Im ersten Drittel dürfen wir zudem eine herrlich comichafte Performance von Tim Robbins genießen, den man als zunächst übertrieben fröhlichen, dann genervt verwöhnten Strahlemann kaum wiedererkennt. Ansonsten konzentriert sich "The Sure Thing" (Originaltitel) verstärkt auf das zentrale Paar, ohne die Geschichte mit auffälligen Randfiguren aufzupuschen, so stark war das Vertrauen in die Wirksamkeit von Protagonisten und ihren Darstellern, und ein derartiges Selbstvertrauen würde ich mir im Bereich der romantischen Komödien öfter wünschen. Der einzige Wermutstropfen, der mir auch gleich sehr bitter aufgestoßen ist, ist der unsensibel angehangene erste Kuss am Schluss, der so gar nicht zu prickeln weiß, und dies leider einer wundervollen Versöhnungsszene folgend, die im Kurs für kreatives Schreiben stattfindet. Der dort vorgetragene Text ist realistisch, da einem Teenager zuzutrauen, so wie überhaupt die komplette Darstellung der beiden Hauptpersonen im Gesamtfilm. Das ist der eigentliche Kniff an "Gnadenlos verliebt" (Alternativtitel): alle anderen Jugendlichen baden in tiefsten, geradezu comicartig überzogenen, Klischees. Die beiden Helden sind die einzig Normalen ihrer Generationen, und dies auf die angenehme, so gar nicht langweilige, Weise, weswegen sie einfach zusammen gehören, um das Leben in dieser Welt meistern zu können. Es war dann schließlich auch der hier tätige Regisseur Rob Reiner, der mit "Harry und Sally" die Erwachsenenversion nachreichte. Dass er auch anders kann bewies er mit Werken wie "Stand By Me", "Misery" und "Eine Frage der Ehre". OFDb
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
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23.05.2021
DER VOLLTREFFER (1985)
Wenn man den Aspekt der vielen Jahre zwischen den einzelnen Treffen einmal außer Acht lässt, serviert uns "Der Volltreffer" in der Jugendversion das, was vier Jahre später mit "Harry und Sally" zum Erfolg werden sollte. In beiden Fällen bereitet es Freude dem unterschiedlichen Paar dabei zuzusehen wie es sich kabbelt und ineinander verliebt. Daphne Zunigan darf, wie später auch in "Spaceballs", die arrogante Zicke spielen, Cusack wieder einmal den charismatischen Egoisten. Und eben weil beide Charaktere nicht so aalglatt ausfallen, weiß die Chemie zu stimmen, eingebettet in eine süße, humorvolle Geschichte, welcher ihr im Titel genannter, amouröser Aufhänger gar nicht so wichtig ist, wie man meinen könnte. Der Romantikanteil ist zudem wunderbar kitschfrei und ehrlich ausgefallen, serviert uns, wie typisch für das Genre, mit Jason ein Opfer, das als solches nicht beachtet wird, und arbeitet erfreulich wenig mit dem Aspekt der gegenseitigen charakterlichen Annäherung. Sie findet im kleinen Rahmen statt, und beim weiblichen Part verstärkter als beim männlichen, aber innerhalb eines glaubwürdigen Umfangs, welcher der Psychologie der Figuren nicht widerspricht.
23.05.2020
HIGH FIDELITY (2000)
"High Fidelity" zeichnet sich nicht nur damit aus gekonnt den Herzschmerz mit all seinen Facetten lebensnah einzufangen, innerhalb einer Situation die längst nicht so Schwarz/Weiß gezeichnet ist, wie im US-Kino gerne üblich, er ist auch insgesamt äußerst stilsicher, gut beobachtet und empathisch ausgefallen. Das sieht man zum einen in der authentischen Charakterzeichnung der Hauptfiguren, die alle weder glänzende Vorbilder sind, noch das Gegenteil und deren Beweggründe nur selten rational begründet sind, es zeigt sich auch beeindruckend in der Umsetzung der Szene, in der alles spielt. Ein Soundtrack, der wie die Faust aufs Auge passt, wohl überlegte Plattensammlungen und Vinyl-Sortimente im Geschäft, Themen-bezogene Dialoge mit Insider-Kenntnissen, sowie die hier gelebten Mentalitäten, die nur leicht Stereotype streifen, seien nur einmal genannt, um oberflächlich abzugrasen wie gekonnt hier über Musikinteressierte berichtet wird. Von elitären Menschen wird da einmal sogar ganz offen geredet, was nur eine von vielen ausgezeichnet gut reflektierenden Momenten ist in einem Film, der, wahrscheinlich dank der Buchvorlage, ohnehin genau darin eine seiner größten Stärken besitzt. Um dem Ganzen noch eins drauf zu setzen liefert "High Fidelity" zudem eine tatsächliche Lösung des Lebenproblems, welches Rob durchmacht. Im Gegenzug ist die Versöhnung mit Laura weder als zwingend notwendiges Hollywood Happy End inszeniert, noch folgt sie einer logischen Konsequenz. Aufgrund der Charakterzeichnungen passt sie psychologisch gesehen aber exakt in das Umfeld, die Umstände und das Seelenleben der beiden und ist somit in seiner irrationalen Art ebenfalls höchst authentisch ausgefallen.
Dem Drehbuch gelingt der Kniff immer zu wissen wann etwas auch mal Comic-artig übertrieben gehört, um den Humoreffekt zu erhöhen (beispielsweise in der herrlich überdrehten Maskerade, mit der Tim Robbins in einer Nebenrolle so angenehm unangenehm zu glänzen weiß), ohne dem Werk seinen lebensechten Anstrich zu nehmen. Mit diesem Gesamtrezept schaut sich der Streifen mit seinem hohen Anspruch an sich selbst lockerleicht und kurzweilig inszeniert, trotz dramatischer Schwerpunkte, die tatsächlich ernst genommen werden, nie schwerfällig oder zu stark Richtung Tragikomödie schwenkend inszeniert, und so ist Regisseur Stephen Frears ein unglaublich sehenswerter, überzeugender und lebensbejahender Film geglückt, über Gefühle, die fast jeder nachvollziehen kann, angereichert mit Analysen über das Leben und die Gesellschaft, die einem oft genau die klaren Worte servieren, die man selbst nicht hätte ausformulieren können. Frears ist gekonnter Routinier, ist bereits seit den 60er Jahren Regisseur und hat in unterschiedlichen Genres schon vorher längst bewiesen, was er kann. Stellvertretend sollen hier nur einmal das Horror-Drama "Mary Reilly" und die Komödie "Ein ganz normaler Held" genannt sein, alles Werke die ein breites Publikum ansprechen, ohne an Mainstream-Krankheiten zu leiden.
Neben ihm und dem hervorragenden Drehbuch weiß auch die treffsichere Besetzung die Qualität des Streifens zu stützen. John Cusack, der "High Fidelity" mit produzierte, schaut sich wie die Idealbesetzung der Hauptrolle, die unbekannte und unglaublich charismatisch besetzte Iben Hjeljle trifft als weiblicher Mit- und Gegenpart derart ins Schwarze, dass man sich niemand anders in der Rolle vorstellen möchte, Tim Robbins ist Trumpf wie immer, Joan Cusack überzeugend in einer kleinen, aber interessant herausgearbeiteten Rolle mit dabei, Jack Black spielt üblich überdreht und ist dennoch sensibel spielend dabei und darf somit für die ein oder andere Überraschung sorgen, Lisa Bonet lässt sich ebenfalls kaum anders besetzt vorstellen, Catherine Zeta-Jones spielt gekonnt eiskalt wie fast immer, und Todd Louiso gelingt das Kunststück seine Figur komplett introvertiert anzusetzen, ohne sie auch nur im Ansatz der Lächerlichkeit Preis zu geben oder unrealistisch wirken zu lassen. Somit zählt "High Fidelity" zu den Glückstreffern, bei denen wahrlich alles stimmt, weil sich hier Menschen zusammengefunden haben, denen die Umsetzung der Buchvorlage nicht nur sehr wichtig war und die nicht nur mit äußerst viel Respekt an das Projekt herangegangen sind, sondern auch verstanden haben auf was zu achten ist, wie der Stoff gemeint ist und wie dieses großartige Drehbuch umgesetzt werden muss. Der Film bietet dem Zuschauer Erkenntnisse, Wiedererkennungswert und vielschichtigen Unterhaltungswert in bester Kino-Professionalität, so dass er zu einem jener Werke wird, die man sich wahrlich immer wieder angucken kann, ohne dass Abnutzungserscheinungen zu erkennen sind. OFDb
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30.07.2014
I.Q. - LIEBE IST RELATIV (1994)
Tim Robbins ist ein großartiger Schauspieler, den ich aufgrund so einiger großer Darbietungen („Human Nature“, „High Fidelity“, „Code 46“...) regelrecht bewundere. Meg Ryan hat in Filmen wie „French Kiss“ schon des öfteren bewiesen, dass sie eine treffsichere Besetzung für den Bereich der romantischen Komödien ist. Und Regisseur Fred Schepisi hat mit Hilfe von Steve Martins Drehbuch seinerzeit in „Roxanne“ bewiesen, dass auch er dieses Fach beherrscht.
Doch trotz all dieser theoretisch so gut klingenden Chemie funktioniert „I.Q.“ (Originaltitel) nur halbwegs aufgrund der im Film aufflammenden Liebe. Eigentlich ist es nur ein Mann mit dem diese Komödie steht und fällt, und das ist Walter Matthau in der Rolle des Albert Einstein, allein wegen seines Aussehens schon die Idealbesetzung für diese Rolle, durch die schrulligen Vorgaben des Drehbuchs jedoch endgültig als Einstein glänzend.
Dieser wunderbare Charakter wird nun in eine ziemlich unfaire Geschichte gepackt, in welcher der Verlobte der Angebeteten extremst negativ gezeichnet wird, damit man ihn auch bloß nicht mag. Mir tat er dennoch leid, auch wenn seine Negativseiten wirklich humoristisch gut herausgearbeitet wurden. Nicht leid genug um nicht zum Automechaniker zu halten, aber warum Einsteins Nichte sich nun wirklich in diesen verliebt bleibt mit Abstand betrachtet fraglich, kennt sie doch fast nur die Lüge die er lebt. Die sensible Seite des Mannes ist echt, aber könnte sich eine Frau nach Aufdeckung der Lüge darauf verlassen?
Nun gut, eine Rom-Com sollte man nie mit zu viel Abstand betrachten und sich einfach der Magie hingeben, aber die will nur teilweise funktionieren, wird doch etwas zu viel auf das niedliche Aussehen Meg Ryans gesetzt, und diese niedlich lächelnd in Großaufnahme allein reicht nicht um sie sympathisch zu finden. Und da es ihr an wahrer Herzlichkeit im Wesen fehlt, kommt einem das Verliebtsein des Mechanikers eher wie ein kurzes infantiles Schwärmen vor.
Dank eines wirklich gelungenen Drehbuchs und der gut aufgelegten Stars funktioniert „I.Q. - Liebe ist relativ“ glücklicher Weise trotzdem. Die Schrulligkeiten von Einstein und seinen Wissenschaftsfreunden, die Verkettungen die aus einer so simpel klingenden Lüge entstehen und die Schadenfreude mit der aus der Enttäuschung eines anderen etwas Wunderbares für zwei für einander bestimmte Seelen wächst, weiß zu überzeugen. Letzteres aber auch nur weil das Drehbuch nie Zweifel an der Richtigkeit der Mission aufkommen lässt. Wie erwähnt: leid tat mir der Verlobte trotzdem.
„I.Q.“ fehlt die Größe von „Harry und Sally“, „Während Du schliefst“ und „E-Mail für Dich“, aber er schaut sich trotzdem noch immer über Durchschnitt, wenn auch eher wegen der amüsanten Wissenschaftler und dem leidenden Verlobten. Wirklich romantisch wird die Komödie nur selten, einmal jedoch im wichtigsten Moment. Wie die Rolle der Ryan erkennt, dass sie den Mechaniker tatsächlich liebt ist schön herausgearbeitet und wirkt psychologisch gesehen sogar recht glaubwürdig. Aber auch diese Szene funktioniert nicht komplett ohne Matthaus herrlich lustigen Zutuns. OFDb
07.02.2014
CITY OF EMBER - FLUCHT AUS DER DUNKELHEIT (2008)
„City of Ember“ ist ein sympathischer Streifen, der jedoch das Potential zu
mehr gehabt hätte, vorausgesetzt man hätte sich mit dem Problem
beschäftigt, welches zu der Entscheidung führte unter die Erde zu
ziehen. Mit diesem Ansatz im Hinterkopf hätte man dann auch
thematisieren können, ob die Flucht nach oben tatsächlich Sinn macht,
oder ob die Menschheit endgültig verloren ist. So darf man die Kids
jedoch bei der etwas inhaltslosen Suche nach einer Rätsels Lösung
beobachten, deren Antwort man schon kennt, was der Story ihr
Spannungspotential raubt. Aber da der Streifen ein schönes Set-Design
hat, humoristisch gespielt ist und sympathische Stars mit an Bord hat,
kann man ruhig dennoch einen Blick riskieren. Man darf nur keinen
gehaltvollen Film erwarten. Einem jüngeren Publikum bereitet Gil Kenans Fantasyfilm sicherlich mehr Freude als dem Erwachsenenpublikum, einfach weil einem erfahreneren Film-Fan vieles zu vorhersehbar oder bekannt erscheint. Aber das bedeutet nicht, dass das ältere Publikum nicht dennoch seinen Spaß mit "City of Ember" haben kann. Allein das herrlich übertriebene Schurkenspiel von Bill Murray ist das Einschalten wert. Und sein politisches Treiben zum eigenen Zweck ist auch inmitten eines jugendorientierten Werkes, welches mehr auf seine Optik als auf den Inhalt achtet, ein gelungener Seitenhieb auf das fragwürdige Treiben der Politiker in der Realität. OFDb
03.11.2013
STARTUP (2001)
„Startup" ist ein spannender Film, ganz klar! Was mir aber außer seiner guten Umsetzung gefallen hat, ist sein mutiges Thema. Ähnlich den Michael Moore-Filmen geht es hier um modernen Wirtschafts-Faschismus. Die Übereinstimmungen von Tim Robbins Rolle zu Bill Gates sind nicht zufällig, dessen Geschäftsmethoden nicht unbekannt. Klar, „Antitrust“(Originaltitel) ist ein Popkornfilm und somit in erster Linie Unterhaltung, aber ich glaube themenernster umgesetzt hätte es ihn gar nicht gegeben. Viel zu sehr wurde bei dieser Art Umsetzung schon riskiert. Ich denke, ähnlich wie im grandiosen Dokumentarfilm "Super Size Me" wird es nicht ganz einfach gewesen sein, dieses Werk überhaupt zu veröffentlichen, geschweige denn fertig zu stellen. Aus all diesen Gründen fand ich es sehr schade, dass jede Review die ich im Netz zu diesem Film lesen durfte, stets so geschrieben war, als ginge es hier lediglich um reine Unterhaltung, um Fiktion und um ein nicht reales Thema das keinen von uns betrifft. Schade, aber diese Lücke ist ja nun mit diesem Text gefüllt.
Der Film selbst ist kurzweilig ausgefallen, lässt sich in der Einführungsphase zwar viel Zeit, wird dabei aber nie langweilig. Die Bedrohung liegt von Anfang an in der Luft, die Grundatmosphäre ist damit stimmig. Die beiden Hauptdarsteller überzeugen, Robbins spielt mit sichtbarer Freude seine Schurkenrolle. Aber dieser sichtbare Spaß ist meiner Meinung nach sein Markenzeichen, so z.B. auch überaus deutlich zu erkennen in seiner kleinen, überzogenen Rolle in „High Fidelity“.
Das Ende von „Startup“ ist zwar keine Katastrophe, das Thema wäre mit einem anderen Schluss jedoch näher an der Realität orientiert werden, aber das sind wohl die Kompromisse die man machen muss, wenn man eine wichtige Thematik in einen Unterhaltungsfilm packt. Andererseits: ein „Social Network“ hatte diesen Kompromiss auch nicht nötig um zum Blockbuster zu werden. Vielleicht war bei dessen Erscheinen die Zeit auch reifer um solche Themen auf ein Massenpublikum loszulassen.
Ich hoffe für die Zukunft, dass es auch weitere Filme zum Thema Wirtschafts-Faschismus geben wird, so würde mich z.B. mal ein Film interessieren, der die großen Parteien von heute darin entlarvt, wie sie den demokratischen Gedanken immer mehr abbauen und unauffällig eine unfreie Gesellschaft aufbauen. Auf Konzernebene erzählt "Startup" genau das selbe. Interessant war hierbei gerade das Durchleuchten der Firmenpolitik, wenn die von Ryan Phillippe gespielte Figur bei seiner Einstellung darauf getrimmt wird, andere Mitarbeiter anzuschwärzen und zu bespitzeln. Eine Gesellschaft die sich gegenseitig überwacht bis sich keiner mehr traut frei zu handeln, na hoppla, das hatten wir Deutschen doch schon mal auf Landesebene. Warum aus dem einen lernen und es in anderen Lebensbereichen zulassen? OFDb
04.08.2013
KRIEG DER WELTEN (2005)
Als man erstmals las, dass dieses Projekt gestartet wird, war ich happy. Ich hatte das Buch zwar nie gelesen, aber ich mochte die alte Verfilmung, ich liebte das Hörspiel, sympathisierte mit der Radiosendung, und auch die TV-Serie fand ich in ihrer schundige Art gelungen. Dann las ich, dass Tom Cruise die Hauptrolle übernimmt. Zugegeben, Tom Cruise spielte seit je her in guten Filmen mit, aber dass diese funktionierten lag nie an seinem schauspielerischen Talent. Somit durfte man schon kritisch werden, wenn das Projekt „Krieg der Welten“ einem am Herzen lag. Auf dem Plakat gab es einen zum Hörspiel widersprüchlichen Satz zu lesen: Sie sind schon unter uns. Und zur Zeit der Erscheinung schien auch Spielberg nicht der richtige Regisseur für die Verfilmung eines solchen Stoffes zu sein.
All diese Informationen schlugen mir in die Magengegend. Hatte ich vorher noch große Erwartungen an diesen Film, so ging ich, als es dann endlich so weit war, mit sehr geringen ins Kino. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, sonst hätte ich „War Of The Worlds“ (Originaltitel) auch nicht bereits diverse Male auf DVD gesichtet. Tom Cruise überraschte damit, dass er erstmals in seiner Karriere Anzeichen setzte zu schauspielern. Er fiel nicht nur nicht negativ auf, er spielte die für ihn ungewohnte Rolle sogar recht überzeugend, allerdings im Schatten der Darstellerin seiner Film-Tochter Dakota Fanning. Diese spielte für ihr Alter richtig gut, durfte so realistisch nerven dass manch überforderter Film-Fan die Rolle mit der Realität verwechselte und auf das Gör schimpfte. Und so spielte sie so ziemlich jeden an die Wand, selbst Tim Robbins, der aber ohnehin mit einer schwachen Rolle gesegnet war.
Zu Beginn von Spielbergs Karriere wäre man noch optimistisch mit ihm auf dem Regiestuhl gewesen. Aber zur Zeit von „Krieg der Welten“ war sein „Jurassic Park“ so etwas wie eine Überraschung, dass der Herr überhaupt noch weiß wie man den Spannungsbogen so hochschrauben würde. Im Gegensatz zu diesem verliert er sich im hier besprochenen Streifen nicht in seinen Hollywood-typischen Spielereien und liefert, so wie er es eigentlich schon immer konnte, packendes Spektakel-Kino in spannender Atmosphäre. Das wurde ja auch wieder höchste Zeit.
Trotz der Zeitverschiebung in die Gegenwart, von der sich aber auch die Erstverfilmung „Kampf der Welten" nicht freisprechen konnte, bleibt Spielberg auf dem ersten Blick dem Vorbild treu: es gibt Dreibeiner anstatt Ufos (eine bedauerliche Fehlentscheidung in besagter Erstverfilmung), die Marspflanzen wachsen wie sie es sollen, der Artilleriemann ist in moderner Form dabei, und die Hauptrolle bleibt vorlagengetreu Beobachter. Erst recht spät bricht das Drehbuch diese Tradition und lässt die Rolle von Cruise eine Handgranate aktivieren. Viel schlimmer aber noch: es ist seine Rolle welche die Soldaten darauf aufmerksam macht, dass die Schutzschilde der Angreifer nicht mehr aktiv sind. Schade eigentlich, wenn auch nicht sonderlich gravierend für den Sehwert.
Was an diesem nagt ist tatsächlich der Schluss, jener der nach dem romangetreuen angehangen wird um das Ende der Geschichte unserer Figuren im Mittelpunkt zu beleuchten, die einen anderen Hintergrund erfuhren als der Hauptcharakter in der Vorlage. Ich will nicht zu viel verraten, aber der „Krieg der Welten“ macht in diesem Moment den Eindruck eines kleinen unangenehmen Erlebnisses. Zumindest erwecken die Figuren den Eindruck man käme gerade von einem Picknick zurück. Das ist schon etwas peinlich wenn man bedenkt dass gerade eben der Großteil der Zivilisation zerstört wurde.
Manch einer schimpfte auch auf das Ende der eigentlichen Geschichte. Aber die ist nun einmal laut Vorlage so, und das nicht aus dem Bauch heraus entschieden, sondern um eine wichtige Aussage zu treffen, die von den Verantwortlichen der Verfilmung auch erkannt wurde. Ohnehin ist es schön zu sehen, dass Einleitung und Schlussworte sich so sensibel an die Vorlage klammern. Das tat mir bereits als Kenner des Hörspiels gut, der den Roman nicht gelesen hat.
Ich bin kein Mensch der zwingend eine buchgetreue Verfilmung benötigt, weder hier noch in anderen Projekten. Es ist jedoch ärgerlich, dass manche Veränderungen auf Kosten der Logik gingen, so dass man sich rückblickend doch besser an der Vorlage hätte orientieren sollen. Dass Aliens seit Jahrtausenden Maschinen in der Erde hatten und diese nun benutzen stellt einige Fragen in den Raum. Selbst eine viel weitere entwickelte Intelligenz als die unsere (räusper) müsste in der Zwischenzeit doch weitere Fortschritte gemacht haben und viel bessere Möglichkeiten und bessere Waffen besitzen. Zudem dürfte auch eine höhere Intelligenz mit Verschleißproblemen an ihren Maschinen zu tun haben. Immerhin sind ihre Produkte der Art der Maschinen von Menschen nicht unähnlich. Da Spielberg diese Idee jedoch für einen hoch wirksamen ersten Angriff der Invasoren nutzt, sei ihm diese Unsinnigkeit verziehen. Die Spezialeffekte wissen zu gefallen, und selten waren sie so förderlich für den Spannungsgehalt eines Blockbusters wie hier.
Während „Independence Day“, den man thematisch zum Vergleich einfach heranziehen muss, einfach nur ein Bummbummbumm-Filmchen war (ein zugegebener Maßen sympathisches) ist "Krieg der Welten" einiges mehr, umweht ihn stellenweise doch eine regelrecht unheimliche Atmosphäre und wirkt die Endzeitstimmung doch tatsächlich bedrohlich, auch weil dramatische Aspekte nicht ausgeblendet werden. Allein das Geräusch vor dem Einsatz der Dreibeiner dringt bis ins Mark. Und selbst die Ankunft der Angreifer per Blitze wird mit der richtigen Sound-Hardware von Spielberg sehr spannungsgeladen umgesetzt.
Seit der 50er jahre gab es viele Filme, in welchen die Erde von Außerirdischen bedroht wurde. Es gab so viele, dass man eigentlich keinen richtigen Bezug mehr zum Thema der kompletten Auslöschung der Menschheit hatte. Der Gedanke dass Aliens uns angreifen würden, wurde mit der Zeit viel zu unrealistisch, als dass es einen hätte Angst einjagen können. Spielberg schafft es, dass man die Angst der Protagonisten auch zu spüren bekommt. Man erwicht sich beim Schauen bei der Frage wie schlimm es wohl wäre, wenn sowas ernsthaft passieren würde und was man wohl selbst in solch einer Situation tun würde.
Von daher: Hut ab, Herr Spielberg! Trotz kleinerer Kritikpunkte ist Ihnen ein toller Film gelungen. Alle Bedenken waren grundlos. Typische Blockbuster-Krankheiten wurden umgangen. Und doch wünsche ich mir einmal eine Verfilmung, die an den Geschehnissen des Hörspiels orientiert sind, genau zu dieser Zeit spielend, genau mit dem selben Hauptcharakter und am liebsten noch mit dem Dreibeiner-Design aus dem Beiheft zur Schallplatte. Ob ein solches Projekt je angegangen wird? Vielleicht wäre das ja auch der ideale Stoff für eine TV-Serie, jetzt wo amerikanische Fernseh-Produkte an Qualität gewonnen haben. Vielleicht bleibt die Erfüllung dieses Traumes auch immer nur ein Wunsch, wer weiß. Man kann im Leben schließlich nicht alles haben. OFDb
18.12.2012
CODE 46 (2003)
In der Zukunft sieht ein Gesetz wegen alltäglicher Klonnutzung vor,
dass Menschen mit zu ähnlicher DNA sich nicht vermehren dürfen.
Unwissend kommt es zu solch einer Einigung. William, der einen Betrug in
einem großen Konzern aufdecken soll, verliebt sich in die Verdächtige
Maria, schützt sie sogar, in dem er wen anders für ihre Verbrechen
entlassen lässt und schläft schließlich mit der attraktiven Frau. Als er
nach kurzer Zeit zu ihr zurückkehrt, erinnert sie sich nicht mehr an
ihn...
Wärme in Kälte...
Die Welt in der „Code 46“ spielt lässt sich mit jener aus „Gattaca“ vergleichen. Eine unbestimmte Zukunft, in der Situationen von heute weitergedacht werden, um das Morgen zu erschaffen. Klonen ist Alltag. Vernachlässigte Menschen leben im unorganisierten Dreck, während die Elite in kühlen Städten haust, in denen per DNA alles geregelt wird. Menschen werden entweder natürlich oder in vitro geboren. Fähigkeiten, die der Körper nicht besitzt, können mittels Viren gemietet werden. Der Staat kontrolliert wer aufgrund seiner Gene und deren Defekte was machen darf.
Während „Gattaca“ sich komplett auf das System der Zukunftswelt konzentriert, arbeitet Winterbottoms Film mit einem ganz anderen Kniff. Er lässt uns diese Welt nach kurzer Anlaufzeit im Hintergrund erleben. Im Vordergrund steht eine Liebe, eine solche, die in der Zukunft verboten ist. Wir erleben das Drama eines Paares, von dem der eine verheiratet ist, und die andere eine Gedächtnislöschung erlebt hat. Sie ist kriminell, er steht auf der anderen Seite des Gesetzes. Die Grundvoraussetzungen sind alles andere als ideal, ein Happy End erscheint unmöglich.
Winterbottom zeigt eine kühle Welt, ähnlich der einer heutigen Großstadt, die deswegen unangenehmer wirkt, weil der Staat die Kontrolle hat. Ansonsten ist vieles von heute wiedererkennbar, und die aus heutiger Sicht realitätsnahe Zukunft kann einem schon ein Schaudern auf dem Rücken bescheren, sind doch heute bereits einige Weischen in diese Richtung gestellt.
Ich würde „Code 46“ als Kunstfilm bezeichnen, denn Regisseur Michael Winterbottom schafft etwas unglaubliches, etwas, dass wenn man seine Vorgehensweise beobachtet, Kernpunkt des Films ist. Winterbottom sucht die Wärme in der Kälte. Er fängt in der kühlen Welt schöne Bilder ein. Hübsche Gesichter erfahren häufig Nahaufnahmen, die Kamera kreist geradezu um das schöne Gesicht Marias. Der Effekt wird verstärkt durch ihre Kurzhaar-Frisur, mit welcher das Gesicht mehr zur Geltung kommt.
Die leere Großstadt am Morgen erscheint kühl und wird farblich doch in sanfte Bilder gehalten. Das komplette Werk wirkt poetisch, unterstützt von einer Musik, die den Bildern ähnelt: kühle Elektromusik, die jedoch sanft klingt und den zarten Grundton des Films unterstreicht.
Optisch erreicht der Regisseur dieses Ergebnis mit manch interessanten Einstellungen. Ein Diskobesuch bei flackerndem Licht zeigt uns die zu Techno tanzenden Protagonisten. Zwischendurch wird der Bildschirm komplett schwarz. Mit jedem kurzen Aufleuchten fallen die grünen Augen Marias auf. Grün, eine an sich kühle Augenfarbe, umgeben vom sanften Gesicht der Maria, wieder dieser Widerspruch: kühl und doch warm, unangenehm aber anziehend anstatt abstoßend.
So geht es wohl auch William, der sich trotz der abstoßenden Gefahr auf das sinnliche Erlebnis mit Maria einlässt. Der immer wieder auftauchende Widerspruch wird inhaltlich provokativ in Szene gesetzt, wenn Maria aufgrund eines ihr eingesetzten Virus nach der Abtreibung den Körperkontakt zu William automatisch als abstoßend empfindet. Dennoch will sie Sex, und den bekommen beide auf ungewöhnliche Art. Wieder geben sich Kühle und Wärme, Anziehung und Ablehnung die Hand.
Spätestens die Sexszene lässt durch eine sehr gewagte Kameraeinstellung die nicht amerikanische Herkunft erkennen. „Code 46“ ist Europakino, das in der Regel anspruchsvoller ist als jenes aus den Vereinigten Staaten. Dies zeigt sich jedoch bereits im oben von mir angerissenen Aspekt, dass der Aufhänger, die kühle Zukunft, zur Nebensache verkommt. Und Winterbottom geht noch einen Schritt weiter, einen mit dem die Amis nie arbeiten würden: er zeigt diese fern und doch so nah wirkende Zukunft wertefrei.
Schaut man einmal genauer hin, gibt es einige Elemente, die für einen solchen Film typisch gewesen wären, die komplett umgangen werden. Die Ausgestoßenen müssen nicht ausgestoßen bleiben, wie Marias Fall zeigt. Anders herum ist es ebenso. Der Staat sagt zwar wer was darf, aber jedes im Film erwähnte Beispiel gibt der Allwissenheit des Systems unbenannt recht, anstatt es als falsches System darzustellen.
Winterbottom prangert die gezeigte Staatsform nicht an. Er nutzt sie nur, um eine ungewöhnliche Liebesgeschichte in einer fremden Welt zu erzählen. Er braucht diese Welt, da ohne sie weder die Probleme noch die Menschen dieser Liebesgeschichte existieren würden. Wie gut oder wie schlecht wir die Zukunft empfinden, überlässt er uns selbst. Er zeigt zwischen den Zeilen aber auch deutlich, dass die ach so ferne Welt der heutigen nicht unähnlich ist. Das zeigt bereits der titelgebende „Code 46“, der zu heutigen, ähnlichen Gesetzen nicht im Widerspruch steht. Magst Du das Heute aber verachtest das Dir fremd erscheinende Morgen, wie es in „Code 46“ präsentiert wird? Ist dies legitim oder ein Widerspruch? Das ist eine schwere Frage.
Bis zum interessanten Schluss schafft es Winterbottom, einen sanft in eine kühle Welt eintauchen zu lassen, in der Menschen, die keine Individualität zu haben scheinen, in Zweisamkeit und kleinen Gruppen beweisen, dass sie diese eben doch besitzen. Sein Film ist zart und sanft, gleichzeitig bitter und kühl. Und genau mit diesem Widerspruch, an dem sich alles im Film orientiert, entlässt er uns mit dem letzten Satz aus Marias Off-Kommentar, der uns das komplette Werk über zwischendurch begleitet. Der letzte Satz steht Pate für die komplette Vorgehensweise des Regisseurs. Wieder einen sich positive mit negativen Gefühlen, auch wenn diesmal letzteres dominiert. OFDb
Schaut man einmal genauer hin, gibt es einige Elemente, die für einen solchen Film typisch gewesen wären, die komplett umgangen werden. Die Ausgestoßenen müssen nicht ausgestoßen bleiben, wie Marias Fall zeigt. Anders herum ist es ebenso. Der Staat sagt zwar wer was darf, aber jedes im Film erwähnte Beispiel gibt der Allwissenheit des Systems unbenannt recht, anstatt es als falsches System darzustellen.
Winterbottom prangert die gezeigte Staatsform nicht an. Er nutzt sie nur, um eine ungewöhnliche Liebesgeschichte in einer fremden Welt zu erzählen. Er braucht diese Welt, da ohne sie weder die Probleme noch die Menschen dieser Liebesgeschichte existieren würden. Wie gut oder wie schlecht wir die Zukunft empfinden, überlässt er uns selbst. Er zeigt zwischen den Zeilen aber auch deutlich, dass die ach so ferne Welt der heutigen nicht unähnlich ist. Das zeigt bereits der titelgebende „Code 46“, der zu heutigen, ähnlichen Gesetzen nicht im Widerspruch steht. Magst Du das Heute aber verachtest das Dir fremd erscheinende Morgen, wie es in „Code 46“ präsentiert wird? Ist dies legitim oder ein Widerspruch? Das ist eine schwere Frage.
Bis zum interessanten Schluss schafft es Winterbottom, einen sanft in eine kühle Welt eintauchen zu lassen, in der Menschen, die keine Individualität zu haben scheinen, in Zweisamkeit und kleinen Gruppen beweisen, dass sie diese eben doch besitzen. Sein Film ist zart und sanft, gleichzeitig bitter und kühl. Und genau mit diesem Widerspruch, an dem sich alles im Film orientiert, entlässt er uns mit dem letzten Satz aus Marias Off-Kommentar, der uns das komplette Werk über zwischendurch begleitet. Der letzte Satz steht Pate für die komplette Vorgehensweise des Regisseurs. Wieder einen sich positive mit negativen Gefühlen, auch wenn diesmal letzteres dominiert. OFDb
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