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23.11.2019

THE DEAD DON'T DIE (2019)

Wenn man hört, dass sich Jim Jarmusch, seines Zeichens eher im Gebiet des Arthouse unterwegs, an einen Zombiefilm versucht, dann wird man neugierig, fragt man sich doch was wer Geistreiches wie er, der gern zu stiller Komik greift, dem überlaufenen Sub-Genre Neues bieten kann, ist es doch ohnehin häufig Zielobjekt motivierter Autoren und Regisseure und somit nicht arm an Gesellschaftskritik und kreativen Variationen. Nach dem Vampirfilm "Only Lovers Left Alive" sind also nun die Zombies dran. Jarmuschs anderen Versuch aus dem Horrorbereich kenne ich nicht, ich kenne ohnehin bislang nur "Broken Flowers" und "Down By Law", die mir beide gut gefallen haben, stelle aber bereits anhand mit Kenntnis dieser fest, dass "The Dead Don't Die" etwas zu bemüht, wenn nicht sogar zu bequem, den typisch reduzierten Stil des Regisseurs verwendet. Die hier gezeigten Geschehnisse sind derart zurückgeschraubt worden, dass der Film weit gehaltloser daher kommt, als man es zuvor vermutet hätte. Pseudo-subtil wird alles mit dem Holzhammer präsentiert, jegliche Gelassenheit der Protagonisten, jedes Augenzwinkern, jedes Verbeugen vor den Vorbildern, jedes Andersseinwollen als der Mainstream. Das kommt alles derart verkrampft gekünstelt daher, dass man geradezu erschlagen wird von der Passivität, die der Streifen ausstrahlt.

Zunächst genießt man den ruhigen Stil noch, sowie die Anspielungen an Ignoranzen unserer Zeit. Im Laufe der Zeit bemerkt man jedoch, dass Jarmusch auf nichts weiter hinaus will, nichts versteckt oder offen thematisiert, was nicht längst schon einige andere Zombiefilme verarbeiteten. Da es an subtilem Humor ruhig noch einige Schippen mehr hätte geben können, verkommt das trostlose Treiben somit recht schnell zu Langeweile, anstatt zu einer Herausforderung des Publikums an einen mainstream-feindlichen, alternativen  Erzählstil, der einem zeigt zu was Kino sonst noch in der Lage ist. Metaebene durchbrechende Witzigkeiten fügen sich nicht dem Rest, die Geschichte läuft auf ihr vorhersehbares Ende hinaus, Bill Murray spielt mit halber Backe, und tolle Ideen, wie wiederkehrende Wortspiele, kann man an einer Hand abzählen. Der Witzversuch mit dem immergleichen Song, auf den man überall trifft, will nicht bis zum Schluss funktionieren, und dem Zombie-Genre an sich bietet "The Dead Don't Die" nichts, was es nicht schon zuvor gegeben hätte, sei es im humoristischen, als auch im Horrorbereich. Das ist schon schade, zumal Jarmusch endlich mal wieder Untote dem Erdboden entsteigen lässt, eine Zutat, die mittlerweile all zu selten die Zombiefilme heimsucht. Manch schöne Aufnahmen wie diese wissen kurzfristig zu versöhnen, ebenso das Verwenden der schleichenden Gattung Zombie, insgesamt gibt es jedoch nichts Positives zu berichten, was den kompletten Film halbwegs gerettet bekommt. Man weiß was Jarmusch will, man weiß was er ansonsten abliefert, letztendlich bekommt man jedoch das Gefühl, der Regisseur habe zwanghaft im gewohnten Stil gearbeitet, so als sei es seine Pflicht sein Stammpublikum auf diese Art zu bedienen. Was bei "Down By Law" frisch und entspannt jenseits dem Mainstream funktionierte, wirkt hier nur dröge und gewollt. Mit solch einem mauen Ergebnis habe ich so gar nicht gerechnet.  OFDb

14.10.2018

LETHAL WEAPON 4 (1998)

Neben dem ersten Teil dürfte "Lethal Weapon 4" wohl der kultigste Beitrag der Reihe sein, wenn auch der umstrittenste. Der Komödienpart rutscht noch ein wenig mehr in den Vordergrund als ohnehin schon, und der düstere Aspekt ums familiäre Umfeld herum wird weit optimistischer gezeichnet und mit dem versöhnlichen Schluss endgültig aufgehoben. Das in Teil 3 bereits zu erkennende anderweitige Familiengefühl einer alle Jahre wieder zusammen kommenden Filmcrew, wird in direktem Zusammenhang damit zu diesem Zeitpunkt zu seinem Höhepunkt geführt. Das schmeckte nicht jedem, das war für manch einen zu viel privates Getue, dabei verzichtet der Streifen im Gegenzug nicht auf seine Brutalitäten, die er in Teil 3 so gut wie ausgeblendet hat. Das ist auf der einen Seite eine Versöhnung mit dem dort enttäuschten Publikum, als Spagatversuch es auf der anderen Seite gleichzeitig jenem Publikum recht machen zu wollen, welches wie ich die Handschrift des dritten Teiles mochte.

Sicherlich ist dies einer der Gründe, warum Teil 4 trotz aller Sympathie nicht ganz so gut funktioniert, wie er hätte können. Man will es allen recht machen, man möchte wieder alle liebgewonnenen Figuren unter einen Hut bringen und gleichzeitig neue Kultfiguren schaffen. Mit anderen Worten: der Schritt zurück, den Teil 3 so lobenswert selbst in seinem Finale präsentierte, wird wieder über Bord geworfen für das große Mehr. Mehr Action, mehr Gewalt, mehr Gags, mehr Figuren, mehr Tammtamm. Überall muss noch inmittem großen Trubels irgend eine Lücke gefüllt werden, um mehr zu bieten, und so schaut sich "Lethal Weapon 4" ein wenig überfrachtet, wenn diesbezüglich auch eine Menge geglückter Momente erntend. Die Lachgasszene, die Pseudohochzeit mit dem Rabbie, die Funknetztelefondiskussion, der gefangene Hai, das alles sind Ideen welche die Geschichte theoretisch gesehen unnötig strecken, aber unglaublich zu gefallen wissen.

Ohne, wie für seine Entstehungszeit üblich, politisch korrekt daher zu kommen begradigt Teil 4 zudem so manches Unschöne aus den Vorgängern. Zu Herzen geht die Versöhnung mit dem stets gepeinigten Leo Getz, sinnloser Wandalismus ersetzt den sonst zu übertriebenen Sadismus der Helden, und der sonst so fremdenfeindliche Aspekt der "Lethal Weapon"-Mentalität bietet diesmal zumindest in Form der Familie Honk einen sympathischen Gegenpart, so dass die Asiaten nicht einzig dem Feindbild dienen. Sicher, in Teil 4 ist manches zu gewollt angegangen, so unverkrampft wie die Teile 1 und 3 schaut er sich nicht, und auch der späte 90er Jahre Farbfilter hinterlässt nicht mehr den klassischen Eindruck der Reihe, den er bis zur zweiten Fortsetzung beibehielt. Aber letztendlich ist "Lethal Weapon 4 - Zwei Profis räumen auf" (Alternativtitel) eine unterhaltsame Party für Fans der Reihe, für große Kinder, also für das Stammpublikum, und da geht es schon in Ordnung, dass die Verantwortlichen des Streifens zu viel wollten. 

Die guten Aspekte dominieren, und Jet Li mit seiner beeindruckenden Kampfkunst als interessanter und wahrhaft bedrohlicher Gegner mit an Bord zu haben ist auch alles andere als ein Nachteil. Seine Kämpfe kann man als eine Entschuldigung für den Straßenköterkampf Rene Russos aus Teil 3 empfinden, der dort unverschämter Weise mit einer asiatischen Kampfkunstart betitelt wurde. Eine kurze Kampfsequenz mit Russo (erneut mit zu vielen Schnitten anstatt gekonnter Choreographie versehen) revidiert diesen positiven Eindruck ein wenig, und dieser unschöne Moment ist gleichzeitig der einzig beeindruckende Auftritt der in Teil 3 noch so gleichrangig emanzipiert aufgetretenen Frau. Im hier besprochenen Werk muss Russo dem ewig glattgebügelten, überholten Klischee-Familienbild der Amis treu bleiben, was dann auch der schwerwiegendste Kritikpunkt eines Filmes ist, der an so einigen Schwächen krankt. Trotzdem ist es schön zu sehen dass an so ziemlich jeder anderen Stelle die Charaktere inmitten einer explosiven, actionreichen Geschichte den Autoren wichtig bleiben, was spätestens dadurch bestens bewiesen wird, dass mancher zwischenmenschliche Höhepunkt des Streifens in der angenehm langen Phase nach dem Finalkampf stattfindet. Aber auch hier wird es wieder Tunnelblick-Zuschauer geben, die in ihrer Gier nach Quantitäten über solche Pluspunkte lediglich zu schimpfen wissen, ich hingegen bin dankbar dafür, dass die Autoren sich hierfür die nötige Zeit genehmigt haben.  OFDb

LETHAL WEAPON 3 (1992)

Erneut kommt ein Großteil der Crew der Vorgänger vor und hinter der Kamera zusammen, bis hin zu kleinsten Rollen wie der kultigen Polizeipsychiaterin oder dem Handwerker, dem wir in Teil 2 die Nagelpistole zu verdanken haben, so dass sich bei Liebhabern der Reihe ein gewisses familiäres Flair bemerkbar macht, welches über den unter Fans umstrittenen familiären Aspekt rund um Familie Murtaugh weit hinaus geht. Dieses Flair sorgt dafür, dass man wohlwollender mit dem Ergebnis umgeht und mit ihm nicht zu hart ins Gericht geht. Aber das muss man meiner Meinung nach ohnehin nicht, überraschte mich der dritte Teil der Reihe bei meiner x-ten Sichtung nach einer langen Pause doch geradezu positiv, was gerade deshalb erstaunt, weil ich ihn stets als zwar unterhaltsamen, aber dennoch schwächsten Teil der Komplettreihe wahrgenommen habe.

Das sehe ich heute anders, guckt er sich doch bei weitem nicht so bemüht auf locker getrimmt wie sein Vorgänger, der ebenfalls bereits den komödiantischen Aspekt mehr ins Zentrum rückte, wie es nun erneut der dritte Teil tut. "Lethal Weapon 3 - Die Profis sind zurück" (Alternativtitel) kommt wesentlich entspannter daher, eben weil er keinen all zu hohen Anspruch an sich selber stellt. Der Film soll einzig unterhalten, sucht keinen Schwanzvergleich mehr darin das Action-Genre neu erfinden zu wollen und übertrumpft mit dieser banaleren Haltung das zu gewollte erste Sequel. Manchmal ist weniger einfach mehr, und da die fragwürdige Mentalität des Vorgängers wieder auf den klassischen Standard einer US-Actionfilmmentalität heruntergeschraubt wurde, ebenso wie der Grad der vorhandenen Idiotie, kann man dem munteren Treiben der nicht gerade korrekt handelnden Helden wesentlich gelassener folgen, da man sich nicht stets moralisch herausgefordert fühlt. Ohnehin hat sich seit Teil 1 so einiges verändert, immerhin war es im Erstling Riggs, der aufgrund seines aggressiven, an "Dirty Harry" orientierten, Auftretens zu provozieren wusste. In Teil 3 angekommen sind dessen Methoden bei der Polizei üblich geworden, was den comic-artigen Touch der Chose zu unterstützen weiß. Murtaugh scheut keine trockenen Oneliner nach der ein oder anderen blutrünstigen Tat, der Chef des Departments macht vor lässigen Sprüchen und gewalttätigen Methoden nicht Halt, und auch die Dame für die inneren Angelegenheiten bei der Polizei ist eine gewaltbereite Bitch.

Das muss sie auch sein, immerhin wird sie zum Love Interest für Riggs, und so wie charakterisiert passt sie auch wesentlich besser zu dem Sturschädel als das unpersönliche Püppchen aus dem Vorgänger und weiß die bisherige Crew passend und tatkräftig, da ebenbürtig zu ergänzen. Allgemein besitzt die zweite Fortsetzung ein treffsicheren Charme, der den eigentlich banalen Film besser funktionieren lässt, als den bemüht nach Anspruch hinterher hechelnden Vorgänger. Das Zwischenmenschliche funktioniert besser, treffsicherer Humor und Ernst vereinen sich gekonnter, Leo Getz wird angenehmer eingebracht, die Love Story funktioniert als Teil der hier gelebten Mentalität ohne die Geschichte zu dominieren, und selbst der dramatische Aspekt, diesmal Murtaugh betreffend, greift intensiver, freilich ebenfalls ohne zu dominieren. Da das Ganze zudem von Anfang an rund erzählt ist, sich genügend Atempausen gönnt ohne das flotte Treiben auszubremsen und auch in schrilleren Momenten noch immer die sympathische Tonlage trifft, ist "Brennpunkt L.A. - Die Profis sind zurück" (Alternativtitel) eine kunterbunte Action-Wundertüte, voll von Running Gags, Insidern, Action, Menschlichkeit und guter Laune geworden, das Action-Genre ernst genug nehmend um nicht einzig zur Komödie zu verkommen, die Pseudo-Ernsthaftigkeit von Teil 2 jedoch über Bord werfend, um entspannter als Actionfilm funktionieren zu können.  OFDb

LETHAL WEAPON 2 - BRENNPUNKT L.A. (1989)

Bereits meine erneute Sichtung des ersten "Lethal Weapon" erwies sich als ein überraschendes Erwachen, fiel er doch weit schlichter aus als von mir erwartet, da er zu sehr in pubertierenden Sehgewohnheiten feststeckte. Während dort jedoch noch die Charakterzeichnung der beiden Hauptfiguren auf Actionfilm-Niveau psychologisch gesehen Sinn ergab, so wird "Lethal Weapon 2" diesbezüglich erst recht ein Großer-Jungs-Film, denn nun sind auch die Charakterzeichnungen und Beweggründe der Helden nur noch infantiles Getue, wie man es aus dem Kindergarten kennt. Da wird grundlos absichtlich verletzt, es herrscht keine Achtung und Wertschätzung vor dem Besitz anderer, Wahrheiten werden der eigenen Mentalität angepasst, es wird gebockt, man versucht dem Gegner mit Verfolgerspielchen Angst zu machen, Regeln und Gesetze werden ignoriert, gebrochen und verdreht, wie gesagt: das ist alles höchst kindisch.

Vorgewarnt durch Teil 1 hatte ich keine hohen Erwartungen mehr an "Brennpunkt L.A." (Alternativtitel), zumal ich schon bei der letzten Sichtung vor geschätzten 10 Jahren bemerkte, dass die Fortsetzung, im Gegensatz zu dem wie ich es ganz früher empfand, schwächer ausgefallen ist als das Erstling. Zwar wird quantitativ einiges gepuscht, so ist allein der Actiongehalt gegenüber dem Vorgänger enorm gestiegen, aber derartiges ersetzt freilich nicht Qualität. Weiß man aber, dass man sich mit "Lethal Weapon 2" (Originaltitel) auf geistlose Kurzweile einlässt, dann geht das Rezept sehr wohl auf. Freilich darf man nichts hinterfragen, weder was die unsinnigen Rachemethoden der Bösewichter sollen, noch warum sie ein Auto in ihrem Geldcontainer parken, oder ähnliches. Zwar ist die von Richard Donner selbst inszenierte Fortsetzung seines Erfolgsfilmes bei weitem nicht so dümmlich ausgefallen wie ein "Phantom Kommando", aber erstaunt war ich schon wie viel Idiotie ich bei meinen bisherigen Sichtungen kaum bemerkte, ohne dass es Punkte wären, die aufgrund der Inszenierung oder des enorm gewachsenen Humoranteils gegenüber zu Teil 1 zu erklären wären.

Wie auch immer, Spaß hat's auch nach all den Jahren wieder gemacht. Mit einer Verfolgungsjagd, die in anderen Filmen der Showdown gewesen wäre, startet man zu Beginn durch, so dass man schnell den Einstieg ins Geschehen findet, vor und hinter der Kamera blieb das Team großteils das selbe, und ein gut aufgelegter Joe Pesci weiß das bisherige Team gut zu ergänzen. Die Theatralik rund um den Frauenverlust Riggs wirkt zu aufgesetzt, um tatsächlich an den leichten Dramengehalt des Vorgängers anknüpfen zu können, aber da Rika van den Haas ohnehin eher wie ein Püppchen, als wie eine echte, atmende Frau wirkt und über keinerlei Charakter verfügt, ist das ohnehin egal. Außerdem steht der Action diesmal wie bereits erwähnt der Humor verstärkt zur Seite, so dass die Dramaturgie sich ruhigen Gewissens einzig auf die Rachementalität harter Männer stützen kann, was im Finale, wenn wahrlich der Krieg tobt, dann auch besser funktioniert als zunächst erwartet. Mag dem allen auch ein fragwürdig ethisch verdrehtes, selbstgerechtes Denken vorausgehen, akzeptiert man einmal dass die Helden keinesfalls die Sympathiefiguren sind, für die ihre Schöpfer sie halten, funktioniert die unkorrekte Story um so besser. Wie man das wilde und unterhaltsame Treiben von seiner Rechtfertigung her jedoch ernst nehmen kann, ist mir ein Rätsel, so verlogen wie sich der Film diesbezüglich guckt.  OFDb

16.07.2017

LETHAL WEAPON (1987)

In jungen Jahren liebte ich die „Lethal Weapon“-Reihe, mochte die zwei Fortsetzungen gar noch mehr als das Original und liebte die dritte Fortsetzung, die überraschend verspätet nachgerückt wurde, als man sich gerade an den Gedanken einer Trilogie gewöhnt hatte. Teil 4 war in seiner ausgeflippten Art der Höhepunkt mit seinen enormen Übertreibungen und seinem Hauptaugenmerk auf den Humorgehalt. Erst Jahre später entdeckte ich erwachsener geworden die Stärken des Erstlings, der als einziger Teil die wirklich entscheidende Dosierung zwischen Komödie und Action bot und psychologisch gesehen weit weniger dümmlich daher kam, als die Party-tauglicheren Fortsetzungen, die sich keine Gedanken mehr zum Thema Gewaltbereitschaft machten. Nicht falsch verstehen, auch die mochte ich mit kleinen Abzügen immer noch, aber an die Qualität des Erstlings kamen sie nicht heran.

Nun sind wieder viele Jahre vergangen und eine erneute Sichtung machte mir nach Jahren der Bewunderung bewusst, wie extrem „Zwei stahlharte Profis“ (Alternativtitel) ein Großer Jungs-Film ist. Noch immer versprüht der Streifen seine Sympathie, einzelne Szenen sind so toll geschrieben, dass sie einem nie aus dem Gedächtnis verloren gehen würden (der Sprung mit dem Selbstmörder, Murtaughs Test ob Riggs wirklich selbstmordgefährdet ist, uvm), aber wirklich einfühlen konnte ich mich nicht mehr ins Geschehen, dafür war es mir zu sehr im Action-Kino angesiedelt und zu weit entfernt von der Realität. Nun will der Streifen diesbezüglich nichts anderes sein, aber der fein dosierte, teilweise subtile, Humor, der ihn vor den meisten Peinlichkeiten bewahrt, indem er Distanz zu seinem Große Jungs-Getue aufbaut, rettet ihn mit Blick von heute nicht mehr so gut wie einst. Bereits in diesem bodenständigerem Teil 1 sind die Protagonisten Comicfiguren, und aus irgendeinem Grund will das bei mir nicht (mehr) so gut funktionieren wie es heutzutage noch ein „Stirb langsam“ oder „True Romance“ schafft.

Die Geschichte entblättert sich zwar erst nach und nach, weiß aber definitiv nicht mehr derart zu gefallen wie einst, zu reißerisch ist ihr Hintergrund, zu unsinnig gehen die Hintermänner vor, zu extrem ist der Schwanzvergleich auf guter wie auf böser Seite. Wirklich peinlich wird es nur einmal, das ist jene Szene am Schluss, in welcher sich Riggs fern jedwegen Nachempfindens mit einem der Hauptgegner auf Murtaughs Rasen prügelt, ansonsten bekommt „Lethal Weapon“ immer rechtzeitig den Bogen, nie so gut funktionierend wie damals, aber doch noch immer unterhaltsam ausgefallen.

Richard Donners Werk weiß immer dann am besten zu gefallen, wenn die zwischenmenschlichen Situationen stattfinden. Da mag es in vielen Szenen ordentlich knallen, Verfolgungsjagden finden statt und böse Jungs werden erschossen (Riggs darf diesbezüglich fast die Position eines Superhelden einnehmen, ohne dessen überragenden Fähigkeiten die völlig übertriebene Geschichte überhaupt nicht funktionieren würde), aber all die Schauwerte erreichen nicht die Qualität eines Blickes in Murtaughs naiv optimistisches Gesicht, wenn er Riggs fragt, ob ihm das Essen seiner Frau tatsächlich geschmeckt habe. Auch die familiären Szenen als Gegenpol zu Riggs tristem Witwerdasein wissen in ihrer Warmherzigkeit zu gefallen, auch wenn sie so realitätsfern, da aufgesetzt, wirken, wie der Rest vom Film.

Somit ist es eher die Herzlichkeit und das Miteinander der beiden Hauptfiguren inmitten von Gewaltbereitschaft, was „Lethal Weapon“ noch immer genießbar erscheinen lässt, während seine Optik (ob nun Frisuren, oder die blaue Schrift im Vorspann) und die Saxophonuntermalung auf lächerliche Art in den 80er Jahren baden, dem einzigen Jahrzehnt, in welchem ein Actionfilm so ausfallen konnte wie hier. Die Bedrohung von Gegnern des 70er Jahre Kinos ist längst nicht mehr zu spüren. „Lethal Weapon“ ist trotz vieler einfallsreicher Szenen Formelkino, genauestens auf die Sehgewohnheiten des Publikums abgestimmt und durchkalkuliert, und eben jenes wollte seiner Zeit nichts sehen was sich echt anfühlt. Dementsprechend distanziert guckt sich Donners humoristisch gehaltene Gewaltorgie heute, ohne dabei den ernsten Ur-Beiträgen a la „Dirty Harry“ und Co, auf welche er sich im Gewaltbereich stützt, das Wasser reichen zu können.  OFDb

08.11.2012

PREDATOR 2 (1990)

In L.A. tobt seit längerem ein Straßenkrieg rivalisierender Banden. Um so erstaunter ist Lieutenant Mike Harrigan als im jüngsten, sehr brutalen Vorfall jemand Drittes mitzumischen scheint. Das Einmischen des FBI ignoriert er gegen alle Vorschriften, erst recht als der unbekannte Dritte auch noch Harrigans Team dezimiert. Ein Kontakt mit dem ursprünglichen Feind, dem Kopf einer Straßengang, bringt lediglich hervor, dass man dort an die Macht des Teufels glaubt. Eine heißere Spur scheint da eher der Team-Leiter des FBI zu sein, der mehr zu wissen scheint, als es den Eindruck macht...

Der Dschungel L.A. ...
 
Es dauerte gerade mal 3 Jahre bis nach dem großen Erfolg des Science Fiction-Action-Krachers „Predator“ eine Fortsetzung auf der Leinwand erschien. Nach Sichten dieser wundert es gar nicht, dass es danach bis „Alien vs. Predator“ dauern sollte, bis der Fan seine heißgeliebte Kreatur erst wieder im Kino erleben durfte, und dies nicht einmal in einer richtigen Fortsetzung. Auf diese musste er gar bis 2010 warten.

Um es kurz zu sagen: „Predator 2" enttäuscht, springt schnell auf den Erfolg des Vorgängers auf ohne selbst auch nur halbwegs innovativ zu wirken. Teil 2 gibt keinen neuen Stil vor oder bietet dem Genre etwas anderweitig Neues. Im Gegenteil, er badet mitten im Popkorn-Kino der 80er Jahre, und biedert sich dabei dem an, was seinerzeit in war, was sich deutlich in der völlig unsinnig überzeichneten, ewig plappernden Figur des Neuen in Harrigans Team zeigt, der zu keiner Zeit zu wirken weiß und heutzutage mit Sicherheit mit einem Quotenschwarzen besetzt würde.

Solch negative Figurenzeichnung beginnt allerdings bereits bei der Hauptfigur, verkörpert von Danny Glover, der in der „Lethal Weapon“-Reihe, bei den „Royal Tenenbaums“ und in vielen anderen Filmen zu überzeugen wusste. Hier ist er fehlbesetzt, sieht er doch mit seinem Dackelblick viel zu harmlos aus, um den vor Klischees nur so triefenden harten Cop zu mimen, dessen Krieg gegen das FBI ganz am Anfang überhaupt keinen Sinn macht, und dessen Willkommensansprache für den Neuen heute wohl nur noch in einer Genre-Parodie Platz finden würde, so peinlich wie diese ist.

Harrigans Team ist recht klein, und da recht früh einer von diesen stirbt, bleibt nur noch die Frauenrolle zu erwähnen, um die Liste zu vervollständigen. Vielleicht liebäugelte man mit der Figur der Ripley aus „Alien“, was nicht wundern würde, so oft wie beide Filmreihen im Zusammenhang genannt werden, und dies schon lange vor „Alien vs. Predator“. War Ripley jedoch eine emanzipierte Frau, so ist das harte Weib dieses Films eher eine Kampf-Emanze, die das Publikum schon einmal auf das vorbereitet, was mit „Die Akte Jane“ seinen peinlichen Höhepunkt erreichen sollte. Ein harter, weiblicher Cop darf dem mit Worten aufdringlich werdenden Anbaggerer gerne mal die Eier umdrehen, und wird mit dieser Tat auch noch inmitten von Polizei-Proleten als Frau der Tat gefeiert.

Was bleibt um den Film mit solchen Grund-Charakteren zu retten ist die Geschichte. Aber die wäre nur dann reizvoll, wenn die Identität des Gegners ein Geheimnis wäre, welches der Streifen erst im Laufe seiner Spielzeit enträtselt und das Publikum dabei so unwissend wie den Held sein lässt. Leider ist „Predator 2" aber nun mal eine Fortsetzung, und deshalb wissen wir womit wir es zu tun haben. So bleibt die eigentliche Geschichte recht flach, wird aber von dem oben erwähnten Problem gnadenlos runtergedrückt. Und dort erwähnte ich nur die Helden. Dass der dort nicht genannte FBI-Frontmann besetzt und verkörpert wurde wie der asozialste Klischee-Nazi, hilft der dünnen Story auch nicht auf die Beine, ganz im Gegenteil.

Reizte an „Crocodile Dundee“ das Spiel mit dem Versetzen von dem was man aus dem Dschungel kennt in die Großstadt, und wusste auch „Kinder des Zorns 3“ mit einem relativ ähnlichen Ortswechsel zu trumpfen, so ist das Plus dieser Idee in der Fortsetzung von „Predator“ nicht ganz so effektiv. Dabei ist die Einleitung recht geglückt, die mit einer Kamerafahrt vom vermeintlichen Dschungel auf das Stadtbild von L.A. schwenkt.

Der Schauplatzwechsel wird von Regisseur Stephen Hopkins, von dem mir bislang nur „Der Geist und die Dunkelheit“ gefallen hat, jedoch nur genutzt, um im überzogenen, da in der Zukunft spielenden, Bandenkrieg-Szenario in Gewalttätigkeiten zu baden. Die Action ist immens hoch, da gibt es nichts zu meckern. Die Bilder sind blutig und hart. „Predator 2" ist entgegen des Trends seiner Zeit weit weg vom familientauglichen Film. Er soll ein Werk für Erwachsene sein.

Dass es auch hart und actionreich zu einem gelungenen Kinoergebnis kommen kann, bewies der im selben Jahr von Teil 1 erschienende „RoboCop“. Bei dem verlor man jedoch die Gesellschaftskritik, und somit einen Hauch Geist, nicht aus dem Auge. „Predator 2" suhlt sich jedoch nur hirnlos in Klischees und harten Bildern und ruht sich auf den Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad seines Vorgängers aus. Er präsentiert im Vergleich zu Teil 1 den sehr beliebten Außerirdischen recht häufig, und dieser ist auch gut gestaltet. Im Bereich der Spezialeffekte und Kreaturgestaltung gibt es ohnehin keinen Grund zu klagen. Dies sind die Aspekte, die den Verantwortlichen der Fortsetzung dann auch einzig wichtig waren. Sie sind es, die den Film immerhin noch in die schwache Mittelmäßigkeit katapultieren, einen Bereich in dem heute die meisten DVD-Massenproduktionen selbigen Genres baden.

Wenigstens der Schluss, der an dieser Stelle für die wenigen die den Film noch nicht kennen, nicht verraten werden soll, weiß zu gefallen und beweist, dass man damals, selbst bei einem so schwachen Werk wie „Predator 2" noch wusste, wie man eine fremde Kultur eigenständig wirken lässt und das wenige, was man über die Aliens weiß, in einem Sequel nicht über Bord warf, sondern im Gegenteil, das geringe Wissen glaubhaft erweitert, ohne dabei den Reiz des Unbekannten, das Mysterium einer fremden Spezies und seiner Art zu leben, kaputt zu machen. Ein schwacher Trost!  OFDb