"Der letzte Fußgänger" ist nicht frei von Sympathie, bitte nicht falsch verstehen. Allein schon Heinz Erhardt als Hauptdarsteller garantiert dafür, und sein weiblicher Anhang, verkörpert durch Christiane Kaufmann, weiß in der süß-dreisten Art ebenso Charme zu versprühen, ein wichtiger Aspekt, weiß die Chemie zwischen beiden doch zu stimmen. Doch so wirklich ausgereift ist der Charkter Gottliebs nicht ausgearbeitet, als dass sein Handeln nachvollziehbar wäre. Zwischen Groll und Gutmütigkeit pendelnd, macht er mit, was Kiki so will, mal freiwillig, mal notgedrungen, aber all dies weil die Geschichte irgendwie weiter gehen muss, nicht weil sie oder der Charakter danach verlangt. Das wäre alles noch tatsächlich kurzweilige Oberflächlichkeit, wenn die obligatorischen Witzigkeiten Erhardts intensiver vertreten wären. Aber der ist zu sehr damit beschäftigt den verständnisvollen und leicht um den Finger zu wickelnden Fremden zu spielen, als dass seine Wortspielereien, Schelmereien und humorvollen Beobachtungen genügend Raum einnehmen würden, um all diese Banalitäten genügend auf 83 Minuten zu stützen. So macht man als Vielseher des beliebten Komikers sicherlich nicht viel falsch, Gelegenheitsgästen seiner Filme wird jedoch viel Geduld abverlangt innerhalb einer Geschichte, die kaum eine ist. Heile Welt und seichte Unterhaltung schön und gut, etwas weniger Episoden-haft und nachvollziehbarer hätte der Streifen dann doch für meinen Geschmack ausfallen können. OFDb
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
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20.12.2020
DER LETZTE FUSSGÄNGER (1960)
Die letzte Regie-Arbeit des langjährigen Filmschaffenden Wilhelm Thiele ist eigentlich ein typischer Heinz Erhardt-Film. Er kommt heiter daher, friedlich und oberflächlich, lässt echte Probleme außen vor und dient der simplen Unterhaltung für zwischendurch. Mit der Wanderthematik durch den Schwarzwald mischt diesmal ein Stück Heimatfilm mit, und letztendlich ist das alles zu simpel und zu zahm, als dass man "Der letzte Fußgänger" für irgendetwas bös sein könnte. Etwas aufregender hätte er meiner Meinung nach aber schon ausfallen können, dümpelt das Ergebnis doch zu seicht vor sich her, von einen Augenblick zum nächsten lebend, ohne wirkliches Interesse für das Fortschreiten der Geschichte zu entwickeln. Recht spät schleicht sich der Zusatzaspekt einer Foto-Reportage für die Zeitung ein, von welcher Gottlieb nichts ahnt, und die ihm ähnlich Schwierigkeiten bringt, wie der jugendliche Anhang (bzw. auch deswegen), aber ähnlich wie der geplante Marsch des Verfechters für Langsamkeit und Ruhe, so ist es ein weiter Weg bis zu diesem leicht aufpeppenden Aspekt und von da an bis zum Abspann ebenso.
23.09.2018
OTTO IST AUF FRAUEN SCHARF (1968)
Franz Antel ist ein berüchtigter Regisseur der extrem albernsten Zeit deutschsprachiger Komödien. Neben diverser Sexpossen gehen auch billigste Kalauerfilme wie "Musik, Musik, da wackelt die Penne" auf sein Konto, und gerade mit diesem verglichen darf man doch erleichtert feststellen, dass "Otto ist auf Frauen scharf" weit weniger penetrant daher kommt als dieser. Freilich erhält man dieses Bild durch den direkten Vergleich, das hier besprochene Werk ist noch immer recht derb, wie typische Komödienvertreter dieser Zeit, mit Klamauk aufgebauscht. Aber gerade mit Blick auf Hauptdarsteller Gunther Philipp, der immer gern zum argen Überagieren neigt, überrascht der zurückgefahrene Ton, was aber freilich nur jenen Menschen auffallen kann, die des öfteren in Filmen dieser Art unterwegs sind. Ganz im Gegenteil zu allen Vorurteilen ist es sogar Philipp selbst, der in seiner Rolle als Otto zu überraschen weiß. Es ist nicht so, dass er nicht auch hier viele Möglichkeiten für ein theoretisch unnötiges Affentheater ausnutzen würde, aber man erkennt in seinem Spiel, ja selbst sogar in seinem Klamauk ein echtes Verständnis für die Rolle die er verkörpert und das macht bereits viel am unerwarteten Gelingen des Streifens aus.
Gelingen ist vielleicht ein wenig zu hochgegriffen, immerhin ist dies ein Franz Antel-Film, und da werden schräge Possen gern mit Humor verwechselt, Geschichten undurchdacht erzählt und vieles andere findet ebenso dilettantisch statt. Aber "Otto ist auf Frauen scharf" ist trotz dieser Eigenarten irgendwie anders. Es weht eine gewisse Unschuld über dem Projekt, vielleicht ein wenig vergleichbar mit dem ebenfalls recht amateurhaft ausgefallenem "Die Supernasen". Sicherlich ist die hier besprochene Komödie meilenweit davon entfernt ein professioneller und tatsächlich funktionierender Film zu sein, aber seine Unbedarftheit besitzt einen gewissen Charme, mal ausgelöst durch die Naivität, mal durch überraschend kreative Ideen, dann wieder aufgrund der sichtbaren Spielfreude aller Akteure. Was über allem diesem steht ist eine kindliche Mentalität, in der alles nicht so ernst gemeint ist wie es andere Filmschaffende nehmen würden. Trotz allerlei nackter Tatsachen bleiben selbst die "Erotikszenen" zahm, der Extremhumor ist freilich gar infantil ausgefallen, ebenso die Geschichte, die keine ist.
Die schmeißt schnell das Konzept des biederen Mannes, der für promiskuitiv gehalten wird, über Bord, um einen völlig wirren, undurchdachten Plot zu servieren, in dem keine der vielen Figuren irgendetwas in der Hand hätte um die Geschehnisse bewusst zu lenken. Der Zufall schwebt tatsächlich über allem. Otto wird zum gesuchten Millionenbetrüger, sein alter Schulfreund landet in der Klappse, Verwechslungen wie diese finden sich im Minutentakt im Film wieder, stets völlig überkonzipiert eingebracht, und da man dementsprechend auch kein Gefühl für psychologische Glaubwürdigkeit besitzt, verliebt sich die US-Dame freilich in den Casanova, wissendlich dass er einer ist. Und auch der verknocherte alte Otto gewinnt am Ende das Herz seiner neuen, jungen und attraktiven Sekretärin. Denn "Otto ist auf Frauen scharf" ist ein filmisch gewordener Altherrenwitz, so grausig und sympathisch zugleich wie eben solche, dies aufgrund der hohen Naivität und des kindlichen Charmes der über allem weht und aus einer eigentlich unangenehmen Chose etwas liebenswertes entstehen lässt.
Immerhin ist der Film zahmer als der übliche Altherrenwitz, in manchen seiner Ideen überraschend treffsicherer als ein solcher, und so unbedarft und amateurhaft wie hier alles aneinander geleimt ist, kann man niemanden wirklich bös sein hier ein derart dilettantisches Werk auf die Nase gedrückt bekommen zu haben. Neben der sympathischen Hauptbesetzung mit Gunther Philipp sind es allerhand Nebenpersonen wie Hubert von Meryerinck, die für zusätzlich unschuldigen Charme sorgen. In einem Gastauftritt weiß auch der theoretisch völlig unwitzig und aggressiv komisch überdrehte Willy Millowitsch zu gefallen, was er der dazu passenden Inszenierung und dem Szenario in das er gepackt wurde zu verdanken hat, anstatt seinem überschätzten Talent. Und Heinz Erhardts Auftritt bildet wahrlich das Sahnehäubchen des Streifens, weiß aufgrund typischer Erhardt-Wortspielereien zu gefallen ("zahnlose Zuschauer") und aufgrund des kindlich anmutenden Parodie-Streiches rund um die Erfolgssendung "Wer bin ich".
Gerade hier findet sich konzentriert angegangen jene unschuldige, kindlich komische Rezeptur wieder, die auch auf den überraschend gut funktionierenden Gesamtfilm zutrifft, freilich nur wenn man über seinen eigenen Schatten springen kann und einem solchen Extremklamaukfilm, aus geradezu typischen Tagen dieser Gattung Kino, eine echte Chance geben kann, anstatt ihn von Anfang an als Trash abzustempeln. Mag einiges auch eher unfreiwillig komisch sein, darauf reduzieren sollte man den Film nicht. "Otto ist auf Frauen scharf" ist eine wundervolle Unverschämtheit, eine sympathische Dreistigkeit sich Film nennen zu dürfen, und ein Glücksfall für Antel trotz allem vorhandenen Dilettantismus doch noch (und weil es so ist) zu funktionieren, nicht jedoch aufgrund einer bewussten Handlung oder Denkweise von Antels Arbeit. Das Ergebnis ist dem Zufall geschult. Inmitten vieler ähnlich angegangener Projekte (auch von Antel selbst) hebt sich dieser Film auf ungewöhnliche Art von der restlichen Nerverei ab, obwohl alles dafür spricht, dass auch er ein solcher Kandidat ist. Manches muss man einfach auf sich wirken lassen und akzeptieren, anstatt verzweifelt zu analysieren was den Unterschied ausmacht. OFDb
Kategorien:
1960-1969,
Bill Ramsey,
Deutschland,
Filmbesprechung,
Franz Antel,
Gunther Philipp,
Heinz Erhardt,
Hubert von Meyerinck,
Komödie,
Österreich,
Rex Gildo,
unterhaltsam,
Willy Millowitsch
19.12.2015
NATÜRLICH DIE AUTOFAHRER (1959)
Um eine gelungene Komödie zu erzählen bedarf es nicht zwingend einer echten Handlung, erst recht wenn der Film hauptsächlich von einem Publikumsliebling getragen wird, in diesem Falle von Heinz Erhardt wie man ihn klassischer nicht erleben könnte. Zahme Scherze, Wortspielereien und kindlicher Schabernack gehören zum Grundprogramm des liebenswerten Grummelpeters, der in der Rolle des Verkehrspolizisten Dobermann selbst seiner besten Freundin per Sie, so als würde man sich nicht kennen, einen Strafzettel überreicht.
Von einem wirklichen Autohasser, wie über die Rolle Dobermanns oftmals berichtet wird, kann man nicht wirklich sprechen. Er besitzt lediglich kein Automobil und ist aufgrund einer Umleitung, die an seinem neu erworbenem Heim vorbei führt, wütend über den Krach den die Lastwagen verursachen (vom Schaden am Haus einmal ganz zu schweigen). Dass er gegen die Verlobung seiner Tochter ist, hat mit der frechen Art zu tun, die der Verkehrssünder bei Übergabe des Strafzettels an den Tag legte. Da kommen also ungünstige Umstände zusammen, welche die Meinung Dobermanns übers Auto falsch deuten lassen könnten.
Und eben weil Dobermann kein Autohasser ist, tritt der entscheidende Erzählstrang, dass er nun selbst einen Führerschein machen muss, erst so spät in Erscheinung, ist doch dieser Teil der Geschichte für die Gesamtheit gesehen ebenso unwichtig wie der Rest der Erzählung, kommt es doch eben nicht auf den roten Faden an, welchen „Natürlich die Autofahrer“ nur recht dünn besitzt, sondern auf das Zusammenspiel und die Sympathie der Figuren, die von einem Szenario zum anderen hüpfen, was immer irgendwie etwas mit Autos zu tun hat.
Dank gut aufgelegter Schauspieler und funktionierendem Humor ist das auch alles was der Film braucht um zu funktionieren. Die gelegentlichen Musikeinlagen wissen den Streifen zwar nicht positiv zu unterstützen, aber sie nerven auch nicht. Das Lied „Cowboy Mambo“ weiß zudem noch unfreiwillige Komik zu versprühen in einem Werk welches ansonsten gewollte Lacher erntet. Ruth Stephan, die mir in vielen anderen Rollen durch ihre viel zu überdrehte Art stets negativ aufgefallen ist, weiß in ihrer Rolle als nicht offiziell Angebetete Dobermanns ebenso zu gefallen wie die restliche Besetzung, und allein deswegen war „Natürlich die Autofahrer“ bereits einen Blick wert.
Nicht unerwähnt sollte der relativ kurze Auftritt von Trude Herr bleiben, die als Fahrlehrerin des späten Schülers friedlicher agiert als ich vermutet hätte. Aus welchen Gründen Dobermann die Prüfung besteht ist ein ähnlich konstruiertes Szenario wie der Rest des Streifens, aber auch ebenso lustig wie die anderen Momente dieses leichtfüßigen Filmes, der nicht wirklich etwas zu erzählen hat. Dementsprechend stört einen auch das etwas plötzliche, menschlich nicht ganz nachvollziehbare, Happy End nicht wirklich. Dass es eins geben würde stand nie zur Diskussion, und am Ende freut man sich ohnehin nur, dass dieser brave Nonsens so angenehm unterhalten hat. „Natürlich die Autofahrer“ ist aufgrund seiner schlichten Erscheinung kein Highlight am Komödienhimmel, für Heinz Erhardt-Interessierte gehört Erich Engels Regiearbeit jedoch zum Pflichtprogramm. OFDb
18.12.2015
MEIN MANN, DAS WIRTSCHAFTSWUNDER (1961)
„Mein Mann, das Wirtschaftswunder“ wird in einer DVD-Box als einer der großen Erfolge des Komikers Heinz Erhardt verkauft und beworben, und da erwartet man einen gewissen grundlegenden Charme, der die Komödien des heute noch so beliebten Mimen von unbedeutenden Beiträgen des Genres damaliger Zeit trennte. Da Erhardt jedoch nur eine relativ kleine Nebenrolle spielt, kann der Film von Regisseur Ulrich Erfurth die vorgegaukelten Erwartungen nicht erfüllen.
Da aber selbst der etwas wackelige „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ funktionierte, trotz selbigen Problems, muss das noch nichts heißen. Aber auch als Film für sich betrachtet, losgelöst von den Stärken Erhardts, will mir „Mein Mann, das Wirtschaftswunder“ so gar nicht gefallen. Viel zu verkrampft konstruiert empfand ich den Plot, ohne dass aus dessen Übertreibung und Realitätsferne Humor, Charme oder eine innereigene Logik geerntet werden konnte. Zudem nervte mich so ziemlich jede weibliche Rolle durch ihr schrilles Auftreten (was zu den viel zu schrillen Stimmen passte) und durch ein vorgelebtes Frauenbild, das unglaublich frech wirken will, das weibliche Geschlecht jedoch nur beleidigt.
Zwar kommt das Männerbild nicht viel besser weg, aber die Klischees in denen ihre Charaktere baden dürfen wirken verspielt, augenzwinkernd, provokativ und die kleine Rolle Heinz Erhardt betreffend aufgrund ihrer Schwächen sogar sympathisch. Leider sind dies keine Stärken die den Film tragen können, fehlt es der leichtfüßig erzählten Komödie doch an Würde und brauchbarer Witze, geschweige denn gut gesetzter Pointen. Eine Menge unnötiger Singsang gibt einem schließlich den Rest. Und wer glaubt Hansi Kraus wäre als Pepe Nietnagel in den Lümmel-Filmen bereits etwas zu gewollt auf dreist getrimmt worden, der sollte sich die Darstellung von Cornelia Froboess als unartige 16jährige im hier besprochenen Werk besser nicht antun.
Somit ist „Mein Mann, das Wirtschaftswunder“ nicht nur eine Heinz Erhardt-Täuschung, sondern auch eine komödiantische Enttäuschung, der es an so ziemlich allem fehlt was den Charme der damaligen Lustspiele ausgemacht hat. OFDb
Kategorien:
1960-1969,
Cornelia Froboess,
Deutschland,
Filmbesprechung,
Heinz Erhardt,
Hubert von Meyerinck,
Komödie,
Marika Rökk,
missglückt,
Musikfilm,
Wolfgang Völz
14.12.2014
SO EIN MILLIONÄR HAT'S SCHWER (1958)
Wie könnte ich eine Komödie nicht mögen, in welcher Peter Alexander und Heinz Erhardt vereint auftreten? Ein solcher Film ist ein Muss für Freunde nostalgisch deutscher und leichter Unterhaltung, und da stört es den Bewunderer dieser Stars von einst auch nur bedingt, dass „So ein Millionär hat‘s schwer“ nicht so gut ausgefallen ist, wie er es mit den beiden prominenten Zugpferden an Bord hätte werden können.
Nachdem ein Off-Kommentator mit schlechten Wortspielen eine Art Werbetext für ein französisches Urlaubsgebiet losgelassen hat, beginnt auch endlich einmal die Geschichte, mit welcher der Film besser direkt begonnen hätte. Oder auch nicht? Für unfreiwillig komische Lacher war der Beginn zumindest schon einmal sehr unterhaltsam. Und auch Alexanders oftmals peinliches Herumgehampel, während seiner meist uninteressanten und in die Geschichte nicht integrierten Lieder, wird im Laufe der Komödie noch so manches Mal den Zuschauer auf eine Art zum Schmunzeln bringen, die so sicherlich nicht gedacht war. Aber das degradiert den Streifen noch nicht zu reinem Trash wie beispielsweise „Hurra, die Schule brennt“.
„So ein Millionär hat‘s schwer“ weiß auch aufgrund seiner Stärken zu gefallen, und das sind u.a. die Sympathie der Stars, ihre lockerflockige Spielfreude und der augenzwinkernde Grundgedanke, dass ein Tunichtgut daran glaubt als Millionär keine Chance gehabt zu haben so etwas wie Arbeit zu erfahren. Ein solches Beispiel zeigt wie verspielt man einen an sich trivialen Stoff mit einem etwas anderen Blick auf die Dinge bereichern kann. Der freche Umgang der beiden Stars mit ihren meist dekadenten Mitmenschen bietet genug Grundlage hierfür. Wieviel Einfluss Alexander und Erhardt auf ihre Texte hatten, ist mir nicht bekannt. Aber Erhardt klingt in seiner Art Humor zumindest so stark nach Erhardt, dass ein Grad Mitspracherecht oder gar Improvisation eigentlich mit an Bord gewesen sein muss.
Auch ein Blick auf das Drehbuch stützt eine solche Vermutung, ist der Stoff doch eigentlich arg plump zusammengezimmert und löst die Geschichte doch die aufgebauschten Probleme viel zu schlicht auf. Nicht einmal der Bösewicht des Streifens wird gelungen abserviert. Auch der Prozess wie Peter Collins und seine Angebetete zusammen kommen ist überstürzt erzählt und dabei keinesfalls so hinreißend ausgefallen wie es beispielsweise im ebenfalls leichtfüßig erzählten „Hilfe, meine Braut klaut“ der Fall war.
Es ist wie gesagt das Glück des Filmes, dass er seine beiden Stars besitzt, die immer genug zu retten wissen, um „So ein Millionär hat‘s schwer“ kurz vor dem Kentern zu retten. Dementsprechend leisten die beiden Promis jedoch nur Reperaturdienste, anstatt eine sympathische Grundlage zum glänzen bringen zu können. Schade, aber immerhin schaffen sie es, dass man auf die hier besprochene Komödie erfreut zurückblickt, auch wenn sie so manches Mal, hauptsächlich während der unangenehmen Musikmomente, genervt hat. Einzig das Duett „Tun sie‘s nicht“, in welchem Heinz Erhardt und Peter Alexander gemeinsam singen, hebt sich von den anderen melodischen Momenten erfreulich ab, was aber nicht nur an der Lustigkeit des vorgetragenen Songs liegt, sondern auch daran, dass dieser nicht nur billig heruntergeträllert wurde, sondern auch Situationskomik beinhaltet und zudem in den Handlungsverlauf integriert wurde.
Der geht gegen Ende gar mutige Wege, wenn die Geschichte freiwillig alberner wird als zuvor. Warum plötzlich von einem Gefängnisaufenthalt der sehr anderen Art erzählt wird, werden nur die Beteiligten des Filmes wissen, denn nötig und sinnvoll ist es für die Geschichte nicht - witzig aber allemale. Die Leichtigkeit, die der Streifen mit diesem Nonsens gewinnt, tut ihm sichtlich gut und sorgt dafür, dass kurz vor Schluss bei der ansonsten vorhersehbaren Geschichte nicht die Luft ausgeht. Somit schafft es der etwas wackelige „So ein Millionär hat‘s schwer“ bis zum Schluss unterhaltsam über die Ziellinie. OFDb
07.09.2012
DER MÜDE THEODOR (1957)
Rosa Hagemann, welche die Marmeladenfirma ihres Vaters geerbt hat,
ist verärgert. Immer wieder gibt ihr Ehemann Theodor Geld für erfolglose
Künstler aus. Als sie auf Geschäftsreise muss, streicht sie ihm
deswegen alle finanziellen Mittel, und das gerade jetzt, wo Theodor eine
junge Musikerin unterstützen muss, damit sie nicht ihr Klavier
verliert. Geld ist dank des Pfandhauses schnell aufgetrieben, doch um
die Wertgegenstände pünktlich genug vor der Rückkehr von Rosa zurück
kaufen zu können, nimmt Theodor einen Nachtjob in einem Hotel an. Dies
stellt sich als eine Entscheidung mit allerhand Verwicklungen heraus, in
deren Verlauf auch sein Neffe, seine Tochter, deren Verlobter und die
unterstützte junge Musikerin für Verwirrungen und Schwierigkeiten
sorgen...
Der bemühte Theodor...
21 Jahre nach dem gleichnamigen Original schlüpfte Heinz Erhardt in die Rolle von Weiß-Ferdl und mimt Theodor Hagemann, die Hauptfigur dieses Filmes nach einem Bühnenstück. Dies orientiert sich wie so viele Lustspiele an den Irrungen und Verwirrungen einer banalen Grundlage, was allgemein als beliebtes Rezept gilt.
„Der müde Theodor“ erweist sich jedoch selbst in seiner Nische der leichten Unterhaltung als besonders trivial, sind im Gegensatz zu solch netten Verwirrspielen wie beispielsweise in „Der große Blonde auf Freiersfüßen“ und "Schäm Dich, Brigitte!" die Verwechslungen doch arg konstruiert, während Situationen, in denen die Wahrheit ans Tageslicht zu kommen droht, sehr banal gelöst werden, manchmal, wenn auch überraschend, verfrüht durch tatsächliches Entdecken der Wahrheit.
Dass diese Lightversion eines ohnehin schon leichten Sub-Genres trotzdem kurzweilig zu unterhalten weiß, ohne den Zuschauer komplett zu unterfordern, liegt an der gelungenen Besetzung, allen voran freilich Heinz Erhardt, der von all seinen Künsten etwas zum besten geben darf. Neben der Schauspielerei darf man sich einige seiner Kurzgedichte anhören, und gesungen wird natürlich auch, was sich trotz der hervorgehobenen Künstlerthematik glücklicher Weise in Grenzen hält, wahrscheinlich da dieser Bereich nur die Grundlage dessen bietet, worauf die eigentliche Geschichte erst aufbaut.
Regie führte Géza von Cziffra, der allerhand Filme mit Peter Alexander drehte („Kriminaltango“, „Peter schießt den Vogel ab“, ...). Auch mit Heinz Erhardt verwirklichte er den ein oder anderen Film, und in „So ein Millionär hat‘s schwer“ brachte er beide Schauspieler zusammen unter. Ein Jahr nach „Mädchen mit schwachem Gedächtnis“, einer Zusammenarbeit mit Heinz Erhardt, drehte er „Der müde Theodor“, und dass immer wieder feste Schauspieler zu den Arbeiten des von Cziffra zurückkehrten, mag ein Ansatz auf die Frage sein, warum ein so triviales Werk wie das hier besprochene, doch noch als amüsant durchgeht. Das Team vor und hinter der Kamera schien zu passen, und so etwas sieht man dann auch dem fertigen Film an.
Seine Schwächen kann er deshalb jedoch nicht verschleiern. Gerade manch inhaltliche Lücke am Schluss weiß ein klein wenig zu verärgern. Dass der Drachen, die böse Ehefrau (ein typisches Klischee seiner Zeit) mit Narkosemitteln betäubt wird, um ihr eine Psychose zu unterstellen, ist schon harter Tobak. Dass sie den Braten jedoch gerochen hat und in ihrer Rolle als Hausfrau nun komplett aufgeht (Man beachte! Sie leitete zuvor einen Konzern), guckt sich in heutigen Zeiten der Emanzipation jedoch besonders fragwürdig. Ärgerlich ist jedoch die eben vorangekündigte Lücke, die sich daraus ergibt. Mit diesem heute so besonders bitter wirkenden Trick umgeht man mal eben das klärende Gespräch zwischen den beiden Kontrahenten, das aufgrund der vorangegangenen Geschehnisse recht schwierig anzugehen gewesen wäre.
Auch der ausgetrickste Schwiegersohn erlebt keine Wiedergutmachung des Verbrechens seines Vaters und hat sich wohl mit der Karriere in der Keksfabrik abgefunden. Eigentlich wollte er sich beruflich musikalisch orientieren. Wahrscheinlich dachte sich der Autor des Films, sein in die Geschichte am Rande eingebrachter Nebenkommentar würde als Wiedergutmachungen reichen, in welchem es heißt, ein Experte habe dem Vater bestätigt, dass der Sohnemann ohnehin kein Talent besitzen würde. Eine faire Chance hätte der gute Mann aber dennoch verdient, oder? Und das ist gerade in einer Geschichte eine Lücke, in welcher die Hauptfigur Sympathie erfährt durch seine Unterstützung erfolgloser Künstler, die oft auch aus gutem Grund erfolglos sind. Mehr noch, Theodor wird durch diese Charaktereigenschaft nicht nur zum Sympathieträger, sie soll auch gleichzeitig als Legitimation all seiner gebrochenen und gedehnten Gesetze dienen. Da beißt der Film quasi seine eigene Philosophie.
Aber „Der müde Theodor“ ist nun einmal Trivialunterhaltung und nicht Goethe, und deswegen kann man trotz alledem ein Auge zudrücken, sich quasi so verhalten wie alle Figuren dieses Filmes. Eine geistige Verwandtschaft zum Zuschauer wird also vorausgesetzt. Zufrieden ist am Ende nur der, der die Mentalität des Streifens zu teilen weiß, zumindest einem schlichten Film gegenüber, der keine Kunst sein will und deswegen auch nicht wie Kunst behandelt werden will. Etwas mehr Mühe hätte man sich an den von mir kritisierten Stellen aber trotzdem ruhig geben können. Dann würde „Der müde Theodor“ an manchen Stellen nicht so bemüht wirken wie seine Titelfigur, die allerhand auf sich nimmt für etwas, das ihr eigentlich egal sein könnte. OFDb
Aber „Der müde Theodor“ ist nun einmal Trivialunterhaltung und nicht Goethe, und deswegen kann man trotz alledem ein Auge zudrücken, sich quasi so verhalten wie alle Figuren dieses Filmes. Eine geistige Verwandtschaft zum Zuschauer wird also vorausgesetzt. Zufrieden ist am Ende nur der, der die Mentalität des Streifens zu teilen weiß, zumindest einem schlichten Film gegenüber, der keine Kunst sein will und deswegen auch nicht wie Kunst behandelt werden will. Etwas mehr Mühe hätte man sich an den von mir kritisierten Stellen aber trotzdem ruhig geben können. Dann würde „Der müde Theodor“ an manchen Stellen nicht so bemüht wirken wie seine Titelfigur, die allerhand auf sich nimmt für etwas, das ihr eigentlich egal sein könnte. OFDb
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