionieren. Der wichtigste und längste Part ist damit gerettet. Dennoch denke ich, dass man den Anfang des Werkes auch auf andere Art hätte straffen können, ohne gleich den Eindruck eines unglaublich schlecht erzählten Filmes zu machen. Zumal Deodato in einigen Momenten zu Beginn auf klassische Horrorfilm-Szenen setzt, wahrscheinlich zum Einstimmen, was sich als unsinniger Versuch herausstellt, der nicht zum Grundton des restlichen Filmes passt.

Ist Harper erst einmal in Gefangenschaft geraten ist der schlechte Teil von „Die letzten Kannibalen“ (Alternativtitel) auch endlich beendet und man darf einen gnadenlosen Abenteuerfilm sichten, der aufgrund dessen was er im Kern erzählt die Kannibalen-Thematik eigentlich gar nicht benötigt hätte. Die fällt auf die Gesamtlänge ohnehin recht kurz aus, bietet aber für jene die genau darauf gewartet haben auch einige harte Szenen, die, typisch Kannibalenfilm, nicht so leicht zu verdauen sind. Freilich gehört auch wieder aufgrund damals nicht vorhandener Tierschutzgesetze Tier-Snuff dazu, letztendlich wird aber auch diesbezüglich nur gezeigt was im Dschungel Alltag ist.

Der Kern des Films beschäftigt sich eigentlich damit wie schwer es ist als Zivilist im Urwald zu überleben. Und auch das Leben der Wilden wird recht ausführlich ausgeleuchtet, welches laut der Schrifteinblendung bei jeglichem Ritual, ebenso wie die eigentliche Geschichte, auf einer wahren Begebenheit beruhen soll, die sich 1975 zugetragen haben soll, und die dazu geführt hat, dass ein bestimmer Wilden-Stamm überhaupt erst entdeckt wurde. Wenn das stimmt kann man nur sagen: Hut ab! Und das gezeigte Leben der Wilden lässt aufgrund der Realitätsnähe und der auf uns so bizarr wirkenden Rituale vermuten dass die Aussage stimmen dürfte. Leicht hat es Harper nicht. Was ihm in Gefangenschaft droht ist so hart wie das Überleben im Dschungel selbst. Wie eingangs erwähnt werden die Wilden dabei aber mit Respekt betrachtet. Es handelt sich um eine andere Kultur auf einem anderen Entwicklungsstand. Der erhobene Zeigefinger des besserwissenden Fortgeschrittenen kommt glücklicher Weise nie zum Einsatz.

„Nackt und zerfleischt“ ist im Vergleich dennoch der bessere Film geworden, wirkt er in letzter Konsequenz doch eine Spur ehrlicher. Allerdings hatte der auch den Vorteil von Ideen des hier besprochenen Filmes zu profitieren, die noch einmal übernommen wurden. Aber gerade jene Szene, in welcher der Held des Streifens glaubt Menschenfleisch essen zu müssen um etwas zu demonstrieren, kommt in Deodatos 1980er Werk glaubwürdiger herüber als hier, wo man dann doch mal wie in Lenzis Filmen den Eindruck gewinnt, dass die Szene rein des Ekeleffekts wegen eingebaut wurde, auch wenn man aus der Perspektive Harpers heraus versteht warum er dies tut.

Solche Momente in Kombination mit der ungeschickten, etwas zu lang schlecht ausgefallenen, Einleitung, sorgen dafür dass „Jungle Holocaust“ (Alternativtitel) nicht ganz so gut zu überzeugen weiß wie der Ausnahmefilm Deodatos. In seinem Hauptteil weiß „Mondo Cannibale 2“ aber dafür um so mehr zu funktionieren und baut ab dem Zeitpunkt der Gefangenschaft keine wirklich groben Fehler mehr. In einer schonungslosen Ehrlichkeit, jenseits der Gesetze des Unterhaltungskinos, weiß auch dieser 1977 entstandene Kannibalenfilm Deodatos zu überzeugen. Man kann ihn als Übung für das drei Jahre später entstandene Meisterwerk betrachten. Schwer verdaulich sind jedoch alle beide Filme.  OFDb

28.03.2015

NACKT UND ZERFLEISCHT (1980)

„Nackt und zerfleischt“ ist eine der härtesten Prüfungen, die man als Filmfreund durchleben kann. Er ist ein schwer verdauliches Stück Film, welches seine Geschichte völlig unverschönt präsentiert. Hier lauert knallharter Realismus auf den Zuschauer, der in seinen expliziten Szenen so echt wirkt, dass man glaubt einem Snuff-Movie beizuwohnen. Lediglich Tieraufnahmen treffen aufgrund damals fehlender Tierschutzgesetze diesbezüglich zu. Darüber regen sich viele Filmfreunde auf und verurteilen den Streifen dafür, so dass ich nur hoffen kann dass solche Kommentare von Vegetariern kommen, halten sie der Kritik doch sonst nicht stand. Tiere werden hier der Nahrungsaufnahme wegen getötet, und da soll dem Zuschauer ruhig noch einmal bewusst werden was dies tatsächlich bedeutet, wo er sein Schnitzel doch sonst bereits servierfertig auf dem Teller liegen hat.

Tiertötungen gehören mit zu den schwer erträglichen Szenen des Filmes, und sie gehören meiner Meinung nach legitim dazu, ist es u.a. doch ein Film der uns zivilisierten Menschen, die den Bezug zur Natur verloren haben, mit unschönen Bildern bewusst macht was das Motto von fressen und gefressen werden bedeutet. Allerdings ist dies nur ein Nebenaspekt eines Filmes, dem es in Sachen Gesellschaftskritik um etwas völlig anderes geht: um die Dinge hinter dem Vorhang. „Cannibal Holocaust“ (Originaltitel) macht uns die Täuschung der Zivilisation bewusst. Das Tier in uns lebt. Und man kann es nur hinter dem Vorhang heraus lassen. Das Ergebnis dieser Taten bekommen wir in den Medien immer wieder serviert.

Da vögeln in stillen Hotelzimmer Manager ihre 14jährigen Prostituierten, da begeht die ach wie zivilisierte letzte Weltmacht trotz gegenteiliger Abmachung heimlich beim Verhör von Verdächtigen Verbrechen an der Menschheit, und Sexgeile ficken anonym des Nachts im Dunkeln des Parks miteinander, da wo es kaum wer in der Öffentlichkeit mitbekommt. Der Wilde in uns lebt und darf geheuchelt im Alltag der Zivilisation nicht heraus, ein Fakt der sich seit dem Aufkommen der Political Correctness verstärkt hat, wo selbst legitime Triebe als zweifelhaft angesehen werden. In Ruggero Deodatos Film richtet sich dieser Blick hinter dem Vorhang auf die Dokumentarfilmer, die sich als die wahren Wilden des Streifens entpuppen und dem Film damit eine Wende bescheren, die zu schockieren weiß.

Wer geglaubt hat der Streifen ginge bis dahin gnadenlos mit den Sehgewohnheiten des Zuschauers um, der wird das Grauen nun erst so richtig kennenlernen, erkennt er in den Momenten der unübersehbaren Medienkritik doch seine Mitschuld, während er als Voyeur der Geschehnisse sich gar nicht vom Geschehen lösen kann. Welch gerechte Strafe, ein Gedanke der auch die harten Bilder des Streifens legitimiert, die ihm gerne vorgeworfen werden. „Die letzten Kannibalen“ (Alternativtitel) ist kein „Saw“, an dessen Gore-Effekten sich Fans aufzugeilen scheinen. Hier sollen Gore-Effekte das erreichen, was solche Gräueltaten aus gesunder Sicht tatsächlich beim Menschen verursachen sollten: Übelkeit, Unwohlfühlen und ein schlechtes Gewissen noch dazu, weil man sich das Ganze ursprünglich als Freizeitunterhaltung antun wollte.

„Nackt und zerfleischt“ ist ein anklagender, moralischer und kritischer Film. Der deutsche Titel ist reißerischer Natur, aber das passt schon, denn den Vorwurf der Film sei ebenfalls arg reißerisch ausgefallen muss sich Regisseur Deodato gefallen lassen. Spätestens das von Filmpostern bekannte Motiv der gepfählten Frau schießt weit über das Ziel hinaus und erreicht in seiner Übertreibung eine Unglaubwürdigkeit innerhalb einer Thematik in der es zugegebener Maßen schwer fällt objektiv beurteilen zu können was unglaubwürdig ist und was nicht, wenn man fern jeder Kontrolle den Wilden in sich herauslassen könnte.

„Jungle Holocaust“ (Alternativtitel) wird niemanden kalt lassen, egal wie man zu dem Film stehen mag. Er ist eine Extremerfahrung, die selbst Werke wie „Das Experiment“ im Vergleich harmlos erscheinen lassen. Ein harter Magen ist für ein Sichten ebenso Pflicht wie starke Nerven. Und jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er sich ein solches Werk antun kann/muss oder nicht. Wer sich selbst eine Lektion bescheren will und dem Grauen tatsächlich ungeschönt ins Auge blicken will, der sollte diesen Schritt gehen. Zumal man Deodato trotz seiner extremen Umsetzung keinesfalls vorwerfen kann ein schlichtes Billigfilmchen zusammengeschustert zu haben. Aufgrund der Aufsplittung seiner Erzählweise und mit dem späten Zuspielen wichtiger Informationen an den Zuschauer ist „Cannibal Holocaust“ psychologisch clever erzählt und damit wohl durchdacht. Das betrifft im übrigen auch den Soundtrack, dessen wunderschöner Hauptsong sich zärtlich sanft über das abscheuliche Geschehen legt.

Mit dem häufigen Anteil an fiktiven Dokumentarszenen wird „Nackt und zerfleischt“ von manchem Halbrecherchierenden auch gerne als Begründer der Found Footage-Welle bezeichnet, die Ende der 90er Jahre mit „The Blair Witch Project“ populär wurde. Mal ganz davon abgesehen, dass Deodatos Werk nur auszugsweise dieser Gattung Film angehört, gebührt die Ehre der Gründung dieser Filmmethode doch ohnehin in Wirklichkeit Rainer Erler, der bereits 1970 (!!!) mit „Die Delegation“ einen Found Footage-Film drehte, der bis auf ein paar Rahmenkommentare abgesehen, die eine echte Fernsehsendung vorgaukeln sollen, komplett im Doku-Stil gedreht ist - und zwar Dokumaterial zeigend, das angeblich gefunden wurde. Klassischer geht Found Footage wohl kaum.

Was man Deodato zu diesem Thema jedoch zugestehen kann, ist das Umgehen der Fehler eines „Der letzte Exorzismus“, „Diary of the Dead“ und Co. Deodato verzichtet zwar auch nicht darauf die pseudo-authentischen Filmszenen künstlisch zu überarbeiten, z.B. indem sie mit Musik untermalt werden, es werden jedoch Begründungen diesbezüglich in die Geschichte mit eingebaut, womit dieses Vorgehen nicht zum Filmfehler wird. Aufgrund seiner extremen Wirkung würde man dies Deodatos Werk aber sicherlich ohnehin nicht vorwerfen wollen.  OFDb

28.02.2014

SHOCK (1977)

Der vorletzte Film des von Berufs-Kollegen heute noch verehrten Kult-Regisseurs Mario Bava entstand in Zusammenarbeit mit seinem Sohn Lamberto, der für einige Szenen Regie führte und der zusammen mit seinem Freund Dardando Sacchetti das Drehbuch verfasste. Kenner Marios beschreiben „Shock“ durch den großen Einfluss des Sohnes als eher untypischen Film des Meisters, eine Aussage die ich nur bedingt teilen kann, war Bava doch immer wegen seiner tollen Bilder verehrt, und an denen mangelt es hier ebenfalls nicht.

Allerdings ist „Suspense“ (Alternativtitel) für seine Zeit nicht gerade der typische klassische Horrorfilm, auch wenn der eigentliche Aufhänger der Geschichte so klingen mag. „Shock“ guckt sich auch heute noch frisch und anders, und das liegt daran dass der Mix aus Spukgeschichte und geistige Verwirrung, den wir spätestens in Bezug mit sich wunderlich verhaltenden Kindern schon aus „Schloss des Schreckens“ kennen, nicht nur auf wohliger Gruselebene statt findet, sondern spätestens im letzten Drittel auch auf psychotische Terror-Art, in welcher man eine radikale Idee nach der anderen vor die Augen gepfeffert bekommt, und dies so mutig und intelligent inszeniert, dass man selbst als eingefleischter Horror-Fan noch zusammenzuckt.

Die Spezialeffekte sind eher simpler Natur, werden aber in einer maximalen Wirkung eingesetzt und zaubern fantastische Bilder, die dem Grundton des Streifens gerecht werden. Das Drehbuch arbeitet gekonnt mit Fährten, Überraschungen und Verwirrungen, setzt auf psychologische Stimmigkeit und macht von Anfang an kein Geheimnis daraus, dass ab einem gewissen Zeitpunkt mit dem Jungen der Hauptfigur etwas nicht stimmt. Manch einer behauptet das sei Ansichtssache, könnten die Bilder die wir sehen auch einem verwirrten Geist entstanden sein, so wie man beispielsweise auch die Horrorversion von „Pinocchio“ erzählte. Aber sieht man sich die Szenen genauer an, in welchen Sohnemann Böses treibt, dann passt diese Perspektive nicht, und ich bin froh darüber.

Reingelegt aus dem Blickwinkel eines Psychopathen, das klingt so anspruchsvoll, für seine Zeit so pfiffig und neu. Mit den Augen von heute, wo der Kniff so häufig angegangen wird, bin ich jedoch froh dass dies nicht die Wahrheit von „Shock“ ist. Ich finde es geradezu faszinierend an diesem Film, dass hier beide Horrorebenen parallel existieren und nicht die eine durch die andere ersetzt wird. Hauptfigur Dora hat definitiv einen an der Klatsche. Der anfangs verwirrte Verstand arbeitet sich immer mehr Richtung Geisteskrankheit vor. Aber auf eine solch zerbrechliche Person stößt nun wahrer Spuk, Spuk ausgelöst durch das was man als Frau am meisten liebt: das leibliche Kind. Und dieses Zusammenstoßen zweier Haupteckpfeiler von Horrorerzählungen wirkt so gnadenlos, dass man blutige Bilder schon gar nicht mehr benötigt, um einen intensiven Horror-Schocker zu erschaffen.

Dass zudem der wunderbar skurrile Mix aus klassischem Gruselfilm und Terror-Kino so intensiv zu wirken weiß, ist ein weiter Pluspunkt eines Streifens, der es unbedingt verdient hätte mehr Beachtung geschenkt zu bekommen. Innerhalb von Fan-Kreisen zählt „Beyond The Door 2“ (Alternativtitel) zu den beliebtesten Werken Bavas, aber das Massenpublikum wird weder vom Film noch von seinem Regisseur je etwas gehört haben, und das ist schon traurig. „Shock“ bietet großartige visuelle Ideen, ein stimmiges Setting, brauchbare Mimen, ein psychologisch wirksames Drehbuch, Spannungs- und Schockmomente und einen Soundtrack, der das intensive Treiben stimmig begleitet. Wirkt der Sohn Doras zu Beginn noch etwas nervig besetzt, so weiß auch der im Laufe de Zeit zu überzeugen, so dass sogar dieses anfängliche „Manko“ den Reiz des Streifens nicht zu zerstören weiß.

„Shock“ ist in meinen Augen ein Meisterwerk seines Fachs und sollte unbedingt von jedem Cineasten gesehen werden, ist er doch ähnlich wie „Augen ohne Gesicht“ kein Werk welches einzig dem Horror-Fan zu empfehlen ist, durch seine Machart aber ebenso reizvoll für diesen ist. Anspruchsvolle Filmfreunde kommen ebenso auf ihre Kosten wie Stammgäste des Genres. Und dafür braucht man nicht einmal auf den Original-Ton zurück greifen. Auch die deutsche Synchronfassung ist sehr geglückt und zerstört nichts an der phantastischen Wirkung dieses Geheim-Tipps.  OFDb