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30.03.2025

Filmtagebuch - Zuletzt gesichtet (7)

Da mir zur Zeit die Motivation üblicher Besprechungen fehlt, möchte ich die letzten Sichtungen zumindest mal mit Kurzkommentaren versehen:

 

Wenn Louis eine Reise tut (1958)

Da ist der gute Louis in den schwarz/weißen Klassikern nicht so hibbelig wie in den deswegen manchmal leicht nervig ausgefallenen Werken seiner Promi-Zeit, da nervt stattdessen sein Filmsohn, der in der deutschen Fassung zudem eine penetrante Synchronstimme erhalten hat. Aber ohnehin fällt zu wenig Licht auf Louis und sind Plot und Pointen doch zu austauschbar, um etwas Nennenswertes zu zaubern. Zumindest die Altherrenwitze funktionieren mit einem lüstern fremdflirtenden de Funès-Ehemann mit strenger Ehe-Frau im Anhang recht gut.  OFDb

 

War Inc. - Sie bestellen Krieg: Wir liefern (2008)  

John Cusack als Auftragskiller funktioniert erneut wunderbar, diesmal eingebettet in eine bissige Satire um die Haltung der USA zum Thema Krieg und sämtlichen weiteren in den Medien zu beobachtenden Abarten in solchen Zeiten. Auch die Musikindustrie bekommt ihr Fett weg, und dem Drehbuch gelingt es mit Hilfe der wundervollen Darsteller Charme und Liebe inmitten von schwarzem Humor aufkommen zu lassen, ganz ohne mit Gefühlsduselei und Kitsch das alles zu verwässern.  Wiki

 

American Psycho 2 (2002)

Aus einer echten Gesellschafts-Satire wird ein lockeres Teeniefilmchen, welches eher verspielt mit der Serienkiller-Thematik umgeht, anstatt durchdacht. Da das Original für meinen Geschmack immer eine Spur zu verkrampft umgesetzt war, finde ich persönlich diesen eher plumpen Ansatz lockerer an die Sache heranzugehen gar nicht verkehrt. Mila Kunis ist süß wie immer, die Ironie, das zu verkörpern was man später bekämpfen will, wirkt was aufgesetzt, der Gesamtplot ist aber ohnehin nicht durchdacht. Aber durch seine leichtfüßige Art funktioniert der schlicht heruntergekurbelte Trivial-Streifen für einen schnell vergessenen Film eigentlich recht gut.  Wiki

 

Monk - Staffel 8 (2009)

Selbstverständlich wird in der finalen Staffel das Geheimnis um Trudy gelüftet, wenn auch mit banalerem Hintergrund als erhofft. Randy erfährt von allen Hauptfiguren das schönste Happy End, und es gibt zudem ein Wiedersehen mit Sharona. Zu den Highlights zählen Monk in der Rolle eines Gangsters zu sehen, eine Folge in welcher man sich mit Monks Lieblinsserie damit austobt die Brady Family zu parodieren und der Kriminalfall in welchem Monk von Ufo-Freaks für ein Alien gehalten wird. Es ist schön zu sehen, dass die Reihe bis zum Schluss auf einem Niveau blieb und nicht, wie in anderen Serien so oft der Fall, gegen Ende schwächelte.  Wiki

 

Mr. Monks letzter Fall (2023)

14 Jahre nach Serienende buddelte man den berühmten Meisterdetektiv mit der Originalbesetzung der vier wichtigsten Rollen wieder aus. Der Ansatz, dass die Welt seit Corona mehr Richtung Monk tendiert, ist wundervoller Natur, wird aber kaum genutzt. Stattdessen widmet sich die durch einen Streamingdienst finanzierte Film-Fortsetzung der Serie einem klassischen Fall, wie er auch in der damaligen Reihe hätte stattfinden können. Trotz Retrogefühle und Wiedersehensfreude im Gepäck wirkt das alles etwas zu langgezogen und auch etwas unnötig. Verkehrt ist ein Blick auf den sympathisch seichten Stoff trotzdem nicht zu nennen.  Wiki

23.05.2021

DER VOLLTREFFER (1985)

Wenn man den Aspekt der vielen Jahre zwischen den einzelnen Treffen einmal außer Acht lässt, serviert uns "Der Volltreffer" in der Jugendversion das, was vier Jahre später mit "Harry und Sally" zum Erfolg werden sollte. In beiden Fällen bereitet es Freude dem unterschiedlichen Paar dabei zuzusehen wie es sich kabbelt und ineinander verliebt. Daphne Zunigan darf, wie später auch in "Spaceballs", die arrogante Zicke spielen, Cusack wieder einmal den charismatischen Egoisten. Und eben weil beide Charaktere nicht so aalglatt ausfallen, weiß die Chemie zu stimmen, eingebettet in eine süße, humorvolle Geschichte, welcher ihr im Titel genannter, amouröser Aufhänger gar nicht so wichtig ist, wie man meinen könnte. Der Romantikanteil ist zudem wunderbar kitschfrei und ehrlich ausgefallen, serviert uns, wie typisch für das Genre, mit Jason ein Opfer, das als solches nicht beachtet wird, und arbeitet erfreulich wenig mit dem Aspekt der gegenseitigen charakterlichen Annäherung. Sie findet im kleinen Rahmen statt, und beim weiblichen Part verstärkter als beim männlichen, aber innerhalb eines glaubwürdigen Umfangs, welcher der Psychologie der Figuren nicht widerspricht. 

Im ersten Drittel dürfen wir zudem eine herrlich comichafte Performance von Tim Robbins genießen, den man als zunächst übertrieben fröhlichen, dann genervt verwöhnten Strahlemann kaum wiedererkennt. Ansonsten konzentriert sich "The Sure Thing" (Originaltitel) verstärkt auf das zentrale Paar, ohne die Geschichte mit auffälligen Randfiguren aufzupuschen, so stark war das Vertrauen in die Wirksamkeit von Protagonisten und ihren Darstellern, und ein derartiges Selbstvertrauen würde ich mir im Bereich der romantischen Komödien öfter wünschen. Der einzige Wermutstropfen, der mir auch gleich sehr bitter aufgestoßen ist, ist der unsensibel angehangene erste Kuss am Schluss, der so gar nicht zu prickeln weiß, und dies leider einer wundervollen Versöhnungsszene folgend, die im Kurs für kreatives Schreiben stattfindet. Der dort vorgetragene Text ist realistisch, da einem Teenager zuzutrauen, so wie überhaupt die komplette Darstellung der beiden Hauptpersonen im Gesamtfilm. Das ist der eigentliche Kniff an "Gnadenlos verliebt" (Alternativtitel): alle anderen Jugendlichen baden in tiefsten, geradezu comicartig überzogenen, Klischees. Die beiden Helden sind die einzig Normalen ihrer Generationen, und dies auf die angenehme, so gar nicht langweilige, Weise, weswegen sie einfach zusammen gehören, um das Leben in dieser Welt meistern zu können. Es war dann schließlich auch der hier tätige Regisseur Rob Reiner, der mit "Harry und Sally" die Erwachsenenversion nachreichte. Dass er auch anders kann bewies er mit Werken wie "Stand By Me", "Misery" und "Eine Frage der Ehre".  OFDb

23.05.2020

TEEN LOVER (1989)

Hier in Deutschland eher ein stilles Dasein fristend, ist "Teen Lover" in den USA ähnlich berühmt wie die Teenie-Filme von John Hughes. Sicherlich liegt das auch am mittlerweile erfolgreichen Hauptdarsteller John Cusack, aber der von "Vanilla Sky"-Regisseur Cameron Crowe inszenierte und geschriebene Liebesfilm ist tatsächlich ein sensibles Werk, welchem man ruhig mehr Beachtung schenken kann. Ohne gleich der große Wurf seines Genres zu werden, weiß "Say Anything..." (Priginaltitel) zu verzaubern. Hierfür muss er nicht einmal tief in die Kitschkiste und Theatralik greifen, ganz im Gegenteil ist der Streifen recht direkt erzählt und lässt die Emotionen über die Charaktere entstehen, die man als Zuschauer intensiv kennen lernt. Obwohl diese jeweils in einem Klischee-Milieu angesiedelt sind (die reiche Strebsame und der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Sportler), sind die Figuren selbst kaum Stereotype. Ihre Menschlichkeit bricht aus dem jeweiligen Klischee-Umfeld heraus, meist ohne große Tricks, ganz einfach durch die meist schlichten Situationen verursacht. Gerade der Charakter Lloyds ist schwer zu greifen, entspricht er doch keinem typischen zentralen Jugendbild eines Filmes aus diesem Land. Er ist leicht Prolo, selbstbewusst und sensibel, desorientiert, sachlich.

Ähnlich ergeht es der Liebesbeziehung selbst. Der erste Kuss wird nach dem längeren Aufbau einer Freundschaft fasst zur Nebensache. Der Übergang zur Partnerschaft ist kaum wahrnehmbar, die Gefühle Dianes kaum zu begreifen, bevor sie diese offen äußert. Gründe der Trennung sind im Leben verankert und damit ebenfalls schwer zu greifen, sprich ein Mensch, der die typischen Kino-Klischees benötigt kann sich eventuell schwer tun mit diesem Film, dem Komik und Dramatik nie in extremen Maße wichtig sind, da es ihm um die Gefühlswelt des Paares geht und um ihr gemeinsames Glück. Umstände, die das ungleiche Paar zusammenschweißen fühlen sich selbst kurzfristig ins Zentrum gesetzt nie vertieft genug an, sie und die Partnerschaft werden eher im Vorbeigehen beachtet. Was unsensibel oder schlecht strukturiert klingen mag, wird zum Trumpf des Streifens, der aus diesem Zurückschrauben heraus alles viel natürlicher erscheinen lässt, während er Figuren nie hinterfragt, sondern einfach akzeptiert. Es wird daraus eine erwachsene Herangehensweise erkennbar, passend dazu eine Liebesgeschichte erzählend von zwei jungen Menschen, die erwachsener sind als ihr Umfeld (an)erkennen möchte. Man fragt sich selbst als Zuschauer nicht in wie weit man beide mag, man freut sich einfach mit ihnen gemeinsam und erlebt durch sie noch einmal die erste Liebe mit. Wenn der Film an einem gut gesetzten Punkt endet, wünscht man ihnen alles Glück für die Zukunft. Unaufgeregt vom Film gepackt, lässt man ihn wieder los und denkt nicht all zu lang an ihn zurück. Und wenn dies doch einmal passiert, widerfährt einem noch einmal kurzfristig dieses wunderschöne Gefühl, welches er beim Gucken verursachte.  OFDb

HIGH FIDELITY (2000)

"High Fidelity" zeichnet sich nicht nur damit aus gekonnt den Herzschmerz mit all seinen Facetten lebensnah einzufangen, innerhalb einer Situation die längst nicht so Schwarz/Weiß gezeichnet ist, wie im US-Kino gerne üblich, er ist auch insgesamt äußerst stilsicher, gut beobachtet und empathisch ausgefallen. Das sieht man zum einen in der authentischen Charakterzeichnung der Hauptfiguren, die alle weder glänzende Vorbilder sind, noch das Gegenteil und deren Beweggründe nur selten rational begründet sind, es zeigt sich auch beeindruckend in der Umsetzung der Szene, in der alles spielt. Ein Soundtrack, der wie die Faust aufs Auge passt, wohl überlegte Plattensammlungen und Vinyl-Sortimente im Geschäft, Themen-bezogene Dialoge mit Insider-Kenntnissen, sowie die hier gelebten Mentalitäten, die nur leicht Stereotype streifen, seien nur einmal genannt, um oberflächlich abzugrasen wie gekonnt hier über Musikinteressierte berichtet wird. Von elitären Menschen wird da einmal sogar ganz offen geredet, was nur eine von vielen ausgezeichnet gut reflektierenden Momenten ist in einem Film, der, wahrscheinlich dank der Buchvorlage, ohnehin genau darin eine seiner größten Stärken besitzt. Um dem Ganzen noch eins drauf zu setzen liefert "High Fidelity" zudem eine tatsächliche Lösung des Lebenproblems, welches Rob durchmacht. Im Gegenzug ist die Versöhnung mit Laura weder als zwingend notwendiges Hollywood Happy End inszeniert, noch folgt sie einer logischen Konsequenz. Aufgrund der Charakterzeichnungen passt sie psychologisch gesehen aber exakt in das Umfeld, die Umstände und das Seelenleben der beiden und ist somit in seiner irrationalen Art ebenfalls höchst authentisch ausgefallen.

Dem Drehbuch gelingt der Kniff immer zu wissen wann etwas auch mal Comic-artig übertrieben gehört, um den Humoreffekt zu erhöhen (beispielsweise in der herrlich überdrehten Maskerade, mit der Tim Robbins in einer Nebenrolle so angenehm unangenehm zu glänzen weiß), ohne dem Werk seinen lebensechten Anstrich zu nehmen. Mit diesem Gesamtrezept schaut sich der Streifen mit seinem hohen Anspruch an sich selbst lockerleicht und kurzweilig inszeniert, trotz dramatischer Schwerpunkte, die tatsächlich ernst genommen werden, nie schwerfällig oder zu stark Richtung Tragikomödie schwenkend inszeniert, und so ist Regisseur Stephen Frears ein unglaublich sehenswerter, überzeugender und lebensbejahender Film geglückt, über Gefühle, die fast jeder nachvollziehen kann, angereichert mit Analysen über das Leben und die Gesellschaft, die einem oft genau die klaren Worte servieren, die man selbst nicht hätte ausformulieren können. Frears ist gekonnter Routinier, ist bereits seit den 60er Jahren Regisseur und hat in unterschiedlichen Genres schon vorher längst bewiesen, was er kann. Stellvertretend sollen hier nur einmal das Horror-Drama "Mary Reilly" und die Komödie "Ein ganz normaler Held" genannt sein, alles Werke die ein breites Publikum ansprechen, ohne an Mainstream-Krankheiten zu leiden.

Neben ihm und dem hervorragenden Drehbuch weiß auch die treffsichere Besetzung die Qualität des Streifens zu stützen. John Cusack, der "High Fidelity" mit produzierte, schaut sich wie die Idealbesetzung der Hauptrolle, die unbekannte und unglaublich charismatisch besetzte Iben Hjeljle trifft als weiblicher Mit- und Gegenpart derart ins Schwarze, dass man sich niemand anders in der Rolle vorstellen möchte, Tim Robbins ist Trumpf wie immer, Joan Cusack überzeugend in einer kleinen, aber interessant herausgearbeiteten Rolle mit dabei, Jack Black spielt üblich überdreht und ist dennoch sensibel spielend dabei und darf somit für die ein oder andere Überraschung sorgen, Lisa Bonet lässt sich ebenfalls kaum anders besetzt vorstellen, Catherine Zeta-Jones spielt gekonnt eiskalt wie fast immer, und Todd Louiso gelingt das Kunststück seine Figur komplett introvertiert anzusetzen, ohne sie auch nur im Ansatz der Lächerlichkeit Preis zu geben oder unrealistisch wirken zu lassen. Somit zählt "High Fidelity" zu den Glückstreffern, bei denen wahrlich alles stimmt, weil sich hier Menschen zusammengefunden haben, denen die Umsetzung der Buchvorlage nicht nur sehr wichtig war und die nicht nur mit äußerst viel Respekt an das Projekt herangegangen sind, sondern auch verstanden haben auf was zu achten ist, wie der Stoff gemeint ist und wie dieses großartige Drehbuch umgesetzt werden muss. Der Film bietet dem Zuschauer Erkenntnisse, Wiedererkennungswert und vielschichtigen Unterhaltungswert in bester Kino-Professionalität, so dass er zu einem jener Werke wird, die man sich wahrlich immer wieder angucken kann, ohne dass Abnutzungserscheinungen zu erkennen sind.  OFDb

08.05.2020

AMERICA'S SWEETHEARTS (2001)

Billy Crystal, Mit-Autor, Mit-Produzent und Mit-Hauptdarsteller in einer Person, verarbeitet diverse Stereotypen der Filmwirtschaft, aus der er selbst kommt, in seinem "America's Sweethearts", macht dies aber auf liebevolle Art, ohne der Branche zu schaden. Als sich darauf konzentrierende Satire würde der Film deswegen zu harmlos erscheinen, aber Crystal möchte gar nicht mit Hollywood abrechnen, er nutzt diese Schattenseiten für eine Liebeserklärung an sein Berufsumfeld. Das weiß ihm deshalb zu gelingen, weil er zum einen manche Fragwürdigkeit nicht dem System unterstellt, sondern einzelnen Charaktertypen, so dass jeweils der Eindruck der Diven, der Druck machenden und über Leichen gehenden Produzenten u.ä. Vertreter der Branche je über die spezielle Orientierung der jeweiligen Figuren eingebracht wird und selbst diesen ein gewisser Charme zugestanden wird. Zudem geht es Crystal nur zum Teil darum den Medienzirkus Hollywoods zu persiflieren. Denn "America's Sweethearts" will zudem auch eine Liebes-Komödie sein. Und da kommt die Rolle Julia Roberts ins Spiel, die seit "Pretty Woman" ohnehin im Genre des Liebesfilms festzustecken schien.

Sie ist zwar nun erneut Part einer derartigen Geschichte, allerdings wird durch die Mitorientierung der Branchen-Persiflage auch ihre Rolle stark in diese mit einbezogen, wenn auch nur durch die passive Beteiligung hinter den Kulissen, so dass der leichte Satirepart auch auf ihren Charakter zurückfällt. Die schrägen Umstände unter denen Eddie und Kiki zusammen finden, wird somit selbst fast zur Verballhornung des Genres Liebesfilm. Leider ist ihr Charakter eine Spur zu schwach ausgefallen, ordnet sich Kiki doch derart stark den Wünschen ihrer Schwester unter, dass man ihr das Heraustreten aus ihrem Schatten im Laufe der Erzählung ebenso wenig zutraut, wie die positiven Empfindungen der egoistischen Gwen gegenüber. Hier hätte man sich intensiver auf ihre Charakterentwicklung, anstatt auf den umso stärker durchleuchteten Medienzirkus, orientieren müssen, damit dieser nicht unerheblich wichtige Teil der Geschichte glaubwürdig und emotional intensiv funktionieren kann.

Was das Drehbuch nicht zu genüge beachtet, machen die Darsteller positioniert in ihren meist ohnehin typischen Rollenbildern professionell zu einem guten Teil wieder wett. Catherine-Zeta Jones glaubt man persönlich zu hassen, so intensiv wie sie allein schon mimisch in ihrer Rolle zu wirken weiß, John Cusacks Hoch- und hauptsächliche Talfahrt der Gefühle kommen stilsicher und überzeugend witzig herüber, Billy Crystal kommt mit seiner üblichen Komik daher, und Christopher Walken darf diesmal schrullig-exentrisch hinter ungewohnter Maske agieren. Julia Roberts wirkt hingegen etwas unterfordert, darf meist nur süß lächeln oder auf niedliche Art enttäuscht gucken, während die Geschichte uns wenig überzeugend weismachen will, dass sie einst unattraktiv war. Auch derartige Aspekte sorgen dafür, dass die eigentliche Liebesgeschichte nie ergreifend genug wird, um aus dem Bereich des Medienwirbels als Hauptaspekt der Geschichte zum Ende hin gekonnt herauszuragen.

Somit bleibt uns am Schluss ein braver, aber lustiger Blick hinter die Kulissen Hollywoods und eine Liebesgeschichte, die zumindest dank der sympathischen Besetzung eine Spur besser funktioniert, als es das Drehbuch eigentlich zulässt. Damit ist der Streifen unterhaltsam genug ausgefallen, um als leichter Verzehr durchzugehen, wird aber kein Werk, das derart intensiv in Erinnerung bleibt, wie beispielsweise "Wild Boys - Der Sommer ihres Lebens", den ebenfalls Joe Roth inszenierte. Mit "Die Supertrottel", der Fortsetzung von "Die Rache der Eierköpfe", bewies er einst hingegen, dass er auch wesentlich schlechteres als den hier präsentierten Mainstream-Medienkritik-Kompromiss abliefern kann.  OFDb

DAS URTEIL - JEDER IST KÄUFLICH (2003)

Ich konnte ja nicht viel mit Gary Fleders "Sag' kein Wort!" und "...denn zum Küssen sind sie da" anfangen, aber seinen "Das Urteil - Jeder ist käuflich" habe ich nun schon des öfteren geschaut, und ich bin jedes Mal wieder von ihm angetan. Mag er auch dem selben Genre wie die Vergleichsfilme angehören, einen düsteren Still oder einen enormen Spannungsbogen braucht man hier nicht erwarten. Der Film über den Kampf um ein Gerichtsurteil ist eine Art verspielter Thriller, mischt doch eine dritte Partei die Profis zweier anderer Parteien auf, so als würde man einer humorbefreiten Show um Streiche mit versteckter Kamera beiwohnen. Freilich macht das Drehbuch aus Nick einen überbegabten Trickser, der etliche Züge voraus sieht und zusammen mit seiner Frau gegen fast alles gewappnet ist, was kommen mag. Der Film soll Kino sein und trotz seiner ernsten Gesellschaftskritik um Waffengesetze unterhalten, anstatt authentisch dokumentarisch daher zu kommen. Und auf diese Art weiß er zu funktionieren, zumal das Drehbuch dennoch genügend Raum lässt das angegangene Thema ernst zu nehmen und die Überlegenheit des Pärchens immer wieder abzudämmen, indem ihr Gegner sich als erfahrener, einfallsreicher und linker erweist, als sie es einschätzten.

Es ist eine Freude Nick und Begleitung bei ihren Manipulationen zuzusehen, beginnend mit der beeinflussenden Methodik bei der Auswahl der Geschworenen. Für sein Genre lockerleicht daher kommend, mischt sich Thriller zwar mit Drama, präsentiert das Geschehen aber oft auf satirische Art, ohne Elemente des Plots der Lächerlichkeit preis zu geben. Man nimmt den Stoff innerhalb seiner Kinorealität ernst genug, sogar in jener späten Phase, in welcher aus dem gewitzten Mainstream eine Art Anti-"Die 12 Geschworenen" wird. Dass das Ganze so wunderbar funktioniert, verdankt der Film zu einem großen Teil seiner Star-Besetzung. Allein der treue Blick Hoffmans ist Gold wert. Cusack ist wie so oft überzeugend als zwielichtiger Charmeur besetzt, und Hackman lebt geradezu auf in seiner überheblich anvisierten Bösewicht-Rolle, toll unterstützt von den Verantwortlichen für Maske und Kostüm.

"Runaway Jury" (Originaltitel) lässt einen fast über die komplette Lauflänge von den tatsächlichen Absichten des illegal handelnden Paares im Unklaren, diverse Andeutungen am Rande lassen einen aber vermuten, was wirklich Sache ist. Und da dies über Informationen vermittelt wird, welche der Filmgegner sich erhascht, leidet unter diesem Aspekt ein wenig die Glaubwürdigkeit der Geschichte, müssten die heimlichen Mitarbeiter der Verteidigung doch weit vor dem vor Genugtuung nur so übersprudelnden Finale den Braten riechen. Das ist aber auch mein einziger Kritikpunkt innerhalb eines ansonsten wunderbar funktionierenden Werkes, welches man sich als Freund von Gerichtsfilmen, Betrüger-Geschichten und Themen um Ungerechtigkeiten des Alltags unbedingt ansehen sollte. "Das Urteil" bietet dies alles vereint in verschmitzter, aber nicht verharmlosender Form, eingebettet in den Gesetzmäßigkeiten des US-Mainstream-Kinos der angenehmen Sorte.  OFDb

09.08.2017

FROZEN GROUND (2013)

Um im Meer an Psycho-Thrillern zum Thema Massenmörder/Frauenmörder herauszuragen braucht man eine besondere Idee. In „Frozen Ground“ setzt man deshalb nicht nur auf die prominente Besetzung mit John Cusack und Nicolas Cage, man gönnt sich zudem die Idee beide ihre jeweiligen Erlebnisse parallel geschehen zu lassen, inklusive Überschneidungen, die nur selten damit enden, dass beide Darsteller gleichzeitig in den selben Szenen zu sehen sind. Cage als Jack ermittelt gegen Cusack als Robert, Robert versteckt sich, während er gleichzeitig die erste Zeugin, die er versehentlich hinterlassen hat, finden muss, eine Prostituierte, die fast sein Opfer geworden wäre, und der fast niemand ihre Schreckensgeschichte geglaubt hätte, wenn Polizist Jack nicht gewesen wäre.

Robert ist nicht nur Mörder, er spielt perverse Spiele mit seinen Opfern. Er hält sie gefangen, foltert sie, schläft mit ihnen und macht in der Einöde schließlich Jagd auf sie, wie man es mit Tieren macht. Ähnlich wirr wie diese Aufzählung klingt, wirkt das komplette Täterprofil, zumal Robert seine Taten „Dexter“- und „Mr. Brooks“-ähnlich durch sein nach außen hin harmloses Familienleben verschleiert, im Gegensatz zu denen aber nicht nach außen glaubwürdig den Normalo mimen kann, so dass dieser Aspekt bereits unglaubwürdig erscheint. Da Cusack in extremeren Szenen wiederum viel zu brav dreinschaut, kauft man ihm auch den Rest seines Charakters nicht ab, was nicht weiter wild ist, da die zähen Szenen der Gefangenschaft ohnehin eher reißerisch anstatt empathisch oder bedrohlich wirken.

Jacks Untersuchungen fallen auf der anderen Seite auch nicht prickelnd aus. Stets versucht er die Prostituierte zur Vernunft zu bringen. Dabei verzichtet man auch nicht auf das alte Klischee, dass sich der Polizist der Zeugin gegenüber öffnen muss, damit sie dies umgekehrt ebenfalls tut. Dementsprechend bekommt Jack einen tragischen Hintergrund beschert, den Cage dafür nutzt den schon oft verwendeten Dackelblick aufzusetzen, der in „Stadt der Engel“ und „Peggy Sue hat geheiratet“ zwar zu funktionieren wusste, hier jedoch erfolglos aufgesetzt wirkt, sich damit also zu den Negativpunkten des Streifens einreihen darf.

„Frozen Ground - Eisiges Grab“ (Alternativtitel) will aufgrund von Spannungsarmut, uninteressant erzählter Story und wegen seiner lustlos spielenden Stars nicht ansatzweise funktionieren. Er holt zwar optisch einige wunderschön fotografierte, triste Bilder heraus, die zu der Demotivation der Protagonisten passen, aber das ist auch das einzig nennenswerte an Scott Walkers Regiedebut, dem bislang keine weitere Regiearbeit nachgefolgt ist. Ich habe keine Ahnung ob der Mann mehr kann, als er hier zu leisten fähig war, aber immerhin ist das Drehbuch bereits so schlecht ausgefallen, dass auch wer Erfahrenes sich an dem Projekt sicherlich die Zähne ausgebissen hätte. Cusack legte im selben Jahr mit „Numbers Station“ zumindest noch einen besseren Film nach.  OFDb

09.07.2017

NUMBERS STATION (2013)

Mag der Aufhänger für den Laien auch ziemlich hanebüchen klingen, das simple Grundkonzept sich alleine gegen eine Belagerung zur Wehr setzen zu müssen, ist ein wirksames, das war es schon in anderen Werken wie „Assault - Anschlag bei Nacht“. Und da sich Regisseur Kasper Barfoed und Autor F. Scott Frazier hauptsächlich auf die Psyche der Eingeschlossenen konzentrieren, einzig deren Perspektive betrachtend und der Suspense den Vorzug geben, anstatt der Actionszenen, kann man über das Ergebnis von „Numbers Station“ eigentlich nicht klagen. Manch einem mag er etwas zu routiniert ausgefallen sein, ich persönlich mag jedoch seine direkte, Kammerspiel-artige Umsetzung, die ohne großen zusätzlichen Schnickschnack auskommt, der wahrscheinlich eher pseudohaft das simple Geschehen aufgewertet hätte.

Im Raum steht ohnehin ein zum Grundszenario passender zusätzlicher Aufhänger, und das ist der Irrtum der Mathematikerin zu glauben der Agent wäre zu ihrem Schutz auf dem Stützpunkt engagiert. Emerson steht vor dem selben Dilemma, wie er es zu Beginn des Streifens stand. Erneut soll er wen Unschuldiges umbringen, damit der Stützpunkt aufgelöst werden kann. Die Codedierein weiß einfach zu viel. Ob Emerson die Tat aufgrund des Parallelereignisses seiner Vergangenheit lediglich vor sich hinschiebt, oder ob er tatsächlich erneut handfeste Gewissensbisse hat, weiß man aufgrund seiner Ausbildung nicht konkret, die Vermutung zu Letzterem steht jedoch relativ klar im Raum, so dass man nicht wirklich mit großen Überraschungen am Schluss rechnen muss. Zumindest sorgt gegen Ende ein Dialog mit wem ähnlicher Ausbildung für einen kleinen Einblick in die traurige „Nikita“-ähnliche Welt Emersons, letztendlich ist „Numbers Station“ jedoch recht oberflächlich gezeichnet und geht psychologisch, wie analytisch nicht genügend eigene Weg, um ihn aufgrund solcher Momente als tiefsinnig bezeichnen zu können.

Ob das Treffen mit dieser Art Arbeitskollegen ein Nachdreh zum besseren Verständnis für das Publikum war, weiß ich nicht. Es wäre jedoch gut möglich, werden doch auch innerhalb des Restfilmes immer wieder Szenen unnötig eingestreut, die noch einmal das verdeutlichen sollen, was längst klar war. Tonaufnahmen werden unnötige Bildrückblicke für den Zuschauer beschert, welche unsere Protagonisten nicht miterleben, Backflashs sollen an bereits erlebte Szenarien erinnern, obwohl das Storygerüst wie bereits erwähnt nicht sonderlich kompliziert ausgefallen ist, ständig wird dem Zuschauer eine Orientierung geboten, die nicht nur nicht nötig gewesen wäre, sondern dem Geschehen auch ein gutes Stück Authentizität kostet.

Rein von der Stimmung her hätte es dem Streifen zudem gut getan nicht zu zeigen, was bildlich während der Tonaufnahmen passiert ist. Das kurz vor dem Eintreffen unserer Helden Geschehene ebenfalls nur akustisch mitzuerleben, hätte der Situation einen Suspensemoment beschert, welcher die angespannte Atmosphäre noch eine Spur konsequenter hätte erscheinen lassen, so dass man sich näher mit den beiden Hauptfiguren hätte identifizieren können. Aber dieser Gedanke scheint heutzutage zu mutig für einen Film dieses Genres zu sein, dessen Hauptpublikum nach Produzentendenken scheinbar für solche Stilmittel zu einfach gestrickt ist. Wahrscheinlich darf man schon dankbar dafür sein in „Numbers Station“ nur die eine Seite mitzuerleben, ohne die Pläne der Gegenseite vor die Nase gesetzt zu bekommen.

Atmosphärisch genug ist das fertige Werk jedoch dennoch ausgefallen. Zudem ist es mit John Cusack gut besetzt, der angenehm routiniert erneut wen spielen muss, dessen Arbeit das Töten ist. Im selben Jahr von „Numbers Station“ agierte er wesentlich lahmer im mauen „Frozen Ground“, so dass man über das bisschen Mehrengagement, welches er hier an den Tag legt, bereits dankbar sein kann. Es reicht, damit der hier besprochene Film funktionieren kann, zumal Cusack über eine Ausstrahlung verfügt, die bereits reicht um eine Rolle zu stemmen, die charakterlich nun wirklich nicht sehr tief geht. Seine Spielpartnerin Malin Akerman wirkt eher wie das zu beschützende Anhängsel und hat nicht wirklich etwas Großartiges zu leisten. Das mag ein wenig schade sein, zeigte sie doch beispielsweise in „Nach 7 Tagen ausgeflittert“ was für gute Arbeit sie leisten kann, aber auch sie weiß im zurückhaltenden Modus zu überzeugen und wirkt zudem immerhin sympathisch auf den Zuschauer.

Dieser Faktor ist auch nicht zu unterschätzen, eben weil man von der Identifikation her an den Agenten gebunden ist, und so den inneren Konflikt Emersons mitempfinden darf. Dies zwar oberflächlich gehalten wie alles im Film, ein besseres Drehbuch hätte einen richtig tiefgründiges Geschehen aus dem Psychospiel der kompletten Situation gemacht, gerade wenn man nur zwei Figuren im Fokus hat, letztendlich reicht das in seiner Lightversion Vorgetragene aufgrund einer stimmigenen Umsetzung aber bereits aus, um einem Publikum mit wenigen Erwartungen den kleinen Thriller für zwischendurch zu bieten.  OFDb

28.01.2017

PULS (2016)

Was Stephen King eher in bemühter als in gelungener Form versucht, ist das zur Zeit allseits beliebte Zombie-Genre lediglich als Grundlage zu nutzen, um daraus etwas Eigenständiges zu zaubern. Sein etwas wirrer Mix aus „Die Nacht der lebenden Toten“, „The Signal“ und „Puppet Masters“, angereichert mit Ideen aus „Nightmare - Mörderische Träume“ und „The World's End“, ist nicht der große Wurf geworden, den manch einer sich eventuell erhofft hat. Für unterhaltsame 90 Minuten ist dennoch gesorgt, entdecken wir mit unseren Helden doch nicht nur die Welt nach einer schrecklichen Katastrophe, so wie es fast jeder Zombiefilm erzählt, durch den Wandel den die Kreaturen durchmachen bleiben wir auch immer neugierig was wohl als nächstes passiert.

Wirklich spannend ist „Puls“ nicht geraten, er guckt sich ein wenig zu steril, setzt zu sehr auf Bewährtes, fühlt sich nicht lebendig an. Weder John Cusack noch Samuel L. Jackson spielen in Hochform. „Puls“ ist zu statisch geraten, zu sehr auf das gesetzt was man Genre-bedingt im Kino nun einmal zu sehen bekommt. Aber der Drang Kings sich nicht auf einer Idee auszuruhen und immer Neues bieten zu wollen, eine Eigenschaft die einem gut erzählten Film geschadet hätte, wird hier zum Antriebsmotor, dass das Ganze trotzdem noch auf Routinebasis funktioniert.

Wie jeder Film ähnlicher Grundlage lässt sich das Geschehen als Sinnbild auf vielerlei Elemente in unserer Gesellschaft anwenden, durch den Auslöser mittels Funknetztelefonen mehr denn je. So richtig ehrlich will sich die Gesellschaftskritik in diesem Mainstream jedoch nicht anfühlen, zumal die Fantastik der Geschichte überwiegt, als dass man den Stoff all zu ernst nehmen könnte. Ein Verweis auf Kanada bleibt ein kleiner direkter Bezug auf das Denken Alternativer, gewaltigere Aspekte, wie das Mitläufertum durch die Beeinflussung medial eingebläuter Meinungen, sind in dieser Thematik im Kino nicht neu und werden im hier besprochenen Film nicht tief genug genutzt.

Letztendlich versucht King etwas, was jemand Anderem bereits mit „Pontypool“ gelungen ist: er möchte ein Zombieszenario mit einer wahnwitzigen Idee anreichern, um dem Ganzen neuen Zunder und Tiefsinn zu geben. Leider funktioniert „Puls“ nur als schlichter Film für zwischendurch, und dies auch nur wenn man großzügig über das zu bemühte Drehbuch hinwegsehen kann.  OFDb

03.12.2016

BEING JOHN MALKOVICH (1999)

Wer die Filme Spike Jonzes und Charlie Kaufmans kennt, der wird wissen, dass der kleinen Inhltsangabe ein Meer an Ideen folgt, ist es doch geradezu typisch für ihre Filme, dass sie Stoffe für etliche enthalten, nicht etwa weil sie ihre Werke überstrapazieren und ihnen keine Luft zum Atmen geben, sondern weil sie voller wundervoller und verrückter Ideen stecken, mit denen sie ihren Filmen Leben einhauchen. Für den Zuschauer werden diese Werke zu wahren Erlebnissen, und der geistreiche Zuschauer darf sich zudem daran erfreuen, dass die Autoren über eine analytische Beobachtungsgabe und über psychologische Kenntnisse verfügen, so dass jedes noch so groteske Szenario aus einem intellektuellen Verständnis und einem empathischen Mitgefühl geboren und begleitet wird.

Während Jonzes und Kaufmans reifere Werke „Her“ und „Vergiss mein nicht“ gefühlvoll erzählt sind, so dass der Zuschauer sich geradezu in ihnen verlieren kann, da orientiert sich der früher entstandene „Being John Malkovich“ noch hauptsächlich an seinem bizarren Grundszenario und die Wechselwirkung der Macht zwischen den Protagonisten. Angefangen mit kleinen Gimmicks, wie dem 7 1/2. Stockwerk, weitergeführt mit der eigentlichen Idee einer Tür in den Kopf Malkovichs, bis hin zur Frage was passiert wenn der Eigentümer besagten Kopfes durch besagte Pforte tritt, wird mit Ideen kreativ herumjongliert, so dass es für den Zuschauer so einiges zu staunen gibt.

Dennoch soll „Being John Malkovich“ kein bloßer Hinguckerfilm sein. Seine schrillen Attraktivitäten werden nicht einzig wie auf einem Jahrmarkt zur Schau gestellt. Die Geschichte nutzt diese kuriosen Geschehnisse um einen Blick auf eine recht tief charakterisierte Schar von Menschen zu riskieren, um zu sehen wie diese mit Macht umgehen. Wo Politkomödien sich mit wahrlich mächtigen Persönlichkeiten auseinandersetzen, da interessieren sich Kaufman und Jonez für den kleinen Mann, dem sie die Alltagslügen entziehen, indem sie hinter ihre Fassade schauen. Craig dominiert seine Ehfrau, während er selbst von seiner attraktiven Kollegin dominiert wird. Selbst der dusselig wirkende Chef wird von seiner Sekretärin dominiert. Im Laufe des Filmes kommt es aufgrund des Törchens zu Malkovichs Bewusstseins zu einem ständigen Wechsel darüber wer über wen Macht besitzt.

Für die Frage woher das Törchen kommt und ob jeder Mensch ein solches besitzt, interessieren sich die Autoren lange Zeit nicht, haben sie mit diesem Themenbereich, den andere Autoren viel früher belanglos verfeuert hätten, doch ganz eigene Pläne, die für die Geschichte und gerade auch für die Schlusspointe geradezu wichtig werden. Geistvoll, wie die pointensichere Groteske erzählt ist, orientiert sich dieser zunächst vernachlässigte Themenstrang an einer anderen Form von Macht und Gier, um auch deren Vielfältigkeit im Blick zu behalten. „Being John Malkovich“ grast viele Bereiche ab, vertieft sie, spielt mit ihnen, wirft sie wieder um, experimentiert mit ihnen, während andere für die Geschichte gar nicht mal so unwichtigen Elemente einfach rausgehauen werden ohne sie näher zu beleuchten. Das gibt dem an sich überraschend durchdachten Werk eine zusätzliche Schrulligkeit und somit einen weiteren Sympathiepunkt.

Wer Cameron Diaz in ihrer ungewöhnlichen Rolle erkennen möchte, der muss schon genau hingucken, ist „Being John Malkovich“ doch in ihrer mutigen Zeit entstanden, relativ zum ersten Hoch ihrer Karriere hin, als sie diese noch mit gewagten Rollen zu stürzen riskierte. Der Mut zur Hässlichkeit lässt sich hier nicht abstreiten, und wenn dann noch jegliche Öko-Eigenschaft, die ein naiver Charakter besitzen kann, von dieser guten Frau verkörpert wird, dann bleibt zunächst kaum noch ein sympathischer Aspekt an diesem Charakter übrig, was sich im Laufe der Zeit allerdings ändern wird, sind Kaufman und Jonze doch schließlich Magier ihres Fachs und schenken gerade dieser Rolle zum Ende hin die kleine Dosis Mitempfinden, die sie in den beiden oben erwähnten späteren Werken zum Mittelpunkt ihrer Erzählungen machen.

John Malkovich hingegen genießt es in den relativ wenigen Szenen, in welchen er Herr seiner Selbst sein darf, ein eigenes Klischeebild seines angeblichen Ichs zu zeichnen. Wo ein Bill Murray in „Zombieland“ und Bruce Campbell in "My Name is Bruce" verschmitzt einen eingebildeten, sich selbst liebenden Schauspieler aus sich machten, da geht Malkovich subtiler vor, zeigt die hoch intellektuelle Variante wie sich mancher Tunnelblickdenker den Charakter erfolgreicher Theatermimen vorstellen, eine Idee die von den Verantwortlichen der deutschen Synchronisation auch bestens verstanden wurde, und kreiert aus seinem Phantom-Ich den reinen Künstler mit feiner Etikette im Auftreten, intellektuellem Interessengebiet und pingeligster Vorstellungskraft dessen was er möchte.

Jeder weitere Schauspieler macht seine Sache ebenso gut wie die beiden von mir hervorgehobenen Persönlichkeiten. Auch der oft ähnlich spielende, mir aber immer sympathische, John Cusack wird diesmal geradezu herausgefordert mit seiner Figur zu spielen und schauspielerische Grenzen auszuloten. Ihm wie all den anderen sieht man die Spielfreude an, die am Set, trotz aller zwingender Maßen erforderten Konzentration und Professionalität, geherrscht haben muss. Kein Wunder, das einfallsreiche Drehbuch hat viele interessierte Mimen gelockt, ob in Gastauftritten oder in Hauptrollen. Für eine Geschichte wie diese wurde das Medium Kino überhaupt erfunden.  OFDb

27.04.2015

FRAU MIT HUND SUCHT... MANN MIT HERZ (2005)

Sicherlich besitzen die meisten romantischen Komödien keine großartig tiefgehenden Geschichten. Sie leben meist von ihrem Witz und der prickelnden Romantik. Aber selten kamen mir Ereignisse in diesem leichten Genre so belanglos vor wie die aus „Frau mit Hund... sucht Mann mit Herz“, der lediglich die Frage nach Mr. Richtig stellt und erst mithilfe eines Buhmanns unter den beiden Favouriten zu einer Lösung kommt. Das wäre sicherlich nicht nötig gewesen, im Prinzip sogar interessanter und raffinierter ausgefallen, wenn dies nicht der Fall gewesen wäre, insgesamt ist einem die ewig jammernde Hauptfigur aber dann doch zu egal um wirklich wissen zu wollen für wen sie sich entscheidet.

Es ist nicht so, dass „Must Love Dogs“ (Originaltitel) teilweise nicht luftig leicht daher kommen würde und hin und wieder Sympathie versprühen würde, aber das sind Phasen in einem Film, der von seinen großartigen Darstellern zwar getragen aber nicht gerettet wird. Erstaunlich wie viel Mühe sich alle geben, wie angenehm Cusack daher kommt, wie kitschig aber nachvollziehbar die Beweggründe des Vaters dargestellt werden und wie dessen neue zwielichtige Freundin eine positive Wirkung im Laufe der Zeit beim Publikum erzielt. Letztendlich kommt der Streifen aber einfach eine Spur zu soft daher und suggeriert dem Zuschauer pausenlos dass ein Mensch ohne Partner nicht komplett wäre.

Wenn sich das finale Paar gegen Ende schwer damit tut endlich zueinander zu finden, dann ergibt das endlich einmal so starke Momente wie jene aus Cusacks geglückter Romantik-Komödie „Weil es Dich gibt“. Erfrischende Szenen, wie die verzweifelte Suche nach einer geöffneten Apotheke in der Nacht, oder solch frustrierende wie der von John mitbekommene Kuss eines nächtlichen Besuchers, sind einsame Höhepunkte in einer Geschichte die zwar nicht wirklich langweilt, aber doch im Laufe der Spielzeit immer wieder die Frage aufwirft: wen interessiert das nun wirklich?

Sicherlich würde es einigen Love Storys wie dieser hier ergehen, wenn sie sich nicht in irgendeinem unglaublich toll geschrieben Punkt hervorheben würden. In „Während Du schliefst“ wird die Sehnsucht von Pullmans Rolle hervorgehoben und auf den Zuschauer übertragen. „French Kiss" lebt von der frechen Art eines Kevin Klines. „So was wie Liebe" von den komplizierten Umständen der Moderne. Wo es an wahrem Wortwitz fehlt oder an intensiven Gefühlen, da schleicht sich eben einach ein gewisses Desinteresse ein, zumindest wenn die Figur im Blickpunkt zu austauschbar ist.

Sarah lernen wir eigentlich nur als jemand Einsames kennen, der gerne einen Freund hätte. Ihre Persönlichkeit, und damit die Antwort darauf ob ihre Probleme mit dem Finden von Mr. Richtig auch wirklich gelöst sind, lernen wir nicht wirklich kennen. Nur den bangenden, hoffenden und winselnden Part - überschattet von einer Familie, die zwingend möchte, dass Sarah endlich in einer Partnerschaft lebt. Fast schon will man die Heldin als Single erleben, um diesem hier vorgelebten Weltbild zuzurufen: es ist nicht schlimm allein lebend zu sein. Du bist auch etwas wert ohne einen Partner zu besitzen. Leider gibt sich der von Gary David Goldberg inszenierte Film im Abspann diesbezüglich lieber selber Recht, während er viel zu dreist von „Harry und Sally“ klaut, der durch seine Raffinesse und tiefgehenden Charaktere das exakte Gegenteil zum zu routinierten und oberflächlich ausgefallenen „Frau mit Hund... sucht Mann mit Herz“ ist.  OFDb

26.04.2014

DAS DARF MAN NUR ALS ERWACHSENER (1984)

Wenn es um „Ferris macht blau“ und „Der Frühstücksclub“ geht, wird man bei Nichtsichtung geradezu schräg angeguckt, so populär und beliebt sind beide Streifen. Wenn es jedoch um John Hughes erste Regiearbeit geht, die ebenfalls aus den Bereich der Teenie-Komödie stammt, dann beginnen alle zu rätseln. „L.I.S.A. - Der helle Wahnsinn“, der ist unter Umständen noch als bekannt in den Hinterköpfen gespeichert, aber „Das darf man nur als Erwachsener“ ist in Deutschland, im Gegensatz zu Amerika, völlig unbekannt, auch unter seinem Original- und DVD-Titel „16 Candles“.

Im direkten Vergleich zu den zwei berühmten Hughes-Filmen fällt „16 Candles“ auch ein wenig ab, aber er ist zu gut um ihn zu ignorieren, obwohl ich durchaus verstehen kann, dass er es ein wenig schwer hatte sich durchzusetzen. Hughes Regie-Debut ist ein merkwürdiger Mix aus Familien-Komödie, Teenie-Romanze und Partyfilm. Es tummeln sich jede Menge mal mehr mal weniger schräge Charaktere um Hauptaugenmerk Samantha, aber selbst die darf im Mittelteil des Streifens pausieren, wenn andere Blickwinkel wichtiger werden.

Eine Geschichte erzählt „16 Candles“ durchaus, allerdings wird sie dominiert von den vielen liebenswerten Figuren, die alle ihre besonderen Momente erleben und von denen man keinen missen mag, egal ob es nun Samanthas Großeltern sind, die große Schwester, der kleine Bruder, oder Kultgestalten wie Long Duk Dong oder der Geek, eine Art König der Schul-Loser und verkörpert von Anthony Michael Hall, der den Streber im „Frühstücksclub“ gab und auch die männliche Hauptrolle in „L.I.S.A. - Der helle Wahnsinn“ spielte. Hughes hielt scheinbar viel von ihm, zu einer Berühmtheit wurde Hall jedoch nie.

Ganz anders Molly Ringwald, die später das Prinzesschen im „Frühstücksclub“ spielen sollte und in der Hughes-Produktion „Pretty In Pink“ eine arme Teenagerin verkörperte, die sich in einen reichen Jugendlichen verliebt. Hughes versammelt hier also das ein oder andere Gesicht, mit dem er später die gemeinsame Arbeit vertiefen sollte. Dass er bei all der Schar talentierter Jungmimen ausgerechnet John Cusack in den Hintergrund schob und scheinbar unterschätzte (immerhin tauchte der nie wieder in einem Hughes-Film auf), ist schade, aber seine nerdigen Szenen machen trotzdem viel Spaß.

John Hughes schafft es den Film in seinen jeweiligen Phasen jeweils hervorragend wirken zu lassen. Da trifft die Sehnsucht nach der großen Liebe emotional ins Schwarze, obwohl Momente vorher und hinterher herzhaft gelacht werden darf, wenn wieder irgend etwas (nicht selten skurriles) passiert. Hughes lässt nicht nur Teenager trotz völliger Übertreibungen lebensecht erscheinen, er weiß auch Klischees der Großfamilie liebevoll zu veralbern und den Zuschauer trotz comichaftem Ausdehnen der Situationen des öfteren über etwas schmunzeln zu lassen, was dieser aus eigener Erfahrung kennt.

Dass inmitten von Charme und Irrsinn auch der Romantikaspekt zu wirken weiß, wenn dieser endlich einmal in die Gänge kommt, ist ebenso wichtig wie großartig. Überraschen tut der Streifen jedoch gegen Ende, wenn in einer Substory zwei Randfiguren der Geschichte ebenfalls nicht völlig unromantisch zueinander finden. „Das darf man nur als Erwachsener“ ist ein toller Teen-Film für die ganze Familie und bekam nur deshalb einen solch amurös klingenden Titel, weil er in der Zeit der Teen-Sex-Komödien a la „Eis am Stiel“ und „Ich glaub‘ ich steh‘ im Wald“ entstanden ist. Kein Wunder dass er mit diesem Fake im Namen in Deutschland scheitern musste.

Dass ausgerechnet der Love Interest von Samatha, Jake, am unauffälligsten agiert und eher langweilig besetzt ist, stört interessanter Weise recht wenig, passiert um ihn herum doch immer etwas, das von seiner 08/15-Besetzung ablenkt und ist er mit der eher langweiligen Charakterzeichnung doch der ideale Fels in der Brandung, den die sich nach Normalität sehnende Samantha inmitten der chaotischen Menschen um sie herum benötigt.

Schmunzeln, mitfühlen und herzhaft lachen, „16 Candles“ schafft alles auf einmal in einer holprigen Geschichte, bei der man nie weiß was als nächstes passiert und was von den drei Aspekten sie als nächstes ansteuert. Das macht den Streifen unberechenbarer als Hughes Erfolgsfilme „Der Frühstücksclub“ und „Ferris macht blau“. Man sollte meiner Meinung nach alle drei völlig unterschiedlichen Filme einmal gesehen haben, wenn man Spaß mit Teen-Filmen der 80er Jahre hat.  OFDb

16.12.2012

ZIMMER 1408 (2007)

Buchautor Mike Enslin erforscht gruselige Orte und geht seine Arbeit nur noch zynisch und lustlos an, da er noch keinen Beweis für übernatürliche Begebenheiten entdecken durfte. Bis er Zimmer 1408 im Dolphin Hotel aufsucht...

Zimmer frei...
 
Wieder einmal darf man die Verfilmung einer Geschichte nach Stephen King sehen, in welcher die Hauptfigur durch das Schreiben von Büchern sein Geld verdient. „Zimmer 1408“ ist einer nach einer Kurzgeschichte aufgeblähter Langfilm, was man ihm sicherlich ansehen kann, aber, auch wenn es anders klingt, dem fertigen Werk nicht schadet. Die Einführung um Mikes Charakter ist etwas länger ausgefallen, und das werte ich deutlich als Pluspunkt des Streifens, ist diese Figur doch interessant und lebendig und zudem zu Fleisch geworden durch den sehr talentierten Schauspieler John Cusack. Während man ihn besser kennen lernt geht es mit leisem Witz zunächst recht humorvoll zu. Dennoch wird eine gekonnte Erwartungshaltung auf Zimmer 1408 aufgebaut, noch bevor der Raum zu sehen ist.

In jener Phase, in welcher die Geschichte langsam zum Horrorfilm mutiert, mischen sich der humorvolle Unterton und das Grusel-Feeling, auch hier bleibt die Atmosphäre des Films sehr geglückt und die Geschichte sehr interessant. Das macht Freude auf das kommende Erlebnis, und nun ist Vorsicht geboten. Wer sich nun einen gruseligen Film erhofft wird leider enttäuscht werden. Sicherlich wird es spannend, aber Angstgefühle werden hier nur ganz zarte Persönchen erleben. Denn anstatt nun auf sensiblen Grusel zu setzen, erlebt Mike eine Karachofahrt an Spezialeffekten und Geschehnissen, wie sie fast eines Ashs aus „Tanz der Teufel 2“ würdig wären. Im Gegensatz zu diesem Film wird der Humor von „Zimmer 1408“ in dieser Phase jedoch fast komplett zurückgeschraubt.

Das kann ernüchternd wirken, muss es aber nicht. Geht man mit weniger Erwartungen bzw. mit anderen Erwartungen an das Abenteuer Mikes heran, wissen die unvorhersehbaren Erlebnisse des Autors durchaus zu gefallen. Es wird halt nur nicht gruselig. Aber gute Inszenierung und Effekte sei dank, und auch weil John Cusack eben weder Teendarsteller noch untalentiert ist, gefällt es dem Treiben zu folgen, auch wenn jederzeit alles passieren kann und die Spannung wegen der Action des öfteren pausiert. Doch selbst mit positiven Augen betrachtet fällt der Unterschied zur deutlich besseren ersten Hälfte auf. Das ist jedoch ein Manko, das es im Horrorbereich häufig zu sichten gibt, gerade wenn es um Spuk geht. Die Erwartungen schüren können viele, den Horror wirklich erleben lassen nur die wenigsten. Ein Allgemeinrezept gibt es ohnehin nicht, da jeder Zuschauer sich vor anderen Dingen und in verschiedener Dosis gruseln lässt. Die Macher eines Actionfilms haben es da schon einfacher.

Regie führte der Schwede Mikael Hafström, der mir bereits mit seinem Jugend-Drama „Evil“ positiv auffiel. Hier wie dort bemerkte ich jedoch die etwas aufgesetzte Art der Geschichte. Ein natürlich wirkender Ablauf sind beide Erzählungen nicht, auch wenn der Großteil der erlebten Momente auf diese Beschreibung passt. Was in „Evil“ durch manch übertriebener Dramatik und zu Drehbuch-gerechtem Handlungsfluss zu einer etwas holprigen Sache wurde, ist in „Zimmer 1408“ schlichtweg das komplette Ignorieren gruseliger Momente, um stattdessen Erlebnis-Horror auf die Leinwand zu zaubern. Dramatik hat der Film nach Stephen King übrigens auch zu bieten. Und seine Elemente stammen aus dem häufig zu moralischen Zwecken eingeberachten Bereich. Ein zynischer Autor, der seine Tochter und somit auch den Glauben an Gott verloren hat und seit dem nur noch egoistisch durchs Leben geht, all das klingt nach Bekehrung. Das ist es im Endeffekt sogar auch, aber nicht platt aufgedrückt, eher am Rande erwähnt. So stört es nicht und darf stattdessen positiv wirken, wenn der Zuschauer emotional mit dem Protagonisten mitleiden darf, wenn dieser auf fiese Art mit dem Verlust seines Nachwuchses konfrontiert wird.

„Zimmer 1408“ macht mit heruntergeschraubten Erwartungen auf seine Lauflänge gesehen genug Spaß um sich nett unterhalten zu fühlen. Ein besonders empfehlenswertes Horror-Erlebnis ist der Film nach Stephen King jedoch nicht. Für den Horror-Fan bietet er aber die nette Unterhaltung für zwischendurch, und sensible Gestalten werden hier wahrscheinlich auf ein Grusel-Erlebnis stoßen.  OFDb

25.10.2012

IDENTITÄT (2003)

10 Personen treffen wegen eines Unwetters zufällig in einem abgelegenen Motel aufeinander. Nach einiger Zeit ist einer von ihnen tot. Die Polizei kann man nicht rufen, der Kontakt zur Außenwelt ist abgebrochen. Also stellt sich die Frage welche der Personen der Mörder ist. Und der belässt es nicht bei einer Leiche. Auf der Suche nach dem Killer wird deutlich, dass alle Personen mehr miteinander zu tun haben, als es den Eindruck machte...

10 kleine Besucherlein...
 
Dank hervorragender Besetzung und einer interessanten Ausgangslage ist dieser Horrorfilm zunächst interessant und packend erzählt. Der Stil zu Anfang, der mit den Zeiten der Geschehnisse spielt, erfordert etwas mehr Aufmerksamkeit als der 08/15-Horror-Thriller von nebenan. Allerdings ist diese Form der ungewöhnlichen Erzählweise auch schon lange kein Neuland mehr, so dass man hier nicht von Individualität reden kann.

Hat der Film erst einmal seine Vorgeschichte erzählt, in der Figuren interessant eingeführt werden und die Neugierde des Zuschauers geweckt wird, geht es auch recht gelungen weiter. Die Atmosphäre stimmt und die Motel-Location unterstützt diese. Im Mittelteil geht einem jedoch langsam ein Licht auf, worauf „Identität“ hinausläuft. Zu Hilfe kommen dabei der Titel des Films und die deutsche Synchronstimme in der anfänglichen Therapie auf dem Tonband, die bereits zu früh den Täter entlarvt.

In diesem Wissen liegt jedoch gleichzeitig die Falle, die einem zur Mitte des Streifens klar wird, früher als es Regisseur Mangold wollte. Spätestens bei der Nennung der Geburtsdaten dürfte jedem ein Licht aufgehen oder Bestätigung eintreten. Und mit dieser Gewissheit nutzt das anfängliche Identifizieren mit der Synchronstimme nichts mehr, und jeder ist erneut verdächtig. Zumindest weiß man nun mehr, und nun setzt das letzte Drittel ein, von dem man nun Erklärungen erwartet.

Leider nutzten Drehbuch und Regie das letzte Drittel eher dafür "überraschend" die Auflösung zu präsentieren, die man aber zuvor bereits vermutete. Ich will jetzt nicht behaupten haarklein gewusst zu haben was da vor sich geht, so vermutete ich z.B. dass der Psychopath die Morde begeht, um sich zu heilen. Man erfährt hier nun die Auflösung, der man sich zuvor bewusst war, und das wenige was uns im letzten Part nun noch erklärt wird, ist nicht gerade nachvollziehbar. Bereiche der Medizin, die heute noch in den Kinderschuhen stecken, werden als Methoden dargestellt, die genau wissen was wie zum Ziel führt. Die Idee dahinter macht wenig Sinn, da Tote unter diesem Aspekt nicht zwingend tot bleiben müssten. Außerdem wird die Krankheit, die zu einem entscheidenden Faktor der Geschichte wird, in ihren Eigenschaften komplett verändert, nur damit sie zum Sinn der Geschichte passt.
 
Immerhin ist die Mörderauflösung überraschend, und man ohrfeigt sich im Nachhinein, weil doch so viele Sätze darauf hingedeutet haben. Andererseits ist es schade, dass diese Auflösung in Form eines bösen Schlussgags stattfindet. Dieser ist leider etwas fehl am Platz, und die Auflösung selbst wirkt nicht wie ein nachgeschobener „Gag", da der Erstbeschuldigte ohnehin nicht glaubhaft war, musste der doch nur eine Nacht überleben um frei zu sein.
Zumindest ist „Identität“ in der ersten Stunde sehr interessant erzählt, weckt auch immer wieder das Interesse des Zuschauers durch die Agatha Christie-ähnliche Situation des „10 kleine Negerlein"-Prinzips und der wiederholenden Elemente, in diesem Falle das Auftauchen der Schlüssel. Als diese auch bei Unfallopfern in der richtigen Reihenfolge auftauchen, ist der Übergang vom Thriller zum Horrorfilm noch vor dem ominösen Verschwinden der Leichen erfolgt.

Ich habe mich nicht besonders intensiv mit Deutungen und Symbolik dieses Filmes befasst, deswegen frage ich mich im Nachhinein, ob eigentlich eine genauere Deutung in den Geschehnissen zu suchen ist, welche die Figuren überhaupt erst zusammen brachten. Hochwasser, Motel, ein Frauenschuh,... steht das alles für etwas, das es in einer Filmanalyse zu entdecken gäbe, oder wollte der Film lediglich leicht reißerisch beginnen?

Zumindest wurde in der Einleitung richtig ergründet, dass sich alle Figuren gegenseitig beeinflusst haben, wenn auch nicht gewollt, um in diesem Motel zu landen. Immerhin der unbewusste Aspekt der Zusammenführung wird zu einem glaubwürdigen Teil der ansonsten zu Filmzwecken zu stark veränderten Krankheit.

Trotz all des Gemeckers meinerseits muss ich nun aber mal deutlich betonen, dass „Identität“ ansonsten ein gut gemachter Horrorfilm ist, der mit einer tollen Besetzung trumpft, halbwegs clever erzählt ist, wenn in seiner Auflösung auch leider nur halb überraschend und psychologisch mangelhaft. Den meisten Spaß macht der Film nur dann, wenn man sein Gehirn ausschaltet. Eigentlich sollte es bei einem gewitzten Film anders herum sein.  OFDb

09.09.2012

MEIN KIND VOM MARS (2007)

Ein Science Fiction-Autor adoptiert einen 6jährigen Jungen, der behauptet er sei ein Außerirdischer...

Auf die Erde zurück holen...
 
John Cusack, dieser Schauspieler ist schon ein Phänomen für sich. Er ist talentiert, zieht die Aufmerksamkeit meist dennoch nur durch Sympathie auf sich. Er ist berühmt, aber nicht berühmt genug, als dass ein filmbegeisterter Nicht-Cineast seinen Namen zu einem Gesicht zuordnen könnte. Und er hat ganz besonders eines: einen Riecher für gute Projekte. John Cusack spielt in der Regel in guten Stoffen mit, egal ob diese nun so erfolgreich wie „Zimmer 1408“, „Being John Malkovich“ oder „High Fidelity“ ausfallen mögen oder Geheim-Tipps bleiben wie „Turbulenzen - und andere Katastrophen“, „Ein Mann - Ein Mord“ und „Der Preis der Macht“.

Von seinem Fehlgriff in Emmerichs „2012“ einmal abgesehen, was keinesfalls ein finanzieller Fehlgriff gewesen sein wird bei dem enormen Erfolg an den Kinokassen, kann man ziemlich sicher sein mit ihm in der Hauptrolle eine Geschichte zu sichten, die auch wirklich interessant genug ist um einen Spielfilm zu füllen. Und so war es auch er, der mich in einen Film lockte, den ich durch die amerikanische Herkunft dank so einiger kitschiger und belehrender Disney- und Nicht-Disney-Familienfilme ansonsten vielleicht nie angeguckt hätte.

Da kommt also ein Kind angeblich vom Mars, und ein trauriger Witwer entschließt sich es zu adoptieren. Ob in einem schlechten Film nun die Frage im Raum gestanden hätte, ob der Junge so a la „K-Pax“ tatsächlich eventuell vom Mars kommen mag oder auf familientraditionelle Version mit viel Liebe das Herz des kleinen Außenseiters gewonnen worden wäre, beides wären unangenehme Ergebnisse gewesen, aber auch zwei Varianten, die ich in einer Tragikomödie niemals einem Film zutrauen würde in welchem Cusack mitspielt. Mag die zweite Variante auch in etwa in die Richtung dessen gehen, was einem mit „Martian Child“ (Originaltitel) erwartet, familientraditionell und damit belehrend ist der Mix aus Drama und Komödie nicht ausgefallen.

Man mag Filme über Außenseiter mögen müssen, andererseits muss man dies als Cineast wohl so oder so, handeln doch die meisten Werke ohnehin von ihnen. In „Mein Kind vom Mars“ ist es einfach schön zu sehen, wie ein erfahrener Außenseiter, der seine Art sogar zum Beruf gemacht hat (er ist Science Fiction-Autor) einem noch recht jungen Außenseiter beiseite steht. David, so der Name des Schriftstellers, versucht auf trickreiche und einfühlsame Art Dennis ans Alltagsleben zu gewöhnen. Ihm ist wichtig, dass er sich keinesfalls angepasst verhalten soll. Der Junge soll sein Menschsein anerkennen, verstehen dass er kein Außerirdischer ist und trotzdem so bleiben wie er ist.

Hierfür akzeptiert David zunächst, dass Dennis glaubt ein Marsmensch zu sein. Er redet es ihm nicht aus. Über seinen Beruf besitzt er genug Phantasie das Spiel mitzuspielen. Und ob das therapeutisch gesehen nun der richtige Weg ist dem isolierten Jungen zu helfen spielt dabei gar keine Rolle. Zum einen zeigt der Film bereits durch die späte Adoptionsentscheidung Davids, dass wir es mit einem Mann zu tun haben, der nicht immer weiß ob er das Richtige tut, zum anderen geht es dem charakterreichen David eben nicht darum therapeutisch richtig vorzugehen. Er will dem Kind helfen, keine Frage, und schaden will er ihm erst recht nicht. Aber er will auch nicht den Weg der vorgefassten Meinung gehen, lebend in einem angeglichenen Amerika, in welchem es in der Öffentlichkeit immer ein angepasstes Richtig oder Falsch gibt.

Mit dieser Absicht und dem pfiffigen Weg, den der oft ratlose David einschlägt, kommt „Mein Kind vom Mars“ trotz seiner arg konstruierten Grundidee mit einer realitätsorientierten Leichtigkeit daher, die fast gänzlich all die unangenehmen Eigenschaften ausblendet, die ein typischer US-Familienfilm dieser Zeit besessen hätte. Nun ist die Geschichte auch sicherlich nicht wirklich interessant für ein Kinderpublikum, sprich Meyjes Film ist gar kein Familienfilm im eigentlichen Sinne, und das tut ihm sichtlich gut.

Es ist schade, dass die Geschichte gegen Ende den Bereich des belehrenden Kitsches ganz knapp streift. Das reißt einen aus der entspannten Haltung heraus, rechnet man doch nun immer wieder mit Ausrutschern, aber auch hier haut „Mein Kind vom Mars“ nie vollends in die Kacke, auch wenn das Szenario hoch oben auf einem Gebäude im Vergleich zum Rest des Streifens viel zu dick aufgetragen ist.

Letztendlich wird die Tragikomödie in diesem Bereich des Filmes durch die psychologische Glaubwürdigkeit gestützt, die ausnahmsweise beweist, dass sie auch in emotional starken Momenten vorhanden sein kann, wird man von den Gefühlen des Streifens nun eingelullt oder nicht. Beides kann nebeneinander existieren, etwas weniger nah am Kitsch hätte man in der Schlussphase des Filmes dennoch arbeiten können. Ich bin kein Feind von gefühlvollem Kino, aber diese Szene ist letztendlich zu sehr Kino und nicht mehr so lebensnah wie der Rest dieses Werkes inszeniert.

Da man zuvor sehr glaubhaft das Herauskommen aus einem emotionalen Versteck beobachten durfte in einem relativ klischeefreien Szenario und begleitet von einem natürlichen Charakter, der nicht weiß ob sein Weg der richtige ist, ist dieses Manko jedoch gerne verziehen. Ein großes Ergebnis ist mit einem solchen Ende jedoch nicht möglich. „Mein Kind vom Mars“ bleibt überdurchschnittlich, keine Frage, aber der Schluss nagt am Rest in einem Film, der auch ohne dieses Manko stark davon lebt, ob man mit den beiden Hauptfiguren nun sympathisiert oder nicht.

In Nebenrollen sind Oliver Platt, Joan Cusack und Amanda Peet zu sehen. Über die Besetzung kann man wahrlich nicht klagen. Und auch der zur Drehzeit 10jährige Bobby Coleman spielt außergewöhnlich gut. Die Restinszenierung ist angenehm routiniert. Weder Hintergrundmusik noch Schnitt oder Farbgebung fallen in irgendeiner Weise entweder positiv oder negativ auf. Einzig die Fotografie besitzt hin und wieder einfallsreiche Momente. Nun ist „Mein Kind vom Mars“ aber auch kein Film, der neben der gelungenen Geschichte und talentierten Darsteller noch etwas zusätzliches besitzen müsste, um besser zu sein als er ist. Dass mit Menno Meyjes ein Regisseur mit an Bord war, der scheinbar wusste wie wichtig es war den Film mit ruhiger Hand zu inszenieren, ist dennoch ein Pluspunkt den ich nicht missen möchte.  OFDb

09.08.2012

DER PREIS DER MACHT (1991)

Die Studenten Peter und Tim sind beste Freunde. Silvester 1980 schließen sie mit Tims Freundin zusammen eine Wette darüber ab, dass Peter in 10 Jahren Senator werden wird. In den folgenden Jahren folgt Peter diesem Ziel ohne moralische Skrupel auf eine Art, in welcher der gesetzestreue Tim vor die Frage gestellt wird, ob dies alles noch die Freundschaft wert ist...

Den Bösen zieht‘s in die Politik...
 
Wie so oft in einem amerikanischen Drama muss man sich von der Wirklichkeit distanzieren, um komplett in der Geschichte aufgehen zu können. So badet sie zum einen im Klischee des korrupten Politikers und zum anderen im Ideal des gesetzestreuen Staatsanwalts. Dass beides in Amerika Alltag ist, ist sicherlich richtig, „Der Preis der Macht“ kennt jedoch keine Graustufen und trennt knallhart nach Gut und Böse. Mag sein dass auch dies nicht verkehrt ist, entstand der Film schließlich an einem Scheidepunkt Amerikas, der, wie wir heute wissen, vorerst mit einem korrupten Wirtschaftssystem endete. Die Frage nach den Grundlagen der Moral war hochaktuell. Und doch stößt mir diese brutale Trennung des Filmes sauer auf. Ich kann nichts dagegen unternehmen.

Durch diese recht unsensible Trennung geht es auch leider nicht um Tims Innenleben, nach der Frage sich zwischen Freundschaft und Moral entscheiden zu müssen, viel mehr ist der Gute der Geschichte lange Zeit viel zu naiv und nachgiebig gewesen, was so weit geht dass er im Finale nur noch vor der Entscheidung steht sich gegen jemanden zu wehren, der ihn jahrelang um jeden Preis ausgenutzt hat. Damit wird der Film zu einer moralischen Rachestory, die sich jedoch viel mehr auf Peter konzentriert, dem wir voyeuristisch genüsslich beim böse sein zusehen dürfen.

Es klingt alles so negativ, irgendwo ist es dies sicherlich auch, aber ich gehöre zu den bekennenden Voyeuren dieses Streifens. Ich fand ihn hoch unterhaltsam und genoss jeden Moment dabei zuzusehen, wie der sonstige Saubermann John Cusack hier in relativ frühen Jahren das Ekel spielen durfte. Schön ist es auch Schurkengesicht Spader dabei zuzusehen den Gesetzestreuen zu mimen. Wären beide Standart-Rollen nicht erst später entstanden, man könnte meinen die Schauspieler wurden absichtlich gegen den Strich besetzt. Dem ist aber nicht so.

Klisches hin oder her, „Der Preis der Macht“ ist interessant erzählt, gerade in der ersten Phase, in welcher man sich selbst die Frage stellen muss bis zu welchem Schritt man über eine Gesetzesübertretung hinwegschauen kann und ab wann nicht mehr. Dabei ergeht es dem passiven Tim ebenso wie dem aktiven Peter. Immer gibt es noch ein Schrittchen und noch ein Schrittchen, bis man sich in einer Position wiederfindet, in der man entweder nicht mehr in den Spiegel gucken kann, oder sich eine Welt vorlügt in der es nun einmal nicht anders geht.

„Der Preis der Macht“ trägt sicherlich dick auf, gerade in der Charakterzeichnung, aber immerhin schließt er nicht reißerisch, sondern eher schlicht, was ich persönlich zu begrüßen weiß. Trotz seiner Fehler wird der Film nicht einzig durch seine talentierten Darsteller gehalten. Dem Drehbuch sei Dank haben wir eine interessante Geschichte mit konstantem Spannungsbogen und kitschfreier Dramatik, und Regisseur Herbert Ross  inszenierte das Ganze souverän. Mit „My Blue Heaven“ hatte er kurz vorher einen Steve Martin-Flop gedreht. Das Thema des hier besprochenen Werks inszenierte er schon einmal auf den Kopf gestellt in der Michael J. Fox-Komödie „Das Geheimnis meines Erfolges“, bei welchem die Schlipsträger ähnlich positiv wegkamen wie im hier besprochenen Film.

Vielleicht funktioniert der Streifen deshalb so gut, weil die Frage nach Schuld und Unschuld nicht nur in der Amerika-Dekade spielt, in welcher dies die Kernfrage des Landes war, sondern auch weil die Erzählung auf die Protagonisten gesehen zu einer unschuldigen Zeit beginnt. Diesen Ruf besitzt die Studentenzeit nun einmal, obwohl wir es mit bereits jungen Erwachsenen und nicht mehr mit Jugendlichen zu tun haben. Wir vergessen nur all zu gerne, dass man auch in dieser Zeit bereits gesetzlich für seine Taten verantwortlich ist und der Grundcharakter einer Person längst davor steht den Prozess der Reife zu erlangen. Auf der Gegenseite könnte man urteilen, der Film male eben deshalb schwarz mit der Aussage „einmal Schurke immer Schurke“. Widersprechen kann ich da eigentlich nicht, bestätigt die Schluss-Szene eine solche Vermutung doch sogar.  OFDb

08.08.2012

STAND BY ME (1986)

Vier Jungs ziehen los um die Leiche eines vermissten Jungen suchen zu gehen...

Der Nochfrüherstücksclub...
 
„Indiana Jones“ und Co zogen in die weite Welt, und manch einer flog gar ins All um seine Abenteuer zu erleben. Stephen King aber schickte einst vier Kinder in ihrem Miniuniversum los, um sie nah an den Alltagsgrenzen in ihr(e) Abenteuer zu stoßen. Sei es das Ausweichen eines heranrasenden Zuges, die Gefahr eines in die Eier beißenden Hundes oder der Angriff von Blutegeln, zahm nimmt er die Gruppe Halbwüchsiger nicht heran, und was das Abenteuer auslässt wird über persönliche Probleme nachgeholt.

Es ist typisch Stephen King seine Helden und weiteren Figuren in Form von Stereotype vorzulegen. Und es ist ebenso typisch dass Regisseur Rob Reiner („Harry und Sally“, „Misery“, „Eine Frage der Ehre“) solchen Klischeefiguren einen individuellen Touch beschert. In „Stand By Me“ kann er hier hilfreich auf vier talentierte Jungs zurückgreifen, die alle mal für kürzer und mal für länger berühmt waren. Das kleinste Licht erreichte ausgerechnet Wil Wheaton, der hier die Hauptrolle Gordon spielt und dabei selbst neben River Phoenix glänzt. Erfolge konnte er später nur als Serienstar in „Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert“ verbuchen. Ganz anders als der eben erwähnte River Phoenix, der einen jungen Drogentod erlebte und heute wohl zu den engsten Konkurrenten DiCaprios gehört hätte, wenn er noch leben würde.

Außerdem mit dabei sind Jerry O‘Connell, der hier noch überraschend pummelig auftritt und Corey Feldman, der dank „Freitag der 13. 4“, „Lost Boys“ und „Meine teuflischen Nachbarn“ dem ein oder anderen ein Begriff sein dürfte, spätestens aber als Filmpartner von Corey Haim, mit dem er so einige Teenie-Komödien verwirklichte. Weitere wichtige Rollen werden außerdem von Richard Dreyfuß, John Cusack und Kiefer Sutherland verkörpert, so dass man über Mangel an Prominenz wahrlich nicht meckern kann.

Schön dass diese schlichte Geschichte so viel Unterstützung bekam, ist sie doch, so uninteressant sie auch klingen mag, eine besonders schöne Geschichte, ein in Nostalgie getauchtes Abenteuer-Drama, in welchem es weniger um die tatsächlichen Geschehnisse geht, sondern um das Seelenleben der zwei Hauptfiguren. Das ist im King-Universum aufgrund der oben erwähnten Tatsache schon etwas gewagt, aber es haut hin. Die Jungs wälzen Probleme durch, freilich nicht immer kindgerecht sondern typisch Kino eher wie junge Erwachsene, aber trotz dieses Mankos werden die Figuren und ihre Probleme ernst genommen. Mit einem Hauch Komödieneinfluss erinnert der Streifen gar an „Der Frühstücksclub“, der ebenfalls innerhalb eines Miniuniversums die Hochs und Tiefs der Gefühlswelt seiner Protagonisten zum Zentrum seiner Erzählung machte. Letztendlich wird „Stand By Me“ zu einer präpubertären Version von diesem, wenn auch im Abenteuerbereich angesiedelt.

So erwachsen die Jungs reden, so nah sind ihre Probleme, Interessen und Abenteuer doch an der kindlichen Welt orientiert, so dass tatsächlich ein Nostalgiebonus an die eigene Kindheit entsteht, ergänzt durch den Nostalgiebonus der vergangenen 50er Jahre und dem Blick auf eigene vergangene Freundschaften. Gerade Letzteres betreffend weiß „Stand By Me“ sehr emotional zu schließen, so dass man beim titelgebenden Abspannlied gegen die Tränen kämpfen muss, wenn man das denn will.

„Stand By Me“ kommt in einer Leichtigkeit daher, teilweise mit bitterbösem Humor (z.B. der Alptraum von Gordon) und manchmal gar so verspielt, das selbst eine kleine Geschichte des Jungautors Gordons in dem wundervollen Film Platz findet. Man könnte es als Laufzeitstrecken bezeichnen, aber diese eher unwichtige Randerscheinung des Streifens macht Spaß und unterstreicht zudem das Talent des kleinen Schriftstellers, was einem dabei hilft besser zu verstehen in welch ignorantem Elternhaus er groß wird.

Parallelen zu dem Kinderbereich aus „Es“ sind gegeben, das wird sicher jeder erkennen der beide Filme kennt. Und da „Es“ in diesem Bereich wesentlich besser ausgefallen ist als in der Erzählphase der erwachsenen Helden, verwundert es auch nicht sonderlich, dass ausgerechnet „Stand By Me“, ein Film der sich einzig der kindlichen Perspektive widmet und so gar nichts von einem Horrorfilm besitzt, zu den besten Verfilmungen nach Stephen King gehört. Rob Reiner schaffte es kurz darauf mit „Misery“ noch einmal einen King-Film gleichen Niveaus abzuliefern, einen mit völlig anderem Schwerpunkt und anderen Stärken.

Man muss nicht in den 50er Jahren gelebt haben, um die Schwermut und die Sehnsucht nach dieser Zeit erleben zu können. „Stand By Me“ lässt sie auferstehen durch die Augen zweier unschuldiger Helden, die langsam erkennen, dass es so etwas wie Unschuld in der Erwachsenenwelt nicht mehr gibt. Das Idealbild der Erwachsenen erhält Risse. Eltern zeigen emotionale Schwächen und Fehler, Lehrer entpuppen sich als Menschen hinter ihrer offiziellen Rolle, und aus dem abenteuerlichen Wunsch einmal eine Leiche zu sehen wird etwas, das unsere beiden Helden erst durch ihre Reise und die Auseinandersetzung mit ihren Problemen als etwas anderes erkennen, als es zunächst schien.

Es ist dem Film als großes Plus anzurechnen, dass er diesen Prozess des Reiferwerdens nicht alle 4 Helden erleben lässt, sondern nur den zwei wichtigsten Hauptfiguren, die damit noch mehr miteinander verbunden werden als ohnehin schon. In solchen Momenten ist der an anderer Stelle vor Klischees nur so triefende Streifen sehr realitätsorientiert. Davon hätte er zwar gerne mehr vertragen können, aber letztendlich guckt man „Stand By Me“ sowieso eher wegen seines Nostalgie-Touches und weniger um ein authentisches Drama zu erleben. Dass er Momente besitzt, in denen man selbst dies ernten kann, ist Rob Reiner hoch anzurechnen, letztendlich ist dieser kleine Abenteuerfilm in meinen Augen aber ohnehin eher ein Märchenfilm für Erwachsene, einer der keine Fantasyelemente benötigt, sondern einzig dazu da ist einen träumen und reflektieren zu lassen. Und was dies betrifft gehört „Stand By Me“ in meinen Augen zu den gelungensten Werken dieser Art.  OFDb