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30.03.2025

Filmtagebuch - Zuletzt gesichtet (7)

Da mir zur Zeit die Motivation üblicher Besprechungen fehlt, möchte ich die letzten Sichtungen zumindest mal mit Kurzkommentaren versehen:

 

Wenn Louis eine Reise tut (1958)

Da ist der gute Louis in den schwarz/weißen Klassikern nicht so hibbelig wie in den deswegen manchmal leicht nervig ausgefallenen Werken seiner Promi-Zeit, da nervt stattdessen sein Filmsohn, der in der deutschen Fassung zudem eine penetrante Synchronstimme erhalten hat. Aber ohnehin fällt zu wenig Licht auf Louis und sind Plot und Pointen doch zu austauschbar, um etwas Nennenswertes zu zaubern. Zumindest die Altherrenwitze funktionieren mit einem lüstern fremdflirtenden de Funès-Ehemann mit strenger Ehe-Frau im Anhang recht gut.  OFDb

 

War Inc. - Sie bestellen Krieg: Wir liefern (2008)  

John Cusack als Auftragskiller funktioniert erneut wunderbar, diesmal eingebettet in eine bissige Satire um die Haltung der USA zum Thema Krieg und sämtlichen weiteren in den Medien zu beobachtenden Abarten in solchen Zeiten. Auch die Musikindustrie bekommt ihr Fett weg, und dem Drehbuch gelingt es mit Hilfe der wundervollen Darsteller Charme und Liebe inmitten von schwarzem Humor aufkommen zu lassen, ganz ohne mit Gefühlsduselei und Kitsch das alles zu verwässern.  Wiki

 

American Psycho 2 (2002)

Aus einer echten Gesellschafts-Satire wird ein lockeres Teeniefilmchen, welches eher verspielt mit der Serienkiller-Thematik umgeht, anstatt durchdacht. Da das Original für meinen Geschmack immer eine Spur zu verkrampft umgesetzt war, finde ich persönlich diesen eher plumpen Ansatz lockerer an die Sache heranzugehen gar nicht verkehrt. Mila Kunis ist süß wie immer, die Ironie, das zu verkörpern was man später bekämpfen will, wirkt was aufgesetzt, der Gesamtplot ist aber ohnehin nicht durchdacht. Aber durch seine leichtfüßige Art funktioniert der schlicht heruntergekurbelte Trivial-Streifen für einen schnell vergessenen Film eigentlich recht gut.  Wiki

 

Monk - Staffel 8 (2009)

Selbstverständlich wird in der finalen Staffel das Geheimnis um Trudy gelüftet, wenn auch mit banalerem Hintergrund als erhofft. Randy erfährt von allen Hauptfiguren das schönste Happy End, und es gibt zudem ein Wiedersehen mit Sharona. Zu den Highlights zählen Monk in der Rolle eines Gangsters zu sehen, eine Folge in welcher man sich mit Monks Lieblinsserie damit austobt die Brady Family zu parodieren und der Kriminalfall in welchem Monk von Ufo-Freaks für ein Alien gehalten wird. Es ist schön zu sehen, dass die Reihe bis zum Schluss auf einem Niveau blieb und nicht, wie in anderen Serien so oft der Fall, gegen Ende schwächelte.  Wiki

 

Mr. Monks letzter Fall (2023)

14 Jahre nach Serienende buddelte man den berühmten Meisterdetektiv mit der Originalbesetzung der vier wichtigsten Rollen wieder aus. Der Ansatz, dass die Welt seit Corona mehr Richtung Monk tendiert, ist wundervoller Natur, wird aber kaum genutzt. Stattdessen widmet sich die durch einen Streamingdienst finanzierte Film-Fortsetzung der Serie einem klassischen Fall, wie er auch in der damaligen Reihe hätte stattfinden können. Trotz Retrogefühle und Wiedersehensfreude im Gepäck wirkt das alles etwas zu langgezogen und auch etwas unnötig. Verkehrt ist ein Blick auf den sympathisch seichten Stoff trotzdem nicht zu nennen.  Wiki

24.03.2025

Filmtagebuch - Zuletzt gesichtet (3)

Da mir zur Zeit die Motivation üblicher Besprechungen fehlt, möchte ich die letzten Sichtungen zumindest mal mit Kurzkommentaren versehen:

 

No Man of God (2021)

Zum Thema Ted Bundy trotz True Crime nichts reißerisches und geschmacksloses, sondern stattdessen tatsachennah anhand der alten Dokumente und Erinnerungen des Ermittlers erzählt. Wir blicken ein in die Gespräche zweier intelligenter Menschen als eine Art Anti-"Der Totmacher", was sich aufgrund sämtlicher Ereignisse nach der Verurteilung als großartige Kombination zum ebenfalls bemerkenswerten "Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile" herausstellt, der sämtliche Bereiche zuvor thematisiert. Beide zusammen ergeben ein interessantes Rundumwissen, in welcher versucht wird die Natur des Verbrechens zu verstehen, anstatt uns lediglich ein Monster vorzusetzen.  Wiki

 

Rush Hour (1998)

Das übliche Actionrezept zweier unterschiedlicher Cops, die erst zueinanderfinden müssen, verwässert durch Chris Tucker, der stets eine billige Kopie von Eddie Murphy abliefert und dem ohnehin dünnen Konstrukt der wiederholten Anwendung entsprechend oft peinliche Momente beschert. Meiner Meinung nach stimmt die Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren ohnehin nicht, und Jackie Chan wirkt, abgesehen von seinen eigens durchgeführten Stunts, auch nicht grad überzeugt vom Stoff, so routiniert, wie er seine Rolle herunterspielt. Ich fand das Ergebnis trotz (?) pausenloser Action arg ernüchternd.  Wiki   


Schizofrantic (1996)

Wieder einmal ein Blick in die psychopathische Serienkillerseele in einem Werk aus der Undergroundszene, von der man eher Härte anstatt psychologischen Feinsinn erwartet. Dass dies auch in einem Produkt aus dem liberalen Dänemark bei höherem Bildungsstand der Fall ist, überrascht wenig, aber zumindest ist man nicht einzig nur um brutale Bilder bemüht, sondern baut tatsächlich manch interessante Zusatzidee ins Krankenbild und den Taten des Massenmörders mit ein. Das füllt zwar keinen Langfilm, eine Kurzvariante wäre reizvoller ausgefallen, lässt einen Blick auf das Werk aber zumindest nicht verschwendete Lebenszeit sein. Auf Amateurbasis solide gespielt!  OFDb

 

Sonic the Hedgehog (2020)

Die Titelfigur ist so lahm und unkreativ animiert, wie sie im Deutschen viel zu brav synchronisiert ist, und so richtig interessant ist auch sein menschlicher Begleiter nicht ausgefallen, aber ob man es glaubt oder nicht, der von Jim Carrey als zum Leben erwachte Comicfigur gespielte Antagonist reißt das meiste wieder raus. Durch den Aspekt Geschwindigkeit gegen Technologie erinnert das zwar alles stark an Road Runner, aber es macht schlichtweg Spaß den Komiker in seiner völlig überzogenen Rolle aus Genie, Wahnsinn und Überheblichkeit beim Scheitern zuzusehen, ohne dass das Drehbuch dabei besondere Raffinesse vorweisen müsste. Glücklicher Weise pausiert Carrey immer nur in kurzen Phasen und zu Beginn der Geschichte, ansonsten ist er pausenlos zu bestaunen, so dass es stets was zu lachen gibt.  Wiki 

 

Das Geheimnis der ewigen Nacht (1956)

Dachte ich zunächst aufgrund einiger Parallelen zu Beginn hier die sowjetische Variante der Triffids zu sichten, so wie es zur Unsichtbarenthematik selten gelistete Werke aus dieser Region gibt, so entpuppt sich alles als doch in eine völlig andere Richtung gehend, leider eine die viel auf Dialog und persönliches Drama setzt, anstatt uns so wundervolle Science Fiction-Momente zu bescheren, so wie jenen während eines unheimlichen Nebels. Gegen Ende startet endlich jene Mission in die Meerestiefe, von der ansonsten nur geschwätzt wird, so dass das Gesamtergebnis mehr vom Hinhalten lebt, als von einer tatsächlich aufregend erzählten Geschichte.  Wiki 

22.10.2024

VAMPIRO (1957)

Eine junge Frau reist in ihren Heimatort, um ihre kranke Tante zu besuchen. Als sie ankommt, ist diese bereits tot. Der Aberglaube über Vampire hat den Ort zu einem fast komplett verlassenen gemacht, entsprechend heruntergekommen ist das Anwesen. Dieses hat die junge Frau nun mit zwei anderen Hinterbliebenen geerbt. Es soll verkauft werden, und sie ahnt nicht, dass der Interessent ein Vampir ist, der auch für das Schicksal besagter Tante verantwortlich ist...

Geisteskranke hilft sich selbst...

Der in Mexiko äußerst erfolgreich laufende "Vampiro" hat seine Momente, die ihn erwähnenswert machen. Wirklich herausragen tut er aufgrund seiner arg routinierten Art inmitten vieler ähnlicher Werke dieser Zeit jedoch nicht, zumal er überholt erscheint, wenn er dem 30er Jahre "Dracula" ähnlicher ist, als dem kurz darauf folgenden "Dracula" aus der Hammer-Schmiede. Der Autor des Beiheftes der deutschen DVD-Veröffentlichung, welches sich eher wie ein Werbetext, anstatt wie ein Infoheft liest, schiebt das unbekannte Schattenleben dieses Werkes in Deutschland auf die späte Veröffentlichung in deutschen Lichtspielhäusern, die dafür sorgte dass Christopher Lee dort vor Germán Robles in Hälse beißen durfte. Die Wirkung des prominent besetzten Blutsaugers ist aber auch um einiges charismatischer und schauspielerisch professioneller ausgefallen, als im mexikanischen Beitrag dieser Thematik. Mir wirkte Robles stets zu soft, anstatt mächtig und mystisch, im Finale gar ängstlich, anstatt kämpferisch und von sich selbst überzeugt. Fast schon hielt ich seine Art der Besetzung für den Teil einer homosexuellen Metapher, wenn zu Beginn das Erwecken seines Bruders im Zentrum steht, um in Zukunft endlich gemeinsam herrschen zu können. Aber der ganze Trubel um eine Erbschaft, einer wieder auftauchenden Toten und die eher tolpatschig anmutenden Methoden der Vampire der simplen Lage Herr zu werden, rücken immer mehr ins Zentrum, so dass die Brudererweckung, und mit ihr die Möglichkeit besagte Metapher-Theorie bestätigt zu sehen, eher in den Hintergrund rückt und nur die Grundlage anderer Schwerpunkte bildet.

"El Vampiro" (Originaltitel) ist etwas arg naiv ausgefallen. Klar ist es seiner Zeit geschult, dass hier noch jegliche Vampirgrundlage brav abgefrühstückt wird, von der Wirkung eines jeden Kreuzes, bis hin zum Sonnenlicht. Aber auch zu dieser Zeit macht es wenig Sinn, dass einer der Vampire final erwürgt werden kann, der Obervampir ohne jede Gegenwehr im Sarg gepfählt wird, obwohl die Dame, die dies emanzipiert erledigen darf, enorme Probleme mit dem schweren Sargdeckel hat (vielleicht war der Vampir doch eine Spur suizid). Auch nutzt man die Möglichkeit der Gestaltwandlung nie in entscheidenden Selbsterhaltungsmomenten als eine Art letzte Möglichkeit vor der Niederlage bzw. dem Tod. Aber diese Naivität passt zu den simplen Tricks, die mit Wände wackelnden Bauten weniger offensichtlich auffällt, als in den herrlich in den Vordergrund gerückten "Verwandlungs"-Sequenzen vom Vampir zur Fledermaus und wieder zurück. Neben fast ausschließlich klassischer Dialoge passend zum kompletten Vampir-Klischee-Szenario, finden sich auch so wundervolle Ausnahmen wieder, wie jener Dialog darüber, dass der angereiste Arzt die ihn zufällig begleitende Dame äußerst attraktiv findet, er in 100 Jahren, wenn sie ein Skelett wäre, jedoch verschreckt vor ihr weglaufen würde. Dieses Beispiel zum Thema über verschiedener Blickwinkel einer Sache, nimmt die weibliche Hauptfigur der Geschichte glücklicherweise humoristisch auf. Diesbezüglich kommt "The Vampire" (Alternativtitel) so wenig versteift und konservativ daher, wie in besagtem emanzipatorischen Moment, oder in der finalen Liebeserklärung, die von den Geräuschen des anfahrenden Zuges, augenzwinkernd absichtlich so umgesetzt, komplett übertönt wird, aber dennoch zu einem Happy End-Kuss führen darf.

Man liest es heraus, dass sich "Vampiro" durch solche Momente durchaus hin und wieder individuell guckt, aber das grundlegende Szenario, die Figurenzeichnungen und ihre Besetzungen und auch die eingefangene Optik bleiben meist zu blass, als dass der Streifen deswegen zu einer kleinen Empfehlung werden würde. Sein Retro-Charme ist ein Gewinn, Vielgucker in diesem Bereich werden zufrieden sein, und der häufige Einsatz von Spinnweben an Spielorten, die eher nach Baustelle, anstatt nach alten Gemäuern aussehen, verbreiten ebenfalls Sympathie. Aber das gewisse Flair flammt immer nur kurz auf, zu routiniert ist dieses Werk insgesamt ausgefallen, für dessen etwas zerfahrenes, simples Szenario man sich erst so richtig im letzten Viertel der insgesamt 80minütigen Laufzeit interessiert bekommt. Eine Fortsetzung namens "Der Sarg des Vampiro" folgte bei gleicher Besetzung und selber Regie ein Jahr drauf, lief in Deutschland bislang aber nur im Kino.  OFDb

29.10.2023

DER VAMPIR VON NOTRE DAME (1957)

Während Riccardo Freda den Hauptanteil des Streifens drehte, übernahm Mario Bava die letzten zwei Drehtage, so dass "Der Vampir von Notre Dame" als sein Regie-Debut zählt. Mag sein, dass der Regiewechsel etwas mit der konfusen Gestaltung des Filmes zu tun hat, lebt er die im Titel erwähnte Vampirthematik doch wenig, bzw. doppeldeutig aus, konzentriert sich ansonsten aber hauptsächlich auf eine Edgar Wallace-ähnliche Grusel-Krimi-Story und mischt dieser das Thema des am Wahnsinn grenzenden Wissenschaftlers hinzu, auch wenn er hier eher unterdrückter Auftragserfüller ist. Das guckt sich in dieser Kombi etwas wirr, aber nicht uncharmant. Der Streifen hat definitiv sein Herz am rechten Fleck, weiß zu unterhalten, wenn auch mit manchen Bremshürden versehen und macht bereits hier das gewohnte photographische Können der italienischen Regie-Legende deutlich. Das mag in diesem Falle noch nicht solch ein durchgehender Zustand sein, wie bei späteren Werken, die Bava optisch komplett durchkomponieren konnte, das mag aber eventuell auch daran liegen, dass Freda zunächst am Steuer saß. Keine Ahnung inwiefern er Bava zuvor in seinen Kameradienst hinein geredet hat oder nicht. So oder so, "I Vampiri" (Originaltitel) hat durchaus Staub angesetzt, zeitlos ist er nicht ausgefallen, man schaut ihn eher als sympathischen Retro-Blick in die cineastische Vergangenheit. Aber nicht jeder Film muss wie zur Ursprungszeit funktionieren, den Nutzen dem er heutigen interessierten Cineasten zur Studie bietet, oder dem reinen Filmkonsumenten als kurzweiligen Zwischendurchverzehr, ist nicht minderwertiger Natur. Und die Geschichte nimmt bereits die Thematik von "Comtesse des Grauens" voraus, kommt mir hier sogar eine Spur grausamer umgesetzt vor, als im sich weniger gnadenlos anfühlenden 70er Jahre-Film.  Wiki

14.09.2023

LIEBE, TANZ UND 1000 SCHLAGER (1955)

In diesem recht frühen Werk mit Peter Alexander ist der Musiker bereits ein bekannter Star, und darf sich selbst spielen. Dass er in der hier erzählten Geschichte als Schlüpferstürmer so berühmt ist, dass man sich nicht mehr traut ihm eine erwachsene Frau zur Seite zu stellen, was zu einem ähnlich verjüngenden Aufhänger wie in "Die Feuerzangenbowle" führt, könnte man voreilig als riskant, da rufschädigend bezeichnen, zumal Peter Alexander in der Realität den Ruf einer treuen Seele genoss. Aber wir reden von einer Zeit, in der es fesch und keck war alles Attraktive zu begatten, und man sieht dem guten Mann an, wie sehr er es genießt diese Rolle auf seine üblich charmante Art auszufüllen. Allerdings fällt seine Anwesenheit weit geringer aus, als man vermuten würde, denn vordergründig geht es um einen bislang erfolglosen Talentsucher und seine neue Entdeckung. Und so naiv diese Filmzeit in Deutschland, und insbesondere das Genre des Musikfilms, geradezu typisch war, so sehr wird doch genau dieser Bereich überstrapaziert. 

Die Art wie Talentsucher und zukünftiges Talent zusammen finden, das eher stillose Herumgehoppel der Dame, wenn sie freien Herzens singen darf, wie es ihre Natur geradezu verlangt, der Trick mit welchem man per Radio auf sich aufmerksam macht, und ganz besonders der angeblich kindliche Look einer offensichtlich erwachsenen Frau, das ist alles zu viel der Blauäugigkeit und raubt "Liebe, Tanz und 1000 Schlager" einiges von seinem Potential, trotz flotter Erzählung mit sympathischem Touch. Letztendlich ist der Streifen dann doch etwas zu austauschbar ausgefallen, um auf diese höchst naive Art zu funktionieren, angereichert mit arg viel Musik, selbst für diesen Typ Film, und zu wenig Peter Alexander bietend in für die dünne Story oft weniger entscheidenden Szenen. Etwas Herumgealber darf nicht fehlen, gerade bezüglich des neumodischen Campers mit Elektrofunktionen, aber gerade in solchen Szenen hätte ich lieber Alexander gesichtet, anstatt den Talentsucher. Unterfordert wirkt ebenfalls Hubert von Meyerinck als engstirniger Leiter einer Plattenfirma, der aber immerhin das Beste aus seinen Szenen macht, die ganz deutlich ihm gehören. Letztendlich interessiert man sich nicht wirklich für die Geschichte, und für eine Annäherung zwischen Caterina Valente und uns Peter leider auch nicht. Da gibt es definitiv romantischere Werke. Fans der hier anwesenden Prominenz oder des Genres an sich werden hingegen auf banaler Ebene zufrieden mit "Love, Dance and 1000 Songs" (Alternativtitel) sein.  Wiki

23.07.2023

DER WÜRGER VON PARIS (1954)

Die zweite Verfilmung von Poes Kurzgeschichte "Der Doppelmord in der Rue Morgue" ist etwas besser ausgefallen, als der magere "Das Geheimnis des Dr. Mirakel" aus dem Jahr 1932. Zwar interpretiert er die Geschichte noch immer um, baut jedoch mehr Elemente aus dieser mit ein, so z.B. den Nagel am Fensterrahmen. Wieder darf der Affe als Werkzeug eines irren Forschers herhalten, und im Gegensatz zu dem was im klassischen Horrorfilm üblich ist, wird der Wahnsinnige uns nicht von Beginn an als Schurke vorgeführt. Ganz im Gegenteil erleben wir ihn zunächst gut getarnt freundlich präsentiert, bevor sich in einem für das finale Opfer bedrohlichen Szenario sein wahres Ich offenbart. Dies kann man aufgrund des Einbringens zur Konditionierungs-Thematik sicherlich zuvor vermuten, offensichtlich für das Publikum von einst wird es jedoch nicht gewesen sein. Es ist das Konditionieren, welches den einzig tatsächlich etwas lächerlich anmutenden Schwachpunkt dieser Version darstellt, sind die dämlichen Klingelchen-Armbänder doch derart nervig, dass man sich kaum vorstellen kann, dass Frauen diese freiwillig längere Zeit getragen haben. Zwar lassen sie sich nicht öffnen, wie ein Teil des teuflischen Plans des diabolischen Wissenschaftlers beinhaltet, wir erleben jedoch nie, dass eine Frau von dem ewig klingelnden Schmuck genervt wäre, geschweige denn dass eine zumindest versucht dieses Armband abzulegen. Ansonsten ist "Phantom of the Rue Morgue" (Originaltitel) ordentlich inszeniert, gerade für Nichtkenner der Geschichte rätselhaft genug erzählt, und mit Karl Malden, bekannt aus "Die Straßen von San Francisco", in der Schurkenrolle sympathisch besetzt. Das Kostüm des mordenden Affen ist zwar ein offensichtliches, jedoch nicht so plump ausgefallen wie in manch anderem Film, glücklicherweise gerade eben noch glaubwürdig genug wirkend, um die Tierszenen nicht ins Lächerliche zu ziehen. Andere tatsächliche Wildtiere, sowie Artisten, verraten die Beteiligung eines Zirkus' an dieser Produktion, die diesmal nicht von Universal, sondern von Warner Brothers finanziert wurde.  OFDb

29.05.2023

DAS GRAUEN AUS DER TIEFE (1955)

Im Gegensatz zum ein Jahr zuvor erschienenen "Monster from the Ocean Floor" werden bei "Das Grauen aus der Tiefe" keine echten Aufnahmen von Kraken aus der Natur verwendet, der Erfolg gibt dem späteren, berühmteren Vertreter des 50er Jahre Monsterfilms Recht. Allerdings hatte man hier auch den Stop Motion-Experten Ray Harryhausen mit an Bord, der beeindruckende Bilder von einer Kreatur schuf, die eigentlich fast nur aus Armen besteht (hier 6 anstatt 8), der süß anzuschauende Einäuger aus dem Konkurrenzprodukt besitzt lediglich Trash-Charme. Insgesamt hat ohnehin "It Came from Beneath the Sea" (Originaltitel) die Nase vorn, ist er doch auch außerhalb der Trickeffekte charmant ausgefallen und definitiv flotter erzählt. Allerdings lässt sich mit Augen von heute selbst hier eine gewisse unfreiwillige Komik nicht vermeiden, wenn der Held der Marine, der nicht oft Kontakt zu Frauen hat, von einem Wissenschaftler erklärt bekommt, dass es eine neue Gattung Frau gibt, die selbstbestimmt leben kann und nicht zwingend auf die Hilfe des Mannes angewiesen ist. Wenn unsere weibliche Heldin diese Aussage ergänzt, indem sie sagt, sie kann im Gefahrenbereich ebenso hilfreich sein wie ein Mann und sie innerhalb des selben Szenarios gefühlt 5 Minuten später beim Anblick des atommutierten Oktopus lediglich hysterisch kreischt, anstatt hilfreich mit anzupacken, dann bleibt kein Auge trocken. 

"Monster from Beneath the Sea" (Alternativtitel) auf derartigen Trash zu reduzieren, würde dem Werk jedoch nicht gerecht werden, so gekonnt wie er für seine Zeit optisch einfallsreich seine Zerstörungsorgie zelebriert, so geheimnisvoll wie er seine Geschichte einleitet (wenn dabei auch nicht so unheimlich ausgefallen, wie der große Vorreiter "Formicula") und so liebevoll, wie er das ungleiche Paar inmitten seiner Monstergeschichte eher zaghafte Versuche der Annäherung unternehmen lässt, selbst von Seiten des Machos aus. Unverständlich ist mir hingegen die Vorgehensweise ausgerechnet das Finale in einem tricktechnisch zurückhaltenden Unterwasserszenario stattfinden zu lassen, welches sowohl Tempoprobleme besitzt (Tauchsequenzen verlangsamen immer das Geschehen, wie auch Jahre später der James Bond-Film "Feuerball" bewies), als auch mangelnde Schauwerte im Monsterbereich. Hier bremst sich "Das Grauen aus der Tiefe" selbst aus, und dies so kurz nach seinem Highlight auf der Golden Gate Bridge. Ansonsten gibt es aber über das charmante Ergebnis nichts zu meckern. Ich habe diesen Genrebeitrag seinerzeit in meiner späten Jugend im Fernsehen gesehen. Danach blieb der Film lange Zeit unerreichbar für mich, bis ich ihn dank der lohnenswerten, da liebevoll zurecht gemachten, Veröffentlichung von Anolis kürzlich endlich wiederentdecken durfte. Schön, dass Robert Gordons Werk noch immer derart zu bezaubern weiß, wie damals in den 90er Jahren auf RTL Plus.  Wiki

06.08.2022

DAS SIEBENTE SIEGEL (1957)

Im Gegensatz zu meinen bisherigen Erfahrungen mit Filmen von Ingmar Bergman fiel "Det sjunde Inseglet" (Originaltitel) weit entspannter erzählt aus, als erwartet. Zwar fordert er, wie typisch für seine sehr erwachsenen und kunstbetonten Werke, trotzdem Aufmerksamkeit vom Zuschauer, da dieser selbst entdecken muss, anstatt alles gesagt zu bekommen, aber diese geforderte Konzentration fällt leicht bei einem derart unverkrampft ausgefallenen Streifen, der sich als recht humorvoll inszeniert dafür schaut, dass er vordergründig keine Komödie sein möchte. Ein wenig hat mich das Ergebnis, wenn auch in einem anderen Jahrhundert spielend, an die fast zeitgleich erschienene "Schinderhannes"-Version mit Curd Jürgens erinnert. Der gewährte einem ebenfalls einen unverkrampften, sich in seiner Menschlichkeit authentisch anfühlenden Blick auf die Lebenswelt der Bürger ihrer Zeit, hier jene des Mittelalters, in welcher die Pest um sich greift und Kreuzzüge beendet werden.
 
Es gibt also genug schwerwiegende Probleme, mit denen man sich herum plagen muss, was das Volk nicht davon abhält kleinkariert auch unnötige innerhalb eines Blickwinkles nur bis zum eigenen Tellerrand zu provozieren. Dieser Blick fällt nie bitter oder moralisch aus, sondern schwankt irgendwo zwischen verstehen und augenzwinkernd akzeptieren, frei nach dem Motto: so sind die Menschen eben - eine entspannte Haltung, die man sich in heutigen Zeiten der Prinzipempörung geradezu zurück wünscht. Der populäre Aspekt von "The Seventh Seal" (Alternativtitel), dass ein Ritter gegen den Sensenmann Schach spielt, um sein Schicksal hinauszuzögern, fällt überraschend beiläufig aus, wenn es um die direkte Aktion geht. Wie sehr dieser Aspekt tatsächlich mit all den anderen Geschehnissen zu tun hat, die sich auch oftmals um andere Personen kümmern, bemerkt man eher unterschwellig, spätestens aber mit der Auflösung der Geschichte. 
 
Diese hält zudem einen schönen Seitenhieb auf eine Mutter Maria-Situation, die ziemlich zu Beginn mitzuerleben war, bereit. Sie gehört mit zu den besagten augenzwinkernden, humorvollen Momenten, die Auflösung diesbezüglich ist aber auch ein tolles Beispiel für die Täuschung, die "Das siebente Siegel" gerne für den mitdenkenden Zuschauer bereit hält, der oft anderes vermutet als schließlich geschieht. Dass der Tod gerne mal unfaire Methoden auffährt, oder der Ritter auch gerne mal trotzig die Figuren umwirft, in der Hoffnung sein Gegner hätte vergessen auf welchem Feld welche standen, macht ebenfalls das humorvolle Gewandt dieser Nicht-Komödie deutlich und den sanften Umgang mit dem Akzeptieren von menschlichem Fehlverhalten (von dem sich selbst der Tod nicht los sagen kann, wie man sieht). 
 
Inmitten dieses leichten und dennoch spürbar und mitempfindbaren dramatischen Treibens schleichen sich auch immer wieder mal mehr, mal weniger gut funktionierende philosophische Gedanken mit ein. Besonders gut gefallen hat mir die Andeutung (die aber auch Trick oder Lüge gewesen sein kann), dass selbst der Tod nicht weiß was nach dem Ableben kommt und somit auch nicht was Gott bewegt zu handeln wie er es tut, bzw. die Frage ob dieser überhaupt existiert. "Das siebente Siegel" ist ein überraschend kurzweilig zu schauender, unterhaltsamer Ingmar Bergman-Film in gewohnt guter Besetzung und wie so oft sehenswert durch seine reichhaltig ausgefallenen Dialoge. Wieder einmal wird deutlich, dass der Regisseur hier selbst zum Genre wird. Welche er tatsächlichen für seine Erzählung benötigt, scheint nicht wirklich wichtig.  OFDb

01.05.2022

GOG (1954)

"gog" ist mit seinem Erscheinungsjahr 1954 ein recht früher Vertreter der Science Fiction-Welle seiner Zeit und kommt dementsprechend noch etwas anders daher als die meisten anderen Werke dieser Dekade. Zwar tendiert auch er Richtung Naivität und damit Richtung trashigem Charme, wie mir auch Gratulant Moviescape sicherlich zustimmen würde, wenn er den Film kennen würde, jedoch ist er weit weniger auf äußere Schauwerte aus, wie die meisten seiner Konkurrenzprodukte und konzentriert sich stattdessen auf eine erzählenswerte Geschichte, die eine echte Bedrohung beinhaltet, so wie es ein Jahr später auch "Metaluna 4 antwortet nicht" wagte. Der im Titel genannte Roboter Gog ist z.B. nur Beiwerk einer Erzählung, die sich hauptsächlich eigentlich um Regierungsbeauftragte kümmert, von denen die meisten Anwesenden Wissenschaftler sind, die einem Ermittler in einer großen, unterirdischen Forschungsstation Rede und Antwort stehen. Man versucht herauszufinden was hier, an einem Ort der verschiedensten Entdeckungen, falsch läuft, worauf sich selbst die klugen Köpfe vor Ort keinen Reim machen können. Zeit haben sie ohnehin nicht, sind sie doch alle mit ihren Projekten, die teils konkurrierender Art sind, beschäftigt und damit voll ausgelastet, so dass der etwas dumpfbacken besetzte, staatstreue Ermittler, nicht sonderlich dümmer charakterisiert als die Forscher, herausfinden muss, warum es immer wieder zu Todesfällen kommt. 

Neugierig begleitet der Zuschauer seine Ermittlungen, denn an Möglichkeiten mangelt es nicht. Ein Manipulator innerhalb der eigenen Reihen kann es ebenso sein, wie äußere Einwirkung. Auch das Mitmischen der alles kontrollierenden Maschine ist möglich, was später schließlich in "Colossus" zur Hauptthematik gemacht wurde. Wie interessant man "Gog - Space Station USA" (Alternativtitel) findet, hängt letztendlich davon ab wie viele Schauwerte man als Zuschauer benötigt und wie gut man sich von viel Dialog unterhalten lassen kann. Denn ähnlich wie in "Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All" nimmt die Forschung und das Ermitteln den Hauptteil der Handlung ein, und der läuft hauptsächlich über Dialoge und Nachdenken, so dass "Gog" (Originaltitel) seine Geschichte zu einem guten Teil theoretisch angeht. Freilich sind die wissenschaftlichen Dialoge und Erklärungen nicht so sinnvoll angegangen wie jene im Vergleichsfilm, der Entstehungszeit geschult wird da viel Unsinn geplappert, dies aber immerhin inmitten vieler tatsächlich wissenschaftlicher Fakten, die aber meist grundlegender Natur sind. Trotz aller Ernsthaftigkeit und allen Bemühungen einen erwachsenen Stoff mit bedrohlichem Aufhänger zu servieren, badet "gog" immer wieder etwas arg in der Naivität, in der Werke dieser Art seinerzeit immer tauchten, dies aber nie so extrem wie sonst, und in seinen Motivationen etwas Besonderes zu erzählen verzeiht man ihm seine ständigen Ausrutscher nur allzu gerne. 

Zwar erreicht er nie das Kaliber der wahrlich gelungenen Werke seiner Zeit, aber innerhalb der lediglich unterhaltsamen Produkte dieser Art hebt sich dieses recht unbekannte Filmchen vom Rest ab. Allein schon die unvorhersehbare Geschichte, in der man nicht weiß wer der Aggressor ist, der erwachsene Umgang mit den Figuren, die trotz aller Stereotype nie gradlinig in Gut und Böse baden, und der tatsächlich spürbare Verlust von Menschenleben, wenn es mal wen erwischt, sind alles Faktoren, die "gog" zu etwas Besonderem machen, ebenso dass er die Action stark zurück schraubt und viel Wissenschafts-Dialog ins Zentrum setzt. Auch mit blinkenden Lichtern an den nett anzusehenden Apparaturen übertreibt man es nicht. Die beiden Roboter hingegen sind herrlich putzig ausgefallen, erst recht wenn sie mit wedelnden Armen umher fahren, und auch die plumpen Erfrierungs-Spezialeffekte zu Beginn der Geschichte schauen sich eher putzig als überzeugend. Auch dass die beiden Roboter mit verschiedenfarbigen Antennen in einer Szene versehentlich für einen Moment vertauscht wurden, spricht nicht gerade für eine hoch professionelle Herangehensweise während des Drehs. Aber die Pluspunkte sprechen für sich, gerade dann wenn man sich mit Science Fiction-Werken dieser Zeit auskennt und nicht nur mit optischen Spielereien unterhalten werden will. 

Herbert L. Strock, der als Co-Regisseur in "Magnetic Monster" ein Jahr zuvor bereits Erfahrungen im Genre sammeln konnte und später mit Werken wie "Der Satan mit den 1000 Masken" auch im Horrorbereich unterwegs war, liefert mit "gog" trotz aller Ambitionen lediglich einen Trivialfilm ab, da muss man sich nichts vor machen. Aber er ruht sich zumindest nicht einzig auf diesem Ziel aus.  OFDb

12.12.2021

THE INVISIBLE MAN VS. THE HUMAN FLY (1957)

Acht Jahre nach "The Invisible Man Appears", dem einzig mir bekannten weiteren klassischen Unsichtbarenfilm aus Japan, hat sich lediglich auf den ersten Blick mehr getan als in jenem Werk zuvor, welches weder inhaltlich noch in Sachen Besetzung und Regie einen tatsächlichen Zusammenhang zum hier besprochenen Streifen besitzt. War dort ein Verbrecher als Unsichtbarer unterwegs, so macht sich hier wer unsichtbar, um einen Verbrecher aufzuhalten, der mit alltäglichen Methoden nicht zu fassen ist. Denn wie der Titel "The Invisible Man vs. the Human Fly" bereits verrät, ruhte man sich diesmal nicht einzig auf der Unsichtbarenthematik aus, sondern bescherte der ganzen Chose noch einen geschrumpften Menschen, der inhaltlich sogar mehr im Zentrum steht als besagter anderer übernatürlicher Aspekt. Warum man aufgrund eines Schrumpfens auf Fliegengröße deswegen in der Lage ist kontrolliert zu fliegen, obwohl man keinerlei Flügel besitzt und lediglich wild umher schwebendes Opfer der Luftzirkulationen sein müsste, bleibt so unbeantwortet wie die Frage warum ein solch fliegender Mensch wie eine Fliege summt, warum ein Kriminalist mit laut schallenden Absätzen herumläuft, wenn er einen Verdächtigen heimlich verfolgt, oder warum Unsichtbare sich scheinbar wann sie wollen wieder sichtbar machen können und dies sogar auf einzelne Körperteile beschränken können. Sicherlich liegt es auch an meinem mangelnden Englischvokabular, dass ich eine möglich erwähnte Erklärung nicht begriffen habe, Mitsuo Murayamas Werk ist jedoch außerdem ziemlich ignorant bezüglich seiner Sinnhaftigkeit ausgefallen, so dass er vielerlei Erklärungen dem Zuschauer schuldig bleibt. Das klingt entspannt, gerade in heutigen Zeiten, in welchen sich Filmschaffende stets dazu verpflichtet sehen alles bis zum Erbrechen möglichst sinnvoll erklären zu müssen, etwas mehr Kontext wäre jedoch wünschenswert gewesen, zumal dieser Umgang aus "Tômei ningen to hae otoko" (Originaltitel) keinen angenehm locker daher kommenden Film macht. 

So irre das Zusammentreffen beider übernatürlicher Fähigkeiten klingt, und so entspannt das Ignorieren eines sinnvollen Plots und nachvollziehbarer Erklärungen hätten ausfallen können, "The Murdering Mite" (Alternativtitel) kommt trotzdem ebenfalls so uninspiriert daher wie sein Vorgänger aus dem Jahr 1949. Ebenso wie dieser fällt er arg geschwätzig aus, bietet hierfür jedoch keine wirklich interessanten Figuren, Dialoge oder zwischenmmenschlichen Situationen außerhalb der ausgeflippten Titelthematik. Außerdem konzentriert man sich erneut eher auf einen Krimi-Plot, anstatt Weitsicht mit den Möglichkeiten der übernatürlichen Thematiken zu beweisen. Der erste Fliegenmensch macht sich stets zur Flucht klein, nachdem er auf Menschengröße Leute von hinten ersticht, ein weiterer erpresst mittels Bombenlegen die Stadt, um an die Unsichtbarkeitsmaschine zu gelangen. Der erste handelt als Süchtiger, der zweite als Boss krimineller, wie legaler Organisationen. In dieser wechselhaften Art (anbei auch auf Seiten der Unsichtbaren) und mangels Erklärungen, Sinnhaftigkeit und plumper Motivationen bezüglich dessen was mit den Fähigkeiten eigentlich alles möglich wäre, macht der kurzweiliger und aufregender klingende "The Invisible Human and the Fly Man" (Alternativtitel) gar noch weniger Spaß als der zuvor von mir gesichtete Unsichtbarenfilm aus Japan. Die Spezialeffekte reißen ebenfalls nichts raus, haben sie sich nach fast einem Jahrzehnt doch keineswegs verbessert, und wurden sie doch bereits im Vorgängerwerk ihrer Entstehungszeit nicht gerecht, so dass "The Transparent Man vs. the Fly Man" (Alternativtitel) auch in diesem Punkt nicht zum Hingucker wird. Ein kleiner Restcharme ist automatisch durch die angegangene Thematik vorhanden und durch den sympathisch scheiternden Soundtrack, der um unheimliche Atmosphäre bemüht ist. Aber der Streifen versprüht weder unfreiwillig komisches Trash-Flair, noch trumpft er als kurzweilige Kuriosität, auch wenn er wie eine solche klingt. Meiner Meinung nach sollte er nur von filmhistorisch interessierten Cineasten geguckt werden.  OFDb

22.10.2021

HILFE, ICH BIN UNSICHTBAR (1951)

Man kann nicht gerade behaupten, dass "Hilfe, ich bin unsichtbar" auf direkten Weg zu seinem titelgebenden Aufhänger findet. Zwar ist es schön zu sehen, dass hier weder gehetzt wird, noch zusätzliche Faktoren der Geschichte vernachlässigt werden, aber es dauert schon arg lange bis Fritz unsichtbar wird, und auf dem Weg dahin versprüht er nicht gerade Sympathie. Das mag mitunter auch am Zeitgeist liegen, aber mit Augen von heute erscheint Fritz nicht schelmisch egoistisch, wie es z.B. bei diversen Rollen Peter Alexanders der Fall war, Fritz wiegt sein unsoziales Verhalten einfach mit nichts auf. Er mag ein sanfter Geldeintreiber sein, und seine stets kurzfristige Reue ist echt, aber warum seine Ehefrau so enorm an ihm hängt, das versteht man aufgrund seines wiederholenden Verhaltens nicht. Ebenso ergeht es einem mit eigentlich negativ gezeichneten Figuren, die den Phantasten nicht verstehen. Deren Sichtweise teilt man als Zuschauer eher, als jene der eigentlichen Identifikationsfigur Fritz. Zudem kommt die Geschichte trotz leichtfüßiger Erzählung etwas arg schleppend voran. Nichtigkeiten, wie der Streich des kleinen Jungen, ziehen die ohnehin schon umständlich schnörklig angegangene Chose unnötig in die Länge, ohne den Erzählwert damit zu bereichern. 

Und kommt die Geschichte endlich einmal an jenem Punkt an, auf den man so lange gewartet hat, überrascht "Help, I'm Invisible" (Alternativtitel) eher negativ mit dem schlichten Umgang der Thematik, wird sich doch nie richtig ins Unsichtbarsein hineingedacht und nutzt man diesen Bereich doch eher für manche Verwirrung aufgrund des wechselnden Zustands von sichtbar und unsichtbar sein, sowie für Humor bezüglich unmöglichen Verhaltens unter Alkoholeinfluss. Der erwachsene Kindskopf wird lediglich aufgeschreckt, hoffnungslos im Teufelskreis aus Alkohol und Nichtsichtbarsein gefangen, und selbst dieser Faktor wird nicht analytisch als Sinnbild für das Unsichtbarsein innerhalb des eigenen Umfeldes verarbeitet, sondern schlichtweg für zahme Scherze. Würden diese etwas treffsicherer ausfallen, gäbe es nicht wirklich etwas zu meckern, schließlich erwartet man hinter einem Projekt wie diesem, besetzt in der Hauptrolle mit Theo Lingen, ohnehin automatisch einen leichten Stoff. Aber für meinen Geschmack war das alles nicht lustig oder sympathisch genug, und der Erzählstrang selbst arg ungünstig gewählt. Sicher kann man sich den Streifen bei wenig Erwartung einmal geben, am besten mit einem Auge, während man noch nebenbei einer anderen Beschäftigung nachgeht (der ideale Bügelfilm?), aber man hat wahrlich nichts verpasst, wenn man die an sich gut besetzte Komödie ignoriert. Auch die Auflösung weiß nicht zu gefallen, zumal man sie aufgrund des Zeitpunkts, an dem das Titelthema beginnt, leicht vorhersehen kann und sie somit nur erneut  die Einfallslosigkeit des Autors unterstreicht. "Die unsichtbare Frau" war elf Jahre zuvor wesentlich kurzweiliger.  OFDb

14.02.2021

LIEBLING, ICH WERDE JÜNGER (1952)

Ein Jahrzehnt später als "Die unsichtbare Frau" entstanden und ein Jahrzehnt vor "Der verrückte Professor", geht "Liebling, ich werde jünger" ebenso wie die Vergleichsfilme auf belustigende Weise das Thema des waghalsigen Wissenschaftlers an, das meist im Horrorfilm zu Hause ist. Cary Grant spielt den ursprünglichen Charakter des Forschers bodenständig, das Drehbuch positioniert ihn nicht am Rande des Wahnsinns, und aufgrund dessen, dass der gute Mann je nach Filmphase infantil spielen muss/darf, ist das wohl die richtige Entscheidung gewesen, um die Extreme des Verhaltens seiner verkörperten Figur deutlicher hervorzuheben. Die Wirkung des Tranks zeigt sich im Verhalten der Versuchskaninchen, nicht an ihrem Äußeren - zumindest so lange, bis sie sich aufgrund des jungen Befindens anders zurecht machen. Das mag Cineasten, die auf Spezialeffekte hoffen, nicht gefallen, bietet der Geschichte aber Möglichkeiten mit den Blickwinkeln anderer Menschen zu spielen, die sich über das Verhalten der Verjüngten wundern, wenn sie, vom Versuch nichts ahnend, in ihnen doch Erwachsene sehen. 

Auch mit Blick auf seine Entstehungszeit, in welcher man sich später entwickelte als heute, wirken die Ansichten, wie man als junger Mensch denkt, beleidigend, wird doch weder dem Kind, noch der Jugend ein kritisches Denken und die Fähigkeit zu reflektieren zugetraut. Diesen etwas ignoranten Ansatz einmal nicht allzu streng betrachtend akzeptiert, bereitet "Monkey Bussiness" (Originaltitel) genügend Kurzweile, allein schon weil den Schauspielern ihre Spielfreude anzusehen ist, sobald sie sich ihres eigentlichen Alters bezogen daneben benehmen dürfen. Ob aktiv oder passiv davon betroffen, bekommt jede halbwegs wichtige Figur ihre besonderen Momente beschert. Einzig die Rolle Marilyn Monroes ist arg fade ausgefallen. Aufreizend darf sie einmal etwas aufgesetzt eingebracht ein Stück Bein zeigen, ansonsten fällt sie kaum auf in einer Rolle, in der sie fast nur schmollen darf, und nicht einmal die ihr zugeschriebene Dümmlichkeit ein Ausmaß erfährt, mit welchem sie Lacher auf sich ziehen könnte. Filmfreunde, die wegen ihr einschalten, könnten somit etwas enttäuscht werden.

Letztendlich ist sie aber ohnehin nur eine Randerscheinung in Howard Hawks Science Fiction-Komödie, die weder sonderlich gesellschaftskritisch, noch anderweitig tiefsinnig ausgelegt ist. Hier soll einzig der Spaß an der Freude herrschen, und der weiß sich auch heute noch recht brauchbar auf den Zuschauer zu übertragen, auch wenn dieser in weit weniger moralischen Zeiten aufgewachsen ist, als jene, in welchen der Film entstanden ist. Das Spiel mit (veralteten) Klischees über das Alter, die Kindheit und die Jugend (und nebenbei auch über Schwiegermütter und Scheidungsanwälte), sowie die Unbekümmertheit des Drehbuchs, liefern zusammen mit der Spielfreude der sympathischen Besetzung einen netten, kleinen Film für zwischendurch ab, der nach leicht schleppenden Einstieg gut genug in Schwung kommt, um sich an einem verregneten Sonntagnachmittag von ihm angenehm unterhalten lassen zu können. Positiv fallen zudem die nebenbei eingebrachten Tierszenen auf, die weder all zu albern, noch in irgendeiner Form kitschig ausgefallen sind und von professioneller Tierdressur zeugen. Sie runden das Bild dessen ab, was leichte, unbeschwerte Unterhaltung auf angenehmen Niveau sein kann, gerade auch mit Blick auf die etwas klamaukigeren Momente.  OFDb

19.09.2020

NACHTS, WENN DER TEUFEL KAM (1957)

Ähnlich wie in der brillanten Buchvorlage des filmisch missglückten "Vaterland" zeigt uns "Nachts, wenn der Teufel kam" keine Gesellschaft voll von klischeehafter Nazi-Monster, sondern normale Menschen innerhalb ihres Alltags, in dem es hauptsächlich nicht um die Ideologie der Machthaber geht, sondern um Alltäglichkeiten. Sie leben ihr Leben im Schatten des Nationalsozialismus, der auf diesem ehrlich gewählten Wege keineswegs verharmlost wird. Interessanter Weise besitzt der Film gerade darin auch seine erwähnenswerte Falle, denn unser Ermittler sucht seinen Serienkiller lediglich der Ambition seines Berufes und zum Schutz der Bürger wegen, hat also mit dem politischen Hintergrund persönlich nichts am Hut. Und genau dieser bricht plötzlich nach herausragender Arbeit hervor. Man mischt sich ein, verfälscht Wahrheiten um den Ruf des Nationalsozialismus zu wahren, und das missfällt dem Protagonisten, der somit nicht idealistisch zum Kämpfer gegen die Unterdrückung wird, sondern rein seiner Aufgabe der Aufklärung wegen. 

Er kann es nicht zulassen, dass wer Unschuldiges sein Leben lassen muss, glaubt etwas erreichen zu können und wird in der letzten Phase dieses Krimi-Dramas auf bittere Art eines Besseren belehrt und muss die Konsequenzen tragen. Dies wirkt noch bitterer im Zusammenhang mit einer aufkeimenden Liebschaft, die darunter leidet. Dieser wichtige Rahmenaspekt spielt sich jedoch nie dominant ins Zentrum des hauptsächlich auf den Kriminalfall konzentrierenden Filmes und seiner politischen Auswirkungen. Das Zeitgefühl wird hervorragend eingefangen, oft weht ein authentischer Wind über dem Gezeigten, was mitunter an der natürlich wirkenden Besetzung liegt. Gesondert muss freilich Mario Adorf erwähnt werden, der in recht jungen Jahren bereits beweist wie talentiert er ist, wirkt sein unbeholfener, geistig überforderter Charakter doch nie zu stark zurückgeblieben, aber genügend um ihn und seine Motivation darin alles zu erzählen glaubwürdig erscheinen zu lassen. Robert Siodmak ist ein beeindruckendes Drama geglückt, welches fast sämtliche Klischees umschifft und sich auf jene Aspekte des Nazi-Regimes konzentriert, die relevant für die zu erzählende Geschichte sind. Damit wirkt sein Plädoyer für Freiheit und Gerechtigkeit weit ehrlicher als in vielen ideologisch überfrachteten Werken.  OFDb

04.04.2020

GODZILLA KEHRT ZURÜCK (1955)

Bereits ein Jahr nach dem großen Erfolg "Godzilla" erschien die erste Fortsetzung und setzte sogleich auch dort an, wo der erste Teil endete. Man berät sich mit einem überlebendem Entscheidungsträger der Tokyo-Katastrophe, man stellt nachvollziehbare Überlegungen und Vorkehrungen an. Für einen Monsterfilm ist das, mit Ausnahme des ständig zu schnell aufkommendem Siegesgefühls der Menschen, recht bodenständig erzählt, das weiß zu überraschen. Zudem profitiert "Godzilla kehrt zurück" von dem schnellen Einstieg, den seine Geschichte ermöglicht. Arbeitete der Vorgänger noch mit dem Mythos des Monsters und mit der Frage dessen tatsächlicher Existenz, so weiß die Menschheit mittlerweile, dass Angriffe derartiger Monster möglich sind, zumal man eine derartige Katastrophe, wie sie die erste Kreatur anrichtete, nicht so schnell vergisst. Somit ist man gleich zur Gegenwehr bereit, ohne über den Wahrheitsgehalt der Situation zu zweifeln.

Was an "The Volcano Monster" (Alternativtitel) gefällt, ist der immer noch vorhandene düstere Touch, der ihn von den knallbunten späteren Fortsetzungen unterscheidet. Godzilla wirkt bösartig und bedrohlich, zumindest während seiner Soloauftritte im Meer. In den Kampfsequenzen mit dem anderen Monster, welche Grundlage für das Prinzip aller anderen Fortsetzungen werden sollte, sieht es hingegen anders aus. Zwar wird der Kampf im Gegensatz zu späteren Filmen der Reihe noch recht tiernah von den Bewegungsabläufen her umgesetzt, ein beschleunigtes Bild arbeitet dennoch gegen eine positive Wirkung, so dass diese Kämpfe weder eine Bedrohung suggerieren, noch einen funktionierenden Unterhaltungswert bieten. Da nutzt es auch nichts, dass allerhand Miniaturbauten zerstört werden. In diesen Momenten dominiert der Drang nach Zerstörung und Action, anstatt nach Verzweiflung, Angst und Spannungsbogen.

Wenn der Erzfeind Godzillas nach der Hälfte des Films glücklicher Weise überraschend ausscheidet und "Gigantis" (Alternativtitel) die Chance bekommt zu seiner vorherigen Stärke zurück zu finden, vergeigt es das Drehbuch, dass es nun wieder auf düsterer Ebene weiter gehen kann. Es ist nicht nur so, dass das letzte Drittel nach einem kurzen Pausieren der Monsterthematik komplett auf Fliegeraction setzt, die uns zeigen soll zu welch tollen Leistungen das Militär in der Lage ist, diese sich ellenlang anfühlende Schlacht findet zudem noch auf einem uninteressantem Terrain statt, auf welchem Godzilla keine Chance mehr bekommt seiner Zerstörungswut nachzukommen, geschweige denn zu einer Bedrohung für die Menschen zu werden. Da innerhalb dieser langen Schlusssequenz zudem schnell herausgearbeitet wird auf welche Art Godzilla besiegt werden soll, zieht sich das sich stets im Kreis drehende Kriegsgeschehen wie Kaugummi, bis das vorangekündigte Ziel endlich erreicht ist, ohne dass je die Bedrohung des Scheiterns der Mission spürbar gewesen wäre.

Umso erstaunter darf man sein, dass in dieser schwachen Phase des Streifens ein funktionierender, dramatischer Umgang mit einer der Hauptfiguren stattgefunden hat, ein Moment der einen wahrlich bewegt. Das funktioniert aber auch deshalb so gut, weil man sich in der Stunde zuvor gekonnt um die Vertiefung einiger weniger Charaktere bemüht hat, obwohl es an sich vordergründig stets nur um das Gesamtschicksal der Einwohner Ôsakas geht. Diese Ausnahmefiguren sind es auch, die den fast monsterfreien Mittelteil des Filmes halbwegs getragen bekommen, der aber trotzdem nie wieder derart interessant erzählt ist, wie der Beginn der Geschichte, dessen Qualität mit dem Kampf der Monster in der Hauptstadt angekommen zu bröckeln beginnt. Da es gerade das letzte Drittel vernachlässigt zu einem guten Unterhaltungswert zurück zu finden, und sich dieses ganz im Gegenteil stattdessen arg lahm guckt, kann man nicht wirklich von einem gelungenen Teil der Endlos-Reihe sprechen. So kann man von Glück reden, dass es seinerzeit trotzdem zu einer weiteren Fortsetzung kam, wenn auch erst sieben Jahre später, und Godzilla kein Zweiteiler blieb. Letztendlich lebt "Fire Monster" (Alternativtitel) als letzter in Schwarz/Weiß gehaltener Streifen der Reihe heutzutage nur noch von seinem Retrocharme.  OFDb

03.04.2020

DER FREMDE IM ZUG (1951)

Durch die Figur des schelmischen Bruno weht stets ein leicht amüsanter Ton über einen eigentlich ernst umgesetzten Thriller. Letztendlich ist es seiner Figur zu verdanken, dass "Der Fremde im Zug" überhaupt zu funktionieren weiß, schließlich ist die Ausführung des ersten Mordes, ohne jedwede Absprache, ebenso wenig Bestandteil einer perfekten Ausführung, wie die darauf folgende ständige Kontaktierung in der Öffentlichkeit, welche den Grundgedanken der völlig getrennten Leben beider Täter komplett widerspricht. Was im Zug trotz irrem Geschwätz noch einleuchtend klingt, erweist sich in jedweder Handlung Brunos als völlig konfus. Das würde manch anderen Film zum Wanken bringen. Hier haben wir es jedoch mit einem wirren Geist zu tun. Und nicht nur dass Guy nie in die verrückte Idee einwilligte, sie bringt ihm auch nichts, selbst wenn er sich früher oder später darauf eingelassen hätte.

Den Irrsinn Brunos bereits in der Basis der Erzählung zu offenbaren, ist ein gewitzter Schachzug Hitchcocks, der es Richtung Finale zudem nicht lassen kann, auch den Bösewicht unter Zeitdruck zum Schwitzen zu bringen, wenn dieser verzweifelt am Kanaldeckel nach einem goldenen Feuerzeug fischt - ein Gegenstand der für seine finsteren Pläne von bedeutender Wichtigkeit ist. Kurzum: Hitchcock geht sehr verspielt mit der kompletten Chose um, baut durch die Mutter Brunos sogar eine offensichtlich witzige Komponente mit ein, lässt den Restfilm jedoch nur bis zu jenem Grade augenzwinkernd erscheinen, in welchem er nicht der spürbaren Bedrohlichkeit schadet, die auf Guy herein bricht. Der ist vielleicht ein wenig zu naiv gezeichnet, letztendlich wird er dennoch zur Identifikationsfigur, zumal seine Zweifel die Polizei zu kontaktieren relativ nachvollziehbar sind.

Hitchcock inszeniert "Verschwörung im Nordexpress" (Alternativtitel) trotz seiner beschwingten Art in den straffen Momenten intensiv genug, um einen brauchbaren Spannungsbogen zu ermöglichen, zwischendurch und gerade gegen Ende jedoch auch zu abschweifend, um von einem rundum gelungenen Ergebnis sprechen zu können. Reizvolle Ideen am Rande entschädigen diese Inkonsequenz ein wenig, so z.B. der empathische Umgang mit einer Randfigur, der während einer Gesellschaft bewusst wird, dass sie im Blickkontakt mit dem Mörder gewürgt wird, während dieser als Partygag wen anders unter Trance würgt. Es erstaunt wie empathisch Hitchcock mit dieser Randfigur in diesem Zusammenhang umgeht, während der Streifen an sich, und mit ihm dementsprechend seine Hauptfiguren, ansonsten doch eher Kino bleibt, ohne dass man sich ernsthaft, da authentisch aufgegriffen, um ihre Psyche sorgt. So oder so beweist Hitchcock, dass er sich nicht nur auf einer Idee ausruht und die grundlegende anders thematisiert als man erwarten würde, mit dieser Flexibilität aber auch das ein oder andere mal dafür sorgt, dass das Ergebnis gelegentlich ein wenig zerfahren wirkt.  OFDb

31.05.2019

AUSGEBURT DER HÖLLE (1955)

Inmitten des recht guten Händchens, welche das Team rund um die Veröffentlichungen der drei Dekaden "Galerie des Grauens" beweist, schlich sich auch "Ausgeburt der Hölle" ein, bei dem selbst das sehr spezielle Zielpublikum viel Wohlwollen und Augenzudrücken beweisen muss, um mit ihm warm zu werden. Die Millionen Augen, die im Originaltitel genannt werden, mögen aufgrund der Besetzung fremder Lebewesen gemeint sein, sind in ihrer Anzahl aber selbst dann stark übertrieben (was für damalige Titel dieser Art typisch ist). Zumindest hat das kleine Vieh, welches wir gegen Ende einige Sekunden zu Gesicht bekommen, davon keine. Und ich glaube auch nicht, dass eine Millionen Augen einst den Streifen im Autokino verfolgten. Es war das ideale Werk zum Fummeln. Wer weiß wie viele Kinder während seiner Laufzeit gezeugt wurden. Denn der Streifen, an welchem Roger Corman ungenannt bei der Regie half, ist penetrant geschwätzig ausgefallen, selten passiert etwas inmitten endlosem Gelabers.

Dieses zeigt sich zunächst jedoch von der angenehmen Sorte, zeigen uns die Dialoge doch auf, dass wir es hier mit denkenden, reflektierenden Menschen zu tun haben, die nicht all zu lang ahnungslos sind, und hilflos geben sie sich schon mal gar nicht. Die sprunghafte Inszenierung, die weit wirrer als die Erkenntnisse der Familie Kelly daher kommt, sorgt für den dümmlichen Gehalt des Streifens, widerspricht sich doch Gezeigtes und Genanntes schnell nur wenige Momente später. Zwar sorgen die Dialoge immer wieder für eine Korrektur, fast jeglicher Fehler besagter Sprunghaftigkeit wird benannt, um alles wieder gerade zu rücken, aber Worte allein halten diese Sprunghaftigkeit nicht zusammen, nicht einmal dann, wenn das zuvor widersprüchlich Gezeigte, zur Auflösung beiträgt. Denn so viel sei verraten: "The Beast with a Million Eyes" (Originaltitel) ist ein Appell an die Liebe. Und die körperlosen Wesen sind gegen diese machtlos. Das braucht aber auch nicht verwundern, denn nie hat es einen Invasionsversuch im Kino gegeben, der tolpatschiger, naiver und schwächer ausgefallen ist, als dieser hier. Einen Toten gibt es zu verzeichnen und jede Menge verzweifelte (fehlgeschlagene) Versuche Menschen zu terrorisieren oder langfristig zu kontrollieren. Selbst bei dem geistig debilen Helfer der Kellys, der ein Geheimnis in sich birgt, welches der Herr Papa vor Jahren schon hätte enttarnen können (was seiner Ehe gut getan hätte), tut sich der Außerirdische schwer.

Und ja, obwohl er ein körperloses Wesen ist, bekommen wir trotzdem noch einen Alien für wenige Sekunden am Schluss präsentiert, was wie jeder Fehler des Streifens ebenfalls per Vermutungsäußerung der Familie Kelly schnell wegerklärt wird. Denn darin sind die Verantwortlichen von "The Beast with 1.000.000 Eyes" (Alternativtitel) wirklich meisterhaft: sie bauen zwar immer wieder Mist in der Logik, bemerken dies jedoch und benennen ihn dann, anstatt ihn vor der Veröffentlichung tatsächlich zu eliminieren. Damit bleibt die Familie für den Zuschauer schlau, der Film bleibt dumm und ist in seiner Botschaft und seiner insgesamt naiven Art jedoch recht putzig zu nennen, wenn auch nicht befriedigend unterhaltsam. Zumindest gibt es einige Vogelattacken acht Jahre vor Hitchcocks "Die Vögel", freilich nicht so gekonnt und intensiv dargeboten wie dort. Ohnehin sind die Tierattacken, neben dem ollen Raumschiff und der Zehn-Sekunden-Puppe, der einzige Schauwert (es sei denn man zählt die amourösen Bildchen an der Wand des geistig Minderbemittelten mit dazu). Und dass man eine Kuh und einen Hund mit wedelndem Schwanz ebenso schwer gruselig eingefangen bekommt wie wilde Hühner und vom Himmel aus attackierende anderweitige Vögel, beweist "Ausgeburt der Hölle" mit seinen nicht funktionierenden Schreckmomenten sehr gut. Die Vögel wirken eher wie tot vom Himmel fallend, anstatt zu attackieren, und die Kuh versucht man per Schnitt als wild gewordenes Wesen zu zeigen, was ebenso charmant in die Hose geht. Gesichtet habe ich anbei die amerikanische Fassung, die neben der deutschen auf der Anolis-DVD enthalten war. Worin sich beide Fassungen unterscheiden weiß ich nicht, aber ich greife, wenn ich die Möglichkeit habe, stets lieber zum unverfälschten Original zurück, anstatt mir eine fremd bearbeitete Erweiterung anderer Länder anzutun.  OFDb

11.05.2019

DER GIGANT DES GRAUENS (1958)

"Der Gigant des Grauens" ist die Fortsetzung des ebenfalls von Bert I. Gordon gedrehten und Samuel L. Jackson produzierten "Der Koloss", den ich vor ewigen Jahren einmal im Fernsehen gesichtet habe und nicht mehr so gut in Erinnerung habe, so schlecht wie ich ihn damals fand. Da sich mein Filmgeschmack seit dem gravierend verändert hat, hat die Fortsetzung, die im Gegensatz zum ersten Teil in Deutschland eine Veröffentlichung auf DVD erhielt, von mir freilich dennoch eine Chance erhalten, und ich muss gestehen ich bin überrascht, dass das gerade einmal ein Jahr später nachgereichte Sequel weit weniger plump ausgefallen ist, als ich es vermutet hätte. Zwar entstand "Revenge of the Colossal Man" (Alternativtitel) zu einer Zeit, in welcher im Genre-Kino die Atombombe noch als Ursache für Riesenwuchs herhalten konnte, und auch ansonsten lässt der Film nicht den üblichen naiven Charme der 50er Jahre Science Fiction-Horrorfilme vermissen, Autor George Worthing Yates überrascht jedoch mit einem zu seiner Zeit recht empathischen Drehbuch.

Nicht falsch verstehen, im Vergleich zu heute guckt sich "Der Gigant des Grauens" noch immer höchst egoistisch, nur wenig Platz lassend für das Hineinversetzen in das Denken und Empfinden alternativer Mentalitäten und Lebewesen, aber immerhin kommt es zu Ansätzen diesbezüglich in einer Zeit, in der alles was nicht normal war üblicher Weise gleich zum Monster erklärt wurde. Dass das Ergebnis nicht wirklich zum Horror-Drama a la "Frankenstein", "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" oder "Splice - Das Genexperiment" geworden ist, liegt einzig daran, dass der Film stets aus der Perspektive der anderen erzählt ist und den Giganten zur zerstörerischen Nebenfigur verkommen lässt. Um ihn unheimlicher wirken zu lassen, hat der Riese den Sturz von einst nicht gut verkraftet, so dass eine monströse Wunde sein Gesicht ziert, die den Wüterich unheimlicher wirken lässt, als im Vorgänger. Dieser kleine, simple Trick unterstützt die Wirkung der Erzählung ungemein, da darf man sich nicht vertun. Doch mag der Riese auch monströser und gefährlicher damit wirken, klassisch herumwüten, wie im Original, darf er zunächst nur einige Zeit nach seinem ersten Erscheinen.

Gefangen gehalten, nun wo die Menschheit halbwegs vor ihm in Sicherheit ist, geht es um die Frage ob Glen zu helfen ist oder nicht, sprich ob sein Gehirn unter Amnesie leidet, oder einen bleibenden Schaden genommen hat. Dementsprechend wird er untersucht, freilich nicht so intelligent thematisiert wie in einem "Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All", ja nicht einmal wie in Cronenbergs "Die Fliege", wir befinden uns schließlich trotzdem in den stumpfen, trivialen 50er Jahren des Horrorfilms. Doch selbst wenn das schockierende Ergebnis zu Tage tritt, erntet der Mutierte keine reine blinde Wut von der Menschheit, es wird überraschend mitfühlend ein Plan ausgedacht, wie man dem Opfer der Atomexplosion ein Leben bescheren kann, in welchem es ihm halbwegs gut geht, ohne dass er der Menschheit schaden kann. Doch Drama, wie "The Terror Strikes" (Alternativtitel) nun einmal ist, wenn auch heruntergeschraubt im Vergleich zur tatsächlichen Horror-Drama-Konkurrenz, kommt es gar nicht erst so weit. Der Aggressor bricht erneut aus, bedroht gar einen ganzen Schulbus voll mit Kindern, bevor der Film einen überraschenden Schluss erlebt, mit dem ich wahrlich nicht gerechnet habe.

"Der Gigant des Grauens" kommt weit vielschichtiger in seiner Erzählung daher, als ich vermutet hätte, sprich er besitzt mehr roten Faden als erwartet, kann aber trotz seines Ideenreichtums die eindimensionale Erzählung zu bereichern nicht vollkommen überzeugen, und ich kann nicht genau benennen warum dies so ist. Einzig der zu lange Rückblick auf Teil1 zur Mitte des Filmes weiß den Bogen etwas zu sehr zu überspannen, zeigte man doch gleich alle nennenswerten Schauwerte des Vorgängers, anstatt einfach nur fehlende Informationen für jene nachzureichen, die Teil 1 entweder nicht gesehen, oder wie ich vergessen haben. Ansonsten gibt es eigentlich nicht wirklich etwas zu klagen. Selbst die wackelige Hochprojektion, mit welcher Bert I. Gordon stets arbeitet, ist nicht so übel ausgefallen wie in seinen schlechteren Werken a la "The Cyclops" und "Beginning of the End". Zwar stampft auch sein Gigant zu überbelichtet durch eine sonst dichte Bildqualität und besitzt aufgrund fehlender Möglichkeiten bei dieser plumpen Tricksetzung keinen Kontakt zu den Menschen, die er attackiert, aber zumindest versuchte man die Optik reizvoller zu gestalten, beim Zeigen wo der Riese auftaucht und wieder verschwindet. Da gab man innerhalb schlechter Spezialeffekte sein Bestes, so dass sich die Wirkung des Giganten dann doch bei Gordons besseren Ergebnissen a la "Die Rache der schwarzen Spinne" und "In der Gewalt der Riesenameisen" einreihen darf.

Ich kann somit nicht genau benennen, warum "War of the Colossal Beast" (Originaltitel) trotz seiner überraschend reichhaltigen Zutaten bei mir nicht wirklich zünden konnte, irgendetwas störte den Erzählfluss, irgendetwas störte den Unterhaltungswert. Und ich weiß nicht ob dieser unbekannte Faktor in meiner Tagesform zu finden war, oder im Film selbst, den ich theoretisch weit besser empfand als in seiner Praxis. Dennoch ist "Der Gigant des Grauens" weit davon entfernt einer der Langeweiler seiner Gattung Film zu sein, die es ebenfalls bereits damals zuhauf zu sichten gab. An Schauwerten mangelt es dem Film ebenso wenig, wie an dem Versuch blindes Schwarz/Weiß-Denken zu durchbrechen. Und allein aus diesen Gründen sollten sich Filminteressierte dieser Dekade und dieses Genres nicht von meinen Zweifeln abhalten lassen dieses Werk zu sichten. Es gehört definitiv zu Arkoffs liebenswerteren Produktionen.  OFDb

09.05.2019

IN DEN KLAUEN DES GIGANTEN (1957)

Richard E. Cunha kann wohl nicht anders. Der Mann, der uns mit "Bestie des Grauens" eine noch naivere Version des ohnehin schon blauäugigen "Cat-Women of the Moon" vorgelegt hat, präsentiert mit "In den Klauen des Giganten" einen kaum weniger naiven Plot, weit über jener simplen Denkweise pendelnd, als die US-Autokino-Produktionen im Horror- und Science Fiction-Bereich der 50er Jahre ohnehin schon von uns abverlangen. So kommt es selbst im schlichtesten Plot zu Widersprüchen, Vereinfachungen, weltfremdem Gezeigten, einer Anhäufung von Schwarz/Weiß-Denken, auch im Bereich des Rassismus und der Frauenfeindlichkeit, sowie dem Erwarten einer visuellen Blauäugigkeit, so wenig wie hier versucht wurde mit Spezialeffekten den im Zentrum stehenden Aggressor groß erscheinen zu lassen.

Seltenst wird versucht den Schauspieler des Giganten leicht von unten gefilmt zu vergrößern, was aufgrund eines zu schlicht gewählten Winkels, wenn denn mal angegangen, nicht funktioniert. Und dünne Ästchen anstatt echte Bäume neben den angeblich überdimensionalen Krieger zu platzieren, will das Auge des Zuschauers ebenso wenig täuschen, zumal man inkonsequent wie man war nur eine handvoll Aufnahmen mit diesem Trick abfilmte. Ansonsten stampft der auf mich arg klein wirkende große Mann durch die Botanik, wie sie nun einmal gewachsen ist. Größere Körperteile bei Übergriffen auf Tier und Mensch standen nicht auf der finanzschwachen Spezialeffekt-Liste. Wenn der Gigant pflichtgemäß gegen Ende die weibliche Hauptrolle in den Armen haltend abschleppt, wird erst recht kein Geheimnis aus dem Miniaturriesen gemacht. Lustiger Weise hätte man seine Größe im Vorfeld gar nicht derart penetrant anpreisen müssen, dann hätte "The Diablo Giant" (Alternativtitel) diese Eigenschaft ignorierend lediglich vom Geist eines Kriegers handeln können, oder eben, wie im hier vorliegenden Fall, von einem Krieger aus der Vergangenheit, der aus bestimmten geologischen Gründen überraschend überlebt hat.

Aber nein, die Verantwortlichen von "Giant from Devil's Crag" (Alternativtitel) wollten unbedingt einen Riesen als reißerischen Aufhänger, und somit wird ihr blödsinniger Film noch blödsinniger als ohnehin schon. Komischer Weise guckt er sich auf seine streng naive und unsinnige Art halbwegs angenehm, auch in der langen Phase, in der eigentlich nichts aufregendes passiert. Streitereien mit dem Sheriff wirken in ihrer zu friedlich vorgetragenen Art und aufgrund dessen, dass man den Zwist zwischen den Fronten nicht nachvollziehen kann, noch naiver als in "Blob - Schreckenohne Namen". Und selten durfte man im biederen Amerika einen Filmvater erleben, dem es derart egal war, dass seine volljähriges Singletochter derart schnell umgarnt wird, wie im hier vorliegenden Fall - freilich trotzdem höchst bieder 50er Jahre-Kino-typisch vorgetragen. Der friedliche Grundton, die Stimmung einer Welt einfangend, in der es keine ernstzunehmenden Probleme gibt, funktioniert bei schlichten Gemütern bereits als Motor des unfreiwillig komischen Kinos. Und zu mehr schafft es "Giant from Diablo Point" (Alternativtitel) ohnehin nicht, egal wie wohlwollend man an ihn herantritt.  OFDb

01.05.2019

BESTIE DES GRAUENS (1958)

Gerade einmal fünf Jahre nach "Cat-Women of the Moon" wurde eine Neuverfilmung gedreht. Warum ausgerechnet Arthur Hiltons eher mauer als unterhaltsamer Science Fiction-Film neu erzählt werden musste, bleibt ein Rätsel für sich, verstecktes Potential ist in der Geschichte nicht zu entdecken. Immerhin schaffte es Richard E. Cunha, der auch für "In den Klauen des Giganten" verantwortlich war, ein etwas besseres Ergebnis abzuliefern, als es der Originalfilm zu bieten hatte, gut sieht aber noch immer anders aus. "Bestie des Grauens" ist ein flink kostengünstig zusammengestellter C-Movie, der in seiner Lächerlichkeit kaum mehr zu überbieten ist, ist er doch noch naiver ausgefallen, als die kleinen geistlosen Werke dieser Art in der Regel ohnehin schon sind.

Warum man gerade den Beginn des Originals geändert hat und gegen einen völlig blödsinnigen Plot ausgetauscht hat, bleibt eine der offenen Fragen dieser Produktion, jedoch verdankt der Film seine Kurzweile u.a. derartigen Fehlentscheidungen. Im hier besprochenen Film dürfen wir uns nicht nur an einer billig getricksten Rakete erfreuen, an blinkenden Lichtern und all dem anderen klassischen Firlefanz, uns wird letztendlich auch offenbart, dass ein Flug zum Mond ähnlich einfach zu meistern ist, wie das Erlernen des Fahrradfahrens. Amateure helfen dem Konstrukteur der Rakete, der diese privat gebaut hat. Und als dieser versehentlich mitten auf der Reise verstirbt, ist niemandem Angst und Bange. Man befindet sich schließlich nur im Weltraum und wird sicherlich unbeschadet auf dem Mond landen und auch wieder gesund und munter auf die Erde zurückkehren können.

Zwar erhalten wir im weiteren Verlauf des Filmes, wenn der Stamm Mondfrauen ins Geschehen tritt, einige Informationen, welche den Einstieg in den Film einen Hauch plausibler darstellen, letztendlich ist der Filmbeginn jedoch derart hochgradig naiv ausgefallen, dass der Rest Blauäugigkeit rückwirkend nach der Korrektur von seinem Gehalt her kaum einen Unterschied zu vorher macht. Allein der Blick auf die Regierung, wie diese auf einen privaten Raketenbau reagiert, und der blamable Glaube die Entdeckung würde von der Regierung lediglich zum Wohle der Menschheit eingesetzt, ist manch drollige Schmunzler wert. Da kann man den hier agierenden Wissenschaftler schon verstehen, der sich gegen die vom Volk gewählten Verbrecher wehrt und stattdessen gerade eben aus dem Knast entflohene Verbrecher zu seinen Crew-Mitgliedern macht. Diese sind ohne großes Anlernen tauglich genug um eine Weltraummission zu meistern und haben auch kein Problem damit ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Schön ist auch die Logik rund um ein zusätzlich eingebautes Ehepaar anzuschauen: seine Ehefrau kann man im Glauben, dass die Flüchtigen in der Nähe sind, zwar nicht allein im Haus lassen, im Weltraum angekommen wird sie aber wissentlich mit dem Oberschurken in der Kommandozentrale allein gelassen, der sich sodann notgeil an die einzige Frau in der Rakete heranmacht. 

Ähnlich putzig bleibt der Film mit Ankunft auf dem Mond, wo mein persönliches Highlight des Streifens auf uns wartet, und dies sind die Gesteinsmonster, die in Gummianzügen gekleidet von Menschen verkörpert werden, aber herrlich schlicht und gleichzeitig Phantasie anregend anzuschauen sind. Zum Fürchten sind sie nicht, wahrscheinlich auch damals schon nicht, so dass es nicht verwundern braucht, dass die Amateuer-Crew keine echte Gefahr in den Kreaturen sieht. Anders lässt es sich auch nicht erklären, warum man ausgerechnet in eine Höhle vor ihnen flüchtet, ist man dort doch schließlich eingesperrt und den Wesen theoretisch gesehen  erst recht ausgeliefert. Aber das dämliche Drehbuch gibt den Helden wider aller Wahrscheinlichkeit recht, schenkt ihnen zudem, wie in der Erstverfilmung, Sauerstoff innerhalb der Höhle, und kurz darauf dürfen wir sogleich den Stamm Frauen kennen lernen, der nur deshalb freundlich zu den Eindringlingen ist, weil ein Missverständnis im Raum steht.

Dieses macht die Situation vor Ort weder raffinierter, noch interessanter, letztendlich ist diese Phase, in welcher kaum etwas Aufregendes passiert, zumindest angenehmer ausgefallen als im geschwätzigen Original. Dafür sorgt unter anderem auch die im Titel erwähnte Kreatur, die leider nicht so sehr Mittelpunkt ist, wie der deutsche Name uns suggerieren will. Aber mag die Riesenspinne auch nur gelegentlich auftauchen, ihre Auftritte gehören zu den Highlights, so herrlich bekloppt wie sie mit ihrem "unheimlichen" Gesicht aussieht, und da sie gezielt als Waffe der Einheimischen eingesetzt wird, gibt es immer wieder kleine, aufregende Momente mit ihr inmitten der ansonsten lahmen Amazonenthematik. Somit wird die etwas zu dröge zweite Hälfte damit ein wenig aufgepeppt inmitten eines Plots um Intrigen, Macht, Gedankenkontrolle, Hochzeitsvorbereitungen, Gier und einer mörderischen Hitze. Weder Außerirdische, noch Menschen handeln in diesem Klischeemeer halbwegs logisch, und dies in einem Ausmaß, dass man sich schon fragen kann wie extrem egal einem Filmschaffenden der Bereich Sinn und Logik sein kann. 

Das Happy End fällt schließlich gar noch naiver aus als der Einstieg ins Geschehen, und glücklicher Weise ist der Film, wie Beiträge dieser Art zur Entstehungszeit üblich, mit unter 75 Minuten Laufzeit auch schneller vorbei, als er einem tatsächlich Langeweile bescheren könnte. Ein wirklich netter Film der Gattung naiver, trashhaltiger Retro-Science Fiction ist er meiner Meinung nach jedoch nicht geworden, auch wenn er sich für das Zielpublikum solcher Werke besser schaut als die erste Verfilmung. Herrlich dusselige Fehler, wie der pseudo-weltfremde Bau der Amazonenbehausung, der urplötzlich eine klassische Tür präsentiert, was so gar nicht zum restlichen Umfeld passen will, lassen einen zumindest zwischendurch schmunzeln. Und völlig desinteressiert schaut man dem unbeholfenen Treiben hier ohnehin nicht zu, eben weil so gar nichts Sinn ergeben will. Letztendlich bin ich jedoch dankbar dafür, dass es nicht fünf Jahre später, oder überhaupt irgendwann, erneut eine weitere Fortsetzung zu diesem mittelmäßigen Stoff gab. Es sei denn man würde die Parodie "Amazonen auf dem Mond" dazu zählen, die anbei vom hier besprochenen Remake scheinbar mehr inspiriert wurde, als vom Original.  OFDb