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26.01.2020

SPIDER-MAN 3 (2007)

Die symbiotisch wundervoll zusammen passenden Filme "Spider-Man" und "Spider-Man 2" erhalten im Abschluss der Trilogie leider nicht selbigen Zusammenhalt vom letzten Teil der Gesamtgeschichte, kommt dieser trotz gleicher Besetzung und Crew doch recht anders daher. Interessierten sich die Vorgänger überraschend eindringlich für die Psychologie der Figuren und deren Leiden, so wird bei "Spider-Man 3" hauptsächlich auf den Kampf gegen Superschurken geachtet, von denen es gleich drei an der Zahl gibt. Das überfrachtet den Film leider, da er stets darum bemüht ist, jeglichen Hintergrund der jeweiligen Figuren gerecht zu werden. In einem 3-Stunden-Film hätte das vielleicht sogar funktioniert, aber auf 130 Minuten kommen durch diese Hintergrund-Hatz der Tiefgang der eigentlichen Hauptfiguren zu kurz, die man, im Versuch die Situation zu retten, charakterlich zu sehr veränderte. Peter ist ein vom Erfolg geblendeter Egomane geworden, noch bevor er vom Alienparasit befallen wird, was aufgrund mangelnder Heranführung an diesen Charakterstatus unglaubwürdig wirkt. Und so selbstbezogen Mary Jane auch immer charakterisiert war, die Egonummer, die sie hier in der Vorgeschichte zum Besten gibt, ist kaum zu ertragen.

Freilich kommen trotz gegenteiliger Bemühung auch die Superschurken zu kurz. Die meiste Laufzeit nimmt dabei ausgerechnet der Sandmann ein, dem man einen tragischen Hintergrund wie einst Doktor Oktopus beschert, leider, wie bei den Hauptfiguren, jedoch ohne psychologische Stimmigkeit zu beachten. Das Leiden des Sandmanns ist plakativer, oberflächlicher Art, gebadet in den Klischees die zum Spider-Man-Universum dazu gehören. Der krampfhafte Versuch einer CGI-Kreatur eine tragische Mimik untermalt von theatralischem Hintergrund-Sound zu bescheren, wird zu einer der unangenehmsten Szenen in einem Film, der nur noch mit dem Holzhammer daher kommt, anstatt so sanft und leichtfüßig wie die beiden Vorgänger. Es ist das Glück des Streifens, dass er sich in seinen Actionszenen gelungen guckt, womit genau das zum rettenden Element wird, was in den Vorgängern fast schon Nebensache war. Das macht das Ergebnis nicht gleichwertig gelungen, da vieles zu gewollt daher kommt, inklusive der Phase, in welcher Peter billig frisiert zum Egomanen wird, macht aus dem Film aber zumindest eine unterhaltsame Sache, weit unter dem Niveau der Vorgänger.

Erst gegen Ende bekommt "Spider-Man 3" jene Chemie zurück, welche auch die Teile 1 und 2 trotz aller Klischees und Stereotype zu solch wundervollem Popkorn-Kino machte. Hier dürfen nun wieder die Gefühle überbrodeln, und Schicksale ereilen die Hauptfiguren, die durch diese geprägt nun endgültig ins Erwachsenenleben wechseln. Das toll anzusehende Action-Szenario des Finales macht nun verspätet deutlich, warum es wichtig war Spider-Man derartig viele Gegner um die Ohren zu hauen, was ein weiterer Bestandteil dafür ist, dass man aufgrund der letzten halben Stunde so versöhnlich mit einem Film abschließt, der eigentlich viel zu vieles falsch macht. Aber auch diese bessere Phase des Streifens lässt nicht über den Fehler hinweg sehen, dass die Figur des Venom, die zu den interessantesten der Comicvorlage zählt, eine derart geringe Beachtung erhielt, ausgerechnet jene Figur, über deren Präsenz in Filmform sich jeder Fan im Vorfeld gefreut hat. Es sollte 11 Jahre dauern, bis dem Comicfreund mit "Venom" ein würdiger Film vorgesetzt wurde, jedoch frei von der Figur des Spider-Man erzählt.

Dessen Teil 3 ist eine wackelige Angelegenheit, die wie ein Fremdkörper in der eigenen Trilogie wirkt. Ob man trotz aller Schwächen aufgrund der funktionierenden Elemente wohlgesonnen wie ich auf das Werk blickt, oder komplett enttäuscht, hängt wahrscheinlich von den Erwartungen ab und davon, ob man sich für das oberflächliche Tamtam interessieren kann, welches hauptsächlich von funktionierender Action und guten Spezialeffekten lebt. Interessanter Weise ist "Spider-Man 3" genau wegen dieser Haupteckpfeiler eher dem heutigen Marvel-Fan zu empfehlen, der sich lieber an Schauwerten ergötzt, anstatt an einer erzählenswerten Geschichte, als den Bewunderern der ersten beiden "Spider-Man"-Teile. Es ist schon schade, dass man diesen außen vor ließ, um sich einem anderen Publikum anzubiedern.  OFDb

28.02.2017

PREDATORS (2010)

Warum sich „Predators“ der Einstiegssituation von „Cube“ bedient, verstehe ich nicht, beginnt der Film doch allein damit sehr konstruiert und unsinnig. Da es ohnehin nur um den Überlebenskampf in einem Dschungel geht, der zudem fast nur aus Pflanzen besteht, wie es sie auch auf der Erde gibt, hätte der dritte Teil der „Predator“-Reihe auch gleich auf unserem Planeten spielen können. Ich kann zwar aus Produzentensicht verstehen, dass mehr Menschen ins Kino laufen, wenn die Fortsetzung den Aufhänger besitzt auf einem fremden Planeten zu spielen, oder, wie oft falsch angekündigt, auf dem Planeten der Predatoren, aber da hätte es viele andere inhaltliche Ansätze gegeben eine Geschichte über des „Alien“-Fan zweitliebste Kreatur außerhalb der Erde spielen zu lassen, und von denen, das wage ich zu behaupten, wären die meisten kreativer ausgefallen.

Kreativ war man bereits in „Predator 2“ nicht, der ziemlich lahm auf den Erfolg des Schwarzenegger-Filmes aufstieg, ohne dessen Reiz verstanden zu haben. So braucht es trotz der Begeisterung um die titelgebende Kreatur auch nicht verwundern, dass das Kino-Franchise, von den Spin-Offs „Alien vs. Predator“ und „Aliens vs. Predator 2“ einmal abgesehen, erst 20 Jahre später eine weitere Fortsetzung beschert bekommen hat. Nun ist „Predators“ leider zu einer Zeit entstanden, in welcher die großen Blockbuster unkreativer denn je ausfallen. Gerade wenn alte Erfolge neu aufploiert werden, dann setzt man auf Nummer Sicher und erzählt selbst angebliche Fortsetzungen eher als Remakes.

Und so sehr „Predators“ mit seiner anderen Welt und dem ungewöhnlichen Aufhänger, ja sogar mit einem deutlichen Benennen der Ereignisse aus Teil 1 (Teil 2 wird ignoriert), auch davon ablenken will, eigentlich stielt er das Szenario des ersten Teils, den Überlebenskampf im Dschungel gegen einen außerirdischen Jäger, auch wenn die Geschichte aufgrund des anderen Spielortes und der veränderten Situation nicht so minimalistisch ausfällt wie im Original. Gerade dies ist schade. Wenn schon Teil 1 kopieren, dann hätte man doch gerade das Minimalistische mitkopieren sollen, was dem Film erst den letzten Schliff bescherte. Aber das ist im Mainstream-Kino großer Blockbuster-Werke heutiger Zeiten nicht möglich, das stets von größer, lauter, schneller lebt.

Vielleicht kann man sich deswegen glücklich schätzen, dass „Predator 3“ (Alternativtitel) zumindest letztgenannte Pflicht ignoriert, ist er doch recht langsam erzählt, zumindest für einen Blockbuster aus den 10er Jahren des laufenden Jahrhunderts. Wer Spaß mit der zweiten Fortsetzung haben will, der muss einiges an Unsinn ignorieren können, strotzt die Geschichte doch nur so von nicht durchdachten Geschehnissen und Handlungsweisen, von Widersprüchen in der Geschichte und von grundlegendem mangelndem psychologischem Verständnis.

Den größten Bock schießt man gleich zu Beginn, wenn eine Person nach einem Feuerangriff von einer anderen Person wegläuft, um sich zu verstecken, und die selbe Person, von der er sich entfernt hat, sich bereits im Versteck befindet. Wie kann einem solch ein grober Schnitzer nicht auffallen bevor der Film dem breiten Publikum zugänglich gemacht wird? Solche Szenen wären eher typisch für Komödien wie „Die nackte Kanone“, sind dort aber zumindest beabsichtigt um sich über das Medium Kino lustig zu machen. In „Predators“ kann man das nur noch als peinlich bezeichnen.

Kann man über die vielen Idiotien hinweg sehen, was mir persönlich sehr schwer fällt, dann kann man jedoch recht okay unterhalten werden. Regisseur Nimród Antal bewies bereits mit „Motel“ das er Stoffen mit wackelnder Logik einen spannenden Stempel aufdrücken kann. Zwar erschafft er hier nicht solch eine dichte Atmosphäre wie dort, was aber auch daran liegt dass die „Predator“-Reihe stets mit dem Genre der Action verbunden war, aber zumindest ist das Ganze recht stimmig inszeniert. Professioneller würde die ganze Chose sicher wirken, wenn man das hohe Talent, welches die beiden Schauspieler Topher Grace und Adrien Brody besitzen, ebenfalls zu den Vorteilen des Filmes zählen könnte, aber wer sie nur aus „Predators“ kennt, würde nie erkennen, dass diese beiden Mimen mehr können als ihre Sätze aufzusagen.

Somit ist es eigentlich egal ob hier wer talentiert oder weniger talentiert ist, andererseits zieht hier zumindest niemand mangelnden Talents das Niveau nach unten, ein Aspekt unter dem „Terminator 5 - Genysis“ gelitten hat bei all seinen mauen bis schlechten Schauspielern. Die Akteure in „Predators“ sind alles Profis ihres Fachs und verkörpern ihre Figuren zumindest so glaubwürdig wie das Drehbuch es zulässt. Die wahren Schwächen sind dort zu suchen. Ein Charakter, der am Ende des Filmes nicht das ist, was er zu Anfang zu sein schien, ergibt aufgrund der Motivation seines Überlebenswillen rückblickend strategisch zu Beginn des Filmes keinen Sinn, so dass diese Randerscheinung, wie so oft im modernen Blockbuster, sich einzig auf den Überraschungeffekt am Ende konzentriert, für ein Publikum, das nicht zurückschaut und hinterfragt ob die Aufdeckung der Wahrheit auch kompatibel mit den Geschehnissen zuvor war.

Auch sonst lässt das Drehbuch die Glaubwürdigkeit seiner Figuren oft wanken. Da besitzten Kriegserfahrene Strategien um an Informationen zu gelangen, durchschauen Fallen und wissen wie man den Predatoren die Jagd erschwert, aber auf wichtige Hinweise, wie dem sehr entscheidenden leise zu flüstern, um von einer Schwäche des Gegners zu profitieren, um nicht entdeckt zu werden, scheißt man, selbst eine Minute nachdem man diesen Tipp erhalten hat. Dem Blockbuster-Publikum hätte man scheinbar einen geflüsterten Restfilm nicht zutrauen können, das würde mehr Konzentration vom Zuschauer erfordern.

So reiht sich allerlei Unsinn innerhalb eines gedankenlosen Plots aneinander, dass man sich tatsächlich wundern darf, wie es Antal trotzdem schaffte den großen Crash zu umgehen und trotzdem etwas halbwegs Unterhaltsames auf die Beine zu stellen. Trotz fehlender Sympathie sind einem die Figuren schließlich nicht egal. Stets ist man mittendrin im Geschehen, und von einer Phase kurz nach dem Ausstieg des Gastauftritts von Laurence Fishburne einmal abgesehen, in welcher die Story kurz ereignislos actionreich auf der Stelle tritt, kommt auch nie Langeweile oder Stillstand auf. Das liegt meiner Meinung daran, dass man, ähnlich wie bei „Outpost - Zum Kämpfen geboren“, stets an der Strategie und den Diskussionen der Truppe teilnimmt. Probleme werden gelöst, und wir sind nicht erst bei der Ausführung dabei, sondern bereits bei der Planung. Das verbindet einen mit den Protagonisten und macht aus einem theoretisch eintönigen Szenario eine Geschichte zum Miterleben.

Dass dies bei „Predators“ funktioniert, verwundert schon, bei all den Unsinnigkeiten, die uns hier als Strategie und Diskussion vorgesetzt werden, aber dem ist so. Daraus erntet man zwar keine Empfehlung oder einen astrein laufenden Unterhaltungsfilm, aber man reitet den Film damit trotz übler Produzentenentscheidungen zumindest nicht in die Scheiße. Auch Quantitäten wissen zu helfen. So kann man z.B. nicht über die Kreaturen- und Spezialeffekte meckern, die bei einem Blockbuster dieses Kalibers freilich neben den Schauspielerkosten das meiste Geld verschlungen haben. Aber das sind alles keine Aspekte die einen guten Film ausmachen, so dass „Predators“ aufgrund seiner Schwächen trotzdem nur ein austauschbares Filmchen geworden ist, welches nur Denkverweigerer als kompromisslos unterhaltsam bezeichnen können. Aufgrund seiner Kurzweile hat mir die zweite Fortsetzung jedoch besser gefallen als die erste.  OFDb

25.04.2016

INTERSTELLAR (2014)

Zu dem umstrittenen Regisseur Christopher Nolan kann man stehen wie man will, interessant fallen seine Werke alle aus, die geglückteren genauso wie die weniger geglückten. Der gute Mann schafft es immer wieder reizvolle Stoffe an Land zu ziehen und aus diesen durch eine komplexe Vertiefung und einer wuchtigen Umsetzung ein aufregendes Erlebnis für den Zuschauer zu gestalten. Leben haucht er seinen Filmen jedoch nur bedingt ein, kann ich dem ihm häufig entgegengebrachten Vorwurf seine Geschichten zu formelhaft umzusetzen doch zustimmen, zumal sich keines seiner Werke je Zeit nimmt von Dingen zu erzählen, die später nicht wichtig werden würden. Alles muss kompakt aufeinander abgestimmt sein. Da das Leben aber so nicht funktioniert, bleibt so immer eine gewisse Leere enthalten, auch in den ansonsten wirklich geglückten Filmen.

Neben „The Dark Knight“, „Memento“ und „Inception“ zählt „Interstellar“ meiner Meinung nach zu diesen sehenswerten Beiträgen des Regisseurs. So innovativ wie die Geschichte auf die junge Generation Cineasten wirken mag, ist der Stoff freilich nicht wirklich. Aktuell denke man nur an „Gravity“, im Mainstreambereich an „Kampfstern Galactica“, am naheliegendsten jedoch an „Contact“, der die meisten Parallelen zum hier besprochenen Werk aufweist. Das beginnt mit der Anwesenheit des Schauspielers Matthew McConaughey, der hier ins All fliegt, in dem anderen Film Jodie Fosters Rolle daran hindert selbiges zu tun. Das geht weiter mit dem Flug ins All, inklusive der Idee eine Fremdhilfe hierfür von wem Unbekanntes zu erhalten, und durch die wissenschaftliche Nähe beider Werke sind freilich auch die Spielereien mit der Relativität in beiden Filmen vorhanden. Allerdings besitzen sie auch beide den Hang gegen Ende in den Esoterikbereich abzurutschen, was der Vergleichsfilm besser verarbeitet als es „Interstellar“ tut.

Dennoch fallen beide Werke recht unterschiedlich aus, und „Interstellar“ bezieht seine Stärken auch meist aus den nicht aus „Contact“ übernommenen Ideen, so dass am Ende beide Genre-Beiträge sehenswert sind. Nolan besitzt die Gabe fremde Welten aufregend in Szene zu setzen, und das ist für eine Geschichte wie diese ungeheuer förderlich, in welcher sich immer wieder die Schauplätze ändern. Der Weltraumflug ist so inszeniert als würde man mitten drin sitzen, die verschiedenen Welten sind einfallsreich und durchdacht umgesetzt, besonders gut hat mir jedoch das Zukunftsbild der Erde gefallen, welches mit simplen und dadurch nachzuempfindenden Mitteln aufzeigt auf welche Art der Planet für den Menschen unbewohnbar wird.

Lediglich der Flug ins Schwarze Loch hat mir nicht gefallen, ist es doch jener Part der mir wie gesagt viel zu esoterisch ausgefallen ist, was einen enormen Sprung bedeutet in einer ansonsten so wissenschaftlich orientierten Erzählung, die selbst auf die Kinotradition verzichtet, dass Geräusche im Weltraum möglich wären. Urplötzlich spinnt sich Nolan einen Unfug zurecht, so als ob das Leben lediglich in einem Miniuniversum stattfinden würde, an dem nur wenige Menschen beteiligt sind. Zufälle häufen sich und lassen den Zuschauer irritiert und verärgert zurück. Ist diese Phase aber endlich überstanden folgt noch ein letzter Akt, der wieder so geglückt und einfallsreich ausgefallen ist wie alles vor dem Tiefpunkt. Somit geht bei einer Laufzeit von fast drei Stunden nicht viel verloren. Das ist zu verkraften, zumal der Rest von einer solch großartigen Umsetzung gestützt wird.

Auch die Schauspieler sind meiner Meinung nach gut gewählt und schaffen es dem an sich eher steril wirkenden Film emotionale Tiefe zu verleihen, so sehr sogar, dass dramatische Momente tiefe Trauer im Zuschauer entfachen können. Der Nolan-Stammschauspieler Michael Caine schafft das in seiner letzten Szene ebenso wie es jeglicher Moment mit McConaugheys Filmtochter schafft, egal ob im Kinder- oder im Erwachsenenalter. John Lithgow ist endlich wieder gegen den Strich besetzt und weiß auch hier in seiner kleinen Rolle zu überzeugen. Unter geht aufgrund seiner unbedeutenden Rolle leider lediglich der talentierte Topher Grace, dem unbedingt mal wer eine wahre Chance in einer Hauptrolle bieten sollte.

„Interstellar“ ist aufregendes Kino, das ich daheim am Fernseher gesehen habe, und selbst dort war sein Effekt umwerfend, so dass ich davon ausgehe dass das Sichten auf der großen Leinwand eine wahre Wucht gewesen sein muss. Die typischen Nolan-Krankheiten sind wieder mit an Bord, werden aber durch die gute Besetzung weitestgehenst ausgebügelt. Zudem sind es aber auch Nolans Stärken die den Großteil des Filmes stemmen, so dass man lediglich aus einer verwöhnten Perspektive heraus meckern kann. Denn eigentlich hat der Regisseur mit diesem Abenteuer dem Zuschauer einen wahrhaftig wirkenden Ausflug ins Weltall geboten und damit einen unglaublich aufregenden Film.  OFDb

30.11.2012

REINE CHEFSACHE (2004)

Dan Foreman ist 51 Jahre alt, hat als Leiter des Anzeigenteils einer Sportzeitschrift seinen Traumjob und erlebt auch privat seinen familiären Wunsch. Bis er eines Tages beruflich durch wen wesentlich jüngeres ausgetauscht wird, unter dessen Fuchtel der gekränkte Dan nun arbeiten muss. Als wäre dies nicht alles schon schlimm genug, verlieben sich der Frischlingchef und Dans Tochter auch noch ineinander...

Eine Warnung in rosarot... 
 
Der mit Dennis Quaid und Topher Grace sehr gut besetzte Film ist ein zweischneidiges Schwert. Seine ernste Thematik wird auf Hollywood-Art mit Happy End erzählt, die Aussagen über moderne Fragwürdigkeiten in der Arbeitswelt und ihre Alternativen werden dennoch sehr deutlich herausgearbeitet. Zumindest geht „Reine Chefsache“ den Aufklärungsweg mit Unterhaltungswert richtig. Die Träumer sind es, die aufgeweckt werden müssen, und diese sind in einer gefühlvollen Hollywood-Tragikomödie mitunter das Zielpublikum.

So berichtet das Werk von dem bösen Kapitalismus, der Höchstgewinne erzielen will auf Kosten diverser Existenzen, die der Firma dabei halfen groß zu werden. Jugend wird vor Erfahrung gestellt. Verkauft wird des Verkaufens und des Geldes wegen und nicht weil man vom Produkt überzeugt wäre. „Reine Chefsache“ zeigt, dass der Gesellschaftsfeind von heute keine Nazi-Uniform trägt und Minderheiten hetzt, sondern Anzug und Krawatte trägt und jeden bei Seite räumt, dessen Geld er möchte. Wen interessiert da Hautfarbe, Religion oder sexuelle Vorlieben? Geld ist Geld.

„Reine Chefache“ klärt auf, in dem er einen nicht hoffnungslosen Fall zeigt. Die Rolle von Topher Grace (der Tobey Maguire zum verwechseln ähnlich sieht) wurde über Jahre gehirngewaschen, ein Elternteil, das ihn an die Hand nahm und über die wichtigen Werte des Lebens aufklärte, existierte nicht. Und so wandelt sich der schnelle Aufsteiger über die Begegnung mit seinem „Untergebenen“, der Rolle Quaids, zu einem anständigen Menschen. Nebenbei verliebt er sich in die Tochter Quaids, gespielt von Scarlett Johansson, die erneut beweist wie gut sie spielen kann.

Mir ging der Film sehr nahe. Ich fand ihn, trotz gewisser blauäugiger Momente, sehr intensiv erzählt, fand auch, dass er beim Publikum den richtigen Nerv trifft. Langeweile kommt nie auf. In einer etwas zu aufgesetzten Szene taucht Malcolm MacDowell auf, der ebenfalls wieder zu überzeugen weiß. Sein Schurkengesicht ist einfach ideal zur Hollywood-Klischeezeichnung des bösen obersten Chef eines gesichtslosen Konzerns.

Dass es jeden beim Ausselektieren treffen kann wird am Schluss noch einmal sehr deutlich gezeigt, wenn der Chef der beiden Hauptfiguren gefeuert wird. Eben noch sein großes Idol, die Rolle des McDowell, angehimmelt, im nächsten Moment auf der Straße, weil eben dieser für ein paar Kröten mehr den Laden an wen anders verkauft hat. So werden auf modernem Wege Menschen aus ihrem Leben gerissen, und dank der Grundhaltung, dass nur wer Junges für einen Job taugt, braucht der Arbeitslose, wenn er über 30 ist, eigentlich schon gar keine Arbeit mehr suchen gehen. Zumindest nicht in dem Bereich, den er Jahre lernte und dem er Jahre diente.

Leider zeigt „Reine Chefsache“ nicht die Auswirkungen. Wir haben alle vor Augen wie Menschen unter der Fuchtel der Nazis enteignet und misshandelt wurde. Ein Mensch der Job, Ersparnisse und Haus verliert und wenn überhaupt nur noch unmotivierteste Arbeit verrichten darf, ist fast auf gleicher Stufe zu nennen. Seine Peiniger bleiben anonymer als die der Naziopfer , sie sind aber dennoch vorhanden. Schade dass der Film genau in diesem Bereich ausblendet.

Im Gegenteil, genau hier erzählt „Reine Chefsache“ nun von dem Wunschdenken, was man leider all zu oft in US-Filmen hört: Jeder kann es schaffen, und wenn Du an Dich glaubst und ehrlich bist wirst Du belohnt. Das Happy End ist purem Glück zu verdanken, wird aber leider nicht als solches deutlich dargestellt, was die ansonsten so vorbildliche Aufklärung verwässert. Zumindest zeigt die Rolle von Grace im Finale, dass man sich nicht von der offiziellen Angstmacherei anstecken lassen sollte, man solle sich auf Teufel komm raus einen Job suchen. Die übliche Propaganda von heute hätte das Gegenteil behauptet: Nimm den Job der Dir am Ende des Filmes angeboten wird, heutzutage ist es doch so wichtig einen Beruf zu haben. Erstaunlich wie viele auf diesen Mist täglich hereinfallen.

Von der Inszenierung her gibt es von meiner Seite aus nur einen gravierenden Kritikpunkt: Wer über das hier angesprochene Thema aufklären will, wenn auch über die Form eines Unterhaltungsmediums, der wäre ehrlicher gefahren, wenn auf das ewige Product Placement verzichtet worden wäre. Markenzeichen von Autos, Getränken, Kreditkarten, was auch immer, werden häufig eingeblendet und mit Absicht gut im Bild positioniert. Hollywood ist halt auch nur Geldmacherei, auch hier zählt: Geld ist Geld. Ein Film, der seine Botschaft ernst meint, hätte aber gerade in diesem Punkt darauf verzichten müssen. Und wer den Zusammenhang nicht erkennt, hat ohnehin nichts begriffen, nicht einmal durch diesen Film.

„Reine Chefache“ ist ein gelungenes Werk und eignet sich auch zum öfters gucken. Er ist lustig und traurig, er stimmt nachdenklich und schafft es, dass man auch seine eigene Grundhaltung noch einmal überprüft. Letztendlich ist er allerdings doch zu sehr Märchen. Damit darf er sich zu Filmen wie „Dave“ oder „Dangerous Minds“ einreihen, ist von Letztgenanntem vom Niveau her aber meilenweit entfernt. Dafür ist „Reine Chefsache“ handwerklich einfach zu gut und inhaltlich zu anspruchsvoll.  OFDb