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04.08.2025

Ein böser Affe, Gefühle in Dorf, Stadt und Weltall - Kurzkommentare (5)

 

The Monkey (2025)

Die zweite Hälfte ist pointiert schwarzhumorig, mit herrlich skurrilen und toll getricksten Splattermomenten versehen. Leider kommt die erste Hälfte dank Drehbuchschwächen umso weniger überzeugend daher, am schlimmsten wohl in seiner Art, wie es die Hauptperson das Geheimnis des Affen entdecken lässt. Auch der Zugang zu den Figuren ist zunächst äußerst sperriger Natur. Zumindest könnte eine mögliche Fortsetzung überzeugen, so rund wie sich die letzte Hälfte dieser Verfilmung einer Stephen King-Kurzgeschichte guckt. Da gab es weit zäheres in der Vergangenheit.  Wiki

 

Doc Hollywood (1991)

Klar handelt es sich um eine direkte Manipulierung den Zuschauer von der Romantik und den sympathischen Tücken des Dorflebens zu überzeugen, aber wenn das Erzählen einer gar nicht so neuen Geschichte derart sympathisch ausfällt wie hier, angehäuft mit charmanten Charakteren, gespielt von gut aufgelegten Profis, dann herzlich Willkommen, lieber Doc Hollywood! Fox als unreifer Erwachsener wurde nicht ohne Grund seine persönliche Marke, die Romantik springt auf den Zuschauer über, die Pointierung funktioniert, lediglich das Titellied ist völlig fehl am Platz und spiegelt nicht die Stimmung des Streifens wieder. Dass sich Disneys "Cars"etliche Jahre später so dreist am Stoff bedient hat, ist zwar traurig, aber deren mageres Ergebnis spricht für sich.  Wiki 

 

Pretty Woman (1990)

Manch einer mag nörgeln, dass das Bild der Frau hier als ziemlich oberflächlich dargestellt wird, also von heutigen Wahrnehmungen überholt ist. Letztendlich handelt diese Komödie jedoch von der Romantik zwischen zwei oberflächlichen Menschen, die charakterlich keine Vorzeigemenschen sind, sowohl der Mann, als auch die Frau. Und dass man mit diesen Zwei dennoch so wunderbar mitfiebert und ihre Gesellschaft bei Nichtigkeiten genießt, spricht schlichtweg für Drehbuch, Regie und die treffende Besetzung in großen und kleinen Rollen, so gekonnt wie hier alles ineinander greift. Der Soundtrack, ob mittels eingekaufter Hits oder Film-eigener Hintergrundkomposition, sorgt für den Rest in einem Film, der einen bei jedem Sichten immer wieder zu verzaubern weiß.  Wiki  

 

Star Trek Beyond (2016)

Ein letztes Mal die vollständige Besetzung der neuen Crew aufgrund eines Trauerfalls zu sichten, ein bewegender Verweis auf Spock und die alte Mannschaft aufgrund eines weiteren Trauerfalls, das lässt einen durch kurze, bewegende Momente nicht zu streng mit einer Fortsetzung ins Gericht gehen, die definitiv schwächer ausgefallen ist als die zwei Filme, denen sie folgt. Dennoch ist unübersehbar wie sehr das von Simon Pegg mitgeschriebene Drehbuch seine arg actiongeladene Geschichte zu geradeaus erzählt, was umso mehr auffällt, da es sich keineswegs um eine innovative handelt. Was hätte man mit dem mystischen Nebel für ein Abenteuer ins Unbekannte schaffen können. Was hätte man echte Gefahren, die ungewohnt gemeistert werden müssen, einbringen können durch die ungewollte Trennung der Mannschaft. In seiner zu ideenlosen und blauäugigen Art schafft es der Streifen durch das Grundrezept der Marke und der mittlerweile ins Herz geschlossenen neuen Mannschaft, dennoch zu unterhalten. Aber eben nur schlicht, kein großes Abenteuer zum Mitfiebern bietend wie die Teile 1 und 2.  Wiki  

 

Synecdoche, New York (2008)

Ich bin ja jedes Mal fasziniert von dem Einfallsreichtum eines Charlie Kaufman, und auch die Idee, die mit "Synecdoche, New York" erzählt wird, ist nicht von schlechten Eltern. Mit der Umsetzung wurde ich jedoch nicht warm. Nicht nur dass die eigentliche Idee einer Stadt in der Stadt erst viel zu spät Fuß im Hauptplot fasst, auch der Hauptcharakter blieb mir unnahbar, soll ein selbstverschuldeter Versager sein, dem böse mitgespielt wird und der sich aufgrund mangelnder Reflexion nicht zum Sympathiecharakter wandelt, das hab ich verstanden, aber er wird nicht zur Identifikationsfigur. Es gibt keine emotionale oder intellektuelle Motivation sich für sein Schicksal zu interessieren. Kurzum: ich bekam keinen Zugang zu einem einfallsreichen Film, der handwerklich professionell umgesetzt war - wieder mal. Liegt wahrscheinlich an mir...  Wiki

03.12.2016

BEING JOHN MALKOVICH (1999)

Wer die Filme Spike Jonzes und Charlie Kaufmans kennt, der wird wissen, dass der kleinen Inhltsangabe ein Meer an Ideen folgt, ist es doch geradezu typisch für ihre Filme, dass sie Stoffe für etliche enthalten, nicht etwa weil sie ihre Werke überstrapazieren und ihnen keine Luft zum Atmen geben, sondern weil sie voller wundervoller und verrückter Ideen stecken, mit denen sie ihren Filmen Leben einhauchen. Für den Zuschauer werden diese Werke zu wahren Erlebnissen, und der geistreiche Zuschauer darf sich zudem daran erfreuen, dass die Autoren über eine analytische Beobachtungsgabe und über psychologische Kenntnisse verfügen, so dass jedes noch so groteske Szenario aus einem intellektuellen Verständnis und einem empathischen Mitgefühl geboren und begleitet wird.

Während Jonzes und Kaufmans reifere Werke „Her“ und „Vergiss mein nicht“ gefühlvoll erzählt sind, so dass der Zuschauer sich geradezu in ihnen verlieren kann, da orientiert sich der früher entstandene „Being John Malkovich“ noch hauptsächlich an seinem bizarren Grundszenario und die Wechselwirkung der Macht zwischen den Protagonisten. Angefangen mit kleinen Gimmicks, wie dem 7 1/2. Stockwerk, weitergeführt mit der eigentlichen Idee einer Tür in den Kopf Malkovichs, bis hin zur Frage was passiert wenn der Eigentümer besagten Kopfes durch besagte Pforte tritt, wird mit Ideen kreativ herumjongliert, so dass es für den Zuschauer so einiges zu staunen gibt.

Dennoch soll „Being John Malkovich“ kein bloßer Hinguckerfilm sein. Seine schrillen Attraktivitäten werden nicht einzig wie auf einem Jahrmarkt zur Schau gestellt. Die Geschichte nutzt diese kuriosen Geschehnisse um einen Blick auf eine recht tief charakterisierte Schar von Menschen zu riskieren, um zu sehen wie diese mit Macht umgehen. Wo Politkomödien sich mit wahrlich mächtigen Persönlichkeiten auseinandersetzen, da interessieren sich Kaufman und Jonez für den kleinen Mann, dem sie die Alltagslügen entziehen, indem sie hinter ihre Fassade schauen. Craig dominiert seine Ehfrau, während er selbst von seiner attraktiven Kollegin dominiert wird. Selbst der dusselig wirkende Chef wird von seiner Sekretärin dominiert. Im Laufe des Filmes kommt es aufgrund des Törchens zu Malkovichs Bewusstseins zu einem ständigen Wechsel darüber wer über wen Macht besitzt.

Für die Frage woher das Törchen kommt und ob jeder Mensch ein solches besitzt, interessieren sich die Autoren lange Zeit nicht, haben sie mit diesem Themenbereich, den andere Autoren viel früher belanglos verfeuert hätten, doch ganz eigene Pläne, die für die Geschichte und gerade auch für die Schlusspointe geradezu wichtig werden. Geistvoll, wie die pointensichere Groteske erzählt ist, orientiert sich dieser zunächst vernachlässigte Themenstrang an einer anderen Form von Macht und Gier, um auch deren Vielfältigkeit im Blick zu behalten. „Being John Malkovich“ grast viele Bereiche ab, vertieft sie, spielt mit ihnen, wirft sie wieder um, experimentiert mit ihnen, während andere für die Geschichte gar nicht mal so unwichtigen Elemente einfach rausgehauen werden ohne sie näher zu beleuchten. Das gibt dem an sich überraschend durchdachten Werk eine zusätzliche Schrulligkeit und somit einen weiteren Sympathiepunkt.

Wer Cameron Diaz in ihrer ungewöhnlichen Rolle erkennen möchte, der muss schon genau hingucken, ist „Being John Malkovich“ doch in ihrer mutigen Zeit entstanden, relativ zum ersten Hoch ihrer Karriere hin, als sie diese noch mit gewagten Rollen zu stürzen riskierte. Der Mut zur Hässlichkeit lässt sich hier nicht abstreiten, und wenn dann noch jegliche Öko-Eigenschaft, die ein naiver Charakter besitzen kann, von dieser guten Frau verkörpert wird, dann bleibt zunächst kaum noch ein sympathischer Aspekt an diesem Charakter übrig, was sich im Laufe der Zeit allerdings ändern wird, sind Kaufman und Jonze doch schließlich Magier ihres Fachs und schenken gerade dieser Rolle zum Ende hin die kleine Dosis Mitempfinden, die sie in den beiden oben erwähnten späteren Werken zum Mittelpunkt ihrer Erzählungen machen.

John Malkovich hingegen genießt es in den relativ wenigen Szenen, in welchen er Herr seiner Selbst sein darf, ein eigenes Klischeebild seines angeblichen Ichs zu zeichnen. Wo ein Bill Murray in „Zombieland“ und Bruce Campbell in "My Name is Bruce" verschmitzt einen eingebildeten, sich selbst liebenden Schauspieler aus sich machten, da geht Malkovich subtiler vor, zeigt die hoch intellektuelle Variante wie sich mancher Tunnelblickdenker den Charakter erfolgreicher Theatermimen vorstellen, eine Idee die von den Verantwortlichen der deutschen Synchronisation auch bestens verstanden wurde, und kreiert aus seinem Phantom-Ich den reinen Künstler mit feiner Etikette im Auftreten, intellektuellem Interessengebiet und pingeligster Vorstellungskraft dessen was er möchte.

Jeder weitere Schauspieler macht seine Sache ebenso gut wie die beiden von mir hervorgehobenen Persönlichkeiten. Auch der oft ähnlich spielende, mir aber immer sympathische, John Cusack wird diesmal geradezu herausgefordert mit seiner Figur zu spielen und schauspielerische Grenzen auszuloten. Ihm wie all den anderen sieht man die Spielfreude an, die am Set, trotz aller zwingender Maßen erforderten Konzentration und Professionalität, geherrscht haben muss. Kein Wunder, das einfallsreiche Drehbuch hat viele interessierte Mimen gelockt, ob in Gastauftritten oder in Hauptrollen. Für eine Geschichte wie diese wurde das Medium Kino überhaupt erfunden.  OFDb

26.03.2014

ADAPTION. (2002)

Nicolas Cage, nein, was wird er immer Opfer von Gespött, weil er es liebt zu übertreiben, selbst dann wenn man es nicht sollte. Somit passt er hervorragend in diesen Film hinein, einen den man gesehen haben sollte, wenn man nicht glauben kann oder will, dass dieser Mann auch anders kann. Er tut etwas das er nicht darf, jedoch nicht in diesem Film und deswegen passt er hinein? Was für ein wirres Zeug schreibt Schlombie da?

Drehbuchautor Charlie Kaufman arbeitet zunächst an einem Drehbuch zu einem Buch, im nächsten Schritt schreibt er hierfür über sich selbst. Der Drehbuchautor von „Adaption.“ ist Charlie Kaufman, der für diesen Film also über sich schreibt, bzw. über ein Fake-Ich, so wie Malkovich in „Being John Malkovich“ sein eigenes Fake-Ich spielte, in einem Film der übrigens auch aus der Feder Kaufmans stammt. Ein Erfolgsrezept wird damit nicht plump wiederholt, auch wenn zudem der Regisseur beider Filme der selbe ist. „Adaption.“ geht als Tragikomödie in eine völlig andere Richtung und zeigt anhand authentischer Monologe und eigentlich recht belanglos wirkender Passagen, was in Menschen vorgeht, speziell im Kopf eines einfallsreichen Autors ohne Ideen.

Kaufman ist der Mann wilder Ideen. Seine Filme treten gängige Erzählstrukturen mit den Füßen, Strukturen für die Theoretiker morden würden um ihre Richtigkeit zu unterstreichen. Und Kaufman stellt uns im hier besprochenen Streifen einen solchen Mann seinem eigenen Ich gegenüber, einer der glaubt zu wissen wie ein Drehbuch auszusehen habe, und der den Bruder Kaufmans (auch von Cage gespielt) inspiriert ebenfalls ein Drehbuch zu schreiben. Der eigene Bruder verlässt sich auf vorgekaute Formeln, während Kaufman, berühmt für seine schrägen Ideen, diesmal so wenige hat, dass selbst das braven Mustern folgende Drehbuch seines Bruders besser ausfällt als seine bisherigen Entwürfe zum aktuellen Projekt.

„Adaption.“ erzählt davon dass man anders sein muss als das was angeblich richtig ist. Er erzählt davon dass man sich verändern muss, oder es tut ohne es zu wollen, was auch immer. Aber auf jeden Fall dass es kein richtig oder falsch gibt. Und damit passt Nicolas Cage hervorragend in diese Geschichte, zumal er gegen seinen Ruf besetzt ist und stille Töne in Mimik und Gestik einbaut anstatt wie verhasst überzuagieren. Er pfeift auf das Erwartete ebenso wie der Fake-Kaufman, der innerhalb der Geschichte nicht nur ein Seminar seines mentalen Feindes aufsucht, sondern auch noch einen seiner Ratschläge beherzigt, der so unsinnig klingt, der Geschichte aber Recht geben soll. Somit wird das grundlegend Falsche richtig wenn es in der Ausnahme der tut, der sich sonst dem richtigen zuwendet. Alles läuft konsequent gegen den Strich in einer Erzählung, die uns vorgaukelt man wäre als Zuschauer gerade bei der wahren Entstehung jenen Drehbuches beteiligt, dessen Film man gerade sichtet.

Das ist alles nur halb so verwirrend umgesetzt wie es sich in diesem Text lesen mag, und es ist auf seine ganz eigene Art einfallsreich, tiefsinnig und keineswegs gewöhnlich. Und doch hat „Adaption.“ nicht das Kaliber eines „Being John Malkovich“ oder „Vergiss mein nicht!“, beides Werke die vor Ideen nur so übersprudeln und beide auf ganz eigene Art zu bewegen wissen. Der eine als bösartige Satire, der andere als lebensbejahende Satire mit einem ungewöhnlichen Mix aus Science Fiction und Lovestory. „Adaption.“ ist im direkten Vergleich zu gewöhnlich, lässt auf ruhigere Art die kreativen Wellen höher schlagen, und ist damit im Vergleich zu den anderen Kaufman-Werken ein Abbild dessen wovon er erzählt: das Gegenteil servieren zum Entgegensetzen von Erwartungen.

Hier spiegeln sich Ebenen wieder aus Filmrealität, Buchrealität, Traumsequenzen und eine uns vorgegaukelte Realität, die wir freilich nicht sichten, da wir einen Film sehen. Kaufman provoziert mit diesem Realitätskarussell, provoziert gleichzeitig mit Banalität und damit dass sein Film vordergründig nichts erzählt bevor er gegen Ende ins absichtlich Reißerische abgleitet, um einem vorzugaukeln nun würde doch etwas passieren. Und dabei passiert das Eigentliche versteckt, versteckt und doch offen vorgetragen per Off-Kommentar, ein Stilmittel das von Theoretikern, zumindest laut Film, als billiges Stilmittel eines Autors gilt, ist ein Off-Kommentar doch der leichteste Weg etwas unkreativ auszudrücken.

Doch auch wenn ich das eigentliche Herzstück des Streifens in der zweiten, bzw. fast dritten Reihe parkend für mich entdeckt habe und damit für mich herausgefunden habe wie tief „Adaption.“ tatsächlich geht, mehr als ein sich wohlfühlend gekitzelter Intellekt kommt für mich dabei nicht heraus. Kino, das eigentlich aufwühlen und bewegen könnte, so wie es Kaufman mit seinen in dieser Review erwähnten Vergleichsfilmen geglückt ist, ist „Adaption." nicht geworden, solche Gefühle kommen in mir beim Sichten von der hier besprochenen Tragikomödie nicht auf, ebenso wenig wie ein Identifizieren mit Situationen und Figuren. Letztendlich guckt sich der Film einfach zu theoretisch, vielleicht etwas vergleichbar mit „Human Nature“, der, ebenfalls aus der Feder Kaufmans stammend, ebenfalls vor Ideen nur so übersprudelte, als Komödie zudem mit hervorragendem Humor versehen war und doch zu distanziert blieb, da er keine wirklichen Emotionen beim Zuschauer duldete.

Dass Kaufman-Filme aufgrund ihres kreativen Geistes auch in der distanzierten Ausfertigung interessant sind und unterhaltungstechnisch einen gewissen Spaß versprühen, will ich ihnen gar nicht abstreiten. Trotzdem ist es verglichen mit seinen Werken die dies zulassen traurig wie viel Potential dabei verloren geht, wenn man den Zuschauer nicht tief genug eintauchen lässt. „Adaption.“ ist ein interessantes Werk, weit weg vom Durchschnitt. Aber er ist mir zu theoretisch um ihn wirklich als Empfehlung empor heben zu können. Der intellektuelle Geist eines Filmes bleibt eben doch nur ein Gerüst, wenn die Figuren, die Emotionen und die Situationen nicht zu Fleisch werden. Klingt das jetzt zu sehr nach Cronenberg?  OFDb

29.09.2012

VERGISS MEIN NICHT (2004)

Die Beziehung zwischen Joel und Clementine ist beendet. Joel muss frustriert feststellen, dass Clementine sich mit einem neuen operativen Verfahren alle Erinnerungen an ihn hat löschen lassen. Auch Joel lässt sich auf besagte Operation ein, doch während der Prozedur merkt er, dass es schön wäre, wenn seine Liebste doch nicht ganz vergessen wird. Im Schlaf liegend versucht der gute Mann die Clementine in seinem Kopf vor der Löschung zu retten...

Betäubt anstatt geheilt...
 
„Vergiss mein nicht!“ ist in vielerlei Hinsicht ein Ausnahmefilm. Das beginnt damit, dass er ein Science Fiction ist, der in der Gegenwart spielt. Dieses Genre sieht man ihm zunächst gar nicht an. Es dauert, bis es sich herauskristallisiert, und selbst dann setzt der tragikomisch konzipierte Film seinen Hauptschwerpunkt auf Romantik, eine Seltenheit im Science Fiction-Bereich.

Manch einem mag dieses Rezept auf dem Papier nicht schmecken, jedoch schafft es Regisseur Michael Gondry die Romantik niemals kitschig erscheinen zu lassen. Sie ist nur Beiwerk eines  lebensbejahenden Filmes, was wiederum auch eine seltene Eigenschaft eines Werkes dieses Genres ist, erst recht wenn man bedenkt, dass die Grund-Thematik deutlich gesellschaftskritisch geprägt ist.

Es ist besser unglücklich geliebt anstatt nie geliebt zu haben. Dies ist ein berühmter Satz, und er könnte Grundlage gewesen sein, ist eine Kernaussage des Films doch die, dass Erinnerungen, auch jene schmerzhafter Natur, wichtig für uns Menschen sind. Wenn der Schmerz vergeht bleibt vieles Gutes in Erinnerung. Aber auch der Heilungsprozess kann nur mit Hilfe von Erinnerung stattfinden. Diese Theorie des Filmes findet sich zumindest zwischen den Zeilen, wenn man als Zuschauer resümieren darf, dass niemanden nach der Operation geholfen war.

Leer laufen die Geheilten durch ihren Alltag. Irgendetwas bedrückt sie, aber sie wissen nicht was. Das Problem ist aus ihrer Erinnerung gelöscht. Wie will man über etwas hinwegkommen, was einem nur noch unterbewusst quält? Nicht zu vergessen der Aspekt, dass man ohne sich an seine Fehler zu erinnern auch nicht aus ihnen lernen kann. Dieser Bereich blitzt gar auf positive Art auf, wenn man beobachten darf, wie sich die Liebenden instinktiv nacheinander sehnen, und da reden wir nicht nur von den von Jim Carrey und Kate Winslet verkörperten Hauptfiguren.

An der Besetzung gibt es nichts zu meckern. Es fällt etwas auf, dass Kirsten Dunst eher mit gutem Aussehen anstatt mit Schauspieltalent glänzt. Aber ihre Rolle ist relativ klein und auch so angelegt, dass ihre Defizite nicht auffallen. Letztendlich muss sie ohnehin das naive, gedankenlose Ding spielen, welches sie wohl auch privat nach Pressemeldungen zu sein scheint.

Ansonsten sind nur Profis am Werk. In einer kleinen Rolle erleben wir den einstigen Kinderstar Elijah Wood, der mittlerweile seit „Herr der Ringe“ auch der Masse etwas sagt, und er agiert einmal völlig anders. Kate Winslet beweist auf ein neues, dass sie sich nicht nur äußerlich sondern auch durch ihr Talent von anderen erfolgreichen Frauen Hollywoods unterscheidet. Passend zum Gesamteindruck des Films spielt sie glaubhaft realistisch, geradezu natürlich. Jim Carrey hat für Kalauer nur wenig Szenen und beweist mal wieder wie viel in ihm steckt, so dass sich „Vergiss mein nicht!“ sorglos in die Schlange seiner besten ernsteren Werke wie „Truman Show“ und noch mehr „Der Mondmann“ einreihen kann.

Regisseur Michael Gondry, der es in seinem Vorgängerfilm „Human Nature“ noch nicht schaffte sehr phantastische Ideen, Satire, Kritik und auch Groteske kompromisslos unterhaltsam umzusetzen, schafft mit „Vergiss mein nicht!“, einem nicht weniger inhaltlich außergewöhnlichen Film, ein Vorzeigewerk zu kreieren, von dem viele Filmschaffende lernen können. Umso enttäuschender ist, was er später mit „Abgedreht“ abgeliefert hat, spielte doch auch dieser Film mit einer interessanten Idee, wenn auch nicht mit der Klasse und Vielschichtigkeit von „Human Nature“ und dem hier besprochenen Film.

An beiden Werken war Charlie Kaufman als Drehbuchautor und Ideengeber beteiligt, jenem Mann, der die Cineasten schon 1999 mit seinen ungewöhnlichen und fast filmuntypischen Ideen in „Being John Malkovich“ überraschte. Dieser eigentlich recht gute Film hatte jedoch noch Ecken und Kanten, an denen geschliffen werden mussten, vielleicht weil die Figuren dort so grotesk erschienen wie die Erlebnisse selbst. Mag sein dass ich „Vergiss mein nicht!“ auch deshalb als einen Schritt nach vorne verstehe. Denn trotz der irrsinnigen Idee, auf welcher Gondrys Film aufbaut, sind seine Figuren doch alle griffig, und ideal als Identifikationsfiguren geeignet.

Es sind Außenseiter und Normalos zugleich. Und ihre Probleme, Wünsche, ihre Gesprächsthemen und ihren Alltag kann man alles nachvollziehen. Parallelen zum Publikum sind genügend vorhanden. Und gerade dieser Aspekt beweist die sensible und feinfühlige Ader des Streifens. Sie zeigt sich ebenso im Verzicht jeglichen Klischees. Es zeigt sich in der wohligen Dosierung von Spannung, Dramatik und Humor, ohne je in eine Extreme zu rutschen. Gerade der reißerische Bereich findet keinerlei Niesche. Aber die Menschlichkeit, welche die Seele des Zuschauers wiederspiegelt, bleibt eine Rezeptur die nicht von irgendwem kopiert werden kann. Alltägliches, vielleicht auch Selbstverständliches, natürlich zu greifen beherrscht man als Geschichtenerzähler entweder oder eben (noch) nicht.

Nur an wenigen Stellen zeigen sich Schwächen. Am deutlichsten in einer Szene, die in einer Kindheitserinnerung von Joel spielt. Hier hätte der Film in falschen Händen schnell in eine alberne Komödie abrutschen können. Gondry verliert sich glücklicherweise lediglich für einen kurzen Augenblick in diese Richtung, fasst aber schnell genug wieder Fuß. Es scheint an Regie, Jim Carrey und vielleicht auch dessen deutsche Synchronstimme zu liegen, dass diese Szene etwas albern wirkt. Denn rein vom Dialog ist der Text nah am Denken und Sprechen eines Vierjährigen orientiert.

Nicht nur hier erkennt man das Verständnis der menschlichen Psyche. Auch jene Kindheitserinnerung, welche Joel glaubt überwunden zu haben, weist psychologische Raffinesse auf. So erwachsen und weiterentwickelt man sich auch fühlt, die Dämonen der Vergangenheit wissen einen noch immer zu beeinflussen, so gezeigt in einer Szene, in welcher Joel beschließt sich nicht mehr von seinem ehemaligen Peiniger erniedrigen zu lassen, um sogleich in das alte Muster zurückzufallen.

Für einen Science Fiction fast schon untypisch ist auch die eher unauffällige Verwendung von Spezialeffekten. Ohnehin scheinen sie relativ selten verwendet zu werden. Simple Kniffe wie das plötzliche Ausblenden von Passanten wissen als Verdeutlichung des Löschvorgangs ebenso emotional zu funktionieren, wie der noch simplere Kniff Clementine auf dem Eis ins dunkle Schwarz zu ziehen. Erstaunlich dass dieser besonders banale Effekt mit am besten zu schockieren weiß.

Bei all den positiven Worten über ein Werk, das sich in vielerlei Hinsicht, gerade auf sein Entstehungsland betrachtet, mit dem etwas abgenutzten Begriff Ausnahmefilm kleiden darf, bleibt doch am erstaunlichsten die Glaubwürdigkeit dieser Erzählung zurück. Gondry und Kaufman passieren keine Schnitzer. Die skurrile Grundidee ist glaubwürdig umgesetzt und lässt auch im Bereich der Logik nichts zu wünschen übrig. Der Grund warum Joel sich seines Zustandes und aktueller Geschehnisse bewusst ist, wird ebenso aufgearbeitet, wie der Aspekt warum Joel und Charlotte aufgrund einer Abmachung im realen Leben aufeinander treffen, obwohl die Verabredung lediglich in Joels Kopf getroffen wurde. In solchen Punkten orientiert sich der Film jedoch an ein aufmerksames Publikum, denn die Begründungen dahinter werden einem anhand simpel scheinender Nebensächlichkeiten präsentiert, so dass einem der Sinn mancher Geschehnisse nicht auf dem silbernen Tablett serviert wird.

„Vergiss mein nicht!“ ist eine Geschichte, die es all jenen noch einmal zeigt, die jammern es hätte schon alles gegeben und man könnte nur noch kopieren und variieren. Kaufmans Idee ist das wofür Kino gemacht wurde, auch wenn man sich vor Sichtung kaum vorstellen kann, wie eine solche Geschichte mit dem Medium Film überhaupt einzufangen ist. Gondrys Werk ist sensibel, witzig, spannend und dramatisch. Er ist tiefsinnig, poetisch, philosophisch und lebensnah. Er ist lebensbejahend und überrascht damit Stellung zu beziehen. Wer vom gängigen Popkornkino-Rezept noch nicht abgestumpft ist, wird sich freuen einen Film zu erleben, der nicht nur auf der Unterhaltungsebene prima, da relativ manipulationsfrei funktioniert, sondern einen emotional sanft an die Hand nimmt und bereichert.  OFDb