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23.12.2024

HORROR-SEX IM NACHTEXPRESS (1980)

Drei junge Kriminelle bringen ein Abteil eines Nachtexpress unter ihre Gewalt und haben es bevorzugt auf die attraktiven weiblichen Mitfahrer abgesehen...

Der Trick mit der Gabel...

Man muss es nicht schön reden: "Terror Express" (Alternativtitel) ist ein Werk der Quantitäten, dem es einzig um billige Schauwerte geht, ob in seiner Position als Reißer, oder als Schmuddelfilm. Als Mix aus beidem funktioniert er recht gut, ohne irgendeine Form von Individualität zu präsentieren. 1980 veröffentlicht besitzt er den geradezu klassisch charmanten Soundtrack der 70er Jahre-Filme Italiens, und die Optik ist rau und schlicht. Hervorstechen tun in erster Linie die drei wunderbar besetzten Schurken, von denen jeder auf seine Art trumpft, sowie die hübschen Blondinen, insbesondere wenn sie nackt sind. Mag der Busch zeitgemäß auch geradezu wuchern, hübsch sind sie anzusehen, außer wenn wir uns in einer der nicht wenigen Sexszenen befinden, die in ihrer zahmen, gestellten Art verkrampft auf Provo getrimmt sind, wie in den üblen Fummelfilmchen von Jess Franco. "La Ragazza del vagone letto" (Originaltitel) ist ein Film der niederen Instinkte. Unterdrückung, Voyeurismus, Lust, physische und psychische Gewalt, sowie Moral stehen auf dem Programm, und laden den Zuschauer dazu ein das Schwein in sich, dem es nach quantitativen Schauwerten juckt, auch mal zu bedienen, zumal alles was inhaltlich moralisch kritisiert wird, das ist was der Film auch dem Zuschauer bietet. Ernst nehmen kann man die wenigen, eher heuchlerisch anmutenden, vorhandenen Gedankengänge somit nicht. 

Zumindest siegt nicht das Böse, das Gute triumphiert durch Gräueltaten, integriert in eine Heldengeschichte, die ihren geschmacklosesten Moment zumindest ausblendet, wenn der Held nackt neben seiner Angebeteten liegt, wahrscheinlich zum Dank für seine Freundlichkeit, seine Hilfe und sein Mitgefühl, vielleicht auch weil Gefühle gegenseitig aufgeflammt sind, was aber sicher nicht zu leidenschaftlichem Sex aus Liebe führen würde, wenn einer von beiden kurz zuvor von einer Gruppe, bzw. von verschiedenen Personen nach und nach vergewaltigt wurde. Empathie oder psychologisches Verständnis darf man in einem solch stumpfen Film also nicht erwarten. Solch ein Werk lebt stattdessen zu einem guten Teil von seiner Direktheit und dem schmutzigen Flair, sofern man sich auch mal offen auf einen derartigen Plot einlassen kann, ohne gleich Wut schnaubende Moralanfälle zu bekommen, so wie es in der heutigen Gesellschaft üblich geworden ist. "Horror-Sex im Nachtexpress" ist glücklicher Weise ein Kind seiner Zeit, das sich traut rau und provokant zu sein, inszeniert für ein mündiges Publikum, das auch zu den Schattenseiten der Gesellschaft und seiner selbst steht. Zügig erzählt (was'n Wortspiel, kicher) erreicht er bei unter 90 Minuten Laufzeit kurzweilig sein Ziel, und was es banal gestrickt zu erleben gibt, lässt sicher niemanden kalt, wenn man nicht gerade völlig abgestumpft ist.  OFDb

10.11.2024

DIE MIAMI COPS (1985)

Zwei schlagfertige Polizisten schließen an ihrem einzigen nie gelösten Fall an, als ein Bankräuber freigelassen wird und in Miami seine Mittäter zu kontaktieren scheint...

Schießfreudige vier Fäuste...

Bevor sie für "Die Troublemaker"  in den 90er Jahren ein letztes Mal zusammen fanden, drehten Bud Spencer und Terence Hill ihren vorerst letzten Streifen als Duo 1985 ab. Der fühlt sich jedoch bereits derart anders an, scheinbar für ein erweitertes Publikum konzipiert, dass man eigentlich "Vier Fäuste gegen Rio" als ihren letzten klassisch gehaltenen, gemeinsamen Film betrachten muss. Dass das Feeling ein anderes ist, als bisher von den beiden gekannt, beginnt bereits in der eher elektronisch gehaltenen Musik, die sich erst im Abspann, wenn sie urplötzlich Gesang erhält, wie ein klassischer Soundtrack für ein Werk dieses Duos anmutet. Auch der ernstere Grundton macht sich bemerkbar, um viel Witz und Sprüche ist man nicht bemüht, und was diesbezüglich so aufblitzt ist entweder einfallslos zu nennen, oder angenehme Routine. Als Durchschnitt sind auch die Prügelszenen zu beschreiben, denen man gar nicht erst versucht individuelle Momente durch überraschende Methoden zu bescheren. Enthalten sind sie scheinbar nur, weil man (noch) das Stammpublikum bedienen wollte. 

Dass hier häufiger die Pistolen gezuckt werden, anstatt die Fäuste zu verwenden, ist jedoch auffällig und unterstützt die andersartige Mentalität des Streifens, zumal man auf comichaft übertriebene Schussfertigkeit, wie sie in den Western-Parodien der beiden selbstverständlich waren, bis auf eine banale Ausnahme verzichtet. Inhaltlich wohnen wir einer banalen Kriminalgeschichte bei, die routiniert funktioniert, warum auch immer bei solch blassem Gekabbel und wenig Identifikation mit den Superbullen. Und warum solche sich als typische Berufsanfänger ausgeben müssen, während sie ihren Fall untersuchen, bleibt einem das Drehbuch als Erklärung stets schuldig, zumal dieser Kniff weder gewitzt genutzt wird, noch überhaupt viel Raum einnimmt, so klassisch wie hier zwei Bullen ihre Ermittlungen aufnehmen. Dass die Rolle Spencers seinerzeit den Dienst quittierte, weil man Verbrecher mittlerweile mit Samthandschuhen anfassen muss, spielt ebenso wenig eine Rolle, so derbe wie die beiden sich um derartige neumodische Vorschriften nicht kümmern und dafür keine Konsequenzen befürchten müssen. 

Warum sie so toll sind in dem was sie tun, ist so selbstverständlich und banal gehalten, wie der komplette Krimi-Plot, der eher wie eine Alibi-Handlung anmutet. Und obwohl das alles nur noch wenig vom Flair der typischen Streifen des Duos vorzuweisen hat, ist es die konzentrierte Art sein Ding alternativ durchzuziehen, was "Miami Supercops" (Originaltitel) dennoch zu einer angenehmen, wenn auch schlichten Unterhaltung verhilft. Sicherlich hat keiner auf ein Werk wie dieses gewartet, aber es funktioniert bei heruntergefahrenen Erwartungen, auch wenn ich mir nicht erklären kann, warum dem so ist.  Wiki

01.10.2024

BANANA JOE (1982)

Bislang konnte Banana Joe die Bananen, von deren Ertrag sein Dorf abseits der Zivilisation lebt, einfach so verkaufen. Doch weil er einem Mafiosi, der in Joes Dorf eine Fabrik bauen möchte, im Weg steht, hetzt dieser die Polizei auf ihn, die ihn darauf aufmerksam macht einen Gewerbeschein besitzen zu müssen. Ungebildet und stets auf die Hilfe anderer angewiesen, stolpert der mit der Zivilisation überforderte Joe durch diverse Situationen und bekommt die Mühlen der Bürokratie zu spüren...

Günstige Bananenpreise nach Autorennen... 

Die Solofilme von Bud Spencer erreichen nie die Qualität der Gemeinschaftsfilme mit Terence Hill, erst recht in der noch billiger produzierten Fließband-Zeit der 80er Jahre, und doch bleibt stets ein Unterhaltungswert vorhanden und ein gewisser Charme, den wir dem Hauptdarsteller selbst zu verdanken haben. In "Bud, der Ganovenschreck" schrieb ich, dass er seine Filme stets gestemmt bekommt. Diese Aussage ist auch in "Banana Joe" nicht wirklich falsch zu nennen, immerhin spielt er den ungebildeten Naivling, der auf die Moderne der Gesellschaft trifft, mit einer unübersehbaren Spielfreude. Auch die dick aufgetragene Botschaft um Freiheit fern der Bürokratie, die ihre Abreibung in dieser albern geratenen Gesellschaftskritik am deutlichsten zu spüren bekommt, stellt der Komödie kein Beinchen, ebenso wenig die zwischenzeitlich immer wieder kurz aufkeimenden Kinderszenen, welche das Herz Buds für die Kleinen verdeutlichen soll, so wie es andere Werke zu extrem taten. Dass "Banana Joe" nicht so wirklich funktionieren will, liegt an seiner Zerfahrenheit, wenn er sämtliche Themengebiete abgrasen will, für die andere Werke jeweils einen Film für sich in Anspruch nehmen würden. Damit kommt der Streifen, dessen Drehbuch Bud Spencer höchst persönlich geschrieben hat, zu episodenhaft daher, weiß zwar in jeder seine Phasen zu unterhalten, so dass sein Makel erst mit der Zeit in Erscheinung tritt, aber das Ergebnis wirkt schlichtweg zusammengeflickt, so als würde man dem Zusammenschnitt einer Fernsehserie beiwohnen. 

Der Running Gag um den Mafiosi, der stets denkt Spencer wäre seinetwegen dort, wo die Geschehnisse gerade stattfinden, ist wunderbar, besser funktionieren würde das Gesamtkonzept jedoch dann, wenn es der Plan dieses Mannes wäre, Joe die Bürokratie-Safari für den Gewerbeschein durchleben zu lassen, um genügend Zeit zu besitzen, dessen Heimatdorf für den Bau der Fabrik einzunehmen. So wie tatsächlich erzählt wirkt alles zu zufällig, und der Verlust der Freiheit von einst, um Teil der so hoch gelobten, modernen Gesellschaft zu werden (von der die Einheimischen nicht profitieren), kann nur oberflächlich greifen. Das macht es dem Drehbuch zwar einfach, Joe diese Vereinnahmung seines Dorfes final auch mit schlichten Prügeleien und anderweitig einfach gestrickten, zerstörerischen Aktionen wieder rückgängig zu machen, der zu oberflächliche Blick auf jegliche Phase, nur um die jeweilige einzig für kleine, durchaus sympathische Kalauer zu nutzen, hinterlässt jedoch eine Austauschbarkeit des jeweiligen Kapitels. Da darf Spencer mal kurzfristig als Soldat die Militärausbildung veralbern, dann ist er plötzlich Rauswerfer eines Clubs, in welchem sich die Mächtigen am meisten daneben benehmen, die Zerfahrenheit des Stoffes wird am deutlichsten, wenn Joe urplötzlich nach einer Gefängnissequenz ohne Ausbruch wieder im Freien aktiv ist, und man glaubt das Ganze mit einem Nebensatz gerade biegen zu können, warum er grob erklärt wieder frei ist. An Sprüchen mangelt es nicht, Spaß bereiten die einzelnen Phasen auch, insbesondere durch das herrlich naive und kindische Mimenspiel des Hauptdarstellers, aber ein befriedigendes, durchgehendes Ergebnis wird mit "Banana Joe" leider nicht abgeliefert.  Wiki

22.09.2024

BUD, DER GANOVENSCHRECK (1983)

Nach außen Vertreter für Haushaltsartikel (auch für seine Familie), in Wirklichkeit Gesetzeshüter, soll Alan Parker den flüchtigen Gangster Tony Roma, der meist Frauen finanziell ausnutzt, ausfindig machen. Nach vollendeter Arbeit steht endlich Alans heiß ersehnter Urlaub mit Frau und Kind an, als es heißt Tony sei schon wieder geflüchtet. Nach erneutem Aufstöbern des Betrügers, behält ihn Alan in seiner Obhut, denn der Kleinganove behauptet von der Mafia verfolgt zu werden, da er einen Mord beobachtet hat, den der Pate höchstpersönlich ausgeführt hat...

Buddy fängt immer den kleinen Fisch...

In einer Zeit, in welcher Partner- wie Solofilme von Bud Spencer und Terence Hill mehr denn je austauschbar zum Fließbandprodukt wurden, erschien Spencers Solo-Werk "Cane e gatto" (Originaltitel) von Bruno Corbucci, der mit "Banana Joe" und "Zwei sind nicht zu bremsen" bereits vorher mit dem bärtigen Dicken zusammengearbeitet hat und später mit ihm zudem "Die Miami Cops" und "Aladin" ablieferte. Als Routiner seines Fachs und dieses Gebiets fabriziert er hier die Lightversion des bereits üblichen Rezepts, was bedeutet, dass die Handlung durch nichts besonderes kreativ herausragt. Und dies betrifft zudem die übersichtliche Anzahl an nicht sonderlich einfallsreichen Sprüchen, sowie kurzen Prügelszenen, auf die selbige Adjektive passen. Tomas Milian passt in die Rolle des schmierigen Gangsters, der die Herzen naiver Frauen verdreht, ein Terence Hill ist er aber freilich nicht. Fairer Weise muss man sagen, dass er als solcher auch nicht eingesetzt wird, er ist kein ehrwürdiger Partner Spencers, bzw. wird dies erst schleichend durch Läuterung und erster Prügelerfahrungen am Ende. Für seinen Zweck funktioniert er passabel, zumal er die weit witzigeren Momente vom Drehbuch beschert bekommt als man es Bud zugesteht.

Aber das ist nicht wirklich wichtig, denn Bud Spencer ist Bud Spencer, und dessen Wirkung bekommt nur selten einen Film nicht gestemmt, und "Bud, der Ganovenschreck" ist das ideale Beispiel dafür, unterhielt er mich doch angenehm über seine 96 Minuten Laufzeit mittels einer Geschichte, die wie in der Wiederholungsschleife festzustecken scheint. Es ist egal, auf wundersame Weise funktioniert der Film, der die Mentalität eines Räuber und Gendarm-Spiels besitzt (was auch der Alternativtitel "Thieves and Robbers" verdeutlicht), mit seinem kindlichen Gemüt aber nie den arg extremen Familiengehalt jener Werke erhält, in denen Bud Spencer seine Kinderfreundlichkeit in den Fokus stellt. Es ist diese unverkrampfte Einfachheit einer Komödie, die sich nichts beweisen will, welche einen derart entspannten Zustand in einer rein für den Kommerz entstandenen Auftragsarbeit erreicht. Das angenehme Ergebnis überrascht umso mehr, wenn man bedenkt, dass "Cat and Dog" (Alternativtitel) mit einem Lied gleichen Namens nicht derart stimmungsmäßig gepuscht wird, wie die meisten Werke seines Hauptdarstellers, denn wirklich Ohrwurmcharakter oder Charme besitzt der Song nicht. Er ist so banal und austauschbar, wie es der komplette Film theoretisch ist, besitzt aber nicht dessen Stärke für ein leicht zufriedenzustellendes Zielpublikum dennoch zu funktionieren.  Wiki

16.08.2024

DER SUPERCOP (1980)

Aufgrund einer fatalen Fehlplanung muss Polizeineuling Dave ein Knöllchen in einem evakuiertem Gebiet übergeben, in welchem ein wissenschaftliches Experiment stattfindet. Der gutmütige Cop kommt bei einer Explosion in Berührung mit rotem Plutonium, und verfügt von da an über übernatürliche Kräfte. Wenn Dave jedoch etwas Rotes sieht, verschwinden die Kräfte, nur hat er diese Gesetzmäßigkeit nicht begriffen, wundert sich entsprechend warum die Kräfte kommen und gehen und schafft es demzufolge nicht jemandem zu beweisen, was er so kann. Insbesondere sein Partner und Vorgesetzter will vom sogenannten Nullblick nichts wissen...

Blüten, Fische, Barracuda...

Dass Solo-Filme mit Terence Hill in der Hauptrolle, zu funktionieren wissen, bewies bereits sehr früh "Mein Name ist Nobody", der zu den wichtigsten und besten Westernkomödien überhaupt zählt. Das meiste andere was er oder Bud Spencer alleine vollbrachten, entspricht eher dem Ergebnis von Fließbandproduktionen. Und wie Werke wie "Der Supercop" beweisen, muss auch dies für nichts schlechtes stehen, dabei verweigert sich das hier besprochene Beispiel, ausgenommen von kurzen Prügeleien, dem Großteil dessen, was für Werke mit Hill stets üblich war. Dave ist weder ein Taugenichts, noch zwielichtig oder übertrieben stark. Der Film setzt voll und ganz auf seine Fantasygeschichte, deren Protagonist, abgesehen von ein paar typischen Terence Hill-Grimassen und seinem grundsätzlichen Charme, eigentlich auch jeder andere Schauspieler hätte verkörpern können. Da das banale Treiben jedoch genügend Freude bereitet, ist es auch dem Stammzuschauer des Mimen egal, der freut sich, egal ob jung oder alt, seinen Helden immer wieder in verschiedenen Abenteuern zu erleben, selbst wenn der Stoff einmal übernatürlich daher kommt. 

Interessant ist der an Kinderstoffe erinnernde Blick, mit welchem man "Super Snooper" (Alternativtitel) thematisiert. Klar, das junge Publikum gehörte immer mit zum anvisierten Ziel der Produzenten, aber ebenso wie die Gemeinschaftswerke mit Spencer, will "Poliziotto Superpiu" (Originaltitel) kein Kinderfilm sein, er soll lediglich ein sehr einfacher Film sein, ein Streifen den man sich entspannt angucken kann, um einmal seelisch abzuschalten, ein gute Laune-Stoff der trivialen Art. Und dementsprechend geht es in der Geschichte über den Polizisten, der von nun an Superkräfte besitzt, meist nur um den Erfolg, den Humor und den Überraschungseffekt gegenüber Daves Mitmenschen. Typisch Terence Hill darf auch ein gewisser Grad Angeberei nicht fehlen, aber der wird nie zum eigenen Vorteil genutzt oder überstrapaziert. Die größten Probleme, die Dave durchmacht, ganz im Gegenteil zu ernstgenommenen Superheldenstoffen, ist die Frage warum seine Superkräfte ihn immer wieder verlassen (der Zuschauer hingegen ist diesbezüglich eingeweiht, um Momente der Vorfreude des Scheiterns genießen zu können) und die Tatsache, dass ihm keiner glauben will. Um mehr geht es in diesem sehr simplen Kosmos aus Gut und Böse nicht. 

Es gibt keine ernsthaften Bedrohungen, keine echten Komplikationen mit der Lebenspartnerin, keine Zwietracht unter Freunden und Vorgesetzten, selbst wenn man ihnen das Absitzen im Todestrakt verdankt, oder stets nur der störrische, aber nicht unsympathische Vorgesetzte von Daves Ahnungen beruflich profitiert, es geht lediglich um selbstlose Heldentaten, Humor und harmlose Abenteuer. Deutlich wird das Bedienen an der Kinderfilmmentalität an weiteren Beispielen. Die Superkräfte müssen sich nicht entwickeln oder gestärkt werden, zeitliche Abstände ergeben keinen Sinn (siehe die Beschuldigung des Mordes in Bezug auf drei Hinrichtungen und eine Rettung), und das sureale Anwenden der Kräfte in einigen Momenten ergibt auch bezogen auf Fantasystoffe durch das Fehlen einer innereigenen Logik, geschweige denn dem Bezug auf physikalische Regeln, keinen Sinn. Das wird besonders deutlich in der Stadionszene, in welcher der gute Mann fast das komplette Publikum verschwinden lässt. Heutige Stoffe hätten auf Erklärungen wie Alternativuniversen setzen müssen, "Der Supercop" erwartet ein schlichtes Akzeptieren. 

Das Finale mutet extrem bizarr an und liefert mit seiner grotesken Idee etwas, das man in anderen Superheldengeschichten nicht findet, während der Rest nicht gerade durch Innovation auffällt: ein Großteil des Finales spielt auf einer übertrieben großen Kaugummiblase. Es ist der Umgang mit dem Selbstverständlichen auch in solchen Situationen, dem Charme des Helden und das Spiel in Sachen Komik und Fantasy mit dem popkulturell Üblichen, was "Super Fuzz" (Alternativtitel) so angenehm gucken lässt, nicht trotz seiner Trivialität, sondern wegen. In einem Kino angelangt, in dem mittlerweile alles erklärt und hinterfragt sein muss, meist sogar im Kinderfilmbereich, tut es hin und wieder gut derart simple Unterhaltungsluft zu schnuppern, die nicht mehr verspricht, als das kleine, amüsante Filmchen für zwischendurch zu sein. Und dieses schlichte Ergebnis ist Sergio Corpucci, der mit Terence Hill u.a. auch "Zwei Asse trumpfen auf" und "Zwei sind nicht zu bremsen" drehte, meiner Meinung nach geglückt. Dass er auch zu mehr im Stande war, bewies er mit dem großartigen Western "Leichen pflastern seinen Weg". Auch für den Klassiker "Django" war er inszenatorisch verantwortlich.  Wiki

14.08.2024

ZWEI HIMMELHUNDE AUF DEN WEG ZUR HÖLLE (1972)

Zwei befreundete Piloten, die meist krumme Dinger mit der Versicherung durchziehen, stürzen über einem Dschungel ab. Dort machen sie einem Industriellen, der hier im Flugbereich auf aggressive Art ein Monopol aufgebaut hat, mit dem Kauf eines Flugzeuges Konkurrenz...

Autocrash mit gekämmten Haaren...

"Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle" gehört zu den wichtigsten Filmen des Prügel-Duos Bud Spencer und Terence Hill, ist er doch der erste Versuch ihr komödiantisches Talent, das sie nach einigen ernsten gemeinsamen Werken in "Die rechte und die linke Hand des Teifels", sowie dessen Fortsetzung "Vier Fäuste für ein Halleluja" entdeckten, auch außerhalb des Genres Western auszuprobieren. Das Experiment ist geglückt, trotz der erstaunlichen Entscheidung Regisseur Giuseppe Colizzi den Streifen inszenieren zu lassen, arbeitete dieser mit den beiden Schauspielern bislang doch nur in ernsten Filmen wie "Vier für ein Ave Maria" und "Hügel der blutigen Stiefel". In den Anfängen dieser neu orientierten Erfolgsphase finden sich noch einige Unterschiede in der Charakterzeichnung zum späteren Standard. Beide Figuren scheuen keine harte Arbeit, einem Terence Hill sind 4 Gegner im Kampf zu viel, Bud darf kaufmännisch Rechnungen überprüfen (und ist intellektuell in der Lage dafür), die zwei sind von Beginn an befreundet, und Reibereien untereinander gibt es nur in extremen Situationen. 

Auch stilistisch ist "Più forte, ragazzi!" (Originaltitel) noch anders ausgefallen als die Fließband-Produktion, die sein Erfolg auslösen sollte. Der Mix aus Abenteuer, Action und Komödie ist noch sehr besonnen, teilweise gar reflektiert erzählt, lässt sich mit den einzelnen Stationen seiner Geschichte Zeit und scheut keine mühsamen Aufnahmen. Die nicht gerade leicht zu inszenierende Eingangsszene, in welcher zwei Flugzeuge drohen ineinander zu stoßen, zeigt dies, meist sind es weitere Flugaufnahmen im weiteren Verlauf des Streifens, die als Pate für mehr Engagement in der Umsetzung des Ganzen stehen. "All the Way Boys" (Alternativtitel) besticht durch einen tollen Soundtrack, einer stimmigen Location, wohl dosierten Albernheiten, Sprüchen und Schlägereien, erstaunt mit einer dramatischen Szene gegen Ende, kommt auch mal holprig daher in zu plötzlichen Inhaltssprüngen, beweist andernorts aber eine Ruhe, z.B. darin erst im letzten Drittel den Antagonist, von dem vorher gelegentlich geredet wird, auftauchen zu lassen. Die Verteidigung seines Monopols beginnt erst hier, die Kampfansage der beiden, ihm Konkurrenz zu machen, wird nicht zur Hauptgeschichte. 

Die ist eher bescheidener Natur, gönnt sich die Stärke den Aufbau des Betriebs und den Alltag der stets spontanen Piloten als Basis zu nutzen den Charakter der Hauptfiguren selbst zum Thema zu machen, zwei Menschen, die immer das tun, was sie gerne möchten und was sich gerade ergibt, der eine motiviert über den Drang zum Erfolg, der andere durch eine Verspieltheit. Es werden ungewöhnliche Freundschaften geschlossen, Geschäfte gemacht, Mitmenschen provoziert, und das alles in einer Selbstverständlichkeit dargeboten, die gar nicht erst etwas besonders Erzählenswertes anvisiert. Man erkannte, dass diese "Banalitäten" bereits die erzählenswerte Geschichte sind. Mit besagten Schauwerten im Flugbereich ging man letztendlich dennoch auf Nummer sicher, um der angenehm und manchmal robust vor sich hin plätschernden Handlung, neben den obligatorischen Prügeleien, genügend Zusatz-Action zu bescheren. Schön ist es, dass sich "Plane Crazy" (Alternativtitel) auch Zeit für ungewöhnliche, nicht zwingend notwendige Szenen lässt. So gehört beispielsweise jener Moment zu einem meiner liebsten, wenn sich nach einer Reparatur ein Flugzeug selbstständig macht, und die beiden, frei von Gefahr, Aggression oder einer bedrohlichen Situation, verspielt der Maschine hinterher laufen, um sie eingefangen zu bekommen. Dieser Moment strahlt eine Leichtigkeit aus, die geradezu typisch für die Mentalität der beiden Figuren ist, zumindest wenn sie nicht gerade Rot sehen und wieder einmal eine Schlägerei anzetteln. Die Schlusspointe passt ganz gut zu dieser Zwiespältigkeit ihres Charakters. Geld lockt, für Geld wird verarscht, letztendlich ist es aber gar nicht so wichtig welches zu haben. Ihre Freiheit ist den beiden wichtiger.  Wiki

DAS KROKODIL UND SEIN NILPFERD (1979)

Zwei schlagfertige Cousins legen sich in Afrika mit einem Großwildjäger an, der für sein Business die Hütten der Einwohner platt machen möchte...

Jetzt gibt's eins auf die Gewürzgurke...

Ich sag es immer wieder, Filme mit Bud Spencer und/oder Terence Hill sind ein eigenes Genre. Da stört es herzlich wenig wenn so gut wie keine erzählenswerte Geschichte vorhanden ist, die beiden Hauptdarsteller allein reichen meist bereits aus kurzweilig unterhalten zu werden. "Das Krokodil und sein Nilpferd" arbeitet letztendlich die klassischen Highlights der Komödien des Duos ab, wie man es seit "Die rechte und die linke Hand des Teufels" und "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle" kennt. Die beiden sind zerstritten und doch solidarisch miteinander, der eine krimineller, der andere steht für Gutes, auch wenn er ein Taugenichts ist. Es gibt Szenen im Spielcasino samt Hills' Kartentricks, eine (bedingt) feinere Essensgesellschaft wird mit rüpelhaften Verhalten (mehr oder weniger) torpediert, und freilich mangelt es auch nicht an Prügelszenen und die durch Rainer Brandt so berühmt gewordenen Sprüche in der deutschen Synchronfassung. Klassischer kann ein Spencer/Hill-Film kaum angelegt sein, versehen mit einigen netten Aufnahmen der exotischen Gegend, sowie einigen Tierszenen. 

Tierfreunde werden den Film ohnehin mögen, so fein wie sich die beiden Proleten für die Tierwelt einsetzen. Aber freilich auch für die Anwohner, die von einem Industriellen unter Druck gesetzt werden. Hier ist man sich im Kampf für Soziales für keinen plumpen Gag zu schade, macht selbst vor den Worten Hokus Pokus bei einer angeblichen Magierin keinen Halt, und sämtliche Grimassen, Albernheiten und die sichtbare Spielfreude sorgen dafür, dass dies trotz (oder wegen?) kindlichen Niveaus wunderbar funktioniert. Auf diese Art macht der ewig wiedergekäuerte, kaum neu ausgelegte Plot weiterhin Spaß, und ein von Bud Spencer höchstpersönlich beigesteuerter Soundtrack weiß ebenfalls zu wirken. Seine Kinderfreundlichkeit hält sich hier glücklicher Weise in Grenzen, sind es in den 80er Jahren doch meist seine zu kinderfreundlichen Solowerke, die trotz des simplen Erfolgsrezepts dann doch scheitern. Nicht aber hier, in einem Film mit einem herrlich schleimigen Muskelprotz von Hauptgegner (einer der wenigen, mit denen Spencer einen etwas ausgeglicheneren Finalkampf führen muss als üblicher Weise), einem herrlich blöden Running Gag während des Essens mit Wasserspritzern und ein wenig Bulldozer-Action. Mehr benötigt der Stammzuschauer nicht, und für wen anders ist "Io sto con gli ippopotami" (Originaltitel) ohnehin nicht gedacht.  Wiki

27.07.2024

BEI VOLLMOND MORD (1961)

In einem Mädcheninternat kommt es zu Todesfällen, welche die Anwesenheit eines Werwolfs vermuten lassen...

Die Erpresserin war die erste...

Obwohl bei all den Titeln ("I Married a Werewolf", "Werewolf in a Girl's Dormitory", "Bei Vollmond Mord" und dem Originaltitel "Lycanthropus"), die Paolo Heuschs Regiearbeit u.a. trägt, von Beginn an die Anwesenheit eines Werwolfs deutlich gemacht wird, ist der Streifen zunächst eher wie ein Grusel-Krimi angelegt, der sich die Option offen lässt, ob der neue Lehrer für Naturwissenschaften etwas mit den Morden zu tun haben könnte, wo die Mordreihe doch mit seiner Anwesenheit begann. Auch mit Klarheit über die Anwesenheit der Kreatur verliert das Werk seinen Krimi-Anstrich nicht völlig, bleibt doch trotzdem das Rätselraten über die Identität des Menschen, der sich bei Vollmond verwandelt. Interessant macht dies den Plot jedoch nur bedingt, der etwas arg routiniert erzählt, was auch schon vor 1961 bereits oft erzählt wurde. "The Ghoul in School" (Alternativtitel) fehlt es an Innovation, er ragt durch nichts aus der Masse heraus. 

Das erstaunt ein wenig, denn der Spielort eines Mädcheninternats ist in der Regel reizvoller Natur, und da der Film neben der Beteiligung Österreichs hauptsächlich ein italienisches Produkt ist, verwundert es umso mehr, wie brav der Genrebeitrag letztendlich ausgefallen ist. Freilich versprüht "Monster Among the Girls" (Alternativtitel) aufgrund seiner frühen Entstehungszeit und dem gewählten Schwarz/Weiß-Bild Retro-Flair, und das ist es letztendlich, was ihm vom totalen Desinteresse rettet. Zu einer unterhaltsamen Nummer verhilft es dem viel zu geschwätzig ausgefallenem Werk nicht, dafür ist das Gesprochene zu inhaltsarm, lediglich gedacht um "Ghoul in a Girl's Dormitory" (Alternativtitel) auf Spielfilmlänge gestreckt zu bekommen. Da enttäuscht es auch nicht zu hören, dass Paolo Heusch sich im Horrorbereich danach nicht weiter verwirklicht hat. Letztendlich unternahm er aber ohnehin in vielerlei Genres einen Ausflug. Ob sein Talent im Bereich der Action ("Frauen als Köder für CD 7"), dem Drama ("Violent Life"), der Science Fiction ("Der Tod kommt aus dem Weltraum") oder der Komödie ("What Ever Happened to Baby Toto") größer war, kann ich mit Unkenntnis der Filme und anhand der hier vorhandenen Handschrift nicht beantworten. "Bei Vollmond Mord" funktioniert mit seinen wenigen Schauwerten, dem Mangel an Nervenkitzel und dem zu überraschungsarmen Szenario zumindest nur bei hartgesottenen Allesguckern des Genres.  OFDb

12.05.2024

JOHN WICK - KAPITEL 2 (2017)

John muss eine ehemalige Schuld begleichen. Er soll die Frau, die nun einen Mafiaclan leitet, töten, obwohl er mit seinem Leben als Auftragskiller eigentlich abgeschlossen hat...

Nicht gerade Feuer und Flamme...

"John Wick" war bei dünner Sinnlos-Handlung ein kurzweilig anzuschauender Hirnlos-Actioner, und weil er Spaß bereitete, war ich auch zur Sichtung der Fortsetzung bereit. Die spielt mit Konsequenzen des ersten Teiles, bietet einen Hauch mehr Handlung, hat aber freilich, abgesehen von allerhand Baller- und Kampfsequenzen, ebenfalls nicht wirklich Inhalt zu bieten. Aber das geht schon in Ordnung, zumal "John Wick: Chapter 2" (Originaltitel) mir eine Spur besser gefallen hat als der Vorgänger. Teil 2 besitzt sämtliche Vorzüge des ersten, baut dort getroffene Gesetzmäßigkeiten einer uns Normalbürgern unbekannten Subkultur wieder ein und erweitert diese, und bietet uns hin und wieder auch Überraschungen, so z.B. bei der sehr frühen Zusammenkunft von Auftragskiller und Opfer, und dies nicht, um diese von nun an zusammenarbeiten zu lassen, wie es bei Stallone und Co der Fall gewesen wäre. Alles ist nach wie vor stylisch inszeniert, Optik geht über Hirn, Wick ist wie gehabt unkaputtbar, aber das ist eben das was man sehen will, wenn einem Teil 1 gefallen hat. Und die Fortsetzung versprüht eine Energie innerhalb eines theoretisch infantilen Szenarios, der ich mich nicht entziehen wollte, einfach weil ich Lust auf derartigen Stuss hatte und das an manchen Tagen einfach genau das Richtige ist. Wick ist eine Comicfigur in einer alternativen Welt, und die gut choreographierte Action (wenn auch mithilfe vieler Schnitte), die edle Optik und die temporeiche Regie machen daraus ein spaßig anzuschauendes Stück Trivialkino. Wer mehr drin sehen will, tut mir jedoch leid.  Wiki

11.05.2024

ROBOMAN (1988)

Ein Trupp Soldaten soll auf einer Pazifikinsel einen dringlichen Auftrag ausführen, ohne zu wissen, dass sie Teil eines Experiments werden. Ein Wissenschaftler hat einen toten Soldaten in einen unbesiegbaren Roboter verwandelt, dessen Schutzfunktion jedoch deaktiviert wird, so dass er auch für den Forscher nicht mehr zu stoppen ist...

Elektro-Interceptor...

Die Vorbilder sind nicht schwer zu erkennen, von "Predator" bis hin zu "RoboCop", der gerade einmal ein Jahr vor "Roboman" erschien. Der hierzulande direkt auf VHS ausgewertete Science Fiction-Action, ist wie typisch für eine italienische Imitat-Produktion äußerst billig ausgefallen, was man bereits dem zu unspektakulär auftretenden Cyborg ansieht, dessen Kopfbedeckung lediglich ein Motorradhelm ist. Das weiß optisch wenig zu beeindrucken. Dachte ich zunächst, das sich leicht abzeichnende Gesicht hinter dem Sichtschutz sei durch die Bildbearbeitung für die Bluray ein unfreiwilliger Nebeneffekt (wobei der Film keinesfalls auf dem Niveau einer Bluray-Qualität aufgepeppt wurde), so dürfen wir gegen Ende, wenn der monotone Film Dramatik anstatt Action ins Zentrum hievt, einen Blick hinter das Visier werfen, was den titelgebenden Untoten weit weniger mechanisch erscheinen lässt, als ohnehin schon. "Robowar" (Alternativtitel) ist unter der Regie von Bruno Mattei entstanden, es braucht also nicht verwundern hier nicht wirklich etwas Unterhaltsames zu erleben, aber, wie meist in seinen Werken, schafft man es irgendwie es bis zum Schluss durchzuhalten, dieses Produkt aus einem Zwischenzustand aus Langeweile und hohem Trash-Tempo. Es könnte wahrlich mehr passieren, als das ewige Herumgestampfe der Soldaten durch den Wald und die weit weniger professionell ausgefallenen Attacken des Cyborgs, von dessen Kriegsqualitäten uns weit mehr zuvor versprochen wurde. Aber irgendwie kommt man halb interessiert durch, bei all den herrlich besetzten Stereotypen und dem Unvermögen des Drehbuchautors. Ich habe schon Schlimmeres zu dem Thema gesehen, aber auch wesentlich Unterhaltsameres.  OFDb

27.04.2024

CHARLESTON (1977)

Charleston ist ein Trickbetrüger mit Stil, und als ein reicher Mann mit dem Verkauf seiner Yacht ein krummes Ding drehen will, durchschaut Charleston dies und nutzt einen ausgefeilten Plan um besagten Betrüger zu betrügen. Hierfür nutzt er u.a. auch ein Versprechen, welches er einem Polizisten zur Mithilfe einer Verbrecherüberführung gab, so dass er in verschiedene Richtungen täuschen und tricksen muss...

Die Anti-Titanic - Sie sinkt und sinkt einfach nicht...

Zur Hochzeit der Berühmtheit Bud Spencers, in einer Phase in welcher seine Solofilme ähnlich erfolgreich waren wie seine Partnerarbeiten mit Terence Hill, da kam der etwas anders geartete "Charleston" heraus, in welchem Spencer weit weniger den Prolet in seine titelgebende Rolle einfließen ließ, wie es sonst bei ihm üblich war. Stattdessen verkörpert er eine Art Gentleman-Gauner mit Stil. Was bleibt vom üblichen Konzept ist der Unfehlbare, jener Typ Mensch dem alles gelingt und der alles durchschaut, und so soll es im Comicuniversum seiner Werke auch sein, und so ist es gut. Im Gegensatz zu "Sologängen" wie "Auch die Engel essen Bohnen" bekommt der bullige Bärtige auch keinen Terence Hill-Ersatz zur Seite gestellt. Eine im Alleingang unfähig zu denkende, aber im kriminellen Sinne trickreiche Bande folgt ihm, ihren Anführer, brav, und der Polizist, mit dem Charleston ein Bündnis eingeht, wird zu einem entfernten Partner, nicht wirklich zu einem Verfolger, den man täuschen muss, aber doch zu einem Bündnis, welches Charleston für seine Zwecke zu nutzen weiß, während er gleichzeitig sein Versprechen einhält. 

Dafür benötigt man kein sonderlich gerissenes Drehbuch, eben weil Charleston ohnehin alles gelingt. Trotzdem gefällt diese siegessichere Nummer, zumal es Spaß macht zu sehen, wie der gute Mann mit seinen Helfern an sein Ziel gelangt. Die üblichen Raufereien erleben wir erst gegen Ende, dann auch nur in einer ausgedehnten einzelnen Prügelszene, in welche Bud Spencer lange Zeit nicht involviert ist. Da prügeln sich Artisten und Schauspieler in weit ausgefallener Art als üblich, und das gefiel mir nicht ganz so gut, wie die Standardraufereien. Dachte ich noch kurz "Zwei Fäuste räumen auf" (Alternativtitel) würde komplett als Ausnahmefilm ohne Bud Spencer in einem solchen Szenario funktionieren, tritt er verspätet doch noch der Schlägerei bei und zeigt erneut wieviel mehr Stil seine so simpel scheinende Haudrauf-Technik besitzt, als all das um mehr Kreativität bemühte Kämpfen dem wir zuvor beiwohnen durften. "Charleston - Zwei Fäuste räumen auf" (Alternativtitel) guckt sich locker leicht, ist angenehm erzählt, freilich so zotig wie üblich ausgefallen, hauptsächlich über die Nebenfiguren albern ausgefallen, während Bud Spencer mit sichtlicher Spielfreude den niveauvollen Ehrenmann unter den Trickbetrügern mimt.  Wiki

01.04.2024

EATERS (2011)

Einen Film, der mit der Schrifteinblendung "Uwe Boll präsentiert" beginnt, geht man als erfahrener Cineast mit Vorsicht an, selbst wenn man dem abseitigen Schaffen cineastischer Kunst gegenüber positiv eingestellt ist. Und schlecht machen möchte ich das italienische Underground-Produkt "Eaters" auch gar nicht. Es kommt weit kreativer daher, als der Standard-Kram aus dem Amateur- und Undergroundsektor, bleibt dies bis zum Schluss mit immer neuen reizvollen Ideen, und auf die Schnelle abgedreht, wurde der Streifen auch nicht. Harte Effekte gibt es ständig, trotzdem gehört "Eaters" zu den Werken, die nicht einzig einen Blick auf seine Goremomente schielt. Figuren und Darstellung sind den Laien wichtig, eine tatsächliche Geschichte erzählen sie auch. Aber wenn man schon unglaublich wenig Geld zur Verfügung hat, dann sollte man vielleicht nur umsetzen, was wirklich möglich ist. Mit manchen Szenarien übernimmt man sich einfach innerhalb der sehr begrenzten Möglichkeiten. Das mag den Spaß an den dennoch unvorteilhaft präsentierten Spezialeffekten für die Verantwortlichen ausgemacht haben, für den Zuschauer guckt sich das jedoch nicht wirklich trashig charmant. 

Nun muss man in diesem Punkt nicht all zu kritisch sein, spricht er doch eher für die Regisseure Luca Boni und Marco Ristori, sowie deren Team. Im Falle von "Eaters" wäre es jedoch ausnahmsweise einmal die bessere Variante gewesen, überfordernde Szenarien per Dialog zu erwähnen, anstatt sie tatsächlich geschehen zu lassen. Zumal der Film sowieso schon äußerst geschwätzig ausgefallen ist, und man allerlei unnötigen Dialog somit mit Informationen hätte aufwerten können. Und damit beginnt der tatsächliche Schwachpunkt eines Zombiefilms, den ich gerne mehr mögen würde: ewig begleiten wir die selben zwei Plappermäuler. Sie sind für eine quasi nicht vorhandene Produktion okay in ihrem Spiel, und vieles über das sie sprechen besitzt auch inhaltlichen Wert, aber sie stehen etwas zu stark im Zentrum, etwas Entzerrung hätte gut getan. Und da man irgendwie die konstruierte Endzeitwelt selbst dann aufrecht erhalten musste, wenn sie, wie es die Geschichte erfordert, mit dem Auto unterwegs sind, ist die Kamera immer besonders nah dran an ihren Gesichtern, so dass zu viel Monotonie in einer Optik aufkommt, die zudem einen ungünstigen Farbfilter beschert bekommen hat. Als Kurzfilm wäre mir "Eaters" herzlich Willkommen gewesen, auf fast 91 Minuten Laufzeit erwartet er zu viel Wohlwollen von einem für derartige Produkte bereits aufgeschlossenen Publikum. Trotzdem freut es mich freilich, dass nicht, wie so oft bei Underground-Werken, lediglich auf Härte und Provokation geachtet wurde, sondern tatsächlich Kreativität und eine reflektierte Geschichte zu erkennen sind. Das macht die Schelte auf ein eigentlich charmantes Produkt entsprechend schwer, vielleicht sogar unfair.  OFDb

29.10.2023

DER VAMPIR VON NOTRE DAME (1957)

Während Riccardo Freda den Hauptanteil des Streifens drehte, übernahm Mario Bava die letzten zwei Drehtage, so dass "Der Vampir von Notre Dame" als sein Regie-Debut zählt. Mag sein, dass der Regiewechsel etwas mit der konfusen Gestaltung des Filmes zu tun hat, lebt er die im Titel erwähnte Vampirthematik doch wenig, bzw. doppeldeutig aus, konzentriert sich ansonsten aber hauptsächlich auf eine Edgar Wallace-ähnliche Grusel-Krimi-Story und mischt dieser das Thema des am Wahnsinn grenzenden Wissenschaftlers hinzu, auch wenn er hier eher unterdrückter Auftragserfüller ist. Das guckt sich in dieser Kombi etwas wirr, aber nicht uncharmant. Der Streifen hat definitiv sein Herz am rechten Fleck, weiß zu unterhalten, wenn auch mit manchen Bremshürden versehen und macht bereits hier das gewohnte photographische Können der italienischen Regie-Legende deutlich. Das mag in diesem Falle noch nicht solch ein durchgehender Zustand sein, wie bei späteren Werken, die Bava optisch komplett durchkomponieren konnte, das mag aber eventuell auch daran liegen, dass Freda zunächst am Steuer saß. Keine Ahnung inwiefern er Bava zuvor in seinen Kameradienst hinein geredet hat oder nicht. So oder so, "I Vampiri" (Originaltitel) hat durchaus Staub angesetzt, zeitlos ist er nicht ausgefallen, man schaut ihn eher als sympathischen Retro-Blick in die cineastische Vergangenheit. Aber nicht jeder Film muss wie zur Ursprungszeit funktionieren, den Nutzen dem er heutigen interessierten Cineasten zur Studie bietet, oder dem reinen Filmkonsumenten als kurzweiligen Zwischendurchverzehr, ist nicht minderwertiger Natur. Und die Geschichte nimmt bereits die Thematik von "Comtesse des Grauens" voraus, kommt mir hier sogar eine Spur grausamer umgesetzt vor, als im sich weniger gnadenlos anfühlenden 70er Jahre-Film.  Wiki

30.10.2022

DARK GLASSES - BLINDE ANGST (2022)

Als es hieß, dass Regie-Legende Dario Argento nach 10 Jahren Schaffenspause einen neuen Film abgeliefert hat (und zudem noch einen Giallo), habe ich mich sehr gefreut. Zwar hatte der gute Mann bereits seit 20 Jahren keinen guten Film mehr gedreht, mit Werken wie "Giallo" nur mittelmäßiges Kino abgeliefert und mit "Mother of Tears" ausgerechnet den letzten Teil der "Suspiria"-Trilogie komplett vergeigt, aber viele Künstler entsinnen sich im Alter einer Stärke, die sie eine Zeit lang verloren haben. So erhoffte ich dies auch bei Argento, den ich auch in schwachen Zeiten nichtsdestotrotz respektierte. Warum "Dark Glasses" (Alternativtitel) eine Enttäuschung, anstatt eine Rückkehr zu alten Ufern ist, könnte sich in der privaten Ansprache vermuten lassen, welche der italienische Thriller- und Horror-Regisseur auf dem Mediabook unter den Extras spricht. Hier begegnet uns kein in Würde gealterter, weiser Mann, sondern leider ein seniler. 

Und das passt leider zum vom ihm verfassten Drehbuch zu "Occhiali neri" (Originaltitel), welches mit Fortschreiten einer zunächst interessant klingenden Geschichte immer willkürlicher und unreflektierter wird, keinen durchdachten, tiefer analytisch betrachteten Kurs fährt, und leider auch auf Trivialebene nicht punkten kann, bei den Fehlern die es begeht. Dass eine Blinde mit einem Kind, das Traumatisches erleben musste, zusammen arbeitet, hätte zu vielen Möglichkeiten führen können, mit welchen ein gewitzter Geschichtenerzähler hätte jonglieren können. Abgesehen davon dass unsere Heldin gelegentlich auf der Flucht vor Gegenstände läuft und stolpert, oder alternativ vom Kind als Blindenhund geführt werden muss, fällt Argento leider nichts zu der theoretischen Hetzjagd ein, welche beide auf der Flucht vor einem Serienmörder durchleben müssen. Ebenso gut hätte ein Clown mit einer Schlittschuhläuferin das hier Gezeigte erleben können, es spielt für den analytischen Bereich, ja nicht einmal für die dramaturgische Charaktervertiefung, keine Rolle. Die Figuren akzeptieren schnell wer sie sind und was der andere meint zu brauchen. Sie agieren nie clever und besitzen so wenig Motivation wie der Killer, der die beiden als unbrauchbare Zeugen nicht beseitigen müsste und ohnehin keine unheimliche Ausstrahlung zu versprühen vermag. 

Damit dieser Unsinn im Leerlauf ab der zweiten Hälfte dem weniger anspruchsvollen Zuschauerteil kaum auffällt, oder es ihm egal wird, baut Argento einige reißerische Unnötigkeiten ein, wovon die Attacke von Wasserschlangen zu den unsinnigsten zählt. Das wäre ein schöner, unnötiger Schauwert bei packender Umsetzung, wie die Haiattacke auf einen Zombie bei Fulcis "Woodoo", so wie dargeboten schaut es sich jedoch wie ein Verzweiflungsakt um Individualität, es ist ein Armutszeugnis. Schade ist es um die erste halbe Stunde, die stimmig erzählt ist, wenn auch meist durch die gut funktionierende, absichtlich reißerisch eingebrachte Hintergrundmusik, und durch eine Erwartungshaltung aufgrund der Figurenkonstellation eines unfreiwilligen Personendreiecks. Diese Erwartungshaltung verfliegt jedoch mit willkürlichen Erlebnissen und zu schnellen Tötungen von Nebenfiguren, und das dünne Gerüst, welches nach dem Verlassen der Zuschauermotivation übrig bleibt, mutet zu episodenartig und willkürlich an, als dass es einen packen könnte. Kurz vor dem letzten Drittel dachte ich noch, Argento würde noch einmal den Bogen kriegen, sich das atmosphärische Hoch für das Finale aufsparen und dort doch etwas mehr Tiefsinn durchblitzen lassen. Aber nein, der Schluss befriedigt nicht, wird ohne großen Spannungsbogen abgefrühstückt, und zurück bleibt eine unnötige, nicht wirklich erzählenswerte Geschichte in mauer, manchmal sogar unsinniger Umsetzung. Ich war mehr als enttäuscht von diesem plumpen Thriller.  OFDb

15.10.2022

DIE NONNE UND DAS BIEST (1977)

Sicherlich kann man "Die Nonne und das Biest" schlicht als simplen Fummelfilm abtun, so sehr wie nur auf das eine geachtet wird, und so brav wie dabei lediglich Blümchensex zelebriert wird. Dies ist selbst in der Langfassung der Fall, dessen angebliche Hardcoreszenen lediglich aus der Aufnahme eines erregten Pimmels, einer 2 Sekunden-Blowjob-Sequenz und ansonsten aus harmlos anmutenden Softsex-Momenten bestehen, welche die meist verkrampft dargebotenen Sexszenen, die im Film ohnehin schon enthalten sind, nicht expliziter machen. Nett anzusehen sind die oftmals lustlos gespielten Erotikmomente trotzdem, gerade wenn Mónica Zanchi im Bild ist, deren verdorbenen Blick man sich nicht entziehen kann. Sie ist mimisch die perfekt besetzte Lolita und ist auch ansonsten hübsch anzuschauen. 
 
Die eigentliche prominente Hauptdarstellerin Laura Gemser kommt nicht gegen sie an, hat es aber auch schwer, wo sie doch meist die Nonnentracht tragen muss. Freilich werden auch ihre möglichst viele Nackedeimomente ins Drehbuch geschrieben, der Besucher des Bahnhofskinos von einst musste schließlich in seiner Gier gesättigt werden. Und dieser hat in der Schmuddelfilmabteilung sicher schon einiges schlechteres erlebt. Auch wenn sich das meiste von dem, was ich bislang geschrieben habe, negativ liest, so ist "Schwester Emanuelle" (Alternativtitel) doch recht unterhaltsam ausgefallen, langweilt trotz eher Episoden-artigen Ablauf und endlos aneinander gereihter Fummelszenen nie und ist zudem musikalisch angenehm untermalt. "Suor Emanuelle" (Originaltitel) kommt überraschend unaufgeregt vorgetragen daher und ist in der dünnen Handlung und den Dialogen oft unsinniger Natur. Daran kann man sich aufhängen und den Film als puren Trash abtun, aber unsinnig darf er allein vom Genre her schon sein, und die Schlussauflösung gewährt der Geschichte ohnehin Narrenfreiheit. 
 
Bis es zu dieser kommt, erleben wir mit der sündigen Schülerin, die ihrer attraktiven Nonnenlehrerin das Leben zur Hölle macht, eine Art humorlose Erotikversion von "Die Lümmel von der ersten Bank". Das ist kein typischer Film des eher auf das Western-Genre abonnierten Giuseppe Vari, für den "Die Nonne und das Biest" eines seiner letzten Werke war. Mónica Zanchi hat leider recht wenig Rollen im Laufe ihrer Filmkarriere gemeistert, gern hätte ich von ihr mehr gesehen. Letztendlich ist sie es, die das hier besprochene Werk aufwertet, so unwichtig wie Inhalt und Umsetzung ausgefallen sind. Dementsprechend werden die meisten Zuschauer von heute an diesem Film verzweifeln. Mit dem Kopf kann ich ohnehin nicht erklären, warum mir das alles gefallen hat, mit dem Schwanz aber auch nicht, so veraltet wie sich die Nackedeisequenzen schauen.  OFDb

04.10.2022

DIE SAAT DES TEUFELS (1990)

Was uns da auf der Fulci-Box präsentiert wird, obwohl Lucio Fulci nur nicht genannter Mit-Regisseur war und Giovanni Simonelli stattdessen im Vorspann steht, ist ein billig heruntergekurbeltes Stück Auftragsarbeit für das Fernsehen, welches weder inszenatorisch überzeugen kann, noch inhaltlich. Unsinnige Dialoge (von denen sicher einige besonders ärgerliche der äußerst schlechten deutschen Synchronisation zuzuordnen sind), ungruselige Geisterauftritte, wenig überzeugende Sequenzen des Ablebens, eine wenig förderliche Opferreihenfolge, eine umständlich erzählte simple Geschichte, hanebüchene Ermittlungen und Befragungen und untalentierte Kinder, die ihr Unvermögen selbst dann demonstrieren, wenn sie nur düster drein blickend herumstehen sollen (das Mädchen muss einmal sogar lachen, anstatt dass es schockiert guckt, wenn ihr Bruder vor ihren Augen betäubt wird), an "Die Saat des Teufels" gibt es wahrlich nichts schön zu reden. Die menschlichen Bestien sind zu harmlos besetzt, die Ethik des Streifens fragwürdig zu nennen, die offenen Arme, mit denen die völlig unerfahrene und merkwürdig ins Geschehen geschubste Polizistin, von den Tätern empfangen wird, überraschen komplett, so unerwartet, unglaubwürdig und urplötzlich, ja geradezu selbstverständlich das Ganze zusammenfindet. Dass die Kinder, wie der Originaltitel "Hansel e Gretel" bereits verrät, nach berühmten Figuren der Gebrüder Grimm benannt wurden, ist so schwachsinnig wie der Rest des Streifens, gibt es doch keinerlei Bezug zum Märchen aus dem man sich die Namen entlieh, mit der Ausnahme dass die Kinder verkauft wurden, wenn auch von ihrem Stiefvater anstatt von den leiblichen Eltern. Der ganze Unsinn ist in seiner uninspirierten Inszenierung äußerst dröge und langweilig ausgefallen, motivationslos wird ein Ableben nach dem anderen präsentiert, unterbrochen von schlechten Dialogen desinteressiert wirkender Mimen. Einzig die stimmige Hintergrundmusik weiß so einige Male zu wirken, aber die ist bei all dem restlichen Schrott freilich Perlen vor die Säue.  OFDb

DIE UHR DES GRAUENS (1989)

Drei Jahre bevor in "Amityville - Face of Terror" ein Gebäude unter Uhreneinfluss ebenfalls die Zeit manipulieren konnte, drehte Lucio Fulci einen ähnlichen Stoff. Der deutsche Titel des hier besprochenen Streifens hätte jedoch eher zum Vergleichsfilm gepasst, denn in "Die Uhr des Grauens" sind mehrere Uhren tätig, weswegen der italienische Titel "La casa del tempo" (übersetzt "Das Haus der Zeit") besser passt. Aber Titelgeber unseres Landes habe ich ohnehin noch nie verstanden, also was soll's. Interessanter ist da schon der Aspekt, dass Fulci ein sympathischer, kleiner Genre-Beitrag gelungen ist, der unauffällig und fast unbeachtet sein Dasein fristet, sicher auch nicht zu den großen Werken des Kult-Regisseurs gehört und auch einige Schwächen besitzt, jedoch nicht uncharmant ausgefallen ist. 

"The House of Clocks" (Alternativtitel) kommt in seiner kostengünstig produzierten, unscheinbaren Art wie eine TV-Produktion daher, scheint dies jedoch nicht zu sein. Die Besetzung fällt bescheiden, aber überzeugend genug aus, was man von der deutschen Synchronisation leider nicht behaupten kann, die gerade in der Besetzung der Sprecher der jungen Leute negativ auffällt. Aber das macht dieses kleine bizarre Produkt, das sich herzlich wenig um Logik schert, nicht kaputt. Die konfusen Zeitspielereien wissen zu gefallen, werden uns dargeboten als eine Art Rache der Uhren. Und dass deren Rückwärtsgeschehen niemals aufgehoben wird, ist den Autoren, welche die Idee Fulcis zu einem Drehbuch niederschrieben, durchaus bewusst. Das beweisen zwei Pointen am Schluss, von welchen ich die des alten Ehepärchens etwas besser finde als die zu aufgesetzte der jungen Leute. Aber auch sie ist als reißerisches Element inmitten eines alptraumhaften Szenarios durchaus wirksam, weiß man am Schluss angekommen doch ohnehin längst, dass sich hier Sinn und Unsinn stets die Hand geben. 

Die Geschichte weiß durch ihre geglückten Wendungen zu gefallen, einige wenige morbide Elemente hat "Die Uhr des Grauens" ebenfalls zu bieten, und selbst deftigere Goreeffekte sind enthalten, wenn auch nicht viele und nicht so extrem ausgeartet wie z.B. in Fulcis "Die Geisterstadt der Zombies". Ein wenig hat mich die verzauberte Stimmung, gefangen in einem mysteriösen Haus, in welchem ein altes Pärchen voller Geheimnisse wohnt, an Stuart Gordons zwei Jahre zuvor erschienen "Dolls" erinnert, freilich ohne dessen Intensivität zu erreichen. Zudem sind die Tricks im Uhrenhorror simpler ausgefallen als in jenem um Puppen, das Highlight ist von der Idee her die stehen gebliebene und später rückwärts laufende Sanduhr. Aber selbst der Anblick dieser erreicht bei den hohlen Identifikationsfiguren, die wie jede andere Person dieses Filmes zwielichtig charakterisiert sind, kein Bemerken des Übernatürlichen. Somit können sie auch nicht auf Lösungssuche gehen, was der Geschichte einige Chancen beraubt. Hier geht es lediglich um das Gefangensein und die Flucht, etwas vergleichbar mit "Das Haus der Vergessenen", könnten die Besitzer des Uhrenhauses doch in ihrem Irrsinn durchaus die Vorfahren der reichen Wahnsinnigen von dort sein.

"Die Uhr des Grauens" läuft mit seinen 79 Minuten recht kurz, ist auch auf der 18er Jahre Freigabe-Version der Fulci-Box in Deutschland nur gekürzt erhältlich, unterhält aber auch in dieser nicht optimalen Variante, obwohl Schnitte deutlich zu erkennen sind. Da der Film letztendlich aber hauptsächlich von seiner bizarren Situation und der Atmosphäre des Mysteriösen und Zauberhaften lebt, ist das Fehlen dieser Sequenzen nicht ganz so schlimm. Und wie erwähnt sind ein paar härtere Effekte erhalten geblieben. Die 16er-Version besagter Fulci-Box lässt wie zu erwarten noch mehr Federn. Wer diesen Horrorbeitrag ungekürzt auf Deutsch erleben möchte, muss zur österreichischen Version der Fulci-Box greifen. Zum Schluss sei noch erwähnt, dass dieses Werk einer vier Filme umfassenden Reihe um verfluchter Häuser angehört, von denen Fulci zwei umsetzte (der andere ist "Das Haus des Bösen") und die beiden weiteren, unsinniger Weise in Deutschland als Teile 3 und 4 des Filmes "Ghosthouse" betitelten, Beiträge von Umberto Lenzi sind.  OFDb

31.08.2022

DIE ABENTEUER DES SHERLOCK HOLMES (1984)

Trotz solch großer Erfolge wie "Chihiros Reise ins Zauberland" und "Das wandelnde Schloss" hat sich Hayao Miyazaki zusammen mit manch anderem Regisseur in frühen Jahren nicht gerade mit Ruhm bekleckert, als er in Co-Produktion der beiden Länder Japan und Italien die Geschichten des Sherlock Holmes als Anime-Version inszenierte. Von einer schwachen Vorlage kann man bei Arthur Conan Doyle nun freilich nicht reden, dessen Name trotz starker Veränderungen des Ur-Stoffes dennoch dreist den Vorspann kleidet, auch wenn der Privatdetektiv in den Originalstorys nie gegen Piraten kämpfte, um nur ein Beispiel einer starken Veränderung zu nennen. Ähnlich wie später in der Disney-Version "Basil der große Mäusedetektiv", wenn dort zumindest nur angelehnt und namentlich mit Verweis auf Sherlock-Darsteller Rathbone verändert, werden in "Die Abenteuer des Sherlock Holmes" Menschen zu Tieren. Die 26teilige Serie spielt in einer alternativen Hundewelt, angelehnt an dem Jahrzehnt zu welchem die Holmes-Abenteuer in der Vorlage spielen, dennoch auch durch modernisierte Dinge diesbezüglich in ein Alternativuniversum verfrachtet, fahren der Hunde-Watson und sein Freund "Sherlock Hound" (Alternativtitel) doch z.B. ein automatisch fortbewegendes Gefährt. 

Das soll wahrscheinlich lustig sein, immerhin ist die Zeichentrickserie humoristisch aufbereitet, das nimmt man bei der drögen Darbietung des Ganzen jedoch nicht wirklich wahr, so lustlos und geschwätzig wie das Projekt umgesetzt wurde, untermalt von eben solch unaufgeregter und zum Krimi-Stoff so gar nicht passender Musik. Die Animation könnte typischer Serienstandard seiner Zeit sein, missfällt aber aufgrund des schlechten Figurendesigns. Am besten kommt noch Watson davon, Sherlock sticht optisch heraus, ist aber eher langweilig anzusehen, während viele andere Figuren peinlich vermenschlicht aussehen, nur dass sie Schlappohren und Hundenasen beschert bekommen haben, was unfreiwillig komisch und für den Stoff so gar nicht wirksam anmutet. Betroffen ist diesbezüglich auch die Haushälterin Holmes', die nun wesentlich jünger ausgefallen ist, was ein weiteres Beispiel der Veränderungen ist und aufzeigt an welch unnötigen Stellen diese teilweise stattfinden. 

Da das alles zudem ziemlich lustlos und unaufgeregt erzählt ist, trotz der Bemühungen actionreicher Szenarien, floppt das interessant klingende Projekt völlig. Nun Jahre, nachdem ich bereits als Kind einen Blick drauf werfen durfte, verstehe ich wieder warum mein jüngeres Ich seinerzeit nichts damit anfangen konnte. Da war keine intellektuelle Überforderung aufgrund meines Alters und der literarischen Vorlage der Grund, wie man hätte vermuten können, ebenso wie das Scheitern heute nicht am Erwachsensein liegt, so wie das Sichten von damals beweist. "Meitantei Hômuzu" (Originaltitel) ist schlichtweg missglückt, wird wie alle laufenden Bilder sicher auch seine Zusprecher finden, für diese freue ich mich auch, aber es muss nicht überraschen, dass das ziemlich unbekannte Produkt erst durch das Raritäten-Label Pidax den Weg auf DVD gefunden hat. Alternativ lief die Serie in Deutschland zudem unter dem Titel "Die Abenteuer des Sherlock Hound".  OFDb

16.03.2022

DER GEZÄHMTE WIDERSPENSTIGE (1980)

Im Gegensatz zu Bud Spencer und Co sind mir Adriano Celentano-Filme in meiner Kindheit nie über die Füße gelaufen, so dass ich mit "Der gezähmte Widerspenstige" im Alter von 46 Jahren meine erste Begegnung mit seiner Art Italo-Komödie hatte. Es war erfrischend etwas Derartiges jungfräulich sichten zu dürfen. Filme wie diese werden tatsächlich nicht mehr gedreht. Eine häufig verwendete Phrase, aber wer würde es heutzutage bitte wagen eine Geschichte derart direkt, ohne Umschweife und eigentlich auch ohne Erklärungen, durchzuziehen? Warum Elia so feindselig gegenüber Frauen (und überhaupt fast jedem) ist, wird ebenso wenig erklärt wie die Frage warum Lisa sich in ihn verliebt, sich um ihn bemüht und ähnliches. Klar, sie ist es als Schönheit gewohnt umgarnt zu werden und liebt bei Elia die Herausforderung, aber derart barsch wie dieser mit ihr umgeht, würde jede das Weite suchen, auch damals bei anderer Mentalität bereits. Die Komödie konzentriert sich stattdessen einzig auf den Schlagabtausch, kommt in der deutschen Synchronisation (mit Terence Hills Stammsynchronstimme bei Adriano verwendet) auch mit allerhand gut funktionierenden Sprüchen daher, und auch die Aktionen selbst, wie die unfreiwillige Fahrt mit einem von einem Traktor gezogenen Bett durch das Dorf, sind lustig umgesetzt, auch wenn sie oft unglaublich unsinnig anmuten (vielleicht auch deswegen). 

Dass tief im Widerspenstigen ein guter Kerl sitzt, erkennt man an seiner Tierliebe und seinem Hang zu alten Werten. Gerade mit Blick von heute weiß es jedoch zu gefallen, wie wenig die harte Nuss am Schluss tatsächlich geknackt wird. Was sich da an Nettigkeit gegenüber Lisa auftut, ist wahrlich nur ein minimaler Spalt, der Rest bleibt nach wie vor grantiges Verhalten. Wer nun glaubt das hätte auch mit der Stellung der Frau von einst zu tun, die sich vom angeblich ach so bösen Geschlecht zu viel gefallen ließ, dem sei gesagt, dass "Der widerspenstige Brummbär" (Alternativtitel) sehr emanzipiert ausfällt. Mann und Frau sind gleich gestellt, sie zicken beide auf ihre Art herum, sie werden beide in ihren körperlichen Vorzügen präsentiert, es dürfen sich beide gegenseitig schlagen, hier herrscht Gleichberechtigung pur ohne die Geschlechter mental anzugleichen. Das wird geradezu selbstverständlich eingefangen, ebenso wie die komplette Situation um die es im Gesamtfilm geht, die sich nie um Erklärungen, psychologischem Verständnis oder eine tiefer gehende Geschichte schert. Deswegen sollte man aufgrund der Anspielung im Titel auch nicht mit Shakespear rechnen, mit dessen Komödie "Der Widerspenstigen Zähmung" hat der hier besprochene Italo-Film nichts am Hut. Der ist lediglich ein kurzweiliger Feel Good-Movie in reizvoller, wie kompatibler Besetzung und versehen mit allerhand spielfreudigen und unterhaltsamer Ideen. 

Wenn das Paar nach einem langen Streit feststellen muss, dass es im Raum nichts mehr zu zerstören gibt, wenn Elias den Raben erklärt wo es zu Fressen gibt, der Pfarrer Elias seine wund gescheuerten Hände vom Masturbieren zeigt, Elias Entenjagd auf eigene, tierfreundliche Art betreibt, oder wenn er in bester Laune zur Konkurrenz mit einer Maschine persönlich Weintrauben mit seinen Füßen stampft, dann ist die Laune hoch. Lediglich die Sportsequenz am Schluss wirkt hektisch umgesetzt, unnötig angehangen und geht auch innerhalb des sich nicht um Erklärungen scherenden Nonsens einen unglaubwürdigen Weg zur finalen Auflösung.  OFDb

07.08.2021

NIGHT RIPPER - DAS MONSTER VON FLORENZ (1986)

In Deutschland u.a. als Giallo vermarktet, geht der für einen solchen nach der Hochzeit des Genres erschienen, einer sehr interessanten Idee nach. Anstatt seine Handlung in der filmischen Realität spielen zu lassen, spielt ein Großteil des Streifens in der Gedankenwelt der Hauptperson. Denn diese versucht sich in den Serienkiller hineinzuversetzen, um hinter seine Identität und Vorgehensweise zu kommen. Er erhofft sich dadurch ein Muster oder einen Beweggrund der Taten zu entdecken, welche der Polizei dann weiter helfen könnte. Man sollte meinen als Schriftsteller wäre er durchaus in der Lage brauchbare Gedanken zu entwickeln, der Drehbuchautor von "Night Ripper" (Alternativtitel) konnte es nicht, und so sind die uns dargebotenen Ideen willkürliche Vorstellungen, die irgendwo ins Blaue geschossen ansetzen, um eine aus der Luft gegriffenen Ursprungsidee ebenso wenig konsequent durchdacht weiterzuspinnen. Das könnte man von Lieschen Müller an der Supermarktkasse erwarten, aber von einem Buchautor erwartet man dann doch das Hineinversetzen in verschiedene Situationen und Persönlichkeiten, das sachliche auf den Grund gehen, indem man versucht den Kern der Sache zunächst zu erörtern, und das Recherchieren um möglichst faktisch Tathergänge und Verhaltensweisen des Mörders rekonstruieren zu können. 

Stattdessen werden uns willkürliche Phantastereien geboten, moralisch, reißerisch und mit Küchenpsychologie angegangen und dabei einem Phantom nachjagend, welches mit dem eigentlichen Phantom nichts zu tun hat. Selbstverständlich kann die Polizei mit derlei Thesen nichts anfangen. Allerdings nicht weil ein Drehbuch sich dieser Schwächen bewusst ist und sie als Spielerei für eine gekonnte Geschichte nutzen möchte, sondern lediglich als Klischee, um den Protagonisten zu verärgern, dass diesem niemand glaubt. Seine Spurensuche einer Analyse, die kaum alternative Variationen von ihm in seinen Überlegungen erfährt, scheint ihn den Killer sehr nahe zu kommen. Aber ob dem wirklich so ist das bleibt unbeantwortet, um ein Mysterium beizubehalten und den Zuschauer mit seinen Eindrücken selbst darüber grübeln zu lassen, was eine der wenig konsequenten Ideen von "The Monster of Florence" (Alternativtitel) ist. Seinen Tiefpunkt erreicht der leider nie spannend inszenierte Streifen in einer fiktiven Gerichtsverhandlung, die unsinniger und unsachlicher kaum ausfallen könnte. Eine gekonnt in Szene gesetzte Aufnahme am Flussufer hätte den so gar nicht funktionierenden Film zumindest stimmig beenden können. Leider entschließt sich Cesare Ferrario dazu stattdessen noch einen unnötigen Schluss dran zu hängen, der weit weniger stimmig endet. Das Debüt des laut OFDb gerade einmal drei Filme fertig stellenden Regisseurs will so gar nicht funktionieren. Einzelne Szenarien sind stimmig umgesetzt, gerade die wenig düsteren, das kann man Ferrario durchaus anerkennen. Letztendlich funktioniert "Il mostro di Firenze" (Originaltitel) aber weder als sinnlose Kurzweile, noch als spannendes Gedankenspiel in die Psyche eines Wahnsinnigen.  OFDb