Der ehemalige "Sidekick" unter den drei Hauptdarstellern rückt deutlich mehr in den Fokus, was gegen aller Erwartungen und Erfahrungen meinerseits weit besser funktioniert als ich geglaubt hätte, und selbiges gilt für die wichtige Position Chaos, der mich in "Hangover 2" eher nervte anstatt zu beglücken. Zurückgeschraubt wird diesmal der Charakter des Zahnarztes Stu, dessen Darsteller seinen etwas undankbar wirkenden Part aber stilsicher spielt. Schräge Ideen, wie die geköpfte Giraffe wirken tatsächlich herrlich bekloppt, und damit lustig, anstatt bemüht auf grotesk getrimmt. Manche Erlebnisse bieten echten Nervenkitzel, wie beispielsweise der Einbruch bezüglich der Farbenblindheit, oder die Dachsequenz der Caesar's Palace-Szene (ja, es geht wieder nach Las Vegas, und auch das wirkt komischer Weise weder lau aufgewärmt, noch einfallslos). Und das Mitwirken von Kult-Star John Goodman ist ohnehin nie ein Fehler, sein Part hätte aber gern etwas größer ausfallen können. Aber was soll man meckern bei so viel gut funktionierender Komik, die großteils über die Charakterzeichnungen entsteht und nicht dauerhaft darin bemüht ist einen hochgepuschten Sehwert an den nächsten zu reihen? Die simple Geschichte funktioniert, die Wendung in der Mitte überrascht, nachdem geschah was man erwartete, und die Läuterung Alans wirkt inmitten des Comic-Flairs überraschend glaubwürdig, so dass man ihm sein sehr spezielles Happy End gönnt. OFDb
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
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05.05.2021
HANGOVER 3 (2013)
Mit den beiden "Hangover"-Filmen konnte ich nur bedingt etwas anfangen. Sie waren kurzweilig anzuschauen, aber doch immer eine Spur zu bemüht darin cool und lässig zu sein. Sie bereiteten Freude, waren für mich aber nicht die große Komödien-Erfahrung wie scheinbar für viele andere, so erfolgreich wie sie im Kino liefen. Umso erstaunter war ich, dass sich der dritte Teil nun um einiges besser schaute, sicher auch weil die Erwartungen nicht sehr hoch waren. Aber was uns Mitautor und Regisseur Todd Phillips diesmal vorsetzt weiß wahrlich zu funktionieren. Im (mehr oder weniger inhaltlich tatsächlichen) Abschluss der Trilogie steht der Titel nur noch für die Fortführung bisheriger Geschehnisse. Das Konzept wird nicht noch einmal so plump variiert wie in Teil 2, der Krimi-Aspekt der verlorenen Erinnerungen wird diesmal komplett fallen gelassen. Stattdessen kommt "Hangover 3" mit einer nicht gerade einfallsreichen, aber gut funktionierenden Vereinfachung des Grundrezepts daher und lässt einfach bekannte Figuren und Running Gags für sich wirken. Dieses Selbstbewusstsein tut dem Film gut, der inhaltlich die richtigen Verknüpfungen zu den Vorgängern setzt, um ein Ganzes zu ergeben und dies ohne dabei stets billig kopiert oder dem Publikum anbiedernd zu erscheinen. Aufgrund seiner Lässigkeit, die nie wahre Emotionen aufkommen lässt, entsteht zwar nie ein Nostalgie-Bonus, aber den hat die abenteuerliche, kurzweilige Geschichte auch nicht nötig.
30.11.2019
ARACHNOPHOBIA (1990)
Es gibt nur wenige Horror-Komödien, die es tatsächlich schaffen beide Bereiche in einem Gleichgewicht zu präsentieren, der sowohl ängstigt, als auch belustigt. "Arachnophobia" gehört zu diesen seltenen Glücksgriffen, und man muss nicht einmal unter der titelgebenden Spinnenangst, bzw. unter dem Ekel leiden, den die Achtbeiner verursachen können, um beim Sichten in beide Bereiche eintauchen zu können. Selbst neutral eingestellt versteht es Regisseur Marshall einen Spannungsbogen zu erzeugen, der es in sich hat. Während das Drehbuch auf der Horrorseite eigentlich keine sonderlich neuen Aspekte setzt, erweist sich Marshalls Inszenierung als hochgradig spannungswirksam. Das Szenario wirkt bedrohlich, anstatt ausgelutscht, in seiner Hochphase sorgt diese Stärke gar für puren Nervenkitzel. Dies allerdings auch deshalb, weil dem Drehbuch seine Figuren wichtig sind, und wir den durch Jeff Daniels so glaubwürdig verkörperten Dr. Jennings gut genug kennen lernen, um sein Spinnenangst-Leiden in allen Poren nachvollziehen zu können, gerade im gnadenlos mit ihm umgehenden Finale. Gleichzeitig dürfen wir uns an seinem Gebrechen erfreuen, denn gerade hier im Finale schaffen es Regie und Drehbuch vereint die beiden Genres zeitgleich zusammenzuführen. Spinnenekel, Schockeffekte und Nervenkitzel treffen auf eine schwarzhumorige, comicartige Umsetzung, die den Zuschauer zwischen den Zuständen des Schmunzelns und Angespanntseins fesseln, was alles durch eine glaubwürdige und professionelle Inszenierung so treffsicher zu funktionieren vermag, sowie durch den kurzfristig in den Wahnsinn abrutschenden Dr. Jennings.
Aber auch der Restfilm ist auf hohem Niveau präsentiert. Der Einstieg im Dschungel wirkt nicht wie ein zwanghaftes Kapitel, das es pflichtbewusst schnell abzuarbeiten gilt. Er ist in Ruhe erzählt, gönnt auch nebensächlichen Charakteren genügend Aufmerksamkeit zur Entfaltung, und die präsentierten Erlebnisse sind interessant und packend umgesetzt. Bereits hier herrscht ein funktionierender Spannungsbogen, wie im Komplettfilm Zuschauer mit Problemen mit Spinnen spannungstechnisch bevorzugend, alle anderen aber nicht ausgrenzen lassend. In der Kleinstadt angekommen, in welcher fast der komplette Restfilm spielen soll, hält der Humor verstärkt Einzug ins Geschehen, das Ergebnis jedoch nie rein Komödie werden lassend, dafür ist der Witz meist zu schelmisch und subtil eingestreut. Hin und wieder gönnt man sich aber auch lautere Humormomente, oft eingebracht über den herrlich prollig spielenden John Goodman, der es schafft eine Brücke zwischen dem anspruchslosem Mainstream-Publikum und dem erwartungsvollem Cineasten zu spannen. "Arachnophobia" ist kurzweilig, interessant und emotional nachvollziehbar erzählt, bietet tolle Bilder innerhalb einer verspielt genutzten Kameraarbeit, weiß tricktechnisch zu gefallen, und präsentiert das sonst als B-Film genutzte Szenario über Durchschnitt dargeboten von professionellen Mimen, finanziell unterstützt durch den namhaften Produzenten Steven Spielberg. Lediglich der Soundtrack ist etwas arg durchschnittlich komponiert, weiß aber das Szenario akzeptabel zu unterstützen, wenn auch kaum auffallend. Ein gelungener, individueller Schluss-Gag der anderen Art entlässt entspannt aus einem aufregenden Film, der im Tier-Horrorbereich neben "Der weiße Hai", "Phase IV" und "Die Vögel" seinesgleichen sucht, im Bereich der gleichberechtigten Genre-Kreuzung Horror und Komödie seinesgleichen neben "Tanz der Teufel 2" und "The Return of the Living Dead". OFDb
24.11.2018
DIE RACHE DER EIERKÖPFE (1984)
Heutzutage ist es keine Seltenheit wenn Nerds zu zentralen Figuren von Filmen und TV-Serien werden. In Zeiten lange vor "The Big Bang Theory" und Co waren zwar bereits schüchterne Außenseiter häufige Hauptfiguren, gerade im Teeniebereich, der Geek jedoch, sprich der wissbegierige Andersartige mit Faible für Filme, Computer und Comics, bekam nur in der Ausnahme zentrale Beachtung geschenkt und wurde ansonsten nur als freakiger Sidekick verheizt, auch in Filmen mit Appell zur Toleranz für weniger coole Menschen. "Die Rache der Eierköpfe" stellt die Ausnahme im Teeniefilm der 80er Jahre dar, entstanden während eines Hochs des Genres in amerikanischen Kinos. Das Ergebnis mag trotz seiner ungewöhnlichen Hauptfiguren etwas schlicht und routiniert ausgefallen sein, sympathisch ist es jedoch trotzdem. Allerdings sollte man zum Originalton greifen, denn die deutsche Vertonung nervt gewaltig, gerade dann wenn die Verlierer ihre Nerdlache einsetzen, und das geschieht recht oft.
"Revenge of the Nerds" (Originaltitel) funktioniert aber ohnehin nur wenn man über kleine Schönheitsfehler hinwegsehen kann. Wie erwähnt folgt er den gewöhnlichen Wegen einer Teenie-Komödie. Und seine Helden werden teilweise derart penetrant peinlich dargestellt, dass es einem schwer fällt sie als Persönlichkeiten ernst zu nehmen. Besonders mit Blick auf den Versuch Teil einer schwarzen Studentenverbindung zu werden, sorgen die Entgleisungen für derartiges Fremdschämen, dass es unglaubwürdig wirkt, dass die krassen erwachsenen Vorsitzenden der Verbindung den Losern tatsächlich Sympathien abgewinnen können und sie Teil ihrer Bruderschaft werden lassen. Ebenso unrealistisch wirkt die glücklicher Weise nur nebenbei eingebaute Love Story um einen Nerd, der eine der elitären Angesagten anhimmelt. Wenn er final ihr Herz erobert, fühlt sich das alles andere als echt an, auch inmitten eines Filmes der aufgrund seiner Übertreibungen ohnehin nur ein comic-ähnliches Event sein möchte ohne authentischen Touch.
Dementsprechend sehenswürdig kommt der ruppige John Goodman daher, der in seiner Nebenrolle als Sportlehrer der Oberproll der ganzen Chose ist und gerade neben dem klein gebauten, nerdigen Uni-Direktor besonders asozial wirkt. Hauptsächlich den Eierköpfen und ihrem freakigen Anhang kommt jedoch der übertriebene Comicstil des Streifens zugute, unterstützt er doch nicht nur das Mitgefühl für die Außenseiter, sondern lässt einen auch versöhnlich auf deren Aktionen blicken. Wenn es um Rache geht, kennen die Außenseiter weder Moral noch Anstand, und da wird sich häufig auf eine umstrittene Art gerächt, die nicht ohne Grund in anderen Bereichen unserer Gesellschaft heutzutage diskutiert wird. Ob versteckte Kameras genutzt werden um jedes Persönlichkeitsrecht einer Frau zu missachten, oder das Vorgeben eine andere Person zu sein letztendlich zu Sex mit jemandem führt, mit dem man diesen nie hätte ausleben wollen, man verzeiht den Nerds ihre Schandtaten nicht weil auf ihnen bislang herumgeritten wurde - die Racheaktionen würden dem ihnen angetanen Unheil nicht gerecht werden - sondern weil der Film eine comicartige Übertreibung ist.
Manchmal ist "Die Rache der Eierköpfe" eine wackelige Angelegenheit, meist siegt jedoch der sympathische Part. Und seinen Höhepunkt erlebt der Streifen meiner Meinung nach in der musikalischen Darbietung der Nerds während eines Uniwettbewerbs. Hier wird demonstriert wie cool Wissen und das Anwenden tatsächlicher Hobbys sein kann, und damit wird den Sportlern tatsächlich einmal das zum Kampf entgegen gesetzt, was ihnen fehlt: Tiefgang. In einer realistischeren Auseinandersetzung der Mentalitäten hätte dieser Aspekt zum Zentrum werden müssen. In der lockerleichten Welt eines Comicfilmes, in welcher es derartiger Momente nicht hätte geben müssen, wird solch eine Szene zu einem unerwarteten Mehrwert. Davon hätte es ruhig mehr geben können, denn "Die Rache der Eierköpfe" ist wie erwähnt etwas zu innovationslos ausgefallen und eher Standardware im 80er Jahre-Teenie-Komödien-Bereich, auf recht naive Weise funktioniert der Streifen jedoch trotzdem angenehm genug um mit ihm seinen Spaß zu haben. Von der ersten von insgesamt bislang drei Fortsetzungen namens "Die Supertrottel" sollte man jedoch die Finger lassen. OFDb
10.06.2017
MATINEE (1993)
Dass Joe Dante es versteht ironisch mit dem Bereich des Horrorfilmes umzugehen, und dabei dessen Stärken und Schwächen gleicher Maßen herauszuarbeiten, bewies er schon sehr früh mit „Piranhas“, bevor er in den 80er Jahren „Gremlins“ nachschob und mit diesem einen Publikumsliebling schuf, dessen Ruf nach wie vor ungebrochen ist. Im weniger bekannten „Amazonen auf dem Mond“, der Fortsetzung von „The Kentucky Fried Movie“, und in dem völlig unterschätzten „Meine teuflischen Nachbarn“ bewies er es auch in Zeiten, in denen seine Filme längst nicht mehr so gut ankamen, wie zu Dantes populärsten Zeit, dass ihn dieses Talent nicht verlassen hat. Wirklich rundum funktionieren wollten erst „Matinee“ und „Small Soldiers“ nicht mehr, jedoch liegt das bei Erstgenanntem keineswegs daran, dass der Regisseur es nicht mehr verstehen würde verspielt mit dem Horror-Genre umzugehen.
Diese Momente gehören in der mit John Goodman in der Rolle des Woolsey besetzten Komödie zu den Höhepunkten des Streifens. Ob man parodistische Filmplakate nicht existierender Monsterfilme sichten darf, deren Trailer oder den Film „Mant“ immer wieder Richtung Finale eingeblendet in gar nicht mal so knapper Spielzeit, diese Elemente weisen nicht nur eine gekonnte Pointensetzung auf, sondern beweisen sich auch als gut beobachtete Verarbeitung der tatsächlichen Monsterfilmstoffe der 50er Jahre.
Wer sich mit der Materie auskennt erkennt deutliche Verweise auf „Die Fliege“ und Co, und in der Rolle des Woolsey spiegeln sich zum einen Regielegende Alfred Hitchcock wieder, als auch B-Filmer William Castle, dessen Spielereien während der Vorführung von „Schrei, wenn der Tingler kommt“ deutlich Pate für jenen Heckmeck standen, den Woolsey bei seiner Premiere zu „Mant“ im Kinosaal veranstaltet, einem Film über einen Mann, der zur Ameise mutiert.
Der Mut zu Albernheiten weiß „Matinee“ mitunter seine besten Momente zu bescheren. Ob man bei der Figur eines Gedichte schreibenden, durchgeknallten Rebellen zum Lachen angeregt wird, oder bei den wundervoll dämlichen Dialogen in Woolseys Film, in diesen Momenten befindet sich Dantes Komödie auf einem Hoch. Und auch wenn man meinen sollte dass die im Hintergrund ablaufende Kubakrise ein gekonntes Beispiel dafür ist, warum Monsterfilme in den 50er Jahren so gut ankamen und der Film sich damit auch an anderer Stelle als gut beobachtend beweist, so durchdacht angegangen wie sie sich phasenweise immer wieder schaut, kann sich die Hauptgeschichte nicht wirklich von dem Problem lösen, eine Spur zu gleichgültig ausgefallen zu sein.
Der Film wird aus der Perspektive des blass besetzten Gene erzählt, dessen kleine Teenie-Problemchen inmitten des aberwitzigen Szenarios um Woolsey und seine Filme herum weder interessieren, geschweige denn anzustecken vermögen. Ein romantisches Techtelmechtel im Luftschutzbunker, ein Moment der höchst emotional hätte ausfallen können, zumal das junge Paar denkt die letzten Menschen auf Erden zu sein, verkommt zu einer fast gleichgültig wirkenden, austauschbaren Szene, wie so vieles was dem voraus ging. Während die Nebenfiguren dem Film Leben einhauchen (u.a. auch Genes Freund und dessen Love Interest), bremsen die Abenteuer und die Gefühlswelt Genes „Matinee“ immer wieder aus.
Dieses Manko kann dessen Unterhaltungswert zwar nicht zerstören, eben weil genügend positive Faktoren dagegen steuern, allerdings lassen es diese mauen Momente nie zu, dass sich „Matinee - Die Horrorpremiere“ (Alternativtitel) zu dem großen Komödienereignis entfalten könnte, welches eigentlich in ihm steckt. Immer wieder erkennt man das Potential einer grandiosen Horrorfilm-Parodie. Aber im Bereich der alltäglichen Komödie und dem Hauch Jugend-Drama, welches durch die Geschichte weht, verlassen Dante seine erzählerischen Talente, so dass man sich wünscht, er hätte wie einst einfach einen augenzwinkernden Horrorfilm oder eine Komödie besagten Genres abgeliefert, anstatt in der Realität angesiedelt mit Metaebenen zu arbeiten.
Unerklärlich für mich ist, dass Dante es nicht einmal schafft die Monsterfilmbegeisterung Genes auf den Zuschauer zu übertragen, der zu einem guten Teil sicherlich selbst zu dieser Gattung Publikum gehört. Wenn Gene für kurze Augenblicke sein Idol Woolsey privat und während der Arbeit begleiten darf, fehlt das Gefühl der Erfurcht, das Gene empfindet ebenso wie das Gefühl der Enttäuschung, wenn der Regisseur sich mit seinen billigen Tricks als viel zu menschlich erweist, als dass er dem Idolbild eines Teenagers gerecht werden könnte. Lediglich wenn es darum geht Amerika im Belügen seiner Mitbürger im Umgang mit Strahlenschutz zu entlarven, ist „Matinee“ auf dem selben Hoch wie in seiner Monsterfilm-Parodie. Der mittelmäßigen Hauptgeschichte tut es gut solche treffsicheren Nebeneinflüsse zu besitzen, lohnt es sich doch somit trotzdem zum Film zu greifen. OFDb
23.04.2017
10 CLOVERFIELD LANE (2016)
„10 Lane Cloverfield“ bietet weder das Found Footage-Verfahren des Kino-Hits „Cloverfield“, noch dessen Monster. Hinter dieser Nicht-wirklich-Fortsetzung steckt die Idee des Produzenten J.J. Abrams eine Art lose Reihe leicht verwandter Szenarien miteinander zu verbinden, vielleicht vergleichbar mit John Carpenters in den 80er Jahren gescheiterter Idee mit „Halloween 3“ jährlich immer wieder andere Horrorgeschichten innerhalb der mit Michael Myers gestarteten „Halloween“-Reihe herauszubringen.
Das Werk, in welchem Spielfilm-Neuling Dan Trachtenberg die Regie übernahm, mag somit vom Titel her eine Art Schwindel sein um mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, dies wird jedoch nicht für einen Film unter Wert durchgezogen, denn „10 Lane Cloverfield“ kann sich wahrlich sehen lassen. Als jemandem den bereits das Plakat zum Film gefallen hat, hat es mich gefreut, dass die Idee der dort angewandten Schriftgrafik auch im Vor- und Abspann eingesetzt wird. Und die Ausgangssituation des Films klang mit einem John Goodman in der Hauptrolle ebenfalls reizvoll. Ich bin somit recht guter Dinge an „The Cellar“ (Alternativtitel) herangegangen und war während des Sichtens dementsprechend glücklich solch ein gelungenes Stück Kammerspiel vorzufinden, das wahrlich keine Wünsche offen lässt.
Vielleicht mag der Beginn etwas unnötig oberflächlich inszeniert sein, da wir da aber nur von wenigen Minuten sprechen, bevor Michelle im Bunker erwachen darf, ist der maue Anfang auch nicht der Rede wert, zumal er uns eine Charaktereigenschaft Michelles offenbart, die noch wichtig wird und auch für das Schlussbild des Streifens von Bedeutung ist. Trachtenberg bindet einen ohne Wenn und Aber an Michelle. Es ist sie, durch die wir das Treiben im Film erleben, es ist ihre Perspektive der Dinge, welche die Geschehnisse beeinflusst. Mögen wir auch manches Mal an ihrem Denken und ihrem Tun zweifeln, am Ende gibt es ohnehin kaum eine Szene, in welcher sie nicht zu sehen ist. Sie ist die Identifikationsfigur, mit ihr müssen wir durch die Grundsituation durch.
Welcher Dinge diese Situation ist, bekommen wir dementsprechend vor Michelle nicht heraus. Wir wissen immer nur so viel wie sie selbst weiß. Diverse Ereignisse scheinen Beweise für eine Lüge zu sein, andere Ereignisse scheinen die Geschichte um eine unbewohnbare Erdoberfläche zu bewahrheiten. Ebenso ergeht es die Frage um den Charakter Howards. Klare Beweise zeigen seine Hilfsbereitschaft und seine Ehrlichkeit, Indizien deuten jedoch eine zusätzliche Seite des undurchschaubaren Mannes an. Handelt es sich hierbei um eine Wahrheit die parallel neben einer anderen Wahrheit existiert, immerhin können positive Charaktereigenschaften neben negativen co-existieren, oder ist es ein durch den Wunsch nach Freiheit hervorgerufenes Hineinsteigern in Fehlschlüsse nur scheinbarer Fakten was Michelle an ihm zweifeln lässt?
Durch den langsamen und nüchternen Stil, mit dem Trachenberg seinen Film erzählt, erreicht der Regisseur einen Spannungsbogen, der fast rein über Dialoge aufrecht erhalten wird. Die Anwesenheit einer dritten Person verhindert das zu starre Schwarz/Weiß-Denken Michelles. Durch diese Person wird das Treiben im Bunker erst wirklich realistisch und verhindert, dass wir zu extrem in die „Howard ist ein Psychopath“-Richtung denken. Somit verhindert er auch, dass „Valencia“ (Alternativtitel) überhaupt zu sehr in die „vom Psychopathen gefangen gehalten“-Richtung gedrängt wird, mit welcher „10 Cloverfield Lane“ zu viel von seiner Individualität eingebüßt hätte.
Die Geschehnisse von „10 Cloverfield Lane“ lassen sich tatsächlich nicht vorher sagen. Der spannende Genre-Mix aus Thriller, Drama und möglichem Science Fiction bleibt immer auf einem interessant erzählten Hoch. Nie geben die Verantwortlichen der Geschichte dem Zuschauer die Gewissheit sich auf etwas verlassen zu können. Gleichzeitig ist der Plot um die Eingeschlossenen abwechslungsreich genug erzählt, um die Geschichte nicht auf der Stelle treten zu lassen. Und Howards ungewöhnliches, fast unberechenbar scheinendes, Verhalten sorgt für eine unterschwellige Unruhe, bei der man immer das Gefühl hat, dass da bald etwas aufkocht, immer auf die Explosion wartend.
Das schwer einzuordnende, sehr konservativ gehaltene Verhalten Howards, welches einen Gegenpol zum eher alltäglich lockeren Verhalten von Michelle und Emmett bildet, sorgt nicht nur für besagte Spannungskurve und ist nicht nur der Glaubwürdigkeit wegen von Nutzen, wenn es um die Frage geht wer für Fälle wie diesen einen solchen Bunker bauen und/oder missbrauchen würde, es wird von den Verantwortlichen des Streifens glücklicher Weise auch dafür genutzt philosophische Fragen am Rande aufzuwerfen, mit denen sich der Zuschauer entweder beschäftigen kann oder auch nicht.
Bin ich es dem Hausherr aus Dankbarkeit schuldig, mich seinen Lebensgewohnheiten anzupassen, wenn dieser mir das Leben gerettet hat und mir gewährt mit ihm auf engstem Raum zu leben, während die ganze Welt vor die Hunde gegangen ist? Kann ich meinem Freiheitsdrang nachgehen, der bedeutet mich gegen jene Person zu stellen, der ich mein Leben zu verdanken habe? Wo fängt das Recht auf das Individuum an, wo hört es auf? Wie viel ist es wert gerettet zu werden? Schließlich ist Leben Leben, und ohne Howard hätte Michelle ihres nicht mehr. Die ganzen Fragen fußen schließlich zudem lediglich nur auf Annahmen darüber, dass mit Howard etwas nicht stimmen würde. Sich mürrisch, wunderlich und bestimmend verhalten ist immerhin kein Beweis für Wahnsinn, lediglich für eine andere Sichtweise der Dinge. Und alles was gegen Howard spricht, sind Vermutungen, Indizien und Ahnungen.
„10 Cloverfield Lane“ lebt von dieser Ungewissheit, und dies sogar sehr gut. Zwar gibt es immer wieder Momente, in welchen man die ein oder andere Figur aufgrund nicht nachvollziehbarem Verhaltens am liebsten ohrfeigen möchte, schließlich glaubt man je nach Filmphase an verschiedene Möglichkeiten der Wahrheit, diese ärgerlichen Verhaltensweisen gehen jedoch nie auf Kosten der Glaubwürdigkeit der Figuren. Diese sind alle drei im einzelnen durchdacht und gehen tiefer als die meisten Figuren amerikanischer Blockbuster. Für einen solchen ist Trachtenbergs Werk aber auch erfreulich zurückhaltend umgesetzt und beweist, dass man auf diese Art trotzdem beste Unterhaltung jenseits von verkopften Kunst-Kino bieten kann.
Auch in seiner Schlussphase bleibt „10 Cloverfield Lane“ hoch interessant und packend inszeniert, und dankenswerter Weise schließt der Film nicht so geheimnisvoll wie er begann. Im Gegensatz zum Restfilm und zum indirekten Vorgänger „Cloverfield“ werden offene Fragen beantwortet, während gleichzeit manches nicht gelüftete Randgebiet der Wahrheit den Zuschauer noch einige Zeit nach dem Sichten beschäftigen kann. Es ist schön dass der Schluss des Filmes einem hierfür Spielraum schenkt. Das rundet ihn mit seinen philosophischen Fragen in der ersten Filmhälfte ab, so dass man wahrlich von einem gelungenen Erlebnis sprechen kann, welches einen geistreicher zu unterhalten weiß als die meisten anderen US-amerikanischen Filme, die bei uns im Kino gezeigt werden. OFDb
13.02.2017
FROSTY KEHRT ZURÜCK (1992)
23 Jahre nach der Entstehung des auf einem Kinderlied basierenden Kurzfilmes „Frosty der Schneemann“ entschied man sich für eine Fortsetzung. Bis auf Frosty sollte keine der im Klassiker verwendeten Figuren wieder auftauchen, und auch stilistisch ging man andere Wege. Ich hätte es als ehrbare Verbeugung vor dem Original empfunden, wenn die Fortsetzung auf die damaligen Figuren aufgebaut hätte und den selben Zeichenstil erhalten hätte. Aber da man Bill Melendez als Produzenten und Mitregisseur an Bord hatte, verwandelte sich die Optik in eine Art Charlie Brown-Film, was aus Produzentensicht sicher kein dummer Kniff ist, so beliebt wie die Festagskurzfilme der Peanuts von Melendez sind, was sie selbst zu Klassikern neben dem Original Frosty werden ließ.
Den Stil der Peanuts-Cartoons mag ich, dennoch wurde ich mit ihm hier in diesem Nicht-Peanuts-Film nicht warm. Erwachsene, die wie wir wissen in einem Charlie Brown-Cartoon niemals optisch in Erscheinung treten, wurden den kindlichen Figuren nicht angeglichen. Sie werden recht bizarr als Karikatur verkörpert. Der böse Erfinder besitzt gar äußerliche Züge zur klassischen Mr. Magoo-Figur, während man ihn in Begleitung mit einer bösen Katze eher Richtung Bond-Bösewicht treten will. Letztendlich geht das alles in Ordnung, ohne wahrlich zu beeindrucken, lediglich Frosty selbst weiß diesmal so gar nicht zu gefallen. Zwar konnte man John Goodman als Sprecher für diese liebevolle Rolle gewinnen, aber was nutzt eine gute Stimme, wenn die Animatoren am Rest der Figur scheitern?
Am ärgerlichsten ist es wohl, dass man ihm die Pfeife gestrichen hat, wahrscheinlich aus den selben selten dämlichen Gründen weshalb Lucky Luke im Laufe der Zeit um seine Zigarette beraubt wurde. Viel zu rund geraten und mit einer kitschigen Fliege versehen, fehlt dem neuen Frosty der Charme des alten, und dass er kleiner als das Original ausgefallen ist, stielt ihm seine Wirkung. Nun ist er nur noch ein fröhlicher, kugelrunder Spaßmacher, den man so gar nicht ernst nehmen kann. Das fällt ganz besonders immer dann auf, wenn er ohne Zylinder auftaucht. Ja, richtig gelesen, Frosty benötigt den Zylinder nicht mehr um zum leben, ein weiterer Tiefschlag Richtung Original. Die Autoren machten einfach worauf sie Lust hatten, so als hätte es einen Teil 1 nie gegeben.
Mag sein, dass das auch okay ist, wenn man eine klassische Cartoonfigur nach all den Jahren wieder zum Leben erweckt. Aber die optischen Veränderungen an Frosty und, noch schlimmer, der neu eingebrachte Erzähler, eine widerlich unsympathisch gezeichnete Rahmenfigur, stellen den Tiefpunkt kreativen Schaffens in diesem Werk da und bilden damit noch nicht einmal den übelsten Part des Streifens. Der findet sich in der Mentalität der Geschichte wieder. Zwar ist es schön den Kindern das Zauberhafte dieser Welt vermitteln zu wollen, gerade bei einer Generation die Kreativität und das Nutzen der eigenen Fantasie immer mehr verlernt hat, warum die Wissenschaft aber dafür zum Buhmann gemacht werden muss, verstehe ich nicht. Denn dadurch wird aus einer fröhlichen Botschaft eine fragwürdige, eine die wir aus diversen Disney-Filmen kenne: denke nicht über alles nach, sei einfach fröhlich und lebe in deiner Fantasiewelt.
Wie gewollt solche Fragwürdigkeit nun eingebaut wurde oder nicht lässt sich nur schwer erschließen, zeigt sich aber auch darin, dass in einer Umweltthematik jeglicher sachlische Prozess ausgegrenzt wird. Zwar wird thematisiert dass die Erfindung des Schneezerstörungssprays umweltschädlich ist, aber wie sich das auswirkt wird dabei ebenso wenig beleuchtet, wie dass es relevant für die Geschichte wäre. Anstatt durch Fakten lassen sich die Menschen der Stadt durch Frostys Fröhlichkeit anstecken den Winter nun doch zu mögen, was selbst für einen Kinderfilm recht mager daher kommt, zumindest in der zu banalen Form, in der dies hier angegangen wird.
Ein frecherer, aber immerhin unaufdringlicher Humor (mit Ausnahme eines unnötigen Popkultur-Verweises auf „Big Brother“) und die etwas interessanter geratene Geschichte im Vergleich zum Original machen aus „Frosty kehrt zurück" trotzdem ein annehmbares Stück Kinderunterhaltung, findet doch jegliche Fragwürdigkeit aus meiner Korintenkackersicht auf einer anderen Ebene statt, als dass es Kinder bemerken, geschweige denn negativ beeinflussen könnte. Es ist zwar der Trumpf des Originals gewesen lediglich Trivialunterhaltung zu sein ohne pädagogisch zu wirken, aber wenn das Thema der Fortsetzung sich schon so toll für das vom Ami gerne verdrängte Thema des Umweltschutzes anbietet, dann hätte man den Film meiner Meinung nach auch für eine Aufklärung in diesem Bereich nutzen können, ohne dass der fröhliche und weihnachtliche Gedanke deshalb gleich verloren gehen würde. Aber ach, was soll‘s! Kinder werden es mögen, Erwachsene werden darüber lächeln, und ein eigener Klassiker wird das hier besprochene Werk ohnehin nie werden. „Frosty der Schneemann 2“ (Alternativtitel) soll nur kurzfristig unterhalten, und das kann er auf banaler Ebene ganz gut, also sei nicht so engstirnig, Schlombie Brown! OFDb
18.10.2015
KÜSS DEN FROSCH (2009)
Was durfte man aufatmen, dass die Disney-Studios doch wieder neben den computeranimierten Trickfilmen zu der klassisch gezeichneten Variante zurückkehrten, nachdem die Pforten dieser für einige Jahre verschlossen war. Zwar hatte man mit „Die Kühe sind los“ und „Der Schatzplanet“ Werke geschaffen die weit unter dem Niveau üblicher Disney-Zeichentrickfilme angesiedelt waren, aber dennoch machte sich bei vielen Hoffnung breit mit der Rückkehr ins klassische Zeichentrickgeschäft Qualitäten vergangener Tage zu erleben.
In gewisser Weise ist das auch passiert, nur leider besann man sich auf späte Erfolgszeiten zurück, auf Zeiten von „Arielle, die Meerjungfrau“, „König der Löwen“ und Co, die sich zwar heutzutage großer Beliebtheit erfreuen, denen aber aus diversen Gründen der Charme der großen Klassiker wie „Aristocats“, „Bernard und Bianca“, „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ und Co fehlt. „Küss den Frosch“ beginnt mit ähnlichen Schwächen selbiger Zeit. Zwar ist der Streifen animationstechnisch auf höchstem Niveau angesiedelt, ständig selbstverliebter Gesang raubt einem jedoch schnell den Nerv. Wenn das ganze dann noch durch einen charakterlich viel zu braven und arg kitschigen Figurentyp präsentiert wird, zumindest in der Vorgeschichte während der Kindheit unserer Heldin, dann ist das zwar der typische Zeitgeschmack wie die Masse heutzutage einen Familienfilm sichten möchte, aber längst nicht mehr innovativ, vorrausschauend und mutig wie die großen Disney-Filme - ganz zu schweigen vom fehlenden Charme einer zu berechnenden und anbiedernden Umsetzung.
Nach einer schwer zu ertragenden Einleitung kommt plötzlich ein Hoffnungsschimmer auf, darf mit Auftauchen des Frosches doch endlich die nötige Dosis Komik ihren Einzug in die Geschichte halten, die einige Zeit später noch Verstärkung durch ein Musik-begabtes Krokodil erhält. Doch diese Lichtblicke funktionieren nur kurze Momente, sind ohnehin nur Schatten vergangener Sympathieträger wie es einst z.B. Libellchen war, und selbst starke Figuren alter Disney-Klassiker bekämen das zu berechnende Konstrukt von „The Princess and the Frog“ (Originaltitel) nicht gestemmt.
Schon Jahre vor dem Schließen der klassischen Animationsstudios kamen in Amerika, auch von anderen Firmen, nur noch familienfreundliche Zeichentrickfilme außerhalb der reinen Computeranimation auf dem Markt, deren Drehbücher sich nicht zu verfilmen lohnten, so als wolle man geradezu absichtlich das bisherige Animationsverfahren aus dem Weg räumen. „Küss den Frosch“ kann sich hier nahtlos einreihen in seiner Einfallslosigkeit, nicht einmal den Partyfaktor liefernd, der zumindest die weniger innovativen CGI-Filme heutiger Zeiten zu retten weiß. Schön und gut dass man relativ klassisch wieder einsteigen wollte, aber dann darf man nicht nur formelhaft auf Märchengrundlagen und leicht modernisiertem biederen Stil zurück greifen, dann muss man gerade an den Punkten ansetzen, welche die Erfolge der frühen Werke damals ausgemacht haben: sympathische Charaktere, situationsorientierter sowie herzlicher Gesang jenseits eines Musical-Stils und Mut zu Innovationen. All das fehlt „The Frog Princess“ (Alternativtitel). OFDb
08.02.2013
GOOD VIBRATIONS - SEX VOM ANDEREN STERN (2000)
Ein Außerirdischer landet auf Befehl auf der Erde, um dort eine Frau
zu schwängern zur Vorbereitung auf eine Invasion. Der kulturelle
Unterschied wird jedoch zu einem echten Hindernis...
„Good Vibrations“ ist zwar kurzweilige Unterhaltung, allerdings derart belanglos und von den meisten sicherlich schnell vergessen, dass man echt keine Empfehlung aussprechen kann. Gute Schauspieler sorgen dafür, dass das Nichts an Story über 90 Minuten lang Unterhaltung bietet. Und dies ist schwerer als es klingt, haben die bekannten Gesichter doch meist entweder kleine oder gar uninteressante Rollen. Wozu beispielsweise John Goodmans Part da ist, weiß am Ende des Films niemand. Nie wird seine Rahmengeschichte wirklich eins mit der eigentlichen Story. Anstatt gerade in diesem Bereich die Geschichte etwas gemeiner werden zu lassen, wie es selbst die Finalfolge der Serie „Alf“ schaffte, wird es zum Ende hin versöhnlich, versehen mit einem Hauch Zusammengehörigkeit zur Restgeschichte.
Trotz der Möglichkeit auch andere Aspekte zu verstärken, dient die Story nur als Verkleidung wie so oft die gutbürgerlichen US-Ansichten zu verbreiten. Da ist es schon gut, dass der Film von einem Alien handelt, ein solches müsste man auch sein, um diese ewig wiederholte Weltansicht noch nicht ein Dutzend mal gehört zu haben. Dabei steht der Außerirdische freilich nur als Ersatz für den Ausländer da, der sich gefälligst den Amis anzupassen hat.
Und gerade in dieser fragwürdigen Ideologie geht „Good Vibrations“ noch einen völlig ignoranten Schritt weiter: Die Zivilisation des Aliens ist böse und bietet damit aus Amisicht keinen Hauch guter Elemente, die der Erdenbürger lehrreich in seine Kultur integrieren könnte. So etwas erlebten wir schon durch die DDR und Nazi-Deutschland, alles böse Kulturen, und ob da irgendetwas brauchbar Kulturelles vorhanden war wurde gar nicht mehr hinterfragt. Das Böse solcher Systeme überdeckt alles und macht den Amerikaner blind für objektives Denken.
„Good Vibrations“ gibt dem Zuschauer gar nicht erst die Chance zu überprüfen, ob die Alienwelt rein bösartig ist. Man erfährt so gut wie nichts über sie. Dabei wäre hier das meiste herauszuholen gewesen. Die Außerirdischen des Films sind arrogante Intellektuelle, kein Wunder dass der Ami da kuscht, erfüllt dieser in Kino und Politik in der Regel doch nur 50 % dieser Formulierung. Die Drehbuchautoren gehen den fehlerhaften Integrationsschritt sogar so weit, dass sie es als geradezu lächerlich hinstellen, wenn das Alien seine Erdenfrau am Ende fragt, ob sie nicht auf seinen Heimatplanet ziehen wolle, ein Planet mit einer Politik im Wandel und mit ihm als neuen Chef. Nein, da lässt sie ihn lieber pendeln, wie lächerlich und naiv von ihm gefragt zu haben...
Für eine lockerleichte Komödie braucht man sich in diesen Themenkomplex nicht zu sehr hineinsteigern, so kann eine US-Komödie doch trotzdem funktionieren. Aber auch aus naiver Sicht ist die Erzählung schlichtweg zu banal. Man lebt einige Geschlechter-Klischees auf, anstatt wirklich zwei Kulturen aufeinander knallen zu lassen und/oder die Wurzeln der Geschlechterklischees zu ergründen. Ewig gibt es biederen Sexualhumor, ewig parodiert man die Machoart der Männer aus den 50ern, allerdings mit noch weniger Stil (das ist immerhin ab und an witzig).
Auch die Nebenhandlung mit Goodman macht es sich zu einfach. Für einen Skeptiker glaubt seine Rolle recht früh an ein übernatürliches Phänomen. Warum? Alles wird eine Spur zu simpel angepackt, allem fehlt der letzte Schliff zur echten Identifikation. Diese findet nie statt, egal mit was oder wem. In comichafter Übertreibung wäre ein solcher Mangel noch o.k. zu nennen, aber die gibt es auch nicht, höchstens im Surren des Pillemanns von unserem Besucher.
Das kann alles banal 90 Minuten unterhalten, wird den anspruchsvolleren Cineasten allerdings mit Sicherheit langweilen. Hier wurde ohne Highlights gearbeitet, hier gibt es nur das Grundlagenprogramm. Das kann als Lückenfüller ruhig mal herhalten, immerhin darf ab und an geschmunzelt werden und der Cast spielt auch nett. „Good Vibrations“ ist allerdings nur dann zu empfehlen, wenn man einen alltagsgeplagten, schweren Kopf hat und leichte Kost benötigt um mal abzuschalten. OFDb
09.08.2012
DIE FAMILIE FEUERSTEIN (1994)
Um sich bei seinem besten Freund
Fred Feuerstein dafür zu revanchieren, dass dieser ihm half ein Kind zu
adoptieren, vertauscht Barney Geröllheimer die Bögen eines
betriebsinternen Testes, was zur Folge hat, dass Fred befördert wird.
Blind unterzeichnet er Verträge, nichts ahnend dass sein Vorgesetzter
die Firma um eine hohe Summe prellen will, die er Fred damit anhängt.
Bis Fred dahinter kommt, ist er aufgrund seiner Arroganz und des
schnellen Reichtums bereits mit den Geröllheimers zerstritten, so dass
diese keinen Anlass sehen den Feuersteins aus ihrer Bredouille zu
helfen...
Wer die Filme kennt, die Brian Levant sonst so verbrochen hat, dürfte mit Schrecken an eine Realverfilmung der Zeichentrickserie „Familie Feuerstein“ denken. Auf das Konto des Regisseurs gehen die Rohrkrepierer „Sind wir schon da?“, „Ein Hund namens Beethoven“, „Ein Satansbraten kommt selten allein“, „Versprochen ist versprochen“ und die arg gewöhnliche Fortsetzung des hier besprochenen Streifens namens „Die Flintstones in Viva Rock Vegas“.
Vielleicht lag es daran, dass Steven Spielberg (hier freilich Spielrock genannt) den Streifen produzierte und sicherlich auch die Erfinder William Hanna und Joseph Barbera Mitspracherecht bei der Realisierung besaßen. Anders lässt sich der Qualitätsunterschied zu Levants weiteren Arbeiten kaum erklären. Denn „Familie Feuerstein“ ist genau das geworden, was man sich von ihm erhofft hat: ein zu Leben erweckter Cartoon.
John Goodman zählte schon lange Zeit vor der Realisierung zu den Idealkandidaten der Hauptfigur Fred Feuerstein. Und mit Rick Moranis hatte man auch gleich eine gute Entscheidung für die Rolle des Barney Geröllheimers getroffen. Lediglich die zu mollige und ohnehin recht untalentierte Rosie O‘Donnell als Nachbarin Betty sticht als fehlbesetzt hervor, was sie jedoch durch reichlich Spielfreude wieder wett macht, kein Wunder, schien doch jeder der Beteiligten seine kindliche Freude an diesem Projekt zu entdecken.
So spielt nicht nur O‘Donnell wie beschrieben, auch dem ganzen Rest der Besetzung sieht man den Spaß an der harmlosen Sache an. Set-Designer durften sich austoben, bunte Computeranimationen bescheren uns manchen Dino, und die Crew von Jim Henson steuerte noch in gewohnter Qualität einige Puppen bei. Die Drehbuchautoren bedienten sich fleißig bei Ideen aus der Serie und bereicherten diese um einige weitere, während das Script sich inhaltlich an den üblichen Geschichten aus der Serie orientiert. Diese waren simpel, aber wer das dem Film ankreiden will, weil dessen Story damit ebenso simpel ist, hat nicht verstanden, dass auch dies als ehrfürchtige Verbeugung vor dem Original zu verstehen ist und dem Streifen aufgrund der nahen Orientierung an der Serie auch keineswegs schadet.
Außerhalb des Feuerstein-Universums ist den Leuten von Universal Pictures damit ein recht anspruchsloser Film gelungen, der lediglich unterhalten soll. Das tut er auch, und erst mit Blick auf die erfolgreichste Zeichentrickserie vor „Die Simpsons“ erkennt man auch den Anspruch hinter all dem simplen, naiven und harmlosen kindlichen Rumgekasper. Mag sein dass sich nicht jeder davon anstecken lassen kann, aber ich habe diesen Spielplatz für Erwachsene mit viel Spaß an der Sache mitverfolgt - und das schon des öfteren. OFDb
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