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23.03.2025

Filmtagebuch - Zuletzt gesichtet (1)

Da mir zur Zeit die Motivation üblicher Besprechungen fehlt, möchte ich die letzten Sichtungen zumindest mal mit Kurzkommentaren versehen:


Come to Daddy (2019)

Ein sympathischer Elijah Wood hin oder her, "Come to Daddy" ist um zu viele Wendungen und Coolness bemüht, als dass seine teilweise gar nicht reizlosen Ideen tatsächlich für ein erwachsenes Publikum funktionieren könnten. Verspielt, brutal und locker, okay, verkrampft auf locker und cool getrimmt, nicht okay.  Wiki


Dread (2009)

Ein dreckiger Film, der sich in die verstörenden Seiten der menschlichen Psyche austobt, es mit Blick auf den hier tätigen Psychopathen zwar ein wenig übertreibt (nicht frei von Augenzwinkern), recht spannend erzählt aber mit Abartigkeiten zu schocken und zu provozieren weiß, inklusive sympathischer Schlussidee.  OFDb


Klute (1971)

Trotz seiner Themen bezüglich abseitiger Sexualtechniken wirkte "Klute" auf mich zu verkrampft erzählt. Die ruhige 70er Jahre-Art, die ich andernorts schätze, wirkte auf mich nicht aufgrund der Unnahbarkeit der Figuren und dem Gefühl, dass mir alles doch etwas arg gewollt auf intellektuell getrimmt vorkam.  Wiki

 

Wrecker - Death Truck (2015)

Plumpe Teenie-Variante von Spielbergs großartigem "Duell", der tatsächlich Schritt für Schritt dessen Szenario wiederkäuert, ohne die psychologischen Hintergründe und Zusammenhänge des Originals zu verstehen. So wird aus der Nacherzählung ein unreflektiertes Stück Idioten-Kino der peinlichen Art.  Wiki  


Dave Made a Maze (2017)

Herrlich durchgeknallter Fantasyfilm voll von kreativen Ideen, innovativ wirkenden Spezialeffekten, eingefangen in tollen Bildern und konsequent in seiner Erzählung. Ein gelungener Mix aus "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" und "Die Reise ins Labyrinth", pointenstark geschrieben, und absichtlich mit der Sinnlosigkeit der Ausgangsidee und den fehlenden Hintergrundinformationen arbeitend.  Wiki

21.10.2023

ASTRO BOY - DER FILM (2009)

Da ich noch nie etwas vom klassischen, asiatischen Franchise rund um Astro Boy gesehen habe, war ich neugierig auf den 2009 entstandenen Zeichentrickfilm, der per Computeranimation die Moderne von Heute und den Retroaspekt des Ursprungsstoffes zu vereinen versuchte. Leider vereint er aber auch den Erzählstil der US-Amerikaner im Trickfilmbereich mit jenem der Japaner. Darauf war ich nicht vorbereitet, erwartete ich doch einen Anime zu sehen, und da der asiatische Stil im besagten Werk dem US-Stil weit unterlegen ist, bot "Astro Boy - Der Film" nicht gerade das, was ich erhoffte. Ich bin durchaus in der Lage mich während einer solchen Sichtung nach Erkennen der tatsächlichen Orientierung auf eine solche umzustellen. Dass ich mit "Astro Boy" (Originaltitel) nicht warm wurde, liegt somit nicht an einer unflexiblen Art meinerseits. Schließlich ist es nicht so, dass ich mich Animationsfilmen aus dem Westen verweigern würde, hier gibt es große Schätze zu entdecken. 

Leider gehört "Astroboy" (Alternativtitel) zu jener Art CGI-Film, die zu verstärkt auf den Kitschaspekt und auf das Zielpublikum Kind schielt. Das wirkt erzieherisch, aufgesetzt, belehrend und verkrampft auf Emotionen getrimmt, anstatt sie einen tatsächlich spüren zu lassen. Schwierig wird eine solche Herangehensweise insbesondere dann, wenn man mit Figuren mitfühlen soll, die keineswegs so sympathisch herüber kommen, wie scheinbar von den Produzenten gewollt. Der Vater des ursprünglichen Jungen und Schöpfer des Astro Boy handelt derart gefühlskalt, egoistisch und systemorientiert, dass man ihm einen Wandel zu einem Mann, der seine Fehler einsieht, nicht abkaufen kann, zumal er nicht erst mit Beginn der Trauer begann fragwürdig zu handeln. Im Finale des hier besprochenen Streifens setzt man jedoch verstärkter auf sein Gefühlsleben, anstatt auf das der im Zentrum stehenden, erkämpften Freundschaft des Roboters mit menschlichem Empfinden zu den Menschenkindern. Leider sind auch diese arg stereotypisch ausgefallen und lassen eine Annäherung an ihren Charakter kaum zu. Lebensnähe und Identifikation mit den Figuren, gehören nicht gerade zu den Stärken der Verantwortlichen dieses Science Fiction-Trickfilmes. 

Das ist sehr schade, zumal einige Aspekte im fertigen Werk durchaus zu gefallen wissen, so z.B. der väterliche Freund der Erdenkinder, der das Zielpublikum gekonnt zu täuschen weiß, bis seine wahre Motivation thematisiert wird. Auch die verschrotteten Roboter (insbesondere der wichtige Riese) wissen zu gefallen, sind in dieser Art aber sicher nicht zufällig lediglich ein Jahr nach dem Erfolg von Pixars "Wall-E" auf diese Art stark in die Geschichte integriert. Spannender als die, ist ihre Herkunft mit Blick auf die Wegwerfgesellschaft der Elite oben in der Wolkenstadt und der Umgang mit der Robotertechnologie überhaupt. Hier findet gekonnt Konsum- und weitere Gesellschaftskritik auf amüsante Art statt, oberflächlich betrachtet auch manch politische, dies allerdings derart grotesk überzogen, dass es in der Comicwelt mehr fußt (was durchaus zu begrüßen ist), als in einer überzeugenden Politwarnung. Unterhaltung und Erziehung steht auf dem Programm, da ist das nicht wichtig. Aber beide Schwerpunkte der Geschichte, die Kurzweile und die Manipulation des Publikums, stehen sich zu sehr im Weg, als dass aus "Atom" (Alternativtitel) ein kompromisslos unterhaltsamer Spaß werden könnte. 

"Astro Boy - Der Film" hat definitiv seine Momente, starke Ideen, sympathischen Standard und gelegentlich treffsichere Komik zu bieten. Und optisch weiß er technisch zu überzeugen, bei Fantasiefiguren im Design mehr, als bei den zu glatt gebügelten, fürs US-Kino aber typischen, menschlichen Trickfilmfiguren. Aber der moralische Touch und die aufgesetzte Gefühlsduselei machen viel vom vorhandenen Potential kaputt. Und das sind genau die Gebiete, die es unter stärkerem japanischen Einfluss so nicht gegeben hätte.  Wiki

25.11.2020

BUFFY - DER VAMPIRKILLER (1992)

Starbesetzt kommt die Horror-Komödie "Buffy - Der Vampirkiller" daher, da kann man wahrlich staunen. Donald Sutherland als weiser Anleiter, Rutger Hauer als Obervampir, Luke Perry als männliche Begleitung, Hilary Swank als Mitschülerin, David Arquette als ehemaliger Mitschüler, der zum Vampir wird, und auch Hauptdarstellerin Kristy Swanson war einmal eine Berühmtheit. Wie man es geschafft hat derart viele aktuelle und zukünftige Prominente für das Projekt zu gewinnen, will sich mir nach dem Sichten nicht erschließen. Hat keiner das dünne Drehbuch bemerkt? Oder entstand der Film unter ungünstigen Produktionsbedingungen, so dass ein gutes Drehbuch nach dem Dreh und diversen Kürzungen im fertigen Film als solches nicht mehr zu erkennen war? "Buffy - Der Vampir-Killer" (Alternativtitel) besitzt theoretisch durchaus Reiz, allerdings wird jeder interessante Aspekt halbherzig auf die Schnelle abgearbeitet. Sei es die Ausbildung zur Vampirjägerin, das Akzeptieren des Schicksals und damit das gewonnene Vertrauen in den Lehrer, sei es die Ernsthaftigkeit der Situation, die durch die Macht des Obervampir entsteht, oder letztendlich jeder andere Aspekt des Streifens, nie lässt man sich für irgend etwas Zeit, zu gehetzt springt man von einem oberflächlichen Schauwert zum nächsten, als dass der eigentlich vorhandene Charme, geschweige denn die Geschichte an sich und die verwendeten Charaktere, sich entfalten könnten. So ganz ohne Reiz ist das Ergebnis nicht ausgefallen, fordert es doch mit einem schwer zu greifenden, skurrilen Humor heraus, der sich mit extrem albernen und dann wieder mit Sprüche-klopfendem trockenen abwechselt. Letztendlich bleibt jedoch nur ein Achselzucken zurück, zumal das Finale schnell abgefrühstückt ist, und der Obervampir so gar nichts Mächtiges auszustrahlen vermag, wie es die Geschichte über ihn eigentlich behauptet. 

"Buffy - The Vampire Slayer" (Originaltitel) ist eigentlich ein Kinofilm, er guckt sich jedoch eher wie ein halb fertiger Streifen, etwas das gerade eben so als Pilotfilm einer Serie durchgehen würde. Von daher passt es ganz gut, dass dem Kino-Flop 5 Jahre später in anderer Hauptrollen-Besetzung eine solche beschert wurde. Das macht den Film nicht besser, gefällt aber in sofern, als dass die Serie "Buffy - Im Bann der Dämonen" seine Erzählung tatsächlich nicht von vorne beginnt, sondern am Kinofilm anschließt. Das braucht auch nur bedingt zu überraschen, wenn man weiß dass der Regisseur des hier besprochenen Streifens und der Autor als Produzenten für die Serie tätig waren und somit die geistigen Väter des Produkts wieder mit an Bord waren. Swanson überzeugt in der Rolle der Buffy leider nicht ansatzweise so gut wie Sarah Michelle Gellar in der TV-Version, die im Gegensatz zum Kinofilm ein großer Erfolg wurde und sich tatsächlich wesentlich unterhaltsamer guckt als das Flickwerk, welches Fran Rubel Kuzui persönlich inszeniert hat. Ein paar nette Gags am Rande machen das Ergebnis erträglich genug, um sich nicht zu langweilen, Begeisterung erntet das nicht wirklich innovative Konzept in seiner lieblosen Umsetzung jedoch keineswegs. Da gefällt mir die vergleichbare Umkehr-Thematik eines "Liebe mit Biss" wesentlich besser. Hier bekommt ein frisch gebissener Teenager Hilfe von einem Lehrer, was es bedeutet Vampir zu sein.  OFDb

08.03.2020

ENTHÜLLUNG (1994)

Nach "Eine verhängnisvolle Affäre" und "Basic Instinct" ist "Enthüllung" Michael Douglas dritter Pimper-Thriller, der in seiner teilweise plumpen Art zwar nicht das Niveau seiner beiden Vorgänger erreicht, aber packend genug erzählt ist, um dennoch über Durchschnitt zu funktionieren. Tom wird als angenehmer Familienmensch mit Idealen charakterisiert, eine Person der es zunächst an Kampfgeist mangelt, was sich im Laufe der Geschichte ändern wird. Tom wird nicht nur sexuelle Belästigung vorgeworfen, letztendlich will man ihn mit einem Komplott aus der Firma drängen. Nicht jeder gelungene Schachzug verspricht einen Sieg, auf beiden Seiten, und so weiß das Duell zwischen klar getrennter Gut-Böse-Linie gut zu unterhalten in einem Plot um Macht, Machtmissbrauch, Vorurteilen, Klischeedenken und Gleichberechtigung.

"Enthüllung" ist insofern ein wichtiger Film, als dass er den Emanzipationsprozess einmal von der anderen Seite beleuchtet. Neu gemischte Karten in der Gesellschaft betreffen auch stets die andere Seite, und in der Zeit, in welcher der Streifen entstanden ist, stand es noch nicht gut um Männer in Opferrollen zum Thema sexuelle Belästigung. Glücklicher Weise ist "Disclosure" (Originaltitel) trotzdem in einer aufgeklärten Zeit entstanden, in welcher man das Thema ehrlich und vorwurfsfrei thematisieren konnte. Tom zeigt für einen Augenblick Schwäche, wenn er von der attraktiven Frau verführt wird. Und er bekommt den Bogen etwas zu spät, als dass seine Ehefrau nicht das Recht hätte enttäuscht zu sein. Dennoch wird es rational als Schwäche betrachtet und nicht als Mitschuld, geschweige denn als Umfunktionieren vom Opfer zum Täter, wie es im heutigen Schwarz/Weiß-Denken wahrscheinlich stattgefunden hätte. Das Drehbuch ignoriert weder das Fehlverhalten Toms, noch über-dramatisiert es dies. Das macht ein Zurechtfinden mit den im Film geschilderten Ereignissen einfacher, auch wenn "Enthüllung - Sex ist Macht" (Alternativtitel) nicht wirklich ernstzunehmende gesellschaftskritische Denkanstöße liefert. Er ist schlichtweg ein Unterhaltungsfilm. Und als solcher funktioniert er wunderbar.

Das liegt mitunter an der stimmigen Besetzung. Das Spiel Douglas gegen Moore funktioniert wunderbar, so übertrieben schurkisch wie Meredith dargestellt wird. Man liebt es sie zu hassen, so ungeniert wie sie wie gedruckt lügt und keinerlei Anzeichen von Scham zu besitzen scheint. Wie bewusst das den Verantwortlichen des Streifens war, merkt man an der mittlerweile etwas trashig daherkommenden Szene, in welcher Tom sich per virtuelle Realität in die Dateiordner der Firma einklinkt, während eine als Person herein-digitalisierte Meredith geradezu dämonisch Beweisdateien vernichtet. In diesem Moment weht ein leichter Hauch von Science Fiction und Horror durch einen Film, der ansonsten ein lupenreiner Thriller ist. Ein Hauch Erotik und Drama weht ebenso im Gesamtwerk mit, aber hauptsächlich ist es der Überlebenskampf des Büroalltags, der tatsächlich zu wirken weiß, denn letztendlich ist alles etwas arg klischeehaft per Stereotype erzählt, als dass man die Tragik Toms tatsächlich emotional mitempfinden könnte.

Es ist der unfaire Kampf der Geschlechter, der zu gefallen weiß, ebenso das Erwachen des Weicheis zum Kämpfer (ähnlich wie in "Wolf"), und es ist ebenso der hoffnungslose Kampf des kleinen Mannes gegen die herzlose Firma. Damit setzten Drehbuch und Regisseur Barry Levinson auf einfach zu entfachende Motivationen beim Zuschauer, das edle Gewandt, in welchem alles abgefilmt ist, lässt das Ergebnis aber weit weniger plump wirken. Diverse Momente, wie z.B. Merediths Monolog über das Erkämpfen des Rechtes einer Frau auch notgeil sein zu dürfen, oder der Augenblick der Wahrheit, der die Rolle Moores als eine Art Opfer in einem Intrigenspiel mächtiger Männer herauskristallisiert, bereichern den ansonsten eher einfach gestrickten Plot gekonnt, brechen sie doch die klischeehafte Struktur, mit der es sich der Film manchmal zu einfach macht, ein wenig auf. Nimmt man "Enthüllung" nicht zu ernst, so sehr wie er in einer Kinorealität, anstatt in der unseren spielt, weiß die etwas naive Erzählung durch die gekonnte Inszenierung und durch das spielfreudige Agieren der Besetzung weit besser zu gefallen, als man annehmen müsste.  OFDb

31.05.2019

LOCK UP - ÜBERLEBEN IST ALLES (1989)

Nachdem Sylvester Stallone einige Jahre eigentlich nur noch stumpfsinniges Zeug abgeliefert hatte, wenn auch mit finanziellem Erfolg, tat es gut ihn nach "Over the Top", "Die City Cobra", "Rambo 2" und "Rocky 4" endlich mal wieder in einem Film zu sehen, der höhere Ansprüchen an sich stellt und dementsprechend mit einer interessanteren Geschichte daher kommt. Sicherlich ist der Gefängnis-Thriller "Lock Up" trotzdem noch nicht auf einem Niveau mit "Rambo", "Rocky", "F.I.S.T." und Vergleichbarem zu nennen, dafür schwimmt er zu arg in Stereotypen und billigen Stallone-Lebensphilosophien. Aber die Inszenierung von "Brainscan"-Regisseur John Flynn holt einiges aus der guten Grundidee heraus. Gekonnt schafft er es, nicht trotz billigem Pathos, Gut/Böse-Schwarz/Weiß-Malerei, pseudo-gerechter Selbstjustiz und beunruhigendem Sadismus, den Zuschauer an Frank zu klammern, um mit ihm bis zum befreienden, Gewalt verherrlichenden Finale mitzufiebern, sondern mitunter gerade wegen dieser quantitativen Zutaten.

Diese stehen jedoch nicht für sich allein, so dass "Lock Up - Überleben ist alles" nicht ein rein mechanischer Trivialfilm für Gemüter reißerischer Stoffe wird. Der Film lebt zudem von guten Darstellern (inklusive authentischer Statisten, da reale Gefangene), einem düsteren, realen Drehort, Licht und Kamera die diesen düsteren Ort trostlos einzufangen wissen und von Flynns Gespür für einen funktionierenden Spannungsbogen, fruchtend auf der Grundlage eines Drehbuchs, dass die Schraube des Erträglichen immer weiter anzieht, bis Frank scheinbar nur noch Schwarz sehen kann und sich die gebündelte Aufregung entladen muss. Zumindest hat man als Zuschauer das Bedürfnis nach Luft, bei all dem was Frank und seinen Kumpanen angetan wird. Bereits eine früh aufkommende Anti-Läuse-Szene, in welcher Frank länger atemlos in einer Gaskammer ausharren muss, als (ohnehin schon fragwürdig) üblich ist, treibt einen den Schweiß auf die Stirn. Im Vergleich zu dem was dem Häftling Richtung Finale erwartet, ist diese aufwühlende Sequenz jedoch ein Kinderspiel. Und wenn man von Autor und Regie derart in die Mangel genommen wird, verzeiht man den Klischeegehalt dieses von der Mentalität her typischen Stallone-Filmes all zu gerne.
Letztendlich macht ihn seine Schwarz/Weiß-Malerei mit einem diabolisch spielenden Donald Sutherland als triezender Gefängnisdirektor und seinen optisch gut besetzten Sadisten von Wärtern und Mitgefangenen, zu einer Art ernsten Comicfilm. Ein authentisches Gefängnis-Drama sähe anders aus. Aber diese Realitäts-Entrückung mag ich an diesem Film, der es trotzdem schafft sich nicht wie ein völlig sinn- und realitätsentleerter Streifen anzusehen. "Lock Up" lebt von seiner Kinorealität und von den realen Gefühlen, die er in einem entfacht, und davon dass es uns eigentlich missfällt, dass er diese weckt. Er lebt aber auch von solch gut eingebrachten Ideen wie der verdrehten Weltsicht des Direktors, sowie von ernsten Themen wie Machtmissbrauch und den Zuständen in US-amerikanischen Gefängnissen. Allerdings kann er diese Karten inmitten seines reißerischen Plots nur bedingt ausspielen, jedoch genügend um damit Action-Kino über Niveau abzuliefern. Die Verantwortlichen von "Lock Up" wussten sehr genau was ihnen vorschwebte, deswegen ist er auch dieses gelungene Stück Unterhaltungskino mit einem Anflug an Niveau und einem an Schund geworden, für all jene, die mit diesem herrlichen Zutatenmix etwas anfangen können. Das geradezu einladende Mitfiebern und die stets höher gedrehte Spannungsschraube machen es einem leicht das Ergebnis zu mögen. Und manch kurze Anflüge tatsächlich funktionierender Dramatik bereichern das Gesamtergebnis ebenso.  OFDb

22.01.2017

THE KENTUCKY FRIED MOVIE (1977)

John Landis war damals noch ein junger Filmemacher, der einige Jahre zuvor mit „Schlock - Das Bananenmonster“ das Kino seiner Zeit parodierte und dem bekannteren „Angriff der Killertomaten“ von John DeBello damit den Weg ebnete. Kino und Fernsehen kann mit all seiner unfreiwilligen Komik nicht oft genug parodiert werden, und so kann man es als glückliche Fügung bezeichnen, dass Landis für sein darauffolgendes Projekt auf Jim Abrahams und die beiden Zucker-Brüder stieß, die uns später, selbst Regie führend, so wundervolle Komödien wie „Die nackte Kanone“ oder „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ bescheren sollten. In „The Kentucky Fried Movie“ sind sie lediglich noch „nur“ die Autoren, und ebenso wie Landis schlüpfen sie in die ein oder andere Rolle des auf Sketche ausgelegten Filmes.

Ob es um den (heute noch immer vorhandenen) Hang geht Filme nicht mehr rein als Filme zu sehen, sondern mit Events wie 3D zu verwursten (parodiert als gefühlsechtes Kino), ob es um reißerische und theatralische Umgänge mit emotionalen Themen geht (Filmvorschau zum fiktiven „That‘s Armageddon“) oder einfach nur um die sinnlose Geschwätzigkeit der Medien (Abenteuer heute), die scheinbare Anonymität vor dem Fernseher (der Sketch um das Liebespaar vor den Nachrichten) oder die Schwächen von Werbungen (die Kopfschmerzklinik) und Lehr-Filmen (Leben ohne Zinkoxyd), „The Kentucky Fried Movie“ holt pointensicher aus, weiß exakt wie der Humor zur besten Entfaltung gesetzt werden muss und hält sich nie zu lange an einem Sketch auf, nicht einmal in dem einzig größer ausgefallenem, 35 minütigen Kurzfilm „Für eine handvoll Yen“, in welchem sich ausgiebig über die Schwächen des asiatischen Kampfkunst-Kinos lustig gemacht wird, freilich nicht ohne den Amerikaner und sein Medium ebenfalls der Lächerlichkeit preiszugeben.

Der Mix aus einem raffiniertem, analtytischem Blick auf die elektronische Medienlandschaft der 70er Jahre und dem Hang zum hemmungslosem Herumalbern, geben „The Kentucky Fried Movie“ das gewisse Etwas, wird doch nie stillos herumgealbert, aber doch recht gewagt. Wenn die Alarmsirene in einem großen Gebäude nach Ausbruch einer Katastrophe daraus besteht dass ein Mann mit Flüstertüte für das Geräusch besagtem Alarms verantwortlich ist, anstatt ein elektronischer Ton, dann mag mancher Humormuffel die Augen verdrehen und dies als infantil bezeichnen, der Mensch mit Humor im Herzen muss über solchen Nonsens jedoch laut lachen, und dies selbst noch bei der x-ten Sichtung.

„The Kentucky Fried Movie“ hüpft von einem Höhepunkt zum nächsten, bietet keine missglückte Episode, schaut sich mit Augen von heute aber freilich medial überholt, was ihm aber Retrocharme beschert anstatt Desinteresse. Wer das Fernsehen und das Kino einst so miterlebte wird ebenso viel Freude an Landis Episodenfilm haben wie es junge Generationen haben. Ob es die Rohölgewinnung per Abzapfung des Fettes von Teenagergesichtern ist, der herrlich absurde Trailer des fiktiven „Katholische Schulmädchen in Not“ oder der Running Gag um durch ein Horoskop hervorgesagte Überraschung für Zwillinge, „The Kentucky Fried Movie“ sprüht nur so vor Witz im Zeitgeist, hemmungslos albern, aber auch genau wissend was wieso parodiert gehört.  OFDb

04.04.2014

PUPPET MASTERS (1994)

„Puppet Masters“ verfolgt eine ähnliche Thematik wie die „Invasion der Körperfresser“-Streifen, die mittlerweile vier mal mehr mal weniger bekannte Verfilmungen beschert bekommen haben, während die beiden Verfilmungen von Heinleins außerirdischen Puppenspielern ein Schattendasein im cineastischen Bereich führen. Auf dem Papier existierten sie vor den Körperfressern, sie sind somit die Originalidee eines durchaus interessanten Plots. Während ihre gar nicht mal so schlechte erste Verfilmung „The Brain Eaters“, der in Deutschland nie erschienen ist, jedoch eine Spur zu niedlich ausgefallen ist und heute eher Retrocharme besitzt, ist „Die Dämonischen“, der erste Körperfresser-Film, ein heute noch bedrohlich wirkender Klassiker seines Genres und für mich persönlich auch die beste der vier Verfilmungen.

Während die Kopie bereits in den 70er Jahren mit „Die Körperfresser kommen“ ein zweites Mal verfilmt wurde und heute den Status eines anerkannten Klassikers besitzt, dauerte es bis in die 90er Jahre hinein bis Heinleins Stoff eine zweite Verfilmung beschert wurde. Schön dass man für diese in einer der Hauptrollen Donald Sutherland gewinnen konnte, der in der 70er Jahre-Version der Körperfresser die Hauptrolle spielte und nun auch im Quasi-Original eines der Zugpferde ist. Der restliche Cast ist eher unbekannt, und nennenswerte Talente wären da ohnehin nicht zu erkennen, sind diese doch schwer auszumachen, spielen sie doch alle unterkühlt, noch bevor sie von den intelektuellen Wesen aus dem All befallen sind.

Damit teilt „Puppet Masters“ Parallelen mit dem dritten Körperfresser-Film „Body Snatchers“, der beim kühlen Militär spielte. Hier in „Puppet Masters“ stehen emotionslose Leute einer Unterabteilung der CIA im Zentrum, was in dieser befehlsempfangenden und Befehle ausführenden Kühle eine deutliche Kritik an das System darstellt und in welcher Donald Sutherland als der Anführer nicht zufällig selbst wie ein Befehle gebender Puppenspieler dargestellt wird, der in gewisser Weise nun gegen die Parasitenvariante Seinesgleichen zu kämpfen hat.

Solche Menschen ins Zentrum zu setzen hat Vor- und Nachteile für einen Film. Freilich fehlt die wahre Identifizierung mit solchen Charakteren und die Geschichte kann nicht zu emotional werden, andererseits unterstreicht die sofortige Kenntnis der Situation seitens der Regierung die Hoffnungslosigkeit der Situation, wird den Aliens doch recht schnell der Kampf angesagt und ist die Armee doch trotzdem fast ebenso schnell von den außerirdischen Angreifern eingenommen.

Zwar fehlt „Puppet Masters“ in seiner unterkühlten Art eine stimmige Atmosphäre, die uns die Bedrohung tatsächlich am eigenen Leib mittels einer Sympathiefigur spüren lässt, er ist jedoch flott und interessant erzählt, da man immer nah an den Erfolgen und Misserfolgen der Menschen dran ist, sei es auf militärischem Wege oder auf dem der Wissenschaft, die uns immer wieder neue Erkenntnisse über die Wesen liefert, was der Sache einen ganz anderen Spannungsbogen beschert, als der übliche Weg zur Erzeugung dieser. Vielleicht kann man es intellektuelle Spannung nennen, wird diese doch durch Information und Sachlichkeit vermittelt und weniger durch Suspense und dunkle Bilder.

Somit bleibt man vergnügt dran in einem Film der zu dieser uns so bekannten Thematik brav dem Muster solcher Streifen folgt ohne dabei sonderlich innovativ zu werden. Die Aliens sind sympathisch glibberig zurechtgebastelt, der Ablauf ein wenig zu vorhersehbar, aber immerhin mit netten Gymmicks ausgestattet, so z.B. mit der Idee, dass ehemalige Wirte eine Abhängigkeit zum 60% Gehirn-besitzenden Alien verspüren, da sie mit dessen Abkopplung so viel Gehirnkapazität verloren haben. An Ideen mangelt es also nicht, und mag die Geschichte auf die ein oder andere Art auch des öfteren schon erzählt gewesen sein, es ist schön zu wissen, dass auch das literarische Original mit „Puppet Masters“ endlich einmal eine nennenswerte Verfilmung beschert bekommen hat und mag diese auch so unbekannt sein wie die erste.

Wie nah „Puppet Masters“ am Buch orientiert ist kann ich nicht beurteilen, gibt es doch bereits Unterschiede zur Erstverfilmung zu verzeichnen. Dort kamen die „Außerirdischen“ aus dem Inneren der Erde, hier war es ganz klassisch der Weltraum. Es ist auch möglich dass gewisse Parallelen zu „Invasion vom Mars“ für den Film aus Sympathie zum Klassiker entstanden, hat dieser doch auch recht ungeniert bei Heinlein geklaut. Ob die Aliens sich in Heinleins Geschichte ebenso wie dort unter die Erde gebuddelt haben, weiß ich nicht. Da ich sie nie gelesen habe, kann ich darüber nur spekulieren, also lass ich es lieber.

„Puppet Masters“ wird zwar nie so gut wie die beste Körperfresser-Verfilmung „Die Dämonischen“, mit „Invasion“ und „Die Körperfresser kommen“ kann er es aber locker aufnehmen. Über Ferarras ollen „Body Snatchers“ aus den 90er Jahren wollen wir besser gar nicht erst sprechen.  OFDb

17.03.2013

SALEM'S LOT - BRENNEN MUSS SALEM (2004)

Der Buchautor Ben kommt nach vielen Jahren in seine Heimatstadt zurück. Er stellt fest, dass sich ein Vampir an diesem Ort sesshaft gemacht hat. Immer mehr Einwohner werden zu Blutsaugern...
 
Ein Vampir namens Rutger...
 
Ich kann mich zwar nur noch schwach erinnern, aber ich weiß noch, dass mich die alte Tobe Hooper-Verfilmung „Brennen muss Salem“ nicht gerade vom Hocker gerissen hat. Deswegen bin ich auch an die Neuverfilmung mit Vorsicht herangegangen, war aber neugierig, da mir die meisten Miniserien nach Stephen King bisher gefallen haben. Und siehe da: "Salem's Lot" ist ein interessantes Stück Film geworden.

Der Film weiß teilweise mit interessanten Bildern zu überzeugen. Er präsentiert uns B- und C-Stars, die ihre Aufgabe fast alle zur Zufriedenheit bewerkstelligen. Und er trennt beide Filmhälften an der richtigen Stelle, so dass man sich auch mit viel Neugierde an die zweite Hälfte heranwagt. Für Zartbesaitete gibt es auch den ein oder anderen Schockmomente, der Rest ist routinierter Grusel, der dank interessanter Figuren und einer Atmosphäre ohne Langeweile dennoch mehr als bloßer Durchschnitt ist.

Mit Effekten hält man sich zurück, die paar wenigen die vorhanden sind, sind okay. Lobend zu erwähnen wäre, dass hier Kinder nicht verschont werden, ganz im Gegenteil, das Drehbuch geht hart mit ihnen um (wie nah da was am Stephen King-Buch ist weiß ich leider nicht). Die Kinder sind gut besetzt und werden passend zur Geschichte eingebracht. Unnötige Kindernerverei gibt es also nicht.

Die erste Hälfte lässt sich Zeit die Figuren einzuführen, der Horrorpart hält sich aber hier bereits nicht zurück, immerhin muss zum Start der 2. Hälfte fast die ganze Stadt in Vampire umgewandelt sein, um nun die Story umzuschwenken. Die Vampire mit ihren Beißerchen wirken, Rob Lowe sieht noch immer wie 16 aus, Rutger Hauer kommt kaum vor (weiß dafür aber in seiner Rolle zu überzeugen) und Donald Sutherland wirkt mit seinem ungewohnten Bart noch unechter als ohnehin meist.

Vampirfreunde und King-Fans werden ihren Spaß haben, Cineasten werden gut unterhalten. Mit zu viel Niveau rechnet man in einem solchen TV-Film ohnehin nicht, also wird man auch nicht so leicht enttäuscht. Interessant zu erwähnen wäre vielleicht noch das Vampirhaus. Von außen wirkt es wie das Wohnhaus von Norman Bates und seiner Mutter aus der "Psycho"-Reihe, von innen ist es verrottet wie das alte Myers-Haus aus „Halloween“ und von seinen Räumlichkeiten (und ganz besonders von der Treppe in der Halle) her erinnert es sehr an das Vampirhaus aus "Fright Night". Insgesamt also eine nettmorbide Mischung, und auch für die anderen Settings brauchen sich die Verantwortlichen nicht zu schämen.

Dadurch dass man sein Hauptaugenmerk auf das Entfalten der Charaktere legte, schlichen sich auch kaum Logiklücken ein, zumindest drängen sie sich nicht so gnadenlos auf wie in anderen Genrebeiträgen dieser Art. OFDb

07.12.2012

THE ITALIAN JOB (2003)

Eine Gruppe Profidiebe wird nach gelungenem Coup von einem ihrer Mitglieder betrogen. Der Verräter glaubt seine ehemaligen Komplizen tot, während diese einen Racheplan schmieden...

Von einem fehlerhaften Frontmann...
 
Grays Neuverfilmung von „Charlie staubt Millionen ab“ möchte gerne in der Liga von Werken wie „Ocean's Eleven“, „The Score“ oder „Verlockende Falle“ mitspielen, wenn auch etwas actionreicher angelegt. Er scheitert aber an der Blauäugigkeit die man besitzen muss, um überhaupt Gefallen daran zu finden. Die eigentliche Geschichte klingt sehr nett, warum der Verräter seine Diebeskollegen für tot hält geht storytechnisch auch in Ordnung. Vieles andere innerhalb der Geschichte ist allerdings etwas unausgegoren. Dazu später mehr!

Die Besetzung kann sich sehen lassen. Donald Sutherland absolviert einen Gastauftritt, Teen-Star Seth Green ist mit dabei, Jason Statham aus „The Transporter“ weiß mit seiner leichten Bruce Willis-Ähnlichkeit zu gefallen und hat ohnehin ein markantes und somit wirksames Gesicht, Charlize Theron darf nicht nur hübsch aussehen sondern ist auch nützlich für den Bruch, und Edward Norton ist ohnehin immer eine erstklassige Besetzung.

Lediglich Mark Wahlberg ist als Frontmann zu blass besetzt. Hätte er einen ähnlich kleinen Gaunerpart wie Seth Green ginge das in Ordnung, als Anführer der Truppe fehlt ihm jedoch das Format und die optische Wirkung vor der Kamera. Er sieht aus wie ein Weichei und wirkt so brav wie der olle Matthew Broderick. Schade dass man nicht Matt Damon besetzte, der sieht Wahlberg recht ähnlich, kann aber wesentlich besser schauspielern. Zumindest haben wir mit Wahlberg den ersten Hinweis darauf, dass der Film nicht ganz so gut funktioniert, wie er es eigentlich könnte.

Denn eigentlich ist die Geschichte zunächst einmal flott erzählt. Die Musikuntermalung versucht auch in den nicht so flinken Szenen durch flotte Musik ein konsequent schnelles Tempo vorzugaukeln. Das geht manchmal in Ordnung, manchmal wirkt es allerdings etwas lächerlich. Im Gegensatz zu den oben genannten Vergleichsfilmen war man auch mehr dem Actionkino zugeneigt. Aber auch hier gibt es des öfteren Punkteabzug.

Crashende Autos im Straßenverkehr wirken bei einer Verfolgungsjagd gut. Findet diese jedoch auf dem Wasser statt, und man crasht lediglich eine olle Gondel, hat das nicht mehr das selbe Kaliber. Das wirkt billig (was es von den Kosten ja dann auch gewesen sein dürfte) und nicht gerade sonderlich actionreich. Crashenden Autos sieht man in „The Italian Job“ nur bei den Szenen mit manipulierten Ampel, und da gibt es für den Actionfreund auch nicht gerade viel Krawumm zu sehen. Von meiner Seite aus geht das allerdings in Ordnung, wirken doch wenigstens diese Szenen endlich einmal realistisch.

Viele andere Szenen tun dies nicht. Oh ja, das fertige Werk soll ein kurzweiliger Funfilm sein, ein Popkornfilm. Aber man versucht zu zeigen wie professionell die Diebe arbeiten. Und nun schleichen sich Ärgernisse von Seiten ein, die man aus anderen Filmen gewohnt ist und dort auch gütigst übersieht. Wenn unsere „The Italian Job“-Gauner aber nun ihren Coup bis ins kleinste Detail planen, dann ärgert es beispielsweise, wie unecht hier Auto gefahren wird. Mit jedem Sprung in die Luft müsste die Karre längst Schrott sein. Unfälle wären beim Fahrstil sehr wahrscheinlich gewesen. Man hätte liegen bleiben müssen usw. Klar machen diese gewohnten Elemente einen Film rasant, sie hinterlassen aber auch den Eindruck, dass der fertige Plan auf zu vielen Zufällen beruht.

Außerdem stößt es etwas sauer auf, dass man zu viele wichtige Aspekte der Planungsphase, ähnlich wie in der Ocean's-Reihe, bereits als fertige Tatsache vorgesetzt bekommt. Kontaktmänner sind bereits aufgetrieben, eine finale Rückversicherung dient als Überraschung. Ihre Entstehung wird aber nicht einmal über Rückblick erklärt obwohl da dringend Erklärungsbedarf bestand. Asse werden ohnehin häufig aus dem Ärmel gezogen, ohne zu erklären wie man nun dies wieder bewerkstelligt hat.

Was ebenfalls auf der Negativliste steht, ist das Verhalten der Jungs in dem Zeitraum, in dem die Rolle Nortons seine Kollegen noch für tot hält. Man plant vor Ort, spaziert durch die Gegend, und das wo der Haupttrumpf doch darin liegt für tot gehalten zu werden. Nicht einmal in einem Nebensatz wird erwähnt wie gefährlich das Treiben der Helden ist.

Zuletzt sollte man auf der Negativliste einmal darüber nachgrübeln wer nun das schlimmere Übel ist: die Rolle Nortons oder die Diebesbande? Die Rolle Nortons brachte seine Kollegen um (dachte dies zumindest), lebte danach in Reichtum und hat sicherlich noch eine handvoll weiterer Menschen auf dem Gewissen. Seine Taten geschehen im vollen Bewusstsein. Unsere Diebesbande hat auf Gaunerniveau gute Absichten und will bewusst auch niemanden unnötig verletzen. Doch dann sichtet man immer wieder flinke Autos mitten im Straßenverkehr, rasende Autos in der U-Bahn-Station u.ä. Die Autos brettern dort in Highspeed umher, wo jede Menge unschuldiger Menschen sind.

Im Prinzip hat man es lediglich dem gnädigen Drehbuchautor zu verdanken, dass dabei nicht mindestens so viele Menschen umkamen wie bei Nortons Killermomente. Aber das ist Hollywood in seinen Massenpublikums-Werken: Für den guten Zweck wird dieses Risiko in Kauf genommen. Ethisch unkorrekter und asozialer kann man wohl kaum handeln. Ähnliche Fehler sind übrigens auch in „Stirb langsam 4.0“ zu sichten.

Schaut man über diese ganzen Minuspunkte hinweg, was möglich ist in einem solch kleinen Popkornfilm, wird man zumindest recht nett unterhalten. Es wird nie langweilig, und die Boots- und Autofahrten sind sehr rasant umgesetzt. Ohnehin werden Autofreaks ähnliche Freude verspüren wie beim besseren „Nur noch 60 Sekunden“. Die gezeigten Tricks der Bande sind auch eine Freude für sich, und ohnehin macht es Spaß zu beobachten, wie die Gauner mit jedem Situationswechsel umdenken muss.

„The Italian Job“ ist flotte Unterhaltung, ist aber auch nur der kleine Film für zwischendurch. Er ist zu naiv erzählt und seine Action ist verglichen mit dem was man heutzutage von der Konkurrenz präsentiert bekommt auch arg zurückhaltend. Da man auch die Jugend ins Kino locken wollte, ist er eine Spur zu brav ausgefallen, und auf eine intelligente Geschichte wurde keine Rücksicht genommen. Die Story an sich ist gut, die Besetzung weiß bis auf Wahlberg auch zu überzeugen. Aber gerade der gute Cast und die finanziellen Möglichkeiten die gegeben waren, sind der Anlass zu grübeln, warum dann um Gottes Willen aus „The Italian Job“ nicht großes Kino gemacht wurde.  OFDb

16.09.2012

DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN (1978)

Ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes von San Francisco findet heraus, dass außerirdische Pflanzen emotionslose Doppelgänger von Menschen produzieren...

Der Klon-Effekt...
 
Kennt man das US-Kino der 70er Jahre in seinem stilvollen, tiefsinnigeren und ruhigem Stil, in welchem stets mehr auf Psychologie, Geschichte und Charaktere und weniger auf äußere Schaueffekte geachtet wurde, dann kann man von der zweiten Version des mit "Die Dämonischen" begonnenen Body Snatcher-Themas schon überrascht sein. Auf dem Weg in die Richtung der 80er Jahre, welche diese Pluspunkte nicht mehr besaß, schien sich das so wundervolle Rezept eines Unterhaltungsfilmes mit gehobenen Ansprüchen langsam aufzulösen. So wie ein Jahr später im stilprägenden "Alien", so tauchen auch bereits in Kaufmans Film Modernisierungen auf, die im Falle des hier besprochenen Filmes das Werk auf ein Niveau unter solch großer 70er Jahre Science Fiction-Filme wie "Westworld", "Rollerball", "Phase IV" und "Der Omega Mann" hievte.

Sie ging langsam vorbei, die Zeit in welcher der Spezialeffekt sich der Geschichte unterzuordnen hatte und Figuren individuell geprägt waren anstatt einem Klischee folgend. "Die Körperfresser kommen" erweist sich bei näherer Betrachtung als eine Art Bastard, 1978 lebend zwischen dem niveauvollerem Stil des 70er Jahre Kinos und dem simpleren Unterhaltungskino der 80er Jahre. Denn bis auf bessere Spezialeffekte und einer Versimpelung der eigentlichen Grundidee von "Die Dämonischen" hat Kaufman der ersten Verfilmung nichts hinzuzufügen.

Ich möchte über die Spezialeffekte gar nicht meckern, das sind wundervolle handgemachte Momente ihres Genres. Aber wenn man sie inmitten eines sich immer nur wiederholenden Szenarios zu sichten bekommt in einer Geschichte in welchem einem die Figuren halbwegs egal sind, dann bleibt bis auf das Staunen nicht mehr viel übrig. Dann wird auch der letzte übrig gebliebene Pluspunkt des 70er Jahre-Kinos, die ruhige Erzählweise, zu einem eher ungeliebten Begleiter der Geschichte, so dass man verstehen kann, dass in den 80er Jahren für die neuen Schwerpunkte ein flotterer Stil zum Standard werden musste.

Toll und gleichzeitig schade ist die Veränderung in der Verhaltensweise der Klone. Die Doppelgänger in Don Siegels Original, welches auf einer Romanreihe einer Zeitschrift basierte, tarnten sich innerhalb der menschlichen Gesellschaft perfekt. Außenstehende konnten selbst in Gesprächen mit ihnen keinen Unterschied ausmachen. Erst die nahestehenden Personen, welche ihr Gegenüber in- und auswendig kannten, konnten Aufgrund von Eigenarten und Ritualen eine Emotionslosigkeit feststellen um zu dem Schluss zu kommen, dass ihr Gegenüber ein Fremder anstatt der geliebte Mensch war.

Dies schaut sich besonders unheimlich und wäre verglichen mit dem eher schlichten Kino der 50er Jahre genau der Anreiz gewesen wo das tiefer greifende 70er Jahre-Kino hätte ansetzen müssen, um näher am Gefühl des Zuschauers zu arbeiten, als es das Original fest sitzend in seiner Zeit überhaupt konnte. Stattdessen wird nun eine ähnlich unheimliche, aber auch simplere Idee aufgegriffen, in welcher die Doppelgänger noch emotionsloser sind, so sehr, dass selbst ein Außenstehender die Fremdartigkeit der Wesen bemerken kann. Das ist sicherlich nicht ohne Reiz, verstärkt es doch die Paranoia der Protagonisten und führt zu dem wundervollen Erzählkniff sich schauspielerisch unter den Invasoren tarnen zu müssen.

Damit entsteht zudem ein Spannungspotential, welches seine Stärken auch im viel späteren "Equilibrium" fand, nämlich die Idee, dass man aufgrund unmenschlicher Beobachtungen die emotionslose Fassade nicht mehr aufrecht erhalten kann und sich somit selbst verrät. Eine vollwertige Beachtung bekommt diese Idee innerhalb des Body Snatchers-Universum erst in der 00er Jahre-Version "Invasion" beschert, eine Verfilmung die wesentlich besser ausgefallen ist als ihr Ruf. Solche Ideen bleiben in "Die Körperfresser kommen" aufgrund ihrer Neuartigkeit noch im Ansatz stecken.

Darf man bemerken wie sehr sich gerade in der zweiten Hälfte des Streifens die Geschichte im Erzählen der Flucht und des entdeckt werden sich zu sehr in einer Wiederholungsschleife befindet, kann man es schon als schade empfinden, dass man manch gute im Ansatz steckende Idee nicht schon seinerzeit als etwas erkannt hat, was man tiefer hätte thematisieren können. Aber ein Film ist nun einmal immer nur ein Kind seiner Zeit, und allein schon das Bereichern solcher Zusatzideen im Vergleich zu einem Original sind freilich bereits als Pluspunkt zu bewerten.

Als Kind seiner Zeit hat "Die Körperfresser kommen" auch andere Beweggründe eine solche Geschichte zu erzählen, als es der 50er Jahre-Film "Die Dämonischen" hatte. Spielte dieser noch mit der politischen Kommunisten-Paranoia geht es in den 70er Jahren viel mehr um die persönliche Entfremdung. Die Anonymität der in immer größeren Städten lebenden Menschen schien dem damaligen Publikum genügend Angst zu bescheren, sich für eine solche Thematik zu interessieren. Gerade das Science Fiction-Genre seiner Zeit spielte sehr häufig mit der Idee ausgetauschter Menschen ("Futureworld", "Die Frauen von Stepford", ...). Während die 90er Jahre-Verfilmung "Body Snatchers" in einer Zeit entstand, in welcher eine neue, kühlere Moral in der Gesellschaft aufkam, scheinen die Beweggründe der 70er Jahre mit Blick von heute schlichter, um mit einer derartigen Thematik aktuelle Ängste zu verarbeiten. Andererseits sind wir es heute gewohnt isolierter miteinander zu leben, gerade in Zeiten des Internets. In wie weit wir uns da überhaupt noch in die Ängste der damaligen Bevölkerung hineinversetzen können, sei einmal dahin gestellt.

"Die Körperfresser kommen" ist kein schlechter Film. Er besitzt eine wundervolle Pointe, ist stellenweise spannend erzählt, er besitzt tolle Spezialeffekte und verbeugt sich würdevoll vor seinem Vorgänger, was am deutlichsten in der Anfangssequenz zu sehen ist, welche mit dem Schluss des Originals spielt (gibt es einen tolleren Cameo-Auftritt von Stars der Originale im Remake?). Verglichen mit der bereits so geglückten ersten Verfilmung und mit Blick der sich zu sehr wiederholenden zweiten Hälfte und solch mittelmäßigen bis nervigen Nebenfiguren wie jene gespielt von Leonard Nimoy und Jeff Goldblum darf man trotzdem etwas enttäuscht vom Ergebnis sein. "Invasion Of The Body Snatchers" (Originaltitel) ist sympathisches Unterhaltungskino, aber eines mit Schwächen, welche die großen, vorangegangenen Genrebeiträge dieses Jahrzehnts nicht besaßen.  OFDb