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30.05.2022

GEFANGEN IM NETZ (2020)

"Gefangen im Netz" ist eine hoch interessante und gleichzeitig schockierende und verstörende Dokumentation über Kindesmissbrauch im Internet, selbst dann wenn man bereits ahnt wie düster es diesbezüglich im Internet aussieht. Für ein Experiment wurden jung aussehende Schauspielerinnen auf 12 Jahre getrimmt, mit Fake-Profilen ins Netz gestellt, um von nun an drauf zu warten was sich tut. Es erstaunt wie schnell sich hunderte von Interessierten jeglichen Alters über 18 melden, und es schockiert wie sehr sie doch alle nur masturbierend das selbe wollen und wie ungeniert sie sich (versuchen zu) holen, was sie nicht dürfen, ohne dabei auf das Wohlbefinden der sich ganz klar als 12jährige ausgegebenen Mädchen Rücksicht zu nehmen. Begleitet von Psychologen und anderweitigen Beratern im Hintergrund erleben die Mädels auf klassischen Plattformen der sozialen Netzwerke nicht nur sexuelle Übergriffe, sondern auch Erpressung und Einschüchterung. Die Täter werden stets optisch entfremdet, ihre sexuellen Taten verpixelt, aber man verspürt eine gewisse Genugtuung darüber, dass ihr Wohnumfeld nicht entfremdet wurde, so dass Bekannte Wohnungen wiedererkennen könnten. Ebenso tut es gut zu erfahren, dass die tschechische Polizei Strafanzeige gegen die Täter in der Doku erstattet hat. 

Wahrlich schockierend ist hingegen die Tatsache, wie alltäglich es ist, was dieser Dokumentarfilm aufdeckt. Bereits im Vorfeld erfährt man während des Castings, dass etwa 2/3 der Bewerberinnen persönliche Erfahrung mit Belästigungen im Netz mit an Bord brachten. Für interessante Rahmeninformationen sorgen besagte Berater, die selbst jedoch ebenfalls eine Frage nicht eindeutig beantworten können: was sind das für Menschen, die derartiges im Netz ausleben? Denn eines ist klar, und das wird einen Großteil der Zuschauer überraschen: Pädophile sind es nur zu einem geringen Prozentanteil, wie die Psychologin im ersten Drittel zu berichten weiß. Was uns in "Gefangen im Netz" begegnet sind jedoch ansonsten nicht nur Notgeile, die dem Reiz des Verbotenen erliegen, teilweise sind es Männer, die gerne Druck ausüben und sich an der Angst der Mädchen laben, gelegentlich sind es soziale Versager, die sich eine Nische suchen, in der sie sich trauen, was sie sich unter Erwachsenen nicht trauen, doch egal wer es letztendlich ist, er ekelt an, er macht traurig, er macht wütend, er zeigt ein besorgniserregendes Bild. 

Der engagierte Film macht am Ende deutlich, dass das Gezeigte nun keinesfalls dafür sorgen soll, dass man die Kinder vom Netz fern halten soll. Er spricht stattdessen grob an, was von Eltern stattdessen erwartet wird. Man kann nur hoffen, dass viele Erziehungsberechtigte bis zum Schluss durchhalten, um den Ratschlägen der Verantwortlichen dieser Dokumentation auch nachzukommen. Man kann jedoch verstehen, dass manch einer dies nicht schafft. Es ist schließlich bitter mit anzusehen, was das Experiment hervor bringt. Erfreulicher Weise gibt es von "V siti" (Originaltitel) zwei Versionen, die beide in der zu erstehenden DVD-Veröffentlichung verteilt auf zwei Discs enthalten sind. Neben der Langfassung für Erwachsene gibt es eine (auch für den Schulunterricht geeignete) Kurzfassung für Kinder und Jugendliche, die ihnen helfen soll Gefahren im Internet zu erkennen, sich im Netz richtig zu verhalten und einiges mehr. Freilich verzichtet diese Version auf die sexuellen Bilder der Langfassung. Eine Schrifteinblendung zum Schluss der regulären Fassung stellt uns neben der uns bereits bekannten tschechischen Daten noch einige deutsche Zahlen bereit, um zu verdeutlichen, dass das was den Mädels in "Caught in the Net" (Alternativtitel) passiert keinesfalls ein tschechisches Problem ist. 

Das schwierig zu greifende Thema wird manipulationsfrei, orientiert an ganz klaren Verhaltensregeln der Mädels, angegangen. Sexuelle Taten dürfen von den Schauspielerinnen nicht provoziert werden, müssen stets mehrfach abgeblockt werden bevor sie nachgeben, und es muss ganz deutlich zu Beginn der Gespräche auf das Alter verwiesen werden (was die meisten der Darstellerinnen sogar wiederholt im selben Kontakt erwähnen). Der Film lässt es bis zu erpresserischen Nacktfotos kommen, ja sogar bis zu (von verstecktem Sicherheitspersonal begleiteten) Livetreffen mit den Tätern. Er scheut sich keiner Thematik, keiner Extreme, verheimlicht aber auch nicht den einzigen Lichtblick inmitten dieses Sumpfes aus Perversion und Kindesmissbrauch. So oder so ist er ein Lehrstück zu einem unangenehmen Thema, ein Wachrüttler, aber er ist ein unaufgeregt angegangenes Stück Dokumentarfilm. Er gibt sich nie dem reißerischen Szenario oder einer Hysterie hin. Das hat er bei derart schockierender Entwicklung des Experiments auch nicht nötig. 

Die einzigen Kritikpunkte meinerseits sind zum einen die schockierenden Worte darüber, wie unkontrolliert das Internet noch immer ist (ist es doch gerade der Vorteil des Internets nicht komplett von sich zu sehr einmischenden Staaten überwacht zu sein) und zum anderen eine Aktion gegen Ende des Films, wenn die Filmcrew einen der Täter mit der Wahrheit des Filmprojektes konfrontiert, um ihn Stellung beziehen zu lassen. Letztgenannte von mir kritisierte Aktion ist sicherlich nicht ohne Reiz und ebenfalls hoch interessant anzuschauen. Es ist aber auch der einzige Moment im Film, der selbstgerecht und empört daher kommt, anstatt das was anzuprangern ist ganz unbeeinflusst von den Verantwortlichen des Projekts entstehen zu lassen, auf ganz (un)natürliche Art, so wie es der Rest von "Gefangen im Netz" tut. Mit beiden Momenten kann ich in diesem ansonsten hervorragend umgesetzten Stück Dokumentarfilm aber bestens leben.  OFDb

24.04.2021

JOJO RABBIT (2019)

Ich verstehe zwar nicht warum andere Länder sich stets mit der Vergangenheit Deutschlands auseinander setzen, anstatt ihre eigenen Verbrechen von einst zu thematisieren, einen Beitrag wie "Jojo Rabbit" hätte ich mir persönlich also lieber aus deutschen Landen gewünscht, aber zumindest ist der abgelieferte Beitrag keiner dieser unreflektierten, dämonisierenden Propaganda-Filme geworden, wie sie beispielsweise gerne von den Engländern abgeliefert werden. Welches von den vielen hier verwendeten Klischees der Übertreibung dient, oder von den Verantwortlichen des Films eventuell doch für voll genommen wird, wird von Zuschauer zu Zuschauer sicher unterschiedlich empfunden, denn die in ihrer Tonart recht schräg ausgefallene Satire ist aus solch einer bizarren und übertriebenen Sicht erzählt, dass sich derartiges nicht klar erkennen lässt und der eigene Wertekompass des Konsumenten diesbezüglich, ob bewusst oder unbewusst, im Hinterkopf mitspielt. Wer jedoch die unschuldig alberne Art von Regisseur und Mit-Autor Taika Waititi aus "5 Zimmer, Küche, Sarg" kennt, der weiß dass die teilweise gar klamaukige, manchmal absichtlich infantile, Komik nicht der verkrampften Tarnung für moralische Zwecke dient, sondern auf entspannte Art von Herzen kommt. Und diese kooperiert im hier besprochenen Werk erstaunlich gut mit den ernsten Anliegen des Drehbuchs und mit den immer stärker in den Vordergrund rückenden dramatischen Momenten des Streifens. 

Dieser Mix fordert heraus, erweist sich aber als treffsichere Satire, anstatt als respektloses Herumgealber, auch wenn Waititis höchst persönlich dargebotener Adolf Hitler auch aus der absichtlich überzogenen Kindersicht manchmal etwas zu grenzwertig albern anmutet. Zumindest wirken manche seiner Auftritte zu gewollt, wohingegen jeglicher andere Aspekt des Films in der richtigen Dosierung so zu greifen weiß, wie scheinbar beabsichtigt. Manches Mal wankt kurzfristig selbst in der hier angewendeten, absichtlich überdrehten Sichtweise die Glaubwürdigkeit, wenn manche Wahrnehmung und Äußerung des Jungen eher der Moderne, anstatt der damaligen Zeit entsprungen sein mag. Das kompensiert der schräge Comic-Ton jedoch recht ordentlich und macht es an anderer Stelle wieder gut, wenn er auf Comic-Art die Wahrnehmung eines gehirngewaschenen Jungen aufzeigt und damit thematisiert, dass man seinerzeit nicht zwingend die Chance hatte sich alternative Meinungen zu bilden, wenn man in Hitler-Deutschland hinein geboren wurde. An anderer Stelle überrascht das Drehbuch mit zwischenmenschlichen Problembewältigungen, die heutzutage auf diese Weise gesellschaftlich gar nicht mehr denkbar wären und tatsächlich eher in vergangenen Mentalitäten, wie jener der Streit-Kultur, beheimatet sind. Das lässt "Jojo Rabbit" wiederum erstaunlich reif wirken, was er bei näherem Blick als Gesamtwerk ohnehin ist. Eine hervorragend agierende Besetzung, gerade auch in den jüngeren Rollen, und eine wie immer professionell agierende Scarlett Johansson bereichern den ungewöhnlichen, nie moralinsauer anmutenden, Ausnahmefilm zusätzlich und sorgen gemeinsam mit Waititis schrägem Blickwinkel und seiner dazu passenden Inszenierung dafür, dass das gewagte Rezept nicht nur auf dem Papier zu greifen weiß. Eine aufgeschlossene Grundhaltung wird vom Publikum jedoch vorausgesetzt. Mit Scheuklappen lässt sich das intelligente, entspannt erzählte Konstrukt, welches sich hinter einer scheinbaren Respektlosigkeit verbirgt, nicht erkennen.  OFDb

17.06.2016

SAUNA - WASH YOUR SINS (2008)

„Sauna“ ist in stilistisch hochwertigen Bildern abgefilmt, glänzt mit inszenatorischer Zurückhaltung und damit dass sich der Zuschauer selbst in den gezeigten Geschehnisse zurecht finden muss. Es dauert ein wenig bis man versteht worum es geht. Das Publikum soll das Treiben auf dem Bildschirm aufmerksam verfolgen und mitdenken. Und dementsprechend erwachsen schaut sich ein Film zu einem Thema, welches auch einen erwachsenen Stil verdient.

Der übernatürliche Aspekt der Geschichte bleibt rätselhaft, er wird nicht bis zur vollkommenen Zufriedenheit des Zuschauers erklärt. Wirklich schlimm ist dies jedoch nicht und von Regisseur Annila ohnehin gewollt, denn der Film interessiert sich eigentlich nur zweitrangig für seinen Horrorpart. Das Drama steht viel mehr im Zentrum, und wie es sich für ein gutes Drama gehört somit auch die Figuren, die das Drehbuch gekonnt charakterisiert, so dass es für die Schauspieler sicher ein Freudenfest war sie zu verkörpern, so selten wie man in diesem Beruf, zumindest im Filmbereich, die Chance bekommt solch interessanten Figuren Leben einzuhauchen.

Jeder Charakter hat Ecken und Kanten. Helden gibt es nicht. Subjektive Ausreden ersetzen objektive Begründungen. Diverse Blickwinkel setzen unterschiedliche Wahrheiten. So ist der Krieg. Die Geschichte um den Trupp Grenzsetzer beider Parteien besitzt mit besagten Figuren derart viel Potential, dass eine Horrorgeschichte eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre um die Geschichte interessant zu erzählen. Das müsste zwar nicht zwingend bedeuten, dass der Horrorpart einem solchen Projekt schadet, in diesem speziellen Fall tut sie es meiner Meinung nach jedoch.

Je mehr sich „Evil Rising“ (Alternativtitel) dem Horror zuwendet, desto schwächer wird er. Da kann man von Glück reden, dass der übernatürliche Teil der Geschichte erst kurz vor Schluss dominiert. Nachdem er einige Zeit erst gar nicht zum Einsatz kommt, wird er zunächst lediglich zu einer Randerscheinung. Mit dem Mysterium rund um das Dorf wird er zu einer rätselhaften Grundlage, auf welcher sich die Charaktere sehr förderlich weiter entwickeln dürfen, und erst etwa 15 Minuten vor Schluss, dominiert der Horror, und der zuvor so ungewöhnlich erzählte Film wird auf Genreebene austauschbar.

Am Schluss angekommen gibt es die typische Moral zu sichten, das Mysterium bleibt fast komplett ungelüftet, und es gab viel Rauch um Nichts. Nicht dass selbst diese maue Phase des Streifens nicht optisch toll eingefangen und hervorragend geschauspielert wäre, aber „Sauna“ holt schließlich nichts aus seinem vorhandenen Potential heraus. Menschliche Verzwickungen, Misstrauen, Ehre und Lügen hätten die Geschichte interessanter fortgeführt und beendet als der gewählte Horrorpart. Und das ist sehr schade. „Filth“ (Alternativtitel) ist ein interessanter Film, keine Frage, und alles andere als ein identitätsloses Produkt aus der Masse. Doch trotz aller Raffinesse und den durchdachten Zwischentönen, auch im Horrorbereich, wirkt der übernatürliche Part unnütz, da der Film um seine Aussagen zu treffen auch einen irdischen Weg hätte wählen können. Trotz allen Klagens ist aber allein die Darstellung der beiden Hauptrollen, von denen eine etwas an Walter White aus „Breaking Bad“ erinnert, das Einschalten bereits wert.  OFDb

20.12.2014

A SOUND OF THUNDER (2005)

Es gibt Filme bei denen man über Unlogiken, gerne auch mal über echte Blödheit, hinwegsehen kann. Wenn diese Eigenschaften jedoch dominant auf den Zuschauer hinabregnen, dann kann man Augen und Ohren noch so schließen, das Werk bleibt dumm, dies auf so penetrante Weise, dass es geradezu unverschämt ist vom Zuschauer überhaupt erst zu erwarten all das zu akzeptieren, was einem da erzählt wird - fiktiver Film hin oder her.

Die Grundidee von „A Sound of Thunder“ ist eigentlich gar nicht mal so übel. Und ähnlich wie bei der Science Fiction-Serie "Lexx" könnte man sicher auch über die mauen Computeranimationen hinwegsehen. Peter Hyams Werk krankt jedoch an allem. Die (noch eher harmlosen) Schwächen beginnen damit, dass uns eine völlig kritiklose Zukunft gezeigt wird. Der Film spielt etwa 50 Jahre nach seinem Entstehen. Eine Reise in die Vergangenheit wird für ganz Reiche angeboten, jene die es sich als einzige leisten können. Da hätte man, und wäre es nur in einer kurzen Erwähnung nebenbei gewesen, kritisch auf eine Zweiklassengesellschaft Amerikas hinweisen können, die schließlich jetzt schon vorhanden ist, in 50 Jahren aber sicher noch extremere Formen annehmen wird. Aber nein, das wird nicht getan.

Auch weitere Beispiele einer kritischen Betrachtung der Gesellschaft der Zukunft, in Hinblick auf das Treiben der Gesellschaft von heute finden nicht statt. Dass dies aufgrund der Thematik eigentlich förderlich für die Geschichte gewesen wäre, ist nicht von der Hand zu weisen. Ein solches Vorgehen wäre klug gewesen, um damit auf die Frage aufzubauen: Lohnt es sich überhaupt diese Art Gesellschaft zu retten? Ist es gut was der Mensch erreicht hat, oder wäre es gar besser, wenn man einfach die neue Evolution akzeptiert, die immerhin keine Umweltzerstörung beinhaltet und den Mensch, wenn auch genetisch stark verändert, sogar noch mit im neuen Konzept enthalten hat.

Trotz des Fehlens dieser kritischen Beäugung könnte die Logik des Streifens zumindest noch auf etwas naive, blauäugige Art funktionieren. Könnte, tut sie jedoch nicht, da das was die Verantwortlichen für das Drehbuch niedergeschrieben haben hinten und vorne nicht zusammen passen will. Widersprüche, Unlogiken und oftmals auch Szenen in denen es sich die Erzähler der Geschichte zu einfach machten, bis hin zu lächerlichsten Ideen was aus den Menschen in der letzten Evolutionsstufe des Zeitirrtums geworden wäre, lassen den an sich doch recht flott erzählten und manchmal gar spannenden Film einfach nicht gut werden.

Das erwähnte Beispiel mit der veränderten Menschenevolution ist auch eines der besten Beispiele für die extreme Naivitäten der Erzählung. Ginge man davon aus dass der Schmetterling alles zukünftige verändern würde, so müsste man doch ernsthaft bezweifeln, dass selbst wenn es den Menschen in irgend einer Art und Weise noch geben würde, ausgerechnet dieser eine uns hier präsentierte Mensch noch existiert. Und selbst wenn man diesen vollkommenen Blödsinn noch akzeptieren würde, so ist es doch sehr fraglich, dass dieser eine Mensch sich noch genau am selben Ort befindet, wie sein Parallelkörper der zuvor existierenden Evolutionsgeschichte. Das ist schon völlig unmöglich, wenn das Leben ganz andere Wege geht, könnte mit viel Augenzudrücken aber noch akzeptiert werden, wenn diese Denkweise nur in der Ausnahme vorkäme. Leider ist dies nur eins von unglaublich vielen Beispielen.

Die Darsteller sind okay zu nennen, auch wenn wahre Größen nicht auffallen. Heike Makatsch hat eine zu kleine Rolle ergattert, was ihrer Kariere aber zumindest somit nicht schaden konnte. Die Computeranimation, in manchen Werken der Ersatz für mangelnde Schauspielgrößen, ist hier meist schlecht ausgefallen, hat hin und wieder aber auch ansprechende Kreaturen zu bieten. Leider werden in dieser ohnehin schon wackeligen Geschichte viele Ideen nicht konsequent genug umgesetzt, so z.B. die Attacke größerer Ameisen, die nur in einer einzigen Wohnung stattfindet. Der Rest der Welt weiß nichts von ihrer Existenz.

Wäre „A Sound of Thunder“ nicht so flott und auf wunderliche Weise nicht doch noch halbwegs nett erzählt, er hätte nie die Chance gehabt einen Rest Wohlwollen auf ihn fallen zu lassen. Aber ich mag allein schon die Grundidee, auch wenn ich sie mir einfallsreicher vorstellen könnte. Allein das Fehlen der nach und nach einsetzenden Zeitphasen hätte das Niveau der Geschichte schon ordentlich heben können. Die Erzählweise der selben Idee in einer der „Simpsons"-Halloween-Folgen fand ich wesentlich besser. Dort wurde der Rückkehrer direkt mit fertigen Konsequenzen einer veränderten Zukunft konfrontriert.

Zumindest ist "A Sound of Thunder" aber allein schon dadurch halbwegs spannend erzählt, dass man nie weiß was als nächstes passieren wird. Dies verdankt er ironischer Weise mitunter seiner Fehler. Wenn selten etwas zu Ende gedacht wird, wenn Unlogiken und Widersprüche zum Alltag werden, dann weiß auch der letzte Zuschauer nicht was ihn als nächstes erwarten wird. Zu dumm nur dass dies nur auf Zuschauer zutrifft, die sich trotz der Mängel naiv auf die Geschichte einlassen können.  OFDb

10.11.2013

DOOM - DER FILM (2005)

Wer bereits "Pitch Black" zu prollig fand sollte gewarnt sein: was man mit „Doom - Der Film“ erlebt ist Proletentum hoch zehn. Hier ist wirklich jede Person ein Proll, selbst die strenge Wissenschaftlerin, ein Figurentyp der üblicherweise sonst nicht in dieses Muster fällt. Es gibt auch eigentlich keine wirkliche Auseinandersetzung mit den Begriffen gut und böse, sondern eigentlich nur gut oder böse aus Prollsicht, denn in dieser Welt voller perfekt aussehender Menschen ist eigentlich jeder böse der nicht dazu gehört. Faschismus hängt in der Luft, wie so oft in Produktionen mit ähnlichem Figurentyp. Wurde er bei "Starship Troopers" clever genutzt um zu kritisieren, wird er in "Doom" einfach akzeptiert. Hier ballern die Übermenschen, hier zerfetzen die Gehirne, was selbstverständlich doppeldeutig gemeint ist.

Doch kaum zu glauben, hin und wieder macht dieses Hirnlos-Produkt sogar Spaß. Doch leider hat dieser Popkornfilm seine Längen, weil er einfach nichts erzählt, womit er sich ständig selbst ausbremst. Trotzdem, kurzfristig wird „Doom“ dann aber immer wieder unterhaltsam. Natürlich bleibt einem nie das Hand vor die Stirn schlagen erspart, man muss sich auch 1000 Mal den Ausruf "Oh Shit" anhören, aber es wird geballert bis der Arzt kommt, was nur in wenigen Filmen zum Pluspunkt wird.

Die Kreaturen sieht man nicht so oft, aber wenn sie dann mal auftauchen wissen sie zu wirken. Ohnehin sind die Effekte okay zu nennen, was wohl der wichtigste Aspekt für das Zielpublikum ist, welches immerhin eher bei den Computerspielern zu finden ist als bei den Cineasten. Kurz vor dem Finale gibt es in Anlehnung an das gleichnamige Spiel eine längere Kameraeinstellung mit der Perspektive aus den Spielen. Dies kann man ruhigen Gewissens als die gelungenste Szene des Streifens bezeichnen, auch wenn das viele anders sehen werden, wurde doch laut diversen Artikeln manch einem im Kino gar übel bei dieser Ego Shooter-Szene aufgrund der ungewohnten Optik.

Dennoch, es ist alles was wenig was „Doom - Der Film" zu bieten hat, selbst wenn man mit niedrigen Erwartungen heran geht, man wird noch immer enttäuscht. Ich hatte von diesem Werk einen kurzweiligen Nonsens wie die beiden  "Tomb Raider"-Filme erwartet, freilich nicht den Inhalt oder das Genre betreffend, sondern in seiner Art: kein Inhalt, hohle Charaktere, aber jede Menge Fun. Das ist kein schwer zu erreichendes Ziel, und „Doom“ ist nur knapp dran vorbei geschwappt, aber knapp daneben ist auch vorbei, wie man so schön sagt.

Was bleibt ist also mittelmäßige Unterhaltung, versehen mit einer fragwürdigen Ideologie und Schauspielern, die sich in Sachen Proletentum stets gegenseitig überbieten. Da kann man schon Kopfschmerzen kriegen.  OFDb

01.11.2012

ALIEN VS. PREDATOR (2004)

Tief im Inneren einer Pyramide stoßen Menschen auf Alieneier. Ehe man sich versieht sind herangewachsene Aliens unterwegs. Nun stoßen die jagdgeilen Predatoren dazu, welche die Aliens überhaupt erst auf unseren Planeten gebracht haben. Die Jagd beginnt...

Krieg der Welten...
 
Aliens auf der Erde, ein Fehler, den die Originalreihe um die von Giger kreierten Außerirdischen nie gemacht hat. Die Spezies ist derart gefährlich, dass die Menschheit keine Chance zu überleben hätte. „Alien vs. Predator“ ist jedoch ohnehin ein Comicfilm, auch wenn er keine spezielle Comicvorlage umsetzt. Zumindest wurde der Kampf der beiden Kreaturen schon des öfteren zu Papier gebracht und nach einer langen Wartezeit für Fans war auch endlich eine filmische Umsetzung erarbeitet. Dass die Aliens auf der Erde wüten, kann man im Hinblick auf diesen Hintergrund sicherlich ruhig verzeihen. Zudem findet die Schlacht in einer Pyramide statt, sprich auf engem Raum, wie bisher noch jede Geschichte um die tödlichen Ausgeburten des Weltalls. Neben dem Kampf ums Überleben geht es also darum dafür zu sorgen, dass die Viecher es nicht aus der Pyramide herausschaffen. Gut so! Leider ist die filmische Umsetzung, selbst wenn man mit wenig Erwartungen herangeht, sehr gewöhnlich umgesetzt. Es macht halbwegs Spaß dem Treiben der beiden Aliengattungen zu folgen, es gibt aber keine Innovationen. Die Geschichte folgt bekannten Strickmustern, ist nicht sonderlich spannend umgesetzt, aber gut genug, um über die Laufzeit passabel zu unterhalten. Das war’s dann aber auch schon. „Alien vs. Predator“ ist schneller vergessen als geguckt und wäre ohne die beiden berühmten Zugpferde in Deutschland wohl kaum über eine Videopremiere hinausgekommen. Der Kampf gegen böse Aliens ist ein Dauerzustand im Videoregal mit immer neu dazu stoßenden Billigproduktionen. Die Tricks mögen ja gut sein, aber im Endeffekt ist dieses Werk nur ein überteurer B-Film. Dass die ein oder andere Regel aus den Originalfilmen gebrochen wird, dürfte nur die Fanatiker stören.  OFDb

18.10.2012

EURO TRIP (2004)

Betrunken vergeigt es Scott mit seiner attraktiven E-Mail-Bekanntschaft aus Deutschland. Wieder nüchtern möchte er es wieder gut machen. Also reist er zusammen mit seinen Freunden nach Europa. Doch ihr turbulenter Weg durch die Großstädte Europas führt sie erst über chaotische Umwege zum erhofften Ziel...

German Road...
 
Eigentlich gibt es nichts nennenswertes, das "Eurotrip" von anderen Teenie-Komödien dieses Stils unterscheidet. Die Charaktere sind weder uninteressant noch in irgend einer Art innovativ oder sympathisch. Die Geschichte orientiert sich dicht an "Road Trip" und dessen Ideengeber „Liebe per Express“ mit Reese Witherspoon und ist eigentlich keine Geschichte, sondern mehr eine Wanderung durch verschiedene schräge Situationen.

Obwohl auch diese eigentlich selten überraschen, legt der Film selbst ein nettes Tempo hin. Langweilig wird es nie. Trotz der sexuellen Themen wird es auch nie zu plump. Die einzig wirklich negative Szene ist die Schluss-Szene selbst. So comichaft der ganze Film auch ist, seine Lovestory ist es auch, und da wirkt die Schluss-Szene, die sich mit dieser befasst, einfach zu konstruiert. Gerade der romantische Part einer Teenie-Komödie sollte eine Spur mehr ins richtige Leben rücken um zu wirken als der Rest.

Interessanter Weise ist die Love Story in „Euro Trip“ jedoch nicht einen Deu Hauptgeschichte, das macht die eben angeschnittene Kritik nicht so gravierend. Allerdings bleibt dem Film nun nur noch der Partyfaktor, und der hat es dafür auch in sich. Hier wird derart übertrieben, dass es seinen grotesken Höhepunkt darin erreicht, dass Rom glaubt einer der Teens wäre der neue Papst. Abgehobene Ideen dieser Art sind sehr witzig umgesetzt, insbesondere jene Szene, in welcher sich einer der Helden im Robo-Stil mit einem Straßen-Roboterimitator zofft.

An Absurditäten mangelt es nicht, Fäkalhumor wurde zum Glück komplett aus dem Drehbuch ausgeschlossen und so bleibt im Endeffekt ein fröhlicher Partyfilm, austauschbar aber guckbar und lachfördernd, mit dem sehr großen Manko keine Seele zu haben. Dafür bleiben die Figuren zu eindimensional, und dafür fehlt einfach die Romanze mit Herz, die sonst in der Regel in solchen Werken vorhanden ist. Das bedeutet aber auf der anderen Seite, dass Menschen die diese sonst als störend empfinden mit "Eurotrip" ihren Gott des Teenie-Films gefunden haben müssten.  OFDb

21.09.2012

CHOKING HAZARD (2004)

Eine Selbsterfahrungsgruppe bekommt es mit wiederauferstandenen toten Förstern zu tun, die ihnen nach dem Leben trachten...

Hilfe, die Förster kommen...
 
Die Tschechische Republik wollte auch einmal im Zombiegenre mitmischen und serviert uns mit „Choking Hazard“ eine humorvolle Variante des Untoten-Themas. Dabei geht man auch erfreulich eigenständig vor und überrascht immer wieder mit einem ungewöhnlichen Erzählstil. Dieser verwirrt manchmal optisch, manchmal aber auch inhaltlich. Die Figuren werden uns nach einer Eingangsszene anhand kommender Auftritte mit Rollennamen präsentiert. Die Gefahr dass hierdurch zu früh zu viel verraten wird ist kaum gegeben, so schräg und inhaltsreich wie diese Horrorkomödie ist.

Nach diesem Satz muss ich allerdings sofort die Erwartungshaltung bremsen. Was wie ein kurzweiliges B-Film-Happening klingt, ist leider nur mittelmäßig zu schauen. Eins kann ich dem Film nicht abstreiten: dass er eine schräge und einfallsreiche Komik beinhaltet. Die Figuren sind auf wunderbare Art bekloppt, und Ideen wie der Pornostar, der sich als Zeuge Jehova entpuppt, die einzelnen
Philosophie verarschenden Gespräche, zwangstanzende Zombies unter dem Einfluss von Elektrizität, begleitet von einer partysüchtigen Dame, Ökos die sich unter der Ausrede der Forschung als Gewaltwiederholungstäter entpuppen, all diesen schrägen Ideen kann man ihr Humorpotential einfach nicht absprechen. Und als Zombies eine Gruppe Förster auferstehen zu lassen, gehört sicherlich auch zu den besonders individuellen Ideen.

Aber was „Choking Hazard“ auf der humorvollen Seite richtig macht, macht er leider auf der Horrorseite falsch. Die Förster-Zombies haben keine Wirkung, weder im unheimlichen Sinne, noch im Sinne etwas Unheimliches parodieren zu wollen. Und auch die Komplettatmosphäre des Streifens erreicht nie selbiges, auch wiederum weder im Ernsten, noch in der Parodie. Das liegt daran, dass man eigentlich wenig mit typischen Elementen aus Horror- und Gruselstreifen arbeitet. Klar, da sind die Zombies, und klar, da fließt das Blut, aber sonst gibt es eigentlich nichts passendes zu sichten. Es wird so gut wie gar nicht mit der Gefahr in der Dunkelheit gespielt, der Wald mit seiner unheimlichen Wirkung wird nicht herausgearbeitet, das Gebäude orientiert sich nicht an typisch unheimliche Gebäude aus dem Horrorbereich, usw.

Und da liegt der Hund begraben. Die Parodie auf eines der härtesten Subgenres des Horrorfilms, kann einfach nicht funktionieren, wenn man den Stil dieser Werke komplett ignoriert. Das mussten schon die Macher von „Beverly Hills Body Snatchers“ lernen, und Werke wie „Shaun Of The Dead“ oder „Night Life“, ja selbst der klamaukige „Return Of The Living Dead 2“, sie alle haben dies begriffen, „Choking Hazard“ leider nicht.

Dank seiner besonderen Form des Klamauks wirkt er kreativer als der eben erwähnte „Beverly Hills Body Snatchers“, aber die gute Komik hat keine Basis, auf der sie sich auf erfreuliche Art entfalten kann. Man lacht oder schmunzelt über die Gags, nimmt dabei jedoch nur jeden für sich an und wartet wieder auf den nächsten, während das Drumherum einfach nicht wirkt und auf die Gesamtlaufzeit auch leider langweilt. Die bemühten B-Darsteller, die für einen solch bekloppten Film überraschend positiv agieren, können daran leider auch nichts ändern.  OFDb