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25.03.2017

DICK TRACY (1990)

„Dick Tracy“ gehört zu den heftigsten Kino-Flops seiner Zeit. Im Gegensatz zu Werken gleichem Schicksals, so wie „Waterworld“ oder „Howard - Ein tierischer Held“, von denen man im Vorfeld hätte wissen müssen, dass solch ein schundiges Vorhaben nur untergehen kann, hat der von Warren Beatty inszenierte Film sein Schicksal nicht verdient, schafft er es doch tatsächlich den zu Grunde liegenden Comic Fleisch werden zu lassen mittels kunterbunter Kostüme, den am Comic orientierten Masken, überdrehten Kulissen und dem Mut das Abenteuer nicht in die Gegenwart zu transferieren, sondern es wie gehabt in einer alternativen Realität der 20er bis 40er Jahre spielen zu lassen.

Vielleicht ist dies der Grund dafür, warum das Publikum Probleme mit dem Film hatte, vielleicht ist es auch die an „Derrick“ erinnernde zurückhaltende, fast charakterlose Art des Titelhelden. So oder so schaut sich „Dick Tracy“ keineswegs massentauglich, ein Liebhaberstück für ein Randpublikum ist er aber sehr wohl geworden, das hätte man von Produzentenseite aus vielleicht von Anfang an anvisieren sollen, um finanziell nicht derart unterzugehen. Der Stoff, der schon in den 30er, 40er und 50er Jahren mal in Spielfilmform und mal im Seriengewandt umgesetzt wurde und in den 60er Jahren zudem eine Zeichentrickserie erfuhr, ist recht skurril ausgefallen, bietet bis auf seine schrulligen Figuren keine weiteren Humorelemente und steuert ansonsten lediglich eine klassische Kriminalgeschichte gegen eine Mafiaorganisation an.

Es ist nicht nur den Kostümen und Settings zu verdanken, dass der Film trotz dieser gut versteckten, simplen Krimi-Geschichte zu gefallen weiß. Es ist der Mangel an Modernisierung, der „Dick Tracy“ innerhalb dieser Rezeptur so stimmig werden lässt, wird an dem klassischen Gut-Böse-Schema von einst doch nicht herumgeschraubt. Tracy ist loyal, unbestechlich und immer auf der Seite der Guten. Dass er das Gesetz selbst öfter bricht anstatt es lediglich zu dehnen, wird nicht kritisch hinterfragt, dient es doch dem guten Zweck. Ebenso werden männliche Fehltritte von Seiten der Frauen aus verziehen, ohne dass von Männerseite aus Worte der Entschuldigung nötig wären. Willkommen in den 40er Jahren!

Namhafte Stars konnten für das Projekt gewonnen werden. Urgesteine wie James Caan sind ebenso mit an Bord wie aktuelle Stars wie Al Pacino und Dustin Hoffman. Und für die zwielichtige, weibliche, große Nebenrolle konnte Sängerin Madonna gewonnen werden, die erst gar nicht zu schauspielern braucht, ist sie doch mit dabei um zu singen und den Tracy zu verführen, so dass sie quasi das machen muss, womit sie berühmt wurde: sexy sein und Lieder trällern. Letzteres weiß sie gekonnt zu meistern, ersteres haut bei ihrem hübschen Aussehen meistens hin, wirkt manches Mal aber auch zu bemüht und würdelos, billig darauf abzielend Männer könnten den Verführungskünsten dieser Frau nicht widerstehen.

Im Film wird es so dargestellt, als ob es eine Art Superkraft Tracys wäre ihr zu widerstehen, das ist dann aber auch der einzig unfreiwillig komische Aspekt einer Geschichte, die ansonsten abenteuerlich und faszinierend zu verfolgen ist. Wer keine Kinder in solchen Filmen mag, wird Probleme mit „Dick Tracy“ haben, spielt ein Knabe hier doch nicht nur eine größere Rolle, er soll zudem je nach Szene absichtlich nerven, so dass er dieses Ziel sicher auch bei so manchem Zuschauer erreicht. Ich empfand ihn manchmal als grenzwertig, manchmal als bereichernd, ein wirklicher Gewinn für die Geschichte ist der Junge jedoch nicht.

Viel wichtiger hingegen ist jedoch die im Raum schwebende Love Story, da sie der einzige Aspekt ist, der Dick Tracy Leben einhaucht. Erst die Liebe zur Frau macht ihn zum Menschen, wärend er ansonsten der charakterlose, stets zu Diensten agierende Kriminalist ist, der weder Gefühlsregungen, noch persönliche Interessen in seine Arbeit einfließen lässt. Dass die Arbeit sein Leben ist, wird zum Konflikt zwischen ihm und seiner Angebeteten, so dass die klassische Heldentragik, wie wir sie auch aus „Spider-Man“ und Co kennen, Früchte tragen kann. Der bewegendste Moment ist meiner Meinung nach ein stiller, für die meisten Menschen unbedeutender. Selten klang ein „Danke“ so gefühlvoll, ehrlich und bewegend wie in jener Szene, in welcher Tracy es zur Femme Fatale Madonna sagt, kurz nachdem sie ihm einen Hinweis gab wo sich die entführte Geliebte des Polizisten befindet.

Warren Beatty entfacht an vielen Stellen des Filmes ein wahres Actionfeuerwerk, ein Element welches ich in diesem Film gar nicht so stark vertreten vermutet hätte, so klassisch wie hier Krimi und Comic zelebriert werden. Aber es weiß zu wirken, zumal besagte Szenen nicht dominieren und stets den Zweck des Mehrwertes erfüllen, um die Geschichte voran zu treiben. Es mag „Dick Tracy“ der letzte Schliff zum wahrlich großen Filmerlebnis fehlen, aber ein gelungenes Stück andersartige Comicverfilmung ist er definitiv geworden, so dass er damit gerade in heutigen Zeiten ewig wiederkehrender Superhelden in sich ähnelnden Filmen eine Wiederentdeckung wert ist. Im Gegensatz zu manch anderen verkannten Werken ihrer Zeit, ist „Dick Tracy“ leider auch im Nachhinein auf VHS und DVD kein erfolgreicher Geheim-Tipp geworden.  OFDb

19.05.2013

JACK UND JILL (2011)

Jack empfindet seine Zwillingsschwester Jill als äußerst unangenehm. Bei ihrem jährlichen Besuch zum Erntedankfest verkündet sie, dass sie diesmal länger bleibt. Dies wird zur Bewährungsprobe Jacks, die er jedoch durchsteht, da sich Al Pacino für Jill interessiert, den der Werbefachmann gerne für einen Spot gewinnen würde...
 
Der doppelte Sandler...
 
Stars üben sich gerne mal in Doppelrollen, das ist schön und gut und weiß auch meist zu gefallen. Männliche Stars üben sich aber auch gerne mal im Wechsel des Geschlechts, und solche Filme gehen meist nach hinten los. Peter Alexander wirkte bei diesen Versuchen ebenso peinlich wie Robin Williams und Ilja Richter, und diesmal wagt es ausgerechnet Adam Sandler, jener Komiker, dessen Filme man ohnehin schon kritisch beäugt, so unterschiedlich wie sie ausfallen.

Der Mann hat in guten Filmen gespielt, z.B. in „Eine Hochzeit zum Verlieben“, „50 erste Dates“ und „Spiel ohne Regeln“. Gerne sind seine Filme auch Wackelkandidaten, die sich eher anstrengend als belustigend gucken, so wie „Chuck und Larry“, „Die Wutprobe“ und „Leg Dich nicht mit Zohan an“. Leider gehört der gar nicht mal so untalentierte Mann aber auch zu jener Gattung Filmschaffender, die eine hohe Quote an ungenießbaren Stoffen abliefern, so z.B. „Kindsköpfe“, „Mr. Deeds“ und „Billy Madison“. Da darf man schon kritisch werden, wenn jemand mit so unterschiedlich qualitativen Arbeiten eine Frau mimt.

Erschwerend kommt hinzu, dass Sandler-Filme, auch die gelungenen, fast immer an den selben Störfaktoren kranken: der Schmalz und die Moral. Genau Letztgenanntes wird zum Hauptproblem, wird doch diese Moral aus der von Sandler zelebrierten und immer wieder glorifizierten Political Correctness geerntet und ist damit fragwürdiger Natur, was auch in „Jack und Jill“ der Fall ist, und allein im Finale ein überdeutlicher Vertreter dessen ist, was an diesem Weg falsch, bzw. verlogen ist.

Jill ist ein Trampel, hat es aufgrund ihrer Art im Leben immer sehr schwer gehabt, während ihr Bruder Jack bei allen Menschen gut ankam. Allerdings wird Jill in einer Extreme dargestellt, die sie nicht mehr zum reinen Opfer macht. Vieles an ihrer Lage ist selbstverschuldet, bemüht sie sich doch nicht um Bildung und Empathie, kümmert sich nicht einen Hauch um Stil und Körperpflege, kurzum: das kann man nicht alles gut heißen, wenn kein Wille zur Besserung vorhanden ist.

Den von der Arbeitswelt gestressten und zu Recht von Jill genervten Jack stellt man als reizbaren Egoisten dar, der er sicherlich auch ist, nur dass seine negativen Seiten als schlecht angesehen werden und kuriert werden müssen, wohingegen Jill nach politisch korrektem Sandler-Konzept bleiben darf wie sie ist, denn Nettigkeit ersetzt ja jedes Makel. Ihre Form von Egoismus darf erhalten bleiben, Jack muss sich wandeln, und so sind am Ende des Films alle glücklich, alle außer jene Zuschauer, die ein Sozialempfinden und ein Verständnis für Psychologie haben. Die dürfen sich zurecht verarscht vorkommen und grübeln welch zweifelhafte Richtung im amerikanischen Kino propagiert wird.

Und mittendrin erleben wir Al Pacino in einem Film, der weit unter seiner Würde ist. Aber Al ist es auch der dem Werk die nötige Note beschert um wenigstens nicht genervt frühzeitig auszuschalten. Zwar ist seine Zuneigung zu Jill nicht gerade glaubwürdig herausgearbeitet, aber die Art und Weise mit welcher er sich als selbstverliebter Star selbst verarscht hat schon seine guten Momente. Zu denen zählen im übrigen auch der finale Werbespot, der Al absichtlich von einer völlig würdelosen Seite zeigt und nach Ende der Reklame in einem guten Schluss-Gag mündet.

Auch Sandler ist nicht völlig fehl am Platz. Seine Rolle als Jack kennen wir zu genüge aus „Klick“ und Co, aber seine Jill hat einige wenige überraschend geglückte Momente. Davon hätte es mehr gegeben, wenn der Film nicht so penetrant Jill-fixiert wäre und das Drehbuch mehr gelungene Gags um sie herumwehen lassen würde. Aber wirksame Witze kann man in „Jack und Jill“ ohnehin an einer Hand abzählen. Zu den gelungenen zählt definitiv die Suche nach einem geeigneten Kleid, wenn Jack seine Schwester imitieren muss.

Sandler-Fans, die alles fressen und nicht verstehen was an seiner ewig gepredigten Moral falsch sein soll, werden sicherlich bestens unterhalten. Und ein wirklicher Rohrkrepierer ist der Film auch nicht geworden. Aber um zu gefallen ist „Jack und Jill“ einfach zu anstrengend ausgefallen. Mit Blick auf den Hausregisseur Sandlers, Dennis Dugan, braucht das jedoch nicht mehr verwundern. Außer „Happy Gilmore“ hat er noch keinen einzigen kompromisslos unterhaltsamen Film abgeliefert, zumindest keinen den ich kenne.  OFDb